ee Oberhessische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberb. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 1 Der Abonnementspreis mit den Beilagen, Das Blatt der Frau und„Land⸗ Redaktion: Gießen Bilhuboffraße 23 Ferusprecher 2008. Crpedition: Gießen N Vahubofstraße 23 4 Ferusprether Alb. 1 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 10.— Mt, auswärts 15.— Mk., die Retlamemillimeterzei 50.— Mt. Ber größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 780.— Mk einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 780.— Mk. einschl. estellgeld. Einzelnumm. 80.— Mk Nr. 22 Gießen, Samstag, den 27. Januar 1923 18. Jahrgang f 5 Carl Ulrich unseren Gruß! 5 Zu feinem 70. Geburtstage! „Des Menschen Leben währet siebzig Jahre.... und werm es Köstlich gewesen ist, dann war es Mühe und Arbeit.“ Mühe und Arbeit— das ist fürwahr der Inhalt eines Menschen⸗ Hebens, wie es unser Carl Ulrich bis an die Stufe des prophe⸗ ichen Lebensalters geführt hat, das er morgen, an seinem siebzigsten Weburtstag erreicht haben wird. J Jym gilt unser wäumster Gruß zu solchem Ehrentage, der auch eein Ehrentag der Partei ist— in Hessen und im Reiche. Ihm gilt der danlfrohe Gruß seiner jungen und alten Kampf⸗ wdmenossen von Offenbach und Dieburg. von Stadt und Land. Zwar hat seine Wiege nicht in Offenbach gestanden und auch sseinen Lebensabend friedlich in unserer bampfreichen Arbeiterstadt n verrbingen, wie er es wohl selbst manchmal gewünscht hat, ist ihm wom Wal ten des Schicksals nicht beschieden worden. Aber der größte Teil seiner Lebensarbeit und seines Lebenskampfes war unter den Offenbacher Proletariern und war für sie. Darum bleibt er der ihrige wis in den letzten Sinn des Wortes. Als junger Schlossergeselle kam der am 28. Januar 1853 als Sohn einer Proletavierfamilie in Braunschweig geborene Carl Ulrich disttplinierten Arbeiterbewegung dasteht— Carl Ulrich hat nicht den n geringsten Anteil an solchen Erfolgen. 5 11 55 Aber auch der Stadt und ihrer Bürgerschaft ist das Leben dieses 175 „Zugeloffenen“ gewidmet gewesen. Als erster Arbeitervertreter zog der rote Ulrich im Jahre 1895 in das Offenbacher Stadthaus ein, und er, für den damals im Stadtverordnetensaale nicht einmal ein Stuhl vorhanden gewesen sein soll,— er hat in einem unbeschreiblich zähen Kampfe Schritt für Schritt die Sozialdemokratie im Stadt⸗ hause bis zur unbestrittenen Alleinmehrheit vorwärts gebracht. Daß aber trotz dem harten Parteikampfe im Stadthause unsere Kommunal⸗ politik die schönsten Erfolge zeitigte und der Sozialdemobratie in Offenbach eine unter Deutschlands Städten vielleicht einzig dastehende Posttion schuf, das dürfen wir nicht zuletzt dem praktischen Blick des Kommunmalpolitikers Ulrich danken. Vor allem aber ersteht am siebzigfsten Geburtstag des ersten Staatspräsidenten unseres Volksstaates Hessen vor den geistigen Augen seiner Freunde und seiner Gegner, der Kampf, den der„rote Großherzog“ seit 1885 als Landtagsabgeordneter im Darmftädter —— — mittag hin. uf der Walze nach Offenbach. Und sofort stand er mitten drinnen lr der sogialistischen Arbeiterbewegung unserer Stadt. Hoch gingen damals auch hier die Wellen des Bruderkampfes zwischen Lassal⸗ leanern und Eisenachern. Carl Ulrich stand auf der Seite der letzteren. Bald hatte er wie im Sturme das Vertrauen der Offenbacher Ar⸗ Heiterschaft errungen und als im Jahre 1874 das Offenbacher Abend⸗ Matt, oder wie es damals genannt wurde, die Neue Offenbacher DTages⸗Zeitung von den Sozialdemokraten des Reichstagswahlkreises Ofsenbach⸗Dieburg als ihr Kampforgan ins Leben gerufen wurde, da war es gleich wie eine Selbstverständlichkeit, daß der junge Ulrich die Redaktion übernahm. Und ebenso selbstverständlich war es, daß cer, der niemals, auch in den schwersten Tagen nicht, sich einem Rufe ber Partei entzogen hat, sofort sein Schlosserbündel packte und die Seile mit der Feder vertauschte. „Seitdem ist Ulrichs Name untrennbar mit dem Offenbacher Abendblatt— in guten und in schlimmen Tagen und der letzteren war die größere Zahl— verknüpft geblieben. Darum Treue um Treue! Aufopferung, Mühe und Kampf als Lebensinhalt unseres Siebzigjährigen, Verfolgungen, Gefängnisstrafen, Beschimpfungen und Schmähungen— alles galt der Partei, dem Sozialismus, der Ar⸗ cheiterschaft. Und neben vielen Enttäuschungen gab es auch Tage sstolger Erfolge. Wenn Offenbach heute noch als Stadt der best⸗ Ständehaus so lange geführt hat, bis eben die Zeiten sich erfüllt und die Novembertage von 1918 ihn an die Spitze des Landes geführt hatten. Genosse Ulrich war, wenn wir uns recht erinnern, der erste Sozialdemokrat, der überhaupt in ein deutsches Landesparlament eingezogen ift, zu einer Zeit, als in der Partei noch der heftigste Kampf um die Frage der Mitarbeit in den Einzelparlamenten tobte und praktische Politik bei vielen umserer Geuossen noch fast als Verrat an der Partei angesehen wurde. Diese seine Tätigkeit im Landtage hat den Namen Ulrichs wie zu einem Symbol der hessischen Sozialdemokratie gemacht. Aber auch im Rate der Gesamtpartei und im Reichstage, dem er als hessischer Vertreter seit 1890 angehört, ift die Stimme Carl Ulrichs stets mit Achtung und Beachtung gehört worden. So gehört unser Parteiveteran nicht mur den Offenbachern und Hessen, er gehört der gesamten Sozialdemokratie und dem ganzen deutschen Volke an. Ein ganzer Kerl, ein froher Kämpfer, der seinem Gegner immer entschieden, aber mit Achtung entgegengetreten ist, einer von fenen im Feuer des Sozialistengesetzes geschmiedeten Sozialdemokraten, mit graugebleichten Haaren, aber jung gebliebenem Herzen— so steht der Alte heute vor uns. Noch lange möge er uns erhalten bleiben. Ihm unseren Gruß, dem Freund und Genossen, der stets gewesen ist und bis an sein Ende bleiben wird: der rote Ulrich! Neue Maßnahmen der Franzosen? Immer neue Gewalttaten gegen die Bevölkerung. Wichtige Beratungen in Düsseldorf. Die Liberté meldet aus Düsseldorf, daß der Minister für öffentliche Arbeiten, Le Trocquer, gestern morgen in Be⸗ gleitung des Generals Weygand und mehrerer höheren Be— amten seines Minsteriums in Düsseldorf angekommen ist. Er begab sich sofort in den Stahlhof, wo er eine lange und wichtige Konferenz hatte, der auch General Degoutte und Tirard beiwohnten. Die Konferenz zog sich bis in den Nach⸗ Die Beschlüsse werden streng geheim gehalten. Die Liberté glaubt jedoch zu wissen, daß unter den Be⸗ schlüssen Maßnahmen von besonderer Wichtigkeit sind, die ven deutschen Widerstand brechen sollen. Es sind die Maß⸗ nahmen, die 1 Regierungskreise schon seit einigen Tagen in uge gefaßt haben, um jeden Kohlen- transport ins unbefetzte Deutschland zu verhandern. Diese sollen nach dem Blatt bereits heute in Kraft traten. Frankreichs Vorstudien. Wie aus Paris gemeldet wird, hat Poincaré französi⸗ chen Pressevertretern gegenüber geäußert, von der chaffung eines General⸗Kommissariats für das Rheinland und das Ruhrgebiet sei nicht die Rede. General Weigand unternehme lediglich eine militärische Inspektionsreise und der Arbeitsminister Le Troqueur sei„wegen der Störungen — im Eisenbahnverkehr“ abgereist. Trotz dieser Versicherungen wird in Paris weiter behauptet, daß der General und der Minister beauftragt seien, Vorstudien für den weiteren Ausbau der Besetzung des Ruhrgebiet zu machen und be— ondere Vorschläge für die Schaffung einer einheitlichen Leitung auszuarbeiten. Die Meldung, der englische Botschafter in Paris habe el Poincaré gegen die Verhaftung des Landeßfinanz— zräsidenten in Köln protestiert, wird im Außenministerium in Paris in Abrede gestellt. Man versichert, Lord Crede gabe nur den Wunsch geäußert“ daß die englischen Truppen im Rheinland nicht zu Sanktionsmaßnahmen herangezogen werden, weil in England eine starke Stim⸗ mung für die Abberufung dieser Truppen bestehe.“ Der Temps bezeichnet als eines der Reiseziele Le Troqueurs und Weigands das Studium der Frage, wie das Währungsproblem im besetzten Gebiet einer Lösung entgegengeführt werden könnte. Eine Reihe von Bankiers begab sich von Paris nach Koblenz und hielt unter dem Vor⸗ sitz des Oberkommadierenden Tirard Besprechungen über die Finanzlage und über die im besetzten Gebiet gegebenen⸗ falls einzuführende Währung ab. Die Sperrlinie. Wie der Vorwärts zu melden weiß, soll die Abschnürung des besetzten Gebiets vom übrigen Deutschland zunächst durch starke militärische Maßnahmen auf folgenden Bahn— höfen erfolgen: Sinsen, Waltrop Lünen, östlich von Dort⸗ mund, Hörde, Lüttringhausen und Hagen Vorhalle. Diese Sperrlinie bildet einen Halbkreis gegen das Innere Deutsch⸗ lands. Es ist ein Bureau eingerichtet worden, das die Ein⸗ und Ausfuhrerlaubnis erteilen soll. Die Verkehrslage im Ruhrgebiet. Donnerstag vormittag ist der Düsseldorfer Hauptbahnhof von Truppen der Vesatzungsbehörde besetzt worden. Um 3 Uhr kamen auf dem Hauptbahnhof die Industriellen aus Mainz auf der Durch⸗ fahrt an. Es war vorgesehen, daß die Inßustriellen in Diisseldorf wegen der Eisenbahnstockungen den Zug verlassen sollten. Aber es hatte sich auch eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, sodaß ein Unsteigen der Industriellen unmöglich war. Seit 4 Uhr nachmittags liegt der Hauptbahnhof vollständig verlassen da. Das gesamte Eisen⸗ bahnpersonal ist wegen der Besetzung in den Streik getreten, sodaß jeglicher Verkehr stockt. Die Eisenbahner, auch im linksrheinischen Gebiet weigern sich, die Truppentransporizuge zu befördern. In Hohenbudberg, einem großen Verschiebebahnhof und ein Haupt⸗Eisenbahnknotenpunkt, liegen Militär⸗Transportzsge still. Aus diesem Grunde haben hier die Bel⸗ gier den Oberbahnhofsinspektor, den Bahnhofsvorsteher und zwei Lo⸗ komotioführer verhaftet wegen der Weigerung des Personals, die in Hohenbudberg liegenden Truppentrans porte weiterzubefördern. Darauf ist der Betrieb auf dem Bahnhof Hohenbudberg vollstãän⸗ dig eingestellt worden, so daß jetzt sämtliche für den Personen⸗ und Güterverkehr nach Essen in Betracht kommenden Stationen ein⸗ schließlich der großen Verschiebebahnhöfe stilliegen. Durch Pendelver⸗ kehr wird versucht, auf einzelnen Strecken den Personenverkehr durch⸗ zuführen. Der Zugverkehr mit Berlin wird umgeleitet, um die Ver⸗ bindung mit dem Rheinland nicht zu unterbrechen. Störungen im Postbetrieb. In Essen wurde am Donnerstag abend um 6 Uhr die Prüfungs⸗ stelle im Hauptpostamt durch die Franzosen beschlagnahmt. Störun⸗ gen im Telephonverkehr können durch deutsche Beamte nicht mehr be⸗ seitigt werden. Von abends 9 Uhr ab ist der Postbetrieb auf dem Amt in Witten a. d. Ruhr stillgelegt. Außer Betrieb sind zur Zeit die Postämter in Hörde, Bochum, Bottrop und Hattingen. Schüsse in Düsseldorf. Am Donnerstag fand in den Abendstunden in Düssel⸗ dorf eine große Kundgebung der staatlichen und städtischen Beamten und Arbeiter wegen der Verurteilung und Aus- weisung des Finanzamtspräsidenten statt. Eine zu mehreren Tausenden zählende Menge zog durch die Hauptverkehrs⸗ straßen der Stadt. Die Demonstranten, denen sich viele Hunderte von Spaziergängern anschlossen, trugen Schilder mit den Aufschriften:„Es lebe die deutsche Einigkeit!“„Hoch die deutsche Republik!“„Wir fordern die Rückkehr unseres Präsidenten!“„Wir sind Deutsche!“ usw. Obwohl sich die Menge sehr diszipliniert benahm, indem sie die französischen Soldaten, die unter sie gerieten, unbehelligt ließ, kam es auch bei dieser Demonstration zu Zwischenfällen. Vor dem Breitenbacher Hof, in dem eine große Anzahl französischer Offiziere einquartiert ist, kam es zu großen Ansammlungen. Eine berittene Abteilung ritt mit blanker Waffe vor das Hotel, das sofort geschlossen wurde. Es wurden mehrere Schüsse in die Menge abgefeuert. Nach bisherigen Fest⸗ stellungen wurde niemand verletzt. Die Stimmung in Düsseldorf ist außerordentlich erregt. Mainzer Volkszeitung verboten. Unser Mainzer Parteiblatt ist durch folgenden Befehl auf drei Tage verboten worden: Auf Grund der Vollmachten, die ihm durch die Ordonnanz 97, Artikel 13, übertragen worden sind, sprich⸗ — * der oberste Delegierte der Hohen inkeralltierken Rheinland⸗ kommission der Provinz Rheinhessen das Verbot der Mainzer Volkszeitung für eine Dauer von drei Tagen vom 25. Januar 1923 ab aus. Zwischenfälle in Mainz. Unmittelbar im Anschluß an die Gerichts verhandlung wurde Dr. Schlutius und Geheimrat Raiffeisen mitgeteilt daß sie aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen seien und es sofort zu verlassen hätten. Sie wurden alsdann durch zehn Kriminal⸗ beamte über die Grenze des besetzten Gebietes nach Darmstadt ab⸗ geschoben. Mitten auf der Straße zwischen Griesheim und Darmstadt wurden sie ausgesetzt. 