dum, woseleß Ne Jul dertin das 5 10 und zbrik von Mi us, welchtt Junedmen du d bern. * deizukomm, „Nur der 1 Blatt witd dem Gebülß 18 10 gestellt, Prozession der Frauen) die am 13. 17 1 en Dank füt! Zilbelm.“ Lutnerei 0 M 85. * E. Die Petitzeile wird mit 3 ke., resp. 1 Sgr., berechnet. Kreisblatt für den Kreis Friedberg. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. 757 Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Deu Nr. 8. Gesetz, betr. die Einführung der Verfassung des deutschen Reichs in Elsaß⸗Lothringen. bahnamts. Seite 164.— Gesetz, betr. die Verwilligung von Wohnungsgeldzuschüssen an Offiziere und Reichsbeamte. Seite 169.— Gesetz, betr. die Registrirung der Kauffahrteischiffe? Seite 184. Nr. 19. Gesetz, betr. den Antheil des ehemaligen Norddeutschen Bundes an der franzöfischen Kriegskosten⸗Entschädigung. Seite 198.— Bekanntmachung, betr. die Pharmacopoea Germanica. Nr. 20. Gesetz, betr. die Feststellung eines Nachtrags zum Haushalts- E Seite 215. betr. den einstweilen reservirten Theil der französischen Kriegskosten-Entschädigung. Bekanntmachung, betr. die portopflichtige Correspondenz zwischen Behörden verschiedener Bundesstaaten. Seite 232. der Reichsbeamten. mit Schweden. nennung eines Bevollmächtigten zum Bundesrathe. Nr. 21. Gesetz, Nr. 22. Münzgesetz. Seite 233. Amtlicher Theil. Seite 200. tschen Reiches publieirt worden: Seite 161.— Gesetz, betr. die Errichtung eines Reichseisen⸗ Seite 166.— Verordnung, betr. die Classification Seite 185.— Additional-Postvertrag tats des deutschen Reichs für 1873. Seite 201.— Bekanntmachung, betr. die Er⸗ Seite 217.— Postvertrag mit Italien. Seite 222.— Betreffend: Die Vornahme der Feuervisitation für 1873. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bügermeistereien. Wir sehen der sofortigen Rücksendung der Feuer- Visitations Protokolle mit Nachweis über Beseitigung der Gebrechen entgegen. Friedberg am 21. Juli 1873. B. Haas, Kreis- Assessor. S Deutsches Reich. Darmstadt, 21. Juli. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde, nachdem in Folge einer Anfrage des Abg. Heinzerling festge⸗ stellt worden, daß der Finanzausschuß sich bezüg⸗ lich des Antrags auf Aufhebung der Stempelpflicht auswärtiger Kalender wegen mangelnder Antwort der Regierung darauf noch nicht hat schlüssig machen können, in die Berathung des Finanzge⸗ setzes eingetreten. Abg. Dumont sprach Bedenken aus, ob das Finanzgesetz in der That, wie vom Ausschuß beantragt, ohne Gefahr für die Balan⸗ tirung der Staats⸗Einnahmen und Ausgaben an⸗ genommen werden könne, nachdem Einnahme⸗ und Ausgabe⸗Budget so wesentliche Aenderung erfahren haben. Finanzminister v. Biegeleben glaubte die peßfallsige Prüsung der Kammer überlassen zu müssen, worauf Welcker und Königer, unter Be⸗ gründung durch Zahlen, nachwiesen, daß die An⸗ nahme obne Gefahr erfolgen könne. Für die in Aussicht stehenden Nachtragsforderungen der Re⸗ gierung ꝛc. ꝛc. würde allerdings ein Nachtrags⸗ Budget nöthig sein, bezw. die Ausgaben müßten aus den Ueberschüssen der französischen Kriegs- Contribution gedeckt werden. Nach Bemerkungen von Dernburg, Schaum, Metz wurde das Finanz ⸗ gesetz in der Fassung des