Samstag den 3. August. zeiger 2 Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Friedberger Intelligenzblatt. Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Hessen. Darmstadt, 30. Juli. II. Kam- mer. Tagesordnung: Hauptvoranschlag der Staats— einnahmen für 1866— 68. Der Berichterstatter, Abg. Wernher, leitet die Verhandlungen mit kurzen Worten ein und findet eine weitere General- discussion nicht statt. Der Verlust an Einkünften aus Kameraldomänen in den an Preußen abge— tretenen Gebieten beträgt 14,801 fl., wovon 7937 fl. durch Einnahme aus Kameraldomänen in den ge— wonnenen Gebieten gedeckt werden. Eine längere Discussion findet über die rechtliche Natur der beiden früher hessen-homburgischen Domanialgüter Hötensleben und Oebisfelde(in der preußischen Provinz Sachsen gelegen) statt. Die Majorität des Ausschusses ist der Ansicht, daß der Vertrag mit dem letztverstorbenen Landgrafen von Homburg auf Trennung beider Regierungen beim Anfall während 25 Jahren mit dem Aufhören des Land— grafthums Homburg hinfällig geworden sei, weß— halb die Güter als eine Ergänzung des Domanial— besitzes zu betrachten und zu behandeln seien. Die Majorität des Ausschusses beantragte, die genann— ten Güter nebst Appertinenzien, namentlich Ablö— sungscapitalien, so lange als an das Großherzog— thum gefallen und zur Domäne und dem Fidei⸗ commiß der großherzoglichen Familie gehörig zu behandeln, bis das Gegentheil aus rechtlichen Gründen den Ständen nachgewiesen ist. Für diesen Antrag sprechen Wernher, Kraft und K. J. Hofffmann gegen denselben Finanzminister v Schenck, v. Riedesel, A. v. Löo, Hunsinger und Zentgraff. Letzterer stellt den Antrag, die Regierung zur Wahrung der Rechte des Landes zu ersuchen, baldthunlichst den Ständen Vorlage über die bezüglich der fraglichen Güter bestehenden thatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse zu machen. Die Kammer nimmt sowohl den Ausschußantrag, als denjenigen des Abg. Zentgraff an. Bezüglich der Saline Salzhausen empfiehlt die Kammer der Regierung, auf eine baldige Veräußerung dieses für die Staatsfinanzen werthlosen Domänen⸗Ob- jectes bedacht zu sein. Abg. Zimmer wünscht die Verlegung des Schullehrer-Seminars nach Salz- hausen. Auch Hunsinger stimmt diesem Vorschlag bei, während Kraft den Vorschlag nicht für prac⸗ tisch hält. Ueber die Verhältnisse der Saline Nauheim und den Antrag der Ausschuß- Minorität, wie Regierung zu ersuchen, das Glücksspiel in Nauheim alsbald zu verbieten, den Spielpacht⸗ wertrag aufzulösen und den Pächter wegen etwaiger Entschädigung, wenn ein Vergleich nicht aceeptirt wird, auf den Rechtsweg zu verweisen, entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Rieß: Die plötzliche Aufhebung der Nauheimer Bank, während das Spiel in benachbarten Bädern fortdauere, werde den Ruin der Stadt Nauheim herbeiführen. Es empfehle sich, schon jetzt für Mittel zu sorgen, um nach Aufhören des Spieles Kurcapelle, Park ꝛc. jorterhalten zu können. Kraft tritt energisch gegen die Spielbanken auf. Seiner Ansicht nach dürfe der Staat unter keiner Bedingung zu einer Schlech— tigkeit die Hand bieten und eine so unmoralische Anstalt wie die Spielbanken dulden. Nauheim würde nur gewinnen, wenn das Publikum, welches des Spieles wegen das Bad besuche, wegblieb. Die Spielbank habe viele Familien in Friedberg and der Wetterau ruinirt. Soldan ist ein ab⸗ oluter Gegner des Spieles, will aber nicht, daß die Stadt Nauheim, ihre blühenden Geschäfte und derrlichen Anlagen durch die plötzliche Aufhebung der Bank gleichsam wie durch einen Donnerschlag uinirt werden. Finanzminister v. Schenck spricht sich