rkapychen Volk. . D.; 20. . * 1 —— 1869. Jamstag den 23. Januar. Friedberger Inlelligenzblalt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. 5 9* +τ sind zu publiziren: Nr. 2. sud 1. Bekanntmachung, die Wablen für den Reichstag des Norddentschen Bundes in den nördlich des Malus gelegenen Gebietstheilen des Groß⸗ berzogtbums beir.— sub 2. Bekanntmachung, betreffend die Bestimmung des Zettpunkles, von welchem an das Gesetz vom 9. Mai 1868 wegen Todeserklärung von Personen, die an dem Feldzuge des Jahres 1866 Tyeil genommen haben und vermißt werden, in Wirksamkeit zu kreten hat.— sub 3. Bekanntmachung, die Zoll- behandlung der mit der Post versendeten Pakete bett. i Friedberg am 21. Januar 1869.. roßberzogliches Kreisamt Friedberg 4 Trapp. rann n e c n g. 50 Betreffend: Landwirthschastliche Fortbüdungsschulen. Zu Prämien für Lehrer, die landwirt' schaftlichen Fortbildungsunterricht ertheilen, hat der Ausschuß des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen einen Credit von vierhundert Gulden eröffnet. Lehrer, die im Laufe dieses Jahres solck unterricht ertheilen, werden aufgefordert, baldigst bei dem Unterzeichneten sich schriftlich zu melden, eine Begutachtung der Leistungen der betreffenden Lehrer veranla sen wird, von deren Ausfall d 9 9 9 Laubach den 12. Januar 1869 en landwirthschaftlichen Fortbildungs⸗ worauf derselbe durch eine Conmission le Bewilligung der Prämien abhängig sein wird. Der Prasident des landwirthschafttichen Vereins von Oberhessen Otto, Graf zu Solms-Laubach. Hessen. Darmstadt. Das Großherzog— liche Regierungsblatt Nr. 2 enthält(Schluß): III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Zollbehaudlung der mit den Posten versendeten Pakete betreffend. Nachdem mit der Wirksam⸗ keit vom 1. Januar 1869 ab zu Lauterbach ein Neben zollamt 2. Klasse errichtet worden ist, wird unter Bezug nahme auf das durch die Bekanntmachung vom 24. Juli v. J.(Regierungsdlatt von 1868 Seite 881) publicixte Regulativ über die zollamlliche Behandlung der mit den Posten eingehenden, ausgehenden oder durchgebenden Gegen— stände hierr urch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in dem Großherzogtbum zur Zeit bei den nachstehenden Zoll⸗ stellen die mit der Post aus dem Zollvereins- Auslande eingehenden Pakele revidirt und verzollt werden können: 1) Hauptzollämter: Darmstadt, Offenbach, Gießen, Mainz, Worms und Bingen, 2) Nebenzollämter 1. Klasse: Bens— heim und Alsfeld, 3) Nebenzollämter 2. Klasse: Friedberg, Lauterbach, Nauheim und Alzey. Für Pakete, die aus dem Zolsvereins⸗-Ausland mit der Post eingeführt werden, und nach andern, als den genannten Orten bestimmt sind, kann die Postbehörde die Stelle des Adressaten bei der Revision und Eingangsverzollung vertreten. IV. Bekanmmachung der Großh. Ober- Rechnungs— Kammer, die Vergütung für die in 1869 in Geld zu berichtigenden Besoldungs- und Pensions-Naturalien beir. Aus den in 1868 vorgekommenen Fruchtverkäufen, welche nach der Verordnung vom 10. Dec. 1857 der vorgenannten Vergütung zur Grundlage dienen, ergeben sich als Durch⸗ schuitispreis eines Mallers von: n 15385½ Malter Waizen 13 „ ee ee 2* 318%,„ Gerste. 1 C woraus sich der Werth von 100 fl. Naturalien auf 219 fl. 29 kr. berechne. Hiernach kommen für 1869 hinsichtlich derjenigen Besoltungen und Pensionen, auf welche oie oben angezogene Verordnung Anwendung findet, die Be— kräge von resp. 175 fl., 150 fl. und 115 fl., in Berechnung. ür die nach den früheren Grundsätzen zu behandelnden Penstonen sind für 100 fl. Naturalien 115 fl zu vergüten; sodann beträgt der nach der Verordnung vom 13. October 1840 und dem Tarif vom 22. Sept. 1868, Regierungs— blatt Nr. 57, zu leistende Zusatz für Holz von 100 fl. Pension 1 fl. 7 kr. V. Concurrenz für: die evang. Pfarrstelle zu Kirch⸗ Höns mit einem Gehalte von 1398 fl. 39 kr.;— die bang. Pfarrstelle zu Badenheim mit einem Gehalte von 1033 fl. 37 kr.;— die katholische Schulstelle zu Appen⸗ heim mit einem Einkommen von 300 fl., nebst 35 fl. für Heizung des Schulsaals. — Ein auf Förderung einer verbesserten Ver- fassung der evangelischen Kirche des Großherzog ihums gerichteter Antrag der Abgg. Kraft, Heß, Wernher und Goldinann lautet nebst seiner Mo- nvirung:„Der erste Ausschuß hat in seiner Mehrheit auf dem vorigen Landtag einen Antrag auf ein Ersuchen an die Regierung gestellt, zur Aenderung der Verfassung der evangelischen Kirche mitzuwirken. Es ist aber von dem Ausschuß, an den derselbe verwiesen wurde, darüber nicht berichtet worden. Daß der Antrag ein zeitgemäßer war, dafür geben Ereignisse der neuesten Zeit ein lautes Zeugniß; er bedarf daher Angesichts derselben einer näheren Begründung nicht. Nur das sei zur Beseitigung möglicher Zweifel bemerkt, daß eine Verbesserung der evang., Kirchenverfassung nur im Sinne einer die Selbständigkeit der Kirche fördernden und auf die Grundprincipien des Pro- testantismus gebauten Presbyterial- und od al; Verfassung gefunden werden kann, daß den Stän⸗ den aber in Beziehung auf diese Angelegenheit kein größerer Einfluß vindicirt werden soll, als den ibnen ihr Petittonsrecht gewährt. Diesen Antrag aufgreifend, richten wir denselben dahin: die Kammer wolle die Regierung ersuchen, ihrer— seits dahin zu wirken, daß durch zeitgemäße Aen— derung der Verfassung der evangelischen Kirche deren größere Selbständigkeit begründet und kirch— liches Leben gefördert werde.