. * „— c —— T — Unterstützung. Angesichts der ische da Organ für die Interessen des werktätigen Volkes une b un der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. ae a 1 4 1 0—— Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnements preis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ kwirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 1370.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 1800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50.— Pet „ Vergntwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von N Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis heträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren Raum lokal 20.— Mk. auswärts 30.— Mk., die Retlamemillimeterzeile 100.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird ae der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 48 5 5 18. Jahrgang Rußland als Vermittler? Die Gewalttätigkeiten der französischen Besatzung im Ruhrgebiet werden im Verhältnis zu der Dauer der Aktion gesteigert. Nur noch in ganz wenigen Städten des neu⸗ besetzten Gebietes führen gegenwärtig Oberbürgermeister die Amtsgeschäfte, und selbst dort, wo das der Fall ist, wurde der größte Teil der höheren Beamtenschaft ausgewiesen oder verhaftet. Es gibt Gemeinden, deren Verwaltungsgeschäfte gegenwärtig ausschließlich von der unteren Beamtenschaft geführt werden. Aber auch vor der Ausweisung oder Ver⸗ haftung dieser Personalgattung ist man bisher nicht zurück⸗ geschreckt. Wir könnten eine ganze Reihe von kommunalen Selbstverwaltungen aufzählen, deren Personal aus den Bureauräumen getrieben worden ist wie das Vieh aus dem Stall und wo daher jede Verwaltungsmaßnahme unmöglich gemacht wurde. Zu der systematischen Entsetzung der Ge⸗ meindeverbände von deutschen Beamten kommt die systemati⸗ sche Unterbindung der Meinungsfreiheit und die willkürliche Vorenthaltung der für unsere Gehalts⸗ und Lohnempfänger bestimmten Gelder. Ein Blatt nach dem andern wird ver⸗ boten, Geldtransport auf Geldtransport wird beschlag— mahmt, und wir können in diesem Zusammenhang nicht um⸗ chin, der Reichsbank, die für diese Transport verantwortlich üst, einen schweren Vorwurf für die Leichtfertigkeit zu machen, mit der die Beförderung ungeheurer Geldsummen Fisher betrieben wurde. Am Samstag fielen den Franzosen uf der Kontrollstation Hengstey bei Hagen allein 15 Mil⸗ (iarden in die Finger, die für die Eisenbahnerschaft in dem Hon den Engländern besetzten Gebiet bestimmt waren. Wir glauben, daß es noch andere Möglichkeiten der Beförderung gibt, als die Benutzung eines Eisenbahnwagens dritter Klasse und erwarten, daß die Reichsbank in Zukunft von diesen Möglichkeiten Gebrauch macht. In Frankreich suchen die französischen Agitatoren die ulturwidrigen Maßnahmen auf deutschem Gebiet mit„Ge⸗ waltakten der Deutschen“ im besetzten und„mllitärischen Zorhereitungen“ im unbesetzten Gebiet zu rechtfertigen. So⸗ Hohl für die eine wie für die andere Behauptung sind Unter⸗ gen nicht vorhanden. Von Gewalttaten der Bevölkerung m besetzten Gebiet kann bisher trotz der Provokationen der Zesatzung nicht die Rede sein und ebenso gibt es im un⸗ esetzten Deutschland keine„militärischen Vorbereitungen“ in dem Sinne, wie sie die französische Presse schildert. Wir estreiten nicht, daß es„Verrückte“ in Deutschland gibt, die ch mit dem Gedanken eines neuen Revanchekrieges tragen und deshalb eifrig versuchen, im Einverständnis mit ge⸗ bvissen Kreisen der Reichswehr 88er und 98er Gewehre oder ergleichen für diese Zwecke zu sammeln. Auch ist nicht zu bugnen, daß diese Kreise den Versuch gemacht haben, in begelmäßigen. Lehrgängen von drei bis vier Wochen unter er Leitung von Reichswehroffizieren Bauernsöhne aus be⸗ immten Kreisen militärisch auszubilden usw. Bisher aber t es den Reichs⸗ und Staatsbehörden gelungen, diesen Un⸗ tig nicht nur schnell aufzudecken, sondern ihm auch wirkungs⸗ ll entgegenzutreten. Die deutschen Behörden finden bei ihren Maßnahmen gegen einen kleinen Teil„Verrückte“, die sch immer noch nicht damit abfinden können, daß wir den Frieg verloren haben und ein wehrloses Volk sind und deren Gedächtnis nur von heute auf morgen reicht, allgemeine fortgesetzten wahnsinnigen Maßnahmen der französischen und belgischen Besatzung tümmt es uns aber nicht Wunder, wenn sich der Kreis der Verrückten“ langsam vergrößert! che, daß sich auch in Frankreich die Stimmen mehren, die den Wahnsinn der französischen Aktion einsehen. Maß⸗ gebende Politiker, darunter der frühere Minister Loucheur, beginnen jetzt offen ihre Meinung über die„verfehlten Maß⸗ bahmen“ zu äußern und sehen ein, daß schließlich nur der Weg der Verhandlungen übrig bleibt, der aus dem gegen⸗ lärtigen Elend herausführen konn. Aber nicht nur in grankreich sondern auch im übrigen Ausland mehren sich apnliche Stimmen. Die Frage bleibt nur: Wer soll ver⸗ ütteln und unter welchen Voraussetzungen kann verhandelt erden? Die letzte Debatte im englischen Unterhaus über de Ruhraktion hat gezeigt, daß von England in dieser Hin⸗ iht vorläufig nicht viel zu erwarten ist, und es kann nach iter Kundgebung mehrerer maßgebender englischer Konser⸗ Aktiver in diesen Tagen kaum erwartet werden, daß Eng⸗ vnd vermittelnd 0 einschreiten wird, solange Amerika aus ener Reserve nicht herausgetreten ist. Amerika aber wird llenfalls, passiv bleiben. ne Zustimmung auch Frankreichs zu einer“ Intervention Daß eine derartige Zustimmung ö otz der Zustimmung der Lage von Poincaré, oder besser Jlllerand, bald zu erwarten ist, bleibt kaum anzunehmen. e Furcht um einen Prestigeverlust ist im Augenblick bei en offiziellen Frankreich größer als die Vernunft. Auf- 4 Bei aller Zuspitzung der Gegensätze bleibt das 1 Gießen, Dienstag, den 27. Februar 1923 Die„Lichtbringer“ als Amokläufer. Schreckenstage in Bochum. Ueberfall auf die Handelskammer. Auf die Verhaftung des Magistrats und eines großen Teils der Stadtverordneten sind in der Samstagnacht neue Schreckenstaten der französischen Reitpeitschen⸗Lichtbringer erfolgt. Gegen Mitternacht erschien ein französisches Truppenaufgebot vor dem Gebäude der Handelskammer und drang in dieses ein. Die Akten wurden aus den Schränken herausgerissen und zerstreut. Alle Schränke wur⸗ den erbrochen. Auch die Schränke der Beamten wurden durchsucht und die Wertsachen mitgenommen. Die Vorhänge und Gardinen wurden von den Fenstern gerissen, die Teppiche aus allen Räume entfernt und, soweit man sie nicht mitnahm, vollständig zerschnitten. Die an den Wänden des Sitzungssaales der Handelskammer und in den einzelnen Zimmern hängenden Oelgemälde der früheren Peäsi⸗ denten der Kammer sowie anderer Männer wurden zerfetzt und zer⸗ kratzt. Aus der Privatwohnung des Syndikus Dr. Jakobs hagen, der selbst nicht anwesend war, wurden ebenso wie aus der Wohnung des Rechtsanwalts Dr. Schüler eine Anzahl von Ledersesseln geholt und mitgenommen. In dem Keller des Syndikus Dr. Jalobshagen wur⸗ den die Wein⸗ und sonstigen Vorräte vollständig geplündert. Selbst die Wohnung und der Keller des bejahrten Hausmeisters der Handelskammer wurden nicht verschont und vollständig ausgeplün⸗ dert. Die Franzosen zogen schließlich in aller Frühe mit zahlreichen Wagenladungen der aus dem Handelskammergebäude geraubten Möbel⸗ und Ausstattungsstücke, Teppichen, Sessel sowie Lebensmittel usw. ab. Das ganze Handelskammergebäude ist bis auf die kahlen Wände restlos ausgeplündert; es ist kein Stuhl und kein Teppich mehr vorhanden Die Bente wurde auf 12 Lastwagen fortgeschafft. „Französisches Kulturmuseum“. Vor dem Eingang zum Gebäude der Bachun er Handelskam⸗ mer, das dos Ziel einer großen Volksmenge sowie zahlreicher Journalisten war, die die dort von den französischen Truppen an⸗ gerichteten Zerstörungen in Augenschein nehmen wollten, ist eine Tafel mit der Aufschrift„Französisches Kultur museum“ ange⸗ bracht worden. Ausländische Pressevertreter, die die von den Franzosen ver- wüstelen Räume der Handelskammer sich ansahen, erklärten, daß ihnen Beispiele einer solchen Verwüstung trotz ihrer Anwesenheit selbst in sehr unkultivierten Gegenden noch nicht vor Augen ge⸗ kommen seten. Atech das Landratsamt geplündert. Am Sonntag haben die Franzosen ihr Apachentreiben in Bochum fortgestzt. Diesmal war das Landratsamt das Ziel ihrer Räubereien. Der Bochumer Landrat ist ein Partei⸗ genosse, ein Mann, der bisher äußerste Zurückhaltung den Frauzosen gegenüber geübt hat. Ihn und den Hausmeister haben sie mit Revolvern bedroht. Seine Dienstwohnung wurde