in ähnlichem Sinne aus. Goldmann für Erhaltung des Spieles bis zum Ablauf des be— stehenden Pachtvertrags. Stockhausen: Die bal— dige Einführung des hessischen Polizei-Strafgesetz— buches im ehemaligen Amte Nauheim sei dringend zu wünschen, da dasselbe einen Artikel enthalte, auf Grund dessen ein sofortiges Einschreiten gegen das Spiel ausführbar sei. Dernburg bestreitet, daß der Spielvertrag ein von Staat zu Staat abgeschlossener Vertrag sei; derselbe sei vielmehr von dem kurhessischen Fiscus in seinen Privatbe— ziehungen abgeschlossen worden. Im Sinne des Minoritätsantrages sprechen noch Edinger, Bam— berger, K. J. Hoffmann und Volhard, gegen denselben Backé und Kempf. Letzterer stellt in Gemeinschaft mit Hallwachs den Antrag, die Re— gierung zu ersachen, zur Beseitigung des Spieles zu Nauheim alsbald die erforderlichen Verhand- lungen einzuleiten und resp. Vorkehrungen zu treffen. Auch Wadsack erklärt sich gegen sofortige Aufhe— bung des Spiels. Kraft vertritt die Ansicht: handle ehrenhaft und scheue auch die Ausgaben nicht. Der abgeschlossene Vertrag habe als ein unsittlicher keine Gültigkeit. Wenn sein Antrag nicht die Mehrheit in der Kammer finde, so erhalte er sie doch im Land. Der Antrag der Minorität des Ausschusses wird verneint gegen 11 Stimmen, der Kempf⸗Hallwachs'sche Antrag gegen 8 Stim- men bejaht. Darmstadt, 31. Juli. Die II. Kammer setzte heute die Berathung des Einnahmebudgets sort. Die directen Steuern werden in demselben Betrag wie gegenwärtig in Einnahme gesetzt und die Regierung ersucht, eine neue Bonitirung der Rindenschläge vornehmen zu lassen. Bei der Rub⸗ rik Tranksteuer beantragt George, dahin Anord- nung zu treffen, daß im Sommer von Morgens 7 bis Abends 8 Uhr, im Winter von Morgens 8 bis Abends 6 Uhr Scheine ausgefertigt und angenommen werden. Weiter stellt derselbe Ab geordnete den Antrag, Anordnungen zu treffen, daß die aversionirten Wirthe, während der Dauer ihres Abonnements in Wirllichkeit jeder Controle und Weinaufnahme enthoben sind. Geheimerath v. Biegeleben erklärt diese Anträge für nicht ausführbar. Volhard schlägt vor, in Erwägung zu ziehen, ob es nicht möglich sei, die Tranksteuer nach Maßgabe des durchschnittlichen Verhältnisses der Gewerbesteuer in jedem einzelnen Orte zu er⸗ heben, wodurch die Controle wegfalle. Ebenso beantragt er, auch die Tranksteuer von Privaten aufzuheben, da dieselbe wenig eintrage. Edinger erneuert seinen neulich gestellten Antrag auf Fixi⸗ rung der Zapfgebühr auf eine einzige Classe mit 5 fl. 20 kr. per Ohm und Erhöhung der Trank⸗ steuer der Privaten auf diese Summe, sowie mög- lichste Erleichterung der Erhebung und Bezettelung. Wernher spricht gegen die gestellten Anträge, da die Controlle absolut nothwendig sei. Auch Hun⸗ singer erklärt sich gegen den Antrag des Abg. Volhard. Nach kurzer Debatte, an der sich noch George und Kraft betheiligen, werden sämmtliche Anträge der Regierung zur Prüfung überwiesen und der vermuthliche Ertrag der ganzen Tranksteuer mit 1,050,000 fl. ins Budget aufgenommen. — Das„Frankf. Journal“ erfährt aus sicherer Quelle, daß der Großherzog auf Bericht des evangelischen Oberconsistoriums nunmehr beschlossen habe, die ihm in einer Adresse der katholischen Geistlichkeit angesonnene diseiplinäre Bestrafung des evangelischen Pfarrers Ritter nicht ein— Friedberg. Das Großherzogl. Kriegs- Rechnungsamt zu Darmstadt bringt zur Kenntniß der inländischen Bauhandwerker, daß voraussicht— lich ganz in der Kürze die Vergebung von grö— ßeren Militär-Bauarbeiten unter nur einmaliger Bekanntmachung in der Darmstädter Zeitung und dem Wochenblatte stattfinden wird, weßhalb die— selben zur Wahrung ihrer Interessen die Auf— merksamkeit auf diese beiden Blätter richten möchten.