111 21 I 2 * 2 4 5 1 22e ab Cuxhaven 1 Savannah 2 ge 18 l. 0 mr., D. Hessen y Westküste⸗ ub Nur Hann Vlissingen Nur assia 10. 4 7% ah Port n 1 1* ace K 4 erika⸗Linie. ⁰ N „Alte 10 Faltin: gießen g 575 unter Angabe bell 1 5 IN. Vabuhoffraße 25 Ferrsprechtr 2008. 0 88 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. zeitung Frpedition: Sießer Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008. Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 85 onnementspreis mit den Beilagen Das Blaft der Frau“ und 9 wirtschaftliche Beilage ee monatlich Durch die Post bezog. 3300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 1 N 3900.— Mk. einschl.. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder derer Raum sokal 60.— Mk, auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 500.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird enisprechen der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. 1 Nr. 94 Gießen, Mittwoch, den 25. April 1923 18. Jahrgang 1 1* 135 „ Vorbedingungen der Lösung. Das deutsche Angebot. Als am vergangenen Mittwoch im Reichstag die Debatte über die außenpolitische Lage zu Ende geführt war, dachte Herr Rosenberg noch nicht daran, den von der Sozialdemo⸗ kratie gezeigten Weg zur Lösung des Ruhrkonflikts durch ein positives Angebot an die Entenkemächte zu betreten. Nur wenige Tage sind vergangen, bis Herr Rosenberg anderer Meinung wurde— die Verhältnisse waren stärker als er. Heute herrscht innerhalb der Regierung und der Mehr⸗ heit des Reichstages, die zwar die Deutschnationalen nicht umfaßt, vollkommene Klarheit darüber, daß das, was Stresemann und Müller während der außenupolitischen Debatte forderten, zur Wirklichkeit gemacht werden muß, daß es Zeit ist, ein schriftlich fixiertes Angebot über den umstrittenen Fragenkomplex zu formulieren. Grundsätzlich ist man also jetzt über die Taktik als solche einig. Die entscheidende Frage bleibt nun, welcher Art soll das Angebot sein, insbesondere, was sollen wir anbieten, welche Garantien muß Deutschland leisten, um internativ⸗ nale Anleihen zur Mobilisierung seiner Schuld zu erhalten? Vollkommene Einmütigkeit herrscht bereits heute über einen f n zu machenden Augebots im gesamten deutschen Volk: Deutschland ist bereit, die Sicherheitsfrage in einem Sinne zu lösen, der an seiner Friedfertigkeit keinen Zweifel läßt, aber kein Deutscher wird die Hand zu einem Eingriff in die staatliche Souveränität bieten. Veerschiedenartige Ansichten bestehen aber über die Aus- i des Teiles eines Angebotes, der sich speziell mit Reparationsfrage beschäftigt. Es gibt zurzeit Kreise, die einen Zahlungsvorschlag unter Nennung einer festen Summe für richtig halten, während andere aus wirtschaftlichen und ellgemein politischen Gründen die entgegengesetzte Meinung vertreten. Wir glauben. daß die Frage, ob ein deutscher einer festen Summe oder nicht, im Augenblick nicht die entscheidende sein kann. Wenn wir uns nicht irren, findet diese Auffassung übrigens auch Anklang in maßgebenden deutschen Wirtschaftskreisen. Angebracht erscheint ferner, in diesem Zusammenhang darauf zu ver⸗ weisen, daß der englische Außenminister in seiner Oberhaus⸗ rede erklärte, daß ein zahlenmäßig fixiertes Angebot von 250 Deutschland unter den obwaltenden Verhältnissen nicht er⸗ wartet werden kann, dagegen betonte er besnnders die Garantiefrage. In der Tat ist das der wichtigste Punkt in einem Angebot. Er wird schließlich auch die Grund⸗ lage bilden für die Verhandlungen des internationalen Gremiums zur Feststellung der deutschen Zahlungsfähigkeit, wie sie Lord Curzon in Aussicht stellte. Mit derartigen Ver⸗ handlungen muß man rechnen, selbst wenn Deutschland ein Angebot unter Nennung einer festen Zahl macht. Denn Angebot, wenn es im Rahmen der Leistungsfähigkeit liegt, wie sie von deutschen Wirtschaftskreisen geschätzt wird, weder 15 Frankreich, noch in England und Belgien auf Gegenliebe t bei den kommenden Erörterungen des Neparationsproblems eine wichtige Rolle spielen wird, wollen wir zu diesem Problem ffür heute nur einige grundsätzliche Bemerkungen machen. Bei einem Blick auf die deutsche Finanzlage muß man ge⸗ stehen, daß die Lösung der Garantiefrage nicht einfach ist, 1 0 andererseits aber auch erkennen, worauf es im Augenblick enkommt. Nachdem der weitaus größte Teil aller Steuern von den breiten Massen durch die Lohnsteuer und Ver⸗ “brauchsabgaben aufgebracht wird, ist es ausgeschlossen, die neuen Lasten auf die Schultern der Arbeitnehmer zu legen. Noch unmöglicher aber ist der Versuch, sie auf die Noten⸗ spresse ohzuwälzen, weil, wie das Vorjahr zeigt, in kurzer Zeit die Zahlungsunfähigkeit eintritt, ganz abgesehen davon, f daß das Ausland sich auf eine derartige Form der Fundie⸗ kung der Anleihe nicht einlassen wird. Ueberdies hat TLoucheur erst neuerdings wieder erklärt, daß auch für ihn die Stabilisierung der Mark Vorbedingung der Reparations⸗ politik ist. Nun hat Stresemann im Reichstag und in Ar⸗ tikeln den früher von ihm und seinen Freunden so scharf be⸗ kämpften Gedanken der Sachwerterfassung in letzter Zeit nicht mehr abgelehnt. Das ist die Brücke zu unseren eigenen Forderungen. Es gibt in dieser Situation einfach keinen anderen Ausweg zur Lösung der Garantiefrage als den, die Sachwertbesitzer die neuen Lasten tragen zu lassen. Aber 9 185 sogenannten„Kreditangebot“ man wird sich in diesen Kreisen der Täuschung nicht hingeben 1 dürfen, als ob man diesmal mit einem ähnlichen Bluff da⸗ bvonkommen könnte, wie es im Fahre 1921 der Industrie mit oder später mit der angsanleihe geglückt ist. Nicht allein die Garantie der Industrie, des Handels und der Landwirtschaft steht zur Debatte, sondern eine tatsächliche Leistung, die so fest verbürgt sein muß, daß sie dem Ausland gegenüber eine wirkliche Kreditunterlage darstellt. Nachdem Cuno der Reihe nach alle die früher von den bürgerlichen Parteien be⸗ kämpften Anregungen der Regierung Wirth zur Stützung der Mark in der höchsten Not hat durchführen müssen, wird ihm in der Reparationsfrage schließlich kein anderer Weg bleiben, als die Sachwerte zu erfassen, wenn er im Ernst eine Lösung herbeisehnt. Weder ein Kredit im Ausland, noch ein innerer Ausgleich des Etats, auf den die Entente bestehen wird, ist möglich, wenn nicht diejenigen endlich Goldsteuern von ihren Goldwerten zahlen, die heute Gold⸗ preise erzielen und Goldzinsen nehmen. Die Vertretung der deutschen Arbeiterschaft, der Sozial⸗ rentner und Beamten, überhaupt aller derjenigen, die auf Papfermark angewiesen sind, hat allen Grund, aufs schärfste für die Notwendigkeit der Erfüllung dieser einzig wirksamen Vorbedingung für ein Angebot und damit für eine Befreiung aus der schwierigen Lage öffentlich und im Parlament ein⸗ zutreten. Wie der Lokalanzeiger erfährt, ist die Regierung gewillt zu einem positiven Vorgehen. Dafür kommen rein äußerlich vorläufig drei Wege in Frage: 1. Eine Erwiderung des Reichskanzlers Dr Cuno und des e Dr. Rosenberg