f W U 0 9 1 0 N 0 kein Grund vor, daran zu besteht darin, daß die einigten Staaten keine 7„ K Jerusprecher 2008. dale vo We Organ für die Interessen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. zeitung Crpedition: Gießen Bahnbofstraße 23 Ferusprecher 200. Die Oberb. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gi Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Mean and ed wiirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 1370.— Mk. einschl. Bringerlohn. Vergntwortlicher Redakteur: F. Vetters. 0 Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 20.— Mk., auswärts 30.— Mt. die Reklamemillimeter 2 0 N e Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich i 0 Mk. Bei grõ a i . die Post bezogen 1800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50— Mk Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. dr. b. 0. Offenbach e. M. 12 ber Nabalf Wahr. Aegean Ahr abends. 3 —————-—-—————. a— Nr. 49 Gießen, Mittwoch, den 23. Februar 1923 18. Jahrgang — 7 8 Vor einer amerikanischen Vermittelung? Ein angeblicher Interventionsplan Hardings. Nach Blättermeldungen aus Newyork soll der ameri⸗ kauische Botschafter in London, der zur Zeit in Amerika weilt, am Samstag abend im Klub der englischen Zeitungs⸗ vertreter erklärt haben, daß Präsident Harding eine Inter⸗ nention in Europa vorbereite. Diese Intervention werde zurzeit zwischen der amerikanischen und der englischen Re⸗ gierung besprochen. Der Interventionsplan des Präsidenten Harding schlägt die Bildung einer internationalen Finanz⸗ kontrollkommission vor, deren Kontrolle Deutschland vorbe⸗ haltlos annehmen müßte. Die Kommission soll die tatsäch⸗ liche Zahlungsfähigkeit Deutschlands stydieren und die weiteren Zahlungsverpflichtungen Deutschlands feststellen. Auf der anderen Seite müßte Frankreich, wenn die Inter⸗ vention angenommen wird, das Ruhrgebiet gegen diese internationale Garantie ohne Verzug räumen. Die ameri⸗ kanische Regierung sei gewillt, einen Druck auf beide Länder, Deutschland wie Frankreich, auszuüben, um den Frieden zu retten. Keinesfalls würden die Vereinigten Staaten und England jemals zugeben, daß Frankreich aus dem Rheinland einen unabhängigen Staat mache. Bonar Law soll einverstanden sein. Zu den Mitteilungen des Botschafters Harvey über den Vermittlungsplan Hardings erfahren einige Londoner Blätter, in gut unterrichteten Kreisen werde versichert, daß Bonar Law den Plan Hardings warm unterstütze. Die offizielle Behändigung des amerikanischen Plans wird inner⸗ halb der nächsten 14 Tage erwartet. Der englische Min ister yr sident hat behannuich seine letzte Unter⸗ hausrede mit einem Hinweis auf die Möglichkeit einer Intervention geschlossen. Er betonte aber, daß man sich vorläufig von einer Inter⸗ vention nicht sehr viel versprechen solle. Entscheidend sei die Haltung der amerikanischen Regierung. Die Antwort auf diesen Appell Eng⸗ lands am Amerika scheint die Erklärung Harveys zu sein. Es liegt zweifeln, daß es der amerskanfschen Re⸗ gierung mit ihren Interventionsabsichten ernst ist. Zwei große Schwierigkeiten werden aber noch zu überwinden sein. In den amerikanischen Parlamenten war bisher eine Mehrheit für eine Einmischung Amerikas in die europäischen Angelegenheiten nicht zu erzielen. Ob sich diese Mehrheit heute finden wird, bleibt ab⸗ zuwarten. Ebenso bleibt die Haltung der französischen Regierung und der französischen Kammermehrheit zweifelhaft. Es sei daran erinnert, daß der amerikanische Finanzmagnat Morgen sich kurz vor dem un⸗ sinnigen Einmarsch Frankreichs in das ne um eine Vermitt⸗ lung bemühte, die mit dem Vorschlag Hardings fast übereinstimmte. Damals wies Frankreich diese Vermittlung schroff zurück und auch nach erfolgtem Einmarsch hat Poincaré bis in die letzte Zeit hinein wiederholt erklären lassen, daß er keineswegs bereit sei, eine Inter⸗ vention anzunehmen. Man wird gut daran tum, sich keinen verfrühten Illustionen über die Interventionsabsichten hinzugeben. Die Beurteilung in England. Die politischen Kreise Londons messen nach einer Meldung des dortigen Mitarbeiters der Fr. Ztg. der Aktion Hardings bezüglich des Internationalen Gerichtshofes be⸗ trächtliche Bedeutung bei, warnen jedoch vor der Auffassung, daß dieser Schritt ein nahes Eingreifen der Engländer und Amerikaner anzeige. Vielmehr sei die Regierung der Ver⸗ einigten Staaten nach Londoner Information bisher selbst einer internen Beratung über die europäische Lage bewußt ausgewichen, weil dies sofort in die Oeffentlichkeit dringen und sabotiert würde. Andererseits gehe der Kongreß am 4. März auseinander, wodurch die Freiheit des Handelns der Amerikaner vielleicht erhöht wird. Jedenfalls seien rasche Schritte von keiner Seite zu erwarten, umsomehr als auch die Amerikaner die politischen Schwierigkeiten einer etwaigen Vermittlung als außerordentlich groß ansehen. Immerhin verstörke der Beitritt der Amerikaner den Inter⸗ nationalen Gerichtshof(siehe die folgende Meldung) und schaffe damit nach Londoner Meinung eine Autorität, die später von Wert werden könnte. Washingtons Eintritt in den Internationalen f Gerichtshof. Präsident Harding hat vom Senat die Ermächtigung verlangt, die Vereinigten Staaten beim ständigen Gerichtshof in Haag, der unter dem Vorsitz des Völkerbundes tagt, vertreten zu lassen. Der Ent⸗ schluß Hardings erfolgte auf Anregung des Staatssekretärs Hughes, der der Ansicht ist, daß die Vereinigten Staaten unter gewissen Vor⸗ behalten dem internationalen Gerichtshof beitreten können, ohne damit ihre traditionelle Politik aufgeben zu brauchen. Einer der Vorbehalte Teilnahme an diesem Gerichtshof für die Ver⸗ Annäherung an den Völkerbund zur Folge 1 0 5 f Havasmeldungen, die in Paris vorliegen— wo man eine amerikauische Intervention am liebsten als unfreundlichen Schritt ab⸗ leugnen möchte— hat die Botschaft Hardings an den Senat in den Kreisen des Kongresses überrascht. Nur eine kleine Gruppe von Senatoren sei zugegen gewesen als am Samstag spät nachmittags das Schriftstlick verlesen worden sei. Der unmittelbare Eindruck sei der aewefen, dan es Aue ltelbaft 8 ah der Narschlaa n Kaufe der goaen⸗ wärtigen Tagung die Zustimmung des Senats erlangen werde. Die meisten Senatoren, darunter Lodge, Me. Cormick und Borah, hätten erklärt, sie brauchten Zeit, um die Botschaft einer Prüfung zu unterziehen, bevor sie Stellung dazu nehmen. Die Unversöhn⸗ lichen hätten jedoch zu verstehen gegeben, daß es zu einer stürmischen Debatte im Senat kommen werde, durch die wahrscheinlich die alte Frage der amerikanischen Teilnahme am Völberbunde wieder ange⸗ schnitten wünde. Viele Senatoren hätten erklärt, ein derartiger Vor⸗ schlag sei von ihnen schon immer unterstützt worden. Der demokratische Senator King habe sich dahin geäußert, daß er die durch die Botschtft ausgelöste Strömung vertreten werde, weil sie einen Druck zur Teil⸗ nahme der Union am Völkerbunde darstelle. Senator Hitchcock habe beinahe dieselbe Auffassung geäußert und erklärt, es scheine, daß die Amerikaner sich in Abschlagszahlungen dem Völkerbund anschlössen. Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten soll am Dienstag (heute) zusammentreten, um sich mit der Botschaft des Präsidenten zu befassen. N Die Rückgabe des deutschen Eigentums in Amerika. Das Washingtoner Repräsentantenhaus hat mit 200 gegen 11 Stimmen das Gesetz angenommen, daß die be⸗ schlagnahmten Eigentümer in Amerika, wenn ihr Wert mindestens 10000 Dollar beträgt, den Eigentümern zurück⸗ erstattet werden sollen. Der Gesamtwert der zu vergütenden Vermögen beläuft sich auf 100 Millionen Dollar. Da die Mehrzahl der Eigentümer sich in Deutschland befindet, glaubt man, daß die Erlassung einer solch großen Masse ein Steigen der Mark zur Folge haben wird. g Der„psychologische Moment“ noch nicht gekommen Aus dem Haag wird gemeldet, daß von holländischer Seite eine bevorstehende Vermittlung in der Reparations⸗ frage durch den holländischen Außenminister Dr. van Karne⸗ beek dementiert werde. Es hätten Verhandlungen über diese Frage zwischen den neutralen Mächten, die eine Vermittlung gern sehen, stattgefunden, es sei aber festgestellt worden, daß der psychologische Augenblick für einen solchen Schritt noch nicht gekommen sei. Die geraubten Milliarden. Englischer Protest. Die B. 3. erfährt an zuständiger Stelle französischen Rechtfertigungsversuch, daß die in Fenstey von den Franzosen geraubten 12 Milliarden weder für die Eisenbahner der britischen nech auch für diejenigen der von der Franzosen ge⸗ waltsam besotzten Zone bestimmt gewesen wären. Es handelt sich ausschließlich um Zahlungsmittel, die zur Versorgung der eng⸗ lischen Zone mit den unbedingt nötigen Ceidbezrägen bestimmt waren. Der britische Delegierte in Köln hat inzwischen gegen die Beschlagnahme Einspruch erhoben. Wie die B. 3. von anderer berufener Stelle härt, sind inzwischen Verhandlungen eingeleitet worden, die auf die Freigabe des Geldes abzielen. 8 Der Kampf um die Kohlen. Aus dem gesamten Ruhrrevier laufen Nachrichten ein, daß die Franzosen jetzt in großem Maße versuchen, Kohlen— mengen zu beschlagnahmen und abzutransportieren. Be⸗ zonders in Witten und Oberhausen wurden große Kohlen- lager beschlagnahmt. Bei der Räumung des Bahnhofes Frintrop bei Essen nahmen die Franzosen eine Reihe von beladenen Kohlenwagen mit. 5 Mehrfach haben wir auf die von den Franzosen und Belgiern vorgenommenen widerrechtlichen Verkäufe deutscher Reparations⸗ kohle, die zu ungeheuren Gewinnen führten, hingewiesen. Sowohl gegenüber einem der Wortlaut wie der Sinn des Friedensvertrages lassen der⸗ artige Verkäufe nicht zu. Vorstellungen der deutschen Regierung bei den Ententemächten führten zu dem Versprechen, den Weiter⸗ verkauf deutscher Reparationskohle zu unterbinden. Trotzdem aber hat der widerrechtliche Zustand nicht aufgehört. Nach den uns jetzt zur Verfügung gestellten amtlichen Ermittlungen sind in den Jahren 1921 und 1922 aus Frankreich und Belgien nicht weniger als 32 Angebote an neutrale und deutsche Firmen auf Lieferungen von deutscher Reparationskohle ergangen. In einem Falle wurde diese Kohle durch Juserat in einer Zeitung des neu⸗ tralen Auslandes angeboten. Tatsächlich ausgeführt wurde in letzten beiden Jahren deutsche Reparationskohle aus Frankreich und Belgien in 59 Fällen. Es ist klar, daß nicht alle Fälle der Ausfuhr von Wiedrgutmachungskohle zur Kenntnis unserer amt⸗ lichen Stellen gelangen konnten. Schon die Tatsache, daß der fran⸗ zösische Finanzmintster im vergangenen Jahre die Gewinne aus der Reparationskohle auf über 2 Milliarden Franken bezifferte, zeigt, daß der gekennzeichnete widerrechtliche Zustand bereits einen be⸗ deutenden Umfang angenommen hat. Mit Recht wird in dem uns zur Verffigung gestellten amtlichen Material gesagt:„Dieser Ausfuhrhandel erscheint um so eigenartiger, als die maßlosen Kohlenforderungen der Entente durchweg mit der dringenden Not⸗ wendigkeit der Lieferungen für den eigenen Bedarf der Empfangs⸗ mächte begründet waren, ohne auf die in Deutschland herrschende Kohlennot irgendwie Rücksicht zu nehmen.“ Jie Schreckensherrschaft. Die Franzosen haben nach Telunion beschlossen, eine neue Aktion gegen Bochum zu unternehmen. Es sind große, Truppenmassen in der Umgebung von Bochum eingetroffen, die sich auf die Stadt zu bewegen. Der kommandierende General hat für Bochum eine Verordnung erlassen, nach der alle öffentlichen Lokale um 8 Uhr abends geschlossen sein müssen und der Verkehr in den im Mittelpunkt der Stadt gelegenen Straßen verboten ist. Einer Reihe von Geschäften ist der Verkauf ob 26 Februar untersagt worden. Die Straßenbahner dürfen im ahgesperrten Gebiet keine Fahr gäste befördern. In Verfolg dieser Anordnung ist das Stadt innere am Montag morgen durch französisches Militär be setzt worden. Straßenräubereien. In Herne wurden am Sonntag abend zwischen 10 und 12 Uhr zahlreiche Passanten von französischen Soldaten angehalten, durchsucht und ausgeplündert. Den Herren wurden vornehmlich Papierstücke abgenommen, während man den Damen die Hand⸗ taschen raubte.— Auf der Straße von Dortmund—Hengstey wer⸗ den Postpakete und Postsäcke aus dem Postwagen geholt und die Reisenden auf Zigarren und Zigaretten untersucht. Im Zuchthaus. Im Zuchthaus zu Werden befinden sich zur Zeit in zwei großen Sälen etwa 40 von den Franzosen festgesetzte Gefangene, darunter 2 Postdirektoren, 3 Schupooffiziere, verschiedene Schupo⸗ mannschaften, Gymnastiasten, Arbeiter und Lehrlinge. Die Be⸗ heizung der Räume ist ausreichend, ebenso sind Betten, Decken und Licht vorhanden. Dagegen sind die Abortverhältnisse völlig unzulänglich. Im Amtsgerichtsgefängnis zu Werden befinden sich 28 Gefangene, darunter Regierungsrat Niederhof, Polizeiwacht meister Nierhoff, Polizeimafjor Wagener und Oberstaatsanwal Eiteldinger. Schwere Besatzungslasten Castrops. Die kleine Industriestadt Castrop mit 20000 Bewohnern, die zu mehr als 80 Prozent dem Stand der Bergarbeiter angehören scheint von den Franzosen zum Mittelpunkt der östlichen Be. satzungszone auserwählt zu sein, während die benachbarten Groß städte Dortmund und Bochum bis auf einige Außenbezirke fast frei von Truppen sind. Castrop ist besetzt mit dem Stab der 11. Diviston und der Ortskommandantur, die zwei großen Schul. gebäude mit ca. 30 Räumen nur für Bürozwecke in Anspruch ge nommen haben. Ferner sind vorhanden ein Militärpolizeigerich mit Gefängnis, ein Divisionslazarett, eine wee we e, eine