9 0 . nuann, ortet „Ftitdrich. —— 1885. Famstag den 17. Januar. — ————— Oberhessischer Anzeiger. Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. Kreisblatt für den Kreis Friedberg. Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag. Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., „welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. —— Betreffend: Die Gemeindekrankenkassen. Das Großherzogliche Kreisamt Diejenigen von Ihnen, welche selbstständige Gemeindekrankenkassen Arbeiter unter Angabe der Arbeitgeber vorlegen. Dezember 1884 versicherten und dasselbe ebenfalls einzusenden. Betreffend: Die eingeschriebenen Hülfskassen. Amtlicher Theil. Friedberg am 14. Januar 1885. Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. J. V.: Dr. v. Gemmingen. errichtet haben, wollen binnen 8 Tagen eine Liste der im Monat Ueber etwaige Rückstände ist ein Rückstandsverzeichniß anzufertigen, In dem Bericht ist anzugeben, ob und in welcher Hoͤhe die Auszahlung eines Krankengeldes erforderlich war. Friedberg am 14. Januar 1885. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Harheim, Sie wollen alsbald die Vorstände der in Ihrer Gemeinde domizilirten der gedruckten Statuten veranlassen. Betreffend: Die gemeinschaftlichen Ortskrankenkassen. an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Ka Sie wollen alsbald berichten, wieviele Mitglieder der Nauheim, Nieder-Moͤrlen und Ilbenstadt. Heldenbergen, Büdesheim, Ober-Mörlen, Ober-Erlenbach, Ober-Wöͤllstadt, Vilbel, Bad— eingeschriebenen Hülfskassen zur Vorlage von 5 Exemplaren Dr. v. Gemmingen. S N 1 J Friedberg am 14. Januar 1885. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg ssenbezirke von Assenheim, Reichelsheim, Groß-Karben und Vilbel. Ortskrankenkasse im Monat Dezember 1884 bei Ihnen angemeldet worden sind. Ueber etwaige rückständige Beiträge ist ein Rückstandsverzeichniß anzufertigen und uns dasselbe ebenfalls vorzulegen. Dr. v. Gemmingen. J. V.: Deutsche. Reich. Darmstadt. Der den Ständen zugegangene Gesetzentwurf über die Kosten des Unterbalts der Sträflinge in dem Landeszuchthause und den Gefängnissen ändert den seither geltenden Grundsatz, daß die Sträflinge für ihren Unter— halt in den Strafanstalten Nichts zu vergüten haben, dahin, daß sie künftighin die Kosten ihres Unterhalts ersetzen sollen. Berlin, 14. Jan. Reichstag. Berathung des An trages Hertling wegen Vorlegung des Arbeiterschußzgesetzes in Verbindung mit den bezüglichen Anträgen Lohren's, Kropatscheck's und Buhl's. Hertling schildert die Uebelstände auf dem Gebiete des Gewerbewesens und wünscht möglichst bald die Vorlegung eines Gesetzes zum Schutze der Sonntagsruhe, zur Beschränkung der Kinder- und Frauenarbeit und zur Normirung der Maxtmalar- beitszeit, und bittet die begonnene Socialreform nicht unter der neuen Colonialpolitik, die jetzt die Situation beherrsche, zu vernachlässigen. nicht schutzlos auf das Wohlwollen und die gute Gesinn ung der Arbeitgeber anweisen und müsse letzteren durch das Zwangsgesetz ein gewisses Minimum von Schutz fur die Arbeiter abverlangen. Lohren befürwortet seinen Antrag und will nicht die Regierung um die Vorlegung eines Arbeiterschutzgesetzes ersucht, sondern gleich selbst den§. 136 der Gewerbeordnung dahin ergänzt wissen, daß weibliche Personen in Fabriken weder an Sonntagen noch zur Nachtzeit von 8¼ Uhr Abends bis 5½ Uhr Morgens beschäftigt werden dürfen. Buhl befürwortet eine Resolutlon, welche die Regierung zu Ermittelungen auffordert, wie weit die Sonntagsarbelt einzuschränken set und ob bei der Frauen- und Kinderarbeit sich Unzu⸗ träglichkeiten herausgestellt haben, welche eine Abhilfe erfordern. Endlich soll auch die Bedürfnißfrage nach einer Normirung der Maxlmalarbeltszeit für erwachsene männliche Arbelter geprüft werden. Schließlich wird die Debatte auf morgen vertagt.