vor dem Plenum des Reichs⸗ ages. 2. Eine amtliche Verlautbarung durch das W. T. B. 3. Eine Kollektivnote an alle Signatarmöchte des Versaillers Vertrages, in der ein fest umrissener Vorschlag enhalten wäre. In der Note würde das aufrichtigste Interesse der deutschen Regierung bekundet werden, über die Reparationsfrage zu ver⸗ handeln. Außerdem würde man auf die Schlußworte Poincarés in seiner letzten Rede N in der er über die Sicherungen der Reparation sprach. Die deutsche Regierung würde sich noch ein⸗ mal ausdrücklich bereit erklären, Reparationen zu leisten und Sicherheiten zu geben, wie das bereits des öfteren geschehen ist. In politischen Kreisen neigt man der Ansicht zu, daß die Regierung sich entscheiden werde, den dritten Weg zu beschreiten, da er mehr Erfolg versprechen dürfte als die beiden anderen. Die Gewerkschaften des Rheinlandes. Am Montag tagte in Köln eine Konferenz der Ortsausschüsse des ADGB., der Afa und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbeindes. Nach einem Referat Graßmanns und erläuternden Bemerkungen der allgemeinen wichtigen Fragen wurde nachstehende Entschließung an⸗ genommen: „Die Konferenz bekundet erneut den Willen, den Abwehr⸗ kaunpf mit den Mitteln des passiven Widerstandes fortzusetzen, bis eine Verständigung über die zukünftigen Reparationsleistungen Deutschlands erzielt ist. Im Interesse aller Beteiligten liegt eine baldige Verständigung. Denn je länger der Kampf dauert, um so tiefer sind die Wunden, die auf beiden Seiten zu verzeichnen sind. Die Konferenz ist der Ansicht, daß die Prestige-Grsinde bei den wichtigen Volksinteressen den Kampf auch nicht einen Tag ver⸗ längern dürfen. Da die rheinisch⸗westfälische Bevölkerung bisher gezeigt hat, daß der Abwehrkampf in voller Entschlossenheit ge⸗ führt und daß keine Anzeichen des Nachlassens dieses Kampfes bemerkbar sind, kann es nicht als Zeichen der Schwiiche angesehen werden, wenn von der deutschen Regierung ein festumrissener Vor⸗ schlag zur friedlichen Erledigung der Streitfragen auf dem Wege gleichberechtigter Verhandlungen gemacht wird. Die Konferenz erwartet von der Reichsregierung einen solchen Vorschlag. Die Arbeiterschaft ist bereit, ihren Anteil an Reparationslasten zu tragen. Sie fordert von den besitzenden Kreisen dasselbe. Unerläßlich ist, daß die tragfähigen Schultern in Handel und Industrie und den übrigen Volkskreisen Sicher⸗ heiten und Garantien flir Erfüllung der nicht durch Diktat, son⸗ dern auf dem Wege der Verhandlungen festzulegenden Bedingungen übernehmen. Die Konferenz stellt aber ausdrücklich fest, daß eine Erfüllung der durch Verhandlungen festgesetzten Reparations⸗ leistungen nur möglich ist, wenn die deutsche Republik im unein⸗ geschränkten Besitz der Kraftquellen an der Ruhr bleibt. So wie die früheren Konferenzen des ADB. des Ruhrgebiets als näch⸗ stes Ziel aller Verhandlungen die Räumung des Ruhrgebiets be⸗ zeichnet haben, so erklärt heute die Konferenz für das altbesetzte Ge⸗ biet in der Rheinprovinz, daß eine Aussprache und Verhandlung darüber, in der Rheinprovinz eine andere Regelung der staatlichen Hoheftsverhältnisse vorzunehmen, als es im Versailler Friedens⸗ vertrag vorgesehen ist, nicht in Frage kommen darf.“ Eigentümlicher Patriotismus. Nebenamtlich betätigt sich Stimmes auch als Agrarier. So ist er u. a. Eigentümer der„Herrschaf“ Wurchow im hinterpommerschen Kreise Neustettin. Diese Herrsckaft brüstet sich in einer Liste der „Ruhrspende“, die der pommerschen Presse zur Veröffentlichung zu⸗ gegangen ist, mit 39,29 Zentner Roggen. Jeder, der das liest, muß des Glaubens sein, daß es sich um eine Spende der„Herrschaft“ handelt. Wie verhält es sich aber tatsächlich? Aufgebracht ist die Gabe von den Landarbeitern des Besitztums. Der Güterdirektor hat einfach angeordnet, daß diese Spende von dem Deputatgetreide der Arbeiter abgezogen wird. Dieser„Patriotismus“ auf Kosten anderer vereinbart sich glänzend mit dem Spekulationsgeschäft eines Stinnes⸗Konzerns in Berlin, dem wir nicht zuletzt den jüngsten Marksturz zu verdanken haben. Diese Tatsache zeigt wieder, wo die echte Vaterlandsliebe zu finden ist und wer überhaupt Opfer auf sich zu nehmen gewillt ist. Die Stellung der Gewerkschaften, wie sie in obiger Entschließung zum Ausdruck kommt, zeigt dort eine ganz andere Entschlossenheit. Wie im Kriege, gilt auch jetzt, daß nach dem Arbeiterdichter Bröger, Deutsch⸗ lands ärmster Sohn auch sein getreuester ist. Erhöhung des RNeichsbankdiskonts. Vor dem Zentralausschuß der Reichsbank sah sich der Reichsbankpräsident Havenstein aus Anlaß der Diskont⸗ seinerseits das Schreiben der deutschen Schwerindustrie und Baissespekulanten auf dem Devisenmarkt zu brandmarken. Dabei erklärte er, daß die schlechte Zeichnung der Devisen⸗ anleihe des Reiches bewirkt habe, daß„im eigenen Lande wieder die Sonderinteressen sich zum Schaden des Ganzen in stärkerem Maße betätigen, die Ansprüche an den Devisen⸗ markt und an die Reichsbank sich von Woche zu Woche und schließlich zu einem Umfange steigerten, der weit über den normalen Bedarf unserer Wirtschaft gehe und auch die Tagesspekulation sich wieder unbekümmert um das Wohl des Ganzen in stärkerem Maße hervorwagte und durch Vor⸗ verkäufe an dem einen, und Eindeckung der Börse am an- deren Tage die Stützungsaktion erschwerte. Wir haben aber mit tiefem Bedauern und mit ernster Sorge wahrnehmen müssen, daß nicht nur jene Tagesspekulation ihren eigenen Acker pflügte, sondern daß in dieser Zeit des schwersten Ringens Deutschlands auch ernste Kreise unserer Wirtschaft das Recht zu haben glaubten, sich nicht nur für den dringend⸗ sten Bedarf einer nahen Zukunft, sondern auch weiterhin auf Vorrat, oder für Devisen, die sie abgestoßen hatten, mit großen Beträgen einzudecken und selbst vor Konzernaufträgen (großen Aufträgen) nicht zurückscheuten. Das alles geht heute nicht an, denn das heißt, wenn auch nicht absichtlich, so doch tatsächlich der großen gemeinsamen Front und der Aktion, die das Reich und die Reichsbank im Interesse unserer Politik und Wirtschaft führen, in den Rücken fallen.