1886. Dunnerstag den 12. August. 1 94. Oberhessischer A Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Kreisblatt für den Kreis Friedberg. nzeiger. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. Annoncen: die einspaltige ee 15 Pf., die J lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei 55 haben g 5 Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Annoncen von Post nachgenommen. 9 Amtlicher Theil. Betreffend: Die Herbstübungen der Königlichen 21. Division in 1886. Friedberg am 10. August 1886. 3 Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg Ostheim, Rockenberg und Steinfurth. an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Bad-Nauheim, Butzbach, Griedel, Nieder- Mörlen, Nieder-Weisel, Ober-Mörlen, Oppershofen, 1 9 5 8 Sie andurch, daß nach einer Mittheilung der Königlichen 21. Division vom 9. d. Mts. die Einquartirung der 5 avallerie⸗ rigade(Brigade⸗Stab, Husaren-Regiment Nr. 13 und Dragoner-Regiment Nr. 5) in Ihren Gemeinden in der Zeit vom 28. August bis 8. September nicht erforderlich sein wird. Dr. Braden. — Betreffend: Die Verwendung der Polizeistrafdritttheile zur 8 des Aufsichtspersonals. Friedberg den 10. August 1886. — Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. innen 5 Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unserer Verfügung rubritirten Betreffs vom 13. Juli d. J.— Amtsblatt ohne N Nummer— noch im Rückstande sind, werden hiermit erinnert, dieselbe binnen längstens acht Tagen zu erledigen. Dr. Braden. Ausschreiben. Um Auskunft über den dermaligen Aufenthaltsort des Karl Ernst Kalich von Bautzen wird ersucht. Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner. b. S.itel En. Friedberg den 9. August 1886. latsaal, Deutsches Reich. ö Darmstadt. Der Polizeirath Haas in Berubeek Darmstadt wurde zum Kreisrath in Offenbach und der Amtmann von Grolman in Worms zum Vorstand des Polizeiamts Darmstadt mit dem Charakter als„Regierungsrath“, der Kreis— rath Jost in Erbach zum Rath bei der Provinzial— Direktion Oberhessen mit dem Amtstitel„Re- gierungsrath“ und der Rath bei der Provinzial⸗ cker, Herubeek. — e * Jade Schleuning. ichung. 5 rath in Erbach, der Erste Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Zimmermann zum Ersten Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und der Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Jöckel zum Ersten Staatsanwalt ernannt. 1 Bekanntmachung, den Beitritt der Staatsforst- Auguf u beamten zum Civildiener-Wittwen-Justitut betr. Direktion Oberhessen von Bechtold zum Kreis- der Gebiete — 10. Aug. Gegenüber einer Reihe un— richtiger Mittheilungen über ostafrikanische Be— sitzberhältuisse ist das Fr. J. in der Lage, auf Grund authentischer Nachrichten Folgendes zu bemerken: Die internationale Commission, be— stehend aus dem deutschen Consul in Kairo, Schmidt, dem früheren französischen Residenten in Cochinchina, Lemaire, und dem englischen Major Kitschener, welche die Aufgabe hatte, die Grenzen festzustellen, uber welche der Sultan von Sansibar in Wirklichkeit Souveränetäts— rechte ausübt, hat ihre Arbeiten in Sansibar beendet. Die Commission hatte Reisen an der ostafrikanischen Kuͤste unternommen, um festzu⸗ stellen, wie weit sich die Herrschaft des Sultans Sidi ben Bargash erstreckt und das Resultat — Das Regierungsblatt Nr. 19 enthält: ihrer Arbeiten in einem Protokoll niedergelegt, in welchem diejenigen Landstriche verzeichnet sind, wo der Sultan wirklich Hoheitsrechte besitzt. Jugenheim, 9. August. Die Prinzessin Bekanntlich erhebt Letzterer weitergehende Land— * spreugel, halt auf Schloß Heiligenberg mit der jungen 1 12 niwäsche, Besuche bei dem Prinzen Alexander hier ein. eritznadeln Fulda, 10. Aug. Zur Theilnahme an Pilßlübtin der Bischofsconferenz sind die Erzbischöfe von dt, Ltr. Köln und Posen, die Bischöfe von Limburg, 2 Hildesheim, und Ermland, Münster, Osnabrück eise, und Trier persönlich eingetroffen. Der Fürst— bischof von Breslau ist durch den Domherrn 11. indeitt. Franz, das Bisthum Culm durch den designirten e neuen Bischof Redner, das Bisthum Paderborn durch den Domherrn Schulte vertreten. Bischof 1 0 Haffner von Mainz wird der Conferenz bei⸗ alt b wohnen. Heute früh waren sämmtliche Theil— 16 nehmer zu einer kurzen Andacht an der Gruft des heiligen Bonifacius versammelt. Um 8 Uhr Ga gen fand die Eröffnung der Conferenz im Priester⸗ — 1 seminare unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Köln statt. Die Verhandlungen dürften am Lease. Donnerstag beendet sein. 1 f 1 Berlin, 10. Aug. Minister v. Giers war gestern hier eingetroffen und ist heute nach Franzensbad abgereist. Derselbe hatte Vormit— fell tags einen Besuch im Auswärtigen Amte abge— ll stattet. Unterstaatssecretär Graf Berchem gab ihm das Geleite bis zum Bahnhofe. A¹αννe. —.