8 — * — — e,, . ³˙Ü 0mm«ñnů p e 2 2 — —————— Nebaltlon: Gießen Bahnhofftraße 23 — ische olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volles dae. der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Spedition: Gießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2008. Die Oberb. Volkssettung erscheint j f ttun eint jeden i in Gi 125 schaflliche Beilage 155 den Beilagen„Des Blas Wer grund 2 3 Poi eden 550 tragt, monatlich 5500.— Mt einschl. Bringerlohn. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. „Verlag von Hermann Neumann K Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt sür die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Naum lokal 90— Mk, auswärts 120.— Mk., die Reklamemi imetergeile 450.— Pk, Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. et. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220.— Mt Nr. 144 Gießen, Mittwoch, den 27. Juni 1923 Wie weit ind wir noch vom tatsächlichen Hoch⸗ und Landesverrat entfernt? Rupprecht als Staatspräsident. Aus München wird uns geschrieben: 5 5 Die Verhandlungen des Fuchs⸗Machhaus⸗Prozesses sind abgeschlossen. Das Urteil wird en ee de 15 Hochverrats überführten Angeklagten werden verurteilt, werden. Redet sich aber jemand ein, daß mit der Ver⸗ urteilung der armseligen Schächer, deren Absichten im wesentlichen infolge ihrer eigenen Tolpatschigkeit und Ruhmredigkeit mißlingen mußten, die in Bayern seit 1 langem grassierende Hochverratsseuche gebannt werden 1 wird? Glaubt man, daß die Kreise, die sich Patrioten und N vaterländisch gefinnt nennen, sich über die in den Prozeß⸗ ver handlungen erwiesenen Tatbestände überhaupt entrüsten und einer Wiederholung solcher Versuche, Bayern vom Reich zu trennen, entgegenzuwirken entschlossen sind? Mit nichten! In diesen Kreisen hat man die Kenntnis von den nunmehr offen zutage liegenden Separationsbestrebungen mit dem Gleichmut entgegengenommen, der einzig und allein nur bei gleichgesinnten Seelen möglich ist. Die Stimmung in diesen Kreisen ist so, daß man etwa sagt, was die Angeklagten taten, war jawohl nicht recht— aber mußte das nicht einmal kommen, wird sich nicht doch einmal Bayern vom Reich trennen müssen? f Untersucht man die Frage, wie es wohl dahin kam, daß diese Stimmung in Bayern überhaupt Platz greifen konnte so stößt man als wesentlichste Ursache hierfür auf die Republikfeindlichkeit und die kritiklose Gegner⸗ schaft gegen Berlin, die das A und das O der politischen Programms der maßgebenden Partei in Bayern, der Bayerischen Volkspartei, sind. Aus diesem Wurzelboden wucherte das Unkraut der mehr oder weniger geheimen zerklüfteten, statt es zu einer der Not der Zeit entsprechenden festen Geschlossenheit zusammenzuführen. Diesem Boden entstiegen die Miasmen jener moralischen und rechtlichen Korruption, die den Gedanken des Verrats der deutschen Einheit, um die Generationen deutscher Patrioten gerungen und geblutet haben, als eine erörterungsfähige, ja geradezu selbstverständliche Sache ansehen ließ. Seit langem sind in diesen durch eine demagogische Agitation bearbeiteten Kreisen alle Sinne darauf gerichtet, die deutsche Einheit und ihre verfassungsrechtlichen Grundlagen nach Kröften zu ver⸗ höhnen, sie im bayerischen Volk mißliebig zu machen und möglichst viel Sprengstoff für die geplante Vernichtung der deutschen Einheit zusammenzutragen. Man klagt das Reich an Bayern seine Finanz⸗ und Steuerhoheit geraubt zu haben, während es doch der Vorstand der Baverischen Volks⸗ partei, Herr Speck, selbst war, der als bayerischer Finanz⸗ minister Abmachungen hierüber mit seinem klerikalen Ge⸗ sinnungsgenossen Erzberger getroffen hat. Man führt Be⸗ 0 schwerde über den Verlust der Verkehrshoheit. und hat doch seinerzeit selbst für die Weimarer Reichsverfassung und für den auf ihr beruhenden Staatsvertrag gestimmt, der die Zu⸗ ständigkeit des Reiches begründete. i 5. Als ein zurzeit für besonders wirkungsvoll angesehener Srenheit f denten 2. begehen„ g S spräsidenten 3 9. 2 5 1 1 bie Form einer für die naiven 1 8 los erscheinenden Herbelges nter Herre 120 5 innerli ür mi erbe Fe e a zu kö 5 etreibt diese a iu dae ue deen wee wee ae . die staatspolitische e e Parlamentarismus auge pre ge eusengen ee der 185 25 saßsgrdende politische Lebens- ö . 0 — f ö für das deutsche 4 Lebens. * herausgestellt haben. Man bekämpft 95 5 1 Lebensprintip nicht dort, wo es begründet 1 5 e 0 Verfassung des Reichs, sondern man 11 91 0 Hinterhalt beikommen, 1 N eutschen Land zu Fall zu bring 0 1 nzunehmen, daß seich f 1. 1 0 Folgen ihres Vorgehens Vorwände sind fadenscheinig. Was Ees ware wo a heber dieses Planes ai u klaren wären. Ihre Bünde empor, die das politische Leben des deutschen Volkes Verfassungsänderung, um Auf des Meslers Schneide? von der Stärkung der Staatsautorität oder der besonderen Betonung der Staatspersönlichkeit durch einen vom Parla- ment unabhängigen Staatspräsidenten gesagt wird, sind nur Redensarten; das Wesentliche an einem bayerischen Staats⸗ präsidenten— die anderen deutschen Länder einschließlich Preußens haben bisher den Gedanken an einen solchen weit von sich gewiesen und beschränken sich auf die Repräsen⸗ tation des Staates durch den vom Parlament gewählten Ministerpräsidenten— ist der Umstand, daß er das bisher stärkste Pronunziamento gegen die Weimarer Verfassung, gegen das Fundament unseres politischen Lebens ist, dessen Unterminierung damit begonnen werden soll. Ist erst der Staatspräsident geschaffen, so ist es dann seine Sache, den Staatsstreich selbst, der die Zertrümmerung des Reichs zur unmittelbaren Folge hätte, in der möglichst erfolgver⸗ sprechenden Art zur Durchführung zu bringen. Zurzeit beherrscht die Vertreter dieser Gedankengänge nur noch eineUnstimmigkeit? Wer soll der Erkorene sein, dem die Erfüllung dieser„geschichtlichen Aufgabe“ zufällt? Die sich deutschnational, vaterlandisch, völkisch oder sonstwie nennenden Gruppen des antidemokratischen Blocks haben den Mann mit dem„Stiernacken“, Herrn v. Kahr, auf den Schild erhoben, der schon in ausgiebigster Weise seine Kandidatenreden im Lande herum hält. Aber Kahr ist der Mann, den seinerzeit ein prominenter Führer der bayerischen Volkspartei der„Treulosigkeit“ bezichtigte, den die Partei als Ministerpräsidenten stürzen mußte, weil er sich und sie selbst unheilvoll kompromittiert hatte. Sie kann also für Kahr nicht eintreten, und darum wird sie eine eigene Kandidatur aufstellen, mit der sie Kahr glatt zu