1888. Donnerstag den 23. August. N 99. Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Areisblatt für den Kreis Friedberg. O berhessischer Anzeiger. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von 1 auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. Obitirdl 5——— 2 Dosen Amtlicher Theil. 8 e dn Nei Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Rendel. B e k a n t m a 11 9 · iG 7 Nachdem der Antrag auf Feldbereinigung in der Gemarkung Rendel bei der Großherzoglichen Landescommission gestellt und für zulässig Gurken, erklärt worden ist, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die Prüf 1 marxinirte — 5. Seil. 848 des Her dern meisterei Rendel zu Jedermanns Einsicht offen Friedberg den 20. August 1888. 14 Tagen, von dem Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet Commission für Feldbereinigung geltend zu machen. rt ung des Antrags ergeben hat, daß mehr wie ein Fünftheil der betheiligten Grundeigenthuͤmer, welche mehr wie die Halfte der in Betracht kommenden Fläche des rubrieirten Projektes erklart haben und solcher somit beschloss mir zusammengestellten Prüfungsresultat liegt in der Zeit vom 24. bis 30. August incl. auf besitzen, sich unterschriftlich für die Ausführung en ist. Die schriftliche Erklärung der betheiligten Grundbesitzer nebst dem von dem Amtszimmer der Großherzoglichen Bürger— und sind Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit des Ergebnisses binnen „mittelst schriftlicher Beschwerde bei der Großherzoglichen Landes— Der Vollzugs⸗Commissär für Feldbereinigung: Dr. Wallau. Deutsches Reich. ich. Berlin. Nach der„Nat. Ztg.“ hat der Kaiser von Rußland sein Bild an Kaiser Wil— helm übersandt mit einer eigenhändigen Wid— gesellen mung, in welcher er an die schönen Tage von e en Peterhof erinnert und den Kaiser bittet, das bang 14 5 Bild zum Andenken an diese Tage freundlichst entgegenzunehmen. —. Aug. Crisp. bat sich direkt von Rom nach Friedrichs ruh begeben, woselbst auch Kalnoky auf von Wien erwartet wird. Auch der preußische a Gesandte beim Vatikan, v. Schlözer, dürfte sich nne vor Ablauf seines Urlaubs noch einmal nach n nabe Friedrichs ruh begeben. ait Sascherti Sie ede stoffe,— 21. Aug. Der Kronprinz von Griechen⸗ 3 land ist heute aus Wiesbaden hier eingetroffen 3 und hat für die Dauer seines mehrwöchigen tian Aufenthaltes in Berlin im Hötel Continental larft Wohnung genommen. lug— General-Feldmarschall Graf Moltke war, — wie bereits mitgetheilt, nach Berlin gekommen, 3 um dem Kaiser seinen Dank für die ihm ge— 3 wordenen Auszeichnungen auszusprechen und die Uebernahme seiner neuen Stellung zu melden. Als der Kaiser von der Ankunft Moltke's erfuhr, wartete er die Meldung desselben nicht ab, son— dern überraschte ihn am vergangenen Freitag Nachmittag zwischen drei und vier Uhr in seiner Dienstwohnung und verblieb eine halbe Stunde bei ihm. Graf Moltke soll tief gerührt und er⸗ griffen gewesen sein ob dieser neuen Auszeich— nung durch seinen kaiserlichen Herrn, die einzig in ihrer Art dasteht, da es noch niemals dage— wesen ist, daß ein Monarch einer persönlichen Meldung in solcher Weise zuvorgekommen ist; er soll dem Kaiser die Bitte ausgesprochen haben, in, ihm Gelegenheit zur Bethätigung seiner Dank— gealtee bankeit zu geben. 1— General von Pape soll, wie verlautet, zum General-Feldmarschall ernannt werden und tine Armee-Juspection erhalten. — Folgende sensationelle Meldung geht der „Köln. Volksztg.