1871. Samstag den 4. März. M27. Oberhessischer Anzeiger. — 5 bezirk e latholsshn 1 dilags⸗ sere katho⸗ sche Wahl Leger Nt. 25 4 Nundschrabe 8.“ so sollt Ned die Wähler t det, die Eucifellu. 5 * Tuck * Mis ebe„ 9 39 4 die naht 1 1 5 N * czirks se 9 Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Intelligenzblatt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten. Versailles, 1. März. Der Kaiserin und Königin in Berlin. Soeben kehre ich von Longchamp zurück, wo ich die Truppen des 6., 11. und 1. bayrischen Corps, 30,000 Mann inspicirte, die zuerst Paris besetzen. Die Truppen sahen vor⸗ trefflich aus. Die Avantgarde ist um 8 Uhr eingerückt, ohne alle und jede Störung. Wilhelm. Versailles, 1. März. Heute Vormittag 11 Uhr bielten Se. Majestät der Kaiser und König auf der Rennbahn von Longchamps am Bois de Boulogne eine Parade über die zum ersten Einmarsch in Paris bestimmten Abtheilungen aller Waffen des 6. und 11. preußischen und 2. baperischen Armeecorps ab. Nach dem Vorbei— marsch rückten diese Truppen in der Stärke von etwa 30,000 Mann in Paris ein und bezogen in der Champs Elpsées, Trocadero und den an— grenzenden Stadttbeilen Quartier. Der vom schönsten Wetter begünstigte Einzug in die Haupt- stadt wurde durch keinen Zwischenfall gestört. v. Podbielskß. —— Versailles, 1. März. Um 10 Uhr wird das elfte Armetcorps die Ehre haben, als erste deutsche Truppe mit fliegenden Fabnen, klingendem Spiel und vollem Kriegspark, 30,000 Mann und 96 Kanonen stark, in Paris einzuziehen. Aus Versailles wird der„Kreuzzeitung“ gemeldet: Die Verhandlungen mit Thiers hatten un letzter Zeit eine sehr scharfe und schwierige Wendung genommen, da Thiers gegen die Ab— tretung von Metz mit äußerster Heftigkeit Wider— spruch erhob und entschlossen schien, eher abzudanken, als die Verantwortlichkeit bierfür zu übernehmen. Vornehmlich soll ihn das Vertrauen auf die ver— meintliche Stellung Englands zu dieser Frage ermuthigt haben. An der Festigkeit der diesseitigen Politik scheiterte sein Widerspruch. Das Einzige, was zugestanden werden konnte, ohne ein wesent— iches Interesse der deutschen Sicherheit zu ge— ährden, war Belfort. Aus Versailles wird der„N. Zürch. Ztg.“ nitgetbheilt, nach Kassel sei Weisung gegangen, daß Napoleon mit dem Tage des Friedens Wilhelmshöhe zu räumen habe; der Exkaiser wird zun, wie man sagt, sein Exil in der Schweiz durchmachen, um„seinem lieben Frankreich nahe u bleiben.“ Deutschland. Darmstadt, 1. März. 2. Kammer. Eine Antwort des Finanzministeriums auf eine Inter- ellation des Abg. Möllinger wegen einer dem Heichstag zu machenden neuen Vorlage, die Ein— ührung einer Fabrikatsteuer auf Branntwein betr., sisagt, daß der Regierung nichts davon bekannt ei, daß eine solche Vorlage erfolge. Die Berathung über das Polizeistrafgesetz, resp. die durch das Hundesstrafgesetz bedingte Abänderung desselben ird fortgesetzt.— In einer am Nachmittag statt— sefundenen Sitzung wurde über den zu 231,000 fl. wranschlagten Bau eines Justizpalastes beratben. Cust alle Redner sprachen sich für die Nothwendig— it des Baues aus. Bei der Abstimmung wird ein vom Abg. Curtman gestellter Antrag auf Vertagung mit 18 gegen 12 Stimmen abgelehnt, bingegen die Regierungsvorlage mit 19 gegen 11 Stimmen angenommen, das Ansinnen, die Stadt Darmstadt zur unentgeltlichen Abtretung des Bau— platzes zu veranlassen, mit 18 gegen 12 Stimmen verworfen, worauf sich die Kammer auf unbestimmte, jedenfalls längere Zeit vertagt. — Dem Prinzen Heinrich von Hessen, Commandeur einer combinirten Gardecavalerit- Brigade ist am 1. März das eiserne Kreuz