“ — Nach der„H L.“ fand am Abend des 17. d. im großen Ritsert'schen Saale zu Darm- stadt eine Bürgerversammlung zur Besprechung des Anschlusses an die Bestrebungen des Pro— testantenvereins auf Einführung einer Presbyterial— und Spnodalverfassung statt. Es hatten sich mehrere hundert Personen eingefunden, welche einem durchaus gediegenen Vortrage des Hof— gerichtsadvokaten Ohly über das Wesen einer wahrhaft liberalen Kirchenverfassung in größter Aufmerksamkeit und unter häufigen Beifallsbezeu- gungen folgten. Nach Schluß der Versammlung wurde die Adresse des Protestantenvereins an den Großherzog mit vielen Unterschriften bedeckt. 1 Friedberg. Das Göthe'sche Wort von dem Forterben von Gesetz und Recht gleich einer ewigen Krankheit läßt sich mit noch größerer Be— rechtigung auf gewisse nationale Irrthümer an— wenden, die sich mit um so größerer Hartnäckig- keit von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen, je mehr sie der nationalen Eitelkeit schmeicheln. Ein Beweis dafür ist der französische Irrthum, als bilde der Rhein die natürliche Gränze zwischen Frankreich und Deutschland. Wir sagen absicht— lich Irrthum, obgleich uns nicht unbekannt ist, daß der Satz von der Rheingränze in den Zeiten deutscher Schmach als schamlose Luge in die Welt getreten und heute noch in dem Munde Vieler nur eine selche ist. Aber eine Lüge wird zum Irrthum, wenn sie fort und fort mit der Präten⸗ tion der Wahrheit gepredigt und von der unbe— fangenen Menge kritiklos aufgenommen wird. die Jugend ein, in den Schulen wird sie gelehrt, in geographischen Handbüchern findet sie sich schwarz auf weiß. Da darf es denn nicht Wunder rehmen, wenn selbst sonst vorurtheilslose Franzosen von dem Rechte Frankreichs auf das linke Rheinufer überzeugt sind. Und doch ist dieser Irrthum für Frankreich wie für Deutsch⸗ land gleich verhängnißvoll, denn so lange er in den Köpfen der Franzosen spukt, wird nimmer aufrichtiger Friede sein zwischen beiden Ländern. Um e bedauerlicher ist die Sprache eines Girardin, der keine Gelegenheit sich entgehen läßt, die Rhein⸗ gelüste wach zu rufen. So streut er der kaiser⸗ lichen Rede den dichtesten Weihrauch, wo sie von den militärischen Hülfsmitteln Frankrelths redet, welches von jetzt an auf der Höhe seiner Geschicke im Weltakt stehe, und fordert dabei die Gränzen von 1801 zurück, um„die Germanen auf das rechte, die Gallier auf das linke Rheinufer“ zu verweisen, damit„Jeder bei sich bleibe.“ Zu- fällig sind keine Gallier auf dem rechten, wohl aber Hunderttausende von Germanen auf dem linken Ufer, die dasselbe als deutschen Grund und Boden ansehen und der Meinung sind, Gallien gede erst da an, wo, wirklich Gallier wohnen, jenseits der Berge, nicht am deutschen Rhein. Diese linksrheinischen Germanen fühlen sich, wo sie sind, zu Hause und sind nicht gewillt, auf Girardins Geheiß auf die rechte Stromseite aus- zuwandern oder sich zu Galltern umstempeln zu lassen. Es ist peinlich, in Zeiten, wo die Völker zu begreifen anfangen, daß sie zu was Besserem da sind, als in bacbarischen Kriegen sich zu zer⸗ fleischen, auf solche Dinge hinweisen zu müssen; aber Deutschland wird auf derartige Provocationen stets mit Einer Stimme antworten, daß es keine Diskussion über ein Rheingränze duldet. Preußen. Berlin. Die„Provinzial⸗ Corresponbenz“ sagt: Die Pariser Conferenz hat für die Friedenswünsche einen günstigen Verlauf gehabt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die ein⸗ müthige Erklärung der Conferenzmächte über die völkerrechtlichen Grundsatze auch bei der griechischen Regierung Aufnahme und Beachtung finden werde, von welcher eine Beilegung des schwebenden Streites zu erwarten ist. Dank der Conferenz erscheint die Hoffnung auf eine friedliche Ent⸗ wicklung jetzt noch sester als zuvor begründet. Dieser Friedenszuveisicht hat soeben auch die Thronrede des Kaisers Napoleon Ausdruck gegeben. Frankfurt. Die projektirte direkte Ver So erging es in Frankreich mit der Theorie von der Rheingränze. Mit der Muttermilch saugt sie bindung des Main-Neckarbahnhofes mit der Hanau⸗ Bebraer Bahn mit Hülfe der Verbindungsbahn schreitet ihrer Beendigung entgegen. In etwa vier Wochen wird das Verbindungsgeleise voll. ständig fahrbar sein. Wegen des unglücklichen Zustandes jedoch, in welchem sich zur Zeit noch die Hanau-Bebraer Bahn in Folge der Damm⸗-⸗ rutschungen befindet, dürfte vorerst von einer Er⸗ öffnung dieser neuen Bahn für die Zwecke des Personenverkehrs abgesehen werden. Die Beamten der Frankfurt⸗Hanauer Eisenbahn haben die Weisung erhalten, sich die Uniformen der Hessischen Ludwigsbahn-Veamten anfertigen zu lassen, woraus zu entnehmen ist, daß das Eigen— thum der Frankfurt⸗Hanauer Bahn demnächst auch formell auf die Hessische Ludwigsbahn über— gehen wird. — Die„Frankf. Zeitung“ wurde in 17 fl. 30 kr. Geldbuße wegen Beleidigung der Generale der Main Armee im Jahre 1866 verurtheilt; wegen Verläumdung derselben wurde sie frei— gesprochen. 