8 1878. Samstag den 14. Dezember. A 148. u f 4 Sberhessischer Anzeiger. — Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und und z Donnerstags und Samstags. 1 II 1 74 Freitag Abend ausgegeben. * N Kreisblatt für den Artis Friedberg. Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. „ Gele Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres- Conto bei uns 3 0 der 3 nicht eka ist, 1 5 85 aft nachgenommen. rr ee Amellcher Theil. 1 dn Seit K Cal Betreffend: Bezirks⸗Conferenzen der Lehrer des Kreises Friedberg. Friedberg den 11. Dezember 1878. A 4 Die letzte Bezirks Conferenz in diesem Jahre, wozu hiermit die Auf den Tagesordnungen fehen insbesondere: * chlitten Herren Lehrer eingeladen werden, soll stattfinden: 3 Für Friedberg: Schreibleseunterricht und Ferd. Schmidt's Schriften. 3 1 Für den Bezirk Friedberg Dienstag den 17. d. Mts.; 155„ Vilbel(Groß Karben, Brunnen): Ein- oder mehrklassige des Gait 3„ Vilbel Mittwoch den 18. d. Mts; 8 Geerling's deulscher Aufsatz. Geometrie-Unterricht in der Georg Echt i„ Butzbach Samstag den 21. d. Mie. Volksschule. 5 und zwar jedesmal Vormittags 9½ Uhr in den früheren Lokalen(in, 3) Für Butzbach: Geschichts Unterricht in der Schule. Friedberg bei Durch) Schmidt, Groß herzoglicher Wee eee PP 4„ o N 1 95 e Wiener „ Das Möbellager aeg vn. N 3813 E. Oppenheimer's Cigarrenhandlung. von ngen II. BIND EMAIL D. Schulranzen, Reisetaschen, Umhängetaschen und sonst noch verschiedene Kaiserstraße gegenüber dem Rarhhause, Atitel, welche sic is Weihnachtsgeschenke dende. empfiehlt zu Weihnachten in großer Auswahl: eignen, empfiehlt zu äußerst billigen Pressen deerg Stoß. Sessel, Blumentische, Blumenständer und Kindersessel aus Rohr, gepolsterte A. 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Zugleich erlauben sich die ausscheidenden Mitglieder orenz und Dr. Lahr ihre Kameraden zu einem Ab; schiedsglase freundlichst einzuladen. Turnverein. Musikalisehe Abendunter haltung am 1. Januar 1879, 8 7½ Uhr, im Trappischen Saale. Nach K Programm Tanz. Der Vorstand. Turnverein. Gesellige Vereinigung der Mitglieder jeden Samstag 3895 nach dem Turnen in der Hinteren Gaststube des Bier? brauers Chr. Frick. 3896 Flicdberger Casino. Samstag den 14. Dezember, Abends: Bier von Zephanias Fischer in Erlangen. 3851 Weihnachts-Ausstellun meiner Conditorei⸗Waaren Der Vorstand. beginnt am 15. d. Mts. 3865 M. Philippi, Hosconditer Srische Vackbückinge 3897 bei Wilhelm Fertsch. Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 3. Advent. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Diegel. Gottesdienst in der Stadtkirche: Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Illert. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Baur. Katholische Gemeinde. Samstag um 4 Uhr: Gelegenheit zur Beicht. Sonntag 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht. Verantw. Red.: Carl Bindernagel. Druck und Verlag von Carl Bindernagel. (Hierzu Unterhaltungsblatt Nr. 50 und eine Beilage.) 1 e — rss S S S SS tel 1 den u de dati Robrseseel 1 am 3 augen n m litein Militär⸗Berrin Ereil. udunterdaltun 7 A Trapp 1;. Serin 1 1 tber E 2 e erein. 4 55. d. in der Sitzung der Budget- Commission des Abgeordnctenhauses erklärt hat, ist der Entwurf eines Reichs- Eisenbahngesetzes fertig und bereits 4 Abstand nehmend, zwischen den Staatsbahnen in —— Deutsches Reich. Darmstadt, 11. Dec., Abends 7 Uhr. Während des Tages ist das Fieber bei J. K. H. der Großherzogin nicht weiter zurückgegangen. Die diphtheritischen Membranen haben sich noch nicht ab; gegrenzt. Die Drüsen der linken Halsseite sind immer noch stark angeschwollen. 12. Dex. Morgens 9 Uhr. Die Großherzogin hat die letzte Nacht ruhiger wie die vorhergehende, aber schlaflos zugebracht. Das Fieber hat sich etwas verringert, dagegen haben sich die diphtheritischen Membranen noch weiter verbreitet. Dr. Eigenbrodt. Prof. Dr. Oertel. Dr. Jäger. — 12. Dec. Die Königin von England hat ihren Leibarzt Dr. Jenner hergesandt. Derselbe ist heute Morgen um 6 Uhr hier eingetroffen und im Großh. Schloß abgestiegen. — Die erste Kammer wird Freitag, 13. l. M. zu einer Sitzung zusammentreten. Tagesordnung: Prorogation des Finanzgesetzes. Die 2. Kammer ist auf Donnerstag den 19. d. M. einberufen, um die Gesetzentwürfe in Betreff der Abänderung des Art. 67 der Verfassungs Urkunde und der Art. 26 und 33 der landständischen Geschäfts⸗ Ordnung, in Betreff der Verlegung des Etats Jahres und in Betreff der Vereinignng der Staatsschuldentilgungskasse mit der Hauptstaats- kasse zu berathen. Es wird voraussichtlich nur eine Plenarsitzung stattfinden. — Für den hiesigen preußischen Gesandten⸗ posten soll an Stelle des Fürsten Lynar der deutsche General-Consular Alvensleben zu Bukarest treten. — Die„N. H. V.“ schreiben: Wie aus Berlin mit aller Bestimmtheit gemeldet wird, hat die preußische Regierung Unterhandlung wegen Ankaufs des hessischen Antheils der Main⸗Weser⸗ bahn eingeleitet. Die Verwaltung und der Be— trieb dieser Bahn sind bekanntlich seit dem Jahre 1866 bereits in den Händen Preußens und haben die Bewohner Oberhessens seit dieser Zeit vielfach Vetanlassung gehabt, über Zurücksetzung ihrer Interessen zu klagen. 1 Hoffen wir, daß die groß herzogliche Regierung bezüglich der Main Weser⸗ bahn die Interessen des Landes und der Provinz Oberhessen im Auge behalten möge. Berlin, 11. Dee. Abgeordnetenhaus. Laut Schreiben des Justizministers ist das gegen den Abgeordneten Franz schwebende Strafverfahren für die Dauer der Session eingestellt.