* — Der deutsche Militärbevollmachtigte in Petersburg, General v. Werder, ist zum Gou— verneur von Berlin ernannt worden. Win 4 Victoria ist heute nach vierwöchentlichem Aufent- ansprüche, schlossen, daß die Regierungen, Prinzessin Alice nach Wolfsgarten übergesiedelt. obenerwähnten Commission vertreten waren, sich Der Herzog von Nassau traf gestern zu 2tägigem und es erscheint darum nicht ausge— welche in der noch später darüber verständigen werden, in wie fern sie diese Ansprüche berücksichtigen wollen. Die Angelegenheit wird jedoch nicht als dring— liche betrachtet und ist noch von keiner Seite eine Conferenz zu diesem Zwecke angeregt worden. Ausland. Oesterreich-Ungarn. Gastein, 9. Aug. Kaiser Franz Joseph ist gestern Abend 7 Uhr hier eingetroffen und vom Prinzen Wilhelm von Preußen, dem Fürsten Bismarck, dem Prinzen Reuß und dem Gefolge des Kaisers Wilhelm vor dem Badeschloß empfangen worden. Der Kaiser umarmte und küßte den Prinzen Wilhelm und drückte dem Fürsten Bismarck warm die Hand. Darauf begab sich der Kaiser ins Bade— schloß, wo ihn Katser Wilhelm und die Kaiserin Elisabeth am Fuße der Treppe erwarteten. Beide Monarchen umarmten und küßten sich wiederholt und zogen sich dann in die Gemächer des Kaisers Wilhelm zurück, wo sie mit der Kaiserin und dem Prinzen Wilhelm etwa 20 Minuten ver weilten. Die Kaiserin fuhr demnächst nach der Villa Meran, Kaiser Franz Joseph begab sich zu Fuß nach seinem Absteigequartier im„Hotel Straubinger.“ Als Kaiser Franz Joseph auf der Straße war, trat Kaiser Wilhelm auf den Balkon des Badeschlosses, von der versammelten Menge mit Hochs und Hurrahrufen begrüßt. Der österreichische Kaiser wandte sich rasch herum und salutirte lächelnd vor Kaiser Wilhelm, welcher seinerseits dem Kaiser Franz Joseph herzlichst zuwinkte. Das Publikum begleitete den Vor⸗ gang mit langanhaltenden Jubelrufen. Beide Majestäten zogen sich darauf in ihre Gemächer zurück. Darauf stattete Prinz Wilhelm Namens des Kaisers Wilhelm dem Kaiser von Oester— reich einen Gegenbesuch ab. Um 8½ Uhr be— gab sich Kaiser Franz Jsseph mit dem Prinzen Wilhelm nach dem Badeschlosse zurück und nahm daselbst den Thee ein, woran auch der Ober— hofmeister Fürst Hohenlohe und der Botschafter Prinz Reuß theilnahmen. Gegen 9½ Uhr kehrte Kaiser Franz Joseph, von Prinz Wilhelm be— gleitet, unter abermaligen enthusiastischen Kund— gebungen der versammelten Menge nach dem „Hotel Straubinger“ zurück. Um 8 ½ Uhr heute früh traf der österreichische Minister des Aeußern Graf Kalnoky ein und empfing alsbald den Be— such des Fürsten Bismarck. Nachmittags fand bei dem Kaiser Wilhelm Hofdiner statt.— 10. Aug. Der Kaiser von Oesterreich unter— nahm heute früh mit der Kaiserin einen Spazier— gang in das Kötschachthal. Kaiser Wilhelm nahm Vormittags das letzte Bad. Die Abreise erfolgt heute um 1½ Uhr. Belgien. Bruͤssel, 8. Aug. An der heu— tigen Arbeiterkundgebung nahmen gegen 1600 Personen Theil, welche mit einigen rothen Fahnen unter dem Gesange der Marseillaise die Straßen durchzogen. Die Ruhe wurde nirgends gestört. Frankreich. Paris, 9. Aug. Bei den gestrigen Generalraths-Stichwahlen wurden nach den bis heute vorliegenden Resultaten 141 Re— publikaner und 33 Conservative gewählt. Die Republikaner gewannen 16 und verloren 22 Sitze. Großbritannien. Belfast, 9. Aug. Die Ruhestörer griffen heute früh um 6 Uhr aber— mals die Polizei an. Letztere gebrauchte die Schußwaffen; ein Aufrührer wurde getödtet und mehrere verwundet. Von den bei den Un⸗ ruhen am Sonnabend Verwundeten sind bisher elf gestorben.— 10. Aug. Im Laufe des gestrigen Abends fanden zwar noch mehrere Ruhestörungen statt, dieselben wurden aber vom Militär und der Polizei unterdrückt. Die Nacht ist ohne Ruhestörungen verlaufen und die Aufregung scheint nachzulassen. Falls sich die —— Unruhen erneuern, wird die Verhängung des Belagerungszustandes erwartet. Italien. Mailand. Hier werden in Folge eines Streikes der Bäcker Unruhen befürchtet. Der Streik hat ungeahnte Dimensionen angenommen. Mehr als 2000 Arbeiter haben die Arbeit ein— gestellt; 1100 zogen sich auf Morivione zurück. Die Straße dahin wurde mit Militär abge— sperrt. Die Massen zeigten sich ungemein erregt und wollten gegen das Militär marschiren, wur— den jedoch von ihren eigenen Führern beschworen, einen Conflict zu vermeiden und die Ruhe zu bewahren. Amerika. New-Pork. Das mexkkanische Gericht in El Paso verurtheilte den Redacteur Cuttings zu einjähriger Zwangsarbeit und 600 Dollars Geldstrafe, im Unvermögensfalle zu hunderttägigem Gefängniß. Aus Stadt und Land. h. Friedberg. Beim raschen Herankommen des Sedantages wird die Mittheilung allgemein angenehm berühren, daß von maßgebender Seite die nöthigen vor⸗ bereitenden Schritte schon vor einiger Zeit geschehen sind, um auch diesmal den Sedantag in herkömmlich schöner und für Jung und Alt freudiger Weise zu feiern. Allerlei. Frankfurt, 7. Aug. Der aus der Friedhofsaffatre bekannte Polizeicommissär Meyer wurde heute begnadigt, ebenso der Schutzmann Schweiger; den Schutzleuten Wingeleith und Homann, die gleichfalls zu Gefängniß verurtheilt waren, wurde die Strafe in eine Geldstrafe von je 80 und 40 Mark umgewandelt. Coblenz, 9. Aug. Von einem entsetzlichen Unglück wird der„Cobl. Z.