. 6 ä e N 1868. Dienstag den 7. April. Anzeiger für Oberhessen. Enthält die amtlichen Erlaffe für den Kreis Friedberg. Fritdberger Intelligenzblatt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. — ——— 2 Aus dem Großherzoglichen Nr. 17 sub 1. Bekanntmachung, die Organtsation der Landwehrdehörden betreffend. ub 4 Provinz Oberbessen betreffend. Friedberg am 3. April 1868. Betreffend: Die Beitreibung der Gemeindegelder hier die Elnsendung der Verzeichnisse über die entstandenen Koflen vom 1. Quartal d. J. Das Großherzogliche Kreisamt F Der sofortigen Einsendung der rubricirten Kosten⸗Verzeichnisse sehen wir entgegen und erwarten, Amtlicher Theil. eines Quartals auch ohne Erinnerung in Zukunft erfolgt. Betreffend: Das herrn⸗ und arbeltslose Umherziehen des Johannes Seng von Wisselshelm. an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und die Johannes Seng von Wisselsheim, seinem Wohnort entfernt und lebt voraussichtlich seinem Hange zur Bettelei und Völlerei nach. fahnden, ihn im Betretungs falle zu arretiren und uns Praͤmien für die schwersten Ausschuß des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen pro 1867 Bullenkälber der Vogelsberger Race ausgesetzt worden war, Nachdem vom 270 Tage nach ihrer Geburt schwersten 13 Bullenkälber zur Prämitrung angemeldet, ob ein durch Trunksucht körperlich und gefänglich vorführen zu lassen. Bull enkaä Regierungsblatte ist zu publiziren: Bekanntmachung, die Aufstellung der Geschwornenltste in der Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp. Friedberg am 3. April 1868. riedberg an die Großherzoglichen Bürger meistereien. daß solche jedesmal nach Ablauf ir Friedberg am 1. April 1868. Großherzogliche Gendarmie des Kreises. geistig zurückgekommenes Subjekt, hat sich wieder aus Wir beauftragen Sie auf denselben zu Tera p p. lber betr. ein Credit von 250 fl. zu Prämien für die am hatten Eigenthümer im Ganzen von denen aber nur 8 Stück zur Besichtigung und Wägung kamen, welche die in nach⸗ stehender Tabelle verzeichneten Gewichte erreichten und Preise erhielten: 1) Konrad Jockel V. zu Grünberg, Kreis Grünberg 2) Georg Werner zu Kölzenhain, Kreis Schotten 3) Bürgermeister Ludwig zu Engelrod, Kreis Lauterbach 4) Karl Voneiff zu Grünberg, Kreis Grünberg 5) Konrad Jöckel V. daselbst 6) Daniel Kreuder IV. daselbst 8 Laubach den 10. März 1868. 7) Christian Bück daselbst Ludwig Jöckel J. daselbst Gewicht. Prämie. 540 Pfd. 35 fl. 526„30„ „ 290 0 28 474 75 27 7 n S 302 71 Summa 214 fl. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen Otto, Graf zu Solms-Laubach Hessen. Darmstadt. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 17 enthält: I. Bekanntmachung der Gr. Ministerien des Innern und des Kriegs, die Organisation der Landwehrbehörden betressend. Mit Genehmigung des Großherzogs wird nachträglich zu der Verordnung vom 15. v. M., die Or⸗ ganisation der Landwehrbehörden betreffend, insbesondere zu§. 3, pos. 2 und 3, bekannt gemacht, daß, nach ge⸗ trofsener Uebereinkunft, die Funklionen des Divisions⸗ Commando's, im Falle dessen Ausmarsches, auf das dienst⸗ Alteste stellvertretende Brigadecommando übergehen. 1I. Bekanntmachung Gr. Commission für Postangelegen⸗ heiten. Mit dem 1. d. M. ist zu Eppelsheim eine Post⸗ Expedition in Wirksamkeit getreten. III. Befanntmachung Gr. Provinzial⸗Direklion Slar⸗ kenburg, die Wahl der Geschwornen in der Provinz Star⸗ tenburg für das Jahr 1869 betreffend.(Das Contingent der einzelnen Kreise nach Verhältniß ihrer Seelenzahl zu den in die Geschwornenliste aufzunehmenden 800 Höchst⸗ besleuerlen). IV. Bekanntmachung Gr. Provinzial⸗Dirtktion Ober- hessen in gleichem Beireff. V. Uebersicht über Einnahmen und Ausgaben des Kirchen⸗ und Schulbaufonds für die Provinz Rbeinhessen in dem Jahre 1866. g VI. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreslung der Bebürfnisse der istaelitischen Neligionsgemeinden des Kreises Mainz. a VII. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemelnden des Kreises Vilbel. VIII. Uebersicht der für das Jabr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreiiung von Communalbedürsnissen in der Gemeinden des Kreises Offenbach, IX. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürsnisse in den Gemeinden des Kreises Büdingen. Xx. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Gr. Lubewigs⸗Universität zu Gießen im Sommerhalbjahre 1868 geballten und am 20. April ihren Anfang nehmen werden.(Die Immatriculation beginnt am 16. April.) XI. Ertheilung eines Erfindungspatents. Se. Kgl. H. der Großherzog hat am 14. März dem Speugler Hrm. Hörle zu Offenbach auf dessen Nachsuchen ein Erfindungopatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Einrichtung von Peiroleum-Beleuchtung, unter dem aus⸗ drücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt ge⸗ wesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, wäh⸗ rend der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Groß. herzogthums ertheilt. XII. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 7. März den provisorischen zweiten Lehrer an dem kath. Schullehrer⸗ Seminar zu Bensheim Caspar Glab zum Direktor und ersten Lehrer an diesem Seminar, an demselben Tage den seitherigen Aktar bei dem Friedensgerichte Ober⸗ Ingelheim Wilhelm Dietzsch zum Actuar bei dei Frie⸗ dens gerichte Mainz II.,— den seitherigen Gerichtovell⸗ zieher mit dem Amissitze zu Wörrstadt Joy. Göttelmann zum Actuar bei dem Friedensgerichte Wörrstadt!— und den Actuariats- Aspiranten Johannes Debus aus Mainz zurn Actuar bei dem Friedenegerichte Ober⸗Jngelheim zu ernennen:— am 14. März den Corporal im 1. Infant. Regiment Peter Schmidt ans Groß ⸗Hausen zum Portier und Wieger auf der Station Groß-Karben der Main⸗ Weser⸗ Eisenbahn zu ernennen;— am 21. März dem Schullehrer an der zweiten katholischen Schule Zu Ober⸗ Erlenbach Anton Wagner die erste katholische Schulstelle daselbst,— dem Pfarramis⸗Candidaten Wilhelm Weber aus Nieder Ramstadt die evangelische Pfarrstelle zu Allen⸗ dorf an der Lumda zu übertragen,— den Pfarramts⸗ Candidaten Friedrich Soldan aus Friedberg zum sechsten Lehrer an dein evang. Schullehrer ⸗Seminar zu Friedberg zu ernennen— und den von bem Herrn Fürsten zu Löwenstein⸗Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach Schönberg auf die evangelische Schulstelle zu Kimbach präsentirten Schulamtes ⸗Asplranten Johann Philipp Schmunck aus Gronau für diese Stelle zu be⸗ siätigen;— an: 28. März den Arbeits⸗Inspektor an dem Landeszuchthause Martin Dern zum Verwalter an dem⸗ selben— und den Werkmeister an dem Landeszuchthanse Carl Kunkel zum Arbeits- Inspektor an demselben zu ernennen. 5 XIII. Versetzungen in den Nußestand. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 7. März den Rendanten dei dem Hauptzollamte Worms Jacob Appert, mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesund⸗ deit und unter Anerkennung seiner vieljährigen treuen Dienste, auf sein Nachsuchen— und am 28. März den Verwalter an dem Landeszuchthause Georg Edling, mit Rücksicht auf seine geschwächt Gesundheit und unter wiederholter Anetkennung seiner geleisteien mehr als fünfzigjäbrigen treuen Dienste, in den Ruhestand zu ver setzen. XIV. Concurreuz jür: die waugelische Schulstelle zu Hattenrod mit einem jährlichen Gehalte von 307 fl. 8 kr., nebst vier Siecken Holz zur Heizung des Schullokals; von dem Gehalt ist vorerst der jährliche Betrag von 57 fl. abzugeben; dem Herrn Fürsten zu Solms⸗Hohensolms⸗Lich sieht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu;— die zweiie evangelische Pfarrstelle zu Reichelsheim mit einem Gebalte von 638 fl. 56 kr.; dem Herrn Grasen zu Erbach. Erbach steht das Präsentalionsrecht zu dieser Stelle zu. XV. Gestorben sind: am 4. März der Schullehrer Georg Julius Reibert zu Büdingen;— am 5. Mär, der Kanzlei⸗Inspektor a. D. bei Großherzoglicher Ober⸗ Rechnungs⸗Kammer Kanzleirath Friedrich Kuhlmann zu Darmstadt;— an demselden Tage der pensionirte Gens⸗ darmerie⸗Brigadier Zeschky zu Schotten;— am 10. März der evangelische Pfarrer Georg Wehsarg zu Wendelsheim; — am 11. März der»vangelische Pfarrer Kirchenrath Aleseld zu Nieder⸗Modau;— am 12. März der Kanzlei Inspektor bei der Kanzlei der Ober ⸗Steuer-Direklion Kanzlei Sekretär Arnold Brückmann zu Darmstadt;— am 21. März der Oberappellations- und Cassationsgerichts⸗ Präsident und wirkliche Geheimerath Dr. Andreas Wilhelm von Hesse zu Darmstadt;— am 22. März der Schullebrer Heinrich Sulzbach zu Kempien. 3 8 7 b — 3. April. I. Kammer. Bei Beginn der Sitzung widmet der Präsident Graf Erbach ⸗ Fürstenau dem verstorbenen Mitglied, O.⸗A.⸗G. Präsidenten Dr. v. Hesse einige Worte des Nachrufes. An Stelle des im norddeutschen Reichstage sitzenden Grafen Solms-Laubach tritt dessen Sohn, der Erbgraf, ein und wird ver⸗ eidigt. Das Gesetz, die Herabsetzung der Ein— zahlungspflicht der Eisenbahnbau-Gesellschaften betreffend, wird in der Fassung der 2. Kammer angenommen. Hierauf beschäftigte sich das Haus mit der Einkommensteuer. Die Inaussichtnahme der Besteuerung des Einkommens unter 800 fl. wird im Gegensatz zu der zweiten Kammer ver— worfen, dagegen das Gesetz fast ohne jede Debatte angenommen. Alsdann wird zur Berathung der Eisenbahnvorlagen geschritten und zunächst der mit der Ludwigsbahn abgeschlossene Vertrag ein stimmig genehmigt, ebenso der mit Erlanger abgeschlossene Vertrag wegen Baues der ober— bessischen Bahnen. Der Antrag des Abgeordneten Edinger auf Einführung eines einfacheren Ver— fahrens bei unbestrittenen Schuldsachen in der Provinz Rheinhessen wird angenommen. Der Antrag des Abg. Dumont auf Abänderung der rheinhessischen Hypothekargesetzgebung resp. Maß- regeln zur Hebung des Hypothekarkredits, erhält im Wesentlichen die Zustimmung der Kammer, die sich jedoch gegen das vorhandene Bedürfniß einer Hypothekenbank ausspricht. Der Erlaß des Salz- zehntens bei der Wimpfener Saline wird nach Beschluß zweiter Kammer einstweilen gebilligt. — 3. April. Die zweite Kammer beschäftigte sich hauptsächlich mit Recommunicationen