lde f N N Oberhessischer Anzeiger. Echinpff u Uuploir, en Gefeöft deltec bezogen tigt Zunnet Wittwe. ren n det pol il Cubinch ragt bei ber perdau⸗ ridenden 9 atetrtih upfobler. a 8 Daß n Aetbelte f 7st Nutte rt! Alteettg unn Hechstann 117t A 1871. Donnerstag den 20. Juli. N 84. Inthält die amtlichen Exlasse für den Kreis Friedberg. Itiedberger Intelligenzblatt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. „— Deutsches Reich. Darmstadt. Das großherzogl. Regierungs- att Nr. 24 enthält: Das Gesetz, die Aus⸗ hrung des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz betreffend. Darmstadt. Die Regierung hat den Ständen ne Vorlage unterbreitet, welche für das hiesige olytechnikum einen weiteren Nachtrageredit jon 13,500 fl. beansprucht. Diese Summe soll lazu dienen, um die bereits theilweise eingeleiteten berhandlungen wegen Berufung neuer Lehrer, penigstens in der Hauptsache, zu Ende zu führen ind außerdem der Schule die nöthigen Lehrmittel 11 sichern. Insbesondere ist eine Ergänzung des lehrkörpers bezüglich der allgemeinen Schule in Tussicht genommen. Da der in Rede stehende Begenstand seiner Natur nach sehr dringlich ist, dird der Finanzausschuß in den nächsten Tagen lierüber in Berathung treten. — Ein Theil der hessischen Feldgendarmen, delche seither noch in den occupirten Landes- heilen Frankreichs verwendet waren, sind nun tuch hierher zurückgekehrt. Die Leute sahen sehr tut aus und trugen die preuß. Uniform. Der i Frankreich zum Ober-Gendarmen beförderte Gendarm Dietz hat das eiserne Kreuz erhalten. — Ueber die künftige Uniformirung unserer Truppen ist zur Richtschnur bei neuen Anschaffungen wrläufig kundgegeben worden, daß die Uniformen lach preußischem Muster zu schneiden und die Köcke aller Regimenter rothe Krägen und branden- turgische Ausschläge erhalten werden. Die Achsel⸗ happen, welche seither von rother Farbe waren, sollen die seitherigen, an den Krägen angebrachten Regimentsfarben tragen, und überdies die letzteren tuch an den Aermelaufschlögen in Patten vor⸗ kanden seien. Nur das 1. Inf.⸗ Regiment als Garde⸗Regiment behält die mit Litzen versehenen Frägen. Artillerie und Train werden sich nur lisofern von den preußischen Truppen gleicher Gattung unterscheiden, als sie den hessischen Wappenlöwen und die Landescocarde tragen, — Der Großherzog ist von Pillnitz hier pieder eingetroffen. Die Ankunft der russischen Faiserfamilie wird am 19. d. in Jugenheim erwartet. — Prinz Ludwig von Hessen ist nach Ems zereist, um sich bei dem deutschen Kaiser als In- haber des 81. Regiments zu melden. Gießen. Wie die Universität Leipzig, so hat auch der hiesige akademische Senat beschlossen, as Gedächtniß der in dem Kriege mit Frankreich gefallenen Angehörigen der Universität durch ein Denkmal zu ehren. Mainz. Der Bundesrath hat die Beschluß⸗ rahme über die vom Reichstage dem Reichskanzler zr Erwägung überwiesene Petition der Stadt Mainz wegen Bewilligung eines Zuschusses zu ten Kosten der Stadterweiterung auf den Antrag tes Bevollmächtigten für Hessen bis zur Herbst⸗ session ausgesetzt. Berlin. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ besprich! u einem Leitartikel die Haltung des deutschen Episcopats bei dem Concil und erwähnt, das Episcopat wisse, daß es durch die schroffe An- pendung des neuen Dogmas die Regierungen in enen Conflict hineintreibe. Der Staat solle nicht 1 das Glaubensgeblet übergreifen, andererseits müsse aber die Kirche die Grenzlinie respectiren, pelche sie vom Staate trennt. Die Uebergriffe ia die Staatsgewalt, welche das Unfehlbarkeits— togma veranlaßt, müssen von der Staatsgewalt surückgewiesen werden So entstehe der Conflict, aber es sei keine Rede von einer Verfolgung der] München je gesehen. Kein Haus ist unbeleuchtet. Kirche, im Gegentheil sei der Staat durch das Um 10½ Uhr durchfuhr der Hof mit dem Kron- Dogma bedrängt und zur Abwehr gezwungen. prinzen und dessen Begleitung die Stadt. Hier⸗ — Der General-Postdirector Stephan ist in bei, wie überhaupt, rief das Erscheinen des Begleitung des Postraths Günther am Donnerstag Kronprinzen die allgemeinste Theilnahme des Abend nach Bremen abgereist. Dem Vernehmen überaus zahlreichen, aus allen Landestheilen zu⸗ nach hat die Reise den Zweck, die Einleitungen sammengeströmten Publikums hervor. zur Vereinbarung mit dem norddeutschen Lloyd— In der Ansprache, die der Bürgermeister zu treffen, welche die Ermäßigung des Briefportos Erhardt an den Kronprinzen am Siegesthor hielt, nach Amerika zur Folge haben soll, wie solche in] drückte derselbe seine Freude aus, den Kronprinzen der letzten Reichstagssession gestellt wurde. bei dem erhebendsten Feste, das München je ge⸗ — Die französischen Internirten der Armee feiert, begrüßen zu können, erinnerte an des Kron- Bourbaki's— im Februar etwa 85,400 Mann prinzen Aufenthalt in München bei Beginn des und 10,000 Pferde— waren in der Schweiz, Krieges, hob hervor, wie glänzend sich der Kron⸗ nach jetzt