Nebaktlon: Gießen Bahunhofstraße 23 Ittusprecher 2008. esessit Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Erpedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Fernsprecher 2008 ie Oberh. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 5 Falle Fele 99 55 185 d 78905. 0 und 1 wirtschaftliche Beilage, be. monatli.— Mek, einschl. Bringerlog Bus 0 Post bezog. 3000.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 1 ME 1 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal— 200.— Mk, Ben größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ t., auswärts 80.— Mk., die Retlamemillimeterzeile der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 74 Gießen, Donnersstag, den 29. März 1923 13. Jahrgang * fi 5 242 Zur gegenwärtigen Lohnpolitik. Der Leipziger Volkszeitung wird geschrieben: ö Die Lohnpolitik für die Arbeiter, Angestellten und Beamten ist im Laufe der letzten Jahre ziemlich starken Wandlungen unterworfen gewesen, je nachdem die Situation 1 andere taktische Einstellungen verlangte. In der Zeit raschester Geldentwertung mußte nach Mitteln gesucht wer⸗ E den, um die Arbeiterschaft existenzfähig zu erhalten. Wir wissen, daß es bei weitem nicht gelungen ist, eine wirkliche f Anpassung an die Geldentwertung zu erzielen, so daß eine Dang wenn immer größere Verelendung der Arbeitnehmerschaft die Folge war. Wie sich die Verhältnisse gestaltet haben, geht aus nachstehendem, der Zeitschrift Wirtschaft und Statistik entnommenen Material hervor: Bei einer Teuerung, die im Oktober 1922 für die Lebenshaltung mit Bekleidung das . 17 220, fache, für Januar 1923 das 1120 fache der Vorkriegszeit . hetrug, verdienten. f 3 Oktober 1922 Januar 1923 adt 8 1 gelernte Bauarbeiter 145 5 602 ren ungelernte Bauarbeiter 177 733 gelernte Metallarbeiter. 126 652 ungelernte Metallarbeiten... 179 913 lllstr. Buchdrucker. 126—15% 06 738 N Reichsbeamte, Grupoe IIlIls. 111—150 516-702 f Reichsbeamte, Gruppe VIII 82—99 380— 463 leilere! Reichsbeamte, Gruppe X 70-80 3822373 — mal soviel als in der Vorkriegszeit. Im Monat Februar nner bhat sich dieser Zustand noch wesentlich verschlimmert, denn e 5 ses ist in diesem Monat eine Steigerung der Reichsinder⸗ Arber ziffer um 186 Prozent zu verzeichnen, während die Lohn⸗ weg 50 erhöhungen kaum 100 Prozent betrugen. 1 2 Nachdem nun der Markwert etwas stabiler geblieben ist eren und da auch die Preisentwicklung nicht mehr diese scharf G gansteigende Kurve aufweist, sollen vor allem die Lohn: n[bewegungen eingedämmt werden. Zunächst ist natürlich die nolstr. Sicherheit, daß es mit der deutschen Mark in Kürze nicht ke wieder abwärts geht, absolut nicht gegeben. Eine wirkliche arlinen: Stabilisierung der Mark kann von den Gewerkschaften, die 15 0[bekanntlich sehr entschieden für eine solche eingetreten sind, * keineswegs als gegeben anerkannt werden, denn es 0 05 150 die notwendigen volkswirtschaftlichen Voraussetzungen 1 U. 1 l Aber, gesetzt den Fall, die deutsche Mark bliebe im Ver⸗ [hältnis zu den Zahlungsmitteln des Auslandes stabil, wer AIgarantiert dafür, daß nicht die Monopolstellung der deut⸗ ischen Unternehmerschaft weitere Preiserhöhungen nach sich ißzieht. Gewiß wird dem durch den Weltmarktpreis eine Grenze gezogen, doch besteht die Möglichkeit, daß durch Zoll⸗ schranken die Interessen des deutschen Unternehmertums [weiter in den Vordergrund geschoben werden. Die steigenden 2 1 42 Lage 5 Kohlenpreise und die noch immer bestehende Spannung 3 zwischen Groß- und Kleinhandelspreisen lassen auch jetzt a noch Preiserhöhungen als durchaus möglich erscheinen. 10.(Schleppend und durchaus ungenügend sind die Lohnsteige⸗ 4 U rungen den Preissteigerungen gefolgt. Soll nicht eine un⸗ er günftige Preisbeeinflussung in Zeiten des Stillstandes er⸗ All folgen, so werden natürlich die Lohnsteigerungen einmal ein IStwäre Ende haben müssen. Nach dem oben zahlenmäßig Nach⸗ — gewiesenen kann aber dieser Zeitpunkt jetzt schon unmög⸗ iich als gegeben bezeichnet werden, wenn nicht die Kauf⸗ als kraft der breiten Masse im eigenen Lande dauernd unter⸗ bunden werden soll. Es wird deshalb notwendig sein, daß theke eine Erhöhung des Lohn- und Gehaltsanteiles auch bei Weine gleichbleibenden Preisen vorgenommen wird. Die . 18 letzte Zeit hat die entgegengesetzte Erscheinung gezeigt. So 50 bellt 0 betrug der Anteil an Löhnen und Gehältern bei der Kohle Leer im Tebruar 1922 49.31 Prozent 25 ö g im November 1922 28,77 Prozent n e des Verkaufspreises. Beim Zechenpreis der Kohle(ohne vors] Steuern, Abgaben und andere Unkosten) war der Satz e im Februar 1922 63,9 Prozent (liess„ im November 1922 43,03 Proient — In der gleichen Zeit ist der Anteil der Steuern und Ab⸗ 5 gaben von 22.69 auf 33,13 Prozent und der der sonstigen str.) Selbstkosten, Abschreibung und Gewinne von 28 auf bela, 38,1 Prozent gestiegen. Aehnlich liegen die Dinge auf allen 4 anderen Mirtschaftsgebieten. Wir sehen, daß der Reallohn wem gesunken ift. daß mit ihm aber auch der relative Arbeits. 1 lohn, der das Verhältnis von Lohn- und Profitrate darstellt, — eine Senkung erfahren hat. . K Es steht fest, daß viele deutsche Produkte den Weltmarkt⸗ preis überschritten haben. Das ist in einer Zeit erfolgt, in der der Arbeitslohn in Deutschland auch gemessen an dem des Auslandes, zurückgegangen ist. Hier sei auf die Zahlen hingewiesen, die Paul Hertz und Richard Seidel in ihrer Schrift„Arbeitszeit, Arbeitslohn und Arbeitsleistung“ wiedergeben. Während in Deutschland der Reallohn fiel, ist in England eine Steigerung desselben zu verzeichnen. Das . 5 — 2 n — Sitzung vom Dienstag den Bericht des Ministers des Innern über das seinem Vorgehen gegen die Deutsch⸗ völkische Freiheitspartei zugrunde liegende Tatsachen⸗ material entgegen. angesichts Das preußische Staatsministerium nahm in seiner Das Ministeriumg erkannte des vorliegenden Materials und in Nubetracht der innen⸗ und außenpolitischen Situation die Maßnahmen des Innen⸗ ministers als notwendig und berechtigt an und gelangte in einmütiger Stellungnahme zu einer völligen Billigung seiner Politik. Diese einmütige Stellungnahme des preußischen Gesamt⸗ kabinetts, die in Gegenwart der Herren Boelitz und v. Richter er⸗ folgte, ist u. E. von großer politischer Tragweite. Seitdem Severing die Auflösung der Deutschvölkischen Freiheitspartei und die Be⸗ schlagnahme ihrer Kassetten zugunsten des Reiches verfügte, ist er fortgesetzt das Objekt sinnloser Angriffe nicht nur, wie man an⸗ mehmen sollte, von deutschvölkischer oder deutschnationaler Seite, sondern auch von einem großen Teil der deutschvolksparteilichen Gegen die Hochverräter. Presse gewesen Selbst die als direkt offiziell geltende volkspartei⸗ liche Zeit und ebenso der offizielle Pressedienst des Herrn Strese⸗ mann brachten nicht die Disziplin auf, die notwendigen Entschei⸗ dungen über die Maßnahmen des preußischen Innenministers ab⸗ zuwarten, bevor sie offen in das Lager der Hochperräter über⸗ siedelten Jetzt hat das preußische Gesamtkabinett gesprochen! Es hat sich ohne Vorbehalt für die Maßnahmen des preußischen Innenministers erklärt. Insofern muß jetzt von der offiziellen Parteileitung der Volkspartei, deren Organe von den eigenen Ministern desavouiert wurden, Klarheit darüber verlangt werden, ob die Volkspartei wirklich die Partei der Staatsbejahung ist, um das schöne Wort des gegenwärtigen preußischen Kultusministers, Herrn Beelitz, zu gebrauchen, oder ob sie es trotz der Stellung⸗ nahme ihrer Minister vorzieht, weiterhin den Staatsgedanken so durch die offiziellen Organe sabotieren zu lassen, wie es in den letzten Tagen geschah. Es ist ein Unding, Regierungspartei zu sein, gleichzeitg aber die Maßnahmen dieser Regierung und der eigenen Minister sortgesetzt zu bekämpfen und als„parteimäßig“ oder dergl. in der Oeffentlichkeit hinzustellen. Verhältnis zwischen Preisen und Löhnen stellt sich in En 92 land folgendermaßen: Kleinhandelspreise Jahr und Monat Judexzahlen der Lebenshallungs⸗ Lebens⸗ ohnsätze kosten mittel Januar 1919 206 220 230 Juli 1922 196 181 175 In Schweden haben sich Lebenshaltungskosten und Lohnhöhe 1913 und 1921 wie folgt gestellt: Lebens haltungs⸗ Lohninder Jahr index Tagelohn Jahreslohn ie 100 100 100 . 