ungen. 0 8 1 49 3 — 75 ———— 1870. Samstag den 1. Januar. N 1. Oberhessischer lnzeiger. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Intelligenzblalt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Mit dem Dienstag, Donnerstag und Samstag, erscheinen wird. U 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf den Oberhessischen Anzeiger, welcher auch ferner wöchentlich dreima Derselbe bringt die kreisamtlichen Erlasse, sodann eine kurze Uebersicht der intertssantesten und wichtigsten Tagesbegebenbeiten, allgemein belehrende und unterhaltende Aussätze, land wirthschaftliche und gewerbliche Mittheilungen, geschäftliche Nach— lichten, Markt- und Cours Berichte, Verloosungen von Staatspapieren und lekale Notizen, außerdem wöchentlich einmal in dem beigegebenen UAnterhaltungs⸗Blatt interessante Novellen und Erzählungen, Gedichte, Anekdeten, Raäthsel, Bilderräthsel 1c. Trotz der seit Beginn des Jahres 1869 eingetretenen nicht unbedkutenden Erhöhung des Abonnements für auswärtige Abonnenten ist die Zahl derselben dennoch ständig im Wachsen begriffen, was uns eine erfreuliche Aufmunterung sein muß, die Geschäfte der Redaktion in der bisher geübten Weise auch ferner fortzuführen. Das Abonnement beträgt bei der Verlagsexpedition ohne Bringerlohn halbjährlich 1 fl., durch die Post bezogen jedoch viertel⸗ jährlich 47 kr. mit Bringerlohn 1 B Der Anzeiger kann nach auswärts auch durch Privatboten direct von uns bezogen werden. 3— brechung eintritt. Bestellungen beliebe man baldigst zu machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unter⸗ Den verehrlichen Abonnenten in hiesiger Stadt werden wir das Blatt auch für das neue Jahr zusenden, wenn nicht ausdrücklich Abbestellung erfolgt. Die Redaktion. — Amtlicher Theil. Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes über die Porkofreiheiten im Gebiete des Norddeutschen Bundes. Friedberg den 30. Dezember 1869. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien, Großherzogliche Polizeiverwaltung Bad-Nauheim, Großherzoglichen Polizeicommissär zu Wickstadt, die evangelischen und katholischen Kirchen- und Schulvorstände, Vorstände der milden Stiftungen, Großherzogliche Gendarmerie, die Gemeinde-Einnehmer und die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises. Auf Weisung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 27. Dezember zu Nr. M. d. J. 12909 eröffnen wir Ihnen, daß nach Maßgabe des rubricirten Gesetzes mit der am 1 in Wirksamkeit tretenden Aufhebung der Porto freiheiten und Porto— ermäßigungen zugleich die Befreiung von der Entrichtung der Bestell— künftigen Monats gebühren, Recommandatious gebühren und Laudpostge⸗ bühren, welche seither für herrschaftlich portofreie Sendungen, im Großherzogthum bestand, für die zum Norddeutschen Bunde ge⸗ hörigen Landestheile in Wegfall kommt. Trapp. Neujahr 1870. Auf Sturmesflügeln enteilt die Zeit. Ein Jahr um's andere schwindet dahin, wie ein Traum, der entflieht, wie ein Nebel, den die Sonne verweht. Diese Wahrheit drängt sich uns auf täglich, stündlich. Sie spricht zu uns aus den Veränderungen, die mit uns selbst und unserer Umgebung vorgehen, wie nicht minder aus denen, die draußen auf dem Markte des Lebens und in der Natur sich vollziehen. Nir- gends aber tritt uns die Wahrheit von der Flüch⸗ tigkeit und der Bedeutung der Zeit ergreifender entgegen, als wenn der hehre Glockenschlag der Mitternachtsstunde das neue Jahr in's Dasein ruft. Daher die tiefe Bewegung, die durch unsert Steie zittert, mögen wir diese Stunde in lär— mender Gesellschaft oder im trauten Familienkreise oder im einsamen Kämmerlein erwarten. Wieder ist ein Jahr dahin! Aus wenigen solcher Jahre ist unser Leben zusammengewoben. Unaufhaltsam gehen wir einem gewissen Ziel entgegen. Ist es noch ferne, ist es nahe? Wie viel Unerwartetes, mitunter recht Schmerzlichee, bat das alte Jahr jedem Einzelnen unter uns gebracht; was birgt das ntue für uns in seinem Schooß? Solche Fragen schauen uns gar erust in's Gesicht, und ce müßte ein erbärmlich herzloser Wicht sein, bei dem das heute überall gehörte:„Glück zun neuen Jahre!“ eine ltere Redensart wäre. Aber üder den engen Kreis des persönlichen Geschickes hinaus richtet sich der Blick auf die Geschicke der Völker, unseres Volkes. Wir schrei— ben 1870. Wie war es sonst? Wie wird's künftig sein? Gehen die Nationen, geht insbeson— otre unser deutsches Volk wirklich immer glück— licheren Zeiten entgegen? Wer darauf eine zweifellose Antwort geben könnte!