zum größten Teil zerschlagen. Ferner versuchten die Franzosen den Geldschrank zu erbrechen. Der alte Kastellan des Landratsamtes mußte der Gewalt weichen und die Forderung nach Schnaps ausführen. Gleich der Handels— kammer bilden auch die Räume des Landratsamtes ein Bild sinnloser Verwüstung. f Der„überrasche“ Bevollmächtigte. Als der Vertreter des Landrates bei den Vertreter des fran— zösischen Bevollmächtigten Beschwerde über die Zerstörung des Landratsamtes führte, war der Franzose sichtlich überrascht. daß das Zerstörungskommando auch in das Landratsamt eingedrungen war. Er teilte mit, daß der offizielle Befehl gegeben worden sei, die Handelskammer zu zerstören und zu demolieren. Er war verwundert, daß auch das Landratsamt demoliert worden sei. Die geraubten Akten sind nach der Oberrealschule geschafft worden. Geuevalstreik in Bochum. Als Protest gegen die Vorgänge in der Stadtverord— netenversammlung von Bochum haben die Gewerkschaften Samstag mittag 12 bis nachmittags 5 Uhr einen General— streik durchgeführt. Jeder Verkehr ruht, alle Geschäfte sind geschlossen. Der verschärfte Belagerungszustand dauert fort. In der Nacht zum Samstag wurden 500 Personen festge— nommen, die von den Franzosen auf der Straße nach 10 Uhr angetroffen worden waren. 0 Der Oberbürgermeister und die verhafteten Stadtväter sind inzwischen wieder freigelassen worden. Fahrradräuber. Das Militär fährt in Bochum mit seinen Requisitionen fort. Am Sonntag vormittag durchzogen große Truppenaufgebote die Stadt und beschlagnahmten in den Geschäften verschiedene Gegen— stände. Hauptsächlich hatte man es auf Fahrräder abgesehen. n Verhaftung von Schülern. In Dortmund sind 15 Oberrealschüler von den Franzosen verhaftet worden, di e ihrerseits die Verhaftung von 9 75 zösischen Spitzeln veranlaßt hatten. Die Schüler wurden schwer mißhandelt. Sie sind inzwischen entlassen und bis zur Heilung ihrer Wunden in einer Villa untergebracht worden. Erneute Verhaftung eines Stadtverordneten. In Essen ist der Stadtverordnete der Stadt Essen, Bolddorfj, zusammen mit seiner Frau ohne Angabe von Gründen verhaftet worden. Ausplünderung eines Arbeiters. In der Sonntag nacht wurde in Herne ein Arbeiter, der 250 Mark bei sich führte, von drei franzößischen Soldaten überfallen und vollständig ausgeraubt. Millionen- und Milliardendiebstähle. In Moselweis bei Koblenz wurden in einem Restaurant Eisenbahnkassenbeamte, die an die von französischem Militär von den Bahnanlagen vertriebenen Eisenbahner Löhne und Gehälter auszahlten, von vier bewaffneten französischen Polizisten in Zivil überfallen. Den Franzosen sind 65 Milligaen Mark in die Hände gefallen. N Wie das Woffbureau erfahren haben will, beschlagnahmten die Franzssen heute vormittag in dem Schnehzug Berlin— Jöla Nr. 38 einen großen Geldtransport der Reichskank in Höhe von dreizehn Millarden Papiermark und den dazu gehörigen Druck⸗ platten auf dem Bahnhöfe Heugstei. Die Eisenbahnerfamilien ans ihren Wohnungen verjagt. Mit der Ausführung ihrer ungeheuerlichen Drohung, die Eisenbahner an den militarisierten Strecken, die sich nicht bereit erklären, unter französischem Befehl die Arbeit wieder aufzunehmen, jetzt mikten im Winter mit Frauen und Kindern aus ihren Wohnungen zu vertreiben, haben die Franzosen tatsächlich in großem Umfange begonnen: aus einer ganzen Reihe von Orten laufen Meldungen ein, wo⸗ nach dort die Eisenbahner gezwungen werden, in ganz kurzer Frist ihre Wohnung zu räumen. Damit nicht genug, halten die Franzosen in einer ganzen Anzahl von Fällen auch die Betten, ja sogar ganze Schlafzimmereinrichtungen der ver⸗ triebenen Eisenbahner zurück. Die für die Räumung der Wohnungen zumeist gestellte Frist von wenigen Stunden ist verschiedentlich nicht einmal innegehalten worden; mehrfach mußten die Wohnungen schon in einer halben Stunde ge⸗ räumt werden! Numenschlichkeiten. Die Gefangenen, die von Bredeney nach dem Zuchthaus Wer⸗ den überführt worden sind, wurden von den Franzosen in einen Naum eingesperrt, der ohne jedes Einrichtungsstück war. In⸗ zwischen ist es den deutschen Stellen auf Vorstellungen bei den Besatzungsbehörden gelungen, wenigstens einige notwendige Gegen⸗ stände in diesen Raum zu schaffen. Der mißhandelte Gewerkschaftsbeamte. Aus Düsseldorf erfährt der Gewerkschaftsbund der Ange⸗ stellten, daß der Gewerkschaftssekretär des Bundes der Angestell⸗ ten, Arthur Georg, am Sonntag von den Franzosen verhaftet und bei seiner Verhaftung bis zur Besinnungslosigkeit mißhanbelt wurde. Er befindet sich noch in Haft. Ein weiterer Mitarbeiter des Gewerkschaftsbundes wurde verhaftet und nach einer bei ihm vorgenommenen Haussuchung wieder freigelassen. „Der organisierte Raub. Die am Samstag vorgenommene Besetzung der Bahn⸗ höfe Wanne und Recklinghausen diente, wie sich im Laufe des Sonntag herausstellte, einem systematisch vorbereiteten neuen Raubzug. Im Laufe des Sonntag sind die Bahnhöfe wieder freigegeben worden. Gestohlen wurden 14 Loko⸗ motiven, 40 Personenwagen, 46 Packwagen und 160 mit Kohlen und Eisen beladene Güterwagen. Selbst vor der Hohlensperre für die Züge nach Holland scheut die Besatzung nicht zurück. Auf der Station Dorsten ist jeder Durchgangsverkehr für diesen Zweck verboten worden. In Backel wurde ange⸗ ordnet, daß der Verkehr von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr gesperrt bleibt. Auf der Jagd nach Ministern. Seit einigen Tagen führen die Franzosen und Belgier an den Zollgrenzen östlich des Rheins eine außerordentlich scharfe Kor⸗ FFPPPFFFCCTTT——T—T——— 8 5 5 fällig wirken in dieser verworrenen Situation die eifrigen Hinweise der französischen Presse auf die Annäherung zwischen Rußland und Frankreich, die sicherlich ernst zu nehmen sind. Es ist nicht als unwahrscheinlich zu betrachten, daß jene Besprechungen, die zu dieser Annährung führten, auch die Ruhraktion Frankreichs einschlossen und daß das offizielle Rußland bei dieser Gelegenheit vor der Aktion ge⸗ warnt hat. Die Möglichkeit, daß selbst von dem durch die Entente deutsche Arbeiterschaft verlangt. neee— nicht anerkannten bolschewistischen Rußland ein vermittelnder Schritt Tatsache werden kann, scheint gegenwärtig nicht aus⸗ geschlossen. Deutschland wird jede Vermittlungsaktion an- erkennen, von welcher Seite sie auch kommt und wird sein Möglichstes tun, um jeder Vermittlung zum Ziele zu ver⸗ helfen. Ist es so weit, dann wird auch die gegenwärtige Reichsregierung erklären, daß sie bereit ist, zu verhandeln ohne restlose Räumung des neubesetzten Gebiets, aber auf der Basis der Gleichberechtigung, wie es vor allem auch die zeitung fran⸗ 5 8 bwile des Bahn- imd 8 idstraßenverkehrs, besonders für Mur mobile, durch. Sie scheinen vor allem nach durchreisenden dent⸗ hen Ministern zu fahnden, denn nach einer Besprechung ver⸗ schiedener Verwaltunmgsbehörden der Rheinprovinz, die in Barmen stattfand, konnten die Beamten die Kontrollstellen erst passieren, nachdem sie sich als Nichtminzster ausgewiesen hatten. Ein Re⸗ gierungsrat, der sich nicht genügend als Nichtminister ausweisen konnte, wurde festgehalten.. Was man den Eisenbahnern anbietet. 5 Während die französischen Militärs mit allen Droh- und Zwangsmitteln die Auszahlung von Geldern an die Eisen⸗ bahner zu verhindern suchen, versuchen sie nunmehr ihrer⸗ seits, deutsche Arbeiter und Angestellte für die von ihnen militarisierten Strecken zu gewinnen, die sie mit dem aus Frankreich und Belgien nachgezogenen Eisenbahnpersonal nicht in richtigen Gang bringen können. Die von den Fran⸗ zosen gestellten Arbeitsbedingungen lauten:„zehnstündige Arbeitszeit bei ortsüblichem Tagelohn“; dabei müssen die Arbeiter einen Revers unterzeichnen, daß sie bei Unfällen Ersatz⸗ oder Schadenansprüche irgendwelcher Art nicht stellen. Vor allem scheint den Franzosen daran gelegen zu sein, deutsche Lokomotiven wegzunehmen, denn französische Posten haben eine durch Niederlahnstein fahrende Lokomotive, die auf ihre Haltesignale nicht anhielt, beschossen und den Heizer durch einen Knieschuß schwer, den Lokomotivführer durch einen Handschuß leicht verletzt. Trotz der Verwundungen haben die pflichttreuen Beamten den Zug an seinen Be⸗ stimmungsort Chreubreitstein gefahren. Weitere Ausdehnung der Besetzung. Jeder Tag bringt neue Gewaltmaßnahmen der Fran⸗ Zosen. Selbst der Sonntag bleibt hiervon nicht ausgeschlossen. Zunächst hat man gestern drei weitere Ortschaften und zwar Königswinter, Montabaur und Limburg a. L. willkürlich besetzt. Sowohl wirtschaftlich wie verkehrstechnisch