ein!. rungen. . 2 —— 1886. Dienstag den 23. März * 35. Oberhessischer n zeiger. Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Kreisblatt für den Kreis Friedberg. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 P Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto be f., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. i uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. Betreffend: Abnahme des Verfassungseides vom J. Q Das Großherzogliche Kreisamt 2. auf dem Selzerbrunnen bei Greß Karben Mittwoch den 7. Die seitherige Zutheilung der Gemeinden zu den obengenannten O Verpflichteten vorladen lassen, sowie uns bis zum 31. l. Mts. unfehlbar die Namen der Geladenen anzeigen, des rubricirten Eides daß Niemand zu laden ist, einsenden. Zugleich werden wir in dem Termine am 7. vorbringen wollen, Audienz ertheilen. Heinrich Reuß von Dorheim, Georg Gottfried Mahl von Ilbenstadt 5 1e 24 1— 12 5: 52 von Nieder-Weisel, Anton König XXV. von Ober-Mörlen, Anton Rühl vI. von Ober-Moͤrlen, Georg Bockenheimer III. von Wilhelm Karl Kreiling von Vilbel, Christian D Betreffend: Beginn des Schuljahres 1886/87. Amtlicher Theil. uartal 1886. Friedberg den 20. Maͤrz 1886. c Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Zur Ableistung des rubricirten Eides haben wir folgende Termine bestimmt: . zu Friedberg Dienstag den 6. April 1886, Vormittags 1 Uhr, im Rathhause, aniel Muth von Vilbel. April 1886, Vormittags 10 Uhr, rten bleibt beibehalten und wollen Sie hiernach die zur Ableistung oder Bericht, Die im Rückstand befindlichen, unten Verzeichneten wollen Sie bei 3 Mark Strafe vorladen lassen. April 1886 anderen Angehörigen der betreffenden Orte, welche Beschwerden oder Wünsche Dr. Braden. „Johann Heinrich Scharhag von Ilbenstadt, Philipp Krausgrill Harheim, Friedberg den 20. März 1886. Die Großherzogliche Kreisschulcommission Friedberg an sämmtliche Schulvorstände des Kreises. Durch Ausschreiben der obersten Schulbehörde zu Nr. 5979 vom 8. d. Mts. ist mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz als Beginn des Schuljahres 1886/87 ausnahmsweise allgemein der 10. Mai l. J. bestimmt worden, weil wegen der kurzen Frist zwischen den Seminar-Entlassungsprüfungen und dem ersten Montag im Mai die neu anzustellenden bezw. zu ver⸗ setzenden Schulverwalter und Schulgehülfen nicht gut früher an den ihnen anzuweisenden Orten eintreffen können. Sie wollen den Lehrern hiervon Kenntniß geben und sich darnach bemessen. hiervon erforderlich ist, erwarten wir baldige Vorlage, sowie auch wir wegen weniger Orte in Rücksicht auf N von Ihnen besondere Verfügung werden zugehen lassen. Wo aus besonderen wichtigen Gründen eine Abweichung noch rückständige Prüfungen einigen Dr. Braden. — Neunundachtzig Jahre! Am 22. d. Mts. hat Kaiser Wilhelm sein neunundachtzigstes Lebensjahr zurückgelegt und wie hier in Friedberg, so überall, we Deutsche wohnen, wurde die neunzigste Feier des Geburts tages festlich begangen. Neunundachtzig Jahre! Wie wenigen unter den Menschen ist es vergönnt, dies Alter zu er— reichen! Von keinem der Kaiser des weiland römischen Reiches deutscher Nation ist ein solches Alter zu verzeichnen gewesen. Und unter den wenigen Menschen sind es nur einzelne, denen, in jenem hohen Alter noch körperliche Kraft und geistige Frische eigen bleibt. Zu diesen Bevor— zugten zählt Kaiser Wilhelm! Das Leben, auf welches Kaiser Wilhelm zurück— blicken kann, floß nicht immer wie ein ruhiger Strom durch grünende Auen, es ist ein viel— bewegtes, oft von Stürmen bedrohtes, gewesen. Als Knabe sah