Redaktion: Gießen Fuahnhosstraße 23 Ffrusprechet 2b. Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. u Expedition: Gießen Bahuhofftraße 23 1 5 Die Orerh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Wonnementspreis mit den Beilagen, Das Blatt der Frau und„Land⸗ bpirtschaftliche Beilage, 3 monatlich 780.— Mk. einschl. Bringerlohn. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hexmann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(88 mm breit) oder deren Raum lokal 10.— Mt, auswärts 15.— Mk, die Reklamemillimeterzeile 650.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ Du von Gewaltideglismus. Von Dr. Wagner⸗Roem mich, Hamborn. Lily und Heinrich Brauns Sohn, der geniale Otto Braun, schrieb am 14. September 1910, also vier Jahre vor Beginn des Weltkrieges, in sein Tagebuch:„Es scheint ein Erbfehler der Deut⸗ cchen, ihre Gemeinheiten immer ethisch rechtfertigen zu wollen.“ Aus nachgelassenen Schriften, Berlin 1920.) 13 Jahre war er bamals alt, und mit 21 Jahren zerschmetterte ihn eine französische HBranate, ein Feindgeschoß des Volkes, dem ein Vorfahr, Jerome Zonaparte, zugehörte. Gewiß war seine frühvollendete und allzu rüh geendete Persönlichkeit fern dem Durchschnittstyp des jungen veutschen Menschen, aber seine zähe Energie und schaffensfrohe HBründlichkeit, sein rüsichtsloses Wahrheitssuchen und helläugiges Dingedurchschauen und der reine Ton seines Seelenklanges war noch nur höchste Steigerung des Besten im Wesen des jungen Deutschlands, das den Weltkrieg schlug. Die Uebertrumpfung des uns wenig freundlichen Auslandes durch gewaltstäckste Rüstungen, ber Sturm durch Belgien, die Niedertretung des uns kulturell und volklich und wirtschaftlich nahverwandten innigsympathischen Nord— rankreich, die Unterjochung des europäischen Ostens in den Ver⸗ trägen von Bukarest und Brest⸗Litowsk, all das war eine große weltgeschichtliche Gemeinheit in den Augen der andern Völker und war damals zugleich für die Masse der Deutschen opfervoller Aus- ruck höchsten ethischen Triebes in einem gerechten Weltgeschehen. War es früher anders? Hart griffen wir ein unter dem Zeichen frommer deutscher Rittertugend mit jahrhundertelangem kleberfluten und Eindeichen fremder Volksgebiete in die slawischen Länder im Osten, in das französische Burgund im Westen, in das zänische Sprachgebiet im Norden; sinnlos zog ein deutscher Kaiser nach dem andern über die Alpen, um Italiens freie blühende Städte zu zerstören, um bis Rom und darüber hinaus zu herrschen, and wieder aus höchstem ethischen Idealismus vernichteten im bjährigen Kriege deutsche Katholiken und deutsche Protestanten zinander. Hier war der logische Höhepunkt der gesamten vorher⸗ begangenen unlogischen idealabscheulichen Entwicklung, hier in jähriger gegenseitiger Vernichtung von Volk und Wirtschaft, von 1 und Glück rächte sich unser zweispältiges gewaltideales cßesen. Wir lernten nicht. Wir blieben uns selber treu. Dies Spiel wiederholte sich vom 19. zum 20. Jahrhundert in zeitlich konzen⸗ wriexrter sachlicher Steigerung. Zum Erliegen kam der revo⸗ mtionäre Anlauf von 1848, der zwischen ein republikanisches Frankreich und ein unabhängiges einiges Polen ein freies fried— ches Deutschland setzen wollte, gleich den sich befreienden Ita— fenern, gleich den Ungarn, die auf Bitten des deutschen Wien zom russischen Zaren wieder niedergezwungen wurden. Das später ewaltsam durch Blut und Eisen geeinte Deutschland stand und tel in den Gedanken der Welt und auch Deutsschlands selbst mit er Teilung Polens im Osten, der Festhaltung des bdänischen Zolksteiles in Nordschleswig, der gewaltsamen Angliederung Elsaß⸗ Lothringens, der Nibelungentreue zu einem Oesterreich, das Eschechen u. Südslawen, Rumänien und Italienern ihre nationale Freiheit vocentyhielt Die siegreichen Träger des Gewaltgeistes egen außen waren zugleich die Gewaltobrigkelt im Innern. Mit Zewalt für preußischen König und deutsches Vaterland! Und mit Zegeisterung! Gewaltgeschichte ethisch⸗edelster Gemeinheit, bis der 1914 zur öchsten Blüte und vollster Kraft erwachsene Gewaltidealismus in 0 Kriegsjahren sich selbst überschlug, an sich selbst zweifelte und 918 zusammenbrach: eine Vernichtung gleich logisch und gleich ahwer dem 30jährigen Krieg nach gleich idealabscheulicher Ent⸗ wicklung! ö Miissen wir uns deshalb schämen? Vor uns selbst viel⸗ seicht! Vor den andern Völkern seit Versailles sicherlich nicht! Die Wage steht im Gleichgewicht. Otto Brauns Wort darf jetzt eißen:„Es ist ein Erbfehler der Menschen, ihre Gemein⸗ zeiten immer ethisch rechtfertigen zu wollen.“ Welch großer Augenblick ward 1918 gedankenlos vertan! Der reußisch⸗deutsche Militarismus brach nieder; sein Sturz erlöste ö ie Welt äußerlich vom Katiserismus und erschütterte die inneren, Irundlagen des Gewaltgeistes in der Seele des deutschen Menschen. Da schufen die drei greisen Gewaltanbeter Clemenceau und Wil— oon und Lloyd George der nach Verjüngung lechzenden Welt den lntifrieden von Versailles. Auf Golgatha wurde hesus ans Kreuz geschlagen, in Versailles der Jesusgedanke. . Nicht nur alktenforschend-geschichtlich, auch menschheitspsycho— isch⸗lritisch sollen wir diese Erlebnisse der Schuld überschauen. Zgismarck und Ludendorff siegten international, als sie national mterlagen; denn der Geist von Potsdam, aus der deutschen Berrschaft vertrieben, wanderte nach Versaikles. Eine Seelenwanderung ähnlich vom Kommunismus Lenins zum Faseismus Horthys und Escherichs und Mussolinis. echt; wie aus reifstem Kapitalismus ein Sozialismus heraus- vachsen kann, so aus reinem Gewaltstil eine Friedensgesinnung. Sher nicht! Die Zeit ist erfüllt. Aber ein Träger muß sein, es ann nur das Arbeitervolk sein; der Träger muß einen bewußten tarlen Willen haben. Ihn klären und stählen und ihn täglich in Hroß⸗ und Kleinarbeit erproben! Wir dürsen nicht mehr uns Lrauschen mit der sittlichen Rechtfertigung unserer ge- neinen Praxis, sondern wir müssen uns ernüchtern zur „raktischen Durchführung unserer süttlichen Theorie. Vor einigen Tagen schrieb ich diese Zeilen als Ergebnis ner Aussprache in der Friedens gesellschaft. Inzwischen mar⸗ hlerten die Franzosen ein mit Tanks und Panzerwagen, zu Fuß, z Pferd und im Flugzeug. Wir schasfen— sie vernichten; an ren Amtshäusern steht„Humanfté“ in unsern Her⸗ Die Entwicklungslehre der sozialistischen Theoretiker behält. Durch die Post bezogen 780.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 80.— Mk Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 1 N 8. 