deut 2. 1 „ Saarbrücen, n den rü, 1 Samstag den 13. August. N95. berhessischer Anzeiger. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Znutelligenzblalt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Amtlicher Theil. Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publieiren: Nr. 38. sub 1. Verordnung, die Taxe der Eichgebühren betreffend.— sub 2. Bekanntmachung, die Aufnazme von Branntwein, für welche Steuervergütung geleistet wird, in öffentlichen Niederlagen betreffend. Friedberg den 11. August 1870. Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp. Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes publizirt worden. Nr. 33. Nr. 543. Gesetz, über die Ausgabe von Papiergeld. Vom 16. Schatzanweisungen im Betrage von 20,000,000 Thlr. Vom 31. Juli 1870. Nr. 545. Jun 1870.— Nr. 544. Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe verzinslicher Die Ernennung eines Vereinscontroleurs bei dem Hauptzollamte Lindau. B Ff ig wm N 1 ch nag. Betreffend: Die Ausführung des Voranschlags für die Kreiskasse des Kreises Friedberg in 1870. Der Kreis Friedberg, vertreten durch den Bezirksrath und die unterzeichnete Behörde, ist zur Erfüllung der ihm nach dem Gesetze über die Kriegsleistungen vom 11. Mai 1851 obliegenden Verbind⸗ lichkeiten demnächst in der Lage, Kapitalien zu einem noch zu be— stimmenden Zinsfuß aufnehmen zu müssen und haben wir in der Sitzung des Bezirksraths vom 23. v. M. die Ermächtigung zur Auf, nahme von Darlehn im Bedarfsfalle im Gesammtbetrag bis zu 25,000 fl. erhalten. Indem wir demzufolge Diejenigen, welche gesonnen sind der Kreiskasse die benöthigten Kapitalien, in allen beliebigen Beträgen, darzuleihen, auffordern, diese ihre Ab- sicht umgehend schriftlich oder mündlich bei uns kundzugeben, wird bemerkt, daß die Darlehen durch die sämmtlichen Gemeinden und selbstständigen Gemarkungen des Kreises garantirt und die Schuld⸗ urkunden außer uns durch die Bevollmächtigten des Bezirksraths, nämlich den Vorsitzenden, Kammerherrn Freiherrn W. Löw von und zu Steinfurth und das Mitglied Großherzoglichen Bürgermeister Stoll zu Nieder-Wöllstadt vollzogen werden. Friedberg den 3. August 1870. Großherzogliches Kreisamt Friedberg IA Betreffend: Die Ausführung des Voranschlags für die Kreiskasse des Kreises Friedberg. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Indem wir Sie auf die vorstehende, schon mehrmals im Ober— hessischen Anzeiger abgedruckte Bekanntmachung hinweisen, fordern wir Sie dringend auf, derselben möglichste Verbreitung zu verschaffen und Ihren ganzen Einfluß aufzubieten, damit recht bald Kapitalien in genügendem Maße als Darlehen an die Kreiskasse bei uns au gemeldet werden. Eine gesichertere Anlage von Kapitalien als die gebotene kann wohl nicht gedacht werden, wobei noch zu berücksichtien ist, daß wir bereit sind den Zinsfuß auf 6% zu verein⸗ baren. Die Gelegenheit sollte insbesondere von Gemeinden, Kirchen⸗ fonds, Stiftungen c., welche augenblicklich im Besitz von Baarmitteln sind, nicht unbenutzt gelassen werden. Friedberg den 12. August 1870. Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir hegen das Zutrauen zu dem patriotischen Sinne unserer Kreisangehörigen, daß Diejenigen, welche in der Lage sind, nunmehr die der Kreiskasse sofort für Kriegskeistungen und Unterstützung be— dürftiger Familien von ausmarschirten Reservisten uud Landwehr⸗ männer nöthigen Mittel vorzustrecken und wir nicht gezwungen werden, solche auf eine dem Kreise, den Gemeinden und der Gesammtein⸗ wohnerschaft schwere Opfer auferlegende Weise za beschaffen. Wir sehen baldigst Ihrem Berichte entgegen, welche Erfolge Ihre Be— mähungen gehabt haben. . Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten. Saar ⸗ brücken, 9. August, 11 Uhr 45 Minuten Nachts angekommen. An General v. Hanenfeldt. Das Gefecht am 6. August bei Spichern, unweit Saarbrücken, hat größere Dimenssonen und Resultate gehabt, als bisher bekannt gewesen. Das fran- zösische Corps Frossard ist in demselben fast gänz⸗ mehrere Eisenbahntrains der Cavallerie bereits überschritten. räthe an Lebensmitteln, gefallen.— Die kleine Festung Lützelstein(la petite Pierre) in den Vogesen ist vom Feinde geräumt, unter Zurücklassung von Geschützen und Vorräthen. Große Vor- zwei Pontoncolonnen, sind in unsere Hände 250,000 Mann Feldtruppen(die Reserven in Chalons, zunächst aus Mobilgarden bestehend, können billig außer Berechnung bleiben) entgegen- zusetzen; dafür aber nimmt diese jetzt vor Metz concentrirte Armee allerdings eine außerordent- lich feste Stellung ein, welche das Uebergewicht auf deutscher Seite einigermaßen ausgleichen könnte, wenn nicht, abgesehen von den sonstigen Miß v. Verdy. lich aufgelöst worden. Die Verluste desselben an Todten und Verwundeten sind außerordentlich be- deutend. Das Lager einer Division und ver⸗ schiedene bedeutende Magazine sind genommen; außerdem ist eine sehr große Anzahl Gefangener eingebracht, deren Zahl sich noch stündlich ver⸗ mehrt. Bis jetzt sind bereits über 2000 eingebracht, aber auch der diesseitige Verlust ist bedeutend, bei der 5. Division allein circa 1800 Mann. Die französische Armee weicht an allen Orten zurück. St. Avold ist von dies ⸗ seitigen Truppen besetzt. Unsere Pa- troulllen streifen bis 2 Meilen vor Metz. Sonst ist am 9. bis jetzt nichts von Belang gemeldet.(gez.) von Podbielski. Officielle militärische Nachrichten. Saar- brücken, 10. August, 10 Uhr 40 Min. Abends aufgegeben. An General von Hanenfeldt, ein⸗ getroffen den 11. August 1 Uhr früh: Die fran- zösische Armee setzt ihren Rückzug gegen die Mosel auf allen Punkten fort. Von sämmtlichen preu⸗ ßischen Armeen folgt ihr die Cavallerie auf dem Fuße. Die Linien Saurunjon, Groß-Tenquin, Faulquemont, Fouling, les Etangs ꝛc. sind von Die Armeen des Generals Steinmetz und des Prinzen Friedrich Karl(die erste und zweite Armee) haben sich vereinigt und ihre Vorposten nach der vorstehend abgedruckten officiellen Depesche bis zwei Meilen vor Metz(etwa die Mitte des Weges zwischen diesem Platze und St. Avold) vorge— schoben. Es läßt sich hiernach annehmen, daß in diesem Augenblick die colossalen Streitkräfte der verbündeten deutschen Heere zum größten Theile auf französischem Boden stehen und zwar die beiden Armeen unter General Steinmetz und Prinz Friedrich Karl in der Front vor der fran⸗ zösischen Hauptarmee unter Bazaine und die Armee des Kronprinzen von Preußen(die Südarmee) in der Flanke und möglicherweise bald schon im Rücken des Feindes. ˖ Die Stärke dieser drei Heeressäulen, welche nun ihren gleichzeitigen Angriff auf die Stellung der franz. Hauptarmee auszuführen im Begriffe stehen, wird auf nahezu 600,000 Mann angegeben. Diesen eolossalen Streitkräften hat Napoleon, nachdem inmittelst das Corps Mae Mahons bei Seite geworfen und das Corps Frossard theils aufgerieben, theils versprengt worden ist, nach allen Schätzungen böchstens nur noch Brückentrain v geschicken Louis Napoleon's, die französische Haupt- armee in die gar nicht unwahrscheinliche Lage kommt, zugleich in der Front und im Rücken von über- legenen Kräften angegriffen zu werden, was ihre ganz unausbleibliche Niederlage, ja vielleicht ihre völlige Auflösung zur Folge haben würde. Von der größten Wichtigkeit muß es deßhalb erscheinen, daß die Südarmee ihren Maͤrsch so zu beschleunigen vermag, um zu einer Hauptschlacht bei Metz noch zeitig genug einzutreffen und dann ungefähr die⸗ selbe Aufgabe zu erfüllen, welche dem Kronprinzen von Preußen in der Schlacht bei Königgrätz zufiel. Hagenau(im Elsaß), 9. August, Vorm. Die kronprinzliche Armee fand auf dem weiteren Vormarsch sämmtliche Dörfer mit Verwundeten aus der Schlacht von Wörth überfüllt. Die ange— gebenen ungefähren Verluste steigern sich auf das Doppelte bei den Franzosen, nämlich auf zehntausend Todte und Verwundete ohne die Ge— fangenen, von denen noch immer viele eingebracht werden. Saarbrücken, 9. Aug. Bei Forbach haben unsere Truppen dem Feinde einen vollständigen on etwa 40 Wagen abgenommen. Daß dies geschehen konnte, wird als ein Symptom starker Demoralisation auf feindlicher Seite an— gesehen. 1 — Vor einigen Tagen fand in Saarbrücken ein Act der Lynchjustiz statt. Ein dortiger Ein- wohner, den verwandtschaftliche und andere Bande u Frankreich ziehen, hatte dem Feinde Nachrichten über unsere Stellungen und Bewegungen gegeben; als er in der Stadt eintraf, hat das empörte Volk ihn niedergeschlagen und getödtet. Kriegs- gefangene berichten, daß der kaiserliche Prinz, bekannter in Frankreich unter dem Namen„Lulu“, das erste Geschütz auf Saarbrücken pointirt und abgefeuert habe. — Die bei Weißenburg erbeutete Kanone hat die 1. Compagnie des 1. schlesischen Jägerbataillons Nr. 5 genommen. Laut Aufschrift ist sie im September 1859 gegossen zu Toulouse. Sie heißt Le Douai.— Der bei Saarbrücken gefallene General v. Frangois war bis vor Kurzem Oberst des zu Glogau in Schlesien liegenden 5. posen'schen Infanterie-Regiments Nr. 58. Baden. Eine Original-Correspondenz des „Fr. Tagbl.