Prinz Wilhelm von Preußen die tiefe Erniedrigung seines Vaterlandes(1806,) mit seinem königlichen Vater mußte er fliehen bis an die äußerste Grenze seines Königreichs; als Jüngling focht er gegen den französischen Cäsar und hielt seinen ersten Einzug in Paris; als Mann mußte der Prinz von Preußen ge— rade am Jahrestag seiner Geburt(1848) das Land seiner Väter als Flüchtling verlassen und die Gastfreundschaft Englands in Anspruch nehmen; als König von Preußen trat der Austrag von inneren wie äußeren Kämpfen an ihn heran, aus welchen er siegreich als Wieder— wereiniger der deutschen Stämme, als deutscher Kaiser hervorging. Fünfzehn Jahre trägt König Wilhelm von Preußen die deutsche Kaiser-Krone, fünfzehn Jahre ist derselbe bemüht, Europa den Frieden zu erhalten, oder wenn er gestört wird, den Krieg zu lokalisiren. Stets ist demselben dies gelungen und Kaiser Wilhelm erscheint an seinem neunzigsten Geburtstag als ein Friedens— fürst in des Wortes vollster Bedeutung. Gott segne Kaiser Wilhelm! lin eingetroffen. bruches nahezu 2 Deutsches Reich. Darmstadt, 21. März. und [Lesung die Vorlage über die Erhebung einer Der Großherzog Schifffahrtsabgabe auf der Unterweser. In der Prinzessin Irene sind, von Petersburg zurück- hierauf fortgesetzten zweiten Lesung des Zucker— kehrend, nebst Gefolge 9 Uhr früh heute in Ber- steuergesetzes spricht sich der Abg. Gehlert gegen ½ Stunden Verspätung. Der Zug hatte wegen Achsen- die Regierungsvorlage, Um Commissionsvorschläge aus; Graf Hacke es sei zu für die hoffen, 8 Uhr war auch der Erbgroßherzog in Berlin daß die Regierung zwischen der zweiten und der angelangt, und nahmen die saͤmmtlichen Herr— schaften im krouprinzlichen Palais Wohnung. Heute Abend werden die Herrschaften Berlin wieder verlassen und nach Darmstadt zurückkehren. — Der Finanzrath Hörr wurde zum Ober— steuerinspektor in Gießen, der Amtsgerichtsdiener Appel in Michelstadt zum Amtsgerichtsdiener in Groß⸗Umstadt, der Amtsgerichtsdiener Kopp in Nieder-Olm zum Amtsgerichtsdiener in Rein— heim, der Fußgendarm Zotz in Goddelau zum Amtsgerichtsdiener in Nieder-Olm ernannt. — 18. März. Die erste Kammer erledigte heute den Rest des für die diesmalige Session vorgesehenen Materials, lehnte namentlich con— form mit der zweiten Kammer die für Mobiliar— ausstattung des Sitzungssaales für das Kreis— amtsgebäude in Offenbach angeforderten 1160 M. ab, bewilligte dagegen 600 M. zur Ausstatt— ung der übrigen Räume des Kreisamts. Als— dann genehmigte die Kammer, dem Antrage des Abgeordneten Ellenberger entsprechend, die Unterstützung ärmerer mit Communallasten allzu stark belasteter Gemeinden bei Aufbringung ihrer Mittel für Schulhausbauten, Lehrer-Besold— ungen zie. Zu dem Antrage Wasserburg auf Einführung von Wahlcouverts wird die Ablehn— ung, entgegen einem Antrage des Füuͤrsten Isen— burg-Birstein auf Annahme desselben, mit allen gegen 9 Stimmen beschlossen. Der Antrag Weith und Reinhardt bezuglich der Schonzeit des Reh— bocks und die damit in Zusammenhang stehen— den Eingaben finden durch einstimmige Annahme des Ausschußantrages ihre Erledigung. Nach weiterer Erledigung verschledener kleinerer Sachen vertagte sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. Berlin, 19. März. Der Reichstag ge— nehmigte nach unerheblicher Debatte in dritter dritten Lesung zu einem Ausgleichsvorschlage die Hand biete, sonst würden die Verhandlungen wohl resultatlos bleiben. Der Reichstag lehnte alsdann bei der Berathung alle Anträge zur Zuckersteuervorlage, ebenso die Regierungsvor— lage selbst ab.