1888. Dienstag den 13. November. M34. Oberhessischer Anzeiger. Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Kreisblatt für den Kreis Friedberg. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. Annoncen: die einsaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. Betreffend; Bezirkseconferenz Butzbach. 50jähriges Dienstjubiläum. Friedberg den 10. November 1888. 5000.. n. Die kirchliche Feier nimmt um 10½ Uhr ihren Anfang. bei Gastwirth Müller im„Löwen“) zu einer kurzen Besprechung mit dem Kreis-Schulinspector zusammenfinden. Amtlicher Theil. Steckbrief. Friedberg am 11. November 1888. Die Großherzogliche Kreis-Schulcommission Friedberg an die Lehrer des Conferenz- Bezirks Butzbach. Nächsten Mittwoch den 14. d. Mts., feiert Lehrer Rahn J. zu Kirch-Göns, mit Genehmigung der obersten Schulbehörde, sein Sie wollen sich indessen schon um 10 Uhr zu Kirch-Göns Dr. Braden. Der unten signalisirte Karl Werner aus Wenkheim, Baiern, welcher wegen unbefugten Colleetirens für die Abgebrannten in Hünfeld dahler inhaftkrt war, ist heute auf dem Transport im Vilbeler Wald dem Gendarm Gries entsprungen. Behörde, an welche derselbe abgellefert werden soll: Großherzogliches Amtsgericht Vilbel. a 3 Signalement: Alter 25 Jahre, Größe mw 68 em, Haare und Augenbrauen blond, Augen grau, Stirne hoch, Nase spitz, Mund gewöhnlich, Bart Vollbart, röthlich, Kinn rund, Gesichtsfarbe gesund, Gesichtsform länglich, Statur schlank. Besondere Zeichen: war an beiden Händen geschlossen. Kleidung: carrirtes Jacket, schwarz und weiß gestreifte Hosen, Stiefeletten, wollenes Hemd mit weißem Umlegkragen, Hut auf der Flucht verloren. ö ö a Großherzogliches Kretsamt Friedberg. Dr. Braden. Deutsches Reich. Darmstadt. Der Oekonomierath Müller zu Darmstadt wurde zum Mitglied der Central— stelle für die Landesstatistik, der provis. Hilfs— gerichtsschreiber Rhode zu Gießen zum Hilfs— JZerichtsschreiber am Land-Gericht der Provinz Dberhessen, der Dirigent der höheren Bürger— scchule zu Groß⸗Gerau Holtzmann zum Lehrer nm dem Realgymnasium zu Gießen, der Hof— stallbeiknecht Döring aus Schlitz zum Hofwagen— toärter ernannt. — 9. Nov. Prinz und Prinzessin Heinrich don Preußen sind heute Abend per Extrazug mach Kiel zurückgereist. Prinz Heinrich von ans„e Battenberg ist gestern Abend aus England las N Hier eingetroffen und wurde am Bahnhof von ünsche, dem Prinzen Ludwig von Battenberg empfangen. berdan Berlin, 10. Nov. Der König von Sachsen und Prinz Georg von Sachsen sind heute Vor— mittag aus Dresden hier eingetroffen, um den TFaiser zur Jagd nach Königswusterhausen zu egleiten. Nach Beendigung der Hofjagd, welche nden Oberförstereien bei Königswusterhausen kattfand, kehrten der König und der Prinz Heorg von Sachsen hierher zurück. Der König 4 65, von hier sich nach Schloß Sibyllen— rt zu begeben, wo auch die Königin von Sach— n aus Dresden eintreffen wird. In Sibyllen— rt gedenken die sächsischen Majestäten einige Helm Fertecl uchen r. Segrtt, * Tes K Zila Nen be hake „en Ou reel ue. g en de Tage zu verbleiben. An der Hofjagd in Wuster— lags d zusen nahm auch der Herzog von Sachsen— aA Loburg⸗Gotha theil. sloͤffe— Durch kaiserlichen Erlaß wird der Reichs eee d big auf den 22. November einberufen. 11201— Sehr beachtet werden nach dem 1 Hanau. den hiesigen maßgebenden Kreisen die Fort— i eee, shritte, welche in jüngster Zeit die französisch— * ussische Intimität macht. Es wird dabei u. a. Ernte, uf die läugere Conferenz des Großfürsten Gladimir mit dem französischen Kriegsminister Jreyeinet hingewiesen. Russisch-franzoͤsische Ein— susse sind ferner auf allen Punkten in Thätig—⸗ it, wo man Deutschland schädigen zu können gaubt. Ein Berliner Brief der„Polit. Corr.