8 Bayern München. Die„Bayerische Landeszeitung versichert, im Gegensatz zu anders, lautenden Zeitungsnachrichten, daß Bayern einen Antrag gestellt habe, bezüglich Ableistung der Militärpflicht bayerischer Unterthanen im nord⸗ deutschen Bundesheere und umgekehrt. — Würtemberg. Stuttgart. Die durch die Tagesblätter wandernde Nachricht von der Verhaftung eines aus Würtemberg gebürtigen Bildhauers Namens Kopf in Rom macht einiges Aussehen und man erfährt nun über den Hergang dieser Angelegenheit durch ein Schreiben Kopf's an einen Bekannten in Stuttgart Folgendes: Ein berüchtigter, in Stuttgart wie in Frankfurt und anderen Städten bekannter Bildhauer Schäffer aus Trier, der sich gegenwärtig in Rom befindet, batte gegen Kopf bei der römischen Behörde die Anschuldigung erhoben, derselbe babe päpstliche Soldaten zur Desertion verleiten wollen, und sich für diese Aussage auch mittelst Bestechung einen Zeugen zu verschaffen gewußt. Daraufhin wurde dann Kepf, einige Tage vor dem Christfest, im vergangenen Jahr, plötzlich Nachts um 10 Uhr in seiner Wohnung verhaftet und in ein Gefäng⸗ niß geführt, wo er die Nacht in Gesellschaft von 7 oder 8 Individuen des verdächtigsten Aus- sehens zubringen mußte. Inzwischen bot der Herrn Kopf persönlich befreundete würtembergische Consulatsverweser Nast, der glücklicher Weise sich an jenem Abend im Kopf'schen Hause befunden hatte, Alles auf, die Befreiung desselben zu er⸗ wirken, und seinen energischen Bemühungen hatte Kopf auch zu danken, daß er am andern Morgen um 10 Uhr, nachdem er also 12 Stunden in Haft gewesen und noch ein kurzes Verhör mit ihm vorgenommen worden war, wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. — Vor dem Gerichtshof in Eßlingen wurde Karl Mayer wegen Beleidigung der preußischen Staatsregierung zu 6 Wochen Gefängniß und 100 fl. Geldbuße verurtheilt. Baden. Freiburg. Dem biesigen Ober- bürgermeister Fauler ist nun auch von Seiten der Curie eine Verwarnung wegen dessen angeb⸗ licher Theilnahme an der in Offenburg beschlossenen Agitation gegen die katholische Kirche zugegangen. Der Gemeinderath hat im Einverständniß mit Fauler beschlossen, das betreffende Schriftstück während der Dienstdauer des Genannten in dem städtischen Archive uneröffnet niederzulegen. Konstanz. Schon seit einigen Sonntagen erwartet man hier die Excommunication des Bürgermeisters Stromceyet und ist deßhalb die Stefanskirche jedesmal überfüllt von Menschen. Es ist his jetzt jedoch nicht dazu gekommen, offen- bar wagt man nicht den entscheidenden Schritt zu thun, im Hinblick auf die Gegendemonstration der Bürgerschast, die nicht ausbleiben würde. Oesterreich. Wien. Die„N. fr. P..“ meldet, daß zwischen dem hier eingetroffenen Prinzen Alexander von Hessen und dem Kaiser eine AUrterredung stattgefunden habe. Auch den Minister Grafen Beust habe Prinz Alexander, aus friedliche Politik Rußlands ausgesprochen. — Das„Tagblatt“ berichtet, in politischen Kreisen werde erzählt, daß Rußland erklärte, im Falle eines Krieges zwischen der Türkei und Griechen land eine unbedingte Verpflichtung zur Neutralitäts— beobachtung nicht übernehmen zu können. — Die„N. fr. Pr.“ bezeichnet die Nachricht des„Observer“, daß die Conferenzmächte beschlossen hätten, keine Zwangemaßregeln behufs Durch- führung des Resultates der Verhandlungen zu er— greifen, für unwahr und meldet: Die Conferenz werde, sofern Griechenland sich ihren letzten Be— schlüssen nicht fügen sollte, zu einer neuen Sitzung zusammentreten, um über Sicherstellung der Aus; führung der Conferenz-Beschlüsse und Verhinderung eines Ausbruches des Confliktes zu berathen und zu beschließen. Die Mächte seien geneigt, event. Frankreich die Exekution zu überlassen. Schweiz. „Die Sapeurcompagnie Nr. 3 wurde vom Bun— desrath in den Canton Tessin geschickt, um Brücken und Wege nach den großen Wasserverheerungen rasch herzustellen. Sie leistete diesen Dienst, in— dem sie bis zum 31. Oktober etwa 2 Kilometer Wege und Brücken im Bleniothal schuf. Der Bericht der Hauptleute der Compagnie schließt mit den Worten:„Dieser sogenannte Hülfsdienst im Canton Tessin wird uns noch lange in an— genehmer Erinnerung bleiben. Wir hatten dies- mal keine Gewässer abzulenken, um Terrain un— gangbar zu machen, und keine Brustwehren noch Minen zu bauen, von denen aus Tod und Ver— derben in die Reihen von Mitmenschen gesendet wird,— wir hatten diesmal den Befehl, unglück— lichen Brüdern beizuspringen!“ Man sieht, diese Herren Sapeurs haben das Herz am rechten Fleck. Frankreich. Paris. Die„France“ sagt von der Thronrede: Nie waren die Worte des Kaisers klarer und entsprachen mehr dem Gefühl der Würde nach Außen und den liberalen Be— strebungen bezüglich des Innern Nach Außen will Frankreich den Frieden, aber einen Frieden, der seiner würdig ist; es fühlt sich stark genug und ist auf alle Eventualitäten vorbereitet, um im Concert der Völker die Gcundsätze aufrecht zu erhalten, auf welchen es mit Sicherheit seine eigenen Interessen und die Ruhe von ganz Europa begründen kann. Wir sind für den Krieg be— waffnet, wenn die Umstände uns zu einem solchen zwingen sollten, aber unsere Bewaffnung darf dir andern Mächte nicht beunruhigen, wenn sie selbst von friedlichem Geiste beseelt sind. — Der„Gaulois“ äußert in Bezug auf die kaiserliche Rede:„Der erste Eindruck, den die auswärtigen Kanzleien von derselben empfangen haben, ist ein kriegerischer. Die öffentliche Meinung verhehlt sich dies nicht mehr; der Kriegsminister wird sich übrigens nicht bemühen, die Gemüther von dieser Richtung abzuziehen, denn die Ernen⸗ nungen zu den Lieutenants- und Unterlieutenants- stellen in der Garde mobile, die erst im März stattfinden sollten, werden binnen acht Tagen im offiziellen Journal erscheinen.