igen. J. tirche. u u.“ kirche; wert * Januar. Intelligenz-Blatt fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. M2. Mittwoch den 3. Januar 1838. Das„Jutelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen“ erſcheint auch im Jahr 1853, wie bisher jeden Mittwoch und Samſtag. Der Ahonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt, bei der Expedition 1 fl. 12 kr., für/ Jahr 40 kr.— bei allen zum Fürſtl. Thurn und Taxisſchen Verwaltungsbezirke gehörigen Poſtämtern nach der neueſten Verfugung pr. Jahr Ifl. 30 kr. und pr. Semeſter 45 kr. Die ſeitherigen Abonnenten wollen ihr Abonnement zeitig erneuern, damit die Zuſendung keine Unterbrechung erleidet. Durch die ſehr ſtarke Auflage des„Intelligenzblattes“ finden Anzeigen der verſchiedenſten Art die vortheilhafteſte Verbreitung. Die Einrückungsgebühren betragen für die geſpaltene Petitzeile, oder deren Raum 2 kr., die beiden erſten Zeilen zuſammen aber werden mit 7 kr. und ein Beleg mit 2 kr. berechnet. Friedberg. Die Expedition des Intelligenzblattes. Amtlicher Theil. Das Großh. Heſſ. Landgericht Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter des Bezirks. Betreffend: Die Ausführung des Geſetzes über die Erwerbung des Grundeigenthums. Nach der Verordnung vom 8. Dezember d. J. müſſen künftig in die Beſitzwechſel(Mutations-Verzeichniſſe, die bei Gericht für alle Gemarkungen, auch diejenigen, die keine Grundbücher haben, zu führen ſind,) die Nummern der Steuerzettel der Käufer und Verkäufer(bei Theilzetteln der Erblaſſer und Erben) eingetragen werden. Um dies möglich zu machen, haben Sie dieſe Nummern künftig ſtets in den Kaufnoteln, Concept-Looszetteln oder ſonſtigen Eigen— thumsurkunden beizuſetzen. Friedberg den 31. Dezember 1852. fe a n. Regierungsblatt⸗Auszüge. Nr. 53 enthält: 1. Verkündigung eines Bundesbeſchluſſes, den militäriſchen Gerichtsſtand in Strafſachen bei Bundestruppen, welche in Friedenszeiten zu Bundeszwecken zuſammengezogen werden, betreff.— 2) Bekanntmachung Gr. Miniſteriums der Juſtiz vom 24. Okt.: S. K. H. der Großherzog haben zu befehlen geruht, daß die Gr. Kreisgerichte zu Mainz und zu Alzei künftig die Benennung „Gr. Bezirksgerichte/ fuͤhren ſollen.— 3) Bekanntmachung Gr. Miniſteriums der Finanzen vom 20. Okt.: Des Großherzogs König— liche Hoheit haben unterm 18. Oktober zu verordnen geruht, daß die Dienſtſtellen der Großherzoglichen Forſtmeiſter von nun an Forſt— ämter amtlich benannt werden ſollen.— 4) Holzpreistarif in den Großherzoglichen Domanialwaldungen für das Jahr 1853.— 5. Bekauntmachung Gr. Oberpoſtinſpektion vom 26. Okt., daß die Gr. Poſthalterei zu Langen aufgehoben worden iſt und die Dienſtleiſtun— gen derſelben der Gr. Poſthalterei Darmſtadt und der Poſthalterei Frankfurt zugetheilt worden find.