Telegraphenabteilung, eine Sanitätskompagnie und sechs Kompagnien Infanterie. Schulen im Innern der Stadt belegt, darunter das Gymnastum, die höhere Mädchenschule und die Berufsschule. In den heiden Krankenhäusern haben die Franzosen eine größere Anzahl Betten belegt. Ferner wurden in Anspruch genommen der Stadtverord⸗ netensttzungssaal, die einzige vorhandene Turnhalle, das Polizei⸗ gefängnis, die Kühlhalle und die Vorkühlballe des Schlachthofes. In der letzten Zeit gehen die Franzosen ebenso rücksichtslos gegen die Privatbesitzer vor. Der Baustoffhandlung Westhoff u. Fried ist der große Lagerplatz mit zahlreichen Räumen und Schuppen beschlagnahmt worden. Die warrden d 1 Teil fortgenommen, wodurch ein Schaden von 20—30 Millionen Mark entstanden ist. Bei der Märkischen Holzhandlung sind große Mengen Bretter gewaltsam fortgengemen worden. Ebenso wur⸗ den bei einem Bauunternehmer Materialien entwendet. In vier Haushaltungs⸗ und Eisenwarengeschäften erschienen zahlreiche Be⸗ waffnete und nahmen gewaltsam mehrere Herde, viele Oefen, Werkzeuge und Geräte aller Art mit. Zu den Einquartierungs⸗ lasten müssen ferner noch mehrere hundert Offiziere und sonstige Einquartierungsgäste in Privatwohnungen gezählt werden. Die Verkehrslage im Einbruchsgebiel. Die Verkehrslage im Ruhrgebiet ist unverändert. Der Bahnhofs Schwelm nördlich von Elberfeld ist seit gestern durch französisches Militär besetzt. Güterzüge werden kon⸗ trolliert. In Herbecke sind die Stadtzugänge von den fran⸗ zösischen Posten beletzt. Eisenbahnbedienstete wurden ange- halten und am Verlasfen der Stadt verhindert. 5 Auf dem Güterbahnhof in Hörde ist eine französische Wache zur Kontrolle von Kohlenzügen eingerichtet worden. Die Lage im Telephonbetrieb ist im allgemeinen unver⸗ ändert. Von den wichtigsten Telephonämtern liegen die in Bochum, Düsseldorf. Duisburg und Essen nach wie vor still. Im übrigen wickelt sich der Verkehr infolge der Beschlag⸗ nahme einzelner Leitungen unter Einschränkungen ab. In Essen besetzten die Franzosen gestern nachmittag 5 Uhr das Arbeitsamt wo nach französischer Ansicht eine Sitzung der Rhein-Ruhrhilfs stattimden sollte. Die Franzosen mußten Lager maren unverrichteter Dinge wieder abziehen. In Düren stießen, wie erst jetzt bekannt wird, am vergangenen Sonntag ein Güterzug und ein Militärzug zusammen, wobei 40 Fran- zosen ums Leben gelommen sind. Verschärste Abschnürung. Die Absperrung des Ruhrgebiets hat eine weitere„Ver⸗ schärfung dadurch erfahren, daß deutsche Beamte, die aus dem unbesetzten Deutschland ins Ruhrgebiet elnreisen wollen, nur noch dann durchgelassen werden, wenn ihr Paß ein Visum der Be⸗ satzungsbehörden trägt. Auf Grund dieser Bestimmung, die im unbesetzten Deutschland noch völlig unbekannt ist, wurde auf dem Güterbahnhof Aplerbeck ein katholischer Geistlicher, Mitglied der theologischen Fakultät der Universität Münster, von der französi⸗ schen Kontrolle angehalten und gezwungen, den Zug zu verlassen. Es scheint, daß diese neueste Beschränkung als Sanktion für die letzten Ministerreisen ins Ruhrgebiet auferlegt worden ist. Hungerkrieg gegen Fisenbahner und Beamte. Die Bedrückung der Eisenbahner durch die Franzosen nimmt immer ungeheverlichere Formen an. Neben der Aus- treibung von Echenbahnerfamilien aus ihren Wohnungen und dem Versuch, Gehalts- und Lohnzahlungen an die Eisen⸗ bahner zu verhindern, will man jetzt den Eisenbahnern auch Es sind sechs der größten und neuesten * * . 0 N 5 4 S . r — unmöglich machen, das esetzte Gebiet zu verlassen. Die Zu⸗ e kene an den usgangsbahnhöfen des Ruhrreviers iit verschärft warden. Es werden nur solche Eisenbahner aus dem Gebiet herausgelassen, die einen besonderen Aus weis des Genrals Degoutte vorzeigen. Nach einer Havasmeldung aus Koblenz hat die Inter⸗ alliierte Rheinlandkommission unter dem Vorsitz des fran⸗ zösischen Oberkommissars Tirard beschlossen, eine Ordonnanz zu erlassen, wonach jeder bisher oder künftig ausgewiefene deutsche Beamte gleichzeitig rechtskräftig entlassen sein soll. Frankreich verlangt eine weitere Eisenbahnstrecke in der englischen Zone. Nach dem Daily Telegraph ist Frankreich mit der Zu⸗ teilung der Eisenbahnstrecke Düsseldorf Düren nicht zu⸗ frieden und verlangt nun auch die Ueberlassung einer Schmalspurbahn, die das besetzte englische Gebiet etwas öst⸗ lich durchläuft. Würde diese Forderung bewilligt, so würde das englischerseits eine neue Gebietsabtretung bedeuten. Die Gärung unter den französischen Eisenbahnern Die Franzosen s. sich veranlaßt, ihr Eisenbahupersonal durch neue Kräfte ablösen zu lassen. Die Zahl der Desertionen vermehrt sich in der letzten Zeit beträchtlich, da sehr viele Eisenbahner, deren militärische Uebungen am 28. Februar abläuft, sehr unzufrieden und aufsäissig geworden sind. f Raub deutscher Forsten. Die Rheinlandkommission hat eine Note veröffentlicht, worin der Bevölkerung mitgeteilt wird, daß die Alliierten die Walder der besetzten Gebiete selber ausbeuten werden, ohne sich un das Forstprogramm zu kümmern. Die Besetzung der Flaschenhälse. Königswinter, Caub und Lorch. Aus Düsseldorf wird den Pariser Blättern gemeldet: Französische Truppen haben gestern auf dem rechten Rhein⸗ ufer die Gebiete zwischen den bisher besetzten Brückenköpfen, also das Gebiet von Königswinter zwischen Köln und Koblenz und das Gebiet von Caub zwischen Koblenz und Mainz, besetzt. Die Operation, die im Norden begann, war um 2 Uhr nachmittags ohne Zwischenfälle beendigt. Diese Maßnahme hat den Zweck, die Eisenbahn, die auf dem rechten Rheinufer Köln mit Mainz verbindet und die bisher teils auf besetztem, teils guf unbesetztem Gebiet fuhr, wodurch die Zollaufsicht schwierig oder unmöglich wurde, in französische Hände zu bringen. Aeich das Hinterland der sogen. Flaschen⸗ hälse, d. h. der zwischen den Brückenköpfen von Mainz, Koblenz und Köln gelegenen bisher freien Zonen ist weit hinein besetzt worden. Die Besetzung der neuen Gebiete erfolgt ofensichtlich, um die rechtscheinische Bahnlinie Köln— Mainz vollständig in französische Hand zu bringen. Eine offizielle Begründung der Maßnahme von französischer Seite ist bisher nicht er⸗ folgt. Sie kann auch durch nichts gerechtfertigt werden. Wenn es im Petit Parisien anläßlich der neuen Okkupation heißt, Frankreich und Belgien seien ermächtigt, alle für not⸗ wendig erachteten Maßnahmen zu ergreifen, da Deutschland eine allgemeine Verfehlung begangen habe, so ist das ein juristisches Gutachten, das verewigt zu werden verdient. Mit derselben Begründung könnte Frankreich ganz Deutsch⸗ land besetzen. Der Kommentar des französischen Blattes ist so oberflächlich, daß es sich kaum noch bemüht, die Gewalt⸗ und Raubpolitik Frankreichs zu bemänteln. Die bevorstehende Besetzung Mannheims? Eine Meldung des Düsseldorser Korrespondenten des Newyork Herald besagt daß nach einer offiziellen französischen Mitteilung die Besetzung Mannheims bevorstehe. Die Besetzung würde nicht mehr lange auf sich warten lassen, da diese Stadt nach französischer An⸗ sichtein gefährlicher Agitationsmittelpunkt bilde. Metzeleien i“ Oberstein. Am Sonntag abend kam es in den Straßen Obersteins zu schwe⸗ ren Ausschreitungen der Besatzungstruppen. Soldaten mit aufge⸗ pflanztem Basonett gingen auf die wehrlose Menge vor und schlugen blindlings auf sie ein. Eine Zivilperson wurde durch Bafonettstiche erheblich verletzt, andere Personen wurden mit den Gewehrkolben niedergeschlagen. Die Erregung der Bevölkerung ist unge— heuer.