berhesst dee Organ für die Interessen des werktätigen Volkes ane e der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. * efnes 1 N 5 — 17 Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Vergntwortlicher Redakteur: J. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mk, auswärts 80.— Mk, die Reklamemillimeterzeilf 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen · der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Gießen, Dienstag, den 29. Mai 1923 18. Jahrgang Das Garantieangebot von Industrie und Landwirtschaft. in der Gemeinde Stiepel liegenden Zechen sind, da die Not⸗ standsarbeiten verweigert werden, in Gefahr zu ersaufen. doch vic Der e Veilage 1 den 5 115 18 1 Blgit der frau und„Land⸗ aer u die o bezog 80h.- Nr. ernscr. Gestelgeid. Einzeln. 18 80 0 1 un Nr. 119 Aßssars für y g e Stell dag degelung de de 1 n 00 0 eiern e 9 ache Aber die Bedingungen! Ausshem Besprechungen mit den Parteien. cnc de In den letzten 14 Tagen haben innerhalb des Präsi⸗ 10 diums des Reichsverbandes der deutschen Industrie Ver⸗ werde un handlungen über die Garantiefrage stattgefunden. Der Wan gute der 9. hat die endgültige Formulierung seiner Vor⸗ . schläge der Reichsregierung am Samstag überreicht. „ ö Nach den Besprechungen, die der Reichskanzler am r en amen mit den Füßen der ozinldemakratie und der s über dr bil Arbeits gemeinschaft der Mitte hatte, empfing er am Sonn⸗ rat vom 15 J tag die Deutschnationalen, denen er ebenfalls den Vorschlag den Aufscke des Reichsverbandes der deutschen Industrie über die Be⸗ ben irh f teiligung der deutschen Wirtschaft an der Garantieleistung zee ud h t unterbreitete. Am Montag empfängt der Reichskanzler, wie e der Berliner Lokalanzeiger meldet, die Vertreter der Land⸗ nt. Denn wirtschaft und des mobilen Kapitals, d. h. der Finanzwelt, den Veniehn um mit ihnen ebenfalls die Frage der Garantieleistung zu rlbersmmegh erörtern. Diese Teile der deutschen Privatwirtschaft sollen eder dieses sch nach Auffassung des Vorstandes der Industrie drei Fünftel wirtschaftlhn'der Garantieleistung von 500 Millionen Gold⸗ zwingt algeeh mark übernehmen. Am Dienstag wird der Hauptaus⸗ n die Landwaz schuß des Reichsverbandes der deutschen Industrie zu⸗ Finden hier zur sammentreten, um ebenfalls die Garantiefrage zu erörtern. me restose kr e Die Eisenbahnen als Gegenleistung? e Teile der Die Verliner Montagspost schreibt: Wie wir hören, handelt es gewinnen 2 sich in der Garantiefrage um die Bereitwilligkeit der Industrie, einen die Ländern Betrag von 200 Millionen Goldmark verzinsen zu wollen. Die In⸗ Mittel berizehn dustrie stellt dafür eine Reihe von Bedingungen, die insbesondere nach der und knen der Richtung gehen, daß die deutsche Wirtschaft von allen noch auf ihr Aufgabe dei den lastenden Bedingungen befreit und daß andererseits die deutschen a Eisenbahnen nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen verwaltet wer⸗ 7 den. ö ich kann solte Danach wird die Uebernahme der Garantie durch die Industrie⸗ q der Eimnun herben an Bedingungen geknüpft, die es uns nicht leicht machen, die ir entsprechene in Verhandlungen aufzunehmen. Besonders werden wir uns entschieden . dagegen wenden, daß Reichseigentum in einer mehr oder minder ver⸗ — schleierten Form der Privatwirtschaft ausgeliefert wird. Der helden⸗ utmacn mütige Kampf gerade der Eisenbahner verdient es nicht, daß seine anut Träger und die zahlreichen Opfer der Privatwirtschaft ausgeliefert an Kreis Hie werden. Außerdem scheint das Angebot mit Bedingungen bepackt zu Streiberel.— I sein, die eine Erleichterung der außenpolitischen Lage nicht bedeuten. sorge.— Der Versailler Vertrag legt unserer Wirtschaft Bindungen auf, maltags.— ge deren Beseitigung wohl Berechtigung hat aber Frankreich will, wie Nflegegelbel, ks es wiederholt erklärte, in keine Aenderung des Friedensvertrages hren der Schale einwilligen, so daß das Angebot der Gefahr der Ablehnung ausgesetzt tt ichen= ist. 5 1 8 75 Die Lage im Ruhrgebiet. age zu Hung. 0 Ar. a. 50 Weitere Ueberfälle bewaffneter Banden. salender. In Dortmund wurde am Samstag ein von Hörde 0 kommendes, mit Polizeimannschaften besetztes Auto von den ein ane Aufrührern überfallen und aus Häusern, Höfen usw. mit eee Handgranaten beworfen und beschossen. Dabei wurde ein Polizeiwachtmeister getötet, ein anderer durch zwei Lungen⸗ — ie schwer verletzt. Sechs andere Polizeibeamte erhielten 5 leichtere Verletzungen. Zwei weitere zur Hilfe anrückende chung. Autos mit Polizei wurden in ähnlicher Weise überfallen. L Sachbezüge. Die an dem Ueberfall beteiligten Aufrührer waren mit le der versce allen modernen Feuerwaffen, besonders Handgranaten aus: em Tuben g gerüstet. Ein für Samstag nacht geplanter allgemeiner 10 fit dene Angriff gegen die Polizei unterblieb trotz der zum Teil Aut, bereits gestellten Hundertschaften, anscheinend wegen des 1 ben duch, Nichteintreffens aller aufgebotenen Hundertschaften. i In Gelsenkirchen ist die Lage unverändert. Die christ⸗ lichen Gewerkschaften haben am Sonntag ihren Austritt aus 4 0 der hier auf gewerkschaftlicher Grundlage gebildeten Sicher⸗ ufe des Samstag haben mehrere wehr erklärt. Im La haber 6 — 106 Mann starke Banden die Zeche„Consolidation“ still gelegt. Auf der Zeche„Rhein⸗Elbe“ haben die Aufrührer auf Grund eines von der Sicherheitswehr unterschriebenen gh Requisthionsscheines verschiedene Lastkraftwagen beschlag⸗ ak nahmt. Im Landkreis Gelsenkirchen ist es ruhig. Es wer⸗ d en scharfe Zusammenziehungen aufrührerischer Elemente ˖ ach Wanne gemeldet. ö In Bochum gelang es am Samstag abend der von den frübrern belagerten Feuerwehr dusch einen Ausfall die 5—— 2 17886 5 thestörer zurückzudrängen. Die Feuerwehr ist hier im 1 ö gemeinen Herr der Lage. Bei einer am Sonntag statt⸗ 91 undenen Ansammlung auf dem Marktplatz wurde ein 1 Selbstschutz angehörender Stadtsekretär namens Blum den Aufrührern hinterrücks erschossen. Eine Anzahl terer Personen wurde verletzt. Die Täter sollen von den mzosen verhaftet worden sein. In Herne ist es zu neuen Unruhen nicht gekommen. Hörde und dem Landkreis liegen keine Meldungen In Witten sind bei den Unruhen am Samstag etwa 10 Auf⸗ rührer schwer verletzt worden. Plünderung von Gewerkschaftsbureaus. Aus Bochum wird weiter berichtet: In der Nacht vom Samstag zu Sonntag kam es an verschiedenen Stellen der Stadt, vor allem in der Rottstraße, in der Kronenstraße, im Stadtparkviertel und in der Wiemelhäuserstraße zu Zusammen⸗ stößen zwischen Abteilungen der proletarischen Hundertschaften und der Feuerwehr und dem Selbstschutz. Im Stadtparkviertel versuchten die Kommunisten, einige begüterte Bürger zu verhaften und sie als Geiseln fortzuführen. Der Selbstschutz konnte aber rechtzeitig ein⸗ greifen und die betreffenden Herren befreien. Die verschiedenen Plänkeleien dauerten die ganze Nacht hindurch bis in den frühen Morgen, aber überall behielt der Selbstschutz die Oberhand. Eine bewaffnete Hundertschaft versuchte das Gebäude des Deut⸗ schen Metallarbeiterverbandes in der Rottstraße zu plündern. Auch hier schritt der Selbstschutz ein und verhinderte das Vorhaben. Im Laufe der Nacht wurden mehrere Vechaftungen vorgenommen. Gegen 4 Uhr morgens eröffneten vier Kommunisten, die sich auf dem Bahndamm in der Nähe der Wiemelhäuserstraße niedergelegt hatten, das Feuer auf eine vorübergehende Abteilung des Selbstschutzes. Der Obersekretär Blum wurde getötet und ein Mann des Selbstschutzes erheblich verwundet. Eine herbeieilende Abteilung des Selbstschutzes verhaftete die Täter. Die Zahl der Toten in den Gefechten vom Samstag nachmittag steht noch nicht fest. In den Hospitälern liegen 7 Leichen. Die Zahl der Verwundeten dürfte 20 übersteigen. Es steht fest, daß die Banden aus der Ober⸗ hausener und Hamborner Gegend in Bochum eingerückt sind, teils be⸗ waffnet mit Karabinern Modell 88. Eine französische Kommission sprach gestern morgen im Hauptquartier des Selbstschutzes vor, um festzustellen, ob sich Leute im Besitz französischer Karabiner befänden. Im Laufe des Vormittags durchfuhren mehrere französische Panzer⸗ wagen die Stadt. Bis jetzt ist der Selbstschutz und die Feuerwehr, gebildet aus Angehörigen der Gewerkschaften, vollständig Herr der Situation. Einzelne Abteilungen versuchten an der Bahnlinie ent⸗ lang die Passanten nach Pässen zu revidieren. Der Selbstschutz hat im Laufe des Vormittags Verstärkung erhalten, sodaß er für alle vor⸗ kommenden Fälle gewappnet ist. 5 Bankraub in Essen. Bei dem Ueberfall auf die Reichsbankstelle in Essen sind den Franzosen weit höhere Beträge in die Hand gefallen, als man zuerst annahm. Ihre Beute beziffert sich nach den bisherigen Feststellungen auf 97 Milliarden. Am Sonntag morgen wurde dieser Riesenbetrag von Papiermark auf 6 Lastkraftwagen verladen und abgefahren. Angesichts der Teuerung und der dadurch dringend gebotenen Lohn⸗ erhöhungen erhöht dieser Geldraub weiter die Schwierigkeit der augenblicklichen Lage, da die Entziehung einer solchen Riesensumme unbedingt eine vorübergehende Geldknappheit zur Folge haben muß. Schlageter erschossen. Das vom franzöfischen Kriegsgericht gefällte Todesurteil an e wurde Samstag morgen um 4 Uhr durch Erschießen voll⸗ streckt. Stockholms Allahanda