— 4) Dienſtnachrichten. Am 17. Auguſt wurde Poſtpraktikant v. Helmolt aus Gießen als Poſt— aſſiſtent bei dem Poſtamte zu Gießen,— Poſtaſſiſtent Hallwachs zu Mainz als Poſtaſſiſtent bei dem Oberpoſtamte zu Darmſtadt— und Poſtaſſiſtent v. Steinmetz zu Gießen als Poſtaſſitent bei dem Poſtamte zu Mainz beſtätigt;— am 9. Okt. der Gerichtsacce ſſiſt und Ergänzungsrichter am Friedensgerichte 2. Bezirks zu Mainz, Arens, zum Ergänzungsrichter an dem Friedensgerichte des 1. Be— zirks daſelbſt, ſowie zum Ergänzungsrichter an dem durch die Ver— ordnung vom 16. Sept. 1831 zu Mainz organiſirten Rheinzollge— richt 1. Inſtanz ernannt; am 13. Oktober dem Pfarrer Soldan zu Burkhards die evang. Pfarrſtelle zu Münſter, Kr. Friedberg, und dem Pfarrer Georgi, früher zu Niederingelheim, dte evang. Pfarr— ſtelle zu Burkhards übertragen;— am 18. Okt. der von der Frei— herrlich von Edelsheimiſchen Familie auf die evang. Pfarrſtelle zu Büdesheim, Kr. Vilbel, präſentirte Pfarramtscandidat und erſte Lehrer zu Rödelheim, Rappolt, für dieſe Stelle beſtätigt;— am 20. Okt. der Friedensrichter an dem Friedensgerichte des 2. Bezirks zu Mainz, Hohfeld, zum Ergänzungsrichter an dem Kreisgerichte daſelbſt ernannt.— 7) Concurrenz für: die Kreisveterinärarztſtelle zu Sprendlingen, Kr. Alzei;— bei der Steuercontrole und Caleu— latur der Gr. Oberſteuerdirektion eine Acceſſiſtenſtelle mit dem etats— mäßigen Gehalte von 500 fl. jährlich. Nr. 54 enthält, 9 Druckbogen ſtark, die aus 4 Abſchnitten und 54 55. nebſt 15 Formularen beſtehende Inſtruktion für die Gr. Ortsgerichte in den Provinzen Starkenburg und Oberheſſen vom 26. Oktober d. J. Antonio, der Jiſcher von Capri. Eine Erzählung von W. O. von Horn. (Fortſetzung.) Wir landeten nach kurzer Fahrt und ſtiegen die mühſeligen Wege hinauf, wendeten uns dann rechts und erreichten bald darauf ein einzeln ſtehendes Häuschen, deſſen ärmliches Ausſehen eben keinen erfreulichen Ein— druck machte; dennoch war ſeine Lage ſehr ſchön. Zwei mächtige Pinien breiteten ihre ſchirmenden Aeſte über das Dach. Mehrere Orangenbäume ſtanden zu beiden Seiten. In einem kleinen Gärtchen reiften wunderſchoͤne Melonen, und ein grünes Wieſenplätzchen breitete ſich vor den Fen— ſtern aus. Alles athmete Stille und Frieden. Als wir uns der Thüre nahten, trat eine kleine Geſtalt heraus. Sie war bucklig und ihr Ausſehen verrieth ihre Kränk— lichkeit und Schwächlichkeit. Ach, Antonio, kommſt Du ſchon? rief ſie und eilte dem jungen Fiſcher entgegen, der ihre Hand herzlich drückte. Wen bringſt Du denn da? fragte ſie, mich neu— gierig betrachtend. 1 ö„ Der Signor Ingleſe will ſich bei uns einmiethen, ſagte der Bruder. Aengſtlich verſetzte die Schweſter: Wie ſoll das geſchehen?— Laß mir dir Sorgen, liebe Annunciata, verſetzte er. Ich werde das ſchon machen. Du weißt, ich muß in ein paar Tagen fort. Da räume ich ihm mein Stüb⸗ chen ein. Aber wo wirſt Du ſchlafen? fragte ſie. ö Laß mir die Sorge dafür, erwiderte der Bruder lä⸗ chelnd, und wir traten in das Häuschen ein. Es hatte zwei niedere Stockwerke und das Dach fiel vom zweiten Stockwerke zu beiden Seiten ab, ſo, daß es eine Dach⸗ ſtube bildete. Ich ſtieg hinauf; allein das Stübchen war ſo niedrig, daß ich faſt mit dem Kopfe an die Balken der Decke anſtieß. Da konnte ich nicht wohnen. Einen Au⸗ genblick war Antonio in Zweifel; aber er wußte Rath. Wie wäre es, liebe Ann unciata, ſagte er, wenn Du dem Signor Deine Unterſtube einräumteſt und dieſe bezoͤgeſt? Bei der großen Armuth war ihm die Miethe don hohem Werthe. Die Schweſter lächelte ſchmerzlich und ſagte: Sehr gerne! Mau führte mich herunter, und das reinliche, nette Stübchen gefiel mir. Indeſſen ſagte ich, daß es mir un— angenehm wäre, Annunciata aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Dieſe Bemerkung wurde jedoch ſchnell und genügend widerlegt. Ein Mahl von vortrefflichen friſchen Seefiſchen wurde nun aufgetragen, dem eine duftige Me— lone folgte. Ich hatte mich mit Kaffee verſehen, und da Ziegenmilch leicht zu bekommen war, braute ich auf mei⸗ ner Spiritusmaſchine einen guten Kaffee, der uns Dreien herrlich ſchmeckte. Nach dem Mahle ging ich mit Antonio in eine kleine Bucht, wohin er ſein Boot brachte, und wir ſtachen in See, um da Netze zu werfen. Die Bucht war zum Angeln vortrefflich, und da ich meine Geräth— ſchaften im beſten Zuſtande hatte, verſprach ich mir vielen Genuß für meine Liebhaberei und ſchloß um einen Preis, der an ſich unbedeutend, für Antonio aber ein wahrer Reichthum war, die Miethe und Verköſtigung für drei Monate ab. Unſer Fiſchfang war ergiebig und bald lan— deten wir fröhlich wieder in der Bucht. Als wir zur Hütte kamen, war mein Stübchen im ſchönſten Zuſtande. Ich ließ mich häuslich nieder. Am Abend ging ich auf einen Felſen an der Küſte, wo die herrlichſte Ausſicht ſich mir darbot. Von der Abendſonne vergoldet, lag der Golf wie ein Spiegel vor mir da. Einzelne Boote ſchwammen gleich weißen Schwänen auf der gräulich-blauen Fluth. Stolz wiegte ſich ein engliſches Kriegsſchiff auf dem Meere und rechts brauste ein Dampfer daher, um den Hafen von Neapel zu erreichen. Eine Wolkenſäule ſtieg aus dem Krater des Veſuvs auf und Neapel lag im herrlich— ſten bläulich-violetten Schimmer in unbeſchreiblicher Schön— heit, von ſeinen Höhen im Rücken geſchützt, vor meinem trunkenen Blicke. Die Luft war ſo würzig, daß ich ſie mit gierigen Zügen einſog und der friſche Seewind trug die Düfte blühender Orangen herüber. Der Himmel ſtand wie im Feuer und keine Wolke ſchwamm der untergehen— den Sonne nach. Rings war tiefe Stille. Nur die Brandung an dem Felſen der Inſel brauste dumpf her⸗ auf und der ſchrille Ton der Möven miſchte ſich mit dieſen eigenthümlichen Klängen. Wer dieß wunderbarſchöne Bild ſich nicht nach eige— ner Anſchauung vergegenwärtigen kann, mag es aus 5 6 E⸗ meiner unvollkommenen Beſchreibung kaum zu faſſen. Ich war entzückt und pries mich glücklich, dem Gewühl der Toledoſtraße entgangen zu ſein. Daß ich in ein ſtilles Träumen verſank, werden Sie begreiflich finden, wie auch, daß dieſe Eine Stunde mich für alle Entbehrungen des comfortabeln Lebens, die ich mir hier ſelbſt auferlegt hatte, reichlich entſchädigte. Aus meinen Träumen weckte mich Antonio, der ſich mit der Frage nahte, ob ſeine Geſell— ſchaft mir nicht unangenehm ſei? Als ich das verneint, ſetzte er ſich zutraulich an meine Seite und begann darauf mit der unverſtellten Offenheit eines einfachen Naturmenſchen zu erzählen. Meine und Annunciatas Aeltern, ſagte er, ſind ſchon ſeit einer Reihe von Jahren verſtorben. Mein Va— ter war ein armer Fiſcher und ich habe ſein Gewerbe wieder ergriffen, das mich und meine Schweſter freilich nur kümmerlich ernährt. Wäre das Hüttchen unſer freies Eigenthum, ſo könnten wir uns nur glücklich preiſen, aber wir wohnen blos zur Miethe, und wenn die uns gekün— digt würde, wären wir ſehr unglücklich. Vergebens habe ich geſtrebt, ſo viel zu erwerben, es zu kaufen. Es iſt mir nicht geglückt. Meiner lieben Schweſter lange Krank⸗ heit hat mich vollends zurückgeworfen, da ich die Miethe von zwei Jahren ſchuldig habe bleiben müſſen.