8 3 ◻οꝰοP, 9 34835 7 255 8½ N 96. enz⸗ fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. Mittwoch den 7. Dezember 1858. Drei Splitter. Aus Joachim Muͤrat's Leben. Von Fr. Iſ. Proſchko. Der Marqueur holte zum Stoße aus, ſpielte und der Gelbe rollte in's Eckloch. „Bei meinem Säbel, der Stoß konnte nicht beſſer ſein!, rief der Reiterlieutenant;„das nenn' ich mir einen Marqueur, der ſeine Sache verſteht!“ Alles lachte. Der Marqueur aber wurde im Geſichte glühend roth, biß ſich in die Lippe— und ſchwieg. Die Partie begann von Neuem. Der Lieutenant, welcher mit dem Marqueur ab— ſichtlich Händel zu ſuchen ſchien, warf das Tago auf's Billard, und befahl ein Glas Limonade zu bringen. Der Marqueur nahm vom Kredenztiſche ein Glas und reichte es dem Lieutenant hin. Dieſer drehte ſich— als ſuche er etwas— ſchnell auf eine andere Seite, und ſtieß bei dieſer Wendung dem Marqueur das Glas aus der Hand, daß es augenblicklich in eine Menge Trümmer zerbarſt und die Limonade auf dem Fußboden dahin ſchwamm. „Der Tropf beurkundet ſeine Qualität doch in jedem Stücke, bemerkte der Lieutenant höhniſch;„meine Uniform iſt verdorben.“. „Signor,“ erwiderte Jener, Ihr habt den Stoß durch Eure raſche Wendung veranlaßt; und wenn ich auch keine Waffe an meiner Seite trage, ſo bin ich eben noch kein Tropf.“ Statt aller Autwort ergriff der Lientenant das auf dem Billard liegende Tago, ſchwang es über den Kopf des Marqueurs, und im Nu rann das Blut an der Stirn deſſelben herab, während die Billardſtange in drei Splitter auf dem Boden zerſprang und die anweſenden Gäſte ſich um die beiden Streitenden in einen Kreis ſtellten, in der ſicheren Erwartung, daß der Marqueur dieſe thätliche Beleidigung nicht ungerächt hinnehmen werde. Selbſt der Lieutenant war etwas betroffen, lächelte verlegen und meinte dem Marqueur eine Lektion für ſeine ganze Zu⸗ kunft gegeben zu haben. Dieſer aber las die Splitter des zerbrochenen Tago's von dem Boden auf, nahm ſeine Brieftaſche, heraus, wickelte ſie ſorgfältig hinein, at en auf den mit jeder Secunde verlegener werdenden Lieute⸗ nant zu, maß ihn vom Kopfe bis zur Ferſe und ſagte mit kaltem Ernſte:„Sie haben da ein ſchlechtes Kunſt⸗ ſtückchen producirt, Herr Lieutenant, und wäre ich er Tropf, den Sie mich ſchelten, ſo würde ich auf der Stelle mit baarer Münze bezahlen. Allein die Beſonnenheit, die Ihnen ſo ſehr mangelt, widerräth es mir.— Dieſe drei Splitter bewahre ich für eine gelegenere Zeit, und was den Schlag betrifft, den Sie mir verſetzten, ſo erhalten Sie denſelben ſo ſicher zurück, als eben die Sonne ſcheint. Mein Wort darauf, Herr Lieutenant! Hiermit war der Marqueur aus der Gaſtſtuͤbe ver— ſchwunden, der Lieutenant aber trillerte ein Liedchen, als ob Nichts vorgefallen wäre.— 4.* *. Der Marqueur wußte gar wohl, woher der Haß des Reiterlieutenants gegen ihn ſtammte.