aus dem anderen Hause, zuerst mit dem Gesetzentwurf, die Einkommensteuer betreffend und genehmigt denselben nach den Beschlüssen der ersten Kammer. Eine weitere Recommunication betrifft die Herabsetzung des Betrags der einzuzahlenden Aktien bei Eisen⸗ bahnanlagen von 40 auf 25 Prozent. Auf drin- genden Wunsch der Regierung nehmen beide Häuser den Gesetzentwurf ohne das frühere, von Volhard eingebrachte und von der zweiten Kammer genehmigte Amendement, wonach die jedesmalige Einwilligung der Stände eingeholt werden müsse, mit allen gegen 4 Stimmen an. Zulltzt beschloß die Kammer in die Berathung des von der Re— gierung eingebrachten Gesetzentwurfs, die Abkürzung der Fristen für Vorladungen und für Ergreifung von Rechtsmitteln in der Provinz Rheinhessen betreffend, einzugehen, da voraussichtlich die Ein⸗ führung einer allgemeinen deutschen Civilprozeß⸗ ordnung immerhin noch eine Frage von einigen Jahren sein könne. — Dem Vernehmen nach wird die hessische Ludwigs ⸗Eisenbahn⸗Gesellschaft, auf Grund der erfolgten Staatsgarantie, bereits in nächster Woche ein fünsprozentiges Prioritätsanlehen von 9 Mill. Thalern contrahiren. Davon sollen jedoch bis zum 1. Mai 1869 nur 4 Millionen Thaler zum Paricours emittirt werden. Das Anlehen wird während einer Dauer von zehn Jahren weder gekündigt, noch convertirt werden. — Das„Fr. J.“ schreibt: Ueber einen bevor⸗ stehenden durchgreifenden Garnisonswechsel gehen besonders hier und zu Gießen vielfache Gerüchte und wird namentlich die Verlegung des 1. Jägerbataillons, welches dermalen in letzterer Stadt garnisonirt, sowie Vermehrung der dortigen Garnison um ein Bataillon als eine beschlossene Maßregel bezeichnet. Zuverlässigen Mittheilungen zufolge ist es Thatsache, daß die preußische Re⸗ gierung den Wunsch, die Provinz Oberhessen mit stärkeren Garnisonen von hessischen Truppen belegt zu sehen, ausgesprochen hat; allein die Verhand- lungen darüber sind noch im Gange und können also definitive deßfallsige Dispositionen bis jetzt noch nicht getroffen sein. Wird übrigens, wie wahrscheinlich, dem angedeuteten Wunsche der preußischen Regierung stattgegeben werden, so ist unter den gegebenen Verhältnissen anzunehmen, daß gerade die Gießener Garnison eine Verstär⸗ kung erfahren wird. Preußen. Berlin. Reichstag. Das Haus ermächtigt den Präsidenten, den Deutschen in New⸗Orleans, welche dem Reichstage eine Adresse und eine Fahne übersandten, den Dank des Hauses auszusprechen und die Fahne im Sitzungs- lokal aufhängen zu lassen. Ueber den Antrag Reincke's(Befugniß des Reichstags zur Einsetzung von Untersuchungscomwissionen) wird die Schluß— berathung beschlossen und ebenso wird auch der Antrag Waldeck's(Zahlung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten) noch zur Schlußberathung gelangen. Der Reichstag nahm durch Schluß⸗ berathung das Gesetz, betreffend die Unterstützung der Familien von Ersatzreservisten, an, desgleichen auch sämmtliche Postverträge. Auf den Antrag Rabenau's zur Auseinanderhaltung der Reichs- tags und Landtags-Commission erklärte Graf Bismarck: Das Reichstagsmandat gehe allen anderen voran, der Reichstag sei in der Urlaubs⸗ bewilligung zu nachsichtig gewesen, er(Graf Bismarck) werde für Preußen im Sinne des Antrags das Nothwendige thun. Lasker bean- tragte die Nichtverfolgbarkeit der Kammermitglieder während der Dauer der Sitzungen. Seidewitz beantragte, über den Lasker'schen Antrag zur Tagesordnung überzugehen, das Haus lehnte jedoch die Tagesordnung ab. Graf Bismarck er⸗ klärte: Der Antrag beweise das Vertrauen zur Einwirkung der Bundesverfassung auf die Einzel- verfassungen der Bundesländer. Er(Graf Bis- marck) werde dieses Vertrauen nicht täuschen und würde den Antrag unter anderen Umständen acceptiren. Dazu sei aber jetzt keine Aussicht vorhanden, da die Bundesregierungen dies als einen Zwang und eine Benachtheiligung ihrer Machtbefugnisse betrachten würden. In der preuß. Machtsphäre werde er bemüht sein, den Antrag steller zu befriedigen, er müsse jedoch davon ab- rathen, den Antrag auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen zu wollen, da die Competenz des Reichs- tages bierin zweifelhaft sei Der Lasker'sche Antrag wurde mit 119 gegen 65 Stimmen an⸗ genommen. Der Reichstag vertagte sich hierauf bis zum 16. April. — Aus der Debatte im Reichstag über den Waldeck'schen Diätenantrag heben wir die folgende Stelle hervor: Bundeskanzler Graf Bismarck(zur persönlichen Bemerkung): Der Herr Vorredner hat einer früheren Aeußerung von mir, daß die süddeutschen Souveräne dem Anschlusse an den Norddeutschen Bund nicht sehr geneigt wären, die Deutung gegeben, als ob die süddeutsche Bevöl⸗ kerung geneigter wäre; und hat dann gefolgert, daß diese Geneigtheit wachsen würde mit einem liberalen Regiment in Preußen; die Voraussetzung ist aber eine irrige. Weshalb wollen denn jetzt die Süddeutschen nicht zu uns kommen? Nicht etwa, weil wir nicht liberal genug sind, sondern weil wir ihnen zu liberal sind.