schlagen gedenkt, und das ist kein anderer als— i Rupprecht von Wittelsbach. Mit diesem Wahlfeldzug glaubt sie den in letzter Zeit trüb gewordenen Glanz ihres Parteinamens wieder frisch auf⸗ polieren und die ihr über den Kopf gewachsenen„vater⸗ ländischen“ Orgonisationen in ihre Schranken zurückweisen zu können. Aus dieser Wurzel fließen auch die Reden führender Persönlichkeiten der Bayerischen Volkspartei, so in den letzten Tagen des Ministers Schweyer über die „Treue zum angestammten Herrscherhaus“. Die Brücke ist gebaut, die von den Monarchisten und Reichsfeinden in Bayern demnächst betreten werden will. Wird man, wenn diese „Revolution“ gelungen sein sollte, sich auch nach dem be⸗ kannten Wort des Kardinals Faulhaber über den„Meineid und Hochverrat“ sittlich entrüsten, der in der Geschichte ewig mit einem„Kainsmal“ gezeichnet sein wird? Der fächsische Ministerpräsident über die drohende Gefahr. Dr. Zeigner hat in einer Volksversammlung in Planitz bei (Jiwickau eine Rede gehalten, über die bisher nur in dunklen An⸗ deutungen gesprochen wurde. Von ihr wurde nur bekannt, daß Ge⸗ nosse Zeigner nicht von einem bedingungslosen Abbruch der Ruhraktion gesprochen habe, wohl aber den Abbruch gefordert 11 weil sie von den Nationalisten für ihre Zwecke ausgenutzt werde. Recht bedeutungsvoll aber ist, was Genosse Dr. Zeigner sonst noch gesagt hat, aber nicht weiter bekannt geworden ist. Dem Be⸗ richt, dessen Richtigkeit von Zeigner bestätigt wurde, des Sächsischen Volksblattes entnehmen wir folgendes: Redner kommt eingehend auf die Untersuchung im Erzberger⸗ Mord zu sprechen und zitiert einen Ausspruch des Untersuchungs⸗ richters, der erklärt habe, daß seine Untersuchung nicht ein Kampf gegen die Mörder, sandern ein solcher gegen die Behörden gewesen sei. Die Hauptverhandlung habe nicht erfolgen dürfen, da sonst ungeheure außenpolitische Verwickelungen erfolgt wären. Es stehe fest, daß Killinger 300000 Mark aus Reichs ⸗ mitteln zur erfügung gestanden hätten Die Reichregierung habe ganz unter dem Einfluß gestanden. den passiven in den aktiven Widerstand überzuleiten. Die größte Gefahr der gewaltsamen außenpolitsschen Auseinandersetzung habe im April und Moi bestanden, sei jedoch beseitigt: die inner⸗ politische stehe jedoch noch bevor. Ueber diese Dinge könne erst einmal geredet werden, wenn bestimmte Archive geöffnee würden, den Bürgerlichen würde die Kritik dann abhanden kommen. Für Mitteldeutschland bergen die nächsten Monate grosse Ge⸗ sahren und es werde dazu kommen, daß der Arbeiterschaft die Faschisten bis an die Kehle bewaffnet gegenüber⸗ Händen. Banern sei der Sammelplatz und Ausgangspunkt der Bewegung, und wenn Cuno vor einem zweiten Versailles stände und dann abtreten müsse, dann sei der Augenblick für die jungdeutschen und faschlstischen Wellen gekommen und auch für Süddeutschland, wo Hitler eine Gefahr für, den Saat worden sei, wo die Faschisten mit der Reichswehr Uebungen ab⸗ halten. Die Gegensätze würden sich austoben und sich vom Aus⸗ 1 18. Jahrgang gangspunkt fortwälzen. Ueberall zeitigten die Verhältnisse eine große Nervosität; es brauche nur der Funke in das Pulverfaß zu fliegen, und so lägen die Dinge im Reich und in den Ländern Redner verweist auf den Kapp⸗Putsch. Man solle nicht, anneh⸗ men, daß sich jemgls ein Kapp⸗Putsch wiederholen werde, diesmal gehe es anders. Man werde vom Ausgangspunkt vorerst keine Vorstöße unternehmen, sondern sich konsolidieren und dann rücksichts⸗ los vorgehen. Die Geschichte kenne Beispiele(Serbien), und es werde soweit kommen, ob man wolle oder nicht, eines Tages gehe das Gewehr los. Es sei nicht Zufall, daß in Leipzig und Dresden derartige Elemente angetroffen wurden, es sei nicht Zufall, daß der Reichswehr die Waffen abhanden kämen. Für Sachsen stehe viel auf dem Spiele. Es gehe Kampf um den Bestand und die Sicherung der Republik; viel müsse noch geschehen. 1 Genosse Zeigner ermahnte fortgesetzt die Arbeiterschaft, ange⸗ sichts dieser großen Gefahr, alle Gegensätze zursickzustellen und Selbstdisziplin zu üben, damtt sie diese schwere Belastungsprobe aus⸗ halte. 8 95 Fascisten in Berlin. N. f Es scheint, daß ausgerechnet die Zeit der Jahrestage der Er⸗ mordung Rathenaus von den Nationalisten aller Schattierungen be⸗ stimmt war, mit besonderer Deutlichkeit den Uebermut und die herausfordernde Frechheit zur Schau zu tragen. So berichtet der Vorwärts über einen Vorfall, der sich in der nächsten Nähe Berlins zutrug: 5 Vor dem privaten„Krankenhaus Nordend“, das in einsamer Gegend nahe dem Straßenbahnhof liegt, führte nachts um ½2 Uhr ein aus der Kneipe heimkehrender Trupp eine wüste Radau⸗ szene auf. Die dem Sanitätsrat Dr. Dos guet gehörende, früher von Krankenkassen viel benutzte Anstalt hat Ende vorigen Jahres ihren Betrieb ganz eingestellt, zurückgeblieben sind aber in ihr noch ein paar kranke Angestellte der Interalliierten⸗ Kommission, die etwa 2 Jahre hindurch das Krankenhaus für ihr Personal mitbenutzt hat. Gegen die dort jetzt noch untergebrach⸗ ten vier Franzosen i tätsrat Dr. Dosquet richtete sich der Mut und die Wut der Radau⸗ helden, die mit dem Liede„Siegreich wollen wir Frankreich schla⸗ gen!“ anmarschiert waren. Vor dem Hause Halt machend, schrien sie:„Dosquet, du Lump, du Hund, du Schwein, gib die Franzo⸗ sen heraus, sonst schlagen wir dir das ganze Krankenhaus ka⸗ put!“ Als keine Antwort erfolgte, setzten sie ihr Schreien und Toben verstärkt fort und brüllten, Unter der Horde mußten Personen sein, die über die Verhältnisse im Hause Dosquet unterrichtet waren und auch um die Reise des Sani⸗ tätsrats wußten. Einer rief:„Der Kerl ist ja weg!“ und nun ging das Geschrei los:„Frau Dr. Dosquet, halten Sie zu uns, geben Sie uns die Franzosen heraus!“ Als wieder keine Antwort erfolgte, erging einer der Strolche sich in unflätiger Schimpferei gegen Frau Sanitätsrat Dr. Dosquet. Schließlich schritten sie sogar zu Gewalttätigkeiten, zertrümmerten die hölzerne Gar⸗ tentür, drangen in den Garten ein und zerschlugen an einem Gebäude ein paar Fensterscheiben. Dem Haus⸗ diener, der sich jetzt meldete und auf sie einredete, antwortete einer: „Sie kenne ich, Sie sind der Hausdiener.“ Es gelang dem Haus⸗ diener, die Tobenden zu bewegen, daß sie wieder abzogen. Das nächste Polizeibureau(in Niederschönhausen, Blücherstraße) wurde um ½2 Uhr nachts um Hilfe angerufen, aber 2 Beamte. die später eintrafen, fanden niemand mehr vor. Eine am nächsten Tage zu⸗ fällig hinauskommende Ordonnanz der Kommission sah die angerich⸗ teten Zerstörungen, erfuhr Näheres darüber von den in der Anstalt untergebrachten Franzosen und erstattete Bericht an die Kom⸗ mission, die dann sofort durch einen hinausgesandten Major weitere Erkundigungen einzog. Geländenbungen. 