— Er ſeufzte tief auf.— Ach, fuhr er darauf fort, hätte ich ahnen können, daß mir der heilige Januarius das Glück beſcheerte, Euch als Miether zu bekommen, ich hätte nicht gethan, was ich gethan habe!— Was haſt Du denn gethan? fragte ich neugierig. Ach, ſagte er, ich habe mich als Sclaven verkauft! Als Sclaven? rief ich aufſpringend. Wie iſt das möglich? Es gibt ja doch hier zu Lande keine Sclaven!— Seine Miene nahm den Ausdruck tiefer Betrübniß an. Setzet Euch doch, Signor, ſprach er bittend; ich ſehe, Ihr ſeid mit dem, was ich bezeichnet habe, gänzlich unbekannt. Ich will Euch das Räthſel loͤſen. Ich ſetzte mich wieder und war nicht wenig auf die Eröffnung geſpannt, die ich empfangen ſollte. Ihr wiſſet doch, begann er, daß die ſchönen, zum Schmucke ſo ſehr geſuchten rothen, milchweißen und bläu⸗ lichen Korallen an den Küſten der Berberei und Sardiniens gefiſcht werden?— Ach, die vornehmen Leute, die dieſen Schmuck tragen und ſich an den wunderſchönen Schnitze— reien erfreuen, welche in Neapel, Rom, Livorno und Florenz, auch in Genua, gemacht werden, wiſſen es nicht, wie unendlich die Beſchwerden und Laſten ſind, unter und mit denen ſie aus dem Schooße des Meeres hervorge— zogen werden! Jährlich um dieſe Zeit wird in Neapel oder Amalfi eine kleine Flotte von Barken ausgerüſtet. Die Unternehmer ſind reiche Leute, welche auf alle Weiſe junge Schiffer zu dieſer Fiſcherei anzuwerben ſuchen, die ihnen dann leibeigen ſind fuͤr die Zeit der Fiſcherei, die furchtbare Leiden und Entbehrungen zu dulden haben, die mit der kümmerlichſten Nahrung, meiſt faulem Paſſer verſorgt, Tag und Nacht arbeiten müſſen, unter dem eiſernen Gebote eines rohen, unbarmherzigen Kapitäns ſtehen und den kärglichſten Lohn empfangen. Ich will es Euch ſchildern, wie ich für die Fiſcherei geworben wurde, auf daß Ihr Euch davon eine Vorſtellung machen könnt. Vor vierzehn Tagen iſt es geweſen, da bin ich mit meinem Boote voll Fiſche hinüber nach Neapel gefahren. Herr, mein Herz war ſchwerer belaſtet, als mein Boot! Annunciata, die Arme, die das Unglück hat, mißge— ſtaltet zu ſein, und die doch ein ſo gutes, liebevolles Herz hat, iſt das einzige Weſen, das ich in der Welt habe, und ich bin ihre einzige Stütze— denn zum Dienen iſt die Schwache nicht und ſonſt hat ſie nichts gelernt, als ein Hischer haben ehalle trenne möchte 0 dieſe U verfolg Boot, beugte ſtill in unglüc nachde gewor ing 5 B n die das E Mache mit in anke Caſtel Da ſa loste Leid. Falern aufme Hand quälen und d Koral und wiede dem 3 mit; und f. meine der J einzu der w Zeituſ fälle ſtämm ſunkel dreize D 2 7 Ee Bischen Nähen, das ſie aber nicht ernähren kann. Wir haben von Kindesbeinen an in Liebe tren an einander gehalten, und ſeit unſere Aeltern ſtarben, ſind wir unzer— trennlich. Ohne mich müßte ſie verhungern und ohne ſie möchte ich nicht leben. Nun war ich in der letzten Zeit im Fiſchfange unglücklich. Es ſchwebte ein wahrer Un— ſtern über mir und ich hatte doch die Miethe von zweien Jahren zu bezahlen. Da kam der unbarmherzige Beſitzer unſerer kleinen Wohnung, während ich meine Netze aus— warf, zu meiner