Ausschusses mit un⸗ wesentlichen Aenderungen angenommen. Berlin. Die Schießversuche auf Langlütjen⸗ sand sollen überraschende Resultate geliefert haben und die neuen 24 fünder etwa eine deutsche Meile weit schießen. — Der Bischof von Fulda hat die Erklärung abgegeben, falls das dortige Priester⸗ und Knaben⸗ Seminar Seitens der Staatsbehörde geschlossen werden sollte, keinem Candidaten, der auf einer Universität seine Studien gemacht habe, die Ordi— nation ertheilen zu wollen. Ob der Oberhixt seine Renitenz bis zu diesem Zeitpunkte durch⸗ führen wird, erscheint zweifelhaft, zumal noch keine Proben davon vorliegen, in welcher Weise sich derselbe geriren wird, wenn demnächst mit Geldstrafen gegen ihn vorgegangen werden soll. In der That hat der ohnedies nicht reich dotirte Bischof Kött nach§. 22 des Gesetzets vom 11. Mai 1873 schon in zwei Fällen die festge⸗ setzte Strafe zu erwarten, indem er zwei Caplänen erledigte Stellen definitiv übertrug, ohne die Ein⸗ spruchsfrist von dreißig Tagen abzuwarten. — Nach Verkündigung des Münzgesetzes wird die Staatsregierung an die Einziehung der Silber⸗ münzen gehen und den Verkehrs- Intertssen dabei natürlich Rechnung tragen. An die Leistungs; fähigkeit der Münzstätten werden jedoch große Forderungen gestellt werden müssen, da es sich, so weit man es übersehen kann, um die Ausprägung von etwa 4000 Millionen Stück neuer Gold-, Silber-, Kupfer- und Nickelmünzen in einem kurzen Zeitraum handeln wird, um die Uebergangszeit nicht allzusehr zu verlängern. ö Ems. Die Kaiserin Augusta ist am 22. d. zum Besuch des Kaisers eingetroffen. Für Freitag sind der Kronprinz und die Kronprinzessin von Sachsen angemeldet. Eisenach. Der Kaiser von Rußland trifft am 23. d. M. beim großherzoglichen Hoflager in Wilhelmsthal zu mehrtägigem Aufenthalt ein. Wiesbaden. Der deutsche Kaiser wird am 29. d. auf einige Tage zu Besuch hier eintreffen. Es wird aus dieser Veranlassung ein Feuerwerk auf dem Weiher abgebrannt. 75 Braunschweig. Die großherzogliche Burg, Schloß Heinrichs des Löwen, ist am 20. d. M. Nachts durch eine Feuers brunst zerstört worden. Das Montirungsdepot des 67. Regiments ist ge- rettet, die nahe gelegene Burgkirche unversehrt geblieben. München. Die Spitzeder ist des betrüge⸗ rischen Bankerotts für schuldig erklärt und zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Sie wurde ohnmächtig hinausgetragen; die Ehinger erhielt 6 Monate Gefängniß, welche durch die Unter⸗ suchungshaft getilgt sind. Die übrigen Ange- klagten ebenso. — Unter dem Vorsitz des Freiherrn v. Loe fand am 20. d. M. dahier die zahlreich besuchte Wanderversammlung des Vereins deutscher Katho⸗ liken statt, wobei Freiherr v. Loe, Stadtrath Baudri(Cöln), Racke(Mainz), Pfarrer Huhn und Westermeyer, sowie der Redaetcur des hie⸗ sigen„Volksfreund“ Bucher als Redner auftraten. Eine von Letzterem beantragte Petition an den König gegen die weitere Ausdehnung des Jesuiten⸗ gesetzes auf die Franziskaner, die englischen Fräu- leins und die Schulschwestern wurde einstimmig angenommen. Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Der König von Württemberg ist am 22. d. M. von hier ab- gereist. Der Kaiser von Oesterreich begleitete ihn zum Bahnhof, wo sich beide Monarchen herzlich verabschiedeten. Schweiz. Genf. Der Schah von Persien traf am 20. d. M. hier ein und wurde auf dem Bahnhofe durch den Bundespräsidenten Ceresole und den schweizerischen Gesandten in Paris, Dr. Kern, empfangen. Auf die bewillkommnenden Worte des Bundespräsidenten erwiderte der Schah, daß er habe die Schweiz sehen wollen und deß⸗ halb nach Genf gekommen sei. Nachdem ihm der General Dufour besonders vorgestellt worden, be- stieg der Schah den Wagen und fuhr in Mitten einer ungeheuren Menschenmenge nach dem Hotel des Bergues, wo er für die Dauer seines hie⸗ sigen Aufenthaltes logirt. Bald nach seiner An⸗ kunft im Hotel fand daselbst großes Diner statt. Spanien. Madrid. Die Nationalgarde in Cadix hat das Arsenal angegriffen. Der com- mandirende General mit den reu gebliebenen Truppen leistet energischen Widerstand. In Se⸗ villa haben die Insurgenten von dem Telegraphen Besitz genommen. — Die Nachricht, daß Santa Crnz sich nach Frankreich begeben hat, wird aus carlistischen Quellen bestätigt, mit dem Hinzufügen, daß der- selbe beabsichtige, sich nach Rom zu begeben, um die Verzeihung des Papstes zu erlangen. Nach einem Pariser Telegramm des Reuter'schen Bureaus hat der spanische Geschäftsträger in Paris von der französischen Regierung die Auslieferung de⸗ Santa Cruz verlangt, da derselbe sich gemeiner Verbrechen schuldig gemacht habe. Die französische Regierung soll jedoch dem Verlangen nicht nach⸗ gekommen sein. 5 — Hier ist wieder einmal ein neues Mini- 3 sterium gemacht worden und der neue Ministerrath& hat energische Maßnabmen zur Reconstruirung und Disciplinirung der Truppen in Arragonien und Catalonien beschlossen: Concentration des größeren Theiles der Armee um Madrid zum Zwecke der Neuformation von 2 Elite-Bataillonen aus allen disponiblen Offizieren, unter dem Commando von Generälen. Eine Division von 10,000 Mann soll die Ordnung in Andalusien wiederherstellen, die Generale Pierrand und Contreras sollen aus der Armee gestoßen, der General-Capitän von Valencia und Murcia abgesetzt, der Cemmandant von Carthagena vor ein Kriegsgericht gestellt werden, die Kriegsfahrzeuge, die mit Insurgenten unterhandeln, sollen für Piraten erklärt werden. Inzwischen macht Don Carlos langsame aber sichere Fortschritte. Von der Bevölkerung wurde ser überall mit Enthysiasmus empfangen. . 8 PPP — 1 1 1 9 79 Nußlaud. Petersburg. Einer Privat- nachricht aus Taschkend zufolge bleiben die Oren⸗ burger und die Mangischlak- Abtbeilung zur Occupation in Chiwa bis die ersten Friedensbe ⸗ dingungen erfüllt sind. Die Turkestan⸗Abtheilung kehrt nach Taschkend zurück. i Amerika. New⸗Nork. Die Cholera ist im Süden von Indiana in heftiger Weise aus⸗ gebrochen. Aus Stadt und Land. Bad⸗Nauheim. Der Erb⸗ Großherzog Adolph Friedrich von Mecklenburg⸗Strelitz ist zu einer Badekur hier eingetroffen. 