1 28. ber Samstag den 8. Mätz. essischer Anzeiger. egen ew * Die Petitzeile wird mit 3 kr., resp. 1 Sgr., berechnet. 1 Kreisblatt für den Kreis ritdberg. 9575 Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. it, A¹¹ chene. Groß dene 8 effend: Die Gemeindevoranschläge für 1873. 0 dh Das Großherzogliche Kreisamt Friedber ktet Ungeachtet, daß schon seit einiger Zeit eiaglbangt. net Fri 14 zu en Wir bringen darum die sofortige Einsendung derselben bei Amtlicher Theil. Friedberg am 5. März 1873. g an die Großherzoglichen Bürgermeistereien. die Wahlen der Forensen überall vollzogen sind, sind dech nur wenige Gemeindevoranschläge Meidung unangenehme Trapp. r Verfügung in Erinnerung. n Nin use gen Deutsches Reich. armstadt. Das Großherzogliche Regie- blatt Nr. 7 enthält: s un J Verorenung, die Advokatur⸗Gebühren in den Pro⸗ erdeblic iu Starkenburg und Sberhessen. betreffend. Git ll f Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Großh. t Hzufs und des Aeußern, die Polizei⸗ und Gebühren⸗ Angesteln Oütrang für den Hafen zu Worms betreffend. III. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der dald dun K Arzog haben allergnädigst geruht: am 20. Januar den ten Landgerichtsdiener bei dem Landgerichte Michel⸗ echttug Nad Ludwig Goldmann, zum ersten Landgerichtsdiener be m Landgerichte Groß-Gerau, den zweiten Land⸗ gert zdiener bei dem Landgerichte Michelstadt, Adam „zum ersten Landgerichtsdiener bei diesem Gericht, weiten Landgerichtsdiener bei dem Landgerichte Rein⸗ Johannes Konrad Linn, zum ersten Landgerichts⸗ Fin dei diesem Gericht, den dritten Landgerichtsdiener heh om Landgerichte Langen, Wilhelm Wöll, zum zweiten Aanbssrichtsdiener bei dem Landgerichte Reinheim, den n Landgerichtsdiener bei dem Landgerichte Hungen, Karg, zum ersten Landgerichtsdiener bei diesem Ge⸗ ie den zweiten Landgerichtsdiener bei dem Landgerichte 5 erg, Martin Rau, zum ersten Landgerichtsdiener bei Nahr Gerichte, den zweiten Landgerichtsdiener bei dem uderigtt! Latbsrichte Grünberg, Andreas Nees, zum zweiten Land⸗ alt Seen ed bei dem Landgerichte Zwingenberg, den nberichtsdiener⸗Substituten und Gesangenwärter bei 15 zandgerichte Groß⸗Gerau, Heinrich Wambold, zum Berwendil zrrein Landgerichsdiener bei dem Landgerichte Homberg, dag ce⸗Wachtmeisier im 1. Drag.⸗Regt.(Garde⸗Dragoner⸗ Nacgrren!) Nr. 23, Friedrich Rapp, zum zweiten Land⸗ gestscesdiener bei dem Landgerichte Michelstadt, den Vice⸗ 5 label im 1. Inf.⸗Regt.(Leibgarde⸗Regiment) Nr. 15, Georg Schweitzer, zum zweiten Landgerichtsdiener del dun Landgerichte Hungen, den Hautboisten 1. Klasse he bm 2. Inf.⸗Negt. Nr. 116, Johannes Lerch, zum on un Landgerichtsdiener bei dem Landgerichte Grünberg, dei bendarmen zu Pferd in Butzbach, Heinrich Nahrgang, aug Qandgerichtsbiener bei dem Landgerichte Schlitz zu wen und dem Johannes Adam Fey von Darmstadt diz sanctionen eines Substitulen der Gerichtsdiener bei Stabtgerichte Darmstadt zu übertragen; am 6. Febr. on dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von 98, auf die evangelische Schulstelle zu Hemmen, im Ki Lauterbach, präsentirten Schulamtsaspiranten Georg Iihrah Wolff aus Rommelhausen, im Kreise Vilbel, für a ee Stelle zu bestätigen; am 19. Febr. die Kanzlisten 1 90 F Kanzlei der Direction der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn, a sierch Rullmann und Johannes Jacob Röttger zu vatur⸗Assistenten bei der Registratur der Direction Eisenbahn, den Kanzleigehülsen August Pietsch von Aicher, sowie den Feldwebel im 1. Inf.