— Der Gesetz⸗ Entwurf betreffs Erwerbung von Grund⸗ stücken für die geburtshülfliche Klinik in Berlin wird in drittet Lesung ohne Debatte angenommen, der Entwurf einer Hauberg Ordnung für den Kreis Siegen an die Agrar- Commission über- wiesen. Es folgt die Berathung über den An⸗ trag Windthorst(Meppen), betreffend die Ab. änderung des Gesetzes über geistliche Orden und Congregationen. Nach einer längeren Rede des Cultusministers beantragte Haucke über den Antrag Windthorst zur einfachen Tages Ordnung über⸗ zugehen. Windthorst wendet sich kurz gegen den Haucke'schen Antrag. Dieser wird darauf gegen die Stimmen des Centrums und der Altconser— vativen angenommen. — Wie der Handels-Minister Maybach am dem Bundesrathe übergeben. Der Gesetzentwurf unterscheidet, angeblich von dem Anspruch auf das zunmiltelbare Aussichtsrecht des Reiches über alle unter das Eisenbahngesetz fallenden Eisenbahnen Deutschlaud und den Privatbahnen in Bezug auf wie dem Reiche zukommenden Aussichtsrechte in der Weise, daß er dem Reiche das unmittelbare Auf— sichtsrecht übet die in den Geltungsbereich des Gesetzes fallenden Privat- Eisenbahnen zuerkennt, dagegen demselben das Aufsichtsrecht über die im Reiche vorhandenen Staats- Eisenbahnen nur in: sofern einräumt, als die Central Behörden der Einzelstaaten Theil an demselben haben sollen. — 11. Dec. In der morgen zu haltenden Plenarsitzung des Bundesrathes steht der Antrag der beiden Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, sowie für Handel und Verkehr betreffs der vom Reichskanzler beantragten Einsetzung einer Com: mission für Revision des Zolltarifs zur Berathung. Der Antrag der Ausschüsse geht in der Hauptsache dabin: zum Zwecke der Revision des bestehenden Zolltarifes eine 15 Mitglieder zählende, aus Beamten des Reiches und der Bundesstaaten be— stehende Commission einzusetzen, von denen 3 durch den Reichskanzler, drei durch Preußen, zwei durch Bayern, je eines durch Sachsen, Württem⸗ berg, Baden, Hessen, Mecklenburg, Weimar und die Hansestädte ernannt werden; den Vorsitzenden ernennt der Reichskanzler aus der Zahl der Mitglieder. Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Oesterreich, Frankreich und England erklärten der Pforte, bei der russischen Räumung die Pforte zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung in dem geräumten Ge- biete unterstützen zu wollen. Die Pforte müsse jeder Unordnung entschieden vorbeugen, da sonst ihr Anrecht auf Herrschaft in Europa verloren gehe. Bestätigung bleibt abzuwarten. — 12 Dec. Der Budgetausschuß des Ab- geordnetenbauses berieth den Gesetzentwurf, betr. die Forterhebung der Steuern und Bestreitung des Staatsaufwandes bis Ende März 1879. Scharp's Antrag, die Erhebung der Steuern bloß für Einen Monat zu bewilligen, wurde ab- gelehnt und die dreimonatliche Steuererhebung genehmigt.§ 3, betreffs Ermächtigung zur Be. gebung von 20 Millionen Gulden Goldrente be— hufs Bedeckung des Defieits, wurde nicht ge⸗ nebmigt, dagegen§. 4(Ausgabe von 30 Mell. Gulden Papierrente zur Rückzahlung der im Laufe des Jahres fälligen Staatsschuld) vollin⸗ haltlich angenommen. Prag, 11. Dec. Der Kronprinz Erzherzog Rudolf hat sich gestern zufällig in die linke Hand mit einem Zimmer-Kapselgewehr geschossen. Der Schuß ging zwischen Daumen und Zeigefinger durch die Weichtheile. Die Wunde ist/ Zoll lang, der Schmerz nicht bedeutend und das all— gemeine Befinden befriedigend.— 12. Dec. Das Befinden des Kronprinzen ist andauernd günstig; die Heilung der Wunde verläuft normal. Pest, 9. Dee. Gesfern Abend sand nach der„N. Fr. Pr.“ ein Arzt auf der Straße eine nicht explodirte Petarde, deren kupferne Hülse eine Flintenkugel umschloß; an der einen Spitze der Hülse war eine etwa drei Schuh lange Schnur befestigt und an das Ende derselben ein Carton, der die Bildnisse des Grafen Andrassy und Tisza's trug. Das Object wurde der Polizei übergeben. Im Publikum herrscht nur Eine Stimme der Entrüstung über die Unfähigkeit der Polizei, den Urhebern dieser Streiche auf die Spur zu kommen. Schweiz. Bern, 12. Dec. Im Stände- rath ist eine Motion auf Aufhebung des Arlikels 65 der Bundesverfassung, durch welchen die Todes- und Körper-Strase abgeschafft worden war, ein— gebracht worden. Der Bundesrath hat die Re- gierung von Neuenburg zur Unterdrückung des in Chaux de- Fonds erscheinenden anarchistischen Blattes„Avantgarde“ aufgefordert. Frankreich. Paris. Admiral Jaurés wurde zum Gesandten am Madrider Hofe an Stelle des Grafen Chaudordy ernannt. Letzterer wurde zur Disponibilität gestellt. — Der Hendelsvertrag zwischen Frankreich und Schweden Norwegen ist bis zum Ende des Jahres 1879 verlängert. — Die mit den in dem Strafgesetzbuche ein— zuführenden Resormen betraute Commission hat; sich für die Hinrichtungen im Innern der Ge— sängnisse ausgesprochen. eee a— Oberhessischer Anzeiger. M 148. — Holland. Haag. Die niederländische Regierung hat, wie die„Tribüne“ hört, die Ab- sicht, einen Congreß sämmtlicher Seemächte nach dem Haag einzuladen, auf welchem angesichts der neuesten wiederholten Schiffsunglücke berathen wer- den soll, durch welche Vereinbarungen und Maaß⸗ regeln der Gefahr eines Zusammenstoßes zur See wirksamer als bisher vorgebeugt werden kann. Großbritannien. London, 