— 15. Jan. Das Haus beschließt die Sistiruag des gegen die Abgeordneten Dietz, Auer und v. Vollmar anhängigen Strafverfahrens, nach dem Llebknecht dieselbe begründet hat. Es folgt Fort setzung der Berathung der soelalpolttischen Anträge. Baumbach vertritt die Haltung der Deutsch Frei innigen gegen alle polizeilichen Bevormundungen. Bei allem Wohlwollen für die Arbeiter müsse man sich sehr vorsehen, damit nicht die beabsichtigten Maßregeln ihnen mehr Schaden als Nutzen bringen. Redner bittet das Haus, seine gestern und heute bewiesene arbeiterfreund— liche Gesinnung auch dann zu bethätigen, wenn es sich vemnächst um die Erhöhung der Getreidezölle handeln wird. Fürst Bismarck: Da soeben die Frage der Erhöhung der Getrelbezölle berührt worden ist, will ich doch erwiedern, daß dle verbündeten Regierungen bel dieser Erhöhung gerade von der Fürsorge für die land wirthschaftlichen Arbeiter geleitet worden sind nach dem alten Spruch:„Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt.“ Unterftützen Ste die Regterunz in dieser Frage, Man dürfe die Arbeiter so unterstützen Sie alle Arbeiter. Ueber die Unmoöͤglich 36,527,000 M., die Brausteuer mit 16,392,200 keit des Normalarbeitstages bin ich mit dem Vorredner hat den Eine Maximalarbeitszeit Nachtheil, daß sie völlig ausgenutzt wird; sind 14 Ar beitsstunden als Maximum gestattet, werden auch die Industrten, die jetzt nur 11 Stunden arbeiten, 14 Arbeits völlig einverstanden. stunden ausnutzen. Wie der Normalarbeitstag gemacht die Antrag ent⸗ werden soll, weiß ich nicht. Wie wollen steller die Arbeiter für ausfallende Arbeitszeit schädigen. Wollen Sie die Arbeitgeber dazu heran— ziehen, dann gefährden Sie die Industrie und damit die Lage der Arbeiter, denn Sie konnen nicht verlangen, daß die Fabrikanten mit Nachtheil arbeiten. Unsere ganze Industrie würde darunter leiden, besonders die Exportindustrie. Unterrichten Sie mich, wie es gemacht werden muß. Legen Sie uns bald einen Gesetzer wurf Können Sie den Normalarbeitstag in Deutschland vor durchführen, ohne den Arbeitslohn zu verringern, und wenn Sie es können, haben Sie erst die Hälfte der Aufgabe erfüllt und müssen eine chinesische Mauer um Deulschland ziehen, um den Import zu bindern. man auch versucht hat, den Normalarbeitstag einzu führen, bat man es für schädlich und unmöglich erkannt, Versprechungen zu geben, ohne sie erfüllen zu dazu können die verbündeten Regierungen sich nicht ent schließen. Die Sistirung des Strafverfahrens auch be züglich Bebel's, Frohme's und Viereck's wird beschlossen. Abg. Stöcker: Wir halten die Herbeiführung eines Maximalarbeitstags für unbedingt erforderlich, glauben aber, daß die Ausführung nur in den einzelnen B trieben und unter Mitwirkung der in denselben Be schäftigten und der Betriebsinhaber möglich sein wird Abg. Grohe(Volkspartei)!? Wir machen die Ein führung des Normalarbeitstages nicht abhängig von internationalen Vereinigungen, ihn möͤglichst bald einzuführen. Frauen- und Kinderarbeit halten Nothwendigkeit. Die Berathung mals vertagt. 