f Iried⸗ Buß 1 berg. bach. 15(1% 1 57/0 12 19 12— 42 9— 9— 7172 — — 1 3 140A 6 2 15 1 8— 17 75 16— 16 8 3 23 5 7 e 1 569 80— „ ürgermeiftr g 1. Intelligenz-Dlatt fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda im Beſonderen. M 91. Mittwoch den 1. Dezember 1852. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Leſeholznutzung in den Gr. Domanial— Waldungen des Reviers Oberrosbach für 1835. In Gemäßheit der allerhöchſten Verordnung vom 1. Oktober 1848 und der Bekanntmachung vom 3. Oktober 1848 in No. 57 des Reg.⸗Blts., werden zu Leſeholztagen für 1853 beſtimmt: der 10. Januar, 7. Februar, 7. März, 4. April, 9. Mai, 20. Juni, 11. Juli, 8. Auguſt, 5. September, 10. Oktober, 7. November und 5. Dezember, welche Tage jedesmal auf Montag fallen. Außer den Diſtricten, Abtheilungen und Schlägen, in welchen Holzhauereien im Gange ſind, ſo lange bis das Holz vollſtändig aufgearbeitet, aufgeſetzt und nummerirt iſt, ſind folgende, mit Strohwiſchen bezeichnete Heegen von der Leſeholznutzung ausgeſchloſſen und verboten: Frauenwald: die Schläge No. 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, und in No. 16, 18 und 19 die Kultur⸗ ſtellen. Burgwald: die Schläge No. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9. Mainzerhecken: der ganze Diſtrict. Weſterfeldſcherwald: der ganze Diſtrict. Kellersberg: die Schläge No. 11, 12 und 13. Schwarzheidt: die ganze Parzelle. Beſtimmen die Ortsvorſtände in Folge§. 9. der oben bezogenen Bekanntmachung für ihre den Domanialwaldungen unmittelbar angrenzenden Gemeindewaldungen weniger Leſe⸗ holztage wie die obigen 12, oder laſſen noch andere Be⸗ ſchränkungen bei der Leſeholznutzung eintreten, ſo finden fuͤr die Angehörigen dieſer Gemeinden in Beziehung auf die Tage und die Leſeholznutzung in den unmittelbar angren— zenden Domanialwaldungen dieſelben Beſchränkungen ſtatt. Die Gr. Bürgermeiſter werden hiermit erſucht, das Vorſtehende und die Beſtimmungen aus No. 57 des Regie- rungsblattes von 1848, unter welchen die Leſeholzuutzung überhaupt nur geſtattet iſt, in ihren Gemeinden öffentlich bekannt zu machen. Oberrosbach den 17. November 1852. Der Großh. Heſſ. Revierförſter des Reviers Oberrosbach Bingmann. Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die Herren Geiſtlichen und Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Aufnahme der Bevölkerung im Großherzogthum Heſ⸗ ſen dem Stande derſelben im Monat Dezember 1852. Unter Bezugnahme auf das Ausſchreiben vom 10. Au— guſt d. J., Intelligenzblatt No. 64, werden Sie auf die am 3. k. M. zu beginnende Aufnahme der Bevölkerung aufmerkſam gemacht und wird bis zum 15. k. M. der Vor⸗ lage der Liſten entgegen geſehen. Friedberg den 29. November 1852. ee e , Begucbai Die Schweſtern. Eine Memoiren ⸗Novelle. (Fortſetzung.) „So mußt Du in eine Armenſchule gehen, Kind, denn ich habe kein Geld übrig für ſolche Narrheiten: Du kannſt leſen und ſchreiben und nähen, und was willſt Du mehr? Stelle den Rothwein näher, reich' mir die Cigarren her, und entferne Dich dann, denn der Kopf wird mir warm.“ Ich muß einen Schleier ziehen über Gabrielens hefti- gen Zorn, welcher ſich Luft machte, als wir alle in waren. „Ich grame mich ja nicht um meinetwillen allein,“ rief ſie aus, als ihre Seufzer ſich legten;„aber Du, armes, kleines, zartes Ding, mit Deiner Lahmheit, was ſoll in der weiten Welt aus Dir werden, wenn Du ganz allein ſtehſt? Du kannſt nicht in Dienſt gehen; und was ſollen wir anfangen ohne Erziehung? Denn Nelly hat mir geſagt, daß des Vaters Einnahme mit ſeinem Tode zu Ende geht.