— Der Mar⸗ queur war im ganzen Städtchen bisher als ein gebildeter, beſcheidener junger Mann bekannt, der ſowohl durch ſeine edlen Sitten, als durch ſeine täglich näher rückende Ver— bindung mit der Tochter des erſten Gaſthofsbeſitzers im nahen Städtchen Baſtide de la Frontera, der wunderlieb— lichen Lauretta, allgemeine Achtung genoß, und jeder der Gäſte betrachtete Joachim nicht als Diener, ſondern als Glied des Hauſes, in dem er diente. Ivachim be⸗ ſaß ein empfehlendes Aeußere, ſein Wuchs war hoch, und ſein Auge ſtrahlts mit einem Feuer, das manches Herz für ihn, obwohl vergebens, entflammte, denn ſeines ſchlug nur für ſeine Lauretta, und um die Schätze beider Indien wäre er ſeiner Erwählten nicht treulos geworden. Das Gefühl einer öffentlichen Beſchämung iſt für eine zartfühlende Seele, das kränkendſte von Allem,— es erregt einen innerlichen Schmerz, für den es nur einen Balſam gibt— Theilnahme. Tief beſchämt ſchlich Joachim, nach jenem Vorfalle in dem Gaſtzimmer, uber den Korri— dor. Vergebens ſuchte er ſeinen Groll zu bemeiſtern. Lieu— tenant Bollieu dagegen war einer jener Menſchen, die, Egoiſten im höchſten Grade, Alles zur Erreichung ihrer Abſichten anwenden, denen kein Mittel zu bedenklich iſt, um zu ihrem Zwecke zu gelangen.— Er liebte Lauretta — das war genug, um den armen Joachim mit einem tödtlichen Haſſe zu verfolgen. Er glaubte während der vier Wochen, welche er im Staͤdtchen mit ſeiner Eskadron zubrachte, bereits bemerkt zu haben, daß Lauretta an ſeiner knappen Uniform mehr Gefallen finde, als an dem Rocke des Marqueurs. Joachim dagegen baute Felſen auf die Treue ſeiner Lauretta, zu ihr wollte er eilen nach Baſtide de la Frontera hinüber, wo die Geliebte weilte, und ſich bei ihr beklagen über den Schimpf, der ihm widerfahren war. Er trat vor das Haus. Da ſchwaug ſich der Chaſſeur-Lieutenant eben auf ſeinen Rappen und flog, mit einem verächtlichen Blick auf den Marqueur, über die Wieſe hin, daß der Raſen unter dem Hufe ſeines Roſſes aufflog. Der arme Marqueur wanderte traurig die Straße nach Baſtide zu und kam auf dem Marktplatze an, als eben eine Eskadron franzöſiſcher Chaſſeurs aufge— zogen war. Die blanken Männer bezauberten manches Auge, das ſehnſüchtig hinter dem Fenſter hinablugte, aber auch dem ſchönen Joachim folgte manches Auge nach, als er auf den Garten zuging, in welchem er die ſchönſte und lieblichſte der Blumen, welche, wie er ſich ſtill wieder⸗ holte, nur für ihn blühte, zu finden hoffte. 5 Schon wollte Joachim durch das große Hauptthor in das Gaſthaus ſeines Vetters eintreten und die breite Treppe zu dem Gemache ſeiner Lauretta hinaufſteigen, da kam ihm der Gedanke, ſein Mühmchen unverſehens zu überraſchen, und er begab ſich in den Hof, wo ſich in einem kleinen Nebengebäude eine Dachkammer befand, welche ein einziges Fenſter enthielt. Dieſes Fenſter lag in gerader Richtung dem Zummer Laurettens gegenüber, ſo daß man durch daſſelbe gerade hinüber ſehen konnte. Joachim zog leiſe die Thür des Dachſtubchens hinter ſich zu, ſchlich ſich zum Fenſter und blickte durch die Vorhänge verſtohlen in das Zimmer ſeiner Lauretta. Sie ſaß oder lag vielmehr in einer maleriſchen Stellung auf einem Divan, und ſchien Jemanden in der Ecke des Zunmers, wohin Joachim's Blick nicht reichte, zuzulächeln.