armen Schweſter, fluchte, tobte und drohte, und aus dem Hauſe zu werfen. Das arme Mäd⸗ chen zitterte und bebte, und als ich wieder von einem un— glücklichen Fiſchfange heimkam, ſelbſt traurig und miß— muthig, fand ich ſie troſtlos und in Thränen faſt zer fließend. Um den Menſchen zur ſchonenden Nachſicht zu ſtimmen und das arme Madchen zu beruhigen, ging ich zu ihm; aber er ſtel über mich her, als wollte er mich tödten. Sein Grimm hatte kein Maß und ohne Weiteres kündigte er mir an, acht Tage Friſt wolle er mir geben. Sei dieſe um, ſo würde er uns hinauswerfen laſſen und uns verfolgen, bis wir die Schuld getilgt hatten, und ginge Boot, Netze und Alles darauf, was wir hätten. Das beugte mich bis zum Staube. Ich mußte aber mein Leid ſtill in mir tragen, um nicht meine gute Schweſter noch unglücklicher zu machen. Am andern Morgen fuhr ich, nachdem ich die ganze Nacht fruchtlos meine Netze aus— geworfen, nach Neapel, verkaufte, was ich hatte, und ging troſtlos am Molo auf und nieder. Da ſah mich ein Bekannter. Antonio, rief er, willſt du ins Kloſter gehen oder in die Berge?*) Du ſiehſt aus, als ſträube ſich gegen das Eirſte Dein Herz, gegen das Zweite Dein Gewiſſen. Machs kurz, daß Deine Seele entlaſtet wird! Oder komm mit in die Oſteria, auf ein Glas Falerner ſolls mir nicht ankommen, denn ich habe einem Ingleſe den Weg nach Caſtellamare gezeigt, und der hat bezahlt wie ein Duca! Er zog mich in die Oſteria und ich widerſtrebte nicht. Da ſaßen noch andere Leute, die Maccaroni aßen. Hier loſte mir der Wein die Zunge und ich erzählte ihm mein Leid. Er trank mir immer zu und am Ende ſtieg mir der Falerner in den Kopf. Da kam ein Mann zu mir, der aufmerkſam meine Erzählung angehört hatte, legte die Hand auf meine Schulter und ſagte: Fünfzehn Ducati quälen Dich ſo, guter armer Junge? Du kannſt ſechs und dreißig auf der Stelle haben, wenn Du Dich als Korallenfiſcher verdingſt. Da bezahlſt Du Deine Schuld und Annunciata kann im Ueberfluß leben, bis Du wiederkommſt. (Fortſetzung folgt.) Miscellen. Ueber die Unglücksfälle mit Dampfbooten auf dem Miſſiſſippi theilt Lyell in ſeiner Reiſe Folgendes mit: Ich hatte viel von den Gefahren des Miſſiſſippi gehört und ſelbſt ehe ich Neu-England verließ, hatten mir einige meiner Freunde, theils in Scherz und theils um mir in der Wahl der Schiffe und Kapitäne die nöthige Vorſicht einzuflößen, endloſe Geſchichten von der Gefahr erzählt, der wir uns ausſetzten. Einer von dieſen hatte mir eine Zeitung gegeben mit einer ſchrecklichen Liſte aller Unglücks⸗ fälle vom letzten Jahre. Fünfzig Schiffe waren in Baum— ſtämme gerannt(suagged), ſiebenundzwanzig waren ge⸗ ſunken, bei ſechszehn war der Dampfkeſſel geſprungen, dreizehn waren verbrannt, zehn geſcheitert und ſieben von *) So viel als: Straßenräuber werden. Eis zertrümmert worden. Darauf folgte eine Angabe der Zahl der Perſonen, die ertranken oder beſchädigt wur— den. Ein anderer Freund lenkte meine Aufmerkſamkeit auf eine nicht ungewöhnliche Anzeige in den Zeitungen von St. Louis mit der Ueberſchrift:„Eine gute Gelegen— heit hinabzugehen.“—„Dies,“ erklärte er,„heißt nicht zu Grunde zu gehen, wie Sie wohl ſchließen möchten(ob— gleich das ein keineswegs unwahrſcheinliches Reſultat Ihrer Reiſe iſt), ſondern bezeichnet nur den Fluß her— unter.