schreibt dazu: In der gesamten Welt muß diese Grausamkeit berechtigte Entrüstung hervorrufen. Schlageters Tod wird als Märtyrertod betrachtet werden und was aus dieser Blutsaat hervorsprießen kann, wird die Zukunft zeigen. Man wird lebhaft an den französischen Terror im besetzten Deutschland unter Bonaparte erinnert, wo Schills Tapferen gemordet oder ein Leben schlimmer als der Tod auf französischen Galeeren erdulden mußten, weil sie vaterländisch handelten. Dies war der Anfang zu Europas Befreiungskrieg gegen die damaligen französischen Bedrücker. Dee Geschichte ist eine Lehrmeisterin. Dem, der ihre Lehren verachtet, geht es auf die Dauer nicht gut. Die europäische Krise. Aus London wird gemeldet: Die Times schreibt, es bestehe kein Zweifel, daß die Lage Europas schlimmer werde. Eine neue akute Krise sei in der Entwicklung der Beziehungen zwischen den sieg⸗ reichen Alliierten und Deutschland in Sicht, eine Krise, die die Be⸗ ziehungen Großbritanniens zu Frankreich tief berühre. Die fran⸗ zösische Regierung sei entschlossen, in ihrer Verfolgung der separa⸗ ten Politik, die sie im Ruhrgebiet angenommen habe, zu verharren. Unter Hinweis auf die letzte französische Regierungskrise schreibt Times, soweit die Ruhrfrage in Betracht komme, zeige die fran⸗ zösische öffentliche Meinung für den Augenblick kein Zeichen der Schwäche. Augenblicklich sei es wesentlich, daß nicht gestattet werde, daß die Unordnung in Deutschland sich ausbreite, und es gabe kein beunruhigendes Symptom, als die Ausbreitung derf kom munistischen Unruhen im Ruhrgebiet. Die Zesetzung Gelsen⸗ kirchens durch die Kommunisten und die Ausschreitungen in Dort⸗ mund und Bochum seien ernste Ereignisse, die die Franzosen in einem Gebiet, das sich unter ihrer starken militärischen Kontrolle befindet und das sie des Polizeischutzes beraubt hätten, nicht hätten gestatten dürfen. Die Höchster Farbwerke freigegeben. Die militärische Besetzung der Höchster Farbwerke ist aufgehoben worden. In dem seit dem 15. Mai stillgelegten Betrieb wird die Arbeit am Montag wieder aufgenommen heitere Unruhen vor. In Hattingen ist es ruhig. Die werden. Griechisch⸗türkische Einigung. b Auf der Konferenz in Lausanne wurde Sonntag mittag im einer mehrstündigen Sitzung zwischen den Griechen und Türken in der Re⸗ parationsfrage eine Einigung erzielt. Diese erstreckt sich auf folgende vier Punkte: 1. Griechenland erkennt grundsätzlich seine Verpflichtung zu Reparationszahlungen an;: 2. Die Türkei verzichtet praktisch auf diese Reparationszahl⸗ ungen: vorgenommen werden, derart, daß der Ort Karagatsch an die Türkei fällt. Die türlische Forderung nach der Grenze von 1915 wurde aufgegeben. 4. Griechen und Türken erstatten einander die seit dem Waffen⸗ stillstand von Mudros, das heißt nach Abschluß des Weltkrieges, beschlagnahmten Schiffe zurück. Dabei ist zu bemerken, daß die Türken nur sehr wenig Schiffe zurückzugeben, aer eine beträcht⸗ liche Anzahl zu erhalten haben. Frankreich und die griechisch⸗türkische Einigung. Zum griechisch⸗türkischen Friedensvertrag schreibt der Temps: „So sehr wir uns auch darüber freuen, daß die für die Griechen wich⸗ tigste Frage zur Erledigung gekommen ist, können wir doch nicht um⸗ hin zu bemerken, daß die für Frankreich besonders ausschlaggebenden Fragen noch in der Schwebe sind. Man kennt noch nicht das Schicksal, das den französischen Konzessionsinhabern in der Türkei zuteil wird. Man weiß auch nicht, in welcher Währung die Kupons der türkischen Anleihen eingelöst werden sollen. Diese Situation hängt mit den Fehlern zusammen, die vor und während der ersten Lausanner Kon⸗ ferenz begangen worden sind.“ Weiterhin schreibt das Blatt:„Was die Konzessionsinhaber betrifft, so heißt es daß die Verhandlungen in Angora zu Hoffnungen berechtigen. Was dagegen die Einlösung der türkischen Kupons betrifft, so können wir es nur bedauern, daß die Reise des Ministers Hassan Bey nach Paris leinerlei Ergebnis hatte. Man fragt auch mit Recht, ob die französische Regierung, um die Türken zur Mäßigung gegenüber Griechenland zu bewegen, ihnen nicht am Ende Erleichterungen in der Frage der tückischen Schulden rung eine derartige Verpflichtung keineswegs übernommen hat. hätte auch nicht das Recht dazu gehabt. Politische Uebersicht. Worte oder Taten? In den nächsten Tagen wird der parlamentarische Aus⸗ schuß zur Untersuchung der Aktion gegen die Markstützung zusammentreten. Seitdem die„Aktion“, die hier zur Unter⸗ suchung steht, stattgefunden hat— es waren die Devisen⸗ käufe, welche zur ersten Unterhöhlung des Markkurses führten und am 18. April den Dollar auf 30 000 hinauf⸗ trieben— ist der Dollar weit über 50 000 hinausgeschossen und von der Markstützung nach dem Kursstand der fremden Devisen so gut wie nichts mehr übriggeblieben. Wenn es einen Sinn haben soll, eine einzelne Aktion von Interessen⸗ gruppen am Devisenmarkt zu untersuchen, so doch nur dann, wenn man sich wirklich über die Ziele der Devisenpolitik auseinandersetzt und den vielen Worten, die man bisher darüber gemacht hat, auch Taten folgen läßt. 5 Was man bisher mit der Devisenverordnung erlebt hat, läßt jedenfalls nicht darauf schließen, daß man gesonnen ist, mit Taten die Mark zu stützen. Es ist noch erinnerlich, daß seinerzeit die Reichsregierung eine Bestandsaufnahme sämt⸗ licher im deutschen Besitz befindlichen Devisen für erforder⸗ lich gehalten hat. Die Devisenverordnung nun, die jetzt mehr als 14 Tage in Kraft ist, enthält von dieser Bestands⸗ aufnahme nichts. Dagegen gibt sie der Reichsbank das techt, über die Devisenkäufe, die ihr gemeldet werden müssen, von den Käufern Auskunft zu verlangen und die Notwendigkeit der Devisenkäufe nachzuprüfen. Sowohl die sozialistische Presse wie das bürgerliche Berliner Tageblatt hat die bisher unwidersprochene Behauptung aufgestellt, daß von diesem Auskunftsrecht überhaupt noch kein Ge⸗ brauch gemacht worden ist. Man braucht sich dann nicht zu wundern, daß das Verbot der Zahlungen im Inland mit ausländischen Zahlungsmitteln keine denn es ist selbstverständlich, daß sich die Interessenten an Verbote, deren Wirksamkeit sie nicht zu spüren bekommen, nicht kehren. So hat kürzlich der Berliner Baumwoll⸗ fabrikant und Großhändler Benas Levy die Zahlungs⸗ bedingungen einer großen Weberei veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß diese von ihren Abnehmern die Zahlung in fremder Valuta verlangt. Ja noch mehr. Da der Fall ein⸗ treten kann, daß der Käufer nicht die Erlaubnis zum Er⸗ werb fremder Devisen besitzt, erbietet sich die fragliche Weberei, die Beschaffung der fremden Devisen durch ihre Abnehmer auf den eigenen Namen zu übernehmen und den Abnehmern sogar noch die für diesen Fall notwendige Er⸗ laubnis des Finanzamts zu beschaffen. Man fragt sich, was unter diesen Umständen ein Verbot der Zahlung mit fremden Depisen überhaupt noch für einen Sinn haben soll, wenn Industriefirmen ihren eigenen Namen dazu hergeben, um unberechtigten Kreisen Devisenkäufe möglich zu machen! 3. Es soll eine Grenzberichtigung im Gebiet von Karagatsch versprochen hat. Wir glauben zu wissen, daß die französische 1 Beachtung findet dil 21 1 rstra — 2 i 1 5 0 it erlebten, eine weitere Verelendung der Es hat demnach fast den Anschein, daß man die Debisen⸗ ö verordnung am siebsten nur als eine Art Kundgebung be⸗ trachlen möchte, an die sich Taten nicht zu knüpfen brauchen. Das ist diejenige Art der Devisenpolitik, welche den Sturz der Mark sogar noch begünstigen muß. Denn, wenn man sogar Gesetze erläßt und damit die Aufrechterhaltung der Mark zu einer Sache des Staates erklärt, dann aber auf die Durchführung dieser Gesetze verzichtet, so muß die Staats⸗ autoritat gegenüber der Devisenspekulation gänzlich unter⸗ graben werden. Darum sollte es eine hervorragende Aufgabe des Unter⸗ suchungsausschusses sein, festzustellen, inwieweit die zur Hebung des Markkurses getroffenen Maßnahmen dadurch zur Erfolglosigkeit verurteilt worden sind, daß sie nicht oder nicht konsequent genug durchgeführt werden. Man darf vor der Brandmarkung derjenigen Leute, die sich als Markver⸗ derber betätigen, weil es ihnen privaten Gewinn bringt, keinesfalls zurückschrecken. Es ist schlimm genug, daß man bisher nur zögernd sich dazu entschlossen hat, überhaupt etwas zur Stützung der Mark zu unternehmen. Es ist noch schlimmer, daß man es dann bei Halbheiten hat bewenden lassen. Am schlimmsten aber ist es, wenn man selbst die halben Maßnahmen auf dem Papier stehen läßt und damit indirekt einen neuen Sturz der Mark, wie wir ihn soeben breiten Massen und eine Erschwerung der Wirtschafts⸗ und außenpolitischen Lage Deutschlands herbeiführt. 