— Ein Augenblick und— Joachim's böſes Geſtirn— der Lieu⸗ tenant, trat hervor, ließ ſich zu Laurettens Füßen nieder und bedeckte ihre Hand mit glühenden Kuſſen. Joachim ſtand, wie vom Blitze gelähmt.— Sein Auge wurzelte auf der ſchönen Gruppe.— Als aber Lauretta ſich nie— derbeugte und einen Flammenkuß auf die Wange des Lieu⸗ tenants drückte, da war der Lauſcher ſeiner nicht mehr mächtig. 5 f i. „Laurettal“ rief er mit unendlichem Schmerze. Die Glücklichen horchten hoch auf.— Das war Joachim,“ rief Lauretta ängſtlich,„retten Sie ſich, ſein Zorn kennt keine Grenzen, ich Unbeſonnene vergaß die Dachkammer zu verſchließen.“ f „Dafür iſt geſorgt,“ lachte der Lieutenant,„der Hahn hat ausgekräht,“ und auf dem Hofe erſcholl ein brüllendes Gelächter. g f Lauretta trat zum Fenſter und ſah, wie Joachim zornglühend ſich von ſechs Reitern loszumachen ſuchte, die ihn umringt hatten. f „Der Burſche hat den Satan im Leibe,“ rief der Wachtmeiſter zum Fenſter hinauf,„was ſoll's, Herr Lieutenant?“ i Bollieu riß das Fenſter auf, daß die Scheibe klirrte. „Subordination!“ donnerte er hinab,„und keinen Laut, Burſche! Du biſt Chaſſeur im Namen der Nation, laſſe Dir gutwillig den Sarras umſchnallen, ſonſt zer⸗ quetſcht meine Kugel Dein mattes Gehirn!“ Joachim ſah, daß hier jede Widerrede vergebens ſei. Noch einen letzten Blick der Verachtung warf er auf Lauretta, welche ſich zitternd hinter dem Lieutenant ver- borgen hatte, und folgte hierauf, ohne ein Wort zu ver— lieren, dem Wachtmeiſter auf den Marktplatz, um mit ſeiner Eskadron ſeine Vaterſtadt auf immer zu verlaſſen. 2 Ein Zweig aus der furchtbaren Geißel des Ewigen ragte auf dem Greveplatze in Paris, das mordende Ge— rüſte der Guillotine, zu dem Himmel empor, der ver— ſchloſſen blieb vor den Klagen der zahlloſen Opfer, vor den Todesſeufzern der Tauſende, welche dem tödtenden Eiſen anheimſielen. Nacht war's— eine finſtere aber geräuſchvolle 2384 Nacht, wie die Nacht, welche den Sonnenhimmel Frank⸗ reichs umſchattete, vom Kriegsgetöſe durchſchauert. Ka— roſſen eilten vorüber, pfeilſchnell vor dem Triumphbogen des gewaltigen Todes, an deſſen Stufen die Henkersknechte das Blut zuſammenkehrten, das den Tag hindurch ge— floſſen war, rohe Flüche unterbrachen die lautloſe, grelle Thätigkeit der Arbeitenden. Am fernen Montmatre ſtiegen Raketen in die Luft empor.— „Guillome,“ Deine Fauſt iſt blutig, Du taugſt zu dem Handwerke nicht,“ krächzte Baſtide. „Daß Deine Knochen erlahmen,“ fluchte Guillome entgegen;„der Letzte, der ſeinen Kopf hinauftrug, um ihn dort abzuſetzen, iſt Schuld daran. Als das Eiſen ſank, ſtreifte es den Burſchen, er wimmerte, ich richtete ihn zurecht und ſchnitt mich dabei in die Knöchel. Eine ſaure Arbeit das,, brummte der baumlange Guillome. „Ja wohl,“ entgegnete der Andere;„immer und immer nur das Konterfei des Todes vor Augen zu haben — aber ſieh' dort, was ſucht die ſchmucke Dirne wohl an dieſer Stätte des Todes?“ Geiſterbleich, mit verſtörten Zügen und aufgelöstem Haare, von einem leiſen Strahle des eben hervortretenden Mondes beſchienen, wankte ein Mädchen auf die Richt— ſtätte zu.„Hier,“ wimmerte ſie;„hier muß Robert ge⸗ endet haben!