“ vom 8. August berichtet: Gestern früh hörten wir aus der Gegend von Straßburg wieder Kanonendonner, der sich gegen Mittag immer mehr in's Innere zog und man wollte wissen, daß oberhalb Straßburg Prinz August von Würtemberg mit Garde und süddeutschen Truppen über den Rhein gegangen sei, Brumat genommen und Straßburg von allen Seiten ab— geschnitten habe. Sie werden inzwischen Näheres erfahren haben; als Bestäligung erscheint mir auch der Umstand, daß alle Truppen von Rastatt an in letzter Nacht nach Kehl dirigirt wurden, um die Cernirung von Straßburg zu vollenden. Diese Stadt selbst ist ungemein schlecht besetzt, das Elsaß von den Truppen ausgesogen und so wird sich die Festung nicht lange halten können, denn es herrscht darin Mangel, weil die Franzosen in dem lächer— lichen Wahne lebten, auf unserem Rheinufer reich— lich Alles zu finden und weitere Vorsorge für unnöthig hielten. Das französische Lügensystem scheint Alles so durchgeftessen zu haben, daß die besoldeten Spione ihre Regierung selbst belogen und betrogen haben, und es war gewiß mehr als naiv, daß man in Straßburg schon alle nöthigen Geschütze ausgerüstet und bereit gehalten hatte, um sofort Rastatt zu belagern. Bezüglich der Pferde hatten sie geradezu auf unsere durch ihre Pferdezucht bekannten Rheinorte zwischen Lichtenau und Lahr gerechnet. — Die„Karlsr. Zig.“ bringt eine Anzahl interessanter Einzelnheiten vom Kriegsschauplatz, und zwar aus dem Bivouak der badischen Divi— ston bei Oberdorf, von denen wir einige Stellen wiedergeben. Es heißt unter Anderem dort: Der Krieg scheint seine furchtbarsten Seiten zeigen zu wollen. Das Landvolk, von fanatischen Geist— lichen aufgereizt, vergreift sich an Wehrlosen und Verwundeten; es sind in dieser Hinsicht schon zahl- reiche Opfer zu beklagen. Auf Verwundete und auf das Sanitätscorps ist aus den Häusern ge— schossen worden; ja es wird versichert, daß in einem Orte große Gräuel gegen Verwundete verübt worden seien. Thatsache ist, daß 26 Bauern kriegsrechtlich erschossen worden sind, 18 auf einem Fleck. Aus einzelnen Ortschaften sind die Leute, selbst die Schulkinder schaarenweise weggeführt und geknebelt worden; sie befinden sich noch unter Bewachung. In allen Ortschaften, welche passirt werden, wiro von heute an der Kriegszustand verkünvigt. Kein einzelner Mann darf die Ort— schaft betreten. Bei jedem Maroden, welcher liegen bleibt, muß ein Posten stehen bleiben. Einzelne Schüsse hört man noch fortwährend, doch ist es so gut wie sicher, daß der Feind nicht Stand halten wird. — Im bapischen Hauptquartier zu Gunstett, 7. August. Soeben wurde das Gepäck des Mar- schalls Mac Mahon eingebracht, darunter selbst die Orden des Marschalls und das Toilettengeräth seiner Damen. Unsere Truppen sind beständig im Vormarsch begriffen. Von Sulz bis Weißen burg ist die Eisenbahn für unsere Zwecke voll ständig in Stand gesetzt und im eifrigstem Betriebe Täglich finden sich in den Ortschaften neue Ge⸗ fangene, deren Zahl bis an 10,000 reichen soll. Am schlimmsten sind die Turcos weggekommen; ihr Bestand bei der franzöfischen Ostarmee ist so gut wie vernichtet. 6 Karlsruhe, 8. August. In der Nähe von Straßburg und bis Rastatt herunter hörte man heute vom frühen Morgen an in gemessenen Pausen starke Detonationen. Straßburg ist seit gestern nun auch gegen den gewöhnlichen Verkehr abgeschlossen und die vernommenen Schüsse rührten offenbar von Sprengungen an den Verkehrswegen in der Umgebung der Festung her. Unsere frühere Mittheilung, daß der Feind oberhalb Straßburg nur schwache Streitkröfte hätte, bestätigt sich. — 9. Aug. Hagenau wurde vorgestern von den badischen gelben Dragonern durch Handstreich ge— nommen, 200 Gefangene. Die„Bad. L.-Z.“ berichtet darüber vom 7. Aug. Heute zwischen 1 und 2 Uhr wurde dieses elsässische Städtchen durch das badische 1. und 2. Dragoner-Regiment besetzt. Voraus ging ein kühner Handstreich der beiden Dragoner— Lieutenants v. Schönau und v. Freydorf, welche mit wenigen Reitern nach der mitten in der Stadt gelegenen großen Caserne ritten und den dortigen Offizieren und Mannschaften erklärten, sie seien gefangen. Der Feind wußte nichts Besseres zu thun, als vor dieserx Handvoll Leute die Waffen zu strecken. Die Früchte dieses kecken Reiter— stückchens waren etwa 200 Gefangene, 130 Beute⸗ pferde und 16 Wagen mit prächtigen Austüstungs“ gegenständen, deren sich die Unsern nicht wenig freuen. Abends wurde bereits das Hauptquartier der badischen Division hierher in den Gasthof zur Post verlegt und die Truppen der Division be— zogen Beiwachen rings um die Stadt. Auch am Oberrhein scheinen deutsche Truppen bereits über den Rhein gegangen zu sein. Der„Allg. Ztg.“ wird von glaubwürdiger Seite folgende, von Schweizer Blättern gleichfalls ge— brachte Nachricht bestätigt:„Die Deutschen bei Müllheim über den Rhein. Franzosen geschlagen. Mühlhäuser flüchten nach Basel.“— Daß man im Elsaß ein baldiges Erscheinen deutscher Truppen auf französischem Gebiete für bevorstehend hielt, beweist auch die von der„Karlsr. Ztg.“ gebrachte Nachricht, wonach die Bevölkerung von Mühl— hausen und Umgegend am 8. d. von den kaiser— lichen Civilbehörden aufgefordert wurde, sich einem etwa erfolgenden Einmarsch deutscher Truppen gegenüber friedlich zu verhelten. Es wurde viel bewegliches Eigenthum nach Basel geflüchtet. — 10. August. Straßburg ist zur Stunde von allen Seiten cernirt und die Eisenbahnen, die von dort nach Hagenau, Paris und Lyon führen, sind von den deutschen Truppen occupirt. In der Festung soll sich nur ein Regiment Infanterie und Nationalgarde zur Besatzung be— finden und die Verproviantirung äußerst schwach sein. Die gestrige Aufforderung des Generals Bayer zur Uebergabe wurde vom Commandanten abgewiesen. — Nach sicheren Nachrichten herrscht im Elsaß eine solche Furcht vor dem Ausbruch von Arbeiter— unruhen, daß man an vielen Orten sogar die deutschen Truppen herbeiwünscht. — 10. August.( Amtlich.) Die Cavallerie- brigade unserer Division ging mit Artillerie und einigen Bataillonen Infanterie am Abend des 8. d. bis unter die Thore Straßburgs vor. Die Garnison dieser großen Festung, welche nur aus einem Regiment und nicht eingekleiveter National— garde bestehen soll, ließ unsere Truppen unbelästigt bie an das Glacis und bis zur Citadelle heran— kommen, und machte ebensowenig einen Versuch, die Zerstörung der Eisenbahn und des Telegraphen nach Lyon zu hindern. Straßburg ist also nach allen Seiten isolirt. Gestern war unsere Diviston in Brumath. Stuttgart, 11. August. Der„Staats— anzeiger“ meldet: Die Verluste der würtembergischen Truppen in der Schlacht bei Wörth betragen: todt 6 Offiziere, 28 Mann; verwundet 10 Offi- ziere und 225 Mann; vermißt 118 Mann. Die würtembergische zweite Brigade kam um 4 Uhr in's Gefecht und drang von Elsaßhausen nach Froschweiler vor. Die würtembergische Cavallerie betheiligte sich an der Verfolgung und erbeutete 1 Mitrailleuse, 3 Kanonen, sowie den Stabs⸗ wagen der vierten französischen Division mit 222,000 Franken in Gold und 400 bis 500 Beutepferde Hessen. Darmstadt. Der„M. Ztg.“ entnehmen wir folgende Nachricht: Das Großh. Finanzministerium hat die ganze Bedarfssumme, welche es nach dem Gesetz vom 28. Juli 1870 zur Bestreitung der Kosten der Feldaufstellung und Unterhaltung der hessischen Armee-Division auf dem Wege des Anlehens zu beschaffen ermächtigt war(fl. 1,800,000) durch Vertrag mit der Bank für Handel und Industrie gedeckt, welche den genannten Betrag der Finanzverwaltung zur Verfügung gestellt hat. — Nach der„Darmst. Ztg.“ haben S. K. H. der Großherzog den im Großherzogthum be— stehenden, beziehungsweise sich bildenden Vereinen zur Unterstützung der Angehörigen der im Felde stehenden Soldaten aus Allerhöchster Cabinetskasse im Ganzen die Summe von zweitausend Gulden zu bewilligen geruht. Friedberg. Seit einigen Tagen haben wir auch hier in dem in der Turnhalle errichteten Lazarethe 6 Verwundete liegen, welche sich der sorgsamsten Pflege zu erfreuen haben. Die Räumlichkeiten des Lazarethes sind zu 20 Betten und trotz der Eile, mit welcher dasselbe geschaffen werden mußte, auf das Zweckdienlichste und allen Anforderungen entsprechend eingerichtet. Unsere Frauen und Jungftauen wetteifern in der Sorge für die verwundeten deutschen Brüder und weit mehr hülfbereite Hände, als bis jetzt erforderlich, haben sich bereitwilligst zur Verfügung gastellt. Von der Einrichtung der Klosterkaserne als Reservelazareth hat man glücklicherweise abgesehen und bereits mit dem Bau von Baracken begonnen, deren erste auf dem sog. Schützenraine errichtet wird. 1 Friedberg, 11. August. Eine heute vahier versammelt gewesene, aus Vertretern der Kreiskasse und der Mathildenstiftung zusammenge⸗ setzte Kommission hat in Verwendung der ihr von beiden Instituten zur Verfügung gestellten Mittel Fürsorge getroffen, daß den zurückgebliebenen Fa⸗ milien der aue dem Kreise Friedberg in's Feld gezogenen Reservisten und Landwehrmänner, des⸗ gleichen den Familien aller im Kreise garnisoniren⸗ den Soldaten, Spielleute und Unteroffiziere während der Abwesenheit ihrer Versorger eine halbmonat⸗ lich auszubezahlende, dem jeweiligen Familienstand entsprechende Unterstützung zu Theil wird. Ist nun damit, wie wir hoffen, für die nächsten Bedürfnisse der fraglichen Familien hinreichend ge⸗ sorgt, so wird doch gerade auf diesem Felde auch der Privatwohlthätigkeit noch manche Gelegenheit zum Eingreifen offen bleiben. Und in dieser Be— ziehung wollten wir namentlich darauf hinweisen, bei wie vielen der zurückgebliebenen Familien auf dem Lande die Feldarbeiten durch den Abzug ihrer Versorger in's Stocken gerathen müssen. Da bleibt bald die Ernte von dem mit Mühe und Opfern ausgestellten Stückchen Feld einzu⸗ heimsen, bald will der abgeerndete Acker für die Wintersaat vorbereitet, bald die demnächst reifen⸗ den Kartoffeln ausgemacht und heimgefahren wer— den, und doch kann die mit einem Häuflein Kinder beschästigte Hausfrau oder die allein stehende be⸗ tagte Mutter weder Zeit noch die Mittel für bezahlte Aus hülfe finden. Hier wäre für glück⸗ lichere Nachbarn und Ortsangehörige eine schöne Gelegenheit geboten, sich mittelst freiwilliger un— entgeltlicher Hülfeleistung an der Durchbringung der Familien derjenigen, die für unser Aller Existenz und Wohlstand auf fremdem Boden kämpfen, zu betheiligen, und glauben