Jufß — m 1110 eint Tätigkeit rund der Fu wen, die Ou hie Bezirkskass 1 üllen, möglich it, ine burchführbn Biden Aedaktton: Gießen Vahubofstraße 23 Faulspteher ch. bethessi Organ für die In der Provinz Oberhessen und d teressen des werktätigen Volkes er Nachbargebiete. Spedition: hithen Bahuhoffraße 23 Ferusprecher 2008 —— .„Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 95 bonmemegtepreis mit den Beilagen„Das Blast der Frau und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage. beträgt monatlich 3300.— Mk einschl. Bringerlohn. — pie Post bezog. 3300.— Mt. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 1 0 Mk Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig⸗ Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lolgl 60.— Mk. auswärts 80.— Ml., die Reklamemillimet eilt 300.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 96 Gießen, Freitag, den 27. April 1923 18. Jahrgang Die Ohnmacht der bayerischen Regierung. Offener Widerstand in München. Die völkische Schutzgarde. Wir konnten gestern melden, daß der deutschvölkische U Redakteur sich vor der drohenden Verhaftung verborgen hält. Jetzt bereiten die bayerischen Nationalisten den bpfsenen Widerstand vor. Dietrich Eckart, der die Ausführung des Haftbefehls durch bayerische Polizei erwartet, wird von einem großen Aufgebot völkischer Sturmtruppenangehöriger bewacht, die zu allem bereit sind. Augenscheinlich wollen die Völkischen es jetzt zu einer Explosion kommen lassen, um dann die ganze Entwicklung in ihrem Sinne weiterzuführen. Ob die bayerische Regierung wirklich noch die Macht hat, zwei widerspenstige Personen in Haft zu nehmen und sie dem zuständigen Richter vorzuführen, das wird sich in den nächsten Stunden oder Tagen entscheiden müssen. Der Innenminister Schweher erklärt sich für g machtlos. Es gab eine Zeit, da erklärte sich Bayern stolz als die Ordnungs⸗ zelle im Reich und es gab Leute genug, die darauf hineinfielen. Nicht Minder entschieden wurde behaupiet, daß eine wahrhaft machtvolle Regierung nun in Bayern anzutreffen sei. Was Einsichtigen schon längst bewußt war. wird jetzt offenkundig enthüllt: In Bamern ist am ohnmächtigsten die Regierung, die einzig rechtsstehende Regierung in Deutschland und in Wirklichkeit bedeutet Bagern eine vollständige Mederlage. der Rechts radikalen Im ward von den Sozialdemokraten ein Antrag auf ein vollständiges Verbot aller in längerer Rede Veranlassung, Die Reichstagsverhandlungen vom Dienstag und Mitt⸗ woch haben eine wesentliche Verschärfung der innerpolitischen Situation hervorgerufen. An der Ruhr stehen die Arbeiter, Angestellten und Beamten in der vordersten Kampflinie. Gewaltige Opfer werden von ihnen gebracht. Der Kampf gegen das dortige Unternehmertum ist wegen der Ge⸗ fährdung durch die feindlichen Eroberer zeitweilig einge⸗ stellt. Die Massen der minderbemittelren Bevölkerung im jübrigen Reich bringen ebenfalls gewaltige Opfer. Diesen Augenblick halten die bürgerlichen Parteien für geeignet, eine Verschärfung des Strafgesetzbuches wegen angeblicher Versammlungssprengungen durchzusetzen, die in der Wirkung ein Ausnahmegesetz schlimmster Art gegen die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung darstellt. Es ist zuzugeben, daß das nicht die Absicht aller bürgerlicher Parteien ist. Aber da sie nicht bestreiten können, daß die Wirkung eintreten kann, so konnten sie auch die Berechtigung des heftigen sozial⸗ demokratischen Widerstands nicht bestreiten. ö Die bürgerlichen Parteien haben mit ihrer Haltung beim Kampf an der Ruhr von der politischen Seite her denselben Mangel an Patriotismus bekundet, den die„ernsthaften Kreise der Wirtschaft“, wie der Reichsbankpräsident Haven⸗ stein in seinem verschleierten Angriff gegen Stinnes erklärt hat, durch ihre gewaltigen Devisenkäufe auf wirtschafts⸗ politischem Gebiet bereits vor Tagen an den Tag gelegt haben. Während die Arbeiter und Angestellten ihre so be⸗ rechtigten Wünsche des inneren Friedens wegen zurückstellen, will das Bürgertum den Vorstoß Poincarés zu einer inner⸗ politischen Machterweiterung ausnutzen.. 1 VUum das zu verschleiern, haben die bürgerlichen Parteien ihrem Antrag eine harmlos aussehende Form gegeben. In Wirklichkeit ist der Antrag ungeheuer gefährlich, weil er dem Ermessen der Justiz den allerweitesten Spielraum läßt. Um seine einseitige Handhabung gegen die Arbeiterklasse zu er⸗ kennen, bedarf es auch nicht erst zukünftiger Erfahrungen. Die Vergangenheit hat die erdrüclendsten Beweise dafür ge⸗ liesert, daß die deutsche Justiz Klassenjustiz ist und daß solche Bestimmungen immer nur gegen die Arbeiterschaft An⸗ wendung finden. Um Sprengungen von Versammlungen zu bestrafen, reicht das geltende Recht durchaus aus. Gegen Arbester ist davon ch bisher schon reichlich Gebrauch. macht worden. Die Justiz hat nur immer dann versagt, Die Bewegung dürfe auch nicht zu einem Staat im Staate wer⸗ den und jede Politik auf eigene Faust müsse ausgeschlossen sein, denn es sei ein gegenseitiges Vertrauen zwischen Regierung und nationalen Verbänden erforderlich. Wer in der heutigen Zeit der Front am Rhein und Ruhr in den Rücken falle, begehe Verrat am Vaterlande. Die vaterländische Presse stände zum Teil auf einem beklagenswerten Tiefstande. Ein Teil dieser Presse sei nicht Nahrung, sondern Gift für das Volk und dieses Gift beginne bereits sich bedenklich auszu⸗ wirken. Der Minister bekannte sich dann nochmals ausdrücklich als em Gegner der Schutzgesetzgebung und meinte, man solle in den maßgebenden Kreisen doch endlich einsehen, daß der Staatsgerichts⸗ hof ein politisches Gericht sei, durch dessen Errichtung das Rechts⸗ gefühl des Volkes, das Vertrauen zur Regierung und das Ver⸗ trauen der Parteien untereinander untergraben werde. Man müsse das außerordentliche Gerichtsverfahren durch ein ordentliches ersetzen. Minister Dr. Schweyer verurteilte weiter jeden Terror und die Gewaltakte, die von nationalistischer Seite in der letzten Zeit verübt worden seien. Er erklärte aber weiter, daß bei der gegenwärtigen Rechtslage die bayerische Regierung keine Handhabe zur Auflösung der sogenannten Sturmabteilungen habe. Die Bekämpfung einer politischen Bewegung sei aber nicht Aufgabe der Regierung und sie lehne es ab, die natlonalistische Partei als solche zu verbieten. Etwaigen Versuchen, die auf die Gefährdung der öffentlichen Ordnung hinauslaufen, werde die Regierung mit allen Machtmitteln entgegen⸗ treten. Der Minister schloß mit einem Appell, die innerpolitischen Kämpfe zurückzustellen und alle Kräfte auf die Abwehr des äußeren Feindes zu richten. Die Debatte endete mit der Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages und der Annahme des Antrages der Bayerischen Volks⸗ partei, die lediglich die Sicherheits⸗ und Turnabteilungen verboten wissen will, deren Ziel die gewaltsame Störung der Ordnung ist. Württemberg löst die Hundertschaften auf. Veranlaßt durch das Treiben der Nationalsozialisten hat die Württembergische Staatsregierung auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfasfung im Württembergischen Staatsanzeiger eine Ver⸗ ordnung über außerordentliche Maßnahuen zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit veröffentlicht. Die Ver⸗ ordnung sieht Verkammlungsverbote vor und bedroht Zuwider⸗ handelnde mit Gefängnis nicht unter einer Woche und außerdem können Geldstrafen bis zu einer Million Mark verhängt werden. Bestraft wird, wer in öffentlichen Versammlungen oder Kund⸗ gebungen gefährliche Werkzeuge mit sich führt, ferner, wer nicht verbolene Versammlungen, Kundgebungen oder Aufzüge mit Ge⸗ walt verhindert oder sprengt. Hundertschaften, Sturm⸗ und Stoß⸗ trupps und sonstige Schutzverbände werden für aufgelöst erklärt. Handlungsweise zu belangen. kein bürgerlicher Abgeordneter und daß weder der Justiz⸗ minister des Reiches noch der Reichsinnenminister irgend⸗ welche Garantien dafür übernehmen konnten, daß das neue Gesetz auch in Bayern gegen die Rechtsradikalen Anwendung findet. Damit aber war sein Ausnahmecharakter zweifels⸗ frei festgestellt. Nicht um den Schutz der Versammlungs⸗ freiheit handelt es sich, sondern um eine neue Fessel für die sozialistische Arbeiterbewegung besonders in Bayern. Und das, obwohl die einzige Klasse, die treu zur Republik hält und den Lostrennungsbestrebungen der bayerischen Parti⸗ kularisten energischen Widerstand leistet, die bayerische Ar⸗ beiterklasse ist. »Die Beratungen am Mittwoch haben mit einer Nieder⸗ lage der bürgerlichen Parteien geendet. Ihre naive und kleinbürgerliche Annahme, der mit der Nichtteilnahme an einer namentlichen Abstimmung verbundene Diätenabzug würde die Sozialdemokratie zu einem Nachgeben veranlassen, verschaffte ihnen eine herbe Enttäuschung. Die erste sachliche Abstimmung ergab die Anwesenheit von nur 200 bürger⸗ lichen Abgeordneten— bei Enthaltung der Sozialdemo⸗ kraten an der Abstimmung— also ein beschlußunfähiges Haus. Und da die bürgerlichen Parteien selbst wissen, daß ihren Abgeordneten nur schwer beizubringen ist, vollzählig zur Abstimmung zu erscheinen, sie sich ferner auch darüber klar sind, daß die Sozialdemokratie dem Gesetzentwurf in seiner jetzigen Gestalt auch bei späterer Abstimmung den gleichen Widerstand entgegensetzt, wird ihnen wohl nichts anderes übrig bleiben. als mit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion den Weg der Verständigung zu betreten. Diese Verständigung aber ist nur möglich, wenn dem Gesetz⸗ entwurf die Schärfen genommen werden, die ihm den Charakter eines Ausnahmegesetzes geben. Einstweilen aber bleibt die Tatsache bestehen, daß die Bürgerlichen trotz Ruhrbesetzung, trotz der Gewaltpläne Poincarés und trotz des heroischen Widerstandes und der gewaltigen Leistungen der deutschen Arbeiterklasse im Inter⸗ esse des Abwehrkampfes die Front an der Ruhr schwer ge⸗ schadigt haben. Dabei ist ganz gleichgültig, ob das aus machtpolitischer Verblendung oder staatspolitischer Einsichts ⸗ losigkeit geschehen ist. Wenn in dem Kampf gegen die fran ⸗ zösischen Gewaltpläne die deutsche Arbeiterklasse ihre volle Schuldigkeit und vieles mehr getan hat, so trotz der Ver⸗ blendung der bürgerlichen Parteien. Deutscher Reichstag. Am Mittwoch kam es zu langen Geschäftsordnungsdebatten, zu stürmischen Auseinandersetzungen, zu wilden Auftritten und zu man⸗ cherlei parlamentarischen Manövern. Jedes Mal aber zeigte sich, daß die bürgerlichen Parteien, die bei entsprechender Pfl. füllung ihrer Mitglieder durchaus die sichere Mehrheit haben, ihre Abge⸗ ordneten nicht in genügender Zahl herbeischaffen konnten. Zu Be⸗ gium der Sitzung brachte Genosse Dittmann in folgender Er⸗ klärung den ö Standpunkt der Partei zur Ausspvache: 5 „In dem Augenblick, wo die deutsche Arbeiterschaft neben den übrigen Schichten des Landes in dem schweren Abwehrkampfe degen den militärischen Einbruch an der Ruhr steht, schickt sich die Mehr⸗ heit des Reichstages an, ein Gesetz gegen sie anzunehmen, das als Ausnahmegesetz wirken muß. Das Gesetz, welches nach Ansicht der Antragsteller ursprünglich bestimmt war, rohe Gewaltakte zur Sprengung von Versammlungen zu hindern, hat in dem Ausschuß eine Gestaltung erfahren, welche auch andere Zwischenfälle in Versammlungen, die als ein Versuch zur„ ausgelegt werden können. mit schweren Strafen bedroht. 6 Unsere Redner haben unwiderlegt, zum Teil unwidersprochen festgestellt, daß in Bayern Organisationen geduldet werden, die den Versammlungsterror plaumäßig organisieren, ohne daß die bis⸗ herigen Strafgesetze dagegen angewendet werden. In den Ver⸗ sammlungen dieser Rechts radikalen können selbst Aufforderungen zum Totschlagen der Juden, der Reichsminister, der November⸗ linge erfolgen, ohne daß die bayerische Regierung und Justiz den Willen oder die Kraft haben, dagegen mit den bestehenden Gesetzen einzuschreiten, die aber in allen anderen Fällen gegen die Arbeiter⸗ schaft mit aller Schärfe zur Anwendung kommen. Daraus entsteht in einem großen Lande Deutschlands für die Arbeiterschaft eine unerträgliche Rechtsungleichheit, Sie würde durch den geplanten Gesetzentwurf noch weiter verschärft werden. Da die Darlegungen unserer Redner in der Aussprache nicht entkräftet werden konnten, stellen wir aufs neue den Antrag, den Gesetzentwurf an den Aus schuß zurückzuverweisen.“. Als Dittmann die Stelle verlas, daß sich der Paragraph, der angeblich die Versammlungsfreiheit schützen solle, zu einem Aus⸗ nahmegesetz gegen die Arbeiter auswirken werde, brachen die Rechts⸗ parteien in minutenlanges Gebrüll aus. Dittmann beendete in Ruhe seine Verlesung. Aufgeregt sprang dann der Deutschnationale Schultz an das Rednerpult, um gegen diese unerhörte„Kränkung“ und„Beleidigung“ der deutschen Arbeiter zu protestieren. Der rheinische Zentrumsabgeordnete und Vizepräsident des Reichstages, Dr. Bell, glaubte, mit sich überschlagender Stimme denselben Pro⸗ test erheben zu müssen. Auch der Deutsche Volksparteiler Leut⸗ heußer nahm die deutschen Arbeiter gegen die unerhörten Be⸗ schimpfungen durch die Sozialdemokratie in Schutz. Etwas einzu⸗ lenken versuchte dann der demokratische Abg. Koch, der das schwere innerpolitische Zerwürfnis bedauerte und gewisse Möglichkeiten zu neuen Verhandlungen durchblicken ließ. g Genosse Hermann Müller N N zeriß in einigen knappen Sätzen die Einwände der bürgerlichen Fraktionsredner. Keine Partei habe den Kampf gegen den Terror seit Jahr und Tag so energisch geführt wie die Sozialdemokratie. Sie sei durchaus für volle Versammlungsfreiheit nach allen Seiten, aber sie gebe ihre Mithilfe nicht dazu, daß ein Paragraph ange⸗ nommen werde, der zwar nicht als Ausnahmegesetz geplant sei, aber als Ausnahmegesetz wirken müsse. Wenn die bürgerlichen Parteien durchaus diesen Paragraphen zum Gesetz machen wollten, brauchten sie ja nur ihre Abgeordneten herzuholen. In einer weiteren Galerie von Protestrednern der bürgerlichen Parteien taten sich namentlich noch der Zentrumsabgeordnete Andre und der Deutschnationale Abgeordnete B ehrens, beides Rellame⸗Arbeiter, hervor. Reichsinnenminister Oeser machte noch einen Einlenkungsversuch, indem er darauf hinwies, daß wirklich freie Wahlen nicht möglich seien, wenn sich der Versammlungsterror bis zum nächsten Wahlkampf nicht lege. Mehrere Regierungen, dar⸗ unter auch die bayerische, hätten erklärt, daß sie mit den jetzigen gesetzlichen Bestimmungen nicht auskommen können. werde