“— Ohnmächtig ſtützte ſie ſich auf eine Stufe des Todesgerüſtes. „Was ſoll's Bürgerin?“— herrſchte Guillome dem Mädchen zu. Lauretta rang nach Faſſung:—„Könnt Ihr mir nicht ſagen, gute Männer,“ ſprach ſie im leiſen, ſchüch— ternen Tone,„um welche Stunde Robert Bollien hingerichtet worden iſt?“ „Da hätten wir eben gelegene Zeit,“ lachte Juan Brieux, der Großhenker;„Jeden, der da hinaufklettert, erſt um ſeinen Namen zu fragen. Nehmen ſich doch die Herren im Tribunal kaum Zeit dazu.“ „Hm!“ meinte Guillome;„der Name da iſt mir eben nicht ganz unbekannt. Die Bürgerin meint wohl deu ſchmucken Chaſſeur-Lieutenant, der geſtern in die Con⸗ ciergerie gebracht wurde.... Robert Bollieu? ja, ja, ſo heißt er— den kenne ich nur zu gut, hab' ja als Ser— geant-Major unter ihm gedient.— Ja, um den ſteht es ſchlecht.“— Lauretta erbleichte. Der Mann fuhr jedoch unbarmherzig fort:„Morgen Abend kehren wir ſein Blut mit dem der andern Opfer, welche die große Schaubühne da beſteigen, ſo gut zuſammen, wie....“ „Mörder!“ rief Lauretta, mit dem Ausbruche der wildeſten Verzweiflung;„Fluch dem Tribunal, das die himmelſchreiendſten Ungerechtigkeiten im Angeſichte des ſchweigenden Himmels verübt!— Aber er wird ſich auf— thun, dieſer Himmel und Euch mit ſeinem Feuer zermal— men, wie er einſt ſich aufthat....“ „Genug des Gewinſels,“ ſagte Guillome,„das Mädchen iſt eine Royaliſtin, halte ſie feſt, Bourgois, morgen ſpeiſet ſie bei Simſon, und in drei Tagen liegt ihr Kopf im Korbe und wir haben dabei unſern guten Verdienſt.“ „Wohlgeſprochen!“ lachte Bourgois, und wollte ſich der ſich ſträubenden Lauretta bemächtigen.— Dieſe aber rief:„Sergeant, Ihr habt kein Recht auf mich, mein Leben gehört der Rettung meines Robert.“ „Der iſt gut aufgehoben,“ meinte der Lange, aber plötzlich ließ er die Hand ſinken und ſchien ſichtbar ver⸗ legen. 9 Ein hochſtämmiger junger Offizier, mit der dreifar⸗ bigen Kokarde geſchmückt, ſtand vor dem Mädchen.— ö 1 0h 05 Tone lde ö chmes buutetla/ uch. 16 erhaften!“ Jag, Bürger, „Ich bur! Wiederſehen.“ iu schr nt eine Strecke 9e in eine kleine ö ſielt vor einem ſcchlig wurden, „Sergen geht mit der& Lauretta ihrem Retter gewechſelt. A. nach Straßbur thargie.„Nick ſtei iſt.“— „Das iſ „wenn Euch folgt Ihr ruh. über die Gren „Ich ble fan ich Euch „Ach,“ das Beſſere, kennt, ſo we licht länger, unſer längere der Sache me Tromm. ihre Sättel, aber der Wa ihr die Züge durch die St! klingendem e Entſchwunder ſein Antlitz.“ Stirne, als hervorzauber ——— Bekanntm Oeffent (1789) Di Maximilian zu HGVichtersbach zuſſehende Or ſchage von 4 0 allo beſtehend lost werden. Es werden bilnnte und dligefordert, Ain 2 Mongt a 8 grelle Art ſliegen „ D l A taugſt Auillone as ug, un 5 55 N richtete Eine Allome. laumer und 5 zu haben wohl an aufgelöstem rortretenden uu die Richt⸗ Aobert ge. 9 auf eine Oullome dem Nonnt Ihr mir leſſen, ſchüͤch⸗ tet Bollien lachte Ju an himnaufklettert, ſich doch die ne da iſt mir meint wohl die Con⸗ Usbruche der Fal, bas geſichte dee wird ſich auf, Ftuet zermal ber reif. Matchen. 2 „Wie heißt Du?