* Igntelligenz-Blatt fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. 0 . I. Mittwoch den A4. Januar 1854. — —— Das„Jutelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen“ erſcheint auch im Jahr 1854, wie bisher jeden Mittwoch und Samſtag. Der Abonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt, bei der Expedition 1 fl. 12 kr., für ½ Jahr 40 kr.— bei allen zum Fürſtl. Thurn und Taxisſchen Verwaltungsbezirke gehörigen Poſtämtern nach der neueſten Verfügung pr. Jahr I fl. 30 kr. und pr. Semeſter 45 kr. Die ſeitberigen Durch die ſehr ſtarke Auflage des Verbreitung. Die Einrückungsgebühren betragen für die geſpaltene * werden mit 7 kr. und ein Beleg mit 2 kr. berechnet. Friedberg. Abonnenten wollen ihr Abonnement zeitig erneuern, damit die Zuſendung keine Unterbrechung erleidet. „Intelligeuzblattes“ finden Anzeigen der verſchiedenſten Art die vortheilhafteſte Petitzeile, oder deren Raum 2 kr., die beiden erſten Zeilen zuſammen aber Die Expedition des Intelligenzblattes. Amtlicher Theil. Das Großherzoglich Heſſiſche 1 1. 7 1** Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Das Mitnebmen ſchulpflichtiger Kinder auf Reiſen, bier insbeſondere das von der Königlich Baperiſchen Staats- regierung erlaſſene Verbot. Das in obigem Betreff erlaſſene Miniſterialausſchreiben theile ich Ihnen zur Nachricht und Nachachtung nachſtehend in Abdruck mit. Friedberg den 21. Dezember 1853. Müller. Das Großh. Miniſterium des Innern an ſämmtliche Gr. Kreisämter. Unter Bezugnahme auf unſer Ausſchreiben vom 23. v. M. zu No. D. 14,938, ſetzen wir Sie hiermit in Kennt niß, daß auch die Gr. Badiſche Regierung ſämmtliche Poli⸗ zeibehörden angewieſen hat, das Reiſen ſchulpflichtiger Kinder oder ſolcher, welche dieſes Alter noch gar nicht erreicht haben, mit Kleinhändlern, Schauträgern und ähnlichen In⸗ dividuen nicht mehr zu geſtatten und im Falle ſolche im Lande betreten werden, ſogleich auf der nächſten Route über die Grenze in ihre Heimath zu verweiſen. Inländer der bezeichneten Art, welche in das Groß⸗ herzogthum Baden reiſen wollen, werden Sie auf dieſe Be— ſtimmungen aufmerkſam machen und die für dieſelben aus— zuſtellenden Reiſelegitimationen nicht auf deren Kinder von dem bemerkten Alter ausdehnen. Darmſtadt am 16. Dezember 1853. v. Dal wigk. v. Lehmann. Der Ehrenpunkt. Erzählung eines Engländers. Eines Abends— es war im Herbſte 1842— ſaßen wir unſerer ſieben Perſonen, meine Wenigkeit mit einbe⸗ griffen, unter fröhlichem Scherz und Plaudern in heiterſter Stimmung vor dem Landhauſe des Senor Arguellas, in der Nachbarſchaft von Sautiago de Cuba, in der ͤͤſtlichen Intendencia der genannten Inſel, die man nicht umſonſt die Königin der Autillen nennt,— als in unſerm Kreiſe ein Vorfall ſich ereignete, welcher die darin herrſchende heitere Froͤhlichkeit plotzlich ſo gänzlich verſcheuchte, als ob unverſehens eine Granate matten unter uns zwiſchen unſeren Füßen explodirt ware. Um aber den Vorfall ſelber recht zu verſtehen, dürfte eine vorhergehende Schil⸗ derung der ſieben hier verſammelten Perſonen und der Urſachen ihres Zuſammentreffens an dieſem Orte ſehr am Platze