5 Strohdiemen bei Wilsdorf bei Freyburg a. d. Unstrut. wurden neben zahlreicher Munition sieben Maschinengewehre auf⸗ gefunden. Ein wandernder Handwerksbursche wollte in einem Strohdiemen übernachten. Dabei fand er einen Kasten Munition, die er am nächsten Tage in Naumburg verkaufte. Als er schon mehrere Male Munition verkauft hatte, wurde er verhaftet. Bei näherer Nachforschung durch drei Landjäger wurden im Strob⸗ diemen mehrere Kästen mit Munition und insgesamt sieben Maschinengewehre gefunden. So wußte die bürgerliche Presse zu melden, der man auch ent⸗ nehmen konnte, was mit diesen Dingen geschehen sollte. Dieselben brachten nämlich Aufforderungen an die Leute vom Stahlhelm, Werwolf, Bund der Frontsoldaten an einer Geländeübung im Un⸗ struttal teilzunehmen. Die Uebung sollte sich bis Eibleben und Querfurt ausdehnen, wo ausgerechnet am gleichen Tage die Gewerk- schaftsfeste stattfanden. 5 Tatsächlich ist der Zweck der Uebung erreicht. In Eisleben kam es am Sonntag zu bluligen Zusammenstößen der Stahlhelm⸗ leute und Kommunisten, wie die bürgerliche Presse und ihre Agenten⸗ turen berichten. Die Kommunisten sollen die Jugendgruppe der Stahlhelmleute überfallen haben, worauf diese die Kommunisten „furchtbar zusammengehauen“ haben. Provokationen in Schlesien, In Schlesien streiken 90 000 Landarbeiter, weil ihnen, wie Ge⸗ nosse Buchwitz im preußischen Landtag ausführte, die Verein⸗ barung vom April-Mai nicht erfüllt wurde. Die Notstandsarbeiten. wie Viehfüttern, werden erledigt, aber man will auch die Erntear⸗ beiten und sogar das Rübenziehen zu Notstandsarbeiten machen, um die technische Nothilfe anrufen zu können. Jetzt will man sogar rote Hundertschaften im Umherziehen gesehen haben. Dagegen konnte Genosse Buchwitz feststellen Im Kreise Neumarkt treiben jetzt die berüchtigten Bandenführer In einem nn, e eee. idee r t g. e- wieder ihr Unwesen. Im Kreise Steinau erlebten wir, daß Masor sowie gegen den zurzeit verreisten Sani⸗ sie seien die Ehrhardt⸗ Garde. 1 —— 3 v. Winterfeldt aus 18 Ortschaften seine Orgeschbanditen zusammen⸗ gerufen hat um nach Neumarkt zu ziehen. Kommt es nach solchen Provokation zu irgendeinem Zusammenstoß, dann schreit man über⸗ Terror der Arbeiter. Wir werden den Behörden unser Material über das Treiben der Orgeschbanditen unterbreiten. Wir konnten feststellen, daß mit Hilfe von Gendarmen, sogar mit Hilfe der Ange⸗ stellten, der Inspektoren die Arbeiter, die im Streik stehen, mit Ge⸗ walt und unter Drohungen aus ihren Quartieren hinausgetrieben wurden. Man hat ihnen sogar das Bett weggenommen.(Hört, hört.) Das ist der Terror der Arbeitgeber. In Oberbaumgarten im Kreise Liegnitz find 30 bewaffnete Bauern mit Gewehren den Patrouillen der streikenden Arbeiter, die waffen⸗ und wehrlos sind, entgegengetreten. Man will die Arbeiter mit Gewalt zur Arbeii zwingen. Unser Material ist bergehoch. Wir werden es, soweit der Innenminister zuständig ist, diesem unterbreiten. In der Frage des bewaffneten Selbstschutzes übertreiben wir keineswegs. Hat doch ein bürgerliches Blatt, das Amtsblatt aus dem Neumarkter Anzeiger, se! die militärischen Schauspiele des Selbstschutzes geschildert und berichtet, daß der Selbstschutz in so und so vielen Ortschaften unter Voranfahren der Gulaschkanonen eingezogen sei, um gegen den„Terror“ der Land⸗ arbeiter aufzumarschieren. Politische Uebersicht. Das„andere“ Frankreich über das Dortmunder Blutbad. Poincaré hat sich am Dienstag im Senat entgegen der radikal⸗ sozialistischen Opposition für die Aufrechterhaltung der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan eingesetzt. Er begründete seinen Stand⸗ punkt u. a. damit, daß der Bischof Raymond, der der Besatzungs⸗ armee am Rhein beigeordnet war, dem Abgesandten des Papstes, Testa, die„Ungeheuerlichkeit der deutschen Lügen“ bewiesen hat. Wir sind weit davon entfernt, alles, was über Gewalt⸗ und Schandtaten der Franzosen im Ruhrrevier aus micht immer ein⸗ wandfreien Quellen der deutschen Presse berichtet wurde, für bare Mlinze zu nehmen. Aber selbst, wenn nur die Hälfte dieser Behaup⸗ tungen auf voller Wahrheit beruhte, so wäre das schlimm genug für den Ruf der französischen Armee, und Herr Poincaré hätte jeden⸗ falls kein Recht, von den„ungeheuerlichen deutschen Lügen“ zu reden. Die Vorfälle in Recklinghausen, Wanne und dergleichen waren doe ine Lügen, sondern ste sind vielmehr durch einwandfreie Zeugen beobachtet und bestätigt worden, und die Karsamstags⸗Tra⸗ gödie in Essen läßt sich nicht aus der Welt schaffen, am aller⸗ wenigsten durch das Werdener Krtegsgerichtsurteil. 5 Poincaré wird sicherlich auch behaupten wollen, die deutschen Berichte über die Niedermetzelung friedlicher Passanten in Dort⸗ mund als Repressalie für die Erschießung zweier französischer Feld⸗ webel seien„ungeheuerliche Lügen“. Indessen veröffenlicht die Humanité(das linkssozialist. Blatt) vom 17. Juni einen Brief französischer Soldaten aus Dortmund, aus dem hervorgeht, daß die Berichte der deutschen Presse über die Schreckensnacht in Dortmund, die auch zum Gegen⸗ stand einer deutschen Protestnote gemacht wurden, alles andere als übertrieben waren. Darin heißt es: „Es wurden Patrouillen damit beauftragt, die Ver⸗ kehrssperre durchzuführen. 295 75 Patrouille hat vierzig Passanten verhaftet(nur die männlichen) und es ging dies ohne Bruta⸗ litäten vor sich. Wir zerstreuten die Ansammlungen, indem wir in die Luft schossen. Aber das gleiche geschah nicht bei den anderen Patrouillen. Jene, die mindestens aus 40 Mann be⸗ standen, verhafteten alle Passanten ohne Unterschied, schossen in die Menge hinein, um die Leute zu zerstreuen, und haben sich wie die Wilden betragen.. Die Leute, die gefangengenommen waren, wurden bei ihrer Ankunft mit Schlägen traktiert. Wir haben einen armen Teufel gesehen, der von zwei Soldaten festgehalten wurde und von einem Sergeanten mit Fußtritten und Kolben⸗ schlägen traktiert wurde. Es gibt aber auch Schlimmeres: der Leutnant E.