“ lakt ferner die Aufmerksamkeit auf die immer wachsende Intimität zwischen Spanien und Frank⸗ nich seit Uebernahme des Portefeuilles des lußeren durch Marquis Vega de Armijo, welcher ach verschiedenen Anzeichen insbesondere in der U gigen die anderen Mittelmeermächte gerichteten art 1 Jooperation beider Staaten in der marokkanischen 1 zrage zu Tage trat. Elberfeld, 8. Nov. Am Dienstag Abend und im Laufe des gestrigen Tages haben im zunzen Landgerichtsbezirke bei vielen Soclalisten eder Haussuchungen stattgefunden. Hier in Elberfeld wurden an fünf verschiedenen Stellen Briefe ꝛc. beschlagnahmt. Leipzig. Der Praͤsident des Reichsgerichts, v. Simson, soll, wie die„Köln. Volksztg.“ von hier erfahren haben will, seine Entlassung ein— gereicht haben, welche der Kaiser angenommen habe. Wahrscheinlich werde der Oberreichsan— walt Tessendorff Reichsgerichtspräsident werden. Die Nachricht wird von der„Nationalzeitung“ mit dem Bemerken als durchaus unbegründet bezeichnet, daß keinerlei Veranlassung zu einem solchen Schritt vorliege. Hamburg. Im Socialisten-Prozeß Lassen und Genossen wurden die 18 wegen Geheim bündelei Angeklagten zu Gefängniß Strafen von 14 Tagen bis 4 Monaten verurtheilt. Karlsruhe. Die Meldung mehrerer Blätter, daß der Erbgroßherzog nach Mannheim über— siedele, wird amtlich dementirt. Straßburg. Ueber auf den oberelsässischen Bahnhöfen zu Altkirch und Illfurt, zum Theil auch in Mülhausen anläßlich der Rekrutenein— lieferung vorgekommene Ausschreitungen ist so— fort eine eingehende Untersuchung eingeleitet wor— den. Auch die Verwaltung wird sich mit der Sache zu befassen haben; für sie wird es nament lich von Interesse sein, nach den tiefergehenden Ursachen der unerquicklichen Vorgange, welche durch Ausstoßen aufrührerischer Rufe, wie z. B. „Vive la France“ und„aà bas les Prussiens“, eine ganz besondere politische Bedeutung erlangt haben, zu forschen. Daß im Ober⸗Elsaß, nament lich in seinen südlichen Theilen, der Verdeutschungs— prozeß die langsamsten Fortschritte gemacht hat, ist bekannt und findet namentlich auch in den Ergebnissen der Heeresaushebung ihre Bestäti— gung. Die Ursache dieser Erscheinung wird neben der Nähe der franzoͤsischen Grenze, durch welche den franzoͤsischen Hetzereien Vorschub ge— leistet wird, hauptsächlich auf den Einfluß der Großindustrie zurückgeführt werden müssen, welche fast durchweg in französischem Sinne auf die von ihnen abhängigen ausgedehnten Bevölkerungs schichten einwirken. Jedenfalls sind daselbst noch schwierige, die Verdeutschung der Bevölkerung verlangsamende Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Klel. S. M. Kreuzer„Nautilus“ ist am 7. November ꝛc. in Teneriffa(Canarische Inseln) eingetroffen und beabsichtigt am 9. dess. Mts. die Heimreise fortzusetzen. Ausland. Oesterreich⸗-Ungarn. Wien. Die Mel⸗ dung auswärtiger Blätter, die Kaiserin Elisabeth unternehme auf ärztliche Anordnung eine See— reise nach Indien oder Amerika, wird offictös dementirt. Schweiz. Bern. Nach einer offiziellen Auf— stellung der muthmaßlichen Bundes-Ausgaben während des nächsten Jahrzehnts werden außer den für militärische Sicherung des Gotthardt beschlossenen 2½ Million Francs weitere drei Million für die Landesbefestigung in Aussicht genommen. Belgien. Brüssel. Wie verlautet, reist König Leopold demnächst nach Berlin zum Be— suche des deutschen Kaiserhofs. Holland. Haag, 9. Novbr. Einer amt⸗ lichen Meldung zufolge erklärten die Aerzte den König für beinahe hergestellt. Derselbe nahm in den letzten Tagen mehr Nahrung zu sich und hat sich infolge dessen der Kräftezustand gehoben. Trotz des befriedigenden Allgemeinbefindens ist immer noch Sorge vorhanden wegen Heranbildung eines chronischen Leidens. Frankreich. Paris, 8. Nov. Die Kammer trat in die Berathung des Marinebudgets ein. — 