— 20. März. Der Reichstag genehmigte in zweiter Lesung das Gesetz über die Communalbesteuerung der Officiere und nahm bei der fortgesetzten Lesung des Zuckersteuerge— setzes, wovon gestern nur die den Kernpunkt bildenden zwei ersten Paragraphen erledigt wor— den waren, den Paragraph 3 über die Credit— ftisten nach den Commissionsanträgen an. Die übrigen Paragraphen des Zuckersteuergesetzes wurden gleichfalls wesentlich nach den Commis— sionsvorschlägen angenommen. Ein Antrag Putt— kamer-Stolberg, betreffend eine dreimonatliche Verlängerung der Steuereredite, wurde genehmigt. — Amtlicherseits sind die Handelskammern aufgefordert worden, mit dem Bericht über die auf Grund eines Bundesrathsbeschlusses erfolgen— den Erhebungen über die Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen in der Wäschefabrikation und Con— fectionsbranche zugleich eine Aeußerung über die sociale Lage der in den genannten Branchen beschäftigten Arbeiterinnen zu verbinden. — Nach dem nunmehr vorliegenden Berichte über die Verhandlungen der Commission des Reichstags betr. die Heranziehung der Offiziere zur Communalbesteuerung, hat der Kriegsminister über die Grundlagen des demnächst dem preu— ßischen Landtage vorzulegenden Gesetzentwurfs sich folgendermaßen geäußert: 1) Heranziehung des außerdienstlichen, bisher steuerfreien Ein— kommen der Offiziere nach einem für alle Garn sonen der Monarchie gleichen Maßstabe; 2) Frei lassung des der Charge entsprechenden vorschrifts— — r 2 — ĩͤ v ˙. e. mäßigen Heirathsgutes von der Besteuerung; 3) Heranziehung der Pension der zur Dispo— sition gestellten Offiziere in gleichem Maße, wie jetzt schon die Pension der verabschiedeten Offi— ziere herangezogen wird. — Die europaͤischen Machte scheinen geneigt zu sein, dem Fuͤrsten Alexander von Bulgarien eine goldene Brücke zum Rückzutzze zu bauen; man stellt die sofortige Sanctiontrung des kürkisch— bulgarischen Abkommens in Aussicht, falls Fürst Alexander den Widerstand gegen seine vorlaufig für fünf Jahre projectirte Ernennung zum Ge— neralgouverneur Ostrumeliens aufzibt. — In Kreisen, welche als gut unterrichtet gelten koͤnnen, wird versichert, daß die Stellung des Finanzministers Scholz auch nicht einen Augenblick für erschüttert gegolten hat; in den gegentheiligen Gerüchten hat man mehr die Wünsche einzelner Gruppen als begründete That— sachen zu erblicken. — 20. Marz. Nach der gestern Abend statt— gehabten Auflosung einer stark besuchten social— demokratischen Versammlung auf dem Andreas— platz, in welcher der Abg. Bebel sprach, fand eine größere Menschen-Ansammluug statt, welche nicht ohne Mühe zerstreut wurde; von der Waffe wurde jedoch kein Gebrauch gemacht. Zwei Beamte wurden mit Schnee- und Eis⸗ stücken beworfen, ohne jedoch dadurch verletzt zu werden. Zwei Personen wurden verhaftet, fünf weitere Ruhestörer sistirt. — Verschiedene Abgeordnete versichern, die Regierung beabsichtige eine Branntwein Con⸗ sumsteuer, eine abgestufte Maischraumsteuer und eine erhöbte Exportvergütung. Die officsöse Angabe von der Moglichkeit eines Nothgesetzes bezüglich der Branntweinsteuer wird für einen Fuͤhler gehalten; auch ist über Verhandlungen mit den verbündeten Regierungen über darauf bezügliche Plane noch nichts bekannt. Dresden, 20. Maͤrz. Die Königin Carola ist mit der Prinzessin Josepha heute Nachmittag zu längerem Aufenthalt nach Meran abgereist. Karlsruhe, 21. Marz. Den letzten Nach— richten zufolge verbrachte der Erbgroßherzog eine ruhige Nacht und ist dessen Befinden heute früh zufriedenstellend. Ausland. Belgien. Brüssel, 21. März. Für