1872. Samstag den 23. November. M 138. 9 1 Datigesez 1 9 9 u i G5 8 b fabest a * daun f r . les freie 9 r, dat a. Wa,.— nenn m. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Sriedberger Intelligenzblatt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. 9 n 8 gibt t8 Uu e G.. 1 2 en gütig Tauiltaztu hs Bekannt m a chung. W getreffende Die von den höchstbesteuerten Grundbesitzern vorzunehmende Ergänzungswahl von einem Mitglied des Bezirksraths im Kreise Friedberg. 4 5— Leh In Gemäßheit des Art. 11 des Gesetzes vom 10. Februar 1853 wird das nachstehende Verzeichniß der 24 wegen eigenthümlichen an, der nutznießlichen Grundbesitzes im Kreise Höchstbesteuerten n en Ste, 1 Monatl. Steuer. Monatl. Steuer 1 lernfäbigs, 1) Herr Graf von Solms-Rödelheim zu Assenbeim 559 fl. 3 kr. 13) Kugelhausfonds zu Butzbach 51 fl. 55% kr. ech ftdlen. i 2) Herr Graf von Leiningen⸗Westerburg zu Ilbenstadt 33% n, 14) Herr Daniel Bender zu Butzbach 47, 38½„ varg begriffen f 3) Der Großherzogliche Fiscus 257 12½„ 15) Herr Freiherr August von Loͤw zu Steinfurth zu Löwenthal 37„ 2½„ * 2 Herr Fürst zu Solms Braunfels zu Braunfels 2%% 15 0 16) Herr Heinrich Welth II. Witwe zu Nleder⸗Wöllftadt 30„ 18%„ * Vilen iu 5) Herr Fretherr Wilhelm von Löw zu Zlegenberg 135 1 1 17) Herr K. Heinrich Bausch zu Nieder- Wöllstadt 27„ 24½„ u. dedenten irh 6) Herr Fürst von Solms Lich zu Lich 93„ 2½„ 18) Frau Poststallmeister von Helmolt Wittwe zu Friedberg 26„ 36 ½ er die pflege im 7) Herr Freiherr August von Löw zu Nieder ⸗Florstadt 83% 359 9 19) Herr Wilbelm Klecberger zu Södel 25„ 11/8„ de 5) Herr Graf zu Solms Laubach zu Laubach Ni 400 20) Frau Georg Stoll I. Witiwe zu Nieder ⸗Wöllstadt 22 95 ge e 9) Die Saline Bad Nauheim 9„ 21) Herr Freiherr Gustav von Löw zu Steiufurth 211 38 ze der Selbst 10) Herr Fürst zu Asendurg und Büdingen zu Wächtersbach 65„ 48½„ 22) Herr Freiherr Ludwig von Löw zu Wiesbaden 21„ 38½„ „ SGrundbestztt, k 11) Herr Freihert Wilhelm Hugo Wetzel zu Ober⸗Mörlen e 23) Herr Heinrich Bausch I. zu Nieder⸗Wöllstadt 2129 ½, 12) Hospital zu Friedberg 57 ie 24) Pfarrei Nieder-Wöllstadt 19„ 13½„ Bettint, insbesenn N dtlendert des am riesen Vorurtbe rtttt Gesinnnmn in. el Oberbessen. no. bet Damencifus 147 zehung ihren freien Stand wahren. iermit unter dem Anfägen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die 5. Dezember d. J. bei dem unterzeichneten Kreisamte zur Einsicht offen liegen und bei unerhalb jener Frist Einwendungen oder Ansprüche unter Vorlage der nöthigen Urku angefügt, daß von den im Jahr 1869 durch besteuerten gewählte Kammerdirector Geyger von Assenheim durch das Loo zeführten Grundbesitzer ein neues Mitglied zu Friedberg am 20. November 1872. die 24 Höchstbesteuerten gewählten drei wählen haben, Nachweisungen, auf welche sich dieses Verzeichniß gründet, bis zum demselben in Bezug auf Eintrag in das Verzeichniß nden vorgebracht werden lönnen. Mitglieder des Bezirksraths der von den 4 Höchst⸗ s ausgetreten und daher die unter 1. 2. 3. und 4. oben auf⸗ Es wird ferner Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Tera pp. Deutsches Reich. Darmstadt. Nach der„Darmst. Ztg.“ ist ser Entwurf einer dem nächsten Landtage vorzu- egenden Kreisordnung im Ministerium des Innern tusgearbeitet worden und haben die Berathungen über denselben im Gesammtministerium ihren An⸗ ang genommen. Nachdem zu Anfang dieses Monats der Verein der Ziesigen öffentlichen Anwälte, und zeuerdings der Verein der öffentlichen Anwälte ger Provinz Oberhessen in motivirten Eingaben sei Großh. Ministeriem der Justiz um eine ent⸗ prechende Erhöhung der Anwaltgebühren nachge⸗ ucht haben, hat das gedachte Ministerium im Hinblick auf die Zeitverhältnisse die Bedürfnißfrage in bejahendem Sinne entschieden und die Hof⸗ gerichte der Provinzen Starkenburg und Oberhessen zum thunlichst zu beschleunigenden Berichte über die Lrt und Weise der Ausführung aufgefordert, — Die„Darmstädter Zeitung“ meldet: Der Vertrag zwischen der Stadt Mainz und dem zestungsgouvernement hat die Genehmigung der Regierung erhalten. Berlin, 20. Nov. Abgeordnetenhaus. Vom Cultusminister wurde ein Gesetzentwurf, betreffend die Grenzen des Rechts zum Gebrauche kirchlicher Straf- und Zuchtmittel; vom Finanzmjnister ein Gesetzentwurf, betreffend die Cautionen der Staats- beamten, eingebracht. Das Haus trat sodann in die erste Berathung der Kreisordnung ein. 12 Redner hatten sich für, 18 gegen dieselbe eingeschrieben. Nachdem Blankenburg für, Sezuman und Mal- lickrodt gegen die Vorlage gesprochen, erklärte der Minister des Innern gegenüber den Aus- fihrungen des Letzteren: Die Regierung müsse auf tem Ausschlusse der Provinz Posen von der Kreis acdnung bestehen, sie wolle nicht den Ungehorsam erganisiren. Der Minister schleß: Das Interesse für das Zustandekommen des Gesetzes habe ihn berechtigt, Mahnungen an das Herrenhaus zu richten. Ueber die Zulässigkeit eines Pairschubs knnte er sich im Abgeordnetenhause nicht inter pelliren lassen, ebensowenig wie es ihm einfallen würde, Rede