ſein. Es waren unter uns drei Amerikaner— gewiegte Kaufleute aus den ſüdlichen Staaten, die in ausgedehnten Handelsverbindungen mit dem kolumbiſchen Archipel und den kleinen Antillen ſtanden und beabſichtigten, am folgen⸗ den Morgen bei günſtigem Wind und Wetter in dem Barkſchiff„Neptun,“ deſſen Kapitän und Miteigenthümer ein Engländer Namens Starkey war, nach der Morant Bay auf Jamaika abzuſegeln. Ein Vierter war Lieute⸗ nant in der ſpaniſchen Artillerie und Neffe unſeres Wirthes; ein Fünfter war ein Senor Dupont, ein junger, reicher Creole von gemiſchter franzöſiſcher und ſpauiſcher Abſtam— mung und, wie allgemein angenommen wurde, der be— günſtigte Bewerber um die Hand der Dona Antonia, Tochter und alleinigen Erbin des Senor Arguellas, eines wunderlieblichen ſchmucken Mädchens von achtzehn Jahren (allerdings ſchon ein ziemlich reifes Alter in einem ſo frühreifen Klima). Der ſechſte Gaſt war unſer Kapitän Starkey vom„Neptun“, ein ſchoͤner kräftiger Seemanu von feinen Manieren und ſeltener Bildung, ein wahrer Gentleman von etwa dreißig Jahren. Der ſiebeute und 2 E etzte war meine Wenigkeit, damals noch ein ſehr junger Mensch und kaum erſt von einem heftigen Krankheitsan⸗ fall geneſen, welcher ein Jahr zuvor mich zu einer Ueber⸗ ſiedelung von Jamaica nach dem Klima von Cuba ge⸗ nöthigt hatte, welches milder und gleichmäßiger iſt, obwohl die beiden Inſeln nur etwa funf Grade von einander ent⸗ fernt ſind. Ich gehörte ebenfalls zu Kapitän Starkey's Paſſagieren, und ſo auch Senor Arguellas, der einige Geſchaͤfte in Kingſton abzumachen hatte. Der Letztere reiſte im Geleite ſeiner Gattin Senora Arguellas, ſeiner Tochter Antonia, des jungen Lieutenants und des Senor Dupont. Der„Neptun“ hatte eine reiche Ladung von verſchiedenen engliſchen Waaren, Kattunen, Eiſen- und Stahlwaaren u. ſ. w. nach Cuba gebracht, und kehrte nun nur etwa mit halber Ladung an Waaren zurück. Unter dieſen befanden ſich und gehörten den amerikaniſchen Kaufleuten, eine Anzahl Fäßchen mit Schießpulver, wel⸗ ches die Eigenthümer in Cuba nicht hatten verkaufen können, und für das ſie nun in Jamaica eher einen be⸗ friedigenden Markt zu finden hofften. Da Kapitän Star⸗ key's Fahrzeug trefflichen Kajütenraum bot und das wun— derſchöne Wetter eine ebenſo angenehme als kurze Fahrt verſprach— der Wind hatte nach Nordweſten umge— ſchlagen und ſchien ſich eine Zeitlang auf dieſem Striche halten zu wollen,— ſo waren wir Alle, wie ich ſchon erwähnt, in ausnehmend heiterer Stimmung, und plau— derten über die beabſichtigte Fahrt, über cubaniſche, ame— rikaniſche und europäiſche Politik, ſtritten uns über den vergleichsweiſen Vorzug der franzöſiſchen und ſpaniſchen Weine, der Havana- und Alabama-Cigarren und Aehn⸗ liches, mit unbeſchreiblicher Lebhaftigkeit und Luſtigkeit. Ueberdieß war der Abend koͤſtlich klar und prachtvoll. Der Abendwind war am Lande gerade nur ſtark genug, die reiche und duftende Vegetation der ſich vor uns aus— dehnenden herrlichen Thäler in Bewegung zu ſetzen, ſachte die wein⸗erhitzten Geſichter der Geſellſchaft mit den Wohl— gerüchen zu fächeln, womit die Atmoſphäre geſchwängert war, und die