von allen Machtmitteln entsprechenden Gebrauch machen, um überall im Reiche den Versammlungsschutz mehr durchzuführen als bisher. Wenn der Reichstag versage, müßten andere Mittel angewendet werden. Es folgten nun lange geschäftsordnungsmäßige Auseinander⸗ setzungen, und wiederholt wurde das Haus beschlußunfähig, wel die Sozialdemokratie von ihrem guten Recht Gebrauch machte, vor der Abstimmung den Saal zu verlassen. Die bürger⸗ lichen Parteien, die erst vor zwei Wochen bei der ungemein wichtigen Frage der Aufhebung der Getreideumlage genau dieselbe Taktik uns gegenüber übten, gerieten nun in wachsende Aufregung und machten der Sozialdemokratie die heftigsten Vorwürfe. Insbesondere tat sich der unvermeidliche Helfferich als Einbläser und Einpeitscher hervor. Schließlich ergab sich um 4% Uhr bei einer namentlichen Abstimmung die Beschlußunfähigkeit des Hauses, weil die bürferlichen Fraktionen, die über 274 Abgeordnete verfügen, nur 199 zur Abstimmung im Hause hatten. Präsident Loebe berief eine neue Sitzung auf 5 Uhr ein. In der neuen Sitzung wurde der Nachtragetat in zweiter und dritter Lesung angenommen und der Reichstag bis 3. Mai ver⸗ tagt. Die Spekulation der Schwerindustrie. Unsere Mitteilungen über den Kampf der Schwer⸗ industrie gegen die Mark haben die bürgerliche Presse ver⸗ anlaßt, von der Reichsregierung Aufklärung über die Vor⸗ nge am Debisenmarkt zu fordern. Das Berliner Tage- blatt teilt bei dieser Gelegenheit mit daß ihr von ernst zu nehmender Seite versichert worden ist. in den kritischen Tagen seien geschlossene Finanzgruppen für die Hebung des Dollarkurses tätig gewesen. Wir selbst haben vor wenigen Tagen mitgeteilt, daß der Stinnes⸗ Konzern als Devisenkäufer in großem Umfange aufgetreten ist. Ergänzend sei dem heute hinzugefügt, daß speziell die Herrn Stinnes nahestehende Berliner Großbank, die„Berliner Handelsgesellschaft“, als Großkäufer für Devisen auftrat. Außerordentlich zutreffend weist das Berliner Tageblatt darauf hin, daß die vielgeschmähte Devisen⸗ notverordnung die Möglichkeit gibt, die wichtigsten Devisen⸗ käufer namhaft zu machen und dabei auch zu ermitteln, ob die Devisenkäufe notwendig gewesen sind. Es fährt fort: „Diese Untersuchung muß sofort vorgenommen werden, und ihre Resultate müssen schonungslos offengelegt werden. Er⸗ weist es sich als richtig, daß von irgend welchen Seiten ein Dolchstoß gegen die Abwehrfront an der Ruhr geführt wor⸗ den ist, so müssen diejenigen Kreise bloßgestellt werden, die ihn geführt haben— zur Verhinderung von Verdunkelungen und zur Abschreckung für die Zukunft.“ Der Forderung nach einer Untersuchung können wir uns nur anschließen, ja, wir halten sie zu einer Entgiftung 555 politischen Atmosphäre für unbedingt notwendig. Viel versprechen kann man sich allerdings von der Untersuchung nicht, nachdem die Reichsregierung bisher noch nicht so viel eigene Initiative aufgebracht hat, um aus den ihr seit mehr als acht Tagen bekannten Tatsachen die notwendigen Konseguenzen zu ziehen. Man schreckt offenbar or dem Einfluß der Schwerindustrie zurück. Deshalb läßt sich schon jetzt sagen: Ob Untersuchung oder nicht, fest steht, daß die Schwerindustrie ihr eigenes Interesse dem der Ge⸗ samtheit voranstellend die Markstützung unterhöhlt hat. Um das festzuhalten, genügen vollkommen die Mitteilungen, die der Reichsbankpräsident vor dem Reichsbankausschuß gemacht hat. Wie auch der Ruhrkampf ausgehen mag— wir hoffen, daß er trotz der Schwerindustrie besser ausgehen wird, als sie es verdient—, das deutsche Volk wird diejenigen nicht vergessen, die durch eine neue Dollarhausse seine soziale Ver⸗ elendung in der höchsten Not Deutschlands noch zu be⸗ schleunigen suchten! Dazu gehört Herr Stinnes! 5 Die Deutsche Allgemeine Zeitung wirft sich zum Verteidiger von Stinnes auf, weil auch der Berliner Vertreter des New⸗York Herald erfahren haben will und zwar aus dem Munde eines„der höchsten Stinnes⸗Vertreter“, daß Herr Stinnes während des letzten Markfturzes große Devisenkäufe vornahm. Demgegenüber er⸗ ärt die Deutsche Allgemeine Zeitung, daß Stinnes glaube„nie⸗ and Rechenschaft über seine Privathandlungen zu schulden und r Not pendigkeit, auf Gassen⸗ und Vörsengeraune einzugehen, en n zu sein.“ Da die Lügen von seinen Devisenkäufen im Auslande als Kampfmittel gegen Deutschlands Politik und In⸗ e 2 + aufgegriffen würden, sei die Deutsche Allgemeine Zeitung in ber Lage sestzustellen,„daß weder Herr Stinnes, noch seine Firma zurzeit des letzten Marksturzes Devisen kauften“. Wer n Stinnes und seinen weitverzweigten Unternehmungen „seine Firma?“, auch die Berliner Handelsgesellschaft, die Ber⸗ lüner Großbank, die Herrn Stinnes besonders nahesteht? Die Fertigstellung der deutschen Note. 0 Der Berliner Lokalanzeiger will wissen, daß der Empfang der Parteiführer durch den Reichskanzler wahrscheinlich am Freitag bannen wrd und deutet diese Tatsache dahin, daß bis dann die Note an die alliierten Mächte fertiggestellt sein wird. In parla⸗ menkarischen Kreisen, die dem deutschen Wirtschastsleben nahe⸗ sstünden, würden gewisse Bedenken geäußert werden, doch dürfte die Note bereits Ende der Woche abgehen. Kinderhilfe. 8 95 und Sozialdemokraten Lettlands haben dem neuen deutschen esandten in Riga, Genossen Dr. Köster mitgeteilt, daß sie eine Lettlandshilfe für die Kinder des Ruhrgebiets organi⸗ sieren wollen. Es soll möglichst vielen unterernährten Kindern des besetzten Gebietes die Möglichkett eines kräftigenden See⸗ und Landaufenthalts während mehrerer Sommerwochen in Lettland * werden. Der Deserteur.. Noman von Robert Buchanan. Langsam, wie Wolken dohinzuschweben pflegen, glitt die Gestalt über das Firmament dahin und um sie herum schweb⸗ ten all die Legionen Fliehender, denen sie den Weg zeigte. Der Kopf war tief auf die Brust gesenkt, wie der eines Mut⸗ losen; die kalten, erbarmungslosen Augen blickten in stiller Verzweiflung zu Boden. Bestürzt und angsterfüllt erhob Rohan seine Hände mit einem Schrei, denn die Umrisse, die er anstarrte, erschienen ihm beinahe gottähnlich und auch die Gestalt schien göttlich; aber als er fester hinsah, verwandelten sich die Züge des göttlichen Antlitzes und kamen ihm furcht⸗ bar bekannt vor. Ach, es war das Gesicht des Mannes, der ihm sein Leben verbittert und welches ihm Christus im Träume gezeigt hatte— Bonaparte! Kolonne nach Kolonne passierte vorbei und verdunkelte das ganze Firmament. In ihre Mitte bewegte sich, teuflisch und herrisch, das Phantom Napoleons. So geschehen in der Nacht des 19. Oktober 1813. Be⸗ kanntlich erfolgte die Flucht der französischen Armee aus Leipzig, mit dem Kaiser an der Spitze, zur gleichen Zeit.. Fünfundzwanzigstes Kapitel. Bei Mutter Gwenfern. „Tante Luise, es ist nur zu wahr! Pipriac ist tot und seine Leiche liegt drüben im Wirtshause aufgebahrt; aber Rohan lebt! Ach ja, er hat Pipriac getötet!“ 8 en er dafür? Es war ein Kampf auf Leben und 0 22 „Jetzt wird kein Mensch mehr Erbarmen mit ihm haben, denn an seinen Händen klebt Blut. Niemand wird ihm Brot oder Obdach geben, und wenn er sich nicht freiwillig ergibt, wird kein Priester ihm Absolution erteilen und seine arme Seele wird nicht Buße tun können.