heute sind in den Vorstädten von Brüssel mehrere socialistische Meetings angekündigt. Die für den Schutz der öffentlichen Ordnung gebildeten Abtheilungen der Bürgergarde sind deshalb ein— beordert, die Polizeimanuschaften und die Gens— darmerie sind consignirt. Es ist der formelle Befehl ertheilt, jeden Volkshaufen, welcher in die Stadt einzudringen sucht, unter Anwendung von Gewalt auseinander zu treiben. Aus Jemappe werden nicht unerhebliche Ruhestör— ungen gemeldet. In der vergangenen Nacht kam es zwischen den Arbeitern und der Gen— darmerie zu einem Zusammenstoß, wobei mehrere Gendarmen verwundet wurden, 10 Personen wurden verhaftet. Lüttich, 19. März. Gestern Abend fanden hier anläßlich der Feier des Jahrestages der Variser Commune ernstliche Ruhestörungen statt. Ein Haufe aus der niederen Volksklasse hatte sich den Sozialisten angeschlossen und die Menge plünderte und verwüstete viele Kaffeehaͤuser, zer— trümmerte die Fenster vieler Häuser und zer— störte sämmtliche Läden in der Leopoldstraße. Die Banden durchzogen die Straßen mit dem Rufe:„Nieder mit den Kapitalisten! Nieder mit den Bourgeois!“ Die Polizei, Gensdarmen und die Bürgergarde machten mehrfachen Gebrauch von den Waffen. Es gab viele Verwundete und wurden etwa hundert Verhaftungen vorgenom— men. Heute Nachmittag blieben die Läden ge— schlossen, da eine neue Plünderung befürchtet wurde. Der Strike in Seraing läßt neue Ruhe— störungen befürchten. Frankreich. Paris, 19. Marz. Die Feier des Jahrestages der Commune ging mit den üblichen Banketten und den üblichen Brand— reden der ehemaligen Communarden, der Social— revolutionäre und Anarchisten in Scene. Größere Unruhen kamen nicht vor; Louise Michel pilgerte von Lokal zu Local. Großbritannien. London, 19. März. Der gestrige Meinungsaustausch zwischen Glad— stone, Chamberlain und Trevelyan ist resultatlos geblieben. Der Rücktritt Chamberlain's und Trevelyan's dürfte kaum vermieden werden. — 19. Maͤrz. Unterhaus. Staatssecretär Hippert theilte bei der fortgesetzten Berathung des Budgets mit, daß gegenwärtig 103 verschie— dene Schiffe im Bau begriffen seien, darunter 20 gepanzerte und 54 Torpedoboote. Die Kosten be— laufen sich im Ganzen auf 13,100,000 Lst. Vor— laͤufig seien keine weiteren neuen Schiffe in Aus— sicht genommen. Die Position„Loͤhnung“ wurde nach mehrstündiger Debatte mit 2,900,000 FLst. angenommen. Manchester, 18. Maͤrz. Eine von den Stadt— behoͤrden abgegebene Erklärung, daß sie den Ar— beitern augenblicklich keine Arbeit geben könnten, rief heute eine Kundgebung von Arbeitern her— vor. Ein großer Haufe versammelte sich vor dem Stadthause. Hier von der Polizei zer— streut, begab sich ein Theil der Arbeiter in drohender Haltung durch die Straßen, in denen die bedeutendsten Kaufläden sich befinden, zer— trümmerte die Fenster eines großen Modewaaren— geschaͤfts und machte Anstalten, die Juwelier— laͤden zu plündern. Es gelang der Polizei, dies zu verhindern. Drei der Unruhestifter wurden verhaftet. Serbien. Belgrad, 18. März. Im heu— tigen Ministerrathe schlug Garaschauin die De mission des Cabinets vor. Wie verlautet, wird der— selbe, obschon seine Freunde der Demission wider— rathen und die Ausschreibung der Skupschtina— Wahlen empfehlen, morgen dem Könige die De— mission überreichen. Bulgarien. Sofia, 19. März. Der „K. Zig.