Ober ediltion: Gießen Bahnhofstraße 23 1 9 —— der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. fozeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes wanna Bahnhoffraße 23 Fernsprecher 2008. Die Oberh. Volkszeitu int j i 8 Der Wonnementspreis lit Henle 1 Wed vormittag in Gießen. kpirtschaftliche Beilage“ 90 monatlich 5500. Durch die Post bezog. 5500.—. Mek, einschl. Bringerlohn. k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm 290. t Blatt der Frau“ und„Land- Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von e Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. me b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder d Raum lokal 90.— Mk, auswärts 120.— Mk., die Nelanen 450.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 145 Gießen, Donnerstag, den 28. Juni 1923 1 13. Jahrgang der Rechtzputsch konnt... Wenn Wohin soll das führen? Der Münchener Hochverratsprozeß hat das Dunkel erhellt, in das sich e 85 die Hochverrats⸗ Ver⸗ schwörervande zu hüllen verstanden 1 199 e baben es die nähern Umstände, die sich an das Todesurteil ö gegen Schlageter knüpfen. Die nationalistischen Ver⸗ schwörerbanden und Putschkolonnen erfreuen sich nicht nur der finanziellen Unterstützungen durch deutsche Industrie⸗ kapitäne, sondern auch der französischen Regierung, da ihre 4 Tatigkeit geeignet ist, die französische Politik bestens zu unterstützen. Welchen Hoffnungen sich der französische Nationalismus angesichts der Zerrüttung der deutschen Wahrungsverhältnisse und der geheimen Vorbereitungen für einen Rechtsputsch hingibt, läßt blitzhell ein Artikel Her veés in der Victoire erkenne„in dem es heißt: 1 Der deutsche Arbeiter sei durch d. b r ver⸗ Wee nac die Jrouseelen ener und Helper feln ole Alldeutsch geftnnt und würden, wenn sie Opfer brächten, diese nur auf sich nehmen, nicht etwa um Frankreich die Schulden zu bezahlen sondern um den Versailler Vertrag zu zerreißen und den Revauche⸗ krieg vorzubereiten. Infolgedessen sei es unmöglich, daß eine Re⸗ gelung der Reparationen auf freundschaftlichem Wege zustande kom⸗ men könnte. In der deutschen Pseudorepublik könne sich keine Re⸗ gierung mehr Gehorsam verschaffen, und diejenigen, die ernsthaft gewillt seien, die Schulden an Frankreich zu bezahlen, hätten das Schicksal Erzbergers und Rathenaus zu erwarten. Die einzige Macht in Deutschland seien die 100 000 Mann der Reichswehr, die Polizei und die Geßeimverbände. Es müsse ein Wunder geschehen, wenn diese Leute darauf verzichten sollten, der Versuchung zu unter⸗ lliegen, die Monarchie wieder herzustellen. Da mit einem ernsthaften Wiüiderstand der deutschen Arbeiter nicht zu rechnen sei, werde dieser Streich auch gelingen. In Frankreich würden dann die Kom⸗ munssten, Soziolisten und die biirgerlichen Radikalen schreien, durch den Einmarsch in das Ruhrgebiet soll der monarchistische Staatsstreich in Deutschlaud vrrursgcht orden, und Flond George mürde in das gleiche Horn blasen. Wenn die französische und die belgische Re⸗ gierung sich dann klug erweisen wollten, dann ließen sie die französischen Linksparteien und Lloyd George ruhig schreien und würden auf den Staatsstreich mit der Unabhängigkeits⸗ erklärung des Rheinlandes antworten, indem sie gleich⸗ zeitig den Sonderbündlern behilflich wären, die Rheinische Re⸗ publik auszurufen.“ g Diese Worte Herbés enthalten leider mehr als nur die Hirngespinste eine Chauvinisten. Es ist das unvermeidliche Schicksal Deutschlands, daß es zerstückelt wird und nicht die Rheinlande sondern überhaupt seine Einheit ver⸗ liert, wenn ein Putsch, der zur Wiederaufrichtung der Monarchie führt, Erfolg haben sollte. Da ein solcher Putsch aber nur Erfolg haben kann, wenn die Reichswehr ihn unter⸗ stützt, liegt hier die größte Gefahr für den Bestand des Reiches. Soll die Reichswehr(und die Polizei) nicht selbst mit der Reichseinheit das Grab schaufeln helfen, so muß zwischen ihr und den putschlüsternen militärischen Geheim⸗ verbanden ein scharfer Schnitt gemacht werden. Nur so läßt sich dem Verhängnis, auf das der französische Natio⸗ nalismus spekuliert, vorbeugen. Die Tätigkeit der Putsch⸗ organisationen, die vorgeben, als echte Deutsche zu handeln, besorgen nur die Politik Frankreich und lassen sich von diesem Erbfeind, nach ihrer Lesart, finanzieren Die Nationalisten erschweren aber auch die Tätigkeit der Leute in Frankreich die die französische Regierung drängen, zu einer freundschaftlichen Verständiaung mit Deutschland zu kommen. Seit einiger Zeit erscheint in Paris eine neue Tageszeitung, der Quotidien. In 17 1 8 Redaklionskomitee sitzen Demokraten und e 5 bekämpft mit Entschiedenheit die innere und äußere Politik Poincarés und des nationalen Blocks. 155 somehr Beachtung verdient ein kurzer Artikel, 195 in 925 letzten Tagen mit der Unterschrift Pie re S 52 in dem Blatte unter der Ueberschrift„Eine ee e Tatsache ⸗ erschienen ist. Wir geben ihn im Paine 197 f Man weiß, was wir über die auswärtige Politik Poincarés 1 50 en. Aber es gehört zu unserem Programm, 65 55 e 1 sitionsstellung ehrlich sind, und es ist einfache 510 km erkennen, daß Herr Cu no eine Politik der g ro 5 b eibt, daß seine Minister und der seelesetcs aun eichend darauf 15 iche Holt in seiner 701 geseben, fee unden a e e eee ber i perialistischen 1 1 10 1 ißerf s das En 155 Habe ele mii Seitdem hat stch irksam e 5 7 1 5 te mächtiger sind a 1 Schuld auf un⸗ dem Abgrund 1 so leicht wieder daß Frank⸗ Gegner, ist hineintragen würde. Die Republik in Gefahr! Die Abwehr. Die alarmierenden Nachrichten von dem Vorgehen der Roßbachfeme und der Putschorganisationen hätten erwarten lassen, daß von den Regierungsstellen die schärfsten Maß⸗ nahmen ergriffen werden, um diesen systematischen Kampf gegen die deutsche Republik wenigstens zu unterbinden. Aber bisher ist noch nichts geschehen, was auf eine energische Unterdrückung dieser wilden Abenteurerbande schließen ließe. Die politische Verantwortung trägt die Reichs⸗ regierung, diese Feststellung ist nötig. Aber die Arbeiter- klasse, die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften würden sehr verkehrt handeln, wenn sie nichr ihr Hauptaugenmerk darauf richten würden, sich selbst zu helfen. Deutsch⸗ land ist nicht Italien, und der deutsche Fascismus wird sich blutige Köpfe holen. Die Arbeiterschaft muß un⸗ gesäumt ihre Gegenmaßnahmen treffen und den notwendigen Abwehrschutz organisieren. Nicht, um selbst den Bürgerkrieg zu eröffnen, nicht, um den großen politischen Kampf in gewaltsame Einzelkämpfe auflösen zu lassen. Aber wir sind stark genug, gegenüber den Mord⸗ organisationen und den Bombenvereinigungen, unsere Ab⸗ wehrorganisationen zu schaffen. Wir haben den dringenden Wunsch, daß die Staatsmacht endlich mit der nötigen durch⸗ greifenden Energie ihre Pflicht erfüllt und von Mord und Attentaten den politischen Kampf freihält. Versagt sie aber, dann sind wir noch lange nicht verloren, dann helfen wir uns selbst und gründlich! f In der richtigen Erkenntnis dieser Lage hat der Be⸗ zirksvorstand Schleswig⸗Holstein der sozialdemokratischen Partei folgenden Aufruf erlassen: Parteigenossen! Organisiert die Abwehr! Die Republik ist in Gefahr. Nationalistische Führer schrecken vor offenen Mordandrohungen nicht zurück. Roßbachfemen