Donnerstag den 27. November. . 140. ir berhessischer Anzeiger. Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Kreisblatt für den Kreis Friedberg. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. led Annoncen: Die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf., ein Beleg kostet 9 Pf. A — auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets Jug 0 Post 3 9885 u Vo e N 1 N Amtlicher Theil. nd 0 Bekanntmachung. Im deutschen Reiche findet Montag den 1. Dezember l. J., eine Volkszählung statt. Die Zählungscommissionen werden am nt 29. und 30. November jeder Haushaltung einen Zählbrief mit soviel Zählkarten zustellen, als in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember voraussichtlich Personen in dem Haushalte sich aufhalten oder nur vorübergehend aus demselben abwesend sein werden. Die Haus⸗ gie haltungsvorstände werden ersucht, die ihnen übergebenen Formularien am 1. Dezember, Vormittags nach Maßgabe des Vordrucks und der auf denselben befindlichen Anleitungen sorgfältig auszufüllen und zum Abholen bereit zu halten. Bei der hohen Bedeutung der Volkszählung in wissenschaftlicher wie socialer Beziehung sprechen wir die sichere Erwartung aus, daß b Ubr sämmtliche Betheiligte die Ausführung der Zählung nach Kräften unterstützen werden. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Friedberg den 25. November 1890. Dr. Braden. ung Bekanntmachung. n 8. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat durch Entschließung vom 17. November 1890, zu Nr. M. J. 29438, die Genehmigung zur Vornahme einer, mit dem am 19. März k. J. stattfindenden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verloosung von Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 11,000 Loose à 1 M. ausgegeben werden dürfen und(abzüglich eines Betrags von 300 M. für Prämiirung) mindestens 70% des Bruttoerlöses aus dem Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Friedberg den 25. November 1890. Betreffend: Die Feldbereinigung in der Gemarkung Ober 5 Ebarbeiten statt: Ischirne . : 2 — — 2 1 wann rerfzuse( Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Großherzogthum gestattet. Erlenbach. Erdarbeiten. .Verschleifung der Riedhohle, 5 4 der Steinhohle, Planirung der proj. Chaussee nach Seulberg, l 5 der neuen Wege, Anlegung von Gräben dc. Plane, Voranschlag und Bedingungen liegen auf dem Büreau des Unterzeichneten offen. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden. Naͤchsten Freitag den 28. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, sindet auf dem Rathhaus zu Ober-Erlenbach die Vergebung von nachstehenden 4583 Im Auftrag des Vollzugs-Commissärs: Bauer, Kulturtechniker. 4578 rstraße. Friedberg den 23. November 1890. 5 3 Deutsches Reich. — Darmstadt, 24. Nov. JJ. KK. HH. der Großherzog und der Erbgroßherzog, sowie der cen Prinz und Prinzessin Heinrich von Prenßen sind 10 gestern von Berlin hierher zurückgekehrt. mic.]— 25. Nov. Heute fand die Einweisung etten, der beiden Kammern der Stände des 27. Land— r tags durch die Regierungskommission statt. In I in. der Ersten Kammer wurde an Stelle des Grafen . Erbach⸗Schönberg Graf Görz gen. Schlitz als . Präsident und Geheimrath Dr. Goldmann als Schriftführer gewählt. In der Zweiten Kammer wurde in Anwesenheit von 42 Abgeordneten der frühere erste Präsident Kugler mit 32, der zweite Wolfskehl mit 31 und ebenso mit 31 Stimmen die Abgg. Arnold und Heinzerling als Schriftführer wiedergewählt. opse— Der Baumeister Schlegel wurde auf Nachsuchen tsch. in den Ruhestand versetzt und demselben der Charakter als Baurath verllehen. Berlin. Der Reichstag wird am 2. De— cember wieder eröffnet. Auf der Tagesordnung steht: Die erste Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Vereinigung Helgolands mit dem deutschen Reiche, die erste Berathung des Ge— setzentwurfs betr. die Controle des Reichshaus— halts und des Landeshaushalts von Elsaß⸗ Lothringen. — 24. Nov. Zu dem parlamentarischen Diner beim Reichskanzler von Caprivi erschien der Kaiser und begrüßte die ihm bekannten Ab— geordneten äußerst huldreich, besonders auch den Abg. Windthorst. Der Kaiser, bei der Tafel 171 und im Verkehr durchaus zwanglos, saß zwi⸗ schen dem Herzog von Ratibor und dem Staats- secretär von Boͤtticher. Dem Kalser gegenüber saß Reichskanzler v. Caprivi zwischen dem Mi⸗ 760. ae die„Nordd. Allg. Ztg.“ mittheilt, hat der Kalser nach dem Essen wiederholt Windthorst nister v. Maybach und Präsident von Köller. angesprochen und sich angelegentlich nach seinem Befinden erkundigt. Der Kaiser sprach gegenüber den Abgeordneten seine Befriedigung über die sachliche Discussion der Reformvorlagen im Ab— geordnetenhause aus; er wünsche eine sachliche Kritik. Der Kaiser geißelte die Unfruchtbarkeit der socialdemokratischen Congresse für die Ar— beiter, bekannte sich als Feind dogmatischer Zän— kereien und tadelte diejenigen Politiker, welche sich lediglich auf eine zersetzende Kritik beschränken. Sodann berührte er die Entwicklung des Ver— kehrswesens und sprach sich für den Ausbau von Wasserstraßen und Canälen aus und betonte deren strategische Bedeutung, namentlich auch ihre Eignung für den Transport von Kranken und Verwundeten. — 24. Nov. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Berathung über die Einkommensteuer— gesetzvorlage fortgesetzt. — 25. Nov. Im Abgeordnetenhaus fand die erste Lesung der Erbschaftssteuervorlage statt. Die Vorlage wurde an die Einkommensteuer— Commission überwiesen. — Der Reichshaushaltsetat pro 1891/92 bilan— zirt in Einnahme und Ausgabe mit 1,130,645,888 Mark, darunter 941,135,067 Mark dauernde, 90,720,452 Mark einmalige ordentliche sowie 98,790,369 Mark einmalige außerordentliche Ausgaben. Bückeburg, 24. Nov. Prinz und Prin— zessin Adolf von Schaumburg trafen gestern in Lindhorst, der ersten Eisenbahn-Station des Fürsteuthums, ein und wurden daselbst von dem Geheimen Regierungsrath und Frese im Auftrag des Fürsten empfangen. Am Abend wurde zu Ehren des jungen Paares von den hiesigen Bürgern, den Schulen und 1500 Bergleuten ein Fackelzug veranstaltet. Hamburg, 24. Nov. Infolge eines Be— schlusses des Vereins der Tabak- und Cigarren— Fabrikanten schlossen heute 26 Tabakfabriken von Hamburg, Altona, Ottensen und Wandsbeck die Geschäfte. 3000 Arbeiter sind ohne Be— schäftigung. Infolge der Aussperrung traten die Vertreter der Arbeiter mit den Fabrikanten in Verhandlung. Ausland. Frankreich. Paris. Der ehemalige Be— amte beim Genie, Py, der bekanntlich neulich unter dem Verdachte der Spionage und der Auslieferung von Dokumenten an die deutsche Regierung in Delle verhaftet wurde, hat sich im Gefaͤngniß von Belfort, wohin er gebracht war, erhängt. Py hat einen Brief an seine Frau hinterlassen. — Nach einer Meldung des„Gaulois“ soll sich Podlewski in Brüssel aufhalten und die Ver— haftung desselben seitens daselbst eingetroffener russischer und französischer Polizeiagenten unmit— telbar bevorstehen. Großbritannien. London, 25. Nov. Die zur Eröffnung des Parlaments verlesene Thronrede besagt, daß die auswärtigen Be— ziehungen seit der letzten Session unverändert geblieben sind; auch die Sicherheiten für den europäischen Frieden erscheinen der Koͤnigin un— vermindert. Dieselbe kündigt die Eroͤffnung der Verhandlungen mit Italien an zur Ab— steckung der Grenze, welche das unter britischem Einfluß stehende