2 1 Die Kundgebungen in den Straßen von Mainz nahmen ihren gang. Von den Franzosen wurden Artillerieabteilungen aufge⸗ ten, um die Demonstranten zu zerstreuen. Die Vorgänge veran⸗ laßten den Mainzer Korrespondenten des Echo de Paris zu folgender Tatarennachricht:„Spät in der Nacht drangen Deutsche in das Hotel Holland ein wo eine größere Anzahl französischer Offiziere wohnt. Sie zwangen die Musikkapelle, sich auf die Straße zu begeben und Deutschland. Deutschland über alles“ zu spielen. Französische Panzeran tos wurden gegenüber dem Hauptquartier aufgestellt.“ Im Anschluß an die Verdrängung der Menschenmenge vor dem Zentralhotel, wo die verurteilten Zechenvertreter abgestzegen waren. durch französische Kavallerie kam es zu einzelnen Zusam⸗ menstößen zwischen dieser und Teilnehmern an der Kundgebung. Mehrere Personen sollen verhaftet worden sein. Kavalleriepartrouil⸗ len durchzogen während der ganzen Nacht die einzelnen Stadtteile.— Der Platzkommandant der französischen Truppen in Mainz gibt durch Maueranschlag bekannt, daß infolge der Vorgänge der Polizeipräsident der französischen Militärbehörde unterstellt wor⸗ den sei, und daß die Truppen Befehl erhalten hätten, eventuell von der Waffe Gebrauch zu machen. Sturm auf ein Dortenblatt. Da in Koblenz in der Nacht zum Donnerstag mit der Aus⸗ srufung der Rheinischen Republik gerechnei wurde, hatte die Poli⸗ zei umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen, und die öffent⸗ lichen Gebäude besetzt. Um Mitternacht sammelten sich große Menschenmassen vor dem Gebäude des Dortenblattes, Der Rhein⸗ länder, und stürmten es. Auch die Druckerei wurde verwüstet. Immer neue Ausweisungen. Wie aus Koblenz gemeldet wird, sind von den französischen Besatzungsbehörden folgende Ausweisungen von Beamten aus dem tzten Gebiet wegen Verstoßes gegen die Rheinland⸗Ordonnanzen 132 bis 1235 verfügt worden: Regierungspräsident Rombach⸗ Aachen, Oberregterungsrat Geschen⸗-Aachen.(Die Familien müssen innerhalb 8 Tagen das besetzte Gebiet verlassen.) Kreisschulrat Bachmann⸗Kreuznach, Bürgermeister Meyer⸗Langenlonsheim, Schul⸗ rat Weiler⸗Neuß, Schulrat Emmer⸗Cleve, Forstrat Haste⸗Cleve, Forstrat Aschenbrunn⸗Cleve. Die Jamilien müssen innerhalb Tagen ⸗ das besetzte Gebiet verlassen haben. Neuer Millionenraub der Franzosen. Die Franzosen haben in Dortmund 300 Millionen Mark, welche on der Dortmunder Union aus der Reichsbank geholt wurden, beschlagnahmt. Die Reichsbank hat daraufhin ihre Schalter ge⸗ 845, Sämtliche Dortmunder Banken find diesem Beispiel efo Verhaftung des Leiters des Ein⸗ und Ausfuhr amts in Ems. Die Ae Vesatzungsbehörde hat den Leiter des deutschen us⸗ und Einsubramts in VBad⸗Ems verhaftet. Die deutsche Re⸗ erung wird alle Zokämter anweisen, vom morgigen Tage ab ls Gegenmaßnahme alle aus Ems datierten Aus fuhrbewilligungen ungültig anzusehen. Eigenartige Methoden. Franzosen wollen jetzt die Frauen durch Drohungen ein⸗ schüchtern. So haben sie von der Frau eines verhafteten Ober⸗ regierungsrates die Liste aller Beamten verlangt, die in dem Amt ihres Mannes beschäftigt sind. Dieses Ersuchen wurde mit den rten abgelehnt, die Namen seien ihr nicht bekannt. Wären sie auch bekannt, so würde sie sie nicht angeben. Verhaftet wurde der Zollrat Rosenbrock vom Hauptzollamt Düren, der sich ständig geweigert hatte, Kohlenzüge nach Belgien abzufertigen. Ausweisungen und Proteststreik in Trier. Verhäugung des Belagerungszustandes. In Trier wurden von den verschiedensten Verwaltungen 10 höhere Beamte ausgewiesen, ohne daß ihnen eine Frist gegeben wurde. Alle mit einer Ausnahme sind geborene Rheinländer. Aus diesem Anlaß traten mittags 12 Uhr sämtliche Arbeiter und 9 in einen Proteststreik. Die Straßen waren überfüllt und infolge des Streiks abends unbeleuchtet. In der Dunkelheit erschienen sranzösische Kavalleriepatrouillen des in Trier unter⸗ gebrachten Spaähiregiments. Wenn an einer Stelle die Volks⸗ menge der französischen Kavallerie auswich. sammelte sie sich im nächsten Moment an der übernächsten Straßenecke. Die Folge war die Verhängung des Belagerungszustandes. Von abends 9 Uhr bis morgens um 7 Uhr darf keine Zivilperson die Straße beireten. Die Verkehrsanstalten haben ben Betrieb vollständig eingestellt. Ein englisches Urteil. Der Sonderkorrespondent des Manchester Guardian in Essen hat seinem Blatte in London gedrahtet: Der erste Kampf um die Herrschaft des großen Industrisgebiets ist von den Franzosen ver⸗ loren worden. Es besteht gar kein Zweifel über die Vollständig⸗ keit des deutschen Sieges. Jeder Versuch, den die Franzosen ge⸗ macht haben, um die Betriebe zu erfassen, hat versagt. Nicht nur haben die Franzosen nichs erreicht. sondern sie haben die Repa⸗ rationslieferungen von 14 Tagen verloren. Zunehmende Schwierigkeiten in der lothringischen Eisenindustrie. Das große Stahlwerk Hagendingen, das früher einen täglichen Koksbedarf von 2000 Tonnen hatte, hat die Entgegennahme weiterer Aufträge abgelehnt, da wegen Mangel an Kokszufuhren starke Be⸗ triebsstörungen eingetreten sind. Das Werk hat bereits begonnen, einen Teil seiner Hochöfen abzudämpfen. KMnuebelung der rheinischen Presse. Die Presse in dem von Frankreich und Belgien besetzten Gebiet hat von den einzelnen Delegierten Zuschriften erhalten, in denen ge⸗ sagt wird, daß 1. alle mittelbaren oder unmittelbaren Angriffe in der Presse gegen die Rheinlandkommission verboten seien, 2. daß scharfe und gehässige deutsche Proteste und dergl., auch amtliche Noten gegen die Ruhrbesetzung nicht abgedruckt werden dürfen, 3. scharfe Kommentare[Reden von Abgeorducten, Pressestim⸗ men usw.) zu Maßnahmen der Besatzungsbehörden und der Rhein⸗ laudkommission untersagt seien. 4. mißfällige Bemerkungen zur Ruhrbesetzung zu unterbleiben hätten, 75 Zuwiderhandlungen außer den in den Verordnungen der Nheinlandkommission vorgesehenen Maßnahmen des Verbots und der Beschlagnahme wegen der besonderen Zeitumstände eine so⸗ sortige Anklage des verantwortlichen Redakteurs vor dem zustän⸗ digen Kriegsgericht nach sich zögen. Deutscher Reichstag. Berlin, 25. Januar. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 2,20 Uhr und gibt einige Kundgebungen bekannt, die anläßlich der Besetzung des Ruhrgebiets beim Reichstag eingegangen sind. Das deutsch⸗amerikanische Abkommen vom 10. August 1922, das die Anspeüche amerikanischer Vürger aus den Kriegsjahren regelt wird ohne Aussprache angenommen. Ebenfalls angenom⸗ men wird ein Gesetzentwurf über die Aenderung von Schiffspfand⸗ rechten in ausländische Währung. Es jolgt die erste Lesung des Reichs haus haltsplans für 1923. Reichsfinanzminsster Dr. Heemes weist auf die Schwierig⸗ keit der Zeit hin, den Stand der Mark und die Rheinlangpolitik der Frauzosen. beren Ziel die Loslösung der Rheinlande vom Reich ist, und fährt bann fort: Die Veraaschlagung hat bereits in den Monaten August und September 1922 statigefunden. also unter völlta anderen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen als heute. Nicht berücksichtigt sind namenlich die Erböhungen der Bezüge der Reichsbediensteten nach dem 15. November, auch nicht die Zuschüsse des Staates und der Gemeinden, die sich aus diesen Erhöhungen ergeben, die der Entwurf zur Aenderung des Landessteuergesetzes neuerlich in Aussicht nimmt. Auf der Einnahmeseite sind nicht veranschlagt die Mehrerträge aus Steuern infolge der weiteren Geldentwertung und die Mehrerträge aus den erhöhten Post⸗, Telegraphen⸗ und Ferusprechgebühren sowie der Eisenbahntarife. Endlich sind die Ausgleichsfonds der allgemeinen Reichsverwaltung, der Betriebs⸗ vecwaltungen und des Haushalts zur Ausführung des Friedens⸗ vertrages nicht so dotiert. dan sie den bei der jetzigen Preislage entstehenden Geldbedarf decken. Durch eine Umarbeitung des Vor⸗ anschlags würde aber die Regierung auch keine bessere Grundlage für die Finanzgebarung gewlunen können, weil jeder neue Vor⸗ anschlag im Augenblick selner Fertigstellung bereits wieder über⸗ holt gewesen wäre. Vielleicht gelingt es der Eiseubahn, das Gleich⸗ gewicht beim außerordentlichen Haushalt aufrechtzuerhalten, aber auch das ist nicht sicher. Der Minister weift darauf hin, daß infolge der Lieferungen von Reparationskohlen im verflossenen Jahre zur Aufrecht⸗ erhaltung des Eisenbahnbetriehs allein 700 Milliarden Mark für den Bezug engliscker Kohle ausgegeben werden mußten. Der Minister weist dann nach, daß durch die Ruhrbesetzung und durch die daburch bedingte neue Entwertung der Mark auch unsere schwebende Schuld stark wächst. Der Gewaltakt an der Ruhr stört unser Finanzwesen in einem Maße, das heute noch gar nicht abzusehen ist. Der Versuch der Besatzungsarmeen die Kohlen⸗ steuer und die deutschen Zölle an sich zu bringen, wird von uns mit allen Mitteln bekämpft. Groß sind vor allem die Leiden der Bewohner des Ruhraebietes. Die Lebensmittel werden beschlag⸗ ren— ee eee ee Der Deserteur. a Roman von Robert Buchanan. „Marcelle, ist es denn nicht sicher?!“ „Vielleicht ja; aber wer kann wissen, was die Zukunft birgt?“ „Du liebst mich doch, Marcelle?“ „Ich liebe Dich, Rohan!“ sagte sie feierlich. „Dann kann uns nichts als Gott trennen, und der ist gut und gerecht.“ Während dieses Gespräches hatten sie das grüne Plateau durchschritten und sich einem Felsen genahert, der wie ein lebender Riese die ganze Umgebung beherrschte und über— ragte. Es war ein so ungeheurer Menhir, daß man ver⸗ gebens dorüber grübelte, wie es möglich gewesen war, ihn hierher zu versetzen. Er überschaute die Seeküste gleich einem erloschenen Leuchtturm. Aus seinem furchtbaren Herzen dürfte wohl noch nie ein Lichtstrahl gedrungen sein. Auf seiner Spitze war ein eisernes Kreuz angebracht, das von dem Unrat der Seevögel wie mit Schnee überschüttet schien; dieselbe Art Schnee tropfte verhartet von allen Seiten herab und gab ihm das Aussehen eines bärligen Druiden— gottes im Urwald. Das Kreuz war modern— ein Zeichen des neuen Glaubens— aber der Menhir blieb unverändert und starrte wie ein ewiges Wesen ruhig über das Meer hinweg. Er stand seit Jahrhunderten hier— seit wie vielen, weiß kein Mensch; aber wenige bezweifeln, daß er in undenklicher, sagenhafter Zeit errichtet worden war, als es vielleicht noch gar kein Meer, sondern nur Urwald hier gab. Alles, alles hatte sich geändert, Berge sind zerbröckelt, Wälder wegge— schwemmt worden, unzähliger Generationen gekommen und gegangen, das Meer ist langsam herangekrochen, alles zer— Härend das Gesicht der Landübaft verändernd, aber der Menhir hat alles überdauert und wartet ruhig der Zeit, da das Meer sich seinen Weg bis zu ihm bahnen und auch ihn verschlingen wird, wie die Ewigkeit einen Tautropfen ver⸗ schlingt. Er hat allen Elementen— dem Wind, Regen, Schnee, sogar dem Erdbeben— getrotzt. Nur das Meer wird ihn überwinden. Als sich die Verliebten dem Menhir näherten, flog ein schwarzer Habicht, der auf dem Kreuze gesessen, hoch in die Lüfte und senkte sich dann pfeilschnell in den Abgrund hinab. „Ich habe Meister Arfoll oft sagen hören, daß dieser große Stein hier wie ein Riese aus alter Zeit aussieht, der, weil er Menschenblut vergossen, in seine jetzige Gestalt ver⸗ wandelt wurde,“ bemerkte Rohan nachdenklich.„Mich er⸗ innert er eher an Lots Weib.“ „Wer ist das? Der Name kommt in unserer Gegend nicht vor.