erster Klasse für sein tapferes Verhalten in der Schlacht von St. Quentin an 19. Jan. verliehen worden. Mainz. Die Transporte des in Frankreich erbeuteten Kriegs materials bedeutenderen Umfang an. So passirte vor einigen Tagen, von drei Maschinen dugsirt, ein Zug von 80 Wagen hier durch nach Berlin. Seine Ladung bestand ausschließlich aus französischen Bronce- Geschützen. Berlin. Das Kriegsministerium hat schon eine beträchtliche Zahl von Lazarethen auf— gehoben. Im Ganzen sind dabei etwa 20,000 Lagerstätten eingegangen. Es bestehen aber noch so viele Lazarethe, daß sie selbst einem weit stär— keren Bedürfniß, als dem jetzt noch vorhandenen, genügen würden. Die in anderen deutschen La— zarethen sich befindenden preußischen Kranken und Verwundeten, sofern sie transportsäbig sind, wer— den nunmehr nach inländischen Lazarcthen über— geführt. Ebenso siedeln andere deutsche Bewohner diesseitiger Lazarethe nach ihrer Heimath über. Aus Anlaß dieser Verlegung finden gegenwartig viele Transporte von kranken und verwundeten, Kriegern statt. — Obgleich die englischen Zeitungen durch ihre bitter tadelnde Besprechung der Präliminarien die französische Kriegspartei ermuthigt haben, wird die Annahme durch die Nationalversamm-⸗ lung keineewegs bezweifelt, weil Thiers und die Commission sonst zurücktreten würden. — 1. März. Neueren Bestimmungen zusolge ist der Zusammentritt des ersten deutschen Reichs- tages vom 16. März auf den 20. März ver— schoben. München. Die„Allg. Ztg.“ meldet: Bayern erhält Landzuwachs im Elsaß(Weißenburg) mit mehr als hunderttausend Seelen.— Die Kriegsentschädigung berücksichtigt die 30 Millionen von 1866. Bordeaux, I. März, 1 Uhr Nachts. Die National-Versammlung hat die Friedenspräliminarien mit 546 gegen 107 Stimmen angenommen. Frankreich. Paris, 27. Febr. Die Directoren von 43 Journalen haben ein Manisest erlassen, in welchem sie die Bevölkerung auffordern, die Ruhe und Würde zu bewahren, welche die Umstände gebieterisch forderten. Gleichzeitig wird mitgetheilt, daß die betreffenden 43 Journale während der Occupation nicht erscheinen werden. — Die Börse und die Theater bleiben bis zur Wiederräumung der Stadt geschlossen. — 27. Febr. Das„Journal ofsiciel“ be— richtet über die gestrigen Unruhen, daß die Auf— rührer einen Polizei-Agenten in die Seine warsen. Der Polizei- Agent, dem es zuerst gelang, das Ufer zu gewinnen, wurde wieder zurückgetrieben nehmen immer und ertrank. Magistratepersonen, die ihn retten wollten, mußten sich flüchten, um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen. Die Journale loben Thiers, daß er lieber den Einzug in Paris bewilligt, als Belfort auf gegeben habe. — Eine Proklamation, unterzeichnet von Thiers, Favre, Picard, an die Bewohner von Paris sagl:„Die Regierung wendet sich an Euren Patriotismus und Eure Weisgbeit. In Euren Händen ruht das Schicksal von Paris und Frankreich. Von Euch hängt es ab, beide zu retten oder zu verderben. Nach heldenmüthigem Widerstande hat Euch der Hunger gezwungen, die Forts auszuliefern. Nachdem die Armeen binter die Loire zurückgeworfen waren, sah sich die Re⸗ gierung genöthigt, Unterhandlungen zu eröffnen. Sie that, was nur menschenmöglich ist, um weniger nachtheilige Bedingungen zu erlangen. Die Ver⸗ längerung des Waffenstillstandes konnte aber nur unter der Bedingung riner zeitweiligen Occupation tines Theiles von Paris erlangt werden. Wenn die Convention nicht geachtet, der Waffenstillstand gebrochen wird, so würde der Feind die ganze Stadt besetzen. Ganz Frankreich würde dem Unglück preisgegeben sein. Die Verbeerungen des