rb — Samstag den 31. Juli. 2 88. — Oberhessischer Anzeig Cr. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Inlelligenzblalt. Erscheint jeden Dienslag, Donnerstag und Samstag. —————— Für die Monate August und September kann auf den„Oberhessischen Anzeiger“ bei der „Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden. Hessen Darmstadt. Landrichter Metzler zu Offenbach wurde auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen und ersprießlichen Dienste bis zur Wiederherstellung seiner Gesund— heit in den Ruhestand versetzt. Die provisorische Versehung der hierdurch in Erledigung gekommenen Landrichterstelle ist dem Landgerichts-Assessor Pistor zu Offenbach übertragen worden.— Landgerichts— Assessor Muhl zu Ortenberg würde auf sein Nach- suchen wegen gestörter Gesundheit temporär in den Ruhestand versetzt. Gießen. Dem Vernehmen nach hat Dr. theol. Dillmann einen Ruf an die Stelle Hengsten— berg's in der theologischen Fakultät zu Berlin erhalten.. Preußen. Berling. Die„Prov.⸗Corr.“ bezeichnet die Aeußerung des österreichischen Reichs- kanzlers Grafen Beust über Preußen als sehr be— fremdend, constatirt, daß von Annäherungsver— wersuchen Oesterreichs durchaus nichts bekannt sei. Im Gegentheil widersprächen wiederholte amtliche Publicationen der österreichischen Regierung dem Gedanken derartiger Bestrebungen. Die Erklärung des Grafen Beust sei nicht geeignet, die beider— seitigen Beziehungen richtig zu beurtheilen. Offenen mnd ernsten Bemühungen, um mit Preußen freund- sschaftliche Beziehungen zu unterhalten, würde ein Entgegenkommen Preußens gewiß nicht fehlen.— Ferner conslatirt die„Prov.⸗Corrtsp.“ eine erfreu— liche Besserung der Finanzen, was indessen nicht ausschließe, daß der Landtag die Mittel berathe, um die Finanzen wieder dauernd auf festen Boden zu stellen. Nach einer späteren Notiz desselben Blattes ist jedoch die preußische Finanzlage keines- wegs plötzlich rosig geworden,„der Ausfall an Staatseinnahmen ist vielmehr nach der mäßigsten Schätzung so beträchtlich, daß eine vollständige, oder auch nur annähernd genügende Deckung durch eine unerwartet günstige Wendung der Verhält⸗ nisse nicht im Bereich der Möglichkeit liegt.“ Die Regierung hält deßhalb an neuen Steuerprojekten sest und wird dem Landtage solche vorlegen. „Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege“ zoll der Noth ein Ende gemacht werden. — Der Fackelzug der Studenten zu Ehren Humboldt's ist trotz der ungünstigen Witterung mit großem Glanze(500 Fackelträger) und großer Betheiligung des Publikums verlaufen, worauf Lommers folgte. — Daß die Nothstände in der Provinz Preußen heineswegs beseitigt sind, wie verschiedene Blätter wiederholt behaupten wollen, mag eine Mittheilung bes„Bürger- und Bauernfreunds“ beweisen, welche meldet:„In diesen Tagen wurde durch das Gericht m Gumbinnen ein bäuerliches Grundstück von 57 Morgen für die rückständigen Staatsabgaben zon 270 Thlrn. verkauft. Zwei Altsitzer waren nit ihrer Verpflegung zur ersten Stelle eingetragen und sielen aus. Diese 2 und der zeitige Besitzer, em das Grundstück. verkauft ist. machen 3 Bettler nehr. Ein anderes Beispiel der Zeit dürfte sein, aß ein Grundbesitzer vor einigen Jahren für ein auerliches Grundstück, um seine Grenze gerade uu legen 5000 Thlr. bot, der Besitzer ee aber inter 7000 Thlr. nicht verkaufen wollte. Das⸗ elbe Grundstück stand jetzt zur Subhastation, war gerichtlich auf 3000 Thlr. geschätzt und wurde im Termine für 1875 Thlr. verkauft. Sollte die Welt mehr Beispiele unseres Elends verlangen, so schließt dieser mehr als traurige Bericht, wir können mit Hunderten und Tausenden dienen.