77 unsers tbentl. 1869. Damstag den 29. Mai. N 61. Oberhessischer Anzeig Cr. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Intelligenzblalt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samftag. —— Expedition mit Für den Monat Juni kann auf den„Oberhessischen Anzeiger“ bei der Verlags— 14 bei den Poststellen mit 16 kr. — — abonnirt werden. Amtlicher Theil. Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publiziren: Nr. 17 sub 1. Bekanntmachung, die Ausführung des zwischen dem Großherzogthum Hessen u unterm 26. Januar 1853 abgeschlossenen Staasvertrags betreffend.— sub 2. Zusammenstellung der Er zub 3. Bekanntmachung, die Aufbringung des Bedürfnisses der Großherzogl. Brandverficherungsanstalt Friedberg den 26. Mai 1869. Be kann tem a ch u n nd Frankteich wegen gegenseitiger Auslieferung von Verbrechern gebnisse der Staatsschulden⸗Tilgungskasse-Rechnung für 1865.— für 1868 betteffend. Großherzogliches Kleisamt Friedberg Trapp. 8 Die Forsistrafen vom II. Quartal und die Feldstrafen von der II. Periode 1869 können an den bessimmten Zahltagen, Dienstags und Donnerstags, Morgens von 8 bie 12 Ühr und Mittags von 2 bis 5 Übr, an das unterzeichnete Rentamt bezahlt werden. Als besonderen Erhebungstag für den Landgerichtsbezirk Butzbach best bei Herrn Gastwirth Joutz zu Butzbach. Wir ersuchen die Großherzoglichen Bürgermeistereten dieses im Interesse ihrer Ott 15. Juni die Mahnung erfolgt. Friedberg den 25. Mat 1869. immen wir Samstag den 5. Juni d. J., Morgens von 8 bis 10 Uhr, sangehörigen wit dem Bemerken bekannt machen zu lassen, daß nach dem Großherzogliches Rentamt Friedberg Lin deck Hessen. Darmstadt, 25. Mai. Zweite Kammer.(Schluß.) Der Gesetzentwurf, die Entrichtung der Zinsen von vertragsmäßigen Zinsen betreffend, wird nach längerer Debatte in der von der Mehrheit des Ausschusses beantragten Fassung angenommen. Es erfolgt sodann ohne Debatte die Annahme des Gesetzentwurses, die Pensionirung der Gerichtsvollzieher in der Pro- oinz Rheinhessen betreffend. Der Beschwerde des Heinrich Beck zu Eckartsborn, verweigerte Rechts- hülse betr., wird keine Folge gegeben.— Dem Gymnasium zu Gießen wird, einem Antrage des Abg. Kritzler entsprechend, zum Zweck der Theilung der jetzigen zweiten Classe, ein weiterer Zuschuß von 1200 fl. gewährt— Bezüglich einer Vorstellung der Mehrzahl der Ortsbürger von Büdingen be- schließt die Kammer, einmal auf dem schon früher gefaßten Beschluß zu beharren, daß das aus dem Verkaufe von Loosholz gezogene Capital von 4500 fl. unter die Loosholzberechtigten vertheilt werde, dagegen die Vertheilung weiterer 5500 fl. der Staatsregierung zur Genehmigung nicht zu empfehlen.— Eine wiederholte Beschwerde der Stadt Lauterbach wegen zwangsweiser Beitreibung von Verpflegungsgeldern für ihre bereits vor Er⸗ laß des Regulativs vom 19. Januar 1866 in das Landeshospital Hofheim aufgenommenen geistes- kranken Gemeindeangehörigen wird nicht berück- sichtigt, dagegen für die Heinrich Stern's Wittwe zu Wölsersheim die Bewilligung einer Gnaden⸗ pension von 100 fl. erbeten. — 26. Mai. Zweite Kammer. Eingegangen ist eine Forderung der Regierung von 333,000 fl. zur Errichtung eines zu Veterinärzwecken dienenden landwirthschaftlichen Gebäudes an der Landes- Universität Gießen, sowie ein Gesetzentwurf, die Erhöhung der Gehalte der Hausverwalter der Collegiengebäude von 220 fl. auf 250 fl.— Sodann tritt die Kammer in Berathung über den Antrag der Abg. Goldmann und Genossen auf Erlaß eines Schullehrerpensionsgesetzes. Der Bericht des Ausschusses faßt das Ergebniß seiner Untersuchungen in folgenden Sätzen zusammen: 1) Es erscheint als ein dringendes Bedürfniß, daß durch ein Gesetz die Pensions⸗Verhältnisse der Volkeschullehrer geregelt werden. 