Waſſer der krümmungsreichen Flüßchen und Bäche zu kräuſeln, welche die Inſel nach allen Richtungen hin durchſchneiden und bewäſſern, und auf deren Wellen nun in magiſchem Glanze die Spiegelbilder jener Myria— den prächtig⸗leuchtender Sterne zitterten, welche eine helle Nacht an Cuba's Himmel zieren. Beinahe alle Gäſte hatten ziemlich viel Wein getrunken, ja beinahe zu viel; allein die Unterhaltung, welche in franzöſiſcher Sprache geführt wurde, die beinahe alle Anweſenden ziemlich fertig ſprachen, entweihte die ſtille Glorie dieſer Nacht nicht eher, als bis uns Senora Arguellas mit ihrer Tochter ſchon eine Zeitlang verlaſſen hatte. Ich hätte ſchon früher melden ſollen, daß der Hausherr durch Geſchäfte in der Stadt zurückgehalten worden war, welche er vor ſeiner Abreiſe nach Jamaica nothwendig noch hatte ordnen müſſen. — Der Abſchied, welchen die Damen von unſerm Kapitän genommen, mochte die erſte Anregung zu der Scene ge— geben haben, welche ſpäter erfolgte. Senora Arguellas batte nämlich, als ſie ſich zum Weggehen anſchickte, zu Kapitän Starkey geſagt:„Verlaſſen Sie gefälligſt unſer Haus nicht, bevor ich Sie noch einmal geſprochen. Wenn Sie einen Augenblick frei haben, ſo belieben Sie nur die Tiſchglocke zu rühren, und eine Dienerin wird mir's dann melden. Ich wünſchte ſehr, wegen der Kajüten-Einrich— tungen noch Einiges mit Ihnen zu beſprechen!“— Ka⸗ pitän Starkey verbeugte ſich gehorſam; Antonia lächelte ihm ſo freundlich zu, wie ich es bisher noch niemals an ihr bemerkt zu haben wähnte, und die beiden Damen ver⸗ ließen die Verandah. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie es kam oder was zuerſt darauf fuͤhrte, allein wir Alle bemerkten binnen Kurzem, daß die Unterhaltung einen ſehr wider⸗ wärtigen Ton angeſchlagen und eine unbehagliche Wen⸗ dung genommen hatte. Mir war, als habe etwa Senor Dupont ſich einigermaßen gekränkt gefühlt von dem allzu— freundlichen Ausdruck in Antonia's Zügen, als ſie ſich von Starkey verabſchiedete; wenigſtens möchte ich mich über⸗ reden, daß alle nachherigen Widerwärtigkeiten offenbar aus dieſer Urſache entſprangen. Der Kommandant des „Neptun, hatte ſich nämlich bereit erklärt, mehrere Fa— milien freier Neger nach Jamaica hinüber zu nehmen, wo die Dienſte der Männer, die für ſehr geſchickte Arbeiter auf Zuckerrohr-Pflanzungen galten, zu weit höherem Lohn verdingt worden waren, als ſie auf Cuba hätten bekom— men koͤnnen, wo dieſe Arbeiten meiſt von Sclaven beſorgt werden. Die amerikaniſchen Herren hatten ſich ſchon zu— vor mißbilligend über dieſe Anordnung ausgeſprochen, und wurden nun in der That faſt allzu freigebig mit Stiche— leien und Spottreden auf Kapitän Starkey's Neger⸗ Grundſätze, wie ſie ſcherzweiſe die ſehr gemäßigte Vin— diction der Rechte und Anſprüche der farbigen Menſchheit als der von Brüdern nach Leib und Seele gegenüber von der weißen Bevölkerung nannten. Dieß würde aber meiner Anſicht nach vielleicht unbemerkt vorübergegangen ſein, hätte nicht der Kapitän unglücklicherweiſe und ſehr zur Unzeit erwähnt, daß er früher als Seekadett(midship- man) an Bord des engliſchen Kreuzergeſchwaders zur Unterdrückung