1873. Oberhessise kapital) dieb(Be. en Kaph Kapital th legen Nochstag und des 1 tief steh t betrag er dan irth auß le klagen, stehende⸗ net mar; Naschiue, Berlzerg, hen: Vo, nissen, n em Filz Kosten su zungen ig Buß rann s gn Resolutionen wurden zu Gunsten des heutigen nein“ „als dei Zun un- auch noh tn), all inabsch nischung, d, von tonstani, f igewerd lle aürn u u 1 antl 2—„ deutende, 1 1 5 8 1 Dienstag den 29. April. 0 er 9. Die Petitzeile wird mit 3 kr., resp. 1 Sgr., berechnet. Artisblatt für den Artis Friedberg. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Für die Monate Mai der Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden. und Juni kann auf den„Obethessi schen Anzeiger“ bei Deutsches Reich. Berlin, 25. April. In der heutigen Sitzung des Reichstages erklärte der Abg. Lasker vor Ein⸗ tritt in die Tagesordnung gegenüber der Ver⸗— wahrung der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, daß ihm durchaus ferngelegen habe, in seiner Rede vom 4. d. von der Berliner Börse zu sprechen und noch weniger von den hochachtbaren Männern, die zufällig an der Börse ihre regelmäßigen Ge⸗ schäfte machen müßten; er habe damals dem all- gemeinen Sprachgebrauch gemäß den Ausdruck Börse gebraucht und müsse in solchen Fällen auf gütige Interpretation gerechnet werden. Der Reichs⸗ tag setzte die Berathung des Münzgesetzes bis §. 17 fort. Alle über die Außercourssetzung, die Einziehung des Staatspapiergeldes und der Privat- banknoten gestellten Einzel⸗Anträge und beantragten Barth ⸗Bamberger'schen Antrags zurückgezogen, wonach bis zu einem von dem Reichskanzler zu bestimmenden Zeitpunkte, spätestens bis zum 1. Januar 1875, alle nicht auf Reichswährung lautenden Bankgoten einzuziehen sind und nur auf mindestens 100 Mark lautende Noten cirxeuliren dürfen und dasselbe auch für das Staatspapiergeld und die von Corporationen ausgegebenen Scheine gilt. Dieser Antrag wurde mit sehr großer Ma⸗ jorität angenommen. — 26. April. Der Reichstag setzte heute die Berathung des Münzgesetzes fort. Auf eine be⸗ zügliche Anfrage Bamberger's erklärte Staats- minister Delbrück: Die Beschaffung des zur Aus- prägung bestimmten Goldes bestand meist aus Eingängen der Kriegscontribution und wurde nur theilweise durch den Ankauf Londoner Wechsel und deutscher Goldmünzen gedeckt. Das übrige Gold stand zur Disposition des Reichskanzlers. In den Reichskassen sind jetzt 85 Millionen vor handen. Die beantragte Ereirung von Münz⸗ scheinen soll dem Reiche einen Betriebssonds schaffen. Anlangend die Ausfüllung der beim Zurückziehen — des alten Geldes entstandenen Lucke durch Reichs⸗ münzscheine, so hegt der Minister keine Besorgnisse und würde die Abhülfe des ersten Goldmangels burch Silber räthlicher halten als durch Papier. Jedenfalls werde der Etat sowohl die Deckung der Verluste beim Silberverkaufe als die Kosten der Ausprägung vorsehen. Zur Beschleunigung der Ausprägung beabsichtige die Regierung die Wiederherstellung der Straßburger Münzstätte. Nach längerer Debatte wurden die von Bamberger und Gumbrecht zu Artikel 18 gestellten Anträge und Resolutionen zurückgezogen, worauf die zweite Lesung erledigt ist. Der Reichstag erledigte ferner die zweite Berathung des Gesetzentwurfs über die Rechts verhältnisse der zum Dienstgebrauch der Reichsverwaltung bestimmten Gegenstände bis zum §. 