2— f 0 Nr. 20 Gießen, Donnerstag, den 25. Januar 1923 13. Jahrgang 9 Die Lage im Industriegebiet. Eine Erklärung der Neichsregierung. Ueber die Meldungen über Vermittlungsversuche in der Frage des gewoltsamen Einmarsches in das Ruhrgebiet und der Wiederherstellungen wird halbamtlich von zuständiger Stelle folgendes erklärt: Der deutschen Regierung ist bekannt, daß man an den verschiedensten Stellen der Welt bemüht ist, dem durch den französisch-belgischen Einmarsch in das Ruhrgebiet ge— schaffenen und sich täglich verschärfenden Zustand des Un- rechts und der Gewalt ein Ende zu machen. Wie wieder- holt erklart, ist Deutschland jederzeit zu Verhandlungen bereit über eine vernünftige Bereinigung der Reparations- frage. In dem Augenblick aber, wo sranzösische und belgische Truppen mitten im Wirtschaftszentrum Deutschlands stehen und die im Ruhrgebiet getroffenen vertragswidrigen Maß- nahmen wiederum im Widerspruch mit den Verträgen auf das Rheinland ausgedehnt werden, erscheint ein Verhandeln über künftige Reparationsleistungen schon aus technischen Gründen unmöglich. Niemand weiß welches Trümmerfeld Deutschland am Ende der französischen Unternehmung dar⸗ stellen wird. Auch können nach Ansicht der deutschen Re- gierung Verhandlungen unter militärischem Druck niemals zu Ergebnissen führen, die wirtschaftlich gesund, für das deutsche Volk annehmbar und zur wirklichen Befriedigung Europas geeignet sind. Reparationsverhandlungen ver- sprechen nach der Ueberzeugung der deutschen Regierung nur dann Erfolg, wenn auf jede Sanktions- und Pfänder- politik endgültig verzichtet und Deutschland Gelegenheit ge— geben wird, seine Pläne für die Lösung des Problems frei zu entwickeln und mit der Gegenseite gleichberechtigt und unbehindert zu diskutieren. Die Reichsregierung verlangt Freilassung der Verhafteten. Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist beauftragt worden, der französischen Regierung folgende Note zu über— reichen: „Die französischen Befehlshaber im Ruhrgebiet haben die ver⸗ hafteten Personen, die in meinem gestrigen Protest genannt sind, zum Teil nach Mainz gebracht, um sie dort vor ein französisches Militär⸗ gericht zu stellen. Die Einleitung eines Verfahrens vor dem franzö⸗ sischen Militärgericht würde jeder Rechtsgrundlage entbehren und in keiner Weise geeignet sein, der Verhaftung den Charakter der Rechts⸗ widrigkeit und der Willtür zu nehmen. Die deutsche Regierung stellt deshalb die Forderung, daß ein solches Verfahren nicht stattfindel. die Verhafteten vielmehr sofort in Freiheit gesezt werden. Im Ruhr⸗ gebiet sind übrigens inzwischen noch weitere Beamte verhaftet wor⸗ den. Es handelt sich um den Oberpostdirektor Jünges, den Tele⸗ graphendirektor Zohmo, den Präsidenten der Eisenbahndirektion Jahn und den Oberbaurat Pusch, sämtlich in Essen. Die Verhaftun⸗ gen sind erfolgt, weil die Beamten sich der von den französischen Be⸗ fehlshabern an sie gestellten Zumutung widerseßt haben, einem vom Reichsverkehrsminister erteilten Befehl zu widerrufen. Die deutsche Regierung erhebt auch gegen diese Gewaltakte Protest. Sie verlangt die sofortige Freilassung der Verhafteten, sofern sie nicht inzwischen erfolgt sein sollte, und behält sich vor, volle Genugtuung zu fordern.“ Die Forderungen der Arbeiter abgelehut. Unter Führung des Regierungspräsidenten Genossen Grützner(Düsseldorf) verhandelte am Montag eine Ab- ordnung der in Mainz weilenden Vertreter der Betriebsräte und der Arbeiterorganisationen und der Beamten Rheinlands und Westfalens mit dem Generalkommando der französischen Armee und überreichte folgende Erklärung: „In letzter Stunde erheben wir im Namen von 600000 Arbeitern und Angestellten des Bergbaus und Hunderttausenden von Ar⸗ beitern der Hütten betriebe Rheinland- Westfalens sowie von Abertausenden von Reichs-, Staats- und Gemeindebamten, Privatbeamten und»Angestellten einmütigen flammenden Einspruch gegen den Versuch, deutsche Staats- bürger lediglich wegen pflichtgemaßer Beachtung der Reichsgesetze mitten im Frieden vor ein Kriegs gericht zu stellen. Sollte dieser unser letzter feierlicher Einspruch ebenfalls unberücksichtigt bleiben, so sehen wir uns als Sprecher der gesamten werktätigen Kopf- und Handarbeiter des wichtigsten Wirtschaftszentrums des europäischen Kontinents gensktigt, alle Folgen der französischen Regierung aufzuerlegen, die aus einer kriegsgerichtlichen Verurteilung der verhafteten deut— schen Arbeitsführer im Ruhrbezirk entstechen können.“ zea steht„Menschheit“ Stolz und traurig sieht das Ar⸗ bettervolk auf dieses Schauspiel, innerlich fassungslos über diesen gagbnflun, äußerlich gefaßt über unsere deutschen Leiden. Wir haben nur ein Geflühl: unsere Gedanken sind die Träger einer bessern Zukunft und einer reinstechnisch allein möglahhen Zu— bhunft. Für uns ist die Logik der Entwicklung. — Auf die Bemerkung des Generals, so berichtet die Frkft. Ztg., daß dieser Einspruch gleichen Inhalt wie der gestrige habe, bemerkte Werkmeister Tschuch vom Thyssen⸗Konzern, daß infolge der inzwischen eingetretenen Verschärfung der Lage heute Vertreter aller Schachtanlagen und Hütten sowie der Berufsorganisationen nach Mainz geeilt seien, um in letzter Stunde vor Schritten zu warnen, deren unüber⸗ sehbare Folgen einzig die französische Regierung treffen müßten. Auch hiernach verharrte der General bei seinem Bescheid. Gewerkschastssekretär Georg brachte das ein⸗ stimmige Ersuchen vor, die Verhafteten besonders wegen ihres teilweise hohen Alters gegen Verpfändung der Mannesehre aller Erschienenen, jene zur Stellung vor Ge⸗ richt zu veranlassen, sofort aus der Haft zu entlassen; das Gleiche versprach in amtlicher Eigenschaft Regierungs- präsident Grützner. Der General lehnte das Ge wünsckte jedoch ab, weil in das Gerichtsverfahren nicht ein ⸗ gegriffen werden könne, erklärte sich aber im Gegensatz zu gestern auf entschiedenes Verlangen bereit, die überreichte Erklärung dem General Degoutte heute noch zu über⸗ mitteln. Eine Stunde nach dieser Besprechung ließ Degoutte die Abordnung wissen, daß er bei seinem gestrigen Beschluß beharre. Die Ausweisung des Kölner Finanzpräsidenten zurückgenommen. Auf Verlangen des englischen Oberkomman⸗ danten ist der gegen den Präsidenten des Landesfinanz ⸗ amts in Köln, Hähling von Lanzenauer, erlassene Aus⸗ weisungsbefehl von der Rheinlandkommission wieder zurück⸗ genommen worden. Weitere Verhaftungen und deren Folgen. Am Dienstag abend ist auch Regierungsdirektor Matthäus, der Stellvertreter des ausgewiesenen Re ⸗ gierungspräsidenten in Speyer verhaftet worden. Gleich- falls verhaftet wurde der Leiter des Finanzamtes II, Ober- regierungsrat Sembach und sein Stellvertreter, Re⸗ gierungsrat Basten. Daraufhin haben die sämtlichen Be⸗ amten und Angestellten des Finanzamtes ihren Dienst ein⸗ gestellt. Vei der Regierung in Wiesbaden ist der Vorsitzende der französischen Forstkommission Luneau am Dienstag er. schienen, um sein Amt anzutreten. Der leitende preußische Beamte lehnte jede Mitarbeit ab, ebenso verweigerten die Registratur⸗ beamten die Herausgabe der Akten. Auf dem Bahnhof Ober hausen sind außer dem, Oberbahnhofsvorsteher Stephan noch diejenigen Beamten von den Belgiern festgenommen worden, die sich weigerten, die belgischen Eisenbahntruppen über die Einrichtung der Stellwerke des Bahnhofs Oberhausen zu unterrichten. Durch weitere Eingriffe der Besatzungstruppen ist die Telegramm- annahme beim Telegraphenamt unterbunden worden, da die Haupteingänge zur nächtlichen Telegrammannahme durch Besatzungstrupepn verschlossen gehalten werden. Der Ver⸗ such, den Eisenbahnverkehr mit französischen Beamten und Soldaten durchzuführen, ist aussichtslos. Im ganzen Ruhr- gebiet gibt es etwa 700 Bahnhöfe, darunter die größten der Welt. Die Gesamtzahl der Eisenbahnbeamten und Arbeiter beträgt 100 000, während die Franzosen für den Dienst im Ruhrgebiet bisher etwa 1800 Mann vorgesehen haben. In Wiesbaden ist jetzt auch der Oberregierungsrat v. Wedel-Parlow, der dritte Nachfolger des ausgewiesenen Regierungsprasidenten, der seit Montag nachmittag nach der Ausweisung des Herrn Spieß die Geschäfte führte, ausge⸗ wiesen worden. Der Stellvertreter des ausgewiesenen Regierungspräsi⸗ denten von Speyer, Regierungsdirektor Matheus, wurde von den Franzosen verhaftet, weil er ebenso wie der Re; gierungspräsident daran festhielt, daß ein deutscher Beamter nur den Befehlen seiner eigenen Regierung Folge zu leisten habe. Der Leiter des Finanzamtes Zell, Regierungsrat Dr. Neuerburg, wurde von der französischen Behörde verhaftet und nach Kreuznach übergeführt. Eisenbahnerstreik in Duisburg, Meiderich und Oberhausen. Wie die Telunion zuverlässig erfährt, ist in Duisburg, Meiderich und Oberhausen Dienstag nachmittag ein Streik der Eisenbahnbeamten und Arbeiter ausgebrochen, da auch dort unerträgliche Eingrifse der Franzosen in den Betrieb die normale Betriebsführung unmöglich machte. Welchen Umfang der in Oberhausen und Meiderich ausgebrochene Streik, der sich inzwischen auch auf Duisburg ausgedeht hat, annehmen wird, kann noch nicht gesagt werden. 