“ i ˖ Fr 18 fragte er in barſchem, aber theil— „Lauretta,“ hauchte das Mädchen nehmt Euch meiner gnädig an. Mein Baer ift 115 mein Bräutigam dem Tode nahe,— und ich ſoll von dieſen rohen Männern in die Conciergerie geſchleppt wer— den, um vielleicht nie mehr meinen Robert zu ſehen!“ „Das Mädchen iſt eine Ropaliſtin,“ ſagte Guillome, Hund wir müſſen ſie verhaften!“ Finſter blickte der Offizier auf den Spr 1 „Berhaften!“ donnerte er, 0 2 bald 7 8 ſich. „Ja, Bürger,“ ſagte er ruhig;„Ihr habt Recht, ich ſelbſt will ſie verhaften. Folge mir, Mädchen.“ „Ihr 1 für ſie,“ ſagte Guillome. „„Ich bürge,“ entgegnete der Offizier ruhig;„auẽ Wiederſehen.“ Er nahm das Madchen unter 925 Ae uud ſchritt mit ihr raſch vorwärts. Als ſie ſchweigend eine Strecke gegangen waren, bog der Offizier ploöͤtzli N 9 de zier plotzlich in eine kleine Gaſſe mit Lauretten ein. Eine Eskadron hielt vor einem Hotel. Als die Reiter des Offiziers an— ſichtig wurden, wichen ſie auseinander. „Sergeant!“ rief der Offizier,„dieſes Mädchen geht mit der Eskadron nach Straßburg.“ 5 Lauretta war bisher, ohne zu wiſſen wie, willenlos ihrem Retter gefolgt. Kein Wort ward zwiſchen Beiden gewechſelt. Als ſie jetzt hörte, daß ſie dem Wachtmeiſter nach Straßburg folgen ſollte, erwachte ſie aus ihrer Le⸗ thargie.„Nicht von der Stelle,“ rief ſie,„bevor Robert frei iſt.“— „Das iſt meine Sorge,“ tröſtete der Offizier leiſe, „wenn Euch das Ehrenwort eines Soldaten genügt, ſo folgt Ihr ruhig dem alten Graubart da, er bringt Euch über die Grenze. Robert Bollieu trefft Ihr in Lauſanne.“ „Ich bleibe,“ rief das Mädchen entſchloſſen,„wie kann ich Euch trauen, da ich Euch nicht kenne?“ „Ach,“ rief der Offizier,„traut Niemanden! das iſt das Beſſere, denn wenn Ihr nur denen traut, die Ihr kennt, ſo werdet Ihr noch oft betrogen werden. Zögert nicht länger,“ ſetzte er ängſtlich hinzu;„ſeht Euch um, unſer längeres Zwiegeſpräch fällt auf; Euer Bleiben iſt der Sache mehr hinderlich, fort, fort!“ Ref er Trommeln ertönten ferne, die Reiter ſenkten ſich in ihre Sättel, Lauretta wollte noch Einwendungen machen, aber der Wachtmeiſter hob ſie auf ſein Handpferd, gab ihr die Zügel in die Hand, und die Eskadron ſprengte durch die Straße hin, wo bereits die Nationalgarde mit klingendem Spiele daherzog. Lange ſah der Offizier der Entſchwundenen nach.— Ein ſchmerzlicher Zug bedeckte ſein Antlitz.— Sinnend fuhr er ſich uber die glühende Stirne, als wollte er einen längſt entſchwundenen Traum hervorzaubern. Er ſeufzte tief auf, ſtieß dann heftig mit 23853 dem beſpornten Fuß gegen den Boden und ſchritt raſch auf das große Hotel la Harpe zu, vor dem ſich viele rothe Mützen gelagert hatten. Im Gaſtzimmer herrſchte reges Leben. Tagesbegebenheiten wurden beſprochen, Pläne ausgeſponnen, und über das Schickſal einer ganzen Nation bei einem Glaſe Wein entſchieden. Der Kapitän ſetzte ſich mißgeſtimmt in die äußerſte Ecke des Zimmers und ſah theilnahmslos den beiden Sansculotten zu, welche mit den Bällen am grünen Tiſche, ſo wie am Tage vor— her mit Menſchenleben, herumwarfen. In der Ecke gegen⸗ uber ſaßen zwei Männer, ſchlicht gekleidet, mit bleichen Antlitzen, wie die Herolde des Todes; der