“ Der„Gaulois“, von dem jedoch in Erinnerung zu bringen ist, daß er von jeher zur Minorität der französischen Kriegsorgane gehört hat, fügt hinzu:„Ungeheure Munttionsmassen sind nach Osten hin unterwegs.“ Wie die„Patrie“, so glauben auch „Public“ und„France“, daß an Stelle des früher angenommenen Modus, die Deklaration durch die einzelnen Unterzeichner selbständig in Athen über⸗ reichen zu lassen, man jetzt wahrscheinlich die Er- klärung der Mächte durch einen einzigen gleichsam internationalen Specialbevollmächtigten in Athen präsentiren zu lassen gedächte. Alle drei Blätter geben auch zu verstehen, daß halboffizielle Depeschen aus Athen andcuteten, daß das griechische Cabinet, und namentlich König Georg, sehr günstige Dis- positionen für die sofortige Lösung des Conflikts im Sinne der Declaration der Mächte besäßen. — Die letzte Zusammenkunft der Conferenz war der Erledigung von Formalitäten gewidmet. Charles Walewski wird am Freitag Marseille bekanntlich Schwager des Zaren, gesprochen und verlassen, um die von der Conferenz angenommene sich dabei in berubigendster Weise über die durch- Deklaration nach Athen zu bringen. Die Con- Die„Berner Tagespost“ sagt: serenz wird bis zum Eintreffen der Antwort Griechenlands versammelt bleiben. — Ein eigenthümlicher Vorfall ereignete sich bei der Eröffnung der Kammern. Ein neuer Secretär der amerikanischen Gesandtschaft, der im Hotel du Louvre wohnt und sich nach dem Stände— saale begeben wollte, wurde von zwei Polizei⸗ dienern angehalten, die ihn fragten, wohin er wolle. Er antwortete auf Englisch einige Worte, worauf dieselben ihn festnebmen wollten. Der Amerikaner wurde aber wild und nahm die beiden Agenten am Kragen, indem er ihre Köpfe gegen einander stieß. Ein Offizier, der dieses sah, sprang herbei und fragte den Amerikaner nach seiner Karte. Derselbe zeigte diese nun vor, worauf der Offizier sowohl als die beiden Agenten tiefe Bücklinge machten und ihn passtren ließen. Für den Amerikaner war es ein Gluck, daß er kein Franzose war, es würde ihm sonst schlecht ergangen sein. Belgien. Brüssel. Im Befinden des Kronprinzen ist Verschlimmerung eingetreten. Der— selbe nimmt keine Speise mehr zu sich und leidet an starker Dissenterie. Dr. Jenner ist nach London zurückgereist. Der Graf von Flandern hat wegen des herannahenden Todesfalles die gewohnten Soireen abbestellt. Großbritannien. London. Nachrichten aus Calcutta vom 18. Januar schildern das Erdbeben zu Silchar als ein fürchterliches. Es seien viele Menschen dabei ume Leben gekommen und große Werthe verloren gegangen. Spanien. Madrid. Die Regierung hat Telegramme aus Havanna empfangen, welche die Einnahme Bagamos und anderer wichtigen Punkte melden. Die Insurgenten seien zerstreut und man hoffe, daß die Insurrektion, nach Eintreffen der erwarteten Verstärkungen, ein Ende nehmen werde. — Aus Madrid meldet eine Depesche, daß von den 352 gewählten Cortes-Deputirten, 300 der monarchisch-demoktatischen, 35 der republi- kanischen und 15 der bourbonischen Parteirichtung angehören. Eine andere Depesche besagt, daß sich etwa 50 Republikaner, 15 bis 18 Anhänger der Bourbons und etwa 280 Freunde der pro— visorischen Regierung unter den Gewählten befänden. Türkei. Konstantinopel. Der„Levant Herald bestätigt die Annahme der Conferenz seitens der Pforte. Nußland. Petersburg. Das„Journal de St. Petersbourg“ bezeichnet die Wiener Mel“ dungen über die Unterredungen des Prinzen Alexander von Hessen mit dem Kaiser von Oester⸗ reich und dem Grafen Beust als unglaubwürdig. IL. Friedberg. Die bereits mehrsach in diesen Blättern erwähnten Vorlesungen nehmen ihren regelmäßigen Fortgang. Wir haben nunmehr drei derselben gehört: den Vortrag des Herin Professors Köhler über die Propheten des alten Testamenis, des Herrn Direktors Möller über das Orakel zu Delphi und den des Herrn Seminarlehrers Soldan J. über Pestalozzi.— Zeigle der erste das Walten jener begeisterien Gottesvoten an das israelitische Volk, wie sie lehrten, mahnten, straften und inmitten leiblicher und geistiger Noth lrösteten mit der Hoffnung auf kom⸗ mendes Heil, so wies der zweite auf ein interessautes Stück geiechischer Mythologie hin in seinem Einfluß auf Sitten und Leben im alten Hellas, während der letzte ein anziehendes Bild entrollte von dem Leben und Wirken eines Propheten der Neuzeit, des Reformators der Unter⸗ krrichts⸗ und Erziehungskunst Heinrich Pestalozzi.— Die rege Theilnahme eines zahlreichen Zuhörerkreises aus allen Schichten der Bevölkerung und die sichtliche Befriedigung, womit diese Vorträge aufgenommen wurden, zeigen am besten das Verdienstliche eines solchen Uaternehmens.