* 1 seht binn derben der pot — Lais, d ant We a h damen * uder mehren 4 Erbin 1. rather n . nen Nttültt — ich auch! 2 2 1869. Samstag den 11. Dezember. N 145. Ober essisch er Anzeiger. Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Intelligenzblalt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Hessen. Darmstadt, 8. Dez. Zweite Kammer. Ein Antrag des Abg. Schäfer geht dahin, die Regierung zu ersuchen, die Communal⸗ umlagen in dieser Finanzperiode noch nach dem seitherigen Modus ausschlagen zu lassen. Das Justizministerium fordert für Anstellung von Civil- wächtern im Arresthause zu Darmsladt für das erste Jahr 3432 fl., für die folgenden Jahre jährlich 2950 fl. Die Wache in diesem Gefäng- niß wurde seither von einem Militärcommando bezogen, dasselbe aber nunmehr auf besonderen Befehl des Großherzogs zurückgezogen, und weigert sich das Kriegsministerium die Verantwortlichkeit für diesen Befehl zu übernehmen, da derartige Angelegenheiten zum Ressort des Divisionscom- mandos gehörten. Die Mehrheit des Ausschusses trägt auf Ablehnung der Anforderung an, da auch in Preußen das Militär zu solchen Dieust— leistungen verwendet würde, und das Kriegs- ministerium in keinem Fall die Verantwortlichkeit für einen Befehl des Großherzogs ablehnen könne, Die Mehrheit der Redner spricht sich in gleichem Sinne aus, während der Regierungscommissär erklärt, das Justizministerium würde sich durch Ablehnung der Anforderung in einer großen Ver⸗ legenheit befinden, da es alsdann nicht wüßte, auf welche Weise die Bewachung des Gefängnisses stattfinden solle und es das Kriegsministerium nicht zu etwas zwingen könne, bezüglich dessen dasselbe sich für incompetent erkläre. Einige Abgeordneten sind der Ansicht, daß etwa entstehende Kosten dem Kriegsministerium zu Lasten gesetzt werden müßten, indem sonst auch für die anderen Gefängnisse An⸗ forderungen nachkommen würden. Bei der Ab stimmung schließt sich die Kammer gegen 4 Stimmen dem Ausschußantrag an und ersucht mit 27 Stimmen die Regierung, die Zurücknahme der Verfügung, wornach die Militärwache zu Darm- stadt zurückgezogen wurde, zu erwirken. Abg. Dernburg beantragt die Aufhebung des Art. 52 des Code⸗Penal in Rheinhessen. Der Aus- schußantrag, erstattet von dem Abg. Becker, spricht sich für den Antrag aus. Die Kammer nimmt gegen 2 Stimmen denselben auf bezügliches Ersuchen an die Staatsregierung an. Eine Be⸗ schwerde des Gemeinderaths der Stadt Mainz, die dem städtischen Aerar durch die Einquartierung und Verpflegung des Landwehrbezirks- Commandos verursachte Geldeinbuße betreffend, wurde früher von der Kammer unterstützt, heute aber, im An- schluß an die Ansicht des andern Hauses, abge⸗ wiesen. Auch eine Bitte der vormals kurhessischen Orte Nauheim, Dorheim, Schwalheim und Rödgen wegen Entschädigung aus dem ehemals kurhessischen Staatsschatze wird trotz der Fürsprache Curt ⸗ man's nicht berücksichtigt. Auf eine vom Abg. Hallwachs erhobene Interpellation erklärt der Abg. Kritzler, die Vorlage des Schullehrer ⸗ Pensionsgesetzes werde noch auf diesem Landtage erfolgen.. — 9. Dez. Die zweite Kammer setzte in ihrer heutigen Sitzung die Berathung über den Gesetzentwurf auf Ausdehnung der Einlommen⸗ steuer auch auf Gemeindeumlagen statt der seit⸗ herigen Personalsteuer fort. — Zu Mitgliedern der Provinzial⸗Direktion Oberhessen für die derselben durch Verordnung vom 1. Nov. d. J. übertragenen Entscheidungen in Gewerbe-Angelegenheiten wurden ernannt: die Kreisassessoren bei dem Kreisamt Gießen Emil Kekulé und Franz