1 1 berhessische Volfszeitung el wen. g. 0 ö 0 ne be Nedaktion: Gießen Or 85 2 247 1 2 rg ter des werktät Volles s ee an für die Interessen des werktätigen Volkes mana „ Fausphe us. d P a Ob d j ä „ e v d Nachb biet 4 . der Provinz erhessen und der Nachbargebiete. we, Die Oberb. Volksseitung erscheint j f a Der Ab tspreis mi nt jeden Werktag vormittag in Gießen. Verantwortli Redakteur: F. Vetters. ägt für die Milli i i 9 N 15 l dee e e. e 41. 99 57 1 0 140 5 met e wen 10 10 1. e 120 Mk be Mellamenisifare tegel 5 K 0 8 0. 5 1 9 erlag von Hermann Neu 8.— Mek. 5 Aufträ i i u 9 Dur e k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220. Mk, Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. 8 35 Offenbach a. M. 2. Nabel dene e een Ae Abr abends, 975 Nr. 143 ˖ c f u d, 1 ö Gießen, Dienstag, den 26. Juni 1923 18. Jahrgang g Daunamitlattentat Ahn. 1 Zugeständnisse? g Ueber die augenscheinliche Wandlung in d ösi⸗ 1 schen Politik schreibt uns der Soz. ee . N Die Verhandlungen zwischen Paris und London sind dan, vorläufig noch in vollem Gange. Immerhin aber muß der Samt vor sichtige Beobachter feststellen, daß die Aktion der eng⸗ lischen Regierung schon einen gewissen Erfolg für Deutsch⸗ nd ergeben hat, der am besten bei der Durchsicht der fran⸗ N 2 SS AA eagle zösischen Presse ersichtlich wird. Ein kurzer Rückblick auf die „alser frühere Haltung der in engster Beziehung zu der französi⸗ a schen Regierung stehenden Pariser Zeitungen läßt erkennen, 0* daß es in der Absicht Frankreichs lag, Deutschland zur Kapi⸗ pasane tulation im Ruhrgebiet zu zwingen und daß diese Auf⸗ Damen fassung von Poincaré in den letzten Tagen noch in der Kammer und von der Presse öffentlich mit Entschiedenheit vertreten wurde. Erst in den allerletzten Tagen ist ein ge⸗ wisser Umschwung eingetreten. Seitdem der Temps in Ent⸗ gegnung eines Artikels von sozialdemokratischer Seite, der die Möglichkeiten einer direkten Verständigung untersuchte, en, de darauf verwies, daß die Hauptfrage nicht die sei, ob Deutsch⸗ 1 land kapituliert oder nicht, ist die Phrase von der Kapi⸗ tulation der deutschen Bevölkerung an der Ruhr merkwürdig dverstummt. Dieser Wandel hat sich auf die deutsche Rechts⸗ presse so ausgewirkt, daß sie jetzt das Schlagwort von der 8. eee Kapitulation übernommen hat und es tagtäglich als Kenn⸗ 1 0 zeichnung der Absichten der französischen Regierung benutzt, g, e während in Wirklichkeit nicht nur in der französischen Be⸗ as gehen, völkerung, sondern auch innerhalb der Regierung des Herrn eien l Poincare langsam unter dem englischen Druck die Auf ift fassung durchdringt, daß die Lösung des Ruhrkonflikts selbst 2 unker den gegenwärtigen schlechten Wirtschaftsverhältnissen liegen mb nur durch einen Waffenstillstand auf Gegenseitigkeit mög⸗ ahrschenlih lich ist. Bei der ganzen Einstellung der französischen Re⸗ Taucslosn 5 ierung zur Reparationsfrage. insbesondere aber mit Rück⸗ wohl sicht auf die Zusammensetzung der sranzösischen Kammer haben wir Verständnis dafür, daß diese geänderte Haltung Augen fi 5 1 2 1 n, ens nicht plötzlich in einer Art zur Schau getragen wird, die auf a der Gegenscite als Zeichen der Schwäche gedeutet werden ben ni könnte. Aber es bleibt immerhin bemerkenswert, wenn man en Gedanken der Kapitulation in Frankreich endgültig 14 reisgegeben hat und an seine Stelle die Frage eines 1 wee Waffenstillstandes auf Gegenseitigkeit, eine Lösung des Konnt uhrkonfliktes, die sowohl der einen wie der anderen Seite ich ae Zugeständnisse bringt, erörtert.. 1 . Aus zuverlässiger Quelle haben wir Mitteilungen er⸗ halten, die sich mit der geegnwärtig von Frankreich beab⸗ sichtigten Aenderung des Besatzungszustandes, wie er zur⸗ eit noch im Ruhrgeßiet herrscht, befassen. Unter der Vor⸗ aussetzung, daß Deutschland sich bereit erklärt, auf den bpassiven Widerstand zu verzichten. will Fronkreich seine Keren im neubesetzten Gebiet auf 15 000 Mann redu⸗ zieren di e ausschließlich zur Bewachung der Ingenieur⸗ * einn chaffen werden, die auf das Konto hm zustehenden Reparationszahlun⸗ en zugunsten Deutschlands verrechnen. i ein militärisches Schutzbündnis zwffchen Frankreich 10 5 Belgien beabsichtiat, das die Sicherheit e e behörden gewährleisten soll. Die selten 1 Ruhrgebietes will man erst„nach Maßgabe“ der deutschen Erfsissung vornehmen. 1 5 ietes Programm ist unbollkommen: es läßt 5 Fragen unberührt, so z. B. die Sachlieferungen und 5 Eisenbahnregie, aber es gibt dennoch zu erkennen, worau di 1 1 i Die französische die Absichten Frankreichs hinauslaufen. Die veel Regierung ist bereit, Zuge ständnisse zu ee 4610 sie versucht andererseits auch, den Zustand aufre 17 1 15 * den sie am 11. Januar schaffen wollte. Ob ihr das gelingt, i a Sowohl in wird i tlichen von England abhängen. ein rn Paris muß man sich klar darüber. Deutschland erst dann wieder in 15 Kae ane 0 Sachli in vollem Umfange aufzunehmen 0* Belgien darauf verzichten, weiterhin. rechte ous pub 15 e 5 1 ist ei i uch in 5 5 ist. Es ist ein igen andererseits aber mit end- 0 u verlangen, es g e nee und sonstigen Dingen zu belasten, die 3 1 7 7 9% b 8 1 gegen unser Parteiblatt in Münter. Die Noßbachfeme entdeckt! 1 Eine neue Verschwörerbande entlarvt.— Ein Meuchelmord der Feme festgestellt.—— Kaiserliche Offiziere mit Verbrechern die Mitglieder. 1 Der Anfang oder das Ende? Die Organisation der französischen Spitzel 0 1 5 Berlin, 25. Juni.(Eig. Drahtb.) Münster i. W., 25. Juni. Eig. Drahtb.) In den nächsten Tagen wird die deutsche Bevölkerung In Münster i. W., das schon lange ein Hauptsammelplatz von einem neuen Schreckensregiment der Roßbachfeme über⸗ der nationalistischen Aktivisten ist, wurde am Sonntag vor- rascht werden. Die Berliner Kriminalpolizei ist einer um. b mittag 3½ Uhr von nationalistischen Banditen in Stärke fangreichen Verschwörung auf die Spur 2 b der 1 von etwa 5 Mann die Druckerei unseres Parteiorgans, des verschiedene Mordtaten und umfangreiche Mordpläne 1 Volkswille, in die Luft gesprengt. Die Verbrecher ver⸗ bereits nachgewiesen 4 wandten dazu mindestens 10 Kilogramm Dynamit oder sind. Der Sitz der Organisation ist Mecklenburg. Sie hatte 1 Ammoniak⸗Salpeter. Es entstand eine große Feuersbrunst, die Aufgabe, mißliebige Elemente aus den eigenen Reihen, 9 was die Explosion an Gebäuden, Maschinen, Setzmaterial aber auch hervorragende Persönlichkeiten der Republik 1 und Papiervorräten nicht vernichtete, wurde von den Flam⸗ durch Meuchelmord men zerstört. Zu retten war nichts mehr. Die Feuerwehren zu beseitigen. Ihr Mitgliederbestand setzt sich aus zahl waren sofort zur Stelle. Wie durch ein Wunder wurde der reichen bereits bestraften Verbrechern und Ange. 70jährige Wächter gerettet. Im Vorderhause schliefen zwei hörigen der sogenannten„besseren Gesellschaft zusammen, es Familien mit kleinen Kindern, die zweifellos mitverbrannt gehören ihr Fabrikanten an und vor allem Mitglieder wären, wäre die Sprengladung auch nur um weniges stärker des ehemaligen kaiserlichen Offiziers korps. gewesen. Die Fensterscheiben in der Umgebung der Druckerei] Der größte Teil der Verbrecher dürfte jetzt bereits hinter sind sämtlich durch den gewaltigen Luftdruck geplatzt. Schloß und Riegel sitzen. 