ee e — Oberhessi — 1886. Donnerstag den 14. October. M 121. er Anzeiger. Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwo 1 2 N 3 5 0 f j 3 a Di und Freitag Abend ausgegeben. rreisblatt für den Kreis Friedberg. VT Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. Amtlicher Theil. Betreffend: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes, hler die Versicherungspflicht der Speicherei— i und Kellereibetriebe und der Spediteure. N. ser 15 Friedberg den 11. October 1886 Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Das nachstehend abgedruckte Rundschreiben des Vorstands der Speditions-, Speicherei- und Kellerei-Berufsgenossenschaft theilen wir Ibnen zur Kenntnißnahme und unter der Empfehlung mit, diejenigen Gewerbetreibenden Ihrer Gemeinden, welche hiernach versicherungspflichtig sind und sich noch nicht zur Unfallversicherung angemeldet haben, zur baldigen Anmeldung ihrer Betriebe in der vorgeschriebenen Weise zu ver⸗ aulassen. Ihrem Berichte, ob in Ihren resp. Gemeinden derartige Unternehmer vorhanden sind oder nicht, oder ihre Anmeldung bereits erfolgt ist, sehen wir innerhalb acht Tagen entgegen. Dr. Braden. Speditions-, Speicherei⸗ und Kellerei-Berufsgenossenschaft. Circular 37. Berlin den 17. September 1886. Alphabetisches Verzeichniß der Gewerbezweige, welche zur Speditions-, Speicherei- und Kellerei-Berufsgeuessenschaft gehöten. In den„Amtlichen Nachrichten des Reichs Versicherungsamts“ vom 15. August J 19. Güterverladungsgeschäft, 20. Güterbestätter, sofern sie als„Bahnspediteure“ 1886(Jabrgang II. Nr. 16) wird ein alphabetisches Verzeichniß derjenigen Gewerbe durch Uebernahme der Frachtbriefe in den Frachtvertrag der Bahn eintreten, zweige veröffentlicht, welche zu den auf Grund des Aus dehnun sgesetzes vom 28. Mai 21. Heringsbraaker, 22. Holzlader, 23. Holzmesser, 24. Holzspedition, sobald 1885 gebildeten Berufsgenossenschaften gehören. Aus diesem Verzeick niß ist der fol deren Vetrieb sich dem Hauptbetrieb nach als Speditlons betrieb darstellt, 25. Holz⸗ gende Auszug angefertigt, diejenigen enthaltend, welche nach der Bestimmung des speicherei, 26. Holzstauer, 27. Holzverlader&, 28. Holzwrake, 29. Kalkspeicherei, ö Reichs Versicherungsamts zu unserer Berufsgenossenschaft gehören. 30. Kellerei, 31. Kohlenlader, 32. Kohlenspedition, 83. Kohlenstauer, 34. Korn⸗ Die mit J bezeichneten Betriebe sind, sofern sie sich als Nebenbetrieb ge. einsacker, 35. Kornspeicher, 36. Kornwäger, 37. Laden und Löschen(von Schiffen), werbsmäßiger Fuhrwerksbetriebe darstellen, der Fuhrwerks Berufsgenossenschaft zu- 38. Ladeunternehmer, 39. Lagerei, 40. Lagerhaus betrieb, 41. Mehlspelcherei, 42. Messer, zuweisen. Zu unserer Berufsgenossenschaft gehören nach dem Verzeichnisse des Reichs- 43. Möbelpacker, 44. Packhofsbetrieb, 45. Quartiersleute, 46. Sackablaber, Versicherungsamts folgende Betriebe: 1. Auf- und Abladen von Waaren&, 2. Bahn⸗ 47. Schaffer, 48. Schauer, 49. Schiffsstauer, 50. Schrannenmesser, 51. Spedition, speditlon, 3. Bierlagerei, 4. Vierspedition, 5. Bierverlag(Kellerei), 6. Bierversandt- 52. Speicherei, 53. Spirituslagerei, 54. Stauer, 55. Torfstauerei, 56. Umladung geschäft, 7. Braaker(Braker, Bracker), 8. Butterkellerel, 9. Cementlagerei, 10. Eis.