⸗Regt. Christian May Heldmann zu Kanzlisten bei der Kanzlei der ckon der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn zu ernennen. Darmstadt. Die erste Kammer berieth am d die Landständische Geschäftsordnung. Die, Lienen Mitgliedern zugestandene legislatorische tntive wurde mit allen gegen die Stimmen Prinzen Ludwig und des Exministers Dalwigk 8 1 86 tehnt. 15„ Kerlin. Aus dem Regierungsbezirk Arns⸗ 8 15 h wird dem„Wesif. Merc.“ über den auch an e di herrschenden Lehrermangel geschrieben, daß e, e lecken Freienohl, der mehr als 1000 Cin. alte Düler zählt, schon seit mehr als einem Monat ae Lehrer noch Lehrerin sei. Die Mädchen⸗ el sei schon längere Zeit, vie Knabenschule seit U gegen Ende Januar erfolgten Abgang des s geschlossen. Epidemie. In der Charité sind nämlich seit An⸗ fang dieses Monats viele Fälle von Flecksieber vorgekommen. Der erste Fall wurde auf der Virchow'schen Anstalt constatirt, auf welcher seit dem bis jetzt 18 Fälle behandelt worden sind. Auch auf den anderen Abtheilungen sind seitdem einige Fälle constatirt worden und im Ganzen sind schon fünf Todesfälle vorgekommen. — Der Vorstand des Berliner Droschken⸗ Vereins fordert durch Placat⸗Anschlag sämmtliche Vereinsmitglieder zur sofortigen Empfangnahme neuer Wegmesser⸗ Tarife und Marken behufs Wiederaufnahme des Betriebs auf, da dieses der Wunsch Sr. Majestät des Kaisers und Königs sei. — Das Serutinialversahren gegen Wagener wurde am 3. d. beendigt. Bis heute, am 5., hat man noch nicht gehört, daß es zur Einleitung einer Distiplinar⸗Untersuchung und damit zur Suspension Wageners Anlaß gegeben hätte. — Gutem Vernehmen nach werden im nächsten Frühjahr die Vorarbeiten für eine Anzahl strate gischer Eisenbahn-Linien in Ostpreußen beginnen. Die Entwürfe sind bereits seit längerer Zeit fest⸗ gestellt und eine angemessene Creditvorlage wird s. Z. dem Landtage zugehen. Höchst. Nächsten Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, findet hier eine Katholiken ⸗Versammlung statt, welche sehr zahlreich besucht werden dürfte. Köln. Wie bereits früher mitgetheilt, hat Schlettstadt. Nach Gereut) ist eine Com⸗ pagnie Soldaten abgerückt, um dem gemeingefähr⸗ lichen Treiben der Wallfahrer zu den angeblichen Gereuther Wunder⸗Erscheinungen Einhalt zu thun. Ausland. Frankreich. Paris. Einige biesige Blätter enthalten Alarmgerüchte über republikanische Auf⸗ stände, die in den nächsten Tagen in Mailand, Neapel und auf Sieilien zu erwarten seien. In Neapel befänden sich die Studenten an der Spitze der Bewegung. Die italienische Regierung habe Vorsichtsmaßregeln ergriffen. — Der Präsident Thiers ist am 5. d. leicht erkrankt, war indessen nicht gehindert, der Sitzung des Ministerrathes beizuwohnen. Abends war der Prästdent anscheinend vollkommen wohl. Versailles. In der Sitzung der National- versammlung am 1. d. ergriff der Präsident der Republik das Wort, um in längerer Rede seine Stellung zu dem Entwurf der Dreißiger Commission, sowie seine Ansichten über die gegenwärtige Lage und das Angesichts derselben zu beobachtende Ver⸗ halten darzulegen. Der Präsident betonte zunächst mit dem Hinweis auf die neuliche Rede des Justiz⸗ ministers Dufaure, daß derselbe den wahren und einmüthigen Gedanken der Regierung ausgedrückt habe. Der Redner befürwortete dann den