ist die Besetzung dieser Städte den Franzosen kaum von großer Bedeutung. Schon daraus ist zu ersehen, daß dieser neueste Akt weniger einer militärischen Maßnahme, desto mehr aber einer willkürlichen Aktion gleichkommt. Französische Verkehrs direktion. Das Mal Kriegsministe rium veröffentlicht nunmehr die amtliche Mitteilung, daß es Befugnis erhalten habe, dem Komman⸗ danten der Besa⸗ uppen für den rr Neuorganisation der Post⸗ und Telegraphenverwaltung notwendigen Zeitraum Beamte, Hilfs⸗ beamte und Arbeiter zur Verfiigung zu stellen und diese Angestellte aus den Reihen der Freiwilligen zu nehmen, die sich zu dem ge⸗ namten Dient verpflichten oder sie nach dem Vorschlag des Unter⸗ staatssekretärs für Post⸗ und Telegraphenverwaltung einzuberufen⸗ Die im besetzten Gebiete angestellten Post⸗ und Telegraphenbeamten werden als Angestellte außer der Reihe bezeichnet und so behandelt wie die zum Militärdienst einberufenen Soldaten. Ihre Enklohnung beläuft si älter zwischen 37 Franken für die leitenden sich auf Tagesgehäl Direktoren 16 Franken fiir die Arbeiter. Die Knebelung des Vereinsrechts. Der Oberkommandierende der französtschen Truppen, General „hat eine Verordnung erlassen, durch die das Vereinswesen von Grund auf unter Aufsicht der französischen Mil itärbehö rden ge⸗ stellt wird. Jeder Verein muß nach diefer Verordnung seine Statuten einreichen und die Namen, sowie die Adresse der Vorsitzenden und Geschäftsführer angeben. Bei Gründung neuer Vereine sollen die Statuten der Besatzungsbehörde zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Gründung von Vereinen, die sich mit militärischen Dingen be⸗ schäftigen, wird untersagt. Auch die bestehenden Vereinigungen sollen kein Recht genießen. Ferner ist die Unterwelfung des Gebrauchs von Schußzwafsen streng untersagt. England winkt ab. Der gut unterrichtete diplomgtische Berichterstatter des Daily Telegraph schreibt, die britische Regierung habe keine offizielle Kenntnis von dem in einflußreschen Organen der französischen Presse vorgeschlagenen Plane, einen ständigen interalltierten Or⸗ ganismus zur Kontrolle der Rhein- und Ruhrsrage zu schaffen, Der Deserteur. 10 Roman von Robert Buchanan. „Das habe ich schon oft gehört; noch öfter habe ich de⸗ mütig mein Knie vor dem Herrn gebeugt, aber heute bringe ich es nicht über mich... Sie, Vater Rolland, sind ein guter Mensch und haben ein Herz für die Armen. Sagen Sie mir, ob es in Ordnung ist, daß diese vielen Kriege stattfinden? Ist es billig, eine halbe Million Menschen ums Leben zu bringen, wie es in Rußland geschah? Halten Sie es für recht, daß der Kaiser jetzt abermals viermalhunderttausend Menschen einberufen läßt? Und dann: sind die Menschen nicht Brüder? Dürfen Brüder einander morden und mar— tern, sich blutvergießend gegenübertreten? Wenn all dies in Ordnung ist, wenn Brüder dies dürfen, dann ist Christus im Unrecht und für Gott kein Raum mehr auf dieser Welt!“ „Lästere nicht, Rohan!“ rief der Pfarrer entsetzt.„Du verstehst nichts von diesen Dingen. In der Hauptsache bist Du ja im Recht, aber es hat immer Kriege gegeben. Die Menschen sind leider streitsüchtig und dasselbe gilt von den Völkern. Wenn Dich jemang schlüge, mein Sohn, würdest Du nicht zurückschlagen? Damit würdest Du nur Dein Recht verteidigen, und auch eine Nation hat Rechte.“ „So hat Christus nicht gesprochen. Er sagte vielmehr, man müsse wenn man auf die eine Wange geschlagen wird, die andere hinhalten— nicht wahr?“ Der Pfarrer war verwirrt und hustete verlegen; dann erwiderte er:„Das ist der Buchstabe, mein Sohn, wir müssen aber auf den Geist sehen. Wir sind jetzt unter vier Augen und ich will Dir offen bekennen, daß auch ich den Kaiser nicht liebe; er hat sich schlecht gegen den Heiligen Vater benommen und ist ein eitler Tyrann; aber er ist nur einmal Frankreichs Kaiser und wir müssen ihm gehorchen die Kirche sowohl wie die einzelnen Bürger. Auch heißt es:„Gebt Cäsar, was Cäsars ist, und Gott, was Gottes ist“. Deine Seele gehört Gott, Dein vergänglicher Leib dem Kaiser.“ Rohan antwortete nicht sogleich, sondern durchmaß, in sicht seien. Die Aeußerungen des der Regierung Bonar Laws nahe⸗ stehenden Blattes bedeuten eine scharfe Absage der amtlichen Kreise Englands an die von einflußreichen französischen Politikern geäußerten Pläne. In unzweideutiger Weise wird dadurch kundgetan, daß die englische Regierung weder für eine offene noch für eine versteckte Annexion der Rhein- lande zu haben ist. Ebenso entschieden wendet sie sich aber auch gegen jeden Versuch, den Versailler Vertrag durch einen neuen zu ersetzen, der die Hegemonie Frankreichs auf dem Kontinent sichern würde. Bemerkenswert ist hierbei die offiziös inspirierte Mitteilung, daß die italienische Regierung gegen die Ruhrbesetzung und die sranzösischen Annerions⸗ pläne sei und daß die Ereignisse der Ruhraktion Mussolini in seinem Widerstand gegen die Besetzung bestärkt haben. Auch der Hinweis auf die Haltung Belgiens ist beachtens⸗ wert, da er die in weiten politischen Kreisen herrschende Auf⸗ sassung bestätigt, daß die belgische Regierung nur aus inner⸗ politischen Gründen die französische Ruhraktion mitmacht. Was von Deutschland verlangt wird. Der Brüsseler Korrespondent des Oeuvre hatte eine Unterredung mit einer hohen biplomalischen Persönlichkeit. Der Berichterstatter fragte, ob der Zeitpunkt gekommen sei, in großen Umeissen franzö⸗ sisch⸗belgische Vorschläge wegen Beilegung des Ruhr⸗ konflitts zu machen. Es wurde ihm erwidert, daß die belgische Re⸗ gierung entschlossen sei, in jeder Hinsicht nichts zu sagen, bevor Deutschland Vorschläge gemacht habe. Belgien wolle auch keine Vermittlung zulassen. Ein detaillierter Plan zur Lösung des Rührkonflitts bestehe nicht. Aber die Hauptpunkte seien bekannt. Man werde von Deutschland fordern, daß es seine Finanzen in Ord⸗ nung bringe und die Kontrolle des Garantiekomites oder eines anderen interalliierten Organismus zulasse. Wenn Deutsch⸗ land diese Kontrolle angenommen haben werde, solle es ein Mora⸗ torium für die Geldzahlungen bekommen. Dann sollten all⸗ mählich die Truppen aus dem Ruhrgebiet zursckgezogen werden. Vor⸗ bedingung sei außerdem die Durchführung deutscher Natural⸗ lieferungen. Den Plan habe Poincaré bereits dargelegt, ein an⸗ derer Plan bestehe nicht. Auf die Frage des Berichterstatters, ob Vel⸗ gien die Art der Naturallieserungen bekanntgeben wollte, die voll⸗ zogen werden müßten, damit sich die Alliierten aus der einen oder anderen Gegend zurückziehen, wurde erwidert, daß man die künftigen Naturallieferungen nicht bekanntgeben könne, weil Deutschland dies als Zeichen der Schwäche auslegen würde. Man sei aber entschlossen, nicht nachzugeben. Deutschland müsse die ersten Vorschläge machen. Keine Interventson Amerikas. Die Pariser Blätter bringen eine übereinstimmende Meldung aus Washington, wongch die amerikanische Re⸗ gierung erklärt hätte, eine Vermittlung in der Angelegenheit der Ruhrbesetzung im jetzigen Augenblick nicht vornehmen zu können. r*. mach. Um ihn zu beruhigen, schlug Vater Rolland vor: „Komm, mein Sohn, wir wollen beten.“ Rohan fuhr zusammen. „Zu wem?“ fragte er mit hohler Stimme. „Zum Vater im Himmel.“ „Dem meine Seele gehört?“ „Jawohl! Gesegnet sei sein Name!“ gab der Pfarrer feierlich zurück und schritt auf den kleinen Hausaltar zu. „Aber nicht mein Körper, der Asche ist?“ fuhr Rohan fort. „Ganz recht, Dein Körper nicht, der Asche ist.“ Der Priester kniete nieder und schlug das Kreuz. Da legte Rohan seine kräftige Hand auf die Schulter des Geist⸗ lichen und sagte mit rauher Stimme:„Heute kann ich nicht beten, Vater Rolland! Ich habe genug gehört und weiß, daß Sie mir nicht helfen können.“ „Komm und bete mein Sohn, es wird Dein aufgeregtes Hirn beruhigen.“ „Ich kann nicht! Zürnen Sie mir nicht, Vater Rolland! Sie sind ein guter Mensch, aber Ihr Gott ist nicht für diese Welt, ich aber liebe diese Welt!“ „Das ist sündhaft!“ „Ich liebe mein Leben, meine Mutter, meine Braut und den Frieden. Sie nennen meinen Leib vergänglich, mir aber kommt er wertvoll vor, und da auch jeder andere Mensch sein Leben hochhält, habe ich geschworen, unter keinen Umständen und auf niemandes Befehl zu morden. Ich werde mich selbst verteidigen, das dürfte vor Gott kein Unrecht sein. Gute Nacht, Vater Rolland!“ Der Geistliche, der wirklich niemand leiden sehen konnte, empfand tiefes Mitleid mit Rohan und wollte ihn zurück⸗ halten:„Bleib', mein armer, armer Junge; ich will ver⸗ suchen, Dir zu helfen, wenn ich kann!