erg und Butzbah M. Oktober. — Fried- Buß . berg. bac 10— 1 16— 15 6 Bury Kr a 1 ichen ichen N SI. ntelligenz-Dlatt 0 fuͤr die Provinz Oberheſſen 2 im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda im Beſonderen. Mittwoch den 27. Oktober 1852. Die Hellſeherin. Novellette. (Schluß) André war ganz außer ſich. Unter Verwünſchungen gegen die alte Margot und die Hellſeherin, und vor Auf⸗ regung zitternd, bat er Julienne, ſich raſch anzukleiden und mit ihm nach Paris zu fahren. Er ließ ſein Gig ein⸗ ſpannen, und einige Minuten ſpäter fuhr er mit ſeiner kleinen Frau, die gewaltig in Sorgen und Angſt war, im raſcheſten Trabe gen Paris. Ehe man ſich's verſah, war die Stadt erreicht, denn André hatte noch niemals ſo ſcharf auf ſein Pferd gepeitſcht. Bald war man in der Rue St. Nicolas, und als André vor der Thüre der Hell⸗ ſeherin geklingelt hatte, erſchien der Greis wieder, mit ſeiner gewohnten ſanften und freundlichen Miene. Sein impoſantes Aeußere voll ruhiger Würde machte den unge⸗ ſtümen grimmigen Ehemann zwar etwas betroffen; er nahm vor ihm den Hut ab und begehrte Mademoiſelle Trompeère zu ſprechenz allein ſeine Stimme und ſein haſtiges Weſen verriethen dem Greiſe ſeine Gemüthsbe— wegung und machten dieſen ſtutzig. Er ſah ſich nach Ju⸗ lienne um, aber dieſe blickte bei Seite, ſo daß er ihr Ge— ſicht nicht ſehen konnte, und er mußte ſich nach einer kurzen Ueberlegung bequemen, beide einzulaſſen. Die Hell⸗ ſeherin ſaß wiederum im ſelben Lehnſtuhle, mit weiblicher Arbeit beſchäftigt, von welcher ſie nun aufblickte, um das herantretende Paar mit einem ſcharfen forſchenden Blicke zu meſſen. Anfangs überflog eine gewiſſe Spannung ihre Züge, als ſie die glühende Wange und den düſtern Blick des gekränkten Gatten ſah; allein ſie faßte ſich raſch wie⸗ der zu anſcheinend vollkommener Gleichgültigkeit. „Weib, Deine Spiegelfechterei iſt uns theuer zu ſtehen gekommen!“ rief André. f f „Mein Herr!“ ſiel ihm Mademoiſelle Trompere ernſt in die Rede. „Dieſer Betrug ſoll Ihnen aber auch ebenſo theuer zu ſtehen kommen, als Anderen!“ fuhr André fort.„Ihre Lügen tragen Saamen— wiſſen Sie das?— und wer⸗ den zu Gift, das überall Unheil und Unſegen verbreitet, wohin es fällt. Wenn Sie nicht ſogleich das lügenhafte Mährchen widerrufen, das Sie meiner thörichten Frau neulich aufgebunden haben, ſo ſollen Sie bald ſehen, daß Sie dießmal an den Unrechten gekommen ſind!“ i „Ihrer Frau?“ rief die Hellſeherin;„Sie ſind nicht ganz bei Sinnen, lieber Mann 40 „Man könnte über ſolchen Streichen beinahe von Sinnen kommen!“ verſetzte André;„drum nehmen Sie Ihre Reden wohl in Acht. Ja, dieß hier iſt meine Frau, die neulich bei Ihnen war, und Sie werden das nicht leugnen wollen. Sie kam neulich in einer thörichten Laune zu Ihnen, um Sie zu befragen, und Sie banden ihr da⸗ mals gewiſſe Lügen über mich auf, die Sie nun ſelbſt für ſolche anerkennen ſollen. Geſtehen Sie den Streich ein, den Sie der argloſen Frau geſpielt haben, und ich will's dabei bewenden laſſen; weigern Sie ſich aber deſſen, ſo gehe ich ſpornſtreichs zum Polizeipräfekten!