11. Dec. Oberhaus. Beaconssield bielt in der heutigen Sitzung eine längere Rede, in welcher er sagte: Die Regierung werde für die Sicherung des britischen Reiches und Indien sorgen. Als der Krieg zwischen England und Rußland drohend erschlen, seien die Vorbereitungen Rußlands in Centralasien vom Standpunkte Rußlands aus zu⸗ lässig gewesen. Nachdem jene Befürchtung ge⸗ schwunden, hätte England diese nicht länger ge⸗ statten können. Rußland habe seitdem eine Reparation versucht. Sein Benehmen sei ganz das Gegentheil des Benehmens des Emirs ge— wesen. Der Einfluß Englands, in Europa den Frieden um jeden Preis zu erhalten, habe mehr Kriege verursacht, als irgend sonst Etwas. Hierauf wurde der Antrag Cranbrooke's ohne Abstimmung genehmigt. — 12. Dec. Gegen Eduard Bure Maldon (Franzose) wurde heute vor dem Gerichtshof in Bowstreet die Anschuldigung erhoben, an den Unterstaats- Secretär Liddell und Lord Lyons Schreiben geschickt zu haben, in denen er drohte, daß er auf die Königin schießen wolle. Italien. Rom, 11. Dec. Die Deputirten⸗ kammer setzte die Debatte über die Interpellationen betreffs der inneren Politik fort. Caixoli und Zanardelli gaben neue Aufklärungen über die Politik des Cabinets. Schließlich wurde die Tagesordnung Bacelli's, mit der das Ministerium sich einverstanden erklärt hatte, in namentlicher Abstimmung mit 263 gegen 189 Stimmen abge- lehnt. Diese Tagesordnung besagte, daß die Kammer die Erklärungen des Ministerpräsidenten und des Ministeriums des Innern zur Kenntniß genommen habe und vertraue, daß das Ministerium des Königs mit sester Hand die Ordnung in der Freiheit aufrechtzuerhalten verstehen werde. In Folge dieser gegen das Ministerium gerichteten Abstimmung hat das Ministerium seine Entlassung gegeben. Der König behielt sich seine Entscheidung vor. Einstweilen führt das Cabinet die Geschäste fort. — Die Kurie ließ durch Vermittlung des Nuntius in Wien der russischen Regierung ihre Geneigtheit zur Lösung der auf Polen bezüglichen Rirchenfragen kundgeben. Das russische Cabinet sendete hierauf Urusoff in Specialmission nach Rom. Derselbe verständigte sich mit Nina über mehrere Punkte und kebrt nach Rußland zurück, um die vereinbarten Punkte seiner Regierung vorzulegen. Die Verhandlungen versprechen eine günstige Wendung. Neapel. Passamante ist endlich das Requisitorium zugestellt worden. Er lag auf seinem Bette ausgestreckt. Als ihm der Huissier das Dokument übergab, richtete er sich auf und nach⸗ dem er einen gleichgiltigen Blick auf die erste Seite desselben geworfen, rief er:„Ich babe verstanden!“ Darauf bog er das Blatt zusammen und legte es unter seinen Kopfpolster, streckte sich wieder der Länge nach auf das Bett und gab dem Wächter ein Zeichen, ihn allein zu lassen. Nachdem der Proceß am 6. December begonnen, dürfte in etwa acht Tagen das Urtheil erfolgen. Türkei. Constantinopel, 10. December. Mahmud Pascha wurde die vergangene Nacht zum Sultan berufen und zum Gouverneur von Tripoli di Barbaria ernannt. Derselbe ist sofort auf seinen Posten abgegangen. Der ehemalige Schaik⸗ ül ⸗Jslam, Hassan Pascha, Adejid Pascha und andere untergeordnete Personen wurden ebenfalls in die Provinz geschickt, weil der Sultan die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß diese Personen — 7 —— — „——————————.——— unter seinen Rathgebern Uneinigkeit hervorzurufen suchten. — Die„Ag. Hav.“ will Nachrichten von bier erhalten haben, wonach die auf den Abschluß einer neuen Convention zwischen England und der Türkei bezüglichen Unterhandlungen jetzt einen schnelleren Verlauf nehmen sollen. Es fänden Unterredungen zwischen dem Sultan, dem Groß vezir und Lapard statt. Gerüchtweise verlaute, England werde die Abtretung des sprischen Hafens Alexandreite fordern unter Aufrechterbaltung der Oberherrlichkeit des Sultans gegen Leistung finan- zieller Compensationen und Garantie einer Anleihe von 20 Millionen Lstrl. — 12. Dee. Nach Mittheilungen, welche der„Agence Havas“ zugingen, herrscht hier in Folge der Entdeckung einer die Absetzung des Sultans bezweckenden Verschwörung eine große Aufregung. Zahlreiche Patrouillen sind während der Nacht in Bewegung. Am Freitag wurden viele Verhaftungen vorgenommen; unter den Ver⸗ hafteten befindet sich Nedgi Pascha, Chef der Palastmusik. Der frühere Sultan Murad und der Thronfolger werden unter Aufsicht gehalten. Bei ehemaligen Ministern sind Haussuchungen erfolgt — Der abgesetzte Großmeister der Artillerie, Reuf Pascha, soll nachträglich wegen seiner Haltung im letzten Kriege vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Griechenland. Athen, 12. Dec. Der Finanzminister unterbreitete der Kammer eine Vor- lage betreffend eine ausländische Anleihe von 60 Millionen. Die Kammer begann die Budget- Berathung. — Der zum Gouverneur von Kreta ernannte seitherige hiesige türkische Gesandte Photiades Bey wurde angewiesen, seine Abreise nach Kreta bis auf Weiteres zu sistiren. Rußland. Petersburg, 11. Dec. Heute Nachmittag versammelten sich vor des Großfürsten Thronfolger einige Hundert junger Leute, um eine Bittschrift zu überreichen. Die Ansammlung erregte Aufmerksamkeit; der Stadt- hauptmann erschien bald auf dem Platze, wobei es sich herausstellte, daß die jungen Leute Studenten waren, welche in einer Studentenangelenheit die Protection des Thronfolgers erbitten wollten. Letzterer befand sich in Zarskoe-Selo. Der Stadt- hauptmann nahm