“ „Sie können es nicht und auch Ihr Gott kann es nicht! Dieser ist längst gestorben und wird niemals wiederkehren. Nicht er, sondern Kaiser Napoleon beherrscht heute die Welt!“ Ehe der Pfarrer antworten konnte, war Rohan fortgestürzt. Der kleine Curs sank in seinen Stuhl zurück und wischte sich tiefe Gedanken versunken, erst einige Male das kleine Ge⸗ den Angstschweiß von der Stirne. (Fortsetzung folgt.) Das Ziel des Widerstandes. will u Vor ber Mitgliedern lung des Verba mitteldeutscher Zobuflrie E 00 Franlfurt tagte, hielt nach Er⸗ ästsberichts der Vorsitzende des Re sverbandes einen Vortrag über lems. Der Redner er Zeitung die beiden die rein wirtschastlich dieser eurspäischen Schicksalsfrage bringen können. Für einer Lösung in assiv ohne Schwanen fort. An eine militkrische Aktion 5 8 land kein vernünftiger Mensch.. 9 Widerstandes sei, als Gleichberechtigter mit Frankreich über eine vernünftige wirtschastliche Lösung des Reparationsprablems an ver⸗ handeln, wobei wir uns darüber klar sein müßten, daß 1 1 sicherlich schwere wirtschaftliche Lasten auf sich nehmen haben würde. Politische Uebersicht. Die Schatzanweisungsanleihe. In der am Samstag abgehaltenen Sitzung des Reich ⸗ kabinctts wurde der Entwurf über die Beschaffung von Mitteln zur Bildung eines Devisenfonds angenommen. soll cine Schatzanweisungsanleihe in Höhe von fünfzig Mil. liouen Dollar zar Ausgabe gelangen, damit das Reich einen jederzeit greifbaren Vorrat an Devisen gewinnt, dessen es Auf diese Weise sollen zur Stützung der Währung bedarf. die in der Privatwirtschaft vorhandenen Devisen, soweit sie nicht für laufende Verpflichtungen gebraucht werden, dem allgemeinen Interesse dienstbar gemacht werden. Der In⸗ haber von Devisen erhält damit die Möglichkeit, die Devisen in ein gleichwertiges Papicr umzutauschen, Devisen den Vorteil hat, daß es beleihbar ist. Die Ein. zahlung soll in ausländischen Devisen oder ausländischen Noten erinlgen. Die Einzahlung in amerikanischen Dollars ist nicht zur Bedingung gemacht. Es werden unter ent⸗ sprechender Anrechnung auch andere hochwertige Valnten geleistet werden können. l Wertbeständige Länderauleihen. 2 Gleich anderen Ländern— Oldenburg mit feiner Roggenanleihe, Baden und Sachsen mit ihrer Kohlenanleihe, Hessen mit der Holz⸗ anleihe— trägt sich nun auch Preußen mit dem Gedanken, eine auf Sachwerten beruhende wertbeständige Anleihe in nächster Zeit auf⸗ 4 zulegen. Zur Zeit schweben noch Verhandlungen darüber, ob zur Deckung der preußische Kaligrubenbesitz oder ein anderer Sachwert herangezogen werden soll. 2607 8 5 Gegen die Geheimorganisationen. f Am Samstag waren sämtliche Oberpräsidenten Preußens in Berlin zu einer Sitzung unter persönlicher Leitung des preußischen Innenministers zusammengekommen. Severing hat den Oberpräsidenten die bestimmte Weisung erteilt, im ganzen preußischen Staatsgebiet jeden Versuch einer Bildung von Formationen oder Organisationen illegaler Art mit allen gesetzlichen Mitteln zu unterdrücken. Diese Anweisung zu wiederholen, war zurzeit umso dringender notwendig, als die Orgesch und andere Rechts⸗ verbände infolge des französisch-belgischen Einbruchs im Westen Deutschlonds die Zeit für gekommen erachteten, militärische Aus bildungsspielereeien zu inszenieren, wobei einzelne Angeborige der Reichswehr allzu willig Helfers⸗ 1 N denste leisteten. * Es bleibt bei 40% Kahlenstener. Der Reichsrat beschäftigte sich am Samstag mit dem Gesetz zur Verlängerung der Kohlensteuer. Das bestehende Kohlensteuer⸗ gosetz läuft Ende März ab. Die Reichsregierung glaubt nicht darauf verzichten zu können und hat deshalb einen neuen Eutwurf aus⸗ 5 arbeiten lassen. Die Reichsratsausschüsse haben der Verlängerung 8 ohne Befristung zugestimmt und auch die Höhe der Steuer im allge⸗ meinen mit 40 Prozent des Wertes der Kohle beibehalten. Ebenss sind bei den übrigen Kohlenrevieren, in denen nur Teilbeträge den Steuer zur Erhebung kommen, keine Aenderungen vorgenommen morden, mit Ausnahme des rheinischen Braunkohlenreviers, wo iu Zukunft statt der bisherigen 111,5 Prozent nur noch 100 Prozent erhoben werden sollen. Nach läagerer Erörterung über eine Er⸗ mäßigung der Steuer zugunsten des Hausbrands haben die Aus⸗ schüsse mit Mehrheit folgende Entschließung vorgeschlagen:„Der Reichsrat wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, alsbg 1 Maßnahmen in die Wege zu leiten, die dazu dienen, den Bezug des Hausbrandes für bedürftige Volkskreise, gemeinnützige Anstalten N öffentliche Schulen zu verbilligen und zu erleichtern.“ Die Vollver⸗ sammlung stimmte dem Gesetz und der Entschließung zu. * . Freigabe der Zuckerwirtschaft! Der Ausschuß für Landwirtschaft und Ernährung des Reichs⸗ wirtschaftsrates beschloß in seiner letzten Sitzung gegen die Stimmen der Arbeitnehmer, der Reichsregierung die Freigabe der Zuckerwirt⸗ schaft zu empfehlen. In der zu diesem Zweck angenommenen Ent⸗ schließung wird gesagt, daß dle bisherigen Erfahrungen bei der 7 * wirtschaftung des Zuckers das Bestreben nach Einführung der hesen Zuckerwirtschaft für das kommende Wirctschaftsjahr rechtfertigen. Es wird empfohlen, zur Sicherung des Mundzuckerbedarfs für die letzte Hälfte des Zuckerwirtschaftssahres eine genügende Reserve bei der Zuckerindustrie zu schaffen, die nach Weifungen der Regierung ver⸗ wendet werden foll. Die Regierung soll ferner die Wiederholung von Auswlichsen der kartellierten Zuckerwirtschaft verhindern und dafin sorgen, daß die Genossenschaften nicht wieder planmäßig beim gut bezug benachteiligt oder gar ausgeschlossen werden. Für die 3. wirtschaft des laufenden Wirtschaftsjsahres wird die Regierung er⸗ sucht, die Zuckerwirtschaftsstelle bald zu berufen, die Preise für den Zucker jeweils af Grund der Wirtsckaftslage festzusetzen und für den Monat März die doppelte Zuckermenge freizugeben.— Nun wird der Zucker bald auf 1000 Mk. das Pfund stehen. 9 5 0 15 8 1 2 Zur Regierungsbildung in Sachsen. Die sächsischen Sozialdemokraten haben jetzt ihre Be. dingungen für die Regierungsbildung aufgestellt, die 5 gleichzeitig den Demokraten und Kommunisten zuges das vor den Minister 8 abe 5 tchliezlich derbe 5 tages und die FJortsetzung der bisherigen Kirchenpolitik des N Die Sozialisierung der gesamten Wirtschaft, ein⸗ Landwirlschaft, Aufrechterhaltung des Achtstunden⸗ alten Kabinetts werden gefordert. Neu ist die Forderung zur Bekämpfung des Wuchers eine Verbraucher⸗Kammer ein⸗ zurichten und die Prangerstrafe für Wucherer und Schieber einzuführen. Fürsorge für die Erwerbslosen. Nachdem sich der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages eingehend mit der Frage der Regelung der Unterstützungssätze für Se e beschäftigte, hat die Reichsregierung die täglichen tze nunmehr wie folgt erhöht mit Wirkung vom 12. Februar an: In den Ortsllassen A B O ID u. E N täglich täglich täglich täglich 0 0 5 Mk Mk. Mk. Mk 1. für männl. Personen: l a) über 21 Jahre, sofern sie nicht im Haushalt eines andern leben[1500 1400 1300 1200 b) über 21 Jahre, sofern sie im Haushalt eines anderen leben 13000 12000 1100 1000 e) Unter 21 Jahren 900 8500 800 750 2. für weibl. Per sonen: a) über 21 Jahre, sofern sie nicht 8 im Haushalt eines andern leben] 13000 12000 1100 1000 b) über 2! Jahre, sosern sie im Haushalt eines anderen leben 1100 10500 10000 950 eier 1 Jahren 800 750 700 650 3. die Familiemuschläge für: 8) den Ehegatten 700 650% 600] 550 b) die Kinder und sonstige unter⸗ 5 stützungsberechtigte Angehör ge 6000 550 500 450 Woöchentüch erhält eine Familie ohne „VVV 3200 42300 11400 10500 Familie mit 1 Kind.. 16800 15500 14400 13200 7„ 2 Kindern.. 20400 18900 17400 15900 Der Reichstagsausschuß beschäftigte sich auch eingehend mit der Frage, ob und wie sich eine automatische Anpassung der Unter⸗ stlü sätze an den indenden Geldwert erreichen läßt, 6. B. in Verbindung mit bestimmten Indexziffern oder unter An⸗ passung etwa an die Reichsarbeiterlöhne.. * Zur Verbilligung des Bauholzes. Von zuständiger Seite wird uns geschrieben: Die Hessische Forstverwaltung gewährt für Bauholz aus Staatswaldungen, das durch Ver⸗ mittlung der staatlich hessischen Baustoffbeschaffungs⸗ und Beratungsstelle, Sitz Frankfurt a. M., Obermainstraße 51, an Kreisverbände, Gemeindeverbände, Gemeinden und ge— meinnützige Bauvereinigungen geliefert wird, einen Preis⸗ nachlaß von 50 Prozent des jeweiligen Marktpreises, sofern nachgewiesen wid, daß das zugewiesene Bauholz tatsächlich nur für den mit öffentlichen Mitteln unterstützten und im Jahre 1923 begonnenen Kleinwohnungsbau verwendet wurde und— seit dem Tage dieser Veröffentlichung— Bauholz nicht aus Gemeinde, oder Privatwaldungen be⸗ zogen werden kann oder bezogen werden konnte. Die Be⸗ dingungen für diese verbilligten Holzabgaben werden in den nächsten Hessischen Bauwirtschaftlichen Nachrichten ver⸗ öffentlicht und können von der staatlichen Baustoffbe⸗ schaffungsstelle kostenlos bezogen werden.