stermeh! dn „ Strauß blen diumich Detieskun —— en, 1 m-. en Bender 2 Issel, org Stoß Junge 90 — chell, 1 00 ihr zu seiner Zeit.“ bart“. 1871. Samstag den 25. März. A 36. Oberhes ischer Anzeiger. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. J Friedberger Intelligenzblatt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Auf den wöchentlich dreimal erscheinenden„Oberhessischen Anzeiger“ kann man für das zweite Quartal l. J. bei allen Poststellen für 38 kr., mit Bestellgeld 2 für 47 kr. abonniren. Bei der Verlags- Expedition kostet das Blatt für das zweite Quartal 30 kr. Amtlicher Theil. Aufforderung. 740 Ehristoph Dietrich Steriko von Butzbach, welcher als Agent zur Beförderung von Auswanderern nach Amerika für den Haupt⸗ agenten Gerschlauer zu Darmstadt concesslionirt ist, hat diese Agentur niedergelegt. Gemäß des Art. 8. der Verordnung vom 25. Jan. 1851 wird die Niederlegung dieser Agentur zur öffentlichen Kenntniß gebracht und bemerkt, daß Ansprüche an die von Christoph Dietrich Steriko gestellte Caution innerhalb 6 Monaten, vom Tage der Bekanntmachung an gerechnet, bei der unterzeichneten Behörde mit einer Nachweisung, daß bei Gericht Klage erhoben worden ist, geltend zu machen sind, als sonst diese Caution zurückgegeben wird. Friedberg den 21. März 1871. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Tra p p. Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Louis Schaum von Hoch⸗Weisel ist als Leichenbeschauer für die Gemeinde Hausen ernannt worden. V Zu des Kaisers Geburtstag. Es sind ungefähr 700 Jahre, da strahlte der Glanz der deutschen Kaiserkrone weit hin über alle Lande der damals bekannten Welt. Eine hehre Heldengestalt trug den kaiserlichen Purpur, „der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich“. Als römischer Kaiser hatte er im Geiste jener Zeit wiederholt ruhmreiche Züge über die Alpen nach Italien unternommen, als oberster Schirm— herr der Christenheit beschloß er im hohen Alter einen Kreuzzug nach Palästina. Das heil. Land zu schauen war ihm nicht vergönnt. Bei einem Flußübergang in Kleinasien fand der jugendkühne Greis, der durch den langsamen Zug über die Brücke ungeduldig geworden, hoch zu Roß sich den tückischen Wogen anvertrauend das jenseitige Ufer erreichen wollte, den Tod. Das deutsche Volk, das mit kindlicher Ver— hrung an seinem Heldenkaiser hing, konnte das Unglück seines Todes nicht fassen. Die Sage entstand, der Kaiser sei nicht todt, sondern sitze verzaubert im unterirdischen Gemache im Kyff⸗ häuserberg.„Er hat hinabgenommen des Reiches Herrlichkeit, und wird einst wiederkommen mit Den Glanz seines hohen— staufischen Hauses hat er in der That mit hinab— genommen, und was von der alten Reichsherr— lichkeit übrig geblieben oder von manchem seiner Nachfolger mit starker Faust wieder zu sammeln wersucht worden, es zerbröckelte im Laufe der Zeit, bis das morsche Gebäude am Anfange unsers Jahrhunderts zusammenstürzte. Der alte Barbarossa kehrt nicht wieder. Aber ein Anderer ist für ihn in's Mittel getreten, zwar lein„Rothbart“, aber ein„Weißbart“(wie ihn einer der Festredner in einem von ihm aus dem Fateinischen in's Deutsche übertragenen Gedichte nannte), kein„Hohenstaufe“, aber ein„Hohen— zoller“. Als Heldenkönig war er in den Kampf gezogen für's bedrohte Vaterland, als Heldenkaiser sehrt er„an Ehr und Siegen reich“ in die Heimath zurück, wie Barbarossa an Jahren ein Greis, an Muth und Kraft ein Jüngling, wie Barbarossa aufrichtig verehrt vom deutschen Volke! Doch ist er glücklicher wie der alte„Roth— Jener sah die Heimath nicht wieder, Er — dagegen kehrt aus Kampf und Gefahr unversehrt und ungebeugt zurück; Jener hinterließ ein ver— wais'tes Reich, Er ist der Gründer und mächtige Hüter eines neuen Reiches, das dem deutschen Volk die Wiedererlangung derjenigen Stellung unter den Völkersamilien bedeutet, zu der es be— rechtigt ist und der es bedarf zur Erfüllung der ihm gewordenen Kulturaufgabe, eines Reiches, von welchem und durch welches erwartet Friede nach Außen, Schutz und Achtung für seine Angebörigen in der Fremde, kräftige Wahrung uad Förderung seiner geistig.⸗sittlichen Zug bielt, statt. und materiellen Interessen im Innern. das deutsche Volk eine von Mainz eingetroffene Depesche des Gou⸗ vernements sie anwies, in Folge der neueren Er⸗ eignisse in Paris bis auf Weiteres ihren Aufent⸗ halt nicht zu verlassen. — In den Nachmittagsstunden des 21. d. trafen die Prinzen Ludwig und Wilhelm von Hessen nach fast achtmonatlicher Abwesenheit glücklich wieder hier ein. Die hoben Eltern der Prinzen waren denselben eine Strecke zur Be— grüßung entgegengefahren und ebenso fand eine solche in der Nähe des Chausseehauses, wo der An dem bhiesigen Bahnhof, dessen Einfahrthalle festlich geschmückt war, hatten Wahrer Größe aber huldigt das deutsche sich noch mehrere Glieder der großherzoglichen Volk freudig und gern. Davon legt der kaiser— liche Geburtstag, wie er von allen deutschen Stämmen gefeiert worden, gewiß erhebendes Zeugniß ab. Auch Friedberg hatte zur Feier dieses Tages seinen Fahnenschmuck wieder angelegt, und für den Abend festliche Zusammenkünfte im„Hotel Trapp“ und„Hotel Simon“ veranstaltet. Manch' treffliches, warmer Begeisterung entstammendes Wort wurde da geredet zu Ehren des Kaisers und dem ihm angetrauten Gemahl, der„Germa— nia“ ic. ꝛc., manch' schwungvolles Vaterlandslied schön gesungen und manche hübsche Weise gespielt. Zu sagen, daß eine gehobene Stimmung dabei geberrscht habe, würde der Wahrheit nicht voll— kommen entsprechen: es war der Ausdruck heller Freude über das Errungene, großer Hoffnung auf und vollen Ver- trauens in die Zukunft, den die Festfeier wiederspiegelte. Deutsches Reich. Darmstadt. Aus Anlaß der Pariser Er- eignisse werden die Kriegsgefangenen vorerst hier bleiben. Selbst die Abreise derselben auf eigene Kosten ist nicht mehr gestattet. Diese Maßregel scheint eine allgemein angeordnete zu sein, da auch von andern Orten gleiche Nachrichten kommen. — Der Rest der noch hier befindlichen französi— schen Offiziere wollte sich am 21. d. mit dem Nachtschnellzug nach Frankreich zurückbegeben und hatten dieselben bereits die Wagen bestiegen, als Familie, Minister v. Dalwigk, der Bürger— meister der Residenz, die Comite's der verschie— denen Hülfs-Vereine, sowie die hiesigen Offiziere auf dem Perron zur Begrüßung eingefunden und wurden die Prinzen schon bei der Einfahrt des Zuges jubelnd empfangen und von den anwesen— den Damen mit Bouquets geradezu überschüttet. Schon lange vor der Ankunst des Zuges batte sich an dem Bahnhof und der angrenzenden Pro- menade eine große Menschenmenge angesammelt, welche den Prinzen Ludwig, als er auf der Treppe des für fürstliche Personen reservirten Flügels er- schien, mit donnernden Hochs begrüßte. Der Prinz, sichtlich bewegt durch den sympathischen Empfang, grüßte, sich mehrmals verneigend, die Menge, welche auf der ganzen Fahrt bis zum prinzlichen Palais dem Prinzen und seiner ihm zur Seite sitzenden Gemahlin Ovationen dar- brachte. Das Aussehen des Prinzen ist ein vor— zügliches. Auch Prinz Wilhelm wurde von der Menge stürmisch empfangen. Um 9 Uhr Abends brachten sämmtliche hiesige Gesangvereine dem Prinzen Ludwig einen Laternen- und Fackelzug, sowie unter Mitwirkung der Gr. Hofkapelle ein solennes Ständchen, während dessen die Umgebung des Palais durch bengalische Flammen beleuchtet war. Prinz und Prinzessin Ludwig erschienen auf dem Balkon und dankten der zahlreichen Menge durch mehrmaliges Verneigen. Eine von Hofgerichts-Advokat Ohly gehaltene Rede schloß mit einem Hoch auf den Prinzen Ludwig, in welches die Menge jubelnd mit einstimmte. Berlin. Die„Prov.-Corresp.“ schreibt be— üglich der Pariser Vorgänge:„Wir werden uns N die inneren Kämpfe in Paris und Frankreich auch jetzt gewiß nicht mischen. Unsere Interessen und die Ausfüdrung der uns ertheilten Zusagen werden wir unter allen Umständen zu wahren wissen. Wir haben selbstverständlich zunächst nur mit der von der Nation erwählten, von allen Mächten anerkannten Regierung zu thun und werden abwarten können, wie dieselbe ihre Stellung und ihre großen Aufgaben wahrzunehmen Willens und fähig ist. Seitens der Regierung sind alle Vorkehrungen getroffen, um unseren berechtigten Forderungen allezeit nach allen Seiten vollen Nachdruck zu geben.