“ — Das schlechte Wetter, schrribt dasselbe Blatt, ist den Ernteaussichten so ungünstig, als irgend möglich. Der Rost hat bereits einzelne Roggen— felder total zerstört und tritt auf den Aehren des Weizens immer verwüstender auf. Klagen über bereits faulen de Kartoffeln werden von verschiedenen Seiten laut. Schleswig. Ueber die stattgehabte Ein— weihungsfeier des Idstedter Denkmals, welches zur Erinnerung an den heldenmüthigen Kampf und die unglückliche Schlacht daselbst errichtet wurde, melden die„Hamb. Nachr.“: Die Zahl der anwesen— den Kampfgenossen im engeren Sinne läßt sich auf 56000 schätzen; auf dem Denkmalplatze mögen gegen 20,000 Menschen versammelt gewesen sein. Der eigentliche Kampfgenossenzug durch die Stadt machte mit all seinen verschiedenen Fahnen, Musik— Corps ꝛc. einen recht imposanten Eindruck; ein— zelne Kampfgenossen trugen noch ihre alte Uniform. Die Einweihungsrede hielt Pastor Schnittger aus Schleswig. Die hierauf folgende Verlesung der Denkschrift, welche in den Stein eingemauert wurde, brachte eine Uebersicht unserer politischen Haltung seit 1848. Das ganze Fest hatte einen durchaus würdigen Verlauf. Es fand keinerlei offizielle Betheiligung statt. Aus Rüdesheim wird dem„Westf. M.“ geschrieben:„Wie weit das Sparsamkeitssystem der Regierung geht, mag der Umstand zeigen, daß die zu Geisenheim existirende höhere Bürgerschule aus„Mangel an Unterstützung von oben“ dem- nächst wieder in eine zweiklassige Realschule ver- wandelt werden soll.“ Bremen. Die„deutsche Gesellschaft zur Reitung Schiffbrüchiger“ hat durch ihre Rettungs- stationen im Jahre 1868 68 Personen gerettet gegen 128 im Jahre 1867, 141 im Jahre 1866. In den ersten drei Jahren des Bestehens dieser Gesellschaft sind somit 337 Menschen dem Tode entrissen worden. Aus dem Rechenschaftsbericht entnehmen wir, daß im Jahre 1868 an der deut⸗ schen Nordsee- und Ostseeküste 115 Schiffe verun⸗ glückt sind, darunter 65 deutsche, 14 britische, 14 holländische, 6 schwedische, 5 dänische, 4 russische ꝛc. Am gefährlichsten erwies sich die Küste zwischen Ems und Weser, sodann die Elbemündung und die schleswig-holsteinische Küste.— Die Gesell⸗ schaft hat im Jahr 1868 46,116 Thaler aus- gegeben, die Kosten der Errichtung von 31 Sta- tionen mit 27,094 Thlr. inbegriffen. Die Ein⸗ nahmen betrugen 33,682 Thlr., worunter 12,082 einmalige Gaben, 20,154 Jahresbeilräge. Somit stellt sich eine Mindereinnahme von 12,433 Thlr. heraus.— Solche, die zu diesem wohlthätigen Werk beizusteuern wünschen, mögen ihre Gaben richten an den Generalsekretär Dr. H. A. Schu⸗ macher in Bremen, wo auch die Satzungen zu erhalten sind. Aus letzteren ist von Interesse mit- zutheilen:§. 3. Ordentliches Mitglied ist Jeder, welcher an die Gesellschaft einen Beitrag von jährlich mindestens ½ Thlr. entrichtet. F. 4. Außerordentliches Mitglied ist Jeder, welcher einen einmaligen Stiftungsbetrag von mindestens 25 Thlr. entrichtet. Dafür wird eine Mitgliedskarte, resp. ein Stiftungsdiplom behändigt. Bayern. München. Im September wirt bei Frankfurt von Truppen ⸗Abtheilungen des norddeutschen Bundesheeres ein Uebungs⸗ lager bezogen werden, an welchem sich auch die hessische Felddiviston betheiligen wird; gleichwie zu den größeren Monövern des bei Schweinfurt zu concentrirenden Uebungsarmeccorps Offiziere der übrigen deutschen Armee erscheinen werden, gehen auch baperische Offiziere in das Lager bei Frankfurt und erhalten dieselben, gleich den nach Schweinfurt gehenden, einen Urlaub mit den vollen Garnisonsbezügen auf die Dauer der Lager-, Marsch- und Gefechtsübungen. Oesterreich. Wien. Der Journalisten⸗ tag hat Wien zum Vorort und Frankfurt a. M. zum nächsten Versammlungsort gewählt.— In einer von 5000 Personen besuchten social- demokratischen Versammlung trat der Reichstags⸗ abgeordnete Liebknecht als Redner auf. Prag. Die jetzt im Vordergrunde der Tages- ereignisse stehende Klosteraffaire hat auch bei uns große Aufregung hervorgerufen.