wir, daß es nur dieser Andeutung bedarf, um die sich im Augenblick in so glänzender Weise bethätigende Opferwilligkeit unsrer Mitbürger in Stadt und Land auf diese Seite der uns möglichen Hülfe— leistung aufmerksam zu machen. J Nauheim. Sofort nachdem bekannt wurde, daß Bad⸗Nauheim von der Militärbehörde zur Errichtung eines Militär-Reserve-Lazareths vor⸗ strati dele für greif meist gedie herge und und! das Behg übern sind! der gestell hat f ausge 7 in R. rische geld (Aud 2 2 1 2 * — — — titausend Gulde en Tagen bab. tuballe errichtet velche sichd daben. d D zu 20 Bent dasselbe geschaft lichste und alt lan. u in der Sinz ru Dr N gerichtet der und wel Ft erfordert ung ght. Mesterkasme al; * ern eie Abehhen legenntn, t wind At em Eint heult SGertretern dir ig zusammenge; ing det Wr bur genellten N Agebliebtra fe gen Famil dei wirt. 1 sir dit raͤchin 0 biartichend 9. dein Flltt aul 9e Geltgenbel dieser Bt · A bintise, Familien al gesehen, bildete sich hier am 20. v. M. unter sehr großer Betbelligung der Einwohnerschaft ein Zweigverein des Hülfsvereins im Großherzogthum Hessen für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde. Von 301 Mitgliedern wurden an gezeichnet: als einmalige Beiträge 246 fl. 32½ als monatliche Beiträge 220 fl.; ferner sind ein- egangen: von der Gemeinde Wisselsheim 21 fl. kr., von der Gemeinde Steinfurth 80 fl. 30 kr., von Herrn Oeconom Koch auf der Hasselheck 50 fl., von Herrn Banquier Sillem in Amsterdam 25 fl., von Frau Niederhofheim in Frankfurt a. M. 2 fl.— Bezüglich der in Bad-Nauheim gezeichneten Beträge bestimmte der Ausschuß, daß hiervon/ dem Hülfs verein in Darmstadt zur Disposition gestellt wurden, ¼ aber soll zur Unterstützung der Nauheimer Familien verwendet werden, welche ihre Ernäbrer bei der Fahne haben.— Dazu kommen noch die früher bereits erwähnten 1000 fl. von hiesiger Kurhaus-Admini⸗ stration.— Auf Anregung des Hülfsvereins grün— dete sich weiter am 24. v. M. ein Frauenverein für Krankenpflege, und war dessen erste Aufgabe, die Sorge für Herrichtung von Verbandzeug und Beschaffung von Lazarethbedürfnissen zu über— nehmen. In unserem Depot besitzen wir jetzt: 173 Hemden, 14 Handtücher, 41 Paar Strümpfe, 10 Paar Unterhosen, 158 Halstücher, 18 Kopf- Kissenüberzüge, 169 leinene, 31 wollene Binden, 12 Kopfbinden mit Gummi, 42 Kopfnetze, 120 Päcke Compressen, 106 Sandsäckchen, 3 Päcke Unterlagen, 1 Watte, 8 Ellen Gaze, 3 große Säcke voll Charpie, 12 Stück Schnur und Garn, 8 Zahn-, 8 Haar⸗Bürsten und 12 Kämme.— Die Gemeinde Steinfurth lieferte in unser Depot: 30 Hemden, 5 Betttücher, 6 Halstücher, 30 leinene Binden, 1 Pack Charpie; die Gemeinde Wissels⸗ heim desgleichen: 8 Hemden, 2 Betttücher, 12 leinene Binden, 4 Päcke Compressen, 1 Pack Charpie.— Inmittelst ließ Großh. Kriegsmini⸗ sterium durch die Gemeinde, vorbehaltlich des Kostenersatzes aus der Kriegskasse, die Militär— Reserve-Lazarethe herrichten. Es befinden sich im Hospital für arme Kurfremde 20, im Betsaal der Saline 22, und in altem Spielhause 67 Betten, im Ganzen können also heute 109 Ver- wundete bei uns aufgenommen werden, und hat unser Landesdelegirter Hofgerichtsrath Weber hier won bereits Kenntniß. Durch rasches Zusammen⸗ greifen der hiesigen Herrn Schreiner- und Zimmer⸗ meister sind die beiden Säle im alten Spielhause Zedielt und zu einem sehr schönen Lazarethlocale gergerichtet worden, die Bettstellen mit Strohsack And Kissen lieferten die Nauheimer Einwohner und die ordnende Hand des Frauenvereins richtete das Ganze zum Gebrauch her. Die ärztliche Behandlung werden unsere hiesigen Herrn Aerzte übernehmen, und von Seiten des Turnvereins ind Mannschaften und Geräthe zum Transport der Verwundeten vom Bahnhof in die Lazarethe zestellt. Die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit vat sich in diesen Tagen zu Bad Nauheim ganz uusgezeichnet bewährt! Mainz. Die großh. hessischen Cassenbeamten m Rheinhessen sind angewiesen, preußisches, baye⸗ isches, württembergisches und badisches Papier- geld bis auf Weiteres in Zahlung zu nehmen. (Auch ein erfreulicher Schritt zur Einheit.) Worms. Dieser Tage wurden dahier 11 Mann, welche als Marketender dem 80. preuß. Infanterie Regiment attachirt waren, verhaftet, weil ste auf dem Schlachtfelde Todte und Ver— wundete beraubt haben sollen. Es fanden sich auf ihren Fuhrwerken auch eine Menge Militär- Effekten, lei ihnen selbst aber große Summen Geldes vor. Sie wurden an die Commandantur der Festung Mainz abgeliefert. — Im hiesigen Bahnhofe fuhr in der Nacht zom 8.—9. ein von Mainz kommender Militär⸗ jag auf einen kurz zuvor von Ludwigshafen ein— tetroffenen Zug mit Verwundeten. Mehrere Wagen zes Verwundetenzuges, welche über die Schienen- heuzung hinausragten, wurden losgerissen und ene Strecke weit fortgestoßen. Ein Wagen fiel urch die Wucht des Anpralles um. Die darin befindlichen Leichtverwundeten konnten sich sämmt- tinktur, 1 Rolle in O. 3 Hemden, 4 Taschentücher, von lich durch Herausspringen retten, nur ein Mann gerieth unter den Wagen und erhielt nicht un— bedeutende Quetschungen. Die entstandene Ver⸗ wirrung sollen zwei leicht verwundete Franzosen (Turcos) zum Entkommen benutzt haben. Baden. Karlsruhe. Die nach der „Lahrer Ztg.“ gemeldete Nachricht von der kriegs⸗ rechtlichen Erschießung eines gewissen Himmelsbach in Rastatt wegen Spiontren wird als Erfindung bezeichnet. Bayern. München. Der König hat an den Commandanten des 2. bayerischen Armeecorps, General v. Hartmann, nachstehendes Telegramm gerichtet:„Mit freudigstem Stolze erfüllen Mich die glänzenden Waffenthaten, an denen auch Mein wackeres 2. Armeecorps so ruhmreichen Antheil hat. Sagen Sie all' den Tapfern Meinen königlichen Gruß und herzlichen Dank. Stünd— lich bin Ich im Geiste bei Meinen braven Truppen. (gez.) Ludwig.“ — Der Ober⸗Ceremonienmeister des Königs, Graf Moy, ist wegen der Erklärung der päpstlichen Unfehlbarkeit aus der katholischen Kirche ausge- treten. 2500 Gefangene sind hier angekommen. Bescheinigung. Bei dem Rechner des Comités für die Unterstützung der verwundeten und erkrankten Soldaten im Felde und der nothleidenden Familien von Soldaten sind weiter einge— gangen und werden dankbar quittirt: I kr. von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog, 200— welche nach allerhöchstem Befehl speciell für die in Frieoͤberg bestehenden Anstalten für verwundete und erkrankte Krieger verwendet werden sollen durch Herrn Director Dr. Matthias in den Collecten Friedbergs durch Frau Regierungsrath Trapp: 1) durch Herrn Bürgermeister Jäger in Münzenberg 2) durch Herrn Bürgermeister Gorr aus der Gemeindekasse Trais-Münzenberg 3) durch Herrn Bürgermeister Laux Gambach 4) durch Herrn Lehrer Schindel als 2. Sen⸗ dung von Beienheim durch Herrn Pfarrer Müller in Nieder-Rosbach durch Herrn Bürgermeister Philippi in Wohnbach durch Herrn Pfarrer Becker in Bruchenbrücken durch Herrn Pfacrer Möbius, Collecte vom außerordentl. Beitagsgottesdienste zu Bönstadt von 2 B. in O. durch Herrn H. Luft und Gemeinderechner Kuhl in Rödgen 50— 124 39 25— 20— in 20 32 40 41 18 53½ 5— 5— 3— 11 14 588 59½ hierzu die letzte Bescheinigung 1784 20½ zusammen 2373 20 An Naturalien gingen ein: von Frau F. in Beienheim ein Pack Leinwand, von Frau Hof⸗Jäger Korndörfer in Ossenheimer Wäldchen getrocknete Zwetschen und Mirabellen, von Herrn Kassier Winter in Bergwerk Dorheim 3 Belt⸗ tücher, 6 Handtücher, 6 Hemden, 4 Taschenlücher, Lappen und Charpie, durch Herrn Lehrer Heßler aus der Gemeinde Wölfersheim 87 Hemden, 68 Binden, 3 Paar Unterhosen, 8 Betttücher, 34 Halstücher, 1 Handtuch, Lappen und Charpie, aus dem Zinßer'schen Inslitute eine große Partie Charpie, Binden, Compressen und Gittercharpie, durch Herrn Pfarrer Müller in Nieder-Rosbach 10 Hemden, 9 Verbandtücher, 37 Binden, 1 wollene Binde, 170 Com- pressen, 2 wollene Compressen, 6 Paar Socken, 1 viereckiges Tuch, 1 Handtuch, 1 Pack Abwäschlappen, 31 Gittercharpie, 28/ Pfund Charpie, 1 Sack, durch Frau Regierungsrath Trapp Sendung von Frau Oberpfarrer Kleeberger aus der Gemeinde Münzenberg 36 Hemden, 2 Betttücher, 12 vier⸗ kantige und 50 dreikantige Verbandtücher, 82 leinene Binden, 2 Gypsbinden, 774 Compressen, 40 Gittercharpie, 1 Korb Charpie, 1 Stück Flanell, 1 Sack Dörrobst, 4 Pfund Reis, 50 Cigarren, 1 Sack Leinwandabfälle, aus der Gemeinde Nieder⸗Mörlen 22 Hemden, 1 Pack Verbandzeug, Charpie, durch Frau Kirchenrath Fuchs, Frau Bürgermeister Blecher und Frau Pfarrer Weber aus der Gemeinde Ober⸗Rosbach 9 Bettlücher, 30 Binden, 17 dreieckige Binden, 18 dreieckige Kopftücher, 30 Hemden, 15 Handtücher, 12 Päcke Com⸗ pressen, 2 Päcke alte Leinwand, 1 Sack, 9 Tischtücher, 12 Gittercharpie, Charpie, von Herrn Obersteiger Knoche in Bergwerk Dorheim 1 Pack Leinwand, von Herrn Sturm- fels 4 Gläser Hofmannstropfen, 3 Gläser Bleiessig, 3 Glas Karbolsäurelösung, 1 Glas Essigäther, 2 Fläschchen Opium⸗ gestrichenes Heftpflaster, von Herrn F. R. dem Comité für Bewlrthung ber durchziehenden gesunden und verwundeten Soldaten im Bahnhose 107 Pfund Dörrobst, 37 Pfund Gerste, 6 Pfund Linsen, Dörtfleisch, Speck, 442 Stück und 2 Körbe voll Eier, von der Gemeinde Büdesheim 1 Meste Linsen, 6 Hemden, 5 Paar Strümpfe, von ver⸗ schiedenen Bewohnern unserer Stadt verschiedenes Leinwand. Wir bitten um weitere Gaben. Friedberg den 12. August 1870. Für das Comité: J. Huber, Rechner. Erfrischung der durchpassirenden Truppen und zurückkommenden Verwundeten und Gefangenen im hiesigen Bahnhofe. Dritte Liste der Gaben aus hiesiger Stadt und Umgegend: a) an Naturalien:% Ohm Aepfelwein(½ von Ilbenstabt, ½ von Klein⸗Karben,/ von Selzerbrunnen), 2 Ohm Branntwein(½ von Groß⸗Karben, J von Rendel, ½ von Burggräfenrod,% von