1 N 14. Jan. Die Budgetcommission be rieth die Zoͤlle und Verbrauchsteuern und ge Die Beschränkung der fur eine sodann wir wird aber nehmigte für Zölle den eingestellten Betrag von die Tabaksteuer mit Ausgaben für das Jahr 1885/86 berechnet die Aus 199,820,000 M., 10,673,300 M. sowie An den Titel der Rübenzucker steuer knüpfte sich eine längere Debatte über die Steuerreform, die schließlich vertagt wurde. Im Laufe derselben erklaͤrte der Staatssecretär Burchard, die Regierung sei nicht in der Lage, Wo können, sondern streben danach, absolute M., an und bewilligte die Averse für Zölle und Verbrauchssteuern, nämlich Zölle: Tabaksteuer 4.486,700 M., Rübenzuckersteuer und Salzsteuer 172.090 M., Branntweinsteuer 768,420 M., Brausteuer 454,590 M. Im Ganzen bewilligte die Commission die Einnahmen aus den Zoͤllen und der Verbrauchssteuer mit 339,452,500 M. gegen 346,235,420 M., und aus den Aversen mit 346,984,240 M. gegen 353,874,110 M. im Vorjahre.— Der erste Artikel des von den Polen des Reichstags eingebrachten Gesetzent— wurfs, wonach in ehemals polnischen Landes— theilen die polnische Sprache neben der deutschen gleichberechtigt sein soll, wurde von der Com⸗ mission mit 9 gegen 4 Stimmen abgelehnt. 2 4. Jan. dem Bundesrathe nun— mehr zugegangene Zolltarifnovelle betrifft nicht allein die Erhöhung der Getreidezoͤlle, sondern eine ganze Reihe von Gebrauchsgegenständen. Es sind im Ganzen etwa 20 Positionen; dar— unter Erhöhungen der Zölle auf Holz, Schmalz, Honig, Cognac, Schaumweine, Branntwein in Flaschen, Leinen und Baumwolle ze. Der Roggen— zoll soll 2 M., der Weizenzoll 3 M. betragen. * Die — 15. Jan. Der Preußische Landtag wurde beute, nach voraufgegangenem Gottesdienst im Dom und in der St. Hedwigskirche, im Weißen Saale des koͤniglichen Schlosses eroͤffnet. Etwa 180 Abgeordnete waren anwesend. Minister Viceprästdent v. Puttkamer verlas die Thronrede, aus welcher der Passus über die angestrebte Auf hilfe der Landwirthschaft mit Beifall aufgenommen zeinnahmen und 0 U wurde. Der Voranschlag der Staat gaben im Ordinarium auf 1,221,175,788 M., die jenigen im Extraordinarium auf 36,549,212 M., die gesammte Ausgabe demnach! 257,725,000 M. Dieser Ausgabe stehen an ordentlichen Einnahmen 1.234,711,125 M., an außerordentlichen Ein während der jetzigen Zuckerkrisis eine Reform der nahmen 922,875 M., mithin überhaupt nur Zuckersteuer zu beschließen.— Die Commission1,235,634,000 M. an Einnahmen gegenüber. für die Dampfervorlage berieth heute die Zweig Der sich hiernach ergebende Fehlbetrag von linie von Australien nach Samoa und Tonga. 22,091, 00 M.,— welcher dadurch herbeige nen dd Budget- Commission nahm fü rt ist, daß der von Preußen an das Reich bei fortgesetzter Berathung die Salzsteuer mit und die Uebergangsabgabe des Branntweins mit ü gegen das Vorjahr um 37,777,000 M., die Branntweinsteuer zu zahlende Matricularbeitrag nach dem Ent wurf des Reichshaushaltsetats für 1885 86 sich 24,584,641 M. erhoͤht r e N n Wehrpflichtgesetz zu formuliren. hat,— wird durch Aufnahme einer Anleihe, worüber ein besonderer Gesetzentwurf vorgelegt wird, zu decken sein. Der Betrag der Anleihe ist behufs der Balancirung des Staatshaushalts— Etats im Etat der allgemeinen Finanzverwaltung in Einnahme gestellt. — 15. Jan. Die Commission der Congo— Conferenz berieth heute über die Formalitäten, welche für effective neue Occupationen zu be— obachten sind, namentlich über den dazu vor— liegenden bekannten Antrag Portugals. Wilhelmshaven, 15. Jan. Das Panzer— schiff„Friedrich Karl“ ist nicht, wie anderweitig gemeldet, für Westafrika bestimmt, sondern wird als Wachtschiff zu Uebungen des Maschinenper— sonals in Dienst gestellt. Stuttgart. Die Leiche des Prinzen August von Württemberg wird von Berlin nach Lud— wigsburg verbracht und dort in der königlichen Gruft beigesetzt. Ausland. Norwegen. Christiania. Der Kriegs— minister hat übereinstimmenden Nachrichten zu— folge den festen Beschluß gefaßt, zu demissioniren. Der Grund