0 Rechtsrenktionäre Demagogie. Die letzten Tumulte im Ruhrgebiet geben der Rechts⸗ presse die willkommene Gelegenheit, die„rote Gefahr“ auch für das unbesetzte deutsche Gebiet an die Wand zu malen und die alten unwahrhaftigen Angriffe gegen den Genossen Severing wegen seiner angeblich unendlichen Langmut gegenüber den Kommunisten zu erneuern. Die tspresse übersieht, wenn sie schreibt, daß der kommunistische Aufstand nicht mit derartiger Wucht hätte zum Ausbruch kommen können, wenn Minister Severing die kommunistischen Hundertschaften früher im Keime erstickt hätte, geflissent⸗ lich, daß hier gar nicht der Kern der Sache getroffen wird. Es sollte auch ihr bekannt sein— denn sie hat es ja oft genug in den Reiseberichten ihrer„Kriegsberichterstatter“ aus dem Ruhrgebiet schreiben lassen daß seit der Be⸗ setzung das Ruhrgebiet zum Sammelpunkt und Tummel⸗ platz alles lichtscheuen und verbrecherischen Gesindels eres geworden ist, das sich dort insbesondere wohlfühlt, seitdem die Franzosen irrfinnigerweise unsere grüne Schutz⸗ polizei mit Gewalt abgeschoben haben. Das Verbrecherpack beherrscht heute die Situation und ist überall, wo es gilt, Unruhen zu stiften und dabei im Trüben zu fischen. Man sollte doch auch nicht übersehen, daß die ganze Wühlarbeit dieser dunklen Elemente und ihrer Helfershelfer, der fran⸗ zösischen Spitzel und russischen Provokateure, nicht einen selchen Erfolg haben könnte, wenn nicht durch die wuche⸗ rische Lebensmittelverteuerung im Ruhr- (gebiet die Arbeitermassen auf das Aeußerste gereizt und er⸗ bittert wären. Dutzende und hunderte Male ist von den zuständigen Stellen und von unserer Parteipresse auf die Gefahr hingewiesen worden, die in dieser katastrophalen Preisgestaltung liegt. Aber weder die Preispolitik der großen schwerindustriellen Konzerne, deren Kohlen⸗ und Eisenpreise alle übrigen Preise regieren. noch die der land⸗ wirtschaftlichen Erzeuger hat sich dadurch irgendwie beirren lassen. Jetzt ist es den berufsmäßigen Unruhestiftern ein leichtes, die ausgehungerten und verelendeten Massen zu Gewalttaten aufzupeitschen. Und die Preistreiber und Groß⸗ perdienet stehen augenverdrehend und kiefentrüstek und jammernd über die„Zerrüttung der Ruhrfront“, anstatt sich an ihre Brust zu schlagen und auszurufen:„Meine Schuld, meine große Schuld!“ Ehe sich die Franzosen nicht dazu bequemen, unsere grüne Schutzpolizei wieder in das Ruhrgebiet hinein zu lassen und ihr volle Bewegungsfreiheit zu geben ehe nicht der Preiswucher im Ruhrgebiet aufhört, werden Tumulte wie die jetzigen nicht zu unterbinden sein. Der denische Richter und die Sozia Kammergerichtsrat Jreymuth, der Vorst blikanischen Richterbundes, der neuerdings durch das skandalöse Münchener Urteil gegen Fechend öffentliche Meinung aufrüttelte, äußerte in der deutschen Liga für Menschenrechte(am 27. April 0% „Der Nichter von heute wird noch beherrscht gegen die Sozialdemokratie, von ber Kriegswsychost uud keitsgedanken.“— g g 15 1 Man braucht nur an manches Urteil aus jüngster zu denken, um diese Ansicht eines wahren und volkstt n Hamburg, 25. Mai. Genosse Wels(Deutschland) eröffnet die Sitzung. Der Kon⸗ greß tritt in die Debatte über die Referate 5„Der Kampf gegen die internationale Reaktion“ ein. Kunfi⸗ Wien: Die bedauerliche Tatsache, daß keine Dele⸗ gierten aus Ungarn selbst hier sind, beweist, daß die ungarische Reaktion noch ungebrochen ist. Ungarische Funktionäre der Ar⸗ beiterbewegung, Mitglieder der Nationalversammlung, waren als Delegierte bestimmt. Sie sehen also, daß ungarische Abgeordnete trotz ihrer Immunität nicht freier sind als Gefangene in Rußland. Ich halte es für eine Pflicht des Kongresses Protest zu erheben gegen die Zustände in Ungarn. Jugendliche Arbeiter von 15, 16 Jahren werden in Ungarn inter⸗ niert, weil ste ein Buch von Marx gelesen haben. Das wesentlichste dieser Konterrevolution ist der Bürgerkrieg im Innern gegen die Arbeiterklasse, gegen die Demokratie, der Krieg gegen die inter⸗ nationalen Verpflichtungen, die Ungarn übernommen hat. Wenn in Ungarn die Arbeiterklasse eine Niederlage erhalten hat, so ist das mitverschuldet durch das schlechte Beispiel der bolschewistischen Methode, auf das sich der Imperialismus in Westeuropa stützen kann.(Bravo!) l Wels ⸗Deutschland: Genosse Blum hat gestern um Verständnis für die französische Mentalität geworben. Ich kann ihm sagen: Wir haben diese seine Gedankengänge stets propagiert gegenüber unseren deutschen Nationalisten, unserer Presse, unserem Parlament, und wir wirken stets in seelischer Uebereinstimmung mit den französischen Genossen für diese Gedankengänge. Aber ich bitte auch die französischen Genossen: Werbt weiter dafür, daß auch Verständnis für Deutschland in der Welt aufkommt. (Lebhafte Zustimmung) Ich will versuchen, in Ergänzung der Rede des Genossen Bauer, der Deutschland als den gefährlichsten Brandherd für die Entwicklung der Reaktion bezeichnet hat, Ihnen ein zusammenfassendes Bild der Reaktion in Deutschland zu geben. Seit einem 8 und länger ist das deutsche Volk immer wieder in wenig beneidenswerten Lage gewesen, im Mittel⸗ punkt des europäischen Interesses zu stehen, und doch haben wir das Gefühl, daß wir Deutsche in der Welt recht oft mißverstanden worden sind. Wir hatten bis vor wenigen Jahren eine der rück⸗ ständigsten Verfassungen. Die eigentliche Regierung in Deutschland lag vor und während des Krieges in den Händen einer Kaste streng abgeschlossener Bureaukratie, die vollkommen von den Fürsten ab⸗ hängig war. Die Möglichkeit, an der Verwaltung teilzunehmen oder gar die auswärtige Politik zu beeinflussen, wie sie die fran⸗ zösischen Genossen trotz ihrer geringeren Zahl hatten, war in Deutschland für die Arbeiterklasse gleich Null. 5 Der deutsche Zarismus, den das deutsche Bürgertum in unglaub⸗ licher Verblendung vergötterte, war in seinen Wirkungen nicht weniger unheilvoll und reaktionär als der russische. Nun gibt es Leute, die behaupten, in Deutschland habe die Revo⸗ lution gar nichts geändert. Das ist ein kompletter Unsinn. Wir haben vor 16 Jahren zum ersten Male den Versuch gemacht, einen internationalen Kongreß auf deutschem Boden zu beherbergen. Es war in der demokratischen Ecke in Stuttgart. Aber wir hatten damals— das kann ich heute sagen— heillose Angst, wie die Ge⸗ schichte ausgehen würde, und wir waren sehr froh, daß schließlich nur ein Delegierter, der anglische Genosse Quelch, ausgewiesen wurde, weil er das entsetzliche Verbrechen beging, ein diplomatisches Essen ein Diebsgelage zu nennen. Heute gibt es kaum eine Stadt in Deutschland, die nicht den internationalen Kongreß mit Freude aufzunehmen bereit und in der Lage wäre. 1 Richters voll und ganz bestätigt zu finden 1 —— 5 5 8 17 1 Der Hamburger Weltkongreß. 4. Verhandlungstag. Heute wehen von diesem Hauso die Fahnen der l e der sozialen Repolution schwarzrotgold Das ist schon ein äußerliches Zeichen des W Deutschland war ein reaktionärer Obrigkeitssta demokratischer Staat. Man hat darüber gestrit vember ein Zusammenbruch oder eine Revolution Es war alles beides.(Sehr richtig!) Zusammen jenen Tagen das alte Synstem unter den vernicht des Weltkrieges. Erhoben hat sich trotz allem ein ver wesen durch die Kräfte der organisierten Arbefterlla sammenbruch des Alten war nicht denkbar ohne de Entstehung des Neuen unmöglich ohne die jahr arbeit der Sozialdemokratie. Aber dieses verj hat bis heute noch beinen einzigen frohen Tag ständig nach außen und innen gegen schwere Gef Dabei dürfen Sie nicht glauben, daß in Deuts⸗ die pathien im Bürgertum für die verflossene 10 im Gegenteil. Breite Schichten des Bürgertums i im ganz verdutzt dastanden und glaubten, die Re vo„die lution wäre nichts anderes als ein geglückter Haubstr er Umstürzler, beginnen allmählich zu begreifen, 1 kommen ist und so kommen mußte. haben keine Sehnsucht nach der Wiederkehr d Sie wollen nur das Eine: Keine neue Erschi 3, friedlichen Handel umd Wandel stö rt. Diese sun keine begeisterten Auhänger der Republik wie N ie stehen den aktiven Kräften der monarchistischen mit größtem Unbehagen und Mißmut gegenüber. Die revolution selbst rekrutiert sich einmal ams E 1 Kriege ihren eigentlichen Beruf erkannt haben id für anderen nicht fähig sind, aus geborenen Landskneistnatn ferner aus der untergehenden Mittelklasse, die a zu jedem Abenteuer bereit ist. Daher der N Bandenwesens, daher die fascistische Gesahr in Deutsch Mit zwei Argumenten machen die Fascisten in 5 druck auf weite Kreise. Auf der einen Seite e rinnen sie a gangene Kommunistenputsche mit ihrer sinnlosen bieten sich als Schutz gegen ihre Wiederholung natürlich bei den Besitzenden, die um ihr Gut zittern, Anklang und offene Hände. Dabei spielen die deutschen Kommunisten die e lächerlichste Rolle. 4 (Sehr wahr!) Die führenden deutschen Kommu schon längst darüber klar. daß sie durch Putsche die revolution nicht weitertreiben können. Sie ihre Gefolgschaft zu täuschen das Maul immer a führen die irregeleiteten Massen zu Aktionen, wie mr sie Gelsenkirchen erlebt haben, wo unter dem Schutze ö Bojonette der Boden für den neuen Fascismus wird.(Lebhafte Zustimnuma des ganzen Kongr andern Seite verschafft vor allem die auswärtige Politik der Werbearbeit in Deutschland günstigen 3 (Sehr wahr!) Wenm Sie bedenken, wie die ihrem Bestehen behandelt worden ift, dann 25 daß für die Arbesterklasse schon eine kräftige notwendig ist, damit sie den mationalistischen Einflüsterungen mit Erfola Widerstand leisten k auf der Straße ist fehr leicht Argumenten zugänzlich, d sagen; Was hast du denn eigentlich von deiner Repei ihre Freunde in der Welt?! Widerstandslos Republik jeder feindlichen Macht beugen, sie k Der Deserteur. 