des Sclavenhandels gedient habe. Dieß fachte bei Senor Dupont den unter der Aſche glimmenden Unmuth zur hellen Flamme an, und ich entnahm aus ſeinen halblauten Verwünſchungen, daß er durch die pflicht— treuen Dienſte dieſes Geſchwaders auch ſchon materielle Verluſte erlitten habe. Ein Sturm zorniger Worte brach aus und leidenſchaftliche Reden des Unmuths flogen hin und her, denn die Motive der Engländer, dem Sclaven— handel zu ſteuern, wurden von der einen Seite mit ebenſo viel verächtlicher Bitterkeit heruntergeſetzt, als auf der andern Seite warm und mit Hartnäckigkeit vertheidigt. Endlich— ich darf es zur Steuer der Wahrheit nicht unerwähnt laſſen, daß Beide allzuſehr von Wein und Leidenſchaft aufgeregt waren, um noch recht zu wiſſen, was ſie ſagten oder thaten,— ließ ſich Dupont beigehen, der Königin von England ein ehrenrühriges Beiwort zu geben, worauf ihm augenblicklich Kapitän Starkey ein Weinglas ſammt Inhalt in's Geſicht warf. Im Nu waren alle Anweſenden aufgeſprungen, und durch dieſen verhäng— nißvollen Ausgang des Wortwechſels ſo ziemlich oder ganz nüchtern geworden. Kapitän Starkey ſchien ſich zuerſt zu faſſen; ſein zorniges weingeröthetes Geſicht war augenblicklich ganz blaß geworden, und er ſtammelte:„Ich bitte Sie um Verzeihung, Monſieur Dupont. Es war Unrecht, ſehr Unrecht von mir, Ihnen ſo zu begegnen, obwohl meine Handlungsweiſe in Ihrer Aeußerung einige Entſchuldigung finden wird!“ „Verzeihung? Mille tonnerres!“ rief Dupont, der in einer Ekſtaſe von Wuth herumſprang und ſich mit dem Taſchentuch das Geſicht abwiſchte.—„Ja, eine Kugel vor die Stirn ſoll Ihnen Verzeihung geben,— ſonſt Nichts!“ In der That erſchien nach den damaligen Begriffen von Ehre, wie ſie unter der gebildeten Welt von Cuba im Schwange gingen, zur Beilegung des Sreites keine andere Alternative möglich als ein Duell. Lieutenant Arguellas eilte alsbald in's Haus und kehrte ſogleich wie— der mit einem Piſtolenkäſtchen unter dem Arme zurück. „Laſſen Sie uns ſogleich in jenes Wäldchen gehen!“ ſagte er leiſe und drängend;„dort werden wir vor jeder Ueber— mit giftige ballten Fa Das zuſamment Leidenſchaf einen Scht waltſam u ich muß ei thätlich zu Ruge verk werde mit „Si geben!“ grimmt w nicht nur pitän St Klingel, Arguellas die Dame „Si Triumph, Schutz der „Ich Ergländer Hamiſch da neine Hein 9 mir uus, leute dg Da trat, ſo 1 II 88 raſchung ſicher ſein!“ Damit nahm er Dupont am Arme und Beide wollten ſich entfernen. Gleichzeitig trat Mr. Desmond, der Aelteſte der drei Amerikaner, auf Kapitän Starkey zu, der ſeine Faſſung wieder gewonnen hatte und mit verſchränkten Armen am Tiſche ſtund, und ſagte zu ihm:»Ich bin in derlei Dingen nicht ganz unerfahren, guter Sir, und wenn ich Ihnen jetzt dienen kann....“ „Ich danke Ihnen, Mr. Desmond, aber ich werde Ihres Freundſchaftsdienſtes nicht bedürfen, erwiderte der engliſche Kapitän.„Sie moͤgen ebenfalls hier bleiben, Lieutenant Arguellas! Ich bin kein Raufbold und werde mich nicht mit Mr. Dupont ſchlagen!“ a „Was ſagt er?“ rief der Lieutenant und ſah ſich erſtaunt im Kreiſe um,—»er will ſich nicht ſchlagen?