— Das Jahr 1870 findet die Vöster im Großen und Ganzen in Frieden; nicht Hungerenoth, noch scredlliche Scucher Lagsligen uns, und doch ist der Blick in dte Zukunft ein sorgenschwerer. Oder seben unsere öffentlichen Zustände etwa darnach aus, als wenn sie auf lange hin geordnet wären? Wandeln die Völker gemessenen Schrittes und einmüthig fest und sicher vorgezeichnete Bahnen? Schauen wir uns um, wir können uns darüber nicht täuschen: Die menschliche Gesellschaft befindet sich bis in die letzten Schichten hinein in einem Zustand ungewöhnlicher Erregtheit; man diskutirt mit unheilvoller Heftigkeit und Maßlosigkeit über die Grundlagen aller menschlichen Ordnung. Wem fällt dabei nicht die sociale Frage ein? Nun wohl, die sociale Frage ist keine neue, sie existirt und wird cxistiren, seitdem und so lange es eine menschliche Gesellschaft gibt. Sie ist so zu sagen permanent, nur daß sie je zuweilen mehr in den Vorder- oder Hintergrund tritt. Die Unvoll- kommenheit und Mangelhaftigkeit aller menschlichen Einrichtungen wird sich immerdar auch in den Beziehungen der einzelnen Gesellschaftsschichten zu einander zeigen, und es wäre ein trauriges Zeichen von Stumpfsinn und Erstarrung, wenn es je an Bestrebungen fehlte, diese Beziehungen auf den Grundlagen der Gerechtigkeit und Billigkeit zu vervollkommnen. Um se bedenklicher aber ist der Geist, der gegenwärtig in gewissen Arbeiterkreisen grassirt Es ist ein fluster unheimliches Wesen, bas da umgeht; es bedroht das Eigenthum, die Grundsäule aller Kultur und persönlichen Freiheit, ja die Gesellschaft selbst und will doch größere Freiheit, menschenwürdigere Zustände erzielen! Welche Itrihümer werden da gepredigt und ge— glaubt, welche Drachensaat des Hasses ausgestreut! Wie wird der ruhige Entwickelungsgang der ein— schlägigen Verhältnisse gestört und aufgehalten! So will man gegen die Macht des Kapfkfals an- kämpfen und arbeitet ihm hundertfältig in die Hände, indem man von Seiten der Arbeiter (Arbeiter! Als ob die menschliche Gesellschaft zu ihrer Existenz nicht der mannichfachsten Arbeiter bedürfte und der Geschästsinhaber, der in hundert Fällen eben nur sein Stückchen Bred verdient, nicht eben auch ein Arbeiter wäre) durch gesteigerte Lohnforderung und verminderte Arbeitstreue all- mählich das Kleingewerbe vernichtet und den Meister zwingt, mit dem Gesellen in die Fabrik zu wandern. Ob das„Striken“ dem übergroßen Kapital gegenüber die damit verbundenen Zwecke fördert, ist eine schwierige volkswirtdschaftliche Frage, daß es aber in kleineren Verhältnissen eine Waffe ist, die sich zumeist gegen den kehrt, der sie führt, ist gewiß. Hier regelt der Marktwerth der Arbeits- erzeugnisse fast mit mathematischer Genauigkeit die Arbeitelöbhne, und jenen im Handumdrehen zu erhöhen, ist eine Sache der Unmöglichkeit.— So setzt man sich in feindseligen Gegensatz zum Besitzenden um des beneideten Besitzes willen, und lauscht dech mit Entzücken der frivolen Lehre von der Thorheit des Sparens und der Weisheit des Genusses, während der Unverführte und Verständige dei Zeiten sein Sümmchen erspart und selbst Besige: wird. Zwar verfangen die blendenden Theorien der Schweitzer, Mende, Lieb— kueche ic. nicht überall; der gesunde Sinn der großen Mehrheit durchschaut die hohlen Deklama- tionen und wendet sich mit um so größerem Eifer den segensreichen Besirtbungen zu, die da beißen: treue Arbeit, Bildung, die den Arbeitswerth er— höht, Sparsamkeit, die das Erwerbene hält, und vernünftige Association. Immerhin ist die vor— erwähnte Bewegung eine tiefgehende, deren Weiter— entwickelung und Ausgang sich aller Berechnung entzieht. Nicht minder ernst ist die Bewegung, von welcher die Gegenwart in xeligiöser Beziehung ergriffen ist. Welche Zerrissenheit in dem reli— glösen Bewußtsein, welches Auseinandergehen der Strebungen! Das Coneil in Rom und der Frei— denker-Congreß in Reapel, protestanlische Ortho— doxie und Protestantenverein und freircligsöse Gemeinden, Gottesglaube und Nihilismus, welche Gegensaͤtze! Wird das neue Jahr sie ausgleichen und versöhnen? Wird das Concil in Rom in gemäßigter Stimmung seine Thätigkeit darauf richten, innerhalb der kath. Kirche das religiöse Leben zu kräftigen, der Macht des Bösen zu wehren, Frieden zu stiften in den Staaten und zwischen den Völkern? Oder wird es neue Dogmen schaffen, der Wissenschaft und der ge⸗ sammten Kultur des 19. Jahrhunderts und den Grundlagen des modernen Staatslebens den Krieg erklären? Was ist zu hoffen, was ist zu fürchten? Und dann der Protestantismus in Deutsch— land. Ihm scheint vorzugsweise die Aufgabe geworden, die Gegensätze zwischen Wissenschaft und Glauben, morderner Bildung und religiösem Leben zu versöhnen, und eine neue Periode zu schaffen, wo das wahre reine Christenthum Wissen- schaft und Kultur verklärt und immer höheren Zielen entgegenführt. Diese Aufgabe tritt zwei⸗ felsohne an unsere Zeit heran. Wird das Jahr 1870 sie fördern? Wird insbesondere die Kirchen- verfassungsfrage in unserm Hessen eine gedeihliche Lösung finden? Viel ist zu hoffen, viel ist zu fürchten! N Betreten wir das Gebiet der Politik. Schon oben wurde erwähnt, daß die Constellationen, unter denen das neue Jahr erscheint, einen ziemlich friedlichen Charakter tragen. Als eine neue Be- stätigung dieser Ansicht darf wohl die jüngsthin in ungewöhnlich herzlicher Weise geschehene Verleihung des höchsten russischen Militärordens an Preußens König gelten. Rußland und Preußen im Einvernehmen, das vielbesprochene Bündniß zwischen Frankreich, Oesterreich und Italien auf der andern Seite in den Brüchen schließt wohl vorläufig eine ernstliche Kriegsbefürchtung aus. Darum aber in die Dauer der europäischen Zu- stände Vertrauen setzen wollen, wäre Irrthum. Im Gegentheil, wohin wir blicken, entweder Un⸗ fertiges, Provisorisches oder das fieberhafte Stre— ben, die seitherige Ordnung der Dinge über den Haufen zu werfen. In Frankreich ist zwar das Jahr 1869, das für Napoleons Dynastie, wie nicht minder für seine Person ein rechtes Schmer⸗ zensjahr war und beide dem Grabe nahe brachte, gegen Erwarten ruhig abgelaufen. Der 26. Okt. und der 2. Dezember fanden Paris leidlich still, die Kaiserin ist vom Orient zurückgekehrt, der Kaiser wieder ziemlich wohl auf, der kleine Louis kann schon rauchen, und Rochefort— ist im gesetzgebenden Körper, dessen Wahlprüfungsdebatten den Pariser schließlich gelangweilt haben, bei weitem nicht so fürchterlich als hinter der„Laterne“. So hat man Kraft und Muße gefunden, zur Abwechselung das parlamentarische Schild aus- zuhängen und ist eben in der Bildung des dazu benöthigten Ministeriums(Ollivier) begriffen. Wie lange es vorhält! Die Republikaner und Unversöhnlichen sind zwar in der Minderheit, auf Seite des Kaiserthums die Landbevölkerung und Alle, die die Furcht vor dem rothen Gespenst an die Ordnung fesselt; Paris dagegen hat dem Napoleoniden den Rücken gekehrt, und die Presse ist der auffallend unsicheren Haltung der Regierung gegenüber maßlos, jede Schranke von sich wer⸗ fend: Paris ist ein Vulkan. Nur wann er zum Ausbruch kommt, läßt sich nicht bestimmen.— In Spanien hat man die karlistische Bewegung im Keime erstickt, die republikanische Erhebung niedergeworfen. Einen König sucht man immer noch vergebens; auch den jungen Herzog von Genua gelüstet's nicht nach dem theuren Lohn. Einstweilen will man wenigstens die Krone parat halten, stößt dabei aber auf eine merkwürdige Abwesenheit von Krondiamanten.— Italien krankt. Ministerkrisis und Defizit, Defizit und Minister⸗ krisis! Erscheint ihm seine Einheit immer so kost— bar, als sie kostspielig geworden, ist sie für alle Zeiten gesichert.— Der kleine Grieche, der noch vor Jahresfrist so viel Rumor gemacht, verhält hochbeglückt durch den Besuch der hohen Herr- schaften des Abendlandes. N Die orientalische Frage ist freilich damit nicht aus der Welt geschafft. Ihr Brennpunkt liegt in der nationalen Bewegung der Slaven, und früher oder später wird es krachen vom Adriameer über Oesterreich und die Türkei hin. Der Schutz- patron dieser Bewegung, der Czaar, ist zwar weit, aber mächtig, und die Slavennatur hat etwas ungemein Zähes. Der Aufstand in Dalmatien, der die Kläglichkeit der österreichischen Truppen⸗ führung auf's neue dokumentirt hat, kann als kleines Vorspiel zu jenem großen Drama angesehen werden. Ueberhaupt wird der bösterreichische Staatswagen trotz der neucreirten Beust'schen Gallauniform imwer schwieriger zu lenken. Aus dem eis⸗- und transleithanischen Zweigespann droht ein Drei-, Vier- oder R-Gespann zu werden, das, noch überdies gestachelt von aristokratischen, ultra- montanen und socialdemokratischen Sporen, nach allen Seiten ausschlägt und nach den verschieden⸗ sten Richtungen seine Rennbahn sucht. leithanischen Bürgerministerium wird's