sind in Wirksamkeit. Alles wartet auf den großen Schlag, der kommen soll, um die Militärdiktatur an die Stelle der Weimarer Verfassung zu setzen. Das darf nicht sein. Einig und entschlossen wird die Arbeiterschaft jeden Streich der Leute abzuwehren wissen, die Meuchelmorde und Spreng⸗ attentate zu politischen Prinzipien erhoben haben. Die Ver⸗ trauensleute der Sozialdemokratischen Partei in Schleswig⸗ Holstein haben sich im Verein„Republik“ zusammenge⸗ schlossen. Ziel der Vereinigung, der nur Vertrauenspersonen der SPD. angehören dürfen, ist der Schutz der deutschen Reichsverfassung gegen jeden hochverräterischen Angriff, von wo er auch kommen mag. Vertrauensleute, tut eure Pflicht! Ein Gewerkschaftslokal gestürmt. Ueber die Ereignisse bei einer Fahnenweihe der Haken⸗ kreuzler in Passau, bei der Hitler persönlich anwesend war, meldet unser Parteiblatt in Regensburg: Vom Festzug aus überfiel man die Straßenpassanten und Zuschauer, riß ihnen die Abzeichen von den Kleidern, sodaß die Fetzen davon⸗ hingen, schlug mit Gummiknüppeln auf sie ein, ohne daß sie das geringste gemacht hatten. In der Theresienstraße wurde der Arbeiter Pf. ohne jeden Anlaß niedergeschlagen, sodaß er bewußtlos liegen blieb, b weil er ein republikanisches Abzeichen trug. Dem Arbeiter K. wurde aus dem Festzug heraus der linke Backenknochen mit einem Schlageisen zertrümmert. Im Laufe des Nachmittags zogen 18 bis 20 Trupps in Stärke von je 10 Hitlergardisten durch die Stadt und bedrohten die Passanter mit Revolvern und Gummiknüppeln. Einschreiten der blauen Polizei war größtenteils erfolglos, weil die Mehrzahl der Hakenkreuzler Waffenscheins besasß. 5 Nachts überfiel ein Trupp von etwa 50 Mann das Ver⸗ kehrslokal der freien Gewerkschaften, eröffnete das Feuer auf die dort aufgestellten Wachtpösten, zog sich dann aber beim Erscheinen der blauen Polizei zurück. Nur der Disziplin der organisierten Arbeiterschaft ist es zu danken, daß es nicht zu schwerstem Blutvergießen kam. N Die Arbeiterschaft wird sich noch biel mehr in Disziplin zu üben haben, aber dergestalt, daß den Hakenkreuzlern keine Zeit mehr“ zu Feuergefechten und zum Entwischen bleibt. Wir haben fortgesetzt den Standpunkt vertreten, daß es zwei Deutschland gibt. Aber die beunruhigende Tatsache besteht darin, daß das andere Deutschland, das liberale und demokratische Deutschland, von dem wir hofften, den es uns bei der Befriedung Europas helfen werde, statt an Boden zu gewinnen, Boden zu verlieren scheint bis zu dem Grade, daß der Kanzler ohne Mehrheit im Reichstag sich auf eine Politik versteifen kann, die gleichzeitig ruinös und gefährlich ist, eine Politik der Rachsucht, der Aufreizung und der Herausforderung. Die Ansicht, England werde Frankreich nicht folgen, reicht zur Erklärung dieser Haltung nicht aus. Sie kann nur eingenommen werden, wenn Cuno sich durch das Vertrauen des Volkes gestützt fühlt. Vielleicht jedoch täuscht er sich. In diesem Falle ist es hohe Zeit, daß die ver⸗ nünftigen Leute in Deutschland ihm die Augen öffnen.“ Pierre Bertrand pointiert scharf, und man kann ohne weiteres feststellen, daß das der Schlüssigkeit seiner Beweis⸗ führung Abbruch tut. Vor allem geht er zu leicht über die Verantwortlichkeit hinweg, die Frankreich durch seine Politik auf sich geladen hat. Man hat in Paris, wie er sagt, auf das„andere Deutschland“ gerechnet, aber wir dürfen fragen: Was hät Frankreich getan, um diesem anderen Deutsch⸗ land seinen Kampf gegen die alten Ideen und Gewalten zu erleichtern? Vielleicht betont der Mitarbeiter des Quotidien auch zu stark den bösen Willen des Kabinetts Cuno, wo er doch einen großen Teil der Schuld auf das Konto der freilich nicht minder beklagenswerten Passivität der Regierung setzen könnte. Aber auf jeden Fall ist es nütz⸗ lich, auf diese Stimme aus einem Kreise zu achten, der in der schärfsten Opposition zu Poincars stehend grundsätzlich eine ehrliche Verständigung mit Deutschland an⸗ strebt. Wenn die deutsche Politik nicht nur den nationalen Block gegen sich hat, sondern auch das Mißtrauen der fran— zösischen Linken erregt, dann sind ihre Aussichten nicht allzu hoffnungsvoll. Uns scheint gerade jetzt alles dazu angetan, auch diesen Rest von Vertrauen, das unser ehrlichstes Wollen noch bei der französischen Linken hat, völlig zu verscherzen. Wir sehen täglich, mie sich die Verschwörerbanden immer heraus- fordernder benehmen, und wir hören kein Wort von der Reichsregierung, das sich in dieser schwersten Stunde gegen das wahrhaft volksfeindliche und vaterlandsverräterische Gebaren wendet; wir sehen vielmehr, daß allen Stellen, die sich mit Entschiedenheit für den Schutz der Republik einsetzen, diese Arbeit erschwert und unmöglich gemacht wird. Er⸗ schreckt stehen wir aber vor einigen Andeutungen, die Ge⸗ FFF 1 nosse Rabold in einem Artikel macht und die in ihrer Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Welch ein Abgrund tut sich vor uns auf, wenn wir lesen: Das Schutzgesetz ist ein Spatzenschreck. Sachsen, Thüringen, ein paar kleine Freistaaten machen ernste Anstrengungen zur Gegenwehr. Aber sie bleiben isoliert, weil sie vom Reiche nicht die not⸗ wendige Unterstützung erhalten. In Preußen führt. Severing unter großen Schwierigkeiten einen zähen Kampf gegen die Feinde der Republik. Auch hier sind vom Reiche her die Gegenspieler am Werke, um seine Arbeit für die Republik zu durchkreuzen. In der Ver⸗ waltung, der Justiz, in großen Teilen der Polizei ist die Reaktion unerschüttert geblieben, und die Reichs⸗ wehr, der eigentliche Brennpunkt des Gefahrenherdes, ist selbst von Reformmaßnahmen verschont worden, geschweige denn das eine grundlegende Aenderung erfolgt wäre. Hier hat sich nichts zum Besseren, aber alles zum Schlim⸗ men gewandelt. N Das ist die Bilanz, die am ersten Jahrestag der Er⸗ mordung Rathenau zu ziehen ist. Der Respokt vor der Repu⸗ blik hat bei den monarchistischen Verschwörern nur so lange bestanden, wie die proletarischen Massen in Bewegung waren. Das Schutzgesetz hat sie nur so lange abgeschreckt, als in ihren Ohren der Massenschritt der Arbeiterbataillone noch nicht verklungen war. Ein Blick in die monarchistische Presse lehrt uns, wie lebendig jene Bewegung ist, die durch das Schutzgesetz zurückgedämmt werden sollte. Die Ver⸗ schwörerorganisationen, die trotz Schutzgesetz in ihrem Be⸗ stand nie ernsthaft erschüttert wurden, haben durch den Ruhrkrieg neuen Auftrieb, neue Aufträge und— was bei ihnen die Hauptsache ist— neue gewaltige Geldmittel bekommen. Zwar sind im Schutzgesetz den Geldgebern schwerste Strafen angedroht. Die Mittel flossen un⸗ gehemmt weiter, nicht eine Bestrafung ist bisher erfolgt. Sie wird erst recht nicht erfolgen, wo eine verblendete Politik glaubt, die Tätigkeit der nationalen Organi⸗ sationen im Ruhrkrieg nicht entsagen zu können. So ist das Blut Rathenaus umsonst geflossen. So werden auch alle papiernen Erlasse und hochtönenden Versprechungen ein Nichts bleiben, solange nicht der proletarische Massenwille staatspolitische Macht wird. Nur in diesem Zeichen wird die Republik bestehen und ihrer Feinde Herr werden können. F eee eee — Eigenartige Sonnwendsefer. 