“ aus Berlin zu:„Zur Kenn— zeichnung unserer Beziehungen zu Frankreich mag uin tie mir gewordene Mittheilung dienen, daß 4. bat temnächst eine Verordnung zu erwarten sei, wo— ee e lach alle bei deutschen Gerichten schwebenden n e Prozesse französischer Unterthanen sistirt werden pollen, bis Frankreich bezüglich der Schaden⸗ rrsatklage der deutschen Studenten gegen die Stadt Belfort zu den gewünschten Schritten sich entschlossen hat!“ Es braucht wohl kaum be— merkt zu werden, daß dieser Meldung gegenöber die stärksten Zweifel am Platze sind, obgleich die Maßregel selbst vollständig am Platze ware. 0 Kiel. Das Programm für die demnächstigen Zlottenmanöver ist nunmehr endgiltig festgestellt. Nach den Uebungen in der Danziger Bucht kehrt 29. und 30. August finden die Hauptfestungs— Kriegs Uebungen vor Kiel statt. Der Augriff wird von dem Panzergeschwader unter Admiral Knorr gemacht, die Vertheidigung wird von dem Admiral von Blanc geleitet, dem das Schul— Geschwader unter Admiral von Kall beigegeben ist. Am 31. August und 1. September finden weitere Manöver vor Kiel statt, worauf die Flotte von dem commandirenden Admiral Grafen von Monts inspicirt wird. Am Sedantag ist Ruhetag. Am 3. September findet der Zusam— mentritt der Mansverflotte statt und begibt sich dieselbe alsdann nach der Nordsee. Am 12. Sep⸗ tember findet die Auflösung der Manöverflotte vor Kiel statt. München. Der Prinz⸗Regent hat das Programm für seinen Besuch der Pfalz festge— stellt. Er trifft danach am 16. September in der Pfalz ein und residirt auf der Ludwigshöhe bei Edenkoben, von wo aus einzelne Städte be— sucht werden. Der Aufenthalt in der Pfalz dauert 11 Tage. Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 19. August. Schönerer, der morgen seine Strafe antritt, ist heute Abend mit der Franz-Josephsbahn hier angekommen. Vor dem Bahnhofe befand sich eine tausendköpfige Menge, zumeist Neugierige. Der Bahnhof war für Jedermann abgesperrt, ebenso hielt den Platz vor dem Gebäude ein starkes Aufgebot von Wachmannschaften besetzt. Im Hotel erwarteten Schönerer Freunde und An— hanger. Vor dem Hötel war Polizei stationirt; die umliegenden Straßen wurden von starken Patrouillen begangen; das Militär war consig— nirt. Als die Menge vor dem Hötel den von Gensdarmen eskortirten Wagen in Sicht bekam, wurden viele Hochrufe laut. Die Wache nahm viele Verhaftungen vor. Holland. Haag, 20. August. Der König, welcher sich in dem Schloß Loo befindet, ist seit einigen Tagen von katarrhalischen Leiden befallen und in Folge dessen das Bett zu hüten genöͤthigt. Frankreich. Paris, 20. August. Die bis jetzt bekannten Resultate der gestrigen Wahlen lauten folgendermaßen: Lille(Norddepartement): Boulanger 130,152, Köchlin 126,567; Amiens (Departement Somme): Boulanger 76,094, Bernot 41,371 Stimmen; La Rochelle(Depar— tement Charente inferieure): Boulanger 32,614, Lair 23,731 Stimmen. Im Arbeiterviertel waren dle Boulevards am späten Abend mit einer großen Menschenmenge angefüllt, welche die Polizei aus— einander trieb. In Amiens mußte das Militär mit aufgepflanztem Bajonnet gegen die Menge einschreiten. In Lille fanden Schlägereien zwischen den Boulangisten und den Antiboulangisten statt; — Dem Vernehmen nach sollen gegen die⸗ jenigen Ausländer, welche an den jüngsten Kund— gebungen der Streikenden theilgenommnun haben, Ausweisungsbefehle erlassen werden. Italien. Rom, 20. Aug. In Savona stellten 1500 Arbeiter der Metallfabrik wegen Herabsetzung des Lohnes die Arbeit ein. Eine Deputation der Arbeiter begab sich zum Unter— präfecten. Die Ordnung blieb ungestoͤrt. Aus