“ berichtet: Bei Rolandseck ist gestern Nachmittag 3 ½ Uhr ein Nachen, in welchem sich 13 Per⸗ sonen befanden, an die Kette der Fährponte gestoßen und umgeschlagen. Fünf der Insassen, einschließlich des Fährmanns, sind ertrunken. Die Verunglückten waren größtentheils Fremde, in Sommerfrische Befindliche. Altona, 9. Aug. Der Schuhmacher Jablowsky ermordete gestern Abend einen Arbeiter Namens Stuhrberg. Der Mörder wurde verhaftet. Aus der Berliner Verbrecherwelt. (Fortsetzung aus Nr. 85.) Nicht immer wird das Herannahen der Polizei, sei es durch einen zufällig des Weges kommenden Verbrecher, in der Klappe recht— zeitig signalisirt; es gelingt ihr auch, unverhofft einzutreten, und dann ist die Physiognomie des Lokals eine wesentlich andere. Die Ver— brecher kennen die Polizeibeamten ganz genau, und sollten sie sie nicht persönlich kennen, so täuscht sie ihr Scharfblick selten in der Quali— tät des Eintretenden. Sie versuchen nicht im entferntesten zu entfliehen, denn es ist ihnen wohl bekannt, daß, während einige Beamte das Lokal betreten, durch andere alle Zugänge des— selben besetzt gehalten werden, und jeder un— weigerlich festgenommen wird, der den Versuch macht, es zu verlassen. Sie nehmen deßhalb einen möglichst harmlosen Gesichtsausdruck an und geben sich ungezwungener Unterhaltung hin. Indessen auch die Polizeibeamten kennen ihre Leute, und ohne viele Umstände greifen sie sich Diejenigen heraus, die sie suchen. Die Anderen machen erstaunte Gesichter und thun, als ob sie die Sache Nichts anginge. Selbst die Betroffenen pflegen ruhig der Einladung zu folgen. Es ist sehr vereinzelt, daß bei einer solchen Verhaftung Widerstand geleistet wird, und es erregte deß— halb ein allgemeines Aufsehen, als vor einigen Jahren ein Kriminalschutzmann von einem alten Verbrecher, der wiederum vor harter Zuchthaus— strafe stand, alsbald beim Betreten des Lokals überfallen und mit Messerstichen so unbarm— herzig zugerichtet wurde, daß er mehrere Monate am Tode lag und sich nur sehr mühsam erholte. Die Verbrecherlokale werden, während sie dem Uebelthäter zum Versteck dienen sollten, nicht selten zu seinem Verräther. Die Polizei hat deßhalb auch gar keinen Grund, allzu unnach— sichtig gegen ihr Bestehen vorzugehen. Sie kennt sie genau, duldet sie und beschränkt sich darauf, sie streng zu überwachen. Sie kann das um so unbedenklicher thun, als das Treiben in den Verbrecherkneipen ein gemeingefährliches durchaus nicht ist, und wirklich schwere Straf— thaten in den Lokalen selbst kaum vorkommen. Zwar ist vor nunmehr fast zwanzig Jahren ein hochangesehener Mann aus den besten Kreisen in einem solchen Keller ermordet worden, allein der Fall steht ganz einzig da und seine näheren Umstände sind niemals aufgeklärt worden. Ueber den Berliner Verbrecher als Typus schreibt der Autor:„Er ist meist höflich und bescheiden und bewegt sich in den gewandten Formen, die das Leben einer Großstadt auch in den geringeren Klassen ihren Einwohnern auf— zuprägen pflegt. Sein Aeußeres ist nicht ver— wildert und schmutzig, sondern er kleidet sich, so lange es ihm seine Verhältnisse erlauben, sauber und ordentlich, oft genug elegant, und sorgt auch sonst für anständiges Aussehen, indem er seine Haut reinlich hält und Haar und Bart eine aufmerksame Pflege angedeihen läßt. Selbst sein Blick ist meistens frei und ungenirt, so lange er nicht gerade jenen Kampf kämpft, bei dem seine Leidenschaften so sehr entflammt werden. Nicht wenig trägt hierzu freilich die Kunst, sich zu verstellen, bei, die unter den Berliner Ver— brechern in hohem Maße entwickelt ist. Der ahnungslose Bürger oder gar der Fremde, der in Berlin flanirt, die Locale und die Sehens— würdigkeiten besucht, ahnt nicht, daß ein großer Theil der Menschen, mit denen er in Berühr— ung kommt, die ihm in irgend einer Form ihre Dienste anbieten, oder von denen er in Wirk— lichkeit bedient wird, vielfach bestrafte Subjecte sind. Ja, der Prinzipal, der seine Leute enga— girt, ahnt dies nicht und läßt sich durch ihr Aeußeres und ihr einnehmendes Wesen täuschen. Kürzlich wurden in einem sehr großen Restaurant Nachts mehrfach Einbrüche verübt und Geld, Wein u. s. w. im Betrage von mehreren tausend Mark entwendet. Die Criminalpolizei lenkte den Verdacht auf den Oberkellner. Der Prin- zipal wies dies energisch zurück und erklärte, für den Oberkellner eintreten zu wollen. Es stellte sich heraus, daß dieser dennoch der Thäter gewesen, und mit ihm ein Hausknecht, den der Oberkellner selbst engagirt hatte. Beide waren, wie sich nun ferner herausstellte, vielbestrafte Diebe und hatten diese Stellung nur zu dem Zwecke angenommen, die Diebstähle ausführen zu können. Der