“ Ein Anderer gab mir den folgenden guten Rath: „Wenn Sie eine Wettfahrt oder eine Jagd mit einem rivalen Boot machen, und wenn die andern Paſſagiere den Kapitän anfeuern, der auf dem Ventil ſitzt, um es mit ſeinem Gewicht niederzudrücken, ſo gehen Sie ſo weit als möglich von der Maſchine fort, und verlieren Sie ja keine Zeit, beſonders wenn Sie den Kapitän rufen hören: „Feuert, Jungens, das Harz drauf!“ Wenn ein Diener ruft:„Die Herren, welche nicht bezahlt haben, mögen ſo gut ſein und in die Damenkajüte gehen,“ ſo gehorchen Sie der Aufforderung ohne Aufſchub, denn dann iſt eine Exploſion zu befürchten.—„Warum in die Damenka— jüte?“— fragte ich.—„Weil es das ſichere Ende des Boots iſt, und weil ſie für die perſönliche Sicherheit derer beſorgt ſind, die ihre Dollars noch nicht bezahlt haben, da ihnen Nichts an den anderen liegt. Bezahlen Sie deßhab nie im Voraus, denn wenn Sie während einer Wettfahrt über Bord fallen und die Wache dem Kapitän zuruft:„Ein Paſſagier über Bord!“— ſo ſagt er: „Hat er bezahlt? und wenn dieß bejaht wird, ſo ruft er Go ahead!“ Ein Bauernmädchen wurde in der Kinderlehre gefragt: Was ſie mit ihren Sünden verdient habe. Sie antwor— tete:„Ach, Herr Pfarrer, ich verlange nichts dafuͤr.“ „Auf Ehre, mir iſt heute recht dumm,“ ſagte ein Herr zu ſeinem alten Bedienten.—„Ja,“ erwiederte die⸗ ſer ängſtlich,„Euer Gnaden ſehen auch ganz darnach aus.“ Ein armer polniſcher Jude ging durch einen Wald. Ein Wolf kam auf ihn los. Verdutzt, erſchrocken hielt der arme Jude ihm ſeinen Wanderſtock entgegen, und glückli— cherweiſe ſchoß ein lauernder Jäger hinter ihm nach dem Wolfe, der, getroffen, todt hinfiel.„Gott's Wunder!“ ſchrie der arme Jude, der den Jäger nicht ſah, und blos den Schuß hörte,„hob ich den Stock doch ſchaun zwanzig Johr, und hob nit gewißt, daß er geladen is.“ Ein verzogenes Söhnlein gab in Gegenwart ſeiner Mutter der Dienſtmagd einen Schlag in's Geſicht. Wie eine Furie fuhr die Mutter auf ihn zu und rief:„Wann wirſt du denn einmal Art lernen? Schon wieder mit der linken Hand!“ Ein junger Menſch, der ſich vor dem Anfange der Oper im Parterre damit beſchäftigte, in die Logen herum zu gaffen, fragte ſeinen Nachbar, den er aber nicht kannte: „Sehen Sie doch das Affengeſicht da, kennen Sie die nicht?“ —„Welche?“ fragte dieſer.„Die dort eben in die Loge herein kam.)—»Das iſt meine Schweſter.“—„Nein, nein,“ ſagte er ſehr betroffen,„ich meine die andere da— neben.“—„Das iſt meine Frau.“ Als ein Lehrer ſeinen Schülern erklärte, daß im Monde wahrſcheinlich auch Menſchen oder doch menſchen— ähnliche Weſen lebten, fragte ein Knabe:„Herr Lehrer, wo bleiben denn die Menſchen im Monde, wenn der Mond abnimmt?“„Nun, die nehmen auch ab!“ erwiderte barſch der Lehrer. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. R Fruchtverſteigerung. (20) Dienſtag den 11. Januar d. J., Nach⸗ mittags 2 Uhr, werden in dem hieſigen Rath⸗ hauſe von den Fruchtvorräthen des vereinigten Armenfonds dahier 60 Malter Korn und 20 Malter Gerſte zweimalterweiſe öffentlich meiſt⸗ bietend verſteigert. Friedberg den 3. Januar 1853. f Der Großberzogl. Bürgermeiſter Bender. Pfandhaus. (21) Als Pfänderverwahrer und Taxator bei hieſigem Pfandhauſe iſt Herr G. Fr. Schweitzer ernannt worden, welcher mit dem Anfang des neuen Jahres ſein Amt antreten wird. Friedberg den 31. Dezember 1852. Für die Armencommiſſion: K. Baur. Bender. Faſelochsverſteigerung. 