“ — Nach der Stimmung in Abgeordnetenkreisen ist die Cassation der Frankfurter Reichstagswahl wahrscheinlich, weil nicht nachträglich eine Wäller⸗ liste für die Bavern aufgelegt worden ist und diese bei dem geringen Stimmenunterschiede den Ausschlag zu Gunsten Rothschilds hätten geben können. — Die Illumination am Geburtstage des Kaisers war eine glänzende. Nach 8 Uhr durch- fuhren das Kaiserpaar, die Prinzen, sowie die fremden fürstlichen Herrschaften die Straßen, überall enthusiastisch begrüßt. — Der„Staatsanzeiger“ veröffentlicht die königliche Stiftungsurkunde füt ein neues Ver- dienstkreuz für Frauen und Jungfrauen. Das Großkreuz des eisernen Kreuzes haben außer Graf Moltke noch der Kronprinz, Prinz Friedrich Karl, der Kronprinz von Sachsen, die Generale Man- teuffel, Göben und Werder erhalten. — 23. März. Im Reichstage constituirten sich die Abtheilungen. Bei der darauf vorgenom- menen Präsidentenvahl wurde Simson mit 276 Stimmen von 284 Stimmen zum Präsidenten gewählt. Derselbe nimmt die Wahl mit freu⸗ digem Danke an. Nachdem das Haus dem Alterspräsidenten durch Erhebung seinen Dank ausgesprochen, folgt die Wahl des ersten Vice⸗ präsidenten. Es wurde hierzu der Fürst von Hohenlohe⸗Schillingsfürst mit 222 Stimmen von 289 Stimmen gewählt Fürst Hohenlohe nimmt die Wahl dankbar an. Bei der Wahl des zweiten Vicepräsidenten erhält von 296 Stimmen Weber (Stuttgart) 150. Weber nimmt die Wabl an und betont das erhebende Gefühl, mit welchem er in den ersten deutschen Reichstag eingetreten ist, um an der großen Aufgabe mitzuarbeiten. Er erwähnt dankend des wohlwollenden Entgegen— kommens, welches die süddeutschen Abgeordneten bei ihren norddeutschen Collegen gefunden haben und schließt, indem er das Haus um Nachsicht und Unterstützung bei der Ausübung seiner Be— fugniß ersucht. Fulda. Am 22. d. fand eine Entgleisung des Militärzuges bei der Station Bebra statt, wobei 2 Mann getödtet und mehrere Wagen stark beschädigt wurden. Ausland. Frankreich. Paris, 20. März. Das „Journal officiel“ der Insurgenten veröffentlicht eine Proclamation an die Bürger von Paris, in welcher es heißt: In drei Tagen werdet ihr in aller Freiheit eine neue Municipalität für Paris wählen. Dann werden Diejenigen, welche aus dringender Nothwendigfkeit die Macht ergriffen haben, ihr Amt in die Hände der Erwählten des Volkes niederlegen. Außerdem haben wir noch sofort eine wichtige Entscheidung über den Friedens- vertrag zu treffen. Wir erklären uns schon jetzt fest entschlossen, diesen Präliminarien Achtung zu verschaffen, um gleichzeitig das Heil des republi- kanischen Frankreichs und den allgemeinen Frieden zu schützen. Unterzeichnet: Grelier, Abgeordneter der Regierung, Minister des Innern. — Die Forts Issy und Bicdtre sind durch Nationalgarden besetzt. Mehrere Polizeicommissäre wurden sestgenommen. Wie es heißt, wäre General Chanzy derartig mißhandelt worden, daß er nach dem Krankenhause hätte gebracht werden müssen. Das Comite soll den Befehl ertheilt haben, den General sowie den mit ihm zugleich verhafteten Turquet freizulassen. Man versichert, das Mani fest der Depukirten von Paris sei im Einverständniß mit dem Centralcomite afsichirt worden. Man darf also auf eine friedliche Lösung der Schwierig- keiten boffen, wenn die Nationalversammlung die Vorschläge der zwölf Pariser Deputirten annimmt. Es beißt, die Preußen hätten ihre Rückzugelinie eingestellt und concentrirten sich in St. Denis. Alle Abendblätter erklären, keine andere Regie- rung anzuerkennen, als die Nationalversammlung. — 21. März, Morgens. Die Redacteure sämmtlicher Pariser Blätter hatten gestern Zu— sammenkunft und einigten sich über folgende Er- klärung: In Erwägung, daß die Zusammenberufung der Wähler ein souveräner und nationaler Act ist, welcher nur denjenigen Gewalten zusteht, die dem allgemeinen Stimmrecht ihre Entstehung ver danken; in Erwägung, daß das im Stadthaus sitzende Comite weder das Recht hat, noch be— rufen ist, diese Wahlen vornehmen zu lassen— erklären die Vertreter der Journale die für den 22. d. ausgeschriebene Wahl für null und nichtig, und ermahnen die Wähler, sich nicht daran zu betheiligen. Die Journale veröffentlichen diese Erklärung an der Spitze ihres Blattes. Gestern Abend bildeten sich zahlreiche Gruppen; die öffent- liche Meinung scheint sich mehr und mehr gegen das Comite zu wenden — 21. März, Mittags. Die Stadt ist ruhig. Die Magazine sind allgemein geöffnet. Die Om⸗ nibusse circuliren wieder. Auch die Fiakres be— ginnen wieder zu erscheinen. An den Thoren der Stadt sind Posten von Nationalgarden auf— gestellt, welche die Aussuhr von Lebensmitteln, Waffen und Munition verhindern. In den Quartiers Belleville und Montmartre ist die Lage unverändert. Der Handel stockt vollständig. Alle Gewerbszweige feiern. Die Aufregung der Geister ist eine große. Nahe an 60,000 Mann sind bei Versailles versammelt. Bei der Paris- Versailler Eisenbahn, etwa eine französische Meile von Versailles, ist ein Lager errichtet. Der Bahnhof der letztgenannten Stadt ist durch eine beträchtliche Gendarmeriemacht besetzt. — 21. März. Um 3 Uhr fand eine große Manifestation zahlreicher unbewaffneter Bürger statt. Dieselben zogen mit einer Fahne, welche die Inschrift„Verein der Männer der Ordnung“ trug, über die Boulevards, ben Börsenplatz unter dem Rufe:„Es lebe die Ordnung! Es lebe Thiers und die Nationalversammlung! Es lebe die Republik!“ Diesc Bewegung scheint sich weiter zu verbreiten. — 21. März, Abends. Ein neues Manifest der Deputirten des Seine- Departements fordert die Nationalgarden auf, jeden Conflict zu ver- meiden, bevor nicht die Beschlüsse der National- versammlung bekannt seien. Letztere werde die Wahl der Commune durch die Bürger bewilligen. Man hält eine friedliche Lösung des Confliets für gewiß. — 21. März, Nachts. Die Nationalver- sammlung in Versailles votirte gestern eine Pro⸗ clamation an das französische Volk und die Armee, welche in entschiedener Weise den Emeuteversuch einiger Unsinnigen verdammt, der nothwendiger— weise den Ruin und Unehre nach sich ziehen würde. Die Proclamation constatirt, daß Frank- reich diese frevelhafte Handlung einstimmig ver— urtheile, und erklärt, die Versammlung werde das Mandat, welches ihr anvertraut worden sei, ungeschmälert behaupten, beschwört schließlich die Bürger und Soldaten, sich um die Versammlung zu schaaren, um die Republik zu retten, die nur durch Ordnung und den Gehorsam gegen die Gesetze erhalten werden könne. 5 — Am Schlusse der Sitzung der National— versammlung in Versailles sagte Thiers: Die Regierung wird Paris nicht den Krieg erklären, sie beabsichtigt nicht, gegen Paris zu marschiren, sie erwartet von Paris nur Acte der Vernunft. Paris möge uns seine Arme öffnen und wir werden ihm sofort das Gleiche thun. — 22. März. Die angekündigte große Kund— gebung hat gegen 2 Uhr Nachmittags unter zahl— reicher Betheiligung unbewaffneter Männer statt- gefunden. Der Zug bewegte sich unter dem R:: „Es lebe die Republik!“„Es lebe die Ordnung!“ durch die Straßen. Als der Zug an den Eingang der Place Vendome, welcher von Schildwachen bewacht wurde, gelangte, ließ derselbe an letztere die Aufforderung ergehen, sich zurückzuziehen und von den Nationalgarden des Viertels ablösen zu lassen. Die Schildwachen verweigerten Folge zu leisten. Nach längerem Parlamentiien ließen die Manifestirenden den Fabnenträger mit der Tricolore vorgehen und die Menge folgte. Trommelwirbel Seitens der Aufrührer. Mehrere Flintenschüsse werden in die Luft gefeuert. Die Menge weicht nach allen Seiten zurück. Drei Glieder der In- surgenten legen an und eröffnen ein Pelotonfeuer auf die fliehende Menge. Es folgt eine berzzer⸗ reißende Scene. Die Insurgenten schieben ihre Postenkette auf eine beträchtliche Entfernung in die Rue de la Pair und bis zum Ende der Rue Castiglione vor. Die Zahl der Todten und Ver⸗ wundeten wird auf mindestens hundert geschätzt. In ganz Paris wurde Geueralmarsch geschlagen, um die Nationalgarde in Waffen zu versammeln. Bei dem Bekanntwerden der Vorgänge in der Nähe der Place Vendome schlossen sich alle Läden. Die Stadt ist bestürzt. — 22. März, Abends. Admiral Saisset, welcher auf dem Vendomeplatz die friedliche Kundgebung dirigirte, war Gegenstand ver⸗ schiedener Angriffe. Seit 4 Uhr Gewehrfeuer, Ueberall Genaralmarsch geschlagen. Zahlreiche Opfer. Man versichert, General Felix Raphael sei vom Volke ermordet worden. Die Lage ist ernst. — Die Insurgenten haben Bank von Frankreich eine Million Franes gegen Anweisungen auf den Staatsschatz zahlen lassen. Wie verlautet, hätten sie auch von dem Hause Rothschild eine halbe Million ge— fordert, dieses habe jedoch die Zahlung ent— schieden verweigert. Versailles, 20. März, Abends. Der Minister des Innern an die Präfccten: Die Situation in Paris hat sich nicht verschlimmert, Die Insurrection wird einmüthig verurtheilt, weil sie sich durch verbrecherische Handlungen entehrt habe. Die Maires protestiren gegen das Wahl— ausschreibungsdeeret des Centralcomites und weigern sich, die Wahlen vornehmen zu lassen. Die National- versammlung ist einstimmig in der Entrüstung über die Unordnungen und ihre Urheber. Die Versammlung zeigte sich in der heutigen Sitzung vom besten Geiste beseelt. — 20. März. In der Nationalversammlung beantragt Lasteyrie die Einsetzung einer Com- mission von fünfzehn Mitgliedern, um vie Regie- rung in allen Maßnahmen zu unterstützen. Nachdem Picard Namens der Regierung diesem Antrag zugestimmt, wied derselbe einstimmig angenommen. Picard beantragt hierauf, das Departement der Seine et Oise in Belagerungszustand zu versetzen. Die Fünfzehner-Commission zog sich sofort zur Berathung des Antrags zurück und empfahl nach dem Wiederbeginn der Sitzung mit Einstimmigkeit die Annahme. Die Kammer genehmigte den An- trag. Generalen Thomas und Lecomte begangene Mord- that. Clémenceau bringt einen Gesetzentwurf ein, wonach in Paris ein Gemeinderath von 50 Mit gliedern gewählt werden soll, und verlangt die Dringlichkeit des Antrages. Tirard macht Mit theilung über die von den Pariser Deputirten seit zwei Tagen zur Erzielung der Versöhnung gethanen Schritte und spricht die Ansicht aus, daß die Wahlen zum Gemeinderath die auf ständische Bewegung beendigen werden. Lockroy bringt einen Gesetzentwurf bezüglich der Wahl der Commandanten der Nationalgarde ein, — 21. März. Die Regierung und die Vere⸗ sammlung haben beschlossen, in Versailles zu bleiben. — Der Befehl der Verhaftung Rouher's ist von der Versailler Regierung ausgegangen, die den Argwohn hegt, daß die Bonapartisten an der Pariser Emeute Antheil haben. — 21. März, 6 Uhr Abends. In Folge einer Aufforderung der Bataillonschefs findet sich von der Louis Blanc tadelte lebhaft die an den * 2 Aa 1 ILE * * kg 1 1 4 2 Sener 1 et taitk 1 3 10 8 1 Nantt. u Fam deb. 1 etre: 4 02 * 1 tie Ng 4 Lache 1* den um U. — 1 1 1 1 rattan 14 4 1 yersch⸗ — a 5 1 ** g l .