schwindelig dabei, der Verfassungsboden schwankt trotz der mann⸗ streben, haben sich in Deutschland die 1866 ge⸗— waltsam begonnenen Einheitsbestrebungen nach; gerade ziemlich fest gefahren. Das verflossene Jahr hat die Mainlinie nicht beseitigt, das kom⸗ mende wird es auch nicht thun. Die Geneigtheit in Süddeutschland zum Anschluß an den nord- deutschen Bund hat sich in der letzten Zeit kaum vermehrt. Woher das? Vaterlandsliebe ist doch nicht blos in Norddeutschland zu Hause! Der Ultramontanismus kann nicht allein die Schuld tragen, seitdem man weiß, daß derselbe in Preußen nicht übel geborgen ist, und wenn man auch den alten Begensatz zwischen den Stämmen des Südens und Nordens in Betracht zieht, so bleibt leider noch viel übrig, was auf Rechnung des Mangels an moralischen Eroberungen zu setzen ist. Alle Anerkennung, die der Tüchtigkeit des wackeren Preußenvolkes, seinen Verdiensten um die Befreiung gezollt werden nicht hinweg. wunderbar starkgläubig sind. Verhängnißvolle unserer Lage bestünde, davon. eine eitle sein, und soll erst ein appelliren. vergrößert. Wir man heute Millionen Kriegstruppen auf sich jetzt ganz artig und geschickt. An Verdruß hat's dem„kranken Mann“ darum nicht gefehlt. Diesmal war es der Pascha von Egypten, der Soureränelers spielen wollte. Nunmehr ist er zwar nicht zu Kreuz gekrochen, hat sich aber dem Halbmond einstweilen wieder gefügt, und der Be⸗ herrscher der Gläubigen, sowie sein Khedive sind tilgung zu beginnen. Wir sinv mit unsern Fragen an die Zukunft wir Wenn auch über steuerkapitalien, wie Wernher vorschlägt, sondern große Schwierigkeiten hinweg, wenn auch auf, der ganze Betrag derselben ohne eine obere Grenze zu Ende. Sie sind recht ernst. Sollen darum verzagen? Mit nichten. krummen, manchmal scheinbar rückläufigen Bahnen vorwärts geht es doch mit der Menschheit. Dem eis⸗ haften, ehrenfesten Kundgebungen des Reichstages. Während aber Oesterreichs Völker auseinander Deutschlands von napoleonischer Gewaltherrschaft ꝛc. muß, bilst über jene Wahrnehmung pellation in Betreff der fortgesetzten Pensionirungen Die Celler Denkmalsgeschichte, die höherer Offiziere, insbesondere die an der Spitze Kundgebungen im preuß. Herrenhaus, die sogar auf Abschaffung der Diäten für das Abgeordneten haus plaidiren, die Verhandlungen in letzterem in Volksschulfragen und über das Unterrichtsgesetz, das ganze Verhalten des Regimes gegen den Parlamentarismus und noch manches Andere im deutschen Musterstaat haben selbst diejenigen be⸗ derklich gemacht, die sonst in dieser Beziehung forderung veranlaßt, so werde er nicht unterlassen, Indeß der nord- deutsche Bund konsolidirt sich immer mehr, seine Militärmacht ist ehrfurchtgebietend und:„Wir können warten!“ Als ob nicht gerade darin das daß Europa in Waffen starrt, seine kräftigsten Arme statt zu arbeiten, das Gewehr tragen und seine Militärbudgets die Steuerkraft der Völker bis auf's Mark aussaugen und für die Zwecke des Friedens nur einige Brosamen übrig lassen. Unsere neuen Steuerzettel singen uns wieder ein Liedchen Wann und wie will das enden? Die Hoff— nung auf Abrüstung wird noch auf lange hin surchtbarer Völkerkrieg im alten Europa diesem unnatürlichen Zustand ein Ende machen? Man sollte in unserem Zeitalter der Humanität nicht mehr an den Krieg Kriege haben überdies in Europa zu allen Zeiten nur Militärmacht und Militärlast leben nicht in Amerika, wo den Beinen hat und morgen mit 48,000 Mann aus- kommt, um übermorgen frischweg mit der Schulden- Die werden soll. großen Werke des Friedens, die im Lauf des alten Jahres eröffnet oder doch gefördert worden und die die Völker sich immer näher und Verkehr und Kultur in Wüsten und Einöden bringen, der Suezkanal, die Paeiffc⸗, Mont-Cenis“ und die Gotthardtbahn sind leuchtende Zeichen dafür. Wie gewaltig erscheint der Fortschritt, denkt man ein, zwei Jahrhunderte zurück. Furchtbare Krankheiten, die früher als leibhaftiger Würgengel über Länder und Völker hinschritten, sind seltener und weniger schrecklich, die Kriege kürzer und menschlicher ge⸗ worden; Hungersnöthen ist durch vermehrte Pro- duktion und Erleichterung des Verkehrs, sowie durch thätigere Unterstützungsbereitwilligkeit ihre allzuverheerende Macht genommen; das physische Leben der Völker istmenschlicher geworden, so daß auch der Aermste heutzutage durchschnittlich besser wohnt, mit ihren wilden Ausbrüchen schwinden, und Auf⸗ milde Herrschaft. Hexenprozesse