5 Der Oberpräsident von Westfalen, Gronvwski, der be⸗ Am Samstag begab sich ein Berliner Kriminalpolizist— kanntlich im Vordergrund des Abwehrkampfes steht und ein nach Mecklenburg, der nähere Erkundigungen über die Or⸗— Hauptziel der nationalistischen Hetze ist, erschien zusammen ganisation einziehen sollte. Es ist ihm gelungen, mit dem Oberbürgermeister von Münster bei der Geschäfts⸗ 6 die Leiche eines feige Ermordeten 8. leitung unseres Blattes, um ihr sein tiefstes Bedauern über aufzufinden, die 1½ Meter tief verscharrt worden war. Es das Verbrechen auszudrücken. U. a. sagte Oberpräsident handelt sich um einen Mann, der bei der Femeleitung im Gronowski wörtlich: g Verdacht der Spitzelei stand. Es wurde deshalb beschlossen, f „Und diese Leute wollen Deutschland retten? Ich ihn meuchlings zu ermorden. Zu diesem Zweck wurde zu. komme, um mein tiefsten Abschen und Ekel über dieses ge⸗ nächst ein ausgedehntes Trinkgelage veranstaltet, an dem 2 meine Attentat auszudrücken. Vor einem Jahre wurde am der Ermordete keilnahm und berauscht gemacht wurde. Nacht Johannistig Walther Rathenau feige gemordet, und heute Beendigung dieses Exzesses unternahm man ein Kutschfahrt, 1 geschieht dieses fluchwürdige Verbrechen. Ich erwarte von der„Verurteilte“ mußte auf dem Bock der Kutsche Platz 9 der Polizei, daß sie alles tun wird, um die Verbrecher und nehmen. Während der Fahrt wurde er aus dem Wagen ihre Helfer zu fassen.“ ö hinterrücks erschossen. Ein Teil der Begleiter will angeblich Wir verlangen jetzt, daß die Regierung mit den nichts von der Mordabsicht gewußt haben, obwohl auch sie schärfsten Mitteln gegen diesen Rattenkönig von„ 1 Zweck 15 e ie di Verbrechern von Organisationen vorgeht, so auch in Elber⸗ 4 8 0 5 nach den genauen Festste een ee feld, wo man unserem dortigen Parteiblatt, der Freien gleiche Organisation, der Schlageter angehörte und von deren Presse schon vor Wochen das gleiche Schicksal angedroht hat Mitgliedern er der französischen Militärpolizei in die Hände und bereits eine Handgranate in die Druckerei geschleudert gespielt wurde. 5 i hat. 8 7 5 Soll sich die Arbeiterschaft nicht selbst helfen, muß von Eine Antwort an Frankreich. des Sozialdemokratischen Parlaments⸗ den berufenen Organen mit fester Hand zugegrifen werden. Durch einen Artikel 5. Die Lohngtbeiter haben es endlich dick, als die einzigen dune is ene Faulen zwischen unserer deutschen Porteipresse Steuerzahler und Erhalter des Staates von einer Bande 1 8 een de e 7 85 15 19 0 70 945 5 einer direkten eu ⸗französischen Verständigung von Meuchelmördern vergewaltigt und der Sklaverei aus⸗ in Gang e Unsere Presse nahm erneut zu dieser Frage geliefert zu werden. Es liegt jetzt an der Arbeiterschaft, ob Stellung; wir forderten als Beweis für den französischen Verstän⸗ e f 3 Ende der alten digungswillen eine einwandfreie Erklärung zu dem das der Anfang neuer Bedrückung oder da End r alt vorgeschlagenen Waffenstillstand auf Gegenseitigkeit, insbesondere zu it. 8 5 5 5 9 1 den Reparationsvorschlägen klar formulierte Voraus⸗ Die Stinnes'sche Telunion weiß nichts weiter zu setzungen. Der Temps hat es zwar für nötig erachtet, auf diese melden als dies: Ausführungen zu antworten, jedoch in einer Art und Weise, die dem SPD. Anlaß zu dieser berechtigten Antwort gibt: 8 1 A ³· 1 Münster, 25. Juni. In der Nacht zum Sonntag ist die i i 5 Druckerei des sozialdemokratischen Blattes Der Volkswille e delt une ae f E 5 1 791652 5— 8 8 Me durch eine Dynamiterplosion e en Waffenstillstand auf Gegenseitigkeit im Gegensatz zu seiner ö 1 8 anfänglich wohlwollenden Haltung zu dieser Idee jetzt auf 5 sorgsam dazu beitragen, daß unsere Finanzkraft nicht ge⸗ Verständnis dafür hat, daß auch auf der andern Seite stärkt, sondern geschwächt wird. In seinem Entgegnungs⸗ Prestigerücksichten in gewissem Sinne gewahrt werden artikel hat der Temps selbst indirekt zugeben müssen, daß die müssen. Deshalb hat man sich inzwischen in der Ruhr- Voraussetzung für die Stärkung der deutschen Finanzen bevölkerung damit abgefunden, daß auch nach der Ein⸗ und die Wiederaufrichtung der deutschen Wirtschaft über- stellung des passiven Widerstandes ein Teil der französischen haupt das Ende der französischen Gewaltpolitik, wie sie bis⸗ Truppen noch im Ruhrgebiet verbleibt. Mit gutem Recht her betrieben wurde, ist. Will man zu einer Verständigung wird von der Arheiterschaft vor Verzicht auf den passiven kommen, dann ist es notwendig, daß endlich auch ent-] Widerstand die Wiederherstellung der Hoheitsrechte des sprechend gehandelt wird und die Zugeständnisse, zu denen] Deutschen Reiches im Ruhrgebiet gefordert und die end⸗ sich Frankreich nun durchgerungen hat, entsprechend aus⸗ gültige Räumung der widerrechtlich besetzten Gebiete, sobald fallen. die Verhandlungen über die Reparationsfrage abgeschlossen 5 5 K 5. eee, eich, das F Jerständi 5 Cs ist begrüßenswert, wenn in Frankreich endlich die bereit W 1 5 W dee 5 Einsicht insofern zu siegen beginnt, daß man anerkennt, nur die es zurzeit in E 16 j 15 815 g. 7 5 1 je es zurzeit in Europa besitzt, nicht schwer fallen, dieses auf dem Wege gegenseitiger Zugeständnisse zu einer Lösung[ Zugeständnis gegenüber einem wirtschoftlich ä 5 Bus 1 gegenübe*) zusammenge⸗ des Ruhrkonfliktes zu gelangen. Deutschland verlangt von brochenen Gegner zu machen. der französischen Regierung nicht viel, weil man bei uns—— ——————— CSE TTT das entschiedenste zurück und kennzeichnet sie als— Inspiration der deutschen Regierung. Bei dieser Gelegen⸗ heit fordert der Temps Aufrichtigkeit von Deutsch⸗ land, aber er selber denkt nicht daran, wenigstens selbst auch aufrichtig zu sein, denn genau so wie wir weiß der Temps, daß die deutsche Sozialdemokratie mit der gegenwärtigen Regierung nichts gemein hat, und daß wir ihre Außen⸗ politik nur zeitweise unterstützen, weil das aus nationalen Gründen nötig ist. Die Bezeichnung unseres Artikels als Inspiration der Reichsregierung erfolgt also wider besseres Wissen. Gewiß, wenn der Temps unter Aufrichtigkeit natio⸗ nale Würdelosigkeit versteht, dann werden wir zweifellos nicht aufrichtig sein können. Die gleichzeitig von dem offiziellen Pariser Organ mit entschiedener Ablehnung unserer Voraussetzungen geäußerten Bedingungen Frankreichs für einen Waffenstillstand sind unseres Erachtens für Deutschland unerträglich. Wie ist es überhaupt mit der Auslassung des Temps verein⸗ bar, der in seiner ersten Entgegnung und auch jetzt wieder eine Reorganisation der deutschen Finanzwirtschaft fordert, plötzlich aber darauf besteht, daß die Gläubiger Deutschlands die mit Gewalt in Besitz genommenen Pfänder behalten, das heißt, die Eisenbahnregie auch in Zukunft im besetzten Gebiet weiterzuführen? ahbe versucht Frankreich, die Pfänder zu behalten und muß sich dann darein schicken, daß die Reorganisation der deutschen Finanzkraft wie dessen Sachleistungen für absehbare Zeit unmöglich bleiben, oder aber, es schickt sich darein, auf die Pfänder zu verzichten und hat dann das Recht, mit allem Nachdruck Reparationen zu verlangen, die im Rahmen unserer Leistungsfähigkeit liegen. Solange aber Frankreich auf Pfänderwirtschaft besteht, verwirkt es das moralische Recht auf finanzielle Leistungen. Wir bedauern, daß der Temps in seiner Politik nicht