6, die fast durchweg in der ihnen von der 1 Commission gegebenen Fassung angenommen worden. — 25. April. Da heute das Herrenhaus die sieben ersten Paragraphen des Entwurfs über die Anstellung und Vorbildung der Geistlichen un- amendirt gelassen hat, so liegt in diesen Beschlüssen die ziemlich sichere Gewähr für das Zustande⸗ kommen der kirchenrechtlichen Gesetzgebung. Der Cultusminister hat 88 Stimmen auf seiner Seite, während die Altconservativen nur über 70 dis roniren. 5 a 2960 1 15 — Der Kronprinz und die Kronprinzessin werden mit dem Prinzen Wilhelm am 27. früh über Prag zur Eröffnung der Wiener Weltaus⸗ stellung reisen und einen mehrwöchentlichen Aufent- halt in Schloß Hetzendorf bei Wien nehmen. Die Reise erfolgte am 27. bis Prag, am 28. Aufent- halt daselbst, am 29. die Weiterreise nach Wien. — Die Anklageschrift gegen den Geh. Rath Wagener ist nunmehr dem Präsidenten des Ober- tribunals als Vorsitzendem des Disciplinargerichts⸗ bofes übertragen worden. In der Schrift ist die Dienst⸗Entlassung Wagener's beantragt. — Wie aus guter Quelle verlautet, hat der Reichskanzler den Wunsch ausgesprochen, daß die weitere Berathung des Reichspreßgesetz⸗Entwurfes im Reichstage bis zu seiner Rückkehr aus Peters⸗ burg verschoben werden möge. — Der zrerst im preußischen Abgeordneten⸗ hause eingebrachte Antrag, allen Communen und Kreisen auch über die gesetzliche Verpflichtung hinaus volle Entschädigung für Kriegsleistungen zu gewähren, haben die preußischen Minister dem Reichskanzler dringend empfohlen. Ein dahin zielendes Gesetz, zunächst für die norddeutschen Bundesstaaten im Reichs kanzleramt ausgearbeitet, soll noch in der gegenwärtigen Session vorgelegt werden. Köln. Wie die„Rh. Zeitung“ berichtet, wurden hier zwei Franzosen aus Nancy einge- bracht, welche dort einen preußischen Offizier thät⸗ lich insultirt hatten, dieserhalb zu mehrmonatlicher Gefängnißstrafe kriegsgerichtlich verurtheilt sind und diese Strafe im hiesigen Gefängniß zu verbüßen haben. — Von der„Köln. Ztg.“ werden die von Paris aus mehrfach verbreiteten Nachrichten über Verhandlungen, welche über eine frühere Räumung Verduns stattgefunden hätten, als unbegründet bezeichnet. Fulda. Zu der Conferenz der preußischen Bischöfe sind, außer dem Bischof der Diöcese Culm, v. d. Marwitz, welcher verhindert ist, sämmt⸗ liche Bischöfe— 13 an der Zahl— angemeldet. Erzbischof Ledochowski wird hier erwartet. Die Sitzungen werden geheime sein. Betreffs des Präsidiums ist es noch unbestimmt, ob der Erz⸗ bischof von Köln, oder Ledochowski dasselbe über— nehmen wird. Königsberg. Der Kaiser ist am 25. d. hier angekommen. Die Spitzen der Behörden und die Generalität waren auf dem Bahnhofe ver— sammelt. Eine sehr zahlreiche Volksmasse begrüßte den Kaiser bei seiner Fahrt durch die prachtvoll decorirte via triumphalis mit endlosem Jubel. Abends wurde die Stadt illuminirt. München. Der König wird am 10. Mai nach Schloß Berg überstedeln und wie gewöhnlich den größten Theil des Sommers daselbst zubringen. — Die Leitung der Geschäfte des Präsidiums der k. Akademie der Wissenschaften hat einstweilen der Secretär der philosophisch⸗philologischen Classe, Herr Professor v. Prantl, übernommen.