des Rücktrittes des Kriegsministers besteht darin, daß Sverdrup das Verlangen an das Departement des Krieges gestellt hat, bis zum Zusammentritt des nächsten Storthings ein Ein solches kann aber die Heeresordnungs-Commission nicht bis zu dieser Zeit beschaffen. Das„Morgenblatt“ ist der Meinung, daß Aussicht für die gänzliche Sprengung des Cabinets vorhanden ist, wenn der Staatsminister fortfährt, die oben erwähnte Angelegenheit auf die Spitze zu treiben; es glaubt indeß, daß Sverdrup bei Zeiten ein— lenken werde. Belgien. Brüssel. Die Deputirten von Nivelles brachten in der Kammer einen Antrag anf Wiedereinführung der Eingangszölle für Getreide, Vieh und andere Consumptibilien ein. Frankreich. Paris, 14. Jan. Kammer. Raoul Duval wünscht die Regierung über ihre diplomatische und militärische Action in Ostasien zu interpelliren. Ferry erklärte sich zur sofor— tigen Beantwortung bereit. Der Verlauf der Sitzung bewies, daß die Opposition dem Mini— sterium Nichts anhaben kann. Sowohl das be— antragte Mißtrauens votum wegen des Rücktrittes Campenon's wurde verworfen, als auch die ge— wünschte Vertagung. Das energische Auftreten Lewal's machte den besten Eindruck. —„Figaro“ meldet die vollständige Ver— ständigung Bismarck's mit Ferry bezüglich der beiderseitigen Colonialpolitik. Frankreich ver— pflichtet sich, in allen seinen Colonien den deut— schen Handel zu beschützen; Deutschland werde dagegen Frankreich am Congo, in Egypten und in China unterstützen. — Kriegsminister Lewal beabsichtigt von den Kammern wieder einen größeren Betrag für die Expedition in Tonkin zu verlangen. Die An— gaben schwanken zwischen 30 und 50 Million Fres. Die Befehlshaber der Armeecorps sind beauf— tragt worden, bei Unteroffizieren und Soldaten anzufragen, wer sich für den Dienst in Tonkin melden wolle, und der Marineminister hat be— kannt gemacht, daß eine Liste zur Einschreibung von Freiwilligen für die Marine-Infanterie für Leute von 18 bis 24 Jahren aufgelegt ist. — 15. Jan. Hässan Fehmi Pascha ist heute Vormittag eingetroffen und beabsichtigte morgen Abend nach London weiter zu reisen. Großbritannien. London, 14. Jan. Bei dem gestrigen Meeting der Liberalen in Kensington äußerte Dilke, es werde vielleicht nothwendig sein, die auswärtige und Colonial— politik Englands, wozu die Regierung durch die jüngsten Ereignisse genöthigt gewesen sei, theil— weise zu ändern und durch eine Politik zu ersetzen, die der gegenwärtigen Lage besser angepaßt sei. Italien. Neapel, 14. Jan. Die Einschiff⸗ ung der Truppen für die Garnison in Assab ist der schlechten Witterung wegen auf morgen oder übermorgen verschoben worden. Rußland. Petersburg. In Centralasien — I. 9ÄůCᷓ NN * g vollziehen sich ganz im Stillen Dinge, welche in Zukunft möͤglicherweise eine afgbanische Frage heraufbeschwören und das gute Einvernehmen zwischen Rußland und England in Zukunft zu trüben vermögen. Während die übrigen Mächte in der Colonial- Angelegenheit ihre Blicke auf Afrika gerichtet halten, dringt Rußland stetig weiter in Centralasien vor und vollzieht dort ohne jede Störung die Eroberung eines Land— striches nach dem anderen. Egypten. Kairo, 14. Jau. Nach einem Telegramm des„Temps“ hätte der Mahdi die Bedingungen Wolseley's angenommen. Die Eng— länder marschiren ungehindert auf Khartum. — Ein Bote aus Berti ist in Merawi am 12. Januar angelangt. Er meldet, daß die Robatat- und Monasir-Stämme sich unweit Salamat zusammengerottet haben. Sie haben den Mahdi um Verstärkungen ersucht, um dem Vorrücken der Engländer Widerstand zu leisten; aber der Mahdi hat ihnen geantwortet, daß er gegenwärtig keine Streitkraft entbehren könne, um sie zu unterstützen. Alexandrien, 14. Jan. Der Apwpellations— gerichtshof vertagte die Verhandlung uber die Berufung, welche von der Regierung gegen die Entscheidung des Gerichtshofes erster Justanz in dem von der Schuldenkasse angestrengten Pro— zesse eingereicht worden war, um eine Woche. 