fen. Job Act F. Sött. Felsenau elt herd Gatzer . 7 771tb u 1869. Vonnerstag den 25. November. N 138. Ohberhessischer Anzeiger. belbalt die amtlichen Erlasße für den Krtis Friedberg. Fritdberger Zutelligenzblalt Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samftag. Für die Monate November und Dezember kann auf den„Oberhesfischen Anzeiger“ bei der Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden. Hessen. Darmstadt. Wie verlautet, wird ge Stelle eines Regimentscommandeurs des Gr. Infanterie-Regiments wieder durch einen preuß. Affizter besetzt werden. Als solcher wird der Aberst v. Manteuffel genannt. Preußen. Berlin. Man begegnet in kerliner Blättern der Ansicht, daß die Schul— (ssetzvorlage des Hrn. v. Mühler diesem vielleicht sließlich ebenso gute Dienste leisten werde, wie e Hundert⸗Millionen⸗Anleihe dem Herten Finanz⸗ zinister v. d. Heydt, und daß sie ihm, wenn das sesetz zur Verhandlung kommt, Gelegenheit ver affen werde,„eine Reise in den Süden“ zu rachen, um hier ein Weilchen von den Anstrengungen ner gesetzgebenden Bestrebungen auszuruhen. — Aus den stenographischen Berichten des serrenhauses geht, wie die„Volkszeitung“ mit- heilt, hervor, daß der Graf zur Lippe in der ditzung vom 15. November gesagt hat:„Meine terren! Glauben Sie es mir aus zuverlässiger fahrung, Sie haben keine Vorstellung davon, rie spät ein Mensch in seinem Leben klug wird.“ — In dem Abgeordnetenhause motivirte der übg. v. Bonin seine Interpellation wegen des neußischen Einspruchsrechtes gegen den Verkauf ur Braunschweigischen Staatsbahnen. Der Han⸗ ulsminister erklärte in seiner Antwort Folgendes: „Die Staatsregierung ist sich ihres contraktmäßigen gechtes bezüglich des Verkaufes derjenigen Braun⸗ hweigischen Staatsbahnen, auf welche die be— chenden Verträge sich erstrecken, und zwar auf tee ganze Ausdehnung dieser Bahnen, wohl be— kußt; sie wird deßhalb, wenn überhaupt, nur zunn ihre Zustimmung geben, wenn die Interessen us preußischen Staates, wie die des allgemeinen zerkehrs, sicher gestellt sind. Die Regierung tünscht auch das Interesse und die Ansicht der Hraunschweiger zu beachten, deren Landtag jetzt rsammelt und die Ansichten des Landes aus- zsprechen berufen ist. Die Regierung wünscht tese Ansicht zu erfahren und deshalb die Ent⸗ seidung auszusetzen.(Sensation.) — Am 1. Juli d. J. waren in Preußen 970 selbständige Lehrerstellen und 822 Hülfslehrer⸗ illlen nur mit Präparanden besetzt, während 595 Abständige Lehrerstellen und 474 Hülfslehrerstellen merhaupt gar nicht besetzt waren. Dazu kommen uch 1242 neue Lehrerstellen, deren Gründung im Werke ist und die also auch noch besetzt werden rüssen. Hannover. Das hiesige Consistorium hat jcgen die Anordnung, den 10. Nov. zu Ehren läther's als Bettag zu begehen, Protest und Ver⸗ hrung eingelegt, indem die Anordnung kirch⸗ ther Festtage nicht zu den Befugnissen des Landes- herrn als obersten Landesbischofs gehöre. Frankfurt. Im Schooße des evangelisch ⸗ utherischen Gemeindevorstandes dahier sollen Be- grechungen stattgefunden haben, wie man sich gcgen die Anordnung, den 10. November als zesttag zu feiern, verwahren könne. Die franzö⸗ sich-reformirte Gemeinde hat den befohlenen Fest⸗ ich nicht gefeiert und an ihrer von dem Staat zinzlich unebhängigen Gemeindeverfassung con- eguent festgehalten. Franksurt. Der hiesige„Beobachter“ reibt: Nach längerer