„Narodni Listy“ bringt einen Vorfall zur Sprache, der sich unlängst im Kloster der barmherzigen Schwestern zu Caro⸗ linenthal ereignet hat, wo eine von der Supexiorin wegen Verletzung des Keuschheitsgelübdes zu Ge⸗ fängnißhaft verurtheilte Nonne sich im Gefängnisst erhenkt hat. Vor 14 Tagen hat das Begraͤbniß derselben stattgefunden. Nachträglich wurde jedoch die Ausgrabung und Untersuchung der Leiche vor⸗ genommen, bei welcher sich herausslellte, daß die Nonne sich im vierten Monate der Schwanger⸗ schaft befunden habe. Krakau. Ueber das Opfer des Krakauer Verbrechens werden noch folgende Einzelheiten berichtet:„Freitag den 23. Nachm. umschwärmten Menschenmassen das Kloster der Carmeliter-Bar- füßlerinnen und erwarteten mit Spannung den Moment der Ueberfübrung der gemarterten Nonne Barbara Ubrpk. Dieselbe verließ das Kloster, geleitet von dem Untersuchungs richter Dr. Gebhard und einer Ordensschwester. Barbara ÜUbryk hüpfte vor Freude, als sie das Sonnenlicht und das frische Grün im Klostergarten erblickte. Als die Nonnen, welche ihr bis zum Thore das Geleite gegeben, sich zurückzuziehen begannen, krat aus ihrer Mitte eine stark verschleierte Ordensschwester her⸗ vor und umarmte und küßte die Barbara Ubryk. Die Arme schien sosort die Nonne an der regen Theilnahme zu erkennen, und sagte flehend:„Du bist es, Agnes, komm mit mir.“ Diese Seene machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Barbara Übrpk fuhr in Begleitung einer der Grauen Schwestern, welche in dem hiesigen Irren⸗ hause den Dienst der Waͤrterinnen versehen, des Auscultanten und eines Dieners in die Irren⸗ anstalt. Während der kurzen Fahrt fragte sie fortwährend nach der„Schwester Agnes“ und flehte, sie möge ihr folgen; auch hier wurde fie von einer Ohnmacht befallen, denn die frische Luft scheint sie angegriffen zu haden. Vor der Irren⸗ anstalt hob man sie aus dem Wagen und über⸗ gab sie der Aufsicht der Direktion der Anstalt, mit dem ausdrücklichen Befehle, man möge Nie- manden zu ihr zulassen, mit Ausnahme des Unter⸗ suchungsrichters Dr. Gebhard und der beiden Gerichtsärzte Dr. Blumenstock und Dr. Jakubswski. Seitdem Barbara Übryk gewaschen und anständig gelleidet ist, sieht sie nicht mehr so verwildert aus. Die ganze Gestalt ist aber ein Bild grenzenlosen Jammers, ihr Gesicht hat gar kein Fleisch. das Auge ist eingefallen, die Augenbrauen und Augen. wimpern gänzlich ausgefallen, der Augapfel selbst glanzlos. Sie spricht manchmal ganz verständig, oͤfter jedoch großen Unsinn, so daß die Gerichts⸗ ärzte sie längere Zeit beobachten müssen. — Der Verfasser der anonymen Anzeige hat sich jetzt dem Gerichte gestellt, es ist ein Herr Gonsierowski, Besitzer eines Auskunftsburcaus. Das Nähere wird folgendermaßen erzählt: Pater Lewkowiez, ein Carmelitermönch, der lange Zeit in dem Carmeliterinnenkloster das Amt eines Beichtvaters führte, verließ vor einiger Zeit Krakau, begab sich nach Trzebinia, woselbst er eines Tages in berauschtem Zustande dem dortigen Pfarrer, einem alten, würdigen Greise, das Geheimniß ent- deckte. Dieser verständigte hiervon seinen Cousin Gonsierowski in Krakau, der dem dortigen Gerichte und dem Justizwinisterium gleichzeitig die Anzeige machte. Doch— welche sonderbare Verkettung der Umstände!— In dem Momente, wo der Schleier der anonymen Anzeige sich zu lüften be. ginnt und das Gericht nach Demjenigen fahnden will, der in der Trunkenheit des traurige Faktum ausplauderte, stirbt dieser so wichtige Zeuge. Man meldet nämlich, daß am 25. d. Pater Lewkowiez im Carmeliterkloster zu Czerna bei Krzenowice das Zeitliche gesegnet hat.