Gros, der Universitäts⸗ richter an der Landes ⸗-Universität Gießen Regie: rungsrath Georg Haberkorn, der Vorsitzende welche in den vier mißlungenen Expeditionen in des Bezirksraths des Kreises Gießen Poststall- die Kriwoscie über 300 Mann(darunter mehr meister Friedrich Kempf und der Rentamtmann des Rentamts Gießen Ludolph Lyncker. Friedberg. Der kürzlich in der Kammer niedergelegte Antrag auf Erbauung einer Eisen— bahn von Alsfeld nach Friedberg ist unter- zeichnet von den Abgg. Curtman, Haberkorn, Hunsinger, Kolb und Zimmer, wonach die frühere Angabe zu berichtigen sein dürfte. Friedberg. Wie man vernimmt, ist der seitherige Direktor der Strafanstalt Marienschloß, Oberstlieutenant Knispel, in den Pensionsstand zurückgetreten und zu seinem Nachfolger Hauptmann Scriba, bisher bei der Zeughaus-Verwaltung, ernannt worden. Preußen. Berlin. Das Abgeordneten— haus hat mit 175 gegen 143 Stimmen beschlossen, die Regierung aufzufordern, das Capitalconto des Seehandlungsinstituts auf 11 Millionen Thaler zu beschränken und von 1871 ab nicht eine be⸗ stimmte Rente, sondern den vollen Jahresgewinn der Seehandlung in den Staatshaushaltsetat auf— zunehmen. — Der König von Preußen hat zum Bau einer neuen evangelisch-deutschen Kirche in Kairo, zu welcher der Kronprinz dieser Tage den Grund— stein gelegt hat, 20,000 Fr. beigetragen. — Im Abgeordnetenhause antwortete auf die Anfrage Hammacher's, die Verbindung zwischen Frankfurt und Wiesbaden betreffend, der Handels— minister, er werde hierfür ein billiges Abkommen mit der Taunusbahn zu schließen versuchen und im Falle dies nicht gelingen sollte, eine Staats— bahn bauen. — Nach der„Prov.⸗Corr.“ wird Graf Bis- marck augenblicklich noch nicht die Leitung der Geschäfte in ihrer ganzen Ausdehnung übernehmen, da ihm nach erfolgreichem Gebrauch der Karls- bader Brunnenkur noch eine Nachkur und Ruhe von einigen Wochen nöthig erscheint. — Vom Kreisgericht in Schneidemühl ist gegen 198 Personen wegen unbefugten Auswan— derns, um sich dadurch dem Militärdienst zu ent— ziehen, die Untersuchung eingeleitet worden. Bayern. München. Bezüglich der Minister⸗ kritis wird gemeldet: Ministerialrath Schubert soll das Portefeuille des Cultus ablehnen und an seiner Stelle jetzt der Regierungspräsident Frhr. v. Lerchenfeld in Augsburg in Vorschlag gebracht sein. Dagegen ist, wie es heißt, die Annahme des Portefeuille's des Innern durch Herrn von Feder gesichert. Neuere Nachrichten widersprechen die Angabe in Bezug auf v. Lerchenfeld. — Die„Corresp. Hoffmann“ meldet: Der König habe in Folge des Entlassungsgesuches des gesammten Ministeriums nach reiflicher und ein— gehender Prüfung aller Verhältnisse beschlossen, die Entlassungsgesuche der Minister des Innern und des Cultus anzunehmen, jedoch jenen der übrigen Minister die Genehmigung zu versagen, und hat zugleich den Staatsrath Fischer mit der Verwesung beider Ministerien betraut, Oesterreich. Wien. Die unglückliche Kriegsaffaire in Dalmatien findet noch immer leb— hafte Besprechung in den hiesigen Blättern. Alle Specialberichte in denselben sind voll Schilderungen der herben Verluste, sowie der unendlichen Mühen und Leiden, welche die Truppen auf diesem rauhen Boden zu überstehen hatten, aber zugleich voll bittern Tadels der bisherigen Art und Weise, wie die mtlitärischen Operationen geleitet worden, als 20 Offiziere) an Todten und Verwundeten und etwa 1000 Mann an Erkrankten gekostet haben, von einer Million verschossenen Infanterie⸗ und etlichen 1000 verschossenen 68 fl. per