241 30⁵ 271 Aehnlich gestalten sich die Verhältnisse in anderen Staaten. Wir sehen also, daß dort im Gegensatz zu Deutsch⸗ land der Reallohn gestiegen ist. Und vergleichend wirkt eine Tabelle sehr anschaulich, die der Direktor des statistischen Bureaus im englischen Arbeitsministerium, John Hilton, über die Arbeitsstundenzahl aufgestellt hat, die zur Be⸗ schaffung einer gleichen Menge Lebensmittel von ver⸗ schiedenen Arbeiterkategorien in England, Deutschland, Frankreich, Belgien und den Vereinigten Staaten aufge⸗ wendet werden müssen. Auch diese Tabelle entstammt der obengenannten Schrift. Groß⸗ Deutsch⸗ Frank⸗ Belgien Verein. Beschästigung britannien land reich Staaten 5 Stunden Stunden Stunden Stunden Stunden Mare?! 3 770. 5 6 6 1 Zimmerleute.. 3 7 5 6 10 Monteure. 31½¼. 6 65% 2 Schriftsezenr 3 75 5 6 170. Ungelernte Arbeiter 4½ 710 10 85/ 5% Durchschnitt 3¼ 708 60 68,4 2⁰7 Dazukommt noch, daß die direkte steuerliche Belastung des deutschen Arbeiters eine wesentlich höhere ist, als die in den anderen Staaten. Wie im allgemeinen Geschäftsleben, ebenso spielt für die Entlohnung in der kapitalistischen Wirtschaftsweise der Wiederbeschaffungspreis eine wesentliche Rolle. Vor dem Kriege hielten auch die Unternehmer vielfach für selbstverständlich, daß der Arbeiter soviel an Lohn⸗ oder Ge⸗ halt beziehen mußte, daß er seine Arbeitskraft erhalten konnte. Die Kriegspolitik hat bei vielen Unternehmern die Hoffnung geweckt, daß es auch anders geht. In der Zeit der raschen Geldentwertung haben zwar die Gewerkschaften versucht, als Grundlage für die Lohn⸗ gestaltung den Wiederbeschaffungspreis für die Arbeitskraft zu benutzen, Unternehmertum und Schiedsstellen haben aber nichts von einer gleichen Einstellung verspüren lassen, ob⸗ wohl bei den Kalkulationsmethoden der Unternehmer viel⸗ fach mit Sätzen für den Arbeitslohn gerechnet wurde, die gleichfalls von den Wiederbeschaffungskosten ausgingen. Der Warenverkaufspreis richtete sich nach der Wiederbeschaffung, für die Arbeitskraft aber wurde bei der Lohngestaltung ein anderer Maßstab zugrunde gelegt. Wäre beispielsweise bei den Angestellten- die Festsetzung des Gehaltes in der Weise erfolgt, daß das Vormonatsgehalt plus einem Prozentsatz für den allmählichen Ausgleich zur Vorkriegsentlohnung, plus Steigerung der Inderziffer im Arbeitsmonat, plus mutmaßliche Steigerung in der ersten Zeit des Verbrauchs- monats festgesetzt worden wäre, so hätte die Entlohnung nicht auf den tatsächlich erreichten Tiefstand kommen können. An⸗ haltspunkte für die mutmaßliche Steigerung waren genügend geboten in der Valutaentwicklung der Gegenüberstellung von Groß- und Kleinhandelspreisen. der Veröffentlichung ört— licher Inderziffern. Nur ein Teil der Unternehmer und Schiedsstellen, vor allem in Westdeutschland, haben sich auf eine solche Berechnungsmethode gestützt, während in anderen Kreisen, vor allem in Mitteldeutschland, darunter Sachsen, die Ablehnung erfolgte. Man ist dort vielmehr dazu über⸗ gegangen, die Produktion nach den Gesichtspunkten des Profits möglichst einzuschränken. Den sich dann ergebenden Produktionsindex haben die Unternehmer benutzt, um dar⸗ zulegen, daß sie nicht in der Lage seien, höhere Ausgaben für Löhne und Gehälter zu machen, denn die Produktion sei zurückgegangen. So ist auch der Versuch gemacht worden, darzulegen, daß eine Erhöhung der Löhne und Gehälter einen Rückgang der Produktion zur Folge habe. Es ist ganz interessant, daß auch hier in anderen Staaten andere Wahr⸗ nehmungen gemacht worden sind. Wir lesen darüber in der Weltwirtschaftlichen Korrespondenz: Daß eine Steigerung der Löhne nicht eine Verminderung der volkswirtschaftlichen Produktion zur Folge zu haben braucht, zeigt eine neue Produktionsstatistik des Staates Victoria(Australsen). Vom Jahrgang 1919/20 bis 1921/2 stiegen die Durchschnittslöhne ses handelt sich hauptsächlich um das Textil⸗ und Bekleidungsge⸗ werbe) von 135% auf 172 Pfund Sterling, also um 28 Prozent. Der Ertrag ist aber mit nichten gesunken: der jährsiche Rohertrag ist von 101,5 auf 106,2 Millionen Pfund Sterling, der Reinertrag von 16,5 auf 19,5 Millionen gestiegen. Die australische Textilindustrie ist im Wachsen begriffen; die Zahl der Betriebe ist in zwei Jahren von 6000 auf 6800, die Zahl der Arbeiter von 137 000 auf 145 000 gestiegen. Neue Kapitalien werden angelegt(der Wert der Anlagen, ist von 31 auf 41 Millionen gestiegen und erst vor kurzem sind die englischen Maschinenexporteure von der Nachricht überrascht worden, daß in Australien zum ersten Male eine Fabrik zur eigenen Her⸗ stellung von Web- und Spinnmaschinen errichtet werde. Die Er⸗ höhung der Löhne hat sich also nicht als Hemmung, sondern viel eher als Ansporn zur Verbesserung und Erweiterung der Produktion erwiesen.“ Es wird der deutschen Arbeitnehmerschaft nicht ein⸗ leuchten, weshalb bei ihr, die doch in ihrer geistigen Ent⸗ wicklung der australischen Arbeitnehmerschaft nicht nachsteht, Lohnerhöhungen eine umgekehrte Folge zeitigen sollen. wie bei letzterer. Die deutschen Unternehmer benutzen die Scheinstabili⸗ sierung, um zu verhindern das die Arbeiterschaft auf un⸗ gefahr den Reallohn gebracht wird, den sie vor dem Kriege bezog. Und doch wird von der Höhe des Reallohnes bei einer tatsächlichen Stabilisierung der Beschäftigungsgrad abhängig sein, denn er wird abhängig von dem Bedarf des Inlandmarktes und dieser wird bestimmt von der Kaufkraft der breiten Masse. Nun hat aber gerade die Lohngestaltung im Februar den Reatlohn weiter bedeutend verschlechtert. Das ist sogar unter der Einwirkung von Schiedsstellen geschehen. i Jetzt wird die Stellungnahme der Reichsregierung zur Entlohnung der Arbester, Angestellten und Beamten des Reiches, der Länder und Gemeinden benutzt, um die all⸗ mähliche Anpassung des Reallohnes an den der Vorkriegs⸗ zeit zu verhindern. Die Markstabilisierung sei in Gefahr, wenn die Arbeiterentlohnung weitere Erhöhungen erfahren würde. Die Arbeitnehmerschaft muß sich solidarisch gegen ein derartiges Verhalten der Unternehmer und der Re- gierung wenden, denn die Voraussetzung für die Stabili- sierung der Mark liegt, wie wir dargelegt haben, auf ganz anderem Gebiete. Nicht die Beibehaltung des ungünstigen Reallohnes. sondeen der technische Fortschritt, das Herab- setzen der Profitrate und mit ihnen die Senkung der Preise, muß die Aufgabe der nächsten Zukunft sein. Aus dem Ruhrgebiet. Verhaftungen und Belagerungszustand. In Dortmund haben die Franzosen Dienstag vormittag unter dem Aufgebot starker militärischer Kräfte eine Reihe von Gebäuden, darunter die