“ Politische Uebersicht. Von uunserer lieben Reichswehr. Die Genossen Kuhnt und Horn haben folgende Anfrage tm Reichstage eingebracht:. „Am Sonntag, 15. April, ist in Stettin eine Gedenktafel für die im Weltkrieg Gefallenen der ehemaligen 4. Division enthüllt worden. Diese Feier ist von aktiven und inaktiven Offizieren zu einer nationalistischen, monarchistischen Propaganda mißbraucht worden. Diese Behauptung gründet sich auf folgenden Tatbestand: Der Stettiner Polizeipräsident hatte in Erfahrung gebracht, daß die Veranstalter der Gedenkfeier in Verbindung mit dieser Straßenumzüge mit Musik planten. Da solche Umzüge der poli⸗ zeilichen Genehmigung bedürfen, ließ der Polizeipräsident dem Standortlommandanten, Oberstleutnant Scheffel, unter Begrün⸗ dung mitteilen, daß er diesen Straßenumziigen die Genehmigung versage. Trotz dieses Verbots zogen Angehörige der Reichswehr nund Militärvereinler in geschlossenen Formationen unter Vor⸗ antritt einer Militärkapelle nach der Grenadierkaserne. Auf dem Kasernenhof nahmen die Umzügler Aufstellung. Der Chef der⸗ Heeresleitung, General von Seeckt, der Teilnehmer der Veranstal⸗ tungen war, schritt unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front ab, und zwar in Begleitung des Prinzen Eitel Friedrich und dessen Gattin, sowie des Generalfeldmarschalls v. Mackensen und anderen Generälen. Der General v. Seeckt nahm dann noch mit seiner Begleitung eine Parade ab. Diese militärische Schau⸗ stellung wiederholte sich noch einmal vor dem Generalseldmarschall v. Mackensen, der die Parade auch in„großer“ Begleitung abnahm. Ist der Regierung dieser Stettiner Vorgang bekannt? Ist die Regierung bereit, Maßnahmen zu ergreifen, damit derartig skandalöse antirepublikanische Handlungen unterbleiben und die republikanische Reichswehr vom monarchistischen Personen ferngehalten wird?“ Die Hetze gegen Sachsen. (Von unserem sächsischen Korrespondenten.) Als die Kommunisten Ende Januar ds. Js. im Landtag ihren Mißtrauenantrag gegen den sächsischen sozialdemokratischen Innen⸗ minister einbrachten, konnte niemand die Folgen voraussehen, die dieser Vorstoß haben sollte. Am allerwenigsten ahnten die Par⸗ teien, die den Mißtrauensantrag einbrachten bezw. unterstützten, daß die Sozialdemokratie dem Ansturm von allen Seiten und allen Parteien siegreich widerstehen und daß das wochenlange Macht⸗ ringen zu einer entscheidenden Niederlage der gesamten bürger⸗ lichen Parteien führen würde. die Wut der bürgerlichen Parteien. Bildet doch Sachsen unter reiner sozialistischen Regierung ein unüberwindliches Hindernis für die Verbindung und Vereinigung der nord- und süddeutschen Reaktion. Dem Vordringen der bayerischen Fascisten nach Norden, nach Preußen, wird in Sachsen wie in Thüringen ein entschiedenes Halt geboten! Nur von diesen Tatsachen aus ist die maßlose Hetze der bürgerlichen Parteien— nicht nur in Sachsen— gegen die neue sächsische Regierung zu verstehen: Man bekämpft in ihr das starke Bollwerk gegen die Reaktion. Von diesen Gesichtspunkten aus ist auch der Kehrreim zu werten, der in der bürgerlichen Preß⸗ und Parlamentshetze ständig wiederkehrt: Reichsregierung hilf! Während man zu der unverschämten Verhöhnung der Reichs⸗ regierung, Reichsverfassung und Reichsgesetze durch die bayerische Reaktion ganz stillschweigend oder höchst selten ein Wörtchen der Abwehr findet, wird versucht, die Reichsregierung unter Hinweis auf Gesetze, die noch nicht einmal im Eutwurf vorliegen, und auf Einrichtungen, die noch gar nicht bestehen, gegen die sächsische erhöhung der Reichsbank von 12 auf 18 gezwungen, auch Umso grenzenloser ist deshalb fetzt find daher zuzulassen. Negterung mobil zu machen. Es bestehen starke Anzeichen dafür, daß die Reichsregierung nicht abgeneigt ist, die sächsischen Vor⸗ gänge unter einer starken Vergrößerungslupe kritisch zu betrachten, während man die Vorgänge in Bayern nicht liest. 1 Dabei scheint man den engen Zusammenhang zwischen den sächsischen und bayerischen Vorgängen ganz zu vergessen. Die Vorgänge in Sachsen sind nichts anderes als das Echo, der Widerhall von dem, was in Bayern geschehen ist und noch geschieht. Mir unendlicher Langmut hat die Arbeiterschaft dem Treiben der bayerischen Reaktion zugesehen, hat sie erwartet, daß man diesen Toten⸗ gräbern der Republik endlich das Handwerk legt. Aber alle Hoffnungen auf ein Eingreifen der Reichsregierung sind zu Schanden geworden. Die maßgebenden Reichs instanzen versagen, während die Gefahr für die Republik ständig wächst. Und da wundert man sich noch, daß der Arbeiterschaft endlich der Gedulds⸗ faden reißt und sie zur Selbsthilfe greift?. Mit der skrupellosen Hetze gegen Sachsen wird noch ein (anderer Zweck verfolgt: Man will die Aufmerksamkeit von den fascistischen Umtrieben in Preußen und Bayern und von den letzten Enthüllungen des Genossen Severing ablenken. Aber in Sachsen erwartet man, daß sich die Genossen im Reich von dem Geschrei der bürgerlichen Parteien nach der Reichsregierung gegen das fächsische Kabinett nicht irre machen und nicht ablenken lassen 555 den Gefahren, die der Republik von rechts drohen. Wir hoffen, daß unsere Genossen im Reich die Bedeutung erkennen, dle die sächsische sozialdemokratische Regierung für den Bestand und die Sicherheit der deutschen Republik hat, und daß sie uns in unserem Kampf für die Sicherheit der Republik, für Demokratie und So⸗ zialismus, unterstützen. Für die Reichsregierung aber gilt: Hände weg von Sachsen! 1 Die Hausordnung im Mietsrecht. Die sogenannte Hausordnung beschränkt in den meisten Fällen die nach dem Gesetz dem Mieter zustehenden Gebrauchs rechte, ja sie macht ihn häufig in einer dem allgemeinen Rechtsgefühl wider⸗ er en Weise rechtlos. Die gerichtliche Praxis schiebt aber der Rigorosität vielfach einen Riegel vor.. Besagt die Hausordnung, daß ein Verstoß gegen sie zur frist⸗ losen Aufhebung des Mietverhältnisses berechtsge und es liegt eine mur einmalige Verletzung vor und der Hausbesitzer verlangt für die Zukunft genauere Beobachtung der Hausordnung, so kann er wegen früherer Fälle allein nicht mehr auf Räumung klagen. Henau so ist es, wenn er in Kenntnis der Zuwiderhandlung die 0 Miete vorbehaltlos annimmt ober der dugiderhendsne ein: Zeitlang zusieht. Selbstverständlich hindert das im Falle erneuter Mitteilung den Vermieter nicht, nunmehr von seinem Kündigungs⸗ vocht Gebrauch zu machen. Ter Schranken, die ihm z. 3. die Mieterschutzgesetzgebung auferlegt, sei hier natürlich nicht gedacht. Selbstwerständlich ist, daß der Mieter bei seiner Uebertretung schuldhaft und rechtswidrig gehandelt hat, Entschuldigungsgründe Hat also der Hausverwalter in Ueber⸗ eitung seiner Beanie irgend einen Verstoß gegen die Haus⸗ ordnung, z. B. Halten eines Hundes, gestattet so besteht für den Hausherrn kein Kündigungsgrund wenn er annehwen dürft, daß der Hausverwalter im Rahmen seiner Ermächtigung handele. Hat der Hausbesitzer selbst die Uebertretung veranlaßt oder be⸗ findet sich der Mieter in einem entschuldbaren Irrtum, so fehlt es an dem Verschulden. Stellt sich die Handlung des Mieters nach dem gesamten übrigen Inhalt des Mietvertrages nicht als rechts⸗ wibrig dar, so find die entgegenstehenden Bestimmungen der Haus⸗ ordnung überhaupt nicht anwendbar. Sind beispielsweise Räume an eine Kolontalwarenhandlung vermietet, so ist eine Bestimmung, die Lagerung von Materialien, die durch Geruch usw. be⸗ ästigend wirken können, verbietet, als nicht vorhanden anzusehen, eil sie mit dem vertragsmäßigen Gebrauch der Mietsache unver⸗ ar ist. Ist in einer Hausordnung das Anbringen von Schildern verboten, so darf der Arzt, der eine Wohnung gemietet, sich gleich⸗ wohl für befugt erachten, ein entsprechendes Schild anzubringen, oh anzumalem erscheint mindestens zweifelhaft. Ist die Wasch⸗ kliche aus irgend einem Grunde