5 2. Bad⸗ Nauheim. Wir machen das kunstliebende Publikum auf das Concert aufmerksam, welches künftigen Samstag den 26. d. Mis., Abends 7½ Uhr, im großen Saale des neuen Kurhauses abgehalten wird, dessen Ertrag in die Kasse des Kur⸗ und Verschönerungs⸗Vereins fließt, welcher bekanntlich seine sämmilichen Mittel zu Zwecken im Interesse der rasch emporblühenden Kurstadt verwendet. Es ist der Thäligkeit des Comites gelungen, ein Pro⸗ gramm zusam menzustellen, wie es den Kurgästen bis dahin nie geboten werben konnte. Vor Allem ist der berühmte Königl. Concertmeister Hr. Fabian Rehseld aus Berlin zu nennen, jetzt selbst unser Kurgast, aber mit„großer Liebenswürdigkeit bereit, uns einige Violin-Solo's mit meisterhafter Hand vorzutragen. Sodann wird die sehr beliebte Pianistin und ausgezeichnete Schülerin Lißl's, Fräulein Ida Bloch von Frankfurt zwei Stücke auf dem Pianoforte als vollendete Künstlerin spielen. Wie werden von Dilettanten unter den Kurgästen einen vier⸗ händigen Klaviervortrag, sowie einige Solo⸗Gesänge hören und Dilettanten aus Friedberg haben Concertstücke auf Violine und Piano, sowie auf zwei Piano's freund⸗ lichst übernommen. Berücksichtigen wir zuletzt, daß der Musikverein in Friedverg einige gemischte Chöre singt und unser Kurchorchester unter Direction des Herrn Kapellmeisters Neumann überall unterstützend eingreift, so werden wir nicht zu viel behaupten, wenn wir wiederholen, daß ein gleich brillantes Concert in unserer Kurstadt noch niemals zur Aufführung kam.— Der Zweck selbst ist ein gemeinnütziger und darf deshalb um so mehr der Unterstützung unserer Kurgäste und benachbarsen Kunst⸗ freunde durch recht zahlreichen Besuch des Concerts sicher sein. Usfingen. Im Kreise Usingen ißt die Hundesperre auf 6 Wochen angeordnet. Dies wurde in der Gemeinde W. folgendermaßen durch die Schelle publicirt:„Auf Ver⸗ fügung k. Amts Usingen ist dahier die Hundswuth aus⸗ gebrochen; es wird Jedermann gewarnt, bei der gesetzliche Straf sein Hund innerhalb 6 Woche anzubenne.“ Grünberg. Nachdem in den letzten Wochen zu Wellsaasen und Ermenrod zwei kleine Brände stalthatten, brannten am 17. d. M. in dem benachbarten Reinhards⸗ hain in dem kurzen Zeitraum von nur wenigen Stunden 14 Gebäude nieder. An Mobilien konnten bei der unge⸗ heuren Schnelligkeit, mit welcher das Feuer um sich griff, (es gingen 5 Gebäude zu gleicher Zeit in Flammen auß), nur sehr wenige gerettet werden. Die Bewohner hatten kaum so viel Zeit, um das Vieh in's Freie zu treiben. Bei den Bränden in Wettsaasen und Ermenxod ist die Ursachen derselben noch unbekannt; bezüglich des Brandes in Reinhardshain ist ein Geisteskranker aus Groß-Buseck als ber Brandlegung verdächtig gefänglich eingezogen.— Von den Abgebrannten ist auch nicht ein einziger versichert, obgleich sich darunter so vermögende Leute befinden, denen es auf die geringe Versichezungsprämie nicht anzukommen brauchte. Denselben dürfte das sie betroffen habende Unglück die Veranlassung geben, sich in Zukunft nicht mit dem überall ausgesprochen werdenden Satze:„Bei uns brennts nicht!“ beruhigt zu fühlen.