Dürre bietet das Feld r Politik wieder reichen Stoff zu Besprechungen und Vergleichungen. Zwei wichtige Wahlbewe⸗ gungen, die in Frankreich und die in Bayern sind im Gange, zwei Ministerkrisen sind aus- gebrochen, eine in Paris und eine in Florenz, zwei Fürstenzusammenkünfte werden angekündigt, die Franz Joseph's und Viktor Emanuel's in Süditalien oder Wien, und die Louis Napoleon's mit Kaiser Alexander in Nizza; endlich befindet sich das Haupt der Gläubigen in Rom mit dem Haupt der Ungläubigen in Constantinopel in so⸗ fern in ähnlicher Lage, als der Papst durch das neuzuschaffende Dogma seiner Unfehlbarkeit und Erhabenheit über alle Staatsgewalten der Erde, sämmtliche Souveräne zu seinen Khediven machen und mit ihnen eventuell ebenso zu Gericht gehen will, wie der Sultan es nach den Festen der Suezkanal Eröffnung mit dem Vicekönig von Egypten beabsichtigt. Bayern München. Die„Correspondenz Hoffmann“ meldet den Abschluß des Vertrages zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz über den gegenseitigen Schutz der Urheberrechte an literarischen Erzeugnissen und Kunstwerken. — Das Resultat der Wahlen ist nach dem „Stuttg. Beob.“: 81 Patrioten(auch Conser⸗ vative oder Klerikale genannt), 69 Liberale und 4 Demokraten. Die ministerielle Partei mit 69 ist also in der Minderzahl geblieben, von diesen sind etwa 63 zur Fortschrittspartei und 6 zur ministeriellen Mittelpartei gehörig. Die Klerikalen haben durch die Neuwahl 2 Stimmen gewonnen. Würtemberg. Stuttgart. Der Staats anzeiger für Würtemberg meldet, daß am 22. d. die Präconisation des Dr. v. Hefele zum Bischof von Rottenburg in Rom stattfinden wird. Baden. Karlsruhe In der Abgeord⸗ netenkammer interpellirte der Abg. Bissing wegen eines angeblich vom Kriegsministerium erlassenen Verbotes an die Landwehr, sich an feindseligen Agitationen der Opposition zu betheiligen. Der Kriegsminister erklärte in Beantwortung dieser Interpellation, daß ein solches Verbot nicht existire; ein betreffender Erlaß ordne nur eine Belehrung und Mahnung an. Der Abg. Bissing beantragte darauf, die Kammer möge ihre Mißbilligung über diese Belehrung aussprechen, was mit allen gegen 4 Stimmen abgelehnt wurde, doch gab der Gegen— stand zu einer sehr gereizten Debatte Anlaß. Oesterreich. Wien. Aus Cattaro schreibt man: Wenn schon vor Wochen behaupte! wurde, daß die Haltung des Fürsten und des regierenden Senats von Montenegro eine der hiesigen Insurrektion sehr freundliche ist, so liegen jetzt Beweise vor, daß diese Annahme vollkommen berechtigt war. Montenegro ist der Herd der Revolution; es ist die militärische Operationsbasis und in politischer Beziehung der Sammelpunkt aller Freiwilligen oder von Rußland bezahlten Agitatoren. Sämmtliche Führer in Montenegro haben hart an der Grenze Oesterreichs ihren Sitz und unternehmen von dort aus, wie es ihnen eben paßt, Streifzüge ins Land, um dasselbe zu unter- wühlen und den Behörden abtrünnig zu machen. — Die am 15. begonnenen militärischen Operationen in der Kriwoschie haben bis jetzt nur das Resultat gehabt, daß von den vier Colonnen, in welche sich das Operationscorps theilte, zwei auf die Hochebene von Dragal vordringen konnten. 