Gebiet in Nordost-Afrika von dem Gebiete trennt, das zu dem unter dem Schutze Italiens befindlichen Reiche Abessynien gehört. Die Thronrede erwaͤhnt ferner den Abschluß eines modus vivendi mit Portugal und hofft, daß die Verhandlungen betr. die Neufundland-Fischereien für alle Parteien einen befriedigenden Abschluß finden werden; sie be— 2 dauert ferner, daß die mangelhafte Kartoffel- ernte einen Nothstand in den westlichen Graf⸗ schaften Irlands hervorzurufen drohe und hofft, daß die Maßregeln der Regierung das Uebel lindern werden. Die Regierung werde einen Gesetzentwurf vorlegen betreffs Verbesserung des Verwaltungssystems in den Grafschaften Irlands im Sinne des in England bestehenden Gesetzes. — 25. Nov. In der heutigen Versammlung der parnellitischen Deputirten des Unterhauses wurde einstimmig Parnell als Präsident der natio— nalistischen Partei wiedergewählt. Parnell hat die Wahl angenommen. Italien. Rom. Die„Riforma“zählt 486 bekannte Wahlresultate. Es wurden gewählt: 395 Ministerielle, 41 Constitutionell-Oppositio— nelle, 36 Radikale und 9 Zweifelhafte. 5 Stich— wahlen sind erforderlich. Rumänien. Bukarest, 24. Nov. Der König und die Königin sind gestern hier wieder eingetroffen. Rußland. Petersburg, 20. Nov. Ein peinlicher Vorfall, welcher sich dieser Tage auf dem großen Hofball in Athen abspielte, wird viel besprochen. Als der russische Thronfolger mit der reizenden Prinzessin Alexandra tanzte, wurde er plötzlich von einem heftigen Unwohl⸗ sein befallen, das ihn zwang, sich für mehrere Stunden ganz zurückzuziehen. Die begleitenden Leibärzte waren sehr bestürzt. Wie jetzt erst bekannt wird, leidet der Prinz schon seit Jahren an solchen Anfällen epileptischer Natur, welche seine ohnehin schwache Körperconstitution immer mehr zerrütten. In seinem Gefolge befinden sich für die ganze Reise mehrere Leibärzte, welche stets in seiner Nähe bleiben müssen. Afrika. Kairo, 24. Nov. Der Großfürst— Thronfolger Alexander und der Großfürst Georg von Rußland, sowie Prinz Georg von Griechenland trafen heute hierselbst ein und wurden am Bahnhofe von dem Khedive em— pfangen. Aus Stadt und Land. Friedberg, 25. Nobo. Durch den anhaltenden Regen in den letzten Tagen war die Usa so gestiegen, daß sie die Ufer strich; seit heute früh tst sie schon wie der gefallen. Dagegen liest man von vielen anderen Gegenden von Hochwasser, so z. B. von der Wupper, der Oberelbe und den Nebenflüsse der unteren Donau, ferner aus Württemberg, Baiern, Thüringen, Hessen— Nassau. Fast überall ist der Verkehr unterbrochen, sind Häuser beschädigt u. s. w. Büdesheim, 23. Nov. Gestern Abend brannten hier zwei Scheuern und eine Stallung ab. Gießen. Als Geschworene für die am 15. Dezember beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden gezogen: 1 J Stein II, Landwirth in Meiches. 2. K. Jäger in Schlitz. 3. H Korell II., in Leusel 4. Bürger⸗ meister Seim in Heidelbach 5 J. G. Zing III. in Diebach a. H. 6 R. Güngerich in Heibertshausen 7. C Meinert in Konradsdorf. 8. H. Koch in Stockbeim 9. W. Schwenk III. in Nieder Eschbach. 10. G. K G. Jakobi in Rodheim. 11. H. Geisel IV. in Billertshausen. 12. C Diehl in Münch⸗Leusel. 13. J. H. Völzing in Groß⸗Felda. 14. H. Bender II. in Griedel. 15. Fr. Schäffer in Gießen. 16 Chr. Schwalb VIII. in Großen Buseck. 17. C Böß in Gießen. 18. Lieutenant H. Boldt in Butzbach. 19. G. Küchel in Butzbach. 20 G Ewald III. in Assenheim. 21. L. Wallenfells in Gießen. 22. W. A. Grüninger in Butzbach. 23. H. Reitz in Butzbach. 24. E. Schmall in Gießen. 25. H Adami in Gießen. 26. Fr. Lehning in Büdingen. 27. J. Kolb in Büdingen. 28. K. Rockemer in Schotten. 