konsequent ist. sondern seine Meinung von heute auf morgen zum Schaden der Verständigungsidee widerruft. So kann man keine Verständigung betreiben, für die doch angeblich auch Frankreich sein will; nein, so erschwert man den deutschen Kreisen, die für eine Verständigung sind, die Arbeit und gibt den nationalistischen Elementen Wasser auf ihre sonst trockenen Mühlen. Wir sind nicht boshaft genug, auf Grund der Erklärungen des Temps festzustellen, daß die französische Bevölkerung eine Verstandigung nicht will, aber darüber kann es doch keinen Zweifel mehr geben, daß einer Verständigung auf Gegen⸗ seitigkeit große Schwierigkeiten entgegenstehen, solange das Kabinett Poincaré am Ruder ist, und durch maßgebende Zeitungen die französische Oeffent⸗ lichkeit in einem Geiste beeinflußt, der jede Loyalität gegen⸗ über Deutschland vermissen läßt. 5 Hessischer Landtag. Darmstadt, 22. Juni. nt Adelung eröffnet die Sitzung um 9.15 Uhr. der Beratung der Tagesordnung wird fortgefahren. Eine kleine Anfrage des Abg. Diehl⸗Hochweisel(Bbd.) über eine Anzahl von Wagen mit leerem Stroh, die seit langem ohne Witterungsschutz auf dem Bahnhof Butzbach stehen, wird von der Regierung dahin beantwortet, daß Erhebungen über den ihr nicht bekannten Fall angestellt werden sollen. 885 Die Regierungsvorlagen: über die gewerblichen Unterrichts⸗ 3— für 1922, über die Verbesserung der Wasser⸗ und Boden⸗ vethältnisse im Ried im Kreise Groß⸗Gerau, über die Drucklegung der Kreisbeschreibung Bingen; über den Erwerb des Grundstücks erde 46 in Gießen für ein kunstwissenschaftliches Institut, über die(gnadenweise) Gewährung eines Rühegehalts an den ehe⸗ maligen ordentlichen Honorarprofessor Dr. Ludwig Günther in Gießen, über die Inneneinrichtung des umgebauten Demonstrations⸗ Hörsaals in der Medizinischen Veterinärklinik der Landesuniversität, Mit über die Gewährung eines staatlichen Zuschusses von 23 Millionen Mark an Privatschulen(gegen die Stimmen der Sozialdemokraten) werden ohne Debatte gemäß den Ausschußanträgen genehmigt. Ebenso eine Regie rungsvorlage über die Herstellung der Wohnung für den hessischen Gesandten und die äußere Herszellung des Ge⸗ sandtschaftsgebäudes in Berlin(die Kosten betragen 125 Mill. Mk.). In 2. Lesung wird die Vorlage über die Verbesserung der Wasser⸗ und Bodenverhältnisse im Ried genehmigt. Desgleichen in 1. und 2. Lesung die Regierungsvorlage über die Erhöhung des Betriebs⸗ stocks der Hauptstaatskasse auf 20 Milliarden Mark. Für die Exwei⸗ terung der Diensträume des Staatsministeriume, durch den Ankauf des Anwesens Heidelbergerstraße 22 in Darmstadt, werden insgesamt 370 Millionen Mark benötigt. Die bisherigen Wohn⸗ räume des Stagtspräsidenten sollen in Diensträume umgewandelt werden. Die Vorlage wird entsprechend dem Antrage des Aus⸗ schusses genehmigt. Ebenso wird dem Ankauf eines Lastkraftwagens für die Baubehörden in Mainz(Kosten 300 Millionen!!) zuge⸗ stimmt. Flir die Regulierung der Ilz(in den Gemarkungen Nieder⸗ Olm, Ober⸗Olm, Essenheim, Stadecken, Elsheim Engelstadt, Buben⸗ heim und Schwabenheim) wird auf Anforderung der Regierung ein Betrag von 44 444 445 Mk. bewilligt. Genehmigung entsprechend den Ausschußanträgen findet auch eine Regierungsvorlage über die Verbands angehörigkeit zur Landwirtschaftskammer und eine weitere Vorlage über die Ersatzansprüche leistungsschwacher Gemeinden auf Grund des§ 8 Alsatz 3 des Notstandsmaßnahmengesetzes der In⸗ validen⸗ und Altersrentenempfänger. Ein Betrag von 15 Mill. Mk., der erforderlichenfalls überschritten werden kann, wird hierzu be⸗ willigt. Angenommen wird ein Antrag Reiber, der die Brennholz⸗ . 92 der aus dem besetzten hessischen Gebiet Ausgewiesenen derte. Ein Antrag Kindt und Genossen, den Abgeordneten des Hess. Landtags Eisenbahnfahrkarten für das ganze Reich zu bewilligen und ein zweiter Antrag desselben Antragstellers, wenigstens den Fraktionen als solchen Fahrtausweise auszustellen, wurde von der Regierung dahin beantwortet, daß sie angesichts der wiederholt ge⸗ zeigten ablehnenden Haltung der Reichsregierung den Zeitpunkt für Verhandlungen in dieser Hinsicht nicht für geeignet halte. Darauf beschloß der Ausschuß, den Antrag der Regierung zur Berück⸗ sichtigung zu überweisen. Das Haus stimmt dem zu. Ein Antrag des Abg. Dr. Osann, wünscht bei der Reichs⸗ regierung Beschwerde zu führen über die Nachlässigkeist in Steuer⸗ fragen. Der Ausschuß schlägt vor, den Antrag als erledigt zu er⸗ klären. Es wird so beschlossen. Ebenso wird ein Antrag Herbert(Ztr.) über die beschleunigte Zahlung der Gehaltsbezüge(Pensionen, Witwengelder der Ruhe⸗ gehaltsempfänger und an die Hinterbliebenen verstorbener Beamten gemäß dem Antrag des Ausschusses für erledigt erklärt. Ein Antrag Kindt und Genossen über die Vorauszahlung der Dienstbezüge der nicht festangestellten Beamten wird abgelehnt. Für erledigt erklärt wird ein Antrag Ebner⸗Roth, der die Er⸗ höhung der Werbungskosten für Kriegsbeschädigte fordert, da die ge⸗ forderte Erhöhung inzwischen eingetreten ist. Ein Antrag Eb⸗ ner⸗Roth(Komm.), der die Erhöhung der Gehälter der un⸗ teren und mittleren Beamten fordert, wird entsprechend dem Aus⸗ schußantrag angenommen. Die Annahme soll der Regierung die Anregung geben, in dieser Frage immer wieder aufs neue bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. Iiir durch die Re⸗ gierungsantwort erledigt erklärt wird der Antrag der Abg. Frau Hattemer(3tr.), der fordert, daß die Dienstzeit der Penstonäre während des Krieges in Anrechnung kommt. 4 Anträge der Abgg. Nuß(3tr.), Sturmfels(Soz.) und Dr. v. Helmolt(Bbd.) befassen sich mit der Notlage der Anwaltschaft Der erste dieser Anträge wird vom Ausschuß der Regierung zur Be⸗ rlicksichtigung überwiesen. Ein zwefter Antrag, der zeitgemäße Aen⸗ derung der hessischen Verordnung, der Gebühren der Rechtsanwälte betr. wird vom Ausschuß für erledigt erklärt. Für die Simultan⸗ zulassung der Amtsgerichtsanwälte setzt sich der Antragsteller ein. Die Abstimmung ergibt entsprechend den Anträgen des Aus⸗ schusses die Ueberweisung des ersten Antrags(Notlage des Anwalt⸗ standes an die Regierung zur weiteren Berücksichtigung. Der An⸗ trag über die Zulassung der Anwälte zu den Sondergerichten wird gegen die Stimmen der Linken und einiger Mitglieder der Mitte angenommen. Der Antrag zur Aenderung der Gebühren der Rechtsanwälte wird für erledigt erklärt. Der Antrag auf Simul⸗ tanzulassung der Amtsgerichtsanwälte wird angenommen. Zu einer Regierungsvorlage über den Ausbau der Baustoff⸗ beschaffungsstelle Frankfurt a. M. forderte die Abgg. Hofmann⸗ Seligenstadt-(Ztr.) und Mann(Soz.) rascheste Bewilligung der möglichst weitgehenden Mittel. Abg. Mann weist darauf hin, daß . 