— Bei dem Ge⸗ witler am Abend des 18. Juli wurden in einem Stalle zu Ruppertenrod 2 Stuck Rind vieh vom Blitz erschlagen. Worms. Am 19. Juli wurde hier in der Nähe der Schiffbrücke die Leiche des Kaufmann S., Theilhaber der Firma S. u. P. in Mannheim, geländet und von seinen Angehörigen noch an demselben Tage nach Mann⸗ heim verbracht. Momentane Geistesstörung ließ den Un⸗ glücklichen, der eine junge Wittwe und ein Kind hinter⸗ läßt, seinen frühzeitisen Tod in den Wellen suchen. Alzey. Ein 60jähriger Mann Namens B. aus Odernheim begab sich am 14. d. M. nach dem Rheine bei Guntersblum, stieg daselbst zum Ueberfahren in einen Nachen und stürzte sich während der Fahrt in die Fluthen. Der Nachenführer bemüthe sich, denselben zu retten, jedoch vergebens. Dieser Fall ist um so schmerzlicher, als B. erst vor einigen Tagen seine Gattin zur letzten Ruhestätte be⸗ gleitet und in der Gemeinde als ein geachteter Bürger geschätzt wurde. Allerlei. Feiedberg, 21. Juli. Heute vor hundert Jahren, am 21. Juli 1773, hat Papst Clemens XIV. die Bulle Dominus ac redemptor noster unterzeichnet, durch welche der Jesuitenorden aufgehoben wurde. Pius VII. stellte ihn vierzig Jahre später wieder her. Fraukfurt. Am 20. Juli Abends nach 10 Uhr wurde auf einer der hiesigen Polizeiwachen von einem Dachdecker die Anzeige gemacht, daß er mit Freunden. wesche ihn begleiteten, zum Vergnügen auf der Mainkur gewesen sei. Als er dort für die Rückfahrt seine Pferde habe aufschirren wollen, sei ein unbekinnter Mann mit einem Knittel auf ihn losgekommen und habe ohne Weiteres auf ihn eingeschlagen. Der erste Schlag habe seine Schulter, [Theuerung, sondern eine Folge derselben. der zweite das rechte Handgelenk getroffen, worauf es ihm gelungen sei, dem Fremden den Knittel zu entwinden, mit welchem er wie- Wos auf den Angreifer geschlagen habe, bis derselbe zu Boden fiel. In diesem Augenblick habe eine Frau gerufen:„jetzt ist mein Mann todt“. Der Angegriffene ist, ohne sich um den zu Boden Geschlagenen zu bekümmern, indeß nach Franksurt zurück⸗ gefahren. Der abgelieferte Knüttel ist ein kolossaler Baum⸗ Ast. Die sosort eingeleitete Untersuchung wird den Sach verhalt jedenfalls näher aufklären. g Gmünd. Am 18. Juli früh um 7 Ubr ereignete sich im Arlillerieschießthale ein schrecklicher Unglücksfall. Die Batterie Erlenbusch schoß aus schweren Festungs⸗ geschützen Bomben nach der Scheibe. Der zweite Schuß, welcher zu kurz fiel, traf das Blockhaus, in welchem 1 Lieutenant und 4 Mann zur Beobachtung der Schüsse untergebracht waren. Lieutenant Zeiher ist todt und 4 Mann verwundtet. 1— 185 Berlin. Wir lesen unter den Inseraten der„Kreuz⸗ zeitung“:„Ganz wider Erwarten, doch zu meiner sehr großen Freude, hat mich meine liebe Frau Constanze, geb. Gärtner, mit dem fünften Jungen erfreut, was ich hiermit statt besonderer Meldung anzeige. Zechlin den 16. Juli 1873. Adolph Conrad.“ Laßt uns ein gutes Beispiel geben, denn gute Deispiele verbessern böst Sitten! Volkswirthschaftliche Betrachtungen. „Im Staate geht es mit der Zerbröckelung und Auflösung ähnlich wie bei'm Felsgestein. Von den oberen Schichten aus schreitet die zersetzende Kraft allmälig nach den unteren Schichten weiter. Deshalb ist nichts wichtiger, als das gute Bei— spiel der herrschenden Klassen in Sitten, Leben, Thun und Lassen.