5 15 die Franzosen das Ansinnen an die Eisenbahn stellen, Franzosen in Köln. Dienslag gegen 10 Uhr vormittags lam eine seldmorschmäßig ausgerüstete französische Kompagnie vor dem Eisenbahndirektions⸗ gebäude an und machte hier Halt. Zu einer direkten Besetzung des Gebäudes ist es jedoch nicht gekommen. Gegen 11.30 Uhr mußten die 905 auf Veranlassung der englischen Besatzungsbehörde wieder abrücken. Die Zolllinie um das Ruhrgebiet. Wie aus Düsseldorf berichtet wird, sind dort zahlreiche franzö⸗ sage Zollbeamte eingetroffen, die auf das Ruhrgebiet verteilt werben sollen. Man bereitet offenbar die Zollinie vor, die um das gesamte e gezogen werden soll, um es von dem übrigen Deutschland völlig abzuschließen. Im Zusaimmenhang damit stehen größere Um⸗ gruppierungen der Truppen. Die Soldaten werden zu einem Teil aus den Glabten gezogen. In Dortmund hat der Abtransport be⸗ gannen. All diese Soldaten sollen offenbar dazu dienen, die Feng des Ruhrgebiets in ihrem ganzen Umfang zu besetzen, um so die Durchführung der Zollinie anzubahnen. Voraus sichtlich 3 g entransporte großen Stils vorzunehmen, zu einem allgemeinen Eisenbahnerstreik kommen. Es ist möglich, datz der Verkehr schou in 24 Stunden ruht. Das Parteiblatt in Duisburg beschlagnahmt. Die Dienstag⸗Ausgabe unseres Duisburger Partei⸗ blattes, der Volksstimme, wurde von der belgischen Be⸗ satzungsbehörde ohne Angabe von Gründen beschlagnahmt. Außschub der Mainzer Kriegsgerichtsverhand⸗ lungen? Aus Mainz wird gemeldet: Es wird von französischer Seite mitgeteilt, es stehe noch nicht unbedingt fest, daß die kriegsgerichtliche Verhandlung am Mittwoch stattfinden werde. Es werde noch mit der Pariser Regierung darüber verhandelt. 5 Die Lebensmittelversorgung des Ruhrgebiets Die franzöf B. sbehörde t während einer münd⸗ Eber Velen a Gn 5 e ee dell die der Düsseldorfer Regierungspräsident besonders in den letzten Tagen erhoben hatte, mitgeteilt, daß der Oberbefehlshaber der Rheinarmee hle folgenden Inhalts habe ergehen lassen: 7 0 Es ist allen Truppenbeslen ahtsdrücklich verboten, irgendwelche Fettwaren für den Truppengebrauch zu beschlagnahmen oder aufzu⸗ n. 2. Dasselbe Verbot ist erlassen für fettes Fleisch und Gefrier⸗ fleisch in den Schlachthöfen und Metzgereien. Außerdem wurde erklärt, daß sich die Besatzungsbehönden jeden ingriffs in die Zufuhr von Lebensmitteln in das Ruhrgebiet zu ten haben, Diese Bestimmungen sollen auch dann gelten, wenn die Eisenbahntransporte für den Verband, also Transporte für Wiedergutmachungskohlen, verweigert werden sollten. Durch diese Befehle und Anordnungen wäre vorläufig eine Besorgnis, daß die Lebensmittelversorgung durch die Besatzungstruppen unmittelbar ge⸗ stört würde, nicht zu hegen. „Neue Maßnahmen“? Das Ruhrgebiet stand am Dienstag in Erwartung der„neuen Maßnahmen“, die von Paris aus angemeldet sind. Wüßte Herr Poincaré, mit welcher e und Zuvpersicht die maßgebenden Stellen im Ruhrgebiet, auch die Gewerkschaften, diese Ankündi⸗ ng aufgenommen haben, dann würde er sich sicherlich noch über⸗ egen, ob es einen Sinn hat, erst mit den„neuen Maßnahmen“ zur beginnen. Glaubt man in Paris viellejcht durch die Verwirk⸗ lichung der Zollinie, also der Abschnürung des Ruhrgebietes von dem übrigen Deutschland, den Arbeitswillen der Arbeiterschaft, guf den es doch schließlich ankommt, zu stärken? Man gebe sich keiner Täuschung hin! Der Versuch, den Wirtschaftsorganismus im Ruhrgebiet vom Reiche systematisch zu trennen, muß bei der abweichenden Stimmung innerhalb der Arbeiterschaft zum Chaos führen! Die Antwort der Grübenarbeiter, Angestellten und Be⸗ amten auf die rechtswidrigen Verhaftungen ihrer Zechendirektoren müßte doch eigentlich genügend in Paris als Ziel und Richtschnur dienen, wohin es führt, wenn den bisherigen Gewaltakten neue militävische Zwangsmaßnahmen folgen sollten. Hat man von den bisherigen„Erfolgen“ der„friedlichen Aktion“ noch nicht genug? 3 kunft zu merken. Wir wiesen bereits gestern auf die Unsicherheit der Der Einmarsch ins Nuyrgeviet ersolgte nach Pokncars, u die Kohlenverteilung neu zu regeln, insbesondere, um i in den Besitz der ihm vertragsmäßig zustehenden Kohle zu bringen. Trotz aller Basonette war es den Franzosen bisher aber nicht möglich, die Kohlenverteilung neu zu regeln, viel weniger die rückständige Menge aufzutreiben. Nicht eine Tonne Kohle hat Frankreich seit seiner Vesatzungsaktion erhalten.“ Da egen wurden in das innere Deutschland pro Tag durchschnittlich 8000 Waggons Kohle mehr befördert, als vor der Besetzung des Ruhrgebiets. Die finnlose Beschlagnahme von Kohlenkähnen und das naive An⸗ halten von Kohlenzligen vermochten hieran nichts zu ändern. Und diesen Zustand als„Erfolg“ der Gewaltpolifik, die ungeheure Summen für die Militärs verschlingen, glaubt man vielleicht durch nepe Gewalt zu ändern? 5 Bepor Poincaré seine kriegslüsternen Militärs unter Ver⸗ letzung des Völkerrechtes und des Versailler Vertrages gegen eine friedliebende Bevölkerung losließ, erhielt Frankreich mongtlich auf Grund des Spager Abkonnnens rund 70 000 Tonnen Kohle auf Kosten Deutschlands. Es erhielt ferner umfangreiche Holz⸗ mengen, Barzahlungen und dergleichen mehr. Mit dem Zeitpunkt der rechtswidrigen Besetzung deutschen Gebietes hat alles das auuf⸗ gehört. Die sogenannte„wirtschaftliche“ Maßnahme mit Kanonen und Gasmasken erwies sich als unproduktiv und wird sich weiter⸗ 1 als unproduktiv zeigen, solange man glaubt, mit ihnen pro⸗ suzteren zu können. Neue Gewalt bedingt schließlich nur neue Kosten, die für den Wiederaufbau Nordfrankreichs besser ver⸗ wendet würden. 