Stadt und Land. D. Friedberg. In würdiger und erhebender Weise beging der Veteranen- und Militär-Verein am 18. und 19. August sein Stiftungs-Fest und die Gedenkfeier der Schlacht bei Gravelotte. Samstag Abend versammelten sich die Mitglieder und Freunde des Vereins in der „Reichskrone“ und war diese Vorfeier zu Ehren der Kameraden veranstaltet, welche an dem Kriege gegen Frankreich theilgenommen haben. Prästdent Bindewald gedachte mit begelsterten Worten der großen Ereignlsse und Errungenschaften der Jahre 1870/71 an denen auch unsere hessischen Soldaten so ehrenvollen Antheil genom- men haben und schloß mit einem Hoch auf den Führer der Hessischen Division in jenem Kampfe, unseren Groß⸗ herzog Ludwig IV. Ein zweiter Toast galt den„Siegern von Gravelotte“. In schöner Weise wechselten Musik— stücke mit den herrlichen Lieder-Vorträgen des Gesang⸗ vereins Liederkranz, welcher in anerkennenswerther Weise seine Mitwirkung an dlesem patriotischen Feste zugesagt hatte und welchem an dieser Stelle nochmals herzlich Dank gesagt sein soll. Die Sonntag Vormittagsfeier war eine tiefernste und galt dem Andenken derer, welche den Heldentod für's Vaterland gestorben sind. Mit um⸗ florter Fahne marschirte der Verein nach dem Friedhof um an den mit Blumen und Laubgewinden geschmückten Gräbern der hier ruhenden Krieger, Aller zu gedenken, welche ihr Leben für des Vaterlandes Ehre und Größe lassen mußten. Hierauf nahm der Verein theil an dem Gottesdienst in der Stadtkirche, dessen Weihe durch einen eingelegten Chor-Gesang der Zöoͤglinge unseres Lehrer— Seminars noch erhöht wurde, und bei welchem Professor Dr. Köstlin die Predigt hielt. Die ernsten Worte des Geistlichen, welcher selbst als Feldprediger den Feldzug mitgemacht hatte, haben gewiß auf die versammelte Ge— meinde einen nachhaltigen Eindruck gemacht und nicht umsonst ist die Mahnung an die andächtig lauschende Versammlung erklungen:„Sei getreu bis in den Tod“, Unter Vorantritt der Kapelle des Großherzoglichen Leib— Dragoner Regiments Nr. 24 bewegte sich am Nachmittag der Fest-Zug durch die mit Fahnen reich geschmückten Straßen unserer Stadt nach dem Steinhäußer'schen Garten, woselbst Musikvorträge und Ansprachen wechselten. Prä— sident Bindewald begrüßte die zahlreich erschlenenen Fest theilnehmer, gedachte des tragischen Geschickes, das Deutsch— land in der kurzen Zeit von hundert Tagen zwet Kaiser verlieren ließ, gab einen Rückblick auf das verflossene Vereinsjahr und schloß mit einem Hoch auf den obersten Kriegsherrn, den Kasser Wilhelm II. Sodann gedachte Gerichts-Schrelber Weber mit begeisterten Worken des „Volkes in Waffen“, unserer tapferen deutschen Armee, cand. theol. Vogel feierte in meisterhafter Rede das deutsche Volk und Vaterland. Der allen Rednern ge— spendete reiche Belfall zeigte, daß die Anwesenden das richtige Verständniß für die schönen patrlotischen Worte hatten. Die tüchtigen Leistungen der Musik Kapelle und der vorzügliche„Stoff“ des Festwirthes trugen ihrerseits wesentlich zu einer gehobenen Stimmung bei und es reihte sich die diesjährige Gedenkfeier würdig an die vorausgegangenen an. das Panzer⸗Geschwader nach Kiel zurück. Am 1 es wurden viele Verhaftungen vorgenommen. Gießen. Professor Harnack's Berufung nach Berlin ist vom Kaiser genehmigt worden. — Allerlei. Mannheim, 20. August. In der verflossenen Nacht wurden bei der Rirchweihe im nahen Neckarau zwei ledige Burschen bei Streithändeln erstochen. Landro(im Ampezzo), 20. Aug. Heute Vormittag stürzte auf dem Monte