Krieges, welche sich gegenwärtig nicht über die Loire hinaus erstrecken, würden bis zu den Pyrenäen getragen werden. Wiederholt also nicht den Febler Derjenigen; welche vor acht Monaten nicht glauben wollten, als wir sie beschworen, den Krieg nicht zu unternehmen. Die französische Armte wird die Ausfübrung des neuen Waffenstillstandes sichern und die Nattonalgarde ihr behülflich sein, die Ordnung auftecht zu erhalten. — 28 Febr., Mittags. Die Aufregung nimmt ab, ohne in einigen Vorstädten ganz geschwunden zu sein. Die Proklamation der Regierung und ein Tagesbefehl Vinop's sind von guter Wirkung. Alle Journale, selbst die radikalsten, empfehlen Ruhe und Würde. — 28. Febr., Abends. Der heutige Tag ist ruhiger verlaufen, indeß sind die beunruhigen— den Anzeigen in einigen Stadtvierteln noch nicht verschwunden. Umfassende Vorkehrungen sind getroffen worden, um zu verhindern, daß die Exaltirten die Deutschen angreifen. Es wird nöthig sein, den von den Deutschen be— setzten Stadttheil mit einem Truppencordon zu umgeben. Der gemäßigte Theil des Publicums macht große Anstrengungen, um die Gährung zu beschwichtigen. Man hofft so Conflicte zu vermeiden. — 1. März, Mittags. Mehrere deutsche Bataillone sind um 7 Uhr, um Quartiere zu machen, in die Stadt eingerückt. Um 8 Uhr baben dieselben den Industriepalast besetzt. Einige Detachements sind auf der Place de la Concorde erschienen. Eine kleine Anzahl Neugieriger wohnte ihrer Ankunst bei; keine Demonstration fand statt. Ein Cordon, aus französischen Truppen und Nationalgarden gebildet, verhindert den Eintritt uniformirter Personen in die von den deutschen Truppen besetzten Stadttheile. Die Haltung der Nationalgarde ist im Allgemeinen eine rubige; kein beklagenswerther Vorfall hat stattgefunden. Das Gros der deutschen Besatzungstruppen stebt im Bois de Boulogne, wo es Revue passtren wird. Dasselbe wird um Mittag in Paris ein- zieben. Die besetzten Stadttheile sind beinahe verödet, die Thüren und Fenster sind geschlossen; in anderen Stadtvierteln, besonders auf den .—————— —— Boulevards und in der Rue Rivoli, sind gleich ⸗ falls die Läden und Kaffeehäuser geschlossen. — 1. März. Die Stadt ist vollkommen ruhig, die meisten Kaufläden geschlossen. An der Porte Maillot und dem Are de triomphe stehen Volksmassen, die jedoch keine feindlichen Demon⸗ strationen machen. Die deutsche Infanterie, die durch die Avenue Friedland warschicte, zeigt bereits das beste Einvernehmen mit den Concierges und Bonnen. Das Wetter ist trübe. Die deutschen Truppen seben vorzüglich aus. — 1. März, 4 Uhr 15 Min. Nachmittags. Der Einmarsch ist obne die mindeste Störung vor sich gegangen. Die Place de la Concorde, das Quai und die Rue Rivoli sind durch ver— schiedene mit Artillerie besetzte Barrikaden abge- sperrt. Der Berichterstatter des„Daily Telegraph“ spricht sich sehr begeistert über den Mutb des ersten preußischen Offiziers aus, der die Place de la Concorde betrat: es war ein zwanziglähriger Lieutenant vom 14. Husaren- Regiment. Der Correspondent der„Times“ rühmt die prachtvolle Haltung der Truppen. Es seien Anfangs nur wenige Zuschauer sichtbar gewesen, späterhin babe die Neugierde ihre Zahl vermehrt. — Wie die Zeitungen melden, haben sich in der Nacht vom 27.