— Nur dürfte die Heizung des Saales dabei eine durch⸗ greifendere sein; kalte Füße siören die Andacht. § Friedberg. Im Jahre 1869 tritt der höchst seltene Fall ein, daß Ostern schon auf den 28. März, Himmel⸗ jahrt auf den 6. Mai und Pfingsten auf den 10. Mai⸗ fallen wird, mithin jedes dieser drei Feste 14 Tage früher als im Jahr 1868 und 3 Wochen früher als im Jahr 1867. Durch den frühen Eintritt von Ostern kommt in diesem Jahre der eben so seltene Fall vor, daß Mariä Verkündigung und grüner Donnerstag auf einen und denselben Tag, nämlich auf den 25. März fallen. D. Friedberg. Zur Wetterauer Chronik oder Urgeschichte gar uscht uninteressant sind die Reste von römischen Gebäuden, welche ebes bei dem benachbarten Ober⸗Wöllstadt in dem Theile der Gemarkung auf⸗ gesunden werden, welcher„Am Ilbenstädter Weg“ und „Hinter den Steingärten“ genaunt wird und sehr nahe am Orte in süsdöstlicher Richtung von demselben sich be⸗ findet. Nach den Missen von Mauerwerken und römischen — — zuu 1 d Mad wolk f fn Nac nach Wi fan Han Eintreßen der tent perde. Dcpescht, daß pututtn, 300 det tpubli⸗ Darttirichtung hesagt, daß 18 Anbaͤnger glaubwürdig. zuf kom; wertffintes Findus auf * Seite ein offenes Viereck bildenden Truppen. Dachziegeln, wie den großen Quadern und elner schönen Säule, welche schon zu Tage gefördert, zu urtheilen, müssen beträchtliche Gebäude daselbst gestanden haben; und nach den Resten römischer Gefäße, welche man noch in be— nächtlicher Entfernung von dieser Stelle auf dem Felde findet, zu schließen, muß eine bedeutende römische Nieder⸗ lassung hier stauigefunden haben. Da deren indessen noch im keinem geschichtlichen Werke Erwähnung geschehen, wird die Einregistrirung dieses Funbes um so nöthiger sein, zumal durch weiteren Versolg der Aufgrabungen möglicher Weise interessante Entdeckungen gemacht werden könnten. r. Gambach. Ein birsiger Einwohner, Siebenziger, ist des Verbrechens der Nothzucht an einem 14jährigen Mädchen angeklagt und deßhalb gefänglich eingezogen worden. 4. 5. E, Vilbel. Am 16. d. fand in unserer Nähe ein Treib— jagen statt, das mit einem tragischen Excigniß endete. Nach beendetem Treiben kehrte nämlich die Jagogesellschaft nach dem Dottenselder Hof zurück; die Jäger stellten ihre Waffen auf die Hausflur und begaben sich in den Speise⸗ saal, während die Treiber, Burschen von 14—16 Jahren, sich außen herumtrieben und mit den Waffen sich zu schassen machten. Plötzlich endlud sich in der Hand des Treibers Karl Schmidt aus Vilbel, 15 Jahre alt, ein Gewehr. Der Schuß ging einem anderen Treiber— dem Andreas Kroner aus Vilbel, 16 Jahre alt— durch den Kopf und führte dessen augenblicklichen Tod herbei. f Aus Darmstadt melden die dortigen Blätter, daß daselbst und in der Umgegend am Nachmittage des 20. d. abermals ein heftiger Erdstoß verspürt wurde. Auch in Frankfurt wurde eine ähnliche Beobachtung gemach! Mainz Von den hiesigen Assisen- Verhandlungen für das. Quartal d. J. ist die leider auch an den Schwurgerichten der zwei anderen Provinzen hervortretende Thatsache zu constatiren, daß fast die Hälfte der Fälle, nämlich 5 von 11, Verbrechen gegen die Sittlichkeit, größtentheils der rohesten Art, sind. Eine nicht minder unersreuliche Erscheinung ist das Verhältniß der unchelichen zu den chelichen Geburten. Von 1821 Geburten im Jahre 1868 waren 326 unchelich, also 28,3 pCt., wo⸗ von übrigens auf die Entbindungsanstalt allein 328 kommen. Es ist indessen erwähnenswerth, daß diese Ziffern die vor 1866 nicht erreichen und min den veränderten Garuisonsverhälmissen zusammenzuhän zen scheinen. Mainz. Die Untersuchung gegen den durch Ver— mitielung des norddeutschen Bundes in Nordamerika ver— hafieten und am 8. d. ins hiesige Arresthaus eingebrachten H. Schäfer aus dem nahen Bretzenheim ist in vollem Gange. Er ist des Doppelmordes durch Gift an seiner Ehefrau und dem Manne seiner Zuhälterin und des Gistmordversuchs an dieser angeschuldigt. Das Verhalten des Verbrechers ist ein sehr raffinirtes; inzwischen soll die Erperlise das Gift aus den Eadapern bereits nachgewiesen haben. Mannheim. In der hiesigen„Abend⸗Zeitung wird folgende unmaßgebliche Frage gestellt: Wäre es bei der gegenwärtigen Kälte und Zerrissenheit der deutschen Ver⸗ bälinsse nicht besser, Ein heiz⸗ stait Einheits Be⸗ strebungen geltend zu machen? Einer, den die preußischen Zustände frösteln. e„ Eine Militär⸗Execution. Am 9. Januar, Morgens 7 Uhr, war die Garnison Ingolstadis auf der ECoplanade des Brückenkopfes(Fort Tilly) zur Exe⸗ culion des Kriegsgerichts-Urtheils über den Gefrciten Steinmetz, der meuchlings seinen Unteroffizier erschossen hatte, ausgerückt. Wenige Minuten vor 8 Uhr gelangte der Schranken, in dessen Mitte sich der Verurtheilte nebst dem katholischen Militärgeistlichen und zweien Saniiäls⸗ soldaten als Assistenz befand, in die Mitte der nach einer Vor dem del der Verhandlung fungirenden Richterpersonale öffnete sich der Schranken und dem Verurtheilten wurde, nachdem er von dem Prososen seiner Fesseln entledigt war, unter Präsentnion sämmtlicher Truppen, das Kriegs gerichts⸗ Urthetl seinem ganzen Inhalte nach und nachdem sechs Tambours drei Mal„Bann“ geschlagen hatten, durch einen Regiments 5 Auditor vorgelesen. Der Verurtheilte küßte während dieses selbst für den unbetheiligten Zu⸗ schauer ergreifenden Actes mehrmals ein in den Händen baltendes Cruzifir und ein um den Hals hängendes Medaillon. Nach Verlesung des Urtheils brach der Au⸗ ditor einen schwarzen Stab und warf ihn dem Verur⸗ theilten vor die Füße, worauf die Tambour drei Mal ab⸗ schlugen. Hierauf dankte der Vorsitzende des Kriegsogerichts, Major Ritter v. Lacher, dasselbe ab. Steinmetz wurde hierauf durch den Profosen wieder geschlossen in die Mitle des Schrankens, begleitet von dem Militörgeistlichen, ge⸗ bracht, welcher sich dem zur Execu ion besiimmten Balaillon des 10. Regiments anschloß und in den Wallgraben, dem Hinrichtungsplatze marschirte. Dort angekommen, wurde