— Die auf Ordre des Oberstaatsanwalts inhaftirten Nonnen— die Oberin der Carmeliterinnen, Fräulein v. Wenzyk und ihre Stellvertreterin wurden durch den Polizeicommissär unter Escorte einer Husaren⸗ Abtheilung abgeholt und in das Strafhaus abgeführt. — Bezüglich der Kloster-Affaire telegraphirt man der„Presse“ aus Krakau unterm 27. Juli: „Der gestern arretirte Geistliche ist Carmeliterprior zu Czerna, Namens Julian Kozubski, der vom Carmeliter⸗General das Beaufsichtigungsrecht über die Barfüßler⸗Carmeliterinnen hatte und daher den Klosterunfug kennen mußte. Die gestern gemeldete Nachricht, daß Pater Lewkowies, ein wichtiger Zeuge, gestorben ist, bestätigt sich. Heute wurde eine Gerichtscommission nach Czerna bei Krzeszowice abgesendet behufs Revision des Carmeliterklosters. Frankreich. Paris. Nachrichten aus Madrid melden, daß die carlistischen Banden in der Mancha sich in vollständiger Auflösung befin- den. Die stärkste derselben zählt vielleicht noch 50 Mann. Das ganze Unternehmen ist somit als mißlungen zu betrachten. 8 — In der Rue Notre Dame des Champs fand am 24. d. Nachts eine furchtbare Feuers⸗ brunst statt. Die dort gelegenen Remisen, Werk⸗ stätten und Vorrathskammern der Gesellschaft der Petites Voikures geriethen etwas nach Mitternacht in Brand, und da starker Wind war, so standen bald alle Gebäude— sie bedecken ungefähr einen Raum von 12,000 Metres— in Feuer. Das Etablissement brannte gänzlich nieder. Von den 560 Wagen, die sich in demselben befanden, wur⸗ den kaum 50 gerettet, und die großen Vorrätbe gingen vollständig zu Grunde. Glücklicherweise konnte jedoch der größte Theil der Pferde in Sicherheit gebracht werden. — Der„Constilutionnel“ ist in den Stand gesetzt, wichtige Entschlüsse der Regierung anzu⸗ kündigen, welche von dem Wunsche derselben zeugen, ernstlich in die Bahn der Ersparnisse einzulenken und ihr Vertrauen in die Aufrechterhaltung des Friedens zu bethätigen. Die angekündigten Naß- regeln bestehen in der Enilassung von 500 Mann per Regiment, oder 50,000 von der Gesammtheit der Linienregimenter.— Von competenter Stelle wird indeß diese Nachricht dahin berichtigt, daß nach der militärischen Inspicirung halbjährige Urlaubsertheilungen wie alljährlich von ungefähr 18,000 Mann eintreten werden. Außerdem werde der Jahrgang 1863(ungefähr 18,000 Mann) bereits vor dem gesetzlichen Termin, nämlich 1. Oct., beurlaubt werden. — Der ganze Hof wird zum Napoleonsfeste, dem 100 jäbrigen, Paris und dessen Umgegend meiden. Der Kaiser bleibt an dem Tage bei seinen Soldaten im Lager von Chalons; die Gattin will die Stadt besuchen, wo des ersten Napoleon Wiege stand. Großbritannien. London.„Daily News“ tadelt die in der Sitzung der Delegationen vom Frhrn. v. Beust gehaltene Rede wegen der darin enthaltenen Verdächtigungen Preußens. Das Uebelwollen der preußischen Regierung Oesterreich gegenüber sei nicht erwiesen. Ungarn sei wenig geneigt, die preußenfeindliche und franzosenfreund⸗ liche Politik des Reichskanzlers zu unkerstützen. Spanien. Die Carlisten haben ihren ersten Schlag— nicht geführt, sondern erhalten. In der Mancha zeigte sich an der Eisenbahn zwischen Manzonares und Ciudad Real eine Bande von angeblich 500 Mann, als deren Anführer ein Brigade-General Sabariego genannt wurde. Von den beiden erwähnten Städten aus wurden Truppen zur Verfolgung abgesandt, welche unter dem Be- fehl des Obersten Tomaseti die Anführer schlugen und versprengten. — Auch aus Madrid wird ein Scandal gemeldet, welcher sich in einem dortigen Nonnen⸗ floster zugetragen hat und viel von sich reden macht, obgleich man dort zu Lande an derartige Dinge schon ziemlich gewöhnt ist. Der seitherige Caplan des Klosters, Diego Navarro Alonso, rächte sich für seine