1 die rechtzeitige Bewilligung dieser Mittel erheblich billit beiten ermöglicht. Die Vorlage wird angenommen. In zweiter Lesung wird der Gesetzentwurf üb hebung ber Standesvorrechte angenommen, Die eilige machte es den Mitgliedern der ere e Fra möglich, zur zweiten Lesung einige weitere Anträge einz Ebenfalls in 2. Lesung wird die Regierungsvorlage über d grenze der Staatsbeamten angenommen. Zur Frage der Erwerbs losenunterstützung führt A (Soz.) aus: Der Reichsarbeitsminister hat lehnt, uns den einmaligen Betrag von 30 Milliarden Förderung der produktiven Erwerbslosenfürsorge zur Verft stellen. Dagegen hat er sich bereit erklärt, für diejenig aufzukommen, die durch die Durchführung von Notstandsarb forderlich werden, mit der Maßgabe, daß Arbeiten ausgef den, die auf anderem Wege bisher nicht durchge führ konnten, und daß dadurch nur solche Arbeiter beschäftigt Anspruch auf rbslosenunterstützung haben. Die Lö entsprechend den Tarifen bezahlt werden. Der Minister bereit erklärt, sich vom Reichskabinett die Vollmacht erte lassen, bei Lohn⸗ und Gehaltserhöhungen die Erwerbslo stützungen automatisch mitgehen zu Jessen. wurde, daß ganz Hessen als besetztes Gebiet betrachtet wi Einheitlichkeit in der Bewilligung der Unterstützungssätze Für die Zuweisung eines Betrages von 5 Millionen Mark hessische Arbeits⸗ und Wirtschaftsministerium zur Abstellung ders großer Notfälle erklärte sich der Minister beim Rei einsetzen zu wollen. Zu der Frage der einmaligen schaftshilfe erklärte der Reichsminister, der Landtag kö Zubilligung einer derartigen Beihilfe zwar beschließen, ab sei er(der Minister) genötigt, den Reichsanteil zu den Erw losenunterstützungs⸗Beträgen zurückzuhalten. Denn solcher Beschluß führe zu un absehbaren Weiter un da sicher die Erwerbslosen aller Nachbarländer dann sofort malige Beihilfe forderten. Auch der Reichswirtschaftsministe Becker sagte alle mögliche Förderung in den Erwerbslosenfragen Es ist daher anzunehmen, daß das Reichskabinett, nunmehr die Verhältnisse Hessens eingehend unterrichtet, alles tun wird möglich ist, um die schwere Lage der Erwerbslosen zu erlei Abg. Knoll(3tr.) beschästigt sich dann mit dem soz dem. Antrag, der die Bereitstellung eines Betrages von 1 liarde und die Zuweisung dieser Summe an die Wohlfahrtsäm fordert, durch die dann in besonderen Notfällen geholfen werden Abg. Lutz(Soz.): Man hat nicht den Eindruck, daß m es auch der Minister für Arbeit und Wirtschaft fordert, in 2 sich in der Erwerbslosenfrage, den jeweils veränderten Verh rasch angepaßt hätte. Zu Notstandsarbeiten sind manche Ern lose nicht in der Lage, da sie das notwendige Schuhwerk n bringen können. Gegensiber den Aus führungen des Finan muß ich doch sagen, daß es heute völlig salsch ist, in der Arbelts sißge allzu ängstlich nach der Deckung der angeforderten zu fragen. Wenn es zum ene käme, dann spielt mehr oder weniger zulängliche Deckung gar keine Rolle. Abg. Roth(Komm.): Der Antrag zur Bereitstellung ef Milliarde ist unzulänglich. Angesichts von 50— 690 000 losen ist eine Milliarde eine Bagatelle. 0 Abg. Knoll(Ztr.): Die Prozentsätze der Erwerbslosen stützungen im Verhältnis zu den Löhnen scheint mir hinreichend, von der Linken eingebrachten Anträge sind lediglich agitato Abg. Ebner(Komm.): Den Vorwurf, daß die Ant Linken agitatorischer Art seien, muß ich energisch zurlckweise Hierauf wird der Ausschuß⸗Antrag auf Bereitstellung e Milliarde für die Erwerbslosenunterstützung gegen die Stim Linken abgelehnt. Ferner wurden die Anträge E (Komm.) auf Bereitstellung von 30. Milliarden aus Landes! für die Erwerbslosen und Kaul(Soz.) auf Bewilligung eine maligen Wlrtschaftsbeihilfe an die Erwerbslosen abgelehnt. Der verlorene Sohn. 8 Roman von Hall Caine. 16 Thora dachte einen Moment nach und sagte dann:„Wenn Du hergekommen bist, um mir zu sagen daß ich trotz alledem meinem Wort getreu bleiben muß, so ist es ganz überflüssig, weil ich das zu tun beabsichtige.“ „Würde das recht sein, Thora?“ „Es mag Oskar gegenüber nicht recht sein, oder viel⸗ leicht mir selbst gegenüber—“ „Ich denke eben nicht an Oskar und auch nicht an Dich, Thora,— ich denke an mich selbst— würde es mir gegen⸗ über recht sein?“ 0„Was mehr noch kann ich tun, Magnus? Es war nicht durchaus nur meine Schuld, daß ich Dir mein Wort gab; ich habe es Dir aber gegeben und ich bemühe mich es zu „Würde es recht sein, Thora, mich mit dem Bewußtsein zu heiraten, daß Du Dir nichts aus mir machst, wie Du ja selbst eingestehst?“ f 5 Thora senkt das Haupt. 5 „Du sagtest gestern, daß ein Mädchen, um einen Mann zu heiraten, ihn von ganzem Herzen, ganzer Seele und Kraft lieben müsse. Würde es nicht unrecht sein, mich zu heiraten und jemand anders zu lieben? Kannst Du das wieder gut machen, Thora?“ „Ich versuchte nur das Rechte zu tun, Magnus, wenn Du es aber für unrecht von mir hältst, Dich zu heiraten, will ich überhaupt nicht heiraten, niemals!“ „Was würde das mir nützen, Thora? In fünf, zehn, zwanzig Jahren, was würde es mir nützen, wenn Du, weil i Du mir Dein Wort gegeben hattest und es nicht halten konntest, Dein Leben irgendwo einsam verbrächtest.“ Thora bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. „Für welch einen jämmerlichen Wicht von Mann hältst Du mich, Thora?“ Ich wollte Dich nicht kränken, Magnus. Wenn ich Dich aber nicht heiraten und auch nicht unverheiratet bleiben soll, was soll ich dann tun?“ „Du weißt ganz gut, Thora, was Du tun sollst.“ i Thora ließ die Hände fallen und saß glänzenden Auges da.„Du meinst, ich soll Oskar heiraten?“ „Das hängt davon ab ob Du ihn liebst.“ Die glänzenden Augen leuchteten trotz der sie füllenden Tränen freudig auf. „Liebst Du ihn?“ „Frag mich das nicht, Magnus.“ „Aber ich frage Dich, Thora, ich habe ein Recht, Dich zu fragen. Liebst Du Oskar?“ „Ich bewundere und schätze ihn, Magnus.“ „Aber liebst Du ihn?“ „Jedermann liebt Oskar.“ „Liebst Du ihn, Thora?“ 8„Ja,“ antwortete Thora leise, und einige Augenblicke hörte man keinen andeern Laut als das Ticken der Born⸗ holmer Uhr im Zimmer. a „Dann ist es, da er Dich liebt und Dich zu seiner Frau zu machen wünscht, Deine Pflicht, ihn zu heiraten,“ sagte Magnus. 1 „Ich habe Dir aber mein Wort gegeben, Magnus.“ „Ich gebe es Dir zurück, Thora.“ Die glänzenden Augen vergossen jetzt Freudentränen; während aber die Liebe für Oskar stritt, fochten Pflicht und Ehre für Magnus. Ich habe ihm aber gesagt, daß»s unmöglich ist,“ sagte 1458 „Er fragt Dich noch einmal, T ore Sier ist sein Brief,“ sügte Magnus. i „Er hat ihn Dir zur Beförderung gegeben?“ „Ich bat ihn darum.“ f „Und Du bist hergekommen, reden?“ Ich kam eben so wohl um meiner selbst willen.“ Wie gut Du zu mir bist, Magnus.“ a Lies Deinen Brief,“ sagte Magnus, und Thora riß zillernden Händen das Kuvert auf. Es war ein kurzer, aber heftiger Kampf gewesen. Magnus hatte jeden Ausdruck auf Thoras Gesicht scharf be— obachtet. Hätte er einen Strahl von Liebe für sich in ihren dankbaren, reumütigen Blicken entdeckt, würde er sich an die Hoffnung geklammert haben, daß mit der Zeit noch alles gut werden würde; Liebe für Oskar allein jedoch hatte aus ihren Augen geleuchtet, sich von ihren Lippen gerungen und sich gerade in der Hartnäckigkeit, mit der sie auf ihrer Heirat mit Magnus bestand, offenbart. Es blieb ihm keine Hoffnung. um ihm das Wort zu mit Thora blickte von ihrem Brief auf und sagte:; edel! Wie brüderlich Du handelst! Oskar teilt mi daß Du glaubst, den Kontrakt, ohne mich hineinzuzleh ihn bloßzustellen, lösen zu können. Du bist wirklich — zu großmütig— zu vergebend— wie kann danken?“ 7 „Indem Du mir Oskars Brief gibst,“ sagte Magn „Was willst Du damit?“ 5 „Ich möchte ihn morgen, wenn ich meine Aufgabe richte, in der Tasche fühlen. Es ist nur billig— während ich meinen Anteil ausführe, Oskars schriftli sicherung, daß er den seinen auszuführen gedenkt, in Hän habe.