“ wird von hier gemeldet, Füͤrst Alexan— der erkenne nur das Abkommen an, welches er und der Sultan unterzeichnet haͤtten. Dieses Abkommen aber habe die Pforte später gänzlich abgeändert ohne des Fürsten Zustimmung, und dazegen richte sich der Widerspruch des Fürsten. Wollten die Großmächte trotzdem dem Fürsten eine Vereinbarung aufzwingen, so werde sich dieser seiner der Türkei gegenüber eingegangenen Verpflichtungen für entbunden erklären. Außer— dem verwahre sich Fürst Alezander dagegen, daß dieses Abkommen ein„türkisch-bulgarisches“ ge— nannt werde, er bestehe vielmehr auf der richtigen Bezeichnung eines„europäischen Machtspruchs“. Rumänien. Bukarest. Sämmtliche De— putirte des Arrondissements Foksani in der ru— mänischen Abgeordnetenkammer haben ihre De— mission genommen, weil die Kammer die Ver— legung des Appellationsgerichts von Foksani nach Jassy votirte. Rußland. Petersburg. Das Blatt„Paris“ will„aus zuverlässiger Quelle“ wissen, Ruß- land ziehe langsam bedeutende Streitkräfte in Bessarabien zusammen und zwar zu dem Zweck, auf den Fürsten Alexander, dessen Haltung durch England ermuthigt werde, einen Druck auszu— üben. Auch in Bukarest soll man officiösen Nachrichten zufolge„sehr ernstliche Verwickel— ungen“ befürchten. Egypten. Kairo, 19. März. Es verlautet auf das Bestimmteste, daß mehrere englische Regimenter die Ordre erhalten haben, nach Unteregypten zurückzukehren, und daß Assuan den äußersten von englischen Truppen besetzten Posten bilden werde. Aus Stadt und Land. „ Friedberg, 20. März. Heute fand im Saale des Hötel Trapp die Prüfung der Ackerbauschüler statt, zu welcher sich, außer zahlreichem Publikum aus Stadt und Umgegend, Ministerlalrath Jaup von Darmstadt eingefunden hatte. Die Schule war von 14 Schuͤlern im letzten Winter besucht, von welchen 8 entlassen wurden. Drei der jungen Leute wurden prämlirt, einer wegen seiner hervorragenden Lelstungen vom Curatorlum mit einem Andenken beehrt. Ministerkalrath Jaup sprach sich sehr anerkennend über dle Leistungen der Anstalt und die erzielten Resultate aus und hob hervor, daß er sich, wo solche Thatsachen sprächen, nicht genug über den große Opfer für die Schule brachten. Es wäre doch wohl an der Zelt, daß die Landwirthe in Anbetracht der Nothlage der Landwirthschaft elnsehen möchten, wilevlel auch ein solches Instltut zur Hebung des Wohles der Landwirthe beltragen könne. Nach der Prüfung fand ein gemeinschaftliches Mittagsmahl statt, nach welchem noch dle Ausstellung in der Ackerbauschule be— sichtigt wurde. h. Dorhelm, 20. März. Bet der heute statt⸗ gehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bei; geordnete Reuß mit großer Majorktät gewählt. 7 Vilbel. Auch hler wurde diesmal der Geburtstag unseres Kaisers festlich begangen und zwar hauptsächlich durch den Mustkverein Concordia und die Turngesellschaft, welche am Abend des 22. März einen Fackelzug vom Vereinslscal bis zum Amtsgerichts zebäude veranstalteten. Nach demselben fand geselliges Zusammensein im Thuy'schen Saale statt. Nidda. Am 16. März schoß Forstwart Stier in der Harb eine Wildkatze von ansehnlicher Größe. Bingen. Das gewiß sehr seltene Erelgniß, daß in einer Familie die grüne, silberne und diamankene Hochzeit stattfindet, trug sich gestern in dem benachbarten Sprend⸗ lingen zu. Der Sohn des dortigen Gastwirths Machemer wurde nämlich getraut, während die Eltern an demselben Tage ihre silberne und die noch ruͤstigen Großeltern ihre diamantene Hochzeit feierten. Der ganze Ort nahm an dem dreifachen Famtlienfeste Antheil. Allerlei. Nassau. Nach den glaubwürdigen Angaben hiesiger Einwohner trelbt sich ein Wolf in unseren Wäldern umher. Ein Mann traf auf einem Gange durch den Wald ein Thier, das er anfangs für einen Schäferhund hielt, und deßhalb von selnem Fraß, über den es