Schuß theueren Geschützpatronen nicht zu reden. — Es geht hier das Gerücht, daß der Minister des Innern Dr. Giskra und der Minister der Justiz Dr. Herbst durch die Rücksichtslosigkeit, wo⸗ mit der Kaiser ihre Anwesenheit bei der Be— grüßung im Belvedere ignorirte, in dem Entschlusse bestärkt worden seien, ihre Portefeuilles nieder— zulegen. Es werde nur ein passender Moment abgewartet, um den Austritt aus dem Ministerium nicht blos als Folge der Verletzung persönlicher Empfindlichkeit erscheinen zu lassen. — Die Gerüchte von einer ausgebrochenen Ministerkrisis werden als unbegründet bezeichnet. — Wiener Blätter bringen die Nachricht, Oesterreich habe Beweise, daß Preußen die In— surrektion in Dalmatien begünstige. Krakau. Die Affaire Übryk ist in ein neues Stadium getreten. Das Landesgericht hatte die von der Staatsanwaltschaft erhobene Anklage wegen des Verbrechens der Gewaltthätigkeit und wegen des Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens verworfen. Gegen dleses Erkenntniß wurde von Seiten der Staatsbehörde die Berufung an das Oberlandesgericht ergriffen. Schweiz Der Reglerungsrath von St. Gallen hat von der bischöflichen Erklärung, daß er bereit sei, erhaltezer päpstlicher Vollmacht ge⸗ mäß die bisherigen Festtage St. Joseph, Peter und Paul und Maria Geburt auf Sonntage zu verlegen und auch, sofern ein Gleiches von Seite der evangelischen Confession geschehe, die Nach— feiertage Ostermontag, Pfingstmontag und Stephans⸗ tag als kirchliche Feiertage aufzuheben, Vormerkung genommen. Frankreich. Paris. Der„Universel“ theilt das Gerücht von einer Demission der Minister mit.— Der Kriegsminister ertheilte 6000 Mann einen viermonatlichen Urlaub. — Der„Gaulois“ verzeichnet ein Gerücht, dem zufolge der kaiserliche Prinz vom 1. Januar ab den Berathungen des Tuileriencabinets bei— wohnen soll und die französischen Münzen vom 1. April ab die vereinigten Porträts des Kaisers und seines Sohnes zeigen sollen. Die letztere Anordnung wird auch von der„Correspondente generale“ behauptet, die sogar das Probemodell gesehen haben will; dasselbe zeige das Profil des jungen Prinzen rechts von dem seines Vaters und die Stirnen der Beiden von dem herkömmlichen Lorbeerkranze umschlungen. — In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers brachten die Deputirten Raspail und Rochefort einen Gesetzentwurf ein behufs Decentralisation der lokalen und Centralisation der allgemeinen Interessen. Der Gesetzentwurf weist die Wahl der Generale im Falle eines Krieges dem gesetz⸗ gebenden Körper zu. Bei Gelegenheit der Prü- fung der Wahl des Deputirten Dreolle betheuerte der Minister des Innern, daß die kaiserliche Re⸗ gierung den festen Willen hade, dem Lande eine freiheitliche Entwicklung zu sichern; dazu bedürfe es aber eben so sehr der Klugheit als der Festig— keit. Die Wiederholung der Worte des Kaisers: „Ich bürge für die Ordnung, helfen Sie mir die Freiheit retten“, rief mehrfache Beifallsbe— zeugung hervor. — Die Gerüchte von einer sofortigen Modi fication des Ministeriums erhalten sich. Latour d' Auvergne(Acußeres), Le Boeuf(Kriegsminister) und Rigauld de Gerouilly(Marineminister) sollen bleiben und die übrigen Minister zurücktreten. Die Hauptmitglieder des neuen Ministeriums wür⸗ den Ollivier, Darn(von dem linken Centrum) und Segris vom rechten Centrum sein. Großbritannien. Von Seiten Englands ist dem Vernehmen nach in Betreff des türkisch ägyptischen Conflikts eine Lösung in der Richtung angeregt worden, daß die Mächte, weil hier ein allgemeines