Ent⸗ wurf, indem er betonte, daß man der eonserva⸗ das Kriegsministerium nach der Beendigung des deutsch⸗französischen Krieges beschlossen, in einer Reihe von Festungen Brieftauben Stationen ein⸗ zurichten. Für die Festungen Köln, Metz und Straßburg wurde der Lehrer H. J. Lenzen von hier beauftragt, Tauben anzukaufen und die drei Stationen einzurichten. In diesen Tagen nun ist Hr. Lenzen als Inspector für die hiesige Station berufen und mit der Leitung der Pflege und der Dressur der Tauben betraut worden. Leipzig. Der Ausschuß des Buchdrucker⸗ Vereins hat aus allen Theilen Deutschlands Zu- stimmungs-Erklärungen mit dem Versprechen erhalten, den Verbandsgehülfen am 8. d. M. kündigen zu wollen; so von sämmtlichen Vereinsmitgliedern in Magdeburg, Braunschweig, Breslau, Chemnitz, tiven Republik die ihr nothwendigen Einrichtungen geben müsse. Das große Unglück der Lage be⸗ stehe in der Uneinigkeit; das einzige Mittel, welches ihm abhelfen könne, sei der Waffenstillstand der Parteien. Weiter führte der Präsident der Re⸗ publik die Bedeutung der Botschaft aus. Man dürfe die Republik nicht proclamiren, dieselbe habe sich nicht durch Titel, sondern durch gute prae⸗ tische Thaten zu empfehlen. Die Republik werde von der Regierung in loyaler Weise gehandhabt. Bei Abstimmung wurde der Eingang des Ent⸗ wurfs mit 475 gegen 199 Stimmen angenommen. Schweden. Der verstorbene Prinz Nicolaus August, Herzog von Dalekarlien(nicht Dalarne, wie in der Depesche stand) war am 24. Aug. 1831 geboren und seit 1864 mit der Prinzessin Therese, Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg, Straß⸗ burg, Metz und Lahr, aus zahlreichen andern Städten des südwestlichen Deutschland, aus allen größeren Städten Schleswig ⸗Holsteins und von den drei größten Firmen Kölns, welche zugleich das ganze Rheinland zum Kündigen aufforderten. Weimar. Der Landtag bewilligte nach langer Debatte die Kosten für die erste Landessynode mit dem ausdrücklichen Zusatze, damit die vorgelegte Synodal-Ordnung, welche wenig freisinnig ist, nicht gutgeheißen zu haben. Ferner bewilligte der Landtag Theuerungs⸗Zulagen für Beamte, Volks⸗ schullehrer und Geistliche. München. Das Gerücht von der be vor⸗ stehenden Abberufung des preußischen Gesandten v. Werthern kann als völlig aus der Luft ge Tochter des Herzogs Eduard von Sachsen-Alten⸗ burg, vermählt. Der Verstorbene war General- Lieutenant der kgl. Scheeren- Artillerie und General- major der schwedischen und norwegischen Armee. Spanien. In San Roche bei Gibraltar sollen sich 200 Carabiniers für Don Carlos er⸗ klärt und die Offiziere sich der Erhebung ange⸗ schlossen haben. Portugal. Lissabon. Die Poltzei hat einen Agenten des Arbeitervereins Fraternidade Operaria verhaftet, welcher die Tabakarbeiter zum Strike verlocken wollte. Den Blättern zufolge sucht die Polizei nach dem General Cluseret.— Eine italienische Fregatte, der Conte Verdi, und zwei englische Schiffe verblieben im Tajo. Das Boot der italienischen Fregatte schlug um, wobei — In hiesigen ärztlichen Kreisen befürchtet den Ausbruch einer größeren Flecksieber⸗ griffen bezeichnet werden. 11 Matrosen ertranken. Italien. Die Kaiserin von Rußland wird am 18. d. in Florenz erwartet.