— 28. Febr. statt der 100,000 Kämpfer, auf welche die Häupter des Wider— standes rechneten, nur 10,000 eingefunden, welche den Preußen mit Gewalt entgegenzu— treten entschlossen waren. Sie sind diesen Morgen ermüdet zurückgekehrt. Die Regierung — Thiers, Favre, Picard— mahnt in einer neuen Affiche zur Ruhe. — Aus Paris melden die„Times“ vom 28. Febr. Das Bekanntwerden der Friedensbe⸗ dingungen wirkte wie ein Donnerschlag. Die Stadt ist rasend. Die Gemäßigten sind wie be— taͤubt. Das preußische Hauptquartier soll in's Elysee verlegt werden; dort wird der Kaiser, wenn er kommt, ein Frühstück einnehmen und nach einem balben Tage Aufenthalt nach Ver- sailles zurückkehren. General Aurelles de Paladines ist zum Commandanten der Pariser Nationalgarde bestimmt. Bordeaux, 28. Febr. Thiers kam um 2 Uor an, begleitet von den Friedenscommissaren. Derselbe begab sich sofort nach dem Burcaux der Nationalversammlung. Nach kurzer Beratbung entschloß man sich zur Abhaltung einer öffent- lichen Sitzung. Victor Lefraux wird Namens der Commission berichten. — 28. Februar. Thiers legt der Nationel- versammlung die Frietenepräliminarien vor. Die- selben lauten: Art. 1. Frankreich verzichtet zu Gunsten Deutschlands cuf ein Fünftel Lothringens, einschließlich Metz und Thionville, ferner auf ganz Elsaß, ausgenommen Belfort. Art. 2. Frank⸗ reich zahlt fünf Milliarden Francs. Davon eine Milliarde im Jahre 1871, den Rest der Summe im Laufe dreier Jahre. Art. 3. Räumung der occupirten Departements beginnt nach Ratification der Friedenepräliminarien. Die deutschen Truppen räumen aldann das Innere von Paris und ver— schiedene Departements West- Frankreich. Die Räumung der übrigen Departemente erfolgt schritt— weise nach Zahlung der ersten Milliarde und nach Maßgabe der erfolgten Zahlung der übrigen Milliarden. Für die Restbeträge zahlt Frankreich 5 pct. Zinsen vom Tage der Ratification an. Art. 4. Die deutschen Truppen werden sich in den occupirten Departements der Raquisitionen enthalten. Ihr Unterhalt erfolgt aber auf Kosten Frankreichs. Art. 5. Den Bcvölkerungen der anectirten Gebiete wird eine Frist gewährt, um zwischen der deutschen und französischen Nationalität zu wählen. Art. 6. Die Kriegsgefangenen werden sofort zurückgegeben. Art. 7. Die Eröffnung der definitiven Friedensver handlungen erfolgt zu Brüssel nach der Ratisication der Präliminarien, Art. 8. Die Verwaltung der occupirten De— partements wird französischen Beamten anvertraut, die unter dem Befehle deutscher Corps-Generale stehen. Art. 9. Gegenwärtiger Vertrag über— trägt keinerlei Rechte auf nicht occupirte Häsen oder nicht occupirtes Gebiet. Art. 10. Gegen- wärtiger Vertrag wird unterbreitet der Ratification der Nationalversammlung. — 28. Febr. Die heutige Sitzung war sehr stack besucht, nur wenige Deputirte fehlten. Louis Blanc und Victor Hugo waren anwesend Die Verlesung der Friedensbedingungen wurde mit tiefstem Stillschweigen entgegengenommen. Nach- dem der Deputirte Barthelemy St. Hilaire, Mit, glied der Friedenscommissien, die Friedensprä⸗ liminarien verlesen, brachte er ein Attenstück zur Kenntniß der Versammlung, welches den Einzug der 30,000 Mann deutscher Truppen in Paris regelt. Die Regierung verlangt die dringliche Berathung des Präliminarvertrages. Ein elsässischer Deputirter verlangt Vorlesung der Specialbestim⸗ mungen bezüglich der künftigen Grenzlinie. Thiers ergreist das Wort, um nochmals die dringliche Berathung zu befürworten; er spricht sich dahin aus, daß der Beschluß nicht die vollständige Ver⸗ zichtleistung auf eine Berathung dis Vertrages bedeuten würde. Es sei nur höchst wichtig, die Discussion nicht zu verschieben. Wenn man gegen- wärtig von Schande für irgend Jemanden sprechen wolle, könne sie nur Diejenigen treffen, deren Ab- stimmungen jederzeit dazu beitrugen, den Unter- gang des Landes herbeizuführen. Thiers schließt mit einem ergreifenden, leidenschaftlichen Appell an den Patriotismus