Wirth war wie aus den Wolken gefallen. Wie ihm, geht es Hunderten von Menschen, und die, die sich rühmen, den schlechten Charakter eines Menschen aus seiner Physiog— nomie herauslesen zu können, möchten der Ber— liner Verbrecherwelt gegenüber einen harten Stand haben. Mit den sogenannten„Verbrecher— Physiognomien“ ist es überhaupt ein eigenes Ding. So lange sie durch eine sorgsame Pflege der äußeren Erscheinung verdeckt werden, sind sie schwer zu erkennen. Im Zuchthause aller— dings, wo das Gesicht bartlos ist, und nur die kurzen Stoppeln eines Bartes ihm eine graue Färbung geben und jeden Zug dests deutlicher hervortreten lassen, wo das Kopfhaar kurz ge— schoren ist, und die einförmige häßliche Kleidung den Gesichtszügen keinerlei Unterstützung ge— währt, da kann man Verbrecher-Physiognomien sehen, da ergreift einen manchmal ein Grauen vor diesen von Lastern und Leidenschaften zer— fressenen Gesichtern, da ist vielleicht der einzige Ort, wo man den Verbrecher an seinem Aeußeren erkennt, wo er uns so zu sagen nackt gegenüber— tritt, und da freilich ist sein Anblick abscheulich. Sehr interessant sind ferner die Enthüllungen des Kapitels„Die Diebeswelt“: Es gibt in Berlin keine gewerbsmäßigen Räuber und Mörder. Wo irgend Erscheinungen von bandenmäßiger Zusammenrottung zur Begehung von Kapital— verbrechen hervortreten, wie sie im Dickhoff'schen Prozesse mehr geahnt als erwiesen waren, da sind es sehr seltene Erscheinungen, die ebenso rasch verschwinden, wie sie aufgetaucht waren. Die Anzahl der Kapitalverbrechen ist überhaupt im Verhältniß zur Bevölkerungszahl und zu ihrer Dichtigkeit gar nicht so groß, sie wird durch die Ziffern anderer Großstädte sehr stark in den Schatten gestellt. Nur in einer Art von Ver— brechen steht Berlin unerreichbar da, das ist der Diebstahl, speziell der schwere Diebstahl in jeder nur denkbaren Form. Die Diebeswelt ist auch die Verbrecherwelt von Berlin; alles Andere gruppirt sich um sie herum, empfängt Leben und Odem von ihr, hangt von ihr ab oder ist aus ihr hervorgegangen, versucht sich auf allen möglichen Gebieten, aber kehrt stets wieder in ihren Schoß zurück. Sie ist die erste gewerbs— mäßige Sekte im Verbrecherthum, und alle Eigenheiten und Absonderlichkeiten, alle Organi— sation und Disciplin, deren sich dasselbe jetzt erfreut, sind von ihr ausgegangen. Die hand⸗ werksmäßigen Spitzbuben huldigen dem Grund— satze, daß man es zu einer wirklichen Vollkom⸗ menheit nur dann bringen kann, wenn man nicht auf allen Gebieten unsicher umhertappt, sondern sich ein bestimmtes Fach erwählt, dieses gründlich studirt und bis zur Vollendung auslernt. Sie haben deßhalb sämmtlich ihre Spezialität, welche sie cultiviren und von der sie ohne ganz beson⸗ dere Veranlassung nicht abweichen, um Anderen in's Handwerk zu pfuschen.(Schluß folgt.) Handel und Verkehr. Friedberg, 10. Aug. Fruchtpr. Waizen M. 18.25 bis 18.50, Korn M. 14.00— 14.25, Gerste M. 11.50.— 13, Hafer M. 12.50 13.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund. Friedberg, 11. Aug. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00— 1.10, Eier 1 Stück 6 Pf. Grünberg, 7. August. Fruchtpr. Weizen M. 18.20, Korn M. 14.00, Gerste M. 12.00, Hafer M. 12.70, Samen M. 21.30. Gießen, 10. August. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.90— 1.00, Eier 1 St. 5—6 Pf, Räse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.50—0.70, Hühner per Stück M. 0.85— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.50— 1.00, Enten per Stück M. 1.30— 1.60, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 52—56 Pf., Schweinefleisch 54—60 Pf., Hammelfleisch 5066 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50—5, Zwiebeln per Ctr. M. 5.—5.50. Frankfurt, 9. Aug. Fruchtmarkt. Hiesiges Weizen: mehl Nr. 0 M. 31.50— 38.50, Nr. 1 M. 27— 28, Nr. 2 M. 25— 26, Nr. 3 M. 23— 24, Nr. 4 M. 1717.50, Nr. 5 M. 15—16, Milchbrod- und Brodmehl im Ver⸗ band M. 49—52, norddeutsches und westfälisches Weizen— mehl Nr. 00 M. 23— 23.50. Roggenmehl(hies.) Nr. 0 M. 22— 22.50, Nr. 0/1 M. 20.5— 21.50, Nr. 1 M. 18 bis 19, Nr. 2 M. 16— 16.50. Weizen ab unserer Um⸗ gegend M. 18.25 18.50, frei Bahnhof hier M. 18.25 bis 18.75, fremder nach Qualität M. 17.50— 19.25. Roggen hiesiger M. 18.50— 14, Königsberger M. 14.25, Nicolajeff M. 13.75, Bulgarischer M. 13.25. Gerste, Brauerwaare M. 13.50— 14.50, do. zu Mahlzwecken M. 11.50. Hafer, stark beregnet, mit Geruch M. 12, do. mittel M. 13— 13.50, prima M. 14. Raps M. 21 bis 21—75. Mais, bunter(mixed) M. 11.50, geschro⸗ tener, bestes Pferdefutter, M. 13. Heu per Centner 3.20—4, Stroh M. 2.20— 2.50. Erbsen M. 18. Roggen⸗ kleie M. 4.50. Weizenkleie M. 4— 4.25 per Ctr.