“ Ihre Reden waren wirr und unzuſammenhängend; und als ich ſie zu tröſten verſuchte durch die Verſicherung, daß der Heiland für die Vaterloſen ſorge, wandte ſie ſich um und verließ mich. So endete die erſte und letzte Bitte an unſern Vater.— Wenn ich an den Weg zurückdenke, welchen Gabriele von jener Periode bis zu ihrem ſechs—⸗ zehnten Jahre gemacht hat, ſo muß ich erſtaunen über die Frühreife des Verſtandes, die ſie entfaltete, und über die Geiſteskraft, womit ſie begabt war. Wir hatten kein Geld, um Bücher zu kaufen— keine Mittel, um ſelbſt die gewöhnlichen Bedürfniſſe der Kleidung anzuſchaffen, 1 2 222 ͤÜwẽw̃ĩ ᷣͤͤH— —— — 380 ſo daß wir uns oftmals ſchaͤmten, uns in der Kirche zu zeigen. Plötzlich aber ſchien Gabriele ein Weib zu wer⸗ den und ich ihr vertrauendes Kind. Sie war ſchweigſam und kalt; aber nicht mürriſch oder kalt gegen mich, wenn auch ihr Mund ſich zuſammenzog wie von bitteren Ge— danken, und jenen Ausdruck nie wieder verlor, außer wenn ſie lächelte. O jenes ſonnige Lächeln ſtrahlender Schön— heit! Ich ſehe es noch— ich ſehe es noch! Ich verſuchte ſie durch Schmeicheln und Liebkoſen zu vermögen, daß ſie die heilige Schrift läſe: aber Gabriele ſagte, wir ſeien Verſtoßene und von Gott Verlaſſene. Kaum hatte ich das vernommen, ſo erglühten meine bleichen Wangen vor Zorn, und ich rief:„Es iſt gottlos von Dir, ſo zu ſprechen;“ aber Gabriele war nicht böſe, denn es ſtanden ihr die Thränen in den Augen, als ſie mich anſah und ſanft zu mir ſprach:„Armer kleiner Krüppel— liebes, ſüßes Schweſterchen— die Engel, welche dieſe herrlichen Dinge Dir zuflüſtern, gehen an mir voruͤber. Ich höre ſie nicht, Ruth.“ n „Schweſter, Schweſter, ſie reden auch zu Dir und Du willſt nur nicht hören: meinſt Du denn, daß die ein⸗ faͤltige, lahme Ruth mehr begünſtigt ſei als die kluge, ſchöne, die edle Gabriele?“ Darauf ſchloß ſie mich mit einem Ausbruche von leidenſchaftlicher Liebe in ihre Arme, und weinte lange und bitterlich. Ich wußte, daß ich in die Tiefe ihrer Ge⸗ fühle nicht einzugehen vermochte, doch verſtand ich ihre ſtolze Haltung und ihre ſpöttiſchen Blicke; denn die Nach⸗ barn betrachteten uns nur mit Mitleid, und Gabriele litt darüber großes Herzeleid: obwohl noch ein Kind, lag doch etwas Achtung Gebietendes und Großartiges in der einſamen Majeſtät ihres Auftretens. Ihre ſelbſtverläug— nende, ſtandhafte Hingebung an mich— die ich oftmals Schmerz und Kummer litt— erwiderte ich durch eine innige Zuneigung, welche, wie ich überzeugt bin, ganz verſchieden iſt von der, die von glücklich geſtellten Schwe— ſtern gegenſeitig empfunden wird: Gabriele war mir Mutter und Schweſter, war mir Freundin und Wärterin und Geſpielin, kurz Alles in Allem. Sie und die lichten jungen Roſen in unſerm vernachläſſigten Garten waren die einzigen beiden herrlichen Schöpfungen, die ich jemals geſehen hatte. Es war gut für mich in meiner kindlichen Einfalt, daß ich in den Geiſtesſchiffbruch— die Zerſtörung glänzender Fähigkeiten aus Mangel an Ausbildung— nicht kannte, deren Opfer Gabriele war; aber ihr war's bekannt, ſie grübelte darüber, und das zerſtörende Gift des Haſſes und der Verachtung veränderte ihre unſchul⸗ dige, liebevolle Natur gegen alles Erſchaffene, außer gegen ihre eigene und einzige Schweſter. Wir wurden mie müde, Nelly's Erzählungen zuzu⸗ hören von der vormaligen Größe unſerer Ahnen mütter— licher Seits, untermiſcht mit