und Inquisition liegen hinter uns, und nur noch in Spanien und Italien ist es möglich, daß blinde Volkswuth einsam wandernde Engländer zu Tode martert in der Meinung, sie schlachtelen Kinder, um mit deren Fett die Telegraphendrähte zu schmieren, oder arme Einwohner erschlägt, weil sie die Cholera in's Dorf gezaubert hätten. anderen Völkern voranzuleuchten in der Pflege der geistigen Güter der Menschheit, es wird durch Wirrnisse und Zwiespalt endlich hindurchdringen zu ersehnter Einheit und fröhlicher Eintracht. Mögen nur die Machthaber beim Beginn eines neuen Jahres sich daran erinnern, Welt, zumal in unsern Tagen, außer der Macht- oder geringeren Fö Staaten sich bemißt. Glück auf zum neuen Jahre!! Hessen. Darmstadt, 29. Dez. heutigen Sitzung der zweiten Kammer beantwor⸗ Edinger und Oechsner eingebrachte Inter- der Interpellation stehende Frage: Ob Groß⸗ herzogliches Kriegsministerium, trotz solcher be⸗ minister äußerte, er sei bisher mit der verwilligten Summe ausgekommen; sähe er sich zu einer Nach⸗ dieselbe zu rechtfertigen. Der Abg. Dumont Verwahrung ein— hält sie für verfassungswidrig und überreicht einen Antrag, nach welchem die Kammer im Voraus jede Mehrverwilligung ver- weigern und das Kriegsministerium für eine etwaige Ueberschreitung verantwortlich machen soll. Edinger schließt sich diesem an. K. J. Hoff⸗ mann erinnert an die Eingabe der Stadt Offen⸗ bach wegen des von dem Fürsten zu Isenburg⸗ Birstein beanspruchten Präsentationsrechtes an der höheren Töchterschule zu Offenbach und an die von der Regierung auf das Ersuchen der Kammer in Aussicht gestellte Vorlage über Verfassungs⸗ reformen innerhalb der evang. Kirche. Gegenstand der Tagesordnung ist die Recommunikation der ersten Kammer, den Steuerfuß bei außerordent— lichen Steuer-Ausschlägen und Gemeinde⸗Umlagen betreffend. Die erste Kammer hat den von der zweiten Kammer mit geringer Mehrheit ver⸗ worfenen Wernher'schen Antrag wieder auf' gegriffen und denselben unter Zustimmung der Regierung zum Beschluß erhoben. Die Majori⸗ tät des diesseitigen Ausschusses empfiehlt Beitritt, während der Berichterstatter selbst, Abg. Gold- mann, sich für Aufrechthaltung des früheren Be⸗ schlusses, nach welchen nicht die halben Einkommen— : festzusetzen zu den Communalumlagen zugezogen Hunsinger behält seinen in der besser ißt und sich besser kleidet wie früher. Der Aberglaube mit seinen Schrecken, die Brutalität klärung und Gesittung erweitern und vertiefen ihre Das deutsche Volk aber wird seines hohen Berufs eingedenk bleiben, daß es in der frage noch Kulturfragen gibt, nach deren eifrigeren erung die wahre Macht der In der tete der Kriegsminister die von den Abgg. Dumont, deutenden Belastung des Militärbudgets mit Ruhe ⸗ gehalten, mit der ihm für diese Periode verwilligten Pauschsumme auszukommen vermöge. Der Kriegs- legt gegen jede Ueberschreitung der Pauschsumme 1 den Namen früheren Debatte eingenommenen prinzipiellen Standpunkt gleichfalls bel, schließt sich aber der ersten Kammer an, um überhaupt das Gesetz zu Stande zu bringen. Dumont will mit Gold⸗ mann auf den früheren Beschlüssen beharren. Nach längerer Debatte fällt bei der Abstimmung der Wernhersche Antrag mit 26 gegen 22 Stimmen und beharrt demnach die Kammer auf dem früheren Beschluß.— Die früher beschlossene Bedingung zu dem Gesetz über Zuziehung der Einkommen- steuerkapitalien zu den Communallasten, daß der Unterschied zwischen den Gemeindeausgaben II. und III. Klasse wegfallen müsse, wird gegen eine starke Minderheit fallen gelassen. Auf eine Vorstellung von Mitgliedern der israelitischen Religions- gemeinde zu Oppenheim, die Wahl ihres Vor— standes betreffend, beantragt der Ausschuß, der Regierung zu empfehlen, anzuordnen, daß der israelitischen Gemeinde zu Oppenheim, aber auch den übrigen israelitischen Gemeinden, die sich noch in gleicher Lage befinden, gestattet werde, die Mitglieder ihrer Vorstände direct durch sämmt— liche Gemeindemitglieder zu wählen. — 30. Dez. Die zweite Kammer verwarf in ibrer heutigen Sitzung nach fünfstündiger De— batte über die von der Regierung der Bank für Süddeutschland ertheilte Erweiterung der Con- cession, Noten zu emittiren(von dem doppelten des eingezahlten Capitals auf das Dreifache), den darauf bezüglichen Antrag des Abg. Dumont, diese Concessionserweiterung für verfassungswidrig zu erklären, mit 38 gegen 4 Stimmen. Ebenso wurde der Antrag der Majorität des