zu stehen, wenn er im Herrenhause iber die Auflösung des Abgeordnetenhauses inter- vellirt würre. Die Regierung müsse in dieser Be- Lasker hob hervor, wie alle Parteien redlich an standekommen des Gesetzes gearbeitet. dem Zu- Befriedigung über die Ergiebigkeit der wirthschast⸗ Dasselbe lichen Hülfsquellen Frankreichs ist gerechtfertigt. werde, wenn unabgeschwächt angenommen, den Die nächste Entwicklung in Frankreich wird ge⸗ Grundpfeiler des preußischen Staates herstellen. wiß eine große und allseitige Aufmerksamkeit in Meyer(Arnswalde) sprach gegen die Vorlage, Anspruch nehmen, wenn auch nicht im Sinne einer worauf der Minister des Innern erklärte, es be- Huldigung für den Einfluß Frankreichs auf die dürfe nach dem eben Gebörten keiner Rechtfertigung, Völker, eine Auffassung, die glücklicherweise einem wenn er den Abgeordneten Meyer zu den Sitzungen der Vertrauensmänner nicht hinzugezogen habe. Liebermann(conservativ) und Virchow sprachen für, v. Wedell gegen die Vorlage. Der Minister des Innern trat wiederholt für letztere ein. Er hob hervor, daß er als conservativer Mann zur rechten Zeit das Richtige zu geben bestrebt sei, und forderte die beiden äußersten Seiten des Hauses auf, Ankündigungen von Amendements nicht einzubringen und lieber bei dem Schlusse der Berathungen von ihren entgegenstehenden Standpunkten aus zu beantragen, daß die Aus- führung des Gesetzes einem conservativen, resp. einem liberalen Ministerium übertragen werde. Der Mi⸗ nister schloß:„Nicht aus dem Grunde, daß die verlangten Concessionen das Herrenhaus versöhnen würden, sondern weil sie die Regierung für er⸗ forderlich hielt, seien sie eingebracht. Dies klar zustellen, sei nach der Ablehnung des Herrenhauses die Aufgabe der Regierung gewesen, der hier keine Inconsequenz vorzuwerfen sei. Wenn Sie wirklich Vertrauen zu uns haben, so nehmen Sie das dargebotene Compromiß an.“ Nach Schluß der Generaldiscussion wurde die Commissionsberathung fast einstimmig abgelehnt. — 21. Nov Das Abgeordnetenhaus erledigte heute die erste Berathung der allgemeinen Staats- haus halts⸗Rechnung pro 1868 und 1869, wobei die Verwendung der sequestrirten Revenüen des vormaligen Königs von Hannover und Terrain⸗ Verkäufe des Militärsiskus eine Debatte herbei⸗ führten. Von dem freiconservativen Abgeordneten Knesebeck und Genossen wurde folgende Inter- pellation eingereicht:„Welche Schritte gedenkt die Regierung zur Linderung der Noth der von Sturmfluth beschädigten Bewohner der Ostseeküsten zu thun?“ — Die„Provinzial Correspondenz“ sagt bei einer Besprechung der Thiers'schen Bolschaft: Thiers stande unterm 8. Juli d. thatsächlich überwundenen Standpunkte angehört. — Der„A. A. Ztg.“ wird von hier ge⸗ schrieben, daß Graf Arnim nun doch um Ent⸗ hebung vom Botschasterposten in Paris gebeten habe. Graf Arnim wünschte wieder nach Rom als Nachfolger Brassier de St. Simons zu gehen. Der Correspondent der„A. A. Ztg.“ bemerkt weiter, wahrscheinlich werde in Paris Minister Graf Eulenburg der Nachfolger Arnims werden. — Von Ostern ab soll, wie die„Vossische Zeitung“ berichtet, in den neuen Provinzen überall in den mittleren und oberen Klassen mehrklassiger Schulen der Unterricht in weiblichen Handarbeiten als obligatorischer Gegenstand für die Mädchen eingeführt werden. Die Zahl der wöchentlich zu ertheilenden Stunden, gleichwie die Turnstunden der Knaben, sind außer der Minimalzahl von 26 Stunden zu ertheilen. — Wie die„Aach. Zeitung“ meldet, ist der „Verein deutscher Katholiken“ auf Grund der §§. 8b und 16 des Vereins ⸗Gesetzes vom 11. März 1850 vorläufig polizeilich geschlossen worden. — Der Bruch innerhalb der econservativen Partei im Abgeordnetenhause ist erfolgt Die Gou⸗ vernementalen nennen sich von nun an„National- Conservative“ und haben ein Redactions-Comite ernannt zur Entwerfung eines förmlichen Pro- grammes.— Der Ministerrath designirte bisher dreißig neue Pairs.— Die Herrenhaus⸗Majorität ist geneigt zur Annahme der Kreisordnung. Trier. Unterm 12. d. M. hat die könig⸗ liche Regierung hierselbst die von ihr ressortirenden Landrathsämter beauftragt, folgenden Exlaß zur Kenntniß der Betheiligten und etwaige Zuwider⸗ handlungen bei ihr zur Anzeige zu bringen:„Der in Mainz gebildete Verein der deutschen Katho⸗ liken verfolgt nach Inhalt des von seinem Vor- J. veröffentlichten Auf- ——— rufs und nach unseren sonstigen Wahrnehmungen so feindliche und agitatorische Tendenzen gegen die Staatsregierung und gegen die don des Kaisers Majestät sanectionirten neueren Gesetze, daß wir uns verpflichtet sehen, alle öffentlichen Beamten unseres Ressorts, namentlich aber auch die Schul⸗ inspectoren und Lehrer ernstlich vor dem Beitritte zu diesem Vereine und vor jeder Unterstützung desselben zu warnen, da solches mit ihrer Stellung und ihren Pflichten unvereinbar erscheint. Beamte, welche diese unsere Warnung unbeachtet lassen sollten, würden sich die hieraus von uns herzu- leitenden Maßregeln selbst zuzuschreiben haben.