8 Das 44. Infanterie-Regiment(Ungarn) und das 8. Jägerbataillon(Kärtner) von zwei Gebirgs⸗ Batterien und vier Raketengeschützen unterstützt, wollten am 18. den Engpaß von Han fortiren, wurden aber nach sechsstündigem Kampfe durch die Kugeln der Insurgenten und durch die Stein- massen, welche dieselben von den Felswänden herabrollten, zum Rückzuge genöthigt. An dem- selben Tage fand auf der Südseite der Bucht von Cattaro ein längerer Kampf der Oesterreichet gegen die Insurgenten statt, welche sich bei Brailsch gesammelt hatten. Dieselben wurden bis an die montenegrinische Gränze verfolgt. — Die„N. Fr. Pr.“ erfährt durch Privat- telegramm aus Konstantinopel, daß die Pforte gegen die neuerdings angeregte Neutralisirung des Sutzcanals als einen Eingriff in ihre Souveräne täts rechte in Egypten protestirt habe. Frankreich Paris. Der Kaiser ist am 21. d. in Begleitung des kaiserlichen Prinzen und mit zahlreichem Gefolge von Compiegne in Paris eingetroffen. Auf dem Nordbahnhof bildeten ein Bataillon Garde⸗Voltigeurs und ein Linienbataillon Spalier und die kaiserlichen Wagen wurden von einer Abtheilung Hundertgarden nach dem Tuilerien⸗ schloß geleitet. — Die am 21. begonnenen Wahlen sind mit vollkommener Ruhe vor sich gegangen. Die Be- theiligung am ersten Tage war auffallend gering, am zweiten Tage drängte sich jedoch die sehr zahl- reiche Menge zu den Wahlurnen. Nirgends fielen Excesse vor. — Das Resultat der Pariser Nachwahlen ist Folgendes: Im 1. Wahlbezirk wurde Rochefort mit 17,051 Stimmen(ca. 1800 St. Majorität); im 3. Wahlbezirk Cremieux mit 20,489 St. (Pouyer⸗Quertier erhielt 9676 St.); im 8. Wahl⸗ bezirk Arago mit 22,120 St.(Gent 5273, Herold 2462, Pyat ca. 1000 St.) gewählt. Im 4. Wahlbezirk ist zwischen Glais-Bizoin(mit 11.811 St.), Brisson(mit 6073 St.) und Allou (mit 7552 St.) Ballotage erforderlich. — Die Wahlen von Rochefort(mit 17,978 Stimmen), von Cremieux(mit 20,784 St.) und Arago(mit 18,834 St.) werden offiziell bestätigt. Carnot erhielt im ersten Wahlbezirk(gegen Roche⸗ fort) 12,900 Stimmen, Terme 2900 Stimmen. — Am Abend des 22. d. hatte sich auf den Boulevards eine beträchtliche Menschenmenge ver— sammelt, auch vor den Bureaux des„Rappel“ in dem Faubourg Montemartre bildeten sich Gruppen, welche das Wahlresultat erwarteten. In den be— nachbarten Straßen wurden einige Petarden ent- laden, doch wurde die Ordnung nirgends gestört. — Wenn die„Presse“ recht berichtet ist, so wäre nicht nur eine Begegnung zwischen den Kaisern Napoleon und Alexander in Nizza ent- schieden, sondern die Kaiserin hätte auch von dem Kaiser von Oesterreich das Versprechen erhalten, an dieser Zusammenkunft Theil zu nehmen. Das diplomatische Corps hätte bei dem letzten Wochen- empfang im Ministerium des Aeußern die Begeg- nung der drei Souveräne für gewiß betrachtet. — Die amerikauischen Blätter veröffentlichen einen Brief des Bruders Hyacinthe an einen protestantischen Geistlichen in Brooklyn. In diesem vom Allerseelentage 1869 datirten Briefe heißt es:„Ich bleibe meiner Kirche treu, und wenn ich meine Stimme gegen die Ausschreitungen er⸗ hoben habe, welche sie entehren und die sie zu Grunde richten möchten, so konnte man an dem Schrei meines Schmerzes die Stärke meiner Liebe ermessen. Als unser Aller Herr und Meister sich gegen die Tempelschänder mit der Geißel bewaffnete, da erinnerten sich seine Schüler des Wortes der Schrift:„Der Eifer deines Hauses hat mich ver⸗ zehrt.