“ Marcelle war ganz ungebildet und kannte nicht einmal die Bibel. Gleich allen Bauern jener Gegend holte sie ihre Wissenschaft von den Lippen des Priesters und den Heiligenbildern. In vielen katholischen Gegenden Frank- reichs ist die Bibel ein ganz unbekanntes Buch. Rohan wunderte sich über die Unkenntnis seiner Be— gleiterin nicht— waren doch seine eigenen Bibelkenntnisse nur oberflächlich— erzählte ihr vielmehr mit ernster Miene: „Lots Weib floh aus einer Stadt, wo es lauter böse Menschen gab, und Gott verbot ihr, sich umzukehren; aber da alle Weiber neugierig sind, brach sie Gottes Verbot, und zur Strafe verwandelte er sie in einen Stein wie diesen, nur war er aus Salz. Das ist die Geschichte von Lots Weib.“ „Sie muß ein schlechtes Weib gewesen sein, aber die Strafe war doch zu hart.“ „Ich teile Meister Arfolls Ansicht, daß dieser Stein einst gelebt haben müsse. Sieh mal Marcelle, sieht er nicht aus wie ein Ungeheuer mit weißem Bart?“ „Gott behüte!“ rief Marcelle, sich rasch bekreuzigend. (Fortietung. jolat.] „ nahmt. und die Leiden der Bevölkerung werden immer grö ichwieciger. Erfreulich ist bier die Hilssbereilschaft im Deutschen Reiche. Die Not der Zeit zwingt das ganze d Volk zur Enthaltsamkeit und zur Einschränkung aller Lux gaben. Der Ministex stellt in dieser Hinsicht einen 1 in Aussicht. Jetzt ist es mehr als je unmöglich, einen aufzustellen der tatsächlich praktischen Wert hat. Der letzte der deutschen Mark hat dies ganz und gar unmöglich gen Der schweren Not des ganzen deutschen Volkes muß Rech getragen werden, und zwar ohne Rücksicht auf finanzielle denken. Die Ernährung der deutschen Bevölkerung darf weiter verschlechtert werden. 5 2 Noch einmal muß vor aller Oeffentlichkeit mit der Lüge auf⸗ geräumt werden, daß Deutschland selbst seine Währung und seine Finanzen absichtlich in Unordnung gebracht habe, um sich der Wied gutmachungspflicht zu entziehen. Ungeheure Werte hat Deutschlan seit dem Waffenstillstand bis zum 1. Mai 1921 den Alliierten lassen müssen. Es ist ein Widersinn, Reparationsleistungen von hörtem Ausmaß von Deutschland zu verlangen und ihm gleich die unproduktive Last der Unterhaltung fremden Militärs— jetzt 4½ Milliarden Goldmark— aufzuerlegen. An den Beweg des Markkurses kann die Entwicklung des Reparationsproblems nau verfolgt werden. Jedesmal, wenn auch nur eine entfernte sicht auf Verständigung auftauchte, erholte sich die Mark zuse Jede gescheiterte Konferenz. ia neuerdings schon jede Rede n carés führte zu einem neuen Fall der deutschen Währung. 20 Der Minister erklärt, daß die deutsche Regierung auf Grund gegenseitiger Vereindarung die Leistungen erfüllen wolle schließt dann: Wir haben den schweren Kampf, in dem wir he stehen, nicht gesucht, er ist uns aufgezwungen worden. Der Wunse des deutschen Volkes ging nach Frieden und Arbeit. Unsere 0 wehr brutaler Gewalt gilt nur der Wiedererlangung der G lage für eine friedliche wirtschaftliche Tätigkeit im Dienste Wiederaufbaues Deutschlands und Europas. Wir dürfen über die Schwere des Kampfes keiner Täuschung hingeben, stärkste Konzentration unserer Kräfte tut not. Es geht um Sein od Nichtsein der Nation. Kein innerer Zwist darf seine Schatten in diesen Tagen der Erprobung unserer moralischen Kraft hinein⸗ werfen. Aber in dieser unerhört schweren Stunde darf uns nicht die Leidenschaft Führerin sein. Nichts wäre verhängnisvoller für uns, als ein Mangel an Augenmaß für die Notwendigketten und Möglichkeiten der Lage. Keine unbesonnene Ausfpeitschung unseres Volkes darf den würdigen Ernst und die ruhige Festigkeit unsexger Abwehr verdunkeln. Je besonnener unsere Abwehr ge⸗ führt wird, umso stärker wird die moralische Kraft unseres uner⸗ schütterlichen Willens sein, Bajonette und Maschinengewehre als Verhandlungsinstrumente in wirtschaftlichen Fragen ein für alle⸗ mal abzulehnen. Wir sind von dem festen Glauben an den Erfolg unseres moralischen Widerstandes erfüllt, denn er schöpft seine Kraft aus den letzten unzerstörbaren Wurzeln unseres Volkstums aus der unverbrüchlichen Treue zu Reich und Land und aus der starken, alles überwindenden Liebe zu unserem teueren Heimat⸗ boden. f Abg. Wels(Soz) stellt fest, daß die Arbeiter und Angestellten die ausschließli Träger ber Reichsfinauzen sind. Der Anteil des Lohnabzuges be der Einkommensteuer betrug, im August des vergangenen Jah bereits 57 Prozent, im September 58 Prozent, im Oktober Prozent, im November 76 Prozent und im Dezember gar Prozent. Dazu muß man berücksichtigen, daß die Unternehme den Lohnabzug nicht einmal sofort an den Staat ablief So haben Lohn⸗ und Gehaltsempfänger im Jahre 1922 mehr . als sie nach dem Gesetz hätten zahlen müssen. Trotzdem as Finanzministerium das Ersuchen der Gewerkschaften um eine Neuregelung der Abzüge zum 1. Februar 1923 abgelehnt. Die Erfassung der Sachwerte 5 und die Beteiligung des Reiches an allen wirtschaftlichen„ nehmungen ist nach unserer Ansicht nach wie vor der beste Weg, um zu einer Gesundung zu gelangen. a 2 Die weitaus wichtigste Frage für eine Arbeiterpartei ist? Wie kommen wir wieder heran aus diesem frevelhaft herausbe schworenen Kriegszustand? Hier hilft nur die Zustcherung der in unseren Kräften gelegenen Reparationsarbeit und ein Appell an die Gesamtbeteiligten an der Reparationsfrage. Keine Verhand lungsmöglichkeit darf abgelehnt werden, die Aussicht bietet, mit unseren Vertragsgegnern zu einer wahrhaften Verständign. über das Reparationsproblem zu kommen. Jede Stunde der setzung vermindert unsere Leistungsfähigkeit. Vor aller Welt fre ich, ob Amerika und England in ihrer abwartenden Haltung noch verharren wollen, wenn Frankreich durch eine Zollinie Deutsch⸗ land politisch und wirtschaftlich aufteilt. Wir Sozialdemokraten und alle besonnenen Teile des deutschen Volkes sehen neben der auswärtigen Gefahr auch die stark zersetzenden Elemente der vz nationalistischer Seite genährten faseistischen Bewegung. Ge abe in diesen Tagen müssen wir erkennen, daß der Staat erst durch 1 Demokratie eine nationale Angelegenheit des Volkes geworden sst. Nach einer zugleich im Namen des Zentrums, der Deu 1 Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei abgegebenen 8 klärung tritt Vertagung auf Freitag 2 Uhr ein. a Die Wohnpolitik der Unternehnet. Wenn es in der vorigen Woche nicht zu einem großen Metallarbeiterstreik in Berlin gekommen ist, dann danken wir das einzig der besonnenen Taktik der Ortsvei waltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Auf „höhere“ Weisung hatten die Unternehmer beschlossen, für Januar jede Anpassung an die Teuerung— denn von einer Lohnzulage kann in Wirklichkeit längst nicht mehr gesprochen werden— abzulehnen. Es bedurfte der zähen Wider⸗ standskraft der Unterhändler der Metallarbeiter und des wiederholten Eingreifens des Reichsarbeitsministers, um die Unternehmer von diesem herausfordernden Standpunkt überhaupt abzubringen. a Aehnlich wie in der Metallindustrie liegen die Verhält⸗ nisse auch in den anderen Industrien und Handelszweigen. So sträuben sich die Unternehmer im Einzelhandel, die es doch sonst sehr wohl verstehen, sich dem Dollarkurs anzupassen, mindestens wenn er sich nach aufwärts be⸗ wegt, die Löhne der Hilfsarbeiter der Teuerung entsprechend zu erhöhen, obgleich diese Löhne noch in der dritten Januar woche nur 10 000 Mark und darunter die Woche betrugen. Selbst in Industrien, wo das Außenhandelsgeschäft Riesen⸗ gewinne abwirft, wie in der Musikinstrumenten⸗ industrie, sind Arbeitseinstellungen mit knapper Not ver⸗ mieden worden. Die Vertreter der Gewerkschaften mü ihre Kräfte in endlosen, immer wieder neu beginnen Verhandlungen mit den Unternehmern und vor den Schlich⸗ tungsinstanzen erschöpfen und sind dann oft noch genötigt, das unzulängliche Resultat dieser Verhandlungen vor ih Mitgliedern zu verteidigen, um Wirtschaftskämpfe zu meiden, die allen Teilen Wunden schlagen. Die kurzsich Politik der Unternehmer hat aber schon zu einer au äußerste gespannten Situation geführt, die über kurz oder lang unweigerlich zu Entladungen großen Umfanges, zn Riesenkämpfen führen muß. 5 Unter dem Scheine der Lohnzulagen die Unternehmer im zweiten Halbjahr 1922 den Sturz 1 1 — 2—— ————— c„ w Mark benutzt, um einen unsichtbaren Lohnabbau durchzuführen. Der neue, katastrophale Marksturz bietet den Unternehmern die Möglichkeit— und sie wird weidlich ausgenützt— die Lohnabbau fortzusetzen. Eine der⸗ artige Lohnpolitkk, die die Produktion auf die Hungerlöhne und den Marksturz einstellt, führt in eine Sackgasse, wie be⸗ sonders die steigenden Arbeits losenzahlen auf⸗ eigen. 1 Eine falsche Rechnung macht die deutsche Schwer ⸗ industrie, und die deutsche Fertigindustrie macht sie nach, wenn sie das Außengeschäft auf Parialöhne der deut⸗ schen Arbeiter aufzubauen versucht. Denn auch diese Rech⸗ nung will das Außengeschäft auf Kosten des Inlandsverbrauchs forcieren, d. h. der In⸗ landsverbraucher soll vom Ausland erheblich weniger kaufen, als der deutsche Außenhandel an das Ausland verkauft. Die Folge dieser kombinierten falschen Einstellung ist das ständige Zurückgehen des deutschen Außen ⸗ handels, wobei die vorübergehenden kurzfristigen Steigerungen, die nach jedem Marksturz eintreten, diesen Rückgang nicht mehr verschleiern können. Mit dieser kurzsichtigen und selbstmörderischen Politik muß endlich einmal aufgeräumt werden. Unsere Unter- mehmer müssen begreifen lernen, daß sie auf die Dauer nur dann konkurrenzfähig gegenüber dem Auslande bleiben wer⸗ den, wenn sie ihre Produktionsmethoden auf wirkliche Friedensmethoden einstellen. Die Kriegswirtschaft, die nun seit schon vier Jahren des Scheinfriedens fortgesetzt wird, bringt unsere Industrie immer mehr ins Hintertreffen. Sie macht nicht nur den Innenmarkt immer weniger auf⸗ nahmefähig, auch den Außenmarkt verlieren wir Stück um Stück. 8 Aber wir verhehlen uns durchaus nicht, daß die Vor ⸗ aussetzung einer derartigen Umstellung der Pro- duktionsmethoden die„innere Umstellun g“ der Unternehmer ist, von der der Reichswirtschaftsminister Dr. Becker im Reichswirtschaftsrat gesprochen hat. Vielleicht hat der Reichswirtschaftsminister dabei nicht gerade an die Unternehmer gedacht, als er von der Notwendigkeit der inneren Umstellung sprach. Na, wir glauben annehmen zu dürfen, daß der Minister erst in letzter Linie an die Unter⸗ nehmer gedacht hat. Diese innere Umstellung bedeutet, daß die Unternehmer endlich einmal begreifen lernen, daß es mit der Rückkehr zum alten Obrigkeitsstaat und zu dem alten Verhältnis des unbeschränkten„Herrn im Hause“ im Betriebe für immer vorbei ist. Heute ist eine inten⸗ sive Produktion nur denkbar mit der freudigen und freiwilligen Mitarbeit der Arbeiter und der An⸗ 1 Denn auch die Angestellten haben heute begriffen, daß sie Proletarier find und daß ihre Interessen konform gehen mit denen der Arbeiter. Wenn die Unternehmer ihre iebe wieder auf die Höhe bringen wollen, wenn sie wieder mit den modernsten Betrieben in Amerika und Eng⸗ and auch ohne Markentwertung und Hungerlöhne kon- 6 zfähig werden wollen, dann müssen sie sich der Mit⸗ arbeit der Angestellten und Arbeiter versichern. Wir stehen jetzt am Anfang eines Krieges, der zwar nicht mit Kanonen und Tanks ausgefochten wird, der aber nichtsdestoweniger schwere Opser kosten wird. Die deutsche Industrie wird unter erschwerten Verhältnissen ar⸗ beiten müssen, wenn die poincaristische Politik bis zum Ende konsequent durchgeführt wird. Die Industrie und das deut⸗ sche Volk in seiner Gesamtheit wird den französischen Mili⸗ starismus auf friedlichem Wege nur dann schlagen können, wenn die Arbeiter und Angestellten widerstandsfähig bleiben. Die bisher verfolgte kurzsichtige Politik der Unternehmer, insbesondere der Unternehmer der Schwerin dustrie läuft jedoch darauf hinaus, das deut⸗ sche Friedensheer der Arbeit auf schnellstem Wege kampf unfähig zu machen. 