2) Dieses Ge- setz soll a. den, ohne ihr Verschulden dienstunfähig gewordenen, Lehrern einen Anspruch auf Ruhe- gehalt gewähren; b. die Größe der Ruhegehalte nach dem gesammten Diensteinkommen und der Dienstzeit der Lehrer gleichmäßig festsetzen; e. die Verpflichtung der Gemeinden, in Ermangelung besonderer Fonds, und subsidiär des Staats zur Aufbringung der zur Pensionirung der Volks schullehrer erforderlichen Mittel aussprechen, und d. einen möglichst gerechten Vertheilungs- Modus für die Beitragspflicht der Gemeinden zur Auf- bringung der Pensionen aufstellen; und es gelangt hiernach der Berichterstatter zu dem Schlußantrag: die Kammer wolle, dem Antrag der Abgeordneten Goldmann und Genossen stattgebend, Großherzogl. Staatsregierung ersuchen, noch auf diesem Land- tag den Ständen einen, auf diesen Grundsätzen beruhenden Gesetzesentwurf vorzulegen.— Kritz- ler vertheidigt einen Minoritätsantrag dahin gehend,„die Größe der Pensionen nicht gleich— mäßig für alle zu pensionirenden Lehrer nach ihrer Dienstzeit und dem Diensteinkommen zu fixiren, sondern nur einen Minimalsatz für die Pensions- größe nach Verhältniß des Einkommens festzusetzen, im Uebrigen aber die Regulirung der Pensions- größe der Regierung zu überlassen.“— Schäfer spricht auf's Energischste dafür, die Größe der Pensionen duich das Gesetz zu regeln, er will keine Conduitenlisten mehr. Man solle nicht dem Lehrer auf der einen Seite auf dem Papier etwas geben und es nachher durch Einführung von Bestimmungen wieder illusorisch machen. Man solle die Lasten gleichmäßig auf die Gemeinden vertheilen, dann werde Niemand gedrückt.— Hunsinger ist der Ansicht, die Beitragslast müsse durch Bildung eines Lehrerpenstonsfonds gleichmäßig vertheilt werden. Zusammengesetzt will er ihn haben aus Beiträgen aller Gemeinden und Beiträgen des Staates, insoweit die Besol- dung des Lehrers aus Alterszulagen besteht.— Regierungscommissär v. Lehmann vermag ein Pensionsgesetz in dem Sinne der Majorität des Ausschusses nicht anzuerkennen. Die Regierung habe seither für die Lehrer gesorgt und werde dies auch ferner thun.— Kempff erkennt an, daß die Regierung den Lehrern ihre Sorgfalt zuwende, zeigt aber an einzelnen Beispielen, wie außerordentlich gering der Ruhegehalt der Lehrer sei, Fälle, wo z. B. mit /, ½, 7 einer schon an sich kleinen Besoldung penstonirt wurde.— Curtman will ein Minimum und ein Maximum nach einem gewissen Prozentsatz, wodurch mit 50 Dienstjahren der volle Gehalt erreicht werde. Im Uebrigen ist er für Pensionsfonds mit gleichmäßiger Hinzuziehung der Gemeinden.— Goldmann: Was die Gemeinden betreffe, so solle man sich nur erinnern, wie man oft einen guten Tag ab— warten müsse, wenn man einem Gemeinderath mit der Pensionirung eines Lehrers kommen wolle. Ein Pensionsfonds durch ein Gesetz geschaffen, sei absolut nothwendig. Er wünsche für den Fonds eine einfache, glatte Rechnung, einen bestimmten Beitrag, der gar nicht so groß zu sein brauche Seitens der Gemeinden, den Rest vom Staate.— Becker spricht für die Anträge der Majorität. — Fink: Es handle sich um das Recht der Lehrer auf Pensionirung. Nach den Auslassungen des Herrn Regierungscommissärs scheine es ihm aber fast, als ob die Regierung auf dieses Recht kein be⸗ sonderes Gewicht lege, auch komme es ihm vor, als ob die Regierung es überhaupt beim Alten lassen wolle. Redner vertheidigt die Majoritäts- anträge. Der Lehrer dürfe nicht„auf der Schneide zwischen Verhungern und Auskommen balanciren.