“ 5 a 5 „Du würdest keinen ihm nachteiligen Gebrauch machen?“ 1 „Mancher schärft seine Axt, ohne je zuzuschlagen,“ Magnus. Thora gab Magnus den Brief zurück, und er stec wieder in die Tasche. N „Nun mußt Du ihn beantworten,“ sagte Mag „Nicht jetzt, nicht sofort,“ erwiderte Thora. „Sofort,“ sagte Magnus und legte von einem tisch Feder und Papier vor sich hin. Durch die von dem Manne wee, del ht an setzte sie sich an den Tisch und nahm die Fe nd. f 1 „Weshalb aber sollte ich heute schon schreiben?“ sie,„weshalb nicht morgen?“ b 5 „Morgen ist der für die Verlobung festgesetzte 2 wenn ich überhaupt handeln soll. muß ich alles sch weiß haben.“ a g 5 „Aber so laß doch das eine Verlöbnis erst aufgeh sein, ehe ich das andere eingehe, Magnus.“ 97 „Wenn Oskar innerhalb einer Stunde keine Ant 25 von Dir hat, nimmt er das erste beste Schiff nach En 4 und Du siehst ihn nie wieder.“ 6 „Sagte er das?“ 5 a 780 5 „Du brichst mir das Herz, Magnus. Ich 5 was ich schreiben soll.“ 5 5 7 (Fortsetzung folgt.) — N Zu einer Reihe von Anträgen sib Landwirtschaft erklär i 9 1 905 18300 t auf eine Anfrage Ministerialdirektor 8 f igli für die Keedisgewährung in ohe einer Miller Wöleße 0 Die Anträge werden für erle N r 0 Genossen, d länderzuzuges an den Hochf N letzten Teil des Menges da 55 Reichsregierung darauf hinzuwirken, 1 6 5 Hochschulen solange ni deutschen Studenten nicht erlaub znureisen. Das Haus schließt si Antrag als erledigt erklärt. Ein Antrag Werner und Kindt auf Schulunterricht auf Kosten ö angenommen. Ein Antrag eligenstadt, und Knoll über die 105 151 1 erklärt. Ebenso zomm.) betreffend Kirchensteuer Roth(Komm.) über den Pacht⸗ Kreise Erbach. t(Deutschnat.) fordert die Regie⸗ dahin vorstellig zu werden, daß kulation vorgenommen wird, daß Jahren und Bankbeamte zur werden. Abg. Ebner(Komm.) des Abgeordneten Bor ne⸗ 1 „ 2 Eb 1 Antrag Ebner. Gegen diesen Antrag, der das Verbot der Vörsen⸗ spekulation auf alle Personen ausgedehnt haben will, erheben be die Mitglieder des Bauern⸗ Dann schließt die Sitzung und zugleich Uhr. Der Landtag wird voraussichtlich vor sammentreten. Gießen und Umgebung. die Session gegen 3 Oktober nicht mehr zu⸗ Adam Volz. Einer unserer bekanntesten Gießener Parteigenossen, . der auch nach der Dauer seiner Parteimitgliedschaft zu den lutte fi ältesten zählt, ist am Donnerstag abend aus dem Leben ge⸗ Hen Ag schieden. Adam Volz kam in jungen Jahren aus seinem Venia Heimatsorte Lich nach Gießen und arbeitete hier in seinem Berufe als Schneider. Als in dem letzten Jahre des Sozialistengesetzes die Gründung einer sozialdemokratischen Parteiorganisation in Gießen möglich war, trat ihr Volz bei und hat ihr seitdem ununterbrochen angehört. Lebhaften Anteil nahm er an allem, was unsere Partei berührte, jeder⸗ zeit war er bereit für Förderung unserer Sache zu tun, was nur immer in seinen Kräften stand, mit Leib und Seele ge⸗ hörte er der Bewegung an. Längere Jahre war er Vor⸗ sitzender des Ortsvereins, und seitdem wir einen Kreis- und später Bezirksvorstand hatten, gehörte er diesen Körper⸗ schaften die meiste Zeit an. Seit seinen Jugendjahren war er natürlich auch Mitglied seiner Gewerkschaft, für die er wertvolle Arbeit geleistet hat.— Durch das Vertrauen der Gießener Arbeiterschaft wurde or— irren wir nicht, im Jahre 1909 in den Vorstand der Ortskranken⸗ leben kasse gewählt, einige Jahre später wurde er ihr Vor⸗ e See sitzender, welches Amt er bis jetzt inne hatte. Bei den Stadt⸗ bverordnetenwahlen im Jahre 1919 wurde er in das Stadt⸗ parlament gewählt und auch hier füllte er das ihm übertragene mit Pflichtreue aus. Bei allen, die ihn kannten, wer er wegen seines offenen und geraden Wesens hoch⸗ geschätzt, in uneigennütziger, selbstloser Weise stellte er sich urütweisn agent che ögekehtl 15 lt u 2 stets für die Sache der Arbeiterschaft zur Verfügung, wo es munten? ihm immer mölich war. Viel Sorge machten ihm die wullih uf Schwierigkeiten, welche die Partei seit Beginn des Krieges kam 05 durchzukämpfen hatte, besonders bedauerte er die Spaltung tief. Möglicherweise haben diese Ereignisse dazu beige. tragen, das nervöse Leiden, das sich in den letzten Jahren bei ihm geltend machte, zu verschlimmern, mit Sicherheit daß sein jäher Tod 1 0 ü ist. Volz ist 58 Jahr alt geworden. Unsere Partei zuführen ist. Volz ist 58 Jah% face Jr Aufl 10— zal be 5. för 117 zen bei der Sache war. Wir alle danken ihm t h richtigem Herzen bei Enden p en Preisbeeinflussung durch das Publikum. Wir haben schon oft darauf hingewiesen ührt, s kaufende Publikum an d a ieser Heise alen Bedarfartlke einen Teil der i 155 nchen Hinsicht 0 beachtenswert, was die Abeinisch Wessffliee feier, gehtn K. bn 1 un 8. zentrale schreibt: 8 5 2 Han 90 2 3 das an der Niedrighaltung der Preise das 85 , e ee Ire heben fais, deiset bhcer dir marge denn at ge. einen unter anscheinend ohne sich dessen bewußt zu ein 12 8 radezu unperständiges Verhalten den denkbar größten Vorschue⸗ 1. 5 f i der Preise, wie dies gegenwärtig 5 ag wit i e e 515 e en 1 10 0 i in Vielfaches des w. 71 7 er Dinge werden auf Vorrat 9 der Fall ist, wird vernünftig wäre, it hä in di hränke oder Vorrats⸗ u, 9 5 1 5— 1 sein. Jeder ch mitnehmen und jeder beeinflußt durch 4 den anderen, der noch nicht ge⸗ Waren leichter kaufen, als bei elgenden Preise dem Kaufmann nicht zu ver⸗ denken, wenn er die 1 4 e 50 und wichtig machen un! ö. wird wie wild ge Angebot erheblich und die Preise Wenn nun das Publikum die 1 ferner durch die wirkfamste Art der 1 Wund zu Mund, in günstiger Aesse sürdert, 510 112 merkwürdig erscheinen. Kostet in ein 1 5 10 der Preise beispielsweise das Pfund n n e e 7 9 1 5 50 1 nächsten Wo f 11 5 11 5555 2 oder weil in einem besonders el eebgescht aus gewissen Gründen dieser Preis bereits würde er Kreditgewährung an die verlangt wird, wird an allen Ecken, an allen Stammkischen und Kaffeekränzchen dieser übertriebene Preis nun zum allgemesnen Ge⸗ rede gemacht und damit zum Richtpreis für Butter geradezu ge⸗ stempelt. Jeder will sich mit seinen Preiskenntnissen interessant und wichtig machen und fiberlegt dabei garnicht, daß er duchr seine Aussprüche die Preise gewissermaßen hochschreit und sich selbst damit schädigt. Alle derartigen Redereien kommen natürlich auch zu Ohren des Kaufmanns, und der muß sich dann sagen, daß der von ihm geforderte Preis sa eigentlich viel zu niedrig und den Ver⸗ hältnissen garnicht angepaßt sei. Der Erfolg ist, daß er dem nächsten Kunden schon den höheren Preis abverlangt. Da die Wucherpoltzel nicht überall sein kann und das Publikum andererseits Anzeigen scheut, wird er es auch in vielen Fällen ungestraft tun können. Dieses unverständige Verhalten des Publikums findet man in Perioden fallender Preise in anderer Form wieder. Als der Dollar durch die Stützungsaktion der Mark erheblich gedrückt wurde, konnte man schon im Anfang überall die Bemerkung hören: Was werden wir davon haben, die Preise werden deswegen doch nicht allen! Die Redensart:„Der Dollar fällt, die Preise steigen“ wurde sogar zum Schlagwort. Daß sich das Publikum mit solcher Ein⸗ stellung auf die Dinge selbst schädigt, liegt auf der Hand. Der Kaufmann hört und liest sie auch und aus Furcht vor Absatzstock⸗ ungen oder Verlusten wird er ganz gefühlsmäßig alles tun, um das Publikum in seinem Glauben zu erhalten. In welch erheblichem Umfange das Publikum also selbst die Preisbildung beeinflußt, darüber haben wohl die wentigstens bisher nachgedacht. Die Behörde kann unmöglich auf die Preise einwirken, wenn das Publikum eine unverständige Haltung einnimmt. 