“ Ich bleibe meiner Kirche treu, aber ich bin darum nicht minder empfänglich für die Theil nahme, welche man im Schooße anderer Kirchen Allem, was ich in den Gränzen des Katholicismus sagen oder thun kann, zu schenken so freundlich ist. Ich habe übrigens niemals geglaubt, daß die von Rom getrennten christlichen Gemeinschaften von dem heiligen Geiste enterbt und ohne einen Antbeil an dem ungeheuren Werke der Vorbereitung des Reiches Gottes sind.“ — Auf dem auswärtigen Amte ist die Nach⸗ richt eingelaufen, daß der berühmte Reisende Werner Munzinger, zur Zeit französischer und englischer Vice ⸗Consul in Massuah, auf einem Ausfluge rach Abessenien von Räubern angefallen und von vier Kugeln getroffen worden ist. Man hat ihn sofort nach Keren transportirt und der Gouverneur von Massuah sandte ihm seinen Leib; arzt Aly Sciutli nebst 22 Soldaten und dem Dragoman seines Consulats. Die Kugeln befinden sich im rechten Arm, im Rücken und der Schulter, und der Arzt hofft, den Reisenden trotzdem am Leben erhalten zu sehen. Spanien. Madrid. Ueber die Weigerung des Herzogs von Genua, den spanischen Thron anzunehmen, ist außer der von der„Times“ aus- gegangenen Behauptung hier nichts Definitives bekannt. — Ein amtlicher Bescheid in Betreff des Herzogs von Genua ist aus Florenz noch nicht hier eingegangen. Gegenüber anderslautenden Nachrichten wird in Regierungskreisen betont, daß für die Annahme oder Ablehnung der spanischen Krone Seitens des Herzogs von Genua in erster Linie die Entschließung des Königs Viktor Emanuel als Vormund des Herzogs in Betracht kommt, welche zur Zeit noch nicht vorliegt. — Die Minorität der republikanischen Partei wird noch nicht in die Cortes eintreten. Der Wiedereintritt derselben erfolgt erst nach einem von Castelar zu erlassenden Manifeste, in welchem die Gesinnungsgenossen aufgefordert werden sollen, in der Presse und in den politischen Clubs große Mäßigung zu ber bachten, sobald die verfassungs⸗ mäßigen Bürgschaften wieder hergestellt sind. Italien. Florenz. Der„Corriere Ita⸗- liano“ meldet: Der König sandte den Grafen de Sonnaz zu dem neugewählten Kammerpräsi⸗ denten Lanza, um ihn mit der Bildung eines neuen Cabinets zu betrauen. Die Antwort Lanza's ist noch unbekannt. — Menabrea zeigte in der Deputirtenkammer an, daß in Folge des Kammervotums das Mini⸗ sterium abtritt. Türkei. Konstantinopel. Die„Turquie“ analpsirt die letzte Antwort des Vicekönigs von Egypten und bebt deren Unzulänglichkeit hervor, wie auch die Ueberreichung derselben durch den Consul, anstatt durch den Vezier. Die„Turquie“ sagt, die Zeit der Versöhnlichkeit sei vorbei und droht dem Vicekönig mit Absetzung, nölhigenfalls unter Anwendung von Waffengewalt. Amerika. Aus einem Berichte des Schatz ⸗ meisters der Vereinigten Staaten ergibt sich, daß die Einnahmen zu-, die Ausgaben abgenommen haben und daß im Hinblicke auf die entsprechenden sechs Monate des Vorjahres die Resultate um nicht weniger als 56,034,967 Dollars günstiger vernichtet sein mitsammt ihren Bewohnern. Das Wasser des Flusses Canca stieg seine gewöhnliche Höhe, und die dadurch verursachte rasche Strömung brachte Lava, Menschen⸗ und Thierleichen von der Stätte der Verwüstung mit herab. Afrika. In Cairo hat am 22. Nov. ein glänzender Ball stattgefunden, dem der Kaiser von Oesterreich, sowie die Gesandten Oesterreichs und Rußlands beiwohnten.