“ „Ist dem wirklich so, Marcelle?“ „Ja, denn alle behaupten es sei Mord, sogar Vater Rolland, der ein wirklich gutes Herz hat. Aber das ist nicht wahr, ich glaube es nicht.“ f„Ich auch nicht! Was hätte der Aermste tun sollen? Mein armer verfolgter Junge hat nur in der Notwehr Blut vergossen, seine Verfolger haben ihn dozu gezwungen. Gott Neuer Vorstoß bei Mannheim. Mittwoch vormittag zwischen 7 und 8 uhr wurden mehrere 1 in dem bisher unbesetzten Teile von Mannheim von en Franzosen besetzt. 2 Offiziere, 3 Gendarmen und 4 Zivil⸗ beamte gaben den Wachen der Polizei Anordnung über das Tragen weitreichender Schußwaffen und über die Grußpflicht der* gegenüber den französischen Offizieren. Späler wurden die Wachen wieder freigegeben. In verschiedenen Lokalen haben die Franzosen die Auszeichnung der zum Verkaufe ausgestellten Waren verlangt. U Politische Uebersicht. Der 1. Mai und die Neichsregierung. Nach einer von der Reichsregierung getroffenen Regelung haben am 1. Mai die Reichsbehörden und Betriebe in den Ländern, die den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag festgelegt haben, auf diese Tatsache Rücksicht zu nehmen, d. h. auch ihrerseits den 1. Mai als Feiertag zu betrachten. In den anderen Ländern können die Beamten, Angestellten und Arbeiter um Urlaub nachsuchen, der grundsätzlich über⸗ all soweit zu gewähren ist, als dadurch die Fortführung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt wird. Nach dem Wunsche der Reichsregierung soll bei der Entscheidung über solche Anträge nicht engherzig verfahren werden. Die be⸗ willigte Freizeit ist den Beamten und Angestellten auf den Urlaub anzurechnen und den Arbeitern vom Lohn abzu⸗ ziehen, sofern nicht die versäumte Zeit anderweitig nachge⸗ holt wird. In Betrieben, in denen eine Dienstbefreiung zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse an nicht anerkannten Feiertagen ohne Anrechnung auf den Urlaub oder Lohn⸗ kürzung gewährt wird, gilt das Gleiche auch für die Dienst⸗ befreiung am 1. Mai. E 1 Die Deutschvölkischen und die Hitlergarden. Die„Deutschvölkische Freiheitspartei“, deren parlamentarische Vertretung im Reichstag drei Mitglieder aufweist, ist vor kurzem in Preußen durch den Minister des Innern Severing verboten worden. Darob natürlich großer Lärm bei den Deutschvpölkischen und Deutschnationalen, zwischen denen ja engste Seelengemein⸗ schaf besteht. Der Haß gegen den sozialdemokratischen Minister, der es gewagt hatte, dem angeblich„patriotischen“, in Wirklichkeit staatszerstörenden Treiben der echtsradikalen ein Ende zu machen, entlud sich in einem witenden Ansturm der deutschnatio⸗ nalen Partei im preußischen Landtag gegen Severing, aber dieser Ansturm, der in einem Mißtrauensvotum gegen den Minister gipfelte, scheiterte kläglich; der Antrag fand nicht einmal bei der Deutschen Volkspartei Unterstützung. Ja, der Vertreter dieser Partei, Herr v. Kardorff, fand sogar äußerst glückliche Worte, um das Treiben der Nationalisten zu kennzeichnen; so, wenn er fest⸗ stellt, daß die vaterländtschen Verbände in Bayern ein frivoles Spiel mit der Reichseinheit trieben, und wenn er die Behauptung, daß Bayern eine Ordnungszelle sei, den größten Schwindel nannte, der jemals in der Welt dagewesen sei. Auch darin hatte er recht, wenn er sagte, daß ein rechtsradikaler Umsturzversuch keine acht Tage Erfolg haben könne, weil die Arbeiterschaft, die im Ruhrkonflikt die Probe auf ihre Staatsgesinnung abgelegt habe, sich das einfach nicht gefallen lassen würde.. Die vom Minister Severing veranlaßten Haussuchungen bei den Führern der deutschvölkischen Freiheitspartei haben nun auch Briefe des Reichstagsabgeordneten Wulle zutage gefördert, die den engen Zusammenhang zwischen der deutschvölki⸗ schen Freiheitspartei im Norden und der nationalsozialistischen Hitlerbewegung in Bayern klar erweisen. In einem der Briefe, die der Vorwärts veröffentlicht, heißt es wörtlich: Ihre Frage kann ich dahin beantworten, daß die Deutsch⸗ völkische Freiheitspartei ihrem Grundcharakter nach dasselbe ist wie die Hitler⸗Bewegung im Süden. Einige Programmunmter⸗ schiede ändern daran nicht das geringste, abgesehen davon, daß die Verhältnisse im Norden wesentlich andere sind als im Süden. Im übrigen ist unser Programm selbstverständlich noch nicht ab⸗ geschlossen. Es ist in der Entwicklung begriffen. Infolge der Gleichartigkeit unserer Bestrebungen hat sich auch die Groß⸗ deutsche Arbeiterpartei, die durch und durch nationassozialistisch ist, mit uns verschmolzen. Sie können also mit Recht sagen, daß an der Hitler-Vewegung etwas Verwandtes, im wesentlichen so⸗ Gleichartiges wäre. Beide Bewegungen wollen die politische möge sich seiner Seele erbarmen und meinen armen, armen Jungen wieder zum Guten leiten!“ stammelte die Alte. Die beiden Frauen saßen, wie so oft schon, eng anein. ander geschmiegt in der ärmlichen Hütte, trostesbedürftiger denn je. Rohans Bluttat lastete auf ihnen wie ein schwerer Alpdruck. Den Abgesandten des großen Kaisers niederzu⸗ strecken, dünkte ihnen ein doppelt furchbares Verbrechen. Sie wußten nur zu gut, daß für diese Tat, sie mochte noch so gerechtfertigt sein, keine Gnade zu erwarten sei. Rohan war für immer ein Ausgestoßener und vogelfrei, jeder konnte un⸗ gestraft Hand an ihn legen. Sie wurden durch Jan Goron aus ihren Grübeleien geweckt:„Guten Tag, Mutter Gwen⸗ fern! Gott mit Dir, Marcelle! Ich dachte mir, Euch hier beisammen zu treffen und deshalb bin ich gekommen. Ver⸗ liert den Mut nicht! Gott hilft dem Gerechten! Die Gendar⸗ men sind wütend und haben die Grotte endlich erstürmt, aber von Rohan keine Spur gefunden. Er hat wahrscheinlich, von dem gestrigen furchtbaren Sturm begünstigt, ein sicheres Ver⸗ steck aufgesucht. Uebrigens bringe ich auch noch andere Neuigkeiten. Der König von Sachsen soll von unserem Kaiser abgefallen sein, die französische Armee steht vor Leipzig, wo man ihr allgemein eine große Niederlage prophezeit. Viele behaupten, daß der Kaiser endlich seinen Mann gefunden habe und daß sich jetzt alle Könige gegen ihn auflehnen. Kein Wunder, hat er doch bis jetzt zu jedem Frühstück ein halbes Dutzend Könige verschlungen!“ Die Neuigkeit hätte zu einer anderen Zeit Marcelle Derval sehr erregt, heute schenkte sie ihr absolut keine Beach⸗ tung. Die Schicksale Frankreichs und des großen Kaisers gingen in ihrem persönlichen Kummer vollständig unter. Als Goron von einer Niederlage vor Leipzig sprach, sagte sie bloß:„Hoél und Gildas dürften dort sein. Vergangene Woche hatten wir von Gildas einen Brief. Er schreibt, daß er schon drei große Schlachten mitgemacht habe, ohne im geringsten verletzt worden zu sein. Er hat auch den Kaiser ganz in der Nähe gesehen und meint, daß er sehr alt aus⸗ sehe. Auch Hoél ist gesund und heil. Ach Gott, warum kann nicht auch mein armer Vetter Rohan an ihrer Seite kämpfen, uns allen wäre wohler zu Mute— nicht wahr, Tante Luise?“ Nacht erringen, Ne berhaupt die Voramssetzung ist Durchführung der schönen Programmpunkte. 1. 