95 2 7 Wucherzentrale hat mit vorstehenden Ausführungen sicher⸗ re. den gerügten Uebelständen nicht abgeholfen werden kann. Die pro⸗ letarische Masse ist es nicht, die sich mit Lebensmitteln für Wochen oder Monate eindecken kann. Wenn die Frau des Arbeiters die Löhnung des Mannes bekommt, wird sie wenigstens soviel einkaufen wollen, daß es bis zur nächsten Löhnung reicht. Wartet sie mit dem Einkauf auch nur einen Tag, so hat ihr Geld schon nicht mehr die⸗ selbe Kaufkraft. Sie muß aus Selbsterhaltungstrieb die Jagd nach den Waren mitmachen, da die Preise täglich höher schnellen. Die Vorgänge auf dem Waren⸗ und Lebensmittelmarkte sind natißrlicher Ausfluß des herrschenden Chaos in der Fretwirtschaft. Sie wären bei einer geregelten Zwangs wirtschaft undenkbar. Altersinvalidität. Altersinvalidität. Vom Landesversicherungsamt wird uns ge⸗ schrieben: Auf Grund des Gesetzes vom 10. November 1922 gilt als invalid im Sinne des 8 1255 RVO. auch derjenige, der das 65. Lebensjahr vollendet hat. Er hat songch, wenn er die vorgeschriebene Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten hat, An⸗ spruch auf Invaltdenrene, ohne daß es des Nachweises tatsächlicheer J valität durch Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses bedürfte. Trotzdem liegen den auf Grund obiger Vorschrift bei der Landesversicherungsanstalt ein⸗ gereichten Anträgen vielfach ärztliche Atteste bei. Neben der hier⸗ durch bedingten Verzögerung des Verfahrens entstehen für deren Einholung erhebliche Kosten, die gespart werden sollten. Die Be⸗ teiligten, insbesondere die Bürgermeistereien, seien deshalb noch⸗ mals darauf hingewiesen, daß bei Invalidenrentenanträgen, die auf die Zurücklegung des 65. Lebensjahres gestützt werden, eine ärztliche Begutachtung zu unterbleiben hat. —— — Stadtverordneten⸗Versammlung. Eine Sitzung der Stadt⸗ verordneten ist auf Donnerstag, 28. Juni nachmittag 5 Uhr ein⸗ berufen. Auf der Tagesordnung stehen eine Anzahl Baugesuche so⸗ wie Kreditbewilligungen, ferner ein Kredit für die Löhne der städt. Arbeiter, Erhöhung der Hundesteuer, Beitragsleistung für den Deutschen Städtetag, Gesuch des Hausfrauenvereins um einen jähr⸗ lichen Zuschuß, Ernennung der Beisitzer für das Pachteinigungsamt, Erhöhung der Sbandgelder auf den Vieh⸗ und Krämermärkten, so⸗ wie auf dem Wochenmarkte. — Hundesteuer. Der Stadtverordneten⸗Versammlung liegt ein neuer Antrag betreffend die Hundesteuer vor, wonach für den Rest des Jahres 1923(ab 1. Juli) 12 000 Mk., für den zweiten Hund 24000 Mk., für den dritten 48 000 Mk. Steuer zu zahlen sind. Für jeden weiteren Hund soll sich die Nachzahlung verdoppeln. Für einen Hund wären danach jährlich 24000 Mk. zu zahlen. In der letzten Vorlage wurden für den einfachen Hundebesitz 30 000 Mk. gefordert. Mit der progressiven Steigerung der Steuer bei mehr⸗ sachem Hundebesitz kann man einverstanden sein, dagegen ist der Satz für einen Hund ziemlich niedrig gehalten, in anderen Städten ist die Steuer weit höher. Daß in Gießen eine wahre Hundeplage besteht, kann nicht bestritten werden, darum wäre eine höhere Steuer sehr am Platze. Unter 30 000 Mk. sollte man nicht festsetzen, in anderen Städten werden 50 000 und noch mehr erhoben, welcher Betrag ohnehin noch hinter der Steuer vor dem Kriege verhältnis⸗ mäßig weit zurücksteht. 5 — Wohnungsbauabgabe und Wohnungswirtschaft. Ueber diesen jetzt sehr aktuellen Gegenstand wird in der heute(Dienstag) abend im Saale des Gewerkschaftshauses stattfindenden öffentlichen Ver⸗ Aber sie wird auch zugeben, daß mit solchen Feststellungen Wichtig für die Bezieher unseres Blattes durch die Postanstalten! Vor einigen Tagen haben wir unserer Postauflage eine Zahl⸗ karte beigegeben mit der Bitte, uns den darauf bezeichneten Be von 1500 Mark als Nachzahlung zum Juni⸗Abonnement gefl. zu überweisen. Ein Teil unserer Abonnenten hat unserem Ersuchen noch nicht entsprochen. Wir wiederholen deshalb unsere Bitte, un⸗ serer Aufforderung um Begleichung des Unterschiedsbetrages bal⸗ digst stattzugeben, soweit dies in der Zwischenzeit nicht schon ge⸗ schehen ist. Verlag der Oberhess. Volkszeitung. sammlung gesprochen. Wir machen wiederholt darauf aufmerksam: das Thema beansprucht ohne Zweifel viel Interesse, zahlreicher Be⸗ such darf deshalb erwartet werden. — Konzerte des Landes⸗Theater⸗Orchesters, das 70 Musiker stark ist, werden morgen, Mittwoch, und Samstag, 30. Juni 975 Stadttheater aufgeführt. Das Orchester steht unter Leitung des hervorragenden Dirigenten M. Balling. Weiteres war in den In⸗ seraten angegeben. Die Ausstellung 195 das Hotel⸗ und Gastwirtsgewerbe in Darm⸗ stadt, die anläßlich des 40. Verbandstages des Rhein⸗Main⸗Gast⸗ wirteverbandes E. V. verbunden mit dem 40jährigen Bestehen der Gastwirte⸗Innung Hessen hier stattfindet, wurde in Gegenwart der Vertreter von Stagt und Stadt, sowie der Fachverbände und der Presse feierlichst eröffnet. Der Vorsitzende des Ausstellungsaus⸗ schusses begrüßte die Erschienenen und gedachte in einem Rückblick de Gastwirteverband Hessens sowie des Rhein-Main⸗Gastwirteverbandes, der nun seinen 40. Verbandstag mit dem Fest des Gastwirtevereins begehen kann. Er gedachte der früheren Ausstellungen und der Not⸗ lage des Gewerbes infolge der heutigen Verhältnisse und dantte allen Mithelfern zum Gelingen der Ausstellung.— In Vertretung des Staatspräsidenten sprach Arbeits⸗ und Wirtschaftsminister ö und wünschte sowohl der Ausstellung, als auch den Beratungen des Verbandstages guten Erfolg. Glückwunsch der Stadt aus. Ein Rückblick auf die Zeit des Entstehens — Blürgermeister Müller sprach den der Innung zeige leider, daß alle Namen, die damals genannt wur⸗ den, heute der grüne Rasen decke. Demnach sei das Werk nicht stehen geblieben. In der Entwicklung der Zeit habe auch das vertreten Gewerbe ungeahnte Fortschritte gemacht, die heute gegen früher si wie Wunder ausnehmen. Große Hemmnisse brachten dem Gewerbe Krieg und Revolution, die Ausstellung aber zeige, daß man auf dem besten Wege sei, die schier unüberwindlichen Schwierigkeiten zu meistern.— An die Ansprachen schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung, die eine Fülle interessanter Neuheiten und Verbesserun⸗ gen der Einrichtungen des eng demati verbundenen Küfergewerbes, ferner eine Sammlung von Menüs, eine Festtafel des Bundes der Hotel⸗Restaurants und Caféangestellten, Nahrungs⸗, Genußmittel und vieles mehr zeigt. Die Ausstellung zerfällt in drei Gruppen Gruppe 1(Nahrungs⸗ und Genußmittel) bilden Aussteller aller erdenklichen Speisen und Getränke. Besonders angenehm empfanden die Besucher ein Täßchen„Kornfrank“ oder Maggi⸗Fleischbrühe, oder Maggi⸗Suppe, die in Gratisproben verteilt wurden. Gruppe II zeigt die mannigfaltigsten Einrichtungsgegenstände für Gasthaus oder auch Privathaushalts. Hier fiel besonders eine Riesenkochenanlage der Firma Junker u. Ruh⸗Karlsruhe auf, die vom Hotel zur Traube angekauft wurde. Eine Neuheit zeigt in dieser Ab⸗ teilung die Firma Heinrich Lautz⸗Darmstadt, mit ihren Dauernotiz⸗ blocks. Gruppe III: Getränken zeigt sie manchen edlen Tropfen Weine, Liköre, Sekt, Mineralwasser usw. Die Ausstellung darf als gelungen, ja unter den heutigen Verhältnissen als großartige Leistung bezeichnet werden. 