Eine mit ſchar⸗ fen Zügen, aus denen die Eutſchloſſenheit hevorleuchtete, neigte ſich mit heuchleriſcher Miene zu dem Andern, der mit wahren Luchsaugen zu ihm aufblickte, um in ſeinen Zügen zu forſchen, und deſſen ſpitziges Kinn und bleich⸗ gelbe Geſichtsfarbe die Unruhe ſeines Gemüthes beur— kundeten. Der Kapitän kannte ihn wohl, dieſen Einen, von deſſen jeglichem Federzuge eines Menſchen Leben abhing, er diente ihm ja auch, ihm, dem damals Alles diente und zu Gebote ſtand, dem ſchrecklichen Robespierre, der ſich ſo eben mit ſeinem Spießgeſellen, als ob er den Boden Frankreichs nur mit Blumen beſtreut hätte, lächelnd zu unterhalten ſchien. Feſter wurzelten die Augen des Kapi⸗ täns auf den Beiden. Da horchte er plötzlich hoch auf; denn leiſe flüſterte es hinter ihm:„Noch keine Sylbe, es iſt mein Geheimniß, Ihr bürgt mir mit Eurem Kopfe dafür. Sie müſſen Alle ſterben, Alle, und auch Danton.“ Der Offizier horchte aufmerkſam. Aber das Geſpräch wurde noch leiſer und er konnte nichts weiter vernehmen. Aber der Kapitän hatte genug gehört, er haßte Robes— pierre und Danton, er wußte nun, daß es auf den Kopf des Letzteren abgeſehen war, und beſchloß, dieſe Mitwiſſen⸗ ſchaft ſeinem Plane gemäß zu benützen. Leiſe wickelte er ſich in ſeinen Reitermantel und ſchlich aus dem Gaſthauſe in's Freie. (Fortſetzung folgt.) Miszelle. An das Marmorbild am Münſter zu Freiburg im Breisgau heftet ſich eine ſcherzhafte Volksſage. Als nämlich Luther's Lehre zu Freiburg bekannt wurde, hieß es in einem dortigen Frauenkloſter, daß allen Nonnen, welche noch Zähne hatten, das Heirathen erlaubt würde. Da ſprang eine alte häßliche Nonne aus der Mitte der anderen hervor und rief: Auch ich habe hier noch einen Stumpen! indem ſie mit den Fingern in den weit geöffneten Mund zeigte. Zum Spott hiefür wurde ihr Bild in Stein ausge— hauen unter den Waſſer-ſpeienden Fratzen am Münſterchor. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. . dingen in Wächtersbach Butzbach den 17. November 1853. NUN Oeffentliche Aufforderung. 9) Die dem Herrn Grafen Ferdinand e zu Aſenburg und Büdingen zu Wächtersbach in der Gemarkung Rockenberg zuſtehende Grundrente im geſetzlichen Geldan— ſchlage von 46 fl. 21 kr., ſoll nach den deß⸗ gelöst werden. Es werden deßhalb alle bei dieſer Ablöſung, bekannte und unbekannte, Betheiligte hierdurch aufgefordert, ihre etwaigen Rechtsanſprüche bin⸗ nen 2 Monaten bei dem unterzeichneten Gerichte anzumelden, gegenfalls die Auszahlung des Ab⸗ löſungskapitals an den genannten Herrn Grafen Ferdinand Maximilian zu Yſenburg und Bü⸗ Bekanntmachung. 8800 Donnerſtag den 8. Dezember d.. 0 um 10 Uhr, ſollen die bei der hier ſind falls veſtehenden geſetzlichen Beſtimmungen ab⸗ hieſigen Garniſon in den Jabren 1854, 1855 und 1856 vorkommenden Schreiner-, Schloſſer⸗/ Schmiede, Zimmer ⸗, Weißbinder⸗, Spengler, Glaſer, Wagner, Gürtler⸗, Küfer⸗, Bürſtenbinder⸗, Seiler⸗„ Sieb. macher⸗, Sattelbock⸗ und Dreher⸗Reparaturen, auf dem Wege der Soumiſſion an den Wenigſt— fordernden in Accord gegeben werden. Die Accordsbedingungen können auf dem hieſigen Militär-Verwaltungsbureau eingeſehen werden. Butzbach den 30. November 1853. In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter. geſtattet werden wird. Gr. Heſſ. Landgericht Ebel. Bekanntmachung. (1863) Bei dem Auguſtiner Schulfond da⸗ 3000 Gulden gegen erſten gerichtlichen Gütereinſatz ganz, auch zertrennt auszuleihen. Friedberg am 3. Dezember 1853. Der Großberzogl. Bürgermeiſter Bender. Maurer⸗ und Pflaſter⸗, N a N*. 