“— Der alte Mann ſtand mit irrem Blicke und wie von Blödſinn be— fallen, that- und rathlos dabei; aber ſeine kühnere Spieß⸗ geſellin betrachtete den grimmigen Beſucher mit der größten Kaltblütigkeit und ſah ihm mit unwandelbar feſtem Blick in's Auge. „Nein, guter Mann,“ erwiderte ſie ſtolz, und lehnte ſich in ihren Armſtuhl zurück,„ich habe den Beruf, die Wahrheit zu entdecken, nicht zu verleugnen. Die Leute ſuchen mich auf, wenn Sie ihren Lebensverlauf durch ge— heime Urſachen geſtört finden, durch Geheimniſſe oder Räthſel, die ſie gerne gelöst ſehen möchten. Auch Ihre Frau hat aus ſehr begründeter und gerechtfertigter Neu⸗ gier ſich der großen wiſſenſchaftlichen Entdeckung bedient, deren Darlegerin ich bin. Monſieur Folitton, Sie be⸗ ſchuldigen mich der Lüge und fordern von mir, ich ſolle verleugnen, was ich als wahr erkenne. Ich habe Ihnen aber nur zu entgegnen, daß ich natürlich Nichts zurück— nehme, was ich geſagt. Wahrſcheinlich wollen Sie da—⸗ durch in den Augen einer Frau, die Sie hintergangen, als unſchuldig erſcheinen, indem Sie ein Frauenzimmer durch Drohungen zu der Erklärung nöthigen wollen, daß Sie ein treuer Gatte und Wahrheitsfreund ſeien. Aber erfahren Sie, mein Herr, daß ich weder ſchwach noch ſchlecht genug bin, um Ihrem Verlangen zu entſprechen, wenn Sie mich jetzt auch für eine Betrügerin ausgeben möchten!“ „Dann muß ziehen!“ rief André. „Und ich ebenfalls!“ rief die Hellſeherin.„Ich werde noͤthigenfalls gar nicht anſtehen, aller Welt die Wahrheit der Eröffnungen darzuthun, welche ihre Frau von mir ge— hört hat!“ „Du biſt frech, Weib!“ rief Audré wüthend. „Allerdings, ich habe das mit dem armſeligſten Weſen der Schöpfung gemein, daß ich kühn bin, wennn ich den Polizeipräfekten zu Rathe — 3 man mich angreift! Sie werden es nicht leicht finden, mich zu Ihren Gunſten umzuſtimmen. Verſuchen Sie es auf jede mögliche Weiſe, wenn Sie Luſt dazu haben; aber ſo wahr ich die Wahrheit weiß, Sie dürften es ſehr be⸗ reuen!“ Dieß ward mit ſolcher Zuverſicht, ſo kühn und feſt geäußert, und ihr ganzes Benehmen war ſo voll höchſtem Trotz und Selbſtvertrauen, daß ſich André's Grimm in Betroffenheit und wortloſe Verblüfftheit ver⸗ wandelte. Er nahm ſeine höchlich erſchrockene und auf⸗ geregte Frau am Arme, zog ſie aus dem Zimmer, und drohte der Hellſeherin noch im Weggehen, ſie ſolle bald von den Schritten hören, die er ergreifen werde. Bis jetzt war zwiſchen ihm und Julienne noch kein Wort von Verſöhnung geſprochen worden; er war zu ſtolz, um mit ihr Frieden zu e 1 ſich in ihren Augen erechtfertigt hatte, ſo gut er konnte. i 15 boch am ſelben Abend brachte er Marie Co⸗ lonne mit ihren beiden Eltern in ſein Haus, und erzählte ihnen in Gegenwart ſeiner Frau den ganzen Verlauf ſei⸗ ner häuslichen Widerwärtigkeiten bis zu dem Vorfall, der ſich am Morgen zwiſchen ihm und der ſo gerühmten Hell⸗ ſeherin zugetcagen hatte. Dieſe achtbare Familie war ſehr entrüſtet, ließ es aber Julienne nicht entgelten, die— vollkommen gemüthskrank— in der That auch Mitleid verdiente. Madame Folitton dagegen verſicherte die Co⸗ lonne, es habe gewiß keine Regung von Argwohn oder Eiferſucht ſie veranlaßt, die Hellſeherin zu befragen; ſie habe einen thörichten Streich begangen, welchen ſie lebens⸗ lang bereuen werde, und ſeie nur einer leichtſinnigen Laune, einer ſcherzhaften Regung gefolgt; der Treue ihres Gatten verſichert, würde ſie ſelbſt niemals im Mindeſten verſucht worden ſein, ſich ſelbſt und ihren Mann mit ſolchen Mißverſtändniſſen und falſchen Vorausſetzungen zu peinigen, wäre nicht die Folge ihres leichtſinnigen Schritts dieſes ſcheinbar ſo merkwürdige Zuſammentreffen verſchie⸗ dener Umſtände. Reumüthig bat ſie nun ihren