der Verurtheille losgeschlossen, seines Mautels enttleidet, derselbe übergab hierauf selbst seine Schirmmütze dem Profosen, ließ sich die Augen von einem Kameraden mit einer schwarzen Binde verbinden, während dessen die vier von den acht ausgewählten Schützen fertig machten, und wurde hierauf von dem Prososen und einem Sanitäte— soldaten, nachdem der Militärgeistliche von ihm Abschied genommen, zu dem in dem Walle an der Contre-Escarpe nur wenige Schritte entfernten, eigens zu diesem Zwecke angebrachten Sitze geführt, woselbst er sich selbst nieder— ließ. Kaum hatte er sich gesetzt, schlugen auf ein Zeichen mit dem Säbel die vier Schützen an und gaben auf das balblaute Commando Feuer; in Folge dessen Steinmetz der in sitzender Stellung nochmals das Cruzifix geküßt, von drei Kugeln, nachdem ein Gewehr versagte, durchbohrt wurde. Eine Kugel war vom linken Nasenflügel durch das kleine Gehirn und den Hinterkopf gegangen, die den letzteren zerschmetterte; die beiden anderen Kugeln waren durch das Herz und die rechte Brustseite gegangen, was den unmittelbaren und sofortigen Tod zur Folie haben mußte; keine Zuckung war mehr zu bemerken. Während des Verlesens des Urtheils wurden mehrere Soldaten, auf die überbaupt das ganze Beispiel militärischer Strenge tliesen Eindruck gemacht zu haben scheint, unwohl. Um 8 Uhr 25 Min. fielen die verhängnißvollen Schüsse. Bestenerung des Branntweins. Frankfurt den 17. Januar 1869. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung“ schreibt: „Die in Hessen-Nassau bereits erfolgte, in Hessen— Darmstadt nahe bevorstehende Einführung der norddeutschen Maischraumsteuersätze hat zu einer lebhaften Agitation für Einführung einer Fabrikat— steuer an Stelle der Maischraumsteuer geführt. Die meisten Brennereien in den erwähnten Län— dern sind, den Besitzverhältnissen entsprechend, von kleinerem Umfange, werden mehr in Rücksicht auf die Gewinnung von Schlempe, als wegen der Fabrikation von Spiritus betrieben. Sie reprä— sentiren einen sehr beachtenswerthen Zweig des landwirthschaftlichen Betriebes; entsprechend der Lehre Liebig's vom Ersatz suchen sie dem Boden möglichst vollständig die mineralischen Nährstoffe zu erhalten, dagegen ein werthvolles, aschenfreies Product auszuführen. Bei dem ferneren Bestehen der Maischraumsteuer müssen diese Brennereien unausbleiblich der Concurrenz der Großbrenne— reien im östlichen Theil Norddeutschlands erliegen, da die letzteren nicht allein durch die Bodenver— hältnisse u. s. w., sondern noch erheblich durch die Maischraumsteuer begünstigt werden. In richtiger Erkenntuiß dieser Lage haben deshalb die Brannt— weinbrenner hiesiger Gegend bereits mehrere, zahl- reich besuchte Versammlungen abgehalten. Die letzte derselben fand am 16. Nov. v. J. zu Frank— furt a M. unter Vorsitz des Frhrn. v. Rabenau, Mitglied des Reichstags statt; sie führte zu den Beschlüssen, eine Eingabe an den norddeutschen Bundesrath zu richten, worin um baldigen Aus- trag der Fabrikatsteuerfrage, sowie um gründliche Prüfung des Controlapparates von Siemens und Halske in Berlin nachgesucht werden soll, und die angrenzenden Provinzen, Rheinpreußen, Westfalen und Hannover in den Kreis der Agitation zu ziehen, da auch dort die Stimmung der Fabrikat steuer entschieden günstig ist. Schließlich ist noch bemerkenswerth, daß sich bei dieser Versammlung nur eine schwache Opposition zeigte, die nament— lich auf eine bei Einführung der Fabrikatsteuer gleichzeitig eintretende höhere Besteuerung des Spiritus hinweist. Dieses hielt man aber für ganz unerheblich, da nicht die Erhöhung der Spiritussteuer, sondern die Einführung der Fabrikat— steuer die Lebensfrage unserer Brenner ist.“ Wir haben vorstehendem Artikel der„Nordd. Allg. Zig.“— bekanntlich das Organ des Grafen Bismarck— ergänzend hinzuzufügen, daß am 2. v. M. in Berlin eine Versammlung von Bren⸗— nereibesitzern stattgefunden hat, zum Zweck der Gründung eines Vereines:„zur Reform der Spiritus⸗Besteuerung.“ Dieser Verein hat nach seiner Constituirung an den Bundesrath des Nordbundes eine Petition auf Einführung der Fabrikatsteuer an Stelle der jetzt bestehenden Maischsteuer gerichtet. Der prinzipielle Wider— stand der Preuß. Regierung gegen die Fabrikat— sterer scheint gebrochen zu sein, wie sich bei der stattgehabten Unterhandlung deutlich herausgestellt hat. Man wird voraussichtlich den Uebergang von dem jetzigen System zu der Fabrikatsteuer durch ein facultatives Nebeneinanderbestehen beider Methoden suchen. Auf diese Art soll mit mög- lichster Schonung bestehender oder vermeintlicher Interessen der Widerstand der Maischsteuer-Partei durch die Praxis gebrochen werden. Für die kleinen landwirthschaftlichen Brennereien soll ohne Unterschied der Brennzeit,— wie dies in Hessen allgemein gewünscht und angestrebt wird, — auch nach Einführung der Fabrikatsteuer ein ermäßigter Steuersatz gelten, um ihnen die Con- currenz mit dem großen Fabrikbetrieb auch ferner zu ermöglichen. Germanisches Museum. Für das Germanische Museum in Nürnberg werden fortwährend Beitrittserklärungen, sowie einmalige Beiträge an Geld und Alterthümer jeder Art dankbar entgegen— genommen. Friedberg, 20. Januar 1869. Die Pflegschaft Friedberg: Dr. Matthias. 