Stadtverwaltung, satzungsamt, das Hochbauamt, die Zollstation, das Postamt und den Bahnhof Süd besetzt. Ferner nahmen sie eine Reihe von Durchsuchungen und 5 Verhaftungen führender eute der Deutschvölkischen Padtei vor, u. à. den Rechts⸗ nwalt Dr. Kirchberg, Zahnarzt Dierska und den Diplom⸗ ngenieur Reist, in deren Wohnungen sie politisches Material beschlagnahmten. Gogen 1 Uhr mittags wurden die Ge⸗ bäude wieder freigegeben und die Truppen zurückgezogen. In Bochum verhafteten die Franzosen am Dienstag etwa 10 Zivilpersonen, weil sie beim Passieren der das Stadt⸗ zentrum abschließenden Sperrlinie nicht ihren Hut gezogen n. Auf den am Montag morgen von belgischen Truppen, Hesetzten Anlagen der Zeche Rheinbaben, Schlägel und Eisen treffen die Truppen zurzeit Vorbereitungen zum Ab⸗ transport von Koks, indem sie Schienen legen, Waggons beschlagnahmen usw. Auf der Zeche Rheinbaben sind seit Dienstag mittag ungefähr 25 fremde Arbeiter beim Koks⸗ laden. Auf der Zeche Schlägel und Eisen, wo den Bel⸗ giern 70-80 beladene Wagen in die Hände fielen, sind bis heute noch keine fremden Arbeiter beschäftigt, ihr Eintreffen wird aber erwartet. An den Kontrollstellen in Vohwinkel und Hückeswagen werden neuerdings auch Lebensmittelzüge angehalten. Die französischen Ortskommandanten in Vorhalle, Herdecke und Witten haben eine Verordnung erlassen, wonach der Auto⸗ und der Fahrradverkehr von 8 Uhr abends bis Uhr morgens verboten ist. f In Emmerich und Wesel haben die Belgier in den bon ihnen besetzten Stadtteilen den Belagerungszustand ver⸗ hängt. Die Anwendung ist milde. Ferner ist über Mett⸗ mann, wo am 24. März ein französischer Offizier durch einen von einem unbekannten Täter abgegebenen Revolverschuß am Fuße unbedeutend verletzt worden war, der verschärfte Belagerungszustand verhängt. Reichstagsabgeordneter Sollmaunn festgehalten. Reichstagsabgeordneter Genosse Sollmann wurde in Vohwinkel von der französischen Besatzung aus dem Zuge heraus verhaftet. Seine Briefschaften, ebenso sein Reichstagsmaterial wurde einer ein⸗ gehenden Kontrolle unterzogen. Auf telephonischen Anruf der Kon⸗ trollstation Vohwinkel erschienen zwei Beamte des französischen Ober⸗ kommandos in Düsseldorf, die die sofortige Freilassung Sollmanns verfügten, nachdem er 4 Stunden in Haft gehalten worden war. Die Sozialisten und das Neparationsproblem Der Entwurf eines Programms zur Lösung des Reparations⸗ problems, wie er der Sozialistenkonferenz in Paris vorliegen „ soll nach Pariser Blättermeldungen folgende Richtlinien hen: 0 19 der Reparation entsprechend der deutschen Leist⸗ 1 ie von einer unparteiischen Instanz festgestellt wer⸗ 25 Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs und Bel⸗ giens, nach Bedarf unter Verwendung deutscher Arbeitskräfte auf 1 von den dentschen Gewerkschaften vorgelegten Pro⸗ 8. Garantie der militärischen Sicherheit Frankreichs durch einen Sondervertrag über das Rheinland, der die Unterschriften Deutschlands und der Gesamtheit der Alliierten einschließlich der Vereinigten Staaten tragen soll und in dem Deutschland sich zu 8 6 5 hätte, auf alle Revanche⸗ oder Angriffsabsichten zu verzichten; 4. 1 9 des Ruhr⸗Gebietes; 5. Regelung der Frage der interalliierten Schulden, worüber (noch ein besonderes Projekt ausgearbeitet werden soll. Pari er Stimmungsmache. Der Pariser Temps nimmt zu dem bisher bekannt ge⸗ wordenen Ergebnis der Berliner Sozialistenkonferenz Stellung und macht zunächst die Sozialisten der alliierten Länder darauf aufmerksam, daß der Standpunkt der deut⸗ schen Regierung von der Auffassung der Franzosen und das Be⸗ Neues vom Tage. Herabsetzung der Kohlenpreise? Nach längeren Beratungen haben der Reichskohlenver⸗ band und der Große Ausschuß des Reichskohlenrats be⸗ schlossen, zur Förderung des allgemeinen Preisabbaus in den Bezirken Oberschlesien, Niederschlesien, Sachsen, Obern⸗ kirchen, Büren und Bayern die Nettodurchschnittspreise für Steinkohlen bezw. Pechkohlen um 3000 Mk. und im Bezirk Barlinghausen um 2000 Mk. je Tonne herabzusetzen. Die Nettopreise für Briketts wurden in Mitteldeutschland um 5000 Mk., in Bayern um 2000 Mk. herabgesetzt, während der Preis für Rohbraunkohlen in Mitteldeutschland um 1900 Mark und in Bayern um 1100 Mk. je Tonne ermäßigt wird. Die Preisherabsetzungen konnten nach Lage der Dinge nur für das unbesetzte Gebiet vorgenommen werden. Die für heute zu erwartonde Ermäßigung der Kohlensteuer von 40 auf 30 Prozent, also um ein Viertel, wird selbstverständlich für das ganze Reichsgebiet erfolgen.. Die bisherigen Kohlenpreise waren festgesetzt worden zu einer Zeit, als der Dollar 36 000 stand. Die jetzt vor⸗ genommene Ermäßigung macht bei Steinkohlen etwa 3 Prozent, bei Braunkohle und Briketts etwa 9 Prozent aus. Sie erscheint also auffallend gering gegenüber dem starken Dollarrückgang. g Am Dienstag kam es in Dresden demonstration, tsächlich von den wurde. wird, gesprengt wurde. Die nonstra Rathaus und danm vor das Polizeiprässdium. Da zisten wurde die Menge aus einandergetrieben. 0 derungen wurden durch die Polizei durch rechtzeitige Warnung g Geschäftsinhaber verhindert, indem diese die Läden schlossen. Vor dem Rathaus in Gelsenkirchen fand ei Den stration von etwa 300 Kommunmisten statt, die einen, f rat“ zum Oberbürgermeister schickten, mit Forderungen Grunde genommen nur die bebannten kommunistischen 6 ö sollen. Bezeichnend ist, daß im Laufe dieser V 7 4 und auf eingestell a Versuch, die Firmenschilder herunterzureißen. Sie n von der blauen Polizei gehindert. Als ein Wachtmeister he e wurde, mußten die Polizeibeamten mit der Waffe gegen die Ange vorgehen. Ein Wachtmeister wurde durch einen Stockhieb ind sicht erheblich verletzt, doch war das Vorgehen der Beamten den energisch, daß die etwa 500 Köpfe zählende Menge zerstreut an Zahl reiche en e wurden vorgenommen.— Auch in Essen es zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Belgier, wie sie in Brüssel formuliert worden ist, vollkommen abweicht. Der Kanzler Cuno habe in München und Stutt⸗ gart erklärt, daß die Diskussion über die Beendigung des Konfliktes die Räumung des besetzten Gebietes zum Aus⸗ gangspunkt haben müßte. Frankreich und Belgien haben dagegen offiziell geteilt, daß die Räumung des besetzten Gebietes erst allmählich und zwar nach Maßgabe der deut⸗ schen Gesamtleistungen erfolgen soll. Deshalb ergebe sich die Frage, ob die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie über die Räumung des Ruhrgebietes als Voraussetzung jeder Regelung der gleichen Ansicht seien wie die Reichsregierung. Sei die Sozialdemokratie aber anderer Meinung als der Kanzler Cuno, so bedeute die Berliner Entscheidung vor⸗ läufig nichts. Sie würde erst Bedeutung erhalten, wenn die deutsche Sozialdemokratie die Regierung übernehmen würde. 