45 Roman bon Robert Buchanan. N Wie es in Wirklichkeit um Rohan stand, wußte außer seiner Mutter nur Marcelle. Sein Nervensystem war durch die furchtbaren Aufregungen und Entbehrungen während seiner Verfolgung vollständig zerrüttet worden und auch sein Gehirn hatte bedenkliche Störungen erlitten, die zwar mit der Zeit geheilt werden konnten, aber nur langsam. Er verriet wohl durch verschiedene Zeichen, daß er seine Base noch immer innig und zärtlich liebe aber seine Liebe äußerte sich nur selten durch den Ausbruch einer Leidenschaft, wie sie ihn anläßlich seiner ersten halb unbewußten Werbung hingerissen hatte. Sein Wesen hatte zumeist nur etwas Brüderliches, er sprach nie von Liebe. Als der Winter endlich ganz ernst sein Recht behauptete und Onkel Ewen durch seinen leidenden Zustand ans Zim⸗ mer gefesselt war, wurde Rohan ein häufiger Gast und ge⸗ duldiger Zuhörer seiner langatmigen Kriegsgeschichten. Hie und da ließ sich auch Gildas hinreißen, von seinem Lieb⸗ ling, dem Marschall Ney, zu erzählen. Sprach man von Napoleon selbst, dann schwieg Rohan standhaft und Mutter Derval bekreuzigte sich im stillen, denn der Alte erzählte ja von einem Toten, den der Korporal sowohl wie auch Mar⸗ celle zu den Heiligen eingereiht hatten. Eines Abends, als der Schnee schon die Straßen wie ein Leichentuch bedeckte und die ganze Welt Ruhe und Frie⸗ den zu atmen schien, näherte sich Rohan Marcelle, die an ihrem Spinnrocken saß und sagte mit bewegter Stimme: „Erinnerst Du Dich, was Du mir an jenem Morgen, da ich Dich aus der Kathadrale des heiligen Gildas trug, ver⸗ sprachst? Du sagtest mir, daß Du mich liebst und mein Weib werden willst.“ „Ich erinnere mich.“ „Willst Du Dein Wort halten?“ 10 Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort, dann abe; blickte sie mit ihren schönen, treuen, grauen Augen Zäörtlich zu ihm auf und entgegnete:„Ja, Rohan, wenn N Infel Ewen es erlaubt.“ f „Aber ich bin nicht mehr der lebensfrohe, waghalsige Nohan von früher und ich fürchte, daß ich es auch nie mehr sein werde. Ueberlege Dir die Sache genau! Du bist ein schönes Mädchen und es gibt viele Burschen, die Dich lüeben Cannes und er marschiert jetzt auf Paris los! Es lebe der Derval gab ihnen gern seinen Segen. Die Witwe sprach mit Voter Rolland, der sich ohne weiteres bereit erklärte, die Einwilligung des Bischofs einzuholen, die zu einer Ver⸗ bindung unter so nahen Verwandten unerläßlich war. Als die Kunde ins Dorf drang schüttelten gar viele ihr Haupt und erklärten, Marcelle nicht begreifen zu können, die es wahrlich nicht nötig habe, einen Halbverrückten zu heiraten. Namentlich Mikel Grallon meinte, daß der Bischof seine Einwilligung zu einer Heirat mit einem so gefährlichen Menschen nicht geben dürfe. Der Bischof schien aber anderer Ansicht und machte keinerlei Schwierigkeiten, so daß die Hochzeit für den Frühling bestimmt wurde. Anfang März 1815 trat Rohan Gwenfern mit glück⸗ strahlendem Antlitz in die Küche der Dervals und fand Marcelle allein. Sie reichte ihm ohne Ziererei die Wange zum Kuß. a „Der Frühling ist ins Land gezogen. Marcelle, was ich Dir mitgebracht habe.“ In der Bretagne werden die Jahreszeiten nach den Blumen und Vögeln eingeteilt, und es war beschlossen wor⸗ den, daß die beiden ein Paar würden, sobald„die Veilchen kommen“. Marcelle errötete, nahm das Veilchensträußchen das er ihr mit seligem Lächeln reichte und steckte es an ihr Mieder. Rohan schlang zärtlich seinen Arm um sie, sie lehnte ihr Köpfchen an seine Schulter und blickte glückstrahlend zu ihm empor. Plötzlich wurde die Tür heftig aufgerissen, Onkel Ewen stürzte, ein Zeitungsblatt in der Hand schwingend, toten⸗ blaß herein:„Marcelle! Rohan! Welche Neutgkeit!“ „Was ist los?“ fragte Marcelle, sich aus den Armen des Bräutigams windend. „Nieder mit den Bourbonen!“ brüllte der Alte, wie ein Besoffener taumelnd.„Am 1. März landete der Kaiser in Sieh mal, Kaiser!“ 5 Rohan stürzte, als ob er mitten ins Herz getroffen wäre, mit einem markerschütternden Aufschrei zu Boden. Die Nachricht von der Flucht Napoleons bestätigte sich nur zu bald. Nachdem er sich in seiner Verbannung monate⸗ bekanntlich, aus dem Käfig zu schlüpfen und an der Spitze von tausend Kriegern an der französischen Küste zu landen. und um Dich werben möchten.“ „Ich aber liebe nur Dich, Rohan“, entgegnete sie schlicht. nicht nur auferstanden, er sammelte im Stimm lang anscheinend ganz ruhig benommen hatte, gelang es ihm heiterem Himmel und schmetterte ihm förmlich ihn bedeutete die Auferstehung des Ve gung, Elend, Verzweiflung und Tod. Was 6 damit, daß er derlei duldete? Mit dem Verschwinden kaiserlichen Kriegspest war in Frankreich Ruhe und eingekehrt. Die Bürger vermochten frei zu alten; Rohan mit ihnen, hatten gehofft, daß die Ruh ewig Aufregungen und Leiden erholt, bis sich fast wischt hatte und er endlich den Mut fand, sene Hand einmal nach der heiligen Schale der Liebe auszustrecken. dem Moment, in welchem Gott ihn für ale Qualen schädigen zu wollen schien, verfinsterte sich der Pimmel der und all seine Hoffnungen wurden abermalß vernm Während Europa wie unter einem Erdbeben erz über Nacht ein Greis geworden. Unsere„Lee Hasse“ hatte sein Gebet erhört aber nur un spotten. Sie hatte den Avatar gestürzt, jedoch bald wieder auf seinen alten Platz zu setzen. M man der Sache nicht recht. Die Priester zeterteß und h die Ropalisten zuckten die Schulter, als ob sie sal „Diese kleine Affäre wird bald geregelt sein“ Tag brachte neue wichtige Nachrichten. 9 Armeen um sich. 15 Der Gedanke an Korporal Derval erfüllt Rohe demselben Entsetzen wie der an den Kaiser; ez de schein. als ob die Auferstehung seines Ido Leben einflößte. Mit der bekannten nape stülpte er wieder seinen Hut auf den Kopf, bij herausfordernd ins Gesicht und nahm sein 1 Die Nachricht traf Rohan Gwenfern wie ein Blitz aus Weise seines Abgottes. Seine Wangen Watt frei immer eingefallen und seine Beine schlottensan, tat nichts zur Sache, denn niomand durfte ehr herabsehen. Sein Meister war auferstanden 0 er in So wie das kleinste Bächlein durch anhaltendem Reg schwillt und einem kleinen See gleicht, W Fels ganze Gegenden überschwemmt, so schwol die des alten Korporals durch den Sturm, der i h reich fegte 1 Foxtsetzung folgt.) a— 1 1 9 1 Sa werde. Sein gequältes Hirn hatte sich large von Throne neuerdings wackelten und Könige einander en anblickten, zitterte Rohan wie ein verwelktes Ae r ce TS Sg pe: S S — DDS nd 2 VVJVVVVTVVVTCTCTCCTCTCCTCCCTCTCCCCTTTTTTTVTTVTVVVTTTTVVVVVVTVTTVTTV r e 5 Gebe bohlen gegen das Eindringen frember gefährlicher thaber. Der Moskauer Kommunismus und der Pariser Militarismus, das sind die beiden Helfer der deutschen Reaktion. (Stürmische Zustimmung.) Aus den Spartakusputschen entwickelte sich der Kapp⸗Putsch von 1920. Er wurde niedergeschagen durch die Macht der organisierten Arbeiterschast. Damals erprobte die Arbeiterklasse zum ersten Male die Waffe, die sie heute an Rhein und Ruhr dem bis an die, Zähne bewaffneten französischen Mili⸗ Karismus entgegenstellt.(Lebhafter Beifall des Kongresses.) Er⸗ folgreich war der Kapp⸗Putsch nur in Bayern. Auch das war kein Zufall, war doch München die einzige deutsche Stadt, die das Theater einer sogenzunten roten Herrschaft eine Zeit lang mit⸗ 0 b Es löste dort der weiße Schrecken den kuallroten 0 den det bu Aber auch in Bayern können die Bäume der Reaktion 10 d 11 in den Himmel wachsen. de Nan 1 Die glänzende Maifeier in Müachen hat bewirsen, daß die Ar⸗ meu sane beiter wieder beginnen, sich ale Macht zu üblen. Sie 3 jetzt ae den Ditlergardisten gut geschulte Mannschaften aus den Nahen eden des Proletariats gegenübergestellt, die aber jenen moralifch 3 ene endlich überlegen sud. n versice Deutschlands innerpolitisches Schicksal entscheidet sich am Rhein 9 ein dein und an der Ruhr. dan el Siegt dort der Militarismus dann ist das die Tragödie der deut⸗ wohne d schen Republik.(Sehr wahr!) Die deutschen Arbeiter im Westen ie sabgen kämpfen für die deutsche Republik. Ich danke den Genossen in eses wh allen Ländern, die als Republikaner begriffen haben, um 1 es aden Tag 3 eigentlich geht. Die deutsche Republit ist nicht nur eine deutsche, wel Gag sondern eine allgemein europäische, ja eine Weltangelegenheit. in Deut,(Sehr r Lebh. Zustimmunmg. ällt die deutsche Republik lossene 0 dann 12257 alles zusammen. f 1555 n 15 Perm, Vertrauen auf die Wiederherstellung eines wirklichen Friedens 17 Meda! stützt. Darum rufe ich allen zu: Helft uns unsere Republik tern 19 schlitzen! Nicht nur uns zuliebe, sondern auch Euch zuliebe. ie 4 Die Republik ist der 1 Reaktion aber die Gewalt, ben 0 a 08. derleht 50 Die Arbeitermassen Deutschlands sind zu jedem Opfer bereit, um ar Ersin ee Weltgesahr abzuwehren. Je mehr wir dabei auf Eure dice Unterstützung rechnen können. desto erfolgreicher wird unser Kampf ii we sein. Darum haben wir diesen Kongreß auf deutschem Boden mit arch so großen Hoffnungei begrüßt. Die Internationale der Reaktion, 1 de 99. 585 i 100 Internationale des Todes und der Verfall. Ihr gegen⸗ ——— über stehen wir als die Internationale des Lebens und der 1 Wiederaufrichtung. Es ist überall derselbe Feind, den wir be⸗ „ kämpfen. Und eine Freiheit macht uns alle fre.(Stürm. Beifall.) 