[von Gütern, 57. Verladung von Waaren X, 58. Verpackungsgeschäft, 59. Waage— kellerei, 11. Flachs braaker, 12. Getreidemesser, 13. Getreidespeditton, 14. Getreide- meister, 60. Waarenlagerei, 61. Waarenspeicherei, 62. Wäger, 63. Weinkellerei, speicherei, 15. Güterlader X, 16. Gütermesser, 17. Güterpacker&, 18. Güterschaffer, J 64. Wollwaarenspeicheret. Anhang. Zur Ergänzung des vorstehenden amtlichen Verzeichnisses bemerken wir noch 4. Speichereien und Kellereien, welche nicht mit Handelsgeschäften verbunden Folgendes: sind, soadern industriellen Anlagen oder der Landwirthschaft(dem Weinbau) als 1. Das Ausdehnungsgesetz vom 28. Mai 1885 bestimmt, daß das Unfallver-] Nebenbetriebe dienen, gehören nicht zu unserer Berufsgenossenschaft. Dies gilt auch sicherungsgesez vom 6. Juli 1884 auf a. den gewerbsmäßigen Speditions-, von den Speichereien und Kellereien der Bierbrauereien, Destillationen, Essig⸗ Spelcherei- und Kellereibetrieb, b. den Gewerbebetrieb der Güterpacker, Güterlader,[ fabriken de., welche wegen ihres geringen Umfanges nicht in die betreffende Verufs⸗ Schaffer, Bracker, Wäger, Messer, Schauer und Stauer Anwendung finden soll.[genossenschaft aufgenommen werden können. (8 2 unseres Statuts.) Die sämmtlichen hier genannten Gewerbe— aber nur 5. Wenn ein und dasselbe Unternehmen aus verschiedenartigen Gewerbszweigen wer eln Gewerbe dieser Art besteht, gehört es nur dann zu unserer Berufsgenossenschaft, wenn der Haupt⸗ diese— gehören zu unserer Berufsgenossenschaft, d. h. mit Arbeitern betreibt, ist berechtigt und verpflichtet, Mitglied unserer Genossenschaft betrieb des Unternehmens in dem oben aufgeführten Verzeichnisse enthalten ist. zu sein. Die Unternehmer haben deshalb bei der Anmeldung anzugeben, welches[ Besitzt ein Unternehmer mehrere von einander unabhängige Betriebe, so gehört der obengenannten Gewerbe sie betreiben. nur derjenige Betrieb, welcher oben als Gewerbezweig verzeichnet steht, zu unserer 2. Spediteur ist derjenige, welcher gewerbsmäßig auf eigenen Namen für Berufsgenossenschaft. a fremde Rechnung Güterversendungen durch Frachtführer oder Schiffer zu besorgen 6. Wenn die in F. 1 Ziffer 5 des Aus dehnungsgesetzes aufgeführten Güter⸗ übernimmt. Wer dagegen mit seinem eigenen Fuhrwerk gewerbsmäßig den Trans— packer, Güterlader, Schaffer, Bracker, Wäger, Wesser, Schauer und Stauer keine port von Gütern ausführt, ist Fuhrmann und gehört zur Fuhrwerksberufsgenossen Arbeiter beschäftigen, sind sie nicht versicherungspflichtig. Sie haben auch nicht das schaft, falls nicht dle Spedition den Hauptbestandtheil seines Unternehmens bildet.[Recht, bei unserer Berufsgenossenschaft für ihre eigene Person Versicherung zu nehmen. (Allg. D. Handelsgesetzbuch 7 von Arbeitergenossenschaften, in welchen die Mitglieder Art. 379 und 390.) 5 7. Dies gilt auch d d 3. Die Spescher⸗ und Magazinarbeiter der Kaufleute sind stets versicherungs nicht Arbeitnehmer, sondern Geschäftsthellhaber sind. Wenn die Genossenschaft Lohn— pflichtig, wenn die Speicherei den Hauptbestandtheil oder wenigstens einen hervor arbeiter beschäftigt, so ist sie verpflichtet, dieselben zu versichern und in diesem Falle ragenden Bestandtheil des Unternebmens bildet. Das Reichs-Versicherungsamt be steht den Mitgliedern der Genossenschaft die im§. 48 unseres Statuts bezeichnete zeichnet zwar die Lagerräume der Manufaktur und Colonialwaarenhändler als nicht[Befugniß zu. a 1. 5 5 l versicherungspflichtig; indessen sind mit diesen Beisplelen nur Ladengeschäfte gemeint, 8. Wenn es zweifelbaft ist, ob ein Betrieb zu unserer Genossenschaft gehoͤrt, welche wie alle reinen Handelsgeschäfte nicht dem Versicherungszwange unterliegen.] sind wir zur Auskunftsertheilung gern bereit. Es empfiehlt sich aber, vor der An⸗ (Vgl. die Anleitung des Reichs- Versicherungsamts, betreffend bie Anmeldung der frage die beiden amtlichen Verzeichnisse der versicherungspfligtigen Gewerbszweige 1 nach dem Gesetz vom 28. Mai 1885 versicherungspflichtigen Betriebe, abgedruckt in(Amtliche Nachrichten des Reichsversicherungsamts Jahrgang 1 Seite 254 und Jahr- Nr. 130 des Reichsanzeigers vom 6. Juni 1885, desgleichen in den Amtlichen Nach- gang JI Selte 133) einzusehen. richten des Reichs Versicherungsamts, Jahrgang J. S. 160 und auszüglich als An⸗ Berlin den 17. September 1886. 