Okarben, ½ von Büdesheim, ½ von Hasselhecke,/ von Steinfurth), 2 Ohm Schwalheimer Wasser, 17 Flaschen Wein, 51 Maas Milch, ca, 30 Pfund Käse, 250 Pf. Fleisch und Schinken, 65 Pfund Wurst“), 144 Wecke, 1557 Laibe Brod,(281 von Büdes⸗ heim, 55 von Eichelsdorf, 12 von Ober⸗Rosbach, 75 von Leidhecken, 84 von Rockenberg, 91 von Bruchenbrücken, 117 von Diebach a. d. Haag, 150 von Kaichen, 100 von Fauerbach v. d. H., 90 von Nieder⸗Mörlen, 66 von Ost⸗ beim, 79 von Hochweisel, 132 von Burggräfenrod, 100 Okarben, 110 Groß⸗Karben, 94 Klein-Karben), Dörrobst, Hülsenfrüchte ꝛc. von Büdesheim und Eichelsdorf, 3698 Eier(1005 von Büdesheim, 105 von Steinfurth, 107 von Eichelsdorf, 600 von Kaichen, 231 von Leidhecken, 260 von Klein-Karben, 208 von Groß⸗Karben, 349 von Okarben, 338 von Burggräfenrod), 300 Cigarren(300 von Groß-⸗Karben). b) an Geld: Melbach 36 fl. 30 kr. (wurde bei der ersten Aufstellung vergessen, ist jedoch in der Hauptsumme enthalten), Erlös für ein geschenktes geschlachtetes Pferd 7 fl., Görbelheimet Mühle 10 fl., Bruchenbrücken 3 fl. 21 ke., Rockenberg 30 fl., Niederx⸗Mörlen 9 fl., Hochweisel 2 fl., Klein⸗Karben 5 fl. 36 kr., Groß⸗Karben 40 fl. 42 kc., Okarben 10 fl. 16 kr., Ludwigsbrunnen 2l., Burggräfen⸗ rod 8 fl. 35 kr., aus biesiger Stadt und an kleinen Gaben aus der Umgegend 5 fl. 47 kr. Dritte Liste im Ganzen 135 fl. 17 kr., dazu von voriger Liste 1130 fl. 22 kr. zusammen 1265 fl. 39 kr. g Dem mehrfach ausgesprochenen Wunsche wegen Speci⸗ ficirung der Geldgaben kann wegen des beschränkten Raumes unmöglich entsprochen werden. Man sei über⸗ zeugt, daß alle Gaben nach bestem Wissen und Gewissen verwendet werden. Unsern Dank für die gespendeten reichen Gaben aussprechend, bitten wir um weitere gütige Unier⸗ stützung. Friedberg den 12. August 1870. Das Comité für die Erfrischung der durchpassirenden Krieger. ) Die größeren oder kleineren Gaben von Fleisch⸗ wagren aufzuführen erlaubt der Raum dieses Blattes nicht, jedoch haben sich alle Gemeinden dabei betheiligt. Obst⸗ Versteigerung. 2028 Dienstag den 16. d. M., deo Vormittags um 11 Übr, wird das Obst auf der Anlage um die Kirche, als Mirabellen und Reineclauden, destehend in 40 Bäumen, sowie ein Baum mit Frühbirnen abtheilungsweise an die Meistbietenden auf Ort und Stelle versteigert. Ockstadt den 11. August 1870. Großherzogliche Bürgermeiftlerei Ockstadt röninger. 2029 Bet dem am 10. d. M. abgehaltenen Departe⸗ menis⸗Ersatzgeschäft ist der Unterzeichnete irrthümlich in Besitz eines fremden Regenschumes gekommen. Um die Rückgabe des vertauschten Schirmes wird gebeten. Ockstadt den 11. August 1870. Gröninger, Bürgermeister. Eichen-Stammholzverstei in der Oberförsterei Nidda. 2027 Die auf den 10. d. M. bestimmte Versteigerung von Eichen- und Kiefern ⸗Stammholz im Difrlet Soͤder⸗ ecke zwischen Salzhausen und Borsdorf konnte wegen ungünstigen Wetters nicht abgehalten werden, und soll nun Freitag den 19. d. M., von Morgens 9 Uhr an, flattfinden. Nidda am 11. August 1870. Großherzogliche Oberförsterei Nidda Rohr. gerung Jagd- Verpachtung. 2024 Freitag den 26. August d. J., Nachmittags 1 Ubr, soll die hiefige Jagd, eirea 1100 Morgen Feld⸗ und Waldgemarkung, auf 6 Jabre öffentlich meistbietend ver⸗ pachtet werden. Liebhaber werden hiermit eingeladen. Bodenrod den 8. August 1870. Großherzogliche Bürgermelsteret Bodencod Schäfer. Höchst wichtig für Bruchleidende! 510 Wer die bewährte Heilmethode des bekannten schweizerischen Brucharztes, Krüst-Alther r, in G ais, Kl. Appenzell, kennen lernen will, kann bei der Exp. dieses Blattes ein Schristchen mit Selebrung und dielen 100 Zeugnissen in Empfang nehmen. 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Um nun so lange als möglich bei den jetzt 4 gestellt, zu deren unvermei ö ungünstigen Verhältnissen unsere Stadt mit neuen Schulden durch Kapitalanleihen unter sehr erschwerten Umständen und Bedingungen zu vermeiden, oder außerordentliche Steuern ausschreiben zu müssen, wendet der Stadtvorstand sich hierdurch an den Gemeinsinn der (von welchen zwei Ziele bereits fällig sind)— wenn irgend 90 hiesigen Einwohner mit der Bitte ihre dießjährigen Communalsteuern g sir möglich für das ganze Jahr sogleich zu bezahlen, auch sonstige städtische Einkünfte alsbald abzuführen, indem der Stadt und ihren Einwohnern dadurch besondere größere Opfer erspart würden. Friedberg am 11. August 1870. Namens und im Auftrage des Stadvorstandes an Der Großherzogliche Bürgermeister Me Ne. Einzahlungen bei der Stadtkasse können Dienstags und Donnerstags erfolgen. Bel Bindernagel& Schimpff in Frledberg und Kriegskarten Der wahre Jatob. a fl. 1. 48 tr., fl. 1. 24 fr., 36 kr. 27 fr., 18 kr. 14 kr. e Besonders empfehlen wir eine kleine aber gute Karte zu 18 Er. ug ud teis 6 kr. der mit den Plänen von Paris, Mainz. Saarlouis, Rastatt.%%% ͤ;õů ry ute 2 5 Friedberg und Nauheim.“ Bindernagel& Schimpff. ut ab 5 Aerztliche Thermometer. e e eee 5 2 Capeten-& Feuster-Bonleaur. 2031. Hanau, 1746 Tapeten von 7 kr., solche mit 2 und 3 Farben dle Friedberg. Hof- Uhrmacher und Goldarbeiter. 15 E ee Aten 4 Farben von 1959 Im Besitz mehrerer Strickmaschinen sind wir jetzt im Stande, Bestellungen in Strümpfen Louis Weis, den Apotheken gegenüber. noch schneller und billiger als seither in Ausführung bringen zu können. 2023 Ein kleiner schwarz⸗langhaartger — Hund, Fertige Strümpfe sind in allen Größen vorräthig. 0 auf den Namen Minka hörend, it entlaufen. Näheres Gesehwister Schloß. ertheilt die Exped. d. Bl. e. l f. 1 8 1:. 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Vberhessischer Anzeiger. ——— 4 95. 1 Amtlicher Theil. Betressend: Die Verwendung von einem Oritttheil der eingehenden Pollzeistrafen zur Besoldung des Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg Auffichtspersonals. an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Beienheim, Bönstadt, Bruchenbrücken, Maibach, Münzenberg, Bad⸗Nauheim, Nieder-Florstadt, Nieder-Mörlen, Ober⸗Wöllstadt, Ockstadt, Oppershofen, Ossenheim, Pohl-Göns, Rockenberg, Södel, Unter Bezugnahme auf unser Ausschre n ben vom 14. wir heute die Belege über die Strafantheile die erforderliche Ausgabsdecretur zu ertheilen. der nach dem Gesetze vom 21. Juli 1870(Bundesgesetzblatt Seite 499) auszugebenden Die Darlehnskassenscheine des Norddeutschen Bundes zu 25, papier gedruckt, und ist die Schau, und Kehrseite mit einem farbigen Die Farbe des Untergrundes ist bei den Scheinen zu 25 Thlr. blau, zu 10 Thlr. Die Schauseite enthält in schwarzem Typendruck links: das Nieder-Weisel, Beschrei bun Bundes zu 25, 10 und 5 Thaler. die Werthzahl auf gemustertem Felde, rechts daneben in Zeilen untereinander: Preussische Hauptverwaltun Darlehns- Kussenschein Funfundzwanzig(Zehn oder Fun) Thaler vollgültig in allen Zahlungen Geseta vom 2 1. Juli 1870. Berlin, den 1. August 1870. v. Wedell. Lowe. einecke. Eck. und die Strafandrohung gegen die Nachbildung. Die Kehrseite enthält in schwarzem Typendruck an den Seiten rechts und links: 25 oben die Litera und Nummer, auf der rechten Seite die Beamten. Auf der linken Seite befindet sich a Werthiahl auf guillochirter Nosette in der Farbe Thaler 25(10 Thaler 10, 5 Thaler ls Trockenstempel das Wappen des des Untergrundes. Bußbach, Fauerbach b. Fr., Nieder-Wöllstadt, Nieder-Nosbach, Ober⸗Mörlen, Steinfurth, Weckesheim und Wölfersheim. Januar d. J. Nr. 8 des Oberhessischen Anzeigers benachrichtigen wir Sie, daß der Denunzianten Ihnen unter Couvert zugehen lassen. nahme zu decretiren und controliren zu lassen und erm Friedberg den 12. August 1870. Ilbenstadt, Langenhain, Die einzelnen Beträge sind in Ein— chtigen wir Sie zugleich bezüglich der Auszahlung an die betreffenden Denunzianten Trapp. Darlehnskassenscheine des Norddeutschen 10 und 5 Thaler, 4“ 10½““ breit und 3“ 1“ hoch, sind auf Hand⸗ von weißen guillochirten Linien durchbrochenen Untergrund versehen. roth, zu 5 Thlr. grün. g Wappen des Norddeutschen Bundes und unter demselben der Staatsschulden. 50 Werthzahl und unter derselben:„Ausgesertigt“ mit der Namensunterschrift des Norddeutschen Bundes und darunter die Kriegs nachrichten. Aus einem Berichte der„Fr. Ztg.“ geben wir folgende Einzelnheiten über die Schlacht bei Wörth 7. Aug.: Es war eine gewaltige Schlacht, wie lange keine auf französischem Boden geschlagen wurde. Ein Blick auf die Höhe vor mir genügt, sich die Schwierigkeiten zu vergegenwärtigen, welche die Deutschen zu überwinden hatten und siegreich überwanden. Die Hügel mögen zweihundert Fuß hoch sein, sind sehr steil, an den Abhängen größ⸗ tentheils mit Reben bewachsen, auf den Gipfeln aber bewaldet. Hier nun lag in einem Umkreis von zwei bis drei Stunden die Hauptmacht der Franzosen, deren Truppen auch das davorliegende Thal und Wörth besetzt hielten. Die Deutschen rückten von den viel niedrigeren Höhen zwischen Sulz und Wörth heran, die übrigens theilweise noch vom rechten französischen Flügel besetzt waren. Zwischen 3 und 4 Uhr eröffneten unsere Truppen den Kampf, sie warfen den Feind aus Wörth und zwangen den Feind zum Rückzug auf die gegenüberliegenden Höhen. Den die Franzosen durch das Thal verfolgenden Preußen donnerten alsbald die französischen Geschütze entgegen, unter denen sich auch die Kugelspritzen durch ihr eigen— thümlich rauschendes Knattern bemerkbar machten. Weder die Kanonen, noch die Kugelspritzen rich⸗ teten, wenn auch mancher Wackere dahinsank solch großes Verderben an, wie man befürchtet hatte. Der blutigste Kampf begann erst am Fuße der Höhen. In den Weinbergen hatten nämlich die Zuaven und Turcos Posto gefaßt, die vor den heranstürmenden Deutschen den doppelten Vortheil hatten, daß sie geschützt waren und sich ihr Ziel wählen