— In der Nähe der Stadt wurde ein junges Mädchen von Marokkanern überfallen und vergewaltigt.— Montag Mittag wurden der Bürgermeister der Stadt, Berg é, und der städti⸗ sche Syndikus Schwarz ausgewiesen, weil sie angeblich nicht ge⸗ nligend dafür gesorgt hätten, diese Vorgänge in den Straßen zu unter- Bahnhof und brachte dem scheidenden Bürgermeister Ovationen dar. Die städtischen Veamken sind in einen 24stündigen Prot est⸗ streik eingetreten.— Zwischen Oberstein und Idar ist eine mili⸗ tärische Kontrollstelle eingerichtet worden. Die vorbei⸗ fahrenden Autos und Straßenbahnen werden angehalten und durch⸗ sucht. Den Passanten werden ohne Grund größere Geldbeträge ab⸗ genommen. ö Politische Uebersicht. Schleunige Verabschiedung der Goldauleihe. Ende dieser Woche wird sich der Reichstag wahrschein⸗ lich schon mit dem Gesetzentwurf über die Ausgabe einer Goldanleihe beschäftigen. Der Entwurf liegt zurzeit den Ländern zur Begutachtung vor. Sein Inhalt entspricht den bereits bekannten Tatsachen, d. h. er gibt der. Reichs⸗ regierung die Ermächtigung zur Beschaffung eines Devisen⸗ fonds in Höhe von 50 Millionen Dollar, betont in seiner Begründung, daß die Beträge nicht in Dollar allein, sondern auch in hochvalutarischen Devisen eingezahlt werden können, daß die Anleihe nach drei Jahren zurückgezahlt werden soll und der Zinssatz 6 Prozent beträgt. Markeinzahlungen kommen nicht in Frage. Da die Banken verpflichtet werden, schließlich 25 Millionen Dollar zur Deckung durch die Be⸗ völkerung bezw. durch Handel, Industrie und Ausland. * Ein neuer Anschlag gegen die Münchener Post. In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurden die Be⸗ wohner des Altheimerecks in München durch einen donnerähn⸗ lichen Knall geweckt. Zugleich 115 ein Schuß. Als heute früh die Fenster der Expedition der ünchener Post geöffnet wurden, stellte sich heraus, daß bei einem Fenster von der Straße herein⸗ geschossen worden war, gegen ein anderes Fenster scheint eine Handgranate geworfen worden zu sein. Ein anderes Fenster ist zerschlagen worden. Eine Untersuchung ist eingeleitet. 4 200 Milliarden Nachzahlung für schon geliefertes Umlagegetreide. Die gewaltige Erhöhung der Umlagepreise die von der agrar⸗ freundlichen Mehrheit des Ausschusses für Festsetzung des Umlage⸗ getreibepreises beschlossen worden ist, stellt sich, vein finanziell be⸗ trachtet. als ein großes Geschenk an die Agrarser dar, welches das Reich vergibt. ohne dafür eine Deckung in einem erhöhten Brotpreis zu haben. Es war mit Genugtuung vermerkt worden, als die Agrarier vor einigen Wochen vorläufig auf eine Festsetzung des Preises für das vierte Sechstel der Umlage verzichteten. Dle⸗ ser„großmütige Verzicht“ macht sich aber nach den neuesten Be⸗ schlüssen der Mehrheit des Preisausschusses jetzt glänzend bezahtt, da die neue Preiserhöhung von 165 000 auf 600 000 Mark für die Tonne Brotgetreide sich nicht etwa auf das letzte Drittel der Umlage bezieht, sondern nur das vierte und fünfte Sechstel be⸗ trifft. Die Preise sollen demnach auf das 3,63 sache des blsherigen Preisstandes heraufgesetzt werden. Da die Umlage 2½ Millionen Tonnen Brotgetreide der Reichsgetreidestelle zuführen soll— ein Drittel davon beträgt 833 333 Tonnen— ergibt die Nachzah⸗ lung 362499410000, oder, abgekürzt 302,5 Milliarden Mark. Rechnet man davon selbst noch die Ermäßigung der Um⸗ lagemenge in einzelnen Gebieten ab. die mit der Ernte besonders schlecht abgeschnitlen haben, so bleibt immer noch ein Betrag von rund 390 Milliarden Mark übrig. der mit dieser Preiserhöhung für Umlagegetreide den Landwirten ausgehändigt wird. Das Wesentliche aber ist. daß ein großer Teil des Getveides, dessen Uebernahmepreis jetzt derart erhöht wird, längst zu Brot verarbeitet ist und zu dem fetzigen Brot⸗ preis verkauft wurde, der sich zur einen Hälfte auf dem alten Prcis des Umlagegetreides, zur anderen Hälfte auf einem Weltmarktpreis für srejes Getreide aufbaute, der ebenso wie der Dollarstand bedeutend niedriger war als heute. Der wesentliche Teil des' vierten und fünften Sechstels der Umlage dürfte also bereits in den Händen der Neichsgetreidestelle sein. Für diesen Teil des Brotgetrases muß jetzt eine Nachzahlung geleistet werden, die auf mindestens 200 Milliarden Mark zu beziffern ist und der nicht die geringste Einnahme der Reichsge⸗ treidestelle gegenübersteht, so daß das Reich sie durch einen un⸗ mittelbaren Zuschuß aufbringen muß. Die Verbraucher haben im Preisausschuß bereits weitgehende Zugeständnisse machen müssen, um überhaupt eine Verständigung über die Preisfrage herbeizuführen und die übertriebenen An⸗ sprüche der Agrarier zu reduzieven. Der Erfolg üst trotzdem die gewaltige Erhöhung des Brotgetreidepreises zu Lasten der Steuer⸗ kasse. Da aber das Reich über Ueberschlsse nicht verfligt, sondern im Gegenteil eim auf Billionen zu bezifserndes Defizit hat, wird dheser Zuschuß durch die Nobenpresse aufgebracht. Die Noten⸗ presse aber ist für die große Masse des Volkes die schärfste in⸗ direkte Steuer, während sie die Sachwertbesitzer aber verschont. Wir haben die Hilfsbereitschaft der Landwirtschaft, besonders soweit sie in freiwilligen Lebensmittellieferungen für das Ruhr⸗ binden. Eine gewaltige Messschenmenge umzfunke die Straßen am 50 Prozent der Goldanleihe zu übernehmen, verbleiben aus⸗ 1 ick kam gepfet zum Ausd rn anerkannt. Man verglesche aber den samten Getdertran der Ruhrspende und dazu noch den Wert für die Ruhrbevölkerung freiwillig gespendeten Lebensmittel dieser Summe von 200 bis 330 Milliarden Mark. Wan einem Schlage der Landwirtschaft zugewendet wird. Dann muß man zu der Erkenntnis kommen, daß die Landwirtschaft von dem Im een n angesehen wird als die kämpfende Ruhr bevölkerung. 1 f Mit diefer Feststellung der Tatsachen wollen wir uns für heute begnügen. Wielleicht findet auch jetzt die agrarische Presse den Mut jene des„Dolchstoßes von hinten“ zu bezichtigen. denen durch die Landwirte der Brotkorb höher gehängt wird damit nach Herrn Havensteins kühler Aeußcrung die Banken den Landwirten wieder Kredit geben können. 