sich“ hergemacht hatte, forttreiben wollte. Erst als sich der vermeintliche Hund daraufhin aufstreckte, gewahrte der Mann zu seinem Schrecken, daß er in der That einen Wolf vor sich hatte. Trotz späterer Nachforschung seitens der Jäger ließ sich der Wolf jedoch nicht weiter verfolgen. Daß aber zwei Wolfe in den Waldungen zwischen hler und Montabaur gesehen worden sind, dafür wollen sich Jäger verbürgen, die ihre Spuren genau ermittelt und verfolgt haben, freilich ohne diese gefährlichen Thlere, die bei großem Frost und starkem Schnee öfter über den Rhein herüberkommen, vor die Augen bekommen zu haben. Nordhausen. Am ganzen Südharz, in Sachsa, Lauterberg, Andreasberg, Zorge, Hohegeiß u. s. w. herrscht eine Diphtherttis-Epidemie in so hohem Grade, daß allent⸗ halben die Schulen haben geschlossen werden müssen. Fraustadt. Seit Sonntag befindet sich unsere Stadt in großer Aufregung. Eine Bauerngutsbesitzerin in Allen— dorf ist gefänglich eingezogen worden, well sie im Ver⸗ dacht steht, nach einander ihre vier Ehemänner verglͤftet zu haben; ihr vierter Mann verstarb am 3. März plötz⸗ lich. Heute hat sich eine gerichtliche Commission nach Altendorf begeben, um die Exhumskrung der Leichen vor⸗ zunehmen. New Bork. In Carrolton(Mississippi) drangen während einer Gerichtsverhandlung gegen mehrere Neger, wegen eines an einem Weißen begangenen Mordversuchs, ca. 50 Weiße in den Gerichtssaal, todteten 13 Neger und verwundeten eine große Anzahl. Handel und Verkehr. Friedberg, 20. März. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80 0.90, Eier 2 St. 11 Pf. Gießen, 16. März. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.85— 1.00, Eier 2 Stück 9 Pf., Räse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 1.00, Hühner per Stück M. 0.85— 1.50, Hahnen per Stück M. 1.30— 2.00, Enten per Stück M. 1.70— 2.20, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rindsleisch 5456 Pf., Schweinefleisch 52— 60 Pf., Hamme lfleisch 50—66 Pf., Kalbfleisch 45—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00- 4.50, Zwiebeln per Ctr. M. 8.00. Gießen. Auf dem am 16. und 17. d. Mts. ab⸗ gehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben: 1223 Stück Nindvieh und 331 Stuck Schweine. Die Preise bei Zuchtvteh blieben unverändert, dagegen waren Schweine Nächster und Kälber billiger als am letzten Markte. Markt Dienstag den 6. und Mittwoch den 7. April d. J. Frankfurt, 19. März. Auf dem heutigen Heu— und Strohmarkte waren 68 Wagen angefahren. Hen kostete pr. 50 Kilo M. 3.30— 4.10, Stroh M. 2.30— 2.70.— Butter en gros 50 Kilo M. 85.—90., Eler das Hundert M. 5.— 6.50, Kartoffeln 100 Kilo M. 4.50— 5.50. Repertsir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dlenstag den 23.: Der Rattenfänger von Hameln. Mittwoch den 24.: Geschlossen. Donnerstag den 25.: Johann von Paris. Herr Nach— baur als Gast. Hlerauf: Uriella. Freitag den 26.: Vorstellung bet ermäßigten Preisen. Hamlet. Außer Abbonn. Samstag den 27.: Don Juan. Sonntag den 28.: Carmen. José: Herr Nachbaur als Gast. Schauspielhaus. Dienstag den 23.: Alexandra, Mittwoch den 24. Prinz von Homburg. Donnerstag den 25.: Drei Paar Schuhe. Freitag den 26.: Boeegeelo. Samstag den 27.: Drel Paar Schuhe. Sonntag den 28.: Der Prinz von Homburg. elgentlich recht geringen Besuch der Anstalt wundern müsse, zumal der Staat und der landw. Verein doch —— Außer Abonn. 5 n 4. 44 41. ———— ö——— 8— 2 5—— 4 als: 5 schr yr 1 . 