— Bei der großen Wohnungsnot ist dieses anerkennenswerte Vorgehen nur zu begrüßen. Hoffentlich findet es seitens der übrigen Wald⸗ besitzer und Baustofflieferanten baldigst Nachahmung. Die Redaktion. 8 Gießen und umgebung Gemeiuwirtschaft Oberbessen. Bei den Gemeinden in Oberhessen findet der Plan der Gemeinwirtschaft, dessen Zweck und Bedeutung wir vor einiger Zeit in unserem Blatte darlegten, fast allgemein sympathische Aufnahme. In vielen Gemeinden beschäftigen sich die Gemeindevertretungen noch mit der Frage des An- schlusses, man darf annehmen, daß sie fast durchgängig in bejahendem Sinne ausfällt. Unsere Genossen in den Ge⸗ meinderäten handeln richtig wenn sie überall dafür ein⸗ treten, denn es handelt sich hierbei um eine Sache, die der Provinz und der Allgemeinheit zum Nutzen gereicht und die geeignet ist, sehr viel zur wirtschaftlichen Gesundung beizu⸗ ragen. Die„Gemeinwirtschaft Oberhessen“ ist, um es noch⸗ mals zu wiederholen, ein rechtsfahiger Verein des bürger⸗ liiUchen Rechts, der die Aufgabe hat, in freiwilligem Zusam⸗ menarbeiten der oberhessischen Selbstverwaltungskörper „(Stadt und Landgemeinden, Kreise, Provinz) 1. Mittel zur Bekämpfung der Tuberkulose bei Kindern zur Kerpen zu stellen; 2. den Selbstverwaltungskörpern Betriebsmittel auf kurze Frist bereitzuhalten; 3. den Selbstverwaltungs⸗ körpern Darlehen für werbende Anlagen und für Wohnungs- bauten zu gewähren.— Der Beitritt der Gemeinden ist frei⸗ willig; er erfolgt durch Beschlüsse der Gemeindevertretungen. In den Satzungen ist bestimmt, daß für die Gemeinden, die shren Beitritt erst nach dem 15. März erklären, der Gesamt⸗ ausschuß höhere Beitragspflicht beschließen kann. Es ist also empfehlenswert, den Anschluß baldigst zu beschließen. Bisher haben im Kreise Gießen den Anschluß erklärt die Gemeinden Allendorf(Lahn), Ettingshausen, Hungen, Lang-Göns, Lich, — — Lindenstruth, Londorf, Nieder- und Ober⸗Bessingen, Röthges, Saasen, Utphe, Weitetshain. Die übrigen Gemeinden bürf⸗ ten bald nachfolgen. f — Deulschnationale Torheiten. Der Einbruch der Franzosen ins Ruhrgebiet und der dadurch ausgelöste entschlossene, einmüige Wider⸗ stand der Ruhrbevölkerung haben natürlich den ganzen nationalisti⸗ schen Heerbann im Reiche mobil gemacht. Man möchte gar zu gern den Funken vaterländischen Gefühls, den die Brutalitäten eines zügel⸗ losen Militarismus in allen Schichten nachgerufen haben, zur lodernden Flamme eines Rache⸗ und Befreiungskrieges ansachen. Ganz abgesehen von der Unmöglichkeit einer erfolgreichen Erhebung, die erst jüngst noch General Daimling bestätigt hat, mißachten diese „nationalen“ Herrschaften ganz und gar die Tatsache, daß ihre Agi⸗ tation den feindlichen Plänen die beste Waffe leistet: denn Frank⸗ reich sucht ja auf alle Weise eine deutsche militaristische Aktion her⸗ vorzurufen! Die nationalistischen Drahtzieher halten aber auch die Zeit für gekommen, um die Frage der Kriegsschuld zu⸗ gunsten Deutschlands zu entscheidenm und dadurch dem Versailler Frieden und allen seinen Wirkungen den Boden zu entziehen. Ver⸗ mittels ihrer ausgezeichnete Organisation haben sie die Samm⸗ lung von Unterschriften in die Wege geleitet. Sie benutzen dazu besonders ihre Frauenorganisationen. So auch hier in Gießen. So sehr wir wum auch davon überzeugt sind, daß die Behauptung von der alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege ledig⸗ lich ein hinterlistiges Kriegsmittel der Feinde war und ist, so ist doch unleugbar der gegenwärtige Augenblick zur Aufrollung der Frage der allerungeignetste. Hente haben wir es mit Frankreich allein zu tun, dessen Tanks und Bajonette es allein durch gewaltlosen, duldenden Widerstand zu überwinden gilt. Ein Ansturm un⸗ sererseits gegen die Grundlagen des Friedens⸗ vertrages würde die sämtlichen Allfierten auf den Plan rufen. Wir schätzen auch die Einsicht der Leiter der nationalistischen Propaganda nicht so niedrig ein, daß wir ihnen eine Verkennung der Gefährlichkeit ihres Unternehmens zutrauen, aber wir glauben ihnen auch nicht zu nahe zu reten, wenn wir der Ansicht sind, daß dieser neyesten Propaganda innerpolitische Ab⸗ sichten zugrunde liegen. Sie haben Wind davon bekommen, daß die französischen Gewalttaten auch in den Schichten des arbeitenden Volkes das Gefühl tiefster Erbitterung erzeugt haben, und diese Stimmung möchte man durch das Mittel einer scheinbar so harmlosen Propaganda im eigenen Parteinteresse ausnutzen. Wir warnen daher das arbettende Volk, aber auch weiter alle Einsichtigen mittel weiblicher Propagandisten herein zufallen! Der Abwehrkampf im Ruhrgebiet muß frei bleiben von der Ver⸗ mengung mit außen⸗ und innenpolitischen Interessen jeder Art! Das große Maul. Der Gießener Anzeiger ist wieder in seinem Element. Mit dem Großadmiral v. Tirpitz will er gern„den Haß gegen die Franzosen bis zur Weißglut wachsen lassen“, und Gift und Galle speit er gegen den„pazifistischen Einspänner“ Dr. Strecker, von dem es ihn(den Anzeiger) nur wun⸗ dert, daß er(Strecker)„nicht auch besonders der jetzt die Lage beherrschenden grinsenden Nützlichkeitspolitik des offiziellen England einige dampfende Fleischfetzen Altdeutsch⸗ lands zwischen die bleckenden Zähne schiebt.“ Schön gebrüllt! Auch wir hassen den französischen Imperialismus und Militarismus, wie er auf unserem wehrlosen Vaterlande herumtrampelt; aber noch mehr beinahe verabscheuen wir den deutschen Chau⸗ vinismus, mit dem das alldeutsch⸗nationalistische Blatt der Schulstraße, entrüstet und vergnüglich zugleich, seinen hohlen Schaum schlägt. Ganz zuwider gar, schon aus agesthe⸗ tischen Gründen, ist uns die blutrünstige Phrase, die eine todernste Zeit schnöde und schnodderig zu über— lärmen sucht. — Bildungsvorträge. Der astronomische Vortrag am Frei⸗ tag hatte eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft angezogen, ein Be⸗ weis dafür, daß für derartige Dinge lebhaftes Interesse vorhanden ist. Herr Prof. Koob sprach über den Mond und führte zur Unterstlitzung seiner Schilderungen sehr deutliche und klare Licht⸗ bilber von der Mondoberfläche vor, die eine Vorstellung von der Ge⸗ staltung unferes Erdtrabanten vermitteln konnten. Man sah die zadligen, zerklüfteten, steil und spitz in die Höhe ragenden Fels⸗ massen, deren Form man an ihren Schatten erkennen konnte. Staunen erregten die zahllosen Krater, die man auf dem Monde wahrnehmen kann und von denen es zweifelhaft ist, ob sie alle bulkansschen Ursprungs sinb. Fast scheint es nach der Photographie so, als ob vor Jahrmillionen als der Mond noch eine halbflüssige Masse war, von außen her riesige Bruchstücke von anderen Him⸗ melskörpern hineingestürzt wären und diese rätselhaften Eindrücke und Felsbildungen hervorgerufen hätten. Niemand kann sich aber an den wunderbar⸗grotesken Landschaftsbildern erfreuen, denn es kann auf diesen Planeten kein Lebewesen existieren, weil keine Atmosphäre vorhanden ist. Eine schaurige Einöde muß es sein, in der man keinen Laut und keinen Ton hört, kein Baum, keine Pflanze vorhanden ist. Glühende Hitze, die das Wasser im Freien zum Sieden bringen würde, herrscht im halben Monat, während in der anderen Hälfte des Monats auf der der Sonne abgewandten Seite furchtbare für kein Lebewesen erträgliche Kälte alles zur Er⸗ starrung bringen muß. Ein Teil dessen, was der Vortragende anführt, war in der Vorbesprechung in der Mittwochnummer ent⸗ halten, worauf verwiesen sei. Mit lebhaftem Interesse versolgten die Zuhörer die teilweise mit Humor gewürzten Schilderungen, denen sie verdienten Beifall zollten.— Redner stellte einen weiteren Vortrag über ein ähnliches Thema für die nächste Zeit in Aussicht. — Nächsten Donnerstag wird Prof. Dr. v. Aster über die französissche Revolution sprechen, ein Thema, das sicher zahlreiche Zuhöhrer finden wird. Anlagen⸗Konzert findet bei günstiger Witterung morgen, Mltt⸗ woch, 12 Uhr mittags am Liebigdenkmal durch die Kapelle des ersten(Hess.) Grenadier-Bataillon 15. Infanterie-Regiment statt. — Lollar. Ver. Soz. Wahlverein. 