5 Während z. B. in einem Falle die Löhne im Juli 1914 um 45 Prozent höher waren als das Existenzminimum, im Jahre 1921 und noch in der 1. Hälfte des Jahres 1922 um 4—10 Prozent über dem Existenzminimum lagen, sind die Löhne seitdem derart gesunken, daß sie im Dezember nach den Berechnungen von Kuczynski um 40 Prozent unter dem Existenzminimum lagen. Tiese Ent⸗ wicklung der Löhne kann man allgemein beobachten. Auf diesem Wege kommen wir zu einer wirtschaftlichen Kata— strophe. Aus dem Volksstaat Pessen. Immer noch die hessische Negierungsfrage. In der Zentrumspresse wird zur Zeit eine längere Er- klärung der Landtagsfraktion über den Verlauf der letzten Regierungskrise bis zur Zurückziehung des Henrichschen Rücktrittsgesuchs veröffentlicht. Im wesentlichen wendet sich die Darstellung gegen die demokratische Fraktion und den Minister Henrich, die wegen ihrer zuerst zur Schau getragenen Hartnäckigleit und dann ihres angeblich plötzlichen„Umfalls“ mit stärkster Verärgerung angegriffen werden. Das mögen Zentrum und Demokraten mit einander ausmachen. Da aber auch der Sozialdemokratie gegenüber der Vorwurf unloyalen Verhaltens gemacht wird und da dieser Vorwurf auch in einer Erklärung der Deutschen Volkspartei enthalten ist, so sei folgendes festgestellt: Die Sozialdemokratische Fraktion hat niemals ein Hehl daraus gemacht, daß für sie ein Zusammengehen mit der D. B. in einer„Großen Koalition“ nur ein letzter Ausweg sein kann, um das Land vor schwererern Erschütterungen zu bewahren. Sie hatte deshalb alle früheren Versuche, zur Großen Koalition zu kommen stets zurückgewiesen, weil nach ihrer Ueberzeugung eine Natwendigkeit bisher nie vorgelegen hatte. Auch bei Ausbruch der letzten Krise haben die Unterhändler der sozlaldemokratischen Fraktion— insbesondere in den Be⸗ sprechungen vom 18. Dezember und vom 10. Januar— im Kreise der alten Koalition durch ihre Haltung wie durch unzwei⸗ deutige Erklärungen zum Ausdruck gebracht, daß wenn die Demo⸗ kraten sich nicht versagen, auch letzt für eine andere Koalitious⸗ bildung eine Notwendigleit nicht vorliege. Erst nachdem am 10. Januar sich zunächst alle Bemühungen, die Demokraten zur Aufgabe ihrer ablehnenden Haltung zu be⸗ stimmen, als vergeblich erwiesen hatten, gab die soztaldemokratische Fraktion ihre Zustimmung zu Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei. Denn eine vollständige Regierung mußte doch schließ⸗ lich angesichts des großen Ernstes der Lage im besetzten Gebiet zuftande kommen. Die Sozialdemokratie hat aber durch das Ver⸗ halten ihrer Vertreter schon am 10. Januar, wie auch in der ersten Unterhandlung mit der D. V. am 16. Januar gezeigt, daß für unsere Fraktion die Hinzuziehung der demolr. bon zur neuen Koalition selbstoerständlich sei und es ist auch von ihr ausdrücklich erklärt worden, daß für sie die Fühlung mit den Demokraten nicht als abgebrochen gelten könne. Später hat auch unsere Fraktion die Hineinziehung der Demokraten in die neue Koalilion ausdrücklich als Forderung angemeldet. Die Anfrage des Gen. Kaul an Herrn Henrich in der Be⸗ sprechung vom 19. Januar über die Zurückziehung seines Ent⸗ lassungsschreibens ist spontan von der Fraktion etwa eine halbe Stunde vor jener Besprechung erfolgt, und zwar unter dem un⸗ mittelbaren Eindruck einer Mitteilung des Ministers v Brentano und des Staatsrat Dr. Reitz gegenüber dem Gen. Kaul über die sooben eingegangenen Meldungen von französischen Zwangsmaß⸗ nahmen im besetzten Hessen, insbesondere die Beschlagnahme der Staatswaldungen. Herr v. Brentano wax dahei in höchster Er⸗ regung und tiesster Erschütterung und diese Tatsache durfte in unserer Fraktion die Ueberzeugung auslösen, daß auch das Zen⸗ trum der Anfrage des Gen. Kaul das vom Ernste der Lage ge⸗ botene Verständnis entgegenbringen werde. Soweit die tatsächlichen Vorgange. Wir oerzichten da⸗ bei daruf, gegen Zentrum oder D. pt. wegen ihres Ver⸗ haltens in der Frage der Einbeziehung der Demokraten in die Koalition Hinterhältigkeit oder Unloyalität vorzuwerfen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß man in dieser Situation die ohnehin starke Spannung durch derartige Vorwürfe und Unterstellungen noch verschärft hat. Sachlich aber ist eine Bemerkung noch notwendig. Am 23, Januar hat die Zentrumsfraktion beschlossen, dem Staatspräsidenten folgendes Schreiben zu schicken, das am 24. Januar eingelaufen ist: „Die Fraktion der Zentrumspartei beehrt sich, dem Herrn Sagtspräsidenten ihre Erklärung vom 19. 1. 23 zu überreichen und erklärt, daß sie mit der„Lösung“ der Regierungs!risis, wie sie von der sozialdemokratischen Partei im Einverständnis mit den Demo⸗ kraten beschlossen wurde(Val. Vossische v. 18. d. Mts.)], auf keinen Fall einverstanden sein kann. Unser Minister wird mit unserem Einverständnis die Ge⸗ schäfte mit Rücksicht auf die Lage nur noch für kurze Zeit weiter⸗ führen, wenn nicht alsbald eine Lösung. die die Erweiterung der Koalition in sich schließt, gefunden wird.“ Mit der Meldung der Vossischen Ztg. vom 18. Januar, daß Minister Henrich wieder in sein Amt zurückkehren werde, hat die Sozialdemokratische Fraktion nichts zu tun. Ver⸗ handlungen zwischen Sozialdemokraten und Demokraten, die eine Grundlage für die Meldung der Voss. Ztg. vom 18. Januar hätten geben können, sind bis zum 19. Januar mittags nicht geführt worden. In der sozialdemokratischen Fraktionssitzung vom 19. Januar vormittags hat die Notiz allgemeines Staunen hervorgerufen, übrigens auch nach unseren Informationen bei den Demokraten. Wenn nun das Zentrum entschlassen sein sollte, wie man aus dem Schreiben an den Staatspräsidenten entnehmen kann in Kürze durch Zurückziehung des Ministers v. Bren⸗ tano eine neue Krise herbeizuführen, so sei demgegenüber nur erneut Folgendes festgestellt: Für die Nachmittags- sitzung der vier Fraktionen vom 19. Januar hatte Gen. Kaul den Auftrag mitzuteilen, daß nach der Erklärung Henrichs, für unsere Fraktion die Krise als behoben gelten müsse, da der Krisengrund weggefallen sei. Die weitere Mitteilung des Gen. Kaul, daß die sozialdemokratische Fraktion aber weiteren Vorschlägen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei entgegensehe, wurde durch das aufgeregte Ver- halten der Zentrumsunterhändler vereitelt. Ein Versuch mit der sozialdemokratischen Fraktion in weitere Unter— handlungen zu treten, ist auch bis heute noch nicht gemacht worden. 1 2 g 3* Das Metall der Zukunft. Die Berliner Automobilausstellung wird über ihre wirtschaft⸗ liche Bedeutung hinaus zugleich einen Markstein in der Geschichte der Metalle bilden. Zum ersten Male war auf ihr das Leichtmetall Aluminium nicht nur in stärkstem Umfange als Konstruktionys⸗ material vertreten, sondern auch in einer den praktischen wie ästhe⸗ Ausdrücken tischen Ansprüchen vollauf genügenden Form. Es zeigte sich, daß eine neue Aluminium⸗Legie rung diesem Leichtmetall bereits in] tragsfrage, Quartals. weitestem Umfange in der Automobllindustrie Eingang verschasft hatte, Wie nachträglich bekaunt geworden ist, waren gerade die ausländischen Besucher Über diesen Fortschritt besonders erstaunt. Hatten sie geglaubt, daß an Metallen arme Deutschlaud werde sich mit kläglichen Ersatzstoffen behelsen müssen, so mußten sie jetzt er⸗ kennen, daß die deutsche Technit aus der Not in der Tat eine, Tugend zu machen verstanden hatte. Das Aluminium hatte zum ersten Male den ihm anhaftenden Eindruck des Ersatzes abgestreift und trat ebenbürtig, wenn nicht sogar erfolgreich, den bisherigen Metallen gegenüber ildden Wettbewerb. Die befruchtende Wirkung für die Entwicklung des neuen Me⸗ talls in Deutschland ist vom Krieg ausgegangen. Vor dem Kriege bezog Deutschland die benötigten Aluminiumerze in der Hauptsache vom größten Aluminiumunternehmen Neuhausen a. Rh. in der Schweiz. Außerdem waren bekannte Fundstellen dieser Erze bei dem Orte Beaux in Frankreich und Kliache in Dalmatien, wonach diese Erze auch ihren Namen Bauxit, bezw. Kliachit erhalten hatten. Bauxit ist ein Tonerdehydrat, bestehend aus 60 Prozent Tonerde, 20 Prozent Eisenoxyd und 3 bis 4 Prozent Kieselsäure, während der Rest Wasser ist. Man fand diese Tonerde auch in Deutschland, wie sie denn überhaupt in mehr oder weniger guter Veschaffenheit sehr weit auf dem Kontinent verbreitet ist, und be⸗ müßte sich während des Krieges, aus den heimischen Rohstofsen selbst das Leichtmetall herzustellen. Der rastlosen Tätigkeit unsrer Metallsachleute gelang dieser Versuch, so daß während des Krieges. in aller Eile eine Anzahl von Aluminiumwerben errichtet werden konnte, die ihre Gesamtleistungsfäbigkeit bis auf 2500 Tonnen monatlich zu steigern vermochte. Bauxitvorkommen gibt es in Deutschland in reichlichem Maße. Vielleicht ist dieses Zukunftmetall von allen Erzen am reichhaltig⸗ sten in der deutschen Heimaterde vertreten, Besonders große Lager darf man in den weltdeutschen Bergen aber auch in Südwest⸗ deutschland vermuten. Das bauwürdigste Vorkommen befindet sich am Westabhang des Vogelsberges in Ober ⸗ hessen, dicht bei den Städten Lich und Grünberg. Hier sind etwa 20 Baugruben angelegt. Der Abbau erfolgt außer in kleinen Schächten im Tagebau. Die Gewinnung ist verhältnismäßig leicht, nur die Aufbereitung der meist in Knollensorm gefundenen Ton⸗ erze bereitet Schwierigkeiten und erfordert gründliche Wäscherei. Noch schwieriger ist sodann die Verarbeitung des so gewonnenen Erzes, um das metallische Aluminium zu gewinnen. Es geschieht dies mittels elektrischen Stromes. Je mehr es gelingt, diese Be⸗ reitungsversahren zu vereinfachen und rentabel zu gestalten sowie auf dem Wege neuer Legierungen größtmögliche Verwendungs⸗ fähigkeiten zu sichern, um so schneller wird dieser junge Industrie⸗ zweig in Deutschland seine Früchte tragen. Heute leidet freilich die deutsche Aluminiumindustrie noch unter dem Umstande, daß in den Zeiten der Not eine Reihe von Unternehmungen aus dem Boden mit Hilfe des Staates gestampft wurde, ohne daß bereits dabei genügend wirtschaftliche Aussicht für erfolgreichen Wettbewerb nach dem Kriege vorhanden war. So muß es nach den heutigen Erfahrungen als unwirtschaftlich gelten. wenn die Aluminiumwerke an Braunkohlenkraftstationen ange- schlossen wurden, statt den Strom von Wasserkraftwerken zu be⸗ nutzen. Von den deutschen Aluminiumwerken in Rummelsburg, Bitterseld, Horrem bei Köln, dem Erstwerk bei Grevenbroich und dem Lautawerk bei Heuerswerda lagen im November die drei erst⸗ genannten still. Die beiden andern produzieren etwa 15 000 Ton⸗ nen Aluminium. Die Gesamterzeugung sämtlicher Werke bei Voll⸗ betrieb darf man auf etwa 40 6000 Tonnen beziffern. Demgegen⸗ über betrug der Verbrauch an Aluminium in Deutschland vor dem Kriege nur 12 500 Tonnen jährlich. Ein neues Werk, das Innwerk bei Mühldorf a. J., ist in Vorbereitung und soll in einiger Zeit die Erzeugung aufnehmen. Es ist zu hoffen, daß bis dahin die organisatorischen und produktionstechnischen Mängel aus der über⸗ eilten Gründungszeit so weit behoben sind, um die in Deutschland stark ausbaufähige Industrie der leichten Metalle erfolgreich durch⸗ führen zu können. An sich besitzt das Aluminium einen heute noch nicht absehbaren Zukunftswert. Nach ihm ist das Wort geprägt, doß ein neues Zeitalter, das das„Zeitalter der Leichtmetalle“ angebrochen sei. In der Tat hat es sich ständig und täglich neue Verwendungs⸗ gebiete erobert. Der größte Teil dient zur Herstellung von Koch⸗ und Eßgeschirren, für Kessel und Gefäße jeder Art zu Zwecken der Industrie. Außer im Automobilbau findet es ferner Verwendung im Flugzeugbau, im Hoch⸗Brücken⸗ und Schiffbau sowie in der Elektrotechnik. Seitdem es gelungen ist, Aluminium in dem Maße zu reinigen, daß es sich an der Luft rostfrei hält, und ein Verfahren zum Löten von Aluminium zu finden, steht es in vielen Verwendungs möglichkeiten anderen Metallen nicht mehr nach, be⸗ sigt aber die unbestreitbaren Vorteile, daß es nicht, wie diese, aus beträchtlichen Tiefen gefördert werden muß, zu seiner Verhüttung keiner kostipieligen Hochöfen mit großem Kollenaufwand, sondenn n Stromes bedarf, und durch sein bedeutend leich⸗ nur elektr.* in 1 teres Gen auch beim Transport Ersparnisse erzielt. Diese wirtschaftlichen Vorzüge werden sich mit der Zeit durchsetzen müssen. So haber denn Natur und Menscheugeist zur rechten Zeit für eine Entlastung der überstark beanspruchten Schwermetalle. deren Erze nicht unerschöpflich sind, gesorgt, indem sie es ermög⸗ lichen, aus bisher unbenutzten und wertlosen Rohstoffen Metall⸗ produkte zu gewinnen oder wie es bei der ersten Entdeckung des Aluminiums im Volksmunde hieß:„Aus Lehm Silber zu machen!