abenteuerlichen Sagen von ritterlicher Liebe und kühnen Wageſtücken. Sie erzählte uns auch von unſerm uralten Stamm väterlicher Seite, daß wir die Urenkelinnen eines ritterlichen Grafen ſeyen. Gabrielens bleiche Wangen errötheten nicht— ihre Augen blieben niedergeſchlagen; doch kannte ich die Leiden des ſtolzen, ſchönen Mädchens. Ich ſelbſt, demüthig wie ich war, ich fühlte, was wir geweſen— was wir hätten ſein ſollen; und das Blut der de Courcys und O'Briens ſtieg mir in die zitternden Schläfe. Gabriele war eine Lady— eine Lady in jeglicher Handlung, in jeglichem Worte und Blicke; ärmlich und ungenügend bekleidet, trug ihre graciöſe Geſtalt das un— verkennbare Merkmal erblicher Erziehung, welches weder Armuth noch Vernachläſſigung hatten ausrotten können. Es war nicht ihr außerordentlicher Liebreiz allein, was den Beobachter anzog, es war vielmehr eine Feinheit und Eleganz, welche keine Erziehung geben kann— es war der Stempel der Natur auf einem ihrer ausgezeichnetſten und unvergleichlichſten Werke. Eines Abends, als wir Nelly's Geſprächen am Küchenfeuer zugehört hatten, er⸗ griff plötzlich ein ganz neuer Gedanke meine Einbildungs- f kraft, und ich hatte keine Ruhe bis ich ihn Gabrielen mitgetheilt hatte. Es war dieſer— ſie ſolle einen vor⸗ nehmen, reichen Mann heirathen, und uns ſo aus Mangel und Entbehrung erloͤſen; denn natürlich würde ſie mir eine Heimath bei ſich gönnen.— Gabriele blickte mir mit wundervollem Ernſt in's erhobene Antlitz, als ich an ihrer Seite niederkniete und ihr dieſen„neuen Plan“ anver— traute. 5 „Ruth,“ ſagte ſie,„Du biſt ein kluges Kind, einzig in ſeiner Art, und verdienſt Vertrauen. Ich gedenke eines reichen Mannes Frau zu werden, wenn ich die Gelegen— heit habe; doch wie es zu bewerkſtelligen iſt, dazu weiß Dein ſchönes Buch vielleicht Rath.“ „Theuerſte,“ rief ich,„lächle doch nicht ſo ſpöttiſch, wenn Du von jenem geſegneten, theuren Buche ſprichſt; es würde Dich tröſten und leiten, ja gewiß würde es das, wenn Du es nur öffnen und leſen wollteſt.“ „Gut, gut, Paſtor Ruth,“ rief ſie lachend,„das will ich thun. Wenn der reiche Mann aus den Wolken herabkommt, um mich zu ſeiner Braut zu machen, ſo ver— ſpreche ich Dir, ich will mir ein Buch wie dieſes in Gold binden laſſen, und Du ſollſt erzogen werden, theuerſte Ruth, wie es den Töchtern der de Courcys geziemt, und Du ſollſt vergeſſen, daß wir weder Vater noch Mutter haben.“ „Unſern Vater vergeſſen?“ rief ich,„niemals, nim⸗ mermehr!“ Gabriele war furchtbar erſchuttert und aufgeregt; obwohl an Jahren kaum mehr als ein Kind, ſo hatten ihr doch Ungerechtigkeit und Kummer bereits die Affekte des Alters beigebracht. Dennoch war ſie ein ganz arg— loſes Kind, das unbehutſam die Wege der Welt betrat, wie die Folge bald zeigte. 8 Wir pflegten wohl Ausflüge zu machen auf die an⸗ gränzenden Wieſen, und ohne Zweifel würden unſere Wanderungen ſich ſehr weit ausgedehnt haben, wenn mich nicht meine Lahmheit am langen Gehen verhindert hätte, und Gabrielen kam es niemals in den Sinn, mich zu ver— laſſen. So begnügten wir uns denn, an einem ſchimmernden Strome entlang zu ſchlendern, der ſich durch das reiche Weideland in der Nähe unſerer Wohnung hindurchſchlän— gelte; dieſer Strom wurde nur von jenen glücklichen An— gelfiſchern beſucht, welche von der Gutsherrin Erlaubniß zum Fiſchen hatten, und dieſe Erlaubniß wurde nicht all— zureichlich ertheilt, weßhalb denn unſer Lieblingsaufent— halt gewöhnlich ganz einſam war. Aber bald nachdem Gabriele ihr ſechszehntes Jahr vollendet hatte, bemerkten wir einen Jüngling von kränklichem Ausſehen, welcher ſtundenlang geduldig ſeinem ruhigen Lieblingsvergnügen nachging, und ſich niemals umſah, wenn wir ihm wieder— holt vorbeigingen. Ein unbedeutender„Zufall!