unbenutzbar oder verlangt der 7 ohne besondere Vereinbarung eine besondere Bezahlung r ihre Bemitzung, so handelt der Mieter, der der Hausordnung zuwider in der Küche wäscht, nicht rechtswidrig. Ist die Haus⸗ 15 lung im allgemeinen auch streng auszulegen, so muß dies doch 15 Zweifelsfällen so geschehen, wie sie den Mieter am wenigsten lästigt und zwar um deswillen, weil sie im übrigen dem Haus⸗ tzer ungewöhnliche, den gesetzlichen Bestimmungen fremde Vor⸗ steile einxäumt. Ist Reinigen der Wäsche in der Wohnung verboten, so schließt dies doch nicht das Verbot des Spülens und Trocknens der Wäsche in der Wohnung in sich. Die Bostimmung, daß Treppen und Flur vom Mieter zu reinigen sind, schließt im Mehretagen⸗ haus keines falls die Reinigung der Keller und Bodentreppe in sich. Sind ruhestörende Geräusche vor 8 Uhr zu unterlassen, so fällt hier⸗ unter nicht das Ausklopfen der Kleider der Schulkinder, es sei Die Konferenz von Lausanne. Während zwischen London, Paris und Berlin das Spiel anhebt zur Beilegung des französischen Ruhrabenteuers und in Genf die Delegation der Saarbevölkerung vom Völker ⸗ bundsrat wenigstens eine Milderung der schweren Be⸗ drückung erwartet, haben am Montag in Lausanne Verhand · lungen von neuem begonnen, die die Beilegung des türkisch griechischen Krieges bezwecken, bei denen es sich um die Be⸗ seitigung französisch⸗türkischer Differenzen bandeln dürfte, wobei jedoch noch nicht gewiß ist, ob dieses diplomatische Spiel zu einer Aktion weltpolitischer Bedeutung führt oder wie so oft in einer allerdings wenig erfreulichen Komödie enden wird. Welch frevelhaftes Stück dort schon wieder aufgeführt zu werden scheint, geht aus folgender telephoni⸗ scher Meldung von heute morgen hervor: Aus Anlaß der Fortsetzung der Konferenz von Lausanne kommen aus London sensationelle Meldungen über die Haltung Frankreichs gegenüber der Türkei. Die Londoner Abendblätter vom Montag behaupten nämlich, daß Frank- reich entschlossen ist, im Orient an die Entscheidung der Waffen zu appellieren, falls die Türkei die mit dem ameri⸗ kanischen General Chester vereinbarten Eisenbahn⸗ und Bergwerkskonzessionen in Kleinasien, in denen Frankreich eine Verletzung seiner Interessen erblickt, nicht rückgängig macht. Zu diesem Zweck beabsichtige Frankreich zunächst Smyrna mit Land- und Seestreitkräften zu besetzen. Im Pariser Auswärtigen, Amt werden allerdings diese Londoner Meldungen als„kompletter Blödsinn“ bezeichnet. * Hierzu meldet die Telunson vom 24. April aus Paris: denn, daß solches libermäßig und chikanös geschieht. Dürfen Haus⸗ schlüssel nur an Familienmitglieder verabfolgt werden, so gehört Logierbesuch und Dienerschaft demnach dazu. Darf niemand mit brennendem Licht Keller und Boden betreten, so wenden gewöhn⸗ liche Petroleumlampen nicht von diesem Verbot getrossen. Ist das Halten von Tieren verboten, so ist dies nur auf solche Fälle zu be⸗ ziehen, wo die Tiere dauernd in die Mieträume aufgenommen sind. Als Haustiere sind nur solche Tiere anzusehen, welche die Mit⸗ bewohner belästigen oder die Räume schädigen könnten, also nicht Meerschweinchen. 3 Ist nur eine wiederholte Verletzung der Hausordnung bedroht, so muß eine Untersuchung vorangehen. Uebrigens kann, wie schon oben angedeutet, nicht jede noch so geringfügige oder vereinzelte Uebertretung der Hausordnung einen Kündigungs⸗ grund abgeben, sondern nur eine solche, in der sich ein böslicher Wille usw. in dem Maße betätigt, daß dadurch die Interessen des Hausherrn oder der Mitbewohner beeinträchtigt werden. Die Vorschrift, daß Wäsche nicht in der Küche gewaschen oder getrocknet werden darf, ist nicht so zu verstehen, daß nicht einmal ein einziges Stück in der Wohnung gewaschen und getrocknet werden können. Es würde völlig unausführbar sein, wenn z. B. in einer Familie mit kleinen Kindern mit dem Reinigen und Trocknen der Kinderwäsche, die einer steten Erneuerung bedarf, darnach ge⸗ wartet werden müßte, bis Waschküche und Trockenboden frei werden. Unter Wäsche kann deshalb nur die sogenannte große Wäsche gemeint sein, und selbst das im Vertrage ausdrsicklich alusgesprochene Verbot der„kleinen Wäsche“ kann niemals au Kleinkinderwäsche ausgedehnt werden.—5 Deutscher Reichstag. Berlin, 2. April. Der Reichstag überwies am Montag einen Antrag der Mittel⸗ parteien betr die Neuordnung der Lehrerbildung dem Bildungsausschuß. Die Gesetzentwürfe über die Erhöhung der Biersteuer und über den Eintritt der Freistagten Württemberg, Bayern und Baden in die Biersteuergemeinschaft wurden dem Steuerausschuß überwiesen. In zweiter und dritter Beratung wurde der Gesetzentwurf an⸗ genommen, der die Geldstrafen der Geldentwertung heit zu erkennen. Remmele möge doch veranlassen, daß dit Auna sich Suan 827 5 Für Frankreich en esichtspunkte in 3 * Hebe al. Venen bereits erworbener Rechte ausgeglichen werden. 2. Die Initiative der a müsse sich den Bestreb ö neuen Türkei anpassen. 5 4 3. Zwischen Frankreich und Amerika dürfe es zu keinem g likte kommen. 5 2 Mie ruhigere Auffassung der Lage scheint auf eine Mittei ber türkischen Delegation in Lausanne zurückzuführen i Diese Delegalion soll erklärt haben, daß der 10 dee 13 zesfionsinhaber andere Zugeständnisse im Aus tausch erl. n Benachteiligungen erhalten werde. Auch scheint man sich ie mehr darüber klar zu werden, daß das Chesterabkommen wegs anfechtbar ist. 7 8 We türkenfreundliche Ere Nouvelle schreibt: Die Protese un⸗ serer Regierung in London und Malshington haben nicht fruchtet. Zudem beginnt Admiral Chesler sich zu rühren und Gültigkeit des Abkommens hervorzuheben Vielleicht hat Pascha recht, wenn er sagte: Wenn man sich nicht bei Je aufhält und mit der neuen Türkei arbeiten will, kom Löfungen von selbst. 5 1 Montag nachmittag haben die Vertrgter der einlabeen Mächte die E Zusammenkunft abgehalten. Programm dowie Arbeitsmethode sind ausgearbeitet worden. Es wurden drel us schüsse gebildet. Die Bezeichnung Kommisston ist wegg Der erste Ausschuß wird sich unter dem Vorsitz von Sir Run dem Vertreter Englands, mit politischen Klauseln befassen. un der Leitung des französischen Bevollmächtigten Pollet wird 0 zweite Ausschuß die Finanzklauseln prüfen. Dem dritten Ausf unter der Leitung des italienischen i Montague wir vorbehalten bleiben, die wirtschaftlichen Fragen zu priffen. 9s ad Pascha hat dem Arbeitsplan zugestimmt. 8 1 Zu der Lausanner 2 schreibt der Temps: Wir nicht an dem Ostfrieden verzweffeln und wir wallen l. ö jenigen gehören, die schon jetzt(2J von einem Abhr N Konferenz reden. 