1 Ein Arbeiter getötet. Ueber Zusammenstöße zwischen dem rechtsradikalen * und Arbeitern in Dramburg(Pommern) er⸗ sahren wir aus Stettin noch folgendes: Der Jungsturm, eine 125 der Deutschnationalen Volkspartei und dem Deutsch⸗ nationalen Ofsiziersbund im engsten Zusammenhange f stehende Jugendorganisation, die durch das Tragen von Litewken und der Farben der jeweiligen Kompagnien nach altem militärischen Muster(blauweiß, rotweiß usw.) und durch teilweise Bewaffnung mit Pistolen sich einen militärischen Anstrich zu geben verstanden hat, hielt am Samstag eine Sonnwendfeier unter Teilnahme auch weiterer Kreise der Bürgerschaft ab. Durch das Ver⸗ halten der jungen Leute fühlten sich Arbeiterkreise provo⸗ 5 ziert. und es kam zu Zusammenstößen. Der herbeigerufene Landrat erschien mit einigen Polizeikräften und suchte zu vermitteln. Trotzdem kam es abermals au Zusammenstößen, in deren Verlauf Jungsturmleute eine Anzahl von Pistolenschüssen abgaben. Ein Arbeiter wurde getötet, ein zweiter durch Bauch⸗ schuß lebensgefährlich verletzt und drei weitere verwundet. Als jetzt die Arbeiter in größter Erregung auf die Jung⸗ sturmleute losgingen, gab es auch bei diesen einige Verletzte. Die Stettiner politische Polizei hat Beamte zur Unter- suchung der Angelegenheit entsandt, sodaß eine genaue Klärung der Zusammenhänge beborsteht. In der Bevöl⸗ kerung herrscht große Empörung über das durch die Jung⸗ sturmleute angerichtete Blutvergießen. Allgemein wird die Auflésung der ganzen militärischen Jungsturm⸗Organi⸗ sation gefordert. Auch erscheint es unbedingt erforderlich, festzustellen, wer den unreifen Burschen des Jungsturms Waffenscheine ausgehändigt hat! Hitler in Baden. Aus allen Teilen Deutschlands kommen Nachrichten, daß die deutschvölkischen Geheimverbände eine ungemein rührige Tätigkeit entfalten. Heute können wir aus Baden berichten, in welcher Art Hitler dort den Bürgerkrieg zu organisieren sucht. In Karlsruhe wird verkündet, daß es nur noch wenige Zeit sei bis zum Bürgerkrieg. In einem ba an die Studenten der badischen Hochschulen heißt es er Zildet Hundertschaften, besorgt Euch Gewehre, lernt sie gebrauchen!“ FCC 1 5 Und weiter: 5 6 Kampf bis aufs Messer! „Laßt Euch nicht mißbrauchen, duldet es nicht, daß man Eure gesunde Kraft gegen den äußeren Feind ber⸗ luten läßt, ehe nicht im Innern Deutschlands der jüdische Geist und der marxistische Wahn gebrochen sind. Frischauf 2 fröhlichen Jagen! Es kommt der Tag! Burschen raus!“ Die Kämpfe in Eisleben. Wir berichteten gestern von den Zusammenstößen zwischen tahlhelmleuten und Kommunisten in Eisleben. Hierzu erfahren ir, daß die Stahlhelmleute ihre„Geländeübung“ ausdrücklich von 17. auf den 24. Juni verlegten, für welchen Tag in Eisleben und sfeld die Gewerkschaftsfeste angesetzt waren. Der Führer der nde, Graf Lucker, hat in ihrer 5 erklärt:„Am nntag entscheidet es sich, ob in Mansfeld die a 8 die rote Fahne weht.“ Die Verbände Stahlhelm, Jungdo und wolf hatten ihre Leute aus dem ganzen Land zu dieser„Ge⸗ bung“ herbeigeholt. Das zeigt zur Genüge, von welcher Seite 1e Sale get zu den Zusammenstößen direkt gesucht worden ist. . Leider ist uns kein eigener Bericht aus Eisleben zugegangen. tgegen der bürgerlichen Pressenmeldung, die wir gestern brachten, gt die kommunistische Presse folgenden Bericht:„Als ein Trupp Jugendlicher von etwa 30 Mann nach beendeter Demonftration zum — zog, wurde er von Stahlhelmleuten überfallen. Mehrere — den zu Hilfe etlenden Arbeitern wurde der Stahlhelm zurückge⸗ schlagen, trotzdem er mit Pistolen schoß. Die anrückende Sipo ging mit schußbereitem Gewehr gegen die Arbeiterschaft vor. Zwif der Sipo befanden sich Stahlhelmleute, die weiter schossen. 1 Sipomann wurde von einem Faschist in den Rücken geschossen. Seiten der Arbeiter erhielt ein Genosse einen Kopfschuß, ein 5 einen Dolchstich in den Rücken und zwei Arbeiter wurden mit Gummi⸗ und Stahlknüppel schwer verletzt, acht Arbeiter wurden leichter verletzt.“ Das Dynamit Attentat und die Polizei, Die Arbeiterschaft ist vogelfrei. Aus Münster wird uns geschrieben: Zwei Tage sind verstrichen, seit die Druckeren unseres Volkswillen einem Dynamit⸗Attentat zum Opfer fiel, ohne daß es der Polizei bisher jedoch gelungen wäre, den Tätern auf die Spur zu kommen und irgendwelche Verhaftungen vorzunehmen. Das verwundert niemand, der die hiesigen Verhöltnisse kennt. Als in der Nacht vom 17. zum 18. Januar das erste Attentat auf unsere Druckerei er⸗ folgte und 17 Setzerkästen ausgeschüttet wurden, war die Kriminalpolizei ebenfalls sofort benachrichtigt worden. Aber bis jetzt hat sie über die Täter nichts ermittelt. Dabei steht natürlich für jedermann der enge Kreis fest, in dem die Attentäter zu suchen sind: Es sind die deutschvölkischen Heldenjünglinge, die sich seit dem Ruhreinbruch hier in großer Zahl ein Stelldichein gegeben haben und die unter der Oberleitung verrückt ge⸗ wordener nationalistischer Universitätsprofessoren von hier aus ihr Handwerk betreiben. Damals fand man in der Druckerei einen Zettel„Für Ludendorff“, und als vor kurzem eine große Scheibe unseres Partei⸗ betriebes zertrümmert wurde, wies ein Zettel „Für Schlageter, Ihr Säue!“ die Spur. f Anhaltspunkte sind also zur Genüge gegeben, und es wäre nicht allzu schwer für die Polizei, mit etwas mehr Er⸗ folg tätig zu sein. Aber nichts ist bezeichnender für die Auf⸗ fassung von der Vogelfreiheit der Sozialdemo⸗ kratie, die anscheinend die Polizei in dem völlig natio⸗ nalistisch verseuchten Münster beherrscht, als ihre Haltung nach dem Januar⸗Attentat. Damals wandte sich die Ge⸗ schaftsleitung unseres Parteiunternehmens an die Polizei mit der Bitte um künftigen polizeilichen Schutz. Dieses Ansuchen wurde jedoch abgelehnt mit dem Hin⸗ weis, daß die Zerstörung im Setzersaal ein schlechter Scherz, aber kein gefährliches Unternehmen darstelle. Wir wissen nicht, als was unsere Polizeigewaltigen das jetzige Sprengattentat betrachten. Es scheint uns angebracht, daß sich die Berliner amtliche Zentralstelle um die Handhabung der Polizeigewalt in Münster etwas mehr als bisher kümmert. 1 Politische Uebersicht. Der Kampf um die Sommerferien. Das vorige Schuljahr wurde bekanntlich in Gießen wie auch an einigen anderen Orten aus Gründen der Kohlen⸗ ersparnis um 1 Woche gekürzt, sodaß die Schulen statt 3 Wochen, 4 Wochen Ferien hatten. Das Bildungsamt hatte darum angeordnet, daß diese Woche an den Ferien des laufenden Schuljahres abzuziehen sei. Diese Maßnahme wurde natürlich von den Beteiligten— Eltern, Lehrer und Schüler— nicht gerade freudig aufgenommen, und da nun gar ein Abzug der Woche an den Sommerferien droht, so hat in diesen Tagen besonders in Elternkreisen ein heftiger Widerstand eingesetzt. Elternver⸗ sammlungen haben bereits entschieden gegen die mürden verfiterder, einer 5 worfen. Won und erkksprechende an das Bildungsamt beschlossen. Die vorgebracht erscheinen auch uns durchaus stichhaltig. Da das R Gesamtdauer der Ferien in einem Schuljahr für alle auf 85 Tage festgesetzt hat, so ist es zunächst mehr als lich, ob ein einzelnes Land das Recht zu einer Kürzung Die Auffassung, daß nach dieser reichsges setzlichen eine Kürzung bezw. Verlängerung von Ferien nur in er“ halb desselben Schuljahres statthaft ist, ist woh unanfechtbar und schon aus diesem Grunde die Anord nung des Bildungsamtes