“— wie man es nennt— veranlaßte ihn, Gabrielen zu danken für den Beiſtand, den ſie ihm geleiſtet beim Losmachen ſeiner Angelſchnur, die ſich zwiſchen den über's Waſſer herabhängenden Weidenzweigen feſtgehakt hatte; der näm— liche„Zufall“ ließ ihn ſeine ſchöne Helferin bemerken, und ich ſah ſeine plötzliche Ueberraſchung und Bewunde— rung. Er war nach unſerer Meinung ein einfältig aus— ſehender Burſche, von Kleidung und Benehmen wie ein Gentlemann. Von nun an fehlte er niemals auf den Wieſen, wenn wir da waren. Er machte allemal ſeine in Gabriele ſo mußte jedem ſeiner Bald darau mand, der konnte; ur Erminſtoun Ja, ſo au Alles ſeht herrlichen hieß mich großer Wi Stunden v Faſſung sa weißen Kl blendend auch bei tragen gen Gab während! als unſer. Geiſte mit Kirche ge ſchönen 2 Sie ſah! Zittern, ſt ſchluß zeig furchtsvol „Kl. mich noch vermählen und der nicht wied halt in N. ortzuſchaf theuerſte um vor de m im f wird er m iſt der M. Liebste, b bevor, N 1 würde ſte — einzig eit * eines * llegen⸗ Lazu weiß ſo ſpottich, N 8„ iche ſprichſ 5 wurde es eſt.“ ichend,„das den Wolken chen, ſo ver, des in Gold , theuerſte geziemt, und noch Mutter temals, nim, d aufgeregt; „ ſo halten die Affekte A ganz arg⸗ Welt betrat, auf die au⸗ rden unſere „wenn mich indert hatte, mich zu ver⸗ chimmernden 9 das reiche urchſchlän⸗ ücklichen An⸗ in Erlaubniß de nicht all⸗ blingsaufent⸗ D nachden te, bemerkten den, welcher gevergngen ihm wieder⸗ %— wie 4 zu danken bemachen t 5 Waſſer eV der nam⸗ n bemerken, d Bewunde⸗ faltig aul⸗ n wie ell 3 auf den — 381— Verbeugung, und richtete häufig irgend eine beifällige Be— merkung an uns, jedoch ſchüchtern und ehrerbietig, denn Gabriele war ein Mädchen, geeignet, Beides, Huldigung und Reſpekt, einzuflößen. Sie bemitleidete den verlaſſenen blaſſen jungen Mann, der ſo erfreut ſchien, Jemand zu finden, mit dem er ſprechen konnte, und der ſo außeror— dentliche Geduld und Ausdauer zeigte, denn niemals ſahen wir, daß er einen Fiſch fing. Durch eine von Nelly's Kaffeeſchweſtern, welche Köchin im vornehmſten Gaſt— hofe war, erlangten wir die Gewißheit, daß unſer neuer Bekannter ſich ſeiner Geſundheit und des Angelns wegen dort aufhalte, daß er Erminſtoun heiße und der einzige Sohn vom reichen Ermiſtoun in Z. ſei. Nelly's Plau— dergefährtin hatte eine Schweſter, welche zu Erminſtoun— Hall wohnte, und ſo war denn kein Zweifel an der Rich— tigkeit der Nachricht, ſowohl in Betreff von Sir Thomas Ermiſtoun's Perſon, als von dem ungeheuren Reichthum, den ſein Vater beſitzen ſollte. Die Ausſagerin fügte noch hinzu, der arme Sir Thomas ſei vielleicht wohl etwas ſchwächlich, aber der Abgott ſeines Vaters, werfe er mit dem Gelde umher wie mit Spreu und ſeie ein großmüthi— ger, freigebiger, gutherziger junger Gentleman. Ich bemerkte nach dieſer Kunde einen großen Wechſel in Gabrielens Benehmen gegen ihren Bewunderer— denn ſo mußte man ihn nennen, da ſeine Bewundernng ſich in jedem ſeiner Worte und Blicke ſo augenſcheinlich zeigte. Bald darauf ging Gabriele allein aus— es war ja Nie— mand, der ſie darüber ausfragen oder zur Rede ſtellen konnte; und ſechs Wochen nach dem Tage, wo Thomas Erminſtoun ſie zum erſten Male ſah, wurde ſie ſeine