Chrlstallo der berühmte Alpen⸗ führer Michael Innerkosten aus Schluderbach in eine 20 Meter tiefe Gletscherspalte und blieb auf der Stelle todt. Der Absturz erfolgte in dem Momente, als er zwel Touristen von einer bedenklichen Stelle wegziehen wollte. Beide Touristen sind ebenfalls in die Tlefe ge— stürzt, wurden jedoch noch lebend, obwohl schwer ver— letzt, herausgebracht. Budapest, 18. August. In Waitzen ist die Hon⸗ vedkaserne abgebrannt; 45 Pferde sind verbrannt, 9 Pferde, die sich in den Bahnhof geflüchtet hatten, wur⸗ den durch den einlaufenden Zug getödtet. Die Locomo: tive und mehrere Wagen entgleisten. Ein Menschenleben ist nicht zu beklagen. Rom, 19. August. Nach hier eingegangenen Nach richten wurden gestern Abend in Diano Marino, das bereits durch das Erdbeben vom 23. Februar 1887 so schwer heimgesucht wurde, innerhalb einer halben Stunde drei heftige, von unterirdischem Rollen begleitete Erd— stöße verspürt. Der erste Stoß war der stärkste. Unfälle sind durch die Erdstöße nicht herheigeführt. In Porto Maurizio fand in vergangener Nacht ein leichter Erd stoß statt.(Auch in Groß ⸗Gerau soll ein Erdstoß ver⸗ spürt worden sein) New⸗York. Aus Canada wird gemeldet, daß ein Gewittersturm im östlichen Ontarlo gewüthet und allein in Quebee einen Schaden vou 1½½ Mill Dollars verur⸗ sacht hat. Viele Personen wurden getödtet, Häuser stü rz; ten ein, Pferde und Vieh kamen um. Eine französische Stimme über den Zweck der Leibes⸗Uebungen. La gymnastique— son but. Lettre de Vindex in No. 46/1887 der Pariser Wochenschrift„La Gymnastique“. Von Carl Trapp. „Unter den Freunden der Gymnastik und denjenigen, die sie verbreiten, giebt es zwei Strö⸗ mungen und mehrere Arten, sie zu pflegen. Die Einen pflegen sie, weil darin ein ange— nehmer Zeitvertreib, ein Mittel, die Gesundheit zu erhalten, liegt; weil sie dadurch gewandt, stark geworden sind; weil die Gymnastik sie entwickelt hat; weil sie ihnen erlaubt, im Wettstreit zu glänzen. Ich selbst kenne solche, welche sie pflegen, weil sie ihnen Gelegenheit bietet zur Schaustel— lung der Arm Muskeln, des Körpers, und die Mode, kurze Hosen zu tragen, muß wohl irgend einen mit guten Waden ausgestatteten Burschen zum Erfinder haben. Für andere ist die Gym⸗ nastik ein Gewerbe, wiederum andern ist sie ein Schwungbrett, und die Politiker verschmähen es nicht, sich ihr geneigt zu zeigen, um sich Ein— fluß zu verschaffen, so wie die Schankwirte, um sich eine Kundschaft zu gewinnen. Noch andere haben eine unglückliche Vorliebe, um Reden und Salbadereien zu halten.... O weh! das sind die Schlimmsten! „Jedem Thierchen sein Pläsirchen“(und wäre es durch ein blaues oder gar rothes Bändchen verkörpert)— darin sehe ich keinen Uebelstand. Nur möchte ich, daß der eingestandene Zweck, der— jenige, welcher in allen Programmen hervortritt und wovon man unaufhörlich spricht, der einzig ernste: die körperliche Entwickelung der Jugend im Hinblick auf den Militär⸗ dienst! die Gedanken der Leute mehr beschäftige, welche in der Ausbreitung der Gymnastik oben— an stehen. Die Gymnastik wird, sobald man sie über eine gewisse Schranke hinaustreibt, zu einem Sport, der sehr angenehm und sehr gesund ist und der die Gesundheit dieser Leute im Gleich—⸗ gewicht erhalten würde, wenn sie ihn ausübten. Da in dieser Hinsicht kein Zweifel besteht, so wäre eine Lobeserhebung müßig. Um ein guter Soldat zu sein, hat man eben so wenig nöthig, in der Gymnastik sehr stark zu sein, als das römische Recht zu kennen. Ist es der wahre Zweck der