— Die„Liberta“ dementirt die Behauptung französischer Blätter, die Regierung habe Ozenne zurückberufen und be⸗ schlossen, die Verhandlungen über den Handels- vertrag zu suspendiren. Ozenne hat bereits Conferenzen mit einigen Ministern gehabt. Rußland. Dem Reichsrath ist ein Gesetz⸗ Entwurf vorgelegt worden, welcher die allgemeine Wehrpflicht im russischen Reiche einführt und fol⸗ gende Bestimmungen bezüglich der Dienstzeiten enthält: die Dienstzeit bei der Armee beträgt 15 Jahre, wovon 6 Jahre auf den Dienst bei der Fahne und 9 Jahre auf die Reserve ent- fallen; die Dienstzeit bei der Flotte beträgt 9 Jahre(davon 7 Jahre Activdienst und 2 Jahre Reserve); diejenigen Personen, welche einen Uni⸗ versitäte⸗Cursus absolvirt haben, thun ein halbes Jahr unter dem Gewehr Dienst. Die Reservisten werden bis zum 36. Lebensjahr einberufen. Amerika. Washington. Die Inaugural⸗ Votschaft des Präsidenten Grant zur neuerlichen Präsidentschafts⸗Ulebernahme sagt: Er werde an der Hand vierjähriger Erfahrung die Gesetze zum Besten des andes weiter handhaben. In seiner ersten Verwaltungsperiode habe es gegolten, in Folge der großen Revolution die Eintracht herzustellen, den Handel und die Künste des Friedens zu heben. Er glaube, daß die civilisirte Welt der republi⸗ kanischen Verfassung zustrebe und sei darin die amerikanische Union ein Leuchtstern für die Uebrigen. Die territoriale Vergrößerung werde seiner Ansicht nach eine Verminderung des Heeres zur Folge haben. Die Sclaven seien durch den Bürgerkrieg emancipirt, besäßen aber noch nicht die Staatsbürgerrechte. Diese Ungerechtigkeit sei zu beseitigen. Grant wird seine Bemühungen, die verschiedenen Landestheile auszusöhnen, das Papiergeld und das Gold in's Gleichgewicht zu bringen, den Handel und die Fabriken zu heben, die freunpschaftlichen Beziehungen mit den fremden Mächten aufrecht zu erhalten und die Indianer zu civilisiren, fortsetzen. Er hält den Vernichtungs⸗ krieg gegen Letztere für den Fall für nothwendig, daß die zunächst ins Auge zu fassende Anstrengung, die Indianer zu civflisiren, erfolglos bliebe. Der Präsident erwähnt des alten Vorschlags, Domingo mit der Union zu vereinigen, was nach seiner Ansicht für beide Theile vortheilhaft sein würde, und theilt nicht die Besorgniß, daß die Staaten durch einen solchen Gebietszuwachs geschwächt werden würden. Der Präsident dankt schließlich für die hohe Ehre der Wiederwahl. Newyork. Die Regierung von Havai be. absichtigt den Perlfluß⸗Golf bei Honolulu an die Vereinigten Staaten zur Errichtung einer Flotten⸗ station abzutreten. — Am 5. d. Abends fand zu Neworleans ein blutiger Zusammenstoß zwischen der Polizei und der Miliz statt. Letztere griff die Polizei- station an und wurde mit Artillerie zurückgeworfen. Es wurden ein Todter und zehn Verwundete ge⸗ zäblt. Die Miliz räumte beim Eintreffen der Bundestruppen das Feld. -- Friedberg. Am vergangenen Dienstag las Hr. Seminarlehrer Stamm über Shakespeares Richard[II. Richard III. tritt in der englischen Geschichte während des großen Bürgerkrieges auf, der, gewöhnlich der Krieg zwischen der weißen und rothen Rose genannt, iu der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geführt wurde. Richards Vater, der Herzog v. Vork, das Haupt der einen Pariei, kämpft gegen König Heinrich VI. aus dem Hause Lancaster. Der Krieg endigt nach Ermordung des Herzogs von York mit dem Siege seiner Partei. Heinrich VI. fällt im Gefängnisse durch Mörderhand, und mit Richards Bruber Eduard besteigt das Haus Pork den englischen Thron. So weit führt Shakespeares Drama„Heinrich VI.