“ Diese vorirefflichen Sätze standen jüngst in einer fortschrittlichen Zeitung. Vielen ihrer Leser werden dieselben, wie aus der Seele gesprochen, nachklingen. Gewiß, im Volksleben wirken die Massenbeispiele aus den höheren Kreisen in den niederen. Wäre es anders, dann ginge es ja in dem Volke, in dieser großen Gesellschaft zu, wie in der verkehrten Welt, dann lernten die Gebildeteren von Denjenigen, die weniger wissen, Weil es sich nun nicht also, sondern anders verhält, dürfen wir sagen: Ihr Reichen, ihr Höherstehenden, ihr Gebildeten, gebt ein gutes Beispiel im wirthschaftlichen, im socialen und im kirchlichen Leben!„Es ist die Zeit der Gründer“, warnt jene Zeitung weiter, d. h. der Mammonsdienst, immer allgemeiner werdend, macht sehr, sehr viele Menschen zu Sclaven. Kein Wunder! Um zu leben braucht man heut zu Tage viel Geld, viel mehr als ehe⸗ mals; denn fast alle unsere Bedürfnißgegenstände kosten jetzt 2 bis 3 mal so viel als vor 30 und 20 Jahren. Aber wie ist dieses gekommen? Es ist sehr rathsam, über diese Frage Belehrung zu suchen, um falsche Vorstellungen aufzugeben und die veränderten Verhältnisse richtig zu beurtheilen und die neue Zeit zu begreifen, ihr angemessen zu leben. Einige meinen, die neuen Gesetze hätten die hohen Preise herbeigeführt. Allein letztere waren bereits vor jenen vorhanden. Seit Auf⸗ hebung der Leibeigenschaft hat es übrigens keine menschenwürdigere Gesetze gegeben, als die über Gewerbefreiheit, Freizügigkeit und Coalitionsrecht. Was uns davon noch unangenehm berührt, sind Mißbräuche und Folgen der alten Banngesetze. Andere behaupten, die Theuerung sei durch die Steigerung der Arbeitslöhne entstanden. Auch das ist nicht ganz richtig. Die gesteigerten Arbeitslöhne sind nicht die Ursache der Schon vor den Arbeitseinstellungen war es theuer und auch einfache Waaren(Produkte) sind theuer. Kostet nicht der Kaffee doppelt so viel als vor 15 Jahren, obgleich er mit den europäischen Ar- beitsverhältnissen nichts gemein hat? sind nicht Fleisch, Milch, Butter, Eier ꝛc. entsetzlich theuer, obschon diese Waaren wenige Arbeit, also auch wenigen Arbeitslohn kosten? Wieder Andere sehen in dem vielen Geld die Ursache der Theuerung.„Viel Geld“ gibt es erst seit dem das Papiergeld eingeführt ist. Dieses aber ist eine absolute Nothwendigkeit des jetzigen Verkehrs- und Geschäftslebens. Hätten wir das Papiergeld nicht, so würden die Anweisungen der dieses schon jetzt der Fall. Geld, bestehe es aus Geschäftsleute eine noch größere Rolle spielen, als und Sittlichkeit herrschen, der Regel nach, nur erarbeitet werden. Da nun das Geld nicht in Kafssen, sondern in Cireulation sich befindet, so könnten wir sagen, die Mehrarbeit sei eine Ursache der Theuerung. Dieses behaupten wirklich viele Sachverständige. Dieselben geben hierüber etwa folgende Erläuterung. Seit der Verkehr, Handel und Wandel er⸗ leichtert, erweitert und verbessert worden ist, hat sich unser wirthschaftliches Leben in ungeahnter Weise entwickelt; dadurch sind Bedürfnisse und Verbrauch in allen Landen und unter allen Men schen größer geworden. Wohlgemerkt, der Ver- brauch hat zugenommen, in Quantität und in Mannichfaltigkeit. Dieser Mehr⸗ verbrauch verdoppelt wohl nicht selten die frühere Nachfrage. Da ganz gewiß nicht in demselben Maße das Angebot zunahm, so mußte in den Gegenden mit Ueberproduction der Preis in die Höhe gehen. Das war die erste