im dortigen Bundesrathe vorgelegter prinz im Vertrauen auf die gerechte Sache Deutsch⸗ amtlicher Zusammenstellung in 186 Depots ver- lands bewährt habe, und erwähnte, daß außer theilt, von denen 3 mehr als 2000, 17 von der militärischen auch die politische Einigung erzielt 1000— 2000, 30 von 500 1000, 45 von 300 und das deutsche Reich neu erstanden sei. Die —500 und 91 unter 300 Mann faßten. Die Ansprache schloß folgendermaßen: Ew. kgl. Hoheit Summe der behandelten Kranken betrug über haben sich die Liebe der süddeutschen Soldaten 12,000; von diesen starben 1650, darunter 872 erobert, aber auch unsere Herzen schlagen Ihnen an typhösen Krankheiten, 363 an solchen der warm und begeistert entgegen und es soll kein Athmungsorgane, 137 an Blattern u. s. w. Die Zwiespalt mehr sein zwischen Nord und Süd. Kriegsgerichte batten 21 Urtheile zu fällen, 120 Möge Ew. kgl. Hoheit als ein Zeichen der Dank⸗ über Fälle von Diebstahl. barkeit für die dem gemeinsamen Vaterlande ge— Gumbinnen. Amtlich wird bekannt ge leisteten Dienste und als Beweis unserer festen macht, daß die Cholera in Wikowsczki(russisch Hoffnungen für die Gestaltung der Zukunft Deutsch⸗ Polen, Gouvernement Angostowo) ausgebrochen lands aus den Händen dieser Jungfrauen den ist und in wenigen Tagen 34 Opfer forderte. Lorbeerkranz entgegennehmen.“ Der Kronprinz In Wilna herrscht die Krankbeit bereits über vier erwiderte mit Gruß und Dank an München für Wochen, in welchen täglich 10 Todesfälle vorkamen. den überreichten Lorbeerkranz, dankte für den Ems. Nach dem„Fr. J.“ wird der Kron- freundlichen Empfang der tapferen Truppen und prinz Friedrich Wilhelm auf seiner Rück eise von drückte die Hoffnung aus, daß die im Felde be⸗ München Ems berühren und zur Begrüßung seines gonnene Waffenbrüderschaft der deutschen Stämme Vaters, des Kaisers Wilhelm, Dienstag, 18. l. M., im Frieden würde weiter ausgebaut werden. Der Abends daselbst eintreffen. Mittwoch, 19. Juli, Kronprinz dankte den Frauen und Jungfrauen für wird der Kronprinz hier und in Coblenz zubringen. Das, was sie an den Soldaten-Waisen und Ver- Seit Mittwoch weilt auch ein ägyptischer Prinz wundeten gethan, und empfahl schließlich die ge- in Ems: Halim Pascha, der Oheim des Khedive. storbenen Helden dem ehrenden Andenken des In der Begleitung des Letzteren befindet sich auch Vaterlandes. 5 eine ägyptische Prinzessin, die Tochter Halim's,— Dem am 17. d. von der Stadt München und außerdem ein Gefolge von 10 bis 12 Personen. im Glaspalaste gegebenen Festbankette wohnten der Dresden. Der Kronprinz von Sachsen Kronprinz des deutschen Reichs, der Prinz Luitpold erhielt von dem Kaiser von Rußland ein Tele⸗ mit seinen Söhnen, der Prinz Adalbert, sowie gramm, in welchem ihn der Kaiser zum russischen etwa 2500 Gäste bei. Der Glaspalast war Feldmarschall ernennt. feenhaft geschmückt und beleuchtet. Bürgermeister München. Nach einer auf dem Oberwiesen⸗ Erhardt trank auf das Wohl des Königs Ludwig. feld stattgehabten Parade ist unter Kanonendonner Bürgermeister Wiedemaher auf das des Kaisers und Glockengeläute der Truppeneinzug beim schönsten und des Kronprinzen. Letzterer antwortete, er Wetter und unter dem unbeschreiblichen Jubel der habe schon wiederholt hervorgehoben, wie hoch er Bevölkerung programmgemaß erfolgt. Nach der die bayerische Tapferkeit und Waffenbrüderschaft vom Könige abgenommenen Parade überreichte der schätze und welch' großes Vertrauen der Kaiser Kronprinz von Preußen an einen Hauptmann der bayerischen Armee entgegengebracht habe. Die (v. d. Tann) und fünf Unteroffiziere Namens des bayerische Armee habe dieses Vertrauen glänzend Kaisers das eiserne Kreuz erster Klasse. Am gerechtfertigt. Sie habe im Kriege ihre Schuldig⸗ Siegesthor hielt der Bürgermeister Erhardt an keit gethan, möge sie nun die im Felde an den den König und den Kronprinzen Ansprachen. Nach Tag gelegten militärischen Tugenden, welche sie Beendigung des Einzugs fand in der Residenzs zum raschen Sieg über den Feind geführt haben, Militärbanket statt. Der Toast des Königs auf lim Frievben weiter üben und pflegen. Das Ver⸗ die siegreiche Armee und deren Führer wurde vom trauen, welches die Armee dem Kaiser und ihm Kronprinzen in längerer, mit allgemeiner Be-(dem Kronprinzen) entgegengebracht, werde, wie geisterung aufgenommener Rede mit einem Toast er hiermit zugleich im Namen des Kaisers wieder- auf den König von Bayern erwidert. In der hole, gerechtfertigt werden. Er bringe auf seine Theatervorstellung kam es zu wiederholten stür- Waffengenossen, die bayerische Armee, sein, Hoch. mischen Ovationen für den König und den Kron- Dies Hoch, in das die ganze Versammlung jubelnd prinzen. Bei der Hinweisung des Prologs ale e wollte kein Ende nehmen und wurde die Hoffnungen, welche das Reich auf König die Rede des Kronpeinzen mehrfach von Jubel Ludwig und Kronprinz Friedrich Wilhelm setze, und Hochrufen unterbrochen. Gegen halb zwölf reichte der König stehend