konnten, während die Deutschen ungedeckt Zweimal erober⸗ ten die Franzosen Wörtb wieder und warfen die Deutschen in ihre Positionen vom Morgen zurück. Einmal hielten sie den Sieg schon für so gewiß, als dieselben plötzlich aus ihren Verhauen heraus ins Thal sprengten. Aber die preutzische Artillerie that ihre Schuldigkeit. Zwei Salven und die ganze stolze Reiterschaar wälzte sich in einem Knäuel in wüster Flucht in den Wald zurück. Die Verwirrung war so groß, daß die Infan⸗ terie mit in die Flucht hinein gerissen und auf die Höhen zurückgetrieben wurde. Neu entbrannte um diese der Kampf, der sich endlich nach 15 stün⸗ digem Ringen endgültig für die Deutschen ent schied. Von diesen standen auf dem linken Flügel und im Centrum neben den meisten Truppen des 5. und 11. Armeecorps und 6. preußischen Armee⸗ corps auch Württemberger und Badenser. Den rechten Flügel bildeten dagegen die Bayern, welche durch ihr rechtzeitiges Eingreifen, namentlich durch eine geschickte Flankenbewegung(nach des Kron- prinzen eigenen Worten) viel zur günstigen Ent scheidung des Tages beitrugen. Ueber die Tapferkeit aller deutschen Truppen herrscht nur eine Stimme, sie hat sich überall auf's Glänzendste bewährt. Die zahlreichen Verluste, die annähernd(ich nehme die niedrige Zahl) auf 6000 Todte und Ver⸗ wundete geschätzt werden, beweisen aufs Deutlichste ihre Todesverachtung. Beim Anblick der eroberten feindlichen Position erscheint einem diese schreckliche Zahl fast gering. Der Verlust des Feindes wird auf 12,000 Todte und Verwundete und 9000 Gefangene geschätzt. Die Letzteren sah ich vorhin vorübersühren. s dauerte fast eine halbe Stunde, bis der Zug beendet war. Mehr als die Hälfte waren Turcos und Zuaven. Empörung erfaßt Einen, wenn man bedenkt, daß diese wilde Horde bestimmt war, den Vormarsch beim Angriff auf unser Vaterland zu bilden. Unsere Soldaten haben eine wahre Wuth darüber, daß sie mit solchem Gesindel zu kämpfen haben. Viele Scheußlichkeiten werden von denselben erzählt. Gewiß ist, daß ein Zuave auf einen Krankenträger, der ihn ver⸗ daß sie zwei Regimenter ECürassiere zum Angriff bunden hatte, einen Schuß abfeuerte. Noch schreck⸗ zur Ausnützung des Sieges vorcommandirten. lichere Greuelthaten werden von einzelnen Be— Es soll ein wunderbarer Anblick gewesen sein, wohnern Wörths und der Umgegend berichtet: ich möchte dieselben gern in das Fabelbuch ver⸗ weisen, aber leider habe ich mit meinen eigenen Augen den sechszehnjährigen Buben gesehen, welcher einen preußischen Verwundeten beraubt und ihm dann die Augen ausgestochen hatte. Anderen Scheusalen, die mit dem Frevler, der mit gespaltener Stirn auf einem Karren lag, vor— übergeführt wurden, wird nachgesagt, daß sie Verwundeten die Zunge ausgeschnitten hätten. Gewiß ist, daß, als die Deutschen zum zweiten Mal aus Wörth zurückgedrängt wurden, ihnen neben dem Triumphgeschrei der Bevölkerung auch mehrere von Civilisten abgefeuerte Kugeln folgten. Wörth ist deßhalb auch ganz als eroberte Stadt behandelt worden. Die Häuser sind größtentheils verwüstet. Mancher Unschuldige mag da mit den Scheldigen gelitten haben. Noch schrecklicher sieht es in Fröschweiler aus, wo sich während des Kampfes eine Zeit lang das französische Haupt- quartier befand und über welches Dorf sich das Rückzugsgefecht hinzog. Bis jetzt habe ist erst einen kleinen Theil des Schlachtfeldes besuchen können. Zu Hunderten liegen in den Weinbergen die Todten umher, meistens Zuaven und Turcos, von denen gewiß die Hälfte aufgerieben ist. Jetzt, vierundzwanzig Stunden nach dem Gefecht, werden noch fortwährend Verwundete von dem Kampf platze zu den Feldlazarethen getragen. Auch sind im Lauf des heutigen Tages noch mehrere hundert Gefangene gemacht worden, die sich in den Wäl⸗ dern versteckt hatten. Leider haben die Deutschen bei den verschiedenen Rückzügen, zu denen sie gezwungen waren, auch einige Gefangene, doch kann ihre Zahl nur gering sein, verloren. General von Bose, der Commandant des 11. Armeecorps, ist schwer, doch nicht gefährlich verwundet, sein Sohn hat eine Wunde im Arm.“) „) Beide reisten vor einigen Tagen in einem Zuge mit Verwundeten auf der Main⸗Weser-Bahn nach sbrer Heimath. Dem General, in einem Güterwagen zu Bette legend und von seinem Sohne begleitet, wurde in hiesigem Bahnhofe ein frischer Verband aufgelegt. D. Red. — 8. Aug. Die Frevler, deren Schandthaten ich gemeldet, haben bereits ihren Lohn; sie wur⸗ den, einige Zwanzig an der Zahl, standrechtlich erschossen. Heute in aller Frühe sind die Truppen, welche die Nacht cuf dem Schlachtfelde bivouakirt daben, gegen das Gebirge hin abgerückt. Der Kronprinz folgt ihnen von Sulz. Von Süden marschiren fortwährend neue Regimenter beran. Die Todten sind noch immer nicht begraben. Soeben werden die Bürger durch den öffentlichen Aus rufer aufgefordert sich auf dem Schlachtfeld zur Beerdigung der Todten und der Cadaver ein⸗ zufinden. Trotz der eingetretenen kühlen Witterung ist die Luft auf mehrere Stunden im Umkreis mit Leichenduft erfüllt.— Die Frauen und Töchter der Stadt wurden durch den Ausrufer zum Waschen des Verband- und Leinenzeuges vor das Rathhaus eititt. Nahrungsmittel sind in der Stadt nicht für Geld zu bekommen. Jedes Bäcker⸗ haus ist mit Wache besetzt. Alles Brod, was gebacken wird, ist für die Vel wundeten bestimmt. Fast jedes Haus, das einigermaßen erhalten, ist ein Lazareth. Die vielen Tausende erhalten kaum die noͤthdürftige Pflege. Es fehlt an Verbandzeug wie an Erfrischungsmitteln. Saarbrücken, 11. August, Rachm. Der König erläßt soeben bei seiner Abreise folgende Proclamation an das ftanzösische Volk:„Wir Wilhelm, König von Preußen, thun den Einwohnern der französischen von den deutschen Armeen occu- pirten Gebietstbeile zu wissen: Nachdem Kaiser Napoleon zu Wasser und zu Lande die deutsche Nation angegriffen hat, welche in Frieden mit der französischen Nation zu leben gewünscht hat und es noch wünscht, so habe ich das Commando der deutschen Armeen übernommen, um diesen Angriff zurückzuweisen. Ich führe den Krieg mit den französischen Soldaten und nicht mit Frankreichs Bürgern. Diese werden deßhalb fortfahren, voll⸗ ständige Sicherheit für ihre Person und ihre — 10. Aug. Die Franzosen steckten bei ihrem Rückzuge das rothe Haus an der For- bacher Straße in Brand und beschossen es mit Granaten. Ebenso ist der eine Flügel des Stations gebäudes durch Geschosse demolirt. Die Oeffnung der angeblich von„Lulu“ ab— gebrannten, im Bahngebäude eingeschlagenen Kanonenkugel ist provisorisch eingefaßt und mit einer Inschrift an die„glorreiche Feuer— taufe“ des hoffnungsvollen Knaben versehen worden. In der Stadt selbst haben nur einige Gebäude durch Geschosse gelitten. Ganz Saar⸗ brücken ist eben ein Lazareth, in jedem Hause liegen Verwundete. Es fehlt sehr an den noth—⸗ wendigsten Lebensmittelg, Fleisch und Brod war kaum aufzutreiben Der Hauptmann und Commandeur der Verpflegungsanstalten der 2. Armee, Betze, erließ folgenden Aufruf: „Große Noth an Lebensmitteln, Brod, Semmeln, Butter, Eiern, Erfrischungen für Lazarethe. Saarbrücken und Saarlouis. Sofort abzu— senden.“— Noch immer werden einzelne ge— fangene Franzosen hier eingebracht. Ihre Gesammtzahl beläuft sich auf über 1800. Die Todten und Kampfunfähigen auf unserer Seite beziffern sich höher, als man anfänglich glaubte, und die Zahl von 3000 dürfte nicht zu gering gegriffen sein. Wohlthuend ist es, zu sehen, wie aus allen Theilen des Vaterlandes uns Hülfe gesandt wird; Aerzte, Pfleger und Pflegerinnen eilen herbei, den zahlreichen Ver⸗ wundeten Hülfe und Pflege zu bieten; von Kaiserswerth, Berlin, Königsberg, Stettin und Dresden sind bis heute 81 evangelische Dia— conissinnen angekommen, desgleichen eine Anzahl Schwestern katholischen Bekenntnisses. Eine Schaar zweckmäßig geordneter und mit allem Erforderlichen ausgerüsteter Studenten der Universität Heidelberg ist ebenfalls angekommen und sofort in Thätigkeit getreten. Güter so lange zu genießen, als sie mich nicht selbst durch feindselige Unternehmungen gegen die deutschen Truppen des Rechts berauben, ihnen Die Die comman- die Truppenkörper Leichenhaufen Laufgräbengürtel, meinen Schutz angedeihen zu lassen, direnden Generale der einzelnen werden durch besondere Vorschriften die Maßregeln festsetzen, welche gegen Gemeinden und einzelne Personen zu ergreisen sind, sofern sie sich mit den Kriegsgebräuchen in Widerspruch setzen. Sie werden ebenso Allie regeln, was sich auf Requi⸗ sitonen, die für die Bedürfnisse der Truppen er⸗ forderlich erscheinen, beziebt, und sie werden die Differenz der deutschen und französischen Valuten regeln, um den Einzelverkehr zwischen den Truppen und den Einwohnern zu ordnen.