(Allgemeines Gelächter auf der linken Seite.) Sie lachen meine Herren, die Thatsachen sprechen aber für mich. Der liberalste Staat gerade, das Groß— herzogthum Baden, will sich uns anschließen; die es nicht wollen, sind die reaktionäre Partei. (Gelächter.) Die jüngsten Wahlen in Süd- deutschland haben dies bewiesen.(Erneute Heiter⸗ keit links.) Sie können sich gar nicht denken, meine Herren, mit welcher inneren Heiterkeit ich Ihre Heiterkeit erwiedere, über die große Un⸗ wissenheit, welche Sie dadurch zeigen in Betreff der bekanntesten Thatsachen.(Wachsende Heiterkeit.) Wenn wir aber den Süddeutschen einige Con- cessionen in reaktionärer Richtung machen wollten, vielleicht durch Förderung eines Instituts von der Art, wie es jetzt in Oesterreich zum Wanken gebracht worden ist, und das wäre doch wohl eine reaktionäre Concession, dann würden wir vielleicht dort die Majorität für den Anschluß gewinnen.(Gelächter links.) Ich lasse dabei ganz unentschieden, ob es überhaupt ein Vorzug ist, liberal zu sein. Das scheint mir aber sicher, daß Süddeutschland, an Liberalismus, ich will nicht sagen, um ein Menschenalter, aber doch um die Zeit seit der Julirevolution gegen uns zurück. (Gelächter links; Beifall rechts.) Wiesbaden. Die Generalversammlung der Spielbank⸗Aktionäre hat die Ablehnung der letzten Regierungsvorschläge in Betreff der Spielbank einstimmig gut geheißen. Oesterreich. Wien. Der„Volksfreund“ veröffentlicht eine Zuschrift von 14 Kirchenfürsten an den Ministerpräsidenten Fürst Auersperg, worin die Besorgniß ausgedrückt ist, daß nach dem ersten Artikel des Staatsgrundgesetzes die Kirche des Rechtes beraubt würde, in eigenen Angelegenheiten selbständig zu entscheiden. Ferner meldet der „Volksfreund“, daß die Concordats⸗Revisions⸗ Commission in Rom ihrerseits ein Antworts⸗ promemoria abgefaßt hat, welches mit einer ein⸗ leitenden Rote des Cardinal Antonelli in den letzten Tagen in Wien eingetroffen ist. Frankreich. Ueber die Resultate der Reise des Prinzen Napoleon bringt nachträglich die „Französische Correspondenz“, ein meist gut unter⸗ richtetes Blatt, folgende Andeutungen:„Es be⸗ stätigt sich, daß der Cabinetssecretär des Prinzen Napoleon, Hr. Joan, an einer auf den Eingebungen des Prinzen beruhenden politischen Broschüre arbeitet. Der Prinz selbst macht, seiner Gewohn⸗ heit treu, aus den Eindrücken, die er in Nord- deutschland empfangen, auch in weiteren Kreisen kein Hehl. Die Zustände in dem neuen Bundes- staat scheinen dem Prinzen noch mehr imponirt zu haben, als vielleicht der Berliner Regierung erwünscht sein kann; wenigstens hören wir, daß seine zablreichen und rückhaltlosen Zeichen der Anerkennung mit einer bisweilen recht starken Beimischung nationaler Eifersucht und Mißgunst versetzt sind“ Rußland. Petersburg. Die Schil⸗ derungen der Hungersnoth in Finnland lauten herzzerreißend, nicht minder die Nachrichten aus Simbirks, wo dem Berichte eines Correspondenten zufolge die Hunde das den Bauern zur Nahrung dienende Brod nicht fressen wollten. In Odessa. erreichten die festen Getreidepreise eine ungewöhn⸗ liche Höhe und die als Saatkorn im Süden ein⸗ gekauften großen Mengen Getreide dürften schwerlich auf dem nördlichen Boden ersprießlich gedeihen. Friedberg. Die bisherige Bestimmung, daß ein Schul⸗ präparand erst dann in das Seminar aufgenommen werden konnte, wenn er das 16, Lebensjahr vor dem 1. Januar des Jahres der Aufnahme zurückgelegt hatte, ist für beide Landesseminarien dahin abgeändert worden, daß es genügt, wenn der Präparand vor dem 1. Juli des Jahres, in welchem er aufgenommen sein will, das 16. Lebensjahr zurücklegt.. Frankfurt. Am zweiten Pferdemarkttag saßen in einem hiesigen bayerischen Bierhaus drei Personen, ein Banquier, ein Künstler und ein Kaufmann zusammen. Gegenstand ihrer Unterhaltung bildete die Pferdemarkt⸗ Lotterie. Der Künsiler trug ein großes Verlangen, eine Loosnummer zu besitzen, die jedoch schon verkauft war. Der Banquier sagte: Ich kann Ihnen helfen. Sie zahlen mir, was das Loos heute kostet, 3 fl., und ich zahle Ihnen, wenn es herauskommen sollte, den Preis für den Gegenstand, welchen es gewinnen sollte. Topp, hieß es, und das Geschäft fand durch gegenseitiges Notiren der Nummer und Bezahlen der 3 fl. seinen Abschluß. Gestern Morgen saßen die drei Herren wieder beim Bier. Ein Bube kam und brachte die Gewinnliste; da stand es schwarz auf weiß, 32,372 gewinnt ein Paar Wagenpferde. Der Banquier zahlte ohne irgend welche Weiterung den Werth der Pferde mit 800 fl. aus. Darmstadt. Der hiesige Hofgerichtsadvokat Theodor Reh J. ist vor einigen Tagen nach längerem Leiden mit Tod abgegangen. Derselbe gehörte s. Z. als ein hervor, ragendes Mitglied der altliberalen Partei in Hessen an war Mitglied der zweiten Kammer der Stände sowie des Frankfurter Parlaments, als dessen Präsident er kurze Zeit sungirte. Während der letzten Jahre nahm der Ver⸗ b an dem politischen Leben weniger öffentlichen ntheil. Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Ch r. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent. Hamburg, 1. April 1868. Das Hamburg⸗New⸗Porker Post⸗Oampfschiff„Cimbria“, Capt. Haack, welches am 18. v. M. von hier und am 20. v. M. von Southampton abgegangen, ist nach einer sehr schnellen Reise von 10 Tagen 8 Stunden bereits am Dienstag den 31. März, 1 Uhr Morgens, wohlbehalten in New⸗York angekommen. Das Bremer Post⸗Dampfschiff„Berlin“, Capitän Undütsch, trat am 2. April wiederum eine Reise vis Southampton nach Baltimore an und hatte außer einer starken Brief⸗ und Packetpost 708 Passagiere und 100 Tons Ladung an Bord. Das Bremer Post⸗Dampfschiff„Hermann“, Capitän Wenke, welches am 20. März New⸗Hork verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen 18 St. wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passa⸗ giere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt 95 Passagiere, volle Ladung und 45 000 Dollars Contanten. geladene mit die Wochen it egen ihr ff del nehmen als sonft und dasst Frlel 5 801 emp 813 zeugt Bett der 6 schon luft ich Brosch Hof 78² el zehndopt d. Sl. 783 0 der englis r Auen enten Naher dulce f geschlossen. * Zraunkohlenverkauf. 696 Für die gegen Credl: zu beziehenden Braunkohlen werke mit dem 1. April d. J. eine neue Creditperiode laufend bis Ende Zahlungsfrist bis Ende September 1808. beginnt auf dem Großberzoglichen Dorbeimet Berg“ Juni und verbunden mit elner Der Preis der Koblenklötze ist wie seitber 12 kr. für den Centner— 14 Stück Klötze. Die Fubrleute wollen die Gegenscheine, welche ihnen bei Abpabe des Bürgscheins eingehändigt werden bei jedem Koblenbezuge mitbringen, damit die einzelnen Bezüge in dem Gegenschein notirt werden können. Bei Zablung der Creditsumme an Großherzogliche Bergkasse zu Friedberg ist gleichfalls die Vorzeigung des Gegenscheins erforderlich. Dorheimer Bergwerk den 20. März 1868. Großberzogliches Bergamt Dorheim Storch. Lieferung von Butter. 769 Mlitwoch den 15. April l. J, Vormittags 10 Uhr, wind dahter die Lieferung von 14 Ctr. ftischer Butter in Ausgeboten von 1 Ctr. öffentlich verstelgert. Martenschloß den 31. März 1868. Großherzogliche Landeszuchthaus⸗ Direction Knispel. Bekanntmachung. 748 Die Gläubiger des biefigen Bürgers und Dach⸗ deckers Karl Sommer haben mit diesem und seiner Ehefrau am 4. März l. J. ein Arrangement ab— Da die gerichtliche Bestätigung desselben beantragt worden ist, so ergebt an etwaige unbekannte, oder in den Vergleichungstermin nicht oder nicht gehörig geladene Gläubiger des genannten Kerl Sommer hier mit die Aufforderung, binnen einer Frist von drei Wochen ihre Forderungen anzumelden, auch Einwendungen gegen ihren Beitritt zum Arrangement, dessen Einsicht nebst der sämmtlicher Aeten auf dem Actoartat zu mehmen frei steht, binnen gleicher Frist vorzubringen, ais sonst demselben die gerichtliche Bestätigung eriheilt und dasselbe vollzogen werden wird. Friedberg am 23. März 1868. Großberzogliches Landgericht Friedberg Reitz, Steinberger, Landrichter. Landgerichts Assessor. Bekanntmachung 794 Mittwoch den 22. April d. J, Vormittags 10 Uhr, werden von den auf dem herrschaftlichen Speicher zu Reichelsbeim liegenden Früchten: 42 Malter Korn, 48„ Gerste, 61„ Hafer, auf dem Gemeindehause zu Reichelsheim öffentlich an den Meistbtetenden gegen Baarzablung versteigert. Friedberg den 2. April 1868. Großherzogliches Rentamt Friedberg in deck. Kapital ⸗Aufuahme. 772 Die Stadt Frfedberg sucht Behufs der Abtragung von 2700 fl älterer Schulden ein Kapital von gleicher Summe à 4% entweder im Ganzen, oder auch in einzelnen Beträgen. Friedberg am 1. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg Foucar. Einen Faseloch en, 812 Schwarzscheck, Berner Race, hat zu verkaufen Reichelsheim. R. W. Vogt, Gaflwirth. Zur bevorstehenden Sailon 801 empfehle eine große Parthie zurückgesetzer Sommer-Bukskin's unter dem Einkaufspreis H. Grünbaum, Bad Nauheim Parkstraße neben Hötel Belle-vue. Einer acht's; der andere belacht's; Der Dritte betracht's; was macht's?! 813 Mein Frau litt seit dem Herbst vorigen Jahres an einem trockenen sehr üblen Husten er⸗ zeugt durch immerwährenden Kitzel im Halse, so daß sie keine Nacht schlafen konnte und zuletzt gar das Bett hüten mußte. Angewandte ärztliche Hilfe konnte das Uebel nicht beseitigen, da wurde mir von einem Bekannten der Schlesische L. W. Egers sche Fenchel Hontg⸗Extract empfoblen. Ich gab meiner Frau davon, und schon nach Verbrauch der ersten Flasche batte sich das Uebel so bedeutend verringert, daß wieder Schlaf— lust und Eßlust eintrat. Ich lasse den Extract noch fort gebrauchen, und sehe den besten Erfolg, so daß ich vies sehr gute Husmittel allen ähnlich Letdenden mit gutem Gewissen auf's Besie empfehlen kann. Schlotinich bei Liegnitz den 4. März 1867. Gottfried Goldmann. Der Schlesische Fenchel⸗Honig Extract von L. W. Egers in Breslau ist nebst einer Broschüre über seine Wirkungen, welche die Käufer gratis erbalten, allein ächt zu haben bei Jof. Hoffmann in Friedberg. Gesu cht 782 eln Kapltal von 2000 fl. zu 5 Procent gegen zehndoppelten Gütereinsatz, welcher dei der Expedition d. Bl. einzusehen ist. Annonee. 