Gatten und Marie um Vergebung. „Es läßt ſich zwar Alles recht gut erklären,“ ſagte André,„aber ich kann jetzt gar nicht begreifen, wie es mir zuvor niemals in den Sinn kommen mochte, daß Ju⸗ lienne meine häufige Abweſenheit und das Geheimniß, worein ich ſie hüllte, übel nehmen oder mißdeuten könnte. Ich hätte mir niemals träumen laſſen, daß aus dem Hehl, welchen ein Gatte aus einer ſo unbedeutenden Sache mache, ſolches Unglück entſpringen könne; nun ſehe ich aber, wie möglich dieß iſt, und werde ihr in Zukunft ge— wiß auch nicht das Mindeſte mehr verheimlichen!“ Und nun geſtand er ſeiner Frau, er ſey Mitglied eines jener geheimen Klubs geweſen, welche nach der Februarrevolution in ganz Frankreich und beſonders in der Nähe von Paris in ſolcher Unzahl entſtanden ſeien. Dieſer Klub habe ſich in Herrn Colonne's Hauſe verſammelt, welcher der Präſident deſſelben geweſen ſei. Die ganze Geſellſchaft war ja damals ein Strudel entgegengeſetzter und ſich widerſtrebender Parteien, und dieſer Klub, an welchem mehrere der wohlhabendſten Einwohner von St. Cloud theilnahmen, verdankte ſeine Entſtehung dem ge— meinſam gefühlten Bedürfniſſe der Freunde der Ruhe und Ordnung, ſich enger zuſammenzuſchließen und an einander anzulehnen, um im Falle eines neuen Ausbruchs nicht rathlos und ungerüſtet zu ſein. Die Fortdauer der bür— gerlichen Ruhe hatte übrigens vorerſt die einſtweilige Auf— loſung des Klubs veranlaßt, bis vielleicht eine andere Zeit der Unordnung und Gewaltthat eintreten ſollte,„und darum,“ ſchloß André,„werde ich in Zukunft meine Abende zu Hauſe verbringen!“ Julienne hörte dieſe Erklärung mit einem Gemiſch 40 1 0 5 von Vergnügen und Bedauern, bat nochmals demüth Marien um Verzeihung, und lag, ehe ſſie ſich's verſa in den Armen des mitfühlenden jungen Mädchens. Herr Colonne war höchlich empört über die Schmach, welche man dem Ruf ſeiner einzigen und zärtlich geliebten Tochter 1 anthun wollen; er ſtattete auf dem Heim— weg der Madame Margot einen Beſuch ab und hatte eine Unterredung mit ihr, welche der Alten bedeutendes Herz— klopfen verurſachte und an die ſie noch lange gedachte. Es war eine verdiente Witzigung für das Gelüſte der alten Frau, die Schwächen ihrer Nachbarn aufzudecken und ihnen wo möglich Eins anzuhängen. Herr Colonne war auch feſt entſchloſſen, Mademoiſelle Trompère und ihren Spießgeſellen gerichtlich zu belangen, was aber André nicht billigen wollte, der ſich nun für zufriedenge— ſtellt erklärte, nachdem der Irrthum aufgeklärt war; allein Herr Colonne beſtand darauf, er laſſe kein Mitglied ſeiner Familie ungeahndet verunglimpfen; er wollte— und wäre es auch nur aus Rückſichten der öffentlichen Wohl⸗ fahrt— gerne es ſich tauſend Franken und noch mehr derſt einmal mit Marie zu Mademoiſelle Trompeère zu gehen und ſie zum Widerruf ihrer Erfindung zu nöthigen. „Ich will dann mit meiner Frau ebenfalls mitgehen,“ ſagte er,„dann hat das Weibsbild keine Gelegenheit mehr zu Ausflüchten oder zum Beharren auf ihrer Verläumdung.“ Am andern Tage fuhren ſie nach Paris. Herr Co— lonne, ein Mann von ſehr lebhaftem und reizbarem Tem⸗ perament, ging mit ſeiner Tochter vorauf zu der Hell ſeherin. „Mein Name iſt Colonne,“ ſagte er, ohne vieles Ceremoniell, als er der Demoiſelle Trompère und ihrem Vater gegenüber ſtand;„dieß hier iſt meine Tochter Marie. Wir haben Beide expreß die Fahrt von St. Cloud hieher gemacht, um Ihnen zu ſagen, daß Ihre Hellſeherei ſehr mangelhaft iſt, und um Sie zu warnen, in Ihrem Hand⸗ werk nicht allzu vorwitzig zu ſein! Ueberhaupt würden Sie klüger thun, ein anderes, ehrbareres und anſtändi— geres Gewerbe zu ergreifen, denn wenn man mit Ver⸗ leumdungen und Lügen umgeht, ſo riskirt man, mit der Polizei und dem Zuchthaus in Berührung zu kommen!