5 5 a 5 hang zur Geschäftsordnung für Vertrauensmänner der Speditions, Speicherei- und Der Vorstand der Speditions-, Speicherei⸗ und Kellerei-Berufsgenossenschaft. R. Bergemann. Gustav Kettner. Kellerel-Verufsgenossenschaft.) Bekanntmachung. Betreffend: Den Herbstfaselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins zu Frledberg pro 1886. f s Der diesjährige Herbstfaselmarkt des landw. Bezirks⸗Vereins, Friedberg soll Mittwoch den 27. l. Mts. zu Friedberg abgehalten werden. Die aufgetriebenen Fasel werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eine Geldprämie bewilligt, wozu der landwirthschaftliche Bezirks Verein und die Kreisstadt Friedberg entsprechende Beträge zur Disposition gestellt haben. Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung: Vou der Preisbewerbung sind Gemeindefasel ausgeschlossen, desgleichen Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind. Für Fasel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt werden, wird auf Verlangen eine Wegvergutung ausgezahlt. Nicht genügend gefesselte Thiere werden von dem Platze weggewiesen. a. Die zum Abschlusse kommenden e Ronen 1 5. Bürgermeister, bei Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen. 1. i Der Director des e Bezirks-Vereins Friedberg. r. Braden. Friedberg den 12. October 1886. Herrn Steinhäußer, zur Anzeige gebracht werden. Betreffend: Den Herbstfaselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins zu Friedberg pro 1886. 5 5 0 3 Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in den Publikationskasten einheften. Dr. Braden. Einladung Sonntag den 17. l. Mts., Nachmittags 3 Uhr, findet in dem Saale des Gastwirthes Pauly zu Heldenbergen eine landwirthschaftliche Versammlung statt. Herr Landwirthschaftslehrer Hannemann zu Friedberg wird das Thema behandeln:„Obstbaumzucht, insbesondere der Ein— fluß der Pflanzung auf das kraftige Gedeihen unserer Obstbäume.“ Zu recht zahlreicher Betheiligung wird hiermit eingeladen. l. a 0 5 220 Kloppenheim den 12. October 1886. Klo Stahl.— Deutsches Reich. Darmstadt. Der Veterinärarzt Schmidt aus Gladenbach wurde zum Kreisveterinärarzt in Reichelsheim ernannt. Berlin. Das„Journal des Debats“ bringt eine Meldung von hier, wonach die Ent— scheidung betreffs Bulgariens bevorstehend sei. Rußland warte einen beliebigen Zwischenfall ab, um zu occupiren; 40,000 Mann seien in den Häfen des Schwarzen Meeres concentrirt. Die Occupation werde die Beziehungen der Kaiser— mächte und Oesterreichs Politik nicht beeinträch tigen. Das„Fr. J.“ läßt sich von Wien tele— graphiren: Die offiziöse russische Ankündigung, daß die gewahlte Sobranje und deren event. Beschlüsse russischerseits nicht Anerkennung finden würden, wird hier als Grund zu ernsten Diffe— renzen mit anderen Mächten augesehen, welche hierin einen eclatanten Eingriff in die inneren Verhältnisse des Vasallenstaates einer fremden Macht erblicken müßten. Leipzig, 11. Oct. Der Freiberger Socia— listenprozeß gegen Bebel, Vollmar ꝛc. ꝛc. ge— langte heute vor dem dritten Strafsenat des Reichsgerichts zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Senatspräsident v. Wolff, die Reichsan— waltschaft vertrat Reichsanwalt Stenglein, die Vertheidigung führten die Rechtsanwälte Frey— tag J.