2 Die Arbeiterschaft ist auch in Zukunft bereit, im Rahmen des Möglichen die Lasten aus dem Versailler Vertrag zu erfüllen. Der Gewalt aber setzt sie weitere passive Reststenz entgegen. Schon die Solidarität mit den Brüdern im unbesetzten Gebiet, die durch die Verwirklichung der Pläne Poincarés jenem preisgegeben sind, er⸗ fordert diese entschlossene Abwehr. Ein englischer Urteilsspruch. Von großem Interesse ist in diesem Augenblick ein Rechtsgut⸗ achten der englischen Justizbehörde. Auf Anfrage des Minister⸗ präsidenten Bonar Law vertritt die Justizbehörde darin die An⸗ sicht, daß in streng gesetzlichem Sinne der Vertrag von Versailles durch das französische Vorgehen gebrochen worden ist. Da das Autoritätsgefühl und die Achtung vor dem Gesetz in keinem Lande so stark entwickelt ist, wie in England, ist dieser Richterspruch von hohem Wert für die öffentliche Meinung Englands. Ob man hoffen darf, daß er Weiterungen, wie etwa eine offtzielle Stellungnahme zu den Verhaftungen und Ausweisungen der Rheinlandkommission, zu der Frage der Abberufung der englischen Truppen vom Rhein oder gar einem Schritt hinsichtlich der widerrechtlichen Besetzung selbst nach sich ziehen wird, mag dahingestellt bleiben. Hier spielen Fragen der guswärtigen Politik in das Problem ein, die nicht unbeachtet bleiben dürfen. Fir den Augenblick genügt es, auf den Spruch des englischen Gerichts hinzuweisen. Wenn die Abrechnung über das Ruhr⸗Abenteuer kommt, wird man nicht ver⸗ fehlen dürfen, auf ihn zurückzukommen. Pariser Guckkasten. Die Pariser Abendblätter berichten über die Lage im Ruhr⸗ gebiet aus anscheinend offiziöser Quelle u. a. folgendes: Die nach Paris im Laufe des Tages gelangten Meldungen bestätigen das völlige Scheitern des Generalstreiks. Dieser ist von einzelnen Agitatoren, die aus Berlin ins Ruhrgebiet gekommen sind, her⸗ vorgerufen worden. Von einem Generalstreik kann gar nicht die Rede sein, im Gegenteil, in den Bergwerken wird fast durchweg gearbeitet. Indessen fahren die Eisenbahner noch fort, zu streiken und weigern sich, Kohlen abzufahren. Ferner meldet man Teilstreiks von Telegraphisten und Telephonisten, die sofort durch Franzosen ersetzt werden. Die Bevölkerung ist ruhig. Es werden nur ganz unbedeutende Zwischenfälle aus einzelnen Orten ge⸗ meldet, so aus Kray, wo ein anscheinend Betrunkener in der Nacht auf einen französischen Posten zu schießen versuchte, ohne aller⸗ dings zu treffen. Andere Leute, die sich Beleidigungen gegen französische Soldaten herausnahmen, wurden verhaftet. Verlegenheiten in Paris. Poincaré, der Urheber der widerrechtlichen Aktion, liobt es vor⸗ läufig noch, Verstecken mit sich selbst zu spielen. Teils weigert er sich, auf die Notifizierung der deutschen Regierung einzugehen, teils stellt er sich tot und schickt Dokumente, wie z. B. die Note über den Mord in Langendreer, an die Adresse des Absenders zurück. Wenn man auch diesen Nebenhandlungen kein übergroßes Gewicht beizulegen braucht, so wird es doch gut sein, sich auch diese Tatsachen für die Zu⸗ nur weil sie ihre Pflichten für ihre Regierung nicht vert em T Französsschen Presse Hinsschtlich der Maßnahmen hin, die vo ä ce 9 150 1 ergreifen sind, nachdem 1 7 0 1 e re um so mehr beachten dürfen, insp Deutschland und die Ausweisun 5 N wäre es Zeit, sich an den englischen Richterspruch zu erinnern. will Poincaré, was das genannte Industriellenorgan noch empfiehlt, gleich kurzerhand auf Berlin marschie cen? Wir diesen Ruf schon einmal gehört und können den hitzigen Rufe läufig mit e zusehen. Hinter all zu lautem Zielen sich oft Verlegenheit und Verwirrung zu verbergen. Politische uebersicht. Hunger und Tod. 2 Der preußische Landtag beschäftigte sich am Dienstaz mit einer großen Anfrage der Regierungsparteien über de Stand der Volksgesundheit. Wohlfahrtsminister Hirtsiefe sagte in Erwiderung der Anfrage, daß zahlreiche Familie die für eine normale Ernährung erforderlichen Nahrun mittel, zu denen heute in einer vierköpfigen Jamilie ein Million Mark notwendig sind, nicht mehr beschaffen können Zum Teil führen sie geradezu ein Hungerdasein. Todesffl infolge Hungers, Selbstmorde aus Hunger und Ve zweiflung mehren sich. In den letzten Monaten wurden 9 Fälle von Skorbut, einer ausgesprochenen Hungerkranf mit fünf Todesfällen gemeldet. Die Säuglingssterbli ist seit Mitte v. Is. im Zunehmen begriffen. Fast 50 f zent aller Kleinkinder und Schulkinder sind unterer 20 Prozent können wegen allgemeiner Körperschwäche Blutarmut in den Schulen nicht aufgenommen w Hunderttausende erhalten keinen Tropfen Milch mehr. Tuberkulose nimmt bedenklich zu, die Todesfälle Tuberkulose sind bereits von 56 auf 97 gestiegen. Kinder haben kein Hemd, und Säuglinge werden Zeitungspapier eingewickelt. Die Krankenanstalten und ärztliche Wissenschaft stehen vor dem Zusammenbruch. 5 Minister schloß mit einem Appell an das Gewissen d Staatsmänner, die die Geschicke Europas bestimmen wies auf die furchtbaren Folgen hin, die für die Kulturwelt aus dem Untergang des deutschen Volkes slehen müßten. Hessischer Landtag. Darmstadt, 23. Januar. Präsident Adelung eröffnet 10.40 Uhr die Sitzung und gibt Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab. ö Die furchtbare Absicht der Franzosen, in das Ruhrgebiet e marschieren, ist mmmehr Tatsache geworden und weiterhin. bunden mit Eingriffen in deutsches Eigentum, deutsches 9 deutsche Staatshoheit, Eingriffen, die sich nicht einmal mit dem trag von Versailles ünden lassen. Das ist eine Tat von n loser politischer Verblendung, deren Folgen nicht nur für 7 land katastrophal sind, sondern für den Frieden und die En der ganzen Welt. Deutsche Staatsbürger, deutsche Beamte, werd el Kerker gelegt, oder mit ihren Familien aus der Heimat vertrie Der Deserteur. 5 Roman von Robert Buchanan. „Was geschah weiter?“ Spannung. „Ich ließ mich von einer großen Welle fragte Marcelle in höchster durchs Tor tragen, sah das unendliche Meer vor mir und den Himmel. In demselben Augenblick wälzte sich schon wieder eine berg— hohe Woge auf mich zu. Ich holte tief Atem und tauchte unter; als ich an die Oberfläche kam, war sie bereits hinter dem Tor des heiligen Gildas verschvunden. Ich brauchte jetzt nur noch einige hundert Meter weit zu schwimmen, um auf dem Sande unterhalb der Leiter der heiligen Triffine zu landen.“ g Das Mädchen blickte einen Augenblick bewundernd zu ihrem tapferen Gefährten empor dann sagte sie mahnend: „Aber jetzt laß uns wirklich aufbrechen, Rohan, die Flut könnte uns auch heute überraschen und diesmal würde einer von uns sicherlich ertrinken.“ „Ich bin bereit, Fräulein Ungeduld!“ „Sieh mol, die letzte Welle hat uns schon den Weg ver— sperrt und wir müssen wirklich durch Wasser waten.“ „Was tut's? Das Wasser ist warm.“ Rohan streifte rasch seine Holzschuhe und Strümpfe ab; Marcelle tat dies schon langsamer und mit nervöser Unruhe, dann erhob sie sich von ihrem Steinblock, machte eine Grimasse, als ihre Füßchen den kalten Kies berührten, Rohan nahm sie bei der Hand und führte sie dem Ausgang zu. Mit jedem Schritt stieg die Flut, und bald mußte sie ihm ihre Hand entziehen, um ihr Röckchen bis übers Knie zu heben. Sie errötete nicht, als sie ihre niedlichen Beinchen zeigte; sie wußte ganz gut, daß sie schön waren, schämte sich aber nicht, das zu entblößen, was die Natur so schön gestaltet hatte. In einem Punkte jedoch war Marcelle sehr streng. Der Sitte ihrer Heimat entsprechend, versteckte sie ihr üppiges, rabenschwarzes Haar sorgfältig unter ihrer kleid— samen Haube; niemand durfte es sehen, nicht einmal Rohan. Als sie das Portal erreichten, mußten sie schon knietief im Wasser waten und vor ihnen erstreckte sich der ungeheure Ozean. Da und dort glitt ein rotbesegeltes Fischerboot darüber hin; die Flut stieg von allen Seiten, Marcelle war verzweifelt:„Mein Gott, ich habe es vorhergesagt, Du wolltest aber nicht kommen!“ Rohan stand wie ein Steinfelsen im Wasser und lächelte überlegen:„Fürchte nichts. Halte Deine Schürze auf.