29 J. Orth V. in Ermen rod. 30. A. Breidenbach in Dorheim. Allerlei. Frankfurt, 24. Nov. Infolge des furchtbaren Sturmes ist heute Morgen um 6 Uhr die im Bau be griffene Maschinenhalle(Holzbau) der elektrischen Aus⸗ stellung mit donnerähnlichem Getöse eingestürzt. Dessau. Wegen Vergehens gegen die Religlon hat⸗ ten sich vor einigen Tagen vor der hiesigen Strafkam⸗ mer elf Angeklagte zu verantworten. Sie hatten sich in einer Gastwirthschaft zu Luko in der Nacht zum 26. Fe⸗ bruar beim Fastnachtstanz einer Verhöhnung des heiligen Abendmahls schuldig gemacht. Der Gerichtshof verur— theilte zwet Angeklagte zu je 6 Monaten Gefängniß, die übrigen zu Gefängnißstrafen von 4 Monaten bis herab zu 1 Woche, und das von Rechtswegen. Brüx, 24. Nov. Der Annaschacht der Brüger Vergbaugesellschaft in Tschausch ist durch das Nieder gehen mehrerer Abbaupläne größtentheils unter Wasser gesetzt worden. Von den in der Grube besindlichen Ar— beitern sollen zwanzig verunglückt sein. Budapest, 22. Nov. In Dunakesz drangen Räu⸗ ber bei dem katholischen Pfarrer ein und ermordeten dessen Wirthschafterin und raubten alles. Die Aufre⸗ gung über die wiederholten Raubanfälle ist ungeheuer Temesvar. In dem Prozesse wegen der bekannten Betrügereien im Lottorlespiel verurtheilte der Gerichts⸗ hof jetzt endlich die Angeklagten Farkas, Szobovits und Puespoeky wegen Betruges und Bestechung zu je sechs Jahr Zuchthaus und zehn Jabren Ehrverlust. Konstantinopel. Die Cholera ist in Adana aus⸗ gebrochen. Die nördlich von Selefke bereits bestehende Quarantäne wurde bis Anamur ausgedehnt. Zur Invaliden⸗ und Altersversicherung. In nachstehendem theilen wir die Grundzüge des Gesetzes mit, welches voraussichtlich am 1. Januar 189 in Kraft tritt, in der Voraussetzung daß welte Kreise sich mit dem Inhalt desselben noch nicht genügend vertraut gemacht haben. Versicherungspflichtig sind nach vollendetem 16. Lebensjahre: 1) Personen(männlich oder welbltch), welche als Arbeiter, Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge oder Dienstboten gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden. 2) Betriebsbeamte, sowte Handlungsgebilfen und Lehr linge(ausschließlich der in Apotheken beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge), welche Lohn oder Gehalt beziehen, deren regelmäßiger Jahresverdienst an Lohn oder Gehalt aber 2000 M. nicht übersteigt. 3) Die gegen Lohn oder Ge— halt beschäftigten Personen der Schliffsbesatzung deutscher Seefahrzeuge. Personen, welche eine Altersrente beziehen, sind ver sicherungspflichtig, well sie im Falle ihrer Erwerbsunfähig keit Anspruch auf die höbere Invalidenrente haben Nicht versicherungspflichtig sind Personen, welche infolge ihres körperlichen oder geistigen Zustandes nicht mehr imstande sind, mindestens ein Dikttel des Tag lohnes gewöbnlicher Tagarbeiter zu verdienen; ferner die Personen, welche eine Invalidenrente beziehen Versicherungsfählg sind Betriebs unternehmer, welche nicht regelmäßig wenigstens einen Lobnarbetter be schäftigen, das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet baben und nicht bereits erwerbsunfäbig sind. Sie können sich selbst, aber nur in der 2. Lohnklasse, versichern(durch Einkleben einer Marke von 28 Pf). In gleicher Weise können Personen, welche aus dem Versicherungsverbältnisse ausscheiden(3. Bü ein Handluugs gehilfe, wenn dessen Gehalt von Oo auf 2100 M. erhöht wird), dasselbe freiwillig(aber nur in der 2. Lohn— klasse) fortsetzen. Gegenstand der Versicherung ist der Anspruch auf Gewährung einer Invaliden, beziehungsweise Alters— rente. Eine Invalldenrente erhält ohne Rücksicht auf das Lebensalter derjenige Versicherte, welcher dauernd er— werbs unfäbig ist Ein nicht dauernd erwerbsunfähig