Gymnastik, Sol⸗ daten vorzubereiten, so darf man die Mittel, welche sie dazu bietet, nicht in dem Schwierigen suchen. Darum soll man sie nicht durch Touren von Kraft oder Geschmeidigkeit vorbereiten, son⸗ dern durch einen methodischen Entwickelungsgang, welchen man nicht genug in den Vereinen pflegt. Der Haupttheil des Fehlers liegt, wie ich glaube, in der Art, in der man die Wettturnen einrichtet. Mit dem gegenwärtigen System sind Preise das Ziel der Mehrzahl der Vereine. Sobald die Betheiligung an einem Wettturnen entschieden ist, hoͤrt die Ausbildung der Masse auf und man beschäftigt sich besonders mit den⸗ jenigen, welche am Wettstreit theilnehmen sollen. Die eine Sektion wird überbürdet, die Uebrigen halten Maulaffen feil und werden abgestoßen. Dazu kommt, daß meistens der Wettstreit schwierig ist. Turn⸗Verehrer, Turn⸗Matadore haben die Uebungen zusammengestellt, sie haben Schwieriges ausgesucht und die ersten Abtheilungen müssen ihrerseits Mittel suchen, dessen Herr zu werden. Bei dieser Methode findet die gymnastische Kunst ihre Rechnung, denn in jedem Verein sind es nur wenige Mitglieder, welchen es gelingt, die sehr schweren Uebungen auszuführen und damit ihre Eigenliebe zu befriedigen. Aber die Gesammtheit des Vereins hat keinen Nutzen davon und die Aneiferung, anstatt allgemein zu sein, ist entweder vereinzelt geblieben, oder hat sich auf eine ganz kleine Zahl beschränkt. Wer sein Essen aus einer Garküche kommen läßt, beklagt sich öfters darüber, daß in dem Traggeschirr die ersten Schüsseln besonders warm, selbst überhitzt sind, weil sie dazu bestimmt sind, der Anstalt Ehre zu machen, während die andern vernachlässigt sind. So ungefähr geht es in den Vereinen und Verbänden zu. Ich glaube, das Ergebniß würde ein ganz anderes sein, wenn auf die echte Anspornung der größte Theil entfiele, da nur hierdurch die Jugend in den Stand gesetzt würde, sich auf die Erfüllung künftiger Pflichten vorzubereiten. Der größten Zahl von Turnern mit der besten Durchschnittsleistung sollte die höchste Auszeich— nung zu Theil werden. Wenn die Geräthe in zweite Linie gestellt würden, wenn an die erste Stelle die rationellsten Bewegungsarten zum Geschmeidigmachen treten würden, Marschieren, Laufen, Stab-Uebungen, Boxen, alle Uebungen, welche wirklich den Körper als Ganzes entwickeln, welche gleichzeitig von allen ausgeführt werden können und das Fun⸗ dament der militärischen Ausbildung sind, dann könnten andere Resultate erzielt werden, weil alsdann die Vereine nach einem Antriebe han— deln würden, welchen sie von den Leitern der Wettturnen erhalten würden. Aufgefordert, eine möglichst große Zahl von Turnern zu liefern, würden sie ihr Augenmerk weniger auf Aus⸗ nahmen richten und die Durschnittsleistung wurde dabei gewinnen; man würde vielleicht keine ganz so starken Turner erhalten, aber eine weit höhere Zahl und gerade hierauf kommt es besonders an. Vom Wettbewerb wären diejenigen auszu— schließen, welche dabei nur ihre persönliche Be— friedigung suchen. Was hat es für einen Sinn, wenn sich ein Dreißig-, Vierzigjähriger, wie ich solche gesehen, bei einem Wetturnen betheiligt? Bereitet er sich für den Militärdienst vor? Nein, er kommt dahin, um seiner Leidenschaft zu ge⸗ nügen, aus Vergnügen. Dazu sind aber die Vereine nicht gebildet worden; diese Mitglieder sind es gewiß nicht, welche der Staat, die Departements, die Ge⸗ meinden, die Turnfreunde zu belohnen, zu er⸗ muthigen beabsichtigen. Die jungen Leute, welche noch nicht gedient haben, sind es; diese