200 Nach den Analysen des berühmten Chemikers M. Payen zählt die Cacaopflanze zu den nahrhaftesten Produkten der Erde. Dieser Gelehrte sagt, daß eine gute Tasse Bouillon von Nindfleisch 28 Gramm Nährstoff ent⸗ halte, während sich in einer Tasse mit Milch zubereiteter reiner Chocolade 188 Gramm nährende Vestandtheile vorfänden. Nach einem englischen Blatte hätte eine ärztliche Unter⸗ suchung der Cyocoladen 70 verschiedener Fabriken von Lendon und Pais eine Verfälschung der Waare in 39 derselben erwiesen, ein gewiß trauriges Resultat! Da auch in Deutschland eine unversälschte Chocolade zur Seltenbeit geworden ist, so verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß sämmiliche Cacao Präparate des Hauses Franz Stollwerck& Söhne in Cöln als durchaus frei von jeder Beimischung garantirt sind und wegen dieser Eigen⸗ schaft von den Aerzten vielseitig empfohlen werden. Inu den haupfsächlichsten Geschäften Deutschlands find diese Chocoladen vorräthig. Gingesandt. Die letzte Vorstellung der Gebrüder Matula am vergangenen Miliwoch war unstreitig die reichhaltigste, die wir sahen. Die Experimente, die Herr S. Matula aus- führte, grenzten an's Wunderbare; wir erinnern nur an das Anschießen der Karte auf seinen Rücken ꝛc. Zu wünschen wäre, daß Herr Matula die erste Abtheilung etwas erweiterte, denn die Ausführung seiner„Zaubereien ist eine so elegante, daß man ihm immer gerne zusieht und noch mehr davon haben moͤchte(besonders wenn er Punsch kocht). Die beiden neu engagirten Mitglieder der Gesellschaft, Herr Reinack und Herr Presch, führten ihre schwierigen Evolutienen in den Ringen und am Trapez mit einer solchen Eleganz und Bravour aus, daß wir nur jedem rathen können, sich die Sache mit eigenen Augen anzusehen. Namentlich hat uns der kleinere der beiden Herren durch seine imposanten Kraftübungen ein lautes Bravo abgenöthtgt. Zu bedauern war, daß die Vorsiellung so schwach besucht war. Wünschen wir den fleißigen Künstlern eine recht zute Sonntags-Vorstellung zum guten Schlusse. Mehrere Kunstfreunde. Jaselochs-Versteigerung. 21“ Donneesiag den 28. Januar d. J., Vormittags 1 Ubr, soll im Faelstall zu Friedberg ein schlacht- barer feiter Ochse öffentlich meifldtetend versteigert werden. riedderg den 22. Januar 1869. Großherzogliche Vurgermelstere“ Friedberg Fouc ar. Ein Wagnergesell 1 findet dauernde Veschäfligung det Nerer-Wöllstadt. Joh. Rabn, Wagynermeister. 4 330 Gulden 0 fegen gegen doppelte Sichtrung zum Auelesben betell Näberesn be P Fritz im sleinernen Daus Eiue prachtvolle Chaise 192 steht billig zu verkaufen bei Löb Strauß. Alle Loosverkäufer 2009 meiner Ausspielung von Maschinen ꝛc. werden blermit aufgefordert, die Coupons und Gelder an mich ab und etwaige Loose bis zum 1. Februar an mich zurückzugeben, damit die Verloosung endgüllig bestimmt werden kann Job. Fillmar, Mechaniker. Irter berg. Ein Zimmer, 213 mit oder ohne Möbel, im Haufe des Herrn Apotheker Sturmfe lg, Ausficht auf die breite Straße, ist zu vermteshen. Näderer dei Joseph Butzbach. 207 Das von Herrn Dr Loren bewohnte Logis it vom 1. Apell anderweitig zu vermiethrn. Pb. Sieck Wittwe. 203 Leluen Maschinen- X Einschlaggarn empfiehlt zu billigsten Preisen H. W. Hatteroth. Nur solche Inßerate, welche Montags, Mittwochs und Freitags bis längstens 10 Uhr Vormittags bei der Expedition abgegeben merden, finden in der nächsterscheinenden Nummer des Anzeigers Mufnahme— Mittwoch am g Abends findet im Streich⸗ ausgeführt von dem ganzen Musik-Corps des 1. Gardejägerbataillons unter Leitung des Stabshorniste u großen Saale des Hotel 27. Januar, 7½ Uhr, 0 Trapp ein Oncert n Schellhaas, est en der hinterlassenen Wittwe eines kürzlich verstorbenen Hornisten des Bataillons statt. Eintrittspreis für Herre n 12 kr, für Damen 6 kr. Programme werden an der Kasse gratis verabfolgt. f Die ganze Einnahme ist dem milden Zwecke geweiht. Die Hotelbesitzerin wird an diesem Tage Bier in Gläsern in Zapf nehmen. Um zahlreiche Theilnahme bittet ergebenst Die M usi des 1. Gardejãgerhataillons. 202 Theater in Friedberg. Im Saale des Gasthofes zu den drei Schwertern. Sonntag den 24. Januar. Letzte und Abschiedsvorstellung, sowie letzte Gastvorstellung der unübertrefflichen Luft-Gymnastiker Mr— Meinack und Mr, Presch vom Crystall⸗Pallast zu London. Prog Erste Abtheilung: „ A mn H SO IT Cee, ausgeführt von rn. S. Matula. 1 A Zweite Abtheilung: Wallachischer Nationaltanz, ausgeführt von dem kleinen Paulo. Ikarische Spiele, außerordentliche Produetionen in der böberen Gymnaßtk ausgeführt von Mr. Reinack und Mr. Presch. Dritte Abtheilung: La Hornpipe, Pas seul, getanzt vom Balletmeister Hrn. Hernani Gränd Akt of Lulting. ausgeführt von Herren F. Matula und Reinhardi. Preise d Erstes Parterre 30 kr., zweites Parterre 18.5 ra m m: a Vierte Abtheilung: Badetzkymarsch, grand Concert, vorgetragen von Hrn. S. Matula. Carand double trapez, ausgeführt von den beiden unübertrefflichen Luft- Hymna⸗ sliiern Mr. Reinack und Mr. Presch. Zum Schluß der Vorstellung: Uncle Sam, negro Song and dance, Grand Pas de deux comique par Americain avec Tambourin, ausgeführt von Mr. Jobhnson u. Mr. Presch. Plätze: Galerie 9 kr. e r Kinder zahlen erstes Parterre 18 kr., zweites Parterre 12 kr. Tagesbillets: Erstes Parterre à 24 lr. zweites Parterre à 15 kr. sind im Theater⸗ lokale, sowie in der Brauerei zur Reichskrone bei Herrn C. F. Walz zu haben. Kasseoffnung 6½½ Uhr — Aafang 7½ Uhr. Gebrüder Matula. Wähler versammlung. 