Ver— sicherter erhält Invalidenrente, nachdem er ein Jahr ser werbsunfähig gewesen, für die weitere Dauer der Er werbsunfäbigkeit. Eine Altersrente erhält jeder Versicherte, welcher das 70. Lebensjahr vollendet bat. Der Anspruch auf eine Invaliden oder Altersrente ist bedingt durch: 1) Zurücklegung der Wartezeit; 2) die Lelstung von Beiträgen. Die Wartezert beträgt für die Invalidenrente 5 Beitrags jahre, für die Altersrente 30 Beitrags jahre— Als Beitragsjahr gelten 47 Beitrags wochen Wenn Personen durch Krankheiten, welche eine Er werbsunfähigkeit von mehr als sieben Tagen zur Folge haben, verhindert sind, die Beiträge zu leisten, so werden die Krankheitswochen als Beitrags wochen in Anrechnung gebracht Bei Krankheiten, die länger als ein Jahr dauern, wird nur ein Jahr als Bettragszeit gerechnet. Für Personen, welche behufs Erfüllung der Waffenpflicht in Friedens oder Kriegszeiten zum Heere oder zur Martne eingezogen werden, gilt die Dienstzeit als Bettragszeit. Eine Invalidenrente kann entzogen werden, wenn eine Person nicht mehr als dauernd erwerbsunfähig er— scheint. Die Mittel zur Gewährung der Renten werden aufgebracht durch einen Zuschuß des Reiches(von 50 M.) zu jeder Rente, durch die Beiträge der Arbeitgeber und Versicherten zu gleichen Theilen Zum Zwecke der Bemessung der Beiträge werden vier Klassen gebildet nach dem Arbettsverdienst von: 1. Klasse bis zu 350 M. einschließlich, 2 Klasse von mehr als 350550 M., 3. Klasse von mehr als 550 850 M., 4. Klasse von mehr als 850 M. Arbeitgeber und Versicherte können aber übereinkom men, einen höhern als den wirklichen Arbeltsverdienst zu grunde zu legen. Die Invalidenrente steigt nach Beitragsjahren und beträgt nach 5 bis 50 Beitrags jahren für die 1 Klasse von 114 M. bis 157 M., 2. Klasse von 124 bis 251 M., 3. Klasse von 181 bis 321 M., 4. Klasse von 140 bis 415 M. Die Altersrente beträgt für die 1. Klasse 106 M., die 2. Klasse 134 M., die 3. Klasse 162 M., die 4. Klasse 191 M. Die Renten werden durch die Postanstalten ausgezahlt. Die Beiträge sind für die ersten zehn Jahre fest— gesetzt für die 1. Klasse auf 14 Pf., für die 2. auf 20 Pf., für die 3. auf 24 Pf. und für die 4 Klasse auf 30 Pf. wöchentlich, und sind von dem Arbeitgeber zu entrichten. Derselbe kann die Hälfte der Beiträge dem Arbeiter bel der Lohnzahlung in Anrechnung bringen. Die Entrichtung der Beiträge erfolgt durch Einkleben von Marken auf die Quittungskarte. Der Arbeit⸗ geber ist bei Strafe verantwortlich für die Leistung der Beiträge. Jede Quittungskarte hat Raum für 47 Marken (den Beitragswochen des Jahres entsprechend) und ist mit dem Namen des Versicherten versehen Für jeden Arbeiter wird eine solche Karte durch die Behörden unent⸗ geltlich ausgestellt. Ist eine Qutttungskarte ganz mit Marken ausgefüllt, so wird dieselbe gegen eine neue aus- getauscht, und werden auf der neuen die bereits geleisteten Beiträge vermerkt. Jede Qutttungskarte muß nach dem dritten Jahre umgetauscht werden, auch wenn sie nicht ganz mit Marken beklebt ist, und verltert im andern Fall ihre Giltigkeit. Für Arbeiter, welche nicht eine ganze Woche von dem Arbeitgeber beschäftigt werden(Putzfrauen, Waschfrauen), hat derjenige Arbeitgeber den Beitrag zu entrichten, welcher den Arbeiter zuerst in der Woche beschäftigt. Die Beiträge können zur Hälfte zurückerstattet werden: 1. Welblichen Personen, welche eine Ehe ein⸗ gehen, bevor sie in den Genuß elner Rente gelangt sind, wenn für sie mindestens für fünf Beitragsjahre die Bel⸗ träge entrichtet sind. 2. Wittwen oder Kindern von Ver⸗ sicherten. 