28 Ves I 15 220 bis 25 Gulden (188) liegen in der Kirchenkaſſe zu Soedel bis zum 1. Januar 1854 zum Ausleihen bereit. Raab, Kirchenrechner. Verſteigerung. (18865) Montag den 12. Dezember, Morgens um 10 Ühr, ſollen in hieſiger Gemeinde 27 Stück Pappelweiden von 50 Fuß Länge und 2 bis 2% Fuß Durchmeſſer, welche ſich zu Bohlen eignen, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Gegen vorſchriftsmäßige Bürgſcheine wird Zah⸗ lungsfriſt bis Johannistag 1854 geſtattet. Be⸗ merkt wird noch, daß dieſelben zu jeder Zeit gut abzufahren ſind. Ranſtadt den 28. November 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Knöpp. Obligations-Verlooſung. (1866) Bei heutiger Verlooſung wurden fol— gende Obligationen zur Rückzahlung beſtimmt: aus dem Anleben bei D. Brand in Hanau Nr. 9. 1000 fl., I 50e „ 57 230% 7 70 250% aus dem Anlehen bei S. Lindheimer in Friedberg Nr. 20 400 fl., „ 83 100„ Die Beſitzer dieſer Obligationen werden hier— mit aufgefordert, die Beträge bei den Herren A. Sonneberg in Hanau und S. Lindheimer in Friedberg dis zum 1. Januar 1854 in Em⸗ pfang zu nehmen, da von dieſem Tage an die Verzinſung aufhört. Heldenbergen den 25. November 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Gri x. Fruchtverſtei gerung. ( 867] Dienſtag den 13. Dezember, Mor⸗ gens 10 Uhr, läßt die Kirche zu Dornaſſenheim: 58 Malter Korn, 58 7 Gerſte, 57„ Hafer, nach dem neuen Naſſauer Maaße, verſteigern. Dornaſſenheim den 2. Dezember 1853. g Der Kirchenvorſtand: T. Bayer, Pfarrer. Verſteigerung von Bierbrauerei— Apparaten. (4868) Montag den 12. d. M., Mittags 1 Uhr, ſoll dahier ein Gemeinde⸗-Braukeſſel, 6 Ohm, und drei Bütten, 6 bis 10 Ohm hal⸗ tend, ſowie zwei ſteinerne Tröge, zu Viehkrippen geeignet, und ſonſtiges Zugehör, meiſtbietend verſteigert werden. Wohnbach den 1. Dezember 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Ph iel ep pe Bekanntmachung. (1869) Donnerſtag den 8. d. M., Vormit⸗ tags 11 Uhr, ſollen in der hieſigen Pfarrei 26 Malter Kartoffel meiſtbietend verſteigert werden. Langenhain den 3. Dezember 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Rumpf. e Privat- Bekanntmachungen. 1200 Gulden (1856) werden gegen gerichtliche Verſiche⸗ rung ausgeliehen. Die Expedition des Intel- ligenz⸗Blattes ſagt bei wem? 2386 e. Schwarz; ſeident Herren⸗Halsluͤcher, (1796) die nicht abfärben, ungewöhnlich billig bei Ed. Oehler, Zeil 38 in Frankfurt a. M. ſtelligen. Allgemeine Rentenanſtalt zu Darmſtadt. (1735) Diejenigen, welche der ſeit dem 1. Januar d. J. eröffneten, mit dem 31. Dezember d. J. zu ſchließenden 7. Jahresgeſellſchaft beizutreten oder Nach⸗ zahlungen auf frühere Einlagen zu leiſten beabſichtigen, laden wir