(Leipzig) und Muuckel(Berlin). Der oberste Gerichtshof verwarf die erhobene Beschwerde. Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Als Nach— trag zu den telegraphischen Meldungen über das von der Polizei entdeckte großartig angelegte und geplante Anarchisten-Attentat kann das Fr. J. ein Factum mittheilen, welches weder in den officiellen Verlautbarungen hierüber, noch in den Telegrammen Erwähnung finden konnte. Die Anarchisten haben es darauf abgesehen gehabt, das kaiserliche Lustschloß Schönbrunn, in welchem der Kaiser zur Zeit residirt, und welchen Auf— enthalt derselbe erst am 20. d. Mts. mit der Residenz in Gödöllö in Ungarn zu vertauschen beabsichtigt, mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Unter der zu jenem Schlosse führenden Brücke, die der Kaiser fast täglich passirt, wurden, gut beglaubigten Nachrichten zufolge, bedeutende Quantitäten Dynamit gefunden. Auch sollte in der allgemeinen Verwirrung ein directer Mord— versuch auf den Kaiser gemacht werden. Nach sämmtlichen Details, welche die Polizei über die der Verwirklichung nahegerückt gewesenen Pläne der hiesigen Anarchisten der Oeffentlich keit überliefert, sind furchtbare Dinge im Werke gewesen. Möge man ja nicht glauben, daß man es diesmal bei den Enthüllungen der Wiener Polizei mit polizistischem Blendwerk nach der Fagon der weiland Napoleonischen Zeit zu thun habe. Der Prozeß gegen die verhafteten Un— geheuer wird schreckliche Gefahren an's Tages— licht bringen, welchen Wien durch das wach— same Auge seiner Sicherheitsbehörde diesmal entronnen ist. Frankreich. Paris. Die„Republique Frangaise“ sagt, es werde vergebens versucht, Frankreich und Italien hinsichtlich des Mittel— ländischen Meeres, besonders in Bezug auf Tripolis, in Gegensatz zu einander bringen. Wolle Italien Tripolis besetzen, so werde Frank— reich es nicht daran hindern. Großbritannien. London, 12. Okt. Nach einer Reutermeldung aus Halifax vom 12. ds. wurde die amerikanische Fischerbarke „Marion Grimes“ von dem canadischen Kreuzer „Terror“ beschlagnahmt, weil sie in den Hafen von Shelburn eingelaufen war, ohne den Zoll— behörden die Ankunft angezeigt zu haben. Der Capitän wurde zu 400 Doll. Strafe verurtheilt. In Folge der widerspenstigen Haltung des ameri— kanischen Capitäus, welcher darauf bestand, die amerikanische Flagge über der englischen zu hissen, begab sich der Capitän des„Terror“ an Bord der„Marion“, ließ die amerikanische Flagge entfernen und ließ im Schiffe eine be— waffnete Wache zurück. Der amerikanische Generalkonsul telegraphirte die Vorgange an den Staatssecretär Bayard. Italien. Rom, 10. Okt. Prinz Heinrich von Preußen ist um Mitternacht in Genua an— gekommen; des Morgers begab sich der Deutsche Kronprinz mit Familie zu dem Hotel, wo der Prinz abgestiegen ist. Die ganze kronprinzliche Familie wird sich Nachmittags nach Portofino begeben. a — Von hier wird gemeldet, das Venediger Arsenal habe deu Befehl erhalten, seine Arbeiten zu beschleunigen, das Arbeitspersonal zu ver— mehren und namentlich die Panzerschiffe sofort auszurüsten. Gleichlautende Befehle ergingen nach Spezia und Castellamare. Serbien. Belgrad, 11. Okt. Der König ist gestern Abends mit dem Courierzuge hier eingetroffen und wurde von der Königin und den Ministern auf dem Bahnhofe erwartet. Bulgarien. Sofia, 11. Oct. 150 Land⸗ leute begaben sich gestern zum russischen Consulat, um Verhaltungsmaßregeln für die Wahlen ein— zuziehen. Nekljudoff sagte, Rußland habe be— reits