“ Sie gehorchte; er legte seine und ihre Holzschuhe und Strümpfe und das alte zerschlissene Buch, in welchem er ge⸗ lesen hinein, dann hob er sie wie eine Feder auf seine mächtigen Arme. „Du bist schwerer, als Du zu sein pflegtest, Bäschen,“ bemerkte er lachend, während Marcolle mit einer Hand ängst⸗ lich die Schürze zusammengerafft hielt und mit der anderen seinen Nacken umschlang. Langsam aber sicher, Schritt für Schritt, watete er, knapp an der moosbehängten Granit⸗ wand entlang, seewärts. Er schien es gar nicht eilig zu haben; aber mit jedem Schritt stieg das Wasser höher, und als sie endlich das Ende der Wand erreichten, ging es ihm bis zum Munde. „Mein Gott, wenn Du jetzt straucheln solltest“ schrie Marcelle. „Ich werde nicht straucheln,“ entgegnete Rohan ruhig. Marcelle war dessen nicht so sicher und schmiegte sich fester an ihn. Sie hatte zwar keine besondere Angst, denn es lag keine Gefahr vor, aber sie empfand eine echt weib⸗ liche Abneigung gegen das Naßwerden. Rohan watete mit seiner süßen Last Strande zu. zu den Knien; sein Herz vochte stürmisch, seine Wangen brannten, ein eigentümliches Gefühl des Entzückens durch⸗ rieselte ihn. Immer bedächtiger schritt er weiter, denn er wollte den kostbaren Schatz so lange als möglich genießen. Sie rief endlich:„Rohan, spute Dich doch! Mach', daß wir an den Strand kommen!“ Er wagte, seit er sie auf den Armen trug, jetzt zum erstenmal, ihr ins Gesicht zu blicken. Was er sah, jagte ihm das Blut in die Wangen. Seine Augen glühten und er zitterte unter seiner Last. Weshalb? Wir haben bereits erwähnt, daß das Haar einer Bretagner Jungfrau heilig ist und daß nur derjenige, den sie liebt, es sehen darf. Während des Durchwatens der Flut war Mareelles Haube nach rück— wärts geglitten. Das wellige, seidenweiche Haar umfloß ihr vor Scham erglühtes Gesichtchen und verlieh ihm einen neuen, bestrickenden und unwiderstehlichen Zauber. Rohan war überwaltigt. Als er liebetrunken zu ihr emporblickte, streiften ihre Locken sein Gesicht, und sog den feinen Haargeruch gierig ein und seine Augen wüßten trunken auf ihrem erröteten Antlitz. Roban, beeile Dich! Setz' mich bedächtig dem 8 175 nieder Bald reichte ihm das Wasser kaum mehr bis Er stand schon eine Weile auf trockenem Boden, ab b hielt sie noch fest in seinen Armen. Das heilige Haar bis zu seinen Lippen herab und er bedeckte es mit le schaftlichen Küssen, während ihre Wangen immer mehr glühten.. 1 „Marcelle, ich liebe Dich!“ Viertes Kapitel. Der Menhir.) Es gibt im Liebesleben der Menschen einen Höhepu der Exaltation, einen Augenblick sast unfaßbaren Glückes, und das ist der göttliche Moment, in welchem sich die beiden suchenden Seelen finden, die Flammen der Leidenschaft in⸗ einander schlagen und die Wogen des Lebens am 1 gehen. Diese selige Stunde kehrt nie wieder und diese Empfindung läßt sich mit keinem anderen Gefühl vergleichen Das empfanden auch Marcelle und Rohan. Die Leiden: schaft war plötzlich erwacht und nahm Besitz von ihnen. 4 Schleier, der bisher Seele vor Seele verhüllt hette, war ge lüftet und sie erkannten ihr gegeaseitiges Sehnen und Ver⸗ langen. 1 Von frühester Kindheit an waren sie Spielkamergder und treue Gefährten gewesen. Sie verbrachten auch sebt noch täglich mehrere Stunden in gemeinsamen Exkursionen am Meeresstrand oder zwischen den Klippen und niemandem im Dorfe fiel es ein, die Nahverwandten aucz nur im Sinne. als Liebesleute zu bezeichnen. Die Kinder waren mitein- ander aufgewachsen und es galt für selbstverständlich, der dreiundzwanzigjährige Rohan und die er e Marcelle auch weiter Freunde blieben und der Beaufsichti⸗ gung nicht bedurften. Es blieb sich doch ganz gleich, Mareelle ihre freie Zeit mit Rohan oder in Gesellschaft o Hoöbl, Gildas und Alain— ihren Brüdern— verbrachte. Damit wollen wir nicht behaupten, daß das Märchen sich nicht schon längst seiner Sympathie für einander bewuft gewesen. Die Liebe empffndet, bevor sie spricht; sie entzüch, bevor sie sich ihrer selbst klar ist. Doch bewahrte feder sein süßes Geheimnis für sich. Die herabgeglittene Haube, aufgelöste Haar brachte es an den Tag. Die zwischen ihnen bestehende Schranke fiel mit ihm nieder. In einem Aug blick war die kühle Luft der Freundschaft in ein Flamm, meer der Liebe verwandelt, in dem die zwei sich verloren glücklich waren— ach, so glücklich! * Eine vorhistorische Steinsäule. (Jortsetzung folgt!) wollten. Wir dauken all den Männern und sind stolz auf sie, ihre 3 1 1 1 — * .. die Hochachtung bei allen Völkern auslösen. 60 J buuftee dale Mel einsg und geschlossen der Gewalt ö 1 u begennen. Wir wollen uns und uiseren Nachkommen bewelsen, da Emhichelt und pfand n Präsident nicht erteflt r Sdaatsprästdent Ur 5 ganzen Hauses fest, daß die Reichs regierung in vollem Einvernohmen mit de dach 5 Arbeiter voll entschädigt werden, Ar N darauf, daß 121 60 0 den Willen hat zur Freihest. wenn die Gewalttaten verschwinden.— Abg. Brauer(Bbd.) stellt sodann als ältestes Mitglied den Antrag, einig sind, nicht in die Besprechung einzutreten, als ein Zeichen der Einmütigkeit. Der Antrag wird gegen die beiden Kommunisten an⸗ genommen. 1 Der Präsident vertagt das Daus auf umbestimmte Zeit. pessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Geschichtskalender. 25. Januar. 1077 König Heinrich IV. in Canossa. 8 1871 Wilhehm Weitling, utop. Kommmumfst, in Newyork gestorben. 1875 Annahme des Persomenstands gesetzeß(obligatorische Zivil⸗ ehe 100 durch den deutschen Reichstag. 1890 Der Reichstag verwirft die Verlängerung des Sozialisten⸗ 1007 Nulshe Reichstagswahlen(„Hottentottenwahlen“). Einschräukung der Lustbarkeiten in Hessen. Das Ministerium des Innern hat an die Kreisämter und staatlichen Polizeiämter folgende Verfügung ge⸗ tet: Im Hinblick auf die Not des Volkes und im Anschluß an das Rundschreiben des Herrn Reichskanzlers vom 16. d. M. wird folgendes angeordnet: 1. Die Polizeistunde ist allgemein und aus ⸗ nahmslos auf 11 Uhr abends festzusetzen, so⸗ weit sie bisher nicht schon auf eine frühere Stunde festgesetzt war. Es ist dafür zu sorgen, daß die Anordnung nicht nur auf dem Papier steht, sondern die Polizeistunde streng eingehalten wird. Die Polizeistunde gilt bis auf weiteres auch für geschlossene Gesellschaften, Vereine usw. Theatralische Vorstellungen, Vorstellungen in den Lichtspieltheatern, Festlichkeiten und Lustbarkeiten aller Art müssen bis spätestens 11 Uhr abends beendet sein. Recht und Freiheit des Glückes Unter⸗ ter„Unverschämtheit“. ch wesst zunächst das wilrdelose Benehmen in etwa einstlündiger Rede 2. Alle karnevalistischen Veranstaltungen, ein⸗ schließlich der sogenannten Kostümfeste, auch soweit sie mit Tanz nicht verbunden sind, sind verboten. Dies gilt auch für Veranstaltungen geschlossener Gesellschaften und für Veranstaltungen in privaten Räumen. Das Tragen von Verkleidungen irgend welcher Art Kostümen, karnevalisti⸗ scher Abzeichen usw. auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten ist verboten. 36. Erlaubnis zur Tanzbelustjigung(Ver⸗ Fordnung vom 19. Dezember 1899/2. Januar 1901) darf bis auf weiteres nicht erteilt werden. Gesuchsteller sind zu bedeuten, daß Anträge an uns auf Ausnahmebewilligung keine Aussicht auf Erfolg haben. 4. Der Ausschank von alkoholischen Ge tränken und die Abgabe von Tabakwaren an Jugendliche unter 16 Jahren ist verboten. Jugendlichen unter 16 Jahren ist das Tabakrauchen auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten verbolen. 