122) Freitag den 7. d. M., Vormittags 10 Uhr, ſoll auf dem Rathhauſe zu Melbach ein der Gemeinde zuſtehender ſehr ſchwerer ſchlacht— barer Faſelochs meiſtbietend verſteigert werden. Melbach den 3. Januar 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Keil. Bekawmntmaſch ung.“ (23) Mittwoch den 26. Januar k. J., Nach⸗ mittags 2 Uhr, ſoll das einſtöckige Wohnhaus des Franz König zu Dornaſſenheim in der Ge⸗ meindeſtube daſelbſt einer zweiten Verſteigerung ausgeſetzt werden. Reichelsheim den 23. Dezember 1852. Herzogl. Naſſ. Landoberſchultheißerei Hildenbrand. Feichten ige u ne. (2) Künftigen Montag den 10. Januar 1853 ſollen Vormittags 10 Uhr: 15 Malter Korn, 10„ Gerſte, 3000 Pfund Kornſtroh und 1200„ Gerſtenſtroh, gegen gleichbaare Zahlung meiſtbietend auf da— hieſigem Pfarrhofe verſteigert werden. Langenhain den 28. Dezember 1852. Köhler, Pfarrverweſer. e (25) Mittwoch den 12. Januar 1853, Vor⸗ mittags 9 Uhr anfangend, ſollen in dem hiefigen Gemeindewalde, Diſtrict Höchſterweg, nachbe— nannte Holzſortimente, als: IJ. Bau⸗ und Werkholz: 17 Stämme Eichenholz von 16 bis 45 Zoll mittlerem Durchmeſſer und 3969 Cubikfuß ent⸗ haltend, welches ſich beſonders gut für Glaſer⸗, Küfer⸗, und Schreiner-Werkholz, ſowie zum Schiffsbau eignet, II. Brennholz: 25 ½ Stecken Eichen⸗Scheitholz, 175 75„ Buchen-⸗Prügelholz, 1„ Eichen⸗„ 4„ Buchen-⸗Stockholz, 36„ Eichen⸗ 1 50 Stück Buchen⸗Wellen, 525„ Eichen⸗„ öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Bönſtadt den 31. Dezember 1852. Der Gr. Bürgermeiſterei-⸗Vicar Geibel. 8 e Bekanntmachung. (26) Dienſtag den 11. Januar 1853, Vor⸗ mittags 9 Ubr, ſollen in dem Wirthshauſe des Heinrich Sang II. deſſen circa 60 Morgen Aecker, Gärten und Wieſen, in hieſiger Ge— markung belegen, unter den im Termin be— kannt gemacht werdenden Bedingungen frei⸗ willig verpachtet werden. Fauerbach II. am 2. Januar 1853. In Auftrag: Der Großherzogl. Bürgermeiſter Boer. Privat- Bekanntmachungen. Einladung zum Abonnement (27) auf das Büdinger Anzeige⸗ und gemeinnütziges Wochenblatt, welches 1853, nun ein Halbjahrhundert erſcheint, wie ſeither fortbeſteht. Erſteres enthält: Auszüge aus den Regierungsblättern, Kreisamtliche Orts- und Land⸗ gerichtliche-Bekanntmachungen, ſowie Privat⸗Bekanntmachungen, Kirchliche Anzeigen, Polizeitaxen, Fruchtpreiſe, Stand des Gold- und Silbercourſes ꝛc. Das Wochenblatt enthält: Gedichte, Geſchichten und Erzählungen, land- und hauswirth⸗ ſchaftliche und ſonſt gemeinnützige, belehrende neue und auszügliche Mittheilungen, Miszellen, Cor⸗ reſpondenzen, Charaden und Rathſel ꝛc. Dieſe Blätter erſcheinen wöchentlich jeden Samſtag, erfordert es die amtliche Publieität oder ſonſtige Umſtänden, werden ſie auch 2mal in der Woche ausgegeben. Der Abonnements-Preis für beide Blätter zuſammen bleibt wie ſeither jährlich 1 fl. 12 kr. Bei jeder Poſt⸗Verwaltung können hierauf Beſtellungen gemacht und regelmäßig bezogen werden. Der Poſtaufſchlag beträgt 18 kr.