— Der Kaiser von Oester⸗ reich hat das Projekt der Reise nach Brindisi wegen Krankheit des Königs von Italien aufgegeben. — Der Dampfer„Latif“ ist, nachdem er zwei Tage auf dem Grunde des Canals versandet, flott gemacht. Mehrere andere Dampfer sind ebenfalls auf den Grund gestoßen, jedoch ohne große Schwie⸗ rigkeit flott gemacht wotden und ueiter passirt. * Friedberg. Ein von Dar nistadt und Großgerau gemeldeter, am Morgen des 22. 7 Uhr 12 Minuten ver⸗ spürter Erdstoß ist noch an vielen Orten wahrgenommen worden, so in Roßdorf, Fürth i. O., Pfaffenbeerfurth Oberbeerbach, Niederramstadt, Schwanheim, Schönberg, Philippseich Frankfurt a. M. Worms. In Groß⸗ gerau scheint die Erschütterung wieder am hefligsten ge⸗ wesen zu sein, man zählte daselbst 10 stärkere Erdstöße. Frankfurt. Am 22. Morgens 7 Uhr 10 Minuten ward hier wieder ein Erdstoß von 6—8 Secunden Dauer gespürt. Wie aus der„Darmst. Zig.“ zu ersehen, ist auch in Darmstadt, dem„Rh. Kur.“ zufolge auch in Wiebaden und Rüdesheim dieselbe Beobachtung gemacht worden; an letzterem Orte unterschied man drei rasch aufeinander folgende Stöße. Frankfurt. Es soll dahier eine ueue„Zeitung“ erscheinen und die Concession zur Herausgabe schon ertheilt sein. Dieselbe wird sich nicht mit Politik, auch nicht mit Belletristik, sondern mit einem Zweige der Volks⸗ wirthschaft befassen. Der Zweck des Blattes ist nämlich, den Abonnenten ein regelmäßiges, sorilaufendes Verzeich⸗ niß über diejenigen Personen in Frankfurt zu geben, welche ihren eingegangenen Werpfc nicht nachge⸗ kommen find. Elwa 300 Personen sollen bis jetzt auf die Zeitung abonnirt baben.(Ob wohl auch milde Bei⸗ tcäge von auswärts angenommen werden?) Frankfurt. Das deutsche Hochstift hat nun zehn Jahre seines Bestehens hinter sich. Die Mitgliederzahl beziffert sich nach der desfallsigen Fesistellung auf ca. 950, von denselben sollen 401 zur Klasse der Gelehrten und Künsiler gehören und 552 werden als Theilnehmer auf⸗ geführt. Davon kommen im Ganzen 252 auf Frankfurt. Das Goethehaus wurde in diesem Jahre von ca. 2500 Personen besucht, welche 1796 fl. als dankbare Erinnerung zurückließen. Darmstadt. Auf den am Sonntag Abend nach 5 Uhr von Mainz hier ankommenden Bahnzug wurde von schon ziemlich erwachsenen Jungen mit Steinen geworfen, hierdurch mehrere Feuster zertrümmert und dem Vernehmen nach ein Offizier am Auge verletzt. Darmstadt. Die„Darmst. Zig.“ schreibt vom 22. d.: Seit der Nacht vom 19. auf den 20. bemerkt man bier wieder öfters Bewegungen der Erdoberfläche. Gestern wurden hier z. B. mit Gewißheit um 3 Uhr Nachmittags und um 7 Übr Abends Erschütterungen beobachtet; desgleichen mehpere während der heutigen Nacht, und heute Morgen um 7 Uhr 12 Min. beobachtete man einen ziemlich starken, mehrere Sekunden andauernden Erdstoß. Aus Groß⸗Gerau bringt dasselbe Blatt folgende Nachricht vom gleichen Dalum: Gestern Morgen um ½11 Uhr wurde ein ganz leiser Erdsioß wahrgenommen. Heute Nacht aber, kurz nach ½2 Uhr, ereignete sich wieder ein kurzer verticaler Stoß drilter Stärke, welchem einige Secunden nachher ein dumpfes Nollen unter der Erde folgte. Etwa 5 und 10 Minuten nachher wurden noch zwei kurze leise Stöße vernommen. Worms. Eine grauenhafte That wurde dahier verübt. In der Nähe der Landungsbrücke der Dampf⸗ boote fand man den 21 Jahre alien Johaun Eberhard Schlegel, Schiffbauer von hier, erschlagen. Nicht weit von der Leiche entfernt lag ein Prügel von enormer Dicke, mit welchem wahrscheinlich der Mord verübt wurde. Als