und Angesichts des Uhr verließ der Kronprinz das Fest, das erst Publikums dem Kronprinzen die Rechte und nicht[gegen Tagesanbruch endete. Der König erschien enden wollender Jubel erfüllte das Haue. Die nicht auf dem Feste, derselbe kehrte Nachts nach Illumination der Stadt ist die glänzendste, die! Schloß Berg zurück. — Der Kronprinz des deutschen Reichs ist am 18. d. früh über Frankfurt und Ems nach England abgereist. Ausland. Oesterreich. Wien. Der bisher hier beglaubigte Gesandte Hessen-Darmstadts, Heinrich von Gagern, hat die Note seiner Regierung über⸗ reicht, worin die Auflösung der Gesandtschaft überhaupt notificirt wird. Schweiz. Bern. Die baßerische Regie- rung bat durch ihren hiesigen Vertreter der Schweiz ihren Dank wegen des den bayerischen Staatsangebörigen während des letzten Krieges gewährten Schutzes aussprechen lassen. Frankreich. Paris. Das„Journal ofsiciel“ enthalt die Ernennung Aurelles de Paladine's zum Obercommandanten von Bordeaux.— Das amtliche Blatt erklärt wiederholt, Thiers habe nicht die Ratbschläge ertheilt, welche ihm in jenem von den italienischen Blättern veröffentlichten Schreiben imputirt seien; dasselbe sei vollständig gefälscht. — Die Zablung der ersten halben Milliarde hat noch nicht beendigt werden können in Folge der materiellen Schwierigkeiten, welche mit dem Endossement der Wechsel verbunden sind. Die Preußen werden die Departements Eure, Somme und Seine inférieure räumen, sobald die Zahlung beendigt ist. Man versichert, die Regierung werde Maßregeln zur Zahlung der folgenden Milliarden treffen, um die Räumung der übrigen Departe— ments zu beschleunigen. — Das„Journal officiel“ bestätigt, daß die Exploston in Vincennes auf die Unachtsamkeit einiger Arbeiter zurückzuführen ist. Die Zahl der Todten beträgt nach dem amtlichen Blatte 3, die der Verwundeten 28, darunter 3 schwer. — Die Differenz, welche sich zwischen dem französischen Consul in Aegypten und der dortigen — Aus Versailles wird gemeldet: Trotz alles officiellen Abläugnens scheint die Explosion von Vincennes das Resultat eines vorbedachten Verbrechens zu sein.— Rußland. Eine schreckliche Feuersbrunst wüthete am 14. d. im Hafen vom Riga. Nach- mittags gegen 4 Uhr brach auf einer Struse (Strusen sind die großen Fahrzeuge, auf welchen aus dem Innern des Reiches Hanf, Flachs, Hafer, Leinsaat zꝛc. hierher geschafft werden) Feuer aus, welches mit solcher Heftigkeit um sich griff, daß binnen wenigen Minuten alle Strusen, welche unter dem Winde lagen, in vollen Flammen standen. Es war ein Feuermeer von furchtbarer Dimension, daher jede Rettung unmöglich. Der Schaden beläuft sich auf mindestens eine Million Rubel Silber. Türkei. Konstantinopel. Officiell lief hier die Nachricht ein, ein verbannter persischer Prinz, Salar, habe Mesched, die Hauptstadt von Khorassan, belagert und genommen; von dort marschire derselbe nach Teheran, um den Schah zu stürzen. Der Prinz soll über 35,000 Turko- mannen verfügen. r. Friedberg, 17. Juli. Der Wetterauer Zweig⸗ verein der Gustav⸗Adolf⸗ Stiftung hat am 9. d. M. in dem benachbarten Reichelsheim sein Jahresfest gefeiert. Obwohl die Gemeinde durch die starken Regengüsse vor wenigen Wochen und die damit verbundene Ueberschwem—⸗ mung einen beträchtlichen Schaden in ihrer Heuerndte er⸗ litten hatte, hat sie doch unserem Verein eine sehr freund⸗ liche Aufnahme gewährt und Alles dazu beigetragen, das Fest zu einem der Schönsten zu machen, welches der Verein seit seinem Besiehen gefeiert bat. In dem Gottes— dienst versah der Ortsgeistliche Herr Vikar Schneider den Altardienst. Herr Decan Strack von Groß- Buseck hielt die Festpredigt, die die Versammlung in die rechte Fesistimmung versetzte und mit sichtlicher Theilnahme an⸗ gehört wurde. Aus dem Rechenschafts bericht des Diakonus Meyer von Friedberg erwähnen wir, daß der Zweigver⸗ ein in Verbindung mit dem Frauenverein für Friedberg und Umgegend eine Einnahme von 817 fl. 258¼ö kr. hatte. Diese Einnabme erscheint uns in Berücksichtigung der Regierung erhoben hat, ist von den Blättern stark! übertrieben worden. Dieselbe ist bereits auf dem Wege des Ausgleichs. — Die aus den 45 Mitgliedern bestehende Commission für die Reorganisation der Armee hat einstimmig das Princip der allgemeinen Dienst⸗ pflicht angenommen. In Folge dieser Entschließung werden eo ipso die Nationalgarden von Paris und den Departements abgeschafft werden, da alle bewaffneten Mannschaften unter der Autorität des Kriegsministers stehen sollen. Dies ist denn auch der Grund, warum die Regierung bis jetzt ktine besondere Entschließung hinsichtlich der National- garde gefaßt hat. f — Bezüglich der auswärtigen Correspondenzen hat die Regierung der einigen und untheilbaren Republik Usancen angenommen, die im Vergleich mit der Methode des Kaiserreichs energisch zu nennen sind. Die Briefe, in denen man etwas zu ernten hofft, wandern nicht nur massenhaft nach dem schwarzen Cabinet, sie werden sogar kurzer