- Ich bemerkte, daß in dieſem Augenblick das angel— ſäͤchſiſche Blut in den Adern der Amerikaner ebenſo heiß aufwallte, wie in den meinigen, als wir Einen unſeres Stammes ſo das Haſenpanier ergreifen ſahen.„Wie? Sie werden ſich nicht ſchlagen, Kapitän Starkey?“ fragte Mr. Desmond mit ſehr bedeutſamem Ernſte nach einer peinlich⸗langen Pauſe.„Das erklären Sie, deſſen Namen in der Liſte der koͤniglich großbritanniſchen Kriegsflotte läuft? Sie müſſen wahrlich ſpaſſen?“ 5 „Ich rede vollkommen im Ernſte— ich bin aus Grundſatz ein Gegner des Zweikampfs!“ „Aus Grundſatz eine Memmel“ rief Mr. Dupont mit giftigem Hohn und drohte dem Engländer mit der ge— ballten Fauſt. a 2 Das verächtliche Schimpfwort machte den Kapitän zuſammenbeben wie ein Schlangenbiß; ein Blitz wilder Leidenſchaft ſchoß aus ſeinen dunkeln Augen und er machte einen Schritt gegen Dupont hin, bemeiſterte ſich aber ge⸗ waltſam und ſagte mit mühſam erzielter Ruhe:„Jenun, ich muß es hinnehmen. Es war Unrecht von mir, Sie thätlich zu kränken, obſchon Ihre Unverſchämtheit eine Rüge verdiente. Allein ich wiederhole es nochmals, ich werde mich nicht mit Ihnen ſchlagen!“ „Sie müſſen aber meinem Freunde Genugthuung geben!“ rief Lieutenant Arguellas, der ebenſo ſehr er⸗ grimmt war wie Dupont;„wo nicht, ſo werde ich Sie nicht nur auf dieſer Inſel, ſondern auch auf Jamaica oͤffentlich für den feigſten Schuft erklaren!“ g Statt aller Antwort auf dieſe Drohung rührte Ka— pitän Starkey kaltblütig die auf dem Tiſche ſtehende Klingel, und hieß die eintretende Sclavin die Senora Arguellas benachrichtigen, daß er ſich verabſchieden und die Dame vom Hauſe noch einmal ſprechen wolle. 2 „Sieh nur, Alfonſo!“ rief Dupont mit hoͤhniſchem Triumph,„der tapfere Engländer will ſich unter den Schutz der Unterröcke Deiner Tante begeben „Ich muß zwar bezweifeln, ob Mr. Starkey ein Engländer iſt,“ rief Mr. Desmond, der nicht minder in Harniſch gerathen war, als die beiden Freunde;„allein da meine Eltern wenigſtens unzweifelhaft in der alten Heimath geboren und erzogen worden waren, ſo bitte ich mir aus, daß Sie ſich nicht herausnehmen, meine Lands— leute als Volk....“ Da Senora Arguellas in dieſem Augenblicke zu uns trat, ſo bezwang ſich Mr. Desmond nur mit großer Muͤhe; die Dame ſchien ſehr betroffen über dem ſeltſamen Ausſehen der Geſellſchaft, die ſie juͤngſt erſt verlaſſen hatte, führte aber den Kapitän auf deſſen Bitte in's Haus, und ließ die ubrigen Gäſte ihres Hauſes wie an— gewurzelt ſtehen. Zehn Minuten ſpäter erfuhren wir, Starkey habe das Haus verlaſſen, nachdem er der Senora Arguellas noch mit aller Beſtimmmtheit aufgegeben, uns zu melden, daß der„Neptun“ am nächſten Morgen um neun Uhr unfehlbar unter Segel gehen werde. Dieſe Nachricht rief einen neuen Streit und in deſſen Gefolge einen Strom von bittern Worten des Grolls, der Verachtung und des Trotzes unter den Zurückgebliebenen hervor, und einmal ſchien ein Duell zwiſchen Lieutenant Arguellas und Mr. Desmond unvermeidlich, da der letztgenannte Herr große Luſt an den Tag legte, den Einen oder den Andern zur Sühne und Rechtfertigung ſeiner eigenen angelſächſiſchen Abkunft in die Ewigkeit zu ſpediren. Der