— Wenn nicht diese Arbeits vergebungen nur für Darmstadt stattfinden, sondern auch für andere Garnisonen, so möchte die Veröffentlichung derselben durch die betreffenden Localblätter sowohl im Interesse des Staats als der Bauhandwerker auswäctiger Garnisonsstäbte geboten sein. * Friedberg. Am frühen Morgen des 31. d. wurde die Leiche des verstorbenen Majors Hannesse unter dem Geleite sämmtlicher Offiziere und einer Abtheilung unseres Bataillons, sowie einer Anzahl Civilbeamten und Bürger zum hiesigen Bahnhofe gebracht und mit der Bahn nach Darm— stadt befördert. Dort fand um 10 Uhr Vormittags die feierliche Beerdigung unter Betheiligung des gesammten Offiziercorps statt, ein Bataillon des 4. Infanterie-Regiments gab das Geleite. Die ältere Dienstmannschaft unseres Bataillons, welche zur Erlernung des preußischen Exercitiums einbeordet war, ist am 31. v. M. beurlaubt worden, während eine gleiche Anzahl bisber Beurlaubter in den Dienst einberufen wurde. § Friedberg. Die am 24. Juli in Zwingenberg stattgebabte Jahres versammlung des hessischen Hauptvereins der Gustav-Adolf⸗ Stiftung konnte 11000 fl. vertheilen. 4530 fl. wurden für 16 inländische, 2870 fl. für 32 aus- ländische Gemeinden bestimmt und der Rest mit 3700 fl. dem Centralvorstand in Leipzig zur Ver⸗ fügung gestellt. Von inländischen Gemeinden erhielten: Bensheim 815 fl., Bingen 500 fl., Bobstadt 100 fl., Dieburg 300 fl., Fürth 100 fl., Gernsbeim 300 fl., Heldenbergen 150 fl., Heppen⸗ heim 100 fl., Herbstein 600 fl., Hirschhorn 350 fl., Kastel⸗Kostheim 320 fl., Niederolm 150 fl., Diaspora um Offenbach 100 fl., Seckmauern 100 fl., Seligenstadt 400 fl., Großsteinheim 145 fl. Zum Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Nieveringelheim bestimmt. + Friedberg, 2. August. Die im hiesigen Schullehrer-Seminar erkrankt zurückgebliebenen Seminaristen sind erfreuerlicherweise nun alle soweit wieder hergestellt, daß der letzte derselben morgen früh in seine Heimath abreisen wird und daß sonach die zur Pflege und Wartung der Erkrankten getroffenen Maßregeln und Einrichtungen auf— gehoben werden können. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit, daß über die in unserer Stadt leider vorgekommenen Krankheitserscheinungen nach Außen die übertriebensten Nachrichten verbreitet waren und noch verbreitet werden. Wir haben dies auswärtigen Blättern zu verdanken, die den Gesundheitszustand unserer Bevölkerung im All- gemeinen in bedenklichster Weise schilderten. Die Krankheit hat, Gott sei Dank, innerhalb 4 Wochen im Militärlazareth nur 3 Opfer, im Seminar ebensoviele und in der Stadt selbst gleichfalls 3—4 gefordert; in allen anderen Fällen war der Verlauf bis jetzt ein günstiger. Hoffen wir, daß auch die wenigen noch darnieder liegenden Kranken sich baldiger Genesung erfreuen werden; hoffen wir aber auch, daß man allerseits bemüht sein wird, die Uebelstände in hiefiger Stadt zu beseitigen, treten zu lassen. welche sich als der Gesundheit nachtheilig erweisen und schon lange erkannt worden sind. Wir er⸗ wähnen nur den Mangel eines städtischen Schlacht hauses, die Klagen über unreines, schlechtes Trink⸗ wasser, Ausfluß der Abtritte und Miststätten auf die Straßen, und der Uebel größtes, den ekel⸗ erregenden, stinkenden Inhalt des Seegrabens, der weithin die Luft verpestet. Abhülfe ist in den angedeuteten Beziehungen dringend geboten und nicht länger aufzuschieben. Mainz. Die Königin von Belgien ist mit der Kaiserin Charlotte mittelst Extrazug von Wien bier durch nach Brüssel