Absetzung, indem er die Be⸗ hörden an einen geheimen Gang führte, durch welchen die Nonnen nächtliche Besuche von der Außenwelt erhielten. Gleichzeitig veröffentlichte er jedoch auch nachfolgende Mittheilung:„Lange bevor mir die Weisung zukam, meine Wohnung zu verlassen, beobachtete ich mit größtem Schrecken und nicht geringerer Ueberraschung, daß der neue Caplan, Antonio Millan, in die Wohnungen der Nonnen durch ein verborgenes Pförtchen eindrang, von dem ich keinerlei Kenntniß gehabt, da es vollkommen versteckt ist. Zugleich bemerkte ich, daß die Besuche Millan's bei den Nonnen in späten Nachtstunden stattfanden; es kam einmal vor, daß, während ich mit meiner Familie speiste, an das Pförtchen geklopft wurde, und daß Pater Millan eintrat, der hier durchaus nichts zu thun hatte, da ja ein Priester anwesend war. So mußte ich glauben, daß diese geheime Verbindung, die für sich allein schon eine strafbare Handlung bil— dete, zu andern und nicht weniger tadelnswerthen Mißbräuchen diente und dienen konnte, welche mir mein Gewissen nicht erlaubte, der Behörde zu verschweigen.“ Amerika. Die Vereinigten Staaten scheinen dazu ausersehen zu sein, im Laufe der Zeit die größte und mächtigste Nation zu umfassen. Die Bodenfläche oder das Areal derselben beträgt nun gegen drei und eine halbe Million(englische) Quadratmeilen und die Bevölkerung etwa vierzig Millionen Tausende von Menschen strömen jedes Jahr von allen Erdtheilen, dürfen wir jetzt wohl schon sagen, hierher, um eine Heimath sich hier zu suchen und zu gründen, und es ist noch Raum für Millionen da, abgesehen davon, daß der gegen⸗ wärtige Länderbesitz sich schon in Jahrzehnten un⸗ gemein vergrößern kann. Wahrlich, wir dürfen wohl sagen, daß die Ver. Staaten dazu bestimmt scheinen, die größte und mächtigste Nation dieser Erde zu werden, wenn sie auf der Basis freier Institutionen, wie jetzt, vereinigt bleiben. Nach dem Census von 1860 beirug die Bevölkerung der Ver. Staaten 31,443,320. Da das Census- Bureau damals ein jährliches Wachsthum von drei Prozent der Bevölkerung als Durchschnitts maßstab aufstellte, so würde der Census im Jahre 1870 eine Bevölkerung von 42,328,432, der Census vom Jahte 1880 würde eine solche von 56,450, 241, der von 1890 eine solche von7 7, 266,989 und der von 1900 eine solche von 100,355,802 ergeben. Die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten würde demnach in etwa 30 Jahren, nach jenem mäßigen Prozentsatze bemessen, größer sein, als die jetzige von Großbritannien, Frankreich, Spanien und Preußen zusammengenommen und weit größer als die irgend einer zu einem Nationalverbande geeinigten Nation. Aber selbst diese große Bevölkerung vong Millionen würde, nach dem jetzigen ungeheuren Gpiete der Ver. 1 * Staaten, auf die Quadratmeile nur 28 Meuschen ergeben, während bei der gegenwärtigen Bevsl⸗ kerung vom Staate Newyork etwa 94 Menschen auf eine Quadratmeile kommen, und in Massa⸗ chusetts, dem bevölkertsten Staate, etwa 137. Nach diesem Maßstabe könnten die Ver. Staaten jetzt etwa 600,000,000 Menschen beherbergen. Was die Deckung der öffentlichen Schuld betrifft, so ergibt sich, daß fast für jeden Dollar der Natioralschuld, wie sie jetzt noch ist, ein Acker Land zur Deckung derselben vorhanden ist. Wir sehen aus diesen Zahlen, wie groß das Länder- gebiet der Ver. Staaten schon jetzt ist, und wie lange wirb es wohl noch dauern, bis zu demselben auch das Gebiet geschlagen wird, welches jetzt Britisch-Amerika, Mexiko und Westindien umfaßt? * Friedberg. Für die Inkeressenten unter unsern Lesern bringen wir die Notiz, daß von der Main⸗Nickar⸗ und Großh. Badischen Bahn während der Monate Juli, August und September l. J.