Hand aufgerissen und dann mit einem Post⸗Couvert verschlossen, als ob es so und nicht anders sein mäßte. Reclamationen bleiben natürlich fruchtlos. — Der Deutschenhaß nimmt einen immer krank- hafteren Charakter an. So haben zahlreiche Hauseigenthümer ihren deutschen Miethern erklärt, einen„Prussien“ nicht unter ihrem Dache dul⸗ den zu wollen. Anderwärts haben die übrigen Miether dem Hauswirth mit einem Auszug en masse gedroht, falls er dem„Prussien“, der das Haus durch seine Gegenwart entweihe, nicht auf— kündige Vorgestern hatte der Pöbel von St. Cloud zwei deutsche Spaziergänger ergriffen, um dieselben nach bekannter Melodie ins Wasser zu werfen. Die Dazwischenkunft der Sicherheitsmannschaften hinderte die Ausführung des schamlosen Verbrechens, Versailles. Nationalversammlung. Die Wahlen Faidherbe's und Testelin's im Nord- Departement werden für gültig erklärt. Auf eine Interpellation bezüglich der in Amerika gemachten Ankäufe von Waffen erwidert der Justizminister Dufaure, daß auf die parlamentarische Unt. r⸗ suchungscommission die gerichtliche gefolgt sei und berg verschiedene Ansprachen, gewählie zweite Versammlung bildete unstreitig den Höhepunkt des die Ordnung und Weihe des Festes gestört wurde, die Untersuchungen bereits begonnen hätten. großen Ansprüche, die in dem Kriegsjahre an unsere Gegend gestellt werden mußten, als eine sehr große und ist uns ein Beweis, wie die Noth der evangelischen Brüder im der Zerstreuung im hohen Grade die Theilnahme unserer evangelischen Gemeinden in der Wetterau gefunden Die Collecte, die am Ende des Gottesdienstes ge⸗ sammelt wurde, betrug 25 fl. 45 kr. zu der der Kirchen— vorstand von Reichelsheim aus freiem Antriebe noch 12 fl. 30 kr. hinzufügte. Sie wurde für Montabaur in Nassau bestimmt. Nach der gottesdienstlichen Versamm⸗ lung sand in dem Garten der Post noch eine freie Ver⸗ einigung statt. Hier hielten die Herren Director Schwabe don Friedberg, Pfarrer Weckerling von Montabaur, Decan Marx von Echzell, Professor Köhler von Fried⸗ zwischen welchen der trefflich Reichelsheim durch schöne aus⸗ die Versammlung erfreuie. Diese geleitete Gesangverein von Gesänge Festes. Die Ungebundenheit derselben, ohne daß dadurch ist dem deutschen Charakter und seiner Art froh ernsten Feierns besonders entsprechend und macht unsere Gustav-Adolf⸗ Feste zu wahren Volksfesten. Insbesondere wußte Herr Pfarrer Wecker ling durch seine lebendige Schilderung der Zustäude seiner Gemeinde Montabauc die Versamm⸗ lung in hohem Grade zu interessiren. Der Frauenverein für Friedderg und Umgegend erhob darum noch einmal eine Collecte für Moutabaur, die 286 fl. 7 kr. betrug. Zum Schlusse erwähnen wir noch, daß im nächstan Jahre auf die freundliche Einladung des Herrn Bürgermeisters Best von Assenheim unser Fest in dieser Sladt gefeiert werden wird. Frankfurt. Nach dem„Fr. J.“ kam am Samstag dort ein Zug der Neckarbahn mit 11 Millionen Francs aus Straßburg an, welche auf die hiesige Kreiskasse ge⸗ fahren wurden. Zwei kräftige Einzeiner-Gäule genügten jedesmal, eine Million fortzufahren. Bei der Ankunft wurde der Abgang eines Sackes mit 10,000 Frs. entdeckt, während aus anderen Säcken zusammen 2000 Frs. fehlten. Ueber den Verbleib des Geldes ist bis jetzt noch nichts ermittelt. Frankfurt. Wie man vernimmt, behaupten die Müller an der Kinzig, daß ihnen durch die Fassung der Vogelsberger Quellen zu Zwecken der Frankfurter Quell⸗ wasserleiiung das Wasser in der Kinzig, das sie zu ihrem Gewerbebetrieb bedaͤrfen, entzogen werde. Dieselben er⸗ klären, daß sie gegen das ganze Unternehmen nichts einzu⸗ wenden hätien, wenn ihnen eine beanspruchte Enischädigung von 300,000 fl. gewährt werde. Frankfurt. Hiesige Bläuter melden: Viele junge Leute, welche nach überstandenem Feldzuge in den Kreis ihrer Familien zurückgekehrt sind und sich nun von den Strapazen zu erholen beginnen, klagen außerordentlich über Brustschmerzen und befinden sich deßhalb in ärztlicher Behandlung; auch rheumalische Leiden aller Art haben sich dazu geselli, so daß den jungen Leuten eine böse Per⸗ speclive für die nächsten Monate eröffnet ist. zösischen Hitzköpfe zu beruhigen. Lehrer rashen Jedem vorerst von der Annahme eines französischen Engagements ab, und wenn die Gehaltsfrage Bessungen. Der hiesige Gemeinderath hat in seiner vorletzten Sitzung die Gehälter der hiesigen Lehrer in an⸗ erkennenswerther Weise regulirt und bamit einem bringen⸗ den Bebürfnisse abgeholfen. Vom 1. Januar 1872 be⸗ zieht jeder Vicar 400 fl. Gehalt und es tritt von da an die für die definitiven Lehrer festgestellte Gehaltescal Fön ift, wonach der Minimalgehal! 500 fl. beträgt, welcher durch alle 4 Jahre hinzukommende, immer 100 fl. betragende Gehaltz⸗ zulagen bis zu dem Maximalgehalte von 900 fl. wählt Von der Bergstraße. Von den kürzlich wieder nach Paris berufenen deulschen Lehrern kam die Nachricht, daß ihre Stellung jetzt dort eine sehr beschwerliche sei, ob— gleich die Institutsvorsteher Alles aufbieten, um die fran⸗ Die betreffenden deulschen noch so günstig gestellt würde. a Ems. Dem„Rh. K.