die Petition ab, worauf sich die Biitsteller zurückzogen. — 12. Dec. Fürst Gortschakoff ist gestern Abend hier eingetroffen und wurde von dem Geh. Rath Giers, sowie von den obersten Beamten des Ministeriums des Auswärtigen am Bahnhof empfangen. Gortschakoff, der beute Vormittag vom Kaiser empfangen wurde, hat wieder die Leitung des Ministeriums des Auswärtigen über- nommen. Aus Stadt und Land. —p. Friedberg. Musikfreunde werden auf das 2. Con- cert des Gießener Concert-Vereins, welches am 15. Dez, Nachmittags 5 Uhr, im Clubsaale in Gießen stattfindet, aufmerksam gemacht. Außer größeren Orchesierstücken (Haydn, Symphonie in G-dar, Schumann, Ouverture, Scherzo und Finale) und Gesangs Vorträgen der Altistin Frl. P. Hoffmann aus Berlin, bietet dieses Concert den seltenen Genuß, den trefflichen Violinspieler E. Sauret aus Paris zu hören.(E-moll-Concert von Mendels⸗ sohn, Romanze von Beethoven, Fantasie über ungarische Tünze von Ernst.) Schluß des Conceris nach 7 Uhr, Abgang des letzten Zuges von Gießen nach Frankfurt 7 Uhr 50 Minuten. HW. Friedberg, 11. Dez. Gestern Abend fand die Schlußsitzung des Comité's der Gewerbe ⸗Ausstellung im Lokale des Gewerboereins statt. In dieser Sitzung er— statiete Kaufsmann Ed. Hirsch im Namen der Finanz⸗ Commission Bericht über Einnahme und Ausgabe genannten Comiié's. Wir ersehen daraus, daß trotz der in mancher Beziehung ungünstigen Verhältnisse, dennoch auch finanziell dieses Unternehmen als ein recht gelungenes bezeichnet werden kann. Nach Abzug aller Kosten und nachdem nicht unbeträchtliche Summen als Remunerationen für die ver⸗ schiedenen Dienstleistungen vertheilt worden waren, verblieb noch ein Ueberschuß, welcher der Kasse des Gewerbvereins zugewiesen wurde. Ein solches Resultat ist wohl die beste Antwort auf die mannigfachen Anfeindungen, welche dem Unternehmen zu Theil wurden. Vielleicht wäre das Re- sultal ein noch günstigeres geworden, wenn von gewisser Seite nur der zehnte Theil jenes Eifers, der aufgeboten wurde, dasselbe zu schädigen, aufgeboten worden wäre, dasselde zu fordern; wenn es also dennoch gelungen ist, so gebührt sowohl dem Gesammt⸗Comité sowie einzelnen Mugliedern desselben ganz besonders der Dank und dem Palais die volle Anerkennung seitens der Bewohner unserer Stadt und unseres Kreises. An Eintrittsgeldern wurden im Ganzen M. 1145. erzielt, und zwar: von 93 Abonnenten à M. 1.20, 2391 Personen 3 30 Pf., 592 Schülern höherer Lehranstalten à 15 Pf., 438 Volksschülern à 5 Pl.; Concert⸗ karten à 20 Pf. wurden an 3 Concert⸗Tagen 1029 gelöst. Die gesammte Einnahme belrug rund M. 6045. Friedberg. Bezüglich der Hanau⸗Frieoverger Bahn verlautet officiell:„Von dieser Bahn liegen 16 4 km auf hessischem Gebiete. Auf letzterem wird der Bau wohl erst im Frübjahr 1879 beginnen können, weil die Erwerbung des Terrains, welche durch die Gemeinden zu erfolgen hat, noch im Rückstande ist. Durch Pachtung der Ländereien wurde wenigstens die Möglichkeit geboten, mit den Fun⸗ dirungsarbeiten größerer Brücken zu beginnen. In dem preußischen Theile der Strecke ist der Grunderwerb sast beendet. Da auf Bahnhof Hanau besondere Gebäude nicht erforderlich sind und auf Bahnhof Bruchköbel nur provisorische Anlagen zur Ausführung kommen, so wird die Eröffnung der Strecke Hanau⸗Windecken voraussichtlich am 1. Juli 1879 erfolgen können.“ r. Bad⸗ Nauheim. Freunde des Eissports seien darauf aufmerksam gemacht, daß das Eis unseres großen Teiches trägt und spiegelglatt ist. Es tummelt sich bereits eine muntete Schaar seit einigen Tagen auf demselben herum. Allenstadt. Die„O. N.“ schreiben: Kürzlich wurde hier einem lebenden Pferde die Zunge abgeschnstten. Der Hanauer Thierschutzverein, welcher davon Kenntniß erhielt, hat den Beschluß gefaßt, demjenigen, der zur Ermittelung des Unmenschen beiträgt, so daß letzterer gerichtlich zu be⸗ langen ist, eine Prämie von 20 Mark zu verwilligen. Butzbach. Von bier schreiben die„O. N.“: Als ein Zeichen von besonderer Fruchtbarkeit dieses Jahres in Erdgewächsen mag gelten, daß bei einem Landwirih in Ober⸗Hörgern Weißrüben im Gewicht von 6 Pfund und Dickwurz bis zu 24 Pfd. zu sehen sind. Der 24 Pfünder ist unien abgeplaltet und füllt den Platz eines Kinder— stuhls vollständig aus. Umfang 90 Ct. Größe und Gestalt der schwersten Weißrübe ißt reichlich die eines so— genannten Sauerwasserkeugs. Gießen. Für das Wintersemester 1878/79 fell! sich die Frequenz unserer Universttät wie folgt: Neu imma— trikusiet 93, geblieben oder von anderen Universiläten zurückgekommen 259, zusammen 352 Studenten. Davon sind Hessen 266, Nichtbessen 76. Nach den Fächern tbeilen sich dieselben in: Juristeß 98, Mediein 64, Pbilosophie, Nalurwissenschaften ꝛc. 38 klassische Philologie 29, Mathe⸗ matik 29, Pharmacie 23, Theologie 17 Fotstwissenschaft 16, Coemie 15, Thierarznei⸗Wissenschaft 10, neuere Philo— logie 8 Cameralia 5. Groß-Buseck. In einer biesigen Lehmgrube wurde ein sossiler Knochen gefunden, der, nach seinen bedeuten— den Dimensionen zu schließen, von einem Mammuth her⸗ rühren dürsie. Grünberg, 11. Dec. In dem benachbarten Groß— Eichen gerieih gestern ein Mann mit seiner Schwägerin in Streit, in dessen Verlauf er jene mit einem Stuhl derartig an den Kehlkopf schlug, daß sie heute Mor gen slarb. Der Thäler befindet sich in Haft. Groß Gerau. Als letzten Montag Abend das Fuhrwerk des Bauunternehmers Heider aus Groß Gerau