(dessen Namen die Redaktion der Humanité dem Kriegsminister zur Ver⸗ fügung stellt. Red. d. V.) hat einen Zivilisten, der zu fliehen ver⸗ suchte, mit einem Revolverschuß niedergeknallt. Zwei Zivilisten, die ruhig ihres Weges gingen, wurden erschossen. Es wird be⸗ hauptet, daß der Feldwebel V... einen Gefangenen aus einer Gruppe herausgegriffen und ihn mit einem Revolverschuß niedergemacht hat. Kurz und gut, man zählte heute morgen sieben Tote, und die Bevölkerung befindet sich in großer Erregung. Es könnten sich 100 die schlimmsten Dinge entwickeln. Wir wollen, daß diese bar⸗ barischen Methoden die wir verurteilen und die uns ent⸗ ehren, in Frankreich bekannt werden.“ Bekanntlich war übrigens nach deutscher Darstellung den meisten 7 Opfern die plötzlich verfügte Verkehrssperre gar nicht kannt. Dieser Soldatenbries beweist übrigens, wie verkehrt es ist, alle Angehörige der Besatzungsarmee in einen Topf zu werfen. Er zeigt aber auch andererseits, wo die„ungeheuerlichen Lüg⸗ ner“, von denen Poincaré am Dienstag im Senat sprach, zu suchen sind. Gießen und umgebung. Eine notwendige Feststellung. Berichterstattung und Aufklärung über politische Angelegenheiten, wie sie der Gießener Anzeiger seinen Lesern bietet, fordern immer wieder die Kritik heraus. In seinem letzten Wochen⸗ rückblick heißt es u. a.: Im preußischen Landtag, der ja für die Schrecken der Ruhr⸗ und Rheinlande unmittelbar zuständig ist, gingen die Wogen höher. Dort brandeten vier Tage lang die Gegensätze um Severing aufeinander. So unmstritten die„Verdienste“ dieses Ministers sind, so lebhaft mn Anstoß nehmen muß an Vielem, was seine politische Vergangenheit belastet— ist es gerade jetzt Zeit, alten Zwist aufzurühren, sich vor den Augen der Welt gegenseitig zu zerfleischen? Das Ergebnis der langen Debatten war freilich, daß die große Koalition auch auf der Basis des gegenwärtigen preußischen Kabinetts sich als durchaus haltbar erwies. Der Mi⸗ nisterpräsident Braun sprach als Sozialdemokrat dabei mit einer anerkennenswerten Mäßigung, und die Partei, auf die es hier hauptsächlich ankommt, die Deutsche Volkspartei, versuchte durch ihren Wortflihrer ebenfalls das Löschwerk am alten Haßbrand. Die von einem Berliner Blatte gegen Severing geworfenen Ver⸗ dächtigungen, als habe er Schlageter verraten lassen, erwiesen sich als haltlos. Der Gieß. Anz. spricht von umstrittenen„Ver⸗ diensten“ Severings. Die Anführungszeichen sollen be⸗ sonders unterstreichen, daß der Anz. an solche nicht glaubt. Ein großes Verdienst Severings, die Bekämpfung und das Verbot der staatgefährlichen Völkischen Partei, ist aber von dem gesamten preußischen Staatsministerium wiederholt dadurch anerkannt worden, daß es sich einmütig hinter seinen Innenminister gestellt hat. Zu der preußischen Re⸗ gierung gehören bekanntlich auch namhafte Mitglieder der Deutschen Volkspartei, der früheren Nationalliberalen. „U mstritten“, d. h. zweifelhaft ist also dieses Hauptverdienst Severings nicht, sondern einzig und allein von der deutsch⸗ nationalen Partei bestritten. Folglich steht der Anz. auf der Seite dieser Partei, wenigstens in diesem Falle. Oder ist unser Schluß nicht richtig? Versteht der Anz. unter „Verdiensten“(in der Mehrzahl) etwas anderes? Was dann aber?— Dahin scheint allerdings der Zusatz zu deuten, daß man lebhaft Anstoß nehmen müsse an Vielem, was Severings politische Vergangenheit belaste. Wir fragen also, worin dieses Belastende besteht. Der Anz. sagt es ja nicht, sondern scheint es als bekannt vorauszusetzen. Wir sind der Ueberzeugung, daß es der Mehrzahl seiner Leser genau so unbekannt ist, wie uns. Wir erwarten also, daß der Anz. endlich einmal klipp und klar seinen Lesern das„Viele“ mit⸗ teilt,„was S''s politische Vergangenheit belastet.“ Ange⸗ spielt hat er schon öfters darauf. Täte das der Anz. nicht, bann zögen wir daraus den Schluß, daß er es nicht könnte. Und dann wäre seine Behauptung als Verleumdung einzuschätzen. Und nun zur Hauptsache: Ein allgemeines Wort zu unserer Stellung zum Gieß. Anz. Wir haben uns schon oft mit seinem politischen„Standpunkt“ oder deutlicher gesagt mit seiner politischen Berichterstattung be⸗ schäftigt, damit beschäftigen müssen. Wir haben das auf die Gefohr hin getan, bei einem oder dem anderen Leser aus gegnerischem Lager in den Verdacht zu geralen, a wit, aus Neigung oder vielmehr aus Abneigung, ein deutendes politisches Organ grundsatzlich und immer w an. Ach nein, wir halten natürlich den„Generalanzeig für Oberhessen“ wie alle seine Kollegen für keinen irgen beachtenswerten Vertreter ernsthafter politischer Ansi Im übrigen wollen wir aber dem Anz. das selbstverständli Recht nicht streitig machen, eine von der sozialdemokrati und überhaupt demokratischen abweichende Ansicht zu heg und zu bekunden. Es ist nun einmal ein im allgemein politsch reaktionär gerichtetes Annocenblatt und das darf natürlich sein, wenngleich einerseits seine Haltung zu d Ansichten der im ganzen mehr freiheitlich gesinnten B kerung Gießens in auffälligem Gegensatz steht, ander seine Polemik gegen seine besonderen Feinde, als da war und sind: Dr. Strecker, Wirth, Scheidemann, Severing u. die Färbung einer gewissen komischen Gespreiztheit und Hartnäckigkeit an sich trägt. Jedoch, er hat nun einmal die Antipathie und diesen Stil! 0 Aber was wir am Gieß, Anz. bekämpfen, was ung immer wieder die Feder gegen ihn in die Hand drückt, was uns die durchaus nicht immer angenehme Beschäftigung mit ihm zur unabweisbaren Aufgabe macht, ist etwas anderes: nicht abweichende politische Ueberzeugung, sondern eben zunächst das Fehlen einer festen politischen Ueber zeugung oder Haltung bei ihm, seine pupillarische Unsicherheit, um ein Wort Bismarcks gegen Miquel zu gebrauchen. Der Anz, rede sich nicht damit heraus, daß er eben nicht auf eine Partei eingeschworen sei. Das ist es auch nicht, was wir ihm übel nehmen. Auf einer höheren Warte als auf der einer politischen Partei zu stehen in dem Sinne, daß man nicht mit einer solchen durch dick und dünn geht, kann einem einzelnen Menschen und natür⸗ lich auch einer Zeitung, wohl anstehen. Das nennt man vielleicht Charakter! Aber gerade der gerade Charakter ist es, den wir dem Anz. absprechen müssen. Immer und immer wieder, namentlich in den Fragen und Vorkommnissen der inneren Politik, aber auch in denen F äußeren klärt der Anz. seine Leser nicht vollständig und richtig auf, sondern er macht ihnen mit seinem De⸗ peschenwust während der Woche und seinem Wochen rückblick am Samstag gar oft nur blauen Dunst vor. Im Andeuten und Verschleiern, in hämischen Dunkelheiten ist er Meister. Seine meist schwankende Stellungnahme in wichtigen Angelegen⸗ heiten mag ja Erbteil der Fraktion sein, zu der er sich wohl im allgemeinen bekennt. Aber seine Verschweigun und Verdrehung wichtiger Ereignisse vom Fall Schnell Schian⸗Michel an bis zu dem Münchener Hochverratsprozeß und zur Politik des preußischen Innenministers ist typisch 9 sür ein Blatt,„dem die ganze Richtung nicht paßt“, nämlich die neue deutsche, sozial gerichtete und demokratische Repu⸗ blik, dem aber der Mut gebricht, dem die Kraft nicht gegeben ward, gewiß mit Rücksicht auf die Annocenplantage, kalt oder heiß zu sein. So ist er denn lau. Das Schicksal der Lauen aber lese man nach in der Offenbarung Johannis. Aber der Anz. ist, wie gesagt, nicht allein lau, sondern zur absichtlichen und bewußten Verdunkelung ihm unangenehmer Tatsachen und Vorgängen treten ot hämisches Geschwafel im Ausdruck und dünke hafte Anmaßung im Ton. 9 0 1 7 1 Das Geld ist zu schade um es nutzlos auszugeben. Darum färb e An Ba alen Gar- w. nur mit den Heitmann's Farben, Marke dachskopf im Stern. e Heitmann's Farbe spart den Färber. Der verlorene Sohn. Roman von Hall Caine. 17 „Schreibe, sagte Magnus. „Ich kann nicht, Du hast mir jeden klaren Gedanken be⸗ nommen.“ „Dann schreibe, was ich diktiere:„Mein lieber skar—“ 5 „Mein lieber Oskar—“ „Ich habe Deinen mir durch Magnus gesandten Brief erhalten—“ i „Brief erhalten—“ „Und alle Deine Worte finden ein Echo in mir—“ „Ein Echo in mir—“ „Ich glaube, daß Du mich sehr lieb hast und nie irgend 3 oder irgend etwas zwischen uns kommen lassen wirst— „Zwischen uns kommen lassen wirst—“ „Magnus hat mir mein Wort zurückgegeben, weil ich ihn nicht liebe—“ „Muß ich das sagen, Magnus?“ „Und weil es sein Wunsch ist, mich glücklich zu sehen—“ „Ich kann nicht, Magnus, ich kann wirklich nicht—“ .„Weiter Thora. Deshalb will ich, wenn es meinem und Deinem Vater recht ist—“ „Recht ist—“ „Dich, wann und wo Du willt, heiraten, denn—“ „Denn—“ „Denn ich liebe Dich von ganzem Herzen, mit meiner ganzen Seele und aller Kraft.“ 2 Thora weinte als sie gegen das Ende des Briefes kam. „Nun unterschreibe,“ sagte Magnus. und sie setzte ihren Namen darunter. „Adressiere den Brief.“ Adresse. „Versiegle ihn,“ und sie drückte ein Siegel darauf. „Jetzt gib ihn mir,“ sagte Magnus, den Brief vom Tische nehmend und in seine Brusttasche steckend. 5 5 sagte er, und sie schrieb die „Was willst Du mit ihm?“ fragte Thora. „Ihn eigenhändig abliefern,“ sagte Magnus. „Nein, nein,“ rief Thora,„laß ihn mir wenigstens noch eine halbe— eine viertel Stunde. 5 „Ich traue Dir nicht. Thora,“ sagte Magnus und wandte sich der Türe zu. „Gib ihn mir wieder! Gib ihn mir! Gib ihn mir!“ Sie umfing ihn mit den Armen, um ihn zurückzuhalten, und einen Augenblick blieb er zitternd in ihrer versuchenden Umarmung stehen, dann schob er sie sanft zur Seite und floh aus dem Hause. Während er durch die Straßen dahineilte, fühlte er die Wärme von Thoras Körper noch an Hals und Wange, und die teufliche Stimme flüsterte ihm ins Ohr:„Welch ein Narr Du warst! Im nächsten Augenblick hätte sie in Deinem starken Arm gelegen und wäre Dein gewesen für immer.“ Er versuchte ihr kein Gehör zu geben, die Stimme aber fuhr fort:„Sie könnte noch Dein werden, wenn Du nur ein halber Mann wärest! Behalte Thoras Brief und gib Oskar den seinen zurück! Weshalb nicht? Was Besseres etwa hat er um Dich verdient?“ Magnus schritt schnell aus, aber die Stimme folgte ihm. Sie hielt ihm vor, wie glücklich er in dem Glauben an Thoras Liebe gewesen sei; mit wie vertrauendem Herzen er sie, in die Berge gehend, zurückgelassen, wie Oskar gekom⸗ men und allen Dingen ein Ende gemacht hatte. „Behalte ihn! Gib ihm den eigenen zurück,“ sprach die Stimme in sein Ohr, und um Thoras Glück zu begründen und jede eigene Hoffnung zu vernichten, zog er ihren Brief aus der Tasche und rannte mit ihm in der Hand weiter. Oskar, zu gespannt, um in seinem Schlafzimmer zu warten, stand auf der obersten Treppenstufe.„So Hringst Du mir etwas! Sie hat mir also geantwortet! Gib her!“ „Da nimm,“ sagte Magnus. Als aber Oskar Thoras Brief endlich in Händen hielt, überkam ihn eine plötzliche Furcht, ihn zu öffnen. „Steht alles gut?“ fragte er. „Davon mußt Du Dich selbst überzeugen,“ sagte Mag⸗ nus und sank auf dem Stuhl beim Pult nieder. 3 herzige 5 Mädchen!“ Er las den Brief zweimal und steckte ihn in die Tasche, um ihn wieder herauszuziehen und noch einmal zu lesen und fing dann an, in selbstsüchtigem Glück vergessend, daß außer ihm noch ein anderer anwesend war, ihn zu küssen. 10 Magnus saß ihn beobachtend da. Der Kampf war fast ausgekämpft, aber nun brach er auch beinahe zusammen „Welch eine Ewigkeit es mir vorkam, daß Du warst!“ sagte Oskar.„Und doch mußt Du schnell gela sein, Du bist noch ganz außer Atem. Aber jetzt gibt es 9 auch außer dem, was Du morgen zu tun versprochen 5 nichts weiter für Dich. Glaubst Du, daß Du es fertig bringst?“ 5 7 „Ich glaube wohl,“ sagte Magnus. a „Es wird aber ein schweres Stück Arbeit werden, zwei alte Männer, die nicht überredet sein wollen, zu überreden! Niemand mag seine Pläne scheitern und seine Kontrakte ge⸗ brochen sehen, und mit dem größten Wohlwollen von der Welt für mich—“ 5 „Warte!“ sagte Magnus aufstehend— sein unrasiertes Gesicht hatte plötzlich einen harten, häßlichen Ausdruck an⸗ genommen.„Wir haben genügend von Dir und Thora und vom Faktor und Gouverneur gesprochen, aber da ist noch jemand, dessen nicht allzu oft Erwähnung getan ist— das 975 ich 15 7 0 „Glaube nicht, daß ich Dich deshalb vergäße,“ Oskar.„Das könnte ich niemals— und ebensowenig könnte es Thora— nein, niemals!“ N 0 0 Fortsetzung folgt.) 9 den sich die sogenannte f 0 plwKhsstisch vor den Zuhörern herauszuarbeiten, 3 a 171 67 Gieß. Anz. liest, erfährt also über or nicht 3 oder unzureichendes oder entstelltes, erlums selten in der Jorm eines waschechten e üerkums. Gottlob, daß wir in der Schulstraße zu Gießen klüger und einsichtiger sind, als der„Staatsmann“ de bestellt hat! Zum mindesten können wir dem 5 0 un gute Ratschläge geben; er lese nur unsere 9. Die Salbung liefern wir gratis. 