„** 1 5 17 : * 1 5* 160 5 15 et A t N r 1 9 7 0 . 8* * 7 1 dcrlas 2 N. 225 5 2 9 r . 7„ 1 Kerst! U 9 17¹ã 9 zn 1 0 7 717 1 5 LU. * 1 1 2 1 41 1. 1 1 9 9 * 17* * 719 10 7 * soeben eine Demonstration zu Gunsten der Regierung statt. Thiers wird auf den Boulevards und dem Börsenplatz mit Beifall begrüßt. Die antirevolutionäre Bewegung ist im Zunehmen. — 22. März. Die Regierung erläßt fol— gende Mittheilung an die Praͤfecten: Die sonst überall aufrecht erhaltene Ordnung wird auch in Paris wieder hergestellt werden, wo rechtlich Gesinnte gestern eine bedeutungsvolle Manifestation veranstalteten. In Versailles herrscht vollkommne Ruhe. Eine belebte Dis— cussion hat dazu beigetragen, das Band zwischen der Nationalversammlung und der ausübenden Gewalt zu befestigen. Von allen Seiten bietet man der Regierung die Mitwirkung der Mobil— garden gegen die Anarchie an. Rouher ist in Arras in Gewahrsam. Die Regierung beab— sichtigt keine Härte gegen ihn. Seine Beglei— ter sind nach England zurückgekehrt. — 22. März. Jules Favre hat in der Nationalversammlung mitgetheilt, Bismarck habe ihm notificirt, daß, wenn in Pantin die abgeschnittene Telegraphenleitung nicht wieder hergestellt und die anderen, dem Friedensver— trage zuwiderlaufenden Gewalthandlungen nicht innerhalb 24 Stunden abgestellt würden, so wurden die Deutschen die Forts wieder besetzen und Paris beschießen. Favre theilte dies dem Maire von Paris mit, um die Nationalgarden davon zu benachrichtigen. Favre antwortete an Bismarck: die französische Executive wurde ihre Pflicht thun, um die Ordnung wieder her— zustellen. Favre theilte in der Nationalver⸗ sammlung ferner mit: er befände sich in ver— traulichen Unterhandlungen mit dem preußischen Generalstab. Belgien. Brüssel. Aus Paris eintreffende Reisende versichern, daß sich die Panik aller be— sitzenden Classen bemächtige. Aus verschiedenen Richtungen ziehen Volkshaufen nach Versailles. Brüssel ist neuerdings von Pariser Emigranten— Familien überfluthet. — Der„Soix“ meldet, die Preußen hätten Angesichts der Pariser Ereignisse ihre Rückzugs bewegung eingestellt und St. Denis wieder besetzt. Großbritannien. London. Die„Times“ melden aue Paris nach einem Telegramme vom 22. d.: Es ist eine Reaction in der Stimmung der Massen eingetreten. Die Patrouillen der Nationalgarde werden ausgepfiffen. Der revo— lutionäre Ausschuß nimmt Requisitionen zur Be— zahlung der Natlonalgarden vor. — Napoleon ist in Chislehurst eingetroffen. Die Kaiserin und der Kaiserliche Prinz empfingen ihn in Dover. Spanien. Madrid. Das Königspaar ist am 19. d. bier eingetroffen und enthuslastisch empfangen worden. — Die spanische Regierung wies den Antrag der Vereinigten Staaten wegen Abkaufs Portorico's und Cuba's zurück. Ip. Friedberg. Das 74ste Geburtsfest des deut— schen Kaisers Wilhelm wurde auch in unserer Stadt durch reichen Schmuck der Häuser mit Fahnen, vorzugs⸗ weise in den deutschen Reichsfarben, festlich begangen. Die Schulen waren für diesen Tag geschlossen, Nachmittags batte man sich zahlreich zu einem Festessen im„Hotel Trapp“ zusammengefunden und das für den Abend arran⸗ girte Banket im„Hotel zu den drei Schwertern« fand eine sehr große Betiheiligung. Die patriotischen Reben und Gesänge, dazwischen Vorträge passender Musikstücke, waren geeignet, die begeistertste Stimmung in der Ver⸗ sammlung wachzurusen, und so endete erst in später Stunde eine des Tages würdige und schöne Feier. Dornassenheim. Wie in Ockstadt erhielten auch in Dornassenheim diejenigen bedürftigen Familien, deren Väter oder Söhne im Kriege waren, von dem Herrn Reichsrathe v. Franckenstein sehr ansehnliche Gaben. Es wird biermit für dieselben öffentlich bestens gedankt.— Der Geburtstag des deutschen Kaisers Wilhelm J. wurde dahier festlich gefeiert, und wurden bei dieser Ge⸗ legenheit zum Andenken an die großen Siege Deutschlands über Frankreich zwei Waldbäumchen auf zwei verschiedene steie Plätze gesetzt, von denen das Eine den Namen „Kaiserbuche“, das Andere den Namen„Friedenseiche“ bekam. Es fanden dabei passende Lieder und Anreden stalt. Vivat Germania! Vivat der deuische Kaiser! Von der Insel Macao berichtet die neue indische Post eine gräßliche Schiffstragödie. Das Schiff „Nouvelle Penelope“ verließ jüngst Macao mit einem großen Cargo Kuli's. Unterwegs empörten sich letztere, ermordeten den Capitän und die Mannschaft, ließen das Schiff stranden und engagirten sich an Bord anderer Schiffe in Macan. Eines derselben, der„Hankow⸗, ver⸗ schiffte 550 Kuli's. Fünf Tage nach der Abfahrt von Macao brach unter den Kuli's abermals eine Meuterei aus, die von der Bemannung jedoch unterdrückt wurde. Darauf steckten die Meuterer das Schiff in Brand. Der Capitän und die Vemannung retteten sich auf Böten, etwa 100 Kuli's nahm das verüberfahrende britische Schiff „Jounpote“ auf; die übrigen mußten ihrem fürchterlichen Schicksale überlassen bleiben. Verloosungen. Mailänder Frs. 10 Loose. Ziehung am 16. März. Gezogene Serien: 647 7160 1706 1723 1736. Haupitreffer: Serie 7160 Nr. 18 50,000 Frs., Serie 1706 Nr. 90 1000 Frs., Serie 7160 Ne. 25 500 Fre. 702 Um unserem demnächst heimkehrenden Garde- Jäger-Bataillon einen ihren Thaten und großen Verdiensten um's Vaterland entsprechenden würdigen Empfang zu bereiten, hat sich aus dem hiesigen Stadtvorstand und einer größeren Anzahl von Bürgern ein Comité gebildet, welches die Vorbereitungen eifrigst betreibt. Das Comité hat nun unter Anderem beschlossen, die ganze heimkehrende Mannschaft als Ehrengäste der Stadt an diesem Tage zu betrachten, und da wegen mangelnder entsprechender Räumlichkeit ein allgemeines Banket nicht ausführbar, dieselben bei den hiesigen Einwohnern festlich zu bewirthen. Wir bitten also unsere Mitbürger, die Sache in ihren Familien zu besprechen, damit, wenn in näͤchster Woche einzelne Mitgkieder des Comité's in der Stadt Umfrage halten, wieviel schon bestimmt sich schlüssig gemacht haben, bewirthen wünschen. Friedberg den 22. März 1871. IS or Luzerner X Nothklee! in unübertroffener Prima ⸗Qualttät bet Wilh. Fertsch. 577 Mein für dle dicofährige Saison wohlassortirtes Tapeten⸗Lager bringe in empfeblende Etingerung 1 Georg Groß. 5 800 Malter gute Kartoffeln 670 find ganz oder partienwels zu verkaufen. 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März, Nachmittags 2 Uhr, 743 soll dahier zum Andenken an den Frieden eine Eiche gepflanzt werden, zu welcher Feier man mit dem Bemerken einladet, daß darauf im Lortz' schen Gasthause eine gesellige Ver— einigung bei Harmonie-Musik stattfindet Das Comité. Aut oder— naut. 728 Die Einwobnerschaft Friedbergs erfährt aus einer Veröffentlichung des zu dlesem Zwecke zusammen⸗ getretenen Comités, daß„unserem dem nächst heimkehrenden Garde⸗ Jäger-Bataillon ein ihren Tbaten und großen Verdtensten um's Vaterland entsprechender würdiger Empfang be⸗ reitet werden soll.