der Versammlung. Dem Antrag der Regierung entsprechend, beschließt die Versammlung die dringliche Berathung — 1. März. Die Sitzung der Nationalver— sammlung begann um 1 Uhr Nachmittags. Zwei Mitglieder protestiren gegen jede Gebieksabtretung. Hierauf erklärt der Berichterstaster der Friedens- commission Lefranc, die Beschlüsse der Commission seien einstimmig gefaßt worden. Es sci ein Gebot des Patriotismus, für die Friedenspräliminarien, wie sie sind, zu stimmen. Alles, was die Sach— lage gestattete, sei geschehen, die Ebre Frankreichs sei gerettet. Der Redner begründet alsdann die Annahme der Präliminarien; die Ablehnung derselben würde die Besetzung von Paris, die Ueberfluthung Frankreichs durch den Feind zur Folge haben. Lefrane fordert die Versammlung auf, sich nicht der Verzweiflung zu überlassen und bittet schließlich, Niemand möge sich der Ab— stimmung enthalten. Edgar Quint protestirt energisch gegen die Annahme der Präliminarien, welche die Gegenwart und die Zukunst Frankreichs vernichten würden. Man glaubt die Sitzung werde heute nicht geschlossen, ohne daß über die Präliminarien abgestimmt worden sti. Ein Extrazug steht fortwäbrend zur Abfahrt nach Paris bertkit. — 1. März. Im Verlaufe der heutigen Sitzung der Nationalversammlung hielt Conti, der frühere Chef des kaiserlichen Cabinets, eine Rechtfertigungsrede für das Kaiserreich. Die Versammlung beschließt durch Acclamation eine Resolution, durch welche die Absetzung der na— poleonischen Dynastie nochmals ausgesprochen und der Kaiser für das gegenwärtige Unglück Frankreichs verantwortlich erklärt wird. — Alle Journale bedauern die bis jetzt be⸗ kannt gewordenen Friedensbedingungen, rathen aber zur Annahme derselben, behufs der noth— wendigen Reorganisation Frankreichs. Ein Trost sei die Hoffnung auf eine günstigere Zukunft. Der„Siecle“ verzichtet auf eine Besprechung der Situation. 0 R. Friedberg. Die am 10. d. Mis. staltgehabie Gcnetalversammlung des Mathildenstiftes hat bekanutlich zu Ausgaben für Erfrischung der aus dem Kriege kem⸗ menden, den biesigen Bahnhof passirenden verwundeten und kaanken Soldaten einen Credit von 2000 fl. ver willigt und sind seitdem bis zum Schlusse des nun ab— gelaufenen Monats in 11 Extrazügen zusammen 4694 Mann und in 19 fahrplanmäßigen Personenzügen in jedem 50 bis 60 Mann hier durchgekommen, nach Mög— lichkeit verpflegt und dafür laut contrelitter Rechnung 35 1 fl. 8 k., also im Durchschnitt per Minn circa Silbergroschen gebraucht worden, was cine Verschwen⸗ dung gewiß nicht wird genannt werden können. — VBerloos ungen. Wien, 1. März. In der heutigen Ziehung det österrelcthischen Prämien- Auleibe von 1863 fielen folgende Hauptzewinne: auf Serie 3261 Nr. 28 20,000 fl., Serie 1,92 Nr. 86 50 000 fl., Serie 3755 Nr. dg 15 000 fl., Serte 3261 Nr. 78 10,000 fl. Ferner wurden gezogen die Serien 530 700 2168 2596 3003. T Friedberg, 2. März. Das war heute Abend ein Fest von dem der Festredner mit Recht sagen konnte, daß Kindeskinder noch davon er⸗ zählen und in der Erinnerung daran schwelgen werden, so freudig und begeistert, so würdig und erhebend. Nachdem der in Persailles vollzogene Friedensschluß schon einige Tage bekannt gewesen, wartet: man von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde auf die Nachricht von der Genehmigung derselden durch die französische Nationalversamm- lung zu Bordeaux. Heute Mittag nun zwischen 2 und 3 brachte ein Zug beimkehrender Kranken und Verwundeten diese Nachricht hierher. Ihr Freudenschießen aus den Eisenbahnwagen heraus lockte eine große Menge an die Bahn, doch wußte man trotz