“ „Sehen Sie, Papa! ſagt' ich's Ihnen nicht vorher, wir würden bald eine Fortſetzung zu dem Roman mit den armen Folittons bekommen?“ fragte die Hellſeherin ſpöttiſch ihren Vater. „Sie werden bald noch andere Folgen erleben, mein Fräulein, wenn Sie nicht alsbald die Verleumdungen gegen meine Tochter zurücknehmen! rief Herr Colonne hitzig. „Herr Colonne,“ verſetzte Mademoiſelle Trompere kaltblütig und ſogar herausfordernd,„Sie ſind durch ein ſehr natürliches, verzeihliches und Sie ehrendes Vaterge— fühl veranlaßt worden, hierher zu kommen, aber Sie ahnen wahrſcheinlich nicht, daß Sie ſelbſt der Hintergan— gene ſind!“ „Nein, das ahne ich nicht, denn ich bin nicht ſe leicht zu hintergehen,“ verſetzte Herr Colonne mit kaltem Lächeln. „Das iſt Ihre Anſicht, und im Grunde glaubt dieß Jeder von ſich,“ erwiderte nun die Hellſeherin ebenfalls lächelnd.„Indeſſen iſt es dennoch nur allzu wahr: Sie ſind ſeither hintergangen worden. Ihre Tochter und Herr Folitton wiſſen dieß recht gut; ſie ſuchen dem Verdacht eines Liebeshandels zu entgehen, die Eine wegen ihres n 0 1 0 le K g cht mei g ren 6 ſunilge 15 gal Jace 5„Ja, 0 ö 10 pere mit 0 on ſtelte er l 1 , f nacht; er dre 1 D mul 5 ſahrheit meinen 9 Genug, 9 alen. Aber am Colonne atammiſſars ſſnſieur Tro lichter verhaff e Siebenſach zich ſehr fl mmiſſär ohne Herend ** Immobil (672) Donne dags 10 Uhr, a freiwilligen um Nachlaſſe d nit Johannes gmobilien, als No. Gema f! Hojt Wol 127 ma W 635/35 10 15 967.894 nuhmals öff gen wertet Nut tn N dc verſ e e 9 N die S 8 zaktlich dag uf liebte * em Hein, 4 hatte eine 8 Her J gedachtz ae Geliſte di arn aufzu Verr Colonn . U * was abg 1 Auftiedeng, 3 war; allen „. Mitglied feine wollte— und fentlichen. Woh. und noch meht ren und die Un en vor Betrig us Furcht vor Lrlonne, zuvd⸗ r Trompére d u nöthiger. als nugehen,“ Olegenben mehr r Berlaumdung“ haris. Herr G, reiztarem Ten- auf zu der Hel⸗ er, ohue viele dere und ihren e Tochter Mari. Et. Coud hiehir Hellſeherei ſelr Zaters, die Andre wegen ſeiner Frau, und ſo bieten ſie ir eine kühne Stirne und wollen mich, die zufällig um Alles weiß, zu der Erklärung nöthigen, daß ihre Tugend und Ehre durch mich angefochten ſeien. Das iſt aber gar nicht meine Abſicht. Sie ſollten ſich, wenn Sie klug wären, mit dem befriedigenden Bewußtſein begnügen, daß derartige Angelegenheiten, wie ich ſie zu entdecken berufen bin, der Welt nicht bekannt werden, ſondern ganz unter ins bleiben!“ „Immer beſſer!“ rief Herr Colonne, uͤber dieſe un— deckg zeheure Frechheit höchlich erſtaunt. „Ja, ſo ſtehen die Sachen!“ fuhr Mademoiſelle rrompère mit höhniſchem Lächeln fort.„Der gute Fo⸗ ſitton ſtellte ſich vorgeſtern an, als ob er die ganze Welt über den Haufen werfen wolle, weil ich nicht geſonnen war, die Eröffnungen zurückzunehmen, die ich ſeiner Frau gemacht; er drohte mir mit der Polizei und mit allen möglichen Schrecken. Mag er es verſuchen: der Erfolg wird nur der ſein, daß man mich zwingen wird, die volle Wahrheit meiner Enthüllungen zu beweiſen, und dieß ſoll mir gar nicht ſchwer werden 170 „Genug, genug!