“ Aus vollem Herzen einverstanden mit der Idee eines solchen patrlotischen Vor⸗ schlages, können wir jedoch dem»Beschlusse,“ wie man einen solchen würdigen Empfang in Ausführung zu bringen gedenkt, keineswegs zustimmen. Das Comits erklärt nämlich, es habe„beschlossen,“ die beim⸗ kehrende Mannschaft als Ebrengäste der Stadt zu betrachten und—— dieselben bei den biesigen Einwohnern festlich zu bewirthen, weil es an entsprechenden Räumlichkeiten zu einem allge⸗ meinen Banket feblen soll. Den Mangel eines Locals zur Aufnahme des ganzen Bataillons zugestanden, so find doch jedenfalls ausreichende Räumlichkelten vorhanden, um eine compagnieweise Bewirthung veranstalten zu können. Um so weniger haben wir ein Verständniß dafür, wie das betreffende Comité zu seinem„Beschlusse⸗ gekommen und wie es ihm möglich werden soll, den Wortlaut desselben,»die Mannschaften bei den hiesigen Einwohnern fefilich zu bewirthen“, in Ausführung zu bringen. Wir wollen uns indeß mit weiteren Betrachtungen über diesen absonderlichen Beschluß nicht aufhalten, sondern wir zählen einfach auf, welche Räumlichkeiten in unserer Stadt etwa verwendet werden könnten, um, wenn auch nicht ein gemeinschaftliches Banket für das ganze Bataillon, so doch eine in Compagnien vertbeilte Bewirthung oder Speisung unserer heimkebren⸗ den tapferen Söhne zu ermöglichen. Zunächst nennen wir die zur Aufnahme von einet, höͤchstens 250 Mann starken, Compagnie ausreichenden Wirthschaftslocalitäten, das find die deiden Pötels: Trapp und Drei Schwerter, die beiden Felsenkeller von Windecker und Philippi, dann darf wohl angenommen werden, daß bis dahin die beiden Baraken der Klosterkaserne geräumt sein weiden, wir haben außerdem die großen Säle der städtischen Schulhäuser, des Schullehrer-Seminars, des Prediger-Seminars, die Räume des Stadthauses, in jeder dieser Localitäten kann eine Compagnie untergebracht und gespeist werden; dem Bedürfniß genügend aber find schon vier der genannten Räume. Durch eine solche compagnieweise gemeinschaftliche Bewirthung, welcher als Vertreter der Stadt und Einwohnerschaft Mitglieder des Stadtrathes und des Comités beizuwohnen hätten, würde unstreitig die Feier zu einer angemesseneren und der heimkehrenden tapferen Streiter, sowie der Stadt Friedberg selbst würdigeren fich gestalten, als durch die„beschlossene“ Art der vereinzelten Bewirthung bei den Einwohnern der Stadt und es würde zugleich die unvermeidliche, je nach den Verhälinissen des Quartiergeber sehr verschieden ausfallende Bewirthung der Soldaten und die bierdurch eintretende, wenngleich gar nicht beabsichtigte, den Anschein einer Bevorzugung oder Zurücksetzung nur zu leicht annehmende Ungleichheit beseitigt sein. Nach einer in der hier vorgeschlagenen Weise ausgeführten gemeinschaftlichen und gleichmäßigen Bewirthung muß es ja ohnedies im Uebrigen jedem Quartierträger überlassen bleiben, die bei ihm elnquartterten Leute nach seinen Verhält— nissen zu bewirthen und zu ehren, wie es ihm sein Patriotismus und seine wohlwollende Gesinnung eingibt. Wir machen aus den dargelegten Gründen die vorstehenden Vorschläge und wollen damit der Sache selbst dienen, indem wir zugleich die Anficht Vieler ausgesprochen haben, welche sich mit dem„gefaßten Beschlusse“ des betreffenden Comité“'s nicht befreunden lönnen. Um die Stadtkasse hierbei nicht allzusehr zu belasten, beginne man doch sofort mit einer Sammlung frei⸗ williger Beiträge zu dem angeregten Zwecke und wir dürfen wohl überzeugt sein, die Einwohnerschaft Friedbergs wird durch reiche Spenden auch hierbei den bisher so vielfach bewährten Patriotiemus aufs Neue bekunden, wo es gilt unseren eigenen Kindern und Lanveskindern den Tribut wohlverdienten Dankes zu zollen für die ihrer⸗ seits bewährte Ausdauer und den freudigen Muth bei Kampf und Sieg im heil'gen Krieg! Eine größere Anzahl hiesiger Einwohner. Das Neueste in E Strohhüten, Sonnen- K Uegenschirmen 605 K. Friedrich, neben der Post. Zur Aus saat 684 Erbsen, Wicken, Gerste und Hafer empfiehlt zu sehr billigen Preisen f 8 Jacob Stern nächst der Burg. Sehr billige Vorhänge 722 jeder Art für Frühjahr und Sommer im wirklichen Ausverkauf des Schweizer Weiß waarenlagers Nr. 16, großer Hirschgraben in Frankfurt a. M. An⸗ und Verkauf von Staatspapieren besorgt gegen billige Provision S. Hirschhorn. — 7 724 Ein ordentliches fleißiges Strohhüte 727 empfiehlt zu reellen Preisen Mädchen 741 in großer Aus wahl, neueßer Fogon und zu recht wird gesucht Fürstenstraße 332, Parterre, Bad⸗Nauheim. bill! Preisen, sind soeb in f S ün⸗ 3 genen bee Heinrich Biehl. Deutschen und ewigen Klee-Jamen 576 billigst bei Georg Groß. Usagasse. Lehrerconferenz. 14 Seetion Ockstadt. f 711 Otenstag den 28. März, Nachmittags 2 Uhr. Einen großen Keller 735 von 45“ Länge und 18“ Breite hat zu vermlethen G. Schwarz. Ein guter Jäckerbursche 726 kann bei gutem Lohn sofert ein kreten. Strauß'sche Bäckerei. Brunellen, Türkische Zwetschen 731 bet Wilhelm Bernbeck. Annonee. 723 Die Wlrtbschaft auf meinem Felsenkeller ist ander, weitig zu verpachten und wollen sich Liebhaber baldigst an mich wenden. Windecker. Anzeige. 744 Meinen geehrten Kunden und allen an Augen: schwäche Leidenden die ergebene Anzeige, daß sich mein Aufenthalt in Darmstadt verlängert hat und ich erst Dienßag den 28. Marz nach Friedberg kommen werde. Vorhergehende Bestellungen bitte ich meinem Gastwirth Herrn Schott gefälligst abgeben lassen zu wollen. a Wiesbaden. Hofopticus L. Lehmann. Versteigerung. 725 Nächsten Mittwoch den 29. d. M., Vormittags 10 Ubr, werden in der Behausung des Thomas Jung 15 bis 20 Malier gelbe Kartoffeln, 4 Schafe mit schwarzen Lämmern, 2 Schafe(Jährlinge), 4 Fuder Korn⸗ und Weizenstroh, 60 Gebund Kite- und Wiesenhen öffentlich versteigert. Dorn⸗Assenheim. Adam Weitz. Gambetta⸗Ballons per Stück 1 kr., mit bengalischer Beleuchtung per Stück 3 kr. bei Bindernagel& Schimpff in Friedberg. Herreukragen 2 neben der Post in Friedberg. * Todes- Anzeige. 742 Verwandten, Freunden und Bekannten widme ich die schmerzliche Anzeige, daß der Herr über Leben und Tod heute meine theure Frau Julie, geb. Bechtold, zu sich berufen hat. Sie starb in Folge eines Wochenbettes an ihrem 34. Geburtstage. Um ftille Theilnahme bittet Friedberg den 24. März 1871. Karl Söllner, posmetzgermeister. Die Beerdigung findet Samstag den 25. d., Nach⸗ mittags 5 Ühr, statt. Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. Sonntag Judica. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Köhler. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags: Herr Candidat Suppes. Nachmittags: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags: Herr Seminarlehrer Stamm. Nachmittags: Herr Candidat Uhrig. Katholische Gemeinde. Samstag um 4 Uhr Nachmittags Beichte. Passionssonntag. Vormittags: 10 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags: ½2 Uhr Christenlehre und Andacht. Beginn des Gottesdienstes an den Wochentagen Morgens 7½ Uhr. Verantw. Redact.: Hermann Schimpff. Druck und Verlag von Vindernagel& Schimpff. (Hierzu Unterhaltungs Blatt Nr. 12 und zwei Beilagen.] K er: 921 m bag bun um dau d un M ct fe L. Lebman ung. M N. 4 7 r SH fl 01 leuchtung 1 Ftieddett E eige. enen 1 ber Lie 1 2 Stold, er 99 176 15 ast. 1 erntet . 1 16 tie 217177 7 190 E 1 2 1716 5 10 „ 44 1. 11 5 ien 7. geilage. Hberhessischer Anzeiger. N 36. Arbeits- Vergebung. 23 Per Paquet 4 705 Ole zur Erbauung eines neuen Webrs an der Assen⸗ S oder 14 peimer Müple des Herrn Karl Koch zu Assen helm— erforderlichen Ardelten, als: 2. fl. kr. 2 86e Maurer-, Grund und Raumarbeit, veran— 2 7— 5— 911 45— 2 Steinhbauerarbeit 188— 128* Zimmerardeit 159— Ses Sto Schmted⸗ und Schlosserarbeit 105 12 sollen auf dem Subrusstonswege vergeben werden. Plan, Voranschlag und Accordobedingungen liegen bei dem Unterzelchneten zur Einsicht offen, woseldfi auch die Su misfionen, die das Abgebot in Procenten enthalten müssen, veisiegelt und fraukirt und mit der Aufschrist: „Submission zur Uedernabme der.... Arbeiten „am Wehrbau der Assenbeimer Mühle“, dis zum Donnerstag den 30. März, Mittags 12 Uhr, einzureichen sind. Friedberg den 20. März 1871. Großherzogliches Kretobauamt Friedberg. Re u 8 Bekanntmachung. 706 Das Bleichen der Wäsche auf dem Exercirplatz, sowie das Trocknen derselben mittelst angebrachtem Seil an den Bäumen des Exereirplatzes ꝛc. wird hiermit verboten. Friedberg den 22. März 1871. Großherzogliche Nn Friedberg. h l. Güter- Versteigerung. 738 Otenstag den 28. März d. J, Vormittags 10 Uhr, sollen im biesigen Ratbhause die zum Nachlasse der Georg Kriegers Wittwe gehörenden Güterstücke auf freiwilligen Antrag der Erben nochmals öffentlich meist⸗ bletend versteigert und bei annehmbaren Geboten den Letztbietenden die Genehmlgung alsbald ertheilt werden. Friedberg am 23. März 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. . Güter-Versteigerung. 736 Dieustag den 28. d. M., Vormittags 11 Ubr, sollen in hlesigem Rathbause die den Jacob Lochmanns II. Kinder dahter zustehenden Güterstücke erbabtheilungs halber nochmals öffentlich meistbtetend versleigert werden. Frledberg den 23. März 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Foucar. Garten ⸗Versteigetung. 737 Dienstag den 28. März d. J., Vormittage 11 Uhr, soll in biesigem Ratbhause das den Wilhelm Gerfsers Erben daher zussehende Grundstück, 150 Klftr. Grab⸗ garten in der Vorstadt zum Garten, auf freiwilligen Antrag nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden unter bem Anfügen, daß det annebmbarem Gebot die Genehmigung sofort erthellt werden soll. Friedberg am 23 März 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fou ar. Submission. 714 Die Gemeinde Odstadt beabsichligt eine neue Feuerspuitze anzuschaffen, welche auf einem vlerrädrigen Wagen eine Maschine hat, die mit 12 Mann Bedienung per Minute etwa 300— 320 Liter Wasser bet einem Strabl von 30— 32 Meter boch trelbt und bei zwei Strahlen zugleich noch eine Höhe von 20— 25 Meter erreicht. Ac eg us Uebernehmer wollen ihre Forderung nebst vollfländiger Beschrelbung und Zeichnung bis zum 15 April d. J. bei Großherzoglicher Burgermeisterei Ocdstabt versiegelt und franklit einreschen mit der Be⸗ zeichnung: n „Submifflon auf die Lieserung einer neuen Feuer— „spritze für die Gemeinde Ocstabt.