“ — Der König hat dem Kronprinzen für den Sieg bei Weißenburg das eiserne Kreuz 2. Classe verliehen. — Nach dem Einmarsch unserer Truppen in Frankreich wurde dort folgende Proclamation in französischer und deutscher Sprache bekann! gemacht: „Der Militärgerichtsstaͤnd wird auf Grund des F. 18 II. des preußischen Militärstrafgesetzbuches hiermit in dem oben genannten Departement an⸗ geordnet. für alle diejenigen nicht zu den Truppen der feindlichen französischen Armee gehörenden Personen, welche den Truppen der Armee Seiner Majestät des Königs von Preußen und Allerhöchst⸗ dero Hohen Bundesgenossen wissentlich Gefahr oder Nachtheil bereiten oder der seindlichen Macht wissentlich Vorschub leisten. Die Todesstrafe haben Diejenigen verwirkt, welche a) dem Feinde als Spion dienen oder feindliche Spione aufnehmen, verbergen oder ihnen Beistand leisten; b) freiwillig als Wegeführer den feindlichen Truppen die Wege zeigen oder als solche die diesseitigen Truppen ab⸗ sichtlich auf unrichtige Wege leiten; e) aus Rach⸗ sucht oder in gewinnsüchtiger Absicht zu den dies- seitigen Truppen und deren Gefolge gehörende Personen absichtlich tödten, verwunden oder be— rauben; d) Brücken oder Canäle zerstören, den Eisenbahn- oder Telegraphenverkehr abbrechen, Wege unfahrbar machen, an Munitions-, Proviant oder andern zu Kriegszwecken bestimmten Vorräthen oder an Quartieren der Truppen Feuer anlegen; e) gegen die diesseitigen Truppen die Waffen er- 1 Offiziere und Gemeine, wie eine rothe Garnitur. Forbach, 9. August. Wälder und Felder sind mit Leichen französischer Soldaten besäet. preußischen Pioniere müssen die Wege über Hochebene bahnen durch Wegräumen der Auf den höchsten Kämmen der welche serpentinenartig den Berg umgeben, hangen die zerfetzten Franzosenleichen, Große Detachements arbeiten sich in Schweiß, die Gräben für diese Leichenhaufen von Menschen und Pferden zu schaufeln und in den rothen Berg- fels einzuhauen. Ein gefangener französischer Offizier erklärte offen, daß im französischen Lager die Stellung des Spicherberges für uneinnehmbar gehalten wurde, und vier preußische Infanterie⸗ Regimenter haben sie im Frontsturm genommen. Eine furchtbare Panik mußte die französische Armee ergriffen und sie zur wildesten Flucht an⸗ getrieben haben. Im Dorfe Spicheren fielen den Unsrigen eine Menge Lager-Requisiten der aus dem Bivouac aufgescheuchten Franzosen in die Hände. Ganze Zeltlager, Pferdegeschirre, zahllose Waffen, viele tausende Säcke Hafer, große Vor⸗ räthe von Brod und Mehl, ein Schuppen Cham- pagner und andere Weine. Von der Dorfkirche herüber und aus den Hecken schallt das Stöhnen der Verwundeten. Das Sanitäts⸗Detachement richtet Scheunen und Ställe zu Opperationssälen ein. Aus Blutlachen werden die verstümmelten Körper heraussortirt. Unter dem Operations messer schreien und beten die Unglücklichen; sterbend sinken einige unter unseren Händen zusammen. Die Truppenärzte unserer Regimenter, die hier Bivouac bezogen, detachiren sich ab, um wenig- steus einen Theil der Gräuel bewältigen zu helfen. Von Stunde zu Stunde sucht der Tod sich seine Opfer heraus. bis zum Altare lagern die der Franzosen. Trier, 9. Aug. Gestern wurden 3 Loco motiven und ein langer Zug Waggons, 1. 2. und 3. Classe, die bei Forbach erbeutet worden, herüber gebracht, und heute soll abermals ein solcher Transport erfolgen. An Proviant für Schwerverwundeten Von der Schwelle der Dorfkirche unsere Armee jetzt daselbst nichts weniger als Mangel leidet.— Beinahe nicht minder als unsere Truppen haben, wie Augenzeugen be⸗ richten, die Damen von Saarbrücken-St. Johann sich in der Schlacht vor Forbach durch Uner⸗ schrockenheit ausgezeichnet. Während des hef⸗ tigsten Feuers drangen sie mit Lebensgefahr bis zu den Reihen der Kämpfenden und nahmen sich der Verwundeten an. Ehre sei ihnen! München, 11. Aug.(Officiell.) Von der 3. Armee wurde am 9. August die Feste Lützelstein (la petite pierre) in den Vogesen eingenommen. Das Fort Lichtenberg wurde cernitt und in Brand geschossen. — 11. Aug. Dem königl. Kriegsministerium wird vom 1. bayerischen Armeecorps aus Bären⸗ thal gemeldet: Bei Wörth hat die 1. Division Verwundeten verloren. Dieselbe machte 800 un- verwundete Gefangene. Bei der Verfolgung nahm das 3. Chevauxlegers-Regiment vor Niderbronn im feindlichen Feuer 3 Kanonen. Aus Baden. Daß die Armee Mac Mahon's sich in voller Auflösung befindet und vorläufig durchaus außer Stande ist, einen neuen Kampf anzubieten, bestätigt sich mit jeder Stunde mehr. Ungeheure Vorräthe sind in unsere Hände gefallen, hier in Brumath z. B. große Massen auf der Eisenbahn auf⸗ gehäufte Fourage. Auch zwei reichgespickte Kriegskassen sind weggenommen. Die Damen des Herzogs von Magenta, bestimmt, die Hounneurs im Haupt-Quartier des Marschalls zu machen, waren die Herzogin von Clermont⸗ Tonnerre und Madame Latour-Dupin. Das Gepäck des Marschalls, worunter sich auch das dieser Damen befand, wurde von 1“ preuß. Husaren erbeutet, welche sich das Vergnügen machten, Crinolinen, Chignons, seidene Kleider und Hüte anzuprobiren. Auch der Scherz kaun eine drastische Illustration der Wahrheit ab⸗ geben, daß der Krieg ein ernstes Handwerk ist! Die kronprinzliche Hauptarmee befindet sich in raschem Vormarsch durch die Vogesen. Lieute⸗ nant Winsloe, der Bruder des Gefallenen, ist in voriger Nacht mit großer Kühnheit und Eutschlossenheit um Straßburg herumgeritten und hat an der über Schlettstadt führenden Eisenbahn die Telegraphendrähte zerstört. Straß⸗ burg hat somit keine telegraphische Verbin⸗ dung mehr. Neu estes. St. Avold, 12. August, Mittags. Die Wirkung des Sieges bei Saarbrücken auf die französische Armee ist viel größer gewesen als man anfänglich geglaubt hat. Unter Anderem ließ sie auch 10,000 Decken und für 1 Million Tabaksvorräthe im Stich. Pfalzburg und der dortige Vogesenübergang befindet sich in unsern Händen. Bitsch wird, da es nur eine Besatzung von 300 Mobilgardisten hat, von einer Compagnie beobachtet. Unsere Cavallerie stebt bei Lüneville. Offiecielle militärische Nachrichten. St. Avold, 12. August, Abends 7 Uhr 15 Minuten. Die französische Armee hatte die Position an der französischen Nied zur Verthei⸗ digung eingerichtet; trotzdem ist sie gestern bei Metz über die Mosel zurückgegangen. Unsere Cavallerie steht vor Metz, Pont à Mousson und Nancy. Abtheilungen unserer Armee sind vor Straßburg eingetroffen. Die kleine Festung Lichtenberg hat capitulirt, Lützelstein(la petite pierre) ist vom Feinde verlassen. Daselbst und an verschiedenen anderen Stellen wurden große Magazine und Militärvorräthe vorgefunden. München, 12. August.( Amtlich.) Das 1. bayerische Armeecorps befindet sich nach vollen detem Uebergang über die Vogesen heute im Bivouak in Diemeringen(Arrondissement Saverne). Paris, 12. August. Aus Metz wird von gestern Vormittags 9 Uhr officiell gemeldet: Der Kaiser hat Vormittags die Truppen, welche um den Platz Stellung genommen haben, besichtigt. Menschen und Vieh haben die Franzosen ganz Die Haltung der Truppen ist vortrefflich. Die greifen. Der kommandirende General v. Zastrow.“ enorme Vorräthe daselbst zurückgelassen, so daß Verbindung mit Straßburg ist unterbrochen, 36 Officiere und 800 Mann an Todten und unter bel ze spraf Gru habe Mut gente von! I. haben cuheb. zum zu el Neckg diene 1 habet einne ben U Groß ersten Freita inne Iger hrig ] Von der was kitelstin eingenommen. aud in Brand gemi nisterium aus Bären, u 1. Dinisson Teodien und lachte 800 un. olgung nahm er Niderbroun Armee Mac g befindet und de ist, einen igt sich mit Vertätde sind 1 Brumath dsendahn auf⸗ teichgespickte Die Damen bestimmt, die ts Marschalls von Clermont, Dupin. Das ter sich auch von 14 preuß. a6 Vergnügen stidene Kleider er Scherz lan Wabrbeit ad. Handwerk ist drt sich in een. Lieute⸗ Vesal enen, ist Küpabeit und detumgetulten dad füb renden etstort. Straß, iche Verdin⸗ dure. I del e Geilage. Hberhessischer Anzeiger. 95. — Hessen. Darmstadt. Das Groß berzoglich⸗ Regierungsblatt Nr. 35 enthält: I. Reglement, die Holzpreise und den Holzverkauf in den Großherzoglichen Domanialwaldungen betreffend. II. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 6. Juli dieses Jahres Abends sank der Schreiner Hilbert beim Baden im großen Woog zu Darmstadt plötzlich unter und wurde von Stabsfourier Stein von der Groß⸗ berzoglichen Pionier⸗Compagnie, welcher sofort ins Wasser sprang, untertauchte und den bewußtlosen Hilbert vom Grund heraufholte, gerettet. S. K. H. der Großherzog haben dem Stabsfourier Stein für diese von ihm mit Muth und eigener Lebensgefahr ausgeführte That das all⸗ gemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:„Für Rettung von Menschenleben“ Allergnädigst zu verleihen geruht. III. Dienstnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 13. Juli den Brückengeld⸗ erheber an der fliegenden Brücke bei Oppenheim Kern zum Controleur bei der Brückengelderhebnng zu Worme zu ernennen; am 21. Juli dem Zugmeister bei der Main⸗ Neckar⸗Eisenbahn Götz die Stelle eines Hauptstaatskasse⸗ dieners zu übertragen. IV. Charakierertheilung. S. K. H. der Großherzog baden allergnädigst geruht: am 13 Juli dem Districts⸗ einnehmer der Districtseinnehmerei Nieder-Flörsheim Jäger den Charakter als Rendant zu verleihen. V. Versetzungen in den Ruhestand. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 24. Juni den ersten Landgerichtsdiener bei dem Landgerichte Homberg, Freitag, auf sein Nachsuchen,— am 13. Juli den Distrikts⸗ einnehmer der Districtseinnehmerci Nieder- Flörsheim, Jäger, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lang jährigen treuen Dienste— in den Ruhestand zu versetzen. Das gleichzeitig erschienene Regierungsblatt Nr. 36 bringt das Gesetz, die Aufbringung der zur Feldaufstellung und Unterhaltung der Großherzoglichen Division erforder⸗ lichen Mittel betreffend. — Das Gr. Regierungsblatt Nr. 38 enthält: I. Verordnung, die Taxe der Eichgebühren betreffend. II. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Aufnahme von Branntwein, für welchen Steuerver⸗ gütung geleistet wird, in öffentliche Niederlagen betreffend. In Gemäßheit eines Beschlusses des Bundesraths des Zollvereins wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß von inländischem Branntwein, welcher, nachdem er unter Gewährung der Steuervergütung in öffentliche Niederlagen aufgenommen worden war, von da in den freien Verkehr des Großherzogthums und der mit demselben in Brannt⸗ weinsteuergemeinschaft stehenden Staaten zurückversetzt wer⸗ den soll, die Uedergangsabgabe(§. 