(bei Abnahme von 200 Ctr. an). Malzkeime M. 4.20, Moos⸗ torfstreu prima M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.20. Sesam⸗ kuchen M. 5.40. Rüböl im Detail M. 48. Frankfurt, 9. Aug. Viehmarkt. Angetrieben waren 388 Ochsen, 29 Bullen, 414 Kühe, Stiere und Rinder, 261 Kälber, 135 Hämmel, 143 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 63-65, 2. Qual. M. 54—58, Bullen 1. Qual. M. 38—40, 2. Qual. M. 32— 35, Kuͤhe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 50—52, 2. Qual. M. 40—45, Kälber pro 1 Pfd. Schlachtgewicht: 1. Qual. 55 60 Pf., 2. Qual. 45—50 Pf., Hämmel 1. Qual. 58—60 Pf., 2. Qual. 50—55 Pf., Schweine 1. Qual. 55—56, 2. Qual. 53— 54 Pf. Verloosungen. Pappenheimer 7 fl.⸗Loose von 1864. Serien⸗ Ziehung vom 2. August 1886. S. 26 38 54 87 93 116 156 185 208 225 226 238 261 309 335 343 390 428 463 497 583 616 658 699 731 754 765 774 834 898 930 979 1098 1145 1186 1202 1251 1268 1314 1332 1364 1369 1381 1408 1425 1457 1614 1625 1662 1823 1846 1858 1881 1909 1938 2003 2020 2030 2048 2065 2122 2168 2177 2223 2228 2315 2406 2447 2455 2458 2543 2695 2651 2701 2718 2734 2744 2749 2759 2762 2778 2782 2818 2840 2956 3008 3011 3085 3154 3157 3180 3193 3221 3298 3369 3400 3432 3447 3474 3524 3558 3660 3672 3746 3775 3796 3910 3942 4162 4268 4345 4355 4380 4451 4582 4595 4616 4666 4691 4886 4888 4984 5018 5044 5087 5139 5192 5202 5217 5233 5272 5273 5334 5345 5391 5428 5441 5457 5487 5496 5556 5623 5737 5742 5797 5802 5828 5934 5961 5969 6034 6141 6178 6228 6337 6371 6411 6506 6525 6534 6741 6748 6769 6784 6881 6927 7083. Die Gewinn⸗Ziehung findet am 1. Sep⸗ tember 1886 statt. Köln⸗Mindener 3½ pCt. 100-Thlr.⸗Loose vom Jahre 1870. Gewinnziehung vom 2. Aug. 1886. Heimzahl. am 1. Oet. 1886. Nr. 105790 à 55,000 Thlr. Nr. 105798 à 8000 Thlr. Nr. 53817 à 4000 Thlr. Nr. 105765 135505 à 2000 Thlr. Nr. 53807 105794 à 1000 Thlr. Nr. 53803 135550 à 500 Thlr. Nr. 29684 693 53801 814 819 821825 105783 135510 515 531 F — — 8 2 — —— — bp D S —* Zehung 1886. 180 Ale 991 998 1620 16 2431 2 3013 30 3632 3 4637 3 9742 5 6220 f 6780 Gewin 2 2 8 — Mit meinder à 200 Thlr. Alle übrigen in den am 1. gezogenen Serien 594 1077 2116 2711 8 gewinnen je 110 Thlr. Sachsen⸗ Meiningen fl. Junk 1886 enthaltenen 7 Loose vom Jahre 1870. Gewinn Ziehung vom 2. August 1886. Heim— zahlung am 1. Nov. 1886. S. 7439 Nr. 5 à fl. 8000. S. 1636 Nr. 37 à fl 2000. S. 895 Nr. 21, S. 7529 Nr. 16, S. 8958 Nr. 34 à fl. 300. S. 1077 Nr. 10, S. 3415 Nr. 15, S. 4026 Nr. 49, S. 4585 Nr. 43, S. 4663 Nr. 19, S. 4757 Nr. 29, S. 6369 Nr. 15, S. 6511 Nr. 47, S. 6769 Nr. 26, S. 7714 Nr. 7 47, 7951 Nr. 12, S. 8564 Nr. 17, S. 9314 Nr. 21, ee 36 ft 60. S. 15 Nr. 18 47, S. 279 Nr. 33, S. 2608 Nr. 18, S. 2890 Nr. 35, S. 3415 Nr. 22, S. 4663 Nr. 11, S. 4757 Nr. 39 48, S. 5649 Nr. 49, S. 5752 Nr. 41, S. 6885 Nr. 50, S. 6937 Nr. 14 21, S. 7093 Nr. 40, S. 7308 Nr. 39, S. 7381 Nr. 30, S. 7636 Nr. 33, S. 7714 Nr. 38, S. 7961 Nr. 28, S. 8351 Nr. 9 8 S. 8131 Nr. 30, S. 8822 Nr. 23, S. 8822 Nr. 30, S. 8958 Nr. 2 10, S. 9042 Nr. 37, S. 9474 Nr. 50, S. 9709 Nr. 21, S. 9926 Nr. 10 à fl. 20. Auf alle übt igen in den am 1. Juli 1886 gezogenen Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von je fl. 8. Augsburg, 2. August. Serienziehung der Augs burger 7 fl. Loose. 45 445 466 512 666 690 741 783 1184 1416 1494 1775 2110. Finnländer 10 Thaler⸗Loose Sersen⸗Ziehung vom 2. August 1886. 84 892 454 490 631 645 735 820 834 837 1151 1407 1443 1724 1785 1829 1874 1986 2237 2278 2343 2409 2445 2484 2588 2596 2642 2675 2761 2900 7 3042 3049 3177 3283 3316 3372 3610 3697 3837 3867 3882 4094 4102 4234 4350 4363 4447 4581 4703 4748 4789 4884 4915 4992 5057 5061 5073 5268 5282 5299 5324 5345 5541 5650 5753 5818 5820 5897 5990 6031 6303 6331 6337 6367 6372 6387 6477 7174 7592 8 von 1868. Serie 2 14 73 932 1124 2187 2640 3277 3878 4547 5013 5428 6267 6884 7348 7854 8247 8738 9292 6970 7095 7138 7155 D 7419 7428 7476 7541 7647 7690 7906 7968 7996 8011 8048 8064 8069 8276 8323 8397 8411 8436 8548 8628 8651 8811 8822 8875 9006 9008 9085 9183 9301 9338 9387 9487 9502 9716 9731 9733 9901 9907 10075 10121 10269 10327 10376 10412 10500 10770 10985 11014 11289 11311 11444 11495 11611 11649 11658 11750 11892 11915 11960 11964 11965 11999. Die Gewinnziehung findet am 1. Nov. 18856 statt. Bukarester 20 Fr.⸗Loose vom Jahre 1869. Ziehung am 2. August. Auszahlung am 5. September 1886. Gezogene Serien: Nr. 22 51 85 121 141 151 180 214 222 225 303 355 504 594 617 828 853 986 991 998 1212 1268 1284 1384 1394 1447 1482 1499 1620 1653 1711 1739 1838 1860 1872 1891 2041 2116 2131 2190 2233 2311 2618 2640 2738 2782 2907 2948 3013 3098 3147 3194 3254 3273 3438 3568 3580 3582 3632 5 3837 3973 3985 4084 4125 4438 4553 4637 4677 4755 5043 5082 5240 5403 5416 5560 5741 5742 5774 5780 5802 5840 59 4 5955 6083 61116123 6229 6255 6274 6422 6495 6591 6611 6662 6670 6674 6730 6808 6849 6876 6987 7033 7048 7265 7381. Gewinne: Serie 5240 Nr. 15 Fr. à 40,000 S. 1499 Nr. 38 à Fr. 5000. S. 504 Nr. 37, S. 2283 Nr. 18, S. 3013 Nr. 98, S. 5840 Nr. 75, S. 7033 Nr. 74 Fr. 1000. S. 998 Nr. 60, S. 1384 Nr. 70, S. 1838 