ihrer zuversichtlichen Versicherung noch nicht recht, woran man war, bis gegen 4 Uhr Glockengeläute von unseren beiden Kirchen die frohe Kunde über unsere Stadt hin trug“). Da erfüllte jubelnde Freude alle Herzen. In den Straßen wurde es lebendig, die Häuser wurden beflaggt und die letzten Vorbereitungen zur Illu⸗ mination der ganzen Stadt auf den Abend ge— trossen. Einstweilen trugen gewaltige Böllerschuͤsse von der Seewiese aus die Freudenbotschaft hinaus in die Umgegend. Um 7 Uhr Abends verkündete abermaliges Glockengeläute den Beginn der eigentlichen Feier, und nun wogte eine zahlreiche Menschenmenge von Stadt und Land, so groß sie die breite Straße fassen konnte, inmitten der im strahlenden Licht glanz prangenden Häuser auf und ab, hie und da besonders angezogen von der Schönhtit des Lichterschnucks, von auf die Feier bezüglichen Aufschriften oder transparenten Bildern, unter denen man vielfach die„Germania“ und das Bild unseres greisen Heldenkaisers Wilhelm be— merkte. Es ist in der That blendend schön, eine Stadt im Fahnenschmuck und im Glanz einer Illumination; doppelt schön aber und erhebend, wenn all' die Pracht der Ausdruck ist einer großen Idee, die dadurch verherrlicht werden soll. Das war keine gewöhnliche Festfreude einer lär— menden Menge; man merkte es der feierlichen Stimmung, die überall herrschte, wohl an, daß man durchdrungen war von dem Gefühl: es gilt hier der Feier des Abschlusses einer ewig denk— würdigen Zeit mit ihrer unsäglichen Gefahr für unser Vaterland, ihren Großthaten und den durch sie unserm Volke errungenen Gütern der Einheit und Machtfülle der deutschen Nation. Um 8 Uhr ordnete sich in der Burg ein imposanter Fackelzug, der seinen Weg durch die breite Straße nach dem Haagk und der Eisenbahn und von da durch die Usagasse nach dem Rath⸗ haus nahm, wo die Festmenge sich nun zum wür⸗ digen Abschluß concentrirte. Zunächst erscholl aus tausend Kehlen der Choral:„Nun danket Alle Gott“ zum stillen Nachthimmel empor. Als hierauf Herr Dr. Köhler, Professor am biesigen Prediger Seminar, das Wort ergriff, um dem, was Aller Herzen bewegte, einen passenden Aus⸗ druck zu geben, da lauschte die weithin Kopf au Kopf slehende Versammlung in andächtiger Stille der markigen Rede, um mit donnerndem Jubel einzustimmen in das vom Redner am Schluß aus⸗ gebrachte Hoch auf den Kaiser Wilhelm„den Siegreichen“. Wir würden nicht unterlassen, den Inhalt der Festrede wenigstens andeutungsweise mitzutheilen, wenn wir nicht glaubten im Namen Vieler den Wunsch aussprechen zu sollen, es möchte dieselbe, ein wahres Meisterstück einer Volksrede, zum Besten der Bewirthung der heimkehrenden Krieger oder des Invalidenfonds durch vollständigen Abdruck in die Oeffentlichkeit gelangen. Möge der Lenker der Völker es geben, daß wir, die wir dieses Friedensfest gefeiert, keinen Krieg mehr erleben. *) Der Berichterstatter bat irrthümsich das Glecken⸗ geläute als Zeichen der Ankunft der o fieiellen Dapesche angeseben. Eine solche ist zur Stunde noch nicht da; doch haben wir darum das Friedensfest nicht vergeblich gefeiert. Anm. d. Red. 7 soaden Amin eint Apeadu 0 elan ö gerich 0 —— 60 „ 15 We e e det 0 3 N 7 2 2 „ ne Edict ba n. Versteigerun g. Vorschuß- und Credit-Perein zu Friedberg. 0 duden 9 Das Sckuldenwesen des peln rich 495 Montag den 6. März, Vormittags 9 Uhr, wird dan eln Aer IV. von Münzenberg 12 7. a e e fort⸗ 1. r . N etreffend. gesetzt un ommen Bettwerk, eißzeug, Kleidung, us weis pro ebruar 8 1 W. u 9 Heinrich Löschborn IV. von Münzendera bat] Gold, Süber und Taschenuhren zum Aus gebot. 