gereist. — Am 30. d. vor 12 Uhr langte der König von Preußen, von Coblenz kommend, mit der Ludwigsbahn hier an. Er begab sich in's Gou⸗ vernement⸗Palais und nahm dann eine Parade über die hiesige Garnison auf dem Schloßplatze ab. Hierauf fand ein Diner bei dem Gouverneur, Prinzen von Holstein, statt. Die Kasernen und Militärgebäude waren reichlich geziert und mit schwarzschweißen Fahnen behängt. Am Nach⸗ mittage reiste Se. Majestät nach Wiesbaden, wo ihm ein glänzender Empfang bereitet wurde. — Am 29. v. M. fand dahier die General- versammlung des Vereins deutscher Eisenbahn— verwaltungen im großen Saale des Casinos zum Gutenberg statt. Die Versammlung leitete Herr Geh. Regierungsrath Dr. Esse, an welcher, zur Vertretung von beiläufig 80 Bahnverwaltungen, gegen 200 Personen Theil nahmen. Die Per⸗ handlungen zogen sich ziemlich weit hinaus, so daß das Bankett im Akademiesaale des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses von 2 auf 3 Uhr zurück- gesetzt werden mußte. An dieses Festessen schloß sich dann am Abend eine Excursion per Dampf⸗ boot nach der Moritz' schen Bierhalle oberhalb der Stadt, in Weisenau, an, und ein Feuerwerk, welches vor diesem Etablissement auf dem Rheine abgebrannt wurde, bildete den Schluß des Tages. Leider war die feuchte Witterung dem Abbrennen desselben ungünstig. Zu beklagen ist noch, daß bei dem in der Moritz'schen Bierhalle gegebenen Bankett nicht allein Ministerialrath v. Lehmann von Darmstadt, sondern auch ein anderer Herr, angeblich ein Eisenbahndirektor, ein Bein brach. Preußen. Berlin. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ constatirt ihre Befriedigung über die Eirmüthigkeit, welche sich in Deutschland bei allen Parteien gegen jede fremde Einmischung in deutsche Angelegenheiten gezeigt habe. Deutsch⸗ land habe in der friedlichen Lösung der Luxem⸗ burger Frage den Beweis geliefert, daß die Be⸗ sonnenheit nicht einen Augenblick aufgehört, die Richtschnur des deutschen Volkes und seiner leiten. den Staatsmänner zu sein.„Um so mehr aber,“ fährt sie fort,„haben wir Anspruch darauf, in denjenigen Angelegenheiten, bei denen keine Inte⸗ ressen Frankreichs ins Spiel kommen, ungestört zu bleiben und wir müssen daher den friedlichen Erklärungen des Pariser„Moniteur“ einen sehr großen Werth beilegen, hoffend, daß hiermit auch den fortwährenden Provocationen ein Ziel gesetzt werde, deren Gegenstand in der französischen Presse Deutschland nun schon zu lange gewesen ist.“ — Dieselbe Zeitung ist ermächtigt, zu erklä⸗ ren, daß Freiherr v. Savigny den Staatsdienst nicht verlassen wird. Derselbe konnte nur wegen sachlicher Meinungsverschiedenheit die Mitwirkung der Bundesrathsarbeiten nicht übernehmen. — Bismarck ist am 2. August auf einige Tage nach Ems gegangen. — Die Beantwortung der dänischen Note soll nach Rückkehr des Grafen Bismarck unver- züglich erfolgen. Die Reichstagswahlen werden nicht vor dem 24. August C. stattfinden. — Aus Mährisch⸗Ostrau, 29. Juli, geht hier die Nachricht ein, daß sich in der v. Rothschild'“ schen Steinkohtengrube„Tiefbau“ ein schlagendes Wetler entzündet hat. Es waren 100 Arbeiter in der Grube, wovon 50 theils gräßlich verstüm⸗ melt und 20 todt herausgeholt worden sind. Die Rettungsversuche sind schwierig, doch werden sie eifrigst fortgesetzt. Fürst Hohenlohe Bayern. München. hat Würtemberg, Baden und Hessen aufmerksam machen lassen, daß die in der Stuttgarter Ueber— einkunft verabredete süddeutsche Militär ⸗ Conferenz in Kurzem zusammentreten müsse. Dieselbe wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Septembers beginnen, doch ist darüber noch nichts Bestimmtes festgesetzt. Oesterreich. Wien. Die„Presse“ mel⸗ det: Es bestätigt sich, daß der Kaiser Napo- leon am 7. August nicht nach Ischl, sondern nach Salzburg kommt. — Der Sultan ist per Dampfschiff nach Pest abgereist. Der Kaiser und der Sultan fuh⸗ ren in offenem Wagen bis zum Landungsplatz, woselbst die hohen Herrschaften herzlichen Abschied nahmen. Frankreich. Paris. Auf eine Einladung des österreichischen Hofes gehen der Kaiser und die Kaiserin von Frankreich auf 2 Tage incognito nach Salzburg, begleitet vom Fürsten Metternich, dem österreichischen Gesandten in Paris. — Der„Moniteur“ ist der Meinung, sein beruhigender und friedlicher Artikel vom 29. Juli werde sowohl von Frankreich wie vom Auslande als eine Bestätigung der versöhnlichen Ideen und der gemäßigten Anschauungsweise des Leiters der Politik Frankreichs in seinen Beziehungen zu den andern Mächten angesehen. Wie seine Reden, so bieten auch seine Handlungen alle Garantien für die Erhaltung des Friedens. — Nach dem„Moniteur“ hat Kriegsminister Niel den General Dumont bei dessen Sen⸗ dung nach Rom beauftragt, sich ausschließlich mit der Untersuchung der Ursachen zu beschäftigen, auf welche die in der Legion von Antibes vorgekom— menen zahlreichen Desertionen zurückzuführen sind. — Die„Patrie“ gibt, um allen Unrichtig⸗ keiten und Uebertreibungen entgegenzutreten, zu, daß schon seit zwei Monaten Besprechungen zwi- schen der preußischen Regierung und den Vertre- tern der Mächte über die Ausführung des Prager Friedens stattgefunden haben. Namentlich hätten in der letzten Zeit Frankreich und Rußland ihre Ansichten, die mit den friedlichen Anschauungen des Berliner Cabinets in Einklang standen, kund gegeben. Allgemein herrsche in den deutschen diplomatischen Kreisen die Ansicht, daß die nord- schleswig'sche Frage keine Schwierigkeiten, weder zwischen Preußen und Dänemark, noch zwischen Preußen und einer der mittelbar an der Lösung dieser Frage sich betheiligenden Mächte hervor- rufen werde. — Der„Constitutionnel“ sagt: Frankreich habe keineswegs eine diplomatische Einmischung in den dänisch-preußischen Streit versucht, die französische Regierung habe in ihrer Depesche an die französische Gesandtschaft in Berlin nur ihre Ansicht über die schleswig'sche Frage aus ⸗ gesprochen; hätte sie sich in vollständiges Still⸗ schweigen darüber eingeschlossen, so würde sie eine unbehagliche Situation geschaffen und das Miß⸗ trauen nur befördert haben. Wiesbaden. Der sechste Vereinstag der wirthschastl. Genossenschaften am Mittelrhein findet zu Wiesbaden im Saalbau Schirmer und zwar am 7. August d. J. statt. Die Verhandlungen beginnen Morgens 9 Uhr und wird denselben der Anwalt des Vereins, Schulze-⸗Delitzsch, beiwohnen. Als vorläufige Tagesordnung wird bezeichnet: 1) Bericht über die Entwicklung und Ausdehnung des Verbandes. 2) Rechnungsablage des geschäftsleitenden Vereins. 3) Bericht über den allgemeinen Vereinstag in Kassel 4) Berichterstattung und Berathung über das Genossenschaftsgesetz und die dadurch bedingte Revision der Statulen. 5) Besprechung und Beschlußfassung über den von dem allgemeinen Verbandstage in Kassel ange⸗ nommenen Antrag über die Mitgliedschaft in mehreren Vorschußvereinen. 6) Besprechung über die Bestimmung der Kündigungefristen bei Sparkasse-Kapitalien. 7) Be⸗ richterstatlung der auf dem Verbandstage im Jahre 1866 gewählten Commissionen zur Aufstellung gleichmäßiger Geschäftsformulare. 8) Festsetzung des Beitrags zu den Kosten des Unterverbandes für das Jahr 1867.