“ wird geschrieben: Der Kaiser lebt bekanntlich außerordentlich einfach; seine Wohnung besteht aus einem kleinen Arbeitskabinet(Eckzimmer), mit dem Bildnisse der Kaiserin geschmückt, einem Empfangs- zimmer, Schlaf- und Badekabinet und Speisesalon, Morgens nach der Brunnenpromenade finden die gewöhn⸗ lichen Vorlräge des Militär- und Civilkabinets statt, zur Tafel werden bie Herren aus dem Gefolge gezogen. Ab ends wieder Promenade und dreimal wöchentlich Besuch des Theaters. Späl Abends sieht man den bohen Herrn noch durch's Fenster bei der Lampe an seinem Arbeitspull stehen. In dem Arbeitszimmer befindet sich auch eine Erinnerung an den Kaiser von Rußland. Als derselbe im Jahre 1839 mit seiner Mutter hier zur Kur weille, schnitt er seinen und seiner Mutter Namen nebst Datum in die Fensterscheibe ein. Bei seiner dies⸗ und vorjährigen Anwesenheit dahier han er jedesmal seine Familie an diesen Ort seiner Jugenderinnernng geführt und ihr die einge⸗ schninenen Buchstaben gezeigt.. München. Der biesige Großbräuer(Gabriel Sebl⸗ mayr zum Spaten) dessen einziger Sohn mit dem 1. Infanterie⸗Regiment glücklich aus Frankreich zurückkehrte, nahm nicht nur die Compagnie, bei welcher derselbe sieht, während der zwei Festtage in's Quartier und Verpflegung, sondern gab auch dem ganzen Bataillon ein splendides Kellerfest. Berlin. Dem Wunsche des Reichskanzlers Fürst Bismarck nachkommend, hat der Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten die praktische Prüfung eines von dem Coblenzer Arzt Dr. Struck, derzeit bei der Armee in Frank⸗ reich, angegebenen Verfahrens zur Behandlung der Men⸗ schenblattern angeordnet. Das Verfahren besteht in Ab⸗ waschungen des ganzen Körpers des Kranken mit Holz⸗ essig und soll ebensowohl die Ansteckungsfähigkeit dieser Krankheit auf ein höchst geringes Maß zurückführen, als auch einen sehr raschen und nahezu ungefährlichen Ver⸗ tauf derselben sichern. Dr. Struck wendet diese Ab⸗ waschungen folgendermaßen an: 1) Im Ausbruchsstadlum der Krankheit findet einmal des Tages eine Waschung mit unverdünntem Holzessig statt. 2) Im Stadium der Höhe des Leidens eine dreimalige Waschung im Tage mit einer Verdünnung von zwei Theilen Wasser auf einen Theil Holzessig. Bei besonderer Heftigkeit der Fieberer⸗ scheinungen passen Bäder von 18 bis 22 Grad Wärme und zweckenisprechender Dauer mit 10 pCt. Holzessig. 3) Im Eiterungsstadium sind täglich zweimalige Waschungen des ganzen Körpers mit reinem Holzessig angezeigt. Zum Mundwasser und zu Lokalumschlägen verwendet Dr. Struck eine 10procentige Mischung des Mittels mit kaltem Wasser Eine gute Ventilation des Zimmers, häufiger Wechsel der Leib⸗ und Betlwäsche und ein kühles Verhalten der Haut sind dabei nicht zu vernachlässigen. In Genf werden Deputirte der Hülfsvereine aller europäischen Staaten zusammentreten und kommen hierbei drei Hauptgegenstände zur Berathung: die innere Or⸗ ganisalion und Verwaltung der Hülfsvereine, die inter⸗ narionalen Beziehungen derselben und das Verhältniß derselben zum Kriegsrecht. Die Sitzungen sollen nicht öffentlich sein und nur einen vorbereitenden Charakter für den später folgenden Congreß in Wien haben. Deutsch⸗ land und Frankreich sollen durch je fünf Oelegirte ver⸗ treten sein, die das deutsche Central-Hilfscomite und das Pariser Centralcomite ernennen soll, die übrigen Staa len werden nur je einen Delegirten senden. An den Küsten von Großbritannien und Irland fanden in voriger Woche 22 Schiffbrüche statt, deren Gesammtzahl für das bis jetzt verflossene Jahr 1030 beträgt. 5 In Moskau hören die Feuersbrünste fast gar nicht auf. In der Zeit vom 13. Juni bis zum 5. Juli haben 38 Brände statigefunden; Menschen und Thiere der Feuer⸗ wehr sind vollständig erschöpft und die Löschapparate haben nicht unbedeutend gelitten. Der Verlust, der durch die letzten Brände verursacht worden, wird mit 700,000 R. veranschlagt. Die Braunkohlen der Wetterau und deren Bedeutung für die Industrie. Die Braunkohlenablagerungen der Wetterau, welche nach den Resultaten der bis jetzt unter⸗ nommenen Bohrversuche und nach den bei den seitber betriebenen Bergwerken gemachten Er fahrungen einen Flächenraum von mehreren Quadratmeilen bedecken und darauf in einer Mächtigkeit liegen, welche unbedenklich zu min⸗ destens 20“ im Mittel angenommen werden darf, haben durch ihre gewaltige Masse vielleicht eine 1 1 0 — — Ae mal bböhe, dilta! bol. 90 schen, Judust davon die Re Gegen und a Berit jeder sind, Well der l in de N suchmn Umste und 9 so if aller! Vers⸗ und Koh Eig wer zu pri bei der aud weit größere nationalöconomische Bedeutung, als man bei dem verhältnißmäßig geringen Consum bisher wohl annahm. Die alljährlich geförderten circa 900,000 Centner Kohlen werden fast nur von Haushaltungen oder auch zu landwirthschaft— lichen Zwecken verbraucht, während