sollten der ausschließliche Gegenstand der Sorge der⸗ jenigen sein, welche den wahren Zweck der Turnerei verfolgen. Damit ist nicht gesagt, daß die Turnfreunde, die alten Turner, die als solche Muster, die Soldaten gewesen und der jetzigen Generation vorausgegangen sind, welche der letzten den Geschmack an den so ungemein nützlichen Uebungen eingefloͤßt haben, aus den Vereinen entfernt werden sollen. Das wäre eine schlechte Anerkennung der Dienste, welche sie der Sache geleistet haben, und sind sie im übrigen nicht berufen, ihr noch mehr zu leisten? Nein, das kommt mir nicht in Sinn, aber ich glaube, daß sie in jedem Vereine eine Elite⸗Abtheilung bilden müssen, welche außerdem mitarbeitet innerhalb der zu gebenden Bedingungen. Für die Jugend die gemeinsamen Uebungen, marschieren, springen, laufen; alles, was den Körper entwickelt, die Muskeln geschmeidig macht; die Geräthe seien zur Zerstreuung geboten und behufs Anwendung der gewonnenen Kräfte. Für diejenigen, welche das Alter zurückge⸗ legt haben, in dem man einem Regiment zuge⸗ theilt wird, bleibt die verdienstliche, sehr ehren⸗ werthe und gute Patrioten lockende Aufgabe, die Jungen vorzubereiten, während sie selbst an den Geräthen ihre Kraft und Gewandtheit üben können. Diese Letzten mögen besonderer Ehrenbe⸗ zeigungen theilhaftig werden, den Ersten komme zu, was ihnen gebührt, d. h. alles, was zur Aufmunterung erbeten und gegeben wird, alles dasjenige, was im Sinne der Spender der Entwicklung der Vereine zu gute kommen soll, deren wahrer und einziger Zweck darin besteht, Soldaten vorzubereiten.“ In diesem Briefe, dessen möglichst getreue Wiedergabe mich bestimmte, hie und da an der französischen Satzbildung streng festzuhalten, sind Ansichten ausgesprochen, die— frei von Vor⸗ eingenommenheit und zünftiger Schulweisheit— die Bedeutung des Turnens für das Leben, in dem wir mitten drin stehen, für die Bedürfnisse der Zeit, der wir angehören, zu kennzeichnen unter Angabe der Mittel und Wege, welche anzuwen— den, bezw. einzuschlagen sind, um das scharf ins Auge gefaßte Ziel zu erreichen. Gleiche An— schauungen habe ich im Frühjahr 1887 in meinem Schriftchen„Ist kein Guts Muths da?“(Leipzig, Rud. Uhlig) niedergelegt. Ich unterlasse, darin Gesagtes hier zu wiederholen. Nur über einen Punkt möchte ich mich kurz aussprechen. Es fehlt nicht an Stimmen in der Turnerschaft, welche das Einreißen des Turnsports ebenso sehr verurtheilen wie ich. Aber, die Hand aufs Herz, wer trägt die Schuld, daß die Pfleger des Ruder-, des Radfahr⸗Sports Recht haben, wenn sie be⸗ haupten:„Ist denn Euer Preis- und Wettturnen zum größten Theile etwas anderes als die Ver⸗ körperung, die Prämiirung des Sports? Werden Eure Leute hierzu nicht auch abgerichtet— wenn's nicht anders geht, auch auf Vereinskosten? Was uns notorischen Sport-Pflegern auf dem Wasser, dem Schnellrad als mustergiltige Leist⸗ ungen erscheint, die nur durch beharrliches „Training“, durch Einsetzen aller aufs höchste anzuspannenden Kräfte erreicht werden können, das sind bei Euren Festen die Gipfel Uebungen am Reck, Barren, Schwingel ꝛc. So ist's in Wahrheit; wozu sich ein⸗ reden, sich weismachen, es sei anders? Will man in der That beweisen, daß man gegenüber dem Kulturzweck der Leibes-Uebungen, der nationalen Bedeutung des Turnens als einem noch lange nicht genügend beachteten, geschweige denn ge— nügend und planmäßig von Jugend an durch⸗ geführtem Mittel zur Erhöhung der Einzel- und Gesammt⸗Volkskraft und Frische den sports⸗ mäßigen Turnbetrieb nur