10. Nov. Die Kammer genehmigte das Budget des Justizministeriums. Bei der hierauf begonnenen Berathung des Budgets des Kriegs— ministeriums sprach Martimprey sich mißbilligend über die große Vermehrung der Ausgaben sowie über Herabsetzung der Dienstzeit aus. Freyeinet erwiederte auf die Klage Kellers, daß der Effec— tivbestand der Compagnien unzulänglich sei: Die Compagniestärke für 1889 sei auf nahezu 125 gebracht und werde 1890 diese Hohe erreichen. Nach Erwähnung der für Aufbesserung der Offiziersgehälter bewilligten Mittel bemerkte der Minister, noch andere Ausgaben seien dringend nothwendig; es würde eitle Hoffnung sein, daß das Kriegsbudget herabgesetzt werde, man müsse sich sogar auf eine außerordentliche Anstrengung gefaßt machen, um die Vertheidigung des Lan— des zu sichern. So lange sich die allgemeine Lage nicht ändere, könne man nicht hoffen, daß das Kriegsbudget unter 550 Million Franes herabgehe. Das Budget sei übrigens sehr spar— sam bemessen, man habe von einer Milliarde gesprochen, die genaue Ziffer sei aber erheblich geringer. Nach Abzug dessen, was bereits votirt und nur theilweise ausgegeben sei, komme man auf die ungefähre Ziffer von 550 Million Fres. Großbritannien. London. Dem„Daily Telegraph“ zufolge hat der mit der Prüfung des Zustandes der Nattonalvertheidigung be— traute Cabinetsausschuß dahin entschieden, daß eine beträchtliche Verstärkung der Flottenmacht nöthig 5 Die Regierung werde infolge dessen demffächst dem Unterhause Vorschläge für den Bau von 8 Panzerschiffen erstzn Ranges, 20 ö Kreuzern und zahlreichen Torpedobooten unter— breiten. — Der Anschluß Portugals an das Ab— kommen Deutschlands und Englands über maritime Maßnahmen wird nach der„Times“ binnen einer Woche erwartet. Sobald die Ver— staͤndigung der Maͤchte erreicht ist, soll, wie Londoner Meldungen besagen, demselben Blatte, zufolge, von Mozambique bis Suakim ein Cor— don von Kanonenbooten hergestellt werden und jede der betbeiligten Mächte befugt sein, ver— dachtige Schiffe, welche unter der Flagge eines der dem Abkommen beigetretenen Länder segeln, anzuhalten und zu durchsuchen. Italien. Rom. Nach einer Meldung der „Agence Stefani“ aus Mozambique ging das italienische Schiff„Dogali“ nach Sansibar ab, zur Theilnahme an dem Blokadedienst gegen den Sklavenhandel. Der„Riforma“ zufolge geht ein zweites Schiff zu dem gleichen Zweck ab. Spanien. Madrid, 8. Nov. Die„Gaceta“ veröffentlicht die Ernennung Rascous zum Bot— schafter in Berlin. Feindliche Kundgebungen fanden heute gegen Canovas del Castillo in Sevilla statt. Eine starke Menschenmenge be wegte sich unter Pfeifen und dem Rufe:„Nieder mit Cauovas, dem Verräther“ in den Straßen. Canovas verläßt morgen die Stadt. Portugall. Lissabon. Der Kriegsminister Januario hat demissionirt. Die Ursache der Demission ist noch unbekannt. Montenegro. Cetinje. Zwischen dem Fürsten Nicolaus von Montenegro und seinem Schwiegersohne Peter Karageorgiewitsch ist, nach dem Fr. J., ein ernster Conflict ausgebrochen, da der letztere Vorkehrungen traf, um seine Pläne auf Serbien zur Ausführung zu bringen. Peter hielt die Erregung in Serbien über die Eheschei— dungsaffaire zur Zeit, als Milan noch in Gleichen— berg weilte und so verbittert war, daß er ab— danken wollte, für günstig, vorbereitende Maß nahmen zu treffen, um im geeigneten Augenblicke schlagfertig zu sein. Berichte aus Ungarn be— stätigten seine Anwesenheit. In Pancsova war bereits die Proklamation an das serbische Volk gedruckt und konnte im geeigneten Augenblick nach Serbien geworfen werden. Nicolaus, dessen persönlicher Einfluß nicht hinreichte, um seinen Schwiegersohn von dem geplanten Unternehmen abzuhalten, soll auf telegraphischem Wege die Hilfe des Zaren in Anspruch genommen haben. Wie verlautet, hat der Zar aus Baku in einem Telegramm Peter Karageorgiewitsch in ernstem Tone von allen Wagnissen abgerathen und ihn aufgefordert, den Anordnungen des Fürsten Nicolaus Folge zu leisten. Daraufhin wurde die Proklamation verbrannt und Peter Kara— georgiewitsch erhielt Auftrag, sich demnächst nach Petersburg zu begeben. Griechenland. Athen. Die amtliche Zei— tung veröffentlicht die Verlobung der Prinzessin Alexandra mit dem Großfürsten Paul. Rußland. Petersburg. Es verlautet, auch der Thronfolger habe bei Borkt eine Verwun— Dung erlitten. Egypten. Suakim. Einer Meldung des Bureau Reuter aus Wadai zufolge fand östlich von Darfur ein Zusammenstoß zwischen den Mahdisten und der Bevölkerung statt. Erstere griffen, 70000 Mann stark, unter Führung Gianuhs die Stadt an, wurden jedoch mit einem Verlust von 3000 Mann zurückgeschlagen. Bei einem erneuerten Angriff waren die Mah— disten siegreich und nahmen die Stadt ein. Der Sultan flüchtete in das Ghirigebirge. Amerika. New Vork. Das Ergebniß der neuen Präsidentenwahl ist festgestellt: Harrison erhielt 233, Cleveland 168 Stimmen. Aus Stadt und Land. r. Friedberg. Am 5. d. Mts, wurde die dies⸗ jährige Fortbildungsschule in Gegenwart des ersten Bet— geordneten und der daran betheiligten Lehrer eröffnet Dieselbe wird von etwa 90 Schülern besucht, die in drei Klassen im alten städtischen Schulhause unterrichtet werden. Nebenbei sei bemerkt, daß in einem Saale desselben Hauses auch der Abendunterricht der Fortbildungsschule des Gewerbevereins stattfindet, an welchem Unterricht etwa 35 Schüler theilnehmen. Bevor die Schüler in ihre Klassen eingewiesen wurden, hielt Oberlehrer Dörr eine Ansprache an die jungen Leute die in der Mahnung gipfelte,„sie sollten sich als Erwachsene betragen, so dürf— ten sie auch Anspruch darauf machen, als solche behan— delt zu werden, und in weiterer Ausführung wies er nach, wie sich der Erwachsene vor dem Knaben durch ge— reifteren Verstand und erhöhtes Pflicht- und Ehrgefühl auszeichne, und wie sich dies in dem regen Interesse an dem dargebotenen Unterrichte, in regelmäßigem Schulbe— such, in Pünktlichkeit und einem wohlanständigen Be— tragen in und außer den Schulräumen zeigen müsse.“ Wirft man einen Blick auf den Verlauf der nun schon sett 12 Jahren bestehenden obligatorischen Fortbildungs— schule, so darf wohl die erfreuliche Thatsache ausge— sprochen werden, daß alle seit der Zeit an derselben beschäftigten Lehrer mit großer Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue ihres schweren Berufes gewaltet, ebenso soll nicht verschwiegen werden, wie der Stadtvorstand mit liberalem Sinne für die nicht unerheblichen Kosten ein— gestanden und die Lokalschulbehörde wie die Großh. Kreis— schuleommission lebhaftes Interesse für das Gedeihen der— selben an den Tag gelegt haben, und zuletzt last not least set noch lobend erwähnt, wie auch die Polizei ihre Schuldigkeit gethan und dadurch Exeesse auf der Straße verhütet wurden Wenn trotzdem immer noch bei vielen Fortbildungsschülern über eine gewisse Gleichgültigkeit, mitunter sogar Widerwilligkeit, die sie dem Unterrichte entgegenbringen, zu klagen ist, so hängt dies neben man chem andern doch gewiß auch davon ab, daß viele Eltern und Lehrherrn nicht von dem Werth und Nutzen der Fortbildungsschule überzeugt sind und deßhalb die Schule nicht kräftig unterstüten. Denn nur so läßt sich die nicht wegzuleugnende Thatsache erklären, daß in der Fortbildungsschule so unverhältnißmäßig viel mehr straf; fällige Versäumnisse vorkommen als in der Volksschule. Und wie soll es befriedigende Erfolge geben, wenn die so kurz gemessene Unterrichtszeit von kaum 5 Monaten noch so vielfach unterbrochen wird! Soll es daher in dieser Richtung besser werden, so müssen Eltern und Lehrherren die Schule kräftiger unterstützen nnd sich das gewiß kleine Opfer auflegen, an den Unterrichtsabenden die Geschäfte und das Essen so einzurichten, daß die jungen Leute vorher ein wenig aufathmen und den Staub der Werkstätte abkehren können, um dann erfrischt, pünktlich und regelmäßig den Unterricht der Fortbil— dungsschule zu besuchen. 