dagegen die Industrie einen nur sehr untergeordneten Nutzen davon zu ziehen wußte. Vergleicht man damit die Resultate, welche in anderen braunkohlenreicheren Gegenden, in der Provinz Sachsen, in Böhmen und a. a. O. durch den Braunkohlenbrand zum Betriebe von Dampfmaschinen und zu überhaypt jeder größeren Feuerungsanlage erreicht worden sind, so entsteht die Frage, warum nicht auch die Wetterauer Kohle auf die gewerbliche Entwickelung der Umgegend von Einfluß war. Liegt der Grund in der vielleicht geringeren Güte unserer Kohlen? — ist er in deren geringerer Transportfähigkeit zu suchen, oder liegt derselbe nicht vielmehr in äußeren Umständen, in der unrichtigen Art der Verwendung und in den ungünstigen Transportverhältnissen? Was zunächst die Güte der Kohlen angeht, so ist die beste böhmische Braunkohle der Wetterauer allerdings vorzuziehen, auch ist jene mehr für den Versandt geeignet, weil sie überhaupt werthvoller, und dann auch weil sie fester ist. Die sächsische Kohle, vorzüglich die Schweelkohle, besttzt die Eigenschaft, durch Wärme teigartig klebrig zu werden und in diesem Zustande sich durch Druck zu harten, zum Versand sehr gꝛeigneten Briquetts pressen zu lassen. Diese vorzügliche Eigenschaft, bei 600 Wärme gewissermaßen zu schmelzen, geht der Wetteraukohle ganz und gar ab, und es ist auch bis jetzt noch kein einziges Mittel gefunden worden, derselben durch Formen oder Druck eine solche Consistenz zu geben, wie sie für den weiteten Transport wünschenswerth wäre. Alle Versuche, dieselbe durch Stempelpressen oder Schlickeisen'sche Schraubenpressen mit Ziegelschneider oder durch englische Radpressen in Briquetts zu verwandeln, um ihr in dieser Form einen weiteren Absatz zu verschaffen, sind entweder gar nicht, oder nur un⸗ vollständig gelungen; denn wenn auch die Erfolge anzuerkennen sind, welche das neuere Preßverfahren auf den leichteren Transport der Kohlen selbst ausübt, so ist doch dadurch das Absatzgebiet der; selben nicht erweitert und deren Verwendung nicht eigentlich vermehrt, besonders nicht auf den Fabrik- consum ausgedehnt worden. Und in der That, die Wetteraukohle für größere Entfernungen trans- portfähig zu machen, kann böchstens deren weitere Einführung als angenehmes Zimmerheizungs⸗ material bezwecken; für die Industrie dagegen ist und bleibt dies ein vergeblicher Versuch. Der Grund davon liegt sehr nahe: Die Steinkohle nämlich, welche hier zu Lande mit in Concurrenz tritt, hat bekanntlich einen doppelt bis 2½ mal so großen Breunwerth als die Braunkoble, das heißt: mit 2 bis 2½ Centnern Braunkohle ent⸗ wickle ich durch deren Verbrennung nicht mehr nutzbare Wärme als durch 1 Centner Steintohle. Mit andern Worten: durch 1 Etr. Steinkohle kann ich ebensoviel Dampf von einer gewissen Spannung erzeugen als mit 2 bis 2½ Centner Braunkohlen. Kostet daher in einer Gegend 1 Ctr. Steinkohle 30 Kreuzer, so kann ich dafür —(natürlich unter Vorausjetzung entsprechender Feuerungsanlagen)— ebensogut Braunkohlen brennen, wenn dieselben 15, resp. 12 kr. der Centner kosten. Also unter sonst gleichen Um: ständen würde den rationellen Fabrikanten nur der Kostenpunkt zur Wahl des einen oder andern Brennmaterials bestimmen. Nun kostet aber die Braunkohle bei gleicher Transportentfernung natür— lich 2 bis 2½ mal so viel an Fracht als eine gleichwerthige Menge Steinkohle, kann also nur in solchen Entfernungen von den Bergwerken für die Industrie Werth baben, wo sich deren Ver⸗ kaufspreis(Bergwerkspreis nebst Fracht) nicht höher stellt als ¼ bis ½ von dem Ortspreis der Steinkohle.—(¼ bis 1/0); weiterhin kann jene mit dieser schlechterdings nicht mehr concurriren. Es ist also die ungeheure Kohlen- ablagerung in der Wetterau nur dann mit vollem Vortheil zu verwerthen, wenn sie an Ort und Stelle oder doch nicht sehr weit von den Berg— werken zu technischen Zwecken Verwendung finden kann. Dann aber auch ist es von der größten Wichtigkeit, daß der Preis dieses Brennmaterials nicht unnöthig erhöht werde, daß die Kosten für Aufbereitung, für Klötzformerei, für's Pressen von Briquetts wegfallen, mit einem Worte, daß eine Verbrennungsmethode Eingang finde, bei welcher die Kohlen im rohen Zustande verbraucht werden. — Es betragen z. B. die Kosten für Klötzformerei in der Wetterau 3 kr. per Ctr., während die fertigen Klötze zu nur 12 kr. per Ctr. verkauft werden; bei richtiger Art der Verwendung würden also die Kohlen nur 9 statt 12 Kreuzer kosten, mithin durch Umgehung der Formerei 25%% er— spart sein. Um also von Seiten der Industrie die Kohlenlager der Wetterau am vortheilhaftesten auszubeuten, sind folgende 3 Punkte nicht aus dem Auge zu verlieren: 1) verhältnißmäßig niedriger Preis der Kohle, 2) Verwendung derselben im ungeformten Zu- stande, 3) Verwendung derselben möglichst nahe bei den Bergwerken. Was zunächst den Preis angeht, so dürfte derselbe für die ungeformte Kohle nirgends 9 Kreuzer per Ctr. übersteigen, und bei diesem Preise