“ Die Offiziere hätten gute Gagen, darum hätte man bei ihnen sagen können, geringe Pensionen; bei den Lehrern seien schlechte Gagen notorisch, darum sage er, möglichst hohe Pensionen.— Der Regierungscommissär verwahrt die Regierung gegen die Unterstellungen des Vorredners.— Dumont stimmt im Interesse des Staates für die Majori⸗ tätsanträge.— Zimmer befürwortet ebenfalls die Majoritätsanträge.— Hallwachs glaubt, daß die Regierung recht wohl auf die Wünsche des Ausschusses eingehen könne. Man solle dem Lehrer ein Recht geben, und nicht ihn mit Gnade füttern.— Keil befürwortet ebenfalls ein Pen⸗ sionsgesetz.— Kraft betrachtet das Pensions- gesetz nur als einen Baustein für das künftige Schulgesetz.— Kritzler vertheidigt die Behör- den, wie die Gemeinden gegen die Ausführungen einiger Vorredner, worauf Kempff als Bericht erstatter nochmals die Nothwendigkeit eines Pen sionsgesetzes hervorhebt. Bei der Abstimmung wird der Majoritätsantrag einstimmig angenommen. — Zweiter Gegenstand der Tagesordnung ist der Antrag des Abg. K. J. Hoffmann auf Er⸗ höhung des Staakszuschusses für die Realschule zu Offenbach. Nach kurzen Bemerkungen von Kritzler und dem Anttagsteller werden 1500 fl. bewilligt mit dem Zufatze, für an dieser Real- schule neu zu errichtende Stellen dem Fürsten Isenburg-Bürstein nur dann das Pesentatsons⸗ recht zu gewähren, wenn e deren Fundation übernimmt, es sei denn, daß er auf dem Rechts- wege sein Recht zur Besetzung aller Lehrstellen durchsetzen könne.— Schließlich schreitet die Kammer zur Berathung über den dringlichen An⸗ trag des Abg. Fink und Goldmann, die vertreten; Vorsitzender Karl Stark aus Nürn⸗ Heranziehung der Militärpersonen zu den Com⸗ munallasten betreffend.— In der Debatte ergreif zuerst das Wort Goldmann. f vom 22. Dezember 1868 sei nun und nimmer ein Militärgesetz, das gehe schon daraus hervor, daß dieselbe vom Kriegsministerium nicht unter⸗ zeichnet worden sei. Liege aber kein Bundesgesetz vor, so sei die Frage eine Landesangelegenheit, und wie er an den Verkrägen festhalte, so ver⸗ lange er auch andererseits, daß man im Norden sich keine Eingriffe in uns zustehende Rechte er⸗ laube.— Dernburg hat große formelle Be⸗ denken gegen den Antrag, in welchem er eine offenbare Auflehnung gegen die Bundesgewalt sieht. Wir müßten, statt den Weg der Selbst⸗ hülfe zu gehen, den geordneten Instanzenzug im norddeutschen Bund abwarten.— Kraft vermißt bei dem Vorredner die rechtlichen Deductionen für Das. was er behauptet. Octroyirungen gegen⸗ über gebe es in Deutschland immer noch ein Rechtsgefühl.— Dumont: Die Verordnung habe mit militärischen Dingen gar nichts zu thun, sei nur mißbräuchlich als eine militärische Maß⸗ regel qualisieirt worden. Nach Art. 6 der Militärconvention hätten wir aber geradezu ein volles Recht, solche Uebergriffe zurückzuweisen.— Fink begreift Dernburg nicht, wie er uns das Recht bestreiten wolle, gegen eine preußische Ca— binetsordre Verwahrung einzulegen.— Wernher bezeichnet die Dernburg'schen Deductionen geradezu als„Exceß von Interpretation“.— Curtman fragt, ob denn Bundesverträge nur dazu da seien, daß der Starke thue, was er wolle, während der Schwächere nur zu folgen habe.— K. J. Hoff⸗ mann wünscht zwar auch die Zurücknahme der Verordnung, indessen kann er in den gestellten An⸗ trägen nicht den richtigen Weg erblicken.