(erstmals am 24. Juli, letzt. mals am 26. September) jeden Samstag und Sonntag Lustfahrt-Billete von Frankfurt und von Darmstadt nach Baden-Baden ausgegeben werden, welche auch zur Rück⸗ reise bis zum letzien Zuge der Main⸗Neckar⸗Bahn(aus Heidelberg 728 Abends) je am nächstsolgenden Montag Güllgkeit haben und den Reisenden gestatten, die Fahrt wäbrend dieser Zeit in beiden Richtungen zu Heidelberg und zu Karlorühe unterbrechen zu können. Die Fahr⸗ preise betragen: Frankfurt-Baden und zurück: II. Classe 4 fl.— III. Classe 2 fl. 30 kr. ö Friedberg. Am 3. und 4. August wird das hessische Feldartillerie- Regiment Nr. 11 auf seinem Rück⸗ marsche von Mainz nach Kassel unsere Stadt passiren und ibeils in derselben, theils in Nauheim, Dorheim und Nieder⸗Mörlen Quartiere mit Verpflegung nehmen. Frankfurt. Nach dem eben verössentlichten Tarif für den eisernen Steg hat jede denselben passirende Person 1 kr. zu entrichten, Befreiung findet für Militärs im Dienst, öffentliche Beamten ꝛc. statt— Das Haus James Rothschild in Paris bat 24,000 Fr. dem Unter⸗ stützungs⸗Comits in Memel überwiesen, behufs Durch führung des Auswanderungsplanes der nothleidenden Israeliten in Westrußland. Frankfurt. Kommenden Montag Nachmittag wird sich der landwirthschaftliche Monatsclub im„Hotel Drexel“ versammeln. Auf der Tagesordnung steht die Frage über die Bedeutung des Aubaues der Handelsgewächse. Offenbach. Der im Anschluß an den„Allgemeinen Frauenverein für Krankenpflege im Großherzogthum Hessen,“ welcher unter dem Präsidtum der Prinzessin Ludwig bie Heranbildung tüchtiger Pflegerinnen zu rein humanen. allen confessionellen Bestrebungen fernstehenden Zwecken anstrebt, kürzlich auch in unserer Stadt ins Leben gerufene Zweigverein verfügt bereits über eine Jahreseinnahme von deiläufig 300 fl. und wird demzächst eine erste geschulte Pflegerin zur Verfügung gestellt bekommen.— Bei dem kürzlich abgehaltenen miuelrheinischen Schießen hat sich ein Ueberschuß von circa 4000 fl. ergeben. Darmstadt. Durch polizeiliche Verfügung ist für die Stadt Darmstadt eine Hundesperre angeordnet worden. „Die Veranlassung dazu dot die nothwendig gewordene Tödtung eines von der Beißwuth befallenen Pferdes, das vor etwa vier Wochen von einem Hunde au dem man Zeichen der Wuth bemerkt haben will, gebissen worden. Hirschhorn. Dahier wurde dem 1849 im Kampfe mit den Reichstruppen gefallenenen Hanauer Turner Wedekind von seinen Kameraden ein Denkmal errichtet. Zur Enthüllung desselben kamen eine Anzahl Hanauer Turner hierher, welchen sich Freunde und Kampfgenoffen aus Heidelberg und Heilbronn angeschlossen hatten. Marburg. Das Niederreißen und Abbrechen auf dem hiesigen Schlosse ist nahezu vollendet, die Gitter an den Fenstern sind sämmtlich verschwunden und der Aus⸗ bau für den neuen Zweck, zu dem dleses altehrwürdige Gebäude bestimmt ist, schreitet rüstig fort. Kassel. Am 26. d. bewegte sich ein unabsehbaret Leichenzug, wohl über 40 Wagen, dem Friedhose zu; man beirdigte den früher peru bolivianischen Feldmarschall Braun, welcher früher unter Bolivar an der Befreiung des dann nach diesem genannten Landes von Spanien thätig mitgewirkt hatle. Seit einer langen Reihe von Jahren wohnte Braun von Monten'gro hier in seiner Balerstadt. Während der letzten Sommer hielt sich Braun zur Kur in Bad Nauheim auf. 1 Italien. Denen, welche sich gegenwärtig über die große Hitze beschweren, mag zum Troste gereichen, was darüber aus Italien berichtet wird. Während wir, schreibt man aus Tukin, hier unter einer Hitze von 390 Centi⸗ grades zu schmelzen wähnen, haben unsere Mailänder Nachborn 36 und die Florentiner gar 38) auszuhalten, und aus Caltanisetta in Stcilien wird geschricken, daß die Einwohner dort eine gelinde Atmosphäre von 450 ein⸗ athmen und obendrein an Wassermangel leiden. 