politisches Interesse und selbst ein Theil des europäischen Staatsrechts in Frage komme, von Aegypten die bestimmte und unbedingte Anerkennung der Oberlehensherrlichkeit der Pforte, von der Pforte die eben so bestimmte und un— bedingte Anerkennung der Unverrückbarkeit der ägyptischen Erbfolge zu erwirken, innerhalb dieser Grenzen aber, ohne irgend eine Einmischung ihrer— seits, die Verständigung in deu streitigen Punkten der Pforte und dem Vicekönig allein zu über— lassen hätten. Italien. Florenz. Mehrere Zeitungen dringen gleichzeitig die Nachricht, Cialdini babe darauf verzichtet, die Bildung eines neuen Cabinets zu Stande zu bringen. Der König beabsichtigt eine Conferenz mit Menabrea, Minghetti, Digny und Mordini. — Nachdem der König mit verschiedenen poli— tischen Persönlichkeiten, welche der bis jetzt an der Regierung befindlichen Partei angehören, Berathun⸗ gen gepflogen, wandte er sich an den früheren Finanzminister Sella mit der Anfrage, ob derselbe die Bildung eines Ministeriums übernehmen wolle. Rom. Die Eröffnung des Coneils hat am 8. d. stattgefunden. Eine große Prozession begab sich zuerst nach dem Vatican, hierauf nach der Kathedrale, wo 803 Cardinäle und Prälaten an- wesend waren. Nach dem Gottesdienst und der Ertbeilung des Sakraments begab sich die Ver— sammlung in den Sitzungssaal des Coneils. Der Cardinal Patrizzi celebrirte die Messe, der Erz⸗ bischof von Itonium hielt die Eröffnungsrede und der Papst ertheilte den Segen. Türkei. Konstantinopel. Ein am 8. d. hier eingegangenes Telegramm meldet die Zu— stimmung des Viecekönigs von Aegypten zu den Bedingungen des Ultimatums. Der Vicekönig wird selbst nach Konstantinopel kommen, um dem Sultan die Versicherungen seiner Ergebenheit und seine Zustimmung zu den Hauptpunkten des Ulti— matums zu überbringen. Nußland. Petersburg. Der Kaiser schloß die Anrede, welche er beim Georgenfeste hielt, mit folgenden Worten:„Gott gebe, daß wir Frieden behalten, wenn aber der Krieg vom Schicksal bestimmt ist, so bin ich überzeugt, daß die Land⸗ und Seemacht den Ruhm unserer Waffen und die Ehre Rußlands aufrecht erhalten werden.“ — Die Rekrutenaushebung in Polen, welche für den Januar 1870 bevorsteht, verbreitet, wie von dort berichtet wird, unter der Bevölkerung des Königreichs große Bestürzung. Eine Menge von militärpflichtigen jungen Leuten flieht schon jetzt über die Grenze und die Gemeinden müssen für jeden Flüchtigen, der ihnen aygehört, 400 Rubel Strafe zahlen. In vielen kleinen Gemein— den wird die Strafsumme für die Entflohenen sich auf mebrere tausend Rubel belaufen. Amerika Cuba. Amerikanische Blätter veröffentlichen einen Brief des Generaladjutanten der cubanischen Insurgenten-Armee, worin er ere klärt, daß die Cubaner keine fremden Soldaten, sondern nur Waffen und Uniform brauchen. Die cubanische Armee zählt 26,800 bewaffnete Sol— daten, denen 40,000 emancipirte Neger zur Seite stehen, die als Waffe nur die Machetas, halb Beil halb Fleischax', führen. Mit 75,000 Ge— wehren hofft General Jordan die cubanische Un— abhängigkeit in 90 Tagen herzustellen. Gleich— zeitig bittet er die amerikanische Frauenwelt um Unterstützung für 30,000 cubanische balbnackte wür n Frauen, die, wie er schreibt, auf den Bergen ein Sch I Bei urweltliches Leben führen. O Friedberg, 7 Dezbr. Mit dem heuligen Abend haben die öffentlichen Vorträge wieder begonnen, die auch für diesen Winter veranstaltet worden sind. Die rege Theil⸗ nahme, die dies Unternehmen bei der gesammten Ein⸗ wohnerschaft Friedbergs findet, gereicht derselben ebenso sehr zur Ehre, als das Bestreben der dasselbe leitenden Herren, auf diese Weise durch das lebendige Wort zur Beförderung von Bildung und Wissen beizutragen, ein verdiensiliches ist.