3. Kindern unter 15 Jahren von verstorbenen weiblichen versicherten Personen, unter denselben Voraus— setzungen. In vielen Kreisen, sowohl bei den Herrschaften, als auch den Diensiboten, herrscht noch immer Unkenntnis da⸗ rüber, daß auch Dienstboten(Kutscher, Knechte, Köchin⸗ nen, Mägde ꝛc) nach dem Invaliditäts- und Alters ver⸗ sicherungsgesetze vom 22. Junt 1889 als bversicherungs⸗ pflichtige Personen anzuseben sind. Die Versicherungspflicht der Dienstboten tritt nach § Ziffer 1 des Javaliditäts und Altersversicherungsge⸗ setzes ein für denjenigen Dlenstboten, welcher das sech— zehnte Lehensjahr bereits vollendet hat und gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt wird. Als Lohn gelten auch Na⸗— turalbezüge(Wohnung, Kleidung, Gartennutzung, Feue— rung u. s. w) l Eine Versicherungspflicht der Dienstboten besteht da⸗ gegen nicht, wenn der Dienstbote, als Entgelt für die Dleastleistung, nur freien Unterhalt( Wohnung, Nah— rung, Kleidung), aber keinen baren Lohn erhält, wie dieses auf dem platten Lande bei Haussöhnen und Haus⸗ töchtern oft der Fall ist. Die versicherungspflichtigen Dienstboten haben dafür Sorge zu tragen, daß sie beim vollen Inkrafttreten des Invaliditäts- und Aftersversicherungsgesetzes— voraus sichtlich dem 1. Januar 1891 im Besitze einer Qult⸗ tungskarte sind, in welche die den demnächst zu entrich⸗ tenden Beiträgen für die Invaliditäts- und Alters versiche⸗ rung entsprechenden Marken einzukleben sind Die Beiträge, beziehungsweise Marken sind von der Dienstherrschaft zu entrichten; jedoch sind die Herrschaf⸗ ten berechtigt, den Dienstboten die Hälfte der Belträge in Abzug zu bringen. Die Entrichtung der Beiträge erfolgt bei jeder Lobn zahlung, also monatlich, vierteljährlich u. s. w., je nachdem dem Dtenstboten der Lohn monatlich, vier⸗ teljährlich u s. w ausgezahlt wird, und zwar, wie schon bemerkt, in der Weise, daß die Herrschaft denjenigen Betrag an Beitragsmarken in die Quittungskarte des Dienstboten in fortlaufender Reihenfolge einklebt, wel⸗ cher für die Lohnpertode, d. h. die Zahl von Wochen, für welche dem Dienstboten der Lohn gezahlt ist und die in Betracht kommende Lohnklasse zu entrichten ist. Für die Höhe der Lohnklasse ist der Jahresarbeits⸗ verdienst der Dienstboten(barer Lohn und Naturalbe züge) maßgebend. Das Gesetz hat 4 Lohnklassen gebil⸗ det und es gehören zur: Lohnklasse 1 alle Versicherten mit einem Jahres arbeits- verdienst bis zu 350 M. einschließlich, 5 II alle Versicherten mit einem Jabresarbeits⸗ verdienst von mehr als 350 550 M., „ III alle Versicherten mit einem Jahresarbeits⸗ verdienst von mehr als 550 850 M., „ IW alle Versicherten mit einem Jahresarbelts⸗ verdtenst von mehr als 850 M. Bei Prüfung der Frage, zu welcher dieser Lohnklas⸗ sen der Dienstbote gehört, ist jedoch nicht der thatsäch⸗ Verdienst desselben entscheidend. Vielmehr ist nach ge⸗ setzlicher Bestimmung bel den Dlenstboten, soweit die⸗ selben, was durchgehends der Fall sein wird, einer Krankenkasse nicht angehören, als Jahresarbeitsverdlenst der 30 fache Betrag des von der höhern Verwaltungs- behörde festgesetzten ortsüblichen Tagelohns gewöhnlicher Tagearbeiter(Tagearbeiterinnnen) am Beschäftigungsorte des Dienstboten zugrunde zu legen. Ist auf diese Weise die zutreffende Lohnklasse ermit⸗ telt, so ist nach der Bestimmung des Gesetzes durch Einkleben von Beitragsmarken von entsprechendem Werthe als wöchentlicher Beitrag zu leisten: in Lohn⸗ klasse 1 14 Pfg., in Lohnklasse 11 20 Pfg., in Lohn⸗ klasse III 24 Pf., in Lohnklasse IV 30 Pf. Die Hälfte dieses Wochenbeitrages kann die Dlenst⸗ herrschaft, wie oben hervorgehoben von dem Dienstboteh sich erstatten lassen. 