— Die Ab- stimmung findet indessen die Kammer anderer An⸗ sicht, denn sie nimmt den ersten der gestellten An⸗ träge, dahin lautend:„mit aller Entschiedenheit auf Zurücknahme der fraglichen Verordnung hin- zuwirken“, sogar einstimmig, die zwei weiteren 1) die Behörden anzuweisen, der Verordnung vorerst keine Folge zu geben, 2) von dieser Wei⸗ sung an die Behörden dem Großh. Kriegs-Mini- sllum zur Bedeutung der Offiziere ꝛc. Kennkniß zu geben, mit allen gegen 10 resp. 9 Stimmen an. Friedberg. Des Großherzogs K. H. verweilt seit dem 25. d. M. in unserer Stadt. Am Morgen des 26. begab sich derselbe nach Konradsdorf und kehrte Abends hierher zurück. Gestern wurde einer Anzahl Beamten und Privat⸗ personen Audienz bewilligt; heute Vormittag fand Inspektion der Garnison auf dem Paradeplatze in der Burg statt. Wie verlautet wird der Auf⸗ enthalt S. K. H. dahier sich noch auf mehrere Tage erstrecken. Preußen. Berlin. Nachdem die offizielle Einberufung des Zollparlaments auf den 3. Juni im„Staatsanzeiger“ publicirt ist, wird in Ber⸗ liner Blättern mit aller Bestimmtheit versichert, daß die Schließung des Reichstags in den nächsten acht Tagen erfolgen soll. — Der allgemeine deutsche Protestantentag ist nun auf den 6. und 7. October nach Berlin festgesetzt, wo Professor Dr. Holtzmann die Schulfrage und Kirchenrath Dr. Schenkel die Berichterstattung über die gegenwärtige kirchliche Lage übernommen hat. — Die„Prov.⸗Corresp.“ stellt, im Falle die Finanzvorlagen vom Reichstage nicht angenommen würden, eine möglichst frühe Einberufung des preußischen Landtags in Aussicht, welchem die Erhöhung der Classen⸗ und Einkommensteuer, so⸗ wie der Mahl- und Schlachtsteuer vorzulegen sein würde und fügt hinzu: Solche Maßregeln seien vornehmlich der die Machterweiterung erstrebenden Politik der liberalen Partei zuzuschreiben. Der Schluß e hängt von der Beendigung seiner Arbeiten 5 Kassel. tagten zu Anfang der Woche sowohl der auf Selbsthülfe beruhende Verein des 292 Wahlkreisen die Resultate von 280 bekannt. „Deutschen Arbeiterbundes“, als auch der soeial⸗ Die Verordnung — Auf dem Ersteren waren einige 40 Vereine berg. Er besteht jetzt aus 35 Vereinen mit 5457 ssiziell angemeldeten Mitgliedern, wovon die auf Süddeutschland fällt. Es wurden Statuten angenommen und das Programm des Arbeiter⸗ bundes besprochen.— Die Lassalleaner tagten unter dem Vorsitze v. Schweitzer's. Der Präsi⸗ dent v. Schweitzer wurde bei seiner Ankunft auf dem Bahnhöfe unker Abbrennen Flammen und großem Jubel von einer dichtge— drängten Arbeitermenge begrüßt. Wiesbaden. Die hiesige Handelskammer hat die Absendung einer Immediateingabe an den König beschlossen, worin um Zurücknahme des Verbots,„ausländisches Papiergeld in Zahlung anzunehmen“, gebeten wird. Dieses Verbot ist namentlich für Wiesbaden und Ens sehr lästig, wo mit den Fremden natürlich auch fremdes Papiergeld einwandert und während der Sommer⸗ monate in regem Verkehr ist. Oesterreich. Wien. Die österreichischen Blätter blicken mit Schadenfreude auf die zuneh⸗ mende Finanznoth Preußens und des Norddeut— schen Bundes. Die guten Finanzen wären früher Preußens größter Vorzug gewesen. Dieser Vor— zug werde langsam aber sicher durch die gegen⸗ wärtige Militärherrschaft aufgezehrt. Die„Presse“ schreibt:„Unser Defizit ist glücklich bis auf drei Millionen Gulden herabgesunken, und wenn wir auch gern zugeben wollen, daß wir ein gut Theil dieser Reduction Glücksfällen verdanken, deren reglmäßige Wiederkehr nicht von uns allein ab⸗ hängt, so bleibt es darum doch nicht minder komisch, wenn das Organ einer Regierung, die selber vor einem Abhange von 9 Mill. Thlrn. steht und zu dessen Deckung ein wahres Leporello- Register von Steuervorlagen auf dem Tische des Hauses ausbreitet, immer noch den Ton von Anno dazumal Oesterreich gegenüber anschlägt, statt sich lieber mit dem Balken im eigenen Auge zu beschäftigen.