Frau. Ja, ſo auffallend es erſcheinen mag, es ſchien damals Alles ſehr natürlich und einfach in der Ausführung; eines herrlichen Sommermorgens früh weckte mich Gabriele und hieß mich gleich aufſtehen, da ſie mir eine Sache von großer Wichtigkeit mitzutheilen wünſche, die in wenig Stunden vor ſich gehen ſolle. Blaß, aber in ruhiger Faſſung ſchritt ſie an's Werk, ſich und mich mit einfachen weißen Kleidern und Strohhüten zu ſchmücken, neu und blendend weiß, doch durchaus einfach und billig, wenn auch bei weitem beſſer als die Kleider, welche wir zu tragen gewohnt waren. Gabriele nahm Alles aus einer Lade, welche noch während meines Schlafes angekommen ſein mußte, und als unſere Toilette vollendet war, verglich ich ſie im Geiſte mit einem jener jungen Mädchen, welche ich in der Kirche geſehen hatte, wo damals eine Geſellſchaft von ſchönen Jungfrauen zur Konfirmation verſammelt war. Sie ſah nicht aus wie eine Braut— kein Erröthen, kein Zittern, ſondern ruhige Selbſtbeherrſchung und feſter Ent— ſchluß zeigte ſich an ihr und flößte mir eine gewiſſe ehr— furchtsvolle Scheu ein. „Kluges Schweſterchen Ruth,“ ſagte ſie,„ich werde mich noch dieſen Morgen mit Herrn Thomas Erminſtoun vermählen— in der Kirche. Du biſt meine Brautjungfer, und der Küſter wird mein Trauzeuge ſein. Ich werde nicht wieder hierher kommen, denn eine vierſpännige Chaiſe hält in YVarrow Wood, um uns gleich nach der Trauung fortzuſchaffen. Du wirſt alsdann nach Hauſe gehen, theuerſte Schweſter, und Deinen Hochzeitsſtaat ablegen, um vor dem Alten zu erſcheinen; und da ich nicht häufig mit ihm ſpeiſe, und der Alte niemals nach mir fragt, ſo wird er mich nicht vermiſſen. Sage daher Nichts, Nelly iſt der Mund geſtopft, fürchte ſie nicht. Gedulde Dich, Liebſte, bis Du Len mir hörſt, heitere Tage ſtehen uns bevor, Ruth, und wir ſcheiden nicht für lange Zeit!“ Hier weinte ſie, ach ſo bitterlich, daß ich dachte, ſie würde ſterben. Beſtürzt und zitternd wagte ich zu fragen, ob ſie denn Herrn Thomas Erminſtoun mehr liebe als mich, denn meine Eiferſucht wucherte empor, und in dem Abe von vierzehn Jahren wußte ich noch nichts von iebe. Ihn lieben 2“ rief ſie mit Heftigkeit und ſchlug die Hände wild zuſammen,„ich liebe auf Erden nur Dich, meine Ruth, meine Schweſter. Er iſt ein Narr, und ich heirathe ihn nur, um Dich und mich vor Erniedrigung und Elend zu retten. Er kauft mich mit ſeinem Reichthum. Ich bin wenig über ſechszehn,, hier ſenkte ſie das lieb⸗ liche Haupt, armes Weſen!—„aber ich bin vor Kummer gealtert; ich bin verhärtet in der Sünde, denn ich ſtehe im Begriff, eine große Sünde zu begehen. Ich gelobe zu lieben, wo ich verachte; zu gehorchen, wo ich zu herrſchen gewillt bin; und zu ehren, wo ich den ſchwachen jungen Mann in äußerſter Verachtung halte!“ Umſonſt war alles Bitten und Flehen, zu warten. Gabriele führte mich nach den Wieſen, wo eine Kutſche hielt, und uns nach der Kirche fuhr. Ich ſah ſie ver— mählt; ich mußte etwas in einem großen Buche unter⸗ ſchreiben; ich fühlte ihre heißen Thränen und Umarmungen, und wußte, daß Sir Thomas Erminſtoun auch mich küßte, als er mit Gabrielen verſchwand, worauf der Küſter mich allein in den Wagen hob, welcher mich an dem nämlichen Platze wieder abſetzte, bei den ruhigen Wieſen am ſchim— mernden Waſſer. Ich ſetzte mich nieder und weinte bis ich erſchöpft war. War dieß Alles nur ein Traum? War Gabriele wirklich fort? Meine Schweſter, eigentlich noch ein Kind, wirklich verheirathet? reich und groß geworden? Doch ich behielt ihre Worte im Herzen, ich eilte nach Hauſe und legte mein altes dunkelfarbiges Kleid an, und Nelly ſagte nicht ein Wort. Sir Thomas Erminſtoun's Gold hatte ihr Schweigen geſichert; und ſie durfte„Nichts wiſſen,“ ſondern gegenwärtig nur für mich ſorgen.