unzulässig. Weiter wird mit Recht geltend gemacht, daß die längerung der Osterferien auf 4 Wochen durch„höhere walt“ verursacht war und es deshalb nicht angängig sei, i Schüler durch Abzug an ihren nächstjährigen Ferien dafün „büßen“ zu lassen. Dieser Ausdruck ist wirklich in sei vollen Bedeutung hier zutreffend, denn eine Kü Sommerferien hätte eine gesund heitliche Schädi gung der Schüler zur Folge. Das hat auch Universi. Professor Brüning in einem bedeutsamen, der C an das Bildungsamt beigefügten ärztlichen Gutachten stätigt. Da seine Ausführungen bon allgemeinem Intere sind, setzen wir das Wesentliche hierher. Es heißt u. a:: „In den warmen Monaten Juli und August ist das Längenwachst um der Kinder am arb F sie in den Wintermonaten in die Breite wachsef Die Hauptgewichtszunahme erfolgt im Winter, während 5 Sommer nur geringe oder gar keine Gewichtszunahme zu verzeichnen ist. Das Längenwachstum muß also hauptsach. lich aus den Reservestoffen bestritten werden. Des. halb ist der Körper auch gerade zu dieser Zeit besonder empfänglich für Infektionen(Tuberkulose) und Rachitis. Geistige und körperliche Ermüdung aber setzen die Widerstandskraft gegen solche Erkrankungen herab Daraus ergibt sich die Forderung der Aerzte: Juli und August sollten möglichst schulfrei sein. wenigstens sollte in der heißen Jahreszeit unter 4 Wochen Ferien nicht herunter gegangen werden. Und das sollte gerade in diesem Jahr nicht geschehen, weil die Kinder bei dem feuchten, kalten Wetter ihr Zeit nicht im Freien verbringen konnten, nden in engen Wohnungen zusammengepfercht waren.“ Den angeführten Gründen formaler, und sachlicher Art läßt sich auch ein pädagogischer hinzufügen: i Kindern, die sich in der Ferienzeit nicht genügend erholt 73 haben, die zudem zu einem großen Teil unterernährt sind, hat auch der beste Lehrer seine liebe Not, während mit völlig ausgeruhten, körperlich und geistig frischen ade die geistige Arbeit leicht und spielend vonstatten geht. es ist ein banausischer handwerksmäßiger: d. Red.) 1 daß das Maß des im Unterricht Erreichbaren von de Länge der Unterrichtszeit abhänge. 3 Wir möchten nach alledem nicht annehmen, daß die ge⸗ lehrten und der praktischen Bildungsarbeit noch nicht allzu · lange entzogenen Herren des Bildungsamtes aus klein⸗ licher Pedanterie heraus ihr Ohr den geltend ge · machten Gründen verschließen werden. Es wäre a politisch unklug, denn niemand vermehrt gern die Zahl seiner Gegner, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Nach unserer Kenntnis besteht das Bildungsamt auf seinem Schein auch nur aus Gründen der Parität gegenüber den Landschulen, die im Falle des Nachgebens ihrer⸗ seits verlangen würden, daß etwa verlängerte Ernteferien i ebenfalls nicht an anderen Ferien abzuziehen seien. Aber einmal sollte man doch den Herren vom Lande die Erkennk⸗ nis zutrauen dürfen, daß die oben erwähnten gesundheit⸗ lichen Gründe nicht in gleicher Weise für die Landkinder gelten, bei denen Unterernährung bei weitem nicht in dem Umfang und in dem Maße wie bei den Stadtkindern vor⸗ Kürzung Stelling genommen und 3 Der verlorene Sohn. 4 Roman von Hall Caine. 18 „ Wenn ich zurückstehe und die Folgen auf mich nehme, gibt es auch etwas, daß Du mir schuldest— das ist Dein tillschweigen!“ „Dessen sei versichert,“ sagte Oskar.. „Was ich morgen auch tue oder sage, Du darfst es Dir unter keinen Umständen merken lassen, daß Du meine Ab- sicht tennst. Versprichst Du es mir?“ 1„Ganz fest!“ sagte Oskar.„Stillschweigen ist unum⸗ gänglich nötig, wenn ich Thora vor dem Zorn ihres Vaters retten soll und ich will sie davor beschützen, wie vor jeder ö deren Unbill.“ Magnus war der Türe zugeschritten und jetzt zum ersten Male hatte Oskar wirklich einen Blick für ihn. 5„Welch ein elender Geselle ich bin— immer nur von 2 selbst zu reden!“ sagte er, seinen Bruder bis zum reppenabsatz folgend.„Und wenn alles sich glücklich ab⸗ gewickelt hat, was wird aus Dir werden?“ „Gott weiß es!“ erwiderte Magnus, mit einem Fuß auf der Treppe.„Jeder hat seine eigenen Sorgen, die ihm niemand abnehmen kann.“ „Nun, Gott segne Dich wie es auch kommen mag, alter Bursche!“ sagte Oskar, Magnus auf die Schulter schlagend. Dann kehrte er in sein Zimmer zurück, zog Thoras Brief hervor und durch las ihn von neuem. Zehntes Kapitel. 4 1 Die Verlobung war auf fünf Uhr am nächsten T geesetzt nun das Haus von oben bis unten zu reinigen, blitzte und blinkte. Wohnzimmer, das monie dienen sollte, intenfässern, und Tage an⸗ Tante Margret hatte Frauen zur Hülfe genommen, und alles In dem großen, der Stadt zu gelegenen ür den rechtsgültigen Teil der Zere⸗ stund ein runder Tisch niit Federn und 5 in dem kleineren nach der*e binaus⸗ henden und nur durch einen Plüschvorhong von ihm ge— Ruhig und feierlich lagen beide Räume da, als Tante Margret, um eine letzte Umschau zu halten, Punkt halb fünf Uhr in ihrem besten schwarzseidenen Gewande und mit frisch eingeölten Löckchen herunter kam. Sie war noch mit dem letzten leichten Abstäuben beschäftigt, als der erste Gast er⸗ schien. Es war Anna, ebenfalls in schwarzer Seide und in ihren Gesellschaftsmanieren; Tante Margret küßte sie. „Aber wo sind Oskar und der Gouvevneur?“ Tante Margret. „Stephen kommt gleich,“ sagte Anna,„aber ferne sei es von mir, sagen zu wollen, wo Oskar ist, der Junge ist überall und nirgends.“ „Das erinnert mich an etwas,“ sagte Tante Margret. „Kannst Du mir etwa sagen, wie es zuging, daß die jungen Leute sich gestern in Thingvellir verfehlten und Magnus allein nach Hause kam?“ „Das weiß der liebe Himmel! Jedenfalls war es nicht Magnus' Schuld. Magnus ist ganz wie mein armer Vater, so sicher am Platz wie ein Mühlenpferd in der Tretmühle; Oskar aber kann man ebensowenig wie einen Windhauch festhalten. Das ist nun einmal seine Natur so, er kann nichts dafür; mich beunruhigt es schon, wenn ich daran denke, Margret.“ „Um Oskar braucht Dir nicht bange zu sein, Anna! Der wird schon seinen Weg machen. Und wenn er unstet und unbeständig ist, so nimmt Gott solche schwachen Naturen be⸗ sonders unter seinen Schutz. Er verlangt nie mehr als er gewährt, das weißt Du ja!“ Der Jaktor kam im Gesellschaftsanzuge, Hauskäppchen und mit einer langen deutschen Pfeife in der Hand, her⸗ unter. Er war ein großer, glattrasierter, kahlköpfiger, etwas hart und ungelenk erscheinender Mann. „Jetzt wird noch nicht geraucht!“ rief Tante Margret, und halb knurrend, halb lachend legte er seine Pfeife auf den Ka nminsims. „Und wie geht's Dir hente, Anna?“ sagte er,„obgleich es der Frage gar nicht bedarf, denn unsere Anna sieht so s2risch und jung aus wie immer. Auf mein Wort, es scheint mir bie gestern, als wir alles das für Anna selbst taten.“ ie war zu der Zeit aber eine andere Anna, Oskar,“ fragte N trennten, war der lange, von hochbeinigen Sten um⸗ 0 zebene Eßtisch mit Tassen, Tellern und Kuchen bedegr — 1 sagte una. „Durchaus nicht, der einzige Unterschied ist, daß jetzt 3 ein bischen mehr von ihr do ist.“ Der nächste, der hereinkam, war der Gouverneur, ein breitschultriger Mann mittlerer Größe, mit einem Backen⸗ jedoch keinem Schnurrbart und in seiner reich goldgestickten 0 Uniform. Er begrüßte den Faktor und sagte:„Ich habe mir erlaubt, den Bischof, den Gomnasialdirektor und den Kreisrichter einzuladen— ich hoffe, Du hast nichts da⸗ gegen?