“ Das Militärwesen und der Steuerdruck machten bei den kleinen Staaten des Norddeutschen Bundes und in Süddeutschland einen sehr ungünstigen Eindruck. Und wenn Preußen sich genöthigt sehen sollte, zu sparen, so würde es sicherlich nicht in der rechten Richtung, am Militär ⸗Budget, geschehen, sondern bei pro— duktiven Ausgaben. Die preußischen Staatslenker würden wohl thun, solche in ganz Deutschland verbreitete Ansichten nicht unbeachtet zu lassen. — Die Commissidn für Controle der Saats- schulden veröffenlicht einen Ausweis über den Stand der Staatsschulden mit Ende Dezember 1868. Die consolidirte Staatsschuld betrug 2,558,229,378 fl. mit 101,898,023 fl. jährl. Zinsenlast, die nicht gemeinsame schwebende Schuld 118,711,221 fl. Die gesammten Staatsschulden betrugen 2,692,067,3 16 fl. mit 106,368, 170 fl. jährl. Zinsenlast. Gegenüber dem Schuldenstand, Ende Dezember 1867 beträgt die Verminderung der consolidirten Schuld 26,460,750 fl. der schwebenden Schuld 20,112,141 fl. der gemein ⸗ samen schwebenden Staatsschuld 307,924, 761 fl.(2) — Der Besuch des Vicekönigs von Aegypten in Wien wird für die ersten Tage des nächsten Monats erwartet. Andererseits spricht man von einer Reise des Kaisers von Oesterreich und des Reichskanzlers v. Beust nach Aegypten zu der im Herbste stattfindenden Eröffnung des Suezeanals. — Der weltbekannte Räuberhauptmann Roßa Sandor war nach seiner Begnadigung von der ungarischen Regierung zum Sicherheitscommissär ernannt. Statt nun die Räuber des Szegediner Comitats aufzuspüren, machte er gemeinsame Sache mit ihnen. Der nach Szegedin entsendete königl. Commissär hat die Mitschuld Sandors bei den vielen dort verübten Verbrechen constatirt. Als der gefürchtete Räuberhauptmann neuerdings in Ketten gelegt wurde, äußerte er, man möge ihn lieber gleich an den Galgen hängen. Frankreich. Paris. Bis jetzt sind von Die Zahl derjenigen Deputirten, welche in Kreisen demokratische„Allgemeine deutsche Arbeiterverein“. gewählt wurden, in denen die Regierung eine leinere Hälfte auf Norddeutschland, die größere bengalischer 19 beläuft sich amen 58 Wahlen, die Opposition hat in 26 Kreisen gestegt. — Mehrere Journale constatiren, daß der wesent: liche Charakterzug der Wahlen in dem Verdrängen der gemäßigten Opposttion durch die radicale Opposition und in der Niederlage der orleaulsti⸗ besteht.— Die„France“ sagt: Das Kaiserreich habe nicht nöthg, zu reactionären Maßregeln zu greifen, wie die früheren Regierungen. Das liberale Kaiserreich müsse sich befestigen gegenüber der in den Wahlurnen von Paris triumphirenden, aber von der immensen Majorität der Stimmen Frankreichs desavouirten Revolution. — In Lille, St. Etienne, Toulouse und Marseille wurden Haufen von Unruhestiftern, welche singend die Straßen durchzogen, schnell zerstreut und einige Verhaftungen vorgenommen. Diese Volksbewegungen haben keine Bedeutung. — Der„Gaulois erzählt solgende Anekdote: „In der letzten Wahlversammlung, die in Vin⸗ cennes stattfand, gab Hr. Bouley, der Regierungs- Candidat gegen E. Pelletan, eine Darlegung seiner politischen Grundsätze. Plötzlich unterbricht ihn Jemand mit der lauten Anfrage: Sind Sie ein Anhänger des Krieges? Nein, erwidert Herr Bouley, ich will den Frieden, ich bin Anhänger des Friedens, nur den Frieden! Dann, antwortet der Unterbrecher, bedürfen wir nicht eines Boulet (boulet S Kanonenkugel). Es war dem Redner nicht möglich, ein einziges Wort weiter zu sprechen, die Versammlung ging unter lautem Gelächter auseinander.“ — Am Montag Abend fanden schwere Un⸗ ruhen in St. Etienne statt. Banden durchzogen die Straßen, sangen die Marseillaise und riefen: „Es leben die Rothen!“„Nieder mit den Jesuiten!