783 Gesucht werden bei einem böchst respectabeln, von der englischen Regierung concesstonirten General⸗Agenten für Auswanderer in Hull einige tüchtige zuverlässige Agenten in oder in der Umgegend von Friedberg. Näheres ertheilt F. H. Laube, Secretär der deutschen Gesellschaft, 172 High⸗Street, Hull, England. Die billigsten Mö bel elegant und solid gearbeitet zu haben in dem t Möbellager der 450 Gebrüder Blum, Rheinftraße. Darmstadt. Verpackung unter Garantie wird billigst berechnet. Iwiebel⸗Kartoffeln 781 zum Stecken werden verkauft Apotheker ⸗Hof bel Frankfurt a. M. Jiegensellchen 613 werden im Einzelnen, sowie in größeren Parthten aufgekauft von H. Gonder. Beachtensuertlz! 102 Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Beitnässen, sowie gegen Schwächezustände der Harnblase und Geschlechtsorgane. Specialarzt Dr. Kirchhoffer in Kappel bei St. Gallen(Schwelz). Cichtwalte, seeds. n eng air gen Gliederreißen aller Art. emsiehlt à 18 und 30 kr. Ph. Dan, Kümm ich. 92 Zur hohen Beachtung für Bruchleidende. 45 Der berühmte Bruch⸗Balsam, dessen bober Werth selbst in Parts anerkannt, und welcher von vielen medi⸗ elnischen Autoritäten erprobt wurde, welcher auch in vielen tausend Fällen glückliche Curen hervorbrachte, kann jederzeit dirert brieflich vom Unterzeichneten die Schachtel à 3 Fl. 30 kr. S. W. bezogen werden. Für elnen nicht so alten Schaden ist eine Schachtel hinreichend. J. J. Kr. Eisenhut in Gais, bei St. Gallen (Schweiz). Holzversteigerung. 309 Die am 30, und 31. März in den Fretherrlich von Franckenffein'schen„Walddistricten„Viehunter“ und „Köhlerschlag“ abgehaltene Holzversteigerung ist ge⸗ nehmigt worden. Der erste Fahrtag findet Montag den 6. April flatt. O scksta dit am 3. April 1868. Wilbrand, „ Fretberrlich von Franckenffein'scher Oberförster, Bekanntmachung. 811 Auf Antrag Großherzoglichen Landgerichts Alten- stadt soll durch Unterzeichneten die hiefige Mahlmühle, bestehend in einem zweistöckigen Wohnhaus mit zwei Mahlgängen, einer sebr geräumigen Scheuer mit 2 Kellern, von gutem Holz erbaut, einem Seitenbau, in welchem früher Brenneret getrteben wurde, nebst Pferdestall, einem Settenbau mit Rindviehstall, einem Nebengebäude mit Schweinställen, sowle einem sehr geraͤumtigen Hof, sämmtliches 184[◻O0Kiafter haltend und einem angrenzen⸗ den Grabgarten mit einem Gehalte von 238[0Klafter nebst 463[◻JKlafter Grabgarten außerhalb des Ortes in 2 Parzellen getheilt und einer Wiese mit einem Gehalte von 1352 0Klafter, beste Lage der Gemarkung, und circa 60[OKlafter Bachraine und öde Plätze öffentlich versteigert werden. Bemerkt wird, daß die Mühle durch den Nidderfluß betrieben und mitten im Orte liegt und von den Land⸗ straßen Büdingen-Nieder-Wöllstodt und Octenberg⸗ Hanau begrenzt wird, und ven jeher mit einer guten Kundschaft betraut ist. Versteigerungstermin findet statt: Donnerstag den 30. April l. J., Nachmittags 1 Uhr, auf hiesigem Ortsgerichtsbüreau. Kauflustige werden hiermit mit dem Bemerken ein⸗ geladen, daß die Verfteigerungsbedingungen schon fetzt bei Unterzeichnetem eingesehen werden können. Lindheim den 2. April 1868. Der Vorfsteher des Großherzoglichen Ortsgerichts Lindbeim Kratz. Holz⸗Versteigerung. 815 Dienstag den 14. d. M. sollen in dem Fürst⸗ lichen Walddistriet Derrugarten bei Villingen: 56½ Stecken Eichen⸗, Buchen- und gemischt Scheit bolz, 154% Stecken desgleichen Prügelbolz, 588¾„ desgleichen Stockbdolz 285„ desgleichen Reiserholz, 278 Schichten desgleichen 5 Mittwoch den 15. d. Mts. eben daselbst: 117 Eichen⸗Stämme- 4759 Cbkfß., 10 gemischte Stämme— 225 Cbkiß., 165 Nadelholz Stämme und Stangen= 2546 Cubikfuß und Donnerslag den 16. d. M. in dem Fürstlichen Walddistriet Thiergarten bei dungen: 48 Stämme Eichen⸗Nutzbolz— 1127 Cubikfus, 9 gemischt Nutzholz— 200 Cubi'fuß, 17½ Stecken Eichen⸗, Buchen⸗ und gemischt Scheitholz, 153 Stecken desgleichen Prügelbolz, 39½¼— desgleichen Stockholz, 215„ desgleichen Reiserholz, öffentlich verkauft werden. Der Anfang mal Morgens 9 Uhr. dunger am 3. April 1868. Fürstliches Rentamt De mme. F 814 Da das am 23. Januar l. J in der biefigen Ge⸗ meindewaldung ersteigte Holz zum großen Theil noch nich! abgefahren worden ist, so werden die Steigerer biermit aufgefordert, dis zum 15. J. M. das Holz wegzubringen, widrigenfalls sonst dasselde auf eine andere, undenußzte Stelle gefahren wird und zwar auf Kosten der Steigerer. Assenheim den 3. April 1868. Großherzogliche i Assenbeim f · f ist fedes⸗ Der Groß derzogliche Beigeordnete a u l. 500 fl. 818 stegen in biefsiger Gemeindekasse gegen genügende Sicherheit zum Ausleihen bereit. Nieder Rosbach am 4. April 1868. Bullmann, Gemeinde- Einnebmer. Ein Bauerngut 816 von circa 30—40 Morgen wird zu pachten gesucht. Näyeres bei Joseph Strauß, Friedberg. Zwei Wohnungen, 810 bis den 1. Juni beziebbar, find zu vermietden E. Lochmann, Bäckermeister. Einige Malter Frühkartoffeln, 817 gelbe und rötbe, sind noch abzugeben bei K. Kehr. Die Zusammenlegung der Grundstücke und die Anlegung von Gewannwegen. 