hierdurch ein, ſolches vor Ablauf dieſes Jahres entweder dahier bei dem Hauptbüreau der Anſtalt oder auswärts bei den Herren Bevollmächtigten derſelben“) zu bewerk— Bis jetzt zählt die Auſtalt 5620 Mitglieder mit 9412 Einlagen und einem effectiven Einlagekapital von 548,182 fl. 8 Bei der mit der Anſtalt verbundenen Depoſitenkaſſe wurden ſeit Anfang dieſes Jahrs bereits 326,900 fl. hinterlegt. Darmſtadt den 31. Oktober 1853. a Die Direction der Allgemeinen Rentenanſtalt. „) In Friedberg bei Herrn Heinrich Hahn; in Butzbach bei Herrn Bürgermeiſter Seippel; in Vilbel bei Herrn Geometer 1. Cl. Grosholz. (1797) zu ſehr billigen Preiſen bei Schwarz ſeiden Sammtband en gros et en detail, Ed. Oehler, Zeil 38 in Frankfurt a. M. der neueſten zu den billigſten Preiſen. S. Steinhiusor, Gold- und Silberarbeiter auf dem Klarkt, 48700 empfiehlt zu Weihnachtsgeſchenken ſein reiches Lager Gold-, Silber⸗& Bronzewaaren Eine großt Parthit ſcidene Sammk⸗Reſte (1798) von allen Größen zu Hüten und Mantillen, verkauft bedeutend unter Ed. Oehler, Zeil 38 in Frankfurt a. M. dem Preiſe Vo Dr. Borchardt's arom. med. n Kränter⸗Seife(à 6 Sgr. pr. Packetchen) zur Verſchönerung und Verbeſſe⸗ rung des Teints und erprobt gegen alle Haut⸗ unreinheiten; Dr. Suin de Bontemard's arom. Zahn⸗ Paſta(in Päckchen zu 6 und 12 Sgr.) das Beſte zur Cultur und Conſervation der Zähne und des Zahnfleiſches; des Königl. Preuß. Kreis⸗Phyſikus Dr. Koch's Kräuter⸗Bonbons(in Original- Schachteln zu 10 u. 5 Sgr.) be⸗ währt gegen Huſten, Heiſerkeit, Grippe, Ka⸗ tarrh ꝛc.; Dr. Hartung's Chinarinden⸗Oel(à 10 Sgr. pr. Flaſche) zur Conſervirung und Ver⸗ ſchönerung des Haarwuchſes, und Dr. Hartung's Kräuter⸗Pomade(ä 10 Sgr. pr. Krauſe) zur Wiedererweckung und Stärkung des Hagrwuchſes(48710 befindet ſich für Friedberg das alleinige Depot bei P. F. Schmittner, ſowie auch in Butzbach bei Val. Wießler. 3 der k g ü. (1872 Unterzeichneter hat nachſtehende Gegen⸗ ſtände, als: einen mit eiſernen Achſen vollſtän⸗ digen Wagen, ein ganz ledernes Kummet, ein ganzes Pferdegeſchirr, Pflug, Egge, eine neue Fruchtfegemühle, verſchiedene Ketten und ſonſt allerlei Oeconomiegeräthſchaften, zu verkaufen. Soedel den 1. Dezember 1853. Heinrich König. Arbeits-Verſteigerung. (14873) Der Unterzeichnete will Donnerſtag den 8. d. M. einen Thurm auf ſeiner Ziegel⸗ hütte auf den Abbruch an den Wenigſtnehmen⸗ den in Accord geben. Friedberg. Todesanzeige, (1871) Den Bekannten und Freunden mei⸗ nes Mannes Johann Georg Wick mache ich deſſen am 28. November nach langen und ſchmerzhaften Leiden erfolgtes Ableben bekannt, bitte um ſtille Theilnahme und empfehle mich deren fernerem Wohlwollen. Ziegenberg den 30. November 1853. Anna Juliane Wick, geb. Häcke. Giſenbahn⸗Frachbtriefe 1876) ſind ſtets vorräthig bei Friedberg. E. Bindernagel. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. finllichen Kennkn des Bezirkraths! vorſtande Peter Wendel. ſtattgef J. Wahldiſtri II. 5 II 4 IV.„ V.„ IVI.„ W 5 W N.„ 5 6 13 wählt worden 0 Die Grof haben dieſe N ſffentlichen. Friedb 0 Kre an ſümmtſ detteffend: Bei Vi balinationer nuten, daß