— Die Gebühren der Bezirksboten, die das Blatt ins Haus zu bringen haben, betragen ebenfalls jährlich 18 kr. Die Inſerat⸗Gebühren werden wie ſeither die Petitzeile das iſte Mal mit 2 kr. und jedes weitere Mal mit 1 kr. berechnet. Um neue Beſtellungen bittet höflith Die Expedition. Mittel, welches das Leder vorzüglich conſervirt An— n 975 0 und geſchmeidig erhält, kann Naß alles Schuh⸗ (1999) Altes Blei, altes Meſſing und altes werk gegen Näſſe und ſelbſt gegen den alles Kupfer kauft in jeder Quantität und zu den durchdringenden Schnee und Thau vollkommen beſtmöglichen Preiſen waſſerdicht machen, empfiehlt Das Etabliſſement für mechan. Conſtruction von. 4 een Seanee Friedberg. P. F. Schmittner. Ein Logis in Frankfurt a. M., Römerberg J. 77 u. 78. Gutta⸗Percha⸗Firniß 120) für eine ſtille Haushaltung, welches ſo— gleich bezogen werden kann, hat zu vermiethen (28) in Töpfen mit Gebrauchs-Anweiſung, à 18 kr. Mittelſt dieſem neuen, praktiſchen H. Bopp in der Vorſtadt. htte Weber's Volks⸗Kalender für das Jahr 1 8 58. Mit vielen Illuſtrationen. Inhalt: Jahreskalender— Geſchichtskalender— Politiſche Belehrungen— Länder- und Völkerkunde— Naturhiſtoriſche Belehrungen.— Gemein— nützige Belehrungen.— Unterhaltungskalender.— Haus- und Hülfskalender. Preis 44 kr. (30) Weber's Volks⸗Kalender für das Jahr 1853, im Verlage von Weber zu Leipzig, er⸗ ſcheint gegenwärtig bereits im vierten Jahrgange, was für ihn ſprechen muß, da er ſich Unter ſo vielen Konkurrenten ſeinen Platz zu ſchaffen und zu erhalten gewußt hat. Unbedingt iſt die Kalender-Literatur in der Gegenwart ein ſehr gewichtiger Moment für die Bildung und Leitung des Volks. Denn Hunderten von Kalendern, die jährlich in Deutſchland erſcheinen und Hundert— tauſenden, wenn nicht Millionen geiſtigen Impuls zu geben verſuchen, muß man eine literariſche Bedeutung zugeſtehen. Der vorliegende Volks-Kalender von Weber nimmt auf dieſem Gebiete keinen unbedeutenden Platz ein; er iſt verhältnißmäßig wohlfeil, enthält einen ſehr reichen Stoff, geziert mit Bildern, die oft ſehr draſtiſch an die Anſchauung des Volks appelliren, und hat eine entſchiedene Tendenz, über die ſich das Vorwort des vorliegenden Jahrgangs näher ausſpricht: „In einem einigen, von einem feſten Bundesbande umſchloſſenen Deutſchland, heißt es im Vor⸗ wort, erblicken wir die Bürgſchaft ſeines Beſtandes und die Gewißheit, daß es aus den Stürmen, die früher oder ſpäter, aber gewiß über das alternde Europa einherbrauſen werden, unverſehrt und kräftiger hervorgehen werde, als es in dieſelben hineingeht.“ In dieſer ſo angegebenen Tendenz des Kalenders iſt nun auch vornämlich der ziemlich umfangreiche Beſtandtheil des Ganzen, der Geſchichts-Kalender gehalten. Daran ſchließen ſich in gleicher Richtung politiſche Belehrungen, wie der deutſche Zollverein und der mitteleuropäiſche Handelsbund. Weitere Aufſätze verbreiten ſich über das Kirchenleben, die Schule. Daran reiht ſich die Länder- und Völkerkunde. Ferner folgen naturhiſtoriſche Belehrungen, welchen ſich gemeinnützige Belehrungen anreihen. Zum Schluß folgt der Unterhaltungskalender, ſowie ein Hande und Hülfskalender; ein reicher Stoff mithin in angemeſſener Ausſtattung. Zu geneigten Aufträgen empfiehlt ſich CE. Bindernagel in Friedberg. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg.