Bienstag den 23. August. . 99. 946 Oberhessischer Anzeiger. Adter Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Alireisblatt für den Kreis Friedberg. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. Arendt Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. Annoncen von 1 kt 8 fü 1 9 n Butzbach Haftbefehl erlassen. Friedberg, 18. August 1887. Mar — Ne Amtlicher Theil. Ausschreiben. wegen Gegen den Dienstknecht Kaspar Knöß aus Oueckborn, Kreis Gießen, ist wegen Betrugs zum Nachtheil des August Landvogt in Rockenberg, des Wirths Vissel n Griedel, des Landwirths Hermann Zorn in Hoch Weisel und des Varbiers Henkelmann in Butzbach, sowte Diebstahls zum Nachtheil des Bierbrauers Neidhardt Kr er Großherzogliche Amtsanwalt. Kolb. Deutsches Reich. Berlin, 19. Aug. Officiell. Der Kaiser st in Folge des plötzlichen Wetterumschlags von einer Erkältung befallen, welche sich haupt— ächlich durch zeitweise auftretende rheumatische Schmerzen äußert. — Aus guter Quelle will die„Schles. Ztg.“ fahren haben, daß der Reichskanzler bei seiner üͤngsten Anwesenheit in Berlin sich einflußreichen Persönlichkeiten gegenüber dahin ausgesprochen Pat, daß er eine Erhöhung der Getreidezölle n ls im Interesse des Landes liegend erachte. belntit Ba, ine darauf bezügliche Vorlage soll, der gleichen lt Nese 1 demnächst den Bundes- Regierungen zur Begut— tigun chtung vorgelegt zu werden. n— 19. Aug. Lieutenant Wißmann ist nach 1 er Durchschreitung Afrikas von Westen nach Osten in Sansibar eingetroffen. Kiel, 21. Aug. Prinz Ludwig von Bayern er vorgestern Abend hier eingetroffen war, be— ab sich heute Vormittag auf der Dampspacht es Stationschefs an Bord des Panzerschiffs Kaiser“, welches alsbald die bayerische Prinzen— kandarde am Großtop hißte. Mittags traten inter Flaggenparade das Schulgeschwader und ie Torpedoboot-Flotille in den Verband des Manövergeschwaders ein. Heute solgte der Prinz einer Einladung des Chefs es Manövergeschwaders, Contre-Admirals Pa— hen, zum Galadiner an Bord des Flaggschiffes aiser Wilhelm“. Prinz Ludwig begab sich estern Vormittag mit dem Viceadmiral v. Blanc zur Besichtigung der Hafenbefestigungen nach Friedrichsort und wohnte später den Uebungen 0 Torpedoschießen und Minenlegen bei. Gestern karl Nist dul 0 2 tit⸗Cenin -Kltesamen Fer Stann. 1 zu 1 en 1 ollner II bend war der Kieler Hafen zu Ehren des Prinzen urch elektrisches Licht von den Kriegsschiffen und erlichen Werft aus prachtvoll beleuchtet. München, 20. Aug. Die Minister v. Lutz und v. Crailsheim sind heute zum Besuch des Fürsten Bismarck nach Kissingen abgereist. . 1 Ausland. DOesterreich-Ungarn. Wien. Ein in München verbreitetes Gerücht von einem Attentat af den österreichischen Kaiser wird von der kortigen Gesandtschaft dementlrt. Frankreich. Paris, 18. Aug. General Ferron ist in Begleitung seines Adjutanten gestern aus Paris abgereist und heute in Lyon ingetroffen. Der Kriegsminister wird im Ver— ün mit dem General Davoust, Herzog von Auerstaedt, Commandirenden des 14. Armee— 1 und Militär⸗Gouverneurs von Lyon, die Alpen besichtigen. Diese Reise hat zum Zweck, die endgiltige Herstellung der Vertheidigungs— Une Frankreichs im Suͤdosten zu sichern und uin Ort und Stelle das Project der Schaffung kon Alpenjäger-Bataillonen zu prüfen. Großbritannken. London, 19. Aug. Das Unterhaus nahm die noch unerledigten Amende— nents des Oberhauses zur irischen Landbill an. 5 Die„Dailly News“ wollen wissen, das Nachmittag Ministerium habe gestern beschlossen, die National liga in Irland zu unterdrücken. Dem Vernehmen nach wird die Opposition eine Adresse an die Königen beantragen, um die Zurücknahme der Proclamation betreffs der Unterdrückung der irischen National— liga zu erwirken. Gladstone wird sich an der Debatte betheiligen. Der„Standard“ erfährt, Lord Hartington und seine Anhänger würden die Regierung unterstützen, Chamberlain und sein Anhang aber gegen die Proclamation stimmen. Türkei. Constantinopel. Die„Revue de Orient“ meldet von hier:„In dem letzten Ministerrathe in der Privatwohnung des Groß veziers proponirten einige Mintster, die Pforte müsse gegen den Akt des Prinzen von Coburg auf der Basis des Berliner Vertrages protestiren; aber der Großvezier, der Minister des Acußeren und der Kriegsminister erklärten, die Türkei dürfe gegen ein fait accompli, welches durch die stillschweigende Einwilligung der Majorität der Mächte provocirt wurde, nicht protestiren. Der türkische Botschafter aus Petersburg meldet, Ruß land scheine durch die Ankunft des Prinzen in Bulgarien nicht sehr überrascht oder betroffen. Schakir Pascha glaubt, daß das russische Cabinet seine Action auf diplomatisches Terrain beschräuken werde. Bulgarien. Sofia, 18. Aug. Erst heute wird bekannt, daß in der Nacht vom 15. auf den 16. August ein Attentat auf den Pulver— thurm in Rustschuk geplant war. Die Rustschuker Behörden hatten schon einige Zeit davon Keunt— niß, daß verdächtiges Gesindel sich in den Bergen herumtreibe und einen Putsch plaue. Viele hervorragende Bürger erhielten„Todesurtheile“ zugesendet; Polizei-Präsident Mantoff erhielt ein Schreiben des Inhaltes, daß demnächst für die erschossenen Mitglieder der Revolution au ihm Rache genommen werden solle. f Vielfach wurde auch gemeldet, daß der Russe Jakobson, der voriges Jahr auf Mantoff in Bukarest vor dem„Hotel Boulevard“ ein Attentat verübte und sich dann in das russische Consulat flüchtete, welches ihn nicht auslieferte, in der Nähe Rust— schuks sei. Am Montag erhielt die Behörde die Nachricht, daß Nachts der Pulverthurm in die Luft gehen solle. Bei der Untersuchung fand man eine Big'sche Zündschuur, die bereits angebrannt war. Die Wachen wurden verstärkt und beim Pulverthurm geschah nichts mehr. Um 1 Uhr Nachts jedoch hörte man Schüsse von der ehemaligen Seraskiers-Bastion; man fand den Wachposten Theodoroff vom Duna— Regiment durch drei Revolverschüsse tödtlich ver— wundet. Theodoroff starb am 16. und wurde gestern unter den größten Ehren begraben. — 20. Aug. Der hiesige deutsche Konsul hat die Weisung erhalten, sich nicht mehr als bei der bulgarischen Regierung beglaubigt zu betrachten, und benachrschtigte deshalb seinen österreichischen Kollegen, daß er gelegentlich der Feier des öͤsterreichlschen Kaisers seine Flagge nicht hissen werde. Prinz Ferdinand hat die Konsuln der Machte, welche ihm in Philippopel, allerdings nicht in amtlicher Eigenschaft, ihre Aufwartung machen wollten, nicht empfangen. Auf Befehl hat das Leibkavallerie-Regiment so— wie die Schwadron Leibgarde das gekrönte A auf den Achselklappen mit einem F kvertauscht. Die ehemaligen Adjutanten des Fürsten Alexander tragen ihre alte Uniform nicht mehr. Das Kabi— net ist noch nicht zu Stande gekommen. Stam— buloff hat die Uebernahme der Neubildung des Kabinets abgelehnt und auf seinen Vorschlag wird der bisherige Präsident der Sobranje, Tontscheff, sich diesem Auftrag unterziehen. Prinz Ferdinand ist gestern unter Salut von 100 Kano— nenschüssen in Philippopel eingezogen. Jufanterie, Artillerie und Kavallerie bildeten Spalier, die Militär- und Civilbehörden empfingen den Prinzen vor der Stadt, wo der Prinz, begleitet von den Majoren Popoff und Petzoff und einer Anzahl von Offizieren, von der dichtgedrängten Menschen⸗ menge mit Hurrahs begrüßt wurde. Der Prinz ritt durch die Stadt nach seinem Absteigequartier, stieg aber nicht im Konak ab. Auf dem Platz in der Mitte der Stadt erwartete der Metro— polit Gervasius mit der Geistlichkeit den Prinzen, welcher sich in die Kathedrale begab, wo ein Tedeum gesungen wurde. Rußland. Petersburg. Hier wurde, wie dem Fr. J. von hier geschrieben wird, bedeu— tendes Aufsehen verursacht durch die Thatsache, daß bei der am 11. d. in Krasnoe-Selo statt— gehabten Truppenschau die Truppen, nachdem sie den Kaiser bei seiner Ankunft auf dem Parade— platze nicht enthusiastischer wie gewöhnlich em— pfangen, das Erscheinen der Großfürsten Nikolai und Michael mit einer wahren Ovation von Jubel begrüßten. Gewisse Persönlichkeiten be— trachten den Umstand als ein Merkmal der Ungeduld seitens des Miltärs über die passive Natur der internationalen Politik der Regierung, während die Großfürsten, welche Gegenstand der Ovation gewesen, besonders in ihrer Eigenschaft als Feldmarschälle das Princip der militärischen Thaͤtigkeit in Rußland vertreten. 19. Aug. Die gestrige„Mosk. Ztg.“ bringt einen längeren Artikel, worin ausgeführt wird, daß die Behauptungen gewisser Blatter, Katkoff habe Deutschland fanatisch gehaßt, da— gegen Frankreich geliebt, durchaus auf einem Irrthume beruhe. Nur schade, daß man davon bei Lebzeiten Katkoffs nichts gemerkt hat. — Die Abreise des russischen Kaiserpaares nach Kopenhagen ist auf den 21. d. M. festgesetzt. Aus Stadt und Land. w. Friedberg. Gemeinderathssitzung. In der am 19. August J. J. abgehaltenen außerordentlichen Ge— meinderathssitzung wurde von dem Vürgermeister mit- getheilt, daß das Comste für die Sedanfeter in seiner am 16. d. Mis, abgehaltenen Versammlung weten Ueber laͤssung der Seewiese zur Abhaltung des Sedanfestes am 2. September l. J. eine Deputation nach Darmstadt abzuschicken beschlossen, welche om 17. d. Mts. dortselbst war und ein Gesuch an Gr. Ministerlum der Finanzen, Abtheilung für Forst, und Cameral Verwaltung, ab— gegeben hat. Auf dieses Gesuch ist heute von genannter Behörde geantwortet worden:„Auf die Eingabe dom 17. d. Mis, eröffnen wir Ihnen im Auftrag und mlt f f 3— — e eee —— 1 1 Ermächtigung Gr. Mlaistertums der Finanzen, daß die fiskalische Seewiese für dieses Jahr nochmals, jedoch zum letztenmale, zur Abhaltung des Sedanfestes unter nachfolgenden Bedingungen überkassen werden soll: 4. Die diesjährige Grummetgrasernte wird Ihnen bezw der Stadt Friedberg gegen eine aus der Stadtkasse an Gr. Rentamt Martinstag el. J. zu zahlende Vergütung von 100 M. zur Aberntung überlassen. Die Wiese muß bis zum 1. Oetober vollständig geräumt sein. 2. Das Comite und für dasselbe die Stadt hat den Gr. Fiseus für alle der Wiese durch die Abhaltung des Festes ent stehenden Nachtheile schadlos zu halten, und wird hierbel bestimmt, daß die nöthigen Herstellungen von der Ober⸗ försterei Ober Rosbach und nach deren Ermessen für Rechnung der Stadt ausgeführt, die Kosten von dem Rentamt vorgelegt und diesem binnen acht Tagen nach erfolgter Aufforderung aus der Stadtkasse ersetzt werden. Ihre, bezw. des Stadtvorstandes, event. reversorische Er klärung auf gegenwärtige Eröffnung ist bei genannter Behörde binnen acht Tagen einzureichen.“ Der Gemeinde rath bedauert, unter den vorstehenden Bedingungen auf das darin enthaltene Anerbieten nicht eingehen zu können und soll dem Comite der Sedanfeier überlassen bleiben, einen anderen geeigneten Festplatz ausfindig zu machen k. Friedberg. Eine Beobachtung der Sonnen finsternsß war des heftigen Regens wegen bei uns und sonst allerwärts unmöglich. 5 s. Friedberg, 22. Aug. Die Feier des Gedenktages an die Schlacht von Gravelotte und zugleich das Stiftungsfest des hiesigen Veteranen- und Militär Vereins verlief gestern in schönster, würdigster Weise. Der Verein zog morgens mit florumhängtem Banner zu dem Grabe der im Felde Gefallenen. Hier hatte sich bereits die hiesige Dilettanten kapelle aufgestellt und leitete in erhebender Weise die ganze Feier ein mit dem Choral„Christus der ist mein Leben“. Darauf hielt der Präsident, H. Bindewald, eine ex— greifende Ansprache, worin er der todten Kameraden, die so Vieles für das Vaterland dahingegeben, mit dankerfülltem Herzen gedachte. Noch einmal spielte die oben genannte Kapelle, und ihr sei hier besonderer Dank gesagt dafür, daß sie die Feier wesentlich hat verschönern helfen. Der Zug bewegte sich alsdann in die Stadtkirche. Hler hörten wir von Prof. Dr. Weiffenbach eine Festpredigt, die allen Denen, welche anwesend waren, unvergeßlich bleiben wird. Am Nachmittag um 3 Uhr zog der Verein mit der be währten Militärmusik unter Leitung des Großh. Musik Direktors Krauße an der Spitze durch die Stadt, dann auf Steinhäußers Felsenkeller. Das Concert, welches die Militärkapelle trefflich gab, wurde in seinen beiden ersten Theilen von 4 Reden unterbrochen. Die erste auf Kaiser und Großherzog wurde von H. Bindewald gehalten, dann toastirte Prof. Dr. Köstlin auf den Kronprinzen, der beiden Helden Bismarck und Moltke gedachte stud. H. Schäfer, des Heeres Candidat Buchner und des alles umfaßenden Vaterlandes, würdig abschließend, Gerichts— schreiber Weber. Das Concert erfreute uns noch bis zu später Abendstunde. Der Verein darf auf den gestrigen Tag mit Freude zurückdenken; möchte diese Feier noch recht oft im Frieden so zu begehen ihm beschieden sein! Allerlei. Höchst. Einige hiesige Metzger haben den Preis des Rindfleisches von 56 auf 50 Pf. herabgesetzt. Berlin, 19. Aug. Ein blutiger Straßenkrawall, an welchem sich mehr denn 300 Menschen betheiligten und in welchem zwei todt auf dem Platze blieben und zehn schwer verwundet wurden, wurde gestern Mittag zwischen 12 und 1 Uhr zwischen Mauerern und Kanali satlons⸗Erdarbeitern auf dem Nollendorfplatz ausgefochten Der Kampf wurde mit solcher Erbitterung geführt, daß es den hinzugekommenen Polizeibeamten nicht möglich war, den Frieden wieder herzustellen oder Verhaftungen vorzunehmen; erst einer später aufgebotenen Polizeimacht gelang es die Rasenden auseinander zu bringen. Zahl— reiche Verhaftungen wurden dann später vorgenommen Biebrich, 21. Aug. Wie bereits im„Frankfurter Journal“ des Oefteren mitgetheilt, werden leider immer neue Reblausherde in hiesiger Gemarkung, wie auch am 19, d. in der Wiesbadener Flur, entdeckt. Der Landrath des Landkreises Wiesbaden hat nun in Anbetracht dessen elne Verfügung erlassen, wonach alle Besitzer und Ver— walter von Rebenpflanzungen, sowie alle diejenigen Per— sonen, welche damit in Berührung kommen, dringend ersucht werden, das Angraben von Rebstöcken und jede Untersuchung auf das Vorhandensein der Reblaus wegen der damit verbundenen Gefahr der Verschleppung durch Schuhwerk, Arbeitsgeräth ꝛc. zu unterlassen, auch diese Verrichtungen anderen als den amtlich legitimirten Sach verständigen unter keinen Umständen zu gestatten. Straßburg, 20. Aug. Die Gesundheit des Bi— schofs Räß hat in letzter Zeit zu ernsten Befürchtungen Anlaß gegeben. Wenn auch im Augenblick das Leben des greisen Bischofs nicht in Gefahr steht, wollte derselbe doch mit den Sterbesaeramenten versehen werden. Hachenburg, 17. Aug. Vorgestern explodirte auf der 1½ Stunde von hier entfernten Pulverfabrik bei Mudenbach, wahrscheinlich in Folge Funken gebender Rei— bung, die Trockenkammer mit einem donnergleichen, fast über den ganzen Oberwesterwald hörbaren Knall. Das Dach des nahestehenden, viel Pulver enthaltenden Lager— raumes hatte auch bereits Feuer gefangen, doch ist es, da Hilfe sehr rasch zur Stelle war, gelungen, die Flammen des Daches zu löschen und dadurch ein weiteres großes Unglück zu verhüten. Bei der Explosion wurden 5 Ar— beiter, worunter 4 Familienväter, gräßlich verstümmelt. In Folge des gewaltigen Luftdruckes sind in den um— legenden Dörfern viele Fensterscheiben zersprungen. Hier in Hachenburg sprangen durch den Laftdruck Fenster und Thüren auf. Warschau. Die Stadt Luknikt im Gouvernement Kowpo(halbwegs zwischen Memel und Schawlt; ist niedergebrannt. Dle Stadt war hauptsächlich von Juden bewohnt; die Noth soll außerordentlich groß sein. Altgermanische Schiffsfunde. Das erste derartige Boot ist im Nydamer Moor bei Düppel gefunden worden. Es hat die ansehn— liche Lange von 24 m; die Breite von 3,41 m charakterisirt dasselbe wesentlich als ein Ruder— boot, und es zeigt auch keinerlei Vorrichtungen, welche auf den Gebrauch von Segeln schließen ließen. Das Boot ist auf den Kiel gebaut und wetteifert in seiner feinen, schönen und zweck— mäßigen Form mit den besten Modellen der Neuzeit. Admiral Werner sagt darüber, es sei vom nautisch-technischen Standpunkte aus ein außerordentlich gelungener und überraschend voll— kommener Bau, und es erscheint dies um so bemerkenswerther, als der Fund auf den Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. festgesetzt werden kann. Entgegen den Ruderschiffen der klassischen Völker des Alterthums, welche nur eine Fahrt— richtung hatten, ist das Nydamer Boot nach beiden Enden spitz auslaufend; es hat 15 Ruder auf jeder Seite, und die Ruderbänke sind leicht zu versetzen, so daß man gleich gut nach rück— wärts wie nach vorwärts rudern kann. Schon Tacitus schildert an den Schiffen der Suionen die charakteristische Verschiedenheit der Bauart gegen die nur beschränkt seefähigen Kriegsfahr— zeuge der Mittelmeervölker, und es scheint nach den Annahmen gelehrter Forscher auch nicht un— wahrscheinlich zu sein, daß wir es hier mit einem Schiffe skandinavischer Goten zu thun haben, welche wohl unter jene allgemeine Bezeichnung des Tacitus zu stellen wären. Ein Raubzug hatte sie zu der schleswigschen Ostküste geführt, sie sind aber erlegen, und die gesammte Kriegs— beute ist, nach dermaligem Gebrauch, durch Ver— senken in die Meeresbucht, das Rütern-Moor, von dem siegreich abwehrenden Volke des Landes den Göttern geopfert. Wer aber könnte dieses heimische Volk anders gewesen sein als die Ang— lier, Angeln, welche auch ebenso Tacitus schon kannte, nebst den Varinern— Warnow— und andere Völkerschaften, wie deren heiligen Hain auf einem Eilande des Weltmeeres, dem heutigen Fehmarn vermuthlich? Sollten die Angeln den Bau solcher für oceanische Fahrt ganz wohlge— eigneter Seefahrzeuge nicht schon früher selbst gekannt haben, so wäre es ihnen bei der nahen Beziehung zu den skandinavischen Nordvölkern auf solche Art zur Kenntniß gekommen und be— reitete sie vor zu dem weltgeschichtlich-bedeu— tungsvollen Unternehmen gegen Britannien, im Verein mit den Sachsen von dem heutigen Hol— stein und der Elbmündung, im 5. Jahrhundert. Ruderschiffe reichten allerdings nicht aus für so lange Fahrt über das freie Meer, aber der Uebergang zur Verwendung der Segelkraft war nach so kunstgemäß baulichen Anfängen nur noch ein kurzer Schritt zu folgenreicher Weiterung freilich, denn schon im 4. Jahrhundert sagt Claudian:„Auch mit ungünstigem Winde ist der Sachse— in Britannien zu fürchten.“ Sie verstanden es also, gegen den Wind zu lavieren, zu kreuzen, diese Angeln und Sachsen, eine Kunst, welche dem ganzen Alterthum und bis zu ihnen überhaupt unbekannt war. Die drei Kiele, Kerlen, mit denen Hengist und Horsa einst in Britannien landeten, werden demnach Schiffe von ähnlich geschicktem Bau wie das Nydamer Boot gewesen sein, nur entsprechend breiter gestaltet zu ausgiebiger Sicherheit für den Gebrauch von Segeln. Erst im 8. Jahrhundert haben sich Vikinger— schiffe in England gezeigt, und König Alfred der Große spricht zuerst von den Normanen. Die Eroberer Englands hatten sich vorwiegend dem Landbau zugewendet und die nun auftreten— den Skandinavier erscheinen gewissermaßen wie die Erben der frühen nautischen Kunst der Angel— sachsen. Das Vikingerboot von Christiania möchten wir als den Typus der Schiffe der angelsächsischen Eroberer ansehen. Es ist zien jeder Seite können aber 16 lange Ruder einge setzt werden für nöthige Fälle. Vorn wie hinten spitz zugeführt, zeigt das Boot ebenso wie das Nydamer alle Feinheit und Wohlberechnung der Formen, wie sie die Fahrt bei hohem Wogen gange erfordert. Am Steuerbord ist ein freies Ruder angesetzt zur Steuerung des Schiffes, Der Mast trug ein großes viereckiges Segel wie ein Raasegel von Wollengewebe mit farbigen Rändern und Verzierungen. Man sieht das Bog als etwa dem 9. Jahrhundert zugehörig an. Handel und Verkehr. Friedberg, 20. August. Buttermarkt. Butter kostet; per Pfd. M. 1.00— 1.10. Eier 1 St. 6 Pf. Homburg, 18. August. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 10.—12., per Gescheid 15— 18 Pf., Eler pen Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20. Gießen, 20. August. Auf dem heutigen Markt koste Butter per Pfund 0.85— 0.95, Eier 2 Stück 11 Pf., Käse per Stück 4—8 Pf., Tauben per Paar 50-60 Pf., Hühner per Stück M. 0.80 0.90, Hahnen per Stück M. 0.50— 1.10, Enten per Stück M. 1.20— 1.50, Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 62—64 Pf., Kuh- und Risdfleisch 54 bis 56 Pf., Schweinefleisch 5460 Pf., Hammelfleisch 50-62 Pf. Kalbfleisch 40— 45 Pf., Kartoffeln pen 100 Kilo M. 8.00— 9.00, Zwiebeln per Ctr. M. 77.50, Frankfurt, 19. Aug. Heu- und Strohmarkt. Es kosteten Heu 100 Kilo M. 5.20—7., Stroh M. 4605.40, — Engrosmarkt. Butter der Ctr. M. 100—103., Eien das Hundert M. 6—8., Erbsen 100 Kilo M. 1821.50, geschälte M. 20—30., grüne Erbsen 50 Kilo M. 1820, Linsen M. 30—50., Bohnen weiße M. 20— 24. Stangen⸗ bohnen M. 14—16., Kartoffeln 100 Kilo M. 9— 11, Zwiebeln per Ctr. M. 8—9., Einmachgurken das Hundert M. 1— 1.50., Sauerkraut M. 8. Frankfurt, 20. Aug. Wochenmarkt. Fleischpreise unverändert. 1 Hahn M. 1—1.80., 1 Huhn M. 1.20 bis 2.50., Welsche M. 10 12., Gans das Pfd. 70 Pf, Ente M. 2—3.50., Taube 40—60 Pf., Poulardem M. 2.50— 3.50., Capaun M. 3.50- 5.,— Neue Kar⸗ toffeln per Gescheid 12— 15 Pf., Gelberüben der Pack 6 Pf., Spinat die Portion 30—50 Pf., Blumenkohl. 50—60 Pf., Kopfsalat 6—8 Pf., Endivien 10 Pf., Es karol 10—12 Pf., Gurken 3— 10 Pf., Carotten 10 bis 15 Pf., Weißeruͤben 2 Pf., neue Erbsen per Pfd. 20 bis 25 Pf., Schneidebohnen das Pfund 12— 15 Pf., Zucker schoten 15— 20 Pf., kleine Zwiebelchen per Liter 30 bis 40 Pf., Zwiebeln das Gescheid 20—24 Pf., Sellerle. 10—20 Pf., Meerrettig 20 Pf., Mauskartoffeln per Pfd. 15—18 Pf., Römischkohl per Portlon 20-30 Pf, Romalnsalat 10—12 Pf., Brockelbohnen 8—14 Pf, Wachsbohnen 12—20 Pf., Einmachgurken per 100 St, M. 1—1.50., Zuckergurken per Stück 12—20 Pf, Kohl rab 3—4 Pf., Weiskraut 20 Pf., Rothkraut 30 Pf, Wirsing 15 Pf., Butter M. 110 1.30., Eier das St, 6—9 Pf., ganze Erbsen 16—20 Pf., geschälte Erbsen 20—24 Pf., grüne Erbsen 16—22 Pf., Linsen 20 bis 30 Pf., weiße Bohnen 16—22 Pf. das Pfd. Repertoir⸗Entwurf der bereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 23.: Vorstellung zu Ehren des deutschen Radfahrerbundes: Undine. Küuhleborn: Herr Heine als Antrittsparthie. Große Preise. Mittwoch den 24.: Gastspiel des Herrn de Grach: Lohen⸗ grin. Lohengrin: Herr de Grach. Außer Abonnement, Große Preise. Donnerstag den 25.: Don Juan. als Gast. Große Preise. 0 Octavio: Herr Paul Prophet. Johann von Leyden: Herr Hanschmann. Außer Abonnement. Große Preise. Samstag den 27.: Hans Heiling. Große Preise. Sonntag den 28.: Figaro's Hochzeit. Große Preise. Schauspiel haus. Dienstag den 23: Goldfische. Große Preise Mittwoch den 24.: Vorletztes Auftreten von Herrn und Frau Stägemann: Der Veilchenfresser. Gr. Preise. Donnerstag den 25.: Abschtedsvorstellung von Herrn und Frau Stägemann: Feenhände; hierauf Simson und Deltla. Außer Abonnement. Große Preise. Freitag den 26.: Geierwally. Große Preise. Samstag den 27.: Neu einstudirt: Ein delteater Auf: trag. Hierauf Flattersucht. Lamp, Tourns und Cham pignae, Herr Schönfeldt als Antrittsrollen. Gr. Pr. Sonntag den 28.: Zu Goethe's Geburtstag: Egmont. Ferdinand: Herr Hayer als Gast. Große Preise. Montag den 29.: Zur Erinnerung an die erste Auffüh⸗ rung des„Don Carlos“ vor 100 Jahren: Don Carlos, Für Klein⸗Auheim gingen welter ein: Von Domänenrath Stoltz M. 2., im Ganzen also M. 8., die wir heute an das Comité ab⸗ sandten. Die Exped. des Oberhessischen Anzelgers. lich ebenso lang wie das Nydamer Boot, mut ist es wesentlich breiter, nämlich 5 Meter; c hat die Vorrichtungen zum Einsetzen eines Mastes 0e und ist also ausdrücklich ein Segelfahrzeug; a 14 Possan b 5 f n 764, 1 1. . umme ian Uir, e 50%, Viel hv, 7 Tannengarten arledberg srledk* N Orte Ju Freitag den 26.: Gastspiel des Herrn Hanschmann: Der N Gelée⸗ un gläse illtaste u ln billigte 7 Ein gults nuznacher R Oppersb Vorrätbig! uledberg u Ei 1 4 Lohse I halbe ob, Pos fehlt, 1 uch 5 Geschwister M.! in Friedberg un Für die kranke Frau lungen ein: Von H. M. 2., R. M.., dessen Comptoir 2 M. 3., H. und J. durch R. M.., Director J. b. Schäfer M. 5., W. 50 Pf., 5 Geschwister M., „Prof. Dr. Weiffenbach M., N. Poststempel Bad⸗ Nauheim M. 20., Ungenannt N.., von Heinrich Mondigler M. 1.50; die Halfte ätten wir also; gebe der Himmel offene Herzen und ände, damit auch die zweite Hälfte zusammenkommt, gas Geld ist gut angelegt und trägt Zinsen im Himmel. Die Exped. des Oderhessischen Anzeigers. Geld- Cours. Frankfurt am 20. August 1887. Geber. Nehmer. M. Pf. M. Pf. 20⸗Faankenstücke 18. 18 16.14 do. in ½ 16. 16 16. 11 Englische Sovereigns 20. 37 20. 33 Russische Imperkales. 19 78 16. 68 Ducaten. f 9. 59 9. 54 7 al marco. 9. 59 9. 54 Dollars in Golde. 4. 20 4. 16 Buxkin⸗Stoff, genügend zu einem ganzen Anzuge, reine Wolle und nadelfertig, zu M. 7.75, Rammgarn-⸗Stoff, reine Wolle, nadelfertig zu einem ganzen Anzuge zu M. 18.95, Schwarzer Tuch⸗Stoff, reine Wolle, nadel— fertig zu einem ganzen Anzuge zu M. 8.10 versenden direct an Private portoftet in's Haus Oettinger& Co,, Frankfurt a. M., Buxkfin-Fabrik⸗Depot.— Mufter⸗Collectionen reichhaltigster Auswahl bereitwilligst france 2765 Filet-Decken verkauft unter Selbst⸗ kostenpr. K. Friedrich. Pferch⸗Versteigerung. Donnerstag den 25 August d. J., Vormittags 11 Uhr, wollen auf hiesigem Rathhaus 10— 15 Schaspferche öffent— ich meistbletend versteigert werden. Friedberg den 22. August 1887. Großherzogliche Bürgermeisterel Friedberg. Steinhäußer. 917 Grummetgras— Versteigerung. Donnerstag den 25. August d. Is., Vormittags 1½ Uhr, soll das Grummetgras von der städtischen unstwiese, Viele Weiden, Burgpfingstweide und Brach runnengarten öffentlich meistetekend versteigert werden. Friedberg den 22. August 1887. Großherzogliche Vürgermeisterel Friedberg. 1 fr 9¹8 Steinhäußer. in Seide, Fil d'Ecosse, sund 1 Glacé, und Rauhleder zum 2 Selbstkostenpr. bel K. Friedrich. 109 Zum Einmachen empfehle alle Sorten Gelée⸗ und Obstgläser, Bienhonig⸗ gläsen, steinerne Töpfe ꝛc. u den billigsten Preisen. 307 Ein gutes, Georꝗ Gross. fehlerfreies, erd 2916 Pferd Race] steht preiswürdig zu verkaufen bei Chriflian Weil 11. [Kreuznacher Oppershofen. Vorräthig in der Buchhandlung von Carl Bindernagel Bad⸗ Nauheim: er erfahrene Rathgeber beim Einmachen von Früchten und Gemüsen ind bei der Bercilung von Fruchtsüften, von Lovica von Propper Zweite Auflage- Preis 50 Pf 1 on Jul. 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