Ausschusses, die Kammer möge erklären, daß die Regierung durch die Erweiterung der Concession das Interesse des Landes nicht gewahrt habe, mit 22 gegen 19 Stimmen abgelehnt. Dagegen ersuchte die Kammer die Regierung: 1) das Zustandekommen eines das Bankwesen betreffenden Bundesgesetzes nach Kräften zu fördern und bis dahin keine Con- cessionserweiterung eintreten zu lassen; 2) auf Errichtung von Bankfilialen in Mainz, Worms, Offenbach und Gießen hinzuwirken. Ersteres Er— suchen fand einstimmig, letzteres mit allen gegen acht Stimmen statt. Die Kammer vertagte sich hierauf. Preußen. Berlin. Nach Aeußerungen der hiesigen Blätter wird Graf Bismark Anfangs Januar nicht nur die Geschäfte wieder völlig übernehmen, sondern auch im Abgeordnetenhaus wieder persönlich eingreifen. — Der„Staatsanz.“ meldet: Die bayerische Regierung hat sich bereit erklärt, über den Ab- schluß eines Jurisdictionsvertrags mit dem nord- deutschen Bunde zu unterhandeln. Oesterreich. Wien. Der Unterwerfung der Insurgenten ist die Amnestie auf dem Fuße gefolgt. Wie hiesige Blätter aus Cattaro melden, hat der Kaiser die Gemeinde Braic und alle übrigen, bis nun unterworfenen Insurgenten be— gnadigt. Frankreich. Paris. Im gesetzgebenden Körper wurde der Deputirte Schneider mit 190 von 230 Stimmen wieder zum Präsidenten ge- wählt. Nach der Wahl des Bureaus ergriff der neugewählte Präsident Schneider das Wort und dankte der Kammer zunächst für das ihm wiederum bewiesene Vertrauen, daß sie ihn berufen habe, sich der großen Mission zu unterziehen, die künftig- hin dem gesetzgebenden Körper zufallen werde. „Der Brief des Kaisers“, äußerte er,„ist die Krone unserer Verfassungsänderungen und so wichtig für unsere Institutionen, daß man ihm einer friedlichen Revolution geben Vor ähnlichen Thaten müssen die Vor- urtheile verschwinden, die Feindseligkeiten sich beruhigen. Ich lade alle Männer patriotischer Gesinnung ein, sich zu einigen, um das Kaiser- reich zu befestigen und alle Freiheiten sich ent— wickeln zu lassen. Der Kammer, die heute mit den Vollmachten des parlamentarischen Regimes könnte. ausgeslattet wurde, steht es zu, ein gutes Belspiel zu geben und durch die Mäßigung und Würde ihrer Debatten zu zeigen, daß sie allein von der Liebe für das Wohl des Staates beseelt ist.“ — Die„Frante“ meldet, es sei noch keine definitive Ministerliste festgestellt, doch seien die Verhandlungen so weit vorgeschritten, daß am Donnerstag bereits die Namen der ntuen Minister im offiziellen Journal erscheinen könnten. Türkei. Konstantinopel. Die Behaup⸗ tung, der Vicekönig habe 75 Millionen Francs an die Pforte gezahlt, um den Ausgleich herbei— zuführen, wird als völlig grundlos bezeichnet. Der Vicekönig hat weder eine Zahlung an die Pforte gemacht, noch ist ihm eine solche zu— gemuthet worden. — Der türkischegyptische Conflikt scheint wieder neu aufzuleben. Die Pforte verlangt die Auslieferung der vom Khedive angeschafften Chassepots und Panzerschiffe, sowie die Unter— ordnung der egyptischen Armee und Flott(unter einen vom Sultan ernannten türkischen Comman— danten. Der Vicekönig aber will, wie es scheint, darauf nicht eingehen, und darum zieht sich auch seine Reise nach Konstantinopel, die gleich nach dem Beiramsfeste stattfinden sollte, in die Länge. Gießen. Vor den Assisen des I. Quartals 1870 kommen folgende Anklagen zur Verbandlung: Den 3. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Karl Hinkel von Vilbel, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Vertheidiger: Großh. Hofgerichtsadvocat Hensler.— Denselben Vormiltags 11 Ubr gegen Ludwig Ockel von Unter- Schmitten, wegen ausgezeichneten Diebstahls; den 4. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Markus Roth von Nieder-Obmen, wegen Meineids; Vertheidiger: Großb. Hofgerichtsadvocat Dr. Schüler.— Den 5. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Konad Stengel von Ostheim, wegen Meineids; Verthei diger: Großh. Hofgerichtsadvocat Baist.— Den 6. Januar Vocmittags 9 Uhr gegen Johannes Georg II. von Lan⸗ denhausen, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Vertheidiger: Großh. Hofgerichtoadvocat Hirschhorn.— Den 7. Januae Vormittags 9 Uhr gegen Wilhelmine Schunk ledig, und Heinrich Knaf ledig, von Büdingen, wegen Meineids, Anstiftung bierzu und össentlicher thär⸗ licher Ehrenkränkung; Vertheidiger: Großh. Hoszerichts⸗ Advocat Dr. Muhl und Engelbach II.— Den 8. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Johannes Luft von Engelrod, wegen verschiedener Diebstähle und Eigenthumsbeschädigung; Vertbeidiger: Großb. Hofgerichtsadvocat Krauskopf. Frankfurt. Die Schneebahn hat eine neue Industtie zu Tage gefördert. Einige unternehmende Köpfe, Besitzer von Schlittenstühlen, wie solche auf dem Rechneigraben in Gebrauch sind, fahren nämlich die Leute gegen eine kleine Gebühr, wohin sie wollen. Eine Fahrt in der Stadt kostet 12 ke. Frankfurt. In der am 3. Januar statthabenden Zusammenkunft des landwirihschaftlichen Monatsclub wird die beim Reichstage des norddeuischen Bundes einzureichende Denkschrift, betreffend die Einführung der Brennerei— Fabrikaistcuer, vorgelegt werden. Gleichzeitig findet eine weitere Besprechung über das Verhäliniß der Dienstherr⸗ schaften zu den Dienstdoten statt. Frankfurt. Der einzige hiesige Toxis'sche Postbeamte, welcher sich im Jahre 1867 den Abmachungen zwischen der preußischen Regierung und dem Fürsten v. Thurn! und Taxis nicht fügte, sondern sein Recht bei den bayeri— schen Gerichten weiter verfolgte, hat in diesen Tagen glänzend gesiegt, indem das Oberappellationsgericht in München den Fürsten Taxis nicht nur zur Zahlung des rücktändigen Diensteinkommens des gedachten Beamten nebst Zinsen und Kosten, sondern auch zu dessen lebens länglicher Pensionirung mit vollem Gehalt verurtheilt hat. Ein von Hen. Prof. Dr. Zöpfl zu Heidelberg in dieser Sache abgegebenes ausführliches Rechtsgutachten, das im Druck erschienen ist, wurde durch besagtes Urtheil seinem ganzen Umfange nach bestäligt. Worms. Ale Beweis, daß man nicht immer mit Gewißheit auf schriftliche Belege hin den im Auslande erfolgten Tod eines Anverwandten, als in Wirklichkeit erfolgt, annehmen muß, können wir auch einen Fall von hier miuheilen. Dieser Tage kehrte nämlich ein junger Mann, wescher seit dem Jahre 1865 in Amertka verweilte, zur größten Ueberraschung von dort zurück, da er von einen Angehörigen dahier längst als todt betrauert war, indem die Mutier einen amtlich beglaubigten Todesschein aus Amerika hatte. Der zuxückgekehrte Sohn machte nämlich den Krieg mit, ward verwundet, vermißt und als lodt in der Mannschaftsliste aufgeführt Kassel. Aus dem etliche Stunden von hier entfernten Städtchen Felsberg wird mugetheilt, daß auf der Domaine Mulielhof kürzlich fast gleichzeing sieben Personen in einer Weise erkrankien, daß der herbeigerußene Arzt, Dr, Heuser, Trichinenkrankheit erkennen zu müssen glaubte, und sich deßhalb veranlaßt sah, Fleischstücke von zwei, einige Wochen vorher beschlachteten Schweinen mikroskopisch zu unter⸗ suchen. Die Untersuchung lieferte dae Eigebniß, daß das Fleisch mit zahlreichen Trichinen zersetzt war. Paderborn. um ersten Weionachtgsetertage eutglelste schlenen beladener Extrazug Die dadurch bewürkien Zer— trümmerungen an Wigen und Befrachtung sind riesig und mim fand unser den Trümmern drei Leschen, sowie etliche wil nn hier und Warburg ein auch mit vielen Eisenbahn ö er Cyankali gethan hatte. Das Gift wirkte rasch. Verwundete. Aus Baden. Nie deg Bades Antogast Fabrtkant Mathiß aus Freiburg beraubt und ercrordel. Zwei dieser That beschuldigte In dividuen sind dieser Tage von dem Schwurgericht zu Offenburg des Raubmorbes für schuldig erklärt und zum Tode verurtbeilt worden. Vom Bodensee. In Ueberlingen ii ein großer Thell des neuerrichteten Boulevards beim Löwen mit großem Getöse in den See gerutscht; man befürchtet weitere Einstürze. Die technische Behörde ist damit be⸗ schäfligt, die Ursache des Unglücks zu ergründen. Der Schaden ist beträchtlich, da das Boulevard die Stadt elwa 6000 fl. gekostet hatte. Paris. Im Proceß Traupmann haben die öffentlichen Verhandlungen unter großem Andcange bes Publikums am 28 d. begonnen. Aus dem sehr umfang⸗ reichen Anklageakt geben wir nachstehenden kurzen Aus zug: Am 20. Sepiember 1869 wurden auf dem Felde von Pantin, in der Nähe von Paris die Leichen einer Frau und fünf Kinder leicht verscharrt aufgefunden. Die Be⸗ amten des Nordbahnhofes machten daraufhin die Anzeige, daß Tags zuvor eine Frau Kink, die mit 5 Kindern von Noubaix angekommen, nach ihrem Manne gefragt habe und später nicht mehr gesehen worden sei. Als man den Beamten die Leichen zeigte, bestätigten sie, daß es die der Frau und der 5 Kinder seien. Nachfragen über die Fa⸗ milie Kink ergaben: Johann Kink, Mechaniker und seine Frau wohnten mit 6 Kindern, deren ältesles, Gustav, 16, das