“ rief Herr Colonne beinahe außer ſich;„ich ſehe ſchon, hier iſt alles Reden vergebens. Komm', Marie!“ Verfolgt von dem triumphirenden Lachen der Hellſeherin entfernten ſie ſich, und ſtießen unten zu Folitton und ſeine Frau, welche ſo eben auch hinauf wollten. Aber fünf Minuten ſpäter war das Lachen auf Herrn Eolonne's Seite, als er in Begleitung eines Po— lzeikommiſſärs und zweier Municipalgardiſten wieder bei Monſieur Trompere eintraf und dieſen ſammt ſeiner Tochter verhaften ließ, als ſie eben im Begriff waren, ihre Siebenſachen zuſammenzupacken. Die Hellſeherin war — 1— mit den ehrwürdigen langen Silberlocken vom Kopfe nahm, was eine gewaltige und nichtsweniger als günſtige Ver⸗ änderung in Herrn Folittons Aeußerem hervorbrachte. „Aha, Monſieur Borel! haben wir Euch endlich ausgekundſchaftet? Ich habe mich ſchon lange geſehnt, Euch den Galeeren wieder zu überliefern, mein ſauberer Vogel!“ rief der Kommiſſär lachend, und ließ dem Ge— fangenen Handſchellen anlegen. f In der That ſtellte ſich heraus, daß der Gefangene ein ehemaliger Notar Namens Borel war, welcher wegen großartiger Betrügereien und grober Vergehen wider die Sittlichkeit ſchon einmal zu den Galeeren verurtheilt und während der Revolutionswirren oder früher aus dem Bagno entſprungen war. Er hatte ſeither in verſchiede— nen Städten Frankreichs auf's Neue Betrügereien aller Art verübt, bis endlich ſeine Stunde geſchlagen hatte. Die Hellſeherin war ſeine leibliche Tochter und ein würdiges Kind ihres Vaters. Der Fall mit Folitton kam vor das Zuchtpolizeige⸗ richt; ſämmtliche Betheiligte traten als Zeugen auf und überwieſen die Betrügerin. Noch andere Anklagen, z. B. Erpreſſung, kamen gegen Borel und ſeine Tochter zur Klage und wurden durch rechtsgültige Beweiſe durchge— ſetzt, und ſo kehrte nach kurzem Prozeß der frühere Ga— leerenſträfling wieder in's Bagno zurück, und die wegen ihres Scharfblicks berühmte Hellſeherin wanderte auf vier Jahre in's Arbeitshaus. Seit dieſem unangenehmen Exlebniſſe geht Alles in André's Hauſe ganz nach Wunſch; die beiden Ehegatten haben ſich vollkommen ausgeſöhnt und ſcheinen einander noch inniger zu lieben, als je zuvor. Ihr Glück iſt nun gewiß dauernd begründet. Madame Margot trägt Sorge, den Folittons und Colonnes aus dem Wege zu gehen, plötzlich ſehr kleinlaut, und noch mehr, als der Polizei⸗ kommiſſär ohne viele Umſtände ihrem Vater die Perücke und wird wohl keinen Kaffee mehr bei Julienne trinken. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. N νι Immobiliar-Verſteigerung. in Ihrem Han⸗ berhaupt würden es und anſtänd⸗ man mit Ver t man, mit der zu kommen!“ en nicht vorher, Roman mit den ljeherin ſpöttiſſ en erleben, mein Verleumdungen F Herr Colonne 'eiſelle Tronrèſe ie ſind durch ein cbtendes Vaterg⸗ men, aber Ste (1672) Donnerſtag den 28. Oktober, Vor⸗ alittags 10 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag die nachverzeichneten, zum Nachlaſſe der hier verſtorbenen Meſſer⸗ ſchmidt Johannes Schäfers Eheleute gehoͤrenden Immobilien, als: 5 Pag. No. Gemarkung Stadt Friedberg: 20/17 Hofraithe in der Ludwigsſtraße, als Wohnhaus, Stall und Gärtchen, an Auguſt Seibert, 31 Rth. Garten in der 13. Ge⸗ wann, an Philipp Hoff⸗ mann, Garten in der 17. Ge⸗ wann an Martin Groß, „ Acker im großen Wartfeld, an Heinrich Müller II., Acker im Lachenfeld, an Eliſab. Catharina Dom⸗ 188/13 220/27 127 293/19 130 613/41 42 189* ſchüz, „Wieſe in der 16. Gewann an der Seebach, an Chri⸗ 8 213/41 5 ſt der Hintergaf⸗ nn u wahr: Sit achter und Het Tochter N een Verdacht ſtian Ulrich, Gemarkung Fauerbach II.: 715/41 47½%„ Acker in der Elache, an Hartmann Schütz, 635/31 117„ Acker im Holz, am Schloß Fauerbach, Gemarkung Ockſtadt: 8457. 