5 0 Als die Sozialdemokratie an der Reichsregierung be⸗ teiligt war, ließ man im Ausland alle Minen springen, um der Volkspartei die Verantwortlichkeit der Regierung zuzu⸗ schieben in der Hoffnung, so die Großindustrie für die Repa⸗ rationen zu gewinnen. Jetzt, da diese Hoffnung trügt, möchte man die ehedem ausgeschifften Sozialdemokraten wieder anseilen, um leicht beidrehen zu können. Drohungen und Raub. der Schienenanlagen In Mülheim a. d. Ruhr haben sie der Geschäftswelt gedroht, bei weiterer Weigerung des Verkaufs an Besatzungstruppen 10 Geschäfte in ununterbrochener Folge in einer Hauptstraße zu schließen. Aus Bottrop wird berichtet, daß auf der Zeche„Rhein⸗ baben“ seit gestern mittag Arbeiter dabei sind, Koks zu verladen. Enthaftung und Ausweisungen von Geiseln. Von den 5 noch als Geiseln zurückgehaltenen Polizeibeamten sind 2 entlassen und ausgewiesen worden. Der deutsche Hauptzeuge in der Angelegenheit der Ermordung der beiden französischen Offiziere in Buer ist gestern abend aus der Haft entlassen worden. Au weifungsbrutalitäten. Nachdem Oberbürgermeister Zimmermann aus Buer von den Franzosen ausgewiesen worden ist, hat man auch seiner Familie befohlen, das besetzte Gebiet spätestens bis Donnerstag zu verlassen. Die ganze Bevölkerung empört sich über diesen Gewaltakt. Es ist dies das erstemal, daß eine ganze Familie aus dem neubesetzten Ge⸗ biet ausgewiesen wird. Neutrale Herren, die gestern Buer besuchten, bestätigten übereinstimmend, Frankreichs Ansehen in der Welt werde weiterhin sinken, wenn diese Ausweisungsmethode weiter Schule machen sollte. N . Bettelnde Soldaten? 4 Aus Koblenz wird gemeldet: Unter den Besatzungstr 10 rrscht offenbar Lebensmittelmangel. Wiederholt haben in etzten Tagen farbige Soldaten deutsche Zivilisten um Brot gh bettelt und zu diesem Zweck sogar ihre Posten verlassen. Politische Uebersicht. Die Ruhrfrage im Auswärtigen Aussch Der Auswärtige Ausschus des Reichstags trat Dienstag zusammen, um zunächst einen Bericht über politische Lage von dem Reichsaußenminister entgegen nehmen. Anschließend begründete Genosse Hermann Ml das Verlangen der Sozialdemokratie auf Einberuf d Ausschusses. Müller wies u. a. auf die Rede des Rl kanzlers in München hin und verlangte Erklärungen ii einige Stellen dieser Rede. An der Debatte born ö 9 N 1 Vertreter aller, Parteien; von der Sozialdemokratie die Genossen Hermann Müller und Breit sches In einer amtlichen Auslassung wird das Ergebnis der be traulichen Sitzung wie folgt zusammengefaßt: ö Der Ausschuß war einmütig in der Ablehnung der n der sranzösischen Regierung geforderten Kapitulation in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit der führung des passiben Widerstandes mit dem Ziel, hier und durch internationale Abmachungen die Befreiung Ruhrgebiets von der heutigen unrechtmäßigen Indo herbeizuführen. 0 e Das Recht der Beamteuräte. Die Sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat gen sam mit den Demokraten im Reichstagsausschuß für Beamte legenheiten folgenden Antrag eingebracht, der das Mitw recht und das Mitbestimmungsrecht der Beamten regeln nach sollen die Beamtenräte das Recht der Mitwirkung habt 1. Bei der Ausstellung und Aenderung von allgemeine schriften, durch welche der Dienstvorgesetzte den Betri Dienststelle regelt, soweit hierdurch die persönlichen nisse der Beamten berührt werden, g . bei Aufstellung der Dienststundenpläne, . bei Aufstellung von Grundsätzen für die Regelung von tretungen, f . bei Auffstellung des jährlichen Urlaubsplanes, 7 0 bei Schaffung und Verwaltung von Einrichtungen, die u. körperlichen oder geistigen Wohlfahrt der Beamten dienen „bei der Ernennung von Vertrauensärzten, bei Wiedereinstellung strafweise Entlassener, „bei Unfalluntersuchungen, Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Achtzehntes Kapitel. Das Junifest. Ein Monat war seit Rohans Absturz von der Klippe verflossen. Man feierte in Kromlaix das beliebte Junifest. Seenelken und Lavendel standen in vollster Blüte, das Korn begann in Halme zu schießen die Wiese hinter der Klippe duftete von Thymian. Das Himmelszelt bildete einen goldenen Dom, das Meer leuchtete wie ein Riesenspiegel, die Erde schien ein lebendes Wesen mit lebhaft pochendem Herzen. Wohin das Auge blickte, überall herrschte Farbe, Duft und Glanz. In dieser Jahreszeit zu leben, war eitel Lust und Wonne, namentlich für die liebe Jugend, die sich im Paradiese wähnte. Auf der Wiese hinter den Klippen befand sich eine grüne Schlucht. In dieser standen die Ruinen eines Dolmens und zu diesem Dolmen pilgerten alljährlich an dem bestimmten Junimorgen unter Gesang und Musik alle Jungfrauen, Jünglinge und Kinder aus Kromlaix, gleich den glücklichen Schäfern im goldenen Zeitalter von Arkadien. Die ver⸗ heirateten Leute waren von diesem Feste der Jugend streng ausgeschlossen. Jeder Bursch, der irgend ein Instrument spielen konnte, mußte zur allgemeinen Belustigung seine Kunst ausüben. Alain Derval blies eine nagelneue Flöte, die er sich erst kürzlich in St. Gurlott angeschafft, Jannick seinen Dudelsack; außer ihnen gab es noch mindestens ein halbes Dutzend Dudelsack⸗ und unzählige Holz⸗ und Zlech⸗ pfeifenbläser. Die schönste Musik aber machten die hoch in den Lüften schwebenden Lerchen, die ihre lautesten und süße⸗ sten Weisen trillerten und sich bemühten, die Musikanten zu übertönen. Um die Ruinen des Dolmens herum saßen in allen Farben des Regenbogens gekleidete Mädchen und urschen; andere wieder suchten Primeln und Margueriten oder balgten sich scherzend und singend im Grase. Auf den Hüten der Vurschen prangten Kornähren, während jedes Mädchen eine Flachsblüte im Mieder stecken hatte. 60 Aus der Richtung von Kromlaix näherte sich eine selt⸗ same Prozession, wie die alten Griechen sie wohl oft gesehen haben mochten. Eine Schar festlich gekleideter, mit Blumen bekränzter Kinder hüpfte singend, tanzend und Blumen streuend einher, hinter ihnen kamen gravitätischen Schrittes eine Anzahl von Burschen, die einen großen hölzernen Lehn⸗ stuhl trugen, auf welchem Genoveva thronte, Flachsblüten und allerlei Feldblumen im Schoße. Neben ihr trottelte lachend und scherzend und seinen derben Stock schwingend, Vater Rolland. Merkwürdigerweise störte seine prosaische Gestalt den idyllischen und antiken Charakter des malerischen Bildes gar nicht. Er stimmte mit aller Kraft seiner Lungen in den Rundgesang ein, denn er war kein Spielverderber und besaß noch genug griechischen Geist, um für den Moment seine Tonsur vergessen und mit den Vergnügten vergnügt sein zu können. Es war ein vielleicht noch nie dagewesener Fall, daß sich Vater Rolland oder ein anderer Seelsorger an diesem „Feste der Jugend“ beteiligt hätte, das heidnischen Ursprungs war und selbst in den Nachbarorten mit Mißvergnügen be⸗ trachtet wurde, namentlich von den Priestern. Und obgleich Rolland nicht bigott genug war, um seinen Schäfchen ein unschuldiges Vergnügen zu mißgönnen, hatte er noch nie selber daran teilgenommen. Sein unerwartetes Erscheinen erregte daher einiges Erstaunen. Die Burschen stellten den impropisterten Thron dicht vor dem Druidenstein nieder, während Nolland sich mit einem seidenen Taschentuch den Schweiß von der Stirne wischte. Jan Goron der einer der Sesselträger war, hob Genoveva mit seinen starken Armen von ihrem Sitze herab und ließ sie auf einer von einigen Mädchen besetzten Anhöhe niedergleiten. Die lebhaften Augen Genovevas blitzten vor Stolz und Freude. Sie erzählte ihren Genossinnen etwas, das auch deren Heiterkeit erregte, denn sie brachen in schallendes Gelächter aus und klatschten vergnügt in die Hände. In diesem Augenblick erhob Vater Rolland seine Rechte. Solorl Hörle die Mulik au Ipielen auf, das Gelächter unnd Ge⸗ schnatter verstummte. Aller Blicke wandten sich dem G lichen zu, dessen Antlitz sehr ernst geworden war:„Jüngl und Mädchen,“ begann er im bretonischen Dialekt, Ihr, was mich hierher gebracht hat? Ihr könnt es erraten, deshalb will ich es Euch sagen— es ist einfach h traurig genug. Ihr tut wohl daran, fröhlich zu sein, ra Kinder, denn Ihr seid jung und die Ernte verspricht gusf werden; aber es ist ebenso recht und billig, der Toten! gedenken.