“ Man pflanzte die rohe Fahne auf und begann das Jesuitencollegium in Brand zu stecken. Die Kapuzinerkapelle ward erbrochen und der Superior empfing einen Stockschlag auf den Kopf. Der Tumult dauerte die ganze Nacht hindurch. Nur die Haltung der Behörden und der Bevölkerung verhinderten weitere Excesse. Es fanden mehrfache Arrestationen statt. Spanien. Madrid. In der Sitzung der Cortes antwortete Serrano auf eine Inter⸗ pellation, daß der Aufstand in Cuba im Erlöschen begriffen sei und in den letzten Tagen eine Nie⸗ derlage der Flibustier stattgefunden habe. Nach neue Freiheiten gewährt und in besonnener Weise die Aufhebung der Sclaverei bewerkstelligt werden. Italien. Florenz. In Livorno wurde am 24. d. der österreichische Kämmerer, Graf Crenneville, in Begleitung des österreichischen General-Consuls Inghiramo, von zwei Unbekannten angefallen. Graf Crenneville erhielt einen Schlag ins Gesicht, Inghiramo wurde durch mehrere Dolchstiche getödtet. Sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von diesem Attentat drückte der Candidatur unterstützte, oder sich neutral verhielt, schen und gemäßigt republikanischen Candidaten Wiederherstellung des normalen Zustandes würden nenne f. ber Weltetal Orte nicht Beweis von Ihiffen dabef die an So des Vundee fufgen Bren werden bor bel d 1 5 0 nleresse fü wache — 117 Ef Meu⸗Verbas wie ma Hause, ale schwache un seinem Wo W. 1674 Kit ur, Wisshosen gezogen, flesgern, Maobe wesßem le bosen lag Oro Ministerpräsident Menabrea dem österreichischen Gesandten Baron Kübeck das tiefste Bedauern der italienischen Regierung aus mit der Versicherung, daß Alles eingeleitet sei, um die Schuldigen, deren Spur man bereits habe, zu entdecken und der verdienten Strafe zuzuführen. — Die ersten Erhebungen machen es wahr- scheinlich, daß der Angriff gegen Graf Crenneville ein Akt der Privatrache gewesen, da derselbe früher Commandant von Livorno gewesen und nicht sehr beliebt war. Der Urheber Negri war seiner Zeit wegen eines politischen Verbrechens verurtheilt. f Schotten. Unsere ganze Gegend ist durch einen Akt der Brutalität in Aufregung versetzt, indem der Lehrer eines benachbarten Ortes vor circa 3 Wochen ein Schul⸗ kind derart geschlagen haben soll, daß dasselbe am 18. d. M. starb. Der Section wohnten 5 Aerzte bei und wurde durch dieselben constatirt, daß das Kind in Folge der erlittenen Mißhandlung gestorben sei. Frankfurt. Die von dem hiesigen Bosellö'schen Verlag eben ausgegebene 18. Auflage von„Dr. Otto Hübner's statistischer Tafel aller Länder der Erde“ hat neben den selbstverständlichen durch neue Zählungen ꝛc. veranlaßten Erneuerungen auch äußerlich Verbesserungen erfahren. Wer sich über die malerielle Cultur des ge⸗ sammten Erdreichs eine richlige Ansicht verschaffen will, edeutung. Anekdon in Vin⸗ igierungs⸗ Dart Varlegunz unterbricht ind Sie ttt de. Nach ts würden tutr Wtist gt werden 10 purdt er, Ora rich scht brlannttn Schlag mehtere Findtefen ute. ichist⸗ aut in k. rsichttun huldigt! deen unt 66 wahl renntwil dt frühe nicht sch 501 seint urthell endet nirgends die Angaben bestimmter und genauer, Arzer und bündiger, als auf dieser Tabelle. Mainz. Gestügt auf das Gutachten Sachperstän⸗ iger, wonach eine Ausbesserung der Schäden im östlichen cheile des Mainzer Domes dei großer Schwierigkeit doch eine Garantie für die Zukunft biete und daher ein Ab⸗ zugen und Erneuern des ganzen Oberbaues geboten er⸗ heine, haben der Ausschuß des Dombauvereins und in etzter Instanz der Bischof sammt dem Capitel den Beschluß sefaßt, den sog. Pfarrthurm ganz abtragen und nach kründlicher Restauration des Unterbaues und Beseitigung es Stüßpfeilers im Innern der Kirche, einen siylgerechten Thurm neu aufführen zu lassen.