0 2 Friedberg. Die Lutherfeier am letzten Samstag— Abend war sehr zahlreich besucht und nahm einen glänzen den Verlauf. Nach einem schönen Choralgesang des Semi narchors und einer einleitenden herzlichen Begrüßungs— Ansprache des Vorsitzenden, Schulrath Schmidt, hielt Professor Dr. Gottschik von Gießen einen 5 astündigen gediegenen, interessanten und tief erwärmenden Vortrag über Luthers Glauben, als den eigentlichen Kern seiner reformatorischen Persönlichkett, dessen Wesen er zuerst, meist aus Luthers Worten selbst, aufwtes, während er dann die Höhenzüge und Glanzpunkte dieses Lutherglaubens in dem Leben des Reformators zur erbaulschen Anschauung brachte. Sowohl vor als nach dem Vortrage wurden zwei Verse von dem Lutherliede„Ein feste Burg“ von der ganzen Versammlung begeistert gesungen. Nach dem letzten Verse des genannten Liedes sprach Professor Werffenbach Namens des Vorstandes Allen, die, nächst Gott dem Herrn, zum Gelingen des Festes so viel bei getragen, den zahlreich Erschtenenen, dem Festredner, dem Seminarchor mit seinem bewährten Dirigenten, dem Casino⸗Vorstand, der seinen schönen Saal so bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte, in bewegten Worten tlef— gefühlten Dank aus, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der 10. November von nun an ständiger evangellscher Festtag in Friedberg sein werde. Nach einem abermaligen erhebenden Chorgesang seitens der Seminaristen begann das um ½12 Uhr sein Ende erreichende gesellige Zu— sammensein, das durch den Gesang mehrerer Vaterlands⸗ lieder verschönert, und bei dem von Schulrath Schmidt auf das Vaterland, von Professor Weiffenbach auf den deutschen Kalser und den Landesherrn Toaste, die eine begeisterte Aufnahme fanden, ausgebracht wurden. Kurz vor Schluß rief der Vorsitzende noch dem scheidenden Festredner einen kurzen Dankesgruß zu. Möge die Feier in gesegnetem Andenken blelben! s. Friedberg. Den Mitgliedern des Taunuselubs diene zur Nachricht daß„Der Tourist“ als offizielles Organ des Verbandes deutscher Touristen-Vereine von der am 19. August in Frankfurt a. M. tagenden Ver— sammlung als solches anerkannt worden ist. Dasselbe erscheint monatlich zweimal und kann von jetzt ab im Lesezimmer des Volksbildungs vereins gelesen werden. Gießen. Die hiesige theologische Fakultät ernannte den Reichskanzler Fürsten Bismarck zum Ehrendoktor. Allerlei. Weimar. Unsere Regierung ist bereits durch ver— schtedene Maßnahmen der Bewegung zu Gunsten der Reinigung der deutschen Sprache von fremden Eindring lingen zu Hilfe gekommen. Dieselben haben sich sämmt— lich gut bewährt. Ganz besonders willkommen erscheint aber die jetzt von ihr unternommene Reinigung der Sprache im öfientlichen Dienste von den überflüssigen Fremdwörtern, d. h. von solchen, für die eine volksthüm⸗ liche Wiedergabe durch einen deutschen Ausdruck ohne Zwang möglich ist. In einem bet H. Böhlau erschie— nenen Schriftchen„Verdeutschung von Fremdwörtern für den öffentlichen Dienst im Großherzogthum Sachsen“ sind 600 Fremdwörter, wie sie im„Kanzleistil“ angewendet werden, in gutes Deutsch übertragen, stcherlich zur Freude der Bevölkerung, die es willkommen heißen muß, wenn in den behördlichen Briefen und Verfügungen allgemelg verständliches Deutsch geschrleben wird. Die Behörden sind angewiesen, sich dieser deutschen Ausdrücke zu be⸗ dienen. Ludwigshafen, 10. Nov. Raubmörder Mohr ist heute Nacht aus dem Gefängniß zu Germersheim ausgebrochen, wurde aber einige Stunden später berelttz wieder eingellefert. Halle a. S., 10. Nov. In Liebenwerda sind gestern bei einer großen Feuers brunst im ehemaligen Schlosse fünf Personen, der Kreisphystkus Meyer, dessen Ehefrau und Tochter und zwei Dienstmädchen in den Flammen umgekommen. Havre, 9. Nov. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch fand einige Meilen von Lizard ein Zusammen⸗ stoß zwischen dem deutschen Dreimaster„Theodor Rüger“ und dem englischen Dampfer„Nantes“ statt. Der ersten sank eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß. Di Bemannung flüchtete in zwei Booten. Der„Nantes“ wurde zwischen der Maschine und dem niedergeworfenen Schornstein eingestoßen; sein Schicksal ist noch unbekannt, London, 9. Nov. Heute Morgen wurde abermals ein Lustmord in Whitechapel verübt. Petersburg. Auf der russischen Bahn Bnest⸗ Litowski u stieß bei Kowel ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. 1 Locomotive, 4 Personenwagen und 15 Güterwagen wurden zertrümmert, viele Personen sind schwer verletzt. New Pork, 10. Nov. burg fand eine Explosion statt, bet der 160 Gruben; arbeiter verschüttet wurden. Man fürchtet, daß alle ver⸗ loren sind. New-Nork, 11. Nov. Gestern brach in Rochester in einer Manometer-Fabrik Feuer aus; die in der Fabist Beschäftigten versuchten sich zu retten, indem sie durch die Fenster sprangen, 12 Personen wurden jedoch durch den Einsturz der Fabrik getödtet und 20 verwundet. Man glaubt, daß 21 weitere Personen, die noch fehlen, unter den Trümmern begraben sind. Friedberg, 10. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70—0.80. Eier 1 St. 8 Pf. Gießen, 10. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80— 0.90, Eier 2 St. 1315 Pf. Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.f40 bis 0.60, Hühner per Stück M. 0.90— 1.00, Hahnen per Stück M. 0.90— 1.10, Enten per Stück M. 1.30 1.70, Ochsen-Fleisch per Pfund 60—68 Pf., Kuh- und Rind⸗ Fleisch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel; Fleisch 5464 Pf., Kalbfleisch 4550 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00— 6.00, Zwiebeln per Centner M. 5.50—7.00., Weißkraut per Stück 4—9 Pf., Gänse per Pfund 44— 54 Pf. Frankfurt, 10. Nov. Wochenmarkt. Erbsen ganz per Pfd. 12— 18 Pf., do. geschälte 14— 18 f., Linsen 1828 Pf., weiße Bohnen 16— 18 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheid 10— 12 Pf., krause Endivien 5— 10 Pf., Butter per Pfd. M. 0.90— 0.00, Eier das Stück 6 bis 7 Pf., Radieschen 2 Pf. das Päckchen, Blumenkohl 40 bis 80 Pf., Kopfsalat per Stück 6—8 Pf., Sellerteköpfe 5—20 Pf., franz. Sellerie 40—50 Pf., Romalnsalat 15—25 Pf., Wirsing per St. 10— 12 Pf., Zwiebeln per Pfd. 7-9 Pf., Kohlraben per Stück 46 Pf., Carotten das Päckchen 10— 15 Pf., Welßkraut per Stück 10-20 Pf., Rotherüben per Portion 20—30 Pf., Aepfel per Pfund 15 20 Pf., Birnen per Pfd. 5— 10 Pf., Zwetschen 8 bis 10 Pf., Nuͤsse 100 St. 5060 Pf., Mauskartoffeln per Gescheid 20—25 Pf., Perlzwiebeln per Liter 50 Pf., kleine Essiggurken 100 St. 60— 70 Pf., Spinat 30—50 Pf., Rosenkohl 40—50 Pf., franz. Kopfsalat das Stück 14 bis 16 Pf., Schwarzwurzel 30—60 Pf., weiße Rüben das Stück 2 Pf., Teltower Rübchen 25 Pf., neue franz, Bohnen per Pfund 60—70 Pf., Gänse das Pfund 70 Pf., Feldhuhn M. 1.50—2., Hasen M. 3.— 3.70. Frankfurt, 9. Novbr. Engros-Markt. Heu pro 100 Kilo M. 7.60— 10.00, Stroh pro 100 Kilo M. 6.60 bis 8.60, Butter pro 50 Kilo M. 73 bis 83, Eier das Hundert M. 6.00—7, Erbsen 100 Kilo M. 18 bis weiße Bohnen M. 23— 25.50, Mohrruͤben 50 Kilo M. 4 bis 5., Blumenkohl 100 Stück M. 2030, Kopfsalat M. 3— 5, Sellerteköpfe 100 Stück M. 810, franzö⸗ sischer Kopfsalat 100 Stück M. 10, neue französische Bohnen per Pfund 50 Pf., Pfirsiche per Pfd. 70 Pf, Nüsse per Centner M. 12., italtenische Kastanten 15 Pf., Quitten 15— 20 Pf. Auf dem Kartoffelmarkt waren angefahren 45 Wagen und kostete das Malter M. 55.50 Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 13.: Gioconda. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 14.: Nachmittags 3½ Uhr: Die Reise In den Minen bei Pitts. Handel und Verkehr. 23.00, do. geschälte M. 20— 30, Linsen M. 34 bis 52, um die Erde in achtzig Tagen. Außer Abonn. Kleine Preise. 1 Donnerstag den 15.: Die Favoritin. Gewöhnl. Preise. Freitag den 16.: Geschlossen. 5 Samstag den 17.: Othello. Große Preise. 1 Sonntag den 18. Nachmittags 3½ Uhr: Die Reise um die Erde. Außer Abonn. Kleine Preise. Abends 7 Uhr: Mignon. Gewöhnliche Preise. 15 Schauspielhaus. Dlenstag den 13.: Cornellus Voß. Große Preise, g Mittwoch den 14.: Abends 7 Uhr: Sappho. Gr. Prelse⸗ Donnerstag den 15. Geschlossen. 1 Freitag den 16.: Zum ersten Male wiederholt: Der Zaunkönig. Große Preise.. ö 1 wer Samstag den 17. 9 Sonntag den 18: gingen weitere Gaben ein, was wir mit herzlichem Danke Jauittiren: Frl Wirtbs 5 Nieder Rosbach 5 M., Professor Thurn J. C. Zum ersten Male: Unsere Zeitung. Lustspiel in 4 Akten von Johannes Prölß. Gr. Preise. Zum ersten Male wiederholt: Unsere Zeitung. Anfang 7 Uhr. Große Preise. Montag den 19.: Egmont. Große Preise. Für die Brand ⸗Beschädigten in Hünfeld von Pfarrer Müller in Nieder- Rosbach 5 M., J M., N. N. 3 M., Lehrer Ebrmann 1 M., Professor Klein 3 M., N. Crccellus 1 Pack Kleider, Ungenannt 1 Pack Kleider und Weißzeug, Ungenannt 1 Pack Kleider, Bernhard Groedel 5 M., Gerbermeister Allendörfer 3 M., 2 M., E. S. B. 1 M., Hdt. 2 M., Ungenannt Eduard Hirsch 3 M. Um weltere Gaben wird ge— beten. Die Redaction. Hünfeld, 5. Nov. Bei dem furchtbaren Brandun“ igrücke, welches unsere Stadt heute vor acht Tagen be troffen hat, hat sich die öffentliche Mildthätigkeit wieder un glänzender Weise bewiesen. Von allen Seiten sind 5 M., ersten Noth zu schützen. Indem wir allen gütigen Gebern unseren wärmsten Dank für dtiese reiche Hilfe aussprechen, fühlen wir uns verpflichtet, zu erklären, daß uns an Bekleidungsgegenständen bereits so reiche Sendungen zugegangen sind, daß der Mangel vollkommen gedeckt ist. Wir bitten daher, von weiteren uns etwa zugedachten derartigen Sendungen absehen zu wollen, größtem Danke entgegennehmen werden, bel ihrer Retabltrung helfen zu können schuß. J. A.: v. Wegnern. abgegangen, Geldspenden werden noch angenommen.“ Die Redaetton. betonen aber, daß, wenn wir auch schon sehr reiche Geld— geschenke erhalten haben, wir doch solche auch ferner mit um unsere Schutzbefohlenen durch den Winter bringen und ihnen Der Hilfsaus⸗ Die eingegangenen Kleidungsstücke sind nach Hünfeld— den Augen des höchst überraschten Publikums. Friedberg beginnen. Derselbe erfreut sich hübscher Er folge in unseren Nachbargemeinden. Wie wir hören, werden demnächst einkge Vorstellungen des bekannten Zauberkünstlers Harry Wallig im Kreis Wallig's Letstungen in Darmstadt kennen zu lernen. Die„Neuen Hessischen Volksblätter“ schreiben u. A. über denselben: Die meisten selner Vorgänger überragte Herr Wallig durch die Ele⸗ ganz seines Auftretens, durch gewandten, mit liebens— würbigem Humor gewürzten Vortrag und durch eine in der That staunenswerthe Vixtuosttät in Vorführung seiner Experimente auf dem Gebiete der höheren Salon Magle, der Illuston und des Spirttus. In bunter Reihenfolge, wie sie das reichhaltige Programm verzeichnet, vollführt vor den Augen des Zuschauers der treffliche Zauber⸗ künstler mit anerkennenswerther Ruhe und Sicherheit seine schwierigen Kunststücke fast ohne Apparate, lediglich durch dle Geschicklichkeit seiner Hände und öfters unmittelbar 