von Astheim nach Nauheim unterwegs war, sprangen plötzlich zwei Kerle aus dem Nauheimer Tännchen, da wo der Weg nach dem Viaduct abzweigt, auf das Fuhrwerk zu, der eine saßle die Pferde, während der andere den Kulscher angriff. Glücklicherweise halte letztrer einen massiven Wagenschraubenschlüssel neben sich liegen, mit dem er ohne langes Besinnen dem Angreiser so kräftig auf den Kopf schlug, daß er besinnungslos vom Wagen siel, worauf auch der zweite Strolch durchging. Darmstadt, 10. Dec. Heute suchten in einem Wald⸗ teich bei Bessungen zwei junge Leute, die 17jährige Tochter eines penstonirten Offiziers und der etwa 19jährige Sohn eines Gymnasial-Lehrers, freiwillig gemeinschaftlich den Tod. Ihr Vorhaben erreichte nur sie, denn der junge Mann, welcher in dem nassen Element den Tod nicht finden konnte, versuchte nachträglich sich die Pulsadern zu öffnen, was ihm jedoch nur unvollständig gelang, in welch traurigem Zustand er schließlich noch lebend von dem Forflpersonal aufgefunden wurde. Mainz. Wegen der schweren jüngsten Ausschreitungen hiesiger Garnisons Angehörigen hau das Gouvernement die trengste Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen an- geordnet. Allerlei. Geisingen(Württemberg), 6. Dec. Eine explo-⸗ dirende Schachtel hat hier ein größeres Unglück angerichtet, als in Hayingen, wo eine solche glücklicher Weise so geöffnet wurde, daß der Schuß sich nicht entlud. Am Mitiwoch den 4. Dezember erhielt der Privatier Martin Fischer in Geisingen von der Post eine Schachtel mit seiner Adresse, bel deren Eröffnung sich eine darin befindliche, mit acht Posten geladene Pistole entlud. Der Schuß verletzte den Adressaten derart, daß er zu Bette liegt. Die Schachtel ist in Biberach auf die Post gegeben. Die ganze Gegend ist in großer Aufregung. Biberach, 11. Dez. Dem Aufgeber der Höllenmaschine an Verwaltungsaktuar Götz in Hayingen ist man auf der Spur. Hier wurde nämlich das zweite Kisichen, welches den Martin Fischer in Geisingen schwer verletzte, zur Post gegeben. Die Adresse an den Verunglückten wurde von einer hiesigen Gastwürthin auf Bitten eines Gastes geschrieben, weil dieser vorgab, eines bösen Fingers wegen nicht schreiben zu können. In einer zweiten Wirthschaft wurde der gefährliche Inhalt verpackt und hatte der Frembe zu biesem Zwecke ein besonderes Zimmer verlangt, „weil er nicht wissen lassen wollte, welche Nikolausgeschent er an seine Familie schicke.“ Das Gericht ist m voller Thätigkeit und dürfte der Verüber des doppelten Schurken, streichs bald den gebührenden Lohn erhalten. München, 5. Dec. Eine wabre Bestie in Menschen⸗ gestalt macht seit Längerem die etwas abgelegenen Wege in Ober- und Niederbayern unsicher und hat nunmehr im Verlauf von wenigen Jahren 14 Frauenspersonen an⸗ gefallen, theilweise beraubt und erwürgt. Seit eiwa 6 Tagen hai dieser Unmensch zwei junge klästige Mädchen angegriffen, die Bedauernswerthen erdrosselt, beraubt und liegen gelassen. Eine davon kam nach einigen Stunden wieder zu sich, während die andere todt aufgefunden und unter ungemeiner Theilnahme in Reischach begraben wor⸗ den ist. Samstags fiel der Unhold, welcher ein großer flarker Mann sein soll und einen schwarzen Schnurrbart hat, eine Bäuerin in der Nähe von Oetting(Oberbayern) an, warf sie zu Boden und beraubte sie. Auch diese brutal Mißbandelte kam nach einiger Zeit wieder zu sich. Wie der„K. f. N.“ erfährt, soll dieses Scheusal in einem Brauhaus in Altöning verhaftet worden sein. Berlin. Wie der„Post“ nachträglich aus Kassel mitgetheilt wird, ist der Extrazug, welcher am 5. d. M. das Kaiserpaar nach Berlin führte, nicht ganz außer Ge⸗ fahr gewesen. Zwischen den Stationen Dransfeld und Göttingen der Hannover'schen Staatsbahn, wo das Ge⸗ fälle ein sebr beträchtliches und andauerndes ist, nahm der Zug plötzlich eine besonders große Schnelligkeit an; alle Versuche des Führers, dieselbe zu reduciren, blieben vergeblich, da die Bremsen in Folge der schlechten Witler⸗ ung den Dienst so ziemlich ganz versagten. Schließlich gab der Locomolivführer Contredampf, wodurch der Zug wenigstens einigermaßen im Laufe gehemmt wurde. Un⸗ mittelbar darauf fuhr derselbe in die Station Göttingen ein und jede Gefahr war gehoben. Berlin. Der Mörder der Wittwe Hall ist jetzt, so erzählt die„Trib.“ ermittelt. Die Polizei brachte heraus, daß zwei derselben gehörige Uhren durch einen Dienst⸗ mann Klose versetzt worden waren. Dieser hatte sie zum Versetzen von seinem Bruder Hch. Klose erhalten, welcher mit einer außerehelichen Tochter des verstorbenen Restau⸗ rateurs Hall(des Mannes der Ermordeien) verheirathet ist. Die beiden Klose wurden verhaftet; Heinrich Klose läugnete Alles; aber seine Schwiegermutter gab am Tage nach seiner Verhastung, um ihr Herz zu entlasten, an, Heinrich Klose habe den Mord begangen. New⸗Pork, 11. Dez. Ein heftiger Südosiflurm richtete während zweier Tage viel Schaden im ganzen Lande an. Mehrere Eisenbahn-Unfälle fanden in Folge von Ueberschwemmungen statt. Einige Personen sind umgekommen. 