1 1 1 zusammen: Die Berichkerstattung . Anz. über politische Angelegenheiten und die 0 prechung solcher Angelegenheiten im Gieß, Anz. 9 17 berechnet, deren erstes Bedürfnis nicht in 10 3 und Klarheit besteht. Oder, besser gesagt, 2 e gan der Oeffentlichkeit schätzt wenigstens seine ser so ein. Auf diesem, man nenne es intellektuellen oder n Mangel dieser Zeitung in Mitteilung und Be⸗ 4 die Bewohner Gießens und Oberhessens, soweit sie en Leserkreis ihres Generalanzeigers bilden, immer wieder aufmerksam zu machen, halten wir für eine Pflicht politischer Ehrlichkeit und Reinlichkeit. — Zu Rathenaus Gedächtnis. , Eine Gedenkfeier für Rathenau, der bekannt⸗ lich am 24. Juni vorigen Jahres den e deutsch⸗völki⸗ scher Mordbuben zum Opfer siel, hielt am Samstag abend der Republikanische Lehrerbund ab. Männer und Frauen, Mitglieder und Gäste hatten sich zahlreich eingefun⸗ den. Vorstzender Rektor Loos erinnerte an die Zeit vor einem Jahre, er bezeichnete Rathenau als hervorragenden Industriellen und aufrechten Republikaner, dessen man mit Ehrerbietung gedenken müsse. Hierauf hielt Prof. v. A ster die Gedenkrede. Ohne Personenkultus zu treiben, führte der Redner aus, wollen wir durch eine schlichte Gedenkfeier den Mann ehren. Sachlichkeit und die Fähigkeit ehrlich gegen sich Man muß den Tatsachen ins Gesicht sehen. Davon scheint in den letzten Jahren manches verloren gegangen zu sein. Scheidemann hat einmal von der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüst gesprochen. Wir müssen uns auf Schwierigkeit und Entbehrungen einstellen. Harte Arbeit steht uns bevor; deshalb ist Hilfsbereitschaft dem Nächsten gegenüber notwen⸗ dig. Die Wanderung durch die Wüste kann auch zu Haß und Zerfleischung führen. Wir dürfen nicht sinnlosen Illusionen nachjagen, nicht Zustände wieder aufrichten wollen, die un⸗ wiederbringlich dahin sind.— Rathenau war kein Führer im eigentlichen Sinne; er erklärte aber einmal, warum wir keine Führer haben. Zu einer Führernatur gehört Vertrauen, das sich ein Führer nicht schaffen kann, das er haben muß. Der Führer muß voraussehen, was morgen kommt, die öffent⸗ liche Meinung sieht die Dinge, wie sie gestern waren. Rathenau stand nicht von Anfang an in der vordersten Reihe der großen Industriellen. In stiller Zurückgezogen · heit pflegte er wissenschaftliche und künstlerische Studien. Dabei blieb er bescheiden, fern lag ihm jedes Protzentum. Das Wohl der Menschen war ihm die Hauptsache. Sozialist war Rathenau nicht, er hielt die Werttheorie für un⸗ richtig und glaubte, daß der Gewinn des Unternehmertums nicht hinreiche, die Lage des Volkes nennenswert zu ver⸗ bessern. Er war und blieb Unternehmer, schätzte die indi⸗ viduelle Tätigkeit über alles, wollte aber auch aus seiner idealistischen Grundeinstellung heraus, daß auch dem Ar⸗ beiter Freude an seiner Arbeit werde. Was weiß der Einzelne von dem Seelenleben des anderen? Was der Bürger von dem Seelenleben des Pro⸗ letariers und umgekehrt? Hier liegt— das erkannte Rathenau— der Quell des gegenseitigen Hasses der Völker. Die gefürchtete Kriegskatastrophe trat ein und nahm schlim⸗ mere Formen an, als Einsichtige es je geahnt. Die Scheußlich⸗ keiten des Krieges widerten Rathenau an. Von der Revo⸗ lution, die das Bürgertum abwartend betrachtete, wurde er enttäuscht. An der neuen Verfassung übte er herbe Kritik; für politische Vorwärtsentwicklung ist Deutschland kein günstiger Boden, da es religiös in zwei Teile zerrissen und einzelstaatlich zersplittert ist. Ein tiefer Riß trennt weiter das Volk in Gebildete auf der einen Seite, während auf der andern die Masse derjenigen steht, denen die Quellen besserer „Vildung verschlossen bleiben. Tiese Umstände erschworen es. daß das Volk von dem republikanischen Geiste durchdrungen wird. Rathenau war Demokrat und Republikaner und mußte in; selbstverständlich, daß er sich dem neuen 2 1 stellte. Als Minister des Auswärtigen wäre es ihm eher wie jedem andern möglich gewesen, die Verhältnisse Deutschlands zum 1 1 1 1 Bahnen zu bringen. Sein Tod soll für uns Veranlassung 4 15 mit freudiger Ueberzeugung zur Republik und Demokratie zu bekennen. 5 g 8 Der geistvolle Redner verstand es, in seinem ein stündjgen Vortrag das Wesen und die Tätigkeit des dem sinnlasesten Verbrechen zu wie seine Bedeutung für die Menschheit die bis zuletzt gefesselt und tief ergriffen waren r Rahmen zeichnende Bericht bietet davon nur ein schwaches Abbild. Deutschland und 3 Der Verein Deutscher Zeitungs⸗ n Tageszeitungen) hat auf seiner ch besuchten Hauptversammlung Zeitungsleser schon heute von ßerordentlicher Bezugspreis⸗ zu setzen. Die letzten Preis⸗ ind soweit über die phantasti⸗ j daß in den Junibezugspreisen ee en nur zu einem geringen Michrbel halb wenigen Wochen 8 g der Preis des Zeitungs⸗ rund 25 Millionen Mark filr ung des Papiers infolge dem Dollarkurs t den zwischen⸗ (wertung verleger(Herau aus allen deutschen Breslau einstimmi unumgänglichen erhöhungen 1 ll ers von rund Waggon gestiegen. deutsche Volksvertretung gerade als selbst zu sein, ist eine der guten Eigenschaften der Deutschen. m Opfer gefallenen Mannes so. mit weiteren entsprechenden Papierpreisvertenerungen gerechnet werden. Dazu kommen die allgemeinen stürmischen Preissteigerun⸗ gen aller anderen Kosten der Tageszeitungen, vor allem des Nach⸗ richtenwesens. Im Auslande haben sich die Zeitungsleser an das Vielfache der jetzt in Deutschland geltenden Bezugspreise längst ge⸗ wöhnen mlissen. Die deutschen Zeitungen und ihre Leistungen füür die Volksgesamtheit können nur erhalten werden bet Bezugspreisen, die einigermaßen den alle bekannten Teuerungszisfern weit über⸗ schreitenden Mehrkosten der Zeitungen gerecht werden. — Brotmarkenausgabe. Die Ausgabe findet am Donnerstag, den 28. Juni für die Bezugsberechtigten mit den Anfangsbuchstaben A.⸗K., am Freitag, den 29. Juni, für L.—3. statt. Siehe Anzeige in heutiger Nummer. Militär⸗Konzert. Am Donnerstag, den 28. Juni findet auf der Liebigshöhe das 2. Abonnement⸗Konzert der hiesigen Reichswehr⸗ kapelle statt. Das Konzert beginnt abends 8 Uhr und wird bei . Witterung als Streichkonzert im Saale stattfinden. Daubringen. In der Gemeinderatssitzung am 22. Juni 1923 wurde beschlossen, daß die Anstellung der Krankenschwester Elisa⸗ bethe Grötz in Mainzlax in Besoldungsgruppe 1, Gehaltsstufe 9 gemeinschaftlich mit der Gemeinde Mainzlar erfolgen soll. Die Kosten tragen beide Gemeinden je zur Hässte. Wegen Aufbesserung der Faselviehhaller wird der Finanzausschuß beauftragt, mit den⸗ elben zu verhandeln. Der Wasserzins wird ab 1. Juli auf das hnfache des seitherigen Satzes erhöht. Zur Aufftellung der Hebe⸗ register für den Wasserzins wurden die Gemeinderäte Braun und Geißler bestimmt. Dem Wiegemeister werden flir den Fall 500 Mark bewilligt. Als Wiegegebühren wurden ab 1. Jult beschlossen: Großvieh 2500 Mk., Kleinvieh 1500 Mark. Die Ausführungs⸗ arbeiten für den Durchlaß bei Adam Harbusch weeden dem Bau⸗ geschäft Preis übertragen. Ein Antrag der Kreisfürsorgestelle auf F einer Solbadekur für Marg. B. wird genehmigt. Die Kosten hierzu trägt die Gemeinde zur Hälfte. Dem Verein Klein⸗ kinderfreund sollen die Räume der Kleinkinderschule ab 1. April unentgeltlich überlassen werden. Lardenbach. Auf dem Grsinberger Ferkelmarkt wurden am letzten Donnerstag einem Mann aus Weikartshain 750 000 Mark von Taschendieben gestohlen. Die Herren Langfinger scheinen zu wissen, wo das Geld zu holen ist. 50 Marburg⸗RNirchhain. ihrer Stiftung zur Unterbringung von Kindern in Badeorten eine Million Mark zugefügt.