“ Friedberg den 21. März 1871. Der Bezirks Bauaufseher Schneider. Holz ⸗Versteigerung. 720 Im Gemeindewald Ober- Rosbach wird Donnerstag ven 30. d. M. nachstebendes Holz im Disirlkt Alter Deegwald öffentlich melstbietend verstelgert: 37¾ ü Steden Buchen⸗Scheitbolz. —9 5„„ Pruügelholz, 165% 1„ Stockholz, 3889 Wellen„ Reiserholz, 200„ Etlchen⸗„ 2600 5 Klesern⸗ 75 500 Stück Bohnenstangen. Zusammenkunft und Anfang der Versteigerung Mor— gens 9 Uhr bluter dem Salzberg. Ober⸗Rosbach am 23. März 1871. der Schleimhaut und des Kehlko wolle, um sich vor der großen kaufsstellen achten. Hungen bel A. Buch, in Naubelm bei Ph. In Friedberg del Wilh. J. Weiß. ö N 2 25 Ferrer 1 N rust 70 e uns uses ie bunp f ꝛcg Erprobt und bewährt seit einer Reihe von Jahren gegen Husten, Heiserkeit, Affectionen pfes, ja gegen alle Beschwerden Zahl von Nachahmungen zu schützen, auf nachstehende Ver⸗ der Athmungsorgane. Man Wießler, in 713 Fertsch, in Butzbach bei Val. Vergebung von Bauarbeiten. 717 Fur Herstellung des Pflasters, sowie Einftiedigung dee Gartens an dem Schulhause dahter sollen die nach- stehenden erforderlichen Arbeiten und Materialien, ver- anschlagt: t. 1) Maurerarbeit 91 3 2) Steinbauerarbeit 80— 3) Schlosserarbeit 210— 4) Weiß binderarbeit 8 30 5) die Lieftrung von 5000 Stück Russensteinen, G*„ 21 Bütien Kalk, 7) der Fuhrlohn für 24 Cubikmeter Pflastersteine aus dem Fauerbacher Steinbruche, 8) die Herstellung von 125 Quadratmeter Schichten. pflaster Dienstag den 28. März l. J., Nachmittags 1 Ubr, auf dem Gemeindehause dahter öffentlich versteigert werden. f Voranschlag liegt auf unsecrem Büreau zur Ein ficht offen. Nieder-Wöllstadt den 20. März 1871. Großherzogliche Bürgermeisteret Nieder⸗Wöͤllstadt. S 1 Bekanntmachung 720 Donnerstag den 30. März d. J., Nachmittags 4 Uhr, sollen ungefähr 20 Morgen Wiesengelände der sogenannten Pockenmühlweide zu Ackerland auf 9 Jahre auf Ort und Stelle verpachtet werden. Fauerbach b. F. den 23. März 1871. Großherzogliche Bürgermeistere! Fauerbach b. F. pelfrich. Bekanntmachung 730 Für biesige Saline find 4000 Stück gerade Klefern⸗ oder Tannen Stangen auf dem Submissionswege anzu⸗ kaufen und Lieferungsanuerbietungen bis zum 29. d. M., Vormittags 10 Uhr, anber abzugeben. Bemerkt wird, daß jede Stange 4.5 Meter Länge und am starken Ende 10 Centimeter, am schwachen aber 7 Centimeter Dicke haben muß und daß alsbald 300 Stück zu liefern find. Bad Nauhelm den 23. März 1871. eee Bad⸗Nauheim. e eee, e e. Durchsichtige Glycerinseife! 120 anerkannt bestes Mittel zur Verschönerung der Haut, empfiehlt in Stücken zu 4. 6. 9. 10 12. 18 kt. Wilh. Fertsch. Maschinengarn und Einschlagbaumwolle, 231 sowie alle Sorten Strickgarne, empfehlen billigst Geschwister Schloß. Arabische Gummikugeln von W. Stuppel in Alpirsbach. 5 Dieses Universalheilmittel erweist sich nach dem Gutachten der hohen köntigl. Obermedizinal— Collegten in München, sowie in Stuttgart bei Husten, Heiserkeit, Brustschmer en, Verschleimung der Lungen und der Luftröbren als überaus wobl thätig, zumal bel Krampf: und Keuchbusten be— föfdern diese Brustbonbous den Auswurf des jähen, steockenden Schleimes, mildert sofort den Reiz im Kehlkopfe und beseitigt in kurzer Zeit den beftigsten Husten. Preis à ½ʒ Schachtel 14 kr., ½ Schachtel 7 kr. bet J. A. Windecker in Frledberg. Ein Schweizer 671 gesucht VvVowenhof bel Oclstadt. Leere Oelfässer, Großherzogliche Bürgermelsterel Ober⸗Ros bach. Blecher. g W. Gökus Samenhandlung in Friedberg 578 empfieblt für die bevorstehehende Aussaat alle Sorten Gras-, ßeld⸗ und Holz⸗Samen, namentlich Luzerner weiße und deutsche Kleesaaten, unter Garantie für Keimfähigkeit, zu den billigsten Preisen. Muster stehen franco zu Diensten. Zwergobstbäumchen, 672 in den edelsten Sorten in Aepfeln und Birnen, sowie eine Anzahl Steinobfibäumchen, veredelt und un⸗ veredelt find zu haben in den Baumschulen von Lang& Weinel. Luzerner und Vothhlee, 685 Prima⸗Qualität, bet 0 A. Windecker. . galsbinden 42 und Sblips ꝛc. in schöner Auswahl, sowie Foulards, seldene Umknöpftücher und schwarze seidene Halstücher bei K. Friedrich neben der Poft. Tapetenhandlung. 272 Vollständig assortirtes Laget von Tapeten zu den billigsten Preisen empfiehlt Bad- Nauheim. C. Horn. Dickwurz, 437 per Centner 24 kr. bei 580 empfiehlt in vorzüglicher Qualitat Ph Dan Kümmich *** 4* Aeiwillige Versteigerung. 716 Donnerstag den 30. d. M. werden im Hause der Frau Dreher Stark Witwe eine Ladeneinrichtung, 2 Glasschränke, Dreherwerkzeug zinnerne Klypstier⸗ spritzen, Billardkugelg, Dolzkrahnen, gute Schneidzeuge, Schraubstöcke, eine vollständige Einrichtung zur Dreb⸗ bank Pfeifen, Sopha, Kommode, 2 Küchenschränke, Bett; stellen, Nachttisch, Schüsselbänke, Tische, Stühle, Wasch⸗ kessel. Waschbütte, 1 Wanduhr, eine große Partie Frauen— kleider, wollene Unterroͤcke, Jacken, gute Herrenhemden, Frauenhemden, Betten und sonstige verschiedene Hausbal tungsgegenstände gegen gleich daate Zahlung versteigert. Möbel-Versteiger öbel⸗Versteigerung. 715 Beauftragt, die von dein im Kriege gefallenen Herrn Adlutanten Seederer benutzten Möbel zu versteigern werden reitag den 31. März Morgens 9 Übr, dahter in der Burg auf dem freten Platze vor dem v. Löweschen Hause einer offentlichen Versleigerung ausgesetz!: 1 Sopha, 6 Stühle, 1 Waschtisch, 1 Spiegel, 1 Kom mode, 1 Nachtiisch, 1 Kleiderschrank, 1 Tisch, 1 Etagore, 1 Clavierstuhl, 1 Sessel, 1 Serpiee, wozu Steiglustige eingeladen werden. riedderg. Meyer Schwarz, Hoftarator. sp 9 XXI 2 Erbsen, Wicken, Gerste und Hafer 664 zur Aussaat empfieblt bilüigst 390 zu Pfuhl zt. ꝛc., bel Georg Groß. L. H. Strauß. Immobilien-Versteigerung. 546 Samstag den 22. April 1871, Vormittags um 11 Ubr, sollen die dem Apotbeker Ddermann Otto zu Rudesbelm eigenthümlich zuftebenden, in der biesigen Gemarkung belegenen Immobillen, nämlich: a) 12 Ruthen 41 Schuh Hofraithe in der Untergasse, zwischen Wülbelm Schmid und dem Kirchhof, Nummer 5485/1706 des Stockbuchs; d) 6 Rutben 59 Schub Gorten bei dem Hause, zwischen dem Kirchhofe und sich selbst, Nummer 1707 des Stockbuchs; o) 10 Rufben 14 Schuh Acker auf dem Altendorf, zwischen Reinhard Knöpp Witiwe und Nicolaus Steten, Nummer 1714 des Stockbuchs; in dem hiesigen Rathbause zwangsweise zum zwetten Male versteigert werden, und wird bet dieser Versteige— rung der Zuschlag unbedingt ertheilt. Reichelsbeim den 6. März 1871. In Auftrag Großberzoglichen Landgerichts Friedberg Großberzogliches Ortsgericht Reichelsheim. Schmid. titel a dung. 547 Die Katharina Elisabetha Scheuner, ledige Tochter des Jacob Scheuner in Bruchenbrücken, ist mit Hintetlassung eines Testamentes gestotben. Die selbe hat zuletzt in Homburg v. d. H. sich aufgehalten. Auf Antrag der Erden werden die Gläubiger aufgefordert, ihre Forderungen und sonstigen Ansprüche an den Nach- laß, insoweit solches noch nicht geschehen ift, binnen Frist von 4 Wochen del dem Jacob Scheuner in Btuchen— drücken anzumelden, als sonst dieselben bet der Feff— flellung und Regultrung des Nachlasses nicht berück— fichtigt werden, binnen gleicher Frist find die Ausstände der Katharina Elisabetba Scheuner so gewiß an ihren Vater, den genannten Jacob Scheuner, abzuführen, als sonst die Schuldner der gerichtlichen Beitreibung fich aus setzen. örtedberg den 14. Februar 1871. Groß berzogliches Landgericht Friedberg. Reitz, Steinberger, Land richter. Landgerichts⸗Assessor. Oeffentliche Bekanntmachung. Betreffend: Concurs des Georg Bopp und dessen Ehefrau Wilhelmine, geb. Höck, zu Offenbach. 559 Die Majorität der gerichtsbekannten Gläubiger der Rubrikaten haben sich mit diesen arranglrt. Unter Gestattung der Aktenelnficht auf unserer Regi— stratur werden die unbekannten Gläubiger hiermit auf— gefordert, binnen einer unergrecklichen Frist von drei Wochen, vom Datum dieser Bekanntmachung an, ihre Forderungen anzuzeigen und beziehungsweise ihre etwaigen Einwendungen gegen dieses Arrangement bei une geltend zu machen, widrigenfalls sie als dem Arrangement bei⸗ tretend angesehen werden und nach Befund welter verfügt, beziebungsweise dem Arrangement die gericht— liche Bestätigung ertheilt werden wird. Frledberg den 3. März 1871. Groß herzoglichee Landgerich! Friedberg. Rel tz. Aufforderung. Betreffend: Den Conkurs des Joseph Weil von Oppershofen. 575 Nachdem von Grtoßherzoglichem Hofgericht der Provinz Oberbessen über das Vermögen des Joseph Weil von Oppershofen der förmliche Conkurs erkannt worden ist, werden dessen gerichtounbekannten Gläubiger zu dem auf Freitag den 28. April, Vormittags 9 Uhr, anberaumten Liquldatlonstermin zur Anmeldung und Begründung ihrer Ansprüche sowie deren etwaige Vorzugsrechte an den Cridar bel Meldung des, ohne besonderes Präclustodekret, erfolgenden Ausschlusses von der Conkursmasse hiermit vorgeladen. Zugleich soll in dieset Tagfahrt über Zustandekommen eines Arrangements, Bestellung eines Massekurators, Verfilberung der Masse und Wahl eines Gläubigeraus— schusses verhandelt werden und werden die ausbleiben— den oder durch genügend Bevollmächtigte nicht vertretenen Gläubiger als den von der Mehrheit der erschienenen gefaßt werdenden Beschlüssen beigetreten angesehen werden. Butzbach den 6. März 1871. Großherzogliches Landgericht Butzbach. Dr. Gtlmer, Fresen ius, Landrichter. Landgerichts-Assessor. Bekanntmachung. 