4 Zur socialen Frage. Es ist diese, die Menschheit bewegende Frage namentlich in unseren Tagen eine recht sorgenvolle ge⸗ worden. In den Städten kennt man den schweren Druck dieser Sorgen aus eigenen Erlebnissen; auf dem Lande aber haben viele Menschen kaum eine Ahnung von der außerordentlichen Bedeutung der soeialen Frage und ihrer Lösung. In denjenigen Blättern, welche dem Volke zu⸗ nächst zur Hand sind(Local- und Kreisblätter), genannte hochwichtige Angelegenheit zu erörtern, dürfte somit sehr an der Zeit sein. Möchten nachfolgende Zeilen diesem Zwecke entsprechend erscheinen! Suchen wir zunächst einige Belehrung über die soeiale Frage zu gewinnen. Wie vor Jahrtausenden in der alten Welt, so ver⸗ läuft auch jetzt noch in den Urwäldern Amerikas die Kulturentwickelung. Jäger und Landwirthe sind die ersten Ansiedler. Deren zerstreut liegende Wohnungen haben keinen oder nur wenigen Verkehr unter einander; die Bedürfnisse des einsamen Lebens sind gering. So— bald jedoch Zuzug kommt, erweitern sich die einzelnen Gehöfte zu Dörfern und Städten, die durch Straßen verbunden werden. Nun gibt es Verkehr, Austausch der Arbeit und des Eigenthums, ein Ueber- und Abbieten, eine Coneurrenz, einen Wettstreit, einen Kampf um's Dasein. Hierbei machen sich die verschiedenen Anlagen und Neigungen der Menschen geltend, in der Art, daß die Tüchtigen, Fleißigen, Sparsamen und Vernünftigen mehr erlangen und behalten, als die Untüchtigen, als die Schlemmer und Unvernünftigen. Niemand, der rechtlich denkt, wird Dieses beklagen, im Gegentheil, jeder Vernünftige wird es als eine weise Einrichtung ansehen, daß auch im materiellen Leben Tugenden die Grundlagen des Vorankommens, die Laster dagegen die Ursachen des Rückganges sind. Meistens ist es so; andere Resultate sind immer Ausnahmen. Weil nun Gleichheit unter den Menschen unmöglich, insbesondere im wirthschaftlichen und socialen Leben, so ist das Nebeneinander von Reich und Arm, von Herren und Dienern unvermeidlich. Dieses Nebeneinander von Hoch und Nieder ist die soeiale Frage, welche nach Vorstehendem nicht von heute oder gestern ist, sondern die immer da war und immer da sein wird. Die Folgen der Ungleichheit im Können und Wollen, in der Begabung der Menschen sind jedoch, wie bekannt, einem unausgesetzten Wechsel, dem Loose des menschlichen Lebens, einem Kommen und Gehen unterworfen. Nach den statistischen Ermittelungen vollzieht sich dieser Wechsel innerhalb dreier Generationen, d. h. durschnittlich werden in je 90 Jahren die Reichen arm, die Armen reich; durchschnittlich ist es so, was selbstverständlich einen längeren oder kürzeren Besitz bei einzelnen Familien nicht ausschließt. Trotz seines mächtigen Ein⸗ und Durchgreifens ist freilich jener in der menschlichen Natur wd die — — * Stiefkinder alle zu versoͤhnen. 13 nach besseren Zuständen trachtet. 3848 2 e N W lee begründete Wechsel des Glückes nicht geeignet, dessen Der Glüuͤckswechsel trifft nur Einzelne, während eine große Zahl Unzufriedener Wir, die Zeitgenossen, hatten uns gleichsam daran gewöhnt, daß die Stief— kinder des Glückes nicht murrten gegen ihr Loos, daß sie sich ruhig verhielten bei ihren Kämpfen, Mißerfolgen und Leiden. Es ist anders geworden, obschon die Gesammt— lage der Unbemittelten jet viel besser ist als in früheren Zeiten. Wie war es doch? Noch in den 40er Jahren betrug der Taglohn eines Mannes auf dem Lande 12 kr., natürlich bei freier Kost. Das Duͤrrholz-Sammeln im Walde zum Verkaufe gewährte höhere Einnahmen. In den nahe beim Walde gelegenen Orten gab es deshalb Familien und einzelne Personen, die ausschließlich vom Waldfrevel lebten. Unehrenhaft und dürftig blieb immer diese Existenz, allein sie bildete oft den einzigen Ausweg. Die Kinder dieser Armen gingen in ihrer Jugend betteln. Dieses Schattenbild früheren wirthschaftlichen und soeialen Lebens zu vervollständigen, sei daran erinnert, daß ein⸗ zelne Gemeinden, um die Zahl ihrer Armen und Wald— frevler zu vermindern, ganze Schiffsladungen derselben nach Amerika sandten. Dort, im ersten besten Hafen ans Land gesetzt, sind viele dieser Armen verschollen und verkommen. Wie anders sind die neu entwickelten Zu— stände! Seit einem Menschenalter ermuntern überall die Eisenbahnen zu einem früher ungeabnten Welt- und Großhandel, welchen die stoffgewinnende und die for— mirende Industrie mit ihren Produkten wahrhaft über schütten; denn die Anwendung von Maschinen und die Arbeitstheilung sind im Stande, die Produktion unendlich zu steigern. Viele Fabriken entstanden und ihr ge⸗ waltiger Aufschwung richtete an die ländlichen Arbeiter * eine verlockende Einladung, in die Fabrik-Städte zu kommen, einen höheren Lohn zu verdienen und freier, auch angenehmer zu leben als daheim. Die Wanderungen begannen. Freizügigkeit und Gewerbefreiheit waren Thatsachen geworden in Frankreich, Italien, England, Belgien, Oesterreich und in Dentschland, ehe das neue Reich die sog. Wirthschafts-Gesetze gab, um die in all⸗ mäliger Entwickelung geänderten Verhältnisse rechtlich zu ordnen. Die Arbeitskräfte wurden inzwischen immer mehr gesucht. Jener Massen-Versandt der Armen nach Amerika und die Verbrecher-Schulen im Walde haben längst aufgehört. Dagegen ist in den großen Städten rund Bezirken der Industrie eine Bevölkerungsmenge zu— ssammengeströmmt, die, von Hand zu Mund lebend, micht nur die Armenlast der Städte beschwert, sondern auch der soeialdemokratischen Lehre leicht zugänglich ist, dem Wahne, die Produetionsverhältnisse könnten für die UUnbemittelten eine heilsame Gestaltung erfahren durch Beseitigung des persönlichen Eigenthums und Einführung tines gemeinsamen Eigenthums. Die Bethörten sehen nicht, daß Dieses einer Untergrabung aller Cultur und Gesittung gleich käme. Oder hätten wir jemals gehört don Glück, von segensreichen Ideen aus den eommu— nistischen Gemeinden Amerikas und Rußlands? Nichts dieser Art, eher das Gegentheil ist bekannt! 