“ Versammlungskalender Rüddinghausen. Sozialdem. Wahlvere in. Sountag, 28. Januar, nachmittags 4 Uhr Monatsversammlung im Parteilokal. Alles pünktlich erscheinen, Mitgliedsbücher mitbringen. Daäubringen. Wahlverein. Samstag, den 27 Januar, abends 872 Uhr Versammlung im Lokale Joh. Emil Schäfer. Zahlreich erscheinen! Kesselbach. Wahlverein. Sonntag den 28. Januar, nachmittags 3% Uhr Monat rsammlung bel Friedr. Weber. Tagesordnung wird in der 2 umkung bekanntgegeben. Alle erscheinen Mitgliedsbücher mitbringen. Launsbach. Wahl verein. Sonntag, den 28. Jan. abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung des neugegründeten Wahlvereins der Vereinigten Sozialisten bei Wirt Neul. Heuchelheim. Arbeiter-Gesangvere in. Nächste Sing⸗ stunde findet Montag, den 2 sanuar, abends 8 Uhr, im Ver⸗ einslokal statt. Alle aktiven Sänger müssen wegen Erscheinen des neuen Dirigenten unbedingt am Platze seiu. Großen⸗Buseck. Volksverein. Samstag, abends 8 Uhr, Versammlung bei Wirt Koch. Tagesordnung: usw. 27. Janhasn, Bei⸗ den städtischen Schlachthof in Gießen vom 29. März f 8 1923 zur Erhebung. gehürdliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Betr.: Aenderung der Orkssatzung für den städtischen Schlachthof in Gießen vom 29. März 1910. Auf Beschluß der Stadtverordneten⸗Versammlung vom 21. Dezember 1922, nach Anhörung des Kreis- ausschusses und mit Genehmigung des Hessischen Ministeriums des Innern vom 18. Januar 1923 zu Nr. M. d. J. 1/561 wird auf Grund der Bestimmungen in Art. 15 der Staͤdteordnung, die Ortssatzung für 1910 hinsichtlich der Gebührensätze wie folgt A abertt A. 1. Schlachtgebühren. 8 1. ür ein Stück Großvieh ohne Unterschied. 500 Mk. ür Pferde, Fohlen, 2 7 AW, e 850 Mk Für bern. e e 00 Ulk Für Schafe oder Ziegen. 50 Mk. Für Lämmer, Zicklein und Spanfetel. 20 Mk Uüe Schweine. 200 Mt Die Höhe der Ausgleichs gebühr richtet sich nach dem Fehlbetrag, der sich veim Monatsabschluß ergibt: sie wird jeweils von der Schlachthofdeputation sestgesetzt und unterliegt der Genehmigung durch das Ministerium des Innern. Die Ausgleichsgebühr beträgt z. Zt. für liedes Pfund Schlachtgewicht d Mark und zwar für Großvieh, Schweine, Pferde, ohne Rücksicht, ob es sich um Schlachiungen im hiesigen Schlachthof oder von auswärts eingeführtem Fleisch handelt. Eine Berwiegung von Kleinvieh findet für die Aus⸗ gleilchsgebühr nicht statt, die Abgabe berechnet sich nach einem Durchschnittsgewicht, das für Kälber mit 25 Kg, für Hämmel, Schafe und Ziegen mit je 20 Kg. ange⸗ nommen wird. Ferkel, Zicklein und Lämmer find von der Gebühr ausgenommen. Die Erhebung der Gebühr geschieht auf Grund der amtlichen Feststellung des Schlachigewichis für Groß⸗ vieh, Schweine und Plerde.(Wiegescheine durch die HKasse des Schlachthofs unmittelbar nach beendeter Schlachtung oder Gewichtsseststellung.) § 2. Für Nolschlachtungen an Sonntagen oder gesetzlichen Feiertagen wird fur lede angefangene Stunde ein Zu⸗ schlag von 100 Mart, für Schlachtungen außerhalb der Schlachtzeit ein Zuschlag von 50 Mark für jede ange⸗ angene Stunde erhoben. 2. Stallgebühren. J 3. Für ein Stück Großvieh 20 Mk. pro Tag Fur ein Stück Kleinvieh 10 Mt, pro Tag 3. Juttergeld. Bleißt unverändert. 4. Wiegegebührem. § d. Für Großvieh, lebend eee Fil Großvieh, ausgeschlachtet e ee ur Kleinvieh, lebend. een ür Kleinvieh, ausgeschlachtet. e eh Me. Für Felle, 580 Fleischteile. 10 Mk. für je 0 K * Freibankgebühren. § 6. Für ein Stück Großvieh.. 350 Mk. Für ein Stück Kleinvieh. 175 Mk. B. Fleischbeschaugebühren. Die durch Verfügung des Hessischen Ministeriums des Innern vom 15. August 1031 zu Nr. M. d. J. II 70222 festgesetzten Fleischbeschaugebühren werden wie igt geündert: 0 e ür ein Stück Großviey.. 50 Mk. 60 Mk. Für ein Pferd Für Schweine, Kälber, Schafe, Ziegen und Fohlen Mk. Fuür ein Spanferkel. 15 Mk. Fur Ziegenlämmer 10 Mt. 0. Trichinen schaugebähren. 0 2 —* ür ein Schwein. 30 Ml. Für ein Spanferkel ie e. Für ein Stück Fleisch 10 Mk. Die Beschaugebühr dei Einfuhr und Durchfuhr von srischem Fleisch ür 1 Kilo Fleischh Mk. Für Eingeweide von Großdieh 100 Mk. N Für Eingeweide von Kleinviey 20 Mk Die vorgenannten Gebühren kommen ab 26. Januar Gießen, den 25. Januar 1923. J. B.: Klingspor. Bekanntmachung. ublleherung der Steuerblicher und Steuer ⸗ markenblätter für 1922. Die Arbeitnehmer werden hiermit aufgefordert, ihr Steuerbuch mit den im Kalenderjahr 1922 mit Steuer⸗ marken verklebten Markenblättern um Monat Janar 1028 an das auf dem Steuerbuch vermerkte Finanz⸗ amt abzuliefern. Die Einsendung erfolgt am zweck⸗ mäßigsten durch die Post mittels Einschreibebrief Den Arbeitnehmern größerer Betriebe wird dringend empfohlen, folgendes, mit den Interessen⸗ vertretungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vereinbarte Verfahren einzuhalten: a) Die Arbeitnehmer übergeben zu Anfang Januar 1923 ihr Steuerbuch mit den im Kalenderjahr 1922 verklebten Steuermarkenblättern ihrem Arbeitgeber, sofers dieser nicht bereits im Be⸗ sit der Steuerbücher und Markendlätter ist. Die Arbeitgeber reichen dann alsbald die Steuer— vilcher und Markenblätter ihrer sämtlichen Ar- deltnehmer nach Gemeinden geordnet und ge⸗ bündelt unter Angabe des Gesamtbetrags der Sieuermaxken an das für ihren Wohnort zu⸗ 8055 Finanzamt ein, das das Weitere ver⸗ anl. Es ist unerlätzlich, daß jedes einzelne Steuermarkendlatt in allen seinen Teilen ordnungsmäßig ausgesünt ist, insbeson⸗ dere muß sein Kopfvordruck mit der Kopfinschrist des Steuerbuches genau Uübereinstimmen. Wer sein Steuerbuch mit den verklebten Steuermarkenblättern nicht abliefert, hat nach ⸗ teilige Weiterungen zu erwarten. Die Finanzämter Der Overbürgermeister. b) Bekanntmachung. Betr.: Die Erhebung einer Zuschlagsgebühr für die Benutzung der städtischen Kanäle. Nach Beschluß der Stadlderord neten wersammlung vom 8. Dezember 1922 wird mit Genehmigung des Ministeriums des Innern, zu Nr. M. d. J. 37766 vom 13. Januar 1923 mit Wirkung vom 1. Januar 1923 für die Benutzung der städtischen Kanäle in Gießen eine Zuschlagsgebühr erhoben. Sie beträgt 800 v. H. der in§8 2 des Ortsstatuts, enthaltend die Ge⸗ bübrenordnung für die Benutzung der städtischen Kanäle in Gießen vom 25. Januar 1908 bestimmten Beträge. Gießen, den 25 Januar 1923. Der Oberbürgermeister: Keller. Bekanntmachung. Das Leseholzsammeln in den im Gange be⸗ findlichen Schlägen des Stadtwaldes ist streng ver⸗ boten, was wiederholt und unter dem Anfügen be⸗ kannt gemacht wird, daß Uebertretungen unnachsichtlich zur Anzeige gebracht werden und Entziehung der Leseholzkarten zur Folge haben. Gießen, den 24. Januar 1923. der Oberbürgermeister. J. A.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung. Der im Jahre 19284 im städtischen Schlachthof anfallende Dung ist meistbietend zu vergeben. Schriftliche Angebote sind bis Donnerstag, den 1. Februar 1923, vormittags 11 uhr bei uns einzureichen. Besichtigung und Einsicht in die Bedingungen kann vorher während der Dlenststunden geschehen. Gießen, den 18. Januar 1923. Die SHlachthofdirektion. 2 3 Palast-Lichtspiele O kbrbsstes und rornehmsles Thcaler am Platze. 0 Ein Film Viele schon haben handel gebaulie Sees Heute und morgen: um Paradies der Damen 1 1 55 ögten Stils nach dem gleich- namigen Roman von Emile Zola. den Kampf. den erbarmungslosen Kampf des Kleinkaufmanns eschildert, keiner jedoch so an- „so menschlich packend wie Zola Ab Montag: Die weisse Wüste SOSs es asses Nufe Ne Sest Jahrzehnten dle bevorzugte Nahrung fur— de nieht gestiit werden oder die entwôhnt Werden sollen, Undbertrotten bes asen Verdauungsstörungen besonders bei Brechdurchsas und Darmkatarh. vor Emile Zola egen den Grob- 12⁰⁵ healer- Gemeinde des übnen⸗Jostsbundes Ortsgruppe Gießen. 1 50 Laufe des Winters werden noch 4 Vorstellungen gegeben. Für diese Weipeliggen find um gehend bon den cee beider Gruppen bei Challier Gutscheine zu je 50.— Die erste Vorstellung findet am g. Auch Nichtmitglieder können Gutscheine, soweit die⸗ selben nicht von Mitgliedern abgeholt sind, erhalten. Neuenweg 4 1197 Mk. einzulösen. Februar statt. Achtung! Nie wiederkehrende Gelegenhest! Ausnahme- Angebot! Hans Ebhardt: Von indischen Tagen und Nächten 2. Auflage, 290 Seiten. Mit Kunstdruckbildern Elegant gebunden nur 800 Mark. Selbsterlebte Erzählungen. Ferner: BRIGIT TA von Adalbert Stifter. Elegant gebunden, geeignet zu Geschenken. Preis 420 Mark. Duchhandlung Oberbessssebe Toltasdn Bahnhofstrasse 23 oha C πννιqοf Fiel u Heuer in aner bewöhrter Güte geeignet für alle Arten 591 Wäsche. auen tuecstelert MANNK NN i., dusssttooengk, uch Suνονονι], We(Herucefs Woscr 2 We — genen rd Origin p S HU A beißt es besondern sparsam Ein Mittel zum Sparen ist und Apotheken. Suͤßstoss. Ein— vorzuͤgsiches Süßgewurz. Gut, billig, detsmmlich. Der Inhalt eines H. Päckchens ent. 8 spricht der Suͤßtraft eines Pfundes Zucker. 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Datz interessante Buch stellt auf etwa 100 Seiten eine kritisch⸗satirische Studte über die heute arassierende Sekten r dar und deckt schonungslos in marxistischem Geist die ganze Hoblbeit aller jener kuriosen Heilsapostel auf, die heute unter dem Namen Bibelforscher, Udventisten, Mormonen e tutti quanti gerade unter den in- differenten proletarischen Massen laut spektakelnd die Werbetrommel rübren und deshalb auch eine sebhr ernsthafte Gefährdung der Arbeiter⸗ bewegung 1 in den schaurigen Nöten der Gegenwart darstellen. reis 300.— Mark. Zu beziehen durch die Buchhandlung Oberhessische Volkszeitung Verkäuferin Textilbrauche nach Butzbach sofort gesucht. Offerten unter Nr. 1188 an die Oberhess. Aeltere tüchtige in der Volkszeitung erbeten. Vereinigung der mee en Montag, den 29. Jaunar. abends 8 Uhr Haupt⸗Versammlung im Matthäussaal, wozu alle Mitglieder frdl. eingeladen werden. 104 Stadttheater Sonntag, den 28. Jaunar Filiale 1206 Schwarzwaldmädel Anf. 7 Uhr Ende 9½ Uhr Dienstag, den 30. Januar 15. Vorstellung im Dienstag⸗Abonnement Im weißen Rößl Anfang? Ende 9 ½ Uhr. Mittwoch, 31. Januar 16. Vorstellung im Mittwoch⸗Abonnement Macht der Finsteenis Anfang 7 Ende geg. 10 Uhr 15. Vorstellung im Freitag⸗Abonnement Gasparone Anfang 7 Ende geg. 10 Uhr. Samstag, 3. Februar Kein Kartenverkauf Dr. Klaus Anfang 7 Ende geg. 10 Uhr Tonntag, den 4. Februar Wilhelm Tell Gasparone Anfang 7 Ende geg. 10 Uhr * 1 Mäuner⸗ und Frauen ⸗ Freitag, den L. Februar Operette von Millöcker ö Geschlossene Vorstellung * 1 1 Der Bortand. 0 Die Hamburger Anf. 3¼½ Uhe Ende 6 Uhr Anfang 3/ Ende n. 6 UU 11 .—.——ß * 1808 Dawid Strauß, f 3 Gemeinden im vergangenen Gießen, Zamstag, den 27. Januar 1923. Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 22 * und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. —— 2 Geschichtskalender. 5 27. Januar. 756 Komponist Wolfgang Mozart in Salzburg geboren. 775 Philofoph Schelling geboren. 8 Religionsphilosoph in Ludwigsburg geboren. 0 Gefange te Andreas Hofers im einer Alpenhütte. 814 Joh. Gottlieb Fichte gestorben. 878 Erster franz. Arbeiterkongreß nach der Kommune in Lyon. 28. Januar. 1521 Gröffnung des Reichstags in Worms, auf dem Luther seine 8 0 ehre verteidigte. a 5 1790 Die franz. Nationalversammlung verbrieft die Rechte der Juden. 4807 Friede zu Memel zwischen England und Preußen, letzteres ver⸗ Hannover. 1887 Volden inister Pulkamers Lockspitzeltreiben im Reichstage 1011 Reichsbanzler Bethmann⸗Hollweg wendet sich gegen das freie Wahlrecht in Preußen. Finanzielles der Stadt Gießen. Der Rechnungsabschluß der Stadtkasse für das Jahr 4920, der erst vor kurzem endgültig festgestellt werden konnte, zeigt noch ein ganz günstiges Bild, was für die folgenden Jahre vermutlich nicht zutreffen wird. In der Betriebs rechnung weist der Abschluß 19 209 668 Mk. in Einnahme auf und 19 146 797 Mk. in Aus gabe, so daß sich ein kleiner Ueberschuß von 62 870 Mk. ergibt. Der Voranschlag wurde sowohl in Einnahme wie in Aus⸗ gabe um annähernd zwei Millionen Mark überschritten.