0 Der Staatsgerichtshof, der vor kurzem die Staatsseinosschre der Hitlerschen Organisationen festgestellt hat, wird nach Beweisen hoffentlich nicht zögern, die Auflösung der deu schen Freiheitspartei in Preußen als zu Recht erfolgt erkennen. Hessischer Landtag. Darmstadt, 25. April 122 Präsident Adelung eröffnet die Sitzung 9.20 Uhr. Der entwurf betr. die Gebühren für die Auskunfterteilung aus polizeilichen Melderegistern wird in zwei Lesungen angenonn Zu einer langen Debatte gibt der Antrag Rink und lat ge Aang ber Wg. hüben sch cis 58115 fg 5. e en en altlos ern Abg. Ebner beharrt auf seinem Antrag und bringt weiter Be schuldigungen gegen Dr. Schneider den er als„lügenhafte Person bezeichnet. Vizepräsident Soherr ruft den Abg. Ebner zur Ou Gegen dn Ordmmgsruf protestiert Abg. Ebner, weil er nia Schneider, sondern Dr. Peters gemeint hatte und eine Verwe set doch einmal möglich. Abg. Kaul beantragt die Vertagm Sitzung, da Vizepräsident Soherr erklärte, gegen den Ordm könne nur schriftlich Protest erhoben werden. Abg. Ofann n sich gegen den Antrag Kaul. Der Antrag wird abgelehnt. Stant präsident Ulrich nimmt den beleidigten Beamten in chu Dem Antrage der Abg. Ebner⸗Roth(Komm.) betr. die Erhöh Wrisengeldsätze vom 12. 12. 22 wird stattgegeben, aber Beschlußfassung über bestimmte Sätze abgesehen. Es ergibt sich en hier eine längere Aussprache aus der hervorging, daß die Kinde 7 1 1 gut aufgenommen sind. Abg. Kindt b da e finanzielle Umerstützung enige. 5 daß selbstverständlich i Arbeiten, wie zum Viehhitten herangezogen werden können. 18 Der Antrag betr. Erhöhung der Entschädigungssätze für eh verluste wird für erledigt erklärt. Die Regierungsvorlage, In wurf zur Aenderung der Strafprozeß⸗Ordnung wird in ee Lesungen angenommen. Zu einer weiteren großen Debatte kommt es durch Abg. G (Komm.) bei der Vorstellung F. B. Veiß und Gen. Heppen Bergstraße, betr. Einstellung des Verfahrens in Strafsachen n Nötigung und Beleidigung. Die Einstellung wird abgelehnt hg Ebner meint, man müsse den beleidigten Prof. Schnellbaher verklagen. Abg. Neuß(3Ztr.) bemerkt, daß die Reden des Ebner eine unverantwortliche Geld⸗ und Zeitverschwendung fie denen man nur mit Beschämung zuhören könne.— Die stellung wird für erledigt erklärt. Die Strafverfolgung gegen Sturmfels wird versagt. f Der Antrag Sturmfels betr. Niederschlag des Stra fahrens gegen Bernh. Nett und 10 Genossen in Erbach w Landfriedensbruch wird für erledigt erklärt. Die Doch des ausländischen Hilfswerks, sowie die Beschaffung von und Zucker für die Kinderspeisungen und die entstehenden kosten werden nach kurzer Debatte angenommen, ebenso standsmaßnahmen für Rentenempfänger der Invaliden⸗ und gestelltenversicherung.— Für erledigt erklärt wird der Abg. Ebner und Roth, Ergreifung sofortiger Maßnahmen Schartze der Arbeiterklasse gegen Verelendung unde Auswuche — Das Haus hat sich inzwischen derart geleert, daß wegen e schlußunfähigkeit die Sitzung abgebrochen wird. 0 . N 8 8 2 5 * — 2 1 * 8 N Aa at Gt its Gießen und umgebung. Gemeinwirtschaft Oberhessen. * Von den Gemeinden Oberhessens haben nunmehr at alle ihren Beitritt erklärt. Nur wenige Landorte haßen bisher ihren Anschluß noch nicht vollzogen; in mehteren Orten lehnte der Gemeinderat den Beitritt ab, in einzelen Fällen wurde der Antrag auf Anschluß mit Stimmenglesch⸗ heit abgelehnt. Mehrfach zeigte es sich, daß über die Se nicht überall volles Verständnis herrschte, man witterte Mögliche hinter dem Unternehmen. Und namentlich in ländlichen Gemeinden ist man meistens wenig geneigt, fir die Allgemeinheit etwas zu leisten, selbst dann nicht, wann die Gemeinde schließlich selber davon Nutzen hat. Doc handelt es sich, wie gesagt, hierbei nur um Ausnahmen; allgemeinen hat die Gemeinwirtschaft Oberhessen Anklang Mannespflicht erfüllt hätte und ein tapferer Soldat genor⸗ den wäre, würde er sich all die zahllosen übermenschlitzen Leiden und Qualen und als deren Folge die Todsünde er⸗ spart haben. Im Kriege hätte er vielleicht auch Blut ber⸗ gossen, aber nur Feindesblut welches, wie alle guten Patrioten wissen, von Gott nicht als Sünde angerechnet wild! Es ward Nacht. Ein schwarze, wilde Nacht. Der Mid, der sich tagsüber etwas gelegt hatte, erhob sich mit erneuter Kraft. Die Hütte erzitterte unter den heftigen Windstößen. Marcelle hatte es nicht übers Herz bringen können, die Wipe in diesem Sturm allein zu lassen und hatte ihrer Milter durch Goron die Botschaft gesandt, daß sie die Nacht bei Tante Lnise bleiben wolle. Der Torf im Kamin war schon fast ganz zu Asche ge⸗ brannt, aber die beiden Frauen saßen noch immer vor dam Herd und lauschten entweder dem Orkan draußen, oder die besprachen im Flüstertone, wovon ihr Herz voll war. J lich erhob sich Marcelle, denn ihr schien, als ob jemand die Fensterscheibe geklopft hätte. Sie lauschte mit angehalze⸗ nem Atem— das Klopfen wiederholte sich; endlich versulde sogar jemand, die von innen versperrte Türe aufzustoßen. „Oeffne“ schrie eine heisere Stimme von draußen. Jetzt sprang auch die Mutter auf; jeder Blutstropfen i aus ihrem Gesicht, sie zitterte am ganzen Leibe. Marel schwankte zur Tür und riß sie auf: stumm und verängsist, wie ein gehetztes Wild, schlich ein Mann herein. 3 Es bedurfte keines Blickes und keines Wortes; die beiheh Frauen wußten sofort an dem furchtbaren Klopfen its Herzens, daß der verlorene Sohn heimgekehrt sei. Mit her ihr eigenen Geistesgegenwart sprang Marcelle zur Türe 0 rück und versperrte sie, dann verhängte sie auch noch soß fältig das Fenster, damit kein Unberufener hereinspih könne und schraubte die kleine Hängelampe tiefer. Mit weile hatte sich Rohan, vor Kälte zitternd, zu dem fast loschenen Feuer geschlichen und war erschöpft auf die gesunken. Die beiden Frauen brachten vor Entsezen Wort über die Lippen und starrten den nächtlichen dem die Fetzen vom Leibe hingen, den der Regen bis die Haut durchnäßt hatte, so daß ihm das Wasser aus 1 derwilderten Haar und Bark tropfte. voll zärtlichen N Ein Tränenstrom stürzte aus Marcelles Augen und die Witwe stöhnte schmerzlich. Freilich, wenn Rohan seine leids an. (Fortsehuno Falat) Die Gießener Partei- und Gewerkschafis⸗ geno ßen begehen ihre Maiseier Dienstag, den 1. Mai, nachm. auf der Liebigshöhe. Versamm⸗ Ugunden und sie wird in nachster Zeit an die Duraführang rer Ziele gehen, als deren erstes die Versorgung tuber⸗ llöser Kinder in Aussicht genommen ist. höchstsäge der Erwerbslosenunterstützung ab 16. April 1923. In den Orten der Ortsklassen: für männliche Personen:„ͤ ö ) über 21 Jahren, sosern sie nicht — nat im Haushalt eines andern leben 2400 2250 2100 1950 ¼ i b) über 21 Jahren, sofern sie im Haushalt eines andern leben. 2100 1950 1800 1650% ec) unter 21 Jahren 1450 1350 1250 1150% 1 weibliche Personen: f a) über 21 Jahren, sofern sie nicht im Haushalt eines andern leben 2100 1950 1800 1650% b) fiber 21 Jahren sofern sie im Haushalt eines andern leben. 