7 z Die hessische Forstverwaltung zur Brenn⸗ holzfrage. Genosse W. Widmann schreibt uns: 4 Der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei Hessen hat in einer die ganze Not des Volkes behandelnden Denkschrift vom 5. September 1922 an die hesstsche Regie rung u. a. auch die Brennholzversorgung zu einem mäßigen 5 für die Bevölkerung erschwinglichen Preis eingehend be⸗ 5 handelt. Dabei wurde besonders auf die Behauptungen von Einwohnern in woldreichen Gegenden liegender Gemeinden Bezug genommen, daß besonders die Standesherren viel weniger Holz als früher fällen lassen, um so den Preis recht hoch zu treiben und damit unter Schonung ihres Waldbe⸗ standes dieselben Einnahmen zu erzielen. Ferner wurde auf; die Tatsache verwiesen, daß in etwas abgelegenen Wäldern große Massen Leseholz und Tannäpfel verfaulen die, wenn sie durch die Bevölkerung gesammelt würden, wesentlich die Brennstoffnot lindern und den städtischen Verbrauchern größere Holzmengen zugeführt würden, außerdem daß nur noch Nutzholz und fast wenig Brennholz geschlagen werde. In einer„kleinen Anfrage“ habe ich die Forstverwaltung interpelliert, ob sie bereit ist, der Ermeren Bevölkerung 1 waldreichen Gegenden zu ermöglichen, mehr wie seither Holz lesen zu dürfen. Im Odenwald durfte nach mir gemachten Angaben nur wöchentlich 2 mal Holz gelesen werden und zwar nur soviel, was eine Personen tragen kann. Die Mit⸗ nahme eines Hand- oder Kuhwagens sei verboten. Tatsäch⸗ lich konnte ich mich auch davon überzeugen. daß in den Wäl⸗ dern der Kimbacher und n Gegend hinein ins Bayerische große Holzmengen, im besonderen auch die gut brennenden Tannäpfel zu Dungzwecken in großen Mengen 5 verfaulen. Würde der dortigen ärmeren Bevölkerung das 5 Lesen von Holz unbeschränkt unter Mitnahme eines Hand- oder Kuhwagens zum Transport des gelesenen Holzes ge⸗ stattet, dann brauchte die dortige Bevölkerung kaum noch Holz zu steigern und könnte dadurch viel mehr Brennholz für die Verbrauchergemeinden verfügbar gemacht werden. Am 12. Februar 1923 hat die Abteilung für Forst⸗ und, 5 Fameralverwaltung eine Antwort erteilt, die für weite, an der Brennholzfrage interessierte Kreise, im besonderen füße die Bewohner waldreicher Gegenden so wichtig ist, daß ich sie der Oeffentlichkeit zugänglich machen will. g Eine Umfrage bei den Privatforstverwaltungen hat das „Folgende ergeben: 1 0 1. Leseholz wird süberall da, wo tatsächlich 1 J herrscht, von der Bevölkerung ausgiebig gesammelt. In der Nähe der großen Städte sind die Bestände, wie n wird, geradezu wie„gefegt“ oder es ist„alles 4 8 ur in den stärker bewaldeten Landesteilen, in denen die Bevölkerung meist überreich mit Holzberechtigungen bedacht ist, oder wo die Wal⸗ dungen zu abgelegen sind, verbleibt Leseholz in den Beständen. Bei dem verhältnismäßig geringen Wert dieses Holzes im Ver⸗ gleich zu den hohen Kosten für Sammeln und Transport besteht jodoch keine Möglichkeit, es etwa der Bevölkerung in entfernt gelegenen Orten zuzuführen. 5 2. Das Sammeln des Leseholzes ist nicht. wie angenommen wird, wöchentlich nur an bestimmten Tagen gestattet. Bei wirk⸗ lichem Bedarf an Leseholz wird vielmehr dessen Nutzung außer an den beiden Leseholztagen auch an anderen Tagen still⸗ schweigend geduldet. So erfolgt z. B. die Leseholz ug in den Waldungen det Freiherrn von Riedelel, der Grafen von Erbach⸗Erbach und der Grafen von Leiningen ebenso wie bei noch anderen an sechs Tagen, 805 die ganze Woche hindurch. Dabei wird zugelassen, das Leseholz in Handwagen, mancherorts auch mit Gespannen nach Hause zu fahren. Dies ist z. B. in der Nähe von Offenbach in den Waldungen des Landgrafen von Hessen der Fall. Auch die Grafen von Leiningen erlauben an 3 Tagen mit Fuhrwerk Leseholz zu holen. Ebenso gestatten die Grafen von Erbach-Fürstenau den Minderbemittelten Leseholz 1 mit Kuhwagen nach Hause zu fahren. N 1 3. Das Sammeln von auf dem Boden liegenden dürren Tannzapfen ist nirgends verboten, sie werden jedoch nach den Der Deserteur. Noman von Robert Buchanan. Elftes Kapitel. Der Segen eines guten Menschen. Etwa eine Woche nach der Ziehung der Nummern in St. Gurlott saß an einem hellen sonnigen Morgen eine selt— same Gruppe auf einer etwa zwanzig Meilen entfernten Wiese. In der Mitte der kleinen Anhöhe saß ein ältlicher Mann mit einem Buche in der Hand aus welchem er laut vorlas. Um ihn herum lagerten acht Personen; einige blickten ihn über die Schulter, andere kauerten, andächtig lauschend, zu seinen Füßen; ein kleines Bauernmädchen und ein noch kleinerer Junge standen mit offenem Munde vor ihm. Der Vorleser war Meister Arfoll die ihn Umringenden seine Schüler. Der älteste, ein gutmütig aber dumm aus— sehender Bauer von fünfundzwanzig Jahren, lauschte mit weitaufgerissenen Augen und ofsenem Munde— die fleisch— gewordene Verkörperung Dummheit und Neugier. Neben ihm kauerte ein Jüngling von achtzehn Jahren mit glattgeschorenem Haar, der wie ein Seminarist aussah, in Wirklichkeit aber der Sohn eines Landmannes war. Zwei gesundheitstrotzende Backfische von vierzehn Jahren in bunten Kitteln und ungeheuren Hauben hatton ihren Platz rechts und links von Meister Arfoll, zu seinen Jüßen lagen zwei dicke Bauernbengel von zehn Jahren auf dem Bauche. Das kleine Geschwistervag⸗ stond. wie dereits erwähnt, vor ihm — die komischsten kleinen Gestaltsu, die man sich vorstellen kann. Sie trugen die kleidsame Nationaltracht, blickten aber so ernst darein, wie Großvater und Großmutter es in der 37 de: Kirche taten. Klein⸗-Katel hielt sogar andächtig die Hände über ihre Brust gefaltet, während der Junge sie in den Hosen⸗ taschen vergrub, dafür aber die Beinchen weit auseinander⸗ spreizte. Landeinwärts, da und dort zerstreut, Tannen umgeben, standen die Bauerngehöfte, zu denen die Schüler gehörten. Die grüne Wiese, auf der„die Schule“ abgehalten wurde, schloß sich an die mit Haidekraut und Ginster bewachsene große Ebene, die sich, von Weideplätzen unterbrochen, bis hinunter an das klippenumsäumte Meer ausdehnte. Von seinem erhöhten Platze aus konnte Arfoll die Küste überblicken. In weiter Ferner erhoben sich die bläulichen Vorgebirge, die milchweiße Brandung brach sich in der sandigen Bucht, das vom Winde gekräuselte Meer er— schien dunkelblau. In nicht sehr großen Zwischenräumen erhob sich in der Ebene hier ein Menhir, dort ein Dolmen.(Dolmen, eine durch cinen großen Stein über zwei aufrechtstehenden ge— bildete Kammer, mit einer Oeffnung an der Seite.) Kaum zwanzig Meter von der„Schule“ entfernt, warf ein moos— bewachsener Dolmen seinen Schalten auf das Gras. Er war so hoch, daß ein erwachsener Mann zur Not darunter aufrecht stehen konnte. Apfoll hielt plötzlich im Lesen inne und wandte sich lächelnd an das kleine Mädchen:„Wie wär's, Katel, wenn Du jetzt ein Verschen lelen wolltest?