“ München. Durch Ministerial-⸗Entschließung wurde die Beschwerde, welche der Jesuit Graf Fugger gegen seine Ausweisung aus Regensburg erhoben hatte, als unbegründet verworfen. — Das Organ des Bischofs Heinrich von Passau enthält über die ultramontane Presse folgenden interessanten Abschnitt:„Trotz der baar— klaren Spitzederschwindlerei haben es ultramon— tane Zeitungen unternommen, die Spitzeder zu vertheidigen, ihren Kredit zu stärken, wie dies z. B. Sigl gethan. Man sieht die extrem ultra- montanen Journalisten dieser Secte dienen Jedem um Geld, wenn's sein muß auch dem Teufel, denn Geld ist ihre Religion und der katholische Glaube ist der Mantel, den sie darüber hängen. Die Vertheidigung des Instituts, welches auf so ver⸗ werflichen Principien beruht, ist ein öffentliches Aergerniß, ein Mißbrauch der Presse, wie er ärger nicht sein könnte. Solches aber thun katho— lisch sein wollende Journale, katholisch sein wollende Journalisten! Auch in dieser Hinsicht hat Euch der Liberalismus zu Schanden gemacht!“ Solche Sprache von dem bischöflich inspirirten Organ in Passau wird ihre Wirkung nicht verfehlen und sollte in allen Kreisen des katholischen Volkes be⸗ kannt werden. — Ueber das Vermögen der Adele Spitzeder ist definitiv Gant erkannt. Die von mehreren Gläubigern beantragte Prüfung des Vermögens derselben hat ergeben an Activen 1,936,671 fl. 16 kr. einschließlich des Werthes der Immo- bilien. Die bisher angemeldeten Passtven betragen 3,561,804 fl. 48 kr., so daß sich schon jetzt eine Ueberschuldung von 1,625,233 fl. 32 kr. ergibt, obgleich vom Lande verhältnißmäßig noch wenig Forderungen angemeldet sind. — Die Generaldirection der k. Verkehrsan⸗ stalten hat das Recht zur unbeschränkten Anwendung der Heberlein'schen Bremsvorrichtung auf den Staatsbahnen um 5000 fl. erworben und wird sämmtliche Züge, welche ausschließlich zur Per- sonenbeförderung bestimmt sind, nach und nach mit dieser Vorrichtung versehen lassen. Ausland. Schweiz. Die„Baeler Nachrichten“ melden aus Solothurn vom 19. Nov.: Die Dibeesan⸗ Conferenz des Bisthums Basel faßte gegen das Unfehlbarkeitsdogma angemessene Beschlüsse, erklärte Censuren gegen anti infallible Geistliche für un- statthaft, sprach dem Bischofe die Berechtigung zur Absetzung Geistlicher ohne Mitwirkung der Cantons- behörden ab und erklärte sich gegen die Excom⸗ munication der Pfarrer Egly(Luzern) und Gschwind(Starrkirch). Frankreich. Thiers empfing am 19. d. die Deputirten der Linken und drückte diesen gegen- über den Woynsch aus, in Folge seiner ange— griffenen Gesundheit die Last der durch das Treiben der Rechten erschwerten Gewalten niederzulegen, Die Uebertragung der Regierungsgewalt werde Dank der bewunderungswürdig organisirten, dem Gesetze und der Regierung treu anhängenden Ar⸗ mee ohne Unordnung erfolgen. Auf dem Platze werde er nur dann verbleiben, wenn er ein for⸗ melles Vertrauensvotum und die Zusicherung der Unterstützung der Nationalversammlung füt die Durchführung gewisser Reformen erhalte.— Die Rechte beharrt auf ihrem Widerstande gegen die Proclamirung der definitiven Republik und wies jede monarchische Combination zurück. Sie ist aber dem Vernehmen nach geneigt, durch besondere Maßnahmen innerhalb der Schranken des Ver— trages von Bordeaux die Regierungsgewalten des gegenwärtigen Präsidenten zu befestigen.— Zu dem Empfange bei Thiers hatten sich, der„Agence Havas“ zufolge, viele Deputirte eingefunden, die Thiers bestürmten, auf seinem Posten zu bleiben. Das Ministerium ist Angesichts der Krisis ge⸗ schlossen und einig. — Die„Agence Havas“ meldet: Es ist ge⸗ wiß, daß Thiers gegenwärtig seine Entlassung nicht nehmen wird. Nach dem Ministerrathe hatte Thiers eine Unterredung mit hervorragenden Mit- gliedern des linken Centrume, insbesondere mit Picard. — Das„Bien public“ schreibt:„Die fran⸗ zösische Regierung, welche die Befreiung des Landesgebiets nicht aus dem Auge verliert, kauft auf und verwendet hierzu die bedeutenden Fonds, welche in Folge der anticipirten Einzahlungen auf die Anleihe zu ihrer Verfügung stehen und sich auf 1800 Millionen Fres. belaufen. Man darf hoffen, daß diese Zahlungen, ohne den Geldmarkt zu erschüttern, rasch genug vorrücken werden, daß im März künftigen Jahres wieder zwei Departe⸗ ments werden geräumt werden können.“ — Officiöse Meldungen aus Versailles be— haupten, daß das Gerücht von einer schlechten Aufnahme der Thiers'schen Botschaft Seitens der fremden Gesandten gänzlich unbegründet sei. Hr. v. Rémusat habe im Gegentheil aus allen Unter— redungen mit den Vertretern der verschiedenen Mächte entnommen, daß der Eindruck auf die selben ein durchaus zufriedenstellender gewesen sei. — Der„Temps“ will wissen, Gontaut⸗Biron habe angefragt„in Betreff der Münzsorten, die deutscherseits zum Zweck der Umschmelzung aus dem Verkehr gezogen worden seien“, und habe die Antwort erhalten, die deutschen Münzstätten seien vorläufig noch nicht im Stande, ein größeres Quantum Geld dem Verkehr wieder zurückzugeben. Belgien. Wie man der„Indép.