— In der Vermögensrechnung beträgt die Ein ⸗ nahme 20 695051 Mk., die Ausgabe 13 435 749 Mk., so daß ein Ueberschuß von 7 259 310 Mk. verbleibt. Politische Kindereien. Aus Anlaß der Besetzung des Ruhrgebiets sind ver⸗ schiedene Leute in gewaltige Ekstase geraten, manche haben offenbar den Kopf verloren. Traurig ist es schon, wenn sich Privatleute zu allerhand törichten Redereien gegen Aus⸗ länder hinreißen lassen, große Dummheit ist es aber, wenn Geschäftsleute, die doch immer nüchtern rechnen können, sich zu gewissen„Maßnahmen“ gegen„friedliche“ Ausländer hergeben. So wird aus München gemeldet, daß der Ver⸗ band Münchener Hotel⸗Restaurants und verwandter Be⸗ triebe beschlossen habe,„keine französischen und belgischen Gäste mehr aufzunehmen und keine Ver⸗ pflegung mehr an diese abzugeben, ebenso den Ausschank französischer Weine und Spirituosen einzustellen.“ Aehnliche Dummheiten werden aus anderen Städten zerichtet. Was glaubt man denn mit solchem Unsinn zu er⸗ reichen? Ein derartiger Boykott, durch den nur eine ohn⸗ mächtige Wut zum Ausdruck gebracht wird, könnte allenfalls dazu beitragen, daß man Deutschland in der Handelswelt noch mehr schneidet als bisher. Die Machtverhältnisse liegen doch einfach so, daß nicht die Ausländer durch einen deutschen oykott, sondern wir durch einen ausländischen Boykott viel schwerer getroffen würden. Solche„nationalen“ Taten können uns also nur schädigen und deshalb sollten sich gerade Geschäftsleute von politischen Kindereien, die absolut keinen Sinn haben, frei halten. Erhöhung der Wohnungsbauabgabe. Die Novelle zum Geset über die Erhebung einer Wohnungsbauabgabe ist jetzt dem Reichstag zugegangen. Nach dem Gesetz soll vom 1. Januar 1923 ab die Abgabe auf 750 Prozent des Friedenswertes der Wohnungen erhöht werden. Mindestens ebensohoch muß der Zuschlag der Gemeinden sein, so daß ssich insgesamt ein Zuschlag von 1500 Prozent ergibt. Die Begründung, deren Zahlen allerdings durch die letzte starke Geldentwertung bereits wieder überholt sind, rechnet damit, daß sich bei dieser Höhe der Wohnungsbauabgabe sowohl der Vorschuß zurückerstatten lasse, den das Reich den Ländern Jahre in der Höhe von acht Milliarden gewährt hat, wie daß sich außerdem 15000 neue Wohnungen errichten ließen. a g 1— Zur Lernmittelfreiheit in den Schulen. Die Stadt- verordneten⸗Versammlung in Leipzig hat beschlossen, daß in den Volksschulen alle Schreibhefte und Schreib⸗ materialien unentgeltlich abgegeben, gedruckte Bücher an Bedürftige aber leihweise überlassen werden. Für bedürftige Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten ist die unentgeltliche Abgabe von Schreibbüchern und Schreibmaterialien sowie die leihweise Ueberlassung ge⸗ druckter Bücher vorgesehen. Dieser Beschluß bedarf noch der Zustimmung des Rates, die wahrscheinlich nicht versagt wer⸗ den wird. a — Die vierte Klasse im Eisenbahnverkehr. Verschiedene Ver⸗ besserungen in Bezug auf das Reisen in 4. Klasse stehen in Aus⸗ icht. Der Bund Deutscher Verkehrsvereine hatte eine Reihe Ein⸗ gaben an das Reichsverlehrsministerxium gerichtet, die nach⸗ stehende Erfolge gezeitigt haben: Der Vermehrung der Sagen 4. Klasse soll den veränderten wirtschaftlichen Ver⸗ a 1 1 entsprechend weitgehend Rechnung getragen werden, so ß die Personenzüge zukünftig in ausreichender Weise mit lichen Wagen ausgerüslet sind. Die Zahl der beschleunigten ersonenzüge soll nach Möglichkeit vermehrt werden, auch ollen durch Umgestaltung der Fahrpläne die bestehenden Per⸗ sonenzuge in günstige, auf lange Strecken durchgehende Ver⸗ bindungen mit 4. Wagenklasse umgestaltet wenden. Etwafge Wünsche wegen solcher Zusammenschlüsse sollen den Direktionen übermittelt werden. — Gefährliche Jungenstreiche. — beobachten, daß von Jugendlichen allerlei Unfug getrieben wird meist nehmen auch erwachsene Mitreisende keine Veranlassung. dagegen einzuschreiten. Dieser Tage ereignete sich durch derartige Spielerei zwischen Laubenheim und Mainz ein schwerer Unfall. Ein junger Bursche kletterte auf der Fahrt von W'elsenau nach Mainz Man kann öfter auf der Eisen⸗ beteiligten von der Plattform hinauf auf das Wagendach und stellte sich dort in die Höhe. In diesem Moment fuhr der Zug durch die Eisenbahn⸗ brlicke, der junge 19jährige Bursche wurde auf das Dach des Wagens geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Auf dem Slüdbahnhof wurde er von dem Dache heruntergeholt und ins städtische Krankenhaus ge⸗ bracht, wo eine Schädelverletzung festgestellt wurde.— Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß sehr oft beim Einfahren der Züge in die Station die Abteiltüren geöffnet werden, ehe der Zug hält. Auch dadurch sind schon viele Unfälle entstanden. — Wegen des Rodelns weist das Polizeiamt Gießen auf eine Verordnung des Kreisamtes hin, in der u. a. gesagt ist:„Auf allen Rodelbahnen im Kreise Gießen dürfen nur Rodelschlitten. die mit höchstens zwei Personen besetzt sind. benutzt werden. Bobsleighs sind unbedingt ausgeschlossen. Ebenso ist das Anein⸗ anderhängen mehrerer und das Benutzen schadhaster Rodelschlitten verboten. Das Robeln auf sämtlichengreisstraßen des Kreises, sowie des Kreuzen chaussierter Fahrbahnen mit Rodelschlitten ist verboten. Innerhalb der Stadt Gießen und der Ort⸗ schaften des Kreises ist das Rodeln auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen insbesondere auf deren Fußsteigen. gänzlich verboten. Vom„Patriotismus“ der Getreidewucherer. Die Leipziger Neuesten Nachrichten ließen sich am Dienstag vom Berliner Pro⸗ duktenmarkt melden:„Die scharfe Devisensteigerung hat den Pro⸗ duktenmark in erhebliche Aufregung versetzt. Die Provinz hält mit Angebot zurück, die Ppeise stiegen unter ver⸗ mehrter Kauflust Weizen und Roggen konnten wegen der Ge⸗ ringfügigleit des Angebots nur wenig umgesetzt werden. Aehn⸗ lich war es bei Gerste der Fall. Dagegen wurde Hafer plötzlich sehr lebhaft gehandelt. weil der Westen stark als Käufer auftritt.“ Die deutschen Agrarier halten also das Ge⸗ treide das für die deutsche Bevölkerung bestimmt ist. zurück, um die Teueruna noch weiter zu verschärfen, und um ihre Ge⸗ winne noch mehr zu steigern. Dagegen wird Hafer abgesetzt, weil der vom Westen. das heißt von, der französischen Be⸗ satzung für die Kavalleriepserde stark verlangt wird. Kohlen er⸗ halten die Franzosen nicht. aber Vieh. Hafer ukw. wird ihnen gern von deutschen Agrariern und Händlern geliefert. Und wenn diese Gesellschaft den hohen Profit in der Tasche hat, singt sie beim Selt:„Sieareich wollen wir Frankreich schlagen.“ — In der Gemälde⸗Ausstellung des Kunstvereins im Turmhause am Brand sind eine Sammlung von Werken des Süddeurschen Illustratoren⸗Bundes Münchener Künstler ausge⸗ stellt. Darunter befinden sich Aquarelle, Radierungen und Zeichnungen. Eine Reihe einheimischex Künstler sind mit sehr guten Arbeiten vertreten.— Die Austellung ist von 11 bis 1 Uhr geöffnet. Nichtmitglieder zahlen 10 Mk. Eintritt. — Stadttheater Gießen. Am morgigen Sonntag kommt nachmittags das Lustsptel„Dir Lam burger Filiale“ zur Aufflihrung; abends wird die Operette„Das Schwarz⸗ wald mädel“ gegeben. — Das Leseholzsammeln ist in den im Gange befindlichen Schlägen des Stadtwaldes verboten, worauf in einer Bekannt⸗ machung des Oberbürgermeisters aufmerksam gemacht wird. Auf die im heutigen Blatte enthaltene Bekanntmachung sei hingewiesen. Kreis Schotten. e. Laubach. Die für Sonntag, den 28. Januar angesagte Gemeindevectreter⸗ Konferenz findet nicht um 11 Uhr vormittags, sondern um 1 Uhr nachmittags statt. Die Genossen wollen sich um diese Zeit pünktlich einfinden. b. Bobenhausen II. In einer in der Nähe unseres Ortes ge⸗ legenen Mühle stahlen zwei Burschen am hellen Tag 2 Jago⸗ gewehre von hohem Wert. Einen dieser Diebe hat man verhaftet. der andere ist jedoch durchgebrannt. Die Gewehre konnten dem Eigentümer wieder zugestellt werden. „eis wehlar. 2 Ein Eisenbahner soll-nicht Schöffe ein? Der Weichen⸗ wärter Karl Cloos aus Aßlar war zum Schöffen am Schöffen⸗ gericht in Wetzlar vorgeschlagen worden. Dieser Tage erhielt er von dem genannten Gericht die Mitteilung, daß die Reichs⸗ bahndircktion in Frankfurt den Antrag gestellt habe, ihn von dem Amt eines Schöfsen zu entbinden. Dem Antrag wurde stattge⸗ geben und er darf deshalb als Schöfse nicht amtieren. Aus Eisenbahnerkreisen wird hierzu geschrieben: Es wäre doch in⸗ teressant, den Grund zu diesem Vorgehen der Eisenbahndirektion zu erfahren. Glaubt diese Behörde vielleicht, da augenblicklich die rein bürgerliche Regierung Cuno am Ruder ist, den Zeitpunkt für gekommen, in dem die Beamten der Reichsbahn wieder wie im wilhelminischen Zeitalter, von der Teilnahme an derartigen Ehrenämtern ausgeschlossen werden dürfen? Sie wurde an einem derartigen Vorgehen wenjo Freude erleben, denn die Beamten⸗ schaft läßt sich heute nicht mehr in die alte Knechtschaft zucück⸗ drängen.& Von Nah und Fern. Ein Köpenickstreich. Jm Hotel zur alten Post in Rennerod(Vesterwald) stieg vor einigen. Tagen ein Herr ab der sich als Holzauskäufer aus der Schweiz ausgab und für den Festmeter 100 000 Mark bot. Ueber⸗ all fand er bereitwelliges Entgegenkommen. In freigebiger Weise spendierte er seinen Gästen in seinem Hotel das Schönste und Beste, was Küche und Keller boten. Dem Rennerodex Gesang⸗ verein stellte er eine Spende von 10 000 Mark in Aussicht, dem Schwesternhaus eine solche von 15 000 Mark So hatte er in kurzer Zeit für etwa 12—15 Millionen Mark Holz aufgekauft. Kurz: Die Herzen aller flogen dem spendablen Schweizermann nur so zu. Bereitwilliast steklte man ihm Fuhrwerke für Reisen in die Umgebung zur Verftiaung und gab ihm auch— Kredit den er gern annahm. Eines Tages wax der Mann verschwunden, ohne daß er seine mehrere hunderttausend Mark betragende Hotel⸗ rechnung und andere kleine Schulden beglichen hatte. Nur einen Koffer hatte der Mann zurückgelassen und der barg nur Papier⸗ fetzen und einen Ausweis die auf einen seit langem beschäftigungs⸗ lofen Schustersmann lauteten. Bis jetzt konnte man eine Spur dieses modernen Köpenickiauers nicht entdecken. Millionen⸗Platinfund in Gelnhausen. Auf dem Schuttplatze, auf dem uun seit einem halben Jahre Platin gesucht und für Millionen gefunden wunde, gelang es nun einer Frau, einen Schatz im wahren Sinne des Wortes zu be 1 zusuch-Epidemie war schon bereits abgeflaut, nach neuen feldern Umschau gehalten worden, als ein eifriger Platin die Idee bekam, auf einem neu aufgeschütteten Wege, auf den au vermeintlich vom damaligen Brandherd Schutt hinge- schafft wurde, zu suchen. Selbstverständlich fand die Stadt keinen Gefallen daran, einen Feldweg von Grund auf zu durchwühlen, aber die Menge der Platinsuchenden wurde immer größer, so daß bie Stadt auch den Weg zum Platinsuchen freigab, gegen ein täg⸗ Entgelt von 500 Mark per Sucher, was, aluch anstandslos be⸗ aber es sand sich kein Platin, das Suchen war ver⸗ hatten sich die Platin-Leutchen wieder ihres alten Platzes bemächtigt, diesmal wieder mit neuem Eifer, zumal es ruchbar wurde, daß noch einige Spulen Platin im Schutt liegen müssen, die damals beim Fabrikbrand mit umgekommen sind. Und richtig, im Bauschutt, an dem die meisten der Suchenden halt machten, ließ die Frau sich häuslich nieder und f 00 Gramm Platin, für die derselben am Fändplatze gleich—.