Zank wurde übrigens beigelegt, und die Geſellſchaft trennte ſich ſehr verſtimmt. Am nächſten Morgen waren wir Alle zur anbe⸗ raumten Zeit an Bord. Kapitän Starkey empfing uns mit höflicher Gleichgültigkeit, und ich bemerkte, daß der gefliſſentliche verachtliche Hohn, welchen Dupont und der Lieutenant in ihren Geſichtern zur Schau trugen, den Kapitän nicht im Mindeſten unmuthig machten oder über— haupt afficirten. Als aber Dona Antonia mit abge— wandtem Blick und verächtlicher Miene an ihm vorüber— ging, wie ſie mit Senora Arguellas in die Kajüte trat, und im Vorübergehen ihre Mantille feſter anzog, als wollte ſie(denn ſo deutete ich mir, vielleicht mit Unrecht, ihre Bewegung) ſich nicht durch die Berührung mit einem Feigling beſchmutzeu, da ſtieg ihm das Blut in's Geſicht, und ich ſah ihn zuſammenbeben. Allein dieſer Ausdruck von Schmerz war ein ſehr flüchtiger, und nach wenigen Minuten waren des Kapitäns Züge wieder ſo ernſt und kalt wie zuvor. Es zeigte ſich aber bald, daß er der gegen ihn zu Tage gelegten Geringſchätzung eine gewiſſe Grenze gezogen. Dupont trat nämlich auf ihn zu und gab ſeinen Gedanken lauten Ausdruck, indem er, hörbar genug für einige Matroſen der Bemannung, die in der Nähe ſtanden, das Wort„Lache!“ ausſprach und dabei dem Kapitän feſt in's Geſicht ſah. Er wäre an Starken vorübergegangen, allein dieſer hielt ihn wie mit eiſernem Griffe feſt, drehte ihn wieder um und ſagte:„Ecoutez. Monsieur! mir perſönlich iſt es ganz gleichgültig, was Sie von mir denken und ſagen; allein ich bin auf dieſem Schiffe Kapitän und Regierender, und werde Niemanden erlauben, mich vor der Mannſchaft zu höhnen und dadurch meine Autorität über dieſelbe zu verringern. Erdreiſten Sie ſich noch einmal, mir ſo zu begegnen, ſo ſperre ich Sie in einſame Haft, wo nicht gar in Eiſen, bis wir in Jamaica ankommen!“ Damit ſchob er ſeinen ſehr betre— tenen Zuhörer von ſich, und ging nach dem Vordertheile des Schiffs. Die Paſſagiere, Farbige ſowohl als Weiße, waren Alle an Bord; der bereits gelichtete Anker wurde heimgebracht, der Bug des Schiffes drehte ſich langſam, und binnen wenigen Minuten liefen wir vor einem leichten Winde aus und ſegelten der Morant-Spitze zu. (Fortſetzung folgt.) Bekanmmachungen von Be⸗ dem Soumiſſionswege vergeben werden. Die . Bedingungen können 3 Tage vorher auf dem Geſchäftszummer des Unterzeichneten eingeſehen Die Soumiſſionen müſſen ſchriftlich, ſowie mit der Aufſchrift e „Brodlieſerung betreffend“ verſehen, langſtens Das Großh. Heſſ. Bergamt Dorbeim bis zu dem oben bemerkten Termine an unter— zeichnete Behoͤrde abgegeben werden, indem hoͤrden. SNN NMNN NN Bekanntmachung. (10 Freitag den 6. Januar 1854, Vor⸗ mittags 10 Uhr, ſoll der Brodbedarf der Dor— heimer Bergknappſchaft bis Oſtern 1854 auf werden. verſiegelt und frei, ſpäter einlaufende nicht berückſichtigt werden. Die Eroffnung derſelben erfolgt in Gegenwart der etwa erſchienenen Soumittenten. Dorbeimer Bergwerk den 28. Dezember 1853. Jäger, Gr. Bergmeiſter. „ 4. Aufforderung. Gerichte ſogewiß anzumelden, als ſonſt der be⸗ (2) Das Echenchm von 1 agna- reits ausgeſertigte Kaufbrief ohne