— Herr Seminarlehrer Marx sprach über„Ulrich v. Hutten.“ Der Redner gab zunächst eine treffliche Charakteristik des 15. Jahrhunderts. Das Alte stürzt in Trümmer; eine neue Welt beginnt sich aufzu⸗ bauen. Die Herrlichkeit des heiligen römischen Reiches deutscher Nation ist dahin; auf geistigem Gebiet haben die Humanisten durch das Studium der Alten die Schranken durchbrochen, in welche mittelalterliche Scholastik die Wissen— schaft eingedämmt hielt. Das führte in Italien zur Negation, zum Unglauben, in Deulschland dagegen zum lieseren Verständniß der heiligen Urkunden, zur innigeren Erfassung des Christenthums, zur Reformation. So be— reitet sich in politischer, wissenschaftlicher und religiöser Beziehung eine neue Zeit vor. Ein ächtes Kind dieser großartigen Uebergangsperiode mit allen Vorzügen und Mängeln derselben ist Ulrich v. Hutten. Geboren auf der Burg„Steckelderg“ in der Gegend von Fulda, wurde er seines schwächlichen Körpers und seiner bedeutenden Anlagen wegen für den geistlichen Stand bestimmt und dem Abt von Fulda übergeben. Aber„den Knaben vom Berge“ duldete es nicht hinter den Klostermauern, sein Wissensdurst konnte nur am lebendigen Born der neu er— wachten Wissenschaft, selne lebendige Thatenlust nur durch sreie Betheiligung bei den großen Fragen der Zeit Befriedigung finden. Er verläßt das Kloster, und ein unstäles Wanderleben beginnt, reich zwar an Abenteuern und Verirrungen, aber derklärt durch die Verbindungen, die er überall mit den edelsten Männern anknüpfte. Hie und da blitzte sein dichterisches Genie schon auf in Ergüssen, die der Zorn ihm abgepreßt. Mit dem elterlichen Haus ist er ganz verfallen. Erst nachdem er von einer Reise nach Ilalien zurückgekehrt vom Kaiser Maximilian hoher Ehre gewürdigt worden und Gelegenheit gefunden, seiner Familie in einem Ehrenhandel gegen Uleich von Württem— berg die Macht einer vielgewandten Feder zu zeigen, fand er wieder Gnade vor seinem Vater. Mittlerweile war Luther aufgetreten, und die Kämpfe des„Ritters vom Geiste“ wandten sich gleichfalls der religissen Frage zu. Den Verlauf des Reichstags von Worms verfolgte Hutten mit brennender Ungeduld von der„Ebernburg“ aus. Seine poetischen Episteln, die er wie versengende Blitze unter dem Molto:„Ich hab's gewagt!“ in die Welt binausschleuderte, zogen ihm ernstliche Verfolgungen zu. Der Papst forderte seine Auslieferung, und auch Kaiser Karl V., dem er früher näher gestanden, durfte er nicht mehr trauen. Bei Franz von Sickingen, dem hochherzigen, mächtigen Ritter, fand er auf der„Ebernburg“ bei Kreuz— nach, von ihm Herberge der Gerechtigkeit genannt, ein schützendes Dach. Warum er im Verein mit seinem mäch— tigen Freund, der trotz seiner völlig mittelalterlichen An- schzuungen in Bezug auf das Ritterthum ein offenes Herz valle für die Ideen der neu hereinbrechenden Zeit und ein aufrichtiger Freund der Predigt des Mönchs von Witten— berg war, nicht zum Schwerte griff und dem Reichstag zu Worms an der Spitze von 1200 gewappneten Reitern einen unliebsamen Besuch machte? Lutber selbst wies eine gewaltsame Lösung der Frage hartnäckig von sich, und Franz v. Sickingen hielten mancherlei Rücksichten gegen den Kaiser noch zurück. Wollte er doch zunächst mit dem Erzbischof von Trier ein Hühnchen rupfen. Doch dies Unternebmen mißlang, und