— 1 — lich zahlt wurde, gebens. Nun Aufkäufer, die immer am Platinfelde zur Hand sind, um dem Schnellentschlossenen seinen Fund abzulaufen, 10 Millionen Mark geboten wurde, doch nahm dieselbe ihren Fund mit nach Hause. Na, brauchen wird sie's auch können. Gaunerstreich. Unter dem Vorwande sie müßten eine Heussuchung nach ver⸗ borgenen Wassen vornehmen erschienen in Königstein i. T. dieser Tage in früher Morgenstunde in der Wohnung des Küsters Frankenbach zwei Herren. Sie durchsuchten das Haus. Später machten die allein anwefend gewesenen Frauen des Hauses die Entdeckung, daß die im Erdgeschoß aufbewahrten Kirchengeräte von erheblichem Werte gestohlen worden waren. Bingen, 25. Jan. Die Stadt ohne Wasser. Bei der Hin⸗ denburgbrücke nahe Gaulsheim ist das Hauptrohr der Bingener Wasserleitung gebrochen. Die Stadt ist in der schwierigsten Lage. Es dürften Tage vergehen, ehe die Bürgerschaft wieder ordnungsmäßig mit Wasser versorgt werden kann. Einen schlimmen Ausgang nahm ein Veteranenfest in Ahornis(Oberfr.). Zwei krakeelende Teilnehmer, die Hausweber Köhler und Schatz, wurden vom Gast⸗ wirt so kräftig an die Luft befördert, daß Köhler das Genick brach und tot liegen blieb, während Schatz einen Schädelbcuch erlitt. Das Weib. Eine urfidele Antwort hat in einer altbayerischen Schule ein Knirps vom zweiten Schuljahr gegeben. Als der Lehrer, die biblische Geschichte repetierend, fragte:„Warum hat denn Gott bei der Schöpfung zuletzt die Eva erschaffen?“ antwortete der Zierer Michl prompt und sicher:„Weils eahn(nämlich Gott) sunst allweil drein⸗ g'redt hätt!“ Geldsammlungsschwindel. Ein planmäßiger Sammelschwindel, dessen Tragweite noch nicht zu übersehen ist, wurde in Groß⸗Berlin vom zwei jungen Männern betrieben die sich für Studenten aus⸗ gaben. Die beiden die sich Reichenberg und Richter nannten, suchten seit Monaten Großhandlungen und Industriebetriebe auf und baten die Inhaber oder Vertreter um einen Beitrag für die „Akademikerkilfe zugunsten notleidender Studenten. Sie kamen stets in Band und Mütze, legten eine Liste vor, auf der schon erhebliche Beiträge gezeichnet waren und fanden überall Vertrauen. Die Angesprochenen überzeugten sich aus der Liste, daß ihnen bekannte Geschäftsleute tatsächlich Beträge bis zu Jetzt ist es den Beamten gelungen, einen der Namen der Witwe die von seinem Treiben nicht die gecingste Ahnung hatte. Auf Richter aus Altona wird noch gesabndet. — Arbeitsrecht, Gewerkscha tliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Verhandlung am 25. Januar 1923. In der Lohnstreitigkeit der Gießener Tonwerke einig⸗ ten sich die Streitteile vor der Verhandlung. Die Freiherrlich Riedeselsche Ziegelei in Angers⸗ bach soll vom 15. Januar an die Betriebsarbeiter, die sie mit Vorbereitungsarbeiten für die Produktion und bei der Errichtung der Trockenanlage beschäftigt, nach dem Tarif der Gießener Ton⸗ werke entlohnen, also die Arbeiter über 21 Jahren mit 495 Mk. Stundenlohn. In den vorhergehenden Monaten erhielten die Ar⸗ beiter über 19 Jahren die Gießener Spitzenlohn. Der Bau⸗ arbeiterverband erkannte den Schiedsspruch an. Die Riedeselsche Verwaltung erhielt eine Woche Erklärungsfrist. Die Zahnfabrik Germania in Bad⸗ Nauheim soll vom 15. Januar an die Dezemberlöhne ihrer Arbeiterinnen um 60 v. H. erhöhen. Die Streitteile erhielten eine Er⸗ klärungsfrist. Der Deutsche Metallarbeiterverband und die Fried⸗ 5 berger Vereinigung der Instaslationsfirmen einigten sich für den Jannar wie in den vorhergegangenen Mo⸗ naten auf die Lohnsätze der Metallindustrie. Schiedsspruch im Versicherungsgewerbe. Die mehrwöchigen Verhandlungen mit dem Arbeit⸗ geberberband deutscher Versicherungsunternehmungen über einen neuen Reichstarif 1923 waren ergebnislos verlaufen, weil der Arbeitgeberverband die bisherigen allgemeinen Tarifbestimmungen in unerhörter Weise verschlechtern wollte. Ein im Reichsarbeitsministerium gebildeter Sri Schlichtungsausschuß hat nun am 20. Januar in dieser Streitsache einen einstimmigen Schiedsspruch gefällt. Die vom Arbeitgeberverband verlangte unterschiedliche Be⸗ zahlung nach Versicherungszweigen, eine Verlängerung der Arbeitszeit und eine Verschlechterung der Urlaubs- Bestimumngen wurden abgelehnt. Verschiedene Verbesse⸗ rungsanträge des Zentralverbandes der Angestellten sind berücksichtigt worden: so sollen u. a. die getrennten Tarife für Direktionsangestellte und Angestellten-General⸗ agenturen künftig in Wegfall kommen; der Gehaltsabschlag bei weiblichen Angestellten wurde abgebaut und die Gehalts- staffel um 5 Jahre verkürzt. Die Gehatter sollen künftig allmonatlich zentral festgesetzt werden. Die Parteien haben sich bis zum 25. Januar über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu erklären. Zurzeit unterliegt der Schieds- spruch der Abstimmung durch die Versicherungsangestellten. Die Zuständigkeit der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte. Die Zuständigkeitsgrenze für Angestellte bei den Ge⸗ werbe- und Kaufmannsgerichten liegt nach einem Beschluß des Reichstages vom November v. Is. immer noch bei 840 000 Mark Jahresgehalt. Trotz mehrfacher Eingaben der Afa-Verbände war das Reichsarbeitsministeruum bis⸗ her nicht zu bewegen, eine Erhöhung dieser Grenze vorzu- nehmen. Da der weitaus größte Teil der Angestellten bereits mehr als 70000 Mk. im Monat an Gehalt bezieht, ist für diesen Teil die Zuständigkeit der Gewerbe- und Kauf- mannsgerichte nicht mehr gegeben. Diese Angestellten müssen sich nötigenfalls an die ordentlichen Gerichte wenden; damit geht ihnen jedoch die billige, sowie schnelle und soziale Rechtsprechung der Kaufmanns und Gewerbegerichte ver- loren. Wenn sich das Reichsarbeitsministerium nicht bald entschließt, dem Reichstage emen entsprechenden Gesetz⸗ entwurf zuzustellen, wird dieser selbst die Initiative dazv ergreisen müssen. Stand des Dollars gestern mittag 12 Uhr: 23 00 ME. Ned n Hebung der Die Reichszentrale für Helmatdienst hat unter obigem Titel eine Sondernummer ihres Mitteilungsblattes, Der Heimatdienst, erscheinem lassen, die eine ganze Anzahl interessanter und anregen⸗ der Artikel zu diefer für die gesamie Volkswirtschaft brennend⸗ ten Frage der getztzeit enthält. Sind auch die meisten dieser Aufsäe im Tone ruhiger Sachlichkeit gehalten, so verdienen sie doch hier und da einige Randbemerkungen, die die eine oder die endere Aeußerung in etwas anderem und richtigerem Lichte er⸗ scheinen lasfen. Den Reigen eröffnet der Präsident des vor⸗ läufigen Reichswirtschaftsvates. Edler von Braun der wie schon öfter auch hier seine warnende Stimme erhebt und da meint daß lediglich durch Beseitiaung aller Zwangs vorschristen freie Bahn für die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion geschaffen wer⸗ den kann. Edler von Braun hegeht dabei nur den kleinen Fehler, daß er an sein 1917 erschienenes Sammelwerk„Arbeitsziele der deutschen Landwirtschaft nach dem Kriege“ erinnert und gerade in diesem Sammelwerk hat er selbst den Nachweis erbracht, daß es auf gewissen Gebieten nicht ohne Zwang geht. Denn dort fordert Herr von Braun die zwangsweise Beliefe⸗ ru ng der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe mit kün ftlichen Düngemitteln, mit einwandfreiem Saatgute und mit Pflanzen⸗ schutzmitteln, um sie zu höchstmöglicher Produktionssteigerung zu 1 Wir aber sind der Ansicht, daß der Landwirt sosern er 6 hierin dem Zwange unterwirft, es sich genau ebenso gefallen lassen kann daß ihm Anbauvorschriften usw. gemacht werden. Denn was nutzt die beste Düngung, wenn sie zu Früchten ver⸗ wendet wird, die für die Volksernährung wenig ober garnicht in Betracht kommen? Erfreulich ist, daß sich der Staatssekretär Ramm vom preust⸗ schen Landwirtschaftsministexium in seinem Beitrage so energisch für den Vorschlag der preußischen Regierung einsetzt, als Gegen⸗ beistung für erfüllte Ablleferungspflicht verbilligten Stickstoff⸗ du im Form von Cpilesalveter zu liefern. Leider ist ja dieser Vorschlag inzwischen abgelehnt worden, doch bleibt es zu begritßen, daß er hier von einem unparteiischen Fachmanne so warmherzig aufgegriffen und als besonders erfolgversprechender Weg zur Produktionssteigerung anerkannt wird. Ueberhaupt ist in dieser Beziehung das Stickstoffpvroblem das wichtigste und deshalb hat zaman zu dieser Frage mit Recht dem Landesökonomierat Dr. Mickel in einem besonderen Artikel das Wort gegeben, an dem wir mur eines vermissen und das ist die eingehende Vehandlung der Frage nach der Verbilligung der Düngemittel. Denn gerade für die Klein⸗ und Mittelbetriebe muß die Parole nicht nur lauten: Mehr, sondern auch preiswerten Dünger! f Die praktische Aufklärungsarbeit zwischen Stadt und Land behandelt ein recht instruktiver Aufsatz von Dr. Steuber, dem Leiter der Landesabteilung Hessen der R. f. Erfolggekrönt wird diese Verständigungsarbeit aber nur dam sein wenn man am gleichen Tage Redner der Erzeuger und der Verbraucher zu Worte kommen läßt und hieran sich die Aussprache schließt. Erst wenn das Problem von ßeiden Seiten beleuchtet ist, kann sich jeder Zuhörer ein rechtes Bild von dem ganzen Fragenkomplex machen, und erst dann kann die Aussprache klärend und fördernd sein. Solche Kurse, wie sie im Hessischen begonnen wurden sind daher zu empfehlen, wenn sie wie hier vorgeschlagen gehandhabt werden. Eigentlich hätte im diesen Rahmen auch noch ein besonderer Artikel über die Landarbeiterfrage gehört, denn was darüber in den einzelnen Beiträgen so nebenher gesagt wird, ist doch sehr unvollständig und gibt insosern ein schiefes und einseltiges Bild, als zu sehr der Eindruck erweckt wird daß der Ausfall an aus⸗ ländischen Wanderarbeitern allein die Schuld an der teilwesse farben Arbeits⸗ und Arbeiterkalamität in der Landwirtschaft trägt. Und das ist nicht der Fall. Als Vorbedingungen für eine er⸗ giebige Landacbeit stellt Prof. Backhaus soeben in einem Aussatz im der Deutschen Tageszeitung folgende auf: 1. Entsprechendes Entgelt, 2. technische Vervollkommnung des Betriebes. 3. ange⸗ messene Arbeitszeit. Sind diese Faktoren erfüllt, so kann auch ure Russen und Polen genügend Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben geleitet werden. Und da möchten wir besonders auf den zweiten Punkt das Hauptgewicht legen. Das alte ökonomische Gesetz, mit möglichst geringen Mitteln einen stets steigenden Nutzen zu erzielen, muß in erster Linie auf die menschliche Ar⸗ beitskraft angewendet werden. Und es darf daher auch in der Laudwirtschaft nicht meer geduldet werden, daß mit dieser Arbeits⸗ kraft Raubbau getrfeben wird. Nun liegen aber, worauf wie uch einiger Zeit bereits hinwiesen neltere statistische Unter⸗ suchungen darüber vor in welchem Verhältnis das Produktions⸗ kostenkonto im landwirtschaftlichen Betriebe durch die Maschinen⸗ worheit im Vergleich zur Menschenarbeit belastet wird. Und diese Untersuchungen zeigen einwandfrei, daß im Jahre 1922 die Menschenarbeit ze hn mal so teuer war wie die Maschinenarbeit. Es kommt daher fir alle landwirtschaftlichen Betriebe heute vor allem darauf an durch Anschaffung von Maschinen die vorhan⸗ 0 denen menschlichen Arbeitskräfte besser auszunutzen und auf diese Weise die Landarbei d dami etrie! ble 3 ö 8 darheit und damit den Betrieb rentabler zu gestal⸗ ten. Jode Verbilligung des Betriebes muß letzten Endes er 1 Preisgestal tung für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse ihren Nies Herschlag finden und kann dazu ffihren, die Kluft zwischen Stadt und Land zu verringern und zu liberbrücken. So sehr wir daher die versuchte Ausklärungsarbeit der Reichszentrale sür Heimat⸗ dienst begrüßen, so sehr bedauern wir, daß sie diesem wichtigen Punkte in nicht geyligendem Maße ihre Aufmerksamkeit geschenkt Hat. Vielleicht läßt sich das bei anderer Gelegenheit oder bei 10 ortsetzung der Bemühungen die richtige Erkenntnis der Dinge und wirtschastlichen Zufammenhänge in alle Volksschichten zu tragen, noch nachholen! lp. Sonderbesteuerung der Landwirtschaft? Wer die agrarische Presse im Laufe der letzten beiden Jahre ver⸗ folgt hat, der wird beobachtet haben, wie die gleiche 9809 9 5 jeder sich bietenden Gelegenheit wiederkehrte. Denn sobald die Sprache auf die Getreideumlage kommt, dann ertönt es sogleich in der Runde won den Herren v. Richthofen, Dr. Roesicke, Paul Bäcker und anderen, daß die Umlage nicht nur unerfüllbar, sondern auch unerträglich un⸗ gerecht sei, weil sie eine gewaltige„Sonderbesteuerung“ der Land⸗ ubirtschaft bedeute, wie sie keinem anderen Erwerbsstande zugemutet werde. Neuerdings ist nun den Herren Landbundftihrern großes Heil widerfahren, denn der„Deutsche Landwirtschaftsrat“ hat in einer Denkschrift in das gleiche Horn gestoßei und den Beweis versucht, daß die Getreideumlage zum Ruin vieler landwirtschaftlicker Betriebe führen müsse. Nur schade, daß man von diesem Ruin so garnichts du spitren bekommt, daß im Gegenteil die Herren„von und zu“ noch immer in der Lage sind, große Badereisen zu machen und sich auch zonst ganz wohl befinden. Besonders schade aber, daß dem Deutschen Landwirtschaftsrat bei dieser Gelegenheit das für seine agrarischen Freunde so unangenehme Eingeständnis entschlüpft, daß die letzt⸗ jährige Getreideernte doch wesentlich besser ausgefallen ist, als es nach der Berechnung der Herren von Richthofen und Konsorten eigentlich der Fall sein darf. Denn dieser edle Schlesier hat mehr als einmal in der Deutschen Tageszeitung den Nachweis zu führen gesucht, daß 1922 höchstens 7,5 Millionen Tonnen Getreide geerntet wurden, und daß nach Abzug der Umlage, des Selbstverbrauches der Land wirtschaft, des Saat⸗ und Deputatgetreides zum freien Verkauf nichts mehr übrig bleibt. Und min kommt der Deutsche Landwirt- schaftsrat und stellt in dem aleichen Agrarierblatt fest, daß die Ge⸗ .