— Der Bau eines Sechsfamilien⸗Miets⸗ hauses, nach Abzug der Zuschlisse für 211 Millionen Mark, wurde von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Unsere Genossen haben damit ihre Forderung durchgesetzt, die Wohnungsbauabgabe für diesen Zweck zu verwenden.— Das Wassergeld wurde auf 400 Mk. pro Kubikmeter erhöht.— Die gewerblichen Betriebe der Stadt haben im vergangenen Jahre ansehnliche Ueberschiisse erzielt, trotzdem Ge⸗ bäude und Maschinen bis auf 1 Mk. abgeschrieben sind. Eine Aus⸗ nahme macht nur die Straßenbahn, welche Zuschuß erfordert.— Der außerordentliche Voranschlag der Stadt flüür 1923 erfordert eine Aus⸗ gabe von 900 Mill. Mk., davon sollen 800 Mill. Mark, vorbehaltlich der Genehmigung der Regierung, durch eine wertbeständige Holz⸗ anleihe aufgebracht werden, die mit 6 Proz. verzinst und mit 3 Prozent gebracht werden, die mit Juni lu⸗7 Lig Sagiführteaut M Prozent getilgt werden soll.— Die Kündigung früherer Stadtan⸗ leihen der Stadt Marburg wurde beschlossen, da die Außgabe neuer Zinsscheine zu hohe Kosten verursacht. Die Stadtverordgeten stimm⸗ ten einem Antrage auf Wiedererneuerung der sogen.„schwarzen Brücke“ bei der Gasanstalt zu. Als Kosten werden 12 Mill. Ml. an⸗ genommen. Der Fabrikant Ostheim hatte sich in einem Schreiben gegen die Errichtung erklärt, weil„lichtscheues Gesindel“ dadurch herbeigezogen würde, was einen Pfufruf unserer Genossen auslöste. Da der Antrag einstimmig angenommen wurde, wird voraussichtlich der Magistrat seinen bisher ablehnenden Standpunkt aufgeben. Zur Deckung der Kosten schlugen unsere Genossen Erhöhung der Hunde⸗ steuer vor, dem die Statdverordneten ebenfalls zustimmten. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen. Zweite Sitzung vom 21. Juni 1923. In der Lohnstreitigkeit in der Metallindustrie im Be⸗ reich des Arbeitgeberverbandes für Lahngau und Oberhessen erging folgender Schiedsspruch: 1. Die Lohnforderung für die Woche vom 17. bis 23. Juni wird in Höhe von 5700 Mk. Spitzenlohn anerkannt. Die Entscheidung über die Zubilligung eines Akkordausgleiches wird davon abhängig gemacht, daß die zu einer Beurteilung not⸗ wendigen Unterlagen beigebracht werden. 2. Die Entscheidung über den Antrag auf Aenderung der Lohn⸗ staffel wird vorläufig ausgesetzt, damit der Arbeitgeberverband die Möglichkeit hat, den heute vorgelegten Vorschlag des Deutschen Metallarbeiterverbandes zu prüfen. 3. Die tarifliche Festsetzung der Lehrlingsentschädigung wird als unzulässig abgelehnt. 4. Die Festsetzung der Akkordpreise erfolgt nach der Leistung eines Avbeitnehmers durchschnittlicher Leistungsfähigkeit unter nor⸗ malen Arbeitsbedingungen in der Weise, daß er bei durchschnitt⸗ licher Arbeitsleistung mindestens 15 Prozent über den für ihn gül⸗ tigen Tariflohn verdient. Für Gießen tritt diese Vereinbarung erst nach Ablauf des bisherigen Abkommens in Kraft. 5. Der Spitzenlohn der Wetzlarer optischen und mechanischen Industrie wird auf 6380, Mk. festgesetzt. Die übrigen Löhne erhöhen sich nach demselben Schlüssel. 6. Die Arbeiterinnen erhalten 75 Prozent der Löhne ihrer Ar⸗ beitergruppe und Altersklasse. 7. Die Sozialzulagen erhöhen sich um 30 Prozent. 8. Im Ergebnis sind 5 Mark und mehr nach oben, weniger als 5 Mark nach unten abzurunden. Die Streitteile erhielten Frist zur Erklärung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches bis zum 23. Juni nachmittags 1 Uhr. 5 Sitzung vom 22. Juni 1923. In der Streitigkeit des Deutschen Holzarbeiter⸗Ver⸗ bandes, des Zentral⸗Verbandes der Zimmerer und des Arbeitgeber⸗Verbandes für Lahngau und Ober⸗ hessen über die Entlohnung der Sägewerksarbeiter erging folgen⸗ der Schiedsspruch: Der Stundenlohn der Arbeiter über 25 Jahre der Gruppe A beträgt in der 3. Ortskl. vonn 7. Juni an 2800 Mk., vom 14. Juni an 3800 und vom 21. bis 27. Juni 4800 Mk. Die übrigen Löhne sind in demselben Verhältnis zu erhöhen. Sollte eine wesentliche Verschärfung der Teuerung eintreten, so kann für die 7 vom 21. Juni an über eine Revision der Löhne verhandelt werden. Die Vereinigten Fuhrwerksbesitzer von Gießen sollen vom 15. Juni an den Fuhrleuten 260 312 Mk. Wochenlohn zahlen. Die Firma Klönne soll in ihrem Quarzitb ruch bei Homberg an der Ohm drei Arbeiter weiterbeschäftigen, denen sie gekündigt hatte, ohne zu erst Arheitsstreckung zu versuchen. Zu diesen 3 Schiedssprüchen erhielten die Streitteile Erklärungs⸗ ist. 0 Den Einspruch eines Arbeiters des J. Himmelsbach'schen Säge⸗ werks bei Nidda gegen fristlose Entlassung wies der Schlichtungs⸗ aus schuß ab. Marburger Schlichtungsausschuß. Der Baugewerksbund beantragte für die Steinbrucharbeiter der Gewerkschaft Rech in Leimsseld die Löhne der Bauhilfsarbeiter ohne die übrigen Bestimmungen des Bauarbeitertarifs in Anspruch zu nehmen. Die Arbeiter dieser und einiger anderer Betriebe im Kreise Ziegenhain sind aus dem christl. Berufsverband der Stein⸗ arbeiter in den freien Baugewerksbund übergetreten. Der Unter⸗ nehmer bezweifelte die Zuständigkeit des Schlichtungsausschusses, dle Arbejter hätten sich zuerst an die Schiedsstellen ihrer früheren Or⸗ N n „ Stätdisches aus Marburg. Die Bankiers Gebr. Strauß haben are kek itsse: def ganisatlon wenden milssen. Der Schlichtungsausschuß erklärte sich für zuständig, durch den Austritt aus der Organisation seien sie an den mit ihrer früheren Organksation abgeschlossenen Tarif nicht mehr gebunden. Der Schiedsspruch lautete ab 1. Juni auf 3600 Mk. Die Erdarbeiter erhalten ab 15. Junt 3840 Mk. Ein im Termin ge⸗ stellter Antrag auf Zuschläge für Handwerker und für Ueberstunden wurde abgelehnt, weil die Unternehmer nicht mehr anwesend und dadurch keine Kenntnis von dem Antrage hatten.— Denselben Lohn erhielten die Arbeiter der Firma Hoos in Michelsberg, Kr. Ziegen⸗ hafn, zugespröchen, die durch den Zentralverband Nachzahlungen für Mai, für 1.