* Vom Rheine. Folgende wahre Geschichte hat sich ürzlich in unserer Gegend zugetragen. Ein sehr bekannter Wiesbadener Arzt wurde zu einer adeligen Dame gerufen. Nun, wie geht es Ihnen, meine liebe Frau“, redete er se in seiner gewohnten Gemütlichkeit an.„Ich bin Haronin“, erwiederte die Gnädigste gereizt und spitzig. „O, das thut mir recht leid“, versetzte der Arzt;„aber on diesem Uebel kann ich Sie nicht befreien“. Damit kahm er Stock und Hut und empfahl sich. Großen⸗Buseck. Nicht blos die durch ihre Lage nd Fruchtbarkeit des Bodens von der Natur überaus egünstigte Gegend der Stadt Mainz ist im Stande hon zur jetzigen Zeit reife Kirschen aufzuweisen, sondern nuch hier in dem nördlichen Theile des Großherzogthums ind solche zu finden. Wenn dieselben auch den Kirschen er Wetterau, sowie anderer durch diese Frucht berühmten Orte nicht gleichkommen, so bieten sie uns doch einen deweis von der günstigen Lage des Busecker Thals. Wir soffen daber, daß diese seither ziemlich unbeachtete Gegend, ie an Schönheit und Fruchtbarkeit nicht vielen Orten es Landes nachsteht, bei Vollendung der Eisenbahn des zufigen Besuchs von Fremden sich erfreuen wird. Bremen. Die Gesammkkosten für die Nordpolfahrt derden vom Comité auf 67,217 Thlr. berechnet, dagegen etragen die Sammlungen, soweit sie bis zum 15. Mai gekannt waren, erst 28,756 Thlr. 27 Sgr. Möge das znteresse für das Unternehmen sich in schleunigen und eichlichen Beisteunern äußern. * Ein unheimlicher Reisebegleiter. Ein zeu⸗Verbaszer Bauer, Namens Daniel Brust, fuhr jüngst — wie man aus der Bacsca schreibt— von Neusatz nach dause, als ihn auf der Straße eine alte, anscheinend üwache und vor Ermüdung hinkende Frau bat, sie auf einem Wagen mitzunehmen. Der gutherzige Bauer will⸗— fahrte ber Bitte, allein wie erschrack er, als er sich während der Fahrt zufällig umwendete und durch das vom Winde gelüftete Kleid des Weibes die Läufe von zwei in einem Gürtel steckenden Pistolen blitzen sah. Eine zeitlang fuhr er weiter, ohne daß er gewagt hätte, eiwas gegen seinen Reisebegleiter zu unternehmen; allein zum Glück fiel ihm ein guter Gedanke ein— er ließ die Peitsche vom Wagen fallen und bat das Weib, ihm dieselbe heraufzuholen. Der Räuber— denn ein solcher steckte in den Frauenkleidern — stieg arglos ab und nun nahm der Bauer die Gelegen- heit wahr, sich so schnell als das Pferd vermochte, davon zu machen. Der Strolch fluchte wüthend und sendete dem Fliehenden zwei Schüsse nach, allein derselbe kam mit heiler Haut und dem bloßen Schrecken davon. „„ Ernteaussichten in Amerika. Nach ameri⸗ kanischen Berichten im City-Artikel der„Times“ sind in allen westlichen Staaten der Union die Aussichten für die nächste Weizenernte hͤchst günstig. Die Weizenverschiffun⸗ gen von Newyork beliefen sich in den ersten drei Monaten des gegenwärtigen Jahres auf 2,030,964 Bushels gegen 710,528 in der entsprechenden Periode des Vorjahres. Der Maiscxport erreichte die Höhe von nur 716,914 Bushels gegen 2,227,684. und die Petroleumsaussuhr von 10,737,525 Gallonen gegen 9,947,351 Gallonen. Literarisches. Als Anfangs dieses Jahres die„Allgemeine Fami⸗ lien-Zeitung“ auf dem Büchermarkte erschien, konnten wir nicht umhin, unsern Lesern dieses Journal zu empfehlen, und dasselbe als die außerordentlichste Erscheinung auf dem Gesammtgebiete des deutschen Journalwesens zu be— grüßen, weil es durch den bei seinem enormen Umfange ganz unbegreiflich billigen Preis alles bisher gebotene weit übertrifft(Preis pro Monatsheft von 8 Groß-Foliobogen — 192 Spalten nur 6 Sgr.) und durch seinen gediege⸗ nen Inhalt allen Anforderungen entspricht. Es gereicht uns nun zum Vergnügen, daß wir jetzt, nachdem 4 