15 Zu lange hat man die Verführung der Arbeiter ge⸗ schehen lassen. Das Socialisten-Gesetz ist der endliche Haltruf. Im Hinblick auf diese sehr traurigen Folgen des Mißbrauchs gewährter Freiheiten wird eine Beschränkung derselben von Denjenigen gewünscht, die, kurz- und selbstsüchtig, sich zurücksehnen nach den Vor- und Bann⸗ rechten der alten Zeit. Allein trotz aller Klagen, die wir zu führen haben, müssen wir doch gestehen, daß die Gesammtwohlfahrt große Fortschritte gemacht hat. Wie es in den 40er Jahren noch war, erzählten wir bereits; früher ist es viel schlimmer gewesen. Da die neuen Zustände aus den vorhandenen Ver—⸗ hältnissen hervorgegangen sind, so wären jene nur da— durch aufzuhalten gewesen, daß man die Eisenbahnen zerstört und die Lebensweise der Menschen zurückgedrängt hätte in die Zustände der Voreisenbahnzeit. Wir können und wollen Dieses gar nicht. Es ist menschenwürdiger, die gegebenen Verhältnisse fortschrittlich zu entwickeln, d. h. so, daß ihr Schaden geringer, ihr Segen größer wird. Nachdem die Eisenbahnen den Handel und die Produktion zu massenhaften Leistungen gesteigert und dadurch auch die Arbeiter zu großen Massen vereinigt hat, ist die Lösung der soeialen Frage zwar schwieriger, dagegen auch die Pflicht, zur Lösung dieser Frage bei— zutragen, eine allgemeine geworden. Aber, was kann, was soll geschehen? Offenbar haben diejenigen nicht unrecht, welche sagen, die Antwort liegt in dem Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Berthold Auerbach, der sich jüngst einen Soldat der Humanität nannte, deutete dabei dieselbe Richtung für Lösung der soeialen Frage an, indem er sagte:„Auf die Frage: wo ist dein Bruder?— vernehmen wir immer noch die Kains— antwort, die Gegenfrage nämlich: Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Damit meint Auerbach, wir sind nicht genug Hüter der Brüder, obschon kein Zeit— alter so sehr wie das unsrige sich in Uebung der Nächstenliebe ausgezeichnet habe. Ganz recht, wir be— schränken uns nicht mehr darauf in der Weise unserer Vorfahren durch Almosen und fromme Vermächtnisse für die Armen und Kranken zu sorgen; besser helfen wir, seit der erleichterte und vermehrte Verkehr, sowie die Genossenschaften und die Selbstverwaltung in Staat, Kirche und Gemeinde unsere Gesichtspunkte erweitert haben: für die Wohlfahrt der Gesammtheit eintretend, sehen wir zugleich und zwar vorsorgend nach den Ge— schicken der Einzelnen. Ja, offenbar sind unsere Fort— schritte im Führen der armen und kranken Brüder! Allein rühmen können wir uns derselben dennoch nicht. Einen Beweis für unsere Pflichtversäumniß bildet das saumselige Vorgehen in der freiwilligen Armenpflege. In den wenigen Städten, wo dieselbe eingeführt, ist sie ein großer Segen. Warum also das Zaudern? Es fehlt an den freiwilligen Armenpflegern, an den Männern und Frauen, welche es über sich gewinnen können, für ihre Schutzbe⸗ fohlenen gerade so zu sorgen, als wären diese ihre Angehörigen. Jeder Pfleger soll nur eine hülfsbedürftige Person oder Familie unter seiner Obhut haben und die Pflicht jeden Pflegers ist, die Noth nicht nur zu lindern, sondern auch, wenn äußerst möglich, zu beseitigen, dadurch, daß man die Armen auf die eigenen Fuͤße stellt, also Arbeitsverdienst ver⸗ schafft. Da es indessen auch arbeitsscheue und kranke Armen gibt, so erfordert die Durchführung der frei⸗ willigen Armenpflege: Kreis-Arbeitshäuser und Kreis⸗ Hospitäler.(Schluß folgt.) Handel und Verkehr. Gießen. Auf dem am 10. und 11. d. M. dahier abgehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben: 3 Pferde, 530 Stück Rindvieh und 38 Schweine. Die Preise stellten sich sehr hoch. Nächster Viehmarkt am 21. Jan. 18 79. Frankfurt, 12 Dee. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39., Nr. 2 M. 35., Nr. 3 M. 31., Nr. 4 M. 27., Nr. 5 M. 21. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 22., do. II.(Berliner Marke) M. 19. Walzen, effeetiv hies. ab Bahnhof hier M. 19.25, ab unserer Umgegend M. 18.25 bis 18.50, do, fremder je nach Qual. M. 18 50-19 50, Roggen je nach Qual. M. 13.50-15.75. Gerste M. 14.18. Hafer M. 1213.50. Kohlsamen M. 27.— 28. Erbsen M. 19.— 23. Wicken M. 15.— 16. Linsen M. 17.— 23. Rüböl, detail, M. 68. Die Preise verstehen sich sämmt⸗ lich per 200 Pfd. Zollgewicht— 100 Kilo. Geld Cours. Frankfurt am 12. Dezember 1878. 20⸗Frankenstücke 5 M. 16 16 20 Englische Sovereign gs„ 20 38—43 Russische Imperlales„ 16 6570 Holländische fl. 10-Stücke. 10 65 Ducaten 5 4 9 55—60 Ducaten al marco 9 58—63 Dollars in Gold. 4 1720 Brodpreise vom 16. bis 31. Dezember. Für Friedberg, Bad⸗Nauheim und Butzbach unverändert. Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. bis 31. Dez. Für Friedberg, Bad Nauheim und Butzbach unverändert. FFP Huste⸗Nicht 7 von L. II. Pietsen 1 Co. in Breslau, Honig-Kräuter-Malz-Extrakt u. Caramellen) Jeder Husten kann höchst geführlich werden. Wir machen darauf aufmerksam. *) Zu haben in Friedberg in der Wetterau bei Herrn Wilh. Berunbeck. 3510 Immobiliar-Versteigerung. a 3610 Samstag den 28. Dezember l. J., Vormittags 0 Uhr, sollen in biesigem Rathhause die nachbeschriebenen Immobilien des Franz Faust öffentlich meistbietend ver— ttleigert werden: Gemarkung Friedberg. Flur. Nr. Klftr. 