wird man vernunftgemäß einer Kohle von dem Brennwerth der Wetterau zu Kesselheizungen u. s. w. den Vorzug geben, denn es wäre damit gegen die Steinkohlenheizung eine ganz erhebliche Er— sparniß verbunden, eine Ersparniß von 25, be— ziehungsweise sogar 60%, doch setzt dies: Zweitens die richtige Verwendung der Kohle voraus. Man hat besondere Feuerungen für die ungeformte, erdige Braunkohle der Wetterau vor⸗ geschlagen, darunter Treppenröste und Füllöfen. Ein uns bekannter Versuch mit Treppenrostfeuerung ist nicht geglückt, ebensowenig dürften sich Füllöfen empfehlen, welche bei mäßigem, genau bemessenem Luftzutritt eigentlich eine höhere Verbrennungs- temperatur erfordern, als die Wetteraukohle, be— sonders wenn sie nicht vollständig trocken ist, sie besitzt. Es sind aber gewisse chemische Eigenschaf⸗ ten derselben bekannt, welche den Fingerzeig geben zu einer rationellen, äußerst vortheilhaften Ver- werthung. Jedes Brennmaterial, welches hauptsächlich durch langgezogene Flammen wirkt,—(also nicht Glühstoffe wie Holzkohle und Coaks) muß in sich die Grundstoffe zur Bildung von flammgebenden Gasarten tragen und ist zur Flammfeuerung um so vorzüglicher, je mehr sich gewisse Kohlenwasser⸗ stoffverbindungen durch die bei Verbrennung ent stehende Hitze daraus entwicklen. Die Braunkohle der Wetterau besitzt zwar die zur Bildung ge— nannter Gasarten nöthigen Grundstoffe, hat aber, wie überhaupt jede Braunkohle den Nachtheil des verhältnißmäßig zu großen Wassergehaltes, welcher zu seiner Verdampfung eine größere Menge der bei der eigenen Verbrennung erzeugten Wärme ab- sorbirt und dadurch die Heizkraft sehr abschwächt. Wird aber ganz dieselbe Kohle rasch einer Tem- peratur ausgesetzt, welche ihre eigne Verbrennunge⸗ temperatur übersteigt, so scheint weniger Wasser zu verdampfen und ein Theil desselben durch chemische U nsetzung in Kohlenwasserstoff und Kohlenoxpdgas verwandelt zu werden, welche Gasarten ibrerseits wiederum bei gehörigem Luftzutrit unter bedeutender Wärmeentwickelung zu Wasser und Kohlensäure verbrennen. Auf diesem chemischen Vorgange scheint wenigstens die Erscheinung zu beruhen, daß die wasserhaltige, träge brennende Braunkohle mit der kohlenstoffreichen, rusenden, hitzig brennender Steinkohle gemengt, eine erstaunliche Masse flammendes Gas liefert, und zwar weit mehr, als beide Brenn- materialien für sich allein verbrannt zusammen liefern würden. Diese Gasbildung ist so lebhaft, daß bei kleineren Feuerungsanlagen, Stubenöfen u. s. w. leichte Explostonen entstehen, welche sogar das Auseinandertreiben des Ofens zur Folge haben können. Bei großen, stets bellflammend unter- haltenen Feuern dagegen kommen Explosionen nicht vor, weil sich daselbst die Gase bei ihrem Entstehen auch sofort entzünden, sich also nicht an- sammeln können. Dieses Verhalten der Wetterauer Kohle hat den Weg gezeigt, auf welchem sich die- selbe am vortheilhaftessen zu technischen Zwecken nutzbar machen läßt. Steinkohlen mit gleichen Theilen, oder unter Umständen mit 2 und selbst 3 Theilen, Braunkohlen gemengt, liefern ein Brenn- material, welches allen Anforderungen der Kessel⸗ heizung entspricht und besonders bei Nieder- und Mitteldruckdampfspannungen mit dem größten Vor— theil Verwendung findet. Dieser Mischbrand von Stein- und Braun- kohlen ist denn auch wirklich schon in der Praxi eingeführt, hat die gewünschten technischen eso geliefert und ist mit genz nennenswerthen Gelder⸗ sparnissen verbunden, welche in Zahlen ausgedrückt, fast unglaublich scheinen, sich aber factisch auf 25% in einzelnen Fällen noch weit höher be— rechnen. Allerdings setzt dieses Brennmaterial eine richtig construirte Feuerungsanlage, vor Allem eine nicht zu kleine Rostfläche und hinlänglich weiten Kamin voraus. Beispielweise können wir anführen: eine Dampf— maschine von 8 Pferden Kraftäußerung mit Bouil⸗ leurkessel von circa 400 Quadratfuß Heizfläche braucht bei einer Normaldampfspannung von 3 Atmosphären auf einem Rost von 15 Quadratfuß bei einem Fuchsquerschnitt von 4 Quadratfuß in 12 Stunden 3½ Centner Steinkohlen mit 7 Centnern Braunkohle. Eine andere Dampfmaschine von circa 25 Pferden Kraft, welche früher bei einer Dampf— spannung von 2 bis 2½ Atmosphären täglich 30 Ctr. Steinkohle brauchte, erreicht jetzt denselben Zweck mit 15 Ctr. Steinkohlen und 15 Ctr. Braunkohle per Tag, erspart also täglich die Preis- differenz zwischen Braun- und Steinkoblen für 15 Ctr.; was dem betreffenden Etablissement jäh⸗⸗ lich circa 1500 fl. Ersparniß ausmacht. Eine Anlage von 2 eisernen Gasretorten, welche continuirlich hell glühend erhalten werden, brauchte früher per Woche 55 bis 60 Ctr. Stein- kohlen und braucht jetzt 18 Ctr. Steinkohlen und 50 bis 60 Ctr. Braunkohlen und erspart damit gegen früher 50% also gerade die Hälfte vom Geldbetrag. Zwar sind auch Versuche mit diesem Brenn- material fehlgeschlagen, doch war dann entweder der Mangel an gutem Willen von Seiten der Heizer daran