erklärt, die Wahlen als ungiltig anzusehen. Die Landleute zogen darauf zum Wahlbureau, um den Wahlen Einhalt zu thun; dieselben wurden aber gewaltsam zurückgedrängt, wobei mehrere verwundet wurden; vom russischen Con— sulate aus wurde Feuer auf die Massen ge— geben. In Folge dieser Vorkommnisse herrscht große Aufregung; die Regierung hat umfassende Vorsichtsmaßregeln zur Unterdrückung der Un— ruhen im Wiederholungsfalle getroffen. Der deutsche Consul Tiedemann erhob ernste Vor— stellungen beim russischen Consul. Der letztere entschuldigte sich wegen der Vorfälle.— Die Gerichtsbehörde von Eskisagra ist auf der Spur einer Verschwörung, welche auswärtigen Ein— flüssen zugeschrieben wird. Mehrere ehemalige Woywoden und Brigantenchefs sollen bezahlt worden sein, um in den verschiedenen Gegenden des Landes einen Brigantaggio zu organisiren und dadurch weitere Unruhen hervorzurufen. — 11. Okt. Die„N. fr. Pr.“ meldet von hier: Die hiesige Wahl ist beendet; das Resultat wird eben publicirt. Von 1800 Wählern gaben mehr als 1700 ihre Stimmen Stambulow, Radoslawow und Jantschow; ferner wurden Advokat Wezow und vier hiesige Bürger gewählt. Karawelow erhielt nur 17 Stimmen,(I) da die Volksstimme ihn als Verräther bezeichnet. Wie verlautet, befände sich Karawelow in Meinungsdifferenz mit den anderen Regenten und neige sich den russischen Forderungen zu. Aus allen Orten wird der Sieg der Regierungs— partei gemeldet. General Kaulbars machte in Schumla großes Fiasko. Vor seiner Wohnung sammelte sich eine große Menschenmenge an, die unausgesetzt Hochrufe auf ein unabhängiges Bulgarien ausbrachte. — 11. Okt. Gewählt wurden 420 Anhänger der Regierung und 20 Zankowisten; die Partei— stellung der übrigen Gewählten ist unbekannt. Die russische Agentur richtete drei Schriftstücke an die Regierung, worin der Tadel Kaulbars', betreffend das Verbot der Einmischung Fremder in die Wahlen, ausgesprochen, die Wahlen für ungesetzlich erklärt und gegen den Angriff auf das russische Consulat energisch protestirt wird. — 12. Oct. Die„Pol. Corr.“ meldet aus Varna: Baron Kaulbars ist hier eingetroffen. Die Volksmenge vor dem Consulate rief: Es lebe das unabhängige Bulgarien, es lebe der Held von Slivnitza. Eine Deputation der Bevölkerung legte Baron Kaulbars die Wünsche des Volkes dar. Kaulbars kritisirte scharf die Regierung. Die Deputation erwiederte, die Regierung ver— fahre gesetzlich und habe das Vertrauen des Volkes. Kaulbars zog sich hierauf zurück. Egypten. Alexandrien. Ueber die Ein— nahme von Tamai, der letzten festen Sellung der sudauesischen Rebellen, liegen jetzt weitere Nachrichten vor. Oberst Kitchener telegraphirt, daß er soeben aus Tamai zurückgekehrt sei. Das dort errichtete Lager war groß genug für sowie eine große Anzahl von Gewehren und eine Unmasse von Munition erbeutet, während über 200 Leichen vorgefunden wurden. Neffe Osman Digma's entkam verwundet nach Tokar, aber alle anderen hervorragenden Fuhrer wurden getödtet. Aus Stadt und Land. J. Ober⸗Wöllstadt, 12. Oct. Gestern Nachmittag brannte die Scheuer des hiesigen Gemeinderechners da— durch ab, daß Kinder in einem an der Scheuer sitzenden Haufen Stroh mit Feuer spielten. Allerlei. Schleswig, 10. Oct. Heute früh hielt der eben von Altona angekommene, mit zwei Maschinen bespannte Morgenzug auf dem hiesigen Bahnhof, um den gegen 6 Uhr von Flensburg kommenden Güterzug abzuwarten, war vermuthlich aber wegen des herrschenden dicken Nebels etwas zuweit vorausgerathen, als plötzlich der Güterzug mit Vieh ꝛc. von Norden heranbrauste und, das Stoppsignal nicht