15 Aus Stadt und Land. 5. Friedberg. Der Kölntischen Zeitung wird aus Berlin geschrieben:„Als ein wichtiges parlamen— tarisches Ereigniß wird in Reichstagskreisen, namentlich innerhalb der deutsch⸗freisinnigen Partet, die Freisprechung des Rechtsanwalts Jöckel in Frledberg besprochen— freilich weniger diese Freisprechung an sich, als die gerichtliche Begründung derselben, laut welcher es dem Angeklagten gelungen ist, den Wahrheitsbeweis zu führen, daß der Major a. D. Hinze, jetzt Vertreter des Wahlkreises Friedberg— Büdingen, seiner Zeit den Abschied habe nehmen muͤssen, weil dem Officlercorps zur Kenntniß gekommen sei, daß derselbe einen Armeelieferanten um ein Darlehen an gegangen, und nachdem dies abgeschlagen worden, der Lieferant von der Bekleldungscommission, deren Vor— sitzender Hinze war, keine Aufträge mehr erhalten habe. Wenn die Gerichts verhandlung vor der letzten Wahl stattgefunden hätte, würde Hinze jetzt schwerlich Reichs— tagsmitglied sein. Beförderung eines Abgeordneten die Niederlegung des Mandats zur Folge, den nach unten hin gerichteten Fall! hat die Gesetzgebung nicht vorgesehen.“ m. Friedberg. Die Volksküche wurde am 10. Dez. eröffnet und mit Ausnahme der Weihnachtsfetertage und des Sonntags nach Weihnachten an jedem Tage den Armen eine gute Suppe gereicht. Bis zum 9. Jan. wurden 1239 Liter Suppe ausgegeben, 896 gegen Marken geschenkt und 343 gegen Baarzahlung, im Durchschnitt also 44—45 Portionen an jedem Tage ausgegeben. r. Bad⸗Nauheim. Unter sehr großer Bethetligung wurde am 12. d. Nts. auf dem Hartmann'schen Felsenkeller die diesjährige 24. General Versammlung des hlesigen Turnvereins abgehalten. Der Vorsitzende, Lehrer Wagner, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er einen Rückblick auf das verflossene Vereinsjahr warf und mit einem„Gut Heil“ auf die Harmonte und Ein— tracht in dem Verein schloß. In dem hierauf von dem— selben mitgetheilten Rechenschaftsbericht wurde zunächst dankend des Rittmetsters Langsdorff dahlter gedacht, welcher dem Verein einen Barren neuester Construetton als Geschenk überwiesen hatte, ein Beweis, wie das Gute stets Anerkennung findet. Außerdem hatte sich dem Verein die Gelegenheit in diesem Jahre geboten, auf billige Weise zu einem Gerätheschuppen zu kommen. Die Mitgliederzahl beträgt 93. An 80 Abenden turnten zusammen 1920 Mann, also durchschnittlich 24 pro Abend. Versammlungen wurden 12 abgehalten. Aus dem Vereins— leben ist noch zu erwähnen: Das Bezirksturnen in Vilbel, der gemüthliche Abend bei der Lehrerversammlung, die Turnfahrt nach Münzenberg, die Fahnenweihe des Mili⸗ tärvereins„Hassia“ dahter, das Gauturnen in Homberg, das Usgauturnfest in Anspach, das Sedanfest und die Feier von Kaisers Geburtstag, an welch sämmtlichen Festlichkeiten Betheiltigung seitens des Vereins statt— gefunden hat. Abendunterhaltungen haben zwei statt— gefunden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde außer— dem das Winterfest abgehalten, welches sehr gut besucht war. Der Bericht schließt mit den Worten:„Möge doch jedes Mitglied mit seiner Kraft dem Verein und seiner gemeinnützigen Sache dienstbar sein und das gute Fortbestehen desselben wäre vollkommen gesichert.