nun erschienen der Erzbischof von Trier, der Landgraf Philipp von Hessen und der Chursücst von der Pfalz vor der Ebernburg, um gegen den gefährlichen Feind der Fürstengewalt einen entschei⸗ denden Schlag zu thun. Die„Ebernburg“ fiel, die Eroberer traten an des verwundeten Franz v. Sickingens Sterbelager. Ulrich v. Hutten aber irrte ruhelos, gleich einem gehetzten Wilde, rheinaufwärts der Schweiz entgegen. Dort noch versolgt von seinem früheren Freunde Erasmus v. Basel, fand der schwergeprüfte, an einer traurigen Kraulheit, die er sich durch jugendliche Ausschweifungen zugezogen, leidende Dulder endlich Aufnahme und Pflege in der Familie des schweizerischen Reformators Ulrich Zwingli, bis ihn bald darauf, im Jahr 1523, noch im jugendlichen Alter von 35 Jahren, der Tod ereilte.— Das sind wenige Züge aus dem Leben einer trotz ihrer Fehler und Verirrungen großartigen, für die Entwickelung der neuen weltbewegenden Ideen, sowie für die Dichtkunst der damaligen Zeit bedeutungsvollen Persönlichkeit, von welcher der Redner ein trotz der 1½stündigen Dauer des Vortrags bis an's Ende die Zuhörer fesselndes lehrreiches Bild entwarf. T Friedberg. Nochmals die österrelchischen Sechsec. Dem in Nr. 144 d. Bl. gemachten Vorschlag, die österreichischen Sechser nach wie vor zum vollen Neun⸗ werth im Verkehr anzunehmen, stehen denn doch Bedenken entgegen. In Oesterreich selbst werden sie demnächst nicht mebr cursiren, bliebe also noch Süddeutschland für sie als Wandergebiet. Nun hätte es nicht viel zu bedeuten, wenn man sie trotz ihres geringeren Werthes auch wirklich und für immer für voll gelten ließe. Sie wären dann einfach ein adoptirtes Zeichen für den bestimmten Werth. Ist ber eine solche Uebereinstimmung vorauszusetzen? Nein! Un soll irgend ein kleiner Bezirk, etwa die Wetterau, ein Asy für die versprengten Oesterreicher abgeben? un uns von allen Seiten zuströmen, um doch über— eine widerwillige Aufnahme zu finden. Den den davon hästen in erster Linie die Desqilgeschäste. ähnen würden sich diese Sechser aufhäufen, ohne daß Ste sie eine ausreichende Verwendung dafür hätten, oder ihren Kunden gegenüber die Annahme verweigern könnten. Nur gegen ein Agio würden sie im Größeren dieselben umsetzen können, und die so fortgeschassten würden zum vollen Werth auf's neue wieder in den Verkeyr herein⸗ geschmuggelt werden. Das wäre doch ein interessanter Kreislauf, der gewissen Schlauköpfen ein hübsches Prostt⸗ chen abwürfe. Etwa so; Der Banquier A. nimmt sie zu 97%, zu 97½ gibt er sie an Unterhändler ab, die Ge⸗ legenheit haben, sie für voll in's Publikum zu werfen. Nach einigen Kreuz- und Querwanderungen kommen sie wieder zu 97% zu A., um von da aus den Rundgang von neuem anzutreten. Und ferner: Ein geringer Mann macht eine kleine Einnahme. Er will damit seine Steuer bezablen, aber der Steuererheber nimmt seine österreichischen Sechser nicht; er kommt damit an den Eisenbaynschalter, aber er wird mit denselben zurückgewiesen. Darum fort mit der ungesetzlichen Münze, die keine Heimath mehr hat. Es ist noch Zeit dazu da, und höchstens kostet's einen kleinen Verlust zu Gunsten des Banquiers, der dafür sie ein für allemal nach Wien spedirt. Die arme Seele hat alsdann Ruhe! Frankfurt. In Folge der von dem hiesigen Handelsverein ausgegangenen Anregung baben sich bis jetzt 74 Ficmen dahin erklärt, die zsterreichischen Sechser, vorbehaltlich einer weiteren Herabsetzung bei fernerem Fallen des Wiener Courses, nur noch zu 5½ kr. in Zahlung zu nehmen. 