9 ö e, eee term 10. d. M. unter Zustimmung seiner Ebefrau Friedberg den 3. März 1871. Einnahme. de dein ind Schwiegermutter, der Wütwe des Delnr. Gorr IV., Groß herzogliches Ortsgericht Friedberg. Kasse⸗Bestand pro 1. Febr. 1871 fl. 4994. 39 de S, et seinen gerichtsbekannten Gläubigern ein Arran Fo uc ar. Wechsel 1 3376. 6 der Ger, Slang sment adgeschlossen.—* r Depositen„ 2080.— Na beigen Unter Geslattung der Acteneinficht auf unsrem Actuarsat Frucht ⸗Versteigerung. Ink osso⸗Wechsel„ 1830. 48 rang, verden die unbekannten und die zu dem Vergleichs- 497 Dienstag den 7. März l. J., Nachmittags 2 Uhr, Conto-Corrente„25565. 13 na n ils tmin geladenen, aber nicht erschienenen Gläubiger des werden von den Frochtvorröthen des blesigen Armen— Spar⸗Einlagen„ 5800. 35 Ainnter 8* einrich Loͤschborn IV. aufgefordert, ibre etwaigen Ein fende 100 Matter Korn Darlchen„ 2130.— K birrg,* wendungen gegen dieses Arrangement sogew 9 innerhalb auf blefigem Ratbbause öffentlich melstbtetend versteigert. Stamm⸗Antbeile, Monatsbeiträge„ 92. 30 8 Wochen, vom ersten Erscheinen dieses in öffentlichen Friedberg den 3. März 1871. Reservesonds, Beitritt 5 12.— — dagen deranz klättern, geltend zu machen, als sonst das Arrangement Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. 1 Jahresbeiträge 3 1.17 Dein dag da, arichllich bestätigt end volllogen werden wird. F o ue a r. Wechsel⸗Zinsen„ 19 gan ee Bus bach den 16. Fedtuar 1871 f f Depesiuen⸗Zinsen 8 56. 31 0 0 fech Großberzogliches Landgericht Butzbach. F r u ch t- Ver st e i gerung. Mobilen und Utensilien, Spar— 11* 4 l Dr. Gtlmer, Königer, 496 Oiensiag den 7. März l. J., Nachmitlags 2 Ubr, Einlage-Bücher 4 1. 18 n Landrichter. Landgerichts-Assessor. werden von den Fruchtvorrätben des Augufltnerschulfonde Asie⸗Gewinn auf Sorten. 48185 40 % 9. 5; 33 Milter Korn 45 40 derten. u, G üter Ver st eigerung. auf hiesigem Ratbhause öffentlich meistbietend versleigert. K 1 18 ke 26 ODienstag den 7. März d. J., Vormittags 11 Ubr, Friedberg den 3. März 1871. Ausgabe. dean ellen im biefigen Ratbbause auf freiwilligen Antrag Großherzogliche Bürgermeißerei Friedberg. Wechsel fl. 6926. 53 ien er zn, is Deinrich Hilgentelner zu Okarden die dem⸗ Rouc ar. Depositen 1350.— u n Nun eben in Friedberger- und Fauerbacher⸗ Gemarkung zu. 7 5—— Fonto⸗Co f 5 en g tebenden Güterftücke e 5 Nan 85 5: 1 Auswärtige Correspondent 3 ee ee e e e ee Holz⸗Versteigerung. an““ 4 4 teich dingt ur. Nr. Klftr.* Darleben n 12 1. 107. 153. Gradgarten om alten Haingraben, 490 Aus den Freiberrlich v. Franckenslern'schen Mobilien und Utensilien 5 20 20 * 1. 108. 204. Grebgarten daselbst, Walddisteieten Allmep, Boruwäldchen und Klappertannen Stamm⸗Antheile, Dividenden 54 rde 2 68. 167. Grabgarten Lieb frauengärten, kommen zur Versteigerung: Spar⸗Einlage⸗Zinsen b 22. 27 516 Gemarkung Fauerbach. 1) Montag den 13. März. Darlehen-⸗Zinsen 15. 17 —.* At 4. 231. 203. Acker auf der Leimenkaute, 10 Stecken Buchen⸗Schei holz, Wechsel⸗Spesen 5 1. 10 W entlich meindletend auf 6 jädrige Zabh termine ver⸗ 1½„ Eichen⸗ f Unkosten b 11. 22 3 teigert werden. Bet annehmdaren Gedoten wird die 33 7 Eichen- und Birken Prügelbolz. Kasse⸗Bestand pro 1. März 1871 3 515 Zenehmigung alsbald ertdellt. 19„ Nadel ⸗Prügelbolg, fl. 48139. 40 Friedberg den 23. Februar 1871 4%„ Buchen Stockbolz— 7 Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. 12 n nenn Eingang. Ausgang. 3 n= . ersche * 3 var! Nuts des .* nt t. ter an die 6 gamen 5** e Ney! aer Eil * 5 rutts 77 1 Scl 1 C 1 Siltels; 1540“ 0 be 7 ah 5 Rieltt d een he inte un be. eig“ 8 11 7 1 1 161 9 * * 1 74 1* 2 8 o u c a r. Holz-Verstei Holz-Versteigerung. 