— ̃————— * Landwirischaffsiches und Gartenbau sprechen könnte! Erleichterung der Düngemittelnot. Für die Landwirtschaft in der Nähe solcher Städte, welche eine Gasanstalt besitzen, kann eine ganz erhebliche Erleichterung der Düngemittelnot durch Verwendung des im Gaswerk bei der Steinkohlengasbereitung anfallenden Gaswassers eintreten. Die zur Herstellung des Leuchtgases verwendete Steinkohle enthält durchschnittlich etwa 1½ Proz. Stickstoff, der zum Teil in Form von Ammoniak frei wird und sich im Gaswasser vorfindet. In den neuzeitlich eingerichteten Gaswerken wird das im Gaswasser enthaltene Ammoniak zumeist auf schwefelsaures Ammoniack ver⸗ arbeitet. Die zu diesem Zwecke erforderliche Schwefelsäure ist aber sehr teuer, ebenso der in größeren Mengen benutzte Dampf. Die Folge davon ist, daß auch das schwefelsaure Ammonsak ver⸗ hältnismäßig teuer zu stehen kommt, während das anfallende Gaswasser zu einem geringen Preise abgegeben werden kann. Für die Landwirtschaft ist es nun von außerordentlicher Bedeutung, daß auch dieses rohe Gaswasser unmittelbar zur Düngung benutzt werden kann und seit 20 bis 30 Jahren auch schon benutzt wird. Ueber die Erfahrungen mit der Düngung durch Rohgaswasser liegen eine Reihe von Gutachten aus landwirtschaftlichen Kreisen vor. Ein Gutachten aus dem Freistaat Sachsen besagt über die Düngung mit Rohgaswasser:. 1. Es kann jede Bodenart mit Rohgoswasser gedüngt werden. 2. Das Ammoniakwasser kann in jeder Stärke von 1,5 bis 2 Grad Bé zu jeder Jahreszeit angewendet werden. 3. Die Düngung erfolgt in derselben Weise wie mit Land⸗ dünger(Jauche) mit einer Grädigkeit von 15 bis 2 Gr. Bé. Es wird für alle Fruchtarten gleichmäßig angewendet. 4. Der Ernteertrag ist ein bei weitem höherer als mit Land⸗ dünger. Das tritt bei Wiesendüngung besonders in Er⸗ scheinung. Die Wtiesendsüngung ist bei triibem Wetter am günstigsten. Bei Sonnenschein(größerer Wärme) besteht die Gefahr der Verbrennung der Grasnarben. Den günstigsten Dünge⸗ erfolg erzielt man auf Aeckern(Stoppelfeld) durch sofortiges Um⸗ bezw. Einackern der gedüngten Fläche. Das Rohwasser wird von den Gaswerken in Jauchefässern oder Wagen abgeholt oder den Landwirten durch die städtischen Autos zugestellt. Falls es nicht sofort zur Düngung benutzt wer⸗ den soll, lassen es die Landwirte zur Verstärkung der Jauche in die Düngegrube laufen. Andere Landwirte begteßen damit zu⸗ nächst die Komposthaufen. Unverdünntes Wasser darf nur auf Brachland gebracht werden und zwar am besten beim warmem und sonnigem Wetter, damit vorhandenes Unkraut zerstört wird. In allen anderen Fällen ist eine Verdünnung des Rohgaswassers mit Jauche oder klarem Wasser zweckmäßiger. Am sichersten ist der Erfolg bei Regenwetter. Die Düngung soll immer einige Wochen vor der Aussaat vorgenommen und zwischen Düngung und Aus⸗ saat ein Regen abgewartet werden. Die Verwendung des Gaswassers zum Düngen hat sich bis jetzt am meisten in Mitteldeutschland und Süddeutschland einge⸗ bürgert. In Württemberg ist die Nachfrage nach Gaswasser so stark, daß sie nicht vollständig gedeckt werden kann und die Land⸗ wirte deswegen sschon morgens um 4 Uhr mit ihrem Fuhrwerk vor dem Gaswerk stehen, um Gaswasser zu holen. Se Die landwirtschaftlichen Genossenschaften 1922. Das vom Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Ge⸗ nossenschaften vorgelegte Jahrbuch für 1922 zeigt, daß die Zahl der landwirtschaftlichen Genossenschaften im Betriebsjahr sich um 2591 Genossenschaften erhöht hat, so daß sich eine Gesamtzahl von 36234 landwirtschaftlichen Genossenschaften am 1. Juli 1922 ergibt. Hand in Hand mit dieser Erhöhung der Zahl der Genossenschaften ist eine erhebliche Ausdehnung des Geschäftsumfanges der genossen⸗ schaftlichen Betätigung erfolgt. Das Warenbezugsgeschäft, ins⸗ besondere Kunstdüngemittelbezirk, daneben aber auch der Maschi⸗ nenbezirk, weist eine erhebliche Steigerung auf. Das Absatzgeschäft hat durch die Aufhebung der Zwangswirtschaft eine beträchtliche Steigerung erfahren. Die Kreditgenossenschafsten sind bemüht, ihr Betriebskapital zur Erfüllung der durch die Geldentwertung rapide wachsenden Ausgaben zu verstärken. Haus⸗ und Gartenwirtschaft. Der Kartoffelkrebs. Die Bekämpfung des Kartoffelkrebses ist eine Angelegenheit aller Kreise die sich mit der Volksernähcung besassen. Die Bekämpfung kann nach zwei Richtungen hin ein⸗ setzen, einmal durch die Belehrung und die Aufklärung der Be⸗ völkerung über den Kartofselkrebs und zum anderen durch die . ⁵ͥ10 die gewählte Sorte auch an der 3 9 Schulen und durch geeianete t 5 von krebs festem Sag ist nach Möglichkeit darauf zu achten daß n ee Sbelle ihrer Verwendung ertra reich ist und dem örtlichen Geschmacke entspricht. Hier bestebt noch ein gewisser Maugel weil in vielen Gegenden eis toffeln bevorzugt werden: bei den krebsfesten Sorten ha sich aber hauptfächlich um weiße Kartoffeln. Im dies seitigen zirk ist der Kartofselkrebs noch nicht aufgetreten. Vorbeugu maßvegeln sind aber auch bier ratsam. 5 Die Krankheiten der Kaninchen rassen jährlich Tausende Tiere, zum großen Teile Jungtiere hinweg. Die Arzneien sonstigen Mittel sind mebr oder weniger wirkungslos und dem Züchter nur das Geld aus der Tasche. Jeder Züchter schon irgend ein„Hausmittel“ bet Krankheitsfällen angewe haben; aber mit ehrlichem Gewissen behaupten zu wollen es m wirklich gut es hat die Krankheit geheilt werden nur die aller⸗ wenigsten können. Einige Winke resp. Mittel, womit teil 4 Erfolge erzielt sind lassen wir folgen: Bei Schnupsen träufele man einige Tropfen aus gleichen Teilen zusammengesetzten, reinen Terpentin und Eudaluptuzöl in die Nasenlöcher auch feiner unge⸗ löschter Kalk in den Käsia geblasen, soll zur Heilung führen. Der Käsig muß. da der Schnupsen sehr gefährlich ist, gut gereinigt, desinfiziert werden Durchfall wird mit Weidenrinde bekä Tränende Augen kühle man mit essigsaurer Tonerde oder wafe mit Kamillentee. Wunde Läufe wasche man mit Seifenwasser, d man etwas Lysol zugesent hat. bestreiche die Wunde mit Land und verbinde sie. Ohrenräude ist schnell zu beseitigen. Stall d infizieren und in die Obren dreimal, mit je einem Tage u brechung Schwefelblüt⸗ streuen. Gegen die Trommelsucht w verschledene Mittel angewandt jedoch gelingt es in den sel Fällen den Patienten zu retten. Ein Radi kalmittel bei Krankheitsfällen ist ein kräftiger Aderlaß mit vorheriger 50 ständiger Betäubung. Zu raten ist dem Kaninchenzüchter d folgende: Kaufe oder tausche nie Tiere welche ein struß Fell oder trübe Augen haben. aus einem unsauberen stammen oder vollsbändig unterernährt sind.— Ein guter Zi sieht auf peinlichste Sauberkeit seiner Käfige, züchtet n gefunden rassereinen Tieren Die beste Bekänpfung der heiten ist die Verhittung derselben. Neben reichlichem und Stroh gebe man zu dem Rauffutter allerlei Kräuter, welche getrocknet werden könmen. Einige dieser Kräuter sind: garbe, Bärenklau. Klettenblätter, Kamille und Wege rich. 1 den Külchenkräutern weoden Petersilie, Porree und Sellerie gern frisch und getrocknet genommen und tragen wesentlich zur Gesund⸗ heit der Tiere bei. Magen⸗ und Darmlatarrh bei Schweinen. Diese Krat kommt häufiger vor, als angenommen wird. Die Ursachen f schlechtes, verdorbenes, sehr schwer verdauliches Futter, Ueb ladung des Magens, Erkältungen und sonstige Umstände, Störungen und Reizungen der Verdauungsorgane herr können. Diese Uebelstände muß man daher, soll eine Heilung finden, zuerst abstellen. Gibt man dazu eine leicht verdaul Krankenkost und gewährt Aufenthalt in einem gesunden luftigen Raume, so wird dadurch in den meisten Fällen die Krank⸗ heit überwunden werden. In schweren Fällen sollte man stetz den Tierarzt herbeiholen. N Mittel gegen die Läuse der Haustiere. Auf Grund eigene Erfahrungen empfiehlt Herr Dr. Becher⸗Brebstedt folgendes Mit tel zur Vertreibung der Läuse bei Haustteren. Man nehme dillsamen, Stephanskörner und weiße Nieswurzel je ein 2 Teile Anissamen und zerreibe dieses Pulver. Nach sorgfä Mischung dieser Teile reibe man trocken damit ein. Von vor nannten Vegetabilien ist Anis wohl allbekannt gegen Läuse, dürften die übrigen das Mittel sicher verschärfen. Die Wir soll eine zweifellose sein, und nicht nur leicht ist dfese Mise herzustellen und bequem anzuwenden, sondern auch da möglich Waschungen untunlich sind. b 0 Gegen die Mäuseplage. Die Feldmäuse sind infolge Witterungsverhältnisse in diesem Jahre in ihrem Bestande all stark zurlickgegangen. Nur vereinzelte Mäuseherde sind f geblieben. Von ihnen aus aßer kann unter günstigen Witte verhältnissen die Ausbreitung rasch wieder vor sich gehen. geringe Bestand füberwinternder Muttertiere bietet eine besonde günstige Gelegenheit der kommonden Mäuseplage vorzuf Die Bekämpfung wird im kommenden Jahre weniger Milf Kosten verursachen und dabei besonders nachhaltig sein Zu diesem Zwecke ist folgendes Verfahren zu empfehlen: schiebt in jedes nach erfolatem Zutreten sich von neuem öffn. 5 Loch je zwei bis drei spanmlang geschnittene mit dem u Ende 5 bis 6 Zentimeter tief in Phosphorlatwerge ein Strohhalme. Dieses Verfahren wirkt bei allen Feldmäusea LI i 47 att Lokale Parteina richten. 5. Agitationsbezirk Friedberg⸗Büdingen⸗Schotten. Gemeindevertreter⸗Kurse.„ Am Sonntag, den 28. Januar finden in folgenden Orten Kurse statt: Für den Bezirk Vilbel und Groß⸗Karben in: 5 Vilbel, vorm. 9 Uhr, Gastw. Stern, Ref.: Gen. Schaub⸗Büdes heim, Echzell, vorm. 9 Uhr, Gastw. Alt, Ref.: Gen. Wittig⸗Butzbach. g Laubach, vorm. 11 Uhr, Vereinslokal, Ref.: Gen. Rechtien⸗Vilbel. Die Kurse waren in den meisten Orten sehr gut besucht und muß erwartet werden, daß auch die folgenden von den Genossen, zahlreich besucht werden. Mit Parteigruß! J. A.: Bruno Wittig, Sekretär. Alus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 7 vom 23. Januar 23 enthält: Wahlen zum Provinzialtag. Verlängerung der Schußzeit Hasen.— Schulausflüge.— Tagegelder und Reisfekosten der Ortsvor⸗ standspersonen in den Landgemeinden.— Aufstellung der Gemeinde ge für 1923.— Aufstellung der Gemeinde voranschläge; hier Grenzverhältnisse.— Aenderung des Reichseinkommensteuergefetzes. — Bildung und Zusammensetzung der Schulvorstände.— Abänderung des Hundesteuergesetzes.— Neufestsetzung der Dienstwohnungsvergi⸗ tungen.— Zahltage der Kreiskasse.— Einsendung der Kirchenrech⸗ nungen., Wahlen zum Provinzialtag. Die Provinzialwahlkommission hat in ihrer Sitzung vom 19. ds. Mts. festgestellt, daß der Friedrich Freitag zu Butzbach an Stelle des ausge Baurats Otto Hauck zu Fricdberg in den Provinzialtag der Oberhessen berufen ist. g Zahltage der Kreiskasse. Die Zahltage der Kreiskasse werden b auf weiteres wie folgt festgesetzt: für Hungen auf den letz Montag jeden Monats, von nachmittags 2¼ Uhr bis 6 Uhr, in Wirtschaft„Zur guten Quelle“ von August Vogt, N für Lich auf den letzten Mittwoch jeden Monats, von tags 2½ Uhr nachmittags im Rathaus. für Grünberg auf den letzten Freitag jeden Monats, von vormittags 9½ Uhr bis 1 Uhr nachmittags im Rathaus. Die seitherigen Zahltage am Aufang jeden Monats fallen dagegen aus. achmu T