“ Der Pfarrer bekreuzigte sich und alle fo seinem Beispiel.„Seit Eurer letzten Zusammenkunft an ser Stelle haben sich sehr traurige Dinge ereignet; 1% Eurer Kameraden hat die Konskription in ein fremdes 9 entführt, wo große Gefahren ihrer lauern, einige sind lerweile gestorben, wieder andere ans Krankenlager gefess aber von all diesen will ich nicht sprechen, meine Ki sondern von dem armen Jungen, der im vergangenen dul Euer„Patron“ gewesen ist und der jetzt weiß Gott wo m Wir wollen hoffen, daß er zu den Füßen des heiligen Gin und der gebenedeiten Jungfrau sitzt!“—— Wieder machten alle, selbst die Kinder, das Kreuzzerhh einige blickten traurig drein, andere gleichgültig, mehl Mädchen schluchzten laut auf und auch den Brüdern Deu traten Tränen in die Augen, denn alle wußten. daß Geistliche von Rohan Gwenfern sprach. Es war Sitte. das junge Volk unter sich jedes Fahr einen anderen„Ke und eine andere„Königin“ wählte, die beim Junifest! Spiele leiten und über die frohe Schar herrschen muß Im vergangenen Jahr hatte man Rohan zum König o „Patron“ wie es im Volksdialekt hieß, und Marcelle Königin oder„Patronin“ ernannt.„ „Ich will den Heimgegangenen weder loben noch ta 0 er war vielleicht töricht, vielleicht im Unrecht aber es m entschieden eine Freude, den kräftigen Vurschen anzuf Jetzt ist er tot— Gott sei seinor armen Seele gnädig vergeßt ihn, der Euch ein lustiger, quter Kamerad g nicht ganz; gedenket seiner und auch der armen Marcelle, die vergangenes Jahr seine Patronin we jetzt zu traurig und gebrochen ist, um sich an dem Jeste zu beteiligen.“ . 1 0 me eumen, könnt e 5 it 4% der Menschheit betrachtete Veron, ferner auf Antrag des beteiligten Beamten 9. bei Versetzungen in den Ruhestand, 5 10. bei Unterstützungsgesuchen, bei der 1 erkrankter eilanstalten, dei Seed und Jeststellung der Beschaffenheit der Dienst⸗ wohnungen, 1955 1 bei der verwaltungsmäßigen Entscheidung über die Haftpflicht eines Beamten,. 14. bei der Verhängung von Ordnungsstrasen. Das Recht der Mitbestimmung sollen die Beamtenräte noch dem demokratisch⸗sozialdemokratischen Antrag haben in folgen⸗ den Fällen: 5 0 a 1. Wenn ein Beamter in der Wahl seines Wohnorts und seiner Wohnung beschränkt werden soll. f bei Einsicht in die Perfonalnachweise hinsichtlich der Fest⸗ setzung der Dienststelle, bei der sie einzusehen sind, wenn sie an anderer els der Dienststelle des Beamten sich befinden, bei Urlaubsverweige rungen, g 5 wenn Urlaubszeiten unter Berufung auf Art und Umfang der Tätigkeit des Beamten über die planmäßig vorgesehene g Urlaubszeit hinaus verlängert werden sollen, 5. bei Verweigerung oder Widerrufe der Genehmigung zur Aus⸗ übung eines Gewerbes durch einen Beamten oder zur Ueber⸗ nahme einer mit fortlaufendem Entgelt verbundenen Neben⸗ beschäftigung, ö g 6. bei Verteilung der aus öffentlichen Mitteln für Beamte her⸗ gestellten Miets wohnungen, 2 7. bei Zuteilung von Dienst⸗ und Pachtland, 8. bei Gewährung von außerordentlichen Vergütungen, 9. bei Kündigung des Dienstwerhältnisses eines auf Kündigung angestellten Beamten und der im§ 2 Ziffer 2 und 3 genann⸗ ten Personen, . ferner für die im 8 2 Ziffer 2 und 3 genannten Personen: 10. bei Vereinbarung der Arbeitsordnung, 11. bei Festsetzung von Ordnungsstrafen. Die Beamten räte haben ferner das Recht der Mitbe⸗ st immung: 12. bei der Enlscheidung über die Wahlberechtigung und Wähl⸗ barkeit eines Beamten im Sinne dieses Gesetzes, 13. bei Einsprüchen gegen das Wahlverfahren und die Zu⸗ sammensetzung der Beamtenvertretungen, 14. bei Aberkennung der Mitgliedschaft in einem Beamtenrat, 15. fei Ensprüchen gegen die Geschäftsordnung oder die Ge⸗ schäftsführung eines Beamtenrats, 16. ei allen Streitigkeiten, die sich aus den in diesem Gesetz vorgeschriebenen Wahlen ergeben. Beamter an Aerzte oder do 8 2 E Deutschvölkische Frechheit. Von einem für den Charakter und die Anhängerschaft der „Deutsch⸗Völkischen Freiheitspartei“ bezeichneten Vorgang weiß der Vorwärts zu berichten, indem er m eine Mitte Febrrar im Reichstag abgehaltene deutsch⸗völkische Tagung erinnert, in der auch der bekannte Oberleutnant a. D. Roßbach als Nedner auftrat. Der Vorstaund des Reichstages hat sich kürzlich damit beschäftigt, worüber das Blatt folgendes mitteilt: In der Reichstagsitzung vom 27. Februar berichtete der Abge⸗ ordnete Künstler:„Als kürzlich die Herren Wulle und von Graefe im Saal 1 des Reichstages ihre Tagung abhielten, kam die drei⸗ und mehrfache Zahl der gemeldeten Teilnehmer, sodaß die Garderobe auf den Fußboden gelegt werden mußte. Dabei kollerten auts verschiedenen Ueberziehern Revolver und sonstige Waffen her⸗ aus.“ Der Reichstagpräsident Löbe richtete daraufhin an den Ein⸗ berufer der Tagung, den deutschvölkischen Abgeordneten v. Graefe, ein Schreiben, worin er um Aufklärung ersuchte und mitteilte, daß er vorläufig weitere Tagungen der Deutsch⸗Völkischen im Reichstage verboten habe. Gleichzeitig wurden die Reichstagsdiener ternommen. Sie bestätigten die Angaben Künstlers und berichteten, daß der Andrang so groß gewesen sei, daß die Sgaltüren zeitweilig nicht ge⸗ schlossen, sodaß manche Redner im Vorraum verstäadlich gewesen — 5 Diener hörten, wie Roßbach zur Gewaltanwendung auf⸗ e.. 0 befaßte sich eine Sitzung des Reichs gs vorstandes mit der Angelegenheit. Der hierzu geladene Abg. v. Graefe suchte die Sache ins Lächerliche zu ziehen, was ihm eine energische Zurück⸗ weisung durch den Präsidenten und andere Vorstandsmitglieder ein⸗ trug. Entgegen den Ausreden des Abgeordneten v. Graefe wurde fest⸗ gestellt, daß anstatt der gemeldeten erst 40 und dann 140 Personen rund 400 Personen eingetroffen waren. v. Graefe versuchte das Tragen von Revolvern damit zu rechtfertigen, daß die Betreffenden wohl einen Waffenschein gehabt hätten. Der Vorstand des Reichstages nahm aber einmütig den Standpunkt ein, daß Bewaff⸗ nete, ob mit oder ohne Woffenschein, von Abgeordneten nicht in den Reichstag eingeführt werden dürften. Von sozialdemokratischer Seite wurde bei den Verhandlungen hervorgehoben, daß bei der Her⸗ gabe der Reichstagsräume eigentlich doch ein' Unterschied zu machen sei zwischen Parteien, die politisch kämpften, und den Deutsch⸗Völ⸗ kischen, die nur mit militärischen Gewaltmitteln ihre Ziele durch⸗ setzen wollten. 5 Der Vorwärts betont mit Recht, daß die jetzt aufgedeckten Putsch⸗ häne der deutsch⸗völkischen Organisationen zeigen, wie richtig diese Auffassung ist. 10 N „Der Franzose macht alles kaputt!“ Wir haben beretis über den grauenhaften Vandalismus berichtet, den die Franzosen im Bahnhof Sberhausen betätigt haben. Das Zerstörungswerk übersteigt tatsächlich alle Begrisse. Neuere Schilderungen gehen noch weit über das hinaus, was wir mitteilten. In Wahrheit sind hier von der Soldatesba des Reparationsgläu⸗ bigers nach oberflächlicher Schätzung Millionenwerte aus Mut⸗ willen und Rachsucht sinnlos vernichtet worden. Um nur noch ein Beispiel anzuführen, so sind uch aus den Maschinen, die zur Ausflihrung von Reparaturarbeiten dienen, zumeist einzelne Teile herausgebrochen worden, um sie gebrauchsunfähig zu machen. Der Eindruck, den man von diesem Bild der Verwüstung gewinnt, läßt sich nicht besser zusammenfassen, als in den Morten des belgischen Offiziers, der nach dein Abrücken der Fran⸗ zosen den Hauptbahnhof ftr Belgien besetzen wollte:„Der Franzose ist ein Schwein, er macht alles kaput.