1 5 i Brailsford(England) teilt als Berichterstatter der * a ersten Kommission mit. daß diefe zwei Resolutionen vorlecgen r Unze wird, von denen die eime, die Frage der internationalen Reaktion, u Deulschla, wurde. Fortfahrend erklärte er: Seit dem Kriege hat die Reaktion . manche neue Formen angenommen, die wir scharf beobachten n müssen. Die Menschen haben im Kriege morden gelernt. Aus . dieser Erfahrung ist eine Neigung zur Gewalt entstanden, die sich heute in ganz Europa zeigt. Die heutige Reaktion zeigt sich ein⸗ 3 innechalb der nationalen Schranken, wie in Italien und Ungarn, oder sie greift über die nationalen Grenzen hinaus. Wir siind darin einig, daß es unsere Pflicht ist, mit allen Mitteln nisten bir lin unseren itallenischen und ungarischen Genossen zu helfen. Es olle. liegt nicht in unserer Macht, mit Gewalt die Reaktion in diesen cen 1% e. zu bekämpfen, aber 0 Pusche*, wir halten es für eine wirksamere Waffe, den vereinigten * 1 moralischen Druck durch Beeinflussung der öffentlichen immer 1 ee, m ö Meinung auszuüben. den She n Musselim und die Reaktionäre in Ungarn wissen diese Beein⸗ Fascts u, flussung der öffentlichen Meimma im Auslande wirksam zu hand⸗ nen anf haben. Daraus müssen wir lernen, uns derselben Machtmittel aun bedienen, um das Gewfssen der Welt gegen die Reaktion zu 5 mobilisieren. Was die andere Art der Reaktion betrifft, die mit e Politik de! diplomatischen, miltärischen und anderen Mitteln über die Grenzen gingen za, hinausgreift, führt uns auf das deutsche und russische Problem. pie die deunh! Wir wissen, daß es die Diplomatie der Entente gewesen ist, die die sozialistischen Teile der deutschen Republik nicht zur Entwick⸗ lung hat kommen lassen. naltstiscen eilt Wir sind also gewillt, zusammenzuwirken, um der Entwicklung ö 1 der deutschen Republik möglichst freie Bahn zu schaffen. 11(Bravol) Auch die internationale Ausnutzung der Finanzkraft ist eim starkes Mittel der Reaktion. Die finanziell abhängigen Staaten werden so zu Werkzeugen der großen fiwanzkräftigen Staaten. Hilferding hat mit großer Meisterschaft die wirtschaft⸗ lichen Zusammenhänge aufgezeigt. Es muß unsere Aufgabe sein, a immer weitere Kreise über diese Dinge zu informieren. Bel der % russischen Gefahr haben wir es, wie die nenesten Ereignisse zeigen, noch mit der altn Rivalität zwischn England und Rußland zu tun. Wir müssen hier vor allem fordern de jure⸗Anerkennung der 4 Sowjetrepublik. 0 Die Ausartung des Somwjetregimes ist die Wirkung der ö Politik des kapitalistischen Regimes des Westens. en e ee,(Bravo!) Wir appellieren in dem Kampfe gegen alle Arten der aß die 1 Reaktion an die interna temale. Der Reaktion kann nur ent⸗ alle sich 10 3 werden mit den Methoden der Arbeit und des g dich fat“ Kampfes.(Lebhafter Beifall.) 1 5 1 90 Es entspinnt sich dann eine Geschäftsordnungsdebatte über die Mut faub,* Ark der Abstimmung für die von der ersten Kommission vorgelegten et Lehe% Resolutionen. Modigliani(Italien) beantragt Einzelabstimmung. Der ihn füt a Kongreß bestimmt, die Abstimmung en bloc vorzunehmen. 1 terte sich W Anschließend kommt Vandervelde(Belgien) als letzter Re⸗ en aberm ferent zu Punkt 1 der Tagesordnung zu Wort: 5 urden„n Ich kann die Ausführungen von Hilferding und Webb unter⸗ einem Ed 1 schreiben. Ich möchte aber diese erste Gelegenheit, die mir nach dem 9 Könige en Kriege geboten wird, um vor einem internationalen Kongreß zu ö elle spsechen, zenutzen, um darzutegen, worin die Besonderheiten der ber 9 gis Partei bestehen. Mir selbst wird vorgeworfen, daß meine Unsere Unter chrift unter dem Versailler Vertrag steht. Diese brutale Tat⸗ aber nur 10 sache ist wahr. Wenn mich dabei etwas tröstet, so die Tatsache, daß stirzt jc ich nicht der einzige Sozialist bin, der ihn unterschrieben hat, sondern 7 10 len 17 daß auch der Name Hermann Müller darunter steht.(Modigliani: n khel, Das ist etwas ganz anderes!) Im übrigen ist meine Unterschesft riestet zee erfolgt im Einverständnis mit der gesamten belgischen Partei. Wit r, al⸗ 5 f mußten diese Unterschrift leisten: denn sie bedeutete für uns die „„egelt il, Befreiung unseres Landes von der fremden militärischen Besetzung geren N und die Festlegung unseres Anspruches auf Reparationen. Außerdem Arien, haben wir verschiedene Reserven bei diesem Vertrag gemacht. Mit nelle in Freude habe ich gelesen, daß Eduard Bernstein in der Glocke schrieb, drs deutsche Volk habe es zu bedauern, daß im Januar 1923 keine 1 1 Syzialisten mehr in der belgischen Regierung saßen. a 1.. 4% In der Tat haben wir belgischen Genossen von vornherein gegen en 21 0160 die Ruhrbesetzung protestiert.„ ines i(Bravo!) Wir taten das aus der Ueberzeugung, daß eine Welle de 992 0 Hasses en den Nationen durch diese gewaltsame Besetzung nur 1 anf, l immer größer werden könne. Das haben wir selbst in Hamburg 9 1 während des Kongresses am eigenen Leibe erlebt. Wir wurden aufe nab gefordert, ein Lokal zu verlassen, mit der Begründung:„So wenig Wangen Dürsen hier Belgier und Franzosen ein Lokal betreten, wie wer den e, Hue in einen Salon läßt!“(Lebh. Pfuirufe.) Wir haben das hebe gegen keinerlei Geste gemacht; denn wir haben nicht vergessen, daß wand solche Fälle leider auch vorkamen in Lille und Brüssel, als unser ee ce, Freund Hllferding zu uns kam, um für die Versöhnung der Völker zu reden. i empfunden, daß, wenn der Haß etwas Natio⸗ nales ist, een international ist.(Lebh. Zustimmung⸗ An der 0 . Reparationsfrage fehlt es noch heute an jedem System. Die Regierungen setzen sich zusammen aus Bankenchefs.(öHeiterkeit.) Aber die einen, die glauben, mit Gewalt alles regeln zu können, erweisen sich ebenso ohn⸗ mächtig wie die anderen, die als geriebene Geschäftsleute empfohlen wurden. Wir Belgier wissen am besten, wie ein Volk unter fremder Besatzung zu leiden hat. Wir haben deshalb gesagt: Solches darf sich niemals wiederholen(Bravo!) und haben deshalb gegen die Ruhrbesetzung protestiert. Gestern haben wir, als Blum und nach ihm Crispien sprach, hier unpergeßliche Augenblicke erlebt; dieses Erlebnis bemies uns, daß in uns allen eine gemeinsame Kampfes⸗ flamme lodert.(Bravo! 5 vor Jahrzehnten geknüpfte Band zwischen den internationalen Proletariern ist jetzt durch nichts mehr zu zerreißen. Der imperialistische Friede ist nichts als ein in sich erstarrter Kriegszustand. Ihm stellen wir unsere Macht gegenüber. Vor der Geschichte wird der Kapitalismus ewig verdammt sein, weil er in gewissen Zeiträumen die Völker in den Krieg führt. Der Sozialismus wird vor der Geschichte eines Tages als die einzige Macht dastehen, die imstande war, aus dem Frieden Wirklichkeit und Wahrheit zu machen. Ich schließe mich den Worten eines großen Franzosen an: Das Proletariat wird der Welt den Frieden diktieren. (Lebhafte? Beifall.) Auf Vorschlag des Bureaus wird der vorher gefaßte Beschluß, über die Resolution zu Punkt 2 en bloc abzustimmen, aufgehoben. Es wird getrennt über die Resolution abgestimmt und zwar nach Nationen. Die Resolution, die sich gegen die internationale Reaktion wendet, wird hierauf einstimmig angenommen, die Resolution über die russischen Verhältnisse nach einer von der Subkommission vorge⸗ schlagenen Aenderung mit 196 gegen 2 Stimmen bei 39 Stimment⸗ haltungen der englischen Delegation.(Wir werden die RKesolutjon noch veröffentlichen.) Die Resolution zu Punkt 1 wird einstimmig angenommen. Adler⸗Wien teilt mit, daß in die Geschüfts kommi ssion gemählt sind: Thomas, Henderson, Macdonald, Gosling(als Kassierer) und Allen, Wallhegd, Webb.— Außerdem hat die Exekutive ein Bureau aus neun Mitgliedern gewählt, und zwar sind in das Bureau entsandt. Bracke(Frankreich), Vandervelde(Belgien), Troelstra(Holland), Branting(Schweden), Bauer(Oesterreich), Abramowitsch(Rußland), Wels(Deutschland), Modigliani(Italien) und Henderson(England). Das Bureau soll in dringenden Fällen zusammentreten. Um auch kleineren Nationen Gelegenheit zu geben, ihre besonderen Auf⸗ gaben zu erfüllen, soll es der Geschäftskommiffion bezw. dem Bureau freistehen, andere Ländervertreter mit beratender Stimme hinzuzuziehen. Es sollen jedesmal zwei Vertreter anderer Länder, je nach den Gegenständen der Tagesordnung, mit beratender Stimme eingeladen werden. Dann wählte der Kondreß noch eine Kommission zur Prüfung der Konflikte zwischen den sozialdemokratischen Partesen in der Tschecho⸗Slowakei. Die Schlußworte. Wels(Deutschland): Damit sind wir am Schlusse des Kon⸗ gresses. Der Präsident des Kongresses, Genosse Henderson, ist leider erkrankt, und das Organisationslomitee hat mich beauftragt, an seiner Stelle die Schlußrede zu halten. Genosse Henderson ge⸗ hört zu denen, die unmittelbar nach dem Kriege die Internationale in Bern wieder zusammenberief und seitdem unausgesetzt daran ge⸗ arbeitet haben, das Werk zu errichten, das wir in diesen Tagen zu einem gewissen Abschluß gebracht haben. Wir alle sehen in Henderson den Führer des englischen Proletariats, der es zuwege brachte, daß die englische Arbeiterpartei in Abkehr von dem dort durch jahrhundertelange Uebung üblich gewordenen Zweiparteien⸗ system zur selbständigen Bildung einer Fraktion im Parlament übergegangen ist und damit in gewissem Sinne eine revolutionäre Tat in England vollbracht hat.