erkennend, dreinfuhr. Die Loko⸗ mottven stürzten heftig aufeinander, eine Anzahl Wagen überschlugen sich und zertrümmerten, bet welcher Gelegen— heit auch leider ein Bremser seinen Tod fand. Wien, 11. Oet. Cholerabericht. Trlest 7 Erkrank⸗ ungen, 3 Todesfälle; Pest 14 Erkrankungen, 9 Todes- fälle; Szegedin 17 Erkrankungen und 12 Todesfälle. Neapel. Von hier meldet man, daß die seismischen Aparate des Vesuv-Observatoriums große seismische Agitation anzeigen. Aus dem Hauptkrater steigen dichte Rauchsäulen, Steine und glühende Materten empor. Handel und Verkehr. Friedberg, 14. Oet. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80—0.90, Eier 1 St. 7, 2 St. 13 Pf. Friedberg, 13. Oet. Fruchtpr. Watzen M. 16.50, Korn M. 13.50, Gerste M. 14, Hafer M. 12— 13.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo— 200 Zollpfd. Grünberg, 9. Oet. Fruchtpr. Weizen M. 16.80, Korn M. 14.10, Gerste M. 12.40, Hafer M. 10.80, Erbsen M. 14.20, Linsen M. 27.60, Lein M. 20.00, Samen M. 20.00. Gießen, 12. Oet. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.70— 0.90, Eier per St. 7 Pf, Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.40—0.60, Hühner per Stück M. 0.85— 1.00, Hahnen per Stück M. 0.45— 0.90, Enten per Stück M. 1.30 1.80, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54-56 Pf., Schweinefleisch 5660 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3—5, Zwiebeln per Ctr. M. 33.50, Zwetschen M. 3.40— 4.40. Frankfurt, 11. October. Fruchtbericht. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 31.50— 32.00, Nr. 1 M. 2728, Nr. 2 M. 25 26, Nr. 3 M. 2324, Nr. 1 M. 17 bis 17.50, Nr. 5 M. 15-16, Milchbrod- und Brod— mehl im Verband M. 49— 52, norddeutsche und west— fälische Weizenmehle Nr. 00 M. 21.50— 21.75, Roggen⸗ mehl(hies.) Nr. 0 M. 22.50— 23.50, Nr. 0/1 M. 21.50 bis 22.50, Nr. 1 M. 18-19, Nr. 2 M. 1616.50, Weizen ab unserer Umgegend M. 16.50— 16.75, frei Bahnhof hier M. 16.75 17.25, fremder nach Qualität M. 16.50—19., Roggen hiesiger M. 13.50— 13.75, russischer je nach Qualität M. 13.25 13.75, Gerste Brauerwaare M. 13.50— 16., do zu Mahlzwecken M. 11.50, Hafer mittel M. 12., prima M. 12.50 bis 13., Raps M. 21.50— 21.75, Mais(mixed) M. 11.50, geschrotener M. 13., Heu per Ctr. M. 2.50—2.75, Stroh M. 2—2.25, Erbsen M. 18., Wicken M. 14.25—15., Roggenkleie M. 4.50, Weizenkleie M. 4— 4.25,(bei Ab⸗ nahme von 200 Ctr. an). Malzkeime M. 4.20, Moos⸗ torfstreu M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.20, Sesam⸗ kuchen M. 5.40, Rapskuchen M. 6 6.25, Chilisalpeter per Februar 1887 M. 9.50—10., Rüböl im Detail M. 48., Aepfel(Kelterobst) M. 9.5010. Frankfurt, 11. Okt. Viehmarkt. Auf dem heutigen Viehmarkt waren angetrieben 395 Ochsen, 25 Bullen, 429 Kühe, Stiere und Rinder, 232 Kälber, 563 Hämmel, 241 Schweine. Die Preise stellen sich pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 6567, 2. Qual. M. 54—60, Bullen 1. Qual. M. 40—44, 2. Qual. M. 36-38, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 53 55, 2. Qual. M. 4046, Kälber pro 1 Pfd. Schlachtgewicht: 1. Qual. 65— 70 Pf., 2. Qual. 60 bis 64 Pf., Hämmel 1. Qual. 55—57 Pf., 2. Qual. 4045 Pf., Schweine 1. Qual. 54-56, 2. Qual. 52-54 Pf. Auf einen leeren Ruum Pflanz einen Baum Und pflege sein; Er bringt Dir's ein. In einer der letzten Nummern d. Anz. stand ein be— herzigenswerther Artikel, des Inhalts: Was ein Lehrer für den Obstbau thun kann. Er berichtet, wie ein Lehrer in Galizien seine Kinder in der Obstbaumzucht unter— gepflanzt und das früher blutarme Dörfchen zu einem der wohlhabendsten im Krelse geworden