657 Nachdem der Glasermeister Ludwig Schulze von Friedberg mit Hinterlassung von minderjährigen Kindern verschledener Ehe gestorben und das gerichtliche Ver— fahren zur Regultrung und Auseinandersetzung des Nachlasses eingeleitet worden sist, wird hiermit zur öffent- lichen Kenntniß gebracht, daß die Schuldner der Nach— laßmasse an den bestellten Curator, Kaufmann Gustav Dieffenbach in Friedberg, so gewiß baldigst Zahlung zu leisten haben, als sonst das Beltreibungsverfahren eingelettet wird. Frledberg den 14. März 1871. Groß berzogliches Landgericht Frtedberg. Rel, Steinberger, Landrichter. Landgerichts⸗Assessor. Cimbria, Mittwoch, 29. März. Holsatia, Mitwoch, 12. April. Pr. Crt. Hamburg-Amerikanische Packetsahrt-Actien-Gesellschast. Directe Post-Dampfschifffahrt zwischen HAMBURG A NEW- TORK vermittelst der Post⸗Dampfschiffe Westphalia, Mittwoch, 5. Ari Morgens. Passagepreise n Etste Cajüte Pr. Ert. Rthlr. 165, Zweite Cajüte Pr. Ert. Riblr. 100, Zwischendeck Fracht v. 2.— pr. 40 hamb. Cubikfuß mit 15% Primage, für ord. Güter nach Uebereinkunft. Briefporto von u. nach den Verein. Staaten 8 Sgr. Briefe zu bezeichnen„per Hamburger Dampfschiff.“ Näheres bei dem Schlffsmakler August Bolten, Wm. Miller's Nachfolger, Hamburg, sowie den alleinigen Generalagenten für das Großherzogthum Hessen 42 Carl Nacké& Cie. in Mainz. Friedberg bei Chr. Hecht. Thuringia, Mittwoch, 19. April. Silesia, Mittwoch, 26. April.“ Morgens. Rthlr. 55. ZJur hevorstehenden Aussaat 551 zu billigen Preisen. empfehlen alle Sorten guten Kleesamen, sowie Saaterbsen und reine Wicken May& Oppenheimer. Vr. 2 5 Original-Nähmaschinen Singer Manufacturing Cie. in New Vork. 7 Lit. K. Jeue Familien-Vähmaschinen Nr. 2 Maschinen für Schneider 0 mit Rolsfuss f. Schuhmacher U 70. fl. 100. fl. 105. 52 Um vor Taäͤuschung zu schützen, wird jeder Original-Maschine ein Ursprungs⸗Certisicat beigegeben, welches in New⸗Pork ausgestellt ist, die Nummer der Maschine enthalt und meine Unterschrift trägt. Zur großeren Bequemlichkeit des Publikums habe dem Herrn M. Mainz in Friedberg eine Niederlage meiner Maschinen übergeben und können solche zu obigen Preisen und unter vollständiger Garantie von demselben bezogen werden. G. Neidlinger, General-Agent der Singer Manufacturing Cie., Zeil 37, Frankfurt a. N Bekanntmachung 700 Dienstag den 28. Marz, Vormittags 11 Uhr, werden auf dem Büreau des unterzeichneten Rentamis 25 Malter Hafer zu Stammheim und 3 Korn auf dem hlesigen Speicher lagernd, öffentlich an den Melstbietenden gegen Baarzahlung versteigert. Frledberg den 20. März 1871. Großherzogliches Rentamt Friedberg. Linde ck. Holz ⸗Versteigerung. 693 Montag den 27. d. M. kommen im Gemeinde⸗ wald Ockstadt, sog. Jungenwald, nachverzeichnete Holz⸗ sortimente zur Verstelgerung, als: 15 Stecken Scheltholz Buchen, 0* Eschen, 1„* Birken, 3„* Aspen, 71„ Prügelholz Buchen, 50 1* Elchen Birken, 11 7 5 Acgpen, 727⁰„ Stockholz Buchen, 11* 7 Birken, 11 1 1 Aspen, 4163 Wellen Buchen, 2200„Birken ⸗Elchen, 475„ Aopen, 3 Haufen Späne, 14 Eichen-Stämme von 15- 30“ Länge und 6—11“ Durchmesser. Bemerkt wird, daß das Eichen Schei- und Prögel⸗ holz sich zu Wagnerholz eignet. Dle Zusammenkunft ist im Schlag selbst. Anfang der Versteigerung Morgens 9 Uhr. Zablungssrist wird bei Niederlegung von Bürgscheinen bis zum 11. Novem⸗ ber l. J. gefstattet werden. Ockffadt den 31. März 1871. Gtoß herzogliche Bürgermeisterei Ockstadt. Grönltunger. Ftische Reps- und Leinkuchen 604 bitligst bei Georg Groß. % Düngemittel der Chemischen Fabrik Griesheim in Frankfurt am Main. Sauere phosphorsauere Kalke(Superphos⸗ pbate) zur Düngung des Getreides, für Rüben, Wiesen, Gemüse, Futtergewächse, Reps u. s. w. in drei Sorten. Phosphorsaurer Kalk,(feines Pulver). Kalk⸗Phosphat, das rohe Knochenmehl ersetzend. Gedämpftes Knochen mehl,(guanisirt) in feinem und gröberem Pulver, für Getreide u. s. w.(zur Maschinen⸗ und zur Handsagt). i Kaliphosphat, für Kartoffeln und Rüben. Griesheimee Guano(Kalt⸗Guano), für Ge⸗ trelde, Nepo, Tabak, Kartoffeln, Hopfen u. s. w. Weinberg⸗Guano(Weinberg Dünger). Wiesendünger(Kall⸗Dünger). Guauo⸗Phosphat(Gesäuerter Peru-Guano), Peruanischer Guauo. Futterknochenmehl. Sodagyps, feln gemahlen. Sodakalk. Natron⸗Salpeter in Originalftücken. Reichthum an Gehalt. Vorzügliche Loͤslichkelt. Billige Pretse.— Preiolisten, Gebrauchsanweisungen und Tnalpsen gratis.— Garantie der Analpsen.— Controle der landwirthschaftlichen Bereine. Lager bei Wilh. Fertsch in Friedberg. Steinkohlen, 691 namentlich auch Schmiedekohlen, verkauft zu billigen Preisen die Zlegelei am Bahnhof zu Nauhelm Ein braves Mädchen, 687 das in häuslichen Arbetten erfahren ist, wird von einer pillen Familte auf dem Lande gegen guten Lobn auf kommende Oftern in Dienft gesucht Wo? ist bel der Expeditlon d. Bl. zu erfahren. triigt. Citttn ILL ten ud ume Beilage. berhessischer Anzeiger. M306. — Ein Wortüber die neuen evangelischen vor sich gehen,— der Krieg und der Friedens— Kirchenvorstandswahlen. schluß mit Frankreich, die Aufrichtung des deut— Das Großh. Regierungsblatt Nr. 3 v. d. J. schen Reiches, die Eröffnung des ersten deutschen veröffentlicht ein Edict,„die provisorische Organi- Reichstags, die neuesten Vorgänge in Paris,— ist sation der Kirchenvorstände evangel. Confession es allerdings erklärlich genug, daß die kirchlichen betr.“ Hiernach sollen die bisher bestandenen Fragen im r den„ treten. evang. Kirchenvorstände aufhören, und an ihre Es wäre aber im höchsten Grade zu beklagen, ja Stelle neue, anders gewäblte und zusammengesetzte gradezu bedenklich und gefährlich, wenn das nun Kirchenvorstände treten. Gewählt werden dieselben in Angriff genommene Werk der kirchlichen Ver— durch schriftliche Abstimmung von sämmtlichen fassungsreform fortwährend von der Mehrheit der unbescholtenen männlichen Gemeindemitgliedern, Gemeindeglieder mit Gleichgiltigkeit welche das 25. Jahr zurückgelegt haben. Der würde, wenn sich in Folge davon an den neuen Bürgermeister hört auf, als solcher ständiges Mit- Kirchenvorstandswahlen etwa nur eine Minderzahl glied des Kirchenvorstandes zu sein, während der der Wahlberechtigten betheiligte, und daher die Pfarrer wie bisher von Amis wegen dem Kirchen- wahren Gesinnungen und Bedürfnisse der Gemein- vorstand angehört und den Vorsitz darin führt. den dabei nicht zu ihrem vollen Ausdruck kämen. Die Zahl der Mitglieder wird erhöht: für eine e Reich ist durch 0 Ne Gemeinde wie Friedberg wird der Kirchen- von 1870— 71 gegründet: die große Frage der vorstand aus 10 gewählten Mitgliedern bestehen, E 18 die, wie 8e n 20 fi während er bisher mit dem Bürgermeister nur und entwickeln wird, ob es für uns und für 6 nichtgeistliche Mitglieder hatte. Wählbar sind unsere Kinder und Kindeskinder eine Stätte der alle stimmberechtigten Gemeindeglieder, welche 30 Wohlfahrt und des Gedeihens sein wird, wo Jahre alt sind und durch Theilnahme am Gottes- Recht, Freiheit, Friede blüht und Alles wohl dienst und Abendmahl ihre Liebe zur evangel. steht. Kein Vernünftiger zweifelt, daß die Wobl⸗ Kirche an den Tag legen. fahrt eines Reiches nicht blos auf den äußeren Die Vorbereitungen zu den Wahlen sind be— Machtmitteln, einem siegreichen Heere, einer kräf⸗ reits im Gang, und ist zu erwarten, daß die tigen militärischen Organisation ꝛc. beruht; son⸗ evang. Gemeinden in aller Kürze zur Vornahme dern die Hauptsache, worauf es zuletzt ankommt, derselben werden aufgefordert werden. ist doch immer die Gesinnung, der sittliche Geist, rr b. soll der in dem Volke verbreitet ist, der Sinn für aber nur den Aufan eines längst an etündt en ef Wahrheit, Sitte, Zucht, treue Pflicht⸗ ae 45e ger ast ang Ken erfüllung und Hingebung an das Gemeinwohl 5 er wird auf die Dauer immer nur da Bereits unter dem 11. Juli Und dies v. J. bat des Großherzogs K. H. dem Entwurfe in rechter Kraft und Blüthe stehen, wo Religion 22 neuen Verfassung für die evang. Kirche des und Gottesfurcht blühen. Wer es daher mit der „ seine 1„ 1 8 und Zukunft des deutschen Volkes wohl meint, dem 2 ntwurf ist sodann im— r 8 ver- muß Alles daran gelegen sein, daß ihm in der 5 i—. 1 9 kuussia neuen Zeit, in welche es nun eintritt, Religion —— r 3 3 ere ein von lcher und Gottesfurcht, diese kräftigsten Quellen der 490 3 55 8 dien dancer offentlchen Wohlfahrt, nicht fehlen, sondern daß 8 1 2 na 22 1* 5 60 2, wielmehr auch diese einen neuen Aufschwung ——*— l de e.* mithin auch daß in der Kirche, canatssynode hervor, bestehend aus allen Pfarrern if, e ö und aus Abgeordneten aller Gemeinden des De- gesetzt sei, ei 1875 1 f g neten lialss. tirchlt gesetzt sei, einen kräftigen und wohlthätigen Ein- — 2 8 7 3 re— und 22 ichen fluß auszuüben. ngelegenheiten des Decanates Sorge zu tragen Leider aber läßt sich zur Zeit nicht sagen, eee ged. en g r an dn de he h le dahin Abgterenen zur Lendeespnsre. Diese glüalcrr Weit, in den Kern des Belles au. steht in derselben r der n zur vereinzelt— Ansichten und Grundsätze auftreten, 8 wie der.