0 » Frankfurt. Die verflossenen Montag flattgehabte Versammlung des landwirthschaftlichen Monatsclubs war außerordentlich zahlreich besucht; im Ganzen waren 72 Personen, darunter 61 Landwirthe, anwesend, welch letztere 35,100 Morgen Land bebauen. Einstimmig wurde es als zeitgemäß erkannt, weitere Schrilte zur Erlangung der Branutweinsabrikatsteuer zu thun und eine Commission, bestehend aus den Herren Dr. Krämer in Darmstadbt, Diefenbach auf dem Mönchhof, Otterberg auf dem Schwal⸗ bacher Hof, Bergsträßer auf dem Hof Haina, Dr. Hag in Fraukfurt und Baron Dael v. Käth auf Sorgenloch, erwählt, mit dem Auftrag, auf Grund der staltgehabten Discussion ein Promemoria an den Reichstag und die Regierungen zu entwersen, in welchen die Mängel der seitherigen Maischraum-Besteuerung unter besonderer Rück⸗ sichtsnahme der auf dem zweiten Congreß norddeutscher Landwirthe für solche geltend gemachten Einwürfe und die Vortheile der Fabrikatsteuer, dargelegt werden sollen. Einen andern Gegenstand der Verhandlung bildete die Frage, wie das Verhältniß der Dienstherrschaften zu dem ländlichen Gesinde und den sonstigen Arbeitern verbessert werden könne. Es wurden in dieser Beziehung verschiedene Ansichten geäußert, ohne daß die Versammlung sich sür die eine oder andere entschied. Einstimmig war man jedoch in der Klage üder Arbeitermangel, dem nothwendig abgeholfen werden müsse. Während man von der einen Seite auf Herabsetzung des Präsenzstandes des stehenden Heeres hinwies, wurde von der andern die Herbeischaffung von Arbeitern aus fremden Ländern als Mittel zur Ad⸗ hülfe betont. In letzterer Beziehung erfolgten über die schwedischen Ardeiter Mittheilungen, welche dieselben in einem sehr günstigen Lichte erscheinen ließ und viele Oeko⸗ nomen bestimmte, für das Frühjahr sich schwedische Ar⸗ beiter kommen zu lassen. Der Vorstand des Clubs wurde mit den deßfallsigen Verhandlungen betraut. Coblenz. Durch den anhaltenden Schneefall haben sich in unseren Waldungen eine Masse von Wildschweinen eingefunden. Keuler von 150200 Pfund wurden schon mehrere erlegt. 0 Eingesandt. Wir erlauben uns auf eine Erscheinung aufmerksam zu machen, die an Verwerflichkeit ihres Gleichen sucht. Wir meinen nämlich das Schreiben und Zusenden anonymer Schmäh briefe, was jetzt in hiesiger Stadt wie ⸗ der in Blüthe zu stehen scheint. In der Regel erfolgen dieselben bei Verlobungen, Hochzeiten und am Neujahrs⸗ tage und sind eine Folge von Neid, Mißgunst oder sonstigen Gehässigkeiten. Freilich wird sich kein vernünftiger Mensch über den Empfang eines solchen Schmutzbriefes graue Haare wachsen lassen und sich irgend wie alteriren. Er wird höchstens nur darüber entrüstet sein, daß es Menschen gibt, die sich zu den Gebdildeten zählen und die solcher Gemeinheit fäbig sind. Weun wir also gewiß sind, daß nur nichtswürdige mißgünstige Creaturen die Versasser von Schmähbriefen sind und wir durchaus kein Verlangen haben, Schlechtes kennen zu lernen, so wäre doch zu wünschen, daß die nicht so ganz unbekannten Schreiber und Schreiberinnen anonymer Schmähbriefe öffentlich ge⸗ brandmarkt würden. Wir ersuchen Jedermann hierzu sein Möglichstes beizutragen. 