“ die Geschichte, und an diesem Punkte setzt das Drama „Richard III.“ ein. Der Vortrag hob aus der Fülle der Gedanken dieses Drama's nur die eine Reihe heraus, die in knappster Form durch die Worte Rückerts ausgedrückt ist: Leicht ehrest du der himmlischen Allmächtigkeit, Wenn bu auf Erden walten fiehst Gerechtigkeit; Doch eins ist noth und eins ist schwer: auf Gott vertraun, Auch wenn zu siegen scheint der Menschen Schlechtigkeit. Richard ist der vollendete Bösewicht, in ihm erscheint das Böse in seiner schwärzesten Gestalt. Schon von der Natur gezeichnet, ist er von der ersten Stunde seines Lebens an ein Gegenstand des Schreckens für seine Umgebung. Herangewachsen häuftereine böͤse That aufdie andere. Sein Wahlspruch lautet:„Für Feinde beten Priester, Prinzen lödten.“ So fällt er zuerst die Auge⸗ hörigen des Hauses Lancaster; dann kehrt seine Wulh sich gegen sein eignes Haus. Mit blutiger Art haut er sich einen Weg nach seinem Elysium, nach der Krone. Zu diesem Ziele gelangt, läßt er die blutige Hand nicht sinken, bis auch die zarten Kinder seiner Brüder abgeschlachte! oder unschädlich gemacht sind. Die eigene Gemahlin muß sterben, damit er durch Verbindung mit seines Bruders Tochter den Thron besestigen könne. Da zieht in der Person Richmonds, eines Lancaster, sein letzter Neben⸗ buhler um Tyron und Weib heran. In der Entschei⸗ dungsschlacht bei Bosworth fällt Richard.— Der Voll⸗ zieher so vieler schauderhaften Thaten ist zugleich ein Meister in kluger Berechnung, Verstellung und Heuchelei. So heuchelt er Theilnahme, wo er selbsi die Wunde geschlagen; so spielt er den seurigen Lieb⸗ haber, wo er nicht einen Funken von Liebe hat; so zeigt er die ausgesuchteste Freundlichkeit gegen das Schlachtopfer, dem er im nächsten Augenblicke den Kopf abschlagen läßt; so spielt er nach Verabredung mit seinem Helfershelfer den Frommen, den Demüthigen, um sich die Krone aufnöthigen zu lassen.— Dazu kommt, daß Richard seiner Bosheit sich vollkommen klar bewußt ist. Dies klare Be⸗ wußtsein erklärt zugleich die furchtbare Energie seines bösen Willens. Frei von aller Täuschung über sich selbst, handelt er vielmehr nach einem vollständig ausgearbeiteten Programme. Die Krone ist sein Ziel, Wegtäumung der Nächstberechtigten sein Plan, Gewalt und List sind seine Mittel. Die nackte Selbstsucht ist das ausgesprochene Princip seines Handelns. Die furchtbare Enischlossenheit und Thatkraft äußert er bis zu seinem Todestage.— Bei solcher selbstbewußten und absichtlichen Richtung des Willens auf das Böse können die Gebote und Ord- nungen Gottes nur ein Gegenstand der Ver⸗ achtung für ihn sein. Seine heuchlerische Rede, sein teuflischer Spott sie lieben die Verbrämung mit Bibelwort und Anspielungen auf religiöse Vorstellungen; das Kindes⸗ verhältniß ist ihm ebensowenig heilig als die anderen hei⸗ ligen Ordnungen des Lebens.— Auch für die Menschen alle hat er nur Verachtung, kein Wunder, da er über sie alle triumphirt. Wunderbar sind seine Erfolge, ob sein Streben dem Throne gilt, oder dem Scheine der Unschuld, oder der Verlockung eines Weibes, dem er Schwiegervater und Gatten erschlagen. Er fühlt sich allen weit überlegen, gerade weil er verworfener ist als sie alle. Darum erscheint in Richard das Böse nicht bloß in all seiner Schwärze, es erscheint zugleich imposant. Aber das Bild hat auch seine Kehrseite. Derselbe Richard leidet furchtbar unter den Qualen seines Gewissens. Die Geister seiner Schlachtopfer erscheinen ihm in der letzien Nacht vor der Entscheidungsschlacht im Traume, und ihn packt Entsetzen vor dem grauenvollen Bilde seiner selbst, vor dem Schurken, mit dem er selber kein Erbarmen hat.