Vorbehalt tiſchem Conſenz von dem Hrn. Grafen Ferdi⸗] beſtätigt werden wird. nand Maximilian zu Jſenburg und Büdingen Butzbach den 21. Dezember 1853. f in Wächtersbach verkauften, in der Gemarkung Gr. Heſſ. Landgericht Bönſtadt gelegenen Grundſtück Ebel. Flur 1 No. 22, Unn urkundlich nicht nachgewieſen werden. Etwaige Eigenthums⸗Anſprüche daran ſind binnen 3 Monaten geltend zu machen, widri⸗ genfalls der Erwerbtitel den Käufern Karl Friedrich Heimburgs Erben in Bönſtadt im Mutations⸗Verzeichniß zugeſchrieben werden ſoll. Altenſtadt den 28. November 1853. Großberzogl. Landgericht Gilmer. Faſelochsverſteigerung. (J) Freitag den 6. Januar 1854, Vormittags 10 Uhr, ſoll ein der Gemeinde Oſſenheim ge— höriger ſchlachtbarer Faſelochſe in der Behau⸗ ſung des Gaſtwirths Stumpf dahier öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Ofſenheim den 29. Dezember 1853. Der Großberzogl. Bürgermeiſter ee Obligations-Verlooſung. (5) Bei der heute ſtattgehabten Verlooſung der Partialobligationen wurde die Nummer 15 von 300 fl. gezogen und zur Rückzahlung auf den 1. April 1854 beſtimmt. Es wird der Inhaber derſelben hierdurch aufgefordert den Betrag gegen Einhändigung der Obligation in dem oben beſtimmten Termin bei dem Gemeinde- rechner Joh. Möbs III. dahier in Empfang zu nehmen, indem keine weiteren Zinſen mehr vergütet werden. Oeffentliche Aufforderung. (3) Die Wittwe, Kinder und Enkel des ver. lebten Johannes Maas II.(Kronenwirth) in Niederweiſel haben die nachbezeichneten Liegen⸗ ſchaften: 49/92 Hofraithe in Niederweiſel, als: Wohn⸗ baus, Nebenbau mit Scheuer und vier Ställen, 49/902 3¼ Ruthen Garten dabei, verkauft, vermögen aber ihr Eigenthum urkund⸗ lich nicht nachzuweiſen. Etwaige Anſprüche an Niedermörlen den 30. Dezember 1853. dieſe Liegenſchaften ſind deßhalb binnen einer Der Großherzogl. Bürgermeiſter Friſt von ſechs Wochen bei dem unterzeichneten Dep. Holzverſteiger ung. (60 wen den 9. Januar 1854, Vormittags 10 Uhr, ſollen in dem Niederrosbacher Ge— meindewald, Diſtrikt VI, Alterhegwald, an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert werden: ½ Stecken Aspen⸗Scheitholz, 10½„ Buchen-⸗Prügelholz, 8„ Birken- u. Eichen⸗Prügelholz, 187„ Aopen⸗Prügelbolz, 1„Buchen⸗Stockholz, 513 Wellen Buchen⸗Reiſerholz, 275„ Birken- u. Eichen⸗Reiſerholz, 475„ Asopen⸗Reiſerholz, 900 Buchen⸗Stangen, 142 Cubikf. enthaltend, 4 Birken⸗„ 63 17 100 Stück Buchen-Nutzgerten. Zuſammenkunft und Anfang der Verſteigerung iſt Punkt 10 Uhr an der Hauptſchneiſe, Diſtrikt Alterhegwald. Niederrosbach den 30. Dezember 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Cuntz. Faſelſchwein-Verſteigerung. (79 Donnerſtag den 5. Januar 1854, Mittags 11 Uhr, ſoll auf hieſigem Rathhauſe ein der hieſigen Gemeinde zugehöriges 1½ Jahr altes Fa- ſelſchwein öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Nauheim am 31. Dezember 1853. Der Bügermeiſter Hartmann. Privat⸗ Bekanntmachungen. Geſchäftsveränderung. (S) Triftige Gründe veranlaſſen mich das Geſchäft meines verſtorbenen Mannes, Carl Bindernagel, welches ich im Jahr 1849 an den Herrn E. Wilhelmj abgetreten habe, von heute an wieder fuͤr eigne