(Bravo!) Ich danke ihm und allen, die für die Internationale gearbeitet haben. Daun scherlden wir auch den Hamburger Genossen für die mühevolle, aufopfernde Ar⸗ beit in dieser Woche Dank.(Bravo!) Vandervelde erwähate, daß es den belgischen und französischen Genosson nicht erspart geblieben ist, von chaupinistischen Elementen augepöbelt zu werden. Er selbst hat die richtige Antwort gefunden: Pöbel gibt es in allen Ländern. (Sehr wahr!) Es ist die Aufgabe der Sozialisten und aller ge⸗ sitteten Menschen, dasür zu sorgen, daß der Geist eines wahren Weltbürgertums allen Haß gegen Nationen und gegen Klassen aus der Welt verschwinden macht.(Bravo!) Wir haben in diesen Tagen eine Arbeit geleistet, die nicht allein in den Plenaxsitzungen ihren Ausdruck fand. In hartex Tages⸗ und Nachtarbeit sind die Kommissionen tätig gewesen. Ich hebe es als schönstes Sumbol des Einigungswillens, der alle Teilnehmer dieses Kongresses be⸗ seelt, hervor, daß sie den Opfermut und den Opferwillen aufge⸗ bracht haben, um sich einzufügen in die große internationale Fa⸗ milie des Sozialismus und so manchen Herzenswunsch bei dex Aus⸗ arbeitung der Resolutionen zurückzustellen. Schon Eingangs des Kongresses habe ich gesagt, daß noch Meinungsverschiedenheiten unter uns vorhanden sind. Aber sie sind dazu da, um überwunden zu werden. Ich habe die Ueberzeugung: Nach diesem Siege, den wir über uns selbst errungen haben, wird der Gedanke dex inter⸗ nationalen Einigung Erschsütterungen nicht mehr erleiden bei all denen, die in der Unterordnung eines Minderheitswillens unter dem Willen der Mehrheit die Garantie für den Aufbau der Zu⸗ kunft erblicken. Wir gehen von hier in den Kampf, um den inter⸗ nationalen Sieg zu erringen und das Gebäude des Sozialismus zu errichten, in dem Friede, Freiheit und Brot für alle sein werden. Im Sinne dieser Lösung bitte ich mit mir einzustimmen in den Ruf: Es lebe die Internationale, es lebe der völkerbefreiende So⸗ zialismus! Das Haus stimmt begeistert in das Hoch ein, und die Dele⸗ gierten erheben sich und singen gemeinsam die Internationale. Er⸗ neute Hochrufe auf den internationalen Sozialismus wurden über⸗ tönt von Kampfliedern einzelner Delegationen in ihrer Sprache. Die Deutschen scblossen die gewaltige Kundgebung ab mit dem Ge⸗ sang des Sozialistenmarsches und seinem verheißungsovllen Ruf: „Mit uns das Volk, mit uns der Sieg!“— Schluß der Tagung 3% Uhr. Gießen und Umgebung. Ungeheuere Steigerung des Brotpreises — um mehr als das Doppelte— tritt in den nächsten Tagen in Kraft. Für die arbeitende Bevölkerung für jeden gering Bemittellen bedeutet das eine neue schwere Last. Es wird zwar mitgeteilt, daß der Reichsarbeitsminister sich bewußt sei, daß eine so starke Verteuerung des wichtigsten Volks⸗ nahrungsmittels nicht zu Lasten der Arbeit⸗ nehmer gehen darf, daß die eintretende unmittel⸗ bare Belastung vielmehr bei den Lohnverhandlungen, die infolge der gesunkenen Kaufkraft der Löhne ohnehin überall notwendig werden, voll abgegolten wer⸗ den muß. Der Reichsarbeitsminister hat gleichzeitig mit dieser Veröffentlichung den Arbeitgeber⸗ und Arbeitnehmer⸗ verbänden seine Stellungnahme bekanntgegeben und die Schlichtungsbehörden ersucht, dieser Frage ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ebenso wird die Fürsorge für die Sozialrentner, Klein rentner, Kriegsbeschädigten, Krieger⸗ hinterbliebenen und Erwerbslosen der durch die Brotpreis⸗ erhöhung eintretenden Verteuerung der Lebensverhältnisse angepaßt werden. Der Reichsarbeitsminister hat auch die hierfür erforderlichen Maßnahmen bereits eingelertet. Sie sollen beschleunigt zum Abschluß gebracht werden, damit die Berechtigten baldigst in den Bezug der erhöhten Unter⸗ stützungen gelangen. Wie aber die Ausführung werden wird, muß man erst abwarten. — Internationales Meeting in Tarmstadt. Bei günfligem Wetter war am Sonntag diese dem inter⸗ nationalen Gedanken des Proletariats gewidmete Demonstration, wenn auch nicht in riesenhaftem Ausmaß, so doch unter starker Teilnahme aus vielen Orten Hessens ein sichtbares Zeichen unserer eigenen Kraft. 5 Durch Mustk und Chorgesänge eingeleitet, sprachen von drei Stellen zugleich die Redner. Wir erwähnen Reichstagsabg. Dr. David, dann vor allem den Vertreter Ungarns, Genosse Buchinger, der die Grüße des dortigen Proletariats über⸗ brachte und der die Verhällnssse in Ungarn schilderte seit der Reaktion von 1918. Es war der Anverstand, den das Volk dort dem Sozialismus entgegencrachte, der der ungarischen Reaktion zur Staatsgewalt verholfen hat. Bemerkenswert war noch seine Mitteilung, daß dort laut Gesetz jede freiheitliche Betätigumg im Auslande, z. B. die Teilnahme an der internationalen Tagung in Hamburg, mit schwerer Strafe bedroht wird. Trotzdem waren die ungarischen Genossen in Hamburg vertreten. Er rief den deutschen Eenossen ßieses Beispiel vor Augen. Der Vertreter Bulgarfens, Genosse Sackasoff, brachte Grüße der Bulgaren. Er verspcach, die Leiden der deutschen Arbeiterschaft in seinem Laude zu schüsdern. Seine Bewunderung galt der deutschen Or⸗ gamisation. Es syprachen noch Wirtschaftsminister a. D. Robert Schmidt, Gen. Dr. Quessel⸗Darmstadt, Frau Reichstags⸗ abgeordnete Tesch⸗ Frankfurt und Frau Ege Frankfurt. Die Reden galten mit der internationalen Tagung in Ham⸗ burg und der Erkenntnis, daß mit unwiderstehlicher Kraft das Proletariat am Werke seiner Befreiung Anteil nehmen muß. Mit einem Hoch auf die Internatsonale nahm die Demon⸗ stration ohne jeden Störung ihr Ende. Geschworene. Wie aus der kürzlich veröffentlichten Geschworenenliste für die bevorstehende zweite Sitzungsperiode hervorging, sind diesmal sechs Frauen mit ausgelost. Das ist zwar nur ein Fünftel von den 30 Geschwoxenen, es ist aber immer⸗ hin ein Anfang. Von den 30 werden zu jedem Verhand⸗ lungsfalle 12 ausgelost. Vom Staatsanwalt und vom Ver⸗ teidiger können je neun abgelehnt werden. Ein Grund für die Ablehnung braucht nicht angegeben zu werden. Von dem Schwurgericht, das kürzlich in Berlin tagte, berichtete ein Volksrichter dem Vorwärts, daß merkwürdigerweise die Frauen fast immer abgelehnt wurden. Im weiteren bemerkt der Erwähnte mit Recht, daß der Laienrichter, ob Frau oder Mann, ernstlich zu prüfen habe, was für eine strasbare Tat zur Verhandlung steht,— welche Ursachen, welche Verhäl⸗ nisse dem Verbrechen zugrunde lagen, kurz der Laienrichter muß das genügende Maß sozialen Verständnisses besitzen. Die Rechtsbelehrung des Vorsitzenden bezieht sich nur mehr auf die formell⸗rechtliche Seite des Falles. Er ist Volks richter— Richter des ungeschriebenen Rechts! Beim Schwurgericht hat der Laienrichter leider nur über „schuldig“ oder„unschuldig“ sein Urteil zu fällen, mildernde Umtände mit„ja“ oder„nein“ zu beurteilen. Das Straf⸗ maß setzt das Berufsrichterkollegium fest. Weil den Ge⸗ schworenen nur ein enger Rahmen zur Betätigung heute gegeben ist, müssen wir besonders darauf achten, wer von unserer Seite als Geschworener vorgeschlagen wird. Es ist leicht, einen Menschen zu Zuchthaus zu verurteilen, ihm die bürgerlichen Ehrenrechte abzusprechen und ihn aus der menschlichen Gesellschaft auszustoßen auf Grund einer Straftat, die vielleicht nur auf die elenden sozialen Verhält⸗ nisse zurückzuführen ist. Auf der andern Seite wird natür⸗ lich jeder pflichtbewußte Geschworene keinen Angeklagten der gerechten Strafe zu entziehen versuchen, der sie ver⸗ dient hat. — Kirschen werden— trotz der kühlen Witterung— jetzt schon angeboten, aber zu Preisen, die nur Leute bezahlen, die viel Geld übrig haben. In Frankfurt wurde die Kleinigkett von 4000 Mark für das Pfund gefordert, wonach die einzelne Kirsche vielleicht 10 bis 20 Mark kostet. Dabei sind diese Erstlingsfrüchte natürlich noch sehr wässerig und nichts wert. — Der Oberhessische Jahresversammlung im Stadthaus an der Bergstraße unter Lei⸗ tung des Hexrn Universitätsprofessors Dr. Rauch ab. Dem vor⸗ getragenen Geschäftsbericht für das Jahr 1922 entnehmen wir das Folgende: Die günstige Entwicklung, in welcher der Oberhessische Kunstverein seit mehreren Jahren sich befindet, nahm auch im Jahre 1922 einen erfreulichen Fortgang. Im Ja nu ar fand eine Ausstellung der Künstlerverxeinigung„Der Sturm“⸗Berlin statt, die Werke des„Expressionismus“,„Impressionismus“ und„Kubis⸗ mus“ zeigte. Im Februar ⸗März folgte eine mit anseitigem Interesse aufgenommene Ausstellung des Süddeutschen Illustra⸗ toren⸗Bundes Münchener Künstler, der sich im April eine Aus⸗ stellung der Karlsruher Künstlerschaft anschloß. Im Mai fand eine Sammelausstellung statt, darunter auch zwei größere Kollek⸗ tionen von Prof. Hans von Volkmann und Prof. Th. Esser⸗Karls⸗ ruhe. Im Juni sand eine Sonderausstellung von W. Barthel⸗ Gießen statt, die außer Oelgemälden auch Aquarelle und Zeichnungen zeigte. Eine ganz bedeutsame Ausstellung wurde mit der am 22. Juli eröffneten Otto⸗Übbelohde⸗Gedächtuis⸗Aus⸗ stellung veranstaltet, die über 100 Kunstwerke des Künstlers aufwies. Herr Prof. Dr. Rauch eröffnete diese Aus⸗ stellung mit einer Ansprache, in der er das Leben und Schaffen dieses allgufrüh vorstorbenen Künstlers schilderte, und an die sich eine Führung und Erklärung dr einzelnen ausgestellten Kunstwerke anschloß. Diese his zum 10. September dauernde Ausstellung hatte fortgesetzt einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen. Vom 24. September bis 8. Oktober wurde eine Ausstellung der Wies⸗ badener Gesellschaft sür Grabmalkunst gezeigt. Mit dieser Aus⸗ 25. 9 Nb 2 25 8 8 5 35 aggi's Fleischbrüh⸗ Würfel 2 ersparen Fleisch u. Fett. Nur mit lochendem Wasser übergossen, geben sie kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art. Nur echt mit dem Namen Maggi auf der rotgelben Packung D 7 5 5 298 Kunstverein hielt am Freitag seine derstorbenen l Fellung fard zugleich eine Kolle sto von Selgemälden des Seis cbafnabers E. Riemenschneider⸗Berlin Aufnahme. Eine be⸗ onderen Inleresse erweckten die ausgestellten Bilder dadurch, daß te Motive der Bilder aus der Umgebung von Gießez, wie Baden⸗ curg, Burg Gleiderg und Kloster Arnsburg, entnommen waren. Nm 2. Oktober stellte sich zum ersten Male die hessische Arbeits⸗ gemeinscheft für bildende Kunst mit einer Wanderausstellung in Gießen zor. die durch den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Herrn Wicgermetistier Mueller⸗Darmstadt, mit einer Ansprache er⸗ offnet wurde. Der am 20. November geschlossenen Wanderausstellung folgte vom 26. November bis 17. Dezember wieder eine Sammel⸗ ausstelluau, nobei in größeren Kollektionen die einheimischen Künstlei R. Bünings, H. Mueller und H. Steinbach mit Oelge⸗ mälden, Aquarellen, Zeichnungen und Plastiken vertreten waren. In 1922 waren insgesamt ausgestellt: 496 Oelgemälde, 172 Aquarelle, 46 Pastelle, 381 Radierungen⸗ 185 Holz⸗ und Linoleum⸗ schnitte, 122 Lithograhien, 107 Zeichnungen, 35 Plastiken, zu⸗ jammen also 1544 Kunstwerke. Verkauft wurden davon 249, Der Gefu der Ausstellung war auch im Berichtsjahre ein überaus zeger und gibt Zeugnis vond em lebhaften künstlerischen Interesse aller Kreise der Bevölkerung Der Abschluß der Rechnung für das Geschäfts jahr 1922 stellt sich folgendermaßen: Die Einnahmen, be⸗ tragen 13852769 Mk. die Ausgaben 69232.69 Mk., sodaß ein Kasse⸗ bestand von 69 295 Mk. verbleibt. Das Vermögen des Vereins hat sich von 12 058.60 Mk. im Jahre 1921 auf 54 295 Mk. im Jahre 1922 erhöht. Der Mitgliederbestand beträgt gegenwärtig 703. Beschlossen wurde für 1923 noch einen Nachtragsbeitrag von 200 Mk. zu erheben. Neueintretende Mitglieder haben 250 Mk. Gesamtjahresbeitrag zu zahlen. Schließlich wurden Wahlen zum Ausschuß erledigt. — Aus den amtlichen Personalnachrichten. In den Ruhestand versetzt wurden: am 14. Mai 1923: der ordentliche Professor in der hhilosophischen Fakultät an der Landesuniversität zu Gießen Dr. Karl Kalbfleisch zu Gießen auf sein Nachsuchen unter Anerken⸗ nung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1923 ab; am 19. Mai 1923: der Amtsobergehilfe Friedrich K eilig bei der Landesuniversität in Gießen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1923 an. — Ein Konzert zu Gunsten der Studentenhilfe findet am kom⸗ menden Samstag, 2. Juni in der Neuen Aula statt. Liedervorträge von Frau Elli Handloser Begleitung: Herr cand. phil. Roller. Klapiervorträge von E. Delp⸗Darmstadt.— Plätze zum Preise von 1000, 2000 und 3000 Mark bei E. Challier. f Kreis Friedberg⸗ Büdingen. 1— Ein Mnustergut. Vom Reformbund der Gutshöfe in Bad⸗Nau⸗ heim wird uns geschrieben: Etwa 80 Blürgermeister des Kreises Lau⸗ terbach unter Führung des Kreisdirektors und des Bürgermeisters Joft(Bermuthshain) besichtigten gestern die Staatsdomäne Konrads⸗ dorf(Kreis Büdingen). In mehrstündigem Rundgang konnte den Herren der Stand der Felder, der neuzeitliche Weidebetrieb und die sortschrittlichen Einrichtungen des Gutshofes gezeigt werden. Be⸗ sonderes Interese fanden eine von den Siemens⸗Schuckert⸗Werken gebaute dreißigpferdige Ackerfräse(diese neuartige Maschine macht den Boden besser saatfertig als die Pflugschar) und eine Mistvergärungs⸗ anlage. Diese ist die erste in Deutschland und dient der Verbesserung des Stallmistes, dessen Düngewert dadurch verdoppelt wird. Die Teilnehmer äußerten sich sehr befriedigt über diesen lehrreichen Besuch auf einem Musterhof. L Gedern. Wohnräume, an denen überall Mangel herrscht, sind in dem hiesigen Schloß vorhanden, das seit langer Zeit vollständig leer steht. Die Räume sind nicht zu groß und wären für Wohnun⸗ gen sehr geeignet. Es könnten hier sehr wohl Ausgewiesene unter⸗ gebracht werden.— Der Einsender dieser Mitteilung fragt an, wie⸗ viel Schlösser die Standesherrschaften in Hessen haben und wieviel leer stehen. Hierauf sind wir leider nicht in der Lage, Auskunft zu geben; eine Aufstellung der vorhandenen Schlösser etistiert unseres Wissens nicht, noch weniger können wir feststellen, wieviel Räume leer ichn. Darüber müßte man schon eine Erhebung veranstalten. Es wäre aber durchaus am Platze, wenn eine solche durchgeführt würde. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. t. Neder⸗Ohmen. Vor einiger Zeit wurde hier ein Bezirks⸗ fest des„Landfugendbundes“ abgehalten. Daß diese Organisation einen partespolitischen Charakter hat, trat dabei mehrfach zutage. sonders in der Festrede. die Dr. Roßberg aus Gießen hielt. en ihrem ersten Teil sprach der Redner zwar davon, daß der Landjugendbund als sein erstes Prinzip die Ueberbrückung der Klassengegensätze aufstelle: weiterhin kam aber der reaktionäre Pferdefuß darin zum Vorschein, daß die Wiedereinführung des ülttarismus als erstrebenswertes Ziel hingestellt wurde. Mam scheute sich nicht, derartige Ausführungen vor einem Publikum zu 0„das zu einem erheblichen Teile damit keineswegs einver⸗ standen ist. Bedauerlich ist natürlich, daß Arbeiter sich an diesem Feste beteiligten, die doch wahrhaftig andere Interessen zu ver⸗ kreten haben. Oder wollen sie dazu beitragen, daß ihnen wieder der Kommißstiefel in den Nacken gesetzt wird? Ein früherer Ar⸗ beiter, der sich jetzt aber Beamter nennt, soll sogar eine Rede ge⸗ halten haben, bie ganz gegen die Arbeiter gerichtet und zum Schluß in ein Loblied auf die Landwirte ausklang. Natürlich darf man solche Leute nicht ernst nehmen, die schwanken hin und her mit ihren Ansichten und Meinungen, besonders in vorgerückter Stunde, wo nicht allein die Meinung. sondern auch die Gestalt schon etwus schwankt. Unsere Arbeiterschaft darf aber darauf aufmerksam ge⸗ macht werden, daß pier die Landwirte mit allen möglichen Druck⸗ mitteln arbeiten. So wird versucht, die Leute, auf die sie Ein⸗ fluß haben, vom Besuch der Arbeiterwirtschaft abzuhalten und in bzeser Beziehung üben besonders die Bauersfrauen eine lebhafte Agitation aus. Das sollten sich die Arbeiter merken und auch die Art, wie auf diesem Feste von den Anhängern unserer Bewegung mit schimpflichen und beleidigenden Redensarten gesprochen wurde. Darum soll die Arbeiterschaft wissen, wohin sie gehört! Vom Bauernbund werden ihre Interessen sicher nicht vertreten! Kreis Wetzlar. n. Die Buderuswerke A.⸗G. hielten vorige Woche ihre ordent⸗ liche Hauptversammlung ab. Es wurde beschlossen, eine Dividende von 100 Prozent auf die Stammaktien und 5 Prozent auf die Vorzugsaktien zur Verteilung zu bringen.— Vom Generaldirektor Dr. Groebler wurde berichtet, daß der Geschäftsgang sich jetzt wieder gehoben habe, nachdem er einige Monate flau gewesen sei. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 27. Mai. Die Frankfurter Pferde⸗ lotterie. Die beliebte Frankfurter Pferdelotterie wird dieses Jahr am 13. Juni ausgespielt. Der erste Treffer stellt einen Wert von 1% Millionen Mark dar. Frankfurt a. M., 27. Mai. Der Frankfurter Arbeits⸗ markt. Die Zahl der Arbeitsuchenden hat sich in der Berichtswoche abermals etwas vermindert und zwar um 203 gegen die Vorwoche, dagegen ist das Angebot n offenen Stellen um 141 zurückgeblieben. Insgesamt waren 7338 Arbeitsgesuche gemeldet. 4674 Personen be⸗ fanden sich in Erwerbslosenunterstützung, und zwar 4125 männliche und 549 weibliche Personen. Frankfurt a. M., 27. Mai. Der Kampf gegen den Wucher. Obgleich die Wucherpolizei in dieser verflossenen Woche bereits zweimal in der Markthalle und auf den offenen Märkten in schärfster Weise gegen wucherische Standinhaber vorgegangen ist, so ist von einer Besserung der Marktverhältnisse doch noch nichts zu spitren. Im Gegenteil! Die Händler lehnen sich offen gegen die Polizei auf, drohen mit Gegenmaßregeln und treiben indessen die Preise für alle Gemüsearten lustig weiter in lichte Höhen. Nunmehr will die Polizei die Händler, die sich nicht fügen wollen, durch Handels⸗ verbote von den Märkten ausschließen. Inzwischen hat auch das Ministerium des Inneren verschärfte Maßnahmen gegen die wuche⸗ Cische Ausbeutung des Volkes angekündigt. Die rope Gocke Weir d, brüder Ulrich in Apolda goß Samebsg„Die bei, der 8½ Minuten dauerte. Die Glocke hat ein Gewicht von zirka 500 Zentnern mit einem untern Durchmesser von 3,22 Metern und einer Höhe von 3,50 Metern. Als Widmungsspruch trägt sie: e e 0 vom Junt 1922 bis zum März 1923. In 25 Sli Ruf ich zur Einigkeit. Dampfmühle(bei Berlin) vorgekommen. Sie sollen sich nach teiligt zu sein. Vor einiger Zeit fanden bei der Reichsbahn die Betriebsräte⸗ wahlen statt. In 18 Reichsbahn⸗Direktionsbezirken wurden die Bezirksbetriebsräte neu gewählt, während in den anderen— zu⸗ meist besetzten— Direktionsbezirken nur örtliche Wahlen von untergeordneter Bedeutung stattfanden. Aus 17 Direktionsbe⸗ girken— Regensburg hat noch nicht berichtet— liegen nunmehr oͤie Ergebnisse der Bezirkshetriebsrätewahlen von. Es erhielten band 15 946 Stimmen. Die sogenannte Opposition, bestehend aus schlossenen Kommunisten bestehenden Reichsgewerkschaft der Eisen⸗ bahnhandwerker und Anwärter, erhielt insgesamt 32 864 Stim⸗ Christen einen leichten Rückgang zu verzeichnen haben. Die Oppo⸗ 1. a) Bericht des Agitati sitton konnte nur in Berlin und Oppeln die Mehrheit erringen und außerdem in Sachsen und Altona kleine Erfolge buchen. 