8. 9. 116/ bei des Circaxäpfelbaum, zwiſchen dem Bäumches⸗ weg und der Allee an Amtmann Sebaſtiani, nochmals öffentlich meiſtbietend unter dem An⸗ fügen verſteigert, daß nunmehr bei annehmbaren Geboten die Genehmigung alsbald ertheilt und Nachgebote nicht mehr angenommen werden ſollen. Friedberg den 20. Oktober 1852. In Auftrag: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Edietalladung. (1657) In Folge hofgerichtlicher Concurser⸗ kennung über das Vermögen des Georg Braun J. in Weckesheim werden ſowohl bekannte wie un⸗ bekannte Gläubiger deſſelben zur Anmeldung und Begründung ihrer Forderungen im Termin Mittwoch den 17. November l. J., Morgens 10 Uhr, unter dem Rechtsnachtheile ſtillſchwei⸗ genden Ausſchluſſes von der Concursmaſſe hier⸗ her vorgeladen. Hungen am 5. Oktober 1852. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Concursſache. (1638) Das Vermögen des Andreas Keller von Roßdorf iſt überſchuldet. Es werden deßhalb Alle, welche an denſelben Forderungsanſprüche haben, aufgefordert, ſolche den 12. November k. M., Morgens 9 Uhr, Contumacirzeit, dahier anzumelden. Zur Abwendung des förmlichen Concurſes ſoll im gedachten Termine die Güte verſucht werden und haben deßhalb die Intereſſenten in Perſon, oder vertreten durch Specialbevollmäch⸗ tigte, zu erſcheinen. Die nicht erſcheinenden bekannten Gläubiger werden als den Beſchlüſſen der Mehrzahl bei⸗ tretend erachtet, die unbekannten aber ausge⸗ ſchloſſen. Hanau am 8. Oktober 1852. Kurfürſtliches Juſtizamt II. Cb ſt er dt. Avenarius. Verpachtung des Mineralbrunnens zu Vilbel. (4639) Dienſtag den 2. November d. J., Vormittags 10 Uhr, wird in dem Rathhauſe zu Vilbel, der dem Großh. Heſſ. Fiscus gehö⸗ rige Mineralbrunnen daſelbſt mit dem dabei befindlichen Wohnhauſe für den Pächter, auf 6 Jahre, von dem Tage der ertheilt werdenden Genehmigung an, meiſtbietend verpachtet. Friedberg den 15. Oktober 1852. Der Gr. Rentamtmann des Rentamts Friedberg Domänenrath Bau ß. Mobiliar⸗Verſteigerung. 11662) Montag den 25. Oktober d. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, werden in hie⸗ ſigem Rathhauſe nachverzeichnete Mobiliar⸗ Gegenſtände, als: eine große Parthie gebun⸗ dener, theils ungebundener Bücher, worunter ſich unter andern Walter Scotts Werke, Schrif⸗ ten von Clauren, Pichler ꝛc. befinden, ſodann drei gepolſterte Stühle, ein runder Tiſch, ver⸗ ſchiedene Glas⸗ und Blechgegenſtände, ein Bücherſchrank, 1 Faß, mehrere Kleidungsſtücke ꝛc. öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 16. Oktober 1852. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Verkauf von Eicheln. (4687) Die Gemeinde Soedel kann 100 Malter Eicheln, das Malter zu 2 fl., käuflich abgeben, und es wollen ſich daher Luſttragende alsbald an den Unterzeichneten wenden. Soedel den 21. Oktober 1852. Der Großh. Heſſ. Bügermeiſter Reißz. * — r —— „—.