Station der Theuerung. Weil nun alle Menschen mehr aus⸗ geben mußten, die einen in Folge der Ausfuhr, die anderen in Folge der Einfuhr, so wollten auch alle mehr einnehmen. Daraus folgte absolut, daß Jeder, der etwas zu verwerthen hatte, einerlet ob Waaren oder Leistungen, einen höheren Preis zu erlangen suchte. Das ist die allgemeine Theuerung, das zweite Stadium derselben. In diesem ist der solide, wenn auch langsame Erwerb noch vorherrschend. Eine grausige Verschlimmerung in Erwerb und Theuerung, eine Krisis, ist der jetzige allgemeine wirthschaftliche Zustand, die dritte Periode. Der Grundsatz: weil ich viel Geld brauche“ (viel Geld ausgebe) muß ich auch viel Geld ein; nehmen,— ist ja wirthschaftlich recht und gut, wenn er uns anspornt, zu mehr Arbeit. Darin liegt ein Segen der Theuerung und eine Begründung der Ansicht, die Mehrarbeit sei eine Ursache jener. Allein dieser Weg der Mehr- arbeit ist beschwerlich und gestattel nur ein lang⸗ sames Vorankommen. Deshalb sind vielbeliebt die großen Sprünge nach Reichthum, die hoch⸗ procentigen Geschäfte und Speculationen, welche weniger die Hände, mehr die Herzen und Ge⸗ wissen schwielig machen. Bei einer Erwerbsweise der letzteren Art kommt gemeiniglich auch der un⸗ wirthschaftliche Satz zur Geltung: Wie gewonnen, so zerronnen! Ein durchtriebener, schamloser Luxus nagt vielfältig am wirthschaftlichen und socialen Leben. Das Beispiel ist bös, recht böse und es. wirkt bis in die untersten Schichten hinein. Eins sucht das Andere in den Thorheiten der Mode zu übertreffen oft in einem so großen Uebermaß, daß nicht nur Geschmack und gute Sitten, sondern auch der Geldbeutel Noth leiden. Auch die Ar⸗ beiter wollen reich werden und besser leben. Sie steigern den Lohn. Da hierdurch die Lebens⸗ mittelpreise immer theurer werden, so gewahren die Arbeiter keine Besserung ihrer Lage. Darauf wieder Lohnerhöhung und wieder Preissteigerung. Der Wahnsinn wird epidemisch. Wie ist eine Heilung möglich? Concurrenz und Associationen sind nur Linderungs keine Heilmittel, Da alle Menschen mehr brauchen, so ist es klar, daß in dem wirthschaftlichen und soeialen Resorm⸗Kampfe eine große Mehrheit einer kleineren Minderheit gegenüber steht, daß also die Selbstsucht siegt. Nur eine allgemeine Umkehr kann helfen und diese ist einzig und allein bei einem guten Massenbeispiel zu erwarten. In diesem Beispiele voran zu gehen, fordert ein deutscher Minister die öffentlichen Beamten auf.„Ein allgemeines Streben nach schneller müheloser Bereicherung selbst auf Kosten Anderer, die Genußsucht in materiellen Dingen, insonder⸗ heit auch die Putzsucht und Aeußerlich⸗ keiten der Frauen“ neunt jener Minister die „hervortretenden Schwächen unserer Zeit.“ Ueberall erde die ernste Mahnung jenes Ministers auch ernst aufgefaßt! Solbst das Beispiel weniger Leute kann hier nützen. An den ersten Ring, entstanden durch einen in's Wasser gefallenen Stein, reiht sich, immer größer werdend, Kreis an Kreis. Das gute Beispiel der öffentlichen Beamten hat noch eine andere Ber eutung. Insofern die⸗ Gold, Silber oder Papier, kann, so lange Recht selben nämlich nicht ein großes Vermögen besitzen, 5 2 1 J)JJ;ͤͥĩâ7e. ß ¼