“ „Das war recht, alter Freund,“ sagte der Faktor. wichtigsten Schritte des Lebens sollte man immer in Geg wart von Zeugen tun.“ „Und wie geht es, Margret? Geschäftig wie immer, sehe ich. Es ist gut, daß nicht alle Festtage auf denselben 50 fallen. Nächstes Mal gelten unsere Vorbereitungen ir!“ „Der Margret?“ lachte der Faktor.„Sie muß sich aber eilen, wenn sie nicht zu spät sein will— um Weihnacht werden nicht viele Küchlein ausgebrütet.“ „Das wäre wahrlich spät!“ sagte Tante Margret, ihre Löckchen schüttelnd,„und da ich es Euch, Leutchen, mit Eurem Paar Küchlein jedes doch nicht mehr gleich tun kan halte ich es überhaupt nicht mehr des Anfanges wert.“ Die Männer lachten und Anna sagte:„Nun, ich e mich gern mit zwei Kindern begnügen, wenn ich sie nur nicht herzugeben brauchte. Das ist aber das schlimmste b Knaben, sie heiraten und gehen davon. Ihre Mädchen gegen kann eine Mutter immer behalten.“ „Bis die Knaben von irgend jemand anderem kommen und sich mit ihnen aus dem Staube machen und sie von beiden nichts mehr sieht,“ sagte Tante Margret.. „Das hängt von Umständen ab.“ sagte der Gouberneut —„dem Ehekontrakt, zum Beispiel— wie, alter Freund?“ „Sehr richtig,“ sagte der Faktor.„Man kann den Stier gewöhnlich in der Nähe des Gehöftes halten. 1 man ihm die Kuh in den Kuhstall einsperrt.“ Erneuertes Gelächter der Männer, und dann kamen Bischof und der Rektor— ersterer ein heiligengleicher a Patriarch mit mildem Gesicht und weißem Bart, und Rektor, wie es einem Schulmeister zukommt, schärser, nicht strenger blickend. Fortsetzung folg . Frs A l . * 8 A 2 * N N 5 1 da gesagt wird, 1 1 a — e gans abgesehen dabon, daß ein großer Teil dieser, der die höheren Schulen besucht, in weit höherem Grade geistig angestrengt ist. Und dann: wäre es wirklich etwas 8 Furchtbares, wenn auch einmal auf dem Lande eine . nicht mit Kürzung anderer Ferien ge⸗ 1 3 Kur nicht so ängstlich, ihr Herren Ober- schulrä el Muntere, durch das Geschenk einer Ferienwoche seelisch gehobene Kinder(und Lehrer!) holen das Versäumte schnell wieder ein. Wir können aber ohne eine notwendige die wir im Gießener 5 d, daß die 175 8 168 gesch ufklärung am Platze. Die Stadtd d in 1 e 8e erwaltung erklärte eines ö 0 1 5 fee a rer die lksschulen keine Kohlen mehr alte ö schlusses gestellt waren. Schu mit Heizmaterial eingedeckt fortsetzen können. es mußte vielmehr verhandelt werden. Diese Verhandlungen aber zwischen den einzelnen Stellen, Sunk ö verwaltung, städtisches Schulamt und Vertretung der Schulen ohne Rücksicht auf die 15 85 3 und den Unter uchen der oberbehördlichen Genehmi i re wende hmigung noch einige Tage durch einen . Schulbehörde los⸗ in der Adresse geirrt. 5 5 ist aufzuklären. Das J Bildungsamt hat n icht von Anfang an die— gerade der Sommerferien verlangt, sondern die zu kürzenden Fersen freigeste[It. Warum haben die verantwort- lichen Stellen sich nicht rechtzeitig vereinbart, die 5 5 eee, ee ziemlich verregneten Pfing stferien eintreten zu lassen und zum anderen Teil etwa bei den Herb stferien? Das wäre zu machen f 7 Aber der Schulinstanzenapparat scheint hier schlecht zu funktionieren. Doch all diese Ungeschicklichkeiten recht⸗ ertigen es nicht. Schüler und Lehrer Eine Stelle im Bericht über die Elternversammlung n der Höheren Mädchenschule hat uns uneingeschränktes ergnügen bereitet: die„gewissen Herren“ haben mit dem 1„Streik“ ihrer Kinder gedroht. Sehr gut! Sie erkennen aalso den Streik als Waffe und als Mittel zur Durchsetzung on Forderungen an, die man auf gütlichem Weg nicht er⸗ reichen kann. Aber vermutlich haben die gleichen Herren schon manchmal über„wirtschaftliche“ Streiks der Arbeiter schaft tapfer geschmält. Es ist merkwürdig, wie leicht der Mensch umlernt, wenn es sich um seine eigenen Inter⸗ eessen handelt! Nun, jedenfalls heißen wir die Herren— vielleicht war wohl gar ein Industriemann darunter?— ö dafür büßen zu lassen. als Streikgenossen herzlich willkommen! Gießen und Umgebung. ö Lundtzsekretarit der petein. sozialdemokr. Partei Hessens. Offenbach a. M., den 25. Juni 1923. An unsere Parteifreunde in Stadt und Land! Werte Genossinnen und Genossen! 5 0 An der sozialistischen Heimvolkshochschule Schloß Tinz bei Gera beginnt am 20. August 1923 ein neuer Kursus für Männer, ider 4 Monate, bis etwa 20. Dezember 1923 dauern wird. Auf den Begzirksvorstand Hessen entfallen 1 bis 2 Bewerber. Für jeden Schüler ist eine Teilnehmergebühr von 120 000 Mark zu entrichten, die an den F 952 1 b d artei gestattet die Uebernahme dieser Gebühr N 992 0 von den Teilnehmern zu tragen. von 20 bis 30 schon beim letzten Kurs b sichti brauchen nur auf ihre letzte Be⸗ n Bewerbungen sind bis spätestens N 1. Juli 1923 beim Landessekretariat einzureichen, wo jede weitere erteilt wird. Der Landvorstand. J. 0 Offenbach a. M, den 28. Juni 1923. An die Ortsvereine! N Werte Genossen! 1 Der Landesvorstand hat sentwertung den Wochenbeitrag 400 Mark 15 weiche 1 100 Mark für weiblich e 1 1 0 der sind vom Beitrar a N e 70 eee rr die sich in e eee age Näunden. zahlen eine ihrer Leistungsfähigke ge Beiträge. eee und Kassie nossen, welche sich A.: W. Widmann, Landessekretär. it Riicksicht auf die rasende Geld⸗ ür. Juli 1923 auf nd Mitglieder festgesetzt. reine werden ersucht, 17 3 die Landeskonferenz 1 it. diücksicht l bie Suartalsab rechnungen mit Rücksicht nung und Geld an das loiert affe een 40. Orlt 4000 einchecken, Tee lichst 0 Fankelstteeerlat bis swilestens 20 Landesparteitag bringt für das 8 ch und können die Cutsverelne dannen 1 3 e 19 Beiträgen zu entrichten: ö 2 5 1 21 2* ur 7055 0 1925 5 Beitrüge à 100 Mark; 1 ale für den Monat 170 webliche Mühle ft 11 tariat viel Arbeit mit b kreieren die Arbeit erleich⸗ pünktlich einschicken. b. für den Monat Jun entrichten. Mit Parteigruß! sofern man ihn zu zu werden. Straßen. heit der Erholung hüten muß, nämlich seiner Gesundheit so Die sogenannte Das jeder Unglücksfall seine einen klar denkenden Zunahme der Bevölkerung großen Teil in d. h. und zu der Erkenntnis zu eigenen Wohlfa übrigen Völker erkannte Wahrheit. fangen, mußte behrlichen Gütern der Welt zu machen. Wenn ne diel nehmen, als es eben Weltkrieg war Grades. Mit einer einem Blutbad „höherer Gewalt“ ohne jeden, nichts dergleichen Weltkrieg erraffte in den so verderblichen Geisteszustand und schon gegen den bloßen Gedanken eines„Ueber⸗ staates“ wird selbst am Sitze des Völkerbundes feierliche Verwah⸗ rung eingelegt. Die Menschen sind Narren geworden, Narren ihrer von denen sie nicht lassen wollen. Götzendienst in einen Gottesdienst zu verwandeln, in einen Dienst am Rächsten, der auch als Mensch senseils der Staatsgrenzen eines Landes extkstiert, so wird die Welt rettungslos zu Grunde geh'n. Zunächst werden die„Sieger von heute“ noch einmal einander in die denn der Kampf um die Vorherrschaft und die volle⸗ abwechselnd entbrennen, weil ohne Un Götzen, Haare fahren, ren Schüsseln muß des einzelstaatlichen Geistes stillen Ozean seit und das jedenfalls stellte, daß das Problem des wenn dabei der Standpunkt wie der der Amerikaner. zogen wurde.