“ aus Versailles schreibt, hält die Rechte ein Triumvirat Mac-⸗Mahon⸗Changarnier-l'Admirault mit einem Cabinet Broglie-Pasquier zum Ersatz für Thiers bereit. Italien. Es wird als unwahr bezeichnet, daß der französische Botschafter im Vatican eine Note des Grafen Rémusat überreicht habe, worin derselbe über die anti-republikanische Propaganda des bohen französischen Klerus klagt. Die fran⸗ zösische Botschaft lenkte blos die Aufmerksamkeit des Papstes auf bestimmte Agitationsfälle und verlangte Abhülfe. — Nach der„Italia“ bestimmt der vom Justizminister der Deputirtenkammer vorgelegte Gesetzentwurf über die religiösen Körperschaften die Anwendung der Gesetze wegen Aufhebung der religiösen Körperschaften und der Güterconver⸗— tirung auf die Stadt Rom. Die Generalraths⸗ häuser bleiben aufrecht. Die Stistungshäuser bleiben erhalten, dürfen aber nicht vermehrt werden. Diese Häuser genießen nicht die Rechte einer Civilperson. Die eingezogenen Güter werden dem wohlthätigen Stiftungszwecke erhalten. Die Pen⸗ sionsliquidation erfolgt binnen Jahresfrist. Die Güter der religiösen Körperschaften der Stadt Rom werden in unveräußerliche Rente convertirt. Amerika. Aus New Nork wird gemeldet: Ein Kornmagazin in Brooklyn ist abgebrannt; Schade 800,000 Doll.— Wieder ist in Boston am 19. d. um Mitternacht eine Feuersbrunst aus⸗ gebrochen, welche die State Street bedrohte. Sie wurde jedoch schleunigst gelöscht; der Verlust be⸗ läuft sich auf 200,000 Dollars. U Büdingen. Der hiesige Musikverein eröffnet am nächten Dienstag den 26. d. die Reihe seiner dieswinter⸗ lichen Concerte mit„Der Rose Pilgerfahrt“ von R. Schumann. Aus Oberhessen. Die Viehzählung am 10. Jan. k. Js. findet im ganzen Reich stalt. Dieselbe erfolgt nach der Zählkarten⸗Methode und wird sich auf Pferde, Maul⸗ thiere, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen, sowie auf Bienenstöcke und Seidenraupenzucht erstrecken. Gießen. Durch den Tod des ordentlichen Professors der Philosophie Dr. Gustav Schilling hat unsere Univer⸗ sität einen nicht unbedeutenden Verlust erlitten. Der Ver⸗ storbene war nach Charakter und Geist einer der achtungs⸗ werthesten Vertreter seiner Wissenschaft. Aus Frankfurt wird gemeldet: Es klingt kaum glaublich, aber doch ist es Thatsache, daß auch einige Frankfurter ihre Sparpfennige bei Fräulein Spitzeber angelegt haben; andere wurden noch rechtzeitig von einem ähnlichen Schritte abgehalten.— Capellmeister Stasny hat einen„Spitzeder⸗Galopp“ componirt, der dieser Tage zur Aufführung kommen wird.— Ein Großh. Badischer Eisenbahn-Assistent aus Lörrach, der 1000 fl. Kassendesekl hatte und mit dem Rest seiner Amtskasse, ca. 3000 fl., durchgegangen war, wurde am 18. d. Mté. von der hie⸗ sigen Polizei ermittelt und verhaftet, Von dem verun— treuten Gelde besaß er keinen Heller mehr, da er Alles, zuletzt sogar den Erlös für seine entbehrlichen Kleider, in den umliegenden Bädern verspielt hatte. Er wurde den badischen Behörden übergeben. In Sachsenhausen ist der Werth des Grundeigen⸗ thums noch mehr im Steigen begriffen, als in der Frank⸗ furter Gemarkung. Gelände, von welchem die Ruthe vor einem halben Decennium kaum 60— 70 fl. kostete, wird jetzt mit 180 fl. bezahlt. Einen unverhofften Fund macht alle auf den Markt gelangenden deutschen Wechsel 5 jedoch eine Familie, welche vor etwa 40 Jahren wegen eines kranken Familiengliedes sich genöthigt sah, eine Kuh zu halten, und damit dieselbe auch grasen könne, ein Stückchen Land für 200 fl. ankaufte. Unrentabel lag das Land da. Eisenbahn⸗ und Brückenbau schnelllen jedoch den Werth desselben in die Höhe und erhalten die Erben jetzt für das Fleckchen Erde 14000 fl. Waldmichelbach. Eine großartige Untersuchung ist am hiesigen Landgericht anhängig. Sie ist gegen ver⸗ mögende Landwirthe von Wahlen und Scharbach wegen Brandstistung und gegen mehr als ein Dutzend in der Branduntersuchung als Zeugen vernommenen Personen wegen Meineids gerichtet. Gegen 20 Personen sind ver⸗ haftet und sind sie in den Gefängnißlokalen zu Wald⸗ michelbach, Fürth und Hirschhorn untergebracht. Der Untersuchungsrichter, Assessor Schäfer dahier, der die Unter⸗ suchung mit ebenso viel Geschick als Entschiedenheit führt, ist zu seiner Sicherheit bei den auswärtigen Terminen steis von 2 Gendarmen begleitet. Die in Brand gesetzten Hofraithen waren vor der Brandlegung gründlich ausge⸗ räumt worden und sollen bie meisten Gegenstände, welche versichert waren, wieder aufgefunden worden sein. Mainz. Ein frecher Raub wurde kürzlich auf der Kapuzinergasse in der Wohnung des Polizeidieners S. ausgeübt, während derselbe auf Wache war. Mehrere Diebe brachen in die Behausung ein, knebelten und banden die Frau und raubten 500 Gulden baares Geld, sowie eine silberne Uhr. Erst als sie fort waren, gelang es der Frau sich durch Bewegung und Unruhe soweit den Nachbaren bemerklich zu machen, daß diese aufmerksam wurden und ihr zur Hilse kamen. Mainz. Vor einigen Abenden entspann sich vor dem Gasthaus„zum Bären“ auf der Holzgasse eine Schlägerei zwischen hessischen und preußischen Soldaten. Erst einer Patrouille