0 II anpaßt. Als Berichterstatter mac f merkenswerte Mitteilungen über die Einwir d Geldstrafen an die Stelle von kleineren Freiheitsstrafen A5. ersten Halbjahr 1922 gab es 60 924 Fälle, im zweiten g machte Abg. Ra d Auvirt 87 936 Fälle im ganzen Reiche außer ü zwei Fünftel der Fälle, wo sonst Freiheitsstrafen verhängt wurden nun mit Geldstrafen abgemacht. Die meisten der strafen sind sehr bald nach dem Urteilsspruch worden. In der fortgesetzten Beratung über den Reichs wirtschaftsministeriums leistete sich K nationale Unternehmersyndikus Dr. Reichert eine Rede, d die Aufgabe gestellt hatte, daß in Deutschland die Kapitalisten meisten Not leiden und es den Arbeitern verhältnismäßig gut e Er rechnete aus, daß die ungelernten Arbeiter längst die Höhe hes Reallohns un Frieden erreicht haben und er prägte den une Devisenbedarf für die Ein merkungen machte der ister über die Sozialist. 0 der er eine andere Betätigung zugewiesen haben möchte. Feen duc 6 Zum gang eichswirtschaftsminister: aus den sei keinerlei Mitwirk der Reichsregierung bei dieser A schuldigungen außerhalb des Parlamentes in einer Form würden, die die gerichtliche Klärung der Angelegenheit ermög Sehr wirkungsvoll sprach dann noch einmal unser 0 Robert Schmidt gegen die Auffassung des Reichsw ministers über den Devisenbestand und gegen die unerhörte Rehe Deutschnationglen. Die Effektenkurse seien viel stärker gestiegen die Löhne und die Verarmung der breiten Massen sei ungeheutt Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Wie lange er bewußtlos gelegen, das wußte er nicht; aber er sand sich, als er die Augen aufschlug, an der Mün⸗ dung des„schwarzen Loches“. Draußen pfiff der Wind noch immer mit vollen Backen, das Meer toste, alle anderen Ge— sräusche jedoch waren verstummt. Nur langsam kehrte ihm die Erinnerung an die überstandene Gefahr zurück. Er hielt den Alem an und lauschte, ob keine menschlichen Stimmen an sein Ohr dringen. Als er nichts dergleichen vernahm, roch er mit schmerzenden Gliedern bis zum Rande des Loches und blickte hinunter konnte aber kein lebendes Wesen entdecken. Kein Wunder, denn unten schäumte und gurgelte die Flut und wälzte sich immer näher bis zum„Altar“. Das rklärte die unheimliche Stille. Die Belagerer hatten sich, wie so oft schon, vor dem barmherzigen Element flüchten müssen und er blieb Herr der Lage. Das war ein teuer er— kaufter Sieg! Unten schimmerten durch das noch niedrige Wasser die Felsstücke und Steine, die er aus seinem Versteck hinabgeschleudert. Die Schlacht war geschlagen und Rohan Sieger. Wenn er mit genügendem Proviant versehen wäre, um seinen erschöpften Körper zu kräftigen, könnte er seine Position gegen eine noch so große Uebermacht wie lange immer halten, aber seine Kräfte waren völlig erschöpft. Hunger und Kälte hatten ihr Werk vollbracht und seinen Organismus gründlich zerstört. Ein Gefühl der trostlosesten Verzweiflung und Vereinsamung packte ihn. Bislang hatte er sich tapfer gegen seine Feinde gewehrt und war ohne Zögern seinen Grundsätzen treu geblieben. Nun begann ihn der Glaube an sich, an die Menschheit und an Gott zu ver⸗ lassen; er fühlte, daß es nicht mehr weiter ging und seine Kraft zu Ende war. N Das Wasser in der Kathedrale stieg immer höher und er⸗ füllte den ungeheueren Raum wie Donnergrollen. Der Wind peitschte den Schaum nach allen Richtungen hin und dieser spritzte sogar dem sich ängstlich vorbeugenden Rohan ins Ge⸗ „icht, der mit krampfhafter Spannung einen dunkeln, be— wegungslosen Gegenstand, der gerade unter seinen Füßen lag, beobachtete. Die Flut kroch immer näher an diesen hu an und netzte ihn schon fast mit ihrem Naß. Jetzt, jetzt ner sie ihn mit ihren gierigen Zähnen erfassen und zerfleischen! Rohans Auge bleibt wie gebannt auf dem dunkelen Punkt haften, bis sein Herz, von namenlosem Grauen erfaßt, der Versuchung, hinunterzuklettern und sich Gewißheit zu ver⸗ schaffen, nicht länger zu widerstehen vermag. Vierundzwanzigstes Kapitel. Fata Morgana. Mit der Geschmeidigkeit eines Afsen kletterte Rohan die glatte Granitwand hinab und befand sich nach wenigen Augenblicken auf der einzigen trockenen Stelle in dem unge⸗ heueren Raume. Porsichtig blickte er um sich, als er bemerkte, daß die Flut sich mit einem donnerähnlichen Getöse durch das Tor des heiligen Gildas wälzte. Das weit draußen wogende große Herz des Ozeans erhob mit jedem Pulsschlag die Wellen zu schäumenden Bergen die an den Granitwänden zerstoben, um im nächsten Augenblick um so höher wieder auf⸗ zutauchen. Rohan beobachtete ängstlich diesen mächtigen Auf⸗ ruhr des tobenden, brausenden und immer höher steigenden Gewässers, das bereits seine nackten Füße umspülte und die bewegungslos auf dem Boden liegende Gestalt wegzuspülen drohte. Er zuckte zusammen, als ob eine eiskalte Hand an sein Herz gegriffen hätte und konnle keinen Blick von dem leichenblassen, zum Himmel gerichteten Antlitz wenden, das jetzt vom fahlen Mondlicht beleuchtet wurde. Eines der großen Felsstücke, die Rohan in seiner blinden Wut herunter⸗ geschleudert hatte, mußte den Mann niedergestreckt haben: es lag noch immer auf seiner zerschmetterten Brust. Der Tod mußte sofort eingetreten sein. Die eine starre Hand lag be⸗ reits im Wasser, während das schreckliche Gesicht mit den ge⸗ brochenen Augen wie anklagend zum Himmel emporstarrte. Worte vermögen das Gefühl des Grauens, von welchem Rohan bei diesem Anblick durchrittelt wurde, nicht zu be⸗ schreiben. Er fröstelte wie im Fieber, ein dumpfer wühlen⸗ der Schmerz lähmte seine Glieder, er hätte, wenn es sein Leben kosten sollte, sich nicht von der Stelle zu rühren ver⸗ mocht. Wie hypnotisiert starrte er bald auf das Antlitz des Toten, bald auf seine eigene Hände, die nicht mehr rein von Blut waren. Vor seinen Augen sprühten Funken, er mußte sich 15 ein Felsstück lehnen, um nicht vor Schmerzen um⸗ zusinken. Mit der Flucht seiner Feinde war sein wilder Zorn und senn Blutdurst sofort verraucht. Die Schlacht war geschlagen, er behauptete das Feld als Sieger, aber zu seinen Füßen lag l ein von ihm Gemordeter! Er hatte schon öfter Tote gesthen — Männer, Frauen und Kinder, die in ihren Betten storben waren, nachdem sie die letzten Segnungen der empfangen hatten. Auch Totenwache hatte er als guter 0 und Bürger öfter gehalten, aber damals waren seine Hilde noch nicht mit Blut befleckt gewesen und sein Gewissen wan! e e Mit Entsetzen und Grauen ward er sich bewußt, daß Hände ein atmendes Menschenleben— das merkwüt und heiligste Geheimnis der Natur— vernichtet hal Freilich hätte er sich damit trösten können, daß 1 5 aus Notwehr gehandelt; aber ist das für ein so geqtse Wesen wie Rohan Gwenfern ein Trost? Er, dessen Herz purer Güte, dessen Natur aus purer Liebe und Barmhhi keit zusammengesetzt war, aus dessen Hand die unschul! Lämmlein und schüchternen Tauben gefressen hatten, der lang keinem Lebewesen ein Leid hatte zufügen könneß, selbst die Seevögel geschützt hatte, war an einem Mesf zum Mörder geworden! Schon der Gedanke erfüllte ihn grenzenlosem Abscheu! Sein Leben war zerstört, die die er atmete, vergiftet! Das also war das Ende fei Traumes von Liebe und Frieden auf Erden?! 