— Weiter aber, indem er seiner eigenen Selbsisucht zu dienen glaubt, ist er nur das Werkzeug einer gerechten Vergeltung. Die als Opfer seiner Selbsisucht fallen, erkennen selbst in ihrem Falle nur die gerechte Vergeltung ihrer eigenen Misse⸗ thaten.— Richard selbst endlich, von Verbrechen zu Ver⸗ brechen fortstürmend, kommt doch nicht zum Ziele, wird vielmehr zuletzt mit dem ganzen Erwerb seiner Ar⸗ beit verschlungen. Und über der Leiche des Bluthundes kündet sich in der Gestalt seines Besiegers eine dessere Zeit, eine Zeit des goldenen Friedens an, wie sie England von der Thronbesteigung Richmonds(Heinrichs VII.) an zu Theil wurde. So zeigt sich also das Böse zuletzt in seiner ganzen Nich⸗ tigkeit und Ohnmacht. Es wird überwältigt durch die steg⸗ hafte Macht des Guten. Damit schließt die Gedankenreihe, nachdem sie Schrecken und Zweifel wach gerufen, wieder befctedigend und versöhnend ab, und das vorangestellte Wort Rückerts findet seine vollkommene Bestätigung. Nächster Vortrag: Herr Reallehrer Dr. Weyerhäuser über Livingstones Entdeckungsreisen. Frankfurt. Nach einem hier von der Polizeibehörde in Stettin eingetroffenen Telegramm hat ein gewisser Boleslofsky, welcher am 22. und 23. Februar im Würt⸗ temberger Hof, am 23. und 24. im Landsberg logirte, zwei von den 25 im Café Goldschmidt einem Oekonomen gestohlenen Aktien der Elisabethbahn, zweiter Emission, an Zahlungsstatt beim Einkauf von Waaren gegeben. Eine derselben wurde bei einem Banquier, der sie wechseln sollte, angehalten. Man hofft des Diebes, der sich aus dem Staube gemacht hat, noch habhaft zu werden. Frankfurt. Die Landwirthe der Umgegend werden Gelegenheit haben, in einigen Tagen einen Dampfflug in Thätigkeit zu sehen. Die Gr. Hess. Regierung hal be⸗ schossen, den von den Oeconomen Bergsträßer und Schutt importirten Dampfflug zollfrei eingehen und gleichzeitig bei dem Reichskanzleramt ihre Verwendung dahin eintreten zu lassen, daß für die nächsten 3 Jahre auf Dampspflüge und Mähmaschinen der Eingangszoll nachgelassen werde. Frankfurt. Die Genehmigung der königlichen Regi⸗ rung zum Bau einer Brücke am Obermainthor ist hier eingetroffen. Frankfurt. Ein 57 Jahre alter mit seiner Familie zu Bonames wobnender Mann, hat sich am letzten Soun⸗ tag Morgen nach Franksurt begeben, um Mehreres sür die Haushaltung einzukzufen. Derselbe ist bis jetzt zu den Seinigen nicht zurückgekehrt. Amtlicherseiis sind Recherchen nach seinem Verbleib angeordnet. Frankfurt. Es ist gelungen in einem Manne aus Großzimmern einen Fabrikanten falscher Thalerstücke zu ermitieln. Derselbe ist geständig Frankfurter Einthalerstücke, bayerische Einguldenstücke mit dem Bilde Ludwig I. und österreichische Einguldenstücke angefertigt zu habe etwa vier Wochen hat sich der Betreffende auch gehalten und von seinem falschen Gelde einig verausgabt. Offenbach. Ein 13jähriger Junge, ber si 3. März das Vergnügen machte, in einer hiesigen ein Bleirohr abzuschneiden, wurde, als er ein zwesses Angriff nahm, ertappt und in sichere Verwahrung nommen. laufer eines hiesigen Möbelhändlers, der in voriger Wo seinem Herrn ca. 50 Tbaler aus der Kommode siah durch die eifrigen Nachforschungen aber enideckt und mi einem Complicen hinter Schloß und Riegel gebracht wurbe Darmstadt. Sämmtliche Mitglieder der 1. Kammg waren am 6. März zu der im Weißen Saale des G. Residenzschlosses stattgehabten Galatafel geladen.