— 9) Wahl des Abgeordneten zu dem allgemeinen Verbands⸗ tage. 10) Wahl des geschäftsleitenden Vereins für das nächste Jahr und Bestimmung des Ortes des nächsten Vereinstages. Worms. Am 26 v. M. wurde am Luther⸗Denkmal der letzte Stein versetzt und es steht nun der imposante Granitbau vollendet da und harret des Zeitpunktes, wo im nächsten Frübjahre die Statuen auf demselben auf⸗ gestellt werden. Dieser Theil des Denkmals, der an und für sich schon eine Sehenswürdigkeit ausmacht, zieht sehr viele Zuschauer herbei, die alle sehr befriedißt von dem meisterhaft ausgeführten Werke scheiden. % Landwirthschaftlichegs. Nachdem der große Nutzen der Ameisen für die Vertilgung von walb⸗ schädlichen Käfern und Raupen endlich erkannt worden, hat die preußische Regierung ein gules Beispiel daburch gegeben, daß sie das unbefugte Einsammeln von so⸗ genannten Ameiseneiern und das muthwillige Zerstören von Ameisenhaufen in den Staats⸗, Gemeinde⸗ und Privatwaldungen bei Strafe verboten hat. 3 Die Franzosen sind bekanntlich bedeutende Gelehrte in der Geographie. Als sie nun lasen, daß das an Preußen abzutretende Fürstenthum Waldeck 20 Quadrat⸗ meilen umfaßte, so kam ihnen das doch zu wenig vor, und ein Journal machte daraus 20,000 Q.⸗Meilen mit 60,000 Einwohnern. Nach diesem Maßstabe hätte Waldeck beinahe so viel Ausdehnung, wie ganz Deutschland und Frankreich zusammen genommen, dafür wäre aber seine Bevölkerung so dünn wie die sibirische, drei Menschen auf die Q.⸗Meile. Trotz dieses Unsinns ging die Notiz durch alle französischen Blätter. Nur der„Figaro“ sah ein, daß die Sache sich doch nicht so verhalten könne und ver⸗ besserte die Nachricht dahin, daß Waldeck 20,000 Quabrat⸗ Kilometer groß sei. Wie viel Meilen sind dies nun? Elwa 400 Q. ⸗Meilen, also ein Raum, der noch immer n so groß ist, wie das wirkliche Fürstenthum Waldeck! „ Ein grauenhafter Gesellschafter. Eine in Graz lebende betagte Dame behält, wie ein Blatt meldet, das Gerippe ihres verstorbenen Gemahls, das sie sich aus dem Grabe holen ließ, Tag und Nacht bei sich im Zimmer, macht mit ihm Reisen und läßt sich den Glauben nicht nehmen, der Todtenkopf lächle sie manchmal recht freundlich an. „ Ein französischer Marschall zu sein, ist gar kein übler Posten. Derselbe erhält jährlich: als Marschall 40,000 Fres., als Senator 30,000 Fres., als Großofficier der Krone 48,000 Fres., als Großkreuz der Ehrenlegion 3000 Fres, zusammen 121,000 Fres. Aber dies ist noch nicht Alles. Als Großofficier der Krone erhält er seinen vollständigen Unterhalt und wird seine Carosse von der Civilliste bestritten. Unterdessen muß ein Lieutenant sich mit 120 Fres. monatlich begnügen. 2 Zur Hungers noth in Schweden. Aus Norbotten(Schweden) sind in der letzten Zeit viele Berichte eingegangen, worin die daselbst herrschende Hungersnoth in den grellsten Farben geschildert wird. Die dort ankommenden Schiffe wurden ron ausge hungerten Menschen förmlich bestürmt; einige fielen sogar auf die Kniee und bettelten um einen Schiffszwieback. Selbst in den sonst wohlhabenden Häusern hatte man seit langer Zeit kein Roggenbrod geschmeckt. Einzelne schwe⸗ dische Schiffsführer besuchten die abgelegeneren Stellen des Uferlandes, wo die Noth am größten war, und ver⸗ schenkten so viel von ihrem Proviant, daß sie sich ge? nöthigt sahen, nach Stockholm zu ielegraphiren, um pet Dampfschiff mit dem Nöthigsten versehen zu werden. Ein junger Seemann schrieb an seine Eltern, daß er mit eigenen Augen gesehen, wie ein Mann der ärmeren Classe damit beschäftigt war, Brod aus Baumrinde zu kneten, während dessen sein dem Hunger geopferter Beyleiter, der Hund, im Topfe kochte. Seeleute pflegen nicht sehr weich⸗ herzig zu sein, aber einige haben doch in ihren Briefen versichert, daß sie nicht wünschen möchten, nochmals Zeugen eines so schrecklichen, herzergreifenden Elendes, wie das in Narbotten, zu werden. „% Die Münzconferenz in Paris soll sich über folgende Grundsätze verständigt haben. Die Grundlage wird künftig die Goldwährung bilden und zwar wird das goldene 5 ⸗Frankstück die kleinste Goldmünze sein; alle 84 Goldmünzen werden eine Multiplikation von Franks darstellen(10, 15, 20, 25 Fr. u. s. w.) Det östreichische Ducat würde 2 Gulden österr.