11 Als er sich endlich aus dem einer Erstarrung ähnlihe Zustande aufraffte, zogen Wolken über seinem Haupte bah, der Wind pfiff und das Meer brüllte noch immer hinter de Tore. Er faßte sich ein Herz und bückte sich zu dem di hinab, um sein Antlitz zu erkennen, wozu er bisher noch nah den Mut gefunden. In seinem Entsetzen flehte er inbrihnhg, er möge wenigstens seinen bittersten Feind— Mikel Glen — ins Fenseits befördert haben, damit er vor sich selbss h Entschuldigung finden könne. Gott erhörte sein Gebet ie und Rohan war der Verzweiflung nahe, als er entdecktz aß der Ermordete eine Uniform trug schneeweißes Haupt 15 Barthaar hatte und Sergeant Pipriae war! Während langen Zeit seiner Verfolgung war es ihm nie einge urg dem Alten ernstlich zu grollen oder ihn als Totfeind 1 trachten. Er hatte ihn stets als den besten Kameraden* Vaters gekannt und wußte, daß sich hinter der fte Miene große Gutmütigkeit versteckte, daß Pipriae ihm ga Gelegenheit zur Flucht geboten hätte, wenn eine solche 0 lich gewesen wäre und daß er nur„der Not gehorchend dem eigenen Triebe“ seine unliebsame Pflicht erfüllen fle, ihn lebend oder tot den Behörden einzuliesern. e (Fortjetzung folot 7* r Die letzte große Preiserhöhung bet der Kohle sel nicht zu 14 2 b 0 hagen min nach bie dalste des Rnweres mie dor ben en. Viele deutsche Wavenpreise gingen weit, zum Teil um das wußt wären, würden solche Vorfälle, die d samte utschen f 8 15 e 1 wien N f entwickelte ann eine längere Geschäftsordmumgsdebatte lber die Gestaltung der Tagesordnung für Dienstag. Ecließlich wurde mit den Stinmen der bürgerlichen Parteien beschlossen, den Antrag iber den Versammlungsschutz. der am Samstag wegen 0 . er den der bilrgerlichen Abgeordneten nicht hatte erle 1— an zweiter Stelle auf die Tagesordnung für Dienstag Gießen und Umgebung. Nationalismus. Die Muster- und Patentpatrioten bleiben sich immer gleich: sie können gar nicht anders denken wie: Gottlob, daß wir einen besseren, höheren, den eigentlichen iotismus besitzen! So wird das Wort„national“ immer wieder schnöde migbraucht. Bismarck hat für alle Parteien, die ihn gelegentlich oder stets bekämpften, das gehässige Wort von den Reichsfeinden“ gefunden, und es ist eine übele Erbschaft dieser überheblichen Gesinnung, daß nament⸗ lich die nationalliberale Presse sich auch heute noch oft als schlechthin„national“ setzt. So natürlich auch der all ⸗ deutsche Gießener Anzeiger! Das ist seine Natur, das fließt ihm so von selbst aus der Feder, er kann oder will nicht von der schlechten Gewohnheit lassen. Für in ist daher in seinem letzten Wochenrückblick die national liberale Kölnische Zeitung einfach ein„nationales“ Organ. Andere politische Richtungen sind also— dieser Gedanke liegt eben dieser Anmaßung zugrunde— weniger national oder gar nicht national, wenn nicht gar, o Schrecken, inter national.„Nationalliberal“ gleich national“, so klingt das alte Lied, eine Selbstverständlichkeit für diese Oberpatrioten. Das eigentlich Selbstverständliche sollte 6 sein, die duldsame Ansicht festzuhalten, daß alle ernsthaft politisch denkenden und handelnden Deutschen, einerlei welcher Parteirichtung und welchen religiösen Bekenntnisses, als Ziel das Beste der Natlon verfolgen, also im guten und eigesfklichen Sinn national find. Darüber sollte kein Streit sein. Parteien aber, die das wirklich Selbstverständliche auch noch in ihrem Namen besonders betonen zu müssen glauben, machen sich schon hierdurch des PVharisäertums ver⸗ dächtig. Bekanntlich haben die früheren„Nationalliberalen“ in diesem Punkte im neuen Staat eine lebhafte Konkurrenz durch die„Deutschnationalen“ erhalten, die den Nationalis⸗ mus⸗ Chauvinismus bereits in ausschließliche Erbpacht ge⸗ nommen haben. Nur, daß die treuteutschen Deutsch⸗Völki⸗ schen sie auch hierhin noch übertrumpfen! Immer die alte Frechheit! Wir von der„besseren“ Gesellschaft(früher die Aristokraten, d. h. die Herrschast der„Besten und Edelsten der Nation“, um den unseligen Schwätzer Wilhelm II. zu zitieren) sind natürlich auch die besseren Deutschen. Wer's glaubt. — Die Gießener Fortbildungsschule. Mit Beginn des Schuljahres 1923/24 ist die Gießener Fort⸗ ngsschule nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen aufgebaut worden. Sie gliedert sich in eine Knaben⸗ und eine Mädchenab teilung. Die Knabenabteflung zerfällt in eine allgemeine, eine gewerbliche und eine baufmännische Gruppe. Zur allgemeinen Gruppe gehören Schneider, Schuhmacher, Gärtner, Friseure, Bäcker. Konditoren, Metzger und verwandte Berufe, Lohnarbeiter und Ungelernte. Die gewerbliche Gruppe umfaßt alle Berufe, die technisches und berufliches Zeichnen benötigen, die kaufmännische Gruppe die kautfmännischen 1 75 beiderlei Geschlechts. Zum Schulbesuch verpflichtet sind alle ler, die keinen 11jährigen Schulbesuch nachweisen können. Der 1 icht in allen Abteilungen wird auf beruflicher Grundlage erlell, für Mädchen besonders in Hauswirtschaft. Hierzu kommt allgemeiner und staatsbürgerlicher Unterricht. Der berufliche Unter⸗ richt der allgemeinen Abteilung wird von tüchtigen Handwerks⸗ meistern erteilt, die auf Vorschlog der betreffenden Innung von, dem N berufen wurden. Der Fachunterricht an den anderen Abteilungen wird von Fachlehrern erteilt. Der allgemeine und staats⸗ blrgerliche Unterricht liegt in den Händen von haumtamllichen Fort⸗ Vibes schullehrern. Außerdem sind noch einige Volksschullehrer un Nebenamt tätig. Jede Abteilung hat eine besondere Leitung, die ganze Sahle umtersteht dem Stadtschulamt. Zur Zeit umfaßt die Schule 4 ö 72 Klassen mit 16 hauptamtlichen und einigen nebenamtlichen Lehr⸗ krästen und 6 Meistern. Da in Gießen kein Fortbildungsschulhaus ist, mußten die einzelnen Abteilungen getrennt unterge⸗ werden, die allgemeine und ein Teil der gewerblichen Ab⸗ teilung in der Alten Klinik, der Hauptteil der gewerblichen Abteilung im Gewerbehaus, die kaufmännische Abteilung im Kaufmännischen Vereinshaus, die Mädchenabteilung im Schulhaus Neustadt. Der Unterricht ist kostenlos, doch wird von den Besuchern der kaufmännischen und der gewerblichen Abteilung ein Bei⸗ trag zur Bestreitung der sachlichen Unkosten erhoben. 