3 der Verordnung vom 19. Mai v. J., die Besteuerung des Branntweins betr.) zu entrichten ist. III. Namens veränderungen. — Abg. Hallwachs hat folgenden Antrag in der zweiten Kammer eingebracht:„Die Ange— börigen der im Felde stehenden Soldaten befinden sich theilweise in großer Noth. Die Mittel, welche zur Abhülfe von Gemeinden oder Vereinen in dankens⸗ werther Weise aufgebracht werden, genügen nicht. Es ist Pflicht des Staates, hier mit seiner Bei⸗ hülfe einzutreten. Ich beantrage daher: Großh. Regierang um baldigsie Einbringung einer ent⸗ sprechenden Vorlage zu ersuchen.— Der Abg. Vollhard hat beantragt:„Die Regierung um als⸗ baldige Vorlage eines Gesetzesentwurfs zu ersuchen, wonach auch die Unterofficiere und Soldaten des stehenden Heeres während der Zeit ihrer Mobil— machung von der Einkommensteuer in dem Fall befreit sint, wenn ihr Gesammteinkommen 1500 fl. nicht erreicht.“ Zur Begründung führt der An- tragsteller an: Die allgemeine Wehrpflicht und die Liebe zum Vaterland rufen viele junge Männer zum Kriegs dienst im stehenden Heer, deren Ein- kommen sich zwischen 200— 1500 fl. bewegt. Es wäre ungerecht, diese bezüglich der Besteuerung härter zu halten, als Officiere, Militärbeamten und Landwehr Gerechtigkeit und Billigkeit ver- langen vielmehr eine Gleichstellung der Einen mit den Andern, welche das Einkommensteuergesetz von 1869 Art. 3, 4 und 5 vermissen läßt. — Nach den„H. V.“ lauten die Nachrichten von der hessischen Armeedivision, welche nunmehr bereits die französische Grenze überschritten haben wird, sehr befriedigend. Trotz der nicht geringen Anstrengungen, welche ein jeder Feldzug den Truppen auferlegt, ist ihr Gesundheitszustand gleich- wie ihre Stimmung ganz vortrefflich. Ihr einziger Wunsch sich recht bald mit dem Feind messen zu können, dürfte wohl rasch in Erfüllung gehen. Die Division stand in der Nacht vom 10.— 11. noch bei Forbach; die verschiedenen Gerüchte über Gefechte derselben und Verwundungen einzelner Offiziere und Mannschaften sind darum erfunden. Preußen. Berlin. Pariser Nachrichten, welche an die Regierung und an große Bank— häuser in London schon vor unserem Sieg bei Wörth abgegangen waren, lauteten sehr alarmirt und befürchteten eine Revolution. — Welche enorme Anstrengungen die Ver— pflegung unserer im Felde stehenden Truppen von Seiten der Armeelieseranten erfordert, läßt sich aus folgenden Angaben ermessen: Die Gebr. Lach— mann z. B. liefern für fünf Armeecorps, und zwar für das dritte, siebente, achte, zehnte und Gardecorps und verpflegen so ungefähr 210,000 Mann. Zur Ueberführung an die Truppen haben die Lieferanten 7000 Stück Ochsen, wovon 3700 in Schleswig-Holstein angekauft; 9500 Centner Speck sind in diesen Tagen von Holland via Emmerich und zwar in 4 Dampfern 5000 Centner, der Rest in Westphalen gekaust; 8000 Ballen Reis wurden theils in Rotterdam, theils in Bremen acquirirt; 12,000 Centner Erbsen und Bohnen wurden theils von Schlesien, theils von Preußen zugeführt. Die täglich zur Consumirung kommenden 15,000 Pfund gebrannter Kaffee werden theils in Berlin und in Köln angekauft, theils in einge⸗ richteten Brennereien in Hannover selbst gebrannt. Zur Verpflegung von 65,000 Pferden sind 500,000 Scheffel Hafer angekauft. — In hiesigen politischen Kreisen hat es sehr angenehm überrascht, daß der nordamerikanische Gesandte, Mr. Bancroft, seine Theilnahme an den Erfolgen der deutschen Waffen durch Auf⸗ ziehen der Flaggen an dem Gesandtschaftshotel an den Tag gelegt hat. — Von Seiten des Kriegsministeriums wird zur Kenntniß gebracht, daß der König für die durch Cabinetsordre vom 22. Juli eingesetzten General⸗Gouvernements nachfolgende Bezeichnungen festgesetzt hat: 1) Für das General-Gouvernement im Bezirk des 1., 2., 9. und 10. Armeecorps: General- Gouvernement der Küstenlande. 2) Für das General- Gouvernement im Bezirk des 7., 8. und 11. Armeecorps: General-Gouvernement am Rhein. 3) Für das General- Gouvernement im Bezirk des 3. und 4. Armeecorps: Gouvernement in Berlin. 4) Für das General- Gouvernement im Bezirk des 5. und 6. Armeecorps: General- Gouvernement in Posen. 5) Für das General⸗ Gouvernement im Bezirk des 12.(königlich säch⸗ sischen Armeecorps: General- Gouvernement in Dresden. Saarbrücken. Nach einem von hier er⸗ gangenen Aufrufe ist in der arg heimgesuchten Stadt in Folge der starken Truppenmärsche und der damit zusammenhängenden Verkehrsstockung Mangel an Nahrungsmitteln eingetreten. Der Durchmarsch der Truppen dauert fort, dabei aber, so heißt es in dem erwähnten Aufrufe,„liegen Tausende schwer verwundet, hungernd in den Lazarethen. Um des einigen Deutsch— lands willen, um des Vaterlandes willen, dem dies Blut fließt, sendet Hülfe!“ In verschiedenen Städten am Rhein und auch in Frankfurt haben sich sofort Comite's gebildet, der bedrängten Stadt mit Gaben an Geld und Naturalien zu Hülfe zu eilen. Oesterreich. Wien. Die amtliche„Wiener Zeitung“ veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den Cultusminister, in welchem derselbe auf— gefordert wird, nachdem die Aufhebung des Con- cordates dem päpstlichen Stuhle notifieirt sei, die nothwendige Gesetzesvorlage für den Reichsrath vorzubereiten. Frankreich. Paris, 9. August, Abends. Im Senat hielt der Präsident des Staatsrathes Paricu folgende Ansprache:„Der Kaiser hat ver- sprochen, uns zusammen zu berufen, sobald die Umstände es erheischen würt en. Die Kaiserin hat nicht zögern wollen, Sie einzuberufen, bis die Lage bedrohlich geworden. Wir haben Nieder- lagen erlitten, aber wir sind nicht besiegt; der größte Theil der Armee ist noch nicht zum Kampfe gekommen, er ist da, uns den Sieg zu geben. Unsere Hülfsquellen sind noch unversehrt; wir verlangen von Ihnen cine Aushebung in Masse. Alles ist bereit. Paris ist in Vertheidigungs⸗ zustand gesetzt, um eine lange Belagerung aus⸗ zuhalten. Wir sehen von allen Formalitäten bei der Einstellung von Freiwilligen ab, wir verlangen eine allgemeine Organisation der Nationalgarde, die Einverleibung eines Theils der Mobilgarde in die active Armee, die Einziehung der Alters- klasse 1871. Die Preußen hoffen Nutzen zu ziehen von unseren inneren Spaltungen, diese Hoffnung wird eine trügerische sein. Wenn die Ordnung gestört werden sollte, werden wir uns der Macht bedienen, welche der Belagerungszustand uns überträgt. Wir würden zu unserer Hülfe andere Streitkräfte, als die der Nationalgarde, aufrufen. Die Ordnung ist das Heil.“ — 9. August, Abends. Im gesetzgebenden Körper verliest Ollivier eine Mittheilung, welche der im Senat abgegebenen entspricht. Er erwiedert alsdann gegenüber den vielfachen Unterbrechungen, welche seine Rede aus den Reihen der Linken erfährt, es hieße ein Verbrechen gegen das Vater⸗ land begehen, wenn man mit Personenfragen nur eine Minute verlieren wollte. Man mag die Minister mit Vorwürfen überhäufen, wir werden dem gegenüber Stillschweigen beobachten, und nur die vorgeschlagenen Maßregeln vertheidigen. Die Minister verlangen, daß die Kammern ihnen das Vertrauen bewahren, wenn andere Minister den Ereignissen besser zu begegnen wissen, dann möchten sie aber sofort eintreten; denn gegenwärtig handle es sich nicht darum, Reden zu halten, sondern zu handeln. Dumoulin stellte hierauf mit mehreren Deputirten den Antrag, daß der Vo'rsitz im Ministerium dem General Trochu übertragen würde. Der gesetzgebende Körper nimmt die Dringlichkeit aller von Dejean eingebrachten Vor- lagen an: sofortige Bewaffnung und vollständige Organisation der Nationalgarde in Paris und der Departements auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1831. Redner schreibt die Niederlage der absoluten Unfähigkeit des Generals en chef zu und fordert demgemäß, daß der Kaiser das Com⸗ mando niederlege und daß der gesetzgebende Körper die Leitung der Angelegenheiten des Landes in die Hand nehme. Dieser Antrag ruft eine un- beschreibliche Bewegung hervor. Die Linke zollt demselben Beifall, während die Majorität dagegen protestirt. Cassagnac ruft:„das ist die Revolu- tion!“ und bedroht die Linke mit dem Kriegs- gerichte.(Großer Tumult.) Jules Simon geht auf die Ministerbank zu und bietet seine Brust dar. Picard verlangt, daß die gegenwärtig in Paris befindlichen Regimenter an die Gränze ge⸗ schickt werden sollen; wenn man der Partser Be- völkerung Waffen verweigere, so müsse sie sich auf jede mögliche Weise damit versehen. Picard for— dert ferner eine Veränderung des Ministeriums. Jerome David, der dem Kampfe bei Weißenburg beigewohnt hat, sagt: Wenn unsere Soldaten uns hörten, würden sie uns zurufen: Unterlasset die inneren Zwistigkeiten, bewahret der Armee das Vertrauen, da sie ganz Frankreich hinter sich hat. Ferry ruft, indem er das Ministerium bedroht: „In dieser Stunde kartätscht man Paris nieder.“ Keratry fordert die Abdankung des Kaisers. Er wird zur Ordnung gerufen. Der Schluß der Diskussion wird ausgesprochen, die Sitzung wird suspendirt.