Nr. 60, S. 2131 Nr. 15, S. 2948 Nr. 5, S. 6111 Nr. 76, S. 6123 Nr. 31, S. 6229 Nr. 21, S. 6422 Nr. 16, S. 6670 Nr. 54 à Fr. 500. S. 22 Nr. 60, S. 151 Nr. 87, S. 303 Nr. 91, S. 355 Nr. 57, S. 617 Nr. 70, S. 853 Nr. 50, S. 998 Nr. 77, S. 1212 Nr. 86, S. 1499 Nr. 79, S. 1872 Nr. 90, S. 1891 Nr. 36, S. 2618 Nr. 35, S. 3013 Nr. 28, S. 3438 Nr. 75, S. 5741 Nr. 67, S. 6123 Nr. 32, S. 6876 Nr. 97, S. 7265 Nr. 19 82, S. 7381 Nr. 98 à Fr. 100. Die übrigen Gewinne können auf unserem Bureau eingesehen werden. (Eingesandt.) Zu den bevorstehenden Gemeinderathswahlen in den Landgemeinden unseres Kreises. Mit welcher Spannung wird in dieser Zeit den Ge— meinderathswahlen, welche bald stattfinden, entgegen ge— sehen! An und für sich ist dieses ja auch Etwas Natür— liches, allein es dürfte gerade jetzt an der Zeit sein, in Bezug auf die Stellung und Wirksamkeit des Gemeinde— raths sowohl, als auch auf das Trelben, welches ge— wöhnlich solchen Wahlen vorauszugehen pflegt, einen Blick zu werfen. Die Stellung eines Gemeinderaths ist gewiß eine ehrenhafte und da, wo der Ortsvorstand Hand in Hand mit dem Bürgermeister im Interesse der Gemeinde zu wirken sich bestrebt, da wird gewiß auch der Wohl— stand derselben sich mehren. Allein es gehören hlerzu vor allen Dingen auch Einwohner und Ortsbürger, welche das, was der Ortsvorstand Gutes schafft, anerkennen und mit allen Kräften fördern. Wie vielfach findet man je doch, daß diese Grundbedingungen in bedenklicher Weise collldiren; woher kommt dies in den meisten Fällen? Betrachten wir es näher, so finden wir, daß hier drei Haupthebel die Ursache bilden: der Eigennutz, die Miß— gunst und der Unverstand: der Eigennutz, welcher stets bestrebt ist, auf Kosten Anderer sich unerlaubte Vortheile zu verschaffen; die Mißgunst, welche stets mit scheelen Blicken das Bessergehen Anderer ansieht und der Unver— stand, welcher es nicht zuläßt einzusehen, daß nur ein geordnetes Hauswesen, ein nüchterner Lebenswandel und ein friedfertiges Verhalten den so gewünschten Wohlstand zu fördern vermag. Kommen nun die Wahlen, so merkt man als Zeichen der Zeit: Verdächtigungen der Wirk samkeit des Ortsvorstandes, lärmende Kundgebungen in den Wirthshäusern ze. Wobl dem, der sich durch Alles dieses nicht beirten läßt! Seht Euch einmal diese Maul helden an, was sind sie? fragt Euch, welcher Zweck leitet sie? und Ihr werdet bald heraus finden, wie ein Jeder sich zu verhalten hat. Da, wo es gilt, an geeigneter Stelle den öffentlichen Interessen freimütbig das Wort zu reden, da findet man diese Leute nicht! Sie können blos hinterm Glase raisonniren, aber zum Bessermachen haben sie auch nicht die mindeste Anlage, obgleich ihre ständige Empfehlung ist: ja wenn ich nur dabei wäre, oder: wenn ihr den wählt, da wird alles anders ze. Das ist alles nur leeres Geschwätz! Den ruhigen, soliden und ehrenhaften Bürger wird man weder in Gesellschaft noch in Wirthshäusern in der Weise hören, krakehlen ist nicht seine Sache; er beobachtet, macht seine Schlüsse und handelt. Es ist bet der Wahl selbst darauf zu sehen, ob Ursache vorhanden, die seitherigen Ortsvorstände nicht mehr zu wählen. Müssen neue gewählt werden, dann aber nur solche, die sich nicht auf erwähnte Art kenn— zeichnen, Lebenserfahrung besitzen, von Eifer zum Guten beseelt sind, freundlich und zuvorkommend gegen ihre Mitbürger sind. Sollten die seitherigen Mitglieder ge willt sein, ihrem schwierigen Amte auch noch ferner vor zustehen, dann ist zu wünschen, wenn nicht andere Gründe obwalten, dieselben durch Wiederwahl zu ehren. So las man im Vilbeler Anzeiger bei Gelegenheit der dortigen Bürgermeisterwahl: Viele schreien und wollen was wissen, Schaffen unnöthige Hindernisse; Plagt sie nicht der Eigennutz, Dann ganz gewiß der Titelputz. Aber wer übernimmt die Garantie, Daß es besser wird durch sie? Drum laßt den lieben Herrgott walten, Und haltet fest am Alten ze. Daß diese Worte in den meisten Gemeinden des Kreises anwendbar, wird Jeder, der nicht Auge und Ohr absicht— lich verschließt, gewiß einsehen. Darum halte ich es für Pflicht eines jeden ordentlichen und ehrenhaften Burgers, in diesem Sinne zu wählen, den Uebrigen aber zu empfehlen, sich ruhig zu verhallen und den Unfrieden in den e Gemeinden nicht heraufzubeschwören. Die Kolonke füe Epillepiische„Bethel“ bei Bielefeld hat seit 12 Jahren Kranke aus dem Groß— herzogthum Hessen aufgenommen. Die Gesammtzahl der Verpflegten beläuft sich auf über 1900. Während des letzten Jahres wurden 260 neue Kranke aufgenommen, dagegen verließen die Anstalt 209, darunter 19 geheilt, 88 gebessert, 71 ungeheilt und 31 verstorben. Eine Elgenthümlichkeit dieser Anstalt besteht darin, daß ein Diakonissenhaus und eine Diakonenanstalt mit ihr in unmlttelbarer Verbindung stehen, wodurch allein es möglich geworden ist, für den aufreibenden Pflegedienst bei so vielen Kranken die erforderlichen Kräfte zu ge— winnen. In