10 Prozent er Schiller können auch davon befreit werden. Der Schulbesuch ist gut, doch soll nicht verfehlt werden, darauf aufmerksam zu machen, daß für ungerechtfertigte Versäumnisse die gesetzlichen Schulstrafen in Anwendung kommen. Diefe betragen ½ bis 2½ des ortsüblichen Tagelohnes für Versicherte unter 10 Jahren, der zur Zeit für Gießen auf 3360 Mk. festgesetzt ist. Der Mindestsatz für ein Versäymnis ist stsatz 8400 Mk. Ist der Arbeitgeber an dam — Wohlfahrts⸗ und Jugendfürsorge. Der perte Vortrag in dem Vortrags⸗Kursus ilbr Wohlfahrtspflege und Jugendfürsorge der am vergangenen Sonntag im Gewerkschaftshaus stattfand, behandelte das Thema:„Die rechtliche Stellung zwischen Eltern und Kind und das Vormundschaftswesen“. Genosse Rechtsanwalt Homberger hatte das Referat libernomnien und behandelte in verständlicher Welse die ge⸗ setzlich festgelegten Rechts verhältnisse zwischen Eltern und Kind, sowie die rechtlichen Verhältnisse im Eheleben im allgemeinen, um dann im zweiten Teil seines Vortrages das Vormundschaftswesen, Durch⸗ führung und Anordnung dex Vormundschaft Harzulegen. Der Begriff der Verwandtschaft, die eheliche Abstammung, die Unterhaltungs⸗ pflicht zwischen Eltern und Kind und den Verwandten, die in gerader ine zu einander stehen, fand belehrende Auslegung, die durch eine Anzahl praklischer Beispiele aus dem Leben noch verständlicher ge⸗ macht wurden. Ve in gerade Linse sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Unterhaltungsberechtigt ist nur, wer außer Stande ist, sich selbst zu ernähren. Ein Kind kann von selnen Eltern die Gewährung des Unterhalts verlangen. Zur Gewährung des Unterhalts sind die Eltern verpflichtet, wenn der Ertrag seiner Arbeit oder seines Vermögens zum Unterhalt nicht ausreichen. Ebenso ist das Kind seinen Eltern gegenüber verpflichtet, nach seiner Lebens⸗ stellung entsprechender Weise, seine Dienste zu leisten. Das Kind steht während der Minderjährigkeit umter elterlicher Gewalt, andererseits N dem Vater kraft der elterlichen Gewalt die Nutzuießung an em etwa vorhandenen Vermögen des Kindes zu. Die elterliche Gewalt steht der Mutter zu: 1. wenn der Vater tot ist, oder der Vater die elterliche Gewalt verwirkt hat. Auf die Ausführungen des Vortragenden im Einzelnen einzugehen, würde zu weit führen. Der Redner behandelte noch in erschöpfender Wesse die rechtliche Stellung der imehelichen Kinder, sowie die Legitimation derselben, Annahme an Kindesstatt und das Vormundschaftswesen. Die Ausführungen er⸗ weckten lebhaftes Interesse und wurden beifällig aufgenommen. An der anschließenden Aussprache betefligten sich die Genossin Frau Hüter, Frau Stoll umd Genosse Häuser. Die Genossim Stoll schloß dann den Vortragskursus mit dem Hinweis, aus dem Gehörten der Vorträge die Nutzamwendung zu ziehen. Das Reichs jugendwohlfahrts⸗ gesetz bleibe ein Messer ohne Klinge, wenn es unsere Genossen und Genosfinnen nicht verstehen, bei der Durchflührung dieses segens⸗ reichen Gesetzes recht intensiv und mit Hingabe mitzuwirken. Es ist ein unmöglichechr Zustand, daß die Wohlfahrtspflege im allgemeinen meist in den Händen bürgerlicher Herren und Damon liegt, die nie Sorge und Not am eigenen Leibe erfahren haben, Die Jugend unserer Klassengenossen kst es meistens, die durch das Jugendwohlfahrts⸗ gesetz betreut werten soll, ihrer sich anzunehmen, ist sittliche 9 5 für uns als Sozialisten. — Elsaß⸗Lothringer⸗Hilfe. Als Reinertrag des von Dr. Fried⸗ ite rarischen Gesellschaft“ rich List im Auftrage des„ 1 seinerzelt veranstalteten Goethe⸗Abends sigd der„Ortsgruppe Reich 65 000 Gießen des Hilssbundes für die Elsaß⸗Lothringer im Mark überwiesen worden — Bühnenfest und Schlußfeser der Thegterspielzeit. Wie in den Vorjahren, will das darstellende Persowal unseves Stadt⸗ theaters wieder in enascer Jühlung mit dem Publitum eine Schlußseier veranstalten. Ain kommenden Samstag findet in sämtlichen, festlich doborierten Räumen der Liebigshöhe ein Wohl⸗ lätigkeitssest statt. Geplant ist eine Aufführung der„Spani⸗ schen Fliege“. Cabarelt zum Besten der Ruhrhilfe. Großer Ball mit einem aus 20 Musikern bestehenben Ballorchester. Um jedem Besucher einen sosten Platz zu sichern. werden Karten nur in beschränkter Auzahl ausgegeben. Bestellungen sind nur e an das Buregu des Festausschusses, Staßttheater, u richten. Schluß der Annahme Mittwoch abend. — Anlagenlonzert findet heute, Mittwoch. mittag 12 Uhr(bei günstiger Witterung). am Liebigdenkmal durch die Kapelle des 1(bess.) Grenadier⸗Bataillons 15. Infanterie⸗Regiments statt. Musikfolge; 1. Deutsche Wacht! Marsch von Kaus; 2. Ouver⸗ ture zur Oper„Der legende Holländer“ von Rich. Wagner: 3 Hallo venmarsch mit Venutzung zweler Marschmelodien aus dem 15. Jahrhundert, bearbeitet von M. Kämpfert; 4. Große Fantasie aus der Sper„Cavaleria rusticaua“ von P. Mascagni; 5.„In Treue fest“! Marsch von O. Teike. — Konzertverein Gießen. Auf das morgen, Donnerstag, 7% Uhr in der Neuen Aulg stattfindende Sonderkonzert von Ruth Arndt(Alt) und Frau Pabst⸗Heß(Cello) sei noch⸗ neals hüngewiesen. — Nödgen. In der Gemeinderatssitzung vom 21. Apyll wurde das Gehalt des Faselochtenhalters 1 25 000 Mark monatlich erhöht.— Ein Gesuch des Kicchenvorstandes um Be⸗ willigung von 110 000 Mk. für Bezahlung der Darmstädter Zeltung und hes Regierungsblattes wurde nochmals zurückgestellt. Für die Nuhrhilfse wurden 100 000 Mk. bewilligt. Das Ge⸗ halt der Kvanbenschwester wurde auch aufgebessert. Dem Gemeinde⸗ schäfer wurde sein Gehalt auf 100 000 Mk. ab 1. April erhöht. Für die Erwerbslosen⸗Unterstützungsempfäuger wurde ene Prüfungskommission gewählt von drei Arbaltgebern und drei Ar⸗ beltnehmern, beßelend aus Wächter, Kraushaar. Arnold, Zimmer⸗ mann, Hahn, Balser 5. Zum Schlusse kam es noch über den un⸗ erlaubten Zuzug einer Familie von Gießen zu einer Auseinander⸗ setzung — Allendorf a Lda. Die diesjährige Malfeler des 7. Unter⸗ bezirks findet in Allendor; a. Lumda am 1. Mai statt, wozu wir alle politsch und gewerkschafblich organisierten Arbeiter, sowie die Freunde und Gönner unserer Sache höflichst einladen. Marburg⸗ Kirchhain, Lanbfriedensbruchprozeß in Marburg. Vor dem Schwurgericht in Marburg wurde vorige Woche an vier Tagen gegen 6 Angeklagte wegen Landfriedens⸗ bruch verhanbelt. Angeklagt waren: der Betonarbeiter Joh. Schmidt aus Marburg. Former Hch. Busch aus Slerzhausen, Dienstmann Joh, Michel aus Marburg, Former Joh. Rühl aus Mornshausen Htienarbeiter Konr. Kühn aus Marburg, Fabrik⸗ arbeiter Joh Müller aus Marburg, Sämtlichen Angeklagten wird zur Last gelegt, am 4 Jul vorigen Jahres gelegentlich der Demon⸗ stration anläßlich der Ermordung Rathenaus Gewalttätigkeiten gegen Personen und Sachen verübt zu haben. Nicht weniger wie 45 Zeugen wurden vernommen. Gegen eine Anzahl andere, wegen derselben Straftaten Angeklagte wurde bereits vorher vor der Strafkammer verhandelt. worüber in diesem Blatte berichtet wurbe, Ueber die Schwurgerüchtsverhandlung werden wir noch ausführlicher berichten.— Das Urteil wurde am Samstag abend verkündet und lautete: gegen Schmidt 6Monate Gefängnis, gegn Ruhl 5 Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körper⸗ verletzung. Ferner erhielt Busch 88 Tage Gefängnis, die in 75 000 Mark Gelbstrafe ungewandelt werden, Kühn und Mliller je zwei also 1680 Mk. ö e Sätze auf das doppelte. Monate Gefängnis, die in 50 000 Mk, Geldstrase umgewandelt werben. Nuß, Kun und Miller misssen außerdem zusammen 60 000 Mi Buße an den Studenten Eggert erlegen. Michel wurde sreigesprochen, Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 23. April. Getreidebörse. Entsprechend der Devisenbesestigung verlief die Getreidebörse in fester Stimmung. Es wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen Mk. 110—115 000, Roggen Mk. 100—105 000, Gerste Mk. 90—100 000, Hafer, inlän⸗ discher Mk, 60—90 000, Mais(La Plata und Mixed) Mk. 125 bis 135 000, Weizenmehl füdd. Mk. 190—210 000, Roggenmehl Mark 140155 000, Kleie Mk. 5456 000, Erbsen Mk. 150—180 000, Heu 9 9 5256 000, Stroh Mk. 42—44 000, Biertreber Mk. 55 000 nominell. Frankfurt a. M., 23. April. Frankfurter Viehmarkt. Der Hauptmarkt hatte einen Auftrieb von 931 Rindden. nämlich 98 Ochsen, 35 Bullen, 798 Färsen und Kühen, 286 Kälber, 30 Schafe, 1101 Schweine, Es wurden bei erheblich gestiegenen Preisen bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen, vollfleischige, Mk. 280 bis 320 000, mäßig genährte Mk. 180—220 000, Bullen Mk. 200 bis 260 000, Färsen und Kühe, vollfleischige, Mk. 280320 000, ausge⸗ mästete Mk. 250280 000, wenig gut entwickelte Mk. 230270 000, gering genährte Mk. 180—230 008. Kälber bester Qualität Mk. 280 bis 320 000, mittlerer Qualität Mk. 220—270 000, geringerer Quali ⸗ tät Mk. 170— 220 000, Schafe Mk. 180—220 000, unter 80 Kilo Mk. 320350 000, von 80100 Kilo Mk. 350—370 000, über 100 Kilo Mk. 370380 000. Der Markt wurde bei lebhaftem Geschäft geräumt. Strafkammer Gießen. (Sitzung vom 20. April.) Wegen„pehlere!