sei. Ich frage nun: Was in Galizien geleistet wurde, sollte das bei uns nicht auch fertig gebracht werden können? Unsere Lehrer werden im Seminar in der Obst⸗ baumzucht theoretisch und praktisch unterwiesen, und unsere Gegend ist zur Obstbaumzucht sehr geeignet. mehr als 3000 Mann. Es wurden 18 Ge— Man packe die Sache nur richtig an und kann erreichen, schütze, 2 Gatling-Kauonen und 2 Raketen, Rohre, Der wiesen und mit deren Hülfe nach und nach 7000 Bäumchen 1 1 schule thu Entfernu welches 2 Jahre müssen U Gebölz f — 1 Betreffend 0 Der sichtigt anzulegel Anlage, 1853 an Schrelbs lustes bi des dies rechnet, Fri 1 Mont eine größ straße 9 Abth. 17 Reschels 0 llich vers 1 9 9 Zusa 1 Frte 1 4 14 14 71 1 4 14 3 Atet kostet — eit 14 St Ui 14 A. 16.50 3 14 * 34 K 16 2 8 1 rt lostett 5 det Stüc Str Fink eric 7 1 ö 1 1 derte* Iweckt 1 1200 bis 1 1. 1 a 4 10 rn 1 Artter 1 1 1 ö J. 1 2 0 4 1 7 24 60 6 1 1 101 0 7 1 was jener galizische Lehrer vollbracht hat. Mit der Jugend muß angefangen und diese zur Obstbaumzucht befähigt werden. Es muß dahin kommen, daß jeder Landwirth seigen Bedarf an Obstbäumen selbst zieht und die Gemeinde einen großen Vorrath davon in ihrer Baumschule besitzt, um alle passenden Plätze in der Ge— markung damit bepflanzen zu können. Die Sache ist leicht, und ich kenne Lehrer in der Gegend, welche wie jener gallzische Lehrer schon seit Jahren und mit Erfolg vorgegangen sind. Die Schüler sind leicht zu gewinnen, denn sie sind Freunde des Obstes und moͤchten recht viel davon haben. Hat nun eine Gemeinde einen Lehrer, welcher sich für die Obst— baumzucht interessirt, so uͤbertrage sie demselben die Verwaltung der Baumschule. Im Herbst, wenn in den Höfen der Wirthe Haufen von Aepfeltrestern liegen, nehme er seine Schüler und lasse sich durch ein grobes oder weniger beschreiben können, wiegt lange nicht den Sieb so viel Kerne ausreitern, als er für seine Baum- Nutzen auf, den dleser Unterricht in der Obstbaumzucht schule braucht. Die Schüler müssen das für ihre Privat— bringen würde. baumschule auch thun. Nachdem der Boden recht tief Die Behörden werden gewiß nichts dagegen haben, gegraben ist, geht's noch im Herbst an's Säen; zuersts wenn einige Stunden in der Naturgeschlchte praktisch in der Gemeindebaumschule. Die Schüler machen Rinnen] verwendet würden, denn aller Unterricht soll ja nutz— und säen die Kerne hinein. In ihrem Garten haben siebringend für's Leben ertheilt werden. sich ein Ländchen zubereitet und machen es gerade so. 8 f Die Kerne gehen im nächsten Frühjahr schon auf. Die Schüler werden angehalten, die Pflanzschule immer rein von Unkraut zu halten. Ueberhaupt sei hier bemerkt, daß die Schüler alles, was sie in der Gemeindebaum— schule thun, auch in ihrer Privatschule verrichten. Nach 1 bis 2 Jahren können die Bäumchen schon in gehöriger Entfernung in die eigentliche Baumschule versetzt werden, welches die Schüler selbst thun müssen. Wieder nach 2 Jahren sind sie reif zum Veredeln. Die Schüler müssen unter Anleltung des Lehrers erst an wildem schule veredeln. Wieder nach 2 Jahren, also im Ganzen in 6 Jahren, sind die Stämmchen zum Aussetzen reif. Und jetzt die Freude der Schüler, wenn sie sich sagen können, diese Bäumchen habe sch selbst gezogen! Nun aber wird man mich fragen: Wie kann man die Schüler nach der Schule, wo sie Anderes zu thun haben, auch noch hierzu anhalten? Ich sage, es muß während des Naturgeschichtsunterrichts geschehen. Vier Stunden im Frühling und Sommer in der Baumschule reichen dazu aus. Der Lehrer kann ja auch in der Schule den Kindern das noch Feblende mitthetlen.