823 Der Verfasser des Inserates 791 bat sich veranlaßt gesehen, sich mit einem von ihm soge— nannten Lehrvortrag gegen uns zu wenden. Derselbe ist nicht ganz zutreffend. Die Bedeutung des Wortes„Charakter“ ist nicht sowohl weitergehend als„Charakteristik“, als vielmehr der Be— deutung des letzteren Wortes gegenüberstehend, wie das Dargestellte zur Darstellung. Wir sprechen von dem Charakter einer Landschaft und von einer Charakteristik derselben, von dem Charakter verschiedener Schriftzeichen und einer Charakteristik derselben. Im letzteren Falle sind die hervor⸗ tretendsten wesentlichsten Merkmale zu einem Bild zusammengefaßt und dadurch ist ihr Charakter bestimmt. Man kann sagen: Dieser Ausspruch charakterisirt seine Ansicht, seine Anschauungen über seine Stellung zu einer Sache, einer Frage ꝛc.; man kann aber nicht sagen:„Dieser Ausspruch charakterisirt den Verfasser und wir brauchen zur Vervollständigung dieser Charakteristik kein Wort hinzuzufügen,“ wenn man blos seine Vorliebe für irgend eine Sache damit bezeichnen will. Eine Charakteristik einer Person, die so vollständig ist, daß man kein Wort mehr hinzuzufügen braucht, umfaßt, sonst wäre ste eben nicht vollständig, die Haupteigenthümlichkeiten derselben, die ihr Wesen ausmachen, die Grundstimmung ihrer Denk— und Gefühlsweise, ihren Charakter. Es erscheint darum unstatthaft zu sagen, ein Ausspruch charakterisire Jemanden vollständig, und gleichzeitig zu behaupten, das ließe sich nur auf eine einzelne Ansicht desselben beziehen. Etwas Anderes wäre es, wenn die Unmöglichkeit nachgewiesen werden könnte, daß ein Ausspruch je einen Schluß auf den Charakter des Sprechenden gestatte. Solcher Aussprüche gibt es aber in Menge. Wenn z. B. Madame Stadl sagt:„Alles verstehen heißt Alles entschuldigen“, so läßt uns dies Wort einen tiefen Blick in ihr Seelenleben thun, ihr innerstes, eigenthümlichstes Wesen wird dadurch charakterisirt.— Was der Verfasser hat sagen und nicht sagen wollen, darüber waren wir nicht im Zweifel. Es sollte damit nur ein gewuchtiger Stoß gegen uns geführt werden; sind wir im Unrecht, wenn wir uns denselben genauer angesehen haben? Sind wir nun schuld an dieser Abschweifung? Unser Herr Gegner nimmt zum Motto seiner Erwiederung: Werde nicht hitzig, noch unartig im Streit um Meinungen und Ansichten. Insofern und insoweit dasselbe auf uns gemünzt sein soll, geht ihm dazu jedwede Berech⸗ tigung ab. Wir waren in der Lage, es rügen zu müssen, daß sein erstes Wort nicht der Sache, sondern der Person des Gegners gegolten hat; nur, dächten wir, war die Fassung dieser Sätze milder, als sein Motto. Im Verlauf des Inserates 791 werden zur Unterstützung der gegnerischen Ansicht verschiedene Citate gebracht. Es scheint uns der Sache nicht angemessen, mit Autoritäten zu Felde zu ziehen in einer Angelegenheit, bei welcher Gründe und Gegengründe uns so unmittelbar berühren. Weder das Buch von Hunsinger, noch das von Schenk, noch das Gutachten einer Commission des Wies⸗ badener Gemeinderaths sind uns eine Autorität: die Sache betrifft das Wohl unserer Gemeinde, da wollen wir Gemeindeglieder selbst sehen und prüfen. Ein weiteres mit„Eduard Ruths“ unterzeichnetes Inserat kommt auf originelle Weise zu der Schlußfolgerung:„Er scheut die Kosten, und deßhalb ist mit dem Mann, der für einen großen Vortheil, den er einsieht, ein kleines Opfer nicht bringen mag, nicht weiter zu rechten.“ Nun, in der That, unsere Gefühle begegnen sich; wir verspüren auch nicht die geringste Lust, mit dem Mann zu rechten. Zum Schluß ist es nicht ohne Interesse, auf Folgendes hinzuweisen: 1. Die Zusammenlegung der Grundstücke wird angekündigt. Die Sache erscheint bedenklich und es wird darauf aufmerksam gemacht; da heißt es: So ist's ja nicht gemeint, es soll nur ein ganz klein Bischen zusammengelegt werden. 2. Die Dreifelder⸗Wirthschaft wird in die unterste Hölle verdammt. Dagegen wird remonstrirt, und da sagt man: Die Dreifelder⸗Wirthschaft kann ja beibehalten werden, nur Ausnahmen sollen möglich sein. 3. Von einer Seite wird behauptet, die Kosten seinen enorm im Verhältniß zu den allen⸗ fallsigen Vortheilen und im Hinblick auf unsere Zeitverhältnisse nicht gerechtfertigt; man solle darum wohl überlegen, jedenfalls sich die Zeit zur Prüfung der Sache nehmen, wozu ja die beste Gelegenheit vorhanden sei. Von der anderen Seite wird geltend gemacht, der Kostenpunkt dürfe nicht abschrecken 17. Da wird uns verkündigt, die Parzellen⸗Ver⸗ messung müsse ohnehin vorgenommen werden, und da betrüge der Mehraufwand für Regulirung in der Regel weniger als die Hälfte der gesammten Kosten.— Für diesen Fall laßt uns das Ersuchen an den Gemeinderath richten, bei den einschlägigen Behörden dahin zu wirken, daß auch die Parzellen ⸗Vermessung verschoben werde, damit wir Ge⸗ legenheit haben zu erfahren, was wir an der Sache haben und was sie kostet. Eine solche Bitte wird leicht zu motiviren sein und sicherlich Berücksichtigung bei der Behörde finden. Felsenkeller von G. Philippi. 