“ Die französisch⸗bel⸗ gische Bundesgenossenschaft erscheint übrigens dadurch in —— rr r — Die- ee ee Stadttheater Gießen. „ueber den Wassern“, Drama von Georg Engel. Bereits im vorigen Jahre wurde das Stück an unserer Bühne aufgeführt, das uns am Montag abend wiederum geboten wurde. Schade daß das Theater nur mäßig besetzt war, das Werk selbst, wie nicht minder die ausgezeichnete Darstellung hätten ein volles Haus verdient. Der Verfasser ist 1866 in Greifswald geboren. Für mehrere seiner Blühnenwerke suchte er seine Motive in dem Leben der Küstenbevöl⸗ kerung, in den Fischer⸗ und Sthifferdörfern am Ostseestrande. In einem Fischerdorf spielt sich dioses Stück ab. Dort amtierte ein alter, gemittlicher und nachsichtiger Pfarrer, der mit seinen Gläubigen leut⸗ selig verkehrt, vielleicht auch über manches ein Auge zudrückt, was er als Pfarrer hätte verurteilen müssen. Er wird deshalb abgesetzt und ein jüngerer tritt an seine Stelle, der mit eiserner Strenge die Dorfleute zur Frömmigkeit erziehen will. Er will mit denjenigen nichts zu tum haben, die irgendwie schuldbeladen sind. Das ist beson⸗ ders bei der Magd Stine der Fall, die vom Pfade der Tugend abge⸗ wichen und deshalb in Verruf gekommen ist. Sie hat aber mehr Ehrgefühl als der junge Pastor annimmt, der sie wie eine Aussckgige behandelt. Eine Sturmflut bricht herein, vernichtet den ganzen Ort, zuletzt guch das Pfarrhaus, in das sich Stine geflüchtet hat. Nun einem besenderen Lichte, daß jene Worte gegenüber deutschen Beamlen gefallen nd. 0 a Die Franzosen zucken bekanntlich solchen„Begleiterscheinungen des Krieges“ gegenüber die Achseln mit dem Satze: C'est la guerre! (Das ist eben der Krieg!) Sie haben an sich nicht unrecht. Wer aber richtig Krieg führen will, muß eben richtig zerstören lönnen. Nur so karm man den Gegner klein kriegen. Freilich letzten Endes wird jeder Krieg mit seinen Zerstörungen an Gut und Blut nicht nur für den Besiegten, sondern auch flir den Sieger selbst eine„falsche Re ch⸗ nung“ bleiben, wie ein kluger und humaner Engländer in einem bekannten, schon or dem Weltkriege erschienenen Buche so über⸗ zeugend dargelec: hat. Aber wann wird sich diese Ueberzeugung über⸗ all durchgerungen haben? Trübe Frage! Daher und trotzdem wollen wir Sozialisten wenigstens immer wieder und unablässig den gellen⸗ den Ruf in alle Welt Hinaussenden: Nie wieder Krieg! Anhebung der Standesvorrechte. Die hessische Regierung leat dem Landtage einen Gesetzentwurf vor, der die Aufhebung der Standesrechte vorsieht. Nach Artikel 2 werden für die in Betracht kommenden Familien aufgehoben: 12 9955 1 eigener Gesetzgebung(Autonomie) und Gerichts⸗ arkehlt; 2. das Recht, durch besondere Behörden oder Beamte öffentlich rechtliche Befugnisse a üben oder Staatsbeamte mit der Wahrnehmung hausrecht r Aufgaben zu beauftragen; 3. das Necht auf Beileaung der Prädikate Königliche Hoheit, Großherzogliche Hoheit, Hoheit, Durchlaucht, Erlaucht und dergleichen sowie das Recht auf besondere Ehrungen(Landes⸗ tratter, Kirchengebet, Trauergeläute, Ehronwachem. Kautz lai⸗ zeremonien und dergleichen); 5 4. das Recht auf schuldige Ehrerbietung innerhalb der Standes⸗ herrschaft; 5 5. das Recht, ihre Besitzungen und Vermögens verwaltungen mit einem herrschaftlichen Titel zu bezeichnen, wie Groß⸗ Herzogtum. Fürstentum Grafschaft. Großherzoglich, Fürstlich, Gräflich und derglaschen: 6. das Recht, Titel oder Auszeichnungen zu verleihen, die den Anschein staatlicher Titel oder Auszeichnungen zu erwecken geeignet werden: ob dies der Fall ist)b wird bei Zweifel von dem Gesamtminsisterium bindend festgestellt; 7. das Recht besonderer Vertretung in Körperschaften öffentlichen Rechts: 8. die Befreiung von öffentlich⸗ rechtlichen Pflichten. Lasten und Abgaben; 9. die noch bestehenden Rechte (Geldstrasen): 10. das auf Grund⸗ Haus⸗ oder Standesrecht in den Häusern des vormaligen Landesherrn und der Standesherrn etwa noch bestehende besondere Eheschchdungs⸗, Entmündigungs⸗ und Vormunöschastsrocht. sowie das besondere Recht der Eheschließung namentlich auch insoweit es Nachteile an eine des auf den Vezug von Strafen den Ebenbürti begriffen des Hausrec nicht ent⸗ sprechende Eheschließung knüpft. Doch bestimmt sich die Gültigkeit ener vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ge⸗ schlossenen Ehe nach den bisherigen Gesetzen. Gießen und Umgebung. Lohunhöhe und Ernährungslasten. Zu der Frage, ob die Löhne die Preissteigerungen ver⸗ ursachen, bringt die Holzarbeiter⸗Zeitung pom 17. März einige interessante Zahlen. Der Holzarbeiterverband hat über die Steigerung der Löhne im Verhältnis zur Steigerung der Ernährungskosten in 50 Städten aus verschiedenen Lohn⸗ gebieten eine Untersuchung angestellt. Von diesen Orten wurde der durchschnittliche Lohn der Facharbeiter in der Vorkriegszeit festgestellt und unter Berücksichtigung der Zahl der Arbeiter an den verschiedenen Orten der Durch⸗ schnitt gezogen, der als gewogener Durchschnittslohn der Holzarbeiter in Deutschland angenommen werden kann. In der gleichen Weise wurden auf Grund der Lohnabkommen Monatsdurchschnitte und aus diesen wieder ein Reichsdurch⸗ schnitt berechnet. Mit den so berechneten Löhnen wurden die vom Statistischen Reichsamt berechneten Ernährungs⸗ kosten verglichen. Das Resultat dieser Untersuchung ist folgendes: 1 5 Vielfaches gegen Der Lohn sauiede⸗ 0 15 0 Frieden 5 F* 8 5 e er e stundenlohn Durchschnitts⸗ Ernährungs⸗ Friedens⸗ Mark wochenlohnes kosten reallohnes 1914 Frühjahr 0,60 1,0 1,50 100,0 1922 Janu ag 11,86 1775 24,6 71, ii, 18,76 27,6 43,6 63,0 a 30,70 45,3 68,4 66,0 Oktober 107.— 157,5 266,2 99,0 November 203,.— 256,9 549,8 47,0 Deßember 326,.— 481,8 807,0 60,0 1923 Jauuar 467,.— 649,3 1366,0 47,5 Es sei hier besonders bemerkt, daß die Kaufkraft des Lohnes in Wirklichkeit noch stärker zurückgegangen ist, als aus dieser Statistik hervorgeht, in der nur die Er⸗ nährungskosten berücksichtigt sind. In der gleichen Nummer veröffentlicht die Holzarbeiter⸗ Zeitung einen Artikel über den Lohnanteil am Warenpreis und zwar stützt sie sich dabei auf die Angaben der Unter⸗ nehmer selbst. Es geht daraus hervor, daß in der Holz⸗ und Möbelindustrie nach Angabe der Unternehmer der A nteil des Lohnes am Warenpreis zpwischen 7 und 25 Prozent schwankt. In Wirklichkeit dürfte jedoch dieser Prozentsatz, wie die Holzarbeiter⸗Zeitung überzeugend nach⸗ weist noch erheblich zu hoch gegriffen sein Der in die Höhe 8 Pfarrhaus wird ebenfalls überflutet und seine Ben fich in die Kirche. Der nahe Untergang scheint für alle freut sich dessen, für sie hat der Tod krine Sch si zu verlieren, ihr hat nie ner retten er. Stine hat nicht viel 5 Zu⸗ and ein freundlie sammen mit dem am Leben hängenden, sie vera e zu Grunde zu gehen bereitet ihr eine Genugtuung. des Todes bringt der alte Pastor den jungen dazu, si wegen seines Verhaltens zu entschuldigen. Von da ab legt d ven Trotz ab und ist eine ganz andere. Schließlich opfert sie sich noch auf, in⸗ dem sie in die tosenden Fluten springt, um ihre Vergang mheit zu füühnen. Den Uebrigen wird Rettung in der höchsten Not.