“ Abends, noch ehe mein Vater ſich zur Ruhe begeben, erſchien ein an ihn adreſſirter Brief. Ich habe niemals den Inhalt erfahren, doch war er von Gabrielen und ihrem Manne. Ich ſah meinen Vater einige Tage lang nicht wieder, und darauf ſah er mich gar nicht mehr anz und ſeltſam, höͤchſt ſeltſam erſchien es, Gabriele war ver— ſchwunden wie ein Lenzſchnee, in der Stille, ganz geheim— nißvoll; und ich rief wie im Todeskampfe:„Hat ſich wohl je ſo etwas in der Welt zugetragen?“ ** * Mein Vater erkundigte ſich nach der Stellung des jungen Mannes, mit dem ſeine Tochter davongegangen war, und zugleich auch nach der Geſetzlichkeit ihrer Hei— rath; als er ſich genügend uber Beides beruhigt hatte, fiel er in die nämliche Trägheit und Indolenz zurück wie zuvor, und verträumte ſein Leben, meinte wohl gar, eine ungeheure Arbeit hinter ſich zu haben, als er die nöthigen Erkundigungen eingezogen. Bald darauf erhielt ich meinen erſten Brief, welcher doppelten Werth und doppeltes In— tereſſe fuͤr mich hatte, weil er von Gabrielen war. Die Wirthshausmagd brachte ihn unter dem Vorwande, Nelly zu beſuchen, und ſo erfuhr mein Vater nichts davon. Ach jener erſte Brief! werde ich je vergeſſen, wie ich ihn in meinen Thränen badete und mit meinen Küſſen bedeckte? Er war ganz kurz: daß ſie ſich vorläufig irgendwo ein⸗ gemiethet hätten, weil der alte Herr Erminſtoun ſeinem Sohne noch nicht vergeben habe; nicht ein Wort von ihrem Glücke, nicht ein Wort von ihrem Manne; doch ſagte ſie am Schluß,„daß ſie ſehr bald hoffe, ihre theure Ruth nachkommen zu laſſen— um ſich nie wieder von ihr zu trennen.“ (Fortſetzung folgt.) 2—— Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. N ννοιν Edietalla dung. Gegen den Ortsbürger Georg 157085 Niedermörken iſt Concurs er⸗ kannt worden. Forderungen an denſelben ſind alb in dem auf W den 14. Januar 1853, Vormittags 9 Uhr, i anberaumten Liquldationstermine bei Vermei⸗ dung ſtillſchweigenden Ausſchluſſes von der Maſſe dahier anzuzeigen und gebörig zu begründen. In dieſem Termine ſoll zugleich die Güte verſucht werden, und es ſind daher die etwa eingereicht werdenden Vollmachten auch auf den Abſchluß eines Arrangements auszudehnen. Butzbach den 7. November 1852. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Ebel. Harbordt. Oeffentliche Aufforderung. 9) In Folge teſtamentariſcher Anordnung 0 S Nach auf den zum Erben eingeſetzten abweſenden Franz Ludwig Carriere iſt ſeither die Verlaſſenſchaft des am 15. Juni 1819 in Griedel verſtorbenen Pfarrvicar Friedrich Ernſt Carriere curatoriſch verwaltet worden. Ebenſo ein Legat, das dieſem Franz Ludwig Carriere aus dem Nachlaß des Amtmann Lieb⸗ knecht zu Butzbach und der Chauſſeebaumeiſter Ludwigs Wittwe ſeiner Zeit angefallen iſt. In⸗ deſfen würde Franz Ludwig Carriere, geb. den 19. Juli 1782 in Braunfels und 1802 Pfarrer in Holzheim, ſpäter in Griedel, falls er noch lebte, ſeit dem 19. Juli l. J. das 70. Lebens⸗ jahr zurückgelegt haben; auch iſt während dieſer ganzen Zeit, ſo lange die Curatel beſteht, kei⸗ nerlei Nachricht von ihm eingegangen. Auf Antrag der Erben wird daher gedachter Franz Ludwig Carriere und wer ſonſt An⸗ ſprüche an die vorerwähnten bisher