“ Die Kleine trat dicht zu ihm heran, steckte ihr Näschen tief ins Buch hinein es war das Neue Testament in modernfranzösischer Uebertragugn— und buchstabierte, mit den Augen dem Finger des Lehrers folgend. Nachdem sie, stotternd und hier und da in Dialekt verfallend, einen Vers gelesen hatte, streichelte ihr der Lehrer das Köpfchen und von schlanken sagte:„Sehr brav, mein Kind!“ Katel errötete vor Ver. gnügen. Nun versuchte ihr Brüderchen mit weniger Geduld und Erfolg sein Glück. Sein Französisches war vollkommen un. verständlich. 5 „Nimm Dir Zeit, Robert!“ mahnte der Lehrer sanft. Aber obgleich sich Robert viel Zeit ließ, wollte die Geschichte doch nicht besser gehen. Das Knirpschen war schon dem Weinen nahe, als Arfoll den erwachsenen Bauer aufforderte, zu lesen. Der Aermste las noch schlechter als Klein-Robert. Seine Aussprache war einfach barbarisch und Worte, die mehr als zwei Silben enthielten, gingen über seine Kraft. Trotz alledem schien ihm das Lernen große Freude zu be⸗ reiten, denn er grinste gutmütig, wenn seine Mitschüler sich über seine Fehler lustig machten. 9 Das wäre eine Szene für einen Maler gewesen. Die Sonne beleuchtete hell die glückliche Gruppe, küßte das ab⸗ gehärmte Antlitz des Lehrers, warf tanzende Lichter auf die bunten Trachten der Mädchen und huschte über die große Ginsterheide. Dann und wann segelte eine weiße Seemöwe, die sich vom Meere hierher verirrt hatte, sanft über ihre Köpfe hinweg, und gerade über dem Dolmen erhob sich hoch und höher eine schmetternde Lerche. J 5 Arfoll nahm jetzt das alte, zerschlissene Buch wieder an sich, blätterte ein Weilchen darin und übersetzte dann das 14. Kapitel des Evangeliums Lucas frei in das melodische Brezoner. Die Schüler lauschten gespannt der Parabel von dem Manne, der das große Abendmahl gegeben. Das klang ja fast wie eine der Geschichten, die an Winterabenden in der Spinnstube erzählt wurden. Als er sie beendet h sagte er feierlich:„Kinder, laßt uns jetzt beten!“ a (Joxtletzung selgt,) 5 4 Berichten nur da gesammelt, wu wirklicher Bedarf na 153 8 981 seser Sachlage erscheint es nicht erforderlich, durch ge⸗ setzliche Maßnahmn die Leseholznutzung in den Privatwaldungen zu regeln. Elne Minderung des Brennholzeinschlags in den Privatforsten am Vergleich zu der früher aufgearbeiteten Brennholzmenge konnte nicht c werden. Im Gegenteil ist fast durchweg das rennholzergebnis in den letzten Jahren höher als in der Vor⸗ Friegszeit. So hat gerade in den größeren Privatwaldungen, wie B. in denen von Riedesel! Görtz, Erbach⸗Erbach, Solms⸗Laubach, 1 Solms⸗ Rödelheim, Solms⸗Braunfels, Stolberg und anderen, der 0 Brennholzeinschlag zugenommen. Dabei ist zu bemerken, daß z. B. in den Riedesel'schen dungen in den Schlägen, wo Berechtigungs⸗ der aufgearbeitet wird, überhaupt kein Nutzholz ausgehalten wer⸗ de. 0 n darf. Reich ist allerdings, daß in den meisten Privatwaldungen er⸗ heblich mehr Nutzholz eingeschlagen wird, als früher. Es erklärt sich dies aus der außevordentlich starken Nachfrage nach Nutzholz aller Art, namentlich aber nach Bau⸗, Schavellen⸗, Gruben⸗ und 1 ierholg. Dann beanspruchen auch die Holzlieferungen an die N Entente ganz beträchtliche Nutzholgmengen. Um den Nutzholzbedarf Her holzverarbeitenden Betriebe zu decken, mußten bei dem Fehlen der dolzeinsuhr, die von 15 Millionen Festmeter vor dem Kriege Fgurzeit auf nicht ins Gewicht fallende Mengen zurlickgegangen ist, auch von der Reichsregierung gewünschte Verstärkungen des Nutz⸗ pholgeinschlags ausgeführt werden. Solche Mehrfällungen von Nutz⸗ holz wurden dementsprechend von der oberen Forstbehörde durch . ius schreiben vom 28. Dezember 1920— Nr. F. M. D. 100 788— den Privatforstverwaltungen nahegelegt. Dieser Anregung ist daun auch nach den erteilten Ausklünften in anerkennenswerter Wekse 1 Rechnung getragen worden. Ein gesetzgeberisches Eingreifen dürfte sich daher in dieser Hinsicht erstbrigen. 1 Wenn bei Holzversteigerungen in manchen Gegenden übertri⸗ bene Preise erzielt wurden, so ist dies weniger auf den angeblich . 8 Einschlag an Brennholz, als vielmehr auf die außeror⸗ 1 entlich starke Nachfrage, namentlich in den gering bewaldeten Landesteilen, zursckzuführen, sowie auf die Unmöglichkeit, den „ 1. an Kohlen durch Brennholz zu hehen. Im großen Durch⸗ sichnitt hielten si jedoch die Preise auch in dem größeren Privat- 1 wald in angemessenen Grenzen. Dabei ist noch in Betracht zu 1 ziehen, daß viele standesherrliche Forstverwaltungen neben dem zu sehr geringen Preisen geljeferten Minderbemitteltenholz, wetter⸗ „ hin große Mengen, zum Teil die gesamte Restmenge von Brennholz 1 an die zugehörigen Gemeinden zu Ppeisen abgegeben haben, die 8 welt hinter dem Marktpreis zursickblieben. So die Erbach⸗Er⸗ bach sche, e d e und Löwenstein⸗Wertheim'sche, dle 1 Gräflich Görtz'sche und die Freiherrlich Riedesel'sche Forstverwal⸗ 1 tung. Letztere gibt an, daß ihr durch diesse Ausgaben allein ein „ Einnahmeaus fall von über 50 Millionen entstanden sei. 0 Die weitere dieser des Abgeordneten Widmann wegen f Rationierung des diesjährigen Holzeinschlags halten wir durch die Regierungsantwort vom 7. Dezember 1922, zu Nr. F. M. D. 4 109 783 auf die gleiche gerichtete Anfrage desselben Abgeordneten 5 für erledigt. . a Gießen und Umgebung. J— 0 0 Ruhrhilse. 5 An das Gewerkschaftskartell Gießen gingen weiter ein: 0 C 50 000,.— Mk. 1 We er amt Gießen(Verkehrs⸗ 1 jd 0 Arbeiter der Wöbelsapri Münzenberg. 3900— Personal der Nervenklinik Gießen 21 700,„ Baugewerksbund: 5 Tonwerke Allendorf und Winnen⸗Beilstein 67 950,.—„ Ein Mitglied aus Krofdb ort 1000,.—„ l Brand⸗Oberndor rt 82 123,.— 14 Tonarbeiter, Allendor ret 48 290,.—„ 5 Arbeiter des Stadtbauamts Gießen 22 950%„ „ Techn. Personal Gießener Anzeiger: 8 100,.—„ N Ftbrikarbeiter der Firma. Schaldhauer u. Gießing 1. Mainzlar(2. Rateꝛ 35 000,—„ 1 Buchdrucker, Gie ben 2 540,.—„ Summa: 407 533,— Mk. 19 Bereits quittiert: 2 286 354,—„ 1. Insgesamt: 2693 887,— Mk. Den Gebern besten Dank. 5 Gewerkschastskartell Gießen und Umgegend. 0 1— Gemeinwirtschaft Oberhessen. In einem Bericht von der Ge⸗ U* meinderatssitzung in Watzenborn⸗Steinberg in der Nr. 45 1 1 mfseres Blattes vom Freitag voriger Woche ist u. a. gesagt, daß die 4 von den Gemeinden zur Verfügung zu stellenden Gelder mit 6 Proz. a verzinst würden, während die Gemeinden für geliehenes Geld von 1 0 der Gemeinwirtschaft 14 Prozent einschließlich 2 Proz. Verwaltungs⸗ 5 bosten zu entrichten hätten. Das ist ein Irrtum. Für das den Ge⸗ 4 meinden aus der Gemeinwirtschaft geliehene Geld werden nur acht ö Prozent Zinsen bezahlt. Mit dem Gewinn, der durch die Span⸗ 10 1 nung von 2 Prozent zwischen den aufgenommenen und auszulelhenden 0 Geldern entsteht, sollen nicht nur die Verwaltungskosten bestritten, ö sondern auch die Kosten für Tuberkulose⸗Fürsorge usw. bestritten werden. 