gelang es, die erhitzten Söhne des Mars zu trennen. München. Von dem Steigen des Durstes in München gibt die Thatsache Zeugniß, daß im Jahre 1868 ungefähr 53½ Millionen Maß Bier, im Jahre 1871 aber 62½ Millionen Maß Bier getrunken wurden. Rechnet man die Einwohnerzahl Münchens rund zu 170,000, so entfällt auf den Kopf der Bevölkerung jährlich die Zahl von genau 365. In München muß also Alles vom kleinsten Kinde bis zum ältesten Manne und so Männlein wie Weiblein, täglich seine Maß Bier haben. Wien. An sämmtliche Aerzte Wiens ist dieser Tage folgendes curiose Circular gelangt:„Eure Hochwohl⸗ geboren! Beigeschlossen bin ich so frei, von meiner neu etablirten Trauerconfections-Fabrik Preis-Courante mit der Bitte beizulegen, im Falle bei Euer Wohlgeboren P. T. Patienten ein Todtenfall zu erwarten ist, selben, bevor sich die Damen ihre Trauer Toiletten anderwärts anschaffen, mit Ihrer güligen Empfehlung zu überreichen, oder mich mittelst einer Correspondenzkarte güligst zu verständigen, wogegen ich mich verpflichte, von jedem Ge⸗ schäfte Euer Wohlgeboren 10 Procent vom Betrage zu bezahlen. Euer Wohlgeboren mich mit besonderer Hoch⸗ achtung empfehlend, zeichnet ꝛc.“ London. Die Eröffnung der telegraphischen Ver⸗ bindung zwischen England und Australien wurde durch ein Bankett im Cannonestreet-Hotel festlich begangen. Eine interessante Eigenthümtichkeit des Festabends war, daß Telegraphendrähte nach der Bankethalle gelegt worden waren, vermittelst welcher mit den Gouverneuren der australischen Colonien Glückwunsch⸗Telegramme ausgetauscht wurden. Auf eine Depesche, die 10 Minuten vor 7 Uhr nach Südaustralien expedirt wurde, lief 10 Minuten vor 9 Uhr die Antwort ein. Eineinnati. Ein hiesiges Blatt bringt folgendes Beispiel wunderbarer Fruchtbarkeit, für dessen Wahrheit es verantwortlich bleiben mag:„Am 21. August d. J. wurde Frau Timothy Bradlee im Conuth Trumbull, O., von acht Kindern— drei Knaben und fünf Mädchen — entbunden. Die Kinder sind klein, aber gesund und lebenskräftig. Herr Bradlee heirathete vor sechs Jahren Fräulein Eunice Mowerie, welche am Tage der Hochzeit 273 Pfund schwer war. Sie gebar zweimal Zwillinge und jetzt zwei Drittel Dutzend auf einmal, macht in sechs Jahren zwölf Sprößlinge. Frau Bradlee stammt von Drillingen, ihr Vater und ihre Mutter gaben fünfmal Zwillingen das Leben.“(Also„Acht um den Alten“! Hoffentlich wird diese amerilanische Productivität nach Europa sobald nicht ihren Weg finden.) D. Frankfurt a. M., 21. Nov. Der nahende Ultimo macht es der Speculation sehr schwer, der ihr im Grunde sympathischer Haussedisposinion treu zu bleiben. bela Oe h günftt Staal nach! Mind Spec er del mäßit Ultim Engag die üb siht a indem ie wi Frank öffne ö gut, it ö kenle lien ö im G und e Verei 0 dec über 0 lhagte beschle 0 auf k ö und bank. Bech noch! bliebe nur sie eh bis Wasf so wi brobe jjund Bran Lol Fgeflüe ö Meer Nacht ö und — 313 Nan fürchtet in Rückblick auf die vorhergehenden Liqui⸗ ationen, daß die bevorstehende Ultimoabwickelung eine ohr schwierige sein werde, da die Geldverhällnisse noch mmer keine Wendung zu einer wesentlichen Besserung ge— zommen haben. In Berlin, wo man sich derselben Ansicht ingibt, siellt sich der Zinssatz für Prolongationen bereits auf 7½—8%. Das Geschäft leidet unter diesen Einflüssen hr und ist eine übrigens nur Billigung findende Zurück altung der Speculation ersichtlich. Einen Beweis für je Besorgniß vor der demnächstigen Gestaltung des Geld⸗ narkts geben die Gerüchte, welche an den Börsen über die age der Londoner Bank umgehen. Während man in Zerlin gestern die Befürchtung einer Diskontoerhöhung in ondon als überwunden betrachtete, wurde das Gerücht eute an hiesiger Börse colportirt, es stehe in Folge be— eutender Goldausfuhren eine abermalige Erhöbung bevor. die heutige Börse eröffnete unter dem Einfluß nicht un⸗ ünstiger auswärtiger Course ziemlich fest, besonders für Staatsbahn, welche mit 365 einsetzten, jedoch nach und ach verflauten und mit 364 schlossen. Trotz der geringen Nindereinnahme von fl. 7000., schritt ein Theil der Speculation zu Realisationen des genannten Effects, da r den gegenwärtig erreichten Cours als einen verhältniß⸗ wäßig hohen ansieht und da außerdem die Nähe des ultimo solche Realisationen, die zur Verminderung der üngagements dienen sollen, nothwendig macht. Auch für se übrigen Speculationswerthe trat im Laufe des nicht hr animirten Geschäfts eine allmälige Ermattung ein, edem die oben berührten Umstände, sowie nicht weniger ze wieder stark hervortretende Unsicherheit der Dinge in srankreich verstimmend einwirkten. Creditactien mit 363 vöffnend, schlossen 362, Lombarden hielten sich relativ u, indem sie schließlich 217 nach 216 notirten. Silber⸗ unte zeigte sich behauptet zu 64⅝. In Oesterreich. Bahn⸗ lctien und Prioritäten wenig Umsatz. Für Banken trat, al Gegensatz zu gestern, wieder einiges Animo zu Tage aid blieben dieselben ziemlich fest. Wiener Bankactien fragt zu 1058— 60. Von hiesigen Banken Deutsche Lereinsbank um 1 höher. In der gestrigen Sitzung s Aussichtsraths dieser Bank berichtete die Direction ider die günstige Entwickelung der Geschäfte und bean⸗ tagte die Vollzahlung der Actien. Der Aussichtsra lh beschloß daher die Ausschreibung einer 20% Einzahlung af den 1. Januar und 1. März n. J. Wechslerbank und Hahn'sche Effectenbank höher. Würtemberg. Vereins⸗ tunk fest zu 198. Provinzial⸗Diskonto um 2% höher. Wechsel unverändert. Die Sturmfluth an der deutschen Nordküste. Ein erschreckendes Bild von dem unermeßlichen Unglücke, velches die Sturmflulhen des 12.