—8. Juni 9200 Mk. und für 8.—15. Juni 3600 Mk. be⸗ antragt hatten.— Der Zentralverband der Steinarbeiter beantragte für die Arbeiter der Hessischen Syenitindustrie ab 20. Mat 80 Proz. und ab 1. Junt 100 Proz. Erhöhung auf die nur 1700 Mk. be⸗ tragenden Löhne. Der Schiedsspruch ging auf 80 Proz. vom 1.7. Junt und 100 Proz. vom 8.—14. Juni. Die Bäcker sollen ab 18. Juni 120 000, 110 000 und 95 000 Mk. Wochenlohn erhalten.— Die Fuhrleute von drei Kirchhalner Unternehmern verlangten die Marburger Löhne unter Ausschluß der Nebenleistungen für Sonn⸗ tagsdienst und Ueberstunden. Ste erhielten die Marburger Löhne zugesprochen einschließlich der Nebenleistungen aber unter Abzug von 5 Prozent.— Zwei Angestellte der Stadt Marburg waren ge⸗ Hindigt worden, von denen der eine, der kinderlos verheiratet und kriegsbeschädigt ist, weiter beschäftigt werden sollte. Der andere ist zwar ledig, aber der einzige Ernährer der invaliden Mutter und mehrerer Geschwister und erhob Einspruch gegen die Klindigung. Der Einspruch wurde auch als berechtigt erklärt und die Stadt im Falle sie den jungen Mann nicht weiter beschäftigen will, zur Zah⸗ lung von zwei Zwölftel des Jahresverdienstes verurteilt. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 24. Juni. Der bessere Arbeits⸗ 4 markt. In der Lage des Arbeitsmarktes ist in der Vorwoche eine geringe Besserung eingetreten, die sich gleichmäßig auf alle Berufs⸗ 1 gruppen verteilt. Besonders vermehrt hat sich das Stellenangebot in der Landwirtschaft. Im Durchschnitt kamen auf 100 offene Stellen 309 Arbeitsgesuche, die gleiche Zahl betrug in der Vorwoche N — T“— 316. Insgesamt waren 6937 Arbeitsgesuche gemeldet. Frankfurt a. M., 25. Juni. Bei der Fachausstellung für Hotel⸗ und Gastgewerbe in Darmstadt vom 16.—20. Juni 1923 ist die Firma Zigarettenfabrik„Krewosti“ G. m. b. H. 1 Frankfurt a. M. für hervorragende Leistungen mit der golde 1 Medaille ausgezeichnet worden. Frankfurt a. M., 25. Juni. Frankfurter Getreide⸗ börse. Bei ganz leicht abgeschwächter Geschäftslage wurden be⸗ zahlt für je 100 Kilo Weizen(Wetterauer) Mk. 440—450 000, ö Roggen Mk. 340— 360 000. Gerste Mk. 3 0380 000, Hafer, in⸗ ländisch. Mk. 290— 320 000, Weizenmehl(süidd.) Mk. 750—775 000, Roggenmehl 520—550 000, Kleie Mk. 180—185 000, Erbfen Mk. 1 400450 000, Biertreber Mk. 190195 000. Die Mühlenforderung 1 für Weizenmehl südd. Spezial 0 beträgt Mk. 900 000. 5 Frankfurt a. M., 24. Juni. Folgen eines Schäfer ⸗ ö stündchen s. Ein junger vornehmer Türke hatte in einem hiesigen ersten Gasthause mit einer ebenso vornehmen Ausländerin ein zärt⸗ liches Schäferstündchen. Das hinderte den Orientalen aber nicht, der Freundin einen Schmuck im Werte von mehr als 50 Millionen Mark heimlich zu entwenden. Die„Dame“ erstattete Anzeige bei der Polizei, die auch das Glück hatte, den Türken unmittelbar vor der Abfahrt auf dem Hauptbahnhof zu erwischen und ihn samt dem Schmuck sicher zu stellen. Fankfurt a. M., 24. Juni. Millionen⸗Pelzdtebstahl. Einbrecher kletterten in einer der letzten Nächte an dem Blitzableiter eines Pelzwarenhauses der Kaiserstraße an den ersten Stock hinauf und drückten hier die Scheiben der in die Lagerräume führenden Fenster ein. Dann stahlen sie für etwa 50 Millionen Mark Pelze, die sie auf einem Wagen von hinnen führten. In der nächsten Nacht versuchten die gleichen Einbrecher an dem Blitzableiter eines Gold- warenhauses am Goetehplatz hinaufzuklettern, um auch hier einen Raub auszuführen. Dieser Einbruch mißlang jedoch. Einer der Ein⸗ brecher, ein Student, wurde ergriffen und festgenommen. Im Kampf mit einem Irren. 5 Der soeben erst aus der Frrenanstalt entlassene Schreiner⸗ meister O. in Weilburg erschien mit einem Bell bewaffnet auf dem Polizeiamt und verlangte Arbeit. Er bekam einen Tobsuchts⸗ anfall und schlug mit dem Beil um sich, wobei er die Einrichtung von drei Zimmern zerschlug. Dann wurde er durch einen Schuß in den rechten Arm unschädlich gemacht. 8 Mus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen usw. Nr. 46 vom 22. Juni enthält: Erhöhung des Urkundenstempels. — Vergütungen der Bürgermeister der Landgemeinden.— Statistik der Streiks und Aussperrungen.— Unterbringung ausgewiesener Personen.— Gebührenerhöhung für Benutzung des Bohrzeugs der Geologischen Landesanstalt.— Erwerbslosenfürsorge.— Dienst⸗ nachrichten.— Feldbereinigung Stangen rod.— Zuschläge zur Ge⸗ bührenordnung für die Dienstmänner in der Stadt Gießen.— Schweinerotlauf in Gießen.— Gefunden, verloren. Verloren, gefunden. In der Zeit vom 1.—15. Juni 1923 wur⸗ den in hiesiger Stadt gefunden: 1 Zahnbürste, 1 Spazierstock, 1 gesticktes Deckchen, mehrere Geldmäppchen, 11 Stangenreihersedern 1 Paket mit Borde und Knöpfen, 1 Selbstbinder, 1 nfchirm, 1 Messingkapsel von einen Auto, mehrere Damenhandtaschet, 1 Kunst⸗ brosche, 2 Paar Handschuhe und einzelne Handschuhe, 1 Werkzeug⸗ zange, 1 Vergrößerungsglas, mehrere Geldbeträge, 1 Trauring, 1 Beil, 1 zerbrochene Brille, 1 Armband:— Vom Stadtthea⸗ C ter abgeliefert: 1000 Mk., 2 Gürtel, 2 Kettenarmbänder, 1 Uhr⸗ kette, 1 Federhalter, 1 Haarpfeil, 1 Okyspule, 1 silberner Bleistift⸗ halter, 1 Hutnadel, 1 Gürtel, 5 Paar Handschuhe, 4 einzelne Hand⸗ schuhe⸗ 1 Zwickerfutteral, 12 Taschentischer, 1 schwarze Haarschleife. Verloren: 1 silberne Halskette, 100 000 Mk., 1 goldener Ring. mit 1 gez. M. P., 1 goldene Brosche, 1 Marquise⸗Ring (Gold). Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentag von 8—12½ Uhr vormittags und 2%—5 Uhr nach⸗ mittags, im Polizeiamt, Zimmer Nr. 3, erfolgen. Dollarstand Dienstag mittag ca. 126 000 Mk. e. Brotmarkenausgabe für die Bezugsberechtigten mit den Anfangs⸗ buchstaben AK findet Donnerstag, den 28. Juni IL-2 Freitag, den 29. Juni von vormittags 8—12 Uhr und nachmittags 2—6 Uhr in den bekaunten Bezirken statt. Auf die Bekanntmachung inden Aushöngekästen wird hingewiesen. Gießen, den 25. Juni 1923 1 Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt.) 0 eee 1 Mei z Geschäft befindet sich letzt 4 Neuen weg 4 im früheren Geschäftslolal der Färberei Braubach& Fischer J. P. M o n 0 Fahrrad⸗ u. Nähmaschinen⸗ Handlung Mechan. Reparatur⸗Werkstätte idbel sehr preiswert sfccrafd fltermeg 17 Billige Freise Sowie in allen 1 Ludwig Stern, Gießen, Bahnhofstr. 2 Grösite A in Kleiderstoffen, Blusenstoffen Reelle Bedienung Manufakturwaren Cafés Konditorei und Café I. 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