1— Verloren gegangene Postpakete. In unserem Blatte „ vom Samstag wurde mitgeteilt, daß zahlreiche Pakete aus 1 dem besetzlen Gebiete nicht in ihrem Bestimmungsorte ein⸗ 1 4 getroffen seien. Allein in Gießen fehlten rund 2500 Pakete, 9 von denen nur die Paketadressen eingelaufen wären. Vom * Hauptpostamt Gießen wird uns dazu mitgeteilt, daß die Angabe von den fehlenden 2500 Paketen nicht zu⸗ 0 treffend sei. Vielmehr wäre die Zahl der fehlenden 10 4 Pakete nicht viel böber als in normalen Zeiten. Trotzdem 1 ist die Mahnung. den Paketverkehr mit dem besetzten Gebiet l auf das Notwendigste zu beschränken, angebracht.— Wir erhielten die von uns gebrachte Mitteilung von einer Seite, 5 die wir als unterrichtet ansehen mußten. 1.— Der Streik auf der Kohlengrube„Friedrich“ bei Trals⸗ . Horloff ist am Samstag beigelegt worden, die Belegschaft hat am * gleichen Tage früh die Arbeit wieder in vollem Umfange aufgenom- ch men. Wie bereits mitgeteilt, kam es zur Arbeltsniederlegung wegen Entlassung eines Bergmannes, der mit einem Grubenbeamten in Differenzen gekommen war. Wenn nun auch trotz des geschlossenen 7 Eintretens der Arbeitskollegen für den Gemaßregelten nicht dessen „ BVeiedereinstellung errescht werden konnte, so ist doch damft, daß der Entlassene für ein Vierteljahr weiter besckäftigt oder für diese Zeit voll entlohnt wird, wenigstens etwas erreicht worden, Jedenfalls hat auch der Direktor mit seiner Aeußerung, eher seine ledernen Gamaschen b aufzuessen als den Mann wieder elnzustellen, nicht durchgesetzt, was 110 er wollte, Er muß ihn noch ein Vierteljahr beschäftigen und während 1 ö 525 Zeit wird es dem geklindigten Bergmann möglich sein, ander— irts Arbeit zu bekommen. — Meeder⸗Bessingen. Der Gemeinderat beschloß in seiner 1 letzten Sitzung mit 5 gegen 3 Stimmen, dle Kosten des von Johann 00 Klös, New⸗Jork gestifteten Kriegerdenkmals, vorlagswesse auf die 160 10 zu übernehmen, bis dieselben e ee 15 92 ' gung stehen. In die Rentenkommission wurde einstummig Genosse 1.¹ Hermann Pain gewählt. Ein Beschluß des alten Gemeinderats pro N Jahr und Kuh 5 Pfd. Hafer, zur Verbillsgung der Kostan der Fasel⸗ 5 und Kuh 5 Pfd. Haser, z. 1 haltung zu erheben, wurde allggedehnt, und zwar so, daß auch bis 1 auf weiteres jährlich dasselbe Quantum erhoben wird. Der Beschluß wird zur Entgegennahme von Reklamationen auf der Bürgermeisterei offenllegen. 5 n. Flügels der„Höheren Töchterschule“ in Höhe einer halben Million Auf Biegen und Brechen! Es hilft nichts; die Oberhessische Volkszeitung nuuß wie jebe audere Zeitung wieder das Abonnement steigern, und diesmal sehr stark. Es beträgt der Bezugspreis für den März 2350 Mark und 150 Mark Trägerlohn. Das ist für vsele Leser eine starke Zumutung. Uns tut es leid genug, aber zu ändern ist es nicht. Der Papierpreis für die zweite Hälfte des Februar ist 6850 mal so hoch als der Friedenspreis. Den Zeitungen sehlen die sicheren Unterlagen der Kalkulation, es stellt sich nur an jedem Monatsschluß heraus, daß der Bezugsbetrag zu niedrig angesetzt war. Das zehrt an der„Substanz“. Wie lange noch vermag die Presse dieses auszuhalten? Denn auch jeder an⸗ dere Bedarf verteuert sich von Woche zu Woche. Schließlich wird der Abstand zwischen Eindeckungspreis und Erlös für die Zeitung so groß, daß nicht einmal sehr kapitalkräftige Unternehmungen. die von großen Wirtschaftsorganisationen Zuschuß erhalten, noch mitkönnen. Wie soll die Arbeiterpresse die Finanzschwierigkeit meistern? Sie hat nicht die Millionen als Rücklage, sie wird nicht subventioniert. Vielleicht meint mancher Leser, wenn die Not so groß sei, dann mitsse eben am Inhalt und am Umsang gespart werben. Aber jede Ersparnis, dle an der geistigen Rüstung und am Nachrichten⸗ bezug vorgenommen wixd, müßte sofort den getstigen Stand der Zeitung und ihre Eigenschaft als Informatlonsquelle he rabd rücken; und Einsparungen am Umfang würden die gleiche Wirkung haben, die Leser würden dann vieles vermissen, was sie gewohnt sind. An den Personalkosten einsparen? Das ist unmöglich, stehen doch die Löhne der Buchdrucker hinter denen vieler anderer Berufe zurück, von den geistigen Arbeitern im Zeitungsbetriebe ganz zu schweigen, von denen durch Monate kenntnisreiche und begabte Männer minder bezahlt wurden als ungelernte Arbeiter. Also auch hier kann nicht eingespart werden; es muß vielmehr notwendig mit Verteuerungen gerechnet werden; auch die Tariferhöhungen für Poft, Telephon, Telegraphie bringen ja neue Lasten. Wie man die N auch wendet: starke Erhöhung des Bezugs⸗ preises ist unvermeidlich! Es geht auf Biegen und Brechen. Ent⸗ weder die Bezieher halten Treue, wie sie es in gen letzten Monaten getan haben, und dann wird die Erhöhung des Bezugspreises ler hat für Februar bei unserer Zeitung bei weitem nicht die, Selbst⸗ losten gedeckt) der Oberhessischen Volkszeitung ermöglichen, auch kinftig als Waffe im Kampfe flir Demokratie und Volkswohlfahrt sich zu bewähren, oder ein rascher Tod wird an die Stelle des sonst unvermeidlichen langsamen Absterbens treten. Auf Biegen und Brechen, eine andere Wahl gibt es nicht! Unsere Leser und besonders die organisierten Arbeiter werden wissen, was sie an der Oberhessischen Volkszeitung haben; sie wer⸗ den wissen, daß unter allen Umständen in der Zeit des Existenz⸗ kampfes der Republik und des härkesten Lebenskampfes der ar⸗ beitenden Bevölkerung das Arbeiterblatt unentbehrlich ist. So genau jeder einzelne mit jebem Tausendmarkschein rechnen muß, so klar muß jedem sein: Die Oberhessische Volkszeitung ist unentbehrlich! Haltet ihr Treue und werbt neue Bezieher! Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. Marburg⸗Kirchhain. () Städtisches aus Marburg Die Marburger Stadtver⸗ ordnetenversammlung bewilligte einen Kredit von 50 Millionen Mark zur Beschaffung von Maschinen zur Erweiterung der Reparatupwerkstätte des Elektrizitätswerks. Es soll dadurch ermöglicht werden, Reparatren an Transformatoxen und Motoren vornehmen 7 können. Man ersvartet, daß mehrere Arbetter da⸗ durch beschäftigt werden, da die hohen Frachtkosten nach außerhalb in Wegfall kommen.— Die geforderten Reparaturkosten eines wurde abgelehnt, nachdem unsere Genossen und ein Lehrer darauf hingewiesen, daß bei den Volksschulen die Sparpolitik zu weit ge⸗ trieben würde und man auch hier sparen müsse. Kleine Nachrichten. 