— Die Darstellung war eine ganz glänzende, die besten Kräfte wirkten mit. In erster Linse Rose Rubner, die die Gestalt der Stine mit voll⸗ endeter Meisterschaft verkörperte. Wie echt war der Trotz des ver⸗ bitterten Mädchens, das leidense che Anklagen gegen den eifern⸗ den, wenig von christlicher Sanftmut erfüllten Pastor erhob! Und glaubwürdig wußte die Künstlexrin die Veränderung darzustellen, die nech der⸗Aussprache mit Holm in dem Weibe vorgegangen war. Eine sehr gute Leistung bot, wie immer, Karl Volck in der Rolle des ab⸗ gesotzten Pastor cb s, den er mit verzeihendem, volkstümlichem Wesen antsstattete.— Karl Juhnke wurde als der junge Pastor, seiner Aufgabe ebenfalls vollkommen gerecht, ebenso Heinz Bechstein als muß Pastor Holm dulden, daß die von ihm verachtete, als Auswurf Ar mit ihm unter einem Dache haust. Küster und Auguste Marcks als Wirischafte rin. S ieee getriebene Preis der Waren müß also erst ganz wesenllich herabgedrückt werden, ehe an eine Stabilisierung des Lohnes gedacht werden kann. Keine Einreise ins besetzte Gebiet. Wie uns aus Mainz mitgeteilt wird, treffen dort wie in den anderen Orten des besetzten Gebietes Arbeitslose in größerer Zahl aus dem um⸗ liegenden unbesetzten Landesteil ein in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Sie wenden sich dann dort an die Ge⸗ werkschaften, die aber nichts anderes können, als darauf hinzuweisen, daß die Hoffnung, im besetzten Gebiet Arbeit zu finden, trügerisch ist, da hier die Arbeitslosigkeit sogar größer ist als sonst überall. Die dortigen Arbeiter haben unter Arbeitslosigkeit noch mehr zu leiden, wozu noch die größere Teuerung und die besonderen Leiden im besetzten Gebiet kommen. Wer ins besetzte Gebiet geht, erschwert die dortige Lage, ohne sich selbst zu nützen. Guthaben von He rern usw. Vor kurzem wurde in der Presse mitgeteilt, daß die Erstattung der bisher von der englischen Regierung zurückbehaltenen Axbeitslöhne und Postgelder bevorstehe. Diese Nachricht ist, wie das Reichsfinanzministerium mitteilt, un⸗ zutreffend. Es haben zwar Verhandlungen mit der englischen Re⸗ gierung stattgefunden, die günstic abschließenden Ergebnisse haben sie aber bedauerlicherweise noch nicht geführt. Die Aufforderung an die Heimkehrer zum Empfang ihrer Guthaben war daher leider verfrüht. Wann dies geschehen kann, wird amtlich bekanntgemacht werden. Die Reichsregierung wird nach wie vor alles tun, was dazu dienen kann, den Heim⸗ kehrern zu ihrem Recht zu verhelfen. Anfragen einzelner Per⸗ sonen in dieser Angelegenheit sowie. Anfragen in Beihilfeange⸗ legenheiten aus Anlaß entgangener Truppengebührnisse und ein⸗ gebüßter Gegenstände müssen infolge der notwendigen Personal⸗ verminderung unbeantwortet bleiben, nachdem die Landeshilfs⸗ ausschüsse ihre Tätigkeit eingestellt haben. ö — Schutz den Anlagen! In letzter Zeit werden die öffentlichen gärtnerischen Anlagen wieder durch Abreißen von Zweigen und Betreten der Rasenflächen stark beschädigt. Sache jedes Bürgers ist es, den Anlagen der Stadt seinen besonderen Schutz angedeihen zu lassen. Die Polizei⸗ und Sicherheitsorgane sind nach einer Be⸗ kanntmachung des Polizeiamtes angewiesen worden, menden Beschädigungen gegen die Täter unnachsichtlich vorzu⸗ gehen; auf das Verbot, Hunde in den Anlagen frei umher laufen zu lassen, wird dabei besonders aufmerksam gemacht. 4 — Osterfeiertage am Kreisamt. Die Bureaus des Kreisamtes sowie des Roltzelamtes werden außer am Karfreitage und an den beiden Ostertagen auch am Karsamstage geschlossen blei⸗ den, dagegen am Osterdienstage vor⸗ und nachmittags zu den ge⸗ wohnten Geschäftsstunden geöffnet sein. — Gültigkeit der Sonntags Von der Eisenbahndirektion Frankfurt wird mitgeteilt: Zu den be⸗ vorstehenden Osterfeiertagen wird die Gültigkeit der Sonntagsrück⸗ fahrkarten verlängert. Es können benutzt werden: 1. Die am 29. und 30. März gelösten Sonntagsrückfahekarten a) zur Hin⸗ fahrt: am 29. März ab 12 Uhr mittags und am 30. Märgz, zur Rückfahrt: am 30. März, sowte am 1. und 2. April. 2. Die am l. März, sowie am 1. und 2. April rückfahrkarten a) zur Hinfahrt: mittags, sowie am 1. und 2. April, b) 1. und 2. April. i — Die Mehl⸗ Kreises Gießen sind setzt: Weizenbrotmehl 205 2 200 Mk. pro Pfund. Brot: 2 Pfund⸗Laib 390 Mk. — Viehmarkt in Gießen findet am 10, und 11. April statt und zwar am 10. Rindviehmarkt und am 11. Schweinemarkt. Auf die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters im heutigen Blatte sei hingewiesen. 0 zur Rückfahrt: am und Brotpreise in den Land gemeinden des mit Wirkung vom 1. April wie folgt festge⸗ „Roggenmehl 195 Mk., Gerstenmehl der 4 Pfund⸗Laib 780 Mk., der Kreis Alsfeld⸗Lanterbach. b. Nieder⸗Ohmen. In unserer Gemeinde wurden bei den nachstehenden Sammlungen die angeführten Beträge an Geld und Naturalien aufgebracht: Hessenhilfe: 30 000 Mk, 2 Ztr⸗ Roggen, 80 Pfd. Mehl und 70 Ztr. Ztr. Kartoffeln. Kreiskranken⸗ haus: 53 000 Mk., 250 Eier, 45 Pfd. Butter, 20 Pfd. Mehl, 3 Pfd. Speck und 7 Laib Brot.— R uhrhilfe: 332900 Mk., 17 Ztr. Kartoffeln, 25 Ztr. Roggen und 2 Pfd. Wurst. Diese Opferwillig⸗ keit ist um so beachtenswerter, als die Einwohnerschaft größtenteils aus Arbeitern und kleinen Landwirten besteht. f. Nieder⸗Ohmen. Der Kriegskamerad als Gast und Einbrecher. In dem nahen Bü zfeld wurde einem Landwirt die einem Kriegskameraden erwiesene Gastfveundschaft übel belohnt. Der letztere weilte bereits im vorigen Jahre etwa 4 Wochen mit seiner angeblichen Braut bei dem erwähnten La wirt. Dieser Tage stattete er nun seinem Gastfreund und Kriegs⸗ kameraden wieder einen Besuch, aber unangemeldet, in der Art, wie es Meister Reinecke macht. In der Nacht zum 20. März schlich er sich abends in das Haus ein, in dem er ja genau Bescheid wußte und begab sich in die oberen Räume, wo er Nachdem man dem Einbrecher wahrgenommen Landwirt und sein Küecht die Türe auf. auf die beiden los, schlug sie zu Boden und. Hause in das Dunkel der Nacht. Der Fall wurde an die Gen⸗ darmerie in Nieder⸗Ohmen gemeldet, worauf der Einbrecher an dem dortigen Bahnhof am nächsten Tage, als er mit dem Zuge nach Franksurt abdampfen wollte, dingfest gemacht und in das Ge⸗ fängnis nach Homberg gebracht wurde. 7 2 2 Kleine Nachrichten. 0„völkischer“ Kriegsheld. Der Frankfurter Volksstimme wird geschrieben: Bei den Verschwörern gegen die Republik spielt ein Hauptmann d. D. Weberstedt eine Rolle, der auch mi dem berüchtigten Heinz von Frankfurt brieflichen Verkehr unter⸗ hielt. Es würde mich sehr inte ressieren, zu erfahren, ob das der selbe aus Halle a. S. stammende Of r ist, der im Herbst 1915 Chef der Etappenkommandantur L icht nur niederträchtiger grausamer Soldatenschinder sonbern auch als Schlemmer und„Volleul“ im ganzen Ab⸗ schnilt von St. Quentin bis Chaungy berüchtigt war. Dieser Ehren⸗ i fuhr u. g. mit französischen Prostituierten im Auto spazieren, von ihnen hatte er sogar einen Paß ausgestellt, damit sie ihn gestört besuchen könnte und als en Posten diesen Paß bean⸗ ndete und die„Dame“ nicht di sen wollte, wurde er von dem Herrn Hauptmann in, ordinärster Weise beschimpft. Wüste Ocgien der Offietere waren in Le Nouvion an der Tagesordnung, einmal ließ We dt nachts um 2 Uhr sogax das Musikkorps eines Landsti wecken und befahl ihm, einen Umzug durch das Dorf mit klingendem Spiel zu veranstal ten. hinter dem johlend und gröhlend die„Herren stedt sei auch im Naben entkam aus dem + 2 = 2 2 2 . 