für Feinschmecker, nicht als gesunde Volksnahrung, ansieht, daß sein Werth nur für einzelne, für die Volkserziehung selbst gar nicht in Betracht kommt, dann hat man keine andere Wahl, als sich von der Ein⸗ seitigkeit und Turnkünstelei an Geräthen ab- und der Turuweise zuzuwenden, die sich, unter Aus⸗ schluß der Ausbildung von„Künstlern“ für Spezialitäten⸗Theater, einfacher, leicht zu be⸗ schaffender Mittel, die auch außerhalb des Turn⸗ platzes tagtäglich benutzt werden können, bedient, um den Menschen harmonisch zu kräftigen, stark und gewandt zu machen, zunächst und vor allem die wehrpflichtige Jugend. Hält man es trotz⸗ dem mit der„herrschenden“ Richtung, so ver⸗ zichte man bezüglich des Turnsports auf jede Eiurede und Entrüstung. Abwehr⸗Artikel in Zeitungen, gesprochene Verdammungs⸗Urtheile thun ihm keinen Abbruch; nur ein System⸗ Wechsel kann helfen. Friedberg im Dezember 1887. Handel und Verkehr. Friedberg, 21. Aug. Fruchtpr. Waizen neuer M. 17.50, alter M. 18.50., Korn M. 13.50— 14, Gerste M. 14— 15, Hafer M. 14.00— 14.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund. Friedberg, 22. August. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00— 1.10. Eier 1 St. 6 Pf. Forderur bah de ver Mörlen sin ie bel der! vad: Otoß 21 Pelstti Frestog in dem hie ußboͤden arbeit in A Der Ko Die ar gehabte K Abfahttag Frestag steigete ich stadt geg. Haus mobi NB. Ofenfal F empfiehlt Vrandas, linder, S. lelungen, beubülket; Ole von Allein 1 land. 15 Arten ln deulen, f Fr. J0 Zwel! Oaranklez Verlauf U 1 übernel 5 Dar doͤßte dus 009 9 Gleßen, 21. Aug. Auf dem heutigen Markt kostete Futter per Pfd. M. 1.05— 1.10, Eler 1 St. 5-6 Pf., zäse per Stück 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.40 bis 60, Hühner per Stück M. 0.90— 1.30, Hahnen per Stück M. 0.60— 1.20, Enten per Stück M. 1.50—1.80., Ochsen⸗Fleisch per Pfund 60-68 Pf., Kuh und Rind- fleisch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel ⸗ fleisch 54—64 Pf., Kalbfleisch 40—46 Pf., Kartoffeln er 100 Kilo M. 5.00— 7.00, Zwiebeln per Centner N. 7.00 8.00. Frankfurt, 20. Aug. Fruchtbericht. Hies. Weizen, nehl Nr. 0 M. 32— 34, Nr. 1 M. 29.00— 30.50, Nr. 2 N. 26-27, Nr. 3 M. 25— 26, Nr. 4 M. 20— 21, Nr. 5 N ee Milchbrod⸗ und Brodmehl im Verband N. 53— 56“ norddeutsche und westfällsche Weizenmehle Ir. 00 M. 24.75— 25.25, Roggenmehl(hiesiges) Nr. 0 N. 23— 24.00, Nr. 0/1 M. 22.00— 23, Nr. 1 M. 19.00 18 20.00, Nr. 2 M. 16.00— 17.00, Weizen neuer ab unserer Umgegend M. 17.50, frei Bahn hier M. 18.00, lter ab unserer Umgegend M. 18.75—19, frei Bahn ler M. 19— 19.25, fremder nach Qualität M. 18.50 is 20.00, Roggen hiesiger neuer trockener M. 15.00, zussischer M. 15 50 bis 1575, Gerste, Brauerwaare per Herbst M. 17.00— 20.00, do. zu Mahlzwecken M. 11.50 Hafer, prima M. 14.00— 15.00, mittel M. 13.50, Naps M. 26.00— 26.50, Mals M. 14.00, Erbsen M. 1419, Roggenkleie M. 4.75—5.25, Welzenklele M. 4.50, Malz⸗ keime M. 4.25, Moostorfstreu prima M. 1.30, Spelzspreu M. 1.25, Reismehl M. 4— 4.50, Chiltsalpeter per Februar März 1889 M. 0.00. Sämmtliche Artikel bel Abnahme von 200 Centner an. Rüböl im Detall M. 59. Frankfurt, 20. August. Vieh Markt. Angetrieben waren 382 Ochsen, 35 Bullen, 567 Kühe, Stiere und Rinder, 340 Kälber, 98 Hämmel und 209 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 59 62, 2. Qual. M. 52— 55, Bullen 1. Oual. M. 39— 40, 2. Qual., M. 3738 Kühe, Stlere und Rinder 1. Qual. M. 49—51, 2. Qual M. 40— 46, Kälber 1. Qual. pro Pfund Schlacht— gewicht 50—54 Pf., 