“ Viermächtevertrag England). lösen und beizulegen. gebracht werden müssen, wird dringend gebeten, Bedenken zurückzustellen. unde 40 Man nge 4400 Rark für mann che 1. n fur den Nonag 9 0 Mark für weibliche Mitgteder⸗ Zum Verständnis die Weltlrise. Wenn der Mensch an irgend einer Krankheit leidet, so wird er den Vernünftigen zählen darf, verhalten. Zum mindesten wird er nicht in den Fehlern beharren, die seine Krankheit hervorgerufen oder verschlimmert haben. enthält sich z. B. ein Lungenkranler des Rauchens, der für ihn unzuträglichen und schädigend wirkenden Kost. zeigen, indem sie so handeln, Anders steht es mit den un vernünftigen Kran⸗ ken. Ich wurde kürzlich auf einen solchen aufmerksam. Kaum einer schweven Lungentzündung entgangen, wieder wie nicht vecht gescheit auf seiner Obwohl er ganz genau weiß, daß man nach einer Krank⸗ bedarf und sich besonders vor Rückfällen durch strenge Vermeidung gerade der Schäblich⸗ keit, die die Krankheit verursacht hat, so nimmt er doch gedankenlos und dem Beispiel ebenso unverständiger Mitmenschen folgend, die S gewordene Beschäftigung wieder auf. ulturwelt unserer Tage scheint sich in einer ähnlichen Lage zu befinden. sucht, wendet sie nicht die Mittel an, die ihr helfen würden, sondern bekundet ein ungestilltes Verlangen gerade nach dem, was sie an den Rand des 8 gebracht hat. Unglück, welches über uns hereingebrochen ist, hat wie Ursache. Diese Ursache zu erkennen, ist für Menschen nicht schwer. Mit der Völker voneinander ver kommen: daß jedes Volk zu seiner 16 edarf. wirtschaftliche Einheit der Welt blieb eine u n⸗ jedes Volk darauf bedacht sein, sich von den unent⸗ jeden Konkurrenten mit Gewalt niederzuschlagen und unschädlich Schar Kinder Weihnachtstisch herfällt und jedes einzelne Kind will sich gerade erraffen kann, dem genügt auch nicht die reichste Tafel 174 Raufereten müssen entstehen. eine grenzenlosen Zerstörung wertvoller Kulturgüter und sondergleichen hat er geendet. daß den ermüdeten und zum Teil heute noch blutenden Kriegsteil⸗ nahmern die Augen aufgehen würden darüber, daß fahrene, zur Gedankenlosigkeit und Kritiklosigkeit erzogene und von geführte„Kinder ihrer Zeit“ gehandelt haben und ö zu einem Krieg ausartenden Streit sich alle sättigen könnten, wenn sie nur die W 46 Einheit der Welt erkennen tst noch zu danke bei der Mehrheit aller Völker ist eben gerade der, die im Beute möglichst dauernd! 4 die nächste Gelegenheit besser zu bewaff ohrt man sich in allen Ländern(nicht zuletzt auch in Deutschland) Es erweckt fast den Anschein, als vb Rasse wäre, den weit sozialer veranlagten Gelben die Beherrschung der Erde zu übe rlassen. Es hat sich nämlich ganz dort hinten am der Washingtoner Abrüstungskonferenz vollzogen, das dem alternden Europa als Vorbild dienen könnte zeigt, mit wolchem Weitblick sich die ganz beson⸗ dere organisatorische Kraft Amerikas im Kampfe an den dort kon⸗ kurrierenden Interessen betätigt hat. liche Lösung aus 2 Gründen: einen echtamerikanischen Staatsmann, der noch die Rechtskraft allgemein gelten läßt und der alles!, sondern ausdrücklich bei Beginn der Verhandlungen fest⸗ Zum anderen sind die Japaner dazu er⸗ zogen, bei jedem Konflikt mit dem Lösung zu rechnen. Somit tragen sie in der Nachgiebigkeit und Versöhnung hinein. Das Ergebnis war, „daß Sibirien bis auf die nördliche Hälfte von Sachalin von den Japanern geräumt, die Halbinsel stattet und die Garntson aus Hankon im Herzen Chinas zurückge⸗ Das japanisch⸗englische Bündnis ist durch einen ersetzt worden. Damit hat Amerika der Militarisierung Oftastens entscheidend vorgebaut und sich ein großes Verdlenst für die Sache der Mensch⸗ lichkeit erworben. Zugleich haben Japan und Amerila uns Euro⸗ päern gezeigt, welche Art von Schiedsgericht Streitfragen großer Völber in friedliche 35 zu — Möblierte Zimmer diesen Tagen wird eine große Anzahl aus Rheinhessen ver⸗ triebener Eisenbahner mit ihren Familien, mindestens 1500 Personen, in Gießen vorübergehend unter⸗ stimmungsort zugeführt werden. zeitig hier anwesend sein, sondern 200 bis 300 Personen ankommen, die nächsten stets, sobald die vorhergehenden Gießen wieder verlassen haben. möblierten Räume dem städtischen Wohnungsamt, Asterweg 25, zu diesem Zwecke zur Verfügung zu stellen und häusliche borzugsweise in hiesigen Gaststätten beköstigen. Diese, wie 1923 6 Berkrage 2 150 Marr fur achten, daß alle vollbeschäftigten W. Widmann, Landessekretär. sich entsprechend ein Magenkranker Beide „ein starkas Verlangen, wieder gesund rannte derselbe schon Rennmaschtne durch die Von einer furchtbaren Krise heimge⸗ ständigen an eine stets wachsende Abhängigkeit war es sehr schwer und fast unmöglich, auch die Wohlfahrt aller Mit anderen Worten: Die In jenem einzelstaatlichen Denken be⸗ so viel als irgend möglich zu sichern und über einen veich gedeckten nun so Des höchsten solche Rauferei Man sollte annehmen, ste wie uner⸗ rheit vonder ökonomischen und anerkennen wollten. Aber bemerken Der vorherrschende Ge⸗ zu sichern und sich dazu nen. Immer tiefer ver⸗ und verhängnisvollen nationalistischen Gelingt es nicht, deren rwindung anders keine Lösung zu finden ist. es das Schicksal der weißen etwas Möglich war eine fried⸗ Elnmal hat Amerika in Hughes nicht etwa ruft: Amerika über stillen Ozeans nur gelöst werden könnte, der Japaner genau so beachtet würde, Kompromiß als natürlicher alle Streitigkeiten den Getst Schantung an China zurücker⸗ (Japan, China, Amerika, Politik notwendig ist, um selbst ohne — für Vertriebene gesucht. In voraussichtlich bevor sie ihrem endgültigen Be⸗ Sie werden nicht gleich⸗ in Gruppen von etwa Es alle vorübergehend verfügbaren Die Ausgewiesenen werden sich unden. Kein Land konnte mehr für sich allein bestehen, jedes war auf die Erzeugnisse nicht nur eines Erdteils, sondern der ganzen Welt angewiesen. Nun waren aber die Völker in wirtschaftlichen Anschauungen erzogen, die noch zum der vorwiegenden Selbstversorgung verankert lagen, hervorgegangen waren aus einer Zeit, in der noch jedes Land unabhängig von jedem anderen existieren konnte und leiner Ein⸗ Ausfichr von und nach ausländischen Gebieten bedurfte. Für derart„groß deere nicht über die Grenzen des eigenen Staates hinausblickende tanen mann⸗ aber auch alle Lebensmittelgeschäfte, die Bäcker und Metzger liche und 40 Mark für weibliche Mitglieder. 