Rechnung zu über— nehmen. Die Leitung deſſelben habe ich Herrn Ph. Vogt, dem ich Procura ertheilt, übertragen. Indem ich mich beehre, meine Freunde und die geehrten Gönner des Geſchäfts hiervon ergebenſt in Kenntniß zu ſetzen, verbinde ich zugleich damit die höfliche Bitte, meinem Geſchäfte das frühere Wohlwollen geneigteſt zu widmen. Ihr ſchätzbares Vertrauen zu ſichern, wird das eifrige Beſtreben meines Beauftragten ſein. Friedberg den 1. Januar 1854. Erneſtine Bindernagel, geb. Helmolt. Geſchäftsveränderung. (90 Triftige Gründe veranlaſſen mich, das ſeit dem 1. Januar 1849 fur meine Rechnuͤng unter der Firma E. Bin⸗ dernagel geführte Geſchäft aufzugeben. Meine mir verbleibenden Buchausſtände bitte ich meine resp. Geſchäftsfreunde gefälligſt baldigſt abführen zu wollen und erſuche auf anderer Seite Alle, welche etwa noch eine Forderung an mich zu machen haben, mir hierüber ſpecificirte Rechnung zugehen laſſen zu wollen. Friedberg den 1. Januar 1854. E. Wilhelmi. (10) Donnerſtag den 5. Januar Muſicaliſehe Abendunterhaltung, ausgeführt von der laͤngſt rühmlichſt bekannten Carlsbader Geſellſchaft der Gebr. Soellner im Gaſthauſe zu den drei Schwertern, wozu ergebenſt einladen Gebr. Simon. Anzeige. Anfang präcis Abends 6 Uhr. Indem ab Die Wkerzeihnete beabfichtigt das ich hierzu. freundlichſt einlade, bemerke Geſchaft ſhres ſeligen Mannes, des 9 85 ich, daß für gute Speiſen und Getränke, kleidermachers Gerhard, fortzuführen und hier- ſowie prompter Bedienung, beſtens ge— mit ebenfalls das Decatiren von Tuch zu ver⸗—ſorgt iſt. Joh. Gaul, Gaſtwirth. binden. Indem ſie dieß hierdurch anzeigt, bittet ſie zugleich das demſelben geſchenkte Vertrauen Abendunterhaltung. (13) Die zweite Abendunterhaltung des Lie⸗ auf ſie überzutragen und überzeugt zu ſein, daß ſie durch gute und billige Arbeit ſolches zu derkranzes findet Sonntag den 15. Januar im Trapp'ſchen Saale ſtatt. rechtfertigen ſich beſtreben werde. Wittwe. Entlaufen. Dorothea Gerhard, Ball zu Okarben(10 Ein brauner ſtarker Dachshund iſt ent⸗ * laufen. Der Bringer deſſelben erhält eine Be— (12) Sonntag den 8. Januar wird 2 in meinem Saale ein Ball abgehalten. Großkarben den 25. Dezember 1853. Müller, Jäger. Ge sn (15) Ein gut empfoblener braver Burſche, der mit Pferden umzugehen verſteht, ſucht Dienſt. Näheres bei der Redaction d. Bl. Zu dem Frankfurter Journal (16) und der Darmſtädter Zeitung werden Mitleſer geſucht. Zu erfragen bei der Expedition d. Bl. Italieniſche Honig-Seiſe vom Apotheker A. Sperati in Lodi (Lombardei) ½ Stück 5 Sgr.; ½ Stück 2½ Sgr. (17) wirkt belebend und erhaltend auf die Geſchmeidigkeit und Weichheit der Haut, und iſt daher Damen und Kindern, ſowie überhaupt Perſonen von zartem Teint, zum Waſchen und Baden ganz beſonders zu empfehlen. Für Friedberg befindet ſich das alleinige Depot bei P. F. Schmitt⸗ ner, ſowie auch in Butzbach bei Val. Wießler. 5 Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. D.„Jute! omen um Fur iw K. Een — Berbreitn werden Au Frie 4 — * K Kr an ſam Betreffend Nac werden v. nicht eher ſchein ſoll haltenen 2 ſcheine vo vergebliche weiſe Sie mungen de an, ſich pi Frie