5. Die Lichtspieltheater sind strenger als bisher zu überwachen. Die öffentlichen und privaten Organe der Jugendfürsorge klagen immer wieder darsüber, daß die halb⸗ wüchsige Jugend auch Vorführungen solcher Bildstreifen be⸗ sucht, die durch die zuständigen Prüfstellen zur Vorführung vor Jugendlichen nicht zugelassen sind. Den Vorschriften des Lichtspielgesetzes ist sowohl den Lichtspieltheaterbesitzern als den Jugendlichen gegenüber Geltung zu verschaffen. —— Vollstäudig kostenlose Feuerbestattung. Die ungeheuer gestiegenen Bestattungskosten machen es pielen Familien unmöglich, noch für diese aufkommen zu können und ein Todesfall hat oft den völligen wirtschaftlichen Ruin zur Folge, Die Verwirklichung der unentgeltlichen Totenbestattung ist heute eine Unmöglichkeit, wir müssen darauf verzichten. Aber es gibt eine Vereinigung, die die vollständig kostenlose Feuerbestattung einschließlich der Er⸗ ledigung aller Formalitäten ühernimmt, so daß bei einem Sterbefall nur die einfache Meldung nötig ist, worauf alles andere erledigt wird. Piese Vereinigung ist der Verein der Freidenker für Feuerbostattung e. B., Sitz Berlin, der sich zum größten aller bestehenden deutschen Feuerbestattungsvereine entwickelt hat. Die Mitgliederzahl, die am 1. Januar 1922 188 704 betrug, erreichte am 31. Dezember 1922 die Höhe von 2619858, hat sich also mehr denn verdoppelt. In diesen Zahlen ist ein Zuwachs von etwa 80 000 Mitgliedern enthalten, der dem Verein dadurch erwuchs, daß sich die Feuerbestattungs⸗ kassen des Zentralperbandes proletarischer Freidenker auf lösten und in den Verein der Freidenker für Feuerbestattung aufgingen. Beide Vereine arbeiten jetzt in kultureller Be⸗ ziehung mit getrennten Aufgaben in engster Gemeinschaft miteinanber. Diese Fusion war dem Verein für Feuerbe⸗ stattung hinsichtlich seiner Verbreitung über das gesamte Reich dgußerst günstig. Der Verein unterhält jetzt insgesamt 600. von denen 400 auf das Reich und über N uf Groß⸗Berlin entfallen. Außer in Berlin unterhält der Verein auch in Thüringen und Schlesien einen eigenen Autobetrieb. In Berlin erwarb der Perein das Grundstüück, Die Zahl der erledigten Sterbefälle betrug im letzten Geschäftsjahr 3557. Auf der letzten Generalversammlung, die im September stattfand, unterstrich der Verein seine freigeistige Tendenz noch einmal ganz besondern scharf da⸗ durch, daß er in seinem Statut die Bedingung aufnahm, nur solche Personen aufzunehmen, die keiner Religions- gemeinschaft angehhbren. Ein Beweis für die starke finanzselle Kraft des Vereins ergibt sich aus der Tatsache, daß, obwohl alle Unkosten ein⸗ schließlich der Einäscherungsgebühren und der Särge sich allein seit dem 1. Oktober 1922 um mehr als das Zwan⸗ zigfache erhöht haben, die monatlichen Beiträge nur von 6 Mark auf 18 Mark, d. b. um das Dreifache und auch erst seit dem 1. Januar 1923 erhöht zu werden brauchten. Die soziale und Überaus segensreiche Tätigkeit des Vereins wird leider oft stark gehemmt durch das dußerst ge⸗ ringe Entgegenkommen und die Verständnislosigkeit der staatlichen und städtischen Behörden. Hier tatkräftig einzu⸗ greifen und diesem Teil der proletarischen Bewegung zur Hilfe zu kommen, ist eine Aufgabe, der sich in den Parlamen⸗ ten und den Kommunalverwaltungen die sozialistischen Par⸗ teien nicht entziehen dürfen. Das bezieht sich ganz beson⸗ ders auf die Stellungnahme gegenüber dem Feuerbe⸗ stattungsgesetz, das noch aus der wilhelminischen Zeit stammt, längst veraltet ist und mehr ein Reglement für polizeiliche Handhaben gegen die Feuerbestattung denn ein Gesetz für dieselbe darstellt. Es wäre an der Zeit, dieses Gesetz selbst dem Flammentode zu überliefern. Die Aufnahmegebühr beträgt 30 Ml. und der monatliche Beitrag ab 1. Januar 18 Mk. Nach einjähriger Mitglied- schaft vollständig kostenlose Feuerbestattung einschließlich Er⸗ ledigung sämtlicher Formalitäten. Das Gießener Volksbad, das jetzt auf 25 Jahre seines Bestehens zurlickblickt, ist am Dienstag in den Besitz der Stadt übergegangen. Am Vormittag dieses Tages wurde es von den bisherigen Besitzern, nämlich der Aktiengesell⸗ schaft Volksbad, als deren Vertreter Herr Architekt Hans Meyer erschienen war, dem Vertreter der Stadt, Herrn Beig. Dr. Seib übergeben. Während in der Zeit vor dem Kriege das Bad bei sehr mäßigen Badepreisen gut bestehen konnte, wurden in der letzten Zeit die Verhältnisse immer schwieriger, das Defizit immer größer. Daran waren die hohen Kohlenpreise schuld; die Selbstlosten konnten auch nicht durch starke Erhöhung der Badepreise gedeckt werden. So schließt das letzte Rechnungsjahr des Bades mit einem Fehlbetrag von ungefähr 700 000 Mk, ab.— In Anwesenheit einer Angahl Stadtverondneten, Mitglieder der Aktiengesellschaft und sonstiger Freunde des Bades warf Architekt Meyer einen Rückblick auf die Entwickelung der Anstalt. Er gedachte derjenigen, die sich als Grün⸗ der beteiligt und Verdienste um das Zustandekommen des Unter⸗ nehmens erworben haben: Oberbürgermelster Gnauth, Justizrat Gutfleisch, Geh.⸗R. Heichelheim, serner die Stadt, Haubach, Eiche⸗ nauer, Habenicht, ferner der Gründer der Gesellschaft, Kaufmann Pistor, Med.⸗Rat Haberkorn, Geh.⸗Rat Dr. Oncken und Kaufmann Balser. Sie alle weilen nicht mehr unter den Lebenden. Redner dankte auch den noch lebenden Mitgrlindern: Dr. Fuhr, Komm.⸗Rat Schaffstädt umd Kaufmann Bräutigam. Dem Stadtvorstand dankte Redner für die bisher gezeigte Unterstützung. Weiter wies er darauf hin, wie aus bescheidenen Anfängen heraus sich das Bad entwickelt habe. Märchenhaft klinge es, wenn man sich erinnere, daß damals ein Brausebad, das jetzt 50 Mk. kostet, für 10 Pfg. abgegeben wurde, das Schwimmbad 20 Pfg, kostete, wofür jetzt 70 Mk. bezahlt werden müssen. Und die Wannenbäder, die fetzt 120200 Mk. kosten, wurden für 80, 60 umd 40 Pig, verabreicht. Und trotzdem konnte das Unter⸗ nahmen noch Ueberschüsse machen und mehrfache Erwetterungen aus eigenen Mitteln bestreiten. Redner übergab der Stadt das gesund⸗ heillich und sozial bedeutsame Werk mit der Bitte, ihm fernerhin ihre Fürsorge angedeihen zu lassen zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bevölkerung.— Besg. Dr. Seib übernahm das Bad im Namen der Stadt und mit der Versicherung, daß alles nur irgend Mögliche getan werden solle, um diese Stätte der Gesundheitspflege zu erhalten, so schwer das guch in den heutigen Verhältmissen sel.— An die Uebergabe schloß sich eine Besichtigung der/ Anstalt durch dle Anwesenden. Der gute Einfluß der Frauen als Geschworene. Vor dem Frankfurter Schwurgericht wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen fünf Personen wegen Lohnabtreibung bezw. Beihilfe verhandelt. Unter den Beschuldigten befand sich eine frühere Hebamme, die bereits einschlägig bestraft ist. Auf der Geschworenenbank besanden sich auch z wei Frauen und als der Geschworenenspruch verkündet wurde, da übernahm Frau Else Alken die Funktionen des Ob- manns. Der Spruch zeichnete sich durch Milde aus. Das Gericht blieb hinsichtlich der am meisten belasteten Hebamme noch unter dem Strafantrag des Staatsanwalts und er— strafe auf zwei Jahre Gefängnis, die übrigen Beschuldigten erhielten Gefängnisstrafen die in je 5000 Mk. Geldstrafe umgewandelt würden, insofern sich die Angeklagten drei Jahre gut führen. Das Urteil ist licherweise nicht hart. Man geht wohl nicht fehl, wenn man zurückführt. Für Gleichberecht igung der Frauen kratie eingetreten. Jedermann, besonders die sollten diese Tatsache nicht vergessen Geschworenen noch nichts gehört.