= 5 Franken ein, Preußen würde Vierthalerstücke prägen= 15 Frke. oder 7 fl. rheinisch; Nordamerika würde seine Dollars auf 5 Frks. und England seine Souvereings auf 25 Feks. reduziren. Silbermünzen sollen nur als Theilungsmünzen Cours haben. Die Münzen aller Staaten, welche dem Fünf⸗ frankensystem enisprechen, haben allenthalben gleichen Cours, Für die Hinterlassenen der verun ⸗ glückten Lugauer Bergleute sind weiter folgende Gaben bei uns eingegangen von: G. R. 1 fl. 45 kr.— Durch Lehrer Söllner in Fauerbach in der Schule gesammel! 2 fl. 30 kr.— Lehrer Kitz in Langenhain 1 fl.— M. E. 24 kr.— Cr. 30 kr. R. 1 fl. 45 kr.— Arbeiter und Beamte des Dorheimer Bergwerks 11 fl. 24 kr.(1 fl. 45 kr. ging schon früher von dort ein), zusammen 19 fl. 18 kr. In Summa bis jetzt eingegangen 42 fl. 13 kr. Weitere Gaben werden mit bestem Dank angenommen. Die Red. — Verloosunge n. l Wien, 1. Aug. Bei der heute staltgehabten Serien⸗ ziehung der österr. fl. 500 Loose von 1860 wurden folgende 60 Serien à 20 Stück Loose gezogen: Serie 150 279 1154 1436 1521 1811 1890 2144 2214 2353 3430 3552 3673 4561 5012 5363 5448 6142 6149 6559 7063 7905 8089 8636 8740 8971 9062 10060 102⁴ 10268 10373 10582 10725 10763 11282 12423 12991 13164 13228 13723 13773 13976 14448 15329 15791 16095 16189 17184 17276 17721 17767 18000 18857 18868 19022 19405 19446 19517 19839 19919. Die Gewinnziehung erfolgt am 1. November. ab Nüuwoc fol de in Ott Fastus geber dienerwohnung Gastpause dee bietenden ver Das Anm hause nebst deiuftraße lt Schu und! Nr. 6365 Ole deßfal weissrel eic gesehen werder Frieder 9 1838 Mitin soll in dem ferllaung bos in Accord ge Vilbel! 100“ Moni auf dem Rath unler Inserat dende ad Werden. Gleichen am Gemeint Fried — Verstei 1832 Ole in der Gen Donnersag Jothhaus zu Habren in 4. Friedb— Bez auf Nacgge 22 0 D Hofraithe- und Güterversteigerung. 1802 Montag den 5. August d. J., Vormittags 11 Udr, sollen in biesigem Rathhause auf freiwilligen Antrag des Bürgere und Fellenhauers Philipp Schuchmann dahier dessen nachbeschriebene Immoblien, als: Gemarkung Friedberg. Flur. Nr. Klftr. 3. 90. 17. Hofraithe in der Vorstadt zum Garten mit Loosbolzderechtigung und einer anerbauten Schlosser⸗ werkstätte. 3. 87. 11.6. Grabgarten daselbst, 4. 73. 143. Acker im Ellern, adzugs halber öffentlich meistbletend versteigert werden. Friedberg am 25. Jult 1867. Großberzogliches Ortsgericht Friedberg J. B. d. B.: Der dienfsälleste Gerichtomann Fon ee. Bekanntmachung. 1836 Mittwoch den 21. August d. J., Morgens 10 Ubr, soll die im Orte Reichelsheim gelegene, dem Großh. Fiscus gehörige Hofralthe, welche selther als Amts- dienerwohnung und Gefängniß benutzt wurde, in dem Gafthause des Herrn Conrad öffentlich an den Meist bietenden versteigert werden. Das Anwesen besteht in einem zweistöckigen Wohn bause nebst kleinem Stall und Hofraum in der sog. Deinsraße lt. Stocbuch Nr. 6857= 6 Rutben 59 Schuh und in einem Garten deim Haus lt. Stockb uch Nr. 6858= 1 Ruthe 82 Schuh groß. Die deßfallsigen Bedingungen können bei Bürger⸗ meifleret Reichelsheim und auf unserem Bureau ein- gesehen werden. Friedberg am 1. August 1867. Großberzogliches Rentamt Frledberg Linde d. Master arbeit 1838 Mittwoch den 7. August l. J., Vormittags 11 Uhr, soll in dem Rathhause zu Rodheim v. d. H. die An⸗ fertigung von Pflasterarbeit, veranschlagt zu 1. 