162 Zur Besprechung über die bevorstehende Reichstagswahl des 2. Wahlbezirks findet Sonntag den 24. Januar, Nachmittags 3 Uhr, im Saale des Gastwirths Holzapfel in Altenstadt eine Volksversammlung statt, zu der die Wähler hiermit eingeladen werden. 214 Von meinen direkten Beziehungen von Bremen empfehle ich: Ambalema⸗ Cigarren in 12 vorzug inländischen Fabrikaten Java⸗ Cigarren m und in Kistchen billiger. lichen Sorten à 1½ kr., weiter von den besten it rein amerikanischer Einlage à 1 kr. per Stück Ferner offerire ich den Herrn Wirthen Cigarren das Hundert zu 48 kr., fl. 1., fl. 1. 12 ꝛc. in guter abgelagerter Waare. Louis Weis, neben Herrn Ph. Windecker. 201 Arabisehe-Gummi-Kugeln von W. Stuppel in Alpirs bach. Geprüft uns vegutachtet von dem Königl. Obermediclnal-Ausschuß in Stuttgart, appro⸗ birt und empfohlen von mehreren ärztlichen Autoritäten, sind die Brustbonbons ein Mittel, das fleis mit dem allerkesten Erfolg angewendet wird. Dieselben sind siets vorräthig in ¼ Schachtel 14 kr., ½ Schachtel 7 kr. bei J. A. Windecker in Friedberg. b Ein kräftiger Lehrling, 194 wescher das Sclosser⸗ und Hufschmiedgeschäft er⸗ lerren will, wird gesucht. Näheres bei der Exp. d. Bl. Ein möblirtes Zimmer, 110 gleicher Erde, hat zu vermiethen Joh. Fillmar. Woll 196 wird fein gesponnen und dreifach gezwirnt in der mechanischen Wollspinnerel von i Friedr. Tanner in Offenbach. ü Wieder eingetroffen: Des alten 115 Thomas eine zwanzigste Prophezeihung für 11 1 1 1909 3 15 Bindernagel& Schimpff. „ Wähler-Versammlungen. Montag den 25. Januar in Nauheim, im Saale des Hotel Henkel, Abends 7 Uhr, Dienstag den 26. Jan. in Nieder⸗Wöllstadt, im Saale des Hrn. Haas, Abends 7 Uhr, Mittwoch den 27. Januar in Södel, im Saale des Hrn. Schneider, Abends 6 Uhr, finden Besprechungen behufs der bevorstehenden Reichs— tagswahl statt, zu welchen die Wähler der genannten Orte und deren Umgegend hiermit eingeladen werden. Der von der Fortschritts-Partei aufgestellte Candidat, Derr Dr. H. B. Oppenheim wird in Folge besondrer Einladung den Versammlungen beiwohnen. 215 s Zur Aufklärung in der Reichstags wahl wird der nachfolgende, in der Frankfurter Zeitung er⸗ schienene Artikel dienen können: Aus der Wetterau, 19. Jan. Unsere Metztaner geberden sich, als hinge von dem Aus falle der Wahl im zweiten oberhessischen Bezirk das Wohl und Wehe Deutschlands ab. Liest man ihre Aufrufe und hört man ihre Reden, dann sollte man meinen, der Augenblick sei erschienen, wo es sich entscheiven werde, ob das Werk von 1866 dauern solle oder untergehen. Dem Phrasengeklingel dieser Herren gegenüber derührt das ruhige und gemessene Auftreten der Gegner Oppen⸗ beim's, welche den Hokgerichtsrath Buff zu Gießen auf ibren Schild erhoben haben, doppelt angenehm. Derselbe ist kein Parteimann im strengen Sinne; was ihn empfiehlt, ist sein unabhängiger, durchaus unbescholtener Charakter und seine tüchtige jurisiische Bildung, welch letztere Eigenschaft namentlich deßhalb in die Waage sällt, weil die wichtigsten Arbeiten des Reichstags zu⸗ nächst die Gesetze über Civil und Strafprozeß sein werden. Es haben sich deßhalb auch eine Rethe von Männern, welche in polttischer Beziehung viel weiter nach links neigen als Buff, für denselben erklärt. So u A. die Hofgerichtsadvokaten Baist, Diery und Rosen⸗ beig von Gießen Seyd zu Friedberg, Dr. Bode(Nau⸗ beim), fämmilich en:schiedene Fortschritts männer, ferner Gemeinderatb Hanffein(Gießen) Emmerich aus Griedel, Schneider aus Gambach, Simon aus Vilbel, Nauheim aus Friedberg, lauter entschiedene Radikale. Die Ge⸗ nannten würden sich zum Theil wohl gar nicht an der Wahlbewegung betheiligt haben, wenn sie nicht durch das aufdringliche Vor ehen der Metz'schen Citque dazu veranlaßt worden wären. Ibre Vereinigung mit Männern wie v. Rabegau und Kempf erklärt sich vor allem aus dem Bestreben, sich von dem Metzischen Einfluß zu eman⸗ cipiren; da bei der augenblidllich in Oberbessen berrschenden Stimmung ein Mann ihrer Parteifarbe nicht durchzu⸗ bringen sein würde, wollen sie wenigstens verhüten, daß unser Bezirk durch einen so zweifelhaften Charakter wie der von der Triys Metz-Bamberger-Braun empfohlene ehemalige rothe Republikaner und jetzige Parteigänger Bismarck's, zeitweilig wieder in Demokratie machende Dr. Oppenheim vertreten werde. Die Metzianar er⸗ kennen die Gefahr, welche ihnen von dieser Vereinigung droht, und aus diesem Umstand erklärt sich der Zorn, der aus allen tbren Wahlschreiben spricht. Sie begeifern dieselbe als eine Koalition aller Chrlichen wider ein ge wissenloses Renegatenthum mit aller Wuth, die dem Letzteren eigen ist. 5 Aecht Mathias ⸗Schmiedegries, 5 Kessel⸗ und Maschinen⸗ Kohlen! 79 das Beßse, was die Ruhrgegend llefert, srisch an⸗ gekommen, det Eduard Nuths. Einige Gebrau Träber zu verkaufen dei G. Steinhäuser II. Zum Würtenberger Hof. Kirchliche Anzeigen fur Friedberg. Evangelische Gemtinde. Sonntag den 24. Januar 1869. Pfsarramiswoche: Herr Pfarrer Diegel. Gottesdienst in der Stadtkirche! Vormittags: Herr Candidat Schäfer. Nachmitlags: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags: Herr Diakonus Mayer. Nachmiltags: Herr Candidat Neurorh. 109 Verantw. Red.: Hermann Schimpff. Druck und Verlag von Bindernagel& Schimpff. (Hierzu Unterhaltungs-Blatt Nr. 3 und eine Beilage.) all der Jbach Gro vom licht