“ Die vorgelegte Rechnung schloß ab mit einer Einnahme von 375 M. 50 Pf., einer Ausgabe von 350 M. 31 Pf. und einem Kassenbestand von 25 M. 19 Pf. Das baare Vereinsvermögen beträgt 264 M. 52 Pf. Allerlei. Frankfurt. Bezüglich der Ermordung des Poltzei⸗ raths Rumpff ist vom hiesigen Poltzelprästdium noch Dienstag Nacht an die Polizeibehörden in allen großen Laut gesetzlicher Vorschrift hat die Elsenbahnknotenpunkten ein Telegramm abgesendet worden, welches folgenden Wortlaut hat:„Der Poltzetrath br. Rumpff wurde heute Abend erstochen. Die That wurde unzweifelhaft von Anarchisten verübt. Möglicher— weise ist der Thäter oder Mitwisser ein Mann von etwa 30 bis 40 Jahren, untersetzt, hat volles Gesicht, blonde Haare, kurzen blonden Schnurrbart und ist 5½ Fuß groß. Ich bitte, sofort und in den nächsten Tagen nach den Verbrechern zu forschen.— Der Präsident: v. Hergenhahn.“ Crefeld, 13. Jan. Der fahrplanmäßig 8 Uhr 6 Min. von Neuß hier eintreffende Localzug stieß heute früh beim Einfahren in den hiesigen Bahnhof auf einen leeren Personenzun. In Folge des Zusammenstoßes entgleisten eine Locomotive und drei Personenwagen und wurden diese mehr oder weniger erheblich beschädigt. Menschen wurden glücklicherweise nicht verletzt, auch er— litt der Betrleb keine Störung. Der Zustammenstoß wurde durch einen Fehler im Depeschendienst verursacht. Wien. Die Frankfurter Mordthat erregt hier große Bewegung. Die Polizeibehörde recherchirt auf Ersuchen des Frankfurter Pollzeichefs eifrigst. Parts, 15. Jan. Eine Explosion schlagender Wetter fand in den Kohlengruben von Lievin(Pas de Cal ats) statt. Achtundzwanzig Personen blieben todt. Madrid. Die Zahl der in der Provinz Granada durch die Erdbeben zerstoͤrten Häuser beträgt 3240. Handel und Verkehr. Butzbach, 14. Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.85— 0.90, Käse per Pfd. 45—46 Pf. Eier 1 Stuck 8 Pf. Frankfurt, 14. Jan. Wochenmarkt. Weißkraut per Hundert M. 10— 14, Rothkraut per Stück 25 bis 40 Pf., Wirsing 6—10 Pf., Blaukraut 6 Pf., Blumen- kohl(geringe Waare) 20—25 Pf., Erdkohlrabi 6—8 Pf., Kartoffeln per Malter(200 Pfund) M. 4—5, per Gescheid 9— 10 Pf., bessere Sorten 12 Pf., Mäuschen, gelbe 25 Pf., rothe 20 Pf., Zwiebeln per Centner M. 5—6, per Gescheid 20 Pf. Dürrobst: Zwetschen per Pfund 25—35 Pf., Hutzeln 30-35 Pf., Kirschen 50 Pf., Apfelschnitte 40— 50 Pf. Frisches Obst: Aepfel zum Kochen per Centner M. 10— 12, Borsdorfer M. 20, Goldreinette M. 17, Graureinette M. 12, Kochbirnen M. 1215, Tafelobst M. 20—25, Kastanien per Pfund 16 20 Pf., Nüsse per Hundert 25— 80 Pf.; italienisches Obst en gros: Maronen per Centner M. 16, Haselnüsse M. 33, per Pfund 40 Pf., Orangen per Kiste(420 Stück) M. 26, Citronen per Kiste(300 Stück) M. 17, per Stück 9—10 Pf. Eier per Hundert: Deutsche M. 6—7, Italiener M. 8— 9,50.— Am Geflügel- und Wildpret⸗ markt wurden Gänse verkauft je nach Qualität per Pfund 55—65, Hase per Stück M. 3, kleinere M. 2.50. Geld- Cours. Frankfurt, am 15. Januar 1885. Geber. M. Pf. 20⸗Frankenstück:e: 16% do. in,[eds Englische Sovereings 20. 0 Russische Impertales.. 16. 72 16. 68 Duate n 9d „ al mae 96 Delars is Sold. Kirchliche Anzeigen fur Friedberg. Ebangelische Gemeinde. 2. Sonntag nach Epiphanias. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche: Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat H. Blegler. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Abends 5 Uhr: Herr Missionär Thum m. scatholische Gemeinde. Samstag 5 Ubr: Beicht. Sonntag 6 Uhr: Beicht. 347 Uhr: Austheilung der heil. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht. Submission auf Schreinerarbeit. Die Anfertigung von zwei Subsellien soll auf dem Submissionswege vergeben werden. Muster und Be— dingungen sind bei uns einzusehen. Die Submission ist bis zum 20. d. Mts. verschlossen mit der Aufschrift „Submission auf Schreinerarbeit“ in unseren Brlefkasten am Hause einzulegen. Friedberg den 16. Januar 1885. Großherzogliche Direktion der Blinden-Anstalt. Schäfer. Faselochs⸗Versteigerung. Mittwoch den 21. Januar l. J., Vormittags 11 Uhr, soll ein der hiesigen Gemeinde zustehender, zum Schlachten geeigneter Faselochs öffentlich meistbietend auf dem Bürgermeisteret-Büreau dahler versteigert werden. Bruchenbrücken am 15. Januar 1885. Großherzogliche Bürgermetsteret Bruchenb rücken. 25 Wagner. Unterjaden& Unterhosen r 2 billigst bel 0 1 15 2 Mitt fangend 1 Struth —— 3——— —————————...... re eee e —= .— — S* 2 1 werden Die fangend Luugert 1400 1 K. Friedrich. 1 Bekanntmachung. Die Lieferung von schwer, einer Haut Soblleder, eirea 24 ko schwer, Franco Offerten bis zum 22. d. Mts., 10 Ubr, mit der Aufschrift:„Materiallieferung betreffend“ dahter abzugeben. Bad⸗Nauheim am 14. Januar 1885. 8 Jäger. Bekanntmachung. Die am 12. und 13. d. Mts. walde abgehaltenen Holzversteigerungen haben die Ge— gnehmigung erhalten und ist der erste Abfuhrtag auf Samstag 1 den 17. J. Mts. bestimmt worden. Bad⸗Nauheim den 15. Januar 1885. Großherzogliche Bürgermeisterei Bad-Nauheim. Woͤrner. Zwangs-bersteigerung. Mittwoch den 21. Januar l. J., Nachmittags 2 Ubr, werden vor dem Ratbhause zu Friedberg 1 3 Kübe, 1 2 Rinder, 2 Pferde, 2 Oekonomiewagen öffentlich gegen Baarzablung versteigert. Friedberg, 13. Januar 1885. König, Gerichtsvollzieher. Holzversteigerung. Mittwoch den 21. Januar, Vormittags 9 Uhr an⸗ fangend, sollen im Butzbacher Stadtwald, Distrikt Struth, nachstehende Holzsortimente öffentlich versteigert werden: 311 Naummeter Buchen Scheiter, 92 5„ Knuͤppel, 228„ Stöcke. Zuf sammenkunft ist an der Wegscheide zwischen Clee⸗ berg und Espa. Buß bach, Januar 1885. l Bürgermeisterel Butzbach. Küchel. Holzversteigerung. Dienstag den 20. d. Mts., Vormittags 10 Uhr an⸗ fangend, kommen im Assenheimer Gemeindewald, Distrikt Laugert: 1400 Eichen⸗Durchforstungswellen, 410 Fichten Wellen, 2 Raummeter Eichen-Knüppel, 19 Eichen Stämme, 3,21 Festmeter Inhalt, 11 Fichten⸗„ 1,15 N 5 28„ Derbstangen 60* 4 zur öffentlichen Versteigerung. Assenheim den 15. Januar 1885. Großherzogliche Vürgermeisterei Assenheim. Best. Ungar- Meine, Apabggekelterte, garantirt rein, Erlauer M. 1. per Flasche mit Glas, 899 D — — 9 2 Farlowitzer„ 0 2 7 Ungar. Burgunder, besonders für Magenleidende zu empfehlen, M. 1.35, Nuster Ausbruch(Frühstücks⸗ u. Gesundheitswein) M. 1.65, Medieinal⸗ ⸗Tokayer/ Original-Flasche M. 1.65, f 90 Pf. 0 72 Ungarische Weingroß handlung von 34 0 J. Leuchtmann, Wien Nußdorf und Frankfurt a. M. Niederlage in Friedberg bei Ph. Dan. Kümmich, CAC AO PULVER HO 08. AD E E. O. MOSER CU % Ur TSART e 350 Ahn Hosliete— Zu haben bel Herren W. Fertsch, M. 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Januar 1885 wurden nachfolgende Bestimmungen in obigem Betreff festgesetzt: 1) Die Familien-Begräbnisse werden abgegeben nicht als Erb- und Eigenthum für ewige Zeiten, sondern nur als gemeinsame Begräbnißstätte für die Glieder einer Familie, soweit deren Raum hierfür ausreicht. 