3 Die Qulttungskarte zum Einkleben der Marken hak sich der Dienstbote im allgemeinen selbst zu beschaffen. Dieselbe wird ihm gebühren- und kostenfrel, und zwar in der Regel durch die Ortspolizeibehörde ausgestellt, Die Beitragsmarken, welche von dem Arbeitgeber be— schafft werden müssen, sind bei sämmtlichen Postanstalten käuflich. Quittungskarte ausstellen lassen. Sofern der Dienstboke es unterlassen sollte, sich die Quittungskarte rechtzeltig zu beschaffen, kann die Herrschaft ihrerseits die Ausstel⸗ lung der Qulttungskarte für den Dienstboten beantra⸗ gen. Zum Zweck der Ausstellung der Quittungskarte wird im allgemeinen die Vorlegung eines ordnungsmä⸗ Die Herrschaften werden im Interesse der Dienstboe 0 ten dafür Sorge tragen, daß letztere sich rechtzeitig die — E 2 — — Weizenme 16 32 00 13 25.0 ice eic, bis 28.7 295% Weizen b. Bahn ble Noggen Herste, B Ji 15.50 N. 19.50. genklele N tea N. 891 M. Die Prei edoch au Fran Markt w Stleren 152 Schw Ochsen J. lis 72, d 57, . Qual. . Qual J. Qual! J. Qual J. Qual Fra 100 File Haferstrol 00 Stu 8 4.30 3 Lein hs 80 Droguert 1 Jerat Jeginn; Voche an Morg 0 Min. 72 de 8 9 en daft 4 ten del are. 8 Qui u eutrich ttb vetsiche⸗ ze arbeit 850 N. 11 Lobakl2 17 tbatsat 18.00, Hafer M. Stteren lis 57, 2. Qual. M. 50—52. Kübe, 100 Stuck M. 8-10, Kartoffeln per Malter M. berlassung errichtet. des Rechnungsjahr ill looswelse vergeben werden. 7 2 igen Dienstbuches bei der betreffenden Amtsstelle genü⸗ gen. Auch genügen andere Nachwelse, Geburtsurkunde, Taufzeugniß, zur Prüfung der Legitimation des die Aus— stellung der Qulttungskarte beantragenden Dienstboten. Endlich werden die Herrschaften aus diesem Anlaß ihre Dienstboten noch besonders auf die hohe Bedeutung der für die Uebergangszeit durch das Gesetz vorgeschrie— benen Arbeits und Lobnbescheinigungen aufmerksam machen den Dienstboten können und die Beschaffung derselben dringend ans Herz legen. Handel und Verkehr. Friedberg, 25 Nov. Fruchtpr. Welzen M. bis 19.25, Korn M. 17.50—00 00, Gerste M. 17.75 bis . 14.00-14.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo gleich 200 Zollpfund. Friedberg, 26. Nov. Buttermarkt. Butter kosteet per Pfd M. 0.90— 1.00, Eter 1 St. 9 Pf., 2 St. 17 Pf. Grünberg, 22 Nov. Fruchtpr. Weizen M. 19 00, Rorn M. 17 00, Gerste M. 16.00, Hafer M. 14.00, Erbsen M. 16.00, Linsen 24.00, Wicken M. 00.00, Lein M.(0.00, Samen M. 23.00, Kartoffeln M. 0.00. Frankfurt, 24. Novbr. Fruchtbericht. Htesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 33 00- 34.00, Nr. 1 M. 31.00 dis 32 00, Nr. 2 M. 27.75 28.75, Nr. 3 M. 27 00 dis 28.00, Nr. 4 M. 23.00— 24.00 Nr. 5 M. 18.00—19., Milchbrod u Brodmehl t. Verband N. 58.50 60.50, Nord- deptsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 27.75 dis 28.75. Roggenmehl loco hier Nr. 0 M. 28.50 bis 29 50, Nr. 0/1 M. 27— 28, Nr. 1 M. 23.75— 24.75, Weizen hiesiger ab unserer Umgegend M. 19.25— 19.40, frei Bahn hier M. 19.590— 1975, alter russi. M. 22.00— 22.50. Roggen hiesiger Mk. 18.00, russischer Mk. 18 50, Herste, Brauerwaare M. 18.00- 19.50, Hafer M. 14.75 dis 15.50, Raps M. 26.00 26.50, Mais(mixed) I 3.50—14., La Plata W. 13.00, m. Geruch M. 12, Rog zenklete M. 10 6010. 25, Weizenkletie M. 9.00, Spelzspreu rea M. 200, Cbllisalpeter per Febr. und März 891 M. 16 50, Rüböl im Detail M. 68.00 0000. Die Preise verstehen sich pro 100 Kilo ab hier, häufig jedoch auch loco auswärtiger Stattonen. Frankfurt, 21. Nov. Viehmarkt. Markt war mit 367 Ochsen, 15 Bullen, und Rindern, 241 Kälbern, 396 Hämmeln, 252 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ockhsen 1. Qual. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht M. 70 is 72, 2. Qual. M. 61—65, Bullen 1. Oual. M. 54 Stiere und Rinder J. Qual. M. 60—62, 2. Qual. M. 50-54, Kälber J. Qual, pro 1 Pfund Schlachtgewicht 63—68 Pf., . Qualtität 53—58 Pf., Hämmel 1. Qual. 64- 66 Pf., J. Qual. 48— 52 Pf., Schweine 1. Qual. 59—61 Pf., 9. Qual. 57— 58 Pf. Frankfurt, 25. Nov. Engros-Markt. Heu pro 100 Kilo M. 5.20 6.80, Stroh pro M. 4 60— 5.00, Haferstroh M. 3.60, Butter 50 Kilo M. 90—95, Eier 4.10 Der beutige bis 4.30. Zwiebeln per Centner M 400 6.00 bat bet stimmlicher lu— 7 u. Heiser- Kein llausmitte keit besseren Erfolg als 167 8 Sodener Mineral Pastillen, in allen Apotheken u. Droguerten à 85 Pf. käuflich. 4594 Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeier vom 29. November. Freitag Abend 3 Uhr 50 Min. Samstag Morgen 8 Uhr 30 Min. Samstag Nachmittag 3 Uhr 15 Min. Sabbathausgang 4 Uhr 55 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 30 November an Morgens 8⅝%7 Uhr(Synagoge), Abends 6 Uhr 0 Min(Gemeindezimmer). Bekanntmachung. Simon Löser in Steinfurth, welcher daselbst unter der Firma seines Namens und für alleinige Rechnung ein Handelsgeschäft mit Frucht, Kartoffeln, Mehl und Dungstoff betreibt, hat zu Bad Nauheim eine Zweignie— Eintrag im Handelsregister ist er— Beginn: folgt. Bad Nauheim den 15. November 1890. Großherzogliches Amtsgericht Bad-Nauheim. Bauer. 495 Schütz. Vergebung von Straßenarbeiten. Die Lieferung und das Zerschlagen des zur Un⸗ krhaltung der Staatsstraßen im Baubezirk Friedberg für 1891/92 vorgesehenen Deckmaterkals Die Bekanntmachung der bezüglichen Bedingungen findet Montag den 8. December 1 J., Vormittags 9 Uhr, ih Rathhause zu Friedberg statt. Friedberg den 21. November 1890. Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg. Kranz. Der Voranschlag 90 ie Gemeinde Ostheim pro 1891/2 liegt vom 28. d. M. zur Einsicht auf unserem Büreau 8 Tage lang offen. Ostherm den 25. November 1890. Großherzogliche Bürgermelsterel Osthelm. Schneider. 19.00 430 Kühen, Hofraitheversteigerung. Auf freiwilligen Antrag der Wittwe des Carl Schmidt II. soll Montag den 1. Dezember, Vormittags 11 Uhr, auf hiesigem Rathhause die nachverzeichnete Flur 11 Nr. 492= 107 qm kbellende Hofralthe in der Stadt nochmals versteigert werden. Bemerkt wird, daß dleselbe in der Usagasse, einer sehr belebten Geschäftsstraße, gelegen ist und eine Bierwirthschaft darin mit gutem Erfolg heute noch betrieben wird. Friedberg den 20. November 1890. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. 4608 Stein häußer. Der Voranschlag Der Gemeinde Nieder-Erlenbach pro 1891½¼2 liegt vom 27. d. M. an 8 Tage lang auf unserm Büreau offen. Nleder⸗Erlenbach am 24. Nov. 1899. ö Großh. Bürgermeisteret Nieder-Erlenbach. 4592 Meiß. Der Voranschlag Der Gemeinde Nieder-Mörlen für 1891/92 liegt vom 27. November 1890 an 8 Tage lang auf unseren Vüreau offen. Nieder⸗Mörlen am 26. Nov. 1890. Groß. Bürgermeisterei Nieder-Mörlen. 4595 Kremer. Normal⸗Anterkleider, Handschuhe, Kragen, Manschetten, Cravatten, Hosenträger, Jagdwesten, Strümpfe, Socken, Halstücher, Corsetten, Corsetschoner, Unterröcke, Schürzen, Krausen, gehäkelte Kinderkleidchen, Schulterkragen, Gummiwäsche, Stroh und Filzsohlen ꝛe empfiehlt in reichhaltigster Auswahl und nur guten Qualitäten 4513 C. F. Schleuning. 1 Louis Goebel. Frankfurt am Main, Speclalgeschäft in Südweinen. Empfeble meinen bochfeinen italtenischen Rothwein Vino d' Apulila, äntlich em pfohlen, für Reconvalescenten ganz besonders ge eignet. 1/1 Flaschen Nr. 1 M. 15 franco, 12 1 4 7 832 Bei größeren Bestellungen entsprechenden Rabatt. Billigstes Spezialgeschäft in Sherry, Ma- deira, Malaga. E. F. à 718.) 4590 rr Neue türk. Zwelschen, ital. Brunellen, sicil. Haselnüsse, „ Maronen W in bester Qualität a Fr. 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