— — 342— Braunkohlen⸗Verkauf. (16880 Vom 1. November d. J. an koſtet bis auf weitere Verfügung auf der Braunkohlen⸗ grube Wilhelmshoffnung bei Dornaſſenheim der Centner Klötze ſowohl gegen baar als auf Credit 9 Kreuzer. Reichelsheim den 23. Oktober 1852. Schmid, prov. Bergcontrolleur. Oeffentliche Aufforderung. (1689) Ein Theil des Nachlaſſes der am 25. Januar 1824 verſtorbenen Johannes Hofs Ehefrau von Butzbach, Sybille, geborne Becker, iſt ſeither noch curatoriſch verwaltet worden. Zu dieſen Erben gebören zwei Schweſter⸗Söhne, Johann Heinrich Haas, geboren im Jahre 1800, und Georg Heinrich Haas, geboren zu Oberrosbach im Jahre 1806, find aber ſeit längeren Jahren, unbekannt wo, abweſend. Auf Anſtehen ihrer Miterben werden daher Johann Heinrich Haas und Georg Hein⸗ rich Haas, oder wer ſonſt noch Anſprüche an oben bezeichneten Nachlaß zu haben glaubt, hierdurch aufgefordert, dieſe Anſprüche binnen einer Friſt von 60 Tagen bei dem un⸗ terzeichneten Gericht ſogewiß geltend zu machen, als ſie ſonſt keine Berückſichtigung finden können und der Nachlaß den aufgetretenen Erben ohne weitere Caution aus gehändigt werden wird. Butzbach am 16. Oktober 1852. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Ebel. Obligations-Verlooſung. (1690) Die Partial⸗Obligation No. 2 der Gemeinde Rodenbach iſt auf den 1. Novembg d. J. rückzahlbar geworden und kann dert Betrag bei hieſiger Gemeindekaſſe oder bei def Handlungshaus S. Lindheimer zu Friedbetg! Empfang genommen werden. dieſer Obligation hört mit dem 1. Nov emb d. J: auf. Rodenbach am 10. Oktober 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeifſt Herrmann. Obligations-Verlooſung. (1691) Bei heutiger Verlooſung der Niedeſ⸗ urſeler Gemeinde⸗Partial⸗Obligation wurden die No. 36 und 45, à 200 fl., zur Rückzahlung für 1852 gezogen und ſind die Beträge au 31. Dezember d. J. bei dem Gemeinde ⸗Einneſ mer dahier in Empfang zu nehmen, da mit dieſem Tage die Verzinſung derſelben aufhön Der Zinela Niederurſel den 10. Oktober 1852.— Der Großh. Heſſ. Eugene f 88 Seidler. 4 Privat⸗ Bekanntmachungen. f Dr. Borchardt's arom. medieiniſche Kräuter ⸗Seife, (1692) als ein bewährtes Mittel gegen die ſo läſtigen Sommerſproſſen, Finnen, Puſteln, Schuppen, Leberflecken und) andere Hautunreinheiten rühmlichſt anerkannt, iſt in hieſiger Stadt nur allein bei mir echt zu haben. 0 P. F. Schmittner. Friedberg. Jahrmarkt zu Okarben (1678) Bei Gelegenheit des diesjährigen Jahrmarktes findet Mittwoch den 27. und Donnerſtag den 28. d. M. bei Unterzeichnetem große Harmonie- und Tanz⸗ muſik ſtatt, ausgeführt durch die Frankfurter Militärmuſik. Indem ich alle Freunde des geſelligen Vergnügens hierzu höflichſt ein⸗ lade, bemerke ich noch, daß für vorzügliche Weine und ausgezeichnete Speiſen beßtens geſorgt iſt. Okarben den 20. Oktober 1852. G. Klee, arts h o f. Leih⸗ und Leſe⸗Bibliothek! (1665) Einem verehrlichen Publikum widme ich hiermit die ergebenſte Anzeige, daß ich eine Leih⸗ und Leſe⸗Bibliothek errichtet habe, welche bis jetzt aus 2325 Bänden der beſten Werke be⸗ währter Schriftſteller der Vergangenheit und Gegenwart beſteht. Die Bücher ſelbſt ſind von den Verlegern neu bezogen, haben durchſchnittlich einen ſehr reinen Druck, ſind neu gebunden und bieten daher dem Leſer alle Annehmlichkeiten dar. Neue Erſcheinungen meiner Bibliothek ſobald wie möglich einzuverleiben, wird jeder Zeit mein eifriges Beſtreben ſein. Gedruckte Verzeichniſſe ſind gegen eine Einlage von 12 kr. ſtets zu haben, welcher Betrag jedoch bei Abgabe der Verzeichniſſe