4. Voltrags⸗ abend am Dienstag, den 27. Februar, abends 8 Uhr in der alten Schule. Vor dem Vortrage miissen einige Vereinsangelegen— heiten geregelt werden, jeder Genosse erscheine deshalb und bringe seine Familie mit.— Tagesordnung: Vorschläge der Beisitzer für 2 und Verständigen auf dieses Lock⸗ das Pacheinigungsamt und Teilnahme an den Jugendwohlfahrle⸗ bilbungskursen.— Thema des Vorkrags wird noch ortsüblich be⸗ kannt gemacht. 1 5 — Nieder⸗Bessingen. Auf die Auschrift vom Pfarramt in Nr. 43 hätte ich folgendes zu erwidern: Des Pfarramt schreibt: Die Liese⸗ rung des Pfarrbesoldungsholzes stellte eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinde an die Landeskirche dar.— Ich glaube kaum, daß die Gemeinde freiwillig 356 Rm. Buchenscheitholz zur Verfügung stellen würde, ja, daß sie noch Juhrlohn bezahlt und dieses Holz an Ort und Stelle— da, wo man es verlangt— nach Lich, wo der Sitz des Pfarramtes ist, schafft. Noch in keiner Gemeinderechnung ist bis heute ein Betrag für Pfarrbesoldungsholz eingegangen! Ob der Empfänger des Pfarrbesoldungsholzes den Tarif⸗ oder Durchschnittspreis an die Landeskirche bezahlt, entzieht sich meiner Kenntnis. Feststellen möchte ich, daß die Gemeinde bis jetzt nichts für Pfarrbesoldungsholz er⸗ halten hat, aber auch, daß dieselbe noch Ausgaben hatte, um das Holz nach Lich zu bringen. Zur Frage der Organistenbesoldung habe ich mich nachträglich überzeugt, daß im Gemeinderatsbeschluß nur 1 Nm. Buchenscheit zugebilligt wurde. Dex 2. Raummeter Kiefern⸗ scheit wurde als Vergütung für die Schulheizung angesetzt. Das ändert aber den Sachverhalt kaum. Inzwischen sind die Holzpreise erneut gestiegen, die festgesetzte Menge Holz,— es sind dieses Jahr 3 Rm. Eichenknüppel, 1 Rm. Buchenknüppel, 1 Rm. Buchenscheit und 3 Rm. Mischreisig— gelten als Besoldung für das Jahr 1922, also rlickwirkend. Ein Teil des Gemeinderats hatte der Sache nicht zugestimmt, um ein festes Gehaltsverhältnis herbeizuführen, sondern um die Sache aus der Welt zu schaffen. Das beweist, schon der Ausspruch eines damaligen Gemeinderatsmitgliedes, welches äußerte: Gebt nur, damit es genug ist! Zudem ist der Beschluß sehr dehnbar— nach jeder Seite— das eine Jahr gibt es diese Menge Buchen oder Eichenholz, das andere Jahr eine andere. Und da man von einem bürgerlichen Losholz spricht, hätte man auch fest⸗ setzen müssen, wer bezahlt den Holzhauerlohn? Niemand mutet dem Herrn Organisten zu, stir Bettelpfennige zu spielen. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert, der Sonntagsarbeiter erst recht. Gerne will man den doppelten Durchschnittslohn eines Schwerarbeiters be⸗ willigen! Wohin sollte es aber führen, wenn man alle Gemeinde⸗ dienste in Naturalien bezahlen sollte, da würde der ganze Gemeinde⸗ wald nicht schicken. Weiter ist man jetzt im Gemeinderat durchweg — nicht alle— der Ansicht, daß man zuviel gegeben hat. Man findet nur nicht den Mut, den damals gefaßten Beschluß aufzuheben und eine Summe festzusfetzen, welche ausreicht, aber nicht an die Summe herankommt, welche das bewilligte Holz, wenn man es würde, ausmachte. Das Schönste an der ganzen Sache ift das, daß der Gemeinde gar klein Holz zur Verfügung steht für Besoldungen, wenn man 316 Fstm. Losholz und 160 Fstm. Holz für Minderbe⸗ mittelte zur Verfügung stellen muß.. Kreis Als feld-Lauterbach. = Ein Verbot der Milchverarbeitung hat der Landrat im Kreise Fulda erlassen. Er weist darauf hin, daß die Milchver⸗ sorgung der Stadt Fulda ernstlich gefährdet ist. Wenn auch einzelnen Gemeinden des Kreises in dankenswerter Weise in letzter Zeit die Milchablieferung gesteigert haben, so reicht dies doch bei weitem nicht aus, um die Notversorgung auch nur für die Kranken, die Säuglinge und die stillenden Mütte, sicher zu stellen. Mit Wirkung vom 22. Februar wird deshalb angeordnet, daß etwa in 70 einzeln aufgeführten Gemeinden die Landwirte die Milch, welche im eigenen Haushalte und zur Motversorgung der eigenen Gemeinde nicht gebraucht wird, an die Molkerei Fulda bezw. Neu⸗ hof zu liefern haben. Die Herstellung von Butter und Köse für den Verkauf ist den Milcherzeugern untersagt. Um die Milchversorgung der Stadt Fulda in diesem frommen Bezirk muß es schon recht schlemim bestallt sein, wenn der Landrat zu derartigen scharfen Mit⸗ teln greisen muß. Niedber⸗Ohmen. Nächsten Sonntag findet nachmittags 2 Uhr im Saale von Ziegenhain eine öffentliche Versammlung statt mit der Tagesordnung: Die Besetzung des Ruhrgebiets und die Sozial⸗ demokratie.— Die Parteigenossen wollen für guten Besuch sorgen. Kreis Wetzlar. Konferzen des Kreises Wetzlar. Sämtliche Ortsgruppen waren durch insgesamt 44 Delegierte vertreten. Ein außerordentlich reger Geist beherrschte die Konferenz. Mit der Partei geht es im Bezirk rüstig vorwärts. Gen. Bärwinkel gab einen Bericht vom Kreistage. Seinen Ausführungen konnte man men, daß es dort der Arbeit in Hülle und Fülle zu tun gibt. Die ganze Kraft gilt es zu konzentrieren, damit wir bei den nächsten Wahlen die Mehrheit erhalten. In vielen Fragen sei es unserer Kreistagsfraktiom gelungen. Bresche ins Bollwerk der rechts von uns gerichteten Gegner zu schlagen, jedoch sei gerade auf dem Gebtete der Sozialpolitik mit Schwierigkeiten zu kämpfen gewesen. Anschließend sprach Gen. Köhler(Herborn) über den Kampf an der Ruhr und unsere Einstellung. Seine gut⸗ durchdachten, scharfen Ausführungen fanden den ungeteilten Bei⸗ fall aller Amwvesenden. Die Arbeiterschaft bilde den Wall gegen jedweden Nationalismus und Militarismus. Die Aussprache war lebhaft und ausgiebig. Das Dustriktsfost soll am 1. Pfingsttag am der„Dicken Eiche“ bei Blasbach stattfinden. Die Arbeiterjugend, Gesang⸗ und Sportvereine sollen zur Mitwirkung ersucht werden. Als nächsler Konferenzort wurde Waldgirmes bestimmt. Genosse Hofmann(Rodheim) schloß die vom besten soziallstischen Geiste getragene Konferenz mit dem Hinweis, nicht zu ruhen und zu rasten bis der letzte Arbeiter des Bezirks der Partei zugeführt sei. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Gelbe Sumpfpflanze in Oberhessen. Unter dieser ueberschrift brachte die Bergarbeiter⸗Zeitung in Nr. 3 am 20. Januar 1923 einen Artikel, in dem darauf hinge⸗ wiesen wurde, daß ein gelbes Unkraut in Oberhessen wuchert, welches für die hiesige Arbeiterschaft sehr gefährlich werden kaun. Das Pflänzchen ist gelb und heißt„Deutscher Arbeiter⸗Bund“. Den meisten Arbeitern ist dieses Unkraut nicht bekannt, weil es in Oberhessen bisher unter dem edelen Gewächs einer standhaften Organisation nicht aufkommen konnte. Doch nun hat sich ein neuer Gärtner gefunden. den Samen der gelben Wucherpflanze zu streuen. nämlich der Fahrsteiger Fritz Appel auf der Grube „Jernie“ bei Gießen. Er gina am 28. Januar auf das Bureau lies Deutschen Arbeiter-Bundes und nahm an einer Aussprache teil damit er die Werbetrommel für den Deutschen Arbeiter⸗Bund rühren lernte, odey aber wissen wollte, wie man ein solches Wucherkraut behandelt damit es ins Wachsen kommt. Der Gruben⸗ verwalter Freitag gräbt natürlich den Acker und streut künstlichen Dünger dabei, damit das unbekannte Pflänzchen aufkommt; denn auch er ist ein eben so großer Freund ges Deutschen Arbeiter⸗ Warum wäscht die hausfrau mit Keurio: Wäsche ist heute unersetzbar. das Beste ist heute für sie gerade gut genug. Feurlo Haushaltseife mit 80% Fett 7 1 5 1 ist ole beste Haushaltseife der Gegenwart, schont Wäsche und Haut und ist sparsam im Sebrauch. Vereinigte Seifenfabriken Stuttgart A.-G. TEO lohns des Fuhrmanns über 21 Jahren von bisher, seit spruch mangels genügender Unterlagen noch nicht möglich. Dumdes wie er ein Feind eiwer jure pebebenden ist. Nicht selten bält der Verwalter Freitag den Arbeitern die hohen Verbandsbeiträge vor welche an die Organisation entuschtet werden müßten und sagt sogar:„Ja, hohe Beiträge bezahlt ihr 5 den N aber Kohlen 5 ihr 25 So 250 von hohen Beamten das Unwesen getrieben um Organisationen zu zerstören. Hoffen wir daß die Arbeiter sich micht irreführen lassen und stehen um so fester zur Organisation. p. 8. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gie ßen. Sitzung dem 22. Februar. Dem Deutschen Verkehrsbund und dem Arbeit⸗ geber verband für Handel und Gewerbe schlug der Schlichtungsausschuß durch Schiedsspruch Eehöhung des 3 em 21. 1. 23, Mk. 23 460.— auf Mk. 50 000.— ab 16. 2. 23 vor und Erhöhung der übrigen Transportarbeiterlöhne in demselben Ver⸗ hä nis, ferner Erhöhung des Zehrgeldes bei Ueberlandsahrten bis über 2 Uhr nachmittags von bisher Mk. 300.— auf Mk. 600.— und bei Fahrten mit Uebernachtung von Mk. 900.— auf Mk. 1600.