2 3 2 8 2 2 3 2 * sbeller.. Er 0 e. Vielleicht hilft einer Bild dieses Mannes noch zu vervoll⸗ mimmnen. Frankfurt a. M., 27. März. Für die Fra ukfurter Stadtbibliothek. Zur Unterstützung der finanziell schwer Ober⸗ furter Stadtbibl k stellten bereit 0 Mark zur Ver ige Aussichten eröffneten; zu einem bei vorkom⸗ 1 sahrtkarten an den Feiertagen 5 gelösten Sonntags⸗ am 31. März ab 12 Uhr sich einschloß. hatte, brach der Der Einbrecher stürmte ouvion gewesen ist und Wordprozeß m Iwꝛickau. En feßerer Leuknant degen Tötung seiner Geliebten verurteilt. Seit Wochen wurde vor dem Schwurgericht Zwickau gegen den üheren Husarenleutnant Lorenz Köhn verhandelt. Im Früh⸗ r vorigen Jahres wurde im Walde beß Karlsfeld im Erzge⸗ ge nach der Schneeeschmelze die Leiche einer fungen Frauens⸗ rson aufgefunden. die zwei Schutzwunden im Kopfe hatte. Eln ver lag auf der Leiche Es stellte sich heraus, daß es sich zun die Direktrice Margarete Müller aus Köln handelte, die Ge⸗ liebte des genannten Leutnants Köhn. Der aufgefundene Revol⸗ ver war dessen Eigentum. In der Verhandlung gab der Ange⸗ Hagte an, daß er mit der Müller, mit der er zusammen auf dem Wiesenhaus bei Karlsseld wohnte. auf einem Spaziergange im Walde Streit bekommen habe. worauf sie sich getrennt hätten. Von dem Gericht und den Geschworenen wurde auch eine Ortsbesich⸗ tigung der Stelle vorgenommen, wo man die Leiche aufgefunden be. Von Augenzeugen wurde während der Verhandlung u. a. isgesagt, die Leiche habe bei ihver Auffindung den Eindruck ge⸗ macht, als wenm sie zurechtgelegt worden wäre— Die Geschworenen 0 die auf Mord laulende Schuldfrage, bejahten aber nie auf vocsätzlichen Totschlag und billigten dem Angeklagten mil⸗ dernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf 6 Jahre 6 Monate Gefängnis und 3 Jahre Chrverlust.— Der Angeklagte bestritt bis Zuletzt seine Schuld. doch brachte die Verhandlung sehr belastende Verdachtsgründe gegen ihn. CC Auf Vernichtung der Arbeiterpresse läuft das Bestreben der Stinnesleute hinaus, die die Roh⸗ stoffabriken zum größten Teil in Händen haben und die Papierpreise fortgesetzt steigern. It die Arbeiterpresse einflußlos, daun haben die Reaktionäre freies Spiel! Partei- und Gewerkschaftsgenossen allerorts! Hallet treu zu eurem Blatte und werbt in den Bekanntenkreisen, in Betrieben, in Zusammenkünften für euer Blatt, ihr seid zähliches Erscheinen sämtlicher Mitglieder wird gebeten. Aus den amtlichen Beranmmachunge n. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen Nr. vom 27. März enthält: Dienststunden der Provinzialdirektion, d Kreisamtes Gießen und des Poltzeiamtes.— Einsendung von Tod zeugnissen und Zählkarten.— Inlandslegitimierung ausländise Arbeiter.— Durchführung der Kleinrentnerfürsorge.— Statistik Streiks und Aussperrungen.— Hundesteuer.— Jagoschutz.— Meß 1 und Brotpreise.— Erwerbslosenfürsorge.— Feldbereinigung Alle 0 dorf a. d. Lahn. 14 Versammlungskalender. Gießen. Freie Turnerschaft. Am Karfreitag: Tum, gang nach dem Stoppelbera bei Wetzlar. Abmarsch 77 Uhr plins 15 lich von der Lahnbrücke. Alten⸗Buseck. Freie Turnerschaft. Donnerstag, 29. März abends 87½ Uhr Mitglieder⸗Versammlung. 1 1 1 Kesselbach. Wahlverein. Samstag, den 31. März a 8 Uhr findet unsere Monatsversammlung im Vereinslokal Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Alt Genossen müssen erscheinen. Mitgliedsbischer sind mitzub ringe f 1 1 Gießen. Arbeitergesangverein„Eintracht“. Charfreitag Ausflug nach Großen⸗Buseck. Abmarsch vorm. 7% es euch selbst, der Partei und den Gewerkschaften schuldig! E — 2 2 N Treffpunkt Ecke Moltkestraße⸗Kaiserallee. Dollarstand unverändert: ca. 20 900 Mark. n Darmstadt, 27. März. Ausgewiesen wurden aus Mainz 1 tadtsekretär Bruder, Wohmumgsinspektor Nauth und die Lehrer Gräf— id Carra. 8 L 1 5 deer ret are 3—— 0 1 Sthüördliche Bekanntmachungen Sonder- gebot in Strump maren Idle Lian und dle, JJ upter dad. Belrifft: Aenderung der Ortssatzung für den städlischen n 90 8 1755 12 Bw. schwere Ware N e di eiten Pfei Für die 5 Schlachthof in Gießen vom 29. März 1910. Crösse 5 6 7 8 9 bis 11 Zufall f 0 Durch Beschluß der von der Stadtverordneten⸗ Mk. 2500 3000 3500 3750 4000 g 5 gde e dees a Geraer ba Helden Damenstcümpfe Schwanz, Paar Nl. 15830 e E ta k. e 55 Auch 195 21. März 8 Herrensocken, Paar Mk. 690, 900 hl ger lande 7 stimmungen in Art. 15 dee e pen die Ortiz Damenhemden Mk. 6900, Damenhosen Mk. 5900 f 3 6 satzung für deu städtischen Schlachthof in Gießen vom Strickwolle schwarz, Lot Mk. 290 f Dienstmädchen N Feines Blüteumehl 975 er 840.—. fr 27 1910 dinsichtlich der Gebührensätze wie folgt Nur so lange Vorrat reicht! Hgeinstes weites 1 0 t. l 1 8 7 sofort gesucht. f Nr. 00 900 5 1. Die im 8 1 erwähnte Ausgleichsgebühr würd; 5 Augzusonehl Pfund ver. 900. 9 65 Pfund Schlachtgewicht auf 80 Marr Ludwig Feige, Sonnenstrasse 20.5 Giessen e ö Maizynder.. Pfund Mk. 720.— t 2. Die 5 ö l eben weben wie fiat sefneelk: se Bekanntmachung. F οοιον eng. ane r Jgd— —. ß ek ume Ji N bokazsett. wen an 300l.— nn e e e en we eee ee H ik ncht gerne- 0 r 1 Dienstag, den 10. Apel Mludviehmarkt 1„ Gemüsenndeln*. 1000.—. „ e Spanferkel oder Jiegenlamm. 100„ Mittwoch, den 11. April Schweinemarkt Ihre Firma in die 1 3. Die unter C aufgeführten Trichinenschau⸗ Viehhändler und Landwirte werden aufgefordert, 5 90 Zwetschen. Pfund Mk. 720.— 0 gebügren werden wie folgt festgesetzt: den biefigen Viehmarkt zu beschicken und können nach 6 E f fl li b und 5 15 5 Für ein 3. 15 Mk. 16 früheren Erfahrungen eines guten Absatzes sicher ö fl. Schmelzschokolade Tf, 1200 0 „„ Spanser tel 1„ 5 7.— .., Stuck Jleisch... 50„ Gießen, den 26. März 1923. der Oberhessischen Volkszeit 1 Speise⸗ u. Tafel 5 5 6 8 f hen, Volkszeitung aufe Schokolade r 925.— fehr Ri 15 ent 5 Der Oberbürgermeister. J. V.: Klin gspor. nehmen zu lassen, die jede Woche einmal 4 ee. 1 buigbrfe bon Kabi 5 15 8 Soeben erschien in unserem Verlage: erscheint. Nur wenn die Kundschaft reinschmecdkend Pfd. von 10000 Mk. an b 2„ Kleinvi 4 7 3 2 Gebühren ee vom 1. April Toni Sender 55 Ihren Namen 8 Veiß⸗ ud Autpelle 0 an zur sebung. 1 5 Gießen, den 28. Mürz 1925. N.* f d 0 5 aus eigener Kelterei noch —— Große Koalition 5 15 den e 8 f a 8 irmen liest, ist der geschäftliche Erfolg. f Gestorbene. 8 Gegen ein Bündnis mit der verbürgt. Wir bitten, unsere Vertreter, Schade& 0 et L des- Nang g Fern. 5 Schwer⸗Industie welche Sie dieserhalb besuchen werden, ö F bund wut. 50.— 5 i e Wetzsteinstr. 40. erdigung: 29. März, 8 8. 22 0 5 Muc handlg. Oberhesssche Volksztitung 1 5 eee .— 25 N NN 15 1 2 Banken, Industrie P:.„ g 5 ö e oritz Gregori Di 6 Ils U 1 Elanos W 2 i Spielwaren Kreurplate 5 J. Aleemeines ö iSconto-Gesellscha t 6 nä f fl 1 1 0 5 l mutovertrieb u. 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Münlstein, Seltersweg 8830 K W; 8 ö 5 5 f urz., Weiss- und Woll-Waren Hild Hnlunialuiapen- Hild Säcke aller Art, sowie Papier-Gewebe-Säcke] ö dulitztslache lür Industrie und Handel Schuhhaus Britt, Butzbach Ernsshandlung flusikinstrumente wrgrredtes Pee backlabrik Gebrüder böb 2 e nabe ff Lebensmittelhaus Ernst Challier, diesen, Neuen nes N Axtiengesellschatt& Giessen„Solidität Butzbach, Wetzlarerstr. 19 W. Hahn, Lich Optiker Magnus, Marktplatz 19 —— 2471.* e 1 aller 15 und Butzhac g. Weretadt 2. Fachmänn. Bedienung. Lieferant aller kraukenkassen f ache ernzeiken- ermann Löh, Butzba 18817 f ialien Louis Rothenb eg2 4 3 4 11 li Aster i 4 910 Uhren— Goldwaren— brillen— 11 b duis ötielel, bich dunsterzalen Alteisen 1 80 eue 13