curatoriſch verwalteten Maſſen zu ha⸗ ben glaubt, hierdurch aufgefordert, dieſe An⸗ ſprüche bei dem unterzeichneten Gericht binnen einer zerſtörlichen Friſt von 60 Tagen, vom erſten Erſcheinen dieſer Aufforderung an gerech⸗ net, geltend zu machen, oder zu erwarten, daß Franz Ludwig Carriere für verſchollen erklärt und alles ſeither curatoriſch verwaltete Vermögen den aufgetretenen Erben ohne weitere Caution überlaſſen wird. Butzbach den 15. November 1852. i Großh. Ee Ag Bel. Mobiliar-Verſteigerung. (1839) Donnerſtag den 2. Dezember d. J. und die darauf folgenden Tage, von Vormit⸗ tags 9 bis 12 Uhr und Nachmittags 2 bis 5 Uhr, werden auf Antrag des hieſigen Bürgers Michael Jung und deſſen Kinder in deren Be⸗ hauſung in der großen Köhlergaſſe dahier, erb⸗ abtheilungshalber deren Mobiliarvermögen, be⸗ fiehend in Eiſen, Zinn, Blech, Porzellan, Glas, Bettwerk, Weißzeug, Commode, Schränke, Tiſche, Stühle, Haus⸗, Küchen⸗ und Gartenge⸗ räthſchaften, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 24. November 1852. In Auftrag: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter e Oeffentliche Aufforderung. (1830) Unterm 27. Februar 1821 entliehen Konrad Buß 1. und Frau von Gambach bei Amtmann Meier in Gießen ein Capital von 500 fl., ebenſo entliehen Tobias Metzger Schlagmüll er und Frau unterm 24. Juli 1821 bei Amtmann Theodor Meier in Gießen ein Capital von 400 fl. und wurden für beide 382 Darlehn verſchledene Immobilien in Gambacher Gemarkung verpfändet. Die deßfallſigen Ein⸗ träge ſtehen im Pfandbuche von Gambach noch offen, werden aber nicht mehr anerkannt und ſollen längſt erloſchen ſein. Auf Antrag der Intereſſenten und weil die betreffenden Urkunden nicht vorgelegt werden können, werden daher die Rechtsnachfolger der vorbenannten Dar⸗ leiher oder wer ſonſt Rechte aus dieſen Einträgen zu haben vermeint, hierdurch aufgefordert, binnen einer Friſt von ſechs Wo⸗ chen ihre Anſprüche bei dem unterzeichneten Gericht ſogewiß anzumelden und zu begründen, als ſonſt die beantragte Löſchung beider Ein⸗ träge verfügt werden wird. Butzbach den 15. November 1852. Großh. Heſſ. Landgericht Ebel. Pfänder ⸗Verſteigerung. (18413) Montag den 6. Dezember d. J. und die darauf folgenden Tage, von Vormit⸗ tags 9 bis 12 Uhr und Nachmittags 2 bis 5 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe diejenigen Pfänder der hieſigen Pfand⸗ und Leihanſtalt, welche mit Rückſicht auf die Bekanntmachung im Friedberger Intelligenzblatt Nr. 83, Inſe⸗ rat 1640 von 1852, die Verfallzeit erreicht haben, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Unter den zur Verſteigerung kommenden Gegenſtänden befinden ſich Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Weißzeug, Manns⸗ und Frauenkleider, fläch⸗ ſenes Tuch, eine Doppelflinte und eine Bürſch⸗ büchſe ꝛc. Schließlich wird noch bemerkt, daß denjeni⸗ gen Steigerern, welche von der vorigen Pfän⸗ derverſteigerung noch mit ihren Zahlungen im Rückſtande ſind, neu erſteigerte Pfandobjekte erſt dann verabfolgt werden, wenn jene Schuld⸗ beträge entrichtet ſind; auch bleibt während der Verſteigerungstage das Pfandlokal geſchloſſen. Friedberg den 24. November 1852. Für die Pfandhausverwaltung: Der Gr. Heſſ. Bügermeiſter Bender. Main⸗Weſer⸗ Bahn. (1868) Die Uniformirung des Bahnperſonals ſoll auf dem Submiſſionswege vergeben werden und iſt in Nr. 328. Art. 3341. der Darm⸗ ſtädter Zeitung ausgeſchrieben. Die Bedingungen liegen auf dem Büreau des Gr. Materialver⸗ walters dahier zur Einſicht offen. Gießen den 27. November 1852. Die Gr. Magazins⸗Commiſſion Holz ⸗Verſteigerung. (1869) Freitag den 3. d. M., Vormittags 10 Uhr, ſollen in hieſigem Gemeindewalde, Di⸗ ſtrikt Hundſeif, 24,500 Eichen- und Birken⸗Wellen, welche ſich beſonders zu Backholz eignen, unter den bei der Verſteigerung bekannt gemacht wer⸗ denden Bedingungen auf Ort und Stelle meiſt⸗ bietend verſteigert werden. Obermörlen den 23. November 1853. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter König. a Privat- Bekanntmachungen. Für Dreher. (1859) Braſilianer- und Büffel⸗Hornſpitzen, ſowie oſtindiſche Steinnüſſe ſind in großer Auswahl zu haben bei C. Schleuning, Ludwigsſtraße. Annonce. (1854) Die Ziebung der von der Herzogl. Braunſchweigiſchen Regierung garantirten Ca⸗ pitalien⸗Verlooſung findet am 16. und 17. * Dezember ſtatt; ſie enthält Gewinne von fl. 87,500, 70,000, 65,000, 60,000, 55,000, 45,000, 40,000, 31,000, 17,500 ic. ꝛc. bis ab⸗ wärts fl. 17½, in Allem 17,000 Treffer unter 28,500 Looſe. Es koſten ½ Looſe fl. 7.— ½ fl. 3. 30. 7% fl. 1. 45.—/ 53 kr. und empfehle ich ſolche allen Freunden ſolider und vortheilhafter ee— Pläne und jede Auskunft gratis.* Heinrich Steffens, Kaufmann, Mainſtraße 10 in Frankfurt a. M. (18560 Ein gebrauchtes Gutta⸗Perchaſeil 23½ Pfund ſchwer, iſt billig auf dem Bauern⸗ heimer Bergwerke zu verkaufen. Verkaufsanzeige. (1792) Meine beiden, ungefähr 2 Morgen haltenden, nur mit edlen Reben im beſten Er⸗ trage beſetzten, Wingerte am Johannisberge, desgleichen ein daſelbſt gelegenes Stück unbe⸗ bauten Landes, will ich aus der Hand verkaufen. Friedberg den 15. November 1852. Dr. Renner. Ein Metzgerhund, (1870) ſchwarz, mit weißem Hals, gelb⸗ lichen Beinen und weißer Schwanzspitze iſt un⸗ weit Kloppenheim am 27. November abhanden gekommen. Der redliche Finder wolle denſelben gegen eine gute Belohnung bei dem Bürger⸗ meiſter in Kloppenheim abgeben. Verloren. (1871) Letzten Sonntag Abend wurde ein ſchwarzer Pelzkragen, lilaſeiden gefüttert, zwi⸗ ſchen der Burg und dem Hotel Trapp ver⸗ loren. Der redliche Finder wird erſucht ſolchen gegen angemeſſene Belohnung bei der Expedi⸗ tion dieſes Blattes abzugeben. Ein Logis (1872) für eine einzelne Perſon iſt mit oder ohne Möbel zu vermiethen bei i J. Jöckel. Literariſche Anzeige. (1873) In Commiſſion bei Th. Niemeyer in Hamburg iſt erſchienen: Der Koyfſchmerz. ſichere und gefahrloſe Heilung, durch eine Heilmethode, die unter ge— nauer Befolgung der angegebenen Re— geln jedesmal meiſt ſchon in kür⸗ zeſter Zeit volle Geneſung in ſichere Ausſicht ſtellt, von C. Henrich. Preis 18 kr. Der Verfaſſer, welcher ſelbſt längere Jahre an den heftigſten Kopfſchmerzen gelitten, er⸗ zählt in dieſer Brochure in ganz ſchlichter und faßlicher Weiſe, durch welches Mittel er davon geheilt worden und welche Mittel anzuwenden find, um jeden Kopfſchmerz, auch ſel bſt den hartnäckigſten, möge er einer Urſache zuzuſchreiben ſein, welcher er wolle, in kürzeſter Friſt ſicher und gefahrlos zu heilen. „Vorräthig bei C. Bindernagel in Friedberg. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. Kich 1 199. Joh. Ern Margare Joh. Ph. 30. Chriſtopt Witiwwer Taglöhn 3. Dem 6 Anton! 5. Dem hi ein Soh 23. Dein hi vorstand tine, ge 26. Dem Sohn, 26. Dem Kathar 29. Dem geb. d 11. Marg. macher 2 Mo 30. Marie meiftet 31. Ein u Bekam Pf a (1813) und die dar tags 9 bis Mt, wenge Pfänder d welche mi im Friedbe rat 1640 hbhaben, off den zur befunden Wißzeug