50 65 5 1 V. Bekanntmachung. Der Meßger Phllipp Wolf II. zu Bad⸗Nauhelm beabsichtigt in seiner Hofraithe, Flur 14, Nr. 521, Flächengehalt 216( JMeter, Gemarkung Bab⸗ Nauheim, eine Schlächterei zu betreiben. Plane und Beschreibung dieser Anlage liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dseser Bekannkmachung in der Darmstädter Zeitung an gerechnet, auf unserem Büreau zur Einsicht der Interessenten offen. Binnen gleicher Frist sind etwaige Einwendungen bei Meidung des Aus— schlusses uns vorzutragen. Friedberg am 16. März 1886. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. 1181 8 Braden. * 5— 823. 7 * 4 23 ——ü—ä s——— Am Mittwoch den 24. d. Mts, 1 1 10 Uhr, sollen auf der südlichen Rampe blesigen Bahnhoft eine große Parthte altes Guß und Schmiede Eisen, 333 etserne Pfahlschube ꝛc. öffentlich metstbietend versteigert werden. 4 Friedberz den 21. man 1886. 1185 Die Bahnmeisteret 17, M. W.⸗B. 4** 1 Lieferung. ö Für das Bügerhospital und Verfsorgungshaus soll die Lieferung von eirea 3000 Laib Brod zweiter Sorte, „ 300 Kilo Waizenmehl, Vorschuß, 1200 Ochsenflelsch nebst Nierenfett, ** „ 200„ Kalibfleisch bezw. Hammelfleisch, 5 400„ Schweinefleisch nebst Fett und Wurst, „ 800„ Hülsenfrüchten, „ 300„ Reis, Gries und Gerste, 1. 4 100„ gebr. Kaffee, J 150(„ Kern- und Schmierseife nebst Soda, Branntwein, Salatöl, Krystallöl und Petroleum für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1886 vergeben werden. Ferner sollen Stoffe zu Confirmations-Anzügen und der Bedarf von Stoffen zu Kitteln und Alltags hosen fuͤr Männer, Blaudruck für Frauen, blaues Schürzen lleinen, Hemdenleinen und Bettteppiche für 1886 vergeben werden. Angebote und Muster sind bis zum 27. unterzeichneten Behörde einzureichen. Friedberg den 22. März 1886. Großherzogliche Buͤrgermeisterei Friedberg. 18 Steinhäußer. Versteigerungs⸗Anzeige. Donnerstag den 25. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, läßt Konrad Meier II. von hier wegen Aufgabe seiner Dekonomie folgende Gegenstände unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich in seiner Behausung meistbietend versteigern: 2 Pferde, 4 und 9 Jahre alt, 1 Fohlen(Stute), norddeutscher Abkunft, n Kertet! 6 Kühe, theils trächtig, theils frischmilchend, 1 1 1 jähriges Rind, 2 vollständige Oekonomiewagen, verschledene Pflüge, Eggen, sowie 1 Pfuhlfaß, vollständige Fahr⸗, Acker⸗ und Chaisengeschirre für 2 Pferde, vollständiges Reitgeschlrr und verschledene decken, ctrea 120 Centner verschiedenes Stroh, 45 Fuder Strobseile, etrca 100 Centner Dickwurz, 30 Malter Kartoffeln und eine Parthie Spreu, sowie noch verschledene Oekonomlegeräthschaften. Rendel den 17. März 1886. J. 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Besondere Einladung erfolgt nicht. 1197 5 Nn und Bekannten machen wir statt be 15 sonderer Anzeige hierdurch die schmerzliche Mittheilung, daß der Herr unsere treue Schwester 1 8 8 2 2 8 Fräulein Mina Schimpll am 20. d., Mittags 12 Ubr, nach zweitägigem Krankenlager durch einen sanften Tod zu sich ge— nommen hat. 1 Friedberg, 21. März 1886. Auguste 0 A. Schimpff, n W. Schimwpff, faxrer. Die Beerdigung findet Dienstag den 23. d., Nachmittags 3 Uhr statt. V. 8 Stelle zum sofortigen Eintritt. Wer? sagt die Exp. d. Anz. 1189 — 4 3 5 1——— .— r 31 Nähmaschinen. Solides Fabrikat. Große Auswahl. Sillige Preise. . M. Reuss. Die versicherungsgesellschaft Thuringia in Erfurt 1125 gewährt— außer Feuer- und T ransport-Versicherungen— a. Kapitalversicherungen auf den Todesfall mit und ohne Dividende. Dividenden werden schon von der dritten Jahresprämie an gewährt und steigen nach Verhältniß der Versicherungsjahre. 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