3416 Fast lebendig begraben. Auf einem Dorfe in Oberösterreich starb kürzlich ein schon bejahrter Mann an Starikramps. Kurz vor der anberaumten Begräbnißftunde ereignete sich der gläckliche Zufall, daß Zipfzipf der Leichen wärter in einem an der Wand aufgehängten Büchlein nach Hausmitteln suchte; da stieß er aber auf den komischen Theil desselben und mußte trotz der ernsten Situation, in der er sich befand, üder die in den Büchlein enthaltenen Späße und Bilder so fürchterlich lachen, daß der Scheintodte darüber plötz ich erwachte, aussprang und herzhaft mitlachte; ja er brüllte, kugel te sich und war gerettet. Aus Dankbarkeit ließ er nun den „luftigen Laubfroschkalender und Wetter⸗ propheten auf das Jahr 18707— denn dies war der bewußte Lebensretter— in Gold rahmen und zum ewigen Andenken über seinem Belle aufhängen.— So geschehen im Oktober anno 1869. 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Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags: Herr Candidat Orth. Nachmittags: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Burgkirche Vormittags: Herr Pfarrer Schwabe. Nachmittags: Fällt aus. Sonntag Abend um sechs Uhr Missionsstunde in der Burgkirche. Katholische Gemeinde. Samstag um 4 Uhr Nachmittags Beichte. 3. Sonntag im Advent. Festderallerheiligsten Jungfrau Maria. Vormittags: 10 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt. Nachmittags: ½2 Uhr Christenlehre und Adventsandacht. Am Schlusse des Vormittags- und Nachmittags⸗Gostes⸗ dienstes„Te Peum“ als Danksagung zu Gott für die in diesem Jahre gesegnete Ernte und erhaltenen Früchte. Beginn des Gotlesdienstes an den Wochentagen Morgens 7½ Uhr. Perantw. Ned.: Hermann Schimpff. (Hierzu Unterhaltungs- Blatt Nr. 50 und zwei Beilagen.) Druck und Verlag von Bindernagel& Schimpyff. 5 Schiller, Veßsing, Körner.— . dune 8 Uhr, in das obere Lokal des Herrn C. F. 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Lit C., D.& 5/2„32 P. 31% 6 2 14 40. 85A E. 2 00% Bon is 185 J. 651 808¼ b I 5% Tose. Ceutr. E.-B. Pr.-Obl., 51½ P 25 Kurhess. 40 Thl.-Loose 56/8 B. ½* Amsterdam k. 8. 100¼ 6. lags Preuss. NKassensch. H 1 1445 — Nass. 25 fl.-Loose 383,8 8 2 Augsburg 8 99/ G 8 Preuss. Friedrichsd'or„ 9 57½—58½ 5 4% Bad, P.-L. Thlr. 100 103% G 8 Berlin Thlr. k. 8. 105 B.— Pistolen„ 9 4749 2 Badische 35 fl.-Loose 56 1 Bremen Tblr. k. S. 97/ B. 1„ Doppelte„ 9 48—50 — Gr. Hess. 50 fl.-Loose 178% p. S Cöln Thlr. k 8. 105 B. 7 Holl. fl. 10 Stücke 3 50—56 2„ 5 144½ 6. 7 Hamburg M. B k. S. 88 ¼ G. Ducaten„ 5 36—38 2 bOesterr. fl. 250 v. 1839](—— 7 Leipzig Thlr. k. S. 105 B. 2 al marco 5 3 37 39 D 40% 250 v. 185 72 6. 2 London Lst. k. 8. 1198/8 ½ b. ö 20 Franes-Stüeke„ 70 28—29 —„ 59% 500 v. 1860 6 79 à ½ b. 2 München fl. k. 8. 9908/6 2 Engl. Sovereigus 1 5458 L. 100 fl. v. 1861 h. W. 113 ¾ F. Paris Fr. 200 k. 8. 95 B. 1 8 Russ, Imperisles 1 9. 4850 2„ 100 Pr.-L. v. 1858 161½ 6. 0 Wien 5. 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Urmersbach.— Dolhain⸗Baelen, 5. November 1869. Da das mir gesandte Malzextrakt-Gefundheitsbier gut bekommen ist, ersuche um weitere 12 Flaschen dieses vorzüglichen Heilmittels. Clemens Hoffsümmer. Mannheim, 27. October 1869. Ich fühle mich vrrpflichtet, Ibnen meinen Dank aus zusprechen für die guten Erfolge, die Ihre Malz Kräuter Bäberseise gegen meine rheumatischen Leiden gehabt hat. G. Berlé. Des Hoflieferanten Johann Hoff's Filiale in Köln und deren Niederlagen von Jos. Hoffmann in Friedberg und Dr. W. Uloth in Bad Nauheim. Jie Aunst- Färberei, Druckerei und Wäscherei von J. Küchel in Homburg v. d. H. 1137 empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens. Agenturen, wo Muster zur gefälligen Ansicht offen liegen und Bestellungen prompt und rasch besorgt werden, befinden sich in Friedberg bei Herrn Schäfer, Messerschmied. in Butzbach bei Herrn B. Küchel II., Gerber. 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