“ hatte sich der am 8. Febr. 1890 geborene Händler Wilh. Noll von Gießen zu verantworten. Wie noch erinner⸗ lich sein dürfte, wurde im Juni 1920 in das Lager des Reichsver⸗ pflegungsamtes am Bahnhof Gießen eingebrochen und unter anderem 11 Kisten Wurstkonserven. Noll, bei dem die gestohlenen Waren untergestellt wurden, half auch bei dem Absatz bei ener hie⸗ sigen Fabrik als Vermittler und erhielt einen Betrag als Provision. Er behauptet mim, damals nicht gewußt zu haben, daß es sich um gestohlene Waren gehandelt habe. Die Strafkammer hält N. aber nach den ganzen Umständen des Falles der Hehlerei für überführt und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten, denen von Frankfurt a. M. und f angesehener und geachteter Frankfurter 1 er lungsfähige führt. Bewaffnet und ausgerüstet mit Revolver, Gummischlauch, Sperrhaken und Laterne wurde in die Parterrewohnung der Ge⸗ brüder Freymumd eingestiegen. Sch. entnahm aus einer Kommode den Betrag von 62 000 Mk. und wollte die Beute gerade in eine mitgebrachte Aktenmappe verstauen, als er von dem durch das Ge⸗ räusch aufgewachten Bruder Freymund ertappt und festgehalten wurde. W., der außen am Fenster stand, machte sich, als er sah, daß die Sache schief gegangen war, schleunigst aus dem Staube, und wurde am nächsten Tage in Frankfurt festgenommen.— Jetzt sind die beiden jungen Leute reumlltig geständig. Trotz der Gemeingefährlichkeit ihrer Tat und den sie begleitenden erschwerenden Umständen, er⸗ hielten sie mit Rlicksicht uf die Jugend, das Geständnis und da ein Schaden weiter nicht entstanden war, je eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten. Trotz ihres hartnäckigen Leugnens hält die Straflammer auf Grund der in erster Instanz gemachten Fest⸗ stellungen die des Dieb stahls von 2000 Mk. emgeklagte Dienstmagd Melita Kübel von Helpershain für füberführt und verwarf deshalb die von ihr gesen die in erster Instanz an Stelle von 15 Tagen 1 1 erkannte Geldstrafe von 15000 Mkl. eingelegte Be⸗ rufung. Wegen„Preistreiberei“ freigesprochen wurde der Zimmermeister Wilh Meufer von Büdingen, der in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 2000 Mk verurteilt worden war. Er hatte einem Bildinger Landwirt einen Stall erbaut und hierzu Tannen⸗ holz— das ihm unter entsprechendem Pveisnachlaß aus dem Büdfuger Gemeindewald überlassen worden war— verwendet. Fiir den Kubikmeter Holz setzte er dem Landwirt einen Betrag in die Rechnung, den dieser als viel zu hoch ansah, Die Preßs⸗ vrüfungsslelle veranlaßte ein Verfahren wegen Preistreiberei. Die Strafkammer konnte sich nach Anhörung eines Sachverständigen nicht davon überzeugen daß in dem angesetzten Betrag— unter Verlicksichtigung des Ausfalles für Schwund. der Gestehungskosten osw.— ein übermäßiger Gewinn zu erblicken sei und sprach den, Angeklagten frei Versammlungskalender. Gießen. Freie Turnerschaft. Samstag, 28. April, abends 8½ Uhr im Gewerkschaftshaus Monatsversammlung. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht. Der Vorstand. Treis a. d. da. Volksverein und Freie Turner ⸗ schaft. Donnerstag, 26. April, abends 9 Uhr Versammlung bei en Will. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Rüddingshausen. Soztaldemokr. Wahlperein. Samstag, den 28. April, abends 8/½ Uhr Versammlung im Vereinslokal. Tagesordnung: 1. Maifeier; 2. Rechnungsabschluß. Die Genossen werden ersucht, in dieser Versammlung vo zählig zu erscheinen. Daubringen. Wahlverein. Samstag, den 28. April, abends 8½ Uhr findet bei Joh. Emil Schäfer Mitgliederver⸗ sanumlung statt. Tagesordnung: Quartalsabrechnung, Maifeier üsw. Vollzähliges Erscheinen dringend erwünscht. Alten⸗Buseck. Turnverein. Samstag, den 28. April, abends 8½ Uhr Mitgliederversammlung. Um pünktliches Er⸗ scheinen wird gebeten. 5 Gießen. Arbeiter⸗Gesangverein„Eintracht“. Sonntag, den 29. April, abends 8 Uhr Quartalsversammlung im Gewerkschafts⸗ Verläumnis Kchuld, Io erhöhen lch die Bekanntmachung. Bel Niederschlägen irelen, vielsach die Wässer aus Winkeln und Regenrohrsinktästen an den Straßen fronten auf den Bürgersteig, wodurch die Fußstesge berunreinigt werden. Um dies zu vermeiden. it für eine eingehende Reinioung der Hoswässereinläufe und Regenrohrsinktasten zu sorgen. Gießen, den 20. April 1923 „Der Oberbürgerme 9. Gestorbene. . il. Christine Elisabethe Schwars, 1 Sabel. 8 42. 6 Beerdigung; 25. April, 2½ Uhr nachm. 8 Krenzin. Eine Firma im besetzten Gebiet sucht in Giessen Errichtung eines Verkaufskontors geeignete Räumlichkeiten oder vächster Umgebung zur (KHontor mit kleinem Laden) zu mieten. Tapezierarbeiten lues Gefl. Acgebote unter G. V. 137 an die Geschätts- werden ausgeführt Jon uw. im Arbeitsplan des 9 Semesters, der stelle dieses Blattes erbeten. in den durch Aushang bezeichneten Geschäften und Franz Bock auf der Geschäftsstelle des Vorgzandes zu haben ist. 00 860 euanterigungen Ion Posstermöbeln, sowie alle Repara- turen an sofchen l. dle Liebigstr. 93. Sch c bet dre Volfshochschule Gießen. Geschäftsstelle; Löbestr. 26, 2. Beginn des nenen Semesters: Montag, den 30. April Alles Nähere über Kurse, Gebühren, Anmeldung 10⁰ eee Pau Carl Frensdorf, Gefen wi 1 Herren- Bekleidung N Hotels, Restaurants, Cafés 1 leyerholf 2 Doslar, Arrest: Hotel Schütz, heher Hinder Haus ersten Ranges Ielephon 164— Bahnhofstrasse 52 IDWIG STF diesen Grösste Auswahl in Kleider- Stoffen, 1 Stoffen, sowie in alle Billige Preise! Manufaktur waren Inh.: Th. Weinert G I ESS EN 1 gegenüber den Kleiderstoffe, Seidenstoffe Bahnhofs-Hotei Lenz 4 Neu renoviert! Zentralheirng Am Bahnhof Telephon 151 7 Damen- und Kinder-Konfektiol N B. Elsnffer- Kaufhaus LigssEn Möbel und Hausgeräte Möbelhaus J. Itt mann Hotel prinz Rarl,rhersveg 40 Notel Kobel vom Bahnhof— Elektrisches Licht- Zentralheizung epielwein eigner Kelterei. Karl Kobel. N isenbahn-Hotel Inhaber: A. HOPPELD Friedrichstrasse 41— Fernsprecher 183 Lebiz strasse)— Telephon 1481 a Bürgerliches Haus, 3 Minuten Inh. A. 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