Thäter ist der Taglöhner Jacob Holleriethraus Speyer, welcher an einer im Rheine dayier befindlichen Bagger⸗ maschine arbeitet, verhaftet. Alzey. Sicherem Vernehmen nach hat der hiesige Stadtrath in einer im Laufe dieser Woche abgehaltenen Sitzung beschlossen, die jährlichen Gehalte der Lehrer an der biesigen Volksschule auf 700 fl. und die der Vikare auf 400 fl. zu erhöhen. Hoffentlich folgen noch recht viele Gemeinden des Landes diesem schönen Beispiel. einen Fuß über N Das Hamburger Post⸗Dampfschiff Bavaria, Capt. ranzen, welches am 23. October von hier und am 26. October von Havie abgegangen, ist am 17. d. Mts. wohlbehalten in New⸗Orleans angekommen. O Zustände in Paraguay. Eine der vielen südamerikanischen Republiken heißt Paraguay und liegt an den Ufern des Flusses gleichen Namens, der nach seiner Vereinigung mit den Flüssen Parana und Uruguay. als La. Plata in den atlantischen Ocean mündet. Die Republik Paraguay erstreckt sich zwar über ein Gebiet von über 9000 Q.- M., was beiläufig/ von der Größe Deutschlands bedeutet, ist übrigens nur zum geringsten Theile angebaut und hat eine Be⸗ völkerung, die an Zahl etwa der des Großherzog⸗ thums Baden gleichkommt(1,300,000). Der Präsident oder vielmehr Dictator dieser Republik ist der in der letzten Zeit so viel genannte Lopez. Schon über 4 Jahre zieht sich ein Krieg hin zwischen ihm und seinen Nachbarn nach Osten und Süden, dem Kaiserreich Brasilien, dem Frei⸗ staat Uruguay und der argentinischen Republik. Ueber die Ursache dieses Krieges ist sich hier nicht aufzuhalten. Lopez behauptet für die Unabhängig⸗ keit Paraguay's das Schwert ergriffen zu haben; nach Allem aber, was nunmehr über ihn in Europa bekannt wird, ist die Annahme gar nicht ungereimt, es habe ihm die Gründung eines Kaiserreiches„La Plata“ vorgeschwebt, und sei zu diesem Zweck von ihm der Kampf vom Zaun gebrochen worden. Trat doch zur selben Zeit auch das Kaiserreich Mexiko in's Dasein. Nachrichten vom Kriegsschauplatz kamen uns nur spärlich zu und waren unzuverlässig. Bald hieß es:„Lopez ist geschlagen“, dann wieder; „die Verbündeten haben sich mit großem Verlust zurückgezogen.“ So viel war bald klar: Lopez war ein entschlossener Gegner, und die Verbündeten, die ihn auf einer Morgenpromenade züchtigen zu können meinten, flutzten gewaltig Angesichts der Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegenthürmten. Selbst als die Hauptstadt Assumcion eingenommen war, war damit Lopez's Widerstandskraft nicht erschöpft. Jeden nur halbwegs haltbaren Punkt auf's äußerste vertheidigend, zog er sich zurück, und völlig überwunden ist er bis auf den heutigen Tag noch nicht, obgleich wiederholte Zeitungsnach richten ihn nach Bolivia sich haben flüchten lassen. Dies Alles mußte unsere Bewunderung erregen und ihm unsere Sympathien erwecken. Gleich einem Friedrich II. schlug er sich mit einem zehn⸗ fach überlegenen Feinde herum, überall neue Hülfs ⸗ mittel und neue Truppen aus dem Boden stampfend. Das ganze Völkchen stand bis zum letzten Mann unter den Waffen, nur seines Winks gewärtig; ja Bataillone von Knaben und Frauen kämpften unter seinen Fahnen. Welche Begeisterung far die Sache, für welche es focht, mußte dies Völkchen durchglühen, mit welch' abgöttischer Verehrung mußte es au dem Helden emporblicken, der in wahrhaft antiker Größe an seiner Spitze stand. So schien es.