— Die Hanfstängel'sche photographische Kunstanstalt hat das Eigenthumsrecht an dem berühmten Kaul⸗ bach'schen Carton„Nero“ um 30,000 fl. erworben. Straßburg. Die„Straßb. Zig.“ tritt in einem ofsiciösen Artikel der Anschauung entgegen, als ob die letzten Maßregeln der Regierung als Anzeichen eines beschlossenen Systemwechsels zu betrachten wären. Das genannte Blatt erklärt, daß die Regierung in ähnlichen Fällen wie die Lauth'sche Affaire jederzeit mit gleicher Strenge vorgehen werde; die bisherigen Regierungsgrund⸗ sätze würden auch ferner in Geltung bleiben. Ausland. Schweiz. Basel. Den„Basler Rachrichten“ zufolge protestirt die Solothurner Regierung gegen die Amtshandlungen, die der sich als Bischof der ganzen Diöcese gerirende Lachat vom Kanton Luzern aus vollzogen, und verlangt das Einschreiten der Luzerner Regierung und nöthigenfalls des Bundesraths. Frankreich. Paris. Thiers hat sich nach Vincennes begeben, um dort artilleristischen Schieß⸗ versuchen beizuwohnen. Belgien. Brüssel. Das„Echo du Parle⸗ ment“ erfährt aus guter Quelle, daß die vom Kriegsminister vorgeschlagenen Reformen eine Er⸗ höhung des Kriegsbudgets um 4 Millionen ver⸗ anlassen würden. Holland. Haag. Die Regierung trifft energische Maßregeln behufs Verstärkung der mili⸗ tärischen und maritimen Streitkräfte, sowie des Kriegsmaterials für Indien. Vlerzehn Dampfer verschiedener Größe sind für die indische Expe⸗ dition bestimmt. Eine große Quantität Munition, Waffen und Artillerie geht demnächst nach Indien ab. Großbritannien. London. Das Unter⸗ haus genehmigte die Vorschläge des Schatzkanzlers, betreffend die Herabsetzung der Einkommensteuer, die Emission von Schatzbons sowie das Inkraft⸗ treten der Ermäßigung des Zuckerzolles für Roh⸗ zucker mit dem 8. Mai, für Rafsinade mit dem 28. Mai. — In der Sitzung des Unterhauses antwortete der Colonialsectretär Hugesson auf eine Anfrage Hay's, daß die Ashantees, welche einen Einfall in britisches Gebiet an der Westküste Afrika's be⸗ absichtigen, die Tribus der Eingeborenen etwa 30 Meilen von Coastcastle geschlagen hätten, die Verluste der Eingeborenen indessen nicht so erheb⸗— lich seien, daß sie die Eindringlinge nicht zurück- werfen könnten. Die Regierung habe Maßregeln zum Schutze der Eingeborenen ergriffen. — Die„Times“ erwähnt in ihrem City- Artikel vom 26. d. M. des Madrider Gerüchts, die spanische Regierung würde die Fälligkeitster⸗ mine der vom Staatsschatze acceptirten Wechsel hinausschieben, und daß sich das Desieit bis zum 30. Juni voraussichtlich auf 2000 Realen er- höhen werde. Spanien. Madrid. Die amtliche„Gaceta“ veröffentlicht ein Decret, durch welches die Auf- lösung der Permanenz Commission ausgesprochen wird. Die Auflösung wird damit motivirt, daß die Commission ein Element der Unordnung ge— worden sei und durch nicht zu rechtfertigende An- sprüche einen Conflict herbeigeführt habe. Da mehrere Mitglieder der Regierung bei dem Con- fliete betheiligt seien, werde dieselbe sich vor der constituirenden Versammlung wegen des Deeretes verantworten. — Gegen Contreras hat ein Mordversuch stattgefunden, bei welchem mehrere Personen ver— . ö f 1 1 1 1 * 1 1 e eee ——: — 7 22—7—7—§—s—ẽ-¹Bñ,s, EPF — wundet wurden, Contreras selbst aher sich durch sich bei dem Dschisak⸗, Großfürst proclamirt förmlich den Racekrieg. die Flucht rettete. — Einer Nachricht der„Gazeta“ zufolge ist der Bruder Don Carlos mit dem Generalstabe der Carlisten nach Frankreich zurückgegangen. Die Carlisten sind in mebreren Gefechten geschlagen worden und haben über 100 Verwundete in einem Tressen verloren. i Türkei. Konstantinopel. Hurschid Pascha ist zum Minister der frommen Stiftungen, Djedet Pascha zum Unterrichtsminister ernannt worden. — Herr v. Keudell gab ein diplomatisches Diner, welchem der Großvezier und sämmtliche türkische Minister anwohnten. Rußland. Petersburg. Der„Invalide“ hat Nachrichten vom 5. d., wonach die Dhisak⸗ Colonne Balsalder erreicht und ein Abgesandter des Emirs von Buchara den russischen Gouverneur von Turkestan begrüßt hatte. Der Oberst Mai⸗ kosoff hat den die Grenze verwüstenden Turko⸗ manen eine empfindliche Niederlage beigebracht. — Die Vereinigung der zur Chiwa⸗Expedition gehörigen Truppen soll in den Bukanski'schen Bergen stattfinden, wo General Kaufmann das Ober⸗ commando übernimmt. Prinz Leuchtenberg befindet icolai Constantino⸗ witsch bei dem kasalinski'schen zweiten Detachement. Amerika. Newyork. Nachrichten aus Mexiko zufolge herrscht dort große Verwirrung. Oaxaco ist in vollem Aufstand begriffen, Lozado Washington. Offizielle Berichte aus den verschiedenen Staaten zeigen einen günstigen Stand des Winter ⸗Getraides, der eine gute Ernte ver— spricht, an. Giesen. Schon wieder sind 2 aus Amerika ge⸗ sandte Speckseiten im Gewichte von 122 Pfund polizeilich confiscirt und zerstört worden, weil der Fleischbeschauer viele Trichinen darin gefunden hatte.— Einige Tage vor⸗ her wurde auch ein aus Amerika gekommener trichinen haltiger Schinken confiscirt. Es scheint also, daß auf das aus Amerika kommende Schweinefleisch ganz be⸗ sondere Aufmerksamkeit gewendet werden müsse. Gießen. In der General⸗Versammlung der Gesell⸗ schaft der Overhessischen Eisenbabnen vom 26. April waten anwesend außer dem Verwaltungsrath 44 Mitglieder, die 497 Stimmen repräsentiten. Angemeldet waren 553 Summen. Zur Betriebsrechnung für 1872 wurde De⸗ charge ertheilt. Die statutenmäßig ausscheidenden Mit⸗ glieder des Verwaltungsralhs, v. Erlanger, Prinz Weimar und v. Beibmann, sowie der Rechnungs-Ausschuß wurden wieder gewählt. In Bezug auf die Fortsetzung der Bahn nach Partenstein stebt baldige Inangriffnahme bevor; das Project Hersfeld⸗Alsfeld ruht vorläufig. Frankfurt. Die von hiesigen Blättern gebrachte Milibeilung, daß am 22. d. M. Abends ein Eisenbahn⸗ zug von Offenbach auf dem Sachsenhauser Bahnhofe ange⸗ halten und nebst Insassen nach Offenbach zurückspedirt sei, ist völlig aus der Luft gegriffen und wohl darauf zurück⸗ zuführen, daß von den, an jenem Tage um 6 Uhr Abends, per Bahn von Offenbach angekommenen Personen, 12 ver⸗ dächtige Individuen nicht nach Frankfurt hineingelassen, sondern mit dem nächsten Eisenbahnzuge nach Offenbach zurückbefördert wurden. Die Untersuchung gegen die Tumultuanten hat begonnen. Von den Plünderern der Läden wurden 8 ermittelt und verhaftet; die entwendeten Gegenfände fanden sich zum Theil noch vor; auch der⸗ jeuige Bursche, welcher bei Reutlinger