5 2710 Von den Befträgen zu 150 Mark sind 112 Mark ö von den Beiträgen zu 100 Mark find 75 Mark von den Beiträgen zu 40 Mark sind 30 Mark an die Landeskasse einzuschicken. Es wird gebeten, darauf zu Mitglieder für das abgelaufene Quartal insgesamt 16 Beiträge werden sich in der nächsten Zeit gesteigerten Anforderungen gegenübergestellt sehen. — Die Beerdigung des Genossen Adam Volz fand am Dienstag bei überaus zahlreicher Beteiligung statt. Trotz⸗ dem es sein Wunsch war, in aller Stille zu Grabe getragen zu werden, haben es sich die Parteigenossinnen und Partei. genossen, sowie zahlreiche Freunde und Bekannte nicht nehmen lassen, ihm das letzte Geleit zu geben. Genosse Prof. Weißgerber hielt eine schlichte, aber eindrucksvolle Rede, in der er die Verdienste des Verstorbenen um die Partei schilderte und ihm Ruhe und Frieden wünschte. D Borsicht bei Annahme von Postschecken. In letzter Zeit hat ein Postscheckschwindler Frankfurter und Offenbacher Firmen um, bedeutende Beträge geschädigt. Der Schwindler besitzt ein Postscheck⸗ heft einer Mainzer Firma, aus dem er Schecke ausstellt und diese als Gegenwert flür gekaufte Waren Übergibt. Von einem Beamten der Auskunftsstelle des Postscheckamts ist ihm, nach Vorzeigen eines Kontoauszuges der Firma in Mainz und eines gültigen Personal⸗ ausweises vor einiger Zeit auf Verlangen auf dem Briefumschlage des Kontoauszuges der Vermerk angebracht worden: Guthaben am.... 334.809 Mk. Darunter befindet sich der Abdruck eines Gummistempels„Postscheckamt“ und der Namenszug des Beamten. Den auf dem Umschlag augegebenen, für den Tag der Niederschrift für die genannte Summe gültigen Betrag hat der Schwindler durch Vorsetzen der Ziffer„1“ inzwischen auf 1334 809 Mk. gefälscht. Das Datum scheint er nach Bedarf beliebig umzuändern. Hierdurch macht er die Geschäfts inhaber glauben, er habe sich sein Guthaben gerade, erst beim Postscheckamt bescheinigen lasfen und zwar aus dem Grunde, woil die Zahlstelle geschlossen set und er selbst daher Geld nicht mehr habe abheben können. Durch sein gewandtes, sicheres Auftreten und die Angabe, er müsse am gleichen Tage wieder nach Mainz zurück, sind die Verkäufer entgegenkommend und fallen dem Betrug zum Opfer. Es ist anzunehmen, daß der Schwindler versuchen wird, noch weitere Geschäfte zu schädigen. Fahrplanänderung der Gießener Straßenbahn. In Nr. 134 teilten wir mit, daß zahlreiche Arbeiter und Angestellte, die an den ee. Weg und en n 1205 erten, te ausgefallenen igen 6. einge werden möchten. Hierzu erhielten wir noch folgende Zuschrift: Bei dieser Neueinteklung haben die Herren anscheinend wohl den ersten Wagen 6.16 Uhr ab Wiesecker Weg, morgens und einen solchen ab Schsitzenhaus ganz vergessen. Es ist kaum glaublich, daß man gerade den vom Bahnhof entferntest wohnenden Angestellten und Arbeitern, welche morgens den Wetzlarer Zug 6.30 Uhr und den Butzbacher Zug 6.40 Uhr erreichen wollen und müssen, noch diese einzige Fahr⸗ gelegenheit entzieht, umsomehr, als das Unterstellen von rn auf dem hiesigen Bahnhof einem geradezu verekelt wird. Man be⸗ kommt hier des öfteren die Antwort:„Wir können keine Fahrräder mehr annehmen, da langeblich) kein Platz vorhanden ift.“ Es ließe sich aber auch hier sehr wohl ab⸗ und zutun. Abhilfe müßte auch hier unbedingt geschaffen werden, damit man durch den Wegfall des ersten Wagens 6.16 Uhr einigermaßen entschädigt würde und sein Rad in einem trockenen, diebessicheren Raum, gegen ein gewisses Fixum, unterstellen könnte. Ferner ist die Abänderung des Fahrplanes der Gießener Straßenbahn immer am Schlusse des Monats erfolgt. War⸗ um auf einmal am 12.? Was geschieht mit den gelösten, jetzt für uns nicht mehr rentablen Monatskarten? Doch mindestens Rückver⸗ gittung zu zwei Drittel des Nennwertes. Strafkammer Gießen. Sitzung vom 26. Juni 1923. lung gewesene Haushälterin vom Schöffengericht Butzbach zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten verurteilt worden. Sie hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Ihr Aufenthaltsort ist zur Zeit aber unbekannt und dte Angeklagte im Wege der öffentlichen Zustellung geladen worden. Infolge Ausbleibens im heutigen Termin wurde ihre Berufung verworfen. Als Hehler“ standen 4 Friedberger Einwohner vor der Strafkammer. Sie hatten von einem Arbeiter eines Bauunterneh⸗ mers in Friedberg Weizen und Hafer, den dieser seinem Arbeit⸗ geber gestohlen hatte, angekauft und zwar zu einem weit billigeren Preis als dem damaligen Tagespreis. Vom Friedberger Schöffen⸗ gericht waren sie alle freigesprochen worden. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft kam die Strafkammer auf Grund der erneuten Verhandlung zu der Ueberzeugung, daß alle Angeklagten aus den Umständen, unter denen sie von dem völlig mittellosen Arbeiter die Frucht erworben hatten, wissen mußten, daß sie gestohlene Sachen ankauften. Ein Bäckermeister, sein Geselle und ein Gastwirt er⸗ hielte deshalb wegen Hehlerei je 4 Wochen Gefängnis; ein Metz⸗ ger, der bereits einmal wegen Hehlerei vorbestraft ist— erhielt 6 Wochen Gefängnis. Ein wegen„Jagdvergehens“ zu einer Geldstrafe verur⸗ teilter Einwohner aus Bad⸗Nauheim nahm vor Eintritt in die Hauptverhandlung seine Berufung wieder zurück. Wegen Reinigens der Straße ist zwischen der Stadt Friedberg und den Anwohnern der Kaiserstraße dasesbst ein heftiger Streit ausgebrochen. Es regnete Anzeigen gegen die Anwohner der Straße, weil sie die Straßenreinigung nicht ausführten. Aus prinzi⸗ piellen Gründen wird vorerst nur das Verfahren gegen einen An⸗ wohner durchgeführt. Die Strafkammer kam s. Zt. in einer Ver⸗ handlung zu einer Verurteilung des Veränzeigten in eine Geldstrafe von 20 Mark. Auf Revision des Angeklagten hob das Oberlandes⸗ gericht das Urteil auf und verwies die Sache aus rechtlichen Grün⸗ den zur erneuten Verhandlung an die Strafkammer zurfick. Der Verteidiger des Angeklagten versuchte an Hand von Denk⸗ schriften und der Aussage älterer Bewohner von Friedberg, den Nachweis zu führen, daß zur Reinigung der Fahrstraße der Kaiser⸗ straße nur die Stadt Friedberg selbst verpflichtet sei. Das Gericht setzte die Verkündung der Entscheldung auf den 3. Jult 1929 aus. Kleine Nachrichten. Aus der Geschichte der Aetna⸗Ausbrüche. Europas mächtigster und höchster Vulkan ist zugleich auch unter den feuerspeienden Bergen unseres Erdteils der tätigste. Sein Zwil⸗ lingsbruder, der Vesup, der sich bei seinen glücklicherweise selteneren Eruptionen drohend und majestätisch genug ausnimmt und dessen schwere Ausbriiche nicht minder katastrophal als die des Aetna wirken, ist neben diesem doch nur ein 84 05 denn das Aetnamassiv ist reichlich dreißigmal so groß wie das des Vulkans von Neapel. Der Stromboli auf der gleichnamigen liparischen Insel ist noch winziger, wenngleich er niemals auch nur für einen einzigen Tag zur Ruhe kommt. Aber der Vesub war, wie man weiß, bis zum Jahre 70 n. Chr. ein für erloschen geltender Vulkan, und erst der furchtbare Ausbruch, dessen klafsische Schilderung wir dem füngsten Plinius verdanken, und dem die Städte Hereulanum und i dum Opfer fielen, zeigte den Römern, daß sie sich an den Abhängen eines Vulkans ihre üppigen Landhäuser und Luststätten gebaut hatten. Doch die außerordentliche Fruchtbarkeit und die landwirt⸗ schaftlichen Reize des Vesuvs sowohl wie des Aetnagebtets ließen bald nach jeder Katastrophe alle Sorgen und Bedenken wieder zurück⸗ treten, und so ist auch heute der weite Abhang des Aetnakegels von mehr als 400 000 Menschen dicht bewohnt. Allein aus historischer Zeit kennt man rund 40 katastrophale Eruptionen, darunter 11 Ausbrüche aus der Zeit vor Chrtsti Ge⸗ burt, unter denen die von 477 und 121 nach den geschichtlichen Ueber⸗ teferungen am größten waren. Aus dem ersten ngchchristlichen Wegen Diebstahls war eine früher in Gambach in Stel⸗ l 31321 A — Focpeketsend fehlt es an zitderlässtgen Aufzeichnunge darf annehmen, daß diese auch zu jener Zeit nicht gefehlt haben und daß nur der um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahr⸗ tausends erfolgte Untergang der römischen Kultur die Ursache ist, wenn wir aus jenen Zeitläuften von großen Aetnaausbrüchen nichts wissen. Einer der gewaltigsten Ausbrüche des Mittelalters war der vom 4. Februar 1169, mit dem ein furchtbares Erdbeben ver⸗ bunden war. Es