1750 1650 1550 1450 ¼ en c) unter 21 Jahren 1300 1200 1100 1000% als Familienzuschläge für: wi; a) dem en 850, 800 780 700 b) die Kinder und sonstige unter⸗ stützungsberechtigte Personen 700 650 600 550 ¼¼ 7 Aus Kohlenschacht und Eisenhütte lautet der Vortrag, den s uf Veranlassung der Gießener Volkshochschule Herr Dr. Flörke f tert und in Lichtbildern vorgeführt. Eingehend beschäftigte sich chlag des Stusster Vortrag mit der Gewinnung und Herstellung des Eisens und in Erbach nastahles; in zahlreichen Lichtbildern wurden die gewaltigen An⸗ Die Durchfih agen der Eisenhütten und Eisenwalzwerke, der Koksöfen gezeigt. deffng von der Vortrag fand beifällige Aufnahme. — Volkswirtschaftliche Bedeutung des Ruhrgebiets. Diesez hema behandelt heute, Freitag abend 8 Uhr Gen. Dr. Quarck einem von der Volks hochschule veranstalteten Vortrage im großen hörsagle der Untversität. Wir weisen nochmals darauf hin und 5 fehlen N Besuch des Vortrages, der vieles Wissenwerte schrlheeten wird. — Für das dentsche Volksopfer. Uns wird geschrieben: Von zem Personal der beiden hiesigen Postämter wurden 329 000 Mk. als eitere Rate für das deutsche Volksopfer gespendet. Grünberg. Zur Regelung der Vorbereitungen für unsere gezirksmaifeier, die am Sonntag, den 29. April in rünberg im Lokale Beltrog stattfindet, 1 am Sonntag eine Bezirksvorstandssitzung statt und wurde folgendes Programm sen. istgelegt. Die Ortsvereine und Gewerkschaftsmitglieder sammeln ich um 2 Uhr im Lokale Beltrog. Bei günstiger Witterung Demon⸗ ben nummeh fargtionszug durch die Stadt, anschließend Festrede durch den Gen. e Landorte bh lstadtv. Mobsdorf⸗Gießen, Konzert und Volksbslustigungen. 1— Zur Finanzierung der Feier sind die Ortsverekne verpflichtet, en; in mete o Mk. pro Mitglied an die Jinanzkommission bei Beginn der tt ab, in ein lzeier zu entrichten. Arbeitslose Mitglieder haben freien Zutritt. ut Stimmenslehen älle Parteigenossen, Gewerkschaftler und Freunde unserer aß über die 30 ache in den Orten des Unterbezirks richten wir noch die Auf⸗ 5 surderung, durch zahlreiche Beteiligung unsere Feier zu einer ein⸗ man witterte alrrucksvollen Kundgebung gestolten zu helfen. ind ranenth;[reis riedberg⸗Büdingen. venig geneig?. Wohnbach. Auf Veranlassung maßgebender Kreise fand im dann nicht, oem bis zum letzten Platz gefüllten Saal„Zur Linde“ unter dem Nutzen hat. dugzorsitz des Herrn Bürgermeister Kratz am Sonntag nach Ostern 9 Ausmuhne und 14 Tage später bei noch größerer Beteiligung aller Stände 1 11 ein Woßhltätigkeitsabend statt. Nach der Ansprache des Herrn berhessen A Uürgermeisters und den sehr schön vorgetragenen Prologen von — Alt folgten Liedervorträge des Gesangvereins Eintracht und Stadttheater Gießen. Zum Schlusse der Spielzeit wurde als Benefiz⸗Vorstellung fiir Volkstragödie„Glaube u 1 d 1 N u lemäß, und das ist es auch 9 den schweren Kampf derjenigen, zum lutherischen Glauben föhnen und deshalb ahne Nücgscht aus der Heimat aus⸗ Uh zewiesen werden In den einzelnen Familien dieser Apenbewohner, %% ihret hängen, wie am Leben, verursacht dies grau⸗ saͤlte ih hme Gebot größten Jammer. In den drei Aufzügen sieht man das sie die Naht! Anglüc über die verschiedenen Einwohner hereinbrechen und durch ie Gewalttaten der Soldaten zur Katastrophe kommen. Die Tra⸗ a zu Ach nie hinterläßt tiefen Eindruck, wenn ste gut wiedergegeben wird: ganz eld das immer bor erb. draußen obe gab Oskar 101 a f Heimat und chte nit ange 6 Meibes fehr 55 endlich beafsh Türe mufs sprühender Jugendkraft außen. Gäre Türk den Spatz auf die Bühne. Nicht zu übertreffen on dn 1 and von gewaltigem Eindruck war der Sandperger von Karl Vol ck. fene de f 4 i ift und ben werden Ul r Engelbauer hätte nicht typischer aussehen und gegeben ö önnen, als es von Rudolf Go Il geschah. Mit gleicher Sorgfalt gab g Franke die Sandpergerin, Paul Schubert den Unteregger, n. aur Ju ler des Kalfers und Richard Hell bor 1 huke den Reiter 8 v herein. liber, Auch die Mitwirkenden, die mit kleineren Aufgaben Bottes; d t waren, waren gang am Platze. Von Seiten des Publikums en Klee lehrt bei celle 5 sie a se be Aden 9, zu U 0 f 45 1 bot eie 5 1 wäch der N 1 0 1. großartige Marmorgruppen des Turnvereins„Gut Heil“, wechselnd mit Theateraufführungen. Letztere fanden ihren Höhe⸗ punkt in dem dramatischen Schauspiel„Teuere Heimat— Opfer der Fremdenlegion“. Reichen Veifall ernteten die Veranstalter und Dank sei allen für die. Spende, die den Betrag von etwa 150000 Mk. ergab und jenen Männern an Ruhr und Rhein zugute kommen wird.— Die Leitung lag in den Händen des all- seitig bekannten Herrn Richard Bohn. Marburg ⸗Kirchhain. 8 Konsumvereinsversammlung. Eine gut be⸗ suchte Versammlungd es Konsumvereins Gießen, Verteilungsstelle Marburg, fand am Sonutag im Friedhofschen Saale statt. Vereinssekretär Tillmann berichtet über das laufende Geschäfts⸗ jahr und forderte zum regen Warenefnkauf und Zahlung des er⸗ höhten Geschästsauteils auf. In der Aussprache wünschte ein Mit⸗ glied, daß nicht die Säumigen nach zwei Jahren Indifferentismus aus geschlossen werden sollen, doch wurde sowohl vom Referenten wie auch aus der Versammlung dem entgegengetreten und den Worten des Vereinssekretärs noch ergänzend beigetreten. Der Wunsch nach einer zweiten Verteilungsstelle wurde auch wieder geäußert. Die Versammlung nahm einen befriedigenden Verlauf. 8 Marburger Schwurgericht. Für die diesmalige Schwurge⸗ richtsperiode sind drei Wochen vorgesehen. Zum ersten Male befinden sich unter den Geschworenen auch einige Fraueu. Wegen Urkun⸗ denfälschung wurde ein noch nicht bestrafter Angeklagter, der seinen Wandergewerbeschein abgeändert hatte, unter Strafaufschub und Zahlung von 5000 Mark zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Wegen Betrugs und Urkundenfälschung erhielt ein Kriegsbeschädigter drei Monate Gefängnis unter Stvafausschub. Er hatte einen vom Stadtfürsorgeamt ausgestellten Schein auf 5 Mk. eine Null angehängt.— Von der Anschuldigung des Meineides und der Anstiftung dazu in einem Alimentenprozeß wurden ein Dandwirt aus Mengsberg und zwei weitere Angeklagte frelgesprochen. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 25. April. Frankf. Getreidemarkt. Bei fester Stimmung und kleinem Angebot wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen Mk. 120430 000, Roggen Mk. 110—120 000, Gerste Mk. 95—109 000, Hafer inländ. Mk. 80—95 000, ausländ. Mk. 120—125 000, Mais(La Plata und Mixed) Mk. 135—140 000, Weizenmehl südd. 190— 220 000, Roggenmehl Mk. 150—165 000, Kleie Mk. 55—57 000. 8 Frankfurt a. M., 24. April. Ein Millionendiebstahl. In einem hiesigen ersten Juwelengeschäft ließen sich am Montag zwei Ungarn etwa 30—35 Jahre alt, Schmucksachen vorlegen. Dabei stahlen sie eine Perlenkette müt 85 Perlen im Werte von 60— 80 Millionen Mark Erst nach ihrem Fortgehen bemerkte man den Verlust, doch blieb bis jetzt jede Fahndung nach den beiden Dieben ohne Erfolg. Frankfurt a. M. 24. April. Die„Fürstin von Schöll⸗ krippen“. Die Schwindlerin, die einen hiesigen Kaufmann durch allerhand liebliche Vorspiegelungen falscher Tatsachen um das Vermögen brachte, und worüber wir neulich ausführlich be⸗ richteten, ist nunmehr festgestellt worden. Es ist eine Frau Dorothea 1 Breth aus Frankfurt a. O. Ihr Begleiter, der Kaufmann Lebrecht aus Frankfurt a. M., als dessen Ehefrau sie sich ausgab, erklärte bei seiner Vernehmung, von ihr um vier Millionen Mark geprellt worden zu sein. Er habe sogar, um den maßlosen Aufwand der Schwindlerin, an deren Glaubwürdigkeit er bis zur Stunde nicht gezweifelt habe, bestreiten zu können, selbst sein Ge⸗ biß mit Goldzähnen verkauft. Die Liebe des Herrn