* e e welche mit dem Christenthum völlig im Wider- 5 ihre 8* 1 1 woles bpruch stehen, ja sogar alles Höhere und Ewige er assen werden, sie hat den Zustan er* aoleugnen: sondern auch solche Personen, nament— kirche in Bezug auf Lehre, Kotten ien Ver- lich solche Männer, die in ihren Gesinnungen und fassung, Zucht und ee zu beachten Grundsätzen keineswegs dem Christenthum ent— 1 zu 1 sie* die 52 re gegen sind, stehen häufig der Kirche mit großer liche Zwecke ruhigen usga 2 5 villigen, Gleichgiltigkeit gegenüber oder haben sich von ihr sie hat ut das Recht 85 en gänzlich zurückgezogen. Und zwar läßt sich be⸗ über die misführung des erconsistoriums u. s. f. merken, daß dieses Uebel seit den letzten Jahren Es soll also durch das Ganze der Grundsatz in beständigem Zunehmen begriffen ist, so daß, durchgeführt werden: daß die evang. Kirche wenn es noch längere Zeit in dieser Weise fort- des Landes ihre Angelegenheiten selbst⸗— gehen sollte, für die evang. Kirche und dadurch ständig zu ordnen und zu verwalten hat. mittelbar für die gesammte Volkswohlfahrt die Die neuen Kirchenvorstände, deren Bildung schlimmsten Folgen zu besorgen wären. jetzt angeordnet ist, sollen demnächst die Decanats⸗ Es ist daher hoch an der Zeit, auf Mittel spnoden, und diese sodann die Landessynode wählen. bedacht zu sein, wie es besser werden kann. Ein Der 2 wie 17 5 das 1 0 570 besteht in der Verbesserung Edict vom 11. Juli angeordnet ist, der neue der Verfassung der evang. Kirchez denn Verfassungsentwurf vorgelegt, mit ihr berathen die mangelhafte Verfassung, welche diese seit langen und endgiltig festgestellt werden. Wie also das] Zeiten in unserm Lande wie in anderen deutschen Verfassungswerk schließlich ausfallen wird, das Ländern gehabt hat, ist ohne Zweifel eine haupt- wird wesentlich davon abhängen, was für Männer sächliche— wenn auch nicht die einzige— Ursache jetzt von den Gemeinden mit dem Ehrenposten als] des Verfalls, in dem wir sie leider gegenwärtig Kirchenvorsteher betraut werden; denn diese sind begriffen sehen. die Wahlmänner für die künftige Synode. Bis jetzt steht die Sache so, daß der Landes- Bis jetzt hat der oben dargelegte Schritt s herr, welchem nach dem Herkommen, die höchste unserer Kilchenregierung, allem Anscheine nach, Regierungsgewalt in der evang. Kirche zusteht in den Gemeinden nur erst sehr geringe Aufmerk- und auch für die Zukunft erhalten bleiben wird samkeit erregt. Bei den außerordentlich großen und muß, diese seine kirchliche Gewalt durch lauter Ereignissen, die gleichzeitig auf anderem Gebiete Staatsbehörden ausüben läßt, und zwar pöllig betrachtet unumschränkt. Die oberste Staatsbehörde, das Ministerium des Innern, und die demselben untergebenen Verwaltungsbehörden, das Ober— Consistorium und die Kreisämter, verfügen nach ihrem Ermessen über alle Angelegenheiten der evang. Kirche, nicht blos, was die äußere Ord— nung und Verwaltung, sondern auch was Lehre, Gottesdienst, Zucht ꝛc. betrifft, ohne daß die Ge— meinden dabei irgend mitzuwirken hätten oder nur um ihre Meinung befragt würden. Es ist unter diesen Umständen kein Wunder, wenn die Gemeindeglieder denken: wo wir nicht mit rathen, da wollen wir auch nicht mit thaten, und sich daher mehr und mehr von der Kirche zurückziehen. Dies um so mehr, da in der neueren Zeit der Bürger sich immer mehr gewöhnt— und zwar mit vollem Rechte, — auf den verschiedensten sonstigen Gebieten, wie in der Politik, im Geschäftsleben, in den Fragen der Industrie und Landwirthschaft u. s. w., seine eigenen Angelegenheiten selbst zu besorgen, oder, wo ihm die Befugniß dazu noch nicht im genü⸗— genden Maße eingeraͤumt ist, dieselbe fordert und anstrebt. Sollte hierin die evang. Kirche auch weiterhin noch allein zurückbleiben, so würde vor— aussichtlich die Entfremdung von ihr immer noch mehr zunehmen. Eine weitere Folge des angegebenen Zustandes ist die, daß die Geistlichen und die Gemeinde— glieder sich in bedenklicher Weise gegenseitig fremd geworden sind und immer mehr wer⸗ den. Weil die letzteren keine Gelegenheit haben, ihre Ansichten in den religiösen und kirchlichen Fragen zur Geltung zu bringen, so sind diese vielfach dem Pfarrer unbekannt. Dieser predigt, versieht seine Casualhandlungen, unterrichtet zc., ohne mit der Denkweise und den Bedürfnissen Derjenigen, mit denen er zu thun hat, vertraut zu sein oder das, was ihm davon bekannt wird, recht verstehen und würdigen zu können. So hat es geschehen können, daß in einem Theile der evang. Geistlichkeit Deutschlands eine religiöse Richtung Boden gewann, welche sich die große Mehrzahl der Gemeindeglieder, auch der religiös ernsten, mit gutem Gewissen nicht aneignen kann, weil sie mit der ganzen Denkweise der neueren Zeit in unverträglichem Widerspruche steht. Und umgekehrt ist der Geistliche sehr oft außer Stande, Zweifel, Bedenken und Irrungen, welche in religibsen Fragen entstehen, zu lösen und zu be— richtigen, weil sie von den Nicht-Geistlichen zwar unter einander, aber nicht gegen ihn ausgesprochen werden. Es ist so ein Zustand der Entfremdung und des Mtßtrauens entstanden, welcher, wenn er noch weiter greifen sollte, den größten Schaden bringen müßte. Diesen Gefahren nun hofft man durch eine bessere Versassung der evang., Kirche begegnen zu können: eine Verfassung, welche die Angelegenheiten jeder Kirchengemeinde den von dieser selbst ge— wählten Vertretern in die Hände giebt, um von denselben ohne ängstliche Bevormundung von oben nach ihrem gewissenhaften Ermessen und auf eigene Verantwortung selbstständig besorgt zu werden, und welche auch die höheren kirchlichen Behörden an die Mitwirkung und Zustimmung der Vertreter der gesammten Landeskirche(Synode) bindet, sie dagegen von der Abhängigkeit von der Staats- regierung freimacht,— unbeschadet des Ober— auffichtsrechtes, welches der Staat über die evang. Kirche wie über jede andere in seinem Gebiet bestehende Kirche oder Religionsgemeinschaft aus- zuüben hat. Wenn gewiß auch Niemand meinen wird, daß eine Verfassungsänderung in dem angegebenen Sinn allein schon binreichen werde, um den Gefahren und Schäden der evang. Kirche abzu- helfen, so läßt sich doch mit Sicherheit erwarten, daß eine solche in sehr vieler Hinsicht einen sehr heilsamen Einfluß wird haben können; ja sie ist die erste unerläßliche Vorbedingung für Alles, was weiter geschehen kann und soll. Es ist darum die Pflicht eines Jeden, der es mit der evang. Kirche, ja mit unserem Volke überhaupt wohl meint, nach Kräften das Seine zu thun, damit die nun endlich in Angriff genommene Verfassungs— arbeit einen guten Erfolg habe, und mithin vor allen Dingen, daß durch die bevorstehenden kirch— lichen Wahlen die Bedürfnisse und Wünsche der Gemeinden zu ihrem vollen, unverkürzten Ausdrucke kommen. Um so dringender ist dies zu wünschen, da der von der Regierung veröffent lichte Verfassungsentwurf an sehr er— heblichen Mängeln leidet und einer gründlichen Verbesserung und Umge⸗ staltung bedürsen wird, um den gehofften Nutzen bringen zu können. So, um nur auf Eines auf merksam zu machen, ist der Grundsatz der kirch— lichen Selbstregierung und Selbstverwaltung in demselben entschieden nicht vollständig und con- sequent genug durchgeführt: namentlich ist die oberste Kirchenbehörde noch viel zu viel in Ab- hängigkeit gestellt, als daß man sagen könnte, die evang. Kirche ordne und verwalte hiernach ihre Angelegen— beiten selbstständig. Ein sehr bedenklicher Punkt it ferner, daß nach dem Entwurf die evang. Kirche des Landes in drei Sonderkirchen getrennt werden soll: eine lutherische, reformirte und unirte, während doch seit langer Zeit alle evang. Gemeinden des Landes sich als Eins an— gesehen haben und als Eins behandelt worden sind. Es würde gewiß den meisten Gemeinden im höchsten Grade überraschend und befremdend erscheinen, wenn demnächst verfügt würde, daß sie mit anderen, vielleicht Nachbargemeinden künftighin nicht mehr zu demselben Kirchenverband gehören sollten, weil die eine lutherisch, die andere refor- mirt sei, während doch dieser Unterschied sich im Leben längst verwischt hat. Darum, ihr evangelischen Männer! erwäget bei Zeiten und ernstlich, wen ihr für die hohe und heilige Sache, um die es sich hier handelt, als die Männer eueres Vertrauens und euere Ver— treter erwählen wollt. Unverständig wäre es gewiß, wenn sich Jemand darum von der Wahl ausschließen wollte, weil er mit der Art und Weise des Vorgehens, wie sie von der Regierung beliebt ist, nicht einverstanden ist, weil er es z. B. für besser ansehen würde, daß die Landes- synode unmittelbar durch die Gemeinden, in directen Wahlen ernannt würde, anstatt auf dem vorgeschriebenen indirecten Wege, oder daß ihr nicht dieser, sondern ein anderer Entwurf vor— gelegt, oder auch ganz freigelassen würde die Ver⸗ fassung, wie sie sie wünscht, selbst zu entwerfen. Man kann darüber verschiedener Ansicht sein: jedenfalls hat vielfältige Erfahrung gelehrt, daß bei angeordneten Wahlen die Wahlenthaltung unter allen Umständen der verkehrteste und un— klugste Weg ist, den man einschlagen kann. Wirkt