zerstörte fast ganz Sizilien und Calabrien: in Catanien blieb kein Stein auf dem anderen und die Katastrophe muß von der gleichen Furchtbarkeit gewesen sein wie die der am 28. Dezember 1908 Messina zum Opfer fiel. Die überlebenden Bürger von Catania mußten sich mit Mühe einen Wog durch den Aschenregen und durch die glühenden Steine bahnen, die der Aetna auswarf. Zweihundert Jahre später, 1329, wurde Catania von neuem verwüstet; dann vergingen aber zwei Jahrhunderte ohne jede größere Katastrophe, und an den Abhängen des Aetna entstan⸗ den die meisten Ortschaften und Siedlungen, die bis zum heutigen Tage blühen. Reicher an furchtbaren Ausbrüchen als irgend ein anderes war das 17. Jahrhundert; von 1603 bis 1620 war der Berg fast in beständiger Tätigkeit, aber alle diese Katastrophen bedeuteten nichts gegen das Erdbeben und den Ausbruch von 1669. Am 11. März dieses Jahres bildete sich oberhalb Nivolosi ein riesiger Spalt; aus Schlacke und Asche entstanden damals die beiden Monti Roffi, und die Lavamassen, 4300 Meter breit, wälzten sich füdwärts gegen Catania drückten die Stadtmauern ein und flossen durch den Westen der Stadt ins Meer, wo sie einen Teil des Hafens ausfüllten und die Küste weit vorschoben. 12 Städte und Dörfer waren ganz oder teilweise, 6 andere durch die Erdbeben zerstört. Im 18. Jahr⸗ hundert gab es 3, im 19. Jahrhundert 15 Verderben bringende Ausbrüche.— * Vier Hochzeiten an einem Tag. Auf dem Gut Sophienthal bei Hachenburg feierte der Hofmann mit seiner Frau das filberne Hochzeitssest. Tage traten die drei Töchter vor den Traualtar. —— Gutsbesitzer Am gleichen Verkauf an jedermann! ungen, aber man Lokale Parteinachrichten. Unterbezirk 2 Großen⸗Buseck. Sonntag, den 1. Juli, nachmittags 2½ Uhr, in Großen⸗ Buseck bei Gastwirt Koch f ö Unterbezirks⸗ Konferenz Tagesordnung: ö 1. Abrechnung von der Maifeier. 2. Delegiertenwahl zum Landesparteitag. 3. Verschiedenes. Die Ortsvereine werden ersucht, zu dieser Tages⸗ ordnung Stellung zu nehmen und Delegierte zur Konferenz zu entsenden. Der Unterbezirksleiter: Herber. Bezirksverband S. P. D. Hessen⸗Nassau. Sitz Frankfurt a. M., Allerbeilisenstr. 57, 1., Tel. Sansa 8441 An unsere Ortsvorstände! Werte Genossenl! Das Abrechnungsmaterial für das neue Quartal ist im Laufe dieser Woche zum Versand gekommen. Orts⸗ vereine, die bis zum Schluß des Monats nicht im Besitz desselben sind, wollen sich umgehend an uns wenden. Die Abrechnungen für das Quartal April⸗Juni bitten wir so⸗ fort fertigzustellen und dem Bezirkssekretariat zuzusenden. Dringend ersuchen wir wiederholt darum, einkassierte Gelder nicht ungenitzt liegen zu lassen, sondern sofort der Bezirkskasse zu überweisen. Wer anders handelt, schädigt die Partei und schickt uns entwertetes Geld. Die Finanznot der Partei ist groß! Eine Anzahl unserer Ortsvereine haben freiwillig der Bezirks⸗ * basse ihre Lokal⸗Tassenbestände berwiesen, um so die Geldnot d. ö Nasseh-Jeluhherkall Imapuel 4 bl, biesseh Geöffnet ununterbrochen von 8—6 Uhr Partei zu lindern. Ein Beispiel, das wir allen Ortsvereinen empfehlen können. g 5 ö Die Partei muß dem arbeitenden Volke erhalten bleiben, denn ohne Organisationen der Arbeiter ist eine Revolutionierung der Verhältnisse unmöglich. Sie ist das Kampfesorgan, mit dem wir die Reaktion besiegen können und wollen. Deshalb, Genossen, helft und zeigt Opfermut!. ö 1 Alle in besseren Einkommensverhältnissen befindlichen Partei⸗ genossen machen wir ganz besonders auf den Notfonds der Partei curfmerksam und erbitten freiwillige Beiträge auf das Postscheck⸗ konto Nr. 29450, Fritz Daemisch, Frankfurt a. Me, Allerheiligenstraße 57, überweisen zu wollen. f Mit Parteigruß! Der Bezirksvorstand. J. A.: Fr. Daemisch Versammlungskalender., — Gießen. Freie Turnerschaft. Samstag, den 30. abends 8% Uhr, Monatsversammlung im Gewerkschaftshaus(Tur⸗ nerzimmer). Tagesordnung: Bezirks⸗Turnfest in Großen⸗Linden am 7. und 8. Juli. Zahl reiches Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht. Gießen. Frauengruppe der sozialdem. Partei. Donners⸗ ö tag, den 28. Juni, abends 8 Uhr im Gewerkschaftshaus Nähabend. Jahlreiches Erscheinen der Genossinnen wird gewünscht. 1 — Rüddingshausen. Sozialdem. Wahl verein. Samstag, den 30. Juni, abends 9 Uhr Versammlung im Vereinslokale. Tages- ordnung: Bericht des Delegierten von der Bezirks⸗ Konferenz in Gießen. Die Genossen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Bruch-, Blasen⸗, Muttervorfall⸗, Krampfadern⸗, Darm⸗, Unterleibs⸗ Nerven-, Rbeumatis-, Kropf⸗, Gallenstein⸗ Schwerhörige oder sonstige Leidende verweisen wir auf die im heutigen Anzeigenteil erwähnte kosten⸗ lose Sprechstunde der weithin bekannten Fa. Steuer, Sohn, Konstanz. Dollarstand bei Börsenschluß am 26. Juni: 125 685 Mark. Vorkauf an jedermann! * zahlen wir, liefern aber trotzdem Nach uie vor hohe Gestehungspreise immer noch billige Schuhe Da wir in Bälde auf neue Lieferungen angewiesen sind und wir Sie zu billigsten Preisen und zu Ihrer vollsten Zufriedenheit bedienen möchten, bitten wir Sie um baldigsten Besuch undd reichlichen Einkauf Seltersweg 31, gegenüber NOwWack 1470 Tae Nünhpeta Tag. l, Hen Gleicher Verkauf in Frankfurt a. M., Am Schwimmbad 8, und Darmstadt, Ludwigsplatz 2 499 Bekanntmachung. Betr.: Festsetzung des Wertes der Sachbezüge. Der Wert ist neu festgesetzt worden. Auf die Be⸗ kanntmachung an den Anschlagtafeln wird verwiesen. Gießen, den 25. Juni 1923. Das Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Frey. 5 Bekanntmachung. Jufolge der Steigerung der Preise für Kohlen, Löhne usw. sind die Strompreise wie folgt erhöht worden: für Beleuchtung Mk. 2800.— für die Krh „ Kleinkraft 21 e Die Strompreise werden monatlich berechnet und veröffentlicht und kommen für den verflossenen Monat ab 1. Juli d. Js. zur Erhebung. Gießen, den 27. Juni 1923. f Direktion der Glektrizitätswerke und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolte. 501 Sthürdliche Ockanntmachungen Bekanntmachung. Die Fahrpreise der Straßenbahn werden mit Wirkung ab 28. Juli d. Js. wie folgt festgesetzt: für eine Fahrt bis zu 9 Teilstrecken Mk. 500— .„über 9 Teilstrecken„ 800.— das Monatsabonnement beträgt 23700.— „.* Ur Kinder, Schüler und Schülerinnen bis zum vollendeten 14. Lebens⸗ jahre 11850.— Gießen, den 27. Juni 1923. Direktion der Elektrizitätswerke und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolte. 500 EEE A Gute Bücher sind Sachwerte! Kaufen Sie solche Bücher 5 nur in der guchhandl.— ieee eee eee Tabak- aleich welcher Art und Größe ihre Leiden waren, tra. gen mit den nachweisbar glänzendsten Erfolgen unser aleich einer schützenden Hand von unten nach oben wirkendes, gesetzl. gesch, auf Länge u. Druckwir kung selbst A einstellbares Spesial⸗Maßn⸗ 1 Universal⸗Bruchband r welches einschl. nachfolgend erwähnter Spezialerzeug⸗ nisse vorgezeigt wird morgeus von 8—12 in Gießen, Bahnhofhotel Lenz Urinbalter für Bettnässer, Tag und Nacht tragbar. Kothalter für Darmkranke und Operierte. Krampf⸗ adern⸗Strümpfe nach Maß in jeder Qualität. Mutter- vorsallbiude, völlig schmergl. Tragen. Geradehalter für Rückgratschwache. Leibbinden für Hängeleib und Unterleibsschwache nach Maß. Elektr. galv. u. indukt. 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