5 Ein deutscher Dampfer gesunken. Der Hamburger Dampfer„Ottilie Fischer“ ist bei Kap Villano gesunken. Die gesamte Besatzung des Dampfers zählte 42 Mann. Wie⸗ viele Personen gevettet sind, ist bisher noch nicht bekannt. Das gesprochene Neichstagsprolokoll. Seit Mittwoch befinden sich im Reichstage rechts und links von der Nednertribüne zwei all⸗ trichter. Ste stellen die sichtbaren Teile eines Aufnahmeapparates dar, der— Telegraphon genannt— die Reden auf eine Walze über⸗ trägt und so reproduzierbar macht. Der Stenograph kamm irren, das Telegraphon nicht, von jetzt ab sind die Verhandlungen wirklich al vollgliltige Dokumente mit dem Stimmklange der Redner niedergelegt und für die Dauer konservierbar. Der Präsident und die Abgeordneten könnn sich darauf berufen: kein Zwischenruf geht hier verloren. Wer geschwänzt hat, kann durch das Telegraphon alles nachholen, und nichts steht im Wege, daß man zu Hause den Reichs tagsbericht rt. Zusammen mit dem Kinematographen kann jetzt jede wichtige Reschs⸗ tagssitzung in Bild und Wort naturgetreu für die Nachwelt festge⸗ halten werden. Aber die Stenographen und die Berichterstatter wer⸗ ben badurch nicht entthront. Die Kunst der Zusammenfassung und der Herausarbeitung des Wichtigen, das Erfassen der Stimmungen und die Umlomponjerung in einen lesbaren Artikel wird wichtiger(und g leider auch seltener), je mehr die Möglichkeiten der mechanischen Wiedergabe sich verbessern. Ein großer Postdieb. Aus München wurde vorige Woche die Verhaftung eines Postbeamten gemeldet, der andauernd ausländische Briefe ihres Wertinhalts beraubt hatte. Wie weiter gemeldet wird, handelt es sich um den Oberpostinspektor Pfaffinger, der aus ausländischen Briefen Beträge im Gesamtwert von mehreren Millsar⸗ den entwendet hat. Außerdem erfolgte auch noch die Festnahme seiner Geliebten, die teure Wertsachen von Pfaffinger erhalten haben wollte. — Sport. Arbeiter⸗Turn⸗ und Sportbund, 9. Kreis, 3. Bezirk. An alle Bezirksvereinel 5 Werte Turn⸗ und Sportgenossen! Kommenden Sonntag, 4. März, mittags 2 Uhr, findet unser Frühjahrswaldlauf für Aktive u. Jugend⸗ liche im Gießener Stadtwald statt. Treffpunkt aller Teilnehmer mit⸗ tags 1 Uhr im Gewerkschaftshaus, von dort Abmarsch zum Umkleide⸗ lokal(Philosophenwald). Ich gebe nochmals bekannt, daß der Lauf gleichzeitig als Mannschafts Einzellauf gewertet wird. Das Startgeld beträgt wegen der Geldentwertung für Einzelläufer 50 Mark, für Mannschaftslauf 200 Mark und ist spätestens bis zum 3. Mürz an Unterzeichneten zu entrichten. Vereine, die das Startgeld nicht ent⸗ richtet haben, werden zum Lauf nicht zugelassen. Gleichzeftig findet vormittags 8 Uhr in der Turnhalle(Stadt⸗ knabenschule) eine Bezirksvorturnerstunde statt. Ich fordere mm alle Sportler und Spieler auf, sich recht zahlreich an derselben zu betei⸗ ligen, da Sportgenosse Burmester, Kreissportwart, anwesend ist und sportliche Trainingsübungen und Atemgymnastik durchnehmen wird. Hoffe nun, daß alle Vereine sich recht zahlreich an der Uebungs⸗ stunde, in welcher zu gleicher Zeit eine Kampfrichterprüfung stakt⸗ findet, und an dem Waldlauf beteiligen werden. Arbeiter⸗Turn⸗ und Sportbund, 9. Kreis, 3. Bezirk. Karl Schäfer, Bezirksspiel⸗ und Sportleiter, Wieseck. * Arbeiter⸗Turn⸗ und Sportbund, 9. Kreis, 3. Bezirk. Sonntag, den 4. März, vormittags 8 Uhr findet in Gießen, Turnhalle, Stadtknabenschule(Nordanlage) unsere Be⸗ zirksvorturnerstunde statt. Turnplan: Keulenschwingen, Bezirksfrei⸗ übungen, Sportlerfreiübungen sowie Geräteübungen zum diesjähri⸗ gen Bezirksturnfest, Keulen sind mitzubringen. Es ist dringend not⸗ wendig, daß sämtliche Vereine durch ihre Vorturnerschaft vertreten sind. Auch hat jeder Verein 1—2 Kampfrichter zu entsenden(zwecks Kampfrichterausbildung). Anschließend der Turnstunde findet eine Sitzung im Gewerkschaftshause statt. Da unsere Bezirkswaldläufe am Nachmittag stattfinden, ist ein pünktliches Antreten er⸗ forderlich. 5 Der Turnausschuß. J. A. Heinr. Amend, Bezirksturnwart. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: ca. 22 500 Mark. Fragen Sie Ihre Mutter, wie man über„ ufeke! dachte, als sie eine junge Frau war. Genau so urteilt man noch heute: Es ist die zuverlässige Nahrung für Kinder und Kranke, stär⸗ fend, sebr leicht verdaulich und angenehm im Geschmack., Ku⸗ feke! ist dabei nach billig— vergleichen Sie es hinsichtlich des Preises nur mit den anderen Lebensmitteln, Butter, Jleisch, Eiern usw.— und gleichzeitig sehr ergiebig, bedeutet also für die geplagte Hausfrau in den Zeiten der teuren Milch eine Bekanntmachung. Vom 286. Februar 1923 sind in den Lohnstufen und Beitrags saͤtzen unserer Kassen folgende Aenderungen— die Stufen I- VI bleiben unberührt— eingetreten: willkommene Erleichterung.— e 8 5 J * belmetall⸗Aukauf N Täglicher Grund⸗ Wochenbeitrag des Baek Verdlenst lohn Kr. K J. B. Kr. K J. V Gold-, Silber⸗, Platin⸗Gegenstände, Sr er e. 17 6 85 e eee 35 1 2 75 17 5 randstifte, rismenferng er sowie 5 Afag 170 ee e e e e 4 künsiliche Zähne und Gebisse kanft VIll.] bie 2500„ 2400.—, ue, 320, 66„ 160.— 0 31 hüchst erttichbaten I. bis 3100„ 3000„ 1440, 320„[ 860., 160.—„ X über 3100, 3600.„ 1728, 320„ 1152„ 160.— Pit isen Die Herren Arbeitgeber we⸗den gebeten, meldungen insbesondere für die neu gebildeten zwlrd. Die hiernach etwa zu geseßlicher Bestimmung nicht mehr zuklck. Gleichzeilig werden die Arbeltgeber ersucht, die Versicherungsbeiträge bestimmt bis zum 5.(ines jeden Monats au die zuständige Ortsstelle andernfalls Verzugszinsen— 1 v. H.— über den gebracht werden müssen. Um unseren Vertragspflichten nachkommen zu können, sind wir zu dieser Maß⸗ nahme gezwungen. Gießen, den 26. Februar 1923. die hiernach notwendigen Lohnum⸗ Lohustufen bis zum 5. März 1 d. Js. zu machen, anderenfalls die, Einstufung durch die Kasse vorgenommen hoch angesetzten Beiträge zahlt die Kasse auf Grund Reichsbankdiskont in Ansatz nkenkasse des Landkreises Gießen. G9. Koch, Gießen I Mühlstr. 2, näcpst der Bahnhosstr. Gegr. 1894 1325 delmetallsachverständiger. PPT Soeben erschien in unserem Verlage: Toni Sender: abzuführen, eee Nn Tafelge K umFHI Au, den ubehsten Kursen 85 N Brillanten, Gold, Silber, Platin, Perlen, Bestecke, 9 Te, Alte Münzen, Schmuck jeglicher Art, Brennstifte, Gebisse, Edelmetall- und Edelstein-Zentrale Große Koalition Gegen ein Bündnis mit der. Schwer⸗Industie Preis Mk. 50.— Bub handlg. Oberhessisce Volkszeitung 175% Stadttheater Er parnissonwoch, 28. webruar wenn Sie Ihre Verkäufe, 1 570 Kaufgesuche, Mietgesuche, Meine Fran- Vermietung, Stellengesuche das Fräulein Anf. 7 Uhr Ende 9 Uhr usw. in unseren Freitag, den L. Mär Uzeigen⸗ A 3 19 19. Vorstellung im 1800 98922 ů——ͤ—ũ—vb— 17 Inhaber: A. 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