die Gasröhren durchschnitt und hierauf das entströmende Gas anzündete, ist verhaftet. Frankfurt. Der General von Werder hat sich be⸗ reit erklärt, den von den rheinhessischen Städten und Ortschaften als Ehrengeschenk ihm überreichten Helm auf die Wiener Ausstellung zu senden, und hat denselben zu diesem Zwecke dem biesigen Verfertiger, Hrn. Goldacbeiter Schürmann, zugeschickt, woselbst dieses Kunstwerk zu sehen ist. Offenbach. Am 23. April fand die Einweihung des neuen Nealschulgebäudes hier statt. Die Musik des hessischen 4. Jufanterieregiments Nr. 118 eröffnete den Fesizug, ior folgten die Spitzen unserer Behörden, die früheren und jitzigen Schüler der Realschule und eine große Anzayl unserer Bürger. Die akademische Feier fand in der Aula des neuen Gebäudes statt. Den Schluß bildete ein Bankett in dem großen Saale der Schlosser'schen Liegenschaft. Michelstadt. In der Nacht vom 23. zum 24. d. M. ist im Odenwald alle Blüthe an den Obstbäumen erfroren. Unsere herrliche Obstaussicht ist besonders in den Kirschen dahin, welche reiche Erndte versprachen. An der badischen Bergstraße sind die Nußbäuwe ebenfalls erfroren und die Reben haben bedeutend Schaden erlitten. Wöesbaden. Ein Frauenzimmer, Namens Buch⸗ hold, welches unter dem salschen Titel einer Baronin in einem der ersten hiesigen Hotels abgestiegen war und mehr- fache Schwindeleien verübt batte, aber glücklich abgefaßt wurde, als sie gerade mit der Eisenbahn entrinuen wollte, Hospital übergeführt worden, woselbst dieselbe am mit einem gesundem Jungen niederkam. In der Nacht vom 20. auf den 21. ist die Dame nun aus ihrem neuen Aufenthaltsorte enisprungen und bis jetzt noch nicht wieder jesigenommen worden. Die Stadt Wiesbaden hat das Kind einstweilen in Privatpflege gegeben. Wiesbaden. Die öffentliche Verhandlung gegen Frau Geheimerath v. Langsdorff und Freifrau von Recum (die beiden Damen, welche des Spitzen⸗Diebstahls be⸗ schuldigt sind) findet am 1. Mai vor der Strafkammer statt. Fräulein Lonny v. Langsdorff(auf dem Eichberg) und Lilly v. Recum sind außer Verfolgung gesetzt. Metz. Wie der„Voeu national“ meldet, haben die kalten Nächte vom 7. zum 8. und vom 8. zum 9. d. M. den Weinbergen der Umgegend bedeutenden Schaden gethan. Der junge Trieb ist, je nach der mehr oder weniger geschützten Lage der verschiedenen Anpflanzungen, zu ein bis drei Viertheilen vom Frost vernichtet. Nament⸗ lich geliuen haben Vallsres, Scy, Lesseville, Chatel, Rozerieulles, Moulins, Longeville, St. Ruffine, Magny, Jussy Vaur und Ars, während St. Julien und Plappe⸗ ville weniger beschädigt worden sind. Landwirthschaftliches. Fingerzeige über ländl. Creditvereine. II. Wesen und Empfehlung derselben. Die landbautreibende Bevölkerung ist nach Besitz, Erwerbsweise, Bildung und Anschauung von der Gewerbe- und Handeltreibenden so außer- ordentlich verschieden, daß die Mittel, welche zur Befriedigung der Creditbedürfnisse der letztern dienlich sind, unmöglich in gleichem Maße der erstern entsprechen können. Das umlaufende Be⸗ triebskapital des Landwirths unterscheidet sich von dem des Kaufmanns und der meisten Gewerbe⸗ treibenden recht wesentlich dadurch, daß durch; schnittlih eine viel längere Frist ver⸗ streicht, bis es alle die verschiedenen