2) Wenn ein Familien- Begräbniß vollgelegt ist, oder keine an demselben Berechtigten mehr vorhanden sind, so soll dasselbe von dem Zeitpunkte der letzten Beerdigung an, fünfzig Jahre lang unbenutzt liegen und etwa vorhandenen verwandten oder befreundeten Personen zur Instandhaltung und Pflege überlassen bleiben, dann aber an die Stadt zurückfallen. Sind Verwandte nicht vorhanden, welche die Unterhaltungspflicht übernehmen, dann tritt der Rückfall schon nach 30 Jahren ein. 3) Alsbald und spätestens innerhalb eines Jahres nach dem Erwerb eines Familien-Begraͤb— nisses muß dasselbe mit einer nach Vorschrift gearbeiteten Sandsteinrahme eingefriedigt, der Platz sauber geebnet und überhaupt von Unkraut und Verwilderung rein gehalten werden; ansonsten dies durch die Friedhofs- Commission angeordnet und auf Kosten des Säumigen ausgeführt wird. Bei dereinstigem Heimfall des Familien-Begräbnisses geht die Einfriedigung mit an die Stadt über. 4) Gedenksteine, Grabmonumente, an der Friedhofsmauer nicht angebracht oder befestigt, beschädigt werden. Zur Anlage von größeren Monumenten, Grabgewölben u. s. w. ist die Genehmigung der Friedhofs-Commission einzuholen. 5) Außer diesen für die Familien-Begräbnisse geltenden speziellen Bestimmungen hat der Inhaber sich den allgemeinen Friedhofs-Polizei-Verfügungen und Anordnungen zu unter— werfen und insbesondere der hier bestehenden Begräbniß-Ordnung nachzukommen. 6) Der Preis für ein Familien-Begräbniß von 5 Meter Länge und 2,5 Meter Breite — 12,5 Quadrat-Meter, wird auf 75 Mark, der Quadrat- Meter 6 Mark; festgesetzt und für Begräbnisse von Mehr- oder Minder-Flächengehalt in diesem Verhältniß berechnet. Indem wir vorstehende Bestimmungen bekannt geben, laden wir diejenigen Bewohner der Stadt, welche Familien-Begräbnisse erwerben wollen, ein, sich bei unterzeichneter Stelle zu melden. Friedberg den 15. Januar 1885. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. teinhäußer. Landw. Klacchinen und Geräthe 5 N. Häuser Willwe in Friedberg und Fauer bach, Befestigung von Sträuchern, Spalieren u. dergl. dürfen dieselbe überhaupt in keiner Weise als: Süemaschinen, Hackmaschinen, Berliner Pflüge, Wanzlebener Pflüge, Hohenheimer Beet⸗ Schaufelpflüge, Häufelpflüge, Kar⸗ flüge, amerikanische Wendepflüge, Jütländer Wendepflüge, toffelaushebpflüge, Rübenaushebpflüge, eiserne Vorderpflüge, Marqueure, dreischaarige Pferdehacken, Extirpatoren, Schaar⸗ Eggen, Wetterauer Eggen, Ringelwalzen in verschiedenen Größen, I theilige Holzwalzen, eiserne Sackkarren, Schrotmühlen, Kartoffel- / mühlen, Dickwurzmühlen, Häckselmaschinen neuester Construction. Billige Preise. Prompte Bedienung. Probe⸗ 1 1 Eisvergnügen ohne Gefahr. Eingang an der Mühle. Entré für Erwachsene 10 Pf., für Schüler 5 Pf. Fauer bach L.„ Freiwillige Feuerwehr. Samstag den 17. Januar 1885, Abends 8 Uhr, — Versammlung bei Kamerad Binzel(Gaxtensaal).“ Tagesordnung: Abhaltung eines Balles. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. r 254 Mahr, Adjutant. Veteranen- und Militär verein Friedberg. Samstag den 24. Januar er. findet 8½ Ubr Abends Generalversammlung im Vereinslocal statt.§. 31 der Statuten. Tagesordnung: 1) Rechnungsablage pro 1884. 2) Neuwahl des Vorstandes. 3) Besprechung der 88. 45—48 der Statuten, betr. Betheilig⸗ 253 Zu dem Sonntag den 25. Januar, Abends 8 Uhr, im Hotel Trapp stattfindenden Gesellenball laden wir sämmtliche Meister und Gesellen hiermit höflichst ein. 233 Das Comité. 18 28 2 2 2 „ Möbelmagazin von J. Pfeffer& Metzendorf in Friedberg nächst dem Bahnhofe, große Auswahl aller feineren und gewöhnl. Möbel. Billigste Preise, reellste Bedienung. = ueis-VBerzeicnisse gratis und franco. Fastenbretzeln 202 empfahl. Sr. Renz. Riesen⸗Speckbückinge, Lachsforellen 2 l Wilh. Bernbeck. 1 neuer zweithüriger Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 einthüriger Kleiderschrank, 1 ovalrunder Tisch, 2 lackirte Tische, 1 lackirte Bettstelle sind billig zu verkaufen bei F. 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