Leberecht muß doch wirklich tief gewesen sein. In Mlinchen erschwindelte sich 205 Frauenzimmer von einer Firma für zwei Millionen Mark aren. Höchst a. M., 25 April. Die Valutamaus. Die Farb⸗ werke brauchen bekanntlich für Vecsuchszwecke mit Seren Mäuse. Früher kostete so ein Grauröcklein 10 Pfennig, später sogar 20 Mk. Heute bieten die Farbwerke sogar 100 Mark für ein Mäuslein. Also auch hier wirkt der Dollar preistreibend. Die Nerblndung mit Coblenz Die Verbindung mit Coblenz, die durch Postautos Limburg⸗ Ems⸗Cobleniz aufrecht erhalten worden war, mußte eingestellt werden, da die Franzosen die Autos nicht mehr aus dem besetzten Gebiet herausließen. Steben Arbeiter verschsittet. In Ueberlingen am Bodensee ereignete sich am 21. April ein schweres Unglück, bei dem drei Arheiter getötet und vier schwer verletzt wurden. Im Speicher Kraftwerk waren kurz vor Feier⸗ abend auf der Höhe des Geländes in der Nähe des Wäldchens die Arbeiter mit dem Aufgraben des 7 Meter tiefen Grabens be⸗ schäftigt. Sie waren bereits in einer Tiefe von 5½ Metern, als sich plötzlich von einer Seitenwand die Erdmassen loslösten und 7 Arbeiter verschütteten. Durch die sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten wurden vier Arbeiter, allerdings schwer verletzt, geborgen und in das Krankenhaus nach Ueberlingen gebracht. Die anderen brei konnten nur als Leichen geborgen werden. Ein verurteilter Ehrabschneider. Am 20. April fand vor dem Schwurgericht in Wien die Verhandlung in einer Ehren⸗ beleidigungsklage des amerllanischen Schriftstellers Upton Sin⸗ elan gegen den ehemaligen österreichischen Ministerprästdenten und Kirchenrechtslehrer Hussarek statt, der in einer am 22. Sept. vorigen Jahres in der Reichspost erschienenen Keitik„Reviston und Profit“ von Sinesair geschrieben hat, daß er ihn für einen Schurken halte. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage auf Vergehen wegen Ehrenbeleidigung mit 9 gegen 3 Stimmen und erkannten mit 9 Nein, und 3 Ja, daß der Wahrheitsbewels nicht erbracht worden sei. Der Gerichtshof verurteilte Dr. Hussarek zu efner Geld⸗ strafe von 500 000 Kronen, im Nichteinbringungsfalle zu 24 Stun⸗ den Arrest. 1. Arbeitsrecht, Gewerkschartliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 25. April.„ der Lohnstreitigkeit der Metallindustrie des Lahn⸗ gebiekes und Oberhessens erging folgender Schiedsspruch: —— lung nachm. 1 Uhr auf Oswaldsgarten. ab⸗ FFFVPFbbVCVCCCVCVVCVVDVTVTPCPCVCVPTCVCVTCTCTCTCTCTCTCTGTCTCTCTCTCTCTCTCTCTCTCTGT0TCTCTCTCT0TCCTTTTTTTT 1. Mit Wirkung vom 23. 4. 1923 beträgt der Stundenlohn der gelernten Arbeiter über 25 Jahren Mk. 1500.—. Die übrigen Löhne erhöhen sich in dem entsprechenden Verhältnis. Hierbei sind 5 Mark und mehr in der letzten Stelle auf 10 Mark nach oben, weniger als 5 Mark auf Null nach unten abzurunden. 2. Die Arbeiterinnen erhalten 75 Prozent der Arbeiterlöhne der⸗ selben Gruppe und Altersklasse. b 3. Die Sozial zulagen bleiben wie im Schiebsspruch vom 28. 8. 1923 bestimmt bestehen. 1 4. Die Löhne der Wetzlarer optischen und mechanfschen Industrie erhöhen sich ab 23. 4. 1923 in demselben Verhältnis und mit der⸗ selben Abrundung wie unter Ziffer 1 0 5. Für die Zeit vom 1.— 22. 4. 1923 besteht die Lohnregelung gemäß dem Schiedsspruch vom 28. 3. 1923 weiter. f Die bisherigen Löhne(Spitzenlohn Mk. 1420.—) galten seit dem 15. 2. 1929. Die Streitteile erhielten Frist für ihre Erklärung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches bis zum 30. 4. 1923. Wirtschaft, Handel, Soziales. Erhöhung der Großhandelspreise. Nachdem das deutsche Großhandelspreisniveau mehrere, Wochen hindurch nur unwesentliche Veränderungen aufgewiesen hatte, hat in der abgelaufenen Woche der Preisspiegel eine erheb⸗ liche Erhöhung erfahren. Ebenso wie der Anstoß zur Senkung der Großhandelspreise durch die Stützungsaktion der Reichsmark ge⸗ geben wurde, ist der allgemeine Tendenzumschwung auf die Ent⸗ wicklung des Markkurses zurückzuführen, die neue Unstcherheit in das deutsche Wirtschaftsleben gebracht hat. Die Preise stiegen in der Woche vom 14. bis 20. April mit dem Sinken des Außen⸗ wertes der Mark. Der Großhandelspreisindex der Industrie⸗ und Handelszeitung hat sich von 6195,33 in der Vorwoche auf 6647,66, also um 7,29 Proz. erhöht. Die Preisbewegung war in den ein⸗ zelnen Gruppen einheitlich nach aufwärts gerichtet. Am stärksten wirkte sich der neuerliche Markverfall in der Gruppe der Rohstoffe Kohle, Eisen usw. aus( 9,84 Proz.); nur die Holzpreise, die früher besonders stark in die Höhe gegangen waren. sanken in der vorigen Woche. Die Textilpreise stiegen um 2 25 die Preise der Gruppe Häute, Felle, Leder um 4,89 und di“ der Gruppe Fleisch usw. um 4,50 Proz. Noch erheblich größer war die Preissteigerung bei der Gruppe Getreide, nämlich 8,17 Proz. Lokale Parteinachrichten. An die Ortsvereine des 7. Unterbezirks(Rabenau). n Am Sonntag, den 15. April wurde in unserer Konferenz be⸗ schlossen, auch dieses Jahr am 1. Mai eine Maifeier zu veranstalten und zwar in Allendorf. Der dortige Ortsverein wurde mit der Durchführung und Vorbereitung beauftragt. Wie die vorangegangenen Feiern muß auch dieses Jahr unser Weltfeiertag zu einer macht⸗ vollen Kundgebung der Arbesterschaft in der Rabenau gestaltet wer⸗ den. Ferner wurde beschlossen, einen Matfeierbettrag von 300 Mk. pro Mitglied zu erheben und an den festgebenden Verein abzuführen. Es wird erwartet, daß sich alle politisch und gewerkschaftlich organi⸗ sterten Arbeiter an unserer Maifeier beteiligen. Die Arbeitergesang⸗ vereine Londorf, Nüddingshausen, Allertshausen sind dazu einge⸗ laden, ihr vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Genossen! Helft uns die Maifeier zu einer machtvollen Kundgebung zu gestal ten Die Feier beginnt um 2 Uhr im Gasthaus„Zum kühlen Grunde“ von H. Bergen, Allendorf a. d. Lumda. Die Ortsvereine Rüd⸗ dingshausen, Gailshausen Ullertshausen, Kesselbach treffen sich um 1½ Uhr in Londorf bei Gastwirt Boeger von da Abmarsch. Der Vorstand des 7. Unterbezirks: H. Schäfer. Straftammer Gießen. Sitzung vom 24. April. ö Ein rückfälliger Dieb ist der Heizer Wilh. Barget von Orienberg. Im September 1922 war Barget nach Verbüßung einer zweijährigen Zuchthausstrafe aus der Strafanstalt Marien⸗ schloß entlassen worden. Wegen Diebstahlsverdachts war er bereits am 5. Dezember 1922 wieder in Haft genommen, aber Ende Februar 1928 wieder entlassen worden. B. ist heute geständig, am 1. März 1923 auf seiner Neise nach seinem Heimatsort Orten⸗ berg in 3 Fällen bei Landwürten in Glauberg und Lindheim aus den Hofreiten und Gärten durch Einsteigen Wäsche, Brot und Liköre und andere Sachen im Gesamtwerte von etwa 200 000 Mark gestohlen zu haben Er gibt heute an, in Not gehandelt zu haben, da er nach seiner Entlassung ohne einen Pfennig dagestanden habe; die Strafkammer glaubte aber— damit die. Strafe über⸗ haupt noch auf Barget ne Wirkung ausübe— von mildernden 51. abzusehen, 1 N 1 147 Gesamtzucht⸗ ausstrafe von 3 Jahren onaten 5 ep elite Gefälligkeiten. Ein Handlungsgehilse aus Friedberg war in einem Friedberger Warenhaus angestellt. Er war in seinem Bekanntenkreise gern gesehen, denn es kam ihm auf ein Geschenk nicht an, auch besorgte er bereitwilligst gelegent⸗ lich Wäsche, Kleidungsstlcke und, sonstige Sachen, denn das Warem⸗ haus war für ihn die billigste Bezugsquelle, wenn er auch schließ⸗ lich wegen fortgesetzten Diebstahls eine Gefängnisstrafe von mehreren Monaten vom Schöffengericht Friedbera erhielt.. Sieben seiner Bekannten hatten sich aber wegen Hehlerei zu ver⸗ antworten, wurden jedoch vom Schöffengericht mangels Beweises freigesprochen. Auf die Berufung der Staats anwaltschaft beschäftigte sich heute die Strafkammer nochmals mit dem Fall, konnte aber auf Grund der Angaben des Handlungsgehilfen den Beweis nicht für erbracht ansehen. daß die einzelnen Angeklagten gewußt haben oder den Umständen nach hätten annehmen müsson, daß die Sachen gestohlen gewesen seien. Die Berufung der Staats⸗ anwaltschast wurde deshalb zurückgewiesen. 