—14. November ange⸗ rchtet haben, geben folgende Berichte: Aus Ecke rnförde, bes am schlimmsten gelitten zu haben scheint, meldet die „E. Z.“, daß dort ganz zerstört sind 87, arg verwüstet 138 Häuser in der Stadt; in Borby sei die Verwüstung un Häusern verhältnißmäßig eben so groß. 50 bis 60 zzmilien sind obdachlos. Der Sturm hat das auf der Eüdschanze stehende Monument soweit vernichtet, daß nur roch der eigentliche Gedenkstein auf dem Sockel stehen ge⸗ lieben ist. Manche Leute sind so arm geworden, daß sie nut mehr ihre Familie und die Kleider noch besitzen, die eben irugen.— Die Niederung vom Fehmarnsund bs tief ins Land hinein stand fast vollkommen unter Wasser, und hätte sich nicht der Wind südlich gewendet, wäre die Rettung der dort liegenden Dorfschaft Großen⸗ bede unmöglich gewesen. Das Lootsenhaus am Fehmarn⸗ umd ward buchstäblich von der fast häuserhoch gehenden krandung aufgehoben und ins Meer hineingetragen. Der Wotse halte sich mit seiner Frau und Kindern auf's Dach flüchtet, und dieselben sind einer nach dem andern vom Keere verschlungen worden. Ebenso betrübend lauten die Vachrichten aus andern Gegenden des öflichen Holsteins und besonders sollen die Ortschaften Grube, Dahme, Grömitz ic. furchtbar gelitten haben.— Der Sturm sollte besonders dem kleinen Fischerort Wenningbund an der aus dem deutsch⸗dänischen Kriege wohlbekannten Bucht gleichen Namens am Mittwoch verhängnißvoll werden; von der ganzen Ansiedelung steht heute kaum mehr Stein auf Stein. Mit ungewöhnlicher Schnellig— keit wuchs das Wasser im Lause des Vormittags, so daß es geschehen konnte, daß sich die Bewohner der Fischer⸗ häuser zu ihrem Enssetzen plötzlich von den wogenden Fluthen umgeben sahen; da die meisten Boote bereits zertrümmert waren, schien wenig Aussicht zur Rettung. Freilich wurden nach den anderen Dörfern Wagen abge⸗ sandt, um Boote herbeizuholen; doch langten diese erst etwa um 4 Uhr Nachmittags an, als die meisten Häuser bereits zertrümmert, aber auch das Werk der Rettung an den unglücklichen Insassen der bedrängten Häuser voll⸗ bracht war. Das stärkste aller Boote hatte den Wogen⸗ schlägen widerstanden und sich von dem Pfahl losgerissen, an den es gebunden war. Den vereinten Anstrengungen Vieler gelang es, das an den Strand geschleuderte Boot aus der brandenden Fluth zu retten und über ein Acker⸗ feld auf die jetzt mit tiefem Wasser bedeckten Wiesen zu bringen, an deren Ausgang die bedrohten Häuser lagen. Nach halbstündiger Arbeit gelang es, die Insassen des ersten Hauses, 9 Personen, sicher ans Land zu bringen. Viermal mußte die Fahrt unternommen werden, es galt, etwa 36 Personen zu retten; die eben geretteten Fischer waren zum Theil wieder die Ersten, die ihr Leben an die Retlung der Nachbarn wagten. Unterdessen rissen die Futben unter donuerndem Gepolter das eine Haus nach dem andern nieder. Ein mit Ziegeln gedecktes Haus stürzte unter Geprassel ein, als noch alle Bewohner darin waren, zehn Personen, wotunter einige kleine Kinder. Und dennoch wurden auch diese von dem schon heran— nahenden Boot sämmtlich gerettet, da noch ein Theil des Daches zusammenhielt, an das sie sich klammerten, Leider waren durch das über alles Erwarten geglückte Rettungs- werk Einige verwegen geworden und machten die Fahrt noch einmal, um ein paar Schaafe zu holen, die auf den Boden des einen Hauses gebracht waren. Während sie beschäftigt waren, die Thiere zu retten, stürzte das Haus ein. Einer kommt auf einem Theil des Daches über die Fluthen getrieben, Zwet retten sich auf einen Baum, Einer büßt seine Verwegenheit mit dem Tode. Es gelang, auch zur Rettung der zwei in einem Baume hängenden Männer Leute zu gewinnen; halb todt vor Erkältung, wurden endlich auch sie ans Land gebracht. Bei Dunkelheit standen am Abend noch drei Häuser; am folgenden Morgen waren auch diese verschwunden. Wo Tags zuvor ein Fischerdorf mit 10 Häusern und 15 Familien stand, wogte nun die Fluth ohne eine Spur menschlicher Wohnungen. — Ueber das Unglück der Stadt Stralsund berichtet die„Strals. 