15 27. 9½1ỹ0. Hofratthe in der Stadt, 1. 28. 91/10. Hofraithe daselbst, 2. 112. 80. Grabgarten, Liebfrauengärten, 2. 134,5. 40. desgleichen daselbst. Friedberg den 14. November 1878. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. ol ede. Immobiliar-Versteigerung. Dienstag den 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, zollen in hiesigem Rathhause die nachbeschriebenen Immo— vilien auf freiwilligen Antrag des Weißbindermeisters Friedrich Carl Hieronimus öffentlich meistbietend ver— teigert werden: Gemarkung Friedberg. Fl. Ny. Elfi. 2. 454. 11,6. Hofraithe in der Stadt, 2. 81. 40. Grabgarten(Liebfrauengärten). Friedberg den 3. Dezember 1878. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Feen ea ** Faselochs-⸗Versteigerung. Dienstag den 17. Dezember d. J., Mittags 2½ Uhr, zoll ein zur Zucht untauglicher, 1½ Jahre alter, gut ehaltener Faselochs im hiesigen Versorgungshaus öffent— ich meistbietend versteigert werden. Friedberg den 9. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterel Friedberg. Fo uc a r. 875 Feinsten grünen 3910 Java ⸗Kaffee, vochfein in Geschmack, roh per Pfund M. 1.20, ge⸗ rannt per Pfund M. 1.50 zollfrei, 9 Pfund portosrei, gegen Nachnahme empfiehlt. 66680.) Heinrich Hein, Hamburg. Submission. 3894 Die Lieferung der für das Versorgungshaus und Hospital pro 1. Halbjahr 1879 erforderlichen Vietualien soll im Submissionswege an den Wenigstnehmenden ver- geben werden, als: Crystallöl, Seife, Kaffee, gerollte Gerste, Griesmehl, Reis, Hinse, Ochsenfleisch, Schweine— fleisch, Nierenfett, Schweineschmalz und Brod. Die Submittenden haben ihre Offerten bis längstens zum 16. d. Mts. Vormittags 11 Uhr, auf Großherzog— licher Bürgermeisterei dahier abzugeben. Die Bedingungen können bei Verwalter Gatzert im Versorgungshaus eingesehen werden. Friedberg den 11. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. De». 1 DObligations-Verloosung. 3909 Bei der heute stattgehabten Verloosung der Partial—⸗ Obligattonen der Gemeinde Spies heim wurden die Nummern 4. 10. 20. 24. 25. 27. 42. 46. 48. 53. 55. 58. 60. 61. 66. 69. 76. 83. 92. 98 und 112 zu je 100 fl. zur Rückzahlung gezogen. Die Inhaber dieser Obligationen werden hiermit auf— gefordert, gegen Rückgabe derselben und der noch nicht fälligen Zinscoupons den Betrag am 31. Dezember l. J. bei dem Gemeinde-Einnehmer dahier in Empfang zu nehmen, indem mit diesem Tage der Zinsenlauf aufhört. Spiesheim den 11. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Spiesheim. Kelle n Bekanntmachung. 3932 Die Anfuhr des Salzes von der Saline in die Niederlage zu Büdingen soll für das Jahr 1879 auf dem Submissionswege vergeben werden und sind Offerten bis zum 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, anher einzu— reichen. Bad⸗Nauheim am 10. Dezember 1878. Großherzogliches 8 und Bergamt Bad- Nauheim. Ae Einige 1000 Mark sind hypothekarisch auszuleihen. Wo? fagt die Expedition des Anzeigers. 3891 Holz⸗Versteigerung. 3915 Dienstag den 17. Dezember d. J., Vormittags um 10 Uhr, sollen im Rodheimer Gemeindewald in ver— schiedenen Distrikten folgende Holzsortimente öffentlich meistbietend versteigert werden: 11,82 Raummeter Buchen⸗Scheitholz, 2,56 5 Eichen⸗ 5 28,66 4 Nadel⸗ 7,92 r Buchen Prügelholz, 5,4„ Eichen⸗ 5 88,73 5 Nadel⸗ 5 9,65 5 Buchen ⸗Stockholz, 7,35 5 Eichen⸗ 5 6,9 5 Nadel⸗ 5 230 Stück Buchenwellen, 204„ Eichenwellen, 1762„ Nadelwellen, 31 Eichenstämme, 13,65 Kubikmeter enthaltend, 18 Nadelstämme, 3,27 2 4 Eichenstangen, 2 Nadelstangen. Die Zusammenkunft ist auf der Bahn am Anfang (des Waldes. Rodheim v. d. H. den 12. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim v. d. H. nn Wehrheim, Beigeordneter. Faselochs-Versteigerung. 3886 Mittwoch den 18. Dezember, Vormittags 11 Uhr, soll ein der hiesigen Gemeinde gehoͤriger, zweijähriger, zum Schlachten und noch zur Zucht geeigneter Faselochs auf dem Rathhause öffentlich meistbietend versteigert werden. Dorn Assenheim den 11. Dez. 1878. Großherzogliche e Dorn⸗Assenheim. a ck. Faselochs⸗Versteigerung. 3892 Im Gemeindehaus zu Ober Rosbach wird Dienstag den 17. d. Mts., Nachmittags 1 Ubr, ein zur Zucht untauglicher, zum Schlachten geeigneter Faselochs öffent⸗ lich meistbietend versteigert. Ober⸗ Rosbach am 11. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Ober-Rosbach— Blech er. 2 92 3 1 ä———— 22 —— „ 1 1 1 64 40 1 45 9 J 1 ö 9 9 1 1 ö 4 10 1 4 7 Aechte Brillant⸗ und Perl⸗Boutons, sowie Brillant-Ringe von M. 20. an. Patent Serviettenhalter. Italienische Schmuck-Gegenstände in Silberfiligran und Corallen zu außerordentlich billigen Preisen, zu Weih— nachtsgeschenken sehr geeignet. Jesle Preise reelle Pedienung. 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Eine Bäckerei in Friedberg oder Umgegend wald du pachten gesucht Näheres bei der Exped. d. Anz. 376 Todes-⸗Anzeige. Es hat dem Allmächtigen gefallen, lieben Gatten, Vater und Großvater Friedrich Jakob Werner, evangelischer Lehrer zu Ober-Rosbach, nach achttägigem Krankenlager im Alter von 63 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Die Beerdigung findet nächsten Sonntag Na mittag um halb 2 Uhr statt. Ober⸗Rosbach den 12. Dez. 1878. 3916 Die trauernden Hinterbliebenen. ö ö unseren g ö nervenstärkenden Vegetabilien der Wetterau und des!“ lic di Al N ö 9 IN m de 1 11 6. di * 01 2 6 ei 1 in 1 0 U U 0 4 U ö i 0 fe L. U 10 9 U ö