4096 —————— 5 und Kamm garne für Herren- und Knaben Plout Kleider reine Wolle und nadelfertig, ea. 40 em breit a4 Mark 3.45 per Meter, versenden direkt an Private in einzelnen Metern, sowie in ganzen Stücken portofrei in's Haus Buxkin Fabrik-Depot Oettinger und Co., Frankfurt a. M. Muster unserer reichhaltigen Collectionen berettwilligst uns Liebesgaben aller Art zugeflossen und haben uns inf sind bestens bekannt, gleichwohl wird es die Leser inter— Fran 3116 den Stand gesetzt, die armen Abgebrannten vor der essiren nachstehende Berichte über dessen Vorstellungen 3 2** * Frische Schellsische * 7 5 Auf Antrag des Johs. Horn soll die in Nr. 123 Frische Seehechte, u gründlich 55 155 Dafa, 2 1 des Anz. auf Mittwoch den 14. d. Mts. angezeigte Ver⸗* 5 5 zicht: und Schweißflecken. edeutend wirksamer a ppachtung nicht stattfinden, dagegen sollen die Güterstücke Frische Labberdan Benzin und Terpentinöl, sehr sparsamer Verbrauch, nicht ddemnächst zum Verkauf ausgeboten werden. 4077 bei feuergefährlich. Zu beziehen durch Friedberg den 12. November 1888. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. 4089 Steinhäußer. Guͤter⸗-Versteigerung. Auf Antrag der Heinrich Walz Kinder sollen deren Güterstücke in Friedberger und Fauerbacher Gemarkung Mittwoch den 14. November, Vormittags 11 Uhr, noch— mals einer letzten Versteigerung ausgesetzt werden, wobei dem Letztbietenden nunmehr unbedingt der Zuschlag er— ist zu vermiethen. theilt werden wird. Friedberg den 11. November 1888. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. 4088 9 Steinhäußer. Acker-Versteigerung. Auf Antrag der Heinrich Schwalm's Erben dahler soll nachverzeschnetes Grundstück in Fauerbacher Ge— markung Mittwoch den 14. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, auf hiesigem Rathhaus öffentlich meistbietend versteigert werden: Flur IV. Nr. 106= 2087 qm Acker am Edelspfad. Friedberg den 12. November 1888. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Steinhäußer. Braunkohlen-Lieferung. Mittwoch den 14. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll in hiesigem Rathhaus die Lieferung der erforderlichen Braunkohlen für die hiesigen Stadtarmen an den Wenigst— nehmenden in Accord gegeben werden. Friedberg den 12. November 1888. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg. Steinhäußer. Faselochs-Versteigerung. Donnerstag den 15. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll auf dem Rathhause ein zum Schlachten geeigneter 4087 4090 schwerer Faselochse öffentlich meistbietend versteigert werden. Klein⸗Karben den 11. November 1888. Großherzogliche Bürgermetsterei Klein-Karben. Schneider. 0 0* Versteigerung. Samstag den 17. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, sollen in der Wirthschaft des Herrn Ulrich zu Wölfersheim nachfolgende Instrumente des Wölfersheimer Musikvereins gegen Baarzahlung öffentlich meistbietend verstelgert werden: 2 B-Piston mit Cylinder, 2 B-Trompeten mit Cylin⸗ der, 2 B- Flügelhorn mit Cylinder, 2 Es-Altborn mit Cylinder, 2 B- Tenorhorn mit Cylinder, 1 B. Bariton mit 4 Cylinder, 1 Es-Bombardon mit 4 Cylinder, 1C-Bombardon mit 4 Cylinder, J Pauke, 1 Trommel, verschiedene Notenhalter und 1 Lampe. Die Genehmigung bleibt vorbehalten, 4066 Der Vorstand. Doppelte Buchführung, kaufm. Rechnen, Wechsel⸗Lehre sschrift lehrt brieflich gegen geringe Monats waten das erste kaufmännische Unterrichts-Institut von Julius Morgenstern, Lehrer der Handels wissenschaften in Magdeburg, Jacobstraße Nr. 37. Man verlange Prospekte und Lehrbriefe Nr. 1 franeo und gratis zur Durchsicht.(Mag. a 2481.) 4064 Eine kleine Wohnung 4091 und Schön“ Milthelm Fertsch. Anthratitkohlen ab Lager M. 1.50 per Centner. 4084 Ph. 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