“ Die Eisenbahnbeamten gegen die Ruhrbesetzung. Spitzen der Personalvertretungen Trier, die einen Boamtenbestand von nahezu körpern, zu einer Tagung zusammen, um zur lung zu nehmen. hinter der Regierung und treu zu ihren Vaterlande stehen. Telegramm des Reichsverkehrsministers, hess. Regierung wird bekannt gegaben: Entwertung der Mark macht es Publikum vor wucherischer Uebervorteilung zu schlitzen. ämtern und staatlichen Friedensstraße 60, und errichtete ein eigenes Verwaltungs, aher he rech! gie re. schreit. ahhungen ellißsichtssos mit aller Schärse erwartet wert l, daß die gug éublickliche Wirt kannte unter Einbeziehung einer achtmongtigen Gefängnis⸗ von zwei bis sieben Monaten, gegenüber vielen anderen in der Abtreibungssache erfreu⸗ dies auf den Einfluß der Frauen unter den Geschworenen auf allen Gebieten ist seit jeber aber nur die Sozialdemo⸗ Frauen, Bei uns in Oberhessen hat man von der Berufung von Frauen als Schöffen oder Im Sitzungs— sagle der Elsenbahndfrektion Frankfurt a. M. kraten am Samstag die der westlichen Reichsbahnbezirke Cassel, Elberfeld, Essen, Frankfurt a. M., Köln, Mainz, Münster und 250000 Beamten ver⸗ Ruhrbesetzung Stel- Die Beamten brachten in einer Entschließung zum Allsdruck, daß sie in dieser Stunde der tiessten Not unerschütterlich ö Das wonach allen Beamten und Arbeitern verboten ist, Kohlen füür Frankreich und Belgien zu besör⸗ dern, wurde unter allgemeiner Hustimmung zur Kenntnis genommen. — Die Beschränkung des Kleinhandelsverkaufs. Von Seiten der Die neue außerordentliche notwendig, das kaufende Das Mini⸗ sterium des Innern empfiehlt, daher in einer Verfügung den Kreis- Wolszeiäm lern, in enger Fühlungsnahme mit den Preisprüffungsstellen den Verbehr mit Gegenständen des tägl jchen Bedarfs, namen'lich mit Lebensmitteln, zu überwachen und gegen un⸗ einzu- schaftslage auch wieder, wie früher, vielsach dazu fliührt, daß Ausländer deutsche Waren zum Schaden ber einheimischen Bevölkerung im großein Umfange aufkaufen, Die Verordnung des Gesamtministeri⸗ uns vom 14. November 1922(Reg.⸗Bl. S. 367) gitzt den Polizei⸗ behörden bie Möglichkeit, auch biesen Mißstand zu bekämpfen. Das Ministerümm des Innern erwartet, daß auch hiervon in weitem Um⸗ fange Gebrauch gemacht wird. — Finnische Wohltätigkeitsfeste zum Besten notleidender Kinder. Uns wird geschrieben! Seit Kriegsende gehört Finn⸗ land zu den neutralen Staaten, in denen unermüdlich gearbeitet und gesasumelt worben ist, um die Not ber deulschen Kinder zu lindern. So berichtet vor kurzem wiederum eine finnische Zeitung Berga⸗Bladet über ein Wohltätigkeitsfest. das von einer Keüheren hessischen Fürsorgeschwester die seit einiger Zeit in der Fürsorge in Finnland tätig ift, veranstaltet wurde. Nach mancherlei Vor⸗ bereitungen konnte dieses Fest am 6. Januar im Kommunalhause in Nickoy abgehalten werden. Unter Mitwirkung verschiedener deutscher und sinnischer Damen und Herren wurden die zahlreichen Gäste mit Musik und Deklamationen unterhalten. Ein Horn⸗ orchester spielte zur Elnleftung deutsche Stücke. worauf die Für⸗ sorgeschwester eine Vegküßungsansprache hielt. in der sie mes warmen Worten für die traurige Lage der Kinder in Deutschland zu werben wußte. Allen Sorgen und Nöten zum Trotz, führte sie aus, ist man in Deutschland ganz besonders auch in Hessen, immer noch bestrebt gewesen, die Wohlfahrtspflege, vor allem die Kinder⸗ fürsorge aufrecht zu erhalten. Um aber dies auch fernerhin zu können, ist es notwendla. daß rasch und reichlich geholsen wird. Sie bat daher die Anwefenden von ihrem Ueberfluß ein Scherf⸗ lein für die deutschen Kinder beizutragen. Im Anschluß hieran wurden gemeinsam deutsche und e Volkslieder fungen, und in der daran anschliaßenden Kaffeepause von den finnischen Damen Kassee und Kuchen angeboten. Auch eine kleine Lotterie wurde von der Schwester veranstaltet, zu der sie die Gewinne sebst gearbeitet hatte: mit deutschen Farben geschmückte Puppen. Körbe und andere Spielwaren außerdem Postkarten mit hessiscgen Landschaften und Kinderaufnahmen aus der Fürsorge und den Süüuglingsheimen. Zum Schlusse wurden deutsche Lieder gesungen und von ber Schwester in herzlichen Worten den Gästen für das Verständnis und die Mitarbeif gedankt. Der scöne Ersolg des Festes wurde der Zentrale für Mutter⸗ und Säuglingsfürsorge zur Weiterführung der Fürsorgearbeit lüberwiesen. — Schulaufnahmen. Die Anmeldung der in Gießen wohnen⸗ den Kinder zur Aufnahme in die Volks schule hat am 992 den 29. und Dienstaa den 30. Januar zu erfolgen. Nähe res ft im Inseratenteil der heutigen Nummer zu ersehen. — Auf die Abgabe von Steuererklärungen zur Einkommensteuer, Kapitalertragssteuer, sowte erste Veranlagung zur Vermögenssteuer und Zwangsanleihe bezieht sich eine Bekanntmachung der Finanz⸗ ämter im heutigen Blatte, worauf wir an dieser Stelle hinweisen. — Städtische Jürsorgestelle. Die Neuwahl des Beirats zur städtischen Fürforgestelle behandelt eine Bekanntmachung, die im heu⸗ tigen Blatte enthalten ist und auf die wir aufmerksam machen. — Großen⸗Linden. Der neugewählte Gemeinderat hielt am Montag seine zweite Sitzung ab. Zunächst wurde die Verpflichtung des Gemeinderats Henkel vorgenommen, der an Stelle des von hier versetzten Genossen Keßler auf der sogd. Liste nachge rückt war. Als 2. Punkt wurde über die Herstellung von Särgen durch die Gemeinde verhandelt. Während der Bürger⸗ meister zur Herstellung von Särgen nur die Abgabe von Bretter zu einem bestimmten Kostenpreis vorschlug, wurde von sogzd. Seite der Antrag gestellt, sämtliches Material und die Fertig⸗ stellung von Särgen durch die Gemeinde ausführen zu lassen. Die Deckung der Kosten solle durch eine allgemeine Gebühr be⸗ stritten werden. Falls eine solche auf Schwierigkeit stoßen sollte, wolle man eine Summe für den einzelnen Sarg später sestsetzen. Eine lebhafte Debatte entspann sich, als von sejten unserer Ge⸗ nossen die einheitliche Herstellung und Abnahme eines jeden Sarges hervorgehoben wurde. Einzelne Herren hielten dies für, nicht gerechtfertigt und stimmten nicht zu, sondern meinten, nach Abnahme eines Sarges könnte ein jeder die äußerliche Aus füh⸗ rung ändern und durch Verzierungen denselben ein anderes Aus⸗ sehen geben. Man kam zu dem Ergebnis, eine Anzahl Särge sofort anfertigen zu lassen und liber die Kostenfrage und Ein⸗ hettlichkeit nochmals zu verhandeln.— Als 3. Punkt wurde das Wassergeld einstimmig um 300 Proz. erhöht. Gleichfalls wurde der Mahllohn für Ortsansässige auf 300 Mk. und Auswärts⸗ wohnende auf 1000 Mk. erhöht. Für Schrot beträgt derselbe 400 Mark und 500 Mk. Bei Punkt 5 wurde eine Wohnung mit dem Vorbehalt beschlagnahmt, daß es möglich ist, aus dieser einen Wohnung zwei herstellen zu können.— Vel der Wahl einer Woh⸗ nungskommission wurde von seften der sozd. Vertreter erwähnt, hierbei zur Erleichterung der Geschäftsführung noch zur Wahl anderer Kommissionen und des Schulvorstandes zu Gegen diesen Antrag erhob sich kein Widerspruch, nur der Bür⸗ germeister erklärte die Wahl des Schulvorstandes für nicht zu⸗ lässig. Von unserer Sefte wurde hervorgehoben, daß auch diese Wahl nach einer neuen Zusammensetzung stattzufinden habe, wo⸗ mit sich der Bürgermeister jedoch vorläufig nicht einverstanden erktlärte. Man schritt deshalb zur Wahl der übrigen Kommissionen. Jedoch schon bei der ersten, der Wohnungskommission, fanden sich außer den sogd. Vertretern niemand bereit, in eine solche Kom⸗ mission einzutreten, trotzdem zwei Vertreter unserer Partei die Wahl annahmen. Da der dritte Vertreter von der anderen Seite nicht zu finden war und von uns hingewiesen wurde, an dieser wichtigen Kommission doch auch einen Vertreter zu stellen, wurde dies abermals verneint. Hierauf wurde die tagung dieses Punktes beantragt und die Wahl sämtlicher Kommissionen für die nächste Sitzung beschlossen. Nach Erledigung einiger kleinen Punkte, die nicht zur Tagesordnung standen, wurde die Sitzung geschlossen. — Lollar. Nationalistischer hiesigen Friseur, der in zuvorkommendster Weise für alle Aus⸗ hänge in seinem Schaufenster Platz hält, war zu diesem Zwecke die Nummer der Frankfurter Volksstimme übergeben worden, deren Titelseite die Ueberschrift„Nie wieder Krieg“ trug. Dacauf ging dem Mann folgendes Schreiben durch die Post zu; „Vertraulich! Sie haben einen Zeitungsabschnitt„Nie wieder Krieg“ ausgehängt, ohne anscheinend der Wirkung und daraus entstehenden Folgen in jetziger ernster Zelt bewußt zu sein. Um Sie vor Gefahr und Zerstörung(!) zu verhüten, warnen wir Sie dringend sofort dieses zu enksernen. Es ist beschlossen, es gewaltsam wegzureißen(0) Nochmals, befolgen Se unseven Rat— siche ähnliche Ausschreilungen im Ruhr—. Vorsicht.