4% Die Fabrikation von Liebig schem Fleisch⸗ extract hat im Jahre 1868 50— 60,000 Pfund betragen und die Fabrikanten hoffen, daß sie bis zu 1.000, 000 Pfd. liefern können. Da ein Ochse nur 8-9 Pfund Fleisch⸗ extract liefert, so würden 125,000 Stück Horuvieh dazu nöihig sein In La Plata in Brasilien werden jähelich 3½— 4 Millionen Stück, das Stück zu 13 Thaler, geschlachtet. önen To eile Kebsch und so vie atis bie! Präsente Heicalh war aber l cc Spila zen Wilen ale Gf w Einkommen Zeil miserg — Pol 2200 f Stamn sragen u 6. 9 sicheru werdende 51 2199 ohn hasen derla 11 rtiden 1 Naripft 1 Turntt * rtidiet. Dunant e sroffen ben auf t au det Au⸗ aunütdigt Wchbattt „ In 80 Tagen um die Welt. Wenn man nige Tage für Aufenthalt und Verspätunzen zugibt, nimmt eine Reise um die Welt jetzt nur 80 Tage in Anspruch. Von Paris nach Newyork(Bahn und Dampfer) 1 Tage; von Newyork nach San Francisco(Bahn) 1 Tage; von da nach Yokuhama(Dampfer) 21 Tage; von Yokuhama nach Hongkong(Dampfer) 6 Tage; von va nach Calcutta(Dampfer) 12 Tage; von da nach Bom⸗ „ay(Bahn) 3 Tage; von da nach Cairo(Bahn und Dampfer) 14 Tage, und von Ciro zurück nach Paris Bahn und Dampfer) 6 Tage. Von der ganzen Route ind nur 140(englische) Meilen— zwischen Alahabad und Bombay— obne Dampfbesörderung, jedoch wird nuch hier schon an einer Bahn gebaut. „ Der Stammbaum der Kaiserin Eugenie. Zustav Rasch erzählt im„U. Aoyd“ unter Anderem sol⸗ zende Geschichte:„In Malaga wohnte vor vielen Jahren in armer deutscher Spielwaarenhändler, der eine sehr öne Tochter hatte. Der dritte Sohn des alten, in Undalusien reich begüterten Grasen Montijo fing mit der thönen Tochter des armen deutschen Spielwaarenhändlers ine Liebschaft an. Aber das Mädchen war klug, wie so und so viele Jahre später ihre Tochter Eugenie, als sie in Saris die Bekanntschaft Louis Bonaparte's, des damaligen Sräsidenten der Republik, machte; denn sie sagte:„Ohne veirath keine Liebe.“ Der Sohn des alten Grasen Montijo var aber liebevoll, er mußte die Tochter des armen deut— chen Spielwaarenhändlers besitzen und heirathete sie wider en Willen seines Vaters und der ganzen Familie. Der e Graf wurde wüthend und entrog seinem Sohne jedes fünkommen; es ging daher den jungen Eheleuten lange zeit miserabel. Aber die junge Gräfin hatte Glück. Die beiden älteren Brüder ihres Mannes starben, und Letzlerer wurde der Erbe der Titel und Besitzungen seines reichen Vaters. Die Tochter dieses armen deutschen Mädchens ist die Kaiserin der Franzosen, Louis Bonaparte“ Frau.“ Literarisches. Von der in diesen Blättern schon mehrsach erwähnten „Allgemeinen Familienzeitung“ liegen uns wieder⸗ um zwei Hefte, VI. und VII., vor, und freut es uns, das diesem Unternehmen früher gespendete Lob auch auf's Neue wiederholen zu können. Dem reichen Inhaltover— zeichnisse entnehmen wir u. A.:„Der Schmuck des Inka,“ Erzählung von Karl Frenzel;„Die Geheimnisse einer kleinen Stadt,“ Novelle von Max Ring;„Der Zauberer des Hochgebirgs,“ Erzählung von Heinrich Noé Novel⸗ letten, naturhistorische, culturhistorische Beiträge von Gerstäcker, A. Becker, Paul Sirano, Marie Calm, M. Ruhland, W. Baer, Amlacher, Eggert, Ettmüller, Greif, Otfrid Mylius, Mühling, Schwanfelder, Paul Stein u. s. w. Die sehr sauber ausgeführten Illustrationen zeigen zunächst folgende Por⸗ traiis: Ferd. d. Lesseps, Königin Victoria, Prinz Karl von Preußen, Vicekönig von Egypten, Professor Dr. Justus v. Liebig, Anton Rubinstein, Kronprinz v. Preußen, sowie die Oppositions⸗Kandidaten des Seine⸗Depariements: Defiré Bancel, Leon Gambetta, Ernest Picard, Jules Simon und Eugen Pelletan. Ferner: Suez mit den neuen Hafenan— lagen am Eingange des maritimen Kanals; Anfangspunkt des neuen Themse-Tunnels beim Tower; Zwei Ansichten von Cherburg; Eine Wahlversammlung im Eymnase Triat zu Paris; Das Emporschrauden der Häuser in Chigago; Der verankerte Luftballon in London; Der Platz vor dem Partser Stabthause bei der Eröffnung des Re⸗ sultats der Wahlen; Die Gräber der englischen Offiziere auf dem Caihcart⸗Hügel bei Sewastopol; Die Ruinen ber Hauptstraße von Sewastopol, und endlich die Uebungs⸗ schule der großen Velocipsde-Fabrik in ber Rue Jean⸗ Goujon in Paris.