wieder zurückgegeben wird. Friedberg im Oktober 1852. Louis Weis. Ju erkaufen. (1693) Die Erndte von/ Morgen Acker Stoppelrüben hat zu verkaufen Friedberg. Wilhelm Hanſtein, Wagnermeiſter. Anzeige. (1694) Ich mache hiermit die ergebenſte Anzeige, daß ich eine ſchöne Auswahl Seiden⸗ zeuge zu Winterhüten erhalten habe und ſolche billig und ſchön verfertige; auch werden alle feine Handarbeiten auf Beſtellung beſtens beſorgt. Friedberg den 23. Oktober 1852. J. Menges, auf der breiten Straße. Zu verkaufen. (1695) Ein gutes Zugpferd ſteht billig zu verkaufen bei Friedberg. Karl Berg. Friſcher Leinkuchen, (15960 in runder Form, bei Friedberg im Oktober 1852. W. Hanſtein. Schöne Eicheln, (1697) um Schweine fett zu machen, find zu haben bei Friedberg. Heinrich Walz in der Uſergaſſe. Verſteigerung. (1698) Freitag den 28. M., um 12 Uhr anfangend, will E. F. Grünwald zu Nauheim nachſtehende Gegenſtände meiſtbietend verkaufen, als: 2 Pferde, 5⸗ und 10 jährig, wenn dieſelben bis dahin nicht aus der Hand verkauft ſind, 2 Kühe, 2 Wagen mit eiſernen Achſen, ſchwer und leicht, 3 Pflüge, darunter ein Ruchadlo⸗ und ein Kartoffelpflug, 3 Pfuhlfäſſer, 1 Hemmſchuh, 1 Strohbank, 1 Haferkaſten, 1 Reitſattel und Sporn, 1 Stangenzaum, 1 Fliegenneh, 1 Ackergeſchirr, Joche und dergl.; Tiſche, Stühle, 1 Mehlkaſten, Kraut- und andere Fäſſer, Büt Leitern, Stangen, fertige Steckſtecken, 1 Syrr⸗ herd mit Bratofen und Waſchkeſſeleinfafſu g, 1 Mörſer, eichene Bohlen, tannene bohlen und Bauholz, Schubkarren, verſchie Räder und Flachs⸗ Werkzeuge. 5 Ausverkauf wegen Auflöſung der Handels⸗Füma K. D. Schwarzſchild& Sohn zu Bad Homburg, (15820 wird das ſehr bedeutende Waaten⸗ lager derſelben, in deren Local, Louiſenſunße No. 43, vis-a-vis dem Kurſaale, unter nen Fabrikpreiſen ausverkauft. Daſſelbe umfaßt große Vorräthe: 1) aller Arten Manufactur⸗, Kurz⸗ und Mo⸗ dewaaren, 5 2) aller Arten weiße Waaren und Mihel⸗ Commode, Bettſtellen, Schränke, Kaſtengeſſ ö 1 ſtoffe, 3) aller Arten Confectionnies(fertige Ga⸗ chen) für Herren und Damen. N. B. Auch wird das in demſelben Hauſe fich befindliche Lager ausländiſcher Wein in Flaſchen und Fäſſern, in Parthien un ker dem Preiſe abgegeben. 4 Braunſchweiger Flachs, 2 71 in vorzüglicher Qualität und äußert L. Goldmann junior. Verwalter⸗Stelle. ö (1700) In ein ausgedehntes Oekonorie⸗ Geſchäft wird, unter ſehr annehmbaren Bilin⸗ gungen, ein Verwalter— ein Mann von ge ſetztem Alter und mit praktiſchen Kenntniſſenſim landwirthſchaftlichen Fache ausgerüſtet— gesteht, Näheres bei G. Emmert zu Niederwölht (1701) Sonntag den 31. Oktober l. J. Mird das Damen⸗Cafino eröffnet. Friedberg den 24. Oktober 1852. Die Vorſteher der Caſinogeſellſchlaft Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedber g. zu Mainz z n det Staats 12 Kenntniß g 0 dire Anſtalt! f 175 fl. beit. in Aſsecuranzka O. Miniſteriun ogs Königlic verordnen g Atslitel Stel nel Domain iner nachträgli, geneinde zu e Frauenbades d S. K. H. de Mainz das 9 bon Menſchen am 22. Sept. geflattet, flat Rech zu f dtiedensrichten des J. Bezirk Oppenheim d Appold zu W und dem Gen Motariatsbez kertheim über wurde der! ferien des wigk zum ſowie des Iteiherr v. ernannt; af zum Rentay zu Bingen dem Gerich da 1. Bez übertragen. ommiſſär? den; desgl. niit Ertheilſ berleuten dan. S Sache des Oba f im 3. J 2.9 übe 10 rücken in 20. letzter acceſſiſt! adt erng in Gen