824 Eröffnung der Gartenwirthschaft bei günstiger Witterung am 1. Osterfeiertag mit Lagerbier. 5 Licbig's Fleischerttaft Bekanntmachung. ) Pfd. ½ Mö. 820 Wegen Aufgabe meines Wagnerbandwerks lass⸗ 7 PfDb.½ Pfd. N i 10 u 6 fl. 25 kr. 3 fl. 24 k. 1 fl. 45 kr. ich Dienflag den 14. April, Vormittags hr 82⁵ 5 e 5 e e eee eee en 20 Eichen⸗Stämme, vorzügliches Wagnerholz, 20 Fichten⸗Stangen, zu Leiterbäumen, mehrere Langwieden und Deichseln, 5 eichene Pflugskrennel, 2 bis 300 Stück dürre Speichen, 200 Stück dürre Felgen. 77 f Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Frist bis Martini d. J. gestattet. Publikum auf diesen enorm billig gestellten Preis, der es jeder Familie zugängli ed macht, aufmerksam za machen. Engelapotheke in Friedberg E. Görtz. Vorzüglichen Aepfelwein 821 verkauft im Großen Georg Philippi August Goll 828 Allen Freunden und Bekannten sage ich bei meiner Abreise nach Wien ein herzliches Lebewohl. Frledberg den 5. April 1868. 0 Theodor Münch. Frische Obergährhese 822 empfiehlt Georg Philippi zum„Steinernen Haus.“ Einen Acker 826 in der Kehl, einen Morgen haltend, aus der Schweltzerische Kuratel, hat zu verpachten oder zu verkaufen Friedberg den 6. April 1868. M. Mondigler J. Weiße leinene Caschentücher, 270 gefickt und glatt, Manschetten mit Kragen, Herrenkragen, Vorhemden, sowie Hosenträger bei K. Friedrich neren der Posl. Grundbesitzer der Gemarkung Friedberg. 819 Es wird heute nicht, wie Manche glauben oder glauben machen wollen, wegen bloßer Anlage von Ge⸗ wannwegen und Regulirung der Gewanne abgestimmt, denn solches müßte ja nach dem Abstimmungsmodus, wird vielmehr abgestimmt auf Grund des Art. 3 des Gesetzes über Zusammenlegung, also auch Ver⸗ legung der Grundstücke. Sind hierbei die zustimmenden Grundbesitzer in der Majorität, dann werden hiernächst etwaige Reclamationen im Sinne des Act. 23 des Ge⸗ setzes wenig nützen. Auch um die Dreifelderwirthschaft ist es alsdann geschehen. Zu deren Beseitigung bedarf es nicht erst der Aufhebung der Schäfereiberechtigung, denn diese hebt sich nach Maßgabe des Gesetzes vom 7 Mai 1849 von selber auf, wenn kein sog. Brachfeld mehr existirt. Wenn ich hierbei die Erwiederung meines anonymen Sachgegners in Nr. 41 d. Bl. unberücksichtigt lasse, so geschieht dies in der Ueberzeugung, daß er mir solches demnächst, wenn er zur Besinnung gekommen, gewiß noch Dank wissen wird, denn auch seine letzte Entgegnung dürfte, wie der Sachkenner sefort einsehen muß, aus sehr hand⸗ greiflichen Gründen eine Kritik nicht verdienen. Uebrigens hat mich das an die Spitze des anonymen Artikels gestellte Motto ungemein amüsirt; ich wünsche, daß der Verfasser dasselbe hinführo besser beherzigen möge. Den Grundbesitzern aber rufe ich zum Schlusse zu: Seid auf der Hut, es dreht sich um Euer Eigenthum!! Am 7. April 1868. J. P. Müller. 827 Es hat dem Allmächtigen gefallen am 5. April, Morgens 4½ Uhr, unsere unvergeßliche, geliebte Tochter und Schwester Margaretba Schmidt, nach 6wöchentlichem Leiden, nach kaum zurück ⸗ gelegtem 23. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen. Mit dieser schmerzlichen Anzeige sagen wir Allen, welche bei der Beerdigung und während ihres Krankseins unsern bittern Schmerz durch ihre liebevolle Theilnahme zu theilen suchten, unsern tiefgefühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Kirchen buchsauszüge. Evangelische Gemeinde. Getauft e: 29. März. Dem hiesigen Bürger und Wagner⸗ meister Friedrich Wübelm Hanstein ein Sohn, Johann Wilhelm, geb den 27, Februar. Beer digte: 30. März. Karl Friedrich Renner, Dr. med. und pens. Großh. Kreiearzt dabier, 81 Jahre, 10 Monat, 8 Tage alt, gestorben den 28. März. 31. März. Susanne Narie Dannemann, geb. Hyrontmus, Wittwe des verst. biesigen Bürgers und Tapeziers Joseph Dannemann, 58 Jahre, 11 Monat, 9 Tage alt, gest. den 29. März. 31. März. Johunn Adam Stemmler, piesiger Bürger und Wagnermeister, led. Sohn des weil. bies. Bürgers und Wagnermelsters Joh. Heinrich Stemmler, 77 Jahre, 5 Monat, 20 Tage alt, gest. den 30. März. 1. April. Johannette Karoline Clara Hofmann, geb. Lohrfink, Wittwe des verst hiesigen Bürgers und Wirihs Joh. Kaspar Hofmann, 79 Jahre, 6 Monat, 29 Tage alt, gest. den 30. März. Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Gründonnerstag. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags: Herr Pfarrer Köhler. Verantw. Red.: Hermann Schimpff. zum„Steinernen Daus.“ in Glauberg. Druct und Berlag von Bindernagel& Schimpff. Wegen des Charfreitags müssen alle für die nächste Samstagsnummer vestimmten Anzeigen schon 0 Uhr, bei uns eingetroffen sein. am Donnerstag den 9. d. M. Vormittags 1 r 8— welchen Art. 30 des Gesetzes vorschreibt, geschehen; es 8. 5 butbll ble an — Au ann man nerhalb her inte! ind gewer ußerden! Zilderräths snnoncen! J kr. bere— zum geneig 71 ingenhein * — Hesser Kammer. n Brrashu Bericht ü Finanzen, hesetz für