— Gegenüber dieser Masse des Gebotenen ist der Preis von 6 Sgr. pro Heft, enthaltend 8 Folio. Bogen— 192 Spalten, ein so überaus wohlfeiler, daß es hier wahrlich keiner weiteren Empfehlung bebars, indem das Unternehmen selbst am besten für sich spricht. kettet vom Hungertode!!! Viele unsrer Brüder in Westrußland sind schon dem Hungertode erlegen, zahllose werden gleiches Schicksal haben, wenn nicht schleunigst geholfen wird. Brüder! wer von Euch etwas ent⸗ behren kann, wird gebeten sein Scherflein zu obigem Zwecke dem unterzeichneten Comité oder der Expedition d. Bl. zukommen zu lassen. Das Comité zu Friedberg. Weiter eingegangen: Von G. S. dritte Gabe 5 fl.— Von Eduard Grödel 1 fl.— Von Gebrüder Bendheim 2 fl.— Von L. Herz 5 fl.— Von K. Neuhof 36 kr.— Ungenannt 1 fl.— Oreußische Uational-Versicherungs- Gesellschaft in St ettin. 205 Hierdurch bringe zur öffentlichen Kenntniß, daß dem Kaufmann Herrn Franz Stamm in Friedberg eine Agentur obiger agen worden ist. Cassel. Gesellschaft für Friedberg und Umgegend üder— Der General- Agent H. List. Höflichst Bezug nehmend auf obige Annonce halte mich zum Abschluß von Ver⸗ scherungen gegen Feuersgefahr bestens empfohlen und erkläre mich zu jeder gewünscht rerdenden Auskunft gern bereit. Friedberg. Franz Stamm. 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Windecker's Felsenkeller. Sonntag den 1. Aug ust Concert, ausgeführt vom ganzen Musikcorps des hiesigen Jäger- Bataillons. Anfang ½4 Uhr.— Entrée 6 kr. M. Scheibel. Schwalheimer Brunnen. bei günstiger Witterung, Harmonie- und Tanzmusik und Abends Illumination des Gartens, wozu freundlichst einladet George Bailly. Das dies jqãährige Der Kurverein. 2219 Geld-⸗Scheibenschießen zu Friedrichsdorf und Moutag den 2. August auf der neuen Schießplatz⸗Anlage bei meinem Hause abgehalten. Indem ich mich beebre, alle Freunde des Schießens und des geselligen Verguügens freundlichst einzuladen, kann ich allen mich beehrenden Gästen die beste und aufmerksamste Bedienung und eine angenehme Unterhaltung versprechen. Friedrichsdorf. A. Foucar. Doblogischer Garten in Frangfurt a. Ml. 2200 Sonntag den 1. August, Vormittags von 6 bis 12 Uhr, ist der Eintrittspreis auf 6 Kreuzer per Person ermäßigt. Von 12 bis 2 Uhr ist der Garten für Jedermann geschlossen. Der Verwaltungsrath. 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Samstag um 5 Uhr Nachmittags Beichle. 11. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags: 8 Uyr Hochamt und Predigt. Nachmittags: ½2 Uhr Christenlehre und Andacht. 67, Uhr. Verantw. Red.: Hermann Schimpff. — 1„ Friedberg bei Hofapotheker Sturmfels. Druck und Verlag von Bindernagel& Schimpfs. (Hierzu Unterhaltungs-Blatt Nr. 31 und eine Beilage.) „ aus Borodorf, Kreis Beginn des Gottesdienstes au den Wochentagen Motgens berung des (Ausgedun stüchte alle von ½ 1 der Fina! Moolwit Monacchf verein be IV. I genehnig istaelilisch V. A Bezirksge Gräf, Sc leute Joh abwesend V. D alleignäbig Norddeulsc Orleans, Jorddeutsc berzogibum Standesher äsentirler Kelingelhef Vöhrer an den von Schlih, Pfaristell Specht e diese S! evangelis die erlebs tragen; amtecand amlsgcces thum Ba — sowie Eisenbahn Werlsält Neckar bei dieser den von evangelis 155 0 Frech gen,— hulsen ie bem& heim die amigaspit fünste evg