2% in Accord gegeben werden. Vilbel den 31. Juli 1867. Großherzogliche Bürgermelsterei Rodheim Sch Arbeits-Versteigerung. 1831 Montag den 5. August, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem Rathhaus zu Ockstadt die im Anzeiger Nr. 79 unter Inserat 1671 ausgeschriebene Weißbinderarbelt, öffentlich an den Wenigfifordernden in Accord gegeben werden. Gleichzeitig wird Dachdeckerarbeit und Zimmerarbeit am Gemeindebaus mit versteigert werden. Friedberg den 1. August 1867. Der Bezirks⸗Bauaufseher Schneider. Versteigerung von Handarbeiten. 1832 Die Unterhallungsarbelten auf den Vieinalwegen in der Gemarkung Ober- und Nieder Rosbach sollen Donnerstag den 8 August, Vormittags 11 Uhr, auf dem Nathhaus zu Ober⸗Roabach auf die Dauer von mehreren Jahren in Accord gegeben werden. Friedberg den 1. Augua 1867. Der Bezirks- Bauaufseher Schneider. Jagdverpachtung. 1830 Wegen Nachgebot wird Samstag den 10. August d. J., Nachmittags 2 ÜUbr, die biesige Jagd, bestehend in 722 Morgen Wald und 2056 Morten Feld, in einem Bezirk auf 9 Jahre verpachtet. Nachgebote werden nicht angenommen. Cransberg den 30. Juli 1867. Wertb, Bürgermeister. Aufforderung. 1807 Diejenigen, welche Forderungen an den Nachlaß des in Gambach verstorbenen Johannes Biehl zu haben vermeinen, werden ersucht, dieselben bis zum 15. August d. J. bet dem Curator Balthaser Wagner auf der Kreuzmühle bei Gambach elnzureschen, widrigen falls sie bet der Aufstellung des Status nicht berück⸗ sichtigt werden können. äse- Offerte. 1773 Emmenthaler⸗, Schweizer⸗„ Rahm und Limburger⸗Käse eigener Fabrikation in der Schweiz und in Batern empfehle ich bei Abnahme von mindestens 25 Pfund äußerst blllig Reinhold Heydecke, Werflal. 2. M. dri ded re. 2 Fasser und Bütten 250 in allen Gattungen billigst bei h. Dan. Kümmich 9. E. Pergmaur's CTannin-Halsam-Seise ein wirklich reelles Mittel binnen kürzester Zeit eine schöne, weiß i d reine Haut zu erlangen, empfiehlt à Stück 18 176. Th. Kranz. e ee, 1758 1701 Badesalze etc. hiermit bestens. Preislisten franco gegen franco. Die Mineralwasseranstalt von Carl Henrich, Allechaus, Hom- burg v. d. H., empfiehlt ihre Fabrikate, als: Selters-& Sodawasser, diverse Limonades gazeuses, Limonaden- und Himbeerensyrup, Apfelwein- Champagner, 1582 Maschinen zu den verschiedensten Gießen. 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Sohnes, Bruders und Schwagers, Philipp Söllner, 25 fühten wir ung gedrungen, sowobl für die vlelseitige Theilnahme am Leichenbegängniß, als auch für jede andere Betleids- und Ehrenbezeugung, hiermit unseren tiefgefühlten Dank auszusprechen. Friedberg den 1. August 1867. Die trauernden Hinterbliebenen. eee eee eee ee eee Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Sonntag den 4. August. Evangtlische Gemtinde. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Stadtkirche Vormittags: Herr Candidat Bender. Nachmittags: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags: Herr Diakonus Meyer. Nachmittegs: Herr Candidat Fuchs. Katholische Gemtinde. Sonntag Vormittags halb 10 Uhr ißt Hochamt und Predigt. Montag und Mittwoch sind heilige b g Messen. Offenbach a. M. Die General- Agentur für Hessen— W̃ 8 5b 1 Verantw. Red.: Hermann Schimpff. ni. Obel. Druck und Verlag von Bindernagel& Schimpff. Mitgetheilt von 0 0 S. Lindheimer. Fr Ankfur. Er Cou FS. 2 2 1824 57% 0 *. 3„ 100 Pr. 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