Bethel finden männliche und weibliche — 11 Kranke ohne Unterschied der Confession Aufnahme. Die Gesammtzahl solcher unglücklichen Leldenden in Deutsch— land wird auf 50,000 veranschlagt und es liegen so viele Aufnahmegesuche dringlichster Art vor, daß die Kolonte die mößlichste Mühe hat, die Hülfe wenigstens da zu leisten, wo die Noth aufs höchste gestiegen ist. Da dies bet ganz armen Kranken am meisten der Fall ist, für welche gar kein oder nur ein ganz geringes Pflegegeld gezahlt werden kann, so bedarf die Anstalt sehr erheb— licher Zuschüsse(jährlich etwa 150,000 Mark), zumal auch vielen auswärtigen Kranken, deren Aufnahme nicht zu ermöglichen war, durch Zusendung von Medtzin und ärztliche Kurvorschrift Hülfe geleistet wird. Die Ein— richtungen der 8 sind der Art, daß sie auch als Pflegeanstalt für Unheilbare dient. Wir wünschen und hoffen, daß Bethel auch fernerhin die hilfreiche Theil— nahme finde, deren es zur Erfüllung seiner schweren und schönen, edlen Aufgabe bedarf. Eine Liste zur Einzeichnung wird in diesen Tagen in Circulation gesetzt werden. Literarisches. Daheim Nr. 45 enthält: Die Bräute von Moor⸗ stätt. Forts.— Im Sophienstift. Forts.— Deutsche Musiker III. Mit Porträt von L. Sphor.— Aus dem Seemannsleben. Von Chr. Benkard.— Der Kilimand— scharo. Mit 1 Illustr.— Bei den Volksgenossen in Siebenbürgen. Von Reichart. Mit sieben Illustr.— Am Familientisch: Von der Weichsel.— Frühlingslust, Bild. Von E. Friedrichsen.— Eine Reiseerinnerung⸗ — Ein alpines Jubiläum.— Gesundheitsrath.— Briefkasten.— In unserer Spielecke. Mit zwei illustr. Beilagen. Auszug aus dem Civilstands-Register der Stadt Friedberg. Getraut: 1. Aug. Der Schreiner Heinrich Keutz von Gießen mit Elisabethe Bindewald von Eichenrod. Geboren: 19. Juli. Dem Großh. Geometer Friedrich Wilhelm Krämer 1 Sohn. „ Dem Rechtsanwalt Otto Rudolf Brentano di Tremezzo 1 Sohn. 2 Dem Spengler Friedrich Streuber 1 Sohn. 2 Dem Handarbeiter Adolf Nau 1 Sohn. 28. Dem Lehrer Heinrich Ehrmann 1 Tochter. 28 Dem Tapezier Christoph Julius Kegler 1 Tochter. Gestorben: 27. Juni. Der Handarbeiter Phillpp Groß von Lohn— heim, 26 Jahr alt. 22. Juli. Amalie Frey von Iglau, 34 Jahr alt. Der Steinhauer Melchior Boll J., 70 Jahr alt. Wasserwärme der Usa: 10. August Mittags: 180 Reaumur. 11. August Mittags: 160 Reaumur. Walter. Geld⸗ Cours. Frankfurt am 10. August 1886. Geber. Nehmer. M. Pf. M. Pf. 20-Frankenstücke. 16. 20 16. 16 do. in /. 16. 18 16. 14 Englische Sovereings—.— 16. 73 Russische.„„, e e Ducaten„ „ dalimge:: 88 Dollars in Go ldd 4. 0 Jsraelitischer 8 in Friedberg. Sabbathfeier vom 14. August 1886. Sabbath Nachmu. Freitag Abends 6 Uhr 30 Min. Samstag Morgens 8 Uhr. Samstag Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 8 Uhr 10 Min. Wochengottesdtenst von Sonntag den 15. August an Morgens 6 Uhr, Abends 7 Uhr 50 Min. Beginn: — 1289 Submisston. Die zur Unterhaltung des Versorgungshauses dahter nöthigen Arbeiten, nämlich: M. pf. Mauxrerarbeit, veranschlagt zu 250 Steinhauerarbeit 25 40 Zimmerarbeit 328 44 Sch reinerarbeit 276 30 Schlosserarbeit 48 50 Weißbinderarbeit 67— sollen auf dem Submussionswege vergeben werden. Plan, Voranschlag und Bedingungen liegen vom 18.— 14. d. M. auf dem Büreau des Bezirksbauaufsehers Zörb J. zur Ginsichtnahme offen, woselbst auch die Offerten bis zum 16. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, elnzurelchen sind. Friedberg den 10. August 1886. Die Armen Commisston: 3031 Meyer Steinhäußer, Frauenhemden, Hosen, Unterröcke und Nachtjacken, sowie Hemden und Hosen für Kinder 125 billigst bein L. Friedrich neben der Post. Hausverkauf auf den Abbruch. Unterzeichneter beabsichtigt sein in der Kurstraße Nr. 318 belegenes Wohnhaus, zweistöckig,„Zum deutschen Hof“ auf den Abbruch zu verkaufen. Die Bedingungen können bei dems. eingesehen werden und sind Offerten längstens bis den 20. August er. einzu— reichen. Ferd. Sprengel, 3036 Bad-Nauheim. Veilchen- Seife, Rosen- Seife in vorzüglicher Qualität empfiehlt à Packet(3 Stück) 40 Pf. Apotheker Lilhn. 2300 Schuhwaaren jeder Art empfehlen Spier&ꝙ Kupfer. 2936 Arbeits-Vergebung. Freitag den 13. d. Mts., Vormittags um 11 Uhr, sollen auf dem Rathhaus zu Butzbach nachstehende Arbeiten öffentlich in Aeeord gegeben werden: Pflasterarbeit, lt. Kostenüberschlag 356 M., Lieferung von Schichtpflastersteinen 630„ Lieferung von Pflastersand 1 Abfuhr von Schutt und Steingeröll n Butzbach den 11. August 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Butzbach. Kuͤchel. Ein Bäcker, der gute Zeugnisse aufzeigen und salbggendie backen kann, wird von der Gemeinde Bauernheim gesucht und kann derselbe sich bei der unterzeichneten Stelle melden. Bauernheim am 10. August 1886. 10 Großherzogllche Bürgermeisteret Bauernheim. Väth. Corsetten äußerst billig bei K. Friedrich. 