405 Dlenfsag den 7. März l. J., Vormittags 10 Uor. werden in den OGräflich Leiningen, schen Wald⸗ üstricten„Jungfernwald⸗ und„Eicherock- bei Ilbenstadt zachstebend verzeichnete Holzquantitäten öffentlich an en Meifibletenden verstelgert: 18 Stecken Eichen Scheitholz Prügelholz 8 8 5 1 1 Kirschen⸗ 4 2 7 Birken⸗ 0 12* Etlen⸗ 5 2„ gichten⸗ 5 12 0 Eichen⸗Stockhol!, 2½„ Fichten: 800 Stück Buchen-Wellen, 5250— Eichen 5 2000„ Birken⸗ 5 1300— Erlen„ 2100— Salwelden⸗ 400„ Fichten⸗ 5 1000„ Kiefern- 13 Eichenstämme von 11— 20“ mittl. Durch- messer und 20-30 Länge, 1 Lärchenfsomm von 457 Länge und 9“ miitl. Duichmesser, 19 Fichtenamme von 35— 627 6-12“ mittl. Durchmesser, 100 Stück Kiesern⸗Baumstutzen. Gegen genügende Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis —Sepiemder d. J. gestaltet. Schloß Ilbenftadt den 25. Februar 1871. Gräflich Leiningen sche Renie. Blera u. Vergebung von Pfasterarbeit. 188 Dtenstag den 7. März, Vormittags 10 Ubr, soll nie Umlegung von schadbastem Gossenpflaster u. f. w. in zer Orteturchfahrt zu Nidda, betanschlagt zu 210 fl., im Gafthuus zum Darmstädter Hof daher, an den Wenigstfordernden öffentlich in Accord gegeben werden. Nidda den 1. März 1871. Großherzogliches Krelsbauamt Nidda Wet lier. — Mobiliar-Versteigerung. 43 Mitwoch den 8 März l. J., Vormsttags 9 Ubr enfangend, läßt die Ugterzeichnete erbvertbeilungsbalber u ihrer Bebausung folgende Gegenflände öffentlich meist Hetend versteigern, als: 1 viersäbrides Pferd, 1 trächtige Fabrkuh. 2 Schale und 1 Lamm, 2 Schweine(Läufer). m einspännigen Wagen mit Zubehör, 1 Spitzpflug, 1 Egge, 1 Häckse bank, 1 Fruchtsegemühle, 1 D dwurzmüh ee, 1 Acpfel mühle, 1 große Kelter, verschiedere grohe und kleine Zässer, 1 Partie Kelten, Plerde- und Kuh geschirre, 1 gut gehaltenen glügel und noch sonstige Daus und Oeconomie.Gerälbschaften. Reinhard Stier Wittwe in Reichelsheim Ein Wagen Bettstroh Lange und 1575 Wellen Buchen⸗Neis holz 11000— Eichen- und Buken Reis holz. 30600„ Nadelholz und Aspen⸗Nels holz 2) Dien stag den 14. März. 2 Stecken Buchen Scheitholz, 116%„ Kiesern⸗ 8 12 5 Eichen und Birken Prügelbolz, 33 85 Kiefern Prügelbolh, 2 Birken Stockholz, 30 8 Kiefern 8 450 Wellen Buchen-Resebolz, 9000„ Eicden- und Birken Rersbolz 5350„ Nadelholz und Aspen⸗Retsbolz. Zusammerkanft an beiden Versteigerungetagen Mor— 7 Ubr im Dislrict Allmep in der Näße des Loͤwen⸗ ofes. Credu bis 1. Sep ember 1871. Ockstadt den 3. Maiz 1871. Der Freiherrlich v. Ftanckenstein'sche Oberförster Rumpf. 2 22 2— 2 1e). 28 1 N 28 Dee SSS . 82 28 28 E S S8 228 E 2— S 282* 9 S 2= 8 868 2 28 82285 — 2 8 52 8 4 38 — S 8 — 2 9 8 f 8 7 2 2 Das Flacon Pastillen, in welchem die Salze aus einem Litre Rakoczp entbaften, konet 30 kr.— Nur alleln ächt in Frtedbderg bei Hefapotbeker C. Görtz. Kgl. Baier. Mineralwasser Versendung. 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L. 360 durch de Annoncen Expedition von G. Adam Hoffmanns Wittwe. den 8. März slatt. Vorminags 10 Uhr Hochamt mit L. Daube& Comp. in Frankfurt a. M. erbeten. Ei U 0 5 Segen und Predigt; darauf den Tag über die Vetslunden.“ Wi. r üdch Beginn des Gottesdienstes an den anderen Wochen⸗ f Leere 8 el 1 1 Il rabes Dienstm el, tagen Morgens 7½ Uhr. n 0 7 500 wesches bürgerlich kochen kann, wird gegen hohen Lohn zu zwel allesnstehenden älteren Leuten gesucht. Nähere Verantw. Red.: Hermann Schimpff Auskunft bei der Erped. d. Bl. 0 390 zu Pfuhl ꝛc. ꝛc., bel Georg Groß. Druck und Verlag von Bindernagel& Schimpff. — Das Unterhaltungsblatt wird erst mit der ofsieiellen Friedens Depesche ausgegeben. 2