“— Dieser natlonglistische Anonnmus. der nach obigem Stil zu urteilen ein großer Hohlkopf ist(man lese genau!), mag, nur be⸗ schließen. die Arbeiter werden handeln. Daß wir auch in Lollar einige Exemplare von der Hakenkreuzlerrasse haben wissen wir ja, sie sind uns auch bekannt. Doch werden wir sie in den Schranken zu halten wissen. Wer sich für die Handschrißt interessiert, kanu sie bei dem Friseur einsehen. — Heuchelheim. Einen recht schönen Unterhaltungs⸗Abend veranstaltete die Freie Turnen schaft am vergangenen Samstag abend im Vereinslokal Greilich. Turnerische Vor⸗ führungen, wechselten mit Theatergufführungen ab; einige vecht schöne Konzertstsücke fanden stürmischen. Veifall. Besonders seien die Freiübungen der Damenabteilung und die Uebungen der Ar⸗ beltersportler hervorgehoben. Einige Gruppen⸗Ausstellungen der Turner und Turnerinnen bei sarbiger Beleuchtung waren sehr gut eingeübt und stimmungsvoll dargestellt. Die Uebungen am Reck waren, wenn auch etwas kurz, so doch ganz vorzüglich. Was die Theateraufführungen anbelangt, waxen die Rollen gut ver- teilt und wurden auch von allen Mitwirkenden gut gelpielt. Große Heflerkeit löste das Theater stsick„Mann dlesbt Mann“ und„Der bekehrte Theologe“, fowie„Ter dresssexte Schwiegervater“ aus. Die Freie Turnerschast kaun stolz guf ihre Leistungen fein; möge ste sich fernerhin welter gülnstig entwickeln zum Wohle der Arbeiter- schaft und der Gefamthest. Drohbriefschreiber. Einem schreiten. . 8 e . e * 1. alle in den Bezirken der tige Veranlagungszelträume gebunden bleibt, der ——— Krels Friedberg ⸗Bld ingen. Doru-Assenheim. Raub in der Kirche. de In der Nacht Samstag plünderten der 22jährige Arbeiter Otto Rubanczik, der 24jährige angebliche Kaufmann Wilhelm 2ljährige Arbeiter Ernst Heyer aus aus Silber hergestellt sind. überrascht und verhaftet. volver. Von Nah und Fern. Frankfurt a. N., 28. Jan. Drei⸗ Mill stahl. Vor einigen Tagen wurde in Coblenz eine gestohlen, die innen mit deutschen Gold⸗ und Silbermünzen aus⸗ gelegt ist und einen Wert von rund drei Millionen Suther Frankfurt die Kirche von Dorn⸗Assenheim bei Friedberg aus. Hierbei erbeuteten sie u. a. 20 Gefäße und Gegenstände, die teils aus Gold und teils Auf dem Friedberger Bahnhof wur⸗ den sie in aller Frühe bei einer Reviston durch die dortige Polizei In dem Besitz der Räuber fand man neben zahlreichen Feilen, Nachschlüsseln, auch Schlagringe und Re⸗ e und der Verhandlung vom katholische für das Transport⸗, Handels⸗ ausschuß Erhöhung der Transpor Wochenlohn. die Fuhrleute über Lagerarbeiter über 23 Jahre auf 4 über 23 Jahre auf Mk. 15 776. ionendieb⸗ über 2 Uhr nachmittaas kommt silberne Schale Mark darstellt. Dem Kündigungseinspruch Die Schale wurde hier in Frankfurt an einen bisher nicht er⸗maschinenfabrik Heyligenstaedt u. mittelten Herrn verkauft. Verordnung vom 12. 2 1920 gab Explosions⸗Unglück in Ingolstadt. In dem in der ehemaligen] statt, denn Kündianmasarund war Festungskasematte in Ingolstadt untergebrachten Betrieb des zahl zu vermindern. Kaufmanns Peter Kappelmeter, in dem Leuchtpatronen zerlegt wurden, erfolgte, angeblich infolge einer Stichflamme, eine furcht⸗ bare Exploston, die einen Brand hervorrief. Die Feuerwehr fand zwei Männer und neun Frauen und Mädchen, die im Betrlebe beschäftigt waren, tot, in schrecklich Zustande auf. Kappelmeier wurde wegen Vergehens gegen das Spreungstossgesetz und fahrlässiger Tötung verhaftet. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 20 500 Mark. delt wurden, sind ohne allgemeine P 5 0 + 1 2 5 1 Arbeitsrecht, Gewerlschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsaus schuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Dem Deutschen Verkehrsbund, dem Arbeitgeberverband für Handel und Gewerbe in Gießen, den Vereinigten sitzern von Gießen und dem Südwestdeutschen Arbeitgeberverband gruppen Bad⸗Nauheim und Friedberg, schlug der der Zehrgelder bei Ueberlandfahrten um 50 Proz. ab 21. 1. 23 vor. Hiernach kommen die Kraftfahrer auf 24 192 Mk. tariflichen machten auf 900 Mark Die Streitteile erhielten Erklärungsfrist bis zum 26. Januar mittags 12 Uhr. eines Arbeiters der Werkzeug⸗ Zwei landwirtschaftliche Einzelstreitigkeiten, die noch verhan⸗ 23. Januar 1923. Fuhrwerksbe⸗ und Verkehrsgewerbe, Orts⸗ Schlichtungs⸗ tarbeiterlöhne um 60 Proz. und 21 Jahre auf Mk 23 456. die 22 736 Mk. und die Arbeiterinnen Das Zehrgeld bei Fahrten bis auf 300 Mark und bei Ueber⸗ bleser von Robert Prozesse“(Rathenau und Fechenbach) n 0 Hauptstichworten systematisch gruppiert, diesmal um so anschaulicher umd mit zwingender Logik, weil in diesem Prozeß restlos alle auf die kaltblütigen Organisatoren des Mordve und die niedrigen Motive der bezahlten Täter in allen Stadien Prozesse“ als wertvolles Orientierungsmittel heranziehen, wenn ma die denmächst beginnenden Verhandlungen gegen die Geheimb und gegen Kapitän Ehrhardt l vill, f alle Zusammenhänge bloßlegen und zum Verständnis der Hu gründe beitragen— Die Broschlire ist in der Buchhandlung Oberhessischen Volkszeitung zu haben. WBrctet erdiabegcbesen Sendung ch 5 8 dann wurde das Motel ersuches zurückl 3 neue sich offenbarten. Neben dieser richtig bewerten will, da sie gef Co. in Gießen auf Grund der der Schlichtungs⸗Ausschuß nicht nicht die Absicht, die Arbeiter⸗ Bedeutung. eindringende 5 Bücher und verstimmeltem lung vor dem Staatsge Das Blausäure⸗Attentat auf Scheidemann. Ueber die Verhand⸗ richtshof gegen die Blausäure⸗Attentäter ist eine Broschitre von Justigrat Dr. Werthauer im Verlag für Sozial⸗ wissenschaft in Berlin erschienen. Wie in den ersten beiden Heften Schriften. Tagesordnung Rüddinghausen. Sozialdem. Wahlverein. Sonnt 28. Jammar, nachmittags 4 Uhr Monatsversammlung inn Partei Alles pünktlich erscheinen, Mitgliedsbücher mitbringen. Daubringen.. abends 8½ Uhr Versammluna im Lokale Joh. Emil Schü Zahlreich erscheinen a Kesselbach. Wahlverein Sonntag den 28. Januar, nachmittags 3% Uhr Monatsversammlung bet Friedr. Weber. erscheinen Mitgliedsbücher mitbringen. Versammlungskalender Wahlverein. Samstag, wird in der Versammlung bekanntgegeben. Alle Ithürdliche Bekanntmachungen Oesfenlliche Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung für die Ver⸗ anlagung zur Einkommen⸗ und Kapitalertrag⸗ steuer für das Kalenderjahr 1922, sowie für die erste Veranlagung zur Vermögenssteuer und für die Veranlagung zur Zwangsanleihe. 1. Zur Abgabe einer Steuererklärung sind ver⸗ pflichtet hinfichtlich der . Einkommensteuer 1. alle in den Bezirken der unterzeichneten