1 Aus dem Material⸗Magazin der Eisenbahn⸗ werkätte„besorgte“ ein Bahnarbeiter ans Leihgestern aus Gutmütigkeit einem⸗ Arbeitskollegen aus Großen⸗Buseck 5 Pack Drahtstifte, die bieser beim Bauen eines eigenen Häuschens brauchte. Er wußte sie sich beim Materialausgeben zu beschaffen und behauptet, die Nägel von einem vertretungsweise die Aus⸗ gabe der Materialsen besorgenden Lagerarbeiter auf sein eindring⸗ liches Bitten erhalten zu haben. Dec schon mehrere Jahre auf 3. Henkels Putz und Scheuerpulver für Haushalk, Gewerbe und Induftrie b unentbehrlien. Atteste Grün Ales Linn und Dei erregte vd. Luer usw. rau oder Malehen zahlt die höchsten Preise zur Führung eines kleinen Zufall f Lausbalis nach Alsfeld. Wolkengasse. Näh. d. d. Geschäftsst. d. Bl f CCC ᷣͤ Berüthsichtigt unsere Inserenten! Teen potent Def ecr NT Fester Bestrerref auff daß Eurschieden bies getan zu haben: die Nägel seien von dem anderen gestohlen wobden. In erster Instanz war er auch mangels Beweises frei⸗ esprochen worden: auf die Berufung der Staats anwaltschaft sah aber die Seraskammer auf Grund der Angaben des Arbeiters aus Leihgestern den Beweis der Untreue für erbracht und ver⸗ urteilte den Lagerorbefter zu einer an Stelle von 1 Woche Ge⸗ sängnis tretenden Geldstrafe von 20000 Mark und setzte auch auf die Berufung des Bahnarbeiters aus Großen⸗Buseck an Stelle der gegen diesen erkannten Gefängnis Sstrafe von 1 Monat eine 1 von 50000 Mark für die in erster Linie erkannte Gefängnis strase von 3 Wochen. In der Verhandlung verhaftet wurde der Arbeiter Heinrich Rau von hier. Auf Grund der Beweisaufnahme hielt das Gericht Rau für schuldig, am Osterfejertag des Jahres 1921 in Ge⸗ meinschaft mit dem bereits abgeurteilten Buchbinder Adolf Moritz aus Kröpden einem in der Pension Kübel dahier wohnenden In⸗ Schrank die Briestasche desselben mit ca. 7800 Mk. Inhalt gestohlen zu haben. Nat leugnet die Tat aufs heftigste, während Moritz ihn der Mittäterschaft bezichtigt. Er erhielt mit Rücksicht auf seine erheb⸗ lichen Vorstrafen eine Geffängnisstrafe von 1 Jahr 6 Mo⸗ naten, auch wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt und seine sofortige Verhaftung angeordnet. Schiffs nachrichten der Hamburg⸗Amerika⸗Linie. Hamburg⸗New York: D. Emden 21. 4. in Brake, Heimr. Hamburg⸗Cuba⸗Mexiko⸗Westindien: D. Amassta 20. 4. Ushant pass. 222271 D. Eupatoria 16. 4. ab Carupano Heimr., D. Schwarz⸗ wald 22. Dover pass. Ausr., D. Holsatia 22. 4. ab Coruna Heimr. ab Südamerika: D. Rugia 20. 4. in Bs. Aires stey J Herfeur aus Bewffff zuls Fessen Ifffiffer ind aus einem verschlosferen f Ausr., S. Sachsen. J. aß Bs. Aires Heimr D. f Ushant pass. nach Brake Heimr., D. e 21. Carnary al. Ausr., D. Galicia 23. 4. ab Coruna Flanet 23. 4. in Brake Heimr. Westküste Südamerikf: Spreewald 20 4. Azoren pass. Heimr., D. Sachsenw Azoren pass. 7 S8 8 D. Preußen 20. werpen 1 5 M. S. 2 and 20. 12 Manila nach Frauen-Feldstiefel und r ualitz aAtsware in Jagd-, Arbeiter- und Touristenstiefel mit und ohne Doppelsohle Halbschuhe in vielseitiger Auswahl Besonders schwere Knaben- und Mädchenstiefel Hausschuhe, Sandalen, Turnschuhe in jeder Ausführung Spezialhaus für Arbeiter- und Berufsschuhwerk Franz Neumeier, Giessen Sonnenstr. 20 Fernruf 1212 Sonntagsstiefel und Halbschuhe nit niearigem u. hohen Abcalt Kinderstiefel in schwarz, b raun und weiss Maifeier in Altenbusec Sountag, den 29. April nachmittags 1¼ Uhr Bezirks- Maifeier für die Orte: Bersrod, Beuern, Burk⸗ hardsselden, Großen ⸗Buseck, Harbach, Hottenrod, Lindenstruth, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Trohe. Reöntr: Parteisekretär Hänset. Empfang der Vereine nachmitt. 1 Uhr. Alten⸗Buseck, Demonstrationszug nachmittags 1½ Uhr. Alle Partei⸗, Turn- und Sangesgenossen, sowie die Gewerkschaftsmitglieder sind zu dieser Veran⸗ staltung herzlichst eingeladen. Auf zn Bezirkömaifeier nach Grünberg. Sonntag, den 29. April von 2½ Uhr nachmittags findet in Grünberg im Lokal der Wwe. Beltrog unserte Bezirks⸗Maifeier statt, bestehend in: Festrede von Genossen Rechtsanwalt Honberger, Gießen Demonstrationszug und anschließendem Volksfest mit Tanz. Hierzu laden wir alle Partei⸗ und Gewerkschafts⸗ mitglieder der Orte Grünberg, Queckborn, Weikartshain, Göbeinrod, Saasen, Lauter Lumda, Stockhausen, Stangenrod, Bel⸗ tershain, Reinhardshain und Lehnheim freundlichst ein 142 Der unterbezirksvorstang; Der Unterbezirks vorstand. 1 Aafauf von Messing, Kupfer, Blei, Zink und Zinn zu den höchsten Tagespreisen. H. Schneider, enen. Neuenweg 6. Daselbst 2 gut erhaltene Oefen zu verkaufen. 1417 „Was lehren uns die gegen⸗ Jedermann freundlichst eingeladen. „****(0 1 wärtigen Jeitereignise“? Oeffentlicher Vortrag: Freitaa, den 27. April, abends 8 uhr, im Kath. Vereinshaus— Liebigstraße. Eintritt frei. Redner: H. Struve, Cassel. 144 pthördlche ehamkmachuhe Bekanntmachung. Ortsansässige Personen. die in Bad Naussm z Kurmittel gebrauchen wollen, ohne dort Wohung nehmen, erhalten nur dann Bäder verabfolgt, wenn ste eine von hier ausgestellte Ausweiskarte im Beeh auß vorzeigen können. Die Ausstellung von Ausweis karten* in Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 29. Gießen, den 14. April 1923. Der Oberbürgermeister: Keller Gestorbene. 25 24. April. Rudolf Max Böcher, 2 Mone alt, Frankfurterstraße 69. 0 24. April. Elise Stecker, geb. Rausch, 4 Janne alt, Dammstraße Beerdigung: 27. April, 3 Uhr nachm 24. April. Kaspar Rang, Fuhrmann 80 Jahre alt, Rodheimerstraße 40. Beerdigung: 27. Abril, 2 Uhr nachm. 234. April. Karl Otter, Eisenbahnschassser i. R., 72 Jahre alt, Dommstraße 46. „ n 27. 1 1 Uhr main a Banken, Industrie Commerz- und Privatbank Aktiengesellschaft Filiale Giessen = Bahnhofstrasse, Ecke Westanlage Pianos Disconto- Gesellschaft FE 2 Au ust Förster Bahnhofstrasse 65 b EIhgel, Pinnos, Harmoniums Dr eee 6 2 0 0 3; 9 Ohne Gewahr Ankunft aus der Richtun Ohne Gewähr Kapital und Reserve: s Kassel 1 Hpuntcurte l. Köln 1. üblen 6 e 5 1200 00% 0% M e e ee e e eee .— 2 22 7 85— N 205 ö 2 12 55. 57¹⁰ 805 7³9 250 W 745 ö Bankzaässige Geschäfte aller Art 8 8 55 0 e, e 2 0 Darmstädter u. Nationalbank A 5 85 ommanditgesellschaft au len E 98 6⁴⁴ D 9 ATweigniederlassung Giessen 0 5 105 Johannesstrasse 1 Ruf 126, 174, 177 WS Wochentags. Sa— Samstags. D D-Zug. E= Fikzug. 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