schuld, oder es war der Versuch in mangelhaft construirten, oder wenigstens für diese Art Brennmaterial nicht zweckentsprechend einge— richteten Feuerungen angestellt worden. Der Rost muß etwa 3 bis 4“ tiefer liegen als bei Steinkohlenfenerung, um das Brennmaterial dicker schichten zu können, und die Rostoberfläche ist um circa ½ größer zu nehmen als die Rost⸗ fläche für gute Steinkoblenfeuerung. Es empfiehlt sich, auf sogenannten Klinkerrost diese Verbrennung vorzunehmen, d. h. das Brennmaterial auf ein bleibendes Bett von glühenden Schlacken über dem Roste zu schichten, womit eine Art Vorheizung der zutretenden Verbrennungsluft bezweckt wird. Will man aber von dem ungeheuren Kohlen- schatz der Wetterau den vollen Vortheil ziehen, so müssen die Consumenten sich auch den niedrigen Preis der Kohlen ganz zu Nutzen machen, dürfen dieselben besonders durch Fracht nicht unnöthig er höhen, mit einem Worte die Industrie muß drittens in der Nähe der Kohlengruben Fuß fassen, wie sie dies bereits in Sachsen, in Böhmen, bei Cassel und anderwärts mit so glücklichem Erfolge gethan hat. Um aber dies zu ermöglichen, müssen der In- dustrie vorerst die Mittel geboten werden, durch die bestmöglichsten Verkehrswege die Rohmaterialien, beziebungsweise die Steinkohlen herbei und die Fabrikate fortzuschaffen, das heißt das Braunkohlen- revier der Wetterau muß durch Eisenbahnen auf⸗ geschlossen und der Industrie zugänglich gemacht werden. Der unberechenbare Nationalreichthum des Landes, welcher jetzt in Form eines todten Capitals im Schooße der Erde ruht, wird von dem Moment eine Quelle des Wohlstandes für die ganze Gegend, wo die erste Locomotive das Kohlenrevier der Wetterau durchbraust. Es wäre darum an der Zeit, bei den jetzt auftauchenden Bahnprojecten diesen Gegenstand gebührend mit⸗ zuerwägen. C. 8. Tagesordnung: Vorstandswahl, Alle Mitglieder der Gesellschaft, eingeladen. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Generalversammlung Samstag 22. Juli, Morgens 10 Uhr, im Schützengarten zu Wetzlar. Vorträge, gemeinsames Mittagessen und gemeinschaftlicher Ausflug in die Umgegend. sowie alle Freunde der Naturwissenschaften werden zu zahlreichem Besuch der belaanlad igurg Bei Bindernagel& Schimpff ist soeben erschienen: Predigt am Friedens feste den 18. Juni 1871 gehalten e e ee dere von Dr. J. G. Diegel, Professot und Pfarrer. Gemäß der Aufforderung des Friedberger evangel. Kichenvorstandes und auf mehrfachts Verlangen in den Jruck gegeben. Zum Besten der Invaliden des Kreises Friedberg. Preis 6 kr. Vorschuß-& Credit- Verein zu Ftiedbetg. (Eingetragene Genossenschaft.) 1714 Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß unsere Kasse nur von 9 bis 12 Uhr des Vormittags, 2 bis 4 Uhr des Nachmittags an allen Wochentagen offen ist. Der Vorstand: F. Hecht. Weis. Ermus 1834 Für einen Lehrking, der die nöthigen Vorkenntnisse besitzt, ist auf unserm Comptoir eine Stelle offen, die möglichst bald besetzt werden soll. Demselben ist Gelegenheit geboten, sich in allen Kassen⸗Geschäften, sowie Correspondenz und doppelter Buchhaltung praktisch auszubilden. Anträge nimmt der Vorstand entgegen. Vorschuß⸗ und Eredit⸗ Verein (Eingetragene Genossenschaft) zu Friedberg. Bekanntmachung. 1801 Der erfte Fahrtag sür das am 29. und 30. v. M. in den Gräflichen Walddistrikten Uater Bainhards und kleine Diebseiche versteigerten Holzes ist auf Dounerflag den 20. l. M. anberaumt, was hierdurch den Steigerern bekannt ge— macht wird. Wickstadt den 10. Juli 1871. Gräfliche Oberförsterei Assenheim. Schallas. Gras ⸗Versteigerung. 1838 Freitag den 21. I. M., Nachmittags 2 Uhr, soll das dies fahrige Heu⸗ und Grummetgras von den Waldwiesen und Schneisen des Butzbacher Stadtwaldes und an demselben Tag, Nachmittags 5 Uhr, des⸗ gleichen von den Wiesen auf der sogenannten Weide in Abthellungen an Ort und Stelle meisfibtetend versteigert werden. Butzbach am 17. Juli 1871. E Butzbach. ch Arbeits ⸗Versteigerung. 1837 Nächsten Freitag den 21. d. M., des Vormit⸗ tags 10 Uhr, werden mehrere Hundert Klafter Graben— arbeit auf hiesigem Rathhause veraccordirt. Nieder⸗Wöllstadt den 18. Juli 1871. Großherzogliche Bürgermeisteret Nieder ⸗Wöllftadt. e ee Im Bettfedernreinigen, sowohl in hiesiger Stadt als auch über Land, empfiehlt fich Katharina Nees, 1804 wohnhaft in der Zudengasse. 1819 Ein in bester Lage der Stadt Hanau seit vieken Jahren betriebenes Speeereilwaaren- Geschäft mit geräumiger Wohnung ist unter gügstigen Bedingungen baldigst zu vermiethen. Reflectanten belieben ihre Offerten sub Chtffte A. 2703 an die Annoncen⸗Expedition von Rudolf Mosse in Frank furt a. M. einzusenden. Ein freundliches Zimmer mit Cabinet, 179 möblirt, ist zu vermiethen. Zu erfragen bei 151 Expedition d. Bl. Wilhelm Dernbeck, Colonial-, Material- Farbwaaren⸗Handlung in Friedberg 1487 nächst der Burg. 5 Lager in allen Sorten Tabaken und Cigarren. 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