— Min sterpräsident Hofmann wird sich Mitte dieses Monz nach Berlin begeben, um mehreren Bundesrathssitzungeg beizuwohnen.— Die seither in Rheinhessen bestande;, Verordnung, daß diejenigen Gerichtsaccessisten, wel Notar werden wollten, 2 Jahre auf dem Bureau e Notars arbeiten mußten, ist aufgehoben worden, angeblst weil wegen derselben sich in letzter Zeit zu wenig Ace sisten dieser Branche zuwendeten. Gleiches Schicksal hatte der 16jährige A 4, Darmstadt. Am 6. März wurde das Urtheil dg e Hofgerichts in dem famosen Hustenproceß des Lan richtets Menges zu Beerfelden gegen das„Franksurlg Journal“ und Herrn Max Speyer zu Frankfurt verkündel Es lautet auf Freisprechung der beiden Angeklagten. Mainz. Am Freitag Abend wurde, wie der„Rh B.“ melde, Hermann Maier von Niederolm gefänglit eingezogen und andern Morgens nach Mainz in Haß gebracht; er hatte mit tödlichem Erfolge seiner Tant Matth. Maier Ww. einen schweren Stein an den Kopf geworfen. Wiesbaden. Referendar Graf Bismarck, Sohn b. Reichskanzlers, wird seine juristische Laufbahn dahier be⸗ ginnen und hai sich zu diesem Zwecke dem hiesigen Amte gerichte zur Beschäftigung überweisen lassen. Heidelberg. Der deutsche Protestantenverein hal die Tage vom 12. bis 14. August 1873 für den nächten Protestantentag in Aussicht genommen. Eine vorläufige Mittheilung dieses Beschlusses an den Rath ber Sa Leipzig ist von diesem dahin beantwortet worden, daß er„den Verein mit Freuden bewillkommne und demsel ben soviel an ihm ist, alle Förderung angedeihen lassen werbe.“ Exvedition von ist soeben in der 12. Auflage erschienen und gewährt durch sorgfältige Zusammenstellung von mehr als 5000 politischen Tagesblältern eine Uebersicht der Preßverhältnisss Comptoir sichert. 5 Für Jakob Sommer in Hoch- Weiseh sind ferner folgende Gaben eingegangen: Von E. Hanstesn 30 kr., E. B. in O. 1 fl., per Post in Marken 18 kr. J. A. Nauheim 1 fl., Rendant Biisch 3 fl., W. Kümmich 1 fl., aus dem Pfarrhause zu M. i. d. Wetterau 1 fl, Ungenannt 1 fl. 10 kr., N. N. 30 kr. Verloosung Jes Gustay-Adolf-Srauenpertins. Der unterzeichnete Vorstand beabsichtigt win schon in früheren Jahren auch in diesem wieden eine Verloosung für die Zwecke des von ihm ver tretenen Vereins, Unterstützung von Confirmanden“ häusern und Schulen, von Wittwen und Waisen Ausschmückung von Kirchen, Anschaffung von Altargefäßen, Glocken u. dergl., zu veranstaltes und wendet sich deßhalb an alle Freundinnen den Vereins mit der vertrauensvollen Bitte, denselben zu diesem Behufe mit weiblichen Arbeiten freunde lichst unterstützen zu wollen. Ende April d. J. erbeten werden, erbieten sic; folgende Mitglieder des Vorstandes: Frau Bine dernagel, Frau Fertsch, Frau Huben Frau Köbler, Frau Meyer, Frau Schwabtz bei welchen auch Loose à 6 kr. für die in nächstem Frühjahr beabsichtigte Verloosung zu haben sind⸗ Friedberg, den 20. Februar 1873. Der Vorstand des Gustav-⸗ Adolf ⸗ Frauenverein Der Lokalgewerbverein Zur Empfangnahmn verselben sowie anderweitiger Gaben, welche bis ü Da kungsb. I. U iche Ge Moner adhalten, um den Voranschlag für die Schule fertig wird am 8. März zur herkömmlichen Stunde eine 1 slellen. Der Vorstand. 7 5