(Schluß folgt.) Für die Wittwe und Kinder Seifert von Oberwöllstadt sind bei uns nachträglich noch eingegangen: Von H. P. 30 kr., Ungenannt 1 fl. Die Gesammtsumme der uns güligst überlassenen Gaben, 59 fl. 59 kr., haben wir Namens der Geber der Wittwe Seifert eingehändigt, welche dieselbe mit dem Ausdruck der dankbarsten Gesinnungen gegen ihre Wohl⸗ thäter in Empfang genommen und uns gebeten hat, den freundlichen Gebern ihren herzlichen Dank aussprechen zu. wollen. Indem wir dies thun, schließen wir gleichzeitig, die von uns unternommene Sammlung. Die Expedition. Schiffs nachrichten. sind. Eine ganz hübsche Summe für den Anfang der neuen Verwaltung! — Nach den neuesten Nachrichten fand ein heftiger, von großen Zerstörungen und Verlusten an Menschenleben begleiteter Ausbruch des Vulkans Purate in det südamerikanischen Republik Colum- bia statt. Gegen halb 3 Uhr früh am 4. Oct. begann der Massen Asche und Bimsstein auszuwerfen. Zwei oder drei Dörfer an seinem Fuße sollen gänzlich Berg mit gewaltiger Eruption ungeheure Mitgethrilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent. Das Hamburg New⸗Yorken Post⸗Dampjschiff Borussia, Capi. Hebich, welches am 30. Octbr. von hier direct nach New⸗Hork abgegangen, ist am 19. d. 2 Uhr Morgens wohlbehalten in New⸗York angekommen. Das Hamburger Post⸗Dampfschiff Teutonia, Capt. Barends ging, expedir! von Herrn Augusi Bolten, William Miller's Nachfolger, am 20. November von Hamburg via Häbre und Havanna nach New-Orleans ab. Außer einer starken Bries- und Packetpost haue dasselbe 12 Passagtere in der Cajüte und 67 Passagiere un Zwischendeck, so wie 150 Tons Ladung. 2 0 2 8 0 Dringende Bitte. Füe eine Familie, die vor Kurzem hierber gezogen ist und die sich in grenzenloser Noth befindet, wurde vom verschiedenen Privatpersonen in engerem Kreise gesammelt und die Beträge sofort der Familie übermacht. Mam bittet dringend um milde Gaben und ist die Expedition bereit dieselben in Empfang zu nehmen. Mehrere Meuschenfreunde. Bei Wirth Steinhäuser gesammel! Bereits gingen ein: 2 fl. 10 kr., im„Frohsinn“ gen und gleich abgeliefert: sammelt 4 fl. 24 kr. des in hitsigem Bahnhofe verunglückten Justus 46 5 bufti wil 6. oöffentli 51 90 a nut hilf eben fanpftat b lezten Nan al gerald u lin). gtiftrung l f Ochsenfleisch-Lieferung ir das Garntson⸗Lazareth Friedberg auf das Jahr 1870. 05 Freite n 28. d. M., Vormittags 10 Uhr, soll se obige 8 erung auf dem Lazareth⸗Bürkau unter den gaselbst zur Einficht offen liegenden Bedingungen durch oumtission dergeben werden. g griedberg den 20. November 1869. Großberzogliche Garntson Vazareth⸗Commisfion Stock. Dr. Steinhäuser. Petroleum ꝛc. Lieferung. 976 Mittwoch den 1. December 1809, Vormittags Uhr, soll die Lieferung des Bedarfs an Petroleum ind Lichtern füt dle Garnson Butzbach auf das erste salbjahr 1870 auf dem Büreau der unterzeichneten Ver⸗ valtung, woselbst die Bedingungen zur Einsicht offen egen, durch Soumission vergeben werden. In den unzureichenden Soumissionen ift anzugeben, daß von en Bedingungen Kenntnis genommen. Butzbach den 6. November 1869. Großherzogliche Garntson-Verwaltung Sch abel, Wachtmeister. Mobiliar ⸗Versteigerung. 