jüngste ein Mädchen, 2½ Jahre alt, in Roubaix. Im Hotel des Bahnhoses zu Paris, wo Frau Kink am 19. September nachfragte, war ein Reisender unter dem Namen Johann Kink abgestiegen, nach Auffindung der Leichen aber verschwunden. Gleichzeitig verlor man die Spur von Gustav Kink, so daß die Annahme wahrscheinlich wurde, Vatec und Sohn hätten das Verbrechen begangen. Da wurde Traupmann am 23. September in Havre der Gendarmerie verdächtig und arretirt. Auf dem Wege zum Staatsanwalt suchte Traupmann durch einen Sprung in ein Hafcubassin zu entrinnen; er wurde jedoch aus dem Wasser geholt. Man fand bei ihm, sorgfältig in den Klei⸗ dern verborgen, Quittungen, Wechsel und andere Werth⸗ papiere auf den Namen Kink. Außerdem 210 Franken, 2 Uhren und andece Gegenstände, die später als Eigen⸗ thum der Familie Kink erkannt wurden. Traupmann verweigerte Anfangs jede Auskunft. Später erzählte er, er habe dem Johann Kink und Gustav Kink nur Beihilse bei Ausübung des Verbrechens geleistet und sich hierauf nach Havre begeben, um Alles zur Ueberfahrt der beiden Geuannten und seiner selbst vorzubereiten. Die Nach⸗ sorschungen ergaben jedoch, daß diese Erzählung erdichtet und Traupmann der einzige Thäter sei. Den ersten Wider⸗ spruch brachte die Entdeckung der Leiche Sustavs, die am 26. September auf dem nämlichen Felde aufgefunden wurde und die nach wissenschaftlicher Prüfung früher als die andern Leichen eingescharrt sein mußten. Als Traup⸗ mann vor sein siebentes Opfer geführt wurde, sagte er nur: Ich wußte nicht, daß er(Johann Kink) auch diesen ermordet hale. Die Vocuntersuchung hat jedoch heraus⸗ gestelln: Daß Traupmann den Johann Kink in die unbe⸗ wohnte Gegend von Wattwiller gelockt. Es war dieß am 25. August. Inmitten eines Waldes forderte Traupmann den Johann Kink auf, aus einer Flasche zu trinken, in die Traup⸗ mann plünderte die Leiche aus und vergrud sie. Die Nachforschungen, die nach dem bezüglichen Geständnisse des Angeschuldigten angestellt wurden, bestätigten die Geständ⸗ nisse. Man fand die Leiche des Jodaun Kink und eine Analyse der Eingeweide ergab, daß Johann Kink auf die angegebene Weise vergiftet worden ist. Traupmann dot von da an alles Mögliche auf, sich in den Besitz einer Summe Geldes von 5500 Franken zu setzen, die Frau Kink nach Guebwiller geschickt hatte. Die Post machte indessen Schwierigkeiten und Traupmann reiste nach Paris zurück. Hier wohnte er mit Gustav Kink zusammen im Bahnhotel. Von da läßt er Gustav Kink am 17. Sep tember an seine Mutter schreiben, am nächsten Sonntag nach Paris zu kommen und Geld und Werihpapiere mit⸗ zubringen. In der Nacht hat Traupm ann Gustav er⸗ mordet.— Es folgt nun in dem Anklageact eine ausge dehnte Darlegung der von Traupmann zur Ausführung des Mordes gemachten Vorbereitungen und der durch die Voruntersuchung festgestellten Einzelnbeiten der schrecklichen That selbst, die nach den früheren Berichten als bekannt betrachtet werden dürfen.— Der Verlesung des Anklage⸗ actes börte Traupmann fäast gletchgiltig zu; nur als im Anklageakte die Intriguen angeführt werden, um die Familie Kink nach Paris zu locken, wird Traupmann erregt und blaß. Bei der Verlesung der Umstände des Mordes scheint der Angeklagte gar nicht bewegt. Traup⸗ mann beharrt in seinen Angaben, daß er mit Kink Vater Falschmünzerei vorbereitete, und sagt, daß der Mitschuldige dem Johann Kink Gift gereicht habe. Ferner sagt er, daß drei Mitschuldige seien, die in Mühlhausen wohnen. Eine telegraphische Depesche, Paris, 30. Dezember, meldet, daß Traup- mann zum Tode verurtheilt worden ist. Für die in grosser Noth befindliche Familie find mittlerweile noch bei uns eingegangen von; Hofgerichts Advokat Seyd 2 fl. 30 kr., Ungenaunnt 18 kr, Frau& 30 kr, Sib. 30 kr., A. Feiling 24 ke., L. 30 kr R. 35 kr., Ochsenmetzger E. Hanstein 30 ki Im Ganzen sind uns 15 fl. 29 ke. bis jetzt zugekom Im vorigen Sommer wurde in dee men, wovon wir vor den Weihnachloseiertagen schon der beiressenden Familie 15 fl. zugestellt haben. Die Expedition Zeitschriften für 1870. Zur regelmäßigen Besorgung aller im Buchhandel erscheinenden illustrirten, pelletristischen und wissenschaftlichen Jeitschristen, sowie auch aller Modezeitungen. a Bindernagel& Schimpff. empfehlen sich . W. A f. w. Vorlesungen im Saale des Hotel Trapp. Professor Dr. Köhler: E. M. Arndts Leben und 4 Dienstag den 4 Jauuar 1870. 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