2. Qual. 42— 45 Pf., Hämmel 1. Qual. 60—62 Pf., 2. Qual. 48—50 Pf., Schweine 0 Qual. 54—55 Pf., 2. Qual. 52—54 Pf. 7 Frankfurt, 21. August. Engros⸗Markt. Heu pro hundert Kilo M. 6.20— 8.00, Stroh pro hundert [Kilo M. 4.80—5 60, Butter pro 50 Kilo M. 95 100, M. 18— 21.50, do, geschälte M. 20— 30, Linsen M. 28— 45, weiße Bohnen M. 23— 25.50, Mohrrüben 50 Kilo M. 6—8, Preiselbeeren per Pfd. 15 Pf, Aprikosen per Pfd. 40 bis 45 Pf., neue hies. Kartoffeln 100 Kilo M. 5—8, Blumenkohl 100 St. M. 25— 50, Kopfsalat M. 3—5, Erbsen per Ctr. M. 12.—15., grüne Bohnen per Pfd. 5—8 Pf., Nüsse 100 Stück 50— 80 Pf., Pfirsiche per Pfund 70 Pf., Zwetschen per Pfd. 20—25 Pf., Mirabellen 18—20 Pf., Himbeeren 20— 25 Pf., neue Aepfel per Pfd. 12— 20 Pf., Birnen per Pfd. 5— 10 Pf., Melonen per Stück M. 0.60 bis 3., Trauben per Pfd. 50 Pf., Einmachgurken hundert Stück M. 1.— 1.20, Reineelauden per Pfd. 15 20 Pf. Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfetier vom 25. August 1888. Freitag Abends 6 Uhr 20 Min. Samstag Morgens 8 Uhr. Samstag Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 7 Uhr 45 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 26. August an Beginn: Eler das Hundert M. 4.50— 5.00, Erbsen hundert Kilo Morgens 6 Uhr, Abends 7 Ubr 25 Win. Edietalladung. Forderungen und Ansprüche jeder Art an den Nach aß des verstorbenen Christlan Friedrich Anders von Nieder- Mörlen sind binnen 8 Tagen dahier anzuzeigen, wenn se bei der Nachlaß-Regulirung berücksichtigt werden sollen. Bad⸗Nauheim den 20. August 1888. Großherzogliches Amtsgericht Bad-Nauheim. Bauer. 991 Hau bach. Bersteigerung von Schreinerarbeit. Freitag den 24. August, Vormittags 10 Uhr, soll u dem hiesigen Rathhaussaal die zur Herstellung der fußböden im Realschulgebäude erforderlsche Schreiner- rbeit in Accord gegeben werden. Der Kostenvoranschlag beträgt 750 Mark. Friedberg den 21. August 1888. Großberzogliche Bürgermeisterei Friedberg. Steinhäußer. Holz⸗Versteigerung. Die am 7. d. Mts. im hiesigen Gemeindewalde statt⸗ chabte Holzversteigerung ist genehmigt und der erste Ubfahrtag auf Mittwoch den 22. d. Mts. festgesetzt vorden. Ober⸗Mörlen am 18. August 1888. Großherzogliche Bürgermeisterel Ober⸗Mörlen. Jeckel. Zwangs-Versteigerung. Freitag den 24. August, Vormittags 10 Uhr, ver⸗ zeigere ich vor dem Gemeindehaus zu Nieder ⸗Flor⸗ sadt gegen Baar 3 Kühe, 2 Wagen und noch sonstige Hausmobilien. 984 NB. Die Versteigerung findet voraussichtlich bestimmt statt. Herget, 4970 Kreisbote zu Vilbel. 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Zur Deckung der unvermeidlichen Kosten werden in den nächsten Tagen Friedberg, 4 13 durch Schüler der Real- und Stadtschule Sammellisten in Circulation gesetzt und erlaubt sich] veranstaltet von Frau Laura ee Kontgl. 6 der unterzeichnete Ausschuß des Festeomités die Bitte auszusprechen, diese Listen mit reichlichen Overnsängerln aus Kassel, Herrn Heinrich Oö gel, Großßh. 1 8 0 e 6 g 27, Hofopernsänger, Herren Adolf Kugler und Emil Reiz, 1 Beiträgen zu versehen, da die Unkosten des diesjährigen Festes in Folge verschiedener Verhält⸗ Mitglieder der Großh. Hofkapelle zu Darmstadt. 2920 Mid 5 9 nisse voraussichtlich hoch sein werden. 5 „ 7 17 iedberg, 22. A 888. 1 2999 N 1 88 Der Finanz-Ausschuss des Sedanfest-Comités. Kirchweihfest 1 Ockstadt. dee 9 3 1 5 5 W 1 1 Be N i anzmusik!, 5 Jean Burk, Bad-Nauheim e ö 1 8 f 3 7 40* 12 trefft In unkbarttrast. Restaurant. Naubaittrase 3a Filzhäte,. 05 9 f. 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