1 0 Die Verhandlungen über die Beamtenbesoldungen. 2. 1 1 Ueber den Verlauf der letzten Besoldungsverhandlungen er⸗ fahren wir noch folgendes: 5 3. Bera ei angener Anträge. Das in dreitägiger Verhandlung zwischen der Reichsregierung 4. Mall be e glgitations⸗Bezirksvorf und den Spitzenorganisationen der Arbeiter, Angestellten und Be⸗ kommission. amten erzielte Ergebnis hat die Zustimmung der Gewerkschaften Die Ortsvereine werden ersucht, zu vorstehende nicht gefunden. Der Sprecher der Verhandlungskommission erklärte Stellung zu nehmen und Delegierte zu bestimmen. am Schlusse der Beratungen, daß auch die neuen von der Regierung Die Mitgliedschaften können nach 8 9 des jetzt bewilligten Bezüge in den unteren Gruppen das Existenz' glieder 2, und auf je weitere 50 Mitglieder einen Ales minimum nicht erreichen, daß außerdem die ungerechte Behandlung entsenden. bei der Gewährung örtlicher Sonderzuschläge durch die neuen Zu⸗ Anträge sind bis spätestens zum 4. Juni lagen nicht korrigiert werde und deshalb die Organisationen ihre sekretariat Gießen, Hammstraße 10 einzusenden. Zustimmung zu dem Verhandlungsergebnis versagen müßten. Daß Mandatsformulare gehen den Ortsvereinen zu, di sich die Verhandlungs⸗Kommisston mit ihrem ablehnenden Stand⸗ Konferenz mitzubringen und dienen als Ausweis fiir spie Del punkt in Uebereimstimmung mit den Mitgliedern im Lande befindet, Es ist unbedingt i ller Ortsvereine, beweisen die bis jetzt vorliegenden Meldungen über die Aufnahme Lerteeter ee 1 7 der Lohn⸗ und Gehaltszulagen in den Kreisen der Arbeiter, Ange⸗ stellten und Beamten. der Arbeiterlöhne, sodaß die Auszahlung der Differenzbeträge noch vor dem Pfingstfest erfolgen kann. Die Tatsache, daß nach zwei⸗ NB. Den Ortsvereinen hiermit zur ozeichen eingetroffen sind und durch das Seite werden konnten, während über die Beamtenbezüge noch beraten werden köimen. ö b 5 5. Agitationsbezirk Friedberg⸗Büdingen⸗ 1 5 a menüs e borker Reis en den ersten beiden Sonntag, den 10. Juni, vormittags 10 Uhr fin Verhandlungstagen von den Vertretern der Spitzenorganisationen im Saal von Gastwirt Weitzel unsere ausgeführt wurde, mußte am nächsten Tage bei der Beratung über konferenz statt mit folgender vorläufiger Tagesordnung: tägiger gründlicher Verhandlung über die Erhöhung der Arbeiter⸗ Partei- Ab löhne die Vorarbeiten zur Auszahlung der neuem Bezüge getroffen 1 wurde, beweist am besten, wie nachteilig auch in dieser Beziehung die getrennten Besoldungsverhandlungen für die Beamten sind. die Beamtegehälter noch einmal wiederholt werden. Aber nicht nur das. Die Regierung wollte diesmal, wie schon bei früheren Gelegen⸗ heiten, die Teuerungsaktion für Mat absolut mit 4. 98. 40 der Geschäftsbericht 1921722. Referent: Genosse Witt neuen Grundgehälter, die voraussichtlich erst ab 1. Jult in Wirk⸗ 85 1 1 07 samkeit treten, verknüpfen. Die Gründe sind sehr naheliegend. Die e„Referent: Genosse Kroner⸗ l Beamten brauchen genau so wie die Arbeiter dringend Geld, und i e e e f wenn die Regierung die Möglichkeit hat, die von ihr vorgelegte Wahl des Agitationsbezirksvorsta dieser Lalor Vorlage zu den neuen Grundgehältern und unter dem Zwange der Wir ersuchen die Mitgliedschaften zu dieser Tages Not zu verabschieden, so fällt es ihr leichter, recht hohe Spannungen lung zu nehmen und Anträge bis zum 1. Juni an zwischen den einzelnen Besoldungsgruppen durchzudrücken, als bei einzusenden. einer gründlichen Beratung, wie sie von den Gewerkschaften ge⸗ Mitgliedschaften bis 50 Mitglieder wählen zwe wünscht wird. Aus diesem Grunde hat die Verhandlungskommission 50 Mitglieder ein weiterer Delegierter.. es abgelehnt, die Teuerungsaktion für Mal mit der Beratung der Pflicht aller Orts vereine ist es, zu dieser wie Grundgehälter zu verknüpfen und sich vorbehalten, zu der Vorlage Vertreter zu entsenden. der Regierung erst innerhalb der Organisationen Stellung zu neh⸗ men. Die Regierung hat dann auch dem Verlangen der Gewerk⸗ Jose schaften Rechnung getragen und zunächst in Anlehnung an die den Diebe= Tesruagsarlionen her ausgesielst, aß bie . Deutsche Gocke in den Ländern und Gemoir den, sehr verspätet am Rhein“. Nachdem der Aufbau vollendet war, wurden au besteht die Gefahr, daß das Afingstfest vort Freitag nachmittag die beiden, je 350 Zentner enthaltenden amte erst sehr spät in den Genuß der 8 ösen angezündet. Eine ganze Nacht und einen ganzen muß unter allen Umständen verlangt werden, da Tag brannten zwei Feuer, um die Bronzemenge gußsertig zu ministe rium sofort die Zahlungsanweisung erläßt, machen. Am Samstag um 9 Uhr konnte der Guß dieser größten die Differenzbeträge in voller Höhe, oder sofern Glocke Westeuropas endlich vollzogen werden. Deutsche und aus⸗ nischen Gründen nicht durchflühren läßt, zu einem ländische Glockengioßermeister wohnten diesem bedeutsamen Gusse noch vor Pfingsten gezahlt werden. i Zehn Monate„Lohnentwicklung“ . i sangreiche Erhebungen über die tariflich f et Schute ag alf Van, Jahre 1923. Juteressant ist die Entwicklung der Lin Durchschnittsstundenlohn für die e Si Riesige Unterschlagungen sind bet der Rathenower Big 301 85 d. gener 555 A Februar 16 2 7 0 571 0 März 1434 Mk. Die Steigerung betrug im Mär dem bisherigen Feststellungen auf weit über zehn Milliarden f ozent. Sie ift uch belaufen! Direktor und Vorstandemitglieder scheinen daßel be⸗ ig Angle für der uren cresdten Wa senprehe 9 g dem zu könmen. Set Juni 1922 ist die Teuerung 5 4 5 5 6gfache, die Lohnhöhe aber nur um das 60 fache g. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. ae, e Die Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn. den Stand am Ende des Monats arteinachrichte An die Ortsvereine im 6. Agitationsb Werte Parteigenossen! der Deutsche Eisenbahner⸗LVerband 170 256, der Allgemeine Eisen⸗ Der Vorstand der Vereinigten Sozialdem. Pa bahner⸗Verband(Hirsch⸗Duncker) 19 762 und der christliche Ver⸗ unsere diesjährige 5 2 15 19 59 ordentliche Agitations⸗Bezirkskon Kommunisten und der zumeist aus den aus dem D. E. V. ausge⸗ für die Kreise Gießen⸗Alsfeld⸗Lauterbach auf Sonntag, den 10. Juni, vormittags 9 lin men. Gegenüber dem Vorjahr konnte der Deutsche Eisenbahner⸗ nach Gießen(Gewerkschaftshaus) mit Verband seinen Besitzstand wahren, während die Hirsche und Tagesordnung ein: ons⸗Bezirks⸗Vorstanden iftsbericht. Referent: ßkommission. ie im hessischen Landtage. Mee Genossen Abg. Kiel und Mann. nosse Moosdorf. b) Jahres⸗ Mit Parteigruß! 5 b N 5 0 nigten Sozialdem. Partei des Das Reichsbesoldungsblatt Nr. 25 enthält bereits die vom Der Vorstand der Vereinigtes Reichsfinanzministerium aufgestellten Richtlinien zur Neuregelung Kurt Moosdorf. Alfred Kiel. J. A; Allgemeine politische Lage. Referent: Gen. Mit Parteigruß! J. A.: Bruno Wittig, Sekretär Arbeitern gewährte Aufbesserung der gesamten Bezüge um 48,1 5 5 Beamten i e Zögern 48,2 Prozent bewilligt. B eim Vergleich der beiden Prozentsätze muß allerdings berücksichtigt Das teure Rindfleisch, das man bisher zur Bouillon werden, daß nach wie vor die ungerechte Wirkung der örtlichen kochte, verwende 1951 1 0 15 0 Braten oder ais Soß Sonderzuschläge bestehen bleibt. denn gute Fleischbrühe kann man heute ohne Fla Nachdem die Regierung alle weitergehenden Forderungen der und billiger— aus Magai's Fleischbrühwürfe 4 5 1 ind mit bestem Fleischertr rgestellt, enthalte Monat Mai als beendigt angesehen werden. Die Regierung hat er⸗ Gn e geb klärt, über die gewährten Prozentsätze des Deuerungszuschlages, gießen mit kochendem Wasser— augenbl Uchbrühe zu Trink⸗ oder Kochzwecken. Beamtenvertreter abgelehnt hat, muß die Teuerungsaktion für den und zwar von 1220 für die erste und 1700 Prozent für die zweite fertige Fle Hälfte des Monats Mai, nicht hinausgehen zu können. Die Gewerk⸗ lohnt sich. Geschäftliches. schaften haben betont, daß sie sich damit nicht zufrieden geben könnten. Bei dieser Sachlage dürften der Ueberwachungsausschuß des Reichs⸗ Dollarstand Montag Mittag 12 Uhr: 62 000 S e S tages und der Reichsrat den Vorschlägen der Regierung ihre Zu⸗ r illocmokratische Partei Ortsverein Gießen Mitglieder⸗Versammlung Tagesordnung: 5 „Die bevorstehende Agitations⸗Bezirkskonferenz in Gießen. „Wahl der Delegierten hierzu. „Kassenbericht vom 1. Quartal 1923. 337 „Verschiedenes. Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet Der Vorstand. Herrliche Blumen! Das Dr. Olve⸗Heilverfahren gegen Jtre Bft* 1 55 Lungenleiden, Heuschuupfen, Keuch⸗ Buflebs Pflanz.⸗Nahrung busten, alte schw. Bronchialkatharrbe Großartiger Erfolg! Wo— Ausgeseichnete Erfolge Slattläuse? Hilft sofort Durch zahlreiche Aerzte begutachtet. Aphidin. Auch radikal geg. 1 0 f een. 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