—. Der Bund technischer Angestellten und Beamten und der Zentralverband der Angestellten waren mit der Stadt Gießen über die Bestimmungen des 1 1 0 Angestelltentartfvertrages einig geworden bis auf die Frage, welche Beschäftigungsdauer als vorübergehen) gelten soll. Der Schlichtungsausschuß schlug folgende Fassung durch Schiedsspruch vor:„Soweit nicht eine Einstellung unter Vereinbarung einer 55 oder für eine bestimmte Zeit oder für einen bestimmten weck erfolgt, gilt eine vorübergehende Beschäftigung dann nicht mehr als eine solche, wenn sie länger als dret Monate dauert.“ Der Betriebsrat der Meguin A. ⸗G. rief nach 3 29 Absatz 3 des Betriebsrätegesetzes den Schlichtungsausschuß on zur Entscheibung über die gesamte umfangreiche Tagesordnung einer Betriebs ratssitzung, an der teilzunehmen die Betriebsleitung ab⸗ elehnt hatte. Sie hatte statt dessen Erledigung der aufgeworfenen Fragen durch eine Besprechung zwischen ihr, dem Vorsitzenden und einem weiteren Mitglied des Betriebsrats vorgeschlagen. Vor dem Schlichtungsausschuß füh te die Aussprache zur Erledigung der Tagesordnung bis auf einen Antrag des Betriebs cates auf Ein⸗ führung der wöchentlichen Verrechnung und Auszahlung des Ge⸗ samtverdienstes an Stelle der bisherigen monatlichen Ab rechnung mit wöchentlichen Abschlagszahlungen. Hierüber war ein F er Schlichtungsausschuß gab daher den Streitteilen zunächst Klärung dieser Angelegenheit durch unmittelbare Verhandlung auf. Grund⸗ fätzlich erklärt der Schiedsspruch:„Der Arbeitgeber kann nicht verlangen, daß da, wo der gesamte Betriebsrat gesetzlich zuständig ist, er nur mit einem Teil des Betriebsrates zu verhandeln braucht. Jedoch empfiehlt es sich zur Vereinfachung der Verhand⸗ lung, etwaige vorbereitende Besprechungen mit dem Betriebsrats⸗ vorsitzenden oder mit einem Teil des Betriebrates zu erledigen, n Organtfaklon Detriebsrat sich im Sinne des 8 54 üer feine Geschäftsfichrung in einer Geschäftsordnung nähere Bestimmungen gibt: Verteilung 145. 8 Geschäfte, Bearbeitung ein elner Vorlagen und der⸗ gleichen. 5— In allen drei Sachen erhielten die Parteien Frist für ihre Erklärung über Annahme oder Ablehnung der Schiedssprüche. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 23. Febr. Schwerer Bauunfall. Auf dem Neubau der Veifawerke stürzte ein Maurer aus beträchtlicher Höhe ab und erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Höchst a. M., 25. Febr. Zeitungsverbote. Die in Frank⸗ furt erscheinenden sozialdemokratischen Organe Freie Presse und Volksstimme wurden von der Besatzungsbehörde mit Wirkung vom Samstag ab auf weitere sechs Tage für das besetzte Gebiet verboten. Lokale Parteinachrichten. Lundesvorstand der vertin. sozialdemokr. Partei Hesenz Parteigenossinnen und Parteigenossen in Stadt und Land! Der Bezirksvorstand hat für den Monat März die Erhebung folgender Beiträge beschlossen: 1 1. für männliche Mitglieder 100 Mark wöchentlich, 2. für weibliche Mitglieder 40 Mark wöchentlich. Von diesen Beiträgen sind 75 Prozent an die Bezirkskasse abzu⸗ führen und zwar: von den Beiträgen der männlichen Mitglieder 75 Mark, von den Beiträgen der weiblichen Mitgliꝛder 30 Mark. Im Monat März sind 5 Wochenbeiträge zu kleben. Die Zunahme der Teuerung in den Monaten Januar und Februar betrug weit über 100 Prozent. Die Stundenlöhne der zur Grundlage der Bemessungen des Parteibeitrags dienenden Judustrien schwanken zwischen 1100 und 1700 Mark in der zweiten Hälste des Februar. Der Parteibeitrag beträgt einen halben Stundenlohn monat⸗ lich, umgerechnet im Monat März auf 5 Wochen. Es müßte also ein Beitrag von 120 Mark für männliche Mitglieder mindestens erhoben werden. Glücklicherweise ist der Dollar auf die Hälfte seines Wertes zurlickgegangen und im Vertrauen darauf, daß er keine weitere wesentliche Steigerung mehr erfährt und hoffentlich noch weiter sinkt, will der Bezirksvorstand ebenfalls dazu beitragen, daß die Besserung unserer Mark auch unseren Mitgliedern zugute kommt. Deshalb hat der Landesvorstand den Beitrag auf 100 Mk. für die männlichen Mitglieder belassen.. 5 Genossinnen und Genossen! Wir wissen, daß besonders die Partei⸗ mitglieder des besetzten Gebietes in ihren Verdienstmöglichkeiten be⸗ weniger Beiträge, jeder nach seinem Einkommen. 1 00 185 da durch den Bezirksvorstand, um 915 Ane ber Beiträge an die rapide Geldentwertung hat der Partei glücklicherweise keinen Mitgliederverlust gebracht. Die Wiedervereinigung der beiden Parteien brachte uns einen wesent⸗ lichen Mitgliederzuwachs. Stolz, kräftig und unerschüttert steht die sozialdemokratische Partei Hessens trotz aller Anfeindungen vom rechts und links. Das Vertrauen des hessischen Proletariats in die sozialdemokratische Partei kann nicht erschüttert werden. Die Partei⸗ leitung ist sich ihrer hohen Verantwortung im Dienste aller Schaffen⸗ den bewußt und wird eine Gelegenheit versäumen, in der Wahr⸗ nehmung der Interessen des hessischen arbeitenden Volkes. Je stärker die Partei, desto gtößer ihr Einfluß auf allen Gebieten öffentlichen Lebens, kommunaler und staatlicher Verwaltung.. Tausende stehen noch abseits, große Massen der Hand⸗ und Kopf⸗ arbeiter lassen andere für sich wirken. Den zähen aufreibenden Kampf für die Wahrnehmung der Belange des arbeitenden Volkes über⸗ lassen sie uns. An unsere Anhänger in Stadt und Land richten wir die dringende Mahnung, im besonderen an unsere Freunde im be⸗ setzten Gebiet, mablässig für die Partei tätig zu sein. 5 1 Unseren Genossinnen und Genossen des besetzten Gebietes in ihrem schweren Kampfe betzustehen, ist die ganz besondere Aufgabe der sozialdemokratischen Partei Sie kämpfen auf schwierigen Vor⸗ posten für die Erhaltung des Deutschtums, für deutsche Kultur, für Recht und Freiheit gegen französischen Militarismus und Imperialis. mus. Mit Versammlungs verboten glaubt der französische Militaris-⸗ mus dem Deutschtum unserer sozialdemokratischen Anhängerschaft als seinem im Vordertreffen stehenden Verteidiger schaden zu können. 5 Es ist ein Teil von jener Kraft, f die das Böse will und das Gute schafft.* 0 Mit sozialistischem Gruß! Der Landesverband der Vereinigten Sozialdem. Partei Hessens. Geschäftliches. Junge Hausfrau. Sie können wesentlich 0 0 Gas sparen, wenn Sie Maggi's Suppen kochen. Diese sind in vorzüglicher Qualität und in verschiodenen Sorten überall zu n. 0 9 an Kohlen irgendw f MAG Suppen helfen Kohlen und Gas sparen. bh lüge Bedamntnacugen ohne 51 hierdurch der Zuständigkeit des gesamten Betriebsrates e Es empfiehlt sich wetter, daß der vorgegriffen wird. hindert sind Wir wissen, daß viele Genossen einen geringeren Stun⸗ denlohn haben. Opfermut und Ueberzeugungstreue haben die hessi⸗ Dollarstand ca. 22 700 Mark. gestern mittag 12 Uhr: Denn je nach Sorte geben sie in 40 bis 20 Minuten mühelos, ohne weitere Zutat, wohlschmeckende nahrhafte Suppen. Viele Sorten wie: Eiernudeln, Eiersternchen, Erbs, Ochsenschwanz, Reis, Pilz u. 8. W. tragen jedem Geschmack Rechnung. Erbs mit Spock, 6681 und die gelbrote Packung. 1 8 ä Nagel SUN Bekanntmachung. Auf Grund des 8 1 der 8 vom 15. m 1920(Reichsgesetzbl.] S. 118) wird folgendes estimmt: 5 1 1. Vom Arbeitslohn der auf die letzten 6 vollen Ar⸗ beitstage des Monats Februar 1923 entfällt, wird ein Steuerabzug nicht vorgenommen 2. Als volle Arbeitstage im Sinne der Nr. 1 gelten die Arbeitstage, an denen der Arbeitnehmer während der nach dem Tarifvertrag oder den sonstigen Ver⸗ einbarungen bestimmten Zeitdauer arbeitet. So⸗ weit hiernach nichts anderes bestimmt ist, gilt als volle 6 Arbeitstage der Zeitraum von 48 Arbeits⸗ stunden. Für die Kurzarbeiter gilt die unter III 0 0 Regelung. 3. Nach Nr. 1 und 2 findet grundsätzlich ein Steuer⸗ abzug vom Arbeitslohn, der für die am 22., 23., 24., 26., 27. und 28. Februar 1923 geleistete Arbeit g ür vie wird, nicht statt. Dies gilt insbesondere ür die Fälle, in denen die letzte Lohnwoche des Monats Februar 1923 die letzten 6 vollen Ar⸗ 15 5 des Monats Februar umfaßt. Verrichtet ein Arbeitnehmer am 25. Februar 1923(Sonntag) eine volle Tagesarbeitsleistung, so tritt der 25. Fe⸗ bruar an die Stelle des 22. 0 es sei denn, daß ein anderer Tag in der Zeit vom 22. bis zum 28. Februar arbeitsfrei ist. II. Zur Angleichung an eine von den unter! Nr. 1 und 3 bezeichneten Fällen abweichende Lohnzah⸗ 3. 2. Ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei minderjährigen Kindern wird am 15. eines jeden Kalendermonats im voraus, also am 15. März 1923, für die Zeit vom 16. März bis zum 15. April 1923 entlohnt. Sein Monatsarbeitslohn für diese Zeit beträgt 240000 Mk. Hiervon bleibt ½ vom Steuerabzug frei. Unter Berücksichtigung der am 1. März 1923 in Kraft getretenen erhöhten Ermäßigungen sind einzubehalten: 10 v. H. von / X 240 000 Mk.= 10 v. H. von 180 000 Mk. = 18000 Mk.—(800 4. 800 + 244000* 4000= 13600= 4400 Mk. n die Lohnzahlung nach Vierteljahren, sp leibt a) bei einer nachträglichen Zahlung des Arbeits⸗ lohns ½ des Arbeitslohnes, der auf das Lohn⸗ zahlungsvierteljahr entfällt, zu dem der 28. Fe⸗ bruar 1923 gehört, b) bei einer Zahlung des Arbeitslohnes im voraus. 12 des Arbeitslohnes, der auf das erste nach dem 28. Februar 1923 beginnende Lohnzahlungs⸗ vierteljahr entfällt, vom Steuerabzug frei. Beispiele. 1. Ein Arbeitnehmer wird vierteljährlich im voraus am 31. Dezember, 31. März, 30. Juni und am 30. September entlohnt. Bei der am 31. März 1923 für die Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni 1923 erfolgenden Lohnzahlung ist der Steuerabzug nur von 1½2 des Gesamtarbeitslohns zu berechnen. 2. Ein Arbeitnehmer wird vierteljährlich nach⸗ träglich am 31. März, 30. Juni, 30. September und am 31. Dezember entlohnt. Bei der am 31. März 1923 für die Zeit vom 1. Januar bis zum 31. März 1923 erfolgenden Lohnzahlung ist der Beteiligten das Stunden. Vom Steuerabzug ist der Arbeitslohn 195 der auf die sechs letzten Arbeitstage des onats Februar(= G 30 Stunden) sowie auf die ersten vier Arbeitstage des Monats März(= 20 Stunden) entfällt. An sich wären von dem auf den vierten Arbeitstag des Monats März ent⸗ fallenden Arbeitslohn nur/(= 3 Stunden) vom Steuerabzug freizulassen. Gleichwohl wird der Arbeitslohn des ganzen vierten Arbeitstags vom Steuerabzug freigelassen. 3. In einem Bettieb wird infolge Betriebs⸗ einschränkung nur von Montag bis Mittwoch, und zwar täglich 7 Stunden gearbeitet. Die üb⸗ liche wöchentliche Arbeitszeit beträgt 42 Stunden. Vom Steuerabzug ist der Arbeitslohn frei, der auf den 26., 27. und 28. Februar 07 21 Stunden) sowie auf den 5., 6., 7. und 12. März 1923( 28 Stunden) entfällt. An sich wären von dem auf den 12. März 1923 entfallenden Arbeitslohn nur%( 6 Stunden) vom Steuerabzug freizu⸗ lassen. Gleichwahl wird der gesamte auf den 12. März 1923 entfallende Arbeitslohn freigelassen. IV. Erfolgt die Lohnzahlung nach Arbeitsstunden, so bleibt der auf volle 48 Arbeitsstunden entfallende Arbeitslohn vom Steuerabzug frei. V. In Zweifelsfällen entscheidet auf Antrag eines inanzamt endgültig. Berlin, den 16. Februar 1923. 1320 Der Reichsfinanzminister. J. V.: Zapf. Bekanntmachung. weichungen von obigen Festsetzungen zugelassen werden, f wenn dies nach Lage des Einzelfalles gerechtfertigt erscheint. 2 Die in unserer Bekanntmachung vom 24. Dezember 1922 enthaltenen Sätze treten mit Wirkung vom 1 März 1923 außer Kraft. Gießen, den 22. Februar 1923. Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Frey. Bekanntmachung. Am Mittwoch, den 28. Februar 1023, nach- mittags 3 uhr, wird in der Turnhalle der Stadt⸗ mädchenschule, Schillerstraße 8, ein öffentlicher Impftermin abgehalten, in dem diejenigen Angehörigen von Impf⸗ pfichtigen, die Aufforderung erhalten haben, ihre Kinder kosteulos impfen lassen können. Zu dem Termin haben nur solche impspflichtige Kinder zu erscheinen, die im Jahre 1921 und früher geboren sind.. Rückstäudige Jupfpflichtige, deren Zurückstellung aus gesundheitlichen Gründen gewünscht wird, können in dem Termin dem Impfarzt vorgestellt werden. Die Kinder müssen rein gewaschen oder gebadet und mit frischer Leibwäsche versehen zur Inpfung ge⸗ bracht werden. In dem darauffolgenden Termin, Mittwoch, den 7. März 1923, nachmittags 3 Uhr, sind die am 28. Februar Geimpften zur gesetzlichen Nachschau wieder vorzustellen.. Gießen, den 22. Februar 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Krenzien. Betr.: Festsetzung des Wertes der Sachbezüge. Gemäß§ 160 Abs. 2 der Reichsversicherungsord⸗ nung und§ 1 vorletzter Absgtz des Verfsicherungs⸗ gesetzes für Angestellte wird hiermit der Wert der Steuerabzug nur von ¼2 des Gesamtarbeitslohns zu berechnen. „Erfolgt die Lohnzahlung nach bestimmten Zeit⸗ räumen und werden während dieser Zeiträume lungsperiode gilt folgendes: 1. Erfolgt die Lohnzahlung nach Lohnwochen, so ist der Steuerabzug von dem Arbeitslohn nicht vor⸗ zunehmen, der auf die letzte im Monat Februar Bekanntmachung. Die Gemeinde Großen⸗Linden beabsichtigt einen — 1923 beginnende Lohnwoche entfällt. Zwischenzahlungen(Abschlagszahlungen) auf den] Sachbeziige, die der Versicherte, wenn auch nur abgängigen Eber Beispiel. Arbeitslohn geleistet, so ist bei der endgültigen] gewohnheitsmäßig, statt des Gehaltes oder Lohnes auf dem e 9 b Erfolgt die Lohnzahlung am Samstag einer] Lohnabrechnung der auf die letzten sechs vollen oder neben ihm von dem Arbeitgeber oder einem ge zu ver aufen. 5 jeden Woche für die Zeit vom Samstag der vor-] Arbeitstage des Monats Februar 1923 anteilig] Dritten erhält, mit Wirkung vom 1. März 1923 wie], Angebote pro Ztr. Lebendgewicht sind verschlossen hergehenden bis zum Freitag der laufenben] entfallende Arbeitslohn vom Steuerabzug ftei zu] folgt festgesetzt: bis zum Donnerktag, den 1. März laufenden Jahres Woche, so ist der Arbeitslohn für den 24., 26.,] lassen. 1. Arbeltneh iner, denen gewährt wird: nachmittags 6 Uhr auf der Bürgermeisterei Großen⸗ 27. und 28. Februar sowie für den 1. und 2. März III. f für den für die für den für das Linden einzureichen.: 1923 vom Steuerabzug frei zu lassen. Wird ein Arbeitnehmer wegen Betriebseinschrän⸗ Tag Woche Monat Jahr Großen⸗Linden, den 26. Februar 1923. 2. Erfolgt die Lohnzahlung 17 Monaten so bleibt kung nur während einer gegenüber der üblichen Mk Mk. Met Mt Der Bürger meister: a) bei einer nachträglichen Zahlung des Arbeits- Arbeitszeit verkürzten Zeitdauer beschäftigt(Kurz⸗ 8. 0 N 9 lohns ¼ des Arbeitslohns, der auf den Lohn⸗ arbeiter), so ist der Arbeitslohn für den Jeikraum] e) volle Verpflegung 3 zahlungsmonat entfällt, zu dem der 28. Fe⸗ vom Steuerabzug frei zu lassen, der einer wöchent⸗ einschl Wohnung, ruar 1923 gehört. lichen Arbeitszeit von 48 Stunden entspricht. Dieser Heizung und Be⸗ 0 5 b b) bei einer Zahlung des Arbeitslohnes im voraus] Zeitraum wird vom 22. Februar 1923 ab gerechnet. leuchtung 00„hh 00 324900 5 des Arbeits lohnes, der auf den ersten nach] Ergibt sich am Schluß dieses Zeitraums, daß die] b) nur volle 2 dem 1 i beginnenden Lohnzahlungs⸗ Freilassung nur eines Bruchteils des Arbeitslohns Verpflegung 810 5670 24300 291600 monat entfällt. des letzlen Arbeitstages in Frage kommt, so ist der] e) Wohnung, Heizg. heute verschied unser Mi i vom Steuerabzug frei. Arbeitslohn dieses ganzen Arbeitstages vom Steuer⸗ u. Beleuchtung 90 630 2700 32400 N 5 e Beispiele. abzug frei zu lassen. 2. Arbeitnehmer, denen nur eine teilweise Herr Buchhalter 1. Ein verheirateter Arbeitnehmer mit 2 minderjährigen Kindern wird monatlich am letzten 1. In einem Betrieb wird infolge Betriebs⸗ ühstü 81 567 24 z 1 5 eines jeden Kalendermonats nachträglich] einschränkung nur von Montag bis Mittwoch, 8 5 Feine 81 567 2055 5 im Alter von 33 Jahren nach kurzer, entlohnt. Bei der am 28. Februar 1923 für die] und zwar täglich acht Stunden, gearbeitet. Die 0 Mitlagessen 321 2268 9720 116640] schwerer Krankheit. Zeit vom 1. bis zum 28. Februar 1923 erfolgenden] übliche wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden. c) Vesperbrot 81 567 2450 29160 Wir werden ihm ein ehrendes Andenken Lohnzahlung ist der Steuerabzug nur von/ des] Vom Steuerabzug ist der Arbeitslohn frei, der e) Abendessen 243 1701 7290 87480 bewahren Gesamtarbeitslohns zu berechnen. Bezieht dieser Steuerpflichtige einen Monatsarbeitslohn von 200000 Mk., so sind am 28. Februar 1923 ein⸗ zubehalten: 10 v. H. von/ 4200000 Mk.= 10 v. H. von 150000 Mk.= 15000 Mt.—(200 200 + 2, 1000 + 1000. 3400= 11 600 Mt. Beispiele. auf den 26., 27. und 28. Februar( 24 Stunden) fowie auf den 5., 6. und 7. März 1923( 24 Stunden) entfällt. 2. In einem Betrieb wird infolge Betriebs⸗ einschränkung täglich nur 5 Stunden gearbeitet. Die übliche wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 zu betrachten. Fall Verpflegung gewährt wird: 3. Für sonstige Sachvezüge gilt der Klein⸗ handelspreis. Die vorstehende Festsetzung ist als Durchschnittssag Der Welt auderer Sachbezüge wird von zu Fall festgesetzt. Ebenso töngen auch Ab⸗ Karl Groß Gießen, 24 Februar 1923. Geschäftsleitung, Betriebsvorstand und Arbeiter der Baußütte Gießen. r