(Es sind militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen, die Behörde ist ge— nöthigt, die Eingänge des Palastes frei machen zu lassen. Auf der Place de la Concorde sind heute Mittag zwei Personen verhaftet worden, welche den Arbeitern Geld angeboten haben.) In weiterem Verlaufe der Sitzung des gesetzgebenden Körpers theilte Ollivier mit, daß Marschall Graf Palikao(General Montauban) mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt sei. — Vachtrag.) In dem gesetzgebenden Körper hatte Duvernois folgende Tagesordnung beantragt: Die Kammer, entschlossen, das Ministerium zu unterstützen, welches fähig ist, die Vertheidigung des Landes zu organisiren, geht zur Tagesordnung über. Ollivier hatte hierauf im Namen der Re gierung erklärt, daß er diese Tagesordnung nicht acceptiren könne. Trotzdem nahm die Kammer die Tagesordnung nach dem Antrag Duvernois an und wurde hierauf die Sitzung auf Verlangen Ollivier's unterbrochen. Nachdem die Sitzung wieder eröffnet war, theilte Ollivier, wie bereits berichtet, mit, daß der Marschall Graf Palikao mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt sei. — Einer Depesche aus Metz vom 9. d. M. Mittags 1 Uhr 52 Min. zufolge übernimmt Marschall Bazaine das Obercommando über die vor Metz vereinigten Truppen. General Decamp ist zum Chef des 3. Corps ernannt. Marschall Mac Mahon hat den größten Theil seiner Armee wieder zusammengezogen und zieht sich auf Nancy zurück. — 9. Aug. Der Ministerrath ist permanent versammelt. Die Kaiserin-Regentin weilt im Tuilerienpalaste. Man sagt, Lulu sei ihr von Metz aus wieder zugeschickt worden. Die demo⸗ kratischen Blätter bringen folgendes Document: „Frankreich ist überfallen worden. Die demokra⸗ tische Presse verlangt: die sofortige Bewaffnung aller Bürger, die Ernennung eines Comites der Vertheidigung, das zuerst aus den Pariser Depu⸗ tirten bestehen soll. Mögen sich alle Patrioten erheben und sich uns anschließen! Das Vaterland ist in Gefahr!“ Wenn diese Forderung der republikanischen Partei verwirklicht wird, und man nicht bei den bloßen Worten stehen bleibt, so wäre die zukünftige Regierung da, und der Sturz des Kaiserthums damit ausgesprochen. — Als kleine Probe der französischen Groß⸗ mäuligkeit hier einige Zeilen aus dem Artikel der „Opinion nationale“ über den Sieg bei Saar- brücken:„Der erste Sieg und die erste Etappe auf preußischem Gebiete! Die erste Rache für 1815 am Rhein! Die erste Antwort unserer demokratischen Armee auf die Anmaßungen der Armee der Krautjunker, der Armee des göttlichen Rechts! Dieser erste Sieg brachte uns Saarbrücken. Ach! ihr Herren Preußen, ihr wolltet uns aus⸗ hungern, indem ihr unserer Industrie die Nahrung versagtet, die Steinkoblen. Nun wohl! Wir baben Saarbrücken, wir haben die Schachte der Saar, mit einem ganz neuen Canal, um die Kohlen bis Logelbach und Mühlhausen zu befördern. Wir haben diese kostbaren Lager, und mit Gottes Hülfe werden wir sie behalten.“— Und so rasch und so bitter enttäuscht! — Das„Peuple frangais“ läßt sich von Frouard(dem Verbindungsbahnhof von Nancy und Metz) vom Datum der verwichenen Nacht telegraphiren: Als der Kaiser von einigen Gene— ralen aufgefordert wurde, nach Paris zurückzukom⸗ men, antwortete er: Todt oder siegreich!— Die „Presse“ schreibt:„Die Truppen, welche nach der Ostsee abgehen sollten, haben Contreordre erhalten, desgleichen die Marine-Infanterie-⸗Regimenter. Sie werden nach Paris verbracht und zu der Rhein- armee weitergehen. — Der bei Weißenburg gefallene französische General Carl Abel Douay ist Commandant der zweiten Division des Mac Mahon'schen Corps gewesen. Er ist ein Bruder von Felix Douaß, welcher das 7. Armeecorps commandirt und 1809 geboren; er war 1844 Bataillonschef im 9. Linien⸗ regiment, commandirte aber 1848 an der Spitze eines Jägerbataillons mit Ruhm bei Sidi⸗Brahim in Algier. Im Jahre 1855 zeichnete er sich als Oberst des 2. Gardevoltigeur⸗Regiments bei dem Angriff auf den Malakoff aus und wurde in Folge dessen Brigadegeneral; als solcher focht er in der Diviston de Luzy⸗Palissac 1859 mit Glanz bei Medole, einem Dorfe, dessen einzelne äuser er nacheinander erobern mußte. Im Jahre 1866 wurde er Divistonsgeneral und stand als solcher bisber in Besangdon. Im Jahre 1869 war ihm die Inspection der Schule von St. Cyr über⸗ tragen. — 10. August. Gesetzgebender Körper. Graf Palikao zeigt an, daß das neue Cabinet folgendermaßen zusammengesetzt ist: Palikao Krieg, Chevreau Inneres, Magne Finan⸗ zen, Duvernois Handel, Rigault de Genouilly Marine, Jerome David öffent⸗ liche Arbeiten, Latour d' Auvergne Aeußeres, Grandperret Justiz, Brame Unterricht, Busson⸗Billault Präsident des Staats— raths.— Die Dringlichkeit für den Antrag, wonach aus den Deputirten Comites für Lan⸗ desvertheidigung eingesetzt werden sollen, wird mit 190 gegen 53 Stimmen verworfen.— In Bezug auf den Antrag, vom 11. August beginnend alle fällig werdenden Forderungen auf einen Monat zu prolongiren, wird die Dringlich— keit beschlossen. Forcade verliest den Bericht der mit der Prüfung der gestern eingebrachten Vor— lagen beauftragten Commission, sie hat das Amen⸗ dement Keratry's, alle bisher noch vom Dienst freien unverheiratheten Soldaten der Altersklassen 1858— 1863 einzuberufen, angenommen. Die Commission schlägt außerdem vor, daß alle nicht verheiratheten Bürger im Alter von 2535 Jahren einen Theil der Armte bilden sollen, sie schlägt auch vor, den für die Unterstützung der Familien der mobilen Nationalgarde verlangten Ciedit von 4 Millionen auf 20 Millionen zu erhöhen; der Bericht schließt mit sehr feurigen Worten über dit Einigkeit aller Parteien und die patriotischen Ge⸗ fühle von ganz Frankreich, die allseitig mit Beifall aufgenommen werden. Die Commission schlägt dann schließlich vor,„unseren Waffen den Dank zu votiren mit der Erklärung, daß sie sich um das Vaterland verdient gemacht haben.“(Drei- maliger stürmischer Beifall.) Die Versammlung beschließt, daß der Präsident das Votum der Armee mittheile. Die Vorlage wird einst mmig an⸗ genommen. Belgien. Der König hob bei Eröffnung der Deputirtenkammer in seiner Thronrede hervor, daß beide kriegführende Mächte die Neutralität Belgiens anerkannten. An Belgien sei es, selbst seine Neutralität loyal aufrecht zu halten. Die Regierung habe vorläufig Maßregeln ergniffen. Belgien stehe einer gefährlichen Probe gegenüber. Durch Weisheit, Loyalität und Patriotismus werde es die Achtung der anderen Mächte erwerben und seiner freien Institutionen sich würdig zeigen. Die Thronrede schließt: Gegenüber dieser heiligen Aufgabe einigt sich Alles in dem Ruf: Es lebe das unabhängige Belgien! Großbritannien. London. Glaostone hat in dem Hause der Gemeinen angekündigt, daß England einen Vertrag vorgeschlagen, dem Oester⸗ reich und Rußland beigetreten sind und gegen den auch Frankreich und Preußen keine Schwierigkeiten erheben. Derselbe geht dahin, daß, im Falle einer der kriegführenden Theile das belgische Ge⸗ biet verletze, England eine andere Armee zur Vertheidigung Belgiens aufstellen würde. Die Unterzeichnung des Vertrags ist von Seiten des norddeutschen Gesandten bereits erfolgt, Frankreich ist gleichfalls bereit, sofort zu unterzeichnen. — die norddeutsche Regierung hat den eng⸗ lischen Aerzten den Dienst in den Hospitälern gestattet. Dieselben müssen deutsch sprechen und sich unbedingt zur Disposition stellen. Mehrere Aerzte werden in Kürze abreisen. Die Regierung wies die Zollämter an, die Ausfuhr von Waffen sowie von Schießbedarf nach den Häfen der krieg⸗ führenden Mächte genau zu überwachen. — Laut Pariser Mittheilungen der Pall Mall Gazette beabsichtigen die Orleanisten und die Republikaner den Kammern die Einsetzung einer provisorischen Regierung vorzuschlagen. Die Freunde des Kaisers bereiten die Flucht der Kaiserin und des Thronerben vor. General Changarnier werde jedenfalls ein einflußreiches Commando erhalten. Amerika. Das„Newyork Journal of Commerce“ drückt sein Bedauern darüber aus, daß die amerikanischen Politiker„lokales politisches Capital“ aus dem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland zu machen suchen. Die republikanische Seite neigt sich nach preußischer, die demokratische aber nach französischer Seite zu, weil die irlän⸗ dischen Wähler meist für Frankreich sind.„Von Wasphington,“ so sagt das genannte Blatt,„kommen Beweise genug, daß die Regierung sich auf die deutsche Seite hinneigt.“ Washington. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Präsident die Neutralität der Vereinigten Staaten während des deutsch— französischen Krieges zu proclamiren. Frankfurt. Wie man hört, sollen auf der Main⸗ Weserbahn zwei Mal täglich an die leer zurückgehenden Züge Personenwagen angehängt werden und voraussicht⸗ lich werden vom 14. d. an regelmäßig zwei bis drei Per⸗ sonenzüge täglich von hier nach Kassel und umgekehrt in Betrieb gesetzt werden können. Eine solche Anordnung würde von dem Publikum jedenfalls sehr freudig begrüßt werden. Berlin. Nach Eintreffen der Siegesnachrichten am 4. d., Abends, wurde von den Gästen des Siechen'schen Bierlokals folgendes Telegramm an den König von Bayern nach München abgesandt:„Wir gratuliren zum brillanten Erfolge Ew. Majestät 2. Armee⸗Corps“— Hierauf ist gestern Abend folgende telegraphische Antwort eingetroffen: „Herrn Siechen, Burgstr. 7, Berlin. Ich entbiete den Absendern des Glückwunsch⸗Telegramms meinen aufrichtigen Dank und bringe aus vollem Herzen ein Hoch Ihrem Heldenkönige. Ludwig, König von Bayern.“ London. Das Telegramm Napoleon's an seine Ge⸗ mahlin, in dem er über die Kaliblüligkeit des Söhnleins auf der Höhe vor Saarbrücken und die darüber zu Thränen gerührten Soldaten berichtet, hat in der englischen Presse schon zu vielen bitteren und heiteren Bemerkungen Ver⸗ anlafsung gegeben, so z. B., daß der Kaiser sein Kind in Besserem unterrichten könnte, als in Menschenschlächterei, daß die Mutter, wenn sie eine ehrliche Bürgersfrau wäre, ihrem Manne ob solch niederträchtiger Pädagogik den Kopf tüchtig waschen würde u. dgl. mehr. In der„Pall⸗Mall⸗ Gazette“ aber erbittet sich ein herumziehender Schaubuden⸗ besitzer von Sr. Majestät in aller Demuth zwei oder drei jener sentimentalen Krieger auf Borg. Er wollte sie gut bezahlen, wenn sie jene Rührung täglich zweimal vor dem Publikum aufführen wollten. Frauen-Arbeit im Kriege. Unter diesem Titel veröffentlicht die Modenwelt soeben ein Extra-Blatt mit einer Anleitung zur An⸗ fertigung jeder Art von Verband⸗Gegenständen 2c., welche sich zur Herstellung von Frauenhand eignen. 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