209 Freitag den 26. November d. J., Vormittags Uhr, sollen in der Behausung der A dam Kehr's Wittwe dabier umzugshalber verschiedene Mobillen, als: Tische, Stühle, Schränke, Bettstellen, Bettwerk, Weiß zeug, Glas, Porzellan, Küchengeräthschaften, sowie sonstige Haushaltungsgegenstände eiwillig meistbietend gegen Baarzablung verste gert werden. Friedberg den 22. November 1869. Großberzogliches Ortsgericht Friedberg Foucar. dofraithe- u. Gartenversteigerung. 219 Montag den 29. November d. J., Vormittags 1 Ubr, sollen im biesigen Rathhause die Immobilten es Conrad Diehl J. dahier, nämlich: Flur. Nr. Klftr. 2. 478. 6,9. Hofratibe in der Stadt, 6. 49. 219. Grabgarten vor dem Mainzertbor, ffentlich meistbletend versteigert werden. Friedberg den 23. November 1869. Großberzogliches Ortsgericht Friedberg Fo uc ar. Bekanntmachung 1222 Montag den 29. d. M., Vormittags 9 Ühc an⸗ angend, sollen auf hiesigem Rathhause folgende, von zuswärts hierher gebrachte und zum Verkauf hierselbst sestimmte Mobilien meistbietend gegen gleich daare nahlung versteigert werden, als: 1 Kommode, 1 Glasschrank, Tische, Stüble ver⸗ schiedene Bettstellen, mehreres Bettwerk, 1 Kleider⸗ schrank, 1 Küchenschrank und sonstige Haus und Kuchengeräthschaften. Butzbach am 23. November 1869. eee 18 Butz bach e l. Mobilien- Versteigerung. 3224 Dienstag den 30. d. M., Vormittags 9 Uhr, zassen die Georg Sch. Stock II. Erben in Ober- Rosbach folgende Mobilien öffentlich meiftbietend, erb⸗ vertheilungs halber, versteigern: 2 Kühe, 1 Rind, 4 Schafe, 1 Schwein, 2 Gänse, circa 30 Malter Winter⸗ und Sommerfrucht. 40 Mlt. Kartoffeln, eine Partbie Dickwurz und Kohiraben, circa 6 zuder Stroh, Spreu, eine Parthie Mist, einen vollftändigen Wagen, 2 Pflüge, 1 Webstuhl, 1 Tenor⸗ born und Violine, Bettwerk, Federn und sonstige Haus und Oeconomiegeräͤthe. Ober Rosbach am 23. November 1869. In Auftrag Großherzogliches Ortsgericht Ober⸗Rosbach Bleche r. Bekanntmachung. 3223 Samsfiag den N. d. M., Vormittags 10 Uhr. soll der zur Zucht unbrauchbar gewordene Schafbock muf dem Bürear des Unterzeichneten versteigert werden. Rockenberg den 23. November 1869. Großherzogliche Bürgermeißerei Rockenberg Krämer. Kaffee⸗Schrot 3213 anerkannt das vorzüglichste aller bis fetzt exlstiren⸗ ben Kaffee⸗Surtogale. Eine geringe Beimischung zum Kaffee gibt demselben eine schönere Farbe und einen überaus kräftigen, angenehmen und aromatischen Ge. sschmack. Desailpreis 24 kr. per Pfund, Engrospreis 18 kr; Weederverkäufer erhalten Rabatt. Probe- sendungen von 1—5 Pfund gegen Nachnahme. 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Die Schrift enthält folgende Abbildungen: 1) Die Auffindung der sechs Leichen. 2) Die Mordstätte mit den vom Volke errichteten Kreuzen. 3) Die Ausstellung der Leichen in der Morgue. 4) Die Portraits der Frau Kinck und zweler ihrer Kinder. 5) Das Portrait des muthmaßlichen Mörders, Johann Baptist Traupmann Preis: 6 kr. 3225 Kinderlose Ehemänner erfahren ein folgen⸗ Hermann Neisel, Drebermelster. reiches Geheimniß. Poste restante Halle à/8. R. Vorrätbig bei Bindernagel& Schimpff(n Friedberg. Gasthaus zu den drei Schwertern. Sonntag den 28 d. Coin a lu Strauss, ausgeführt von der Musik des hiesigen Jäger- Bataillons, Entrée für Herren 12 kr., für Damen 6 kr.— Anfang 4 Uhr. Bier in Flaschen und Wein von 15 kr. au per Schoppen. H. J. Simon. Nutzbacher Katharinenmarkt- Ball. 3217 Donnerstag den 25. d. M. findet von Nachmittags 5 Uhr an Ball in meinem Locale statt, wozu hoͤflichst einladet A. 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