5 Kreis Wetlar. — Die Erschießung eines Knaben aus Niederbiel bei Wetzlar, die im vorigen Jahre durch einige Jäger verübt wurde, hat bis jetzt noch nicht ihre gerichtliche Sühne gefunden. Nachdem die Staats⸗ anwaltschaft die Strafverfolgung des Täters in den Affäre der Er⸗ schießung des Sohnes der Eheleute Schäfer von Nieder⸗Biel abge⸗ lehnt und die Oberstaatsanwaltschaft die eingelegte Beschwerde des Rechtsbeistandes der Eltern des Erschossenen, des Rechtsanwalt Homberger⸗Gießen zurückgewiesen, hat nunmehr das Ober⸗ landesgericht Frankfurt a. M. auf die eingehend begründete weitere Beschwerde des vorgenannten Rechtsbeistandes entschieden, daß die Staatsanwaltschaft die Strafverfolgung aufnehmen muß und An⸗ klage wegen fahrlässiger Tötung zu erheben ist. Bekanntlich hat die betrübende Angelegenheit seinerzeit die Bevölkerung der beiden Orte Nieder- und Ober⸗Biel fowohl, als die der Umgegend sehr stark erregt. Noch heute wirkt die Erregung über den Fall, wie seine für die Bewohner schier unverständliche Behandlung seitens der Behörden sehr stark nach. Nun nachdem es den Bemühungen des Genossen Rechtsanwalt Homberger⸗Gießen gelungen ist, die Angelegenheit vorwärts zu treiben, wird sich der auf die Gesamt⸗ bevölkerung Ober- und Nieder⸗Biels drückende Alp beheben. Die fluchwündige Tat muß ihre gerechte Sühne finden. Stadttheater Giessen. Gastspiel des Stadttheaters Kassel. Die Marquise von Areis. Schauspiel in 5 Aufzügen nach von Carl Sternheim. Dem Berichterstatter erwächst diesmal die leidige Aufgabe, die Kasseler Gäste in ihrem Künstlerinteresse gegenüber dem schuldlosen Publikum und schuldigen Dichter in Schutz zu nehmen. Nach dem Gastspiel des interessanten„Wettlaufs mit dem Schatten“, das wir vor kurzem in hochkünstlerischer Wiedergabe der Kasseler Truppe verdankten und an dieser Stelle mit besonderer Freude würdigten, war der Steernheim-⸗Abend leider eine große Enttäuschung. Der spärliche Betfall gab Zeugnis davon, daß die übergroße Mehrheit des Hauses das Stück ablehnte; so gedeutet ist aus dem schwachen Zuspruch des Publikums eine Höflichkeit gegen die Künstler zu lesen, die es verbot, die Antipathie gegen die Dich⸗ tung deutlicher zu zeigen. Carl Sternheim, der Dichter, ist dadurch als eigenartig bekannt geworden, daß er die üblichen übermodernen Menschen ihre spöttischen Bemerkungen in schnoddrigem militärtschen Kommando⸗ ton machen läßt, wobei die Ausdrucksweise eines Dienstmannes oder einer Waschfrau(d. h. eines Sternheim schen Dienst⸗ mannes oder einer Sternheim' schen Waschfrau) sich in durch⸗ aus nichts von der eines„Barons“ oder einer„Gräfin“ unter⸗ scheidet. Stelle man sich nun Gestalten aus den Zeiten größten französischen Luxus', vor allem auch in Kleidung, Bewegungen und Sprache(die Zeiten vor der französischen Revolution) in Stern⸗ heim'scher Sprache redend vor, so muß dies nicht nur auf den Kulturhistoriker, Sprachkundigen oder Literaturgestheten„erschüt⸗ ternd“ wirken, sondern auf jeden Anhänger guten Geschmackes. Per⸗ sonen in gepuderten Perücken und Reifröcken dermag ein Stern⸗ heim niemals glaubwürdig gestalten zu können, und zwischen einer Berliner Dirne und einer(wenn auch alles andere als sitten⸗ strengen) Marquise in Paris 1750 besteht doch immerhin, auch in der Sprache, ein gewisser Unterschied. In der„Marquise von Areis“ handelt es sich um die Rache einer„Marquise von Pommeraye“(Berta Hermann) an ihrem seitherigen Liebhaber, eben dem überdrüssig gewordenen Diderot „Marquis von Arecis“(Alfons Pape)(schon daß sich dieser jemals für die Sternheim'sche Marquise Pommeraye inter⸗ esstert haben könnte, ist völlig unglaubwürdig). Und zwar besteht die Nache darin, daß sie sich durch Geld eine verarmte ehemalige Freunden und deren Tochter als Sklaven verpflichtet, alle ihre Rachehe cle auszuführen.„Henriette Duanenov“(Margarete Hopf), eine junge Schöne, die um der Armut zu entrinnen, ihre Liebe öffentlich verschenken mußte, soll dem Marquis zugeführt werden. Die Pläne der Marquise gelingen; der Marquis verliebt sich bis zur Raserei in Henriette, bietet ihr die Hälfte seines unge⸗ heuren Vermögens und schließlich seine Hand an. Im Morgen⸗ grauen nach der Hochzeitsnacht vollendet die Rächerin ihr gemeines Werk(wie immer in rohester und unmoralischster äußerer Form). Sie offenbart dem Marquis die makelhafte Vergangenheit Hen⸗ riettes und hofft nun, den Ungetreuen für ewig vernichtet zu haben. Dem ist aber nicht so. Die Liebe siegt: mit rührseliger Bewegung und Worten hebt der„Marquis“ das„Mädchen aus dem Volke“ aus dem„Staube“ empor und bestätigt ihr Namen und Rang einer „Marquise von Areis“: Henriette(ihre Arme um seinen Hals, sieht ihn prüfend an)„Jean Gaspard—“ Marquis:„und Henriette von Arcis!“ Das Urteil der Berichterstattung über die Uraufführung im Sckauspielhaue zu Frankfurt a. M. am 5. Septembce 1919 ist durch die nur kaum schwächere Wiedergabe der Kasseser in Gießen nur verankert worden: Die Darsteller werden bei der Unmöglichkeit der Personen und der Handlung vor eine unmögliche Aufgabe gestellt. Was Diderot erlaußt und billig war, ist Sternheim unerreschoar und fremd. Es ist schade, daß sich der geistreiche und eigenartige Dichter aus dem Kreise seiner dichterischen Gestalten in der „Marquise von Areis“ in einer ihm völlig fremde Umgebnug ge⸗ wagt hat, in der nicht nur viel Schlechtigkeit und Bosheit, sondern auch viel Ueber⸗ nicht Un⸗„Kultur“ regierte.— Alfons Pape offenborte sprachlich und mimisch erstklassiges Können, obwohl ihm neulich die Rolle des brütenden Gelehrten noch besser lag als die des leichtlebigen Franzosen. Berta Her⸗ mann bot zweifelsohne in Schminke(Augen!), Bewegungen und Ton die Sternheim sche Pommeraye aus Berlin N. N. Auguste Scholz(die Mutter der Henriette) bot eine beachtenswerte ein⸗ wandfreie Leistung und Margarete Hopf selbst eine glänzende Verkörperung der glaubwürdigsten Bühnen- und Titel⸗Figur. Aus dem Gießener Ensemble unterstützten Heinz Bech⸗ stein, Karl Holl, Gisa Iven und Else Engel die liehen wobei die Damen leider die fremde Umgebung etwas merken eßen. Die Inszenierung und Spielleitung von Oberregisseur Pape war eine hervorragende. Wir danken den Kasseler Gästen herzlich und hoffen, daß sie uns ihre reife Künstlerschaft in dankbareren Werken recht bald wieder genießen lassen. 5 St. — —— eee e Strafkammer Gießen. Sitzung vom 22. Juni. Wegen Belästigung einer Frau durch unsittliche Re⸗ densarten erhielt ein Schlosserlehrling aus Hirzenhain eine Haft⸗ strafe von einer Woche: das Urteil des Schöffenge richts, das ihm nun zu einer Geldstrafe von 5000 Mark verurteilt hatte, wurde auf⸗ gehoben. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den über 60 Jahre alten Händler W. von Friedberg verhandelt, der sich an einem Schulmädihen in unzüchtiger Weise vergangen hatte. Er erhielt mit Rückficht auf seine Vorstrafen auf diesem Gebiet eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten. Seinen Vater nicht gerade liebevoll behan⸗ delt der Landwirt Phil. Müller von Wenings. Sein Vater hat ihm das Gut übergeben, und sich verschiedene Auszugsrechte vorbe⸗ halten. Hierüber gab es schon wiederholt Streitigkeiten. Eines Tages gab es wieder Streit und hierbei zwang der Sohn seinen Vater auf den Boden, schüttelte ihn aufs heftigte und schlug dem Enkheimer Walde. Als sie das Eisen später abholen wollten, um fast 75jährigen Greis mehrmals den Kopf auf dem Boden auf. Mit Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 22. Juni. Erwischte Eisendiebe. Zwei Angestellte einer Firma im Osthafengebiet stahlen aus dem Lager nicht weniger als 16 Zentner Etsen und vergruben den Schatz im es in Frankfurt zu verkaufen, wurden sie von anderen Angestellten der Firma überrascht und der Polizei übergeben. Hamburg⸗Nordamerika. Nach Newyork: D. Albert Ballin 5. 7., Reliance 10. 7., D. Thuringia 12. 7. D. Hansa 19. 7. Nach Philadelphia, Baltimore, Norfalk: D. Kermit 26. 6. Nach Boston, Baltimore, Norfolk: M. S. Rheinland 10. 7. Westküste Nordameri⸗ ka: Ein Dampfer etwa Mitte Juli. Hamburg⸗Cuba⸗Mexiko: D. Halsatia 11. 7., D. Toledo 11. 8., D. Sachsenwald 30. 6., D. Schwarz⸗ wald 25. 7. Hamburg⸗Westindien: D. Antiochia 12. 7., D. Haimon 27. 7. Hamburg⸗Südamerisa; nach Montevideo, Buenos Aires und Versammlungskalender. Gießen. Frauengruppe der sozialdem. Partei. Donners. tag, den 28. Juni, abends 8 Uhr im Gewerkschafts haus Nähabend. Zahlreiches Erscheinen der Genossinnen wird gewünscht. Lein Leidender versäume den Vertreter der Bandagenfabrsk Dito Brandner in Karlsruhe i. B. zu besuchen, der am Mittwoch, den 27. Jun von 9 bis 6 Uhr in Siegen, Hotel Deutsches Haus und am Donnerstag, den 28. Juni, von 8 bis 2 uhr in Gießen, Gast⸗ haus Pfälzer Hof, mit Mustern zu sprechen ist. Auskun't kostenlo 8. Näheres die in heutiger Nummer enthaltene Anzeige über„Bruchleldende.“ Rosario: D. Kellerwald 27. 6. Nach Pernambuco, Bahin, Rio de Dollarstand Montag mittag 114 200 Mk. 1 55 beschuhten Füßen trat er nach dem alten Mann. Wegen dieser ruf Lereidigde Soniäldemokrabsche parte Ortsverein Giessen. Nachruf. Unsere Mitglieder setzen wir hiermit in Kenntnis, dab unser lieber treuer Parteigenosse Alam Volz plötzlich und unerwartet aus dem Leben geschie den ist. Der Verstorbene war ein eifriges, die Partei stets förderndes Mitglied und uns allen ein lieber Freund. Todes-Anzeige. 5 Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerz- liche Nachricht, dab mein lleber Mann, unser guter Vater, Onkel und Schwager Adam Volz im Alter von 58 Jahren plötzlich und unerwartet aus dem Leben Leschieden ist. Glehen, den 24. Juni 1923. Die trauernden Hinterbliebenen Der langsährige Vorsitzende der allgemeinen Ortskranken- kasse Gießen Herr Adam Volz ist plötzlich und unerwartet aus dem Leben geschieden. Die Beamten und Angestellten der Kasse verlieren in ihm einen treuen Berater und Förderer ihrer Sache, der es auch ver- standen hat, während seiner langjährigen Tätigkeit die Liebe und Anhänglichkeit aller Angestellten zu erwerben. Wir werden ihm stets ein treues Andenken bewahren. 1 0 Wir werden ihm stets ein ehrendes Glehen, den 24. Juni 1923. I Wolz Andenken bewahren. 5 Lina Volz Die Beamten u. Angestellten der allg. Ortskrankenkasse Giessen. Gie hen, den 24. Juni 1923. Auf Wunsch des Verstorbenen findet die Beerdigung in aller 480 Der Vorstand. Stille statt. Nachruf. Am 21. ds. Mts, ist plötzlich und unerwartet der langjährige Vorsitzende unserer Kasse flerr Adam Volz aus dem Leben geschieden. i Der Verstofbene hat durch seine langjährige, uneigennützige, umsichtige und unparteiische Ausführung der hm vom Gesamt- vorstand übertragenen Funktionen als 1. Vorsitzender nicht nur unsere Hochachtung, sondern auch solche aller mit ihm in Berührung kommenden Personen in höchstem Maße erworben. Wir betrauern in ihm einen lieben treuen Mitberater und Kollegen, dem wir ein dauerndes Andenken bewahren werden. Der Gesamtvorstand der allg. Ortskrankenkasse Giessen Nachruf. 5 Unerwartet erhielten wir die Nachricht von dem plötzlichen Ableben unseres 2. Aufsichtsratsvorsitzenden Adam Volz Wir verlieren in ihm einen treuen Freund, einen langjährigen unermüdlichen Mitarbeiter mit offenem Charakter. Ein ehrendes Andenken werden wir dem Verstorbenen allezeit bewahren. Gie hen, den 24. Juni 1923. Aufsichtsrat und Vorstand des 2 5 Gegen, RKonsumvereins Giessen u. Umg. den 24. 6. 23 2 Bekanntmachung. Im Amtsverkündigungsblatt Nr. 45 vom 15. Jun 1923 ist eine Bekanntmachung betreffend Erhöhung der Gebühren für Reinigung der Schornsteine ver⸗ öffentlicht, auf die hiermit hingewiesen wird. Gießen, den 20. Juni 1923. g Der Oberbürgermeister J. V.: Krenzin. Bekanntmachung. Die Gemeinde Wieseck verkauft nachstehend verzeich⸗ nete Holzsortimente: Los 1. 3 Stämme Eichen⸗Schnittholz 3. Klam. 3,24 FEm 1 Tereinigte do aldemokrabsche parle Liebi 28 höhe Agitationsbez. Giessen-Alsfeld-Lauterbach a Donnerstag, den 28. Juni abends 8 Uhr ö I. Aannanents-Aonzert Nachruf. Wir erfüllen hiermit die traurlge Pflicht. allen Gewerkschaftsgenossen, Freunden und Bekannten davon Kenntnis zu geben, daß der Mitbegründer des Gewerkschafts- hauses und langjährige Vorsitzende der Gewerkschaftshaus-Kommission 1 Am 21. Juni ist unser Parteifreund Adam Volz plötzlich aus dem Leben geschieden.„2. 15 Stamm Bauholz 3. 10 5 0 1 9 Stämme 1 4,22 Wir verlieren in ihm einen treuen, von 3. 14 5 ee e„ 5 0 N 8 0 55 4. 19 1 bücbes, Schwelanb nee seit seiner Jugend der Partei und der 5 arunter zu nittholz geeignete Stämme. j 1 7 Gewerkschaft angehörte und stets nach plötelich und unerwaftet aus dem Leben„ 5. 26 Stämme Eichen⸗Schwellenh. 2.„„ 11,04„ Bel dere ene e a 5 5 5 geschieden ist. 6. 1 Stamm Buchen⸗Schnitth. 2 1,06 seinen besten Kräften bemüht war, un- 0 7 A Stm. e 2 1 795 Als treuer Berater und opferbereiter„7. A Stämme„., H⸗ OllZer 2 4 F selbstloser Weise zu Genosse hat er stets seine Kraft dem 1 Stamm 8 e relc 77 5 dienen. Lange Jahre war er als Mit- Unternehmen gewidmet.„ 8. J Stämme Ulmen 5 5 glied des Kreis- und Bezirksvorstandes Ein ehrendes Andenken wird ihm stets 8„„ 6„ e Im Saale. tatig. bewahrt bleiben. a 77 ee Been zur Einsicht auf 40 8 1. biesiger Bürgermeisterei offen. Diesbezügliche Angebote Ehre seinem Andenken! Giehen, den 24 Juni 1923. sind sale e 115 1 5 an 28. Jun 922, ben. 00 00 M f 8 9 8 getrennt nach Klassen bis zum„Juni 1923, vor⸗ Der Bezirksvorstand. lie bherkschaltshaus⸗-Aommisson mittags 10 Uhr bei uns einzureichen, wo in Gegen 1 0 Lat 3 404 wart eiwa erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet. und mehr zahle ich für Id Ul 1 b 80 5 Wieseck, Kreis Gießen, den 22. Juni 1923. Vermittlung eines N 9 Schomber, Bürgermeister. Pianos oder und eine Lese mi äber zu verkaufen. 442 Sandgasse 35. ⸗Instrumente sind viele Bandagen gegen meine einzigartige überall Aufse hen erregende Kon⸗ struttion ohne Schentelrie men, ohne Gummi. band, ohne Feder befreie ich Dich schließlich Flügels. Offerten mit Preis an Schnitzelseife enthält Mord 9 5 257 en i 5 kfurt⸗M 5 5713 ganz v. Dein. Qual. Auch f. Kinder im zärtest. Alter. 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