“ Das beiße ich die Naturgeschichte praktisch gemacht. Man spricht und schreibt jetzt viel von Handfertigkeits⸗“ unterricht in der Schule und von Schulgärten, aber die Obstbaumzucht wäre das richtige Feld für die Land- schulen. Ob die Dorfschüler elne Anzahl Pflanzen mehr D. —* Herzliche Bitte! Am 25. v. M. fiel der hiesige Einwohner und Weiß binder Philipp Schutt so unglücklich von einem Nuß baume, daß er eine hochgradige Verletzung des Rück— grates davon trug, und drei Rippen brach. Infolge der ersteren Verletzung ist er am Körper völlig gelähmt und schwebt überhaupt in großer Lebensgefahr. Während redlich zu ernähren, ist er nun für lange Zelt an jed— wedem Verdlenst gehindert. Da der Verunglückte auf die sorgsamste Pflege von Seiten der Frau angewlesen ist und seine fünf Knaben in einem noch erwerbsunfählgen Alter sich befinden(der älteste ist 10 Jahre, der jüngste ein Jahr alt), so ist die Lage der Familie eine sehr traurige und beklagenswerthe. Die Unterzeichneten wenden sich in dieser schweren Heimsuchung an edle Menschen— freunde mit der herzlichen Bitte, milde Gaben übersenden zu wollen und sind gerne bereit, solche, auch die Kleinsten, mit Dank entgegenzunehmen und an dieser Stelle zu qulttiren. Wölfersheim, 12. October 1886. Schmidt, Pfarrer Heyer, Bürgermeister zu Södel. Auch die Expedition des Anzeigers ist gerne bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg Sabbath- und Laubhüttenfeier vom 16. October Beginn: Freitag Abends 4 Uhr 50 Min. Samstag Morgens 8 Uhr. Samstag Nachmittags 3 Uhr 45 Min- Sabbathausgang 5 Uhr 50 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 17. Oetober Morgens 6 Uhr 15 Min., Nachmittags 4 Uhr 30 Min. Mittwoch den 6. October: Palmfest Morgens 6 Uhr. Donnerstag den 21. Oetober: Schlußfest. Freitag den 22. October: Thorafreudenfest. ein sogenannter„Bitter“ ist Widtfeldt's Magenbehagen, dem sonst so fleißigen und strebsamen Manne nicht schwer Gehölz sich üben, dann dürfen sie auch in der Baum-(fiel, seine aus Frau und fünf Kindern bestehende Familie sondern ein Tafelliequeur ersten Ranges von seltenem Wohl— geschmack. Niederl. u. A. b. Wilh. Bernbeck. 3883 Bekanntmachung. Betreffend: Gesuch des Mühlenbesitzers Karl Koch zu Assenheim um Erlaubniß zur Anlage einer Turbine zum Betriebe seines Mühlenwerks. Der Mühlenbesitzer Karl Koch zu Assenheim beab— sichtigt eine Turbine zum Betriebe seines Mühlenwerks anzulegen. Etwaige Einwendungen gegen die projektirte Anlage, deren in Gemäßheit des Gesetzes vom 20. Februar 237 1853 angefertigte Pläne und Darstellungen auf unserer r Schreib tube offen liegen, ind bei Vermeidu 9 des Ver 1 lustes binnen 14 Tagen, vom Tage nach dem Erscheinen 0 des diese Bekanntmachung enthaltenden Blattes an ge— Kraft une J. A. Peli Tuch⸗ Große Auswahl. rechnet, bei uns vorzubringen. Friedberg den 5. October 1886. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. 13 V.: der deutschen Kaffee- Import- Gesellschaft Nebel. liefert ein durch Wohlgesehmaeck, Bekanntmachung. Montag den 18. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, soll eine größere Parthie abgängige Obstbäume an der Staats- straße Nieder- Wöllstadt—-Hanau, Abth. 164— 170 und Abth. 176— 177; desgleichen an der Straße Ilbenstadt— Reichelsheim, Abth. 168— 179, an Ort und Stelle öffent— lich versteigert werden. Zusammenkunft am Chausseehaus bei Ilbenstadt. Frledberg den 11. October 1886. 8 Großherzogliches Kreis bauamt Friedberg. Kranz. 3886 PW. Bernbeel in Friedberg, mann in Vilbel. 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