lieber auf dem Wege, der nun eröffnet ist, kräftig mit, als daß ihr geschehen lasset, daß die neue Verfassung ohne euch und dann vielleicht sehr gegen eueren Willen zu Stande kommt. Verschiedener Ansicht kann man auch darüber sein, oh es zweckmäßig ist, daß nach dem Edicte die Wählbarkeit auf solche Männer beschränkt sein soll, welche an Gottes dienst und Abendmahl Theil nehmen, da es doch unstreitig gar Manche giebt, deren Theilnahme an dem Verfassungswerke sehr erwünscht wäre, und die sich doch aus mancherlei Gründen dem kirchlichen Leben mehr oder weniger entfremdet haben. Die Absicht bei dieser Bestim— mung ist nur die gewesen, solche auszuschließen, die sich seit lange vollständig und grund— sätzlich von der Kirche geschieden und dadurch gezeigt haben, daß sie ihr innerlich nicht mehr zugehören,— also Personen, welche unzweifelhaft doch nur in seltenen Ausnahmefällen in Vorschlag hätten kommen können. Es ist daher auch absicht— lich in dem Edict nicht von fleißiger oder regelmäßiger Theilnahme am Gottesdienst die Rede, sondern nur von Theilnahme überhaupt. Mag man also die Fassung des fraglichen Para— graphen für zweckmäßig ansehen oder nicht; den Gemeinden wird dadurch bei den bevorstehenden von dem Ministerium des Inneren Wahlen die Möglichkeit nicht abgeschnitten sein, ihren Willen, wenn derselbe anders nur einmüthig und kräftig auftritt, zur Geltung zu bringen. Somit sei die wichtige Angelegenheit der neuen Kirchenvorstandswahlen Allen, die es an— geht, angelegentlich empfoblen. Die Reichstags— wahlen sind von hoher Wichtigkeit; aber die Kirchenvorstandswahlen, wenn auch deren Bedeu— tung weniger hervortritt und in die Augen fällt, stehen ihnen an Wichtigkeit in nichts nach und verdienen mindestens dieselbe allgemeine und leb— hafte Aufmerksamkeit und Theilnahme. 8 Eröffnung des deutschen Reichstags. Berlin, 21. März, 1 Uhr Mittags. So— eben ist der deutsche Reichstag vom Kaiser mit folgender Thronrede eröffnet worden: Geehrte Herren! Wenn Ich nach dem glorreichen aber schweren Kampfe, den Dentschland für seine Unabhängig— keit siegreich geführt hat, zum ersten Male den deutschen Reichstag um Mich versammelt sehe, so drängt es Mich vor Allem, Meinem demüthigen Dank gegen Gott Ausdruck zu geben für die weltgeschichtlichen Erfolge, mit denen seine Gnade die treue Eintracht der deutschen Bundesgenossen, den Heldenmuth und die Manxeszucht unserer Heere und die opferfreudige Hingebung des deut— schen Volkes gesegnet hat. Wir haben erreicht, was seit der Zeit unserer Väter für Deutschland erstrebt wurde: die Einheit und deren organische Gestaltung, die Sicherung unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer nationalen Rechtsent— wickelung. Das Bewußtsein seiner Einheit war in dem beutschen Volke, wenn auch verhüllt, doch stets lebendig; es hat seine Hülle gesprengt in der Begeisterung, mit welcher die gesammte Nation sich zur Vertheidigung des bedrohten Vaterlandes erhob und in unvertilgbarer Schrift auf den Schlachtfeldern Frankreichs ihren Willen ver— zeichnete, ein einiges Volk zu sein und zu bleiben. Der deutsche Geist, welcher in dem deutschen Volke lebt und seine Bildung und Gesittung durchdringt, nicht minder die Verfassung des Reiches und stine Heeres-Einrichtungen, bewahren Deutschland inmitten seiner Erfolge vor jeder Versuchung zum Miß brauche seiner durch seine Einigung gewonnenen Kraft. Die Achtung, welche Deutschland für seine eigene Selbstständigkeit in Anspruch nimmt, zollt es bereitwillig der Unab— hängigkeit aller anderen Staaten und Völker, der schwachen, wie der starken. Das neue Deutsch— land, wie es aus der Feuerprobe des gegenwär— tigen Krieges hervorgegangen ist, wird ein zu— verlässiger Bürge des europäischen Friedens sein, weil es stark und selbstbewußt genug ist, um sich die Ordnung seiner eigenen Angelegenheiten als sein ausschließliches, aber auch ausreichendes und zufriedenstellendes Erbtheil zu bewahren. Es hat Mir zur besonderen Genugthuung gereicht, in diesem Geiste des Friedens ixmitten des schweren Krieges, den wir führten, die Stimme Deutsch— lunds bei den Verhandlungen geltend zu machen, welche auf der durch die vermittelnden Bestre— bungen Meines auswärtigen Amtes herbeigeführten Conferenz in London ihren befriedigenden Abschluß gefunden haben. Der ehrenvolle Beruf des ersten deutschen Reichstags wird es zunächst sein, die Wunden nach Möglichkeit zu heilen, welche der Krieg geschlagen hat und den Dank des Vater— landes denen zu bethätigen, welche den Sieg mit ihrem Blute und Leben bezahlt haben. Gleich— zeitig werden Sie, geehrte Herren, die Arbeiten beginnen, durch welche die Organe des deutschen Reiches zur Erfüllung der Aufgabe zusammen— wirken, welche die Verfassung ihnen stellt: zum Schutze des in Deutschland gülligen Rechts und zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen Volkes. Die Vorarbeiten für die regelmäßige Gesetzgebung haben leider durch den Krieg Verzögerungen und Unterbrechungen erlitten; die Vorlagen, welche Ihnen zugehen werden, leiten sich daher unmittel— bar aus der neuen Gestaltung Deutschlands ab. Die in den einzelnen Verträgen vom November vorigen Jahres zerstreuten Verfassungsbestimmun— verfassung ihre geordnete Zusammenstellung und ihren gleichmäßigen Ausdruck finden. Die Be⸗ laufenden Ausgaben des Reiches bedarf der ge⸗ setzlichen Regelung; für die von der königlich norddeutschen Gesetze in Bayern wird Ihre Mit⸗ wirkung in Anspruch genommen werden. Die Verfügung über die von Frankreich zu leistende Kriegskosten-Entschädigung wird nach Maßgabe der Bedürfnisse des Reiches und der berechtigten Ansprüche seiner Mitglieder mit Ihrer Zustimmung getroffen und die Rechenschaft über die zur Kriegführung verwendeten Mittel Ihnen so gestatten. Die Lage der für Deutschland rückerworbenen Gebiete wird eine Reihe von Maßregeln erheischen, für welche durch die Reichsgesetzgebung die Grund— lagen zu schaffen sind. Ein Gesetz über die Pensionen der Offiziere und Soldaten und über die Unterstützung ihrer Hinterbliebenen soll für das gesammte Heer die Ansprüche gleichmäßig regeln, welche der gleichen Hingebung für das Vattrland an den Dank der Nation zustehen. Geehrte Herren! Möge die Wiederherstellung des deutschen Reiches für die deutsche Nation auch nach Innen das Wahrzeichen neuer Größe sein, möge dem deutschen Reichskriege, den wir so ruhmreich geführt, ein nicht minder glorreicher Reichsfrieden folgen, und möge die Aufgabe des deutschen Volkes fortan darin beschlossen sein, sich in dem Wettkampfe um die Güter des Frie— dens als Sieger zu erweisen. Das walte Gott! — 21. März. Die feierliche Eröffnung des Reichstages erfolgte nach vorangegangenem Gottes⸗ dienste um 1% Uhr. Der Kaiser ward bei der war neben dem Throne eine Tribüne für die Kaiserin, die Kronprinzessin und die Prinzessinnen hergerichtet. Die Gesammttribünen über dem Eingange waren dem diplomatischen Corps reser— virt, welches vollzählig anwesend war. Die Zu— hörerplätze waren überfüllt, im Saale etwa 400 Personen: Reichstagsmitglieder, höchste Staats beamte, Generalität und Geistlichkeit. Kurz nach 1 Uhr trat der Kaiser ein. Ihm voran schritten Graf Moltke mit dem Reichsschwert, Kriegsminister v. Roon mit dem Scepter, Graf Redern mit der Krone und Feldmarschall Graf Wrangel mit dem Reichsbanner. Dem Kaiser folgten der Kron— prinz und die hier anwesenden regierenden Reichs- fürsten. Der Kaiser, durch enthustastische, vom Alterspräsidenten v. Franckenberg ausgebrachte Hochs begrüßt, bestieg den Thron und verlas die Thronrede unbedeckten Hauptes. Die Rede wurde mehrfach von stürmischem Beifall unterbrochen. Graf Bismarck erklärte alsdann den Reichstag für eröffnet, worauf der Kaiser unter abermaligem Hoch, ausgebracht von dem bayerischen Bevoll— mächtigten, Grafen Bray, den Saal verließ. — 21. März. Die erste Sitzung des deut— schen Reichstages wurde um 3½ Uhr von dem Alterspräsidenten v. Frankenberg-Ludwigsdorf mit einer kurzen Ansprache eröffnet. Hierauf be— grüßte derselbe unter lebhaftem Beifall die süd— deutschen Abgeordneten, erklärte die Sitzung für eröffnet und schlug vor, bis auf Weiteres die Geschäftsordnung des norddeutschen Bundes an— zunehmen. Da kein Widerspruch erfolgte, ernannte der Präsident zu Schriftführern Schenk v Stauffen⸗ berg(Bayern), Eysold(Sachsen), Schöning und Unruh-Bomst. Der Präsident theilte sodann mit, daß 220 Wahlacten eingelaufen seien. — Graf Bismarck ist vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben mit dem Titel Fürst von Schönhausen, Graf Moltke erhielt das Großkreuz des eisernen Kreuzes. — Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt:„Es ist für uns von wesentlichem Interesse, daß die neueste Pariser Regierung(Centralcomite) den Friedensvertrag auszuführen gedenkt. Wir können daher der weiteren Entwicklung der Dinge ruhig zusehen.“ gen sollen in einer neuen Redaktion der Reichs 0 theiligung der einzelnen Bundesstaaten an den bayerischen Regierung beabsichtigte Einführung der schleunig vorgelegt werden, als es die Umstände Anfahrt enthustastisch begrüßt. Im Weißen Saale Ent