31g“ unter dem 13. d. M.:„Heute früh bot der Hafen ein trostloses Bild der Ueberschwemmungen dar; von der äußeren Stadtmauer an war alles eine tobende Fluth, aus der nur die Speicher am Hafen hervorragten; brausend und brandend rollten mächtige Wogen bis auf die Zugbrücken der äußeren Thore; die Schiffe im Hafen und die Fahrzeuge im Canal wurden von Wind und Wellen bin und her und gegen einander geschleudert. Aber nicht genug des Schreckens und der Gefahr: dem einen schrecklichen Elemente, dem bereits jede menschliche Kraft rathlos gegenüberstand, gesellte sich noch das Feuer zu. Bald nach 6 Uhr gerieth eine Kalkniederlage außer⸗ halb des Badenthores in Brand. Es war ein grauener— regendes Bild, das jeder Beschreibung spottet, diese funken— sprühende Feuerinsel inmitten der tobenden, alles über— fluchenden Wassermassen. Außerhalb des Hafens, hart an der Pfahlreihe, befanden sich auf dem Mast eines gesunkenen Schiffes zwei Menschen, verzweifelnd um Hülfe rusend, aber alle Rettungsversuche erwiesen sich bei der Brandung und dem rasenden Sturm als unaussührbar.“— Aus Flensburg schreinz en vom 14.:„Bei der gestrigen Ueberschwemmung was der Wasserstand 28 Zoll höher als bei der größten Wasserfluth, von der hier Aufzeich- nungen vorhanden sind. Von der Furchtbarkeit der Natur⸗ erscheinung kann man sich eine Vorsiellung machen, wenn man hört, daß das Meer 11½ Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand gestiegen ist, schon glaubte man gestern Nach⸗ mittag 2 Uhr, daß die Hauptgefahr vorüber, als plötzlich binnen 10 Minuten das Wasser 3 bis 4 Fuß auf einmal sich hob. Da namentlich begann das grausige Werk der Zerstörung, und der an der Schiffbrücke(d. h. an dem Bollwerk, das die Stadt vom Wasser trennt) belegene Theil bietet heute ein jammervolles Bild. Yachten, Boote, Balken, Bretter, Tonnen, Kessel, Laternenpfähle, Mobilien aller Art liegen bunt durcheinander und der breite Quai ist mit Trümmern übersäet. An vielen Gärten ist die Umzäunung eingedrückt, die Gartenhäuser sind vernichtet, krumm und schief von den Wellen geschlagen oder ganz weggeführt, ebenso manche Brücken. Zwei große Schiffe liegen halb auf dem Bollwerk; ein drittes, noch größeres, nagelneues, mitten im Quai. Als das Wasser so plötzlich zu steigen begann, war in den überschwemmten Quartieren an ein Retten der Mobilien nicht mehr zu denken. Alles schwamm durcheinander und zerschlug sich. Schrecklich sieht es in den ersten Stockwerken der überschwemmten Quartiere aus. Fußböden, Zwischenwände, Oefen zerstört, alle Fenster zerschlagen, Thüren weggerissen, Tapeten halb weggefegt, die Wände öd und kahl. Bei dem Norderthor bildet ein riesiges Kohlenlager eine förmliche Barrikade, die schweren schwedischen Balken von den Holzlagern waren an vielen Orten die Sturmböcke, welche das untere Stockwerk mancher wohl verwahrter Häufer einstießen. Gegen 4 Uhr wurden viele Leute mit Böten aus den Häusern gerettet. In der Stadt selbst ist Niemand ver⸗ unglückt. In der Nähe ertrank ein Bauer, der mit seinen Pferden durch das Wasser, das die Chaussee über⸗ fluthete, jagen wollte. Trautig lauten die Nachrichten auch aus nächster Nähe. So sind in Sandacker(Halte⸗ station der kleinen Föhrdedampsschiffe) alle die einstöckigen Häuser weggeschwemmt, ein Strohdach davon kam in Flensburg an. Der ganzen Osiküste, Heiligenhafen, Neu⸗ stadt, Kiel, Schleswig, Eckernförde, Kapeln, Apenrade ent⸗ lang, scheinen die Meeresfluthen gleichfalls furchtbar ge⸗ wüthet zu haben.“ Productenbörse zu Friedberg am 21. November. Heutiger Preis loco Waizen, gute Qualität, fl. 14. 30—40. Korn, fl. 9. 45— fl. 10. Gerste, fl. 10. 15-30. Hafer, fl. 7. 15. Kartoffeln, fl. 2. 15. Alle Preise verstehen sich 200 Pfund- 100 Kilo. Nächste Börse Donnerstag den 28. November. Bitte. Da wir beabsichtigen wiederum eine Christ— bescheerung für die Kinder, welche die hiesige Kleinkinderschule besuchen, zu veranstalten, so bitten wir die Bewohner unserer Stadt uns dazu mit Gaben, zu deren Empfang jede der Unterzeichneten bereit ist, freundlichst unterstützen zu wollen. Bei der theilweisen Theue⸗ rung und den sonst doch günstigen Verhältnissen hoffen wir um so mehr auf milde Herzen fur unsere Kleinen. Frühzeitige Einhändigung der uns zugedachten Geschenke wäre sehr erwünscht. Hilda Dieffenbach. 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Wähler⸗Versammlung. 3225 Die Wähler des Landbezirks Friedberg⸗Nauheim werden auf Sonntag den 24. d. M., Nachmittags 2½ Uhr, in das obere Local der Reichskrone in Friedberg zu einer Be— sprechung über die bevorste hende Landtagswahl hiermit eingeladen, Mehrere Mitglieder der hessischen Fortschrittspartei des genannten Wahlbezirks. Zur Landtagswahl. 3227 Zur Berichtigung von Irrthümern— absichtlichen und nicht absichtlichen— wird bemerkt, daß die Provinzial⸗Versammlung in Gießen Herrn Professor Dr. Köhler als Can⸗ didaten fur die Stadt Friedberg ins Auge gefaßt hatte; von einer Zurückweisung dieses Vorschlags ist Nichts bekannt geworden. Es wurde aber der betreffende Vorschlag um deß⸗ willen für angemessen gehalten, weil es einer Stadt wie Friedberg, die der Sitz der Central⸗ bildungs⸗Anstalten ist, besonders wuͤrdig erachtet wurde, durch ein Mitglied jener Anstalten und resp. durch einen hervorragenden Gelehrten wie Herrn Professor Dr. Köhler ver⸗ treten zu sein. Ob dies nicht ein wichtigerer Gesichtspunkt ist, als den Herrn Professor Dr. Köhler mit den Local-Interessen von Bad Nauheim in Verbindung zu bringen, bleibt dem Ermessen der Wähler überlassen. Kur- und Verschönerungs- Verein 0 Bad Nauheim Generalversammlung Dienstag den 26. November, Abends 7 Uhr, im Saale des Hotel Iburg. Tages ordnung: 1) Vorlesung des 18721 Jahresberichts und Abhörung der Rechnung. 