weitere Hefte erschienen sind, unser früheres Urtheil voll— ständig bestätigen können, indem die„Allgemeine Familien⸗ Zeitung“ das Versprechen, welches sie in ihrem Prospekte gab, die„Quintessenz“ der ganzen heutigen Literatur in der faßlichen und anregendͤsten Form darbieten zu wollen, bisher treu und gewissenhaft gehalten hat, wofür die seit— her erschienenen Hefte den Beweis liefern. Ein Blick z. B. 4 Hefte zeigt uns novellistische Bei— in die vorliegenden 4 träge aus den anerkannten Federn von Fr. Gerstäcker, Bernd. v. Guseck, Max Ring, Balduin Möllhausen, Otfrid Mylius c., benen sich die culturhistorischen und natur ⸗ wissentschaftlichen Aufsätze von W. Bart und Theodor Winkler, sowie die kleineren Novelletten und Humoresken von Ab. Benecke, Karl Neumann⸗Strela und Max Lindau würdig anschließen. Die„Chronik der Gegenwart“ ver⸗ felgt mit kundigem Blick die Fortschritte auf allen Ge⸗ bieten der Kunst und Wissenschaft, und die Illustrationen zeugen eben so von gutem Geschmack in ihrer Auswahl und Zusammenstellung, wie sie in technischer Beziehung allen Ansprüchen Genüge leisten. Daß sich daher die„Allgemeine Familien⸗ Zeitung“, wie wir erfahren, eines Erfolges erfreut, wie solcher in gleich kurzer Frist im deutschen Journalwesen bis heute noch nicht vorgekommen(3 Monate nach dem ersten Erscheinen beträgt die nicht blos fingirte, sonbern thatsächliche Auflage 54,500 Exemplare), ist bei der Menge und Gediegenheit des Gebotenen nicht überraschend. Landwirthschaftliches. E. Das Mähen des Grases. Wir finden es gerathen jetzt schon manchen der Wiesen⸗ besitzer wiederholt in diesen Blättern aufmerksam zu machen, daß auch dieses Jahr wieder die Vegetation einen fast dreiwöchigen Vorsprung gegen die der früberen Jahrgänge erreicht hat. Man lasse die Meinung, als sei erst um Johannistag die rechte Heuerntezeit, fahren und begebe sich zur Befolgung der weit sicheren, jedes Jahr bezüglich der Zeit wechselnden Regel:„Nimm die Heu⸗ ernte vor, sobald ein großer Theil des Grases oder Kleees(der Wiesenblumen) in Büthen steht!“— Läßt man das Mähen bis zum völligen Verblühen oder gar bis zur Saamenbildung anstehen, dann hat man zwar an Holzfasergehalt gewonnen, aber bedeutend an nährenden Stoffen verloren. Die Meinung, als bedürfe die Wiese zum gedeihlichen Fortbestand des ausgefallenen Grassaamens, gebe man doch endlich einmal auf und bedenke, daß Rasenplätze und solche Wiesen, auf die des öftern und frühen Aberntens wegen auch nicht ein einziges Saamenkörnchen ge— ange kann, dennoch lange und üppig fortbestehen. Weinversteigerung. 574 Künftigen Montag den 31. Mai l. 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Nachmittags: ½2 Uhr Christenlehre und Andacht. 6½ Uhr. ler Sprachen N brauert G 2 An den Wochentagen beginnt der Gottesdienst Morgens Die 6 nächst der Poß. 0 Wied erverkäufern wird ein bedeutender Rabatt de⸗ willigt. 5 *„— Crausparent-Glycerinseise. 1447 zu allen Preisen Wilh. Sturmfeliss 1608 Bei Wittwe Heß in der Vorstadt ist ein Stübchen an eine einzelne Person zu vermiethen und kann als · 1 bald bezogen werden. 1 4— Stroh hüte 1151 in großer Auswabl und zu sehr billigen Preisen 9 bei Heinrich Diehk, usagasse. 5 77 ⁵³ĩðLb 4 des gollpa 1587 emu 1 2 N 7 Regietur üchsische Pfandbriefe. dN 1 vom 3.9 bes Grofl rom 4 E II.-Se bie Einlber F! òðV'd III. L 1 zs e Eine Strohhüte& Sonnenschirmm 1861 in großer Auewahl bei e 101 5 Friedberg. Geschwister Schloß. des Nord Bundes v eingehend echnungen 72 mit Geschäfts- Firma per Buch 32 kr., in größeren Anlagen Quantitäten belltger, liefern.. E Bindernagel& Schimpff. 5 0 J. 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