3038 Musikverein in Friedberg. Rirchen- den 15. August 1886. Nachmittags 3½ Uhr in der hiesigen Stadttirche, eid, Concertsängerin aus Darmstadt, sowie des Sängerchors des hiesigen Schullehrer-Seminars. zum Besten der Hagelbeschädigten des Kreises bestimmt. Sonntag unter gütiger Mitwirkung von Fräulein Sch Der Reinertrag ist 3032 . 3002 3 Submission. Die Lieferung von 62000 Stück Drainage- Röhren von 37 bis 137 Millimeter Lichtweite für die Gemarkung Straßheim bei Friedberg, veranschlagt zu 2600 Mark, soll auf dem Submissionswege vergeben werden. Kostenanschlag und Bedingungen liegen auf dem Bürean des Unterzeichneten zur Einsicht offen; auch können dieselben gegen vorherige Einsendung von 50 Pf. abgegeben werden. Die Submissions⸗Offerten sind ver⸗ schlossen und frankirt mit entsprechender Aufschrift bis zum 16. August dahier einzureichen, an welchem Tage, Vormittags 10 Uhr, die Eröffnung derselben stattfindet. Friedberg am 5. August 1886. 2999 Müller, Geometer J. Classe. Arbeits⸗Vergebung. Samstag den 14. d. Mts., Nachmittags um 2 Uhr, sollen auf dem Gemeindehause zu Wölfersheim nach⸗ stehende, zur Unterhaltung Arbeiten öffentlich vergeben werden: Maurerarbeit, veranschlagt zu 1 Dachdeckerarbeit 26— Schreinerarbeit—— Schlosserarbeit 1 Glaserarbeit 2 40 Spenglerarbeit 10 40 Weißbinderarbeit 8 Pflasterarbeit 6— Tapezierarbelt 45— Pflastersteine⸗ und Pflastersandlieferung 7 Friedberg den 11. August 1886. Zörb, 3030 Bezirks bauaufseher. 5 2 Lehrlings⸗Gesuch. Für mein Manufacturwaaren⸗Geschäft suche für sofort einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen. 2972 Butz bach. Herm. Wiessler. Aautschunstenpel. unter Garantie, empfiehlt zu Original⸗Fabrikpreisen Heinr. Diehl. Usagasse. Neueste —Drill⸗Maschin mit selbfithätiger Saatkasten⸗Regulirung und elastischer Zugvorrichtung mit Kraftmesser von Ru d. Sack, Plag⸗ nitz⸗Leipzig, welche sich in der letzten Herbstsaatzeit praktisch bewährt hat, empfehle ich zu Catalog-Preisen. 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August 1886, Vormittags von 8 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, liegt die Liste der in der Gmeinde Friedberg zur Gemeinderathswahl Stimmberechtigten, sowie das Verzeichniß der zu dem höchstbesteuerten Dritt⸗ theil der Wählbaren gehörigen Personen auf dem Ge⸗ meindehause zu Jedermanns Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist kann in dem bezeschneten Locale jedes Mit⸗ glied der Gemeinde Einsicht von diesen Listen nehmen und Einwendungen gegen dieselben vorbringen. Friedberg den 9. August 1886. a Der Bürgermeister: Steinhäußer. 3033 Fahnenweihe in Bauernheim. Sonntag den 15. und Montag den 16. August findet die Fahnenweihe des hiesigen Gesangvereins statt. Die Festlichkeit wird in 2 großen Tanz Zelten abgehalten und Montag Abend ein großes Feuerwerk veranstaltet, 309 freundlichst einladet Das Comité. Fahnenweihe. Bei der am 15. und 16. August stattfindende Fahnen⸗ weihe in Bauernheim habe ich die Festwirthschaft über⸗ nommen und wird mein eifrigstes Bestreben sein, die Festgäste in jeder Beziehung zu befrledigen. Für gute Spessen und Getränke ist bestens gesorgt. Hierzu ladet freundlichst ein A. Thuy, 3035 Gastwirth aus Vilbel. Dem Verdienste des Herrn Tanzlehrer Friedrich Hemp aus Usingen, z. Z. in Reichelsheim, das er sich durch seinen so außerordentlich guten Unterricht erworben hat, wollen die Eltern seiner Schüler nicht versäumen, hiermit an dieser Stelle ihre vollste Anerkennung und zugleich ihren Dank auszusprechen. Der vortheilhafte Ruf, welcher Herrn Hemp vorausging, hat sich auch bei seinem hiesigen Unterricht bewährt und epistirt nur eine Stimme: die des größten Lobes. Reichelsheim, Heuchelheim, Bingen heim im August 1886 Die Eltern der Tanzschüler. 8 0 3 W. Berubeck. Strümpfe und Socken für Erwachsene und Kinder billigst bei K. Friedrich, 51 Ainder-Vrlocibede und 3016 [ꝗKinder Wagen äußerst billig bei Leinene Herren⸗ und 2845 Knabenanzüge empfehlen in großer Auswahl zu billigen Preisen J. Fürth's Erben. Prima Incarnak⸗Samen in keimfähiger Qualität bei 2996 Wilhelm Fertsch. Gunmmiwäsche, Ein Garten in bestem Stande, in der Nähe der Stadt, ist auf den Herbst unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Kauflievhaber wollen ihre Namen in der Exp. d. angeben. 30 Wegen Aufgabe des Geschaͤfts verkaufe ich verschiedene Geschäfts⸗Utensilien, als: Pferd, Pferdegeschirr, Wagen, 1 Halbverdeck, 2 Deeimalwaagen, 1 Copirpresse, 1 Schreibpult, 1 Häckselmaschine, 1 Füll⸗ 302 ofen u. dergl. mehr. Friedberg. E. L. Weihl. Anz. 27 Binden mit Spritznadeln 3019 dei Fritz Schmidt, Kaiserstraße. Hausmacher⸗Säcke vorzüglicher Qualität empfiehlt G. Schulhof. 2905 Einen einspännigen und 5 einen leichteren 3024 Fritz Hanstein. agen un Carl amm, Usa gasse. A Frucht Zucker, zum Füttern der Bienen, empfiehlt W. Bernbeek. 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Tis veränd hervor ung b ziehun Armee Ungen schich im J 7 umfass atin Armet den sonde Parte der O und d Jstit werde wägun