2) Entgegennahme von Anträgen und Discussionen. 3) Wahl des neuen Vorstandes. f Auch alle Nichtmitglieder sind zur Generalversammlung eingeladen und werden Diejenigen, welche sich vor Beginn der Berathung in die offen gelegte Mitgliederliste neu einzeichnen, als stimmberechtigte und wählbare Vereins angehörige betrachtet. Turnverein. 3198 Sonntag den 24. d. M. findet im Saale der drei Schwerter eine Abendunter⸗ haltung statt, bestehend in der Aufführung der Stücke: II. A. w. g. von Kotzebue und der Wacht am Rhein von Elsner und darauf folgendem Tanzvergnügen.— Anfang präcis 7½ Uhr. Wir bemerken hierbei, daß nur die ordent⸗ lichen und außerordentlichen Mitglieder des Vereins und die speciell geladenen Gäste an der Abendunterhaltung Theil nehmen können. Hof-Brauerei von 3. Jurch. 3228 Export⸗ und Doppelbier in Zapf genommen, in Flaschen per Dutzend fret ins Haus geltefert. Neues Billard. Katharinenmarkt Butzbach Montag den 25. d. M. Abends 3213 Ball im Hessischen Hof. Puppen und Puppenköpfe 3245 empfiehlt in großer Auswahl 80 Jos. Hoffmann. Schirm-Heparaluren, 3231 sowie das Ueberziehen in allen Stoffen, werden billigst ausgeführt bei Friedberg. K. Grillenberger, Metzgergasse Nr. 316. 3239 von jeder beliebigen Größe, in Gold und in Braun, verkauft zum Fabrikpreis f P. Falck, Friedberg. Schreinermeister. Der erste Stock meines Hauses tst zu vermiethen und kann sofort bezogen werden. H. Sang, „Zur Stadt New⸗ANork“. Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. f Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Diegel. 26. Sonntag nach Trinitatis. To dten fe st. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags: Herr Candidat Hainer. Nachmittags: Herr Diakonus Meyer. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags: Herr Pfarrer Schwabe. N f Sonntag den 1. Dezember Abendmahl in der Burgkirche. Aatholischt Gemeindt. Samstag um 4 Uhr Nachmittags Beichte. 27. und letzter Sonntag nach Pfingsten. 3234 Vormittags: 10 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt. Nachmittags: ½2 Uhr Ordensversammlung mit Betrach⸗ tung und Andacht mit Segen. Beginn des Gottesdienstes an den Wochentagen Mor gens ½8 Uhr. Regenschirme, Verantw. Reö.! Hermann Schimpff. 63 äußerst billig, bei K. Friedrich, neben der Post in Friedberg. Druck und Verla von Bindernagel& Schimpff. (Hierzu Unterbaltungs-Blatt Nr. 47 und eine Beilage.) —— leuten zu ver nicht Eigent modile binnen geltend Eintra wird. 81 — — — 1 passenx, — N eil. d. N. sindet A tigt Aden kund t Aafütrung 0 d ebebte n I Flenet 1 gts.. Aru i zur die orb e MNuglieder in bert Gͤste n rtdatn fön J. Jan r Z0/ genen dent gtltesert. ard. 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Es werden deßbalb Alle, welche Eigenthums⸗ oder sonstige Ansprüche an dieses Im⸗ mobile bilden zu können glauben, aufgefordert, solche binnen vier Wochen bei dem unterzeichneten Gericht geltend zu machen, als sonst der Kaufbrief bestätigt und Eintrag in das Mutations⸗Verzeichniß verfügt werden wird. Butzbach den 6. November 1872. Großherzogliches Landgericht Butzbach Dime ern., 3240 Montag den 25. November, Vormitlags 11 Uhr, soll auf dem htefsigen Ratbhause die Lieferung von 3 Fuder Korn⸗ oder Waizenstroh für den hiesigen Fasel⸗ stall an den Wenigsineymenden in Accord gegeben werden. Friedberg den 21. November 1872. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg. Fouc ar. Guts Verpachtung. 3241 Das dem Hospital Friedberg gehörige Gut in der Gemarkung Schwalheim, 66 Morgen 3 Viertel 21¾ Ruthen enthaltend, soll parzellenweise auf die Dauer von zwölf Jahren an die Meistbietenden verpachtet werden. Die Pachtzeit dauert vom 11. November 1872 bis dabin 1884. Die Pachtbedingungen werden in dem Termin der Verpachtung Freitag den 29. November, Nachmittags 1 Uhr, auf dem Rathhause in Schwalheim bekannt gegeben und Pachtliebhaber hierzu eingeladen. Friedberg den 21. November 1872. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. ue r. Faselochs⸗Versteigerung. 3230 Montag den 25. November 1872, des Mittags 12 Uhr, soll auf dem Großberzeglichen Bürgermeisteret⸗ Büreau dahter ein zur Zucht untauglich gewordener Faselochse öffentlich versteigert werden. Nieder⸗Weisel den 21. November 1872. Großherzogliche Bürgermeifterei Nieder⸗Weisel. Rite. Abonnement aul Zeitschriften. ie Unter zeichneten empfehlen sich zur Besorgung aller Journale und Zeitschriflen wissenschaftlichen und populären Inhaltes, deren Zusendung möglichst rasch und regelmässig erfolgt. 5 die Wochenummern Gartenlaube und Daheim werden jedesmal Sonntags Vormittags ausgegeben. Alle neuen Erscheinungen der Literatur stehen auf Wunsch zur Ansicht zu Heilung bei Halsleiden. L An den Kgl. 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