Wand lungen durchgemacht hat und in der Gestalt von Geld wieder zu völlig freier Versügung steht. Demnach ist die Gründung von besonderen, von ländlichen Creditvereinen geboten. Wenn der Landwirth Capital bedarf, um seine wirthschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen, so fällt es ihm viel schwerer, es zu bekommen, als dem Kaufmann, als den meisten Gewerbtreibenden. Was ist die Ursache? Ein Capitalist wird ein Capital dann ausleihen, wenn er 1) dafür möglichst hohen Zins erhält; 2 glaubt, daß der ausbedungene Zins pünkt⸗ lich und vollständig entrichtet werde; 3) glaubt, daß durch das Entleihen vom Capital nichts verloren gehe; 4) die Möglichkeit hat, das Capital wünschenden Falls wieder zurückzuziehen, um nach Gut⸗ dünken anders darüber zu verfügen. Der landw. Betrieb gewährt im Ganzen eine niedrigere Rente aus dem Capital, als das Gesch ift des Kaufmannes, Fabrikanten und Handwerkers. Der Landwirth kann daher auch keinen so hohen Zins zahlen. Das ist für den Capitalisten wenig verlockend, um so weniger, da der Landmann auf lange Borgfrist zählen muß. Auch bei dem besten Willen kann eine Einzelperson nicht immer dem Darleiher volle Sicherheit gewähren, indem die Möglichkeit vorliegt, daß sie unverschuldet in's Ungläck geräth. Je größer die Zahl der Bürgen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Ver⸗ lustes, desto größer also auch der Credit. Wenn von 20 Creditbedürftigen jeder Einzelne seinen Bedarf durch Leihen zu decken suchen will, indem er sein Vermögen zum Pfand setzt, so wird es ihnen schwer fallen, daß Alle befriedigt werden. Wenn aber diese 20 Creditbedürftigen das be— nöthigte Capital gemein sam leihen, um es unter sich zu vertheilen, dann wird es ihnen be⸗ deutend leichter gemacht werden. Die solidarische Haftung: Einer für Alle und alle für Einen, gibt die beste Gewähr für die Sicher⸗ heit der Capitalanlage. Wo der Credit des Ein- zelnen nicht mehr ausreicht, wird der Credit einer Vereinigung, eines Credit⸗Vereins, noch weites Feld haben. Solche Vereine, auch Darlehenskassen⸗Vereine genannt, bestehen in Deutschland schon seit 20 Jahren. Es soll nur von denen in der preußischen Rheinprovinz Erwähnung geschehen. Waren ihre ersten Anfänge auch schwach und vervollkomm⸗ ist vor einiger Zeit von dem Gefängnißtocal in das Civil 8 10. ö. nungsbedürftig, so waren sie doch auch vervoll⸗ kommnungsfäbig. Sie entwickelten sich im Stillen Ihre Zabl übersteigt jetz 70. Unter stets ge. steigerter Thätigkeit hängen ihre Mitglieder mit Vorliebe an ihren Einrichtungen. Mit freudiger Dankbarkeit gegen die ersten Anreger und Stifter 9 erfüllt, schauen sie mit Zuversicht den etwa kommenden creritlichen und landwirthschaftlichen Krisen ent; gegen. Ueberall zeigte sich in gleichem Maße, daß die Leute, bevor der Verein gegründet war, seine Bildung in ihrer Gemeinde für unnöthig oder unmöglich hielten; überall war die Gründung sehr rasch vollendet worden, sobald nur geeig⸗ nete Personen als Rechner und Vorsteher ge⸗ funden waren; überall war durch diese Vereine der Gemeinsinn geweckt und der Sinn für genossenschaftliche Unternehmungen der veschiedensten Art wachgerufen. Einige Punkte aus den trefflich entworfenen Statuten solcher Darlehnskassen⸗Vereinen dürften genehm sein. Darlehen werden nur an die Mit; glieder gegeben. Der meist aus fünf Personen bestehende Vorstand entscheidet unter Zuzug des Rechners über die Höhe und Art der zu gebenden Darlehen, in jedem einzelnen Falle unter sorg⸗ fältigster Erwägung aller Verhältnisse des darum Nachsuchenden. Die Generalversammlung(alle Mitglieder zusammen) stellt fest, bis zu welchem Betrag im Ganzen und Einzelnen gegeben werden dürfe. Die Darlehen werden auf 1— 10, meistens auf 5 Jahre gegeben. Man kann früher, als der bestimmte Termin lautet, abtragen, dann wird Zinsnachlaß gestattet. Ebenso kann man einlegen gegen Zinsvergütung, also dient die Kasse auch als Sparkasse. Das Vereinskapital ist Vereins- eigenthum; eine Theilung ist unzulässig. Die aus dem Vereine Tretenden bekommen keinen Antheil vom Vereinsvermögen. Je größer Dieses wird, desto niedriger werden die Zinsen, welche die Ent- leiher zu bezahlen haben. Später eintretende Mitglieder müssen deshalb ein entsprechendes Ein · trittgeld bezahlen, das wieder zur Vermehrung des Vereinscapitals dient. Streitigkeiten über die Bestimmungen der Vereinsstatuten oder zwischen Mitgliedern des Vereins werden entgiltig durch alle Mitglieder(Generalversammlung) geschlichtet. Die Mitglieder erklären ausdrücklich durch Unter ⸗ schrift, sich der Entscheidung dieser Versammlung zu unterwerfen und auf den Rechtsweg zu ver⸗ zichten. Schließlich mögen noch einige Sätze aus den bereits gewonnenen Erfahrungen bezüglich dieser Vereine ihre Stelle finden. In der ersten Zeit des Bestehens fiel es den Vereinen etwas schwer, Geld zu erhalten. Später wuchs das Vereinsvermögen, und zwar so, daß der Verein nicht Rath wußte, dasselbe verzinslich anzulegen. Die Erfahrung lehrt, daß es von großem Vortheil ist, in der Nähe einen städtischen Creditverein zu haben, bei dem man Gelder der Darlehenskasse schnell einlegen und nach Bedarf schnell abholen kann. Ein solcher findet sich nun zum Wohle der Wetterauer in Friedberg. Bis jetzt hat kein Dar⸗ lehensverein Verluste erlitten. Die Rechnungen vieler Vereine in notorisch armen Gegenden zeigten auch nicht einen Pfennig für Gerichtskosten auf, die durch Einklagungen erwachsen wären. Im Kriegsjahr 1866, als anderwärts viele Capitalien gekündigt wurden, wurdet keinem einzigen Darlehenskassen⸗Verein geliehenes Capital entzogen. Im Kriegsjahr 1870 geschah dies auch nicht, es wurde sogar in vielen Fällen in der ersten Zeit des Schreckens Geld angeboten, weil es nirgends besser verwahrt sei. den Punkt besonderen Werth, wornach die Dar⸗ lehenskassen als sicher genug betrachtet werden, um ihnen Vormundschaftsgelder gerichtlich an⸗ zuvertrauen.— Kreisgerichtsdirector Arndts von Neuwied bezeugt öffentlich, daß seit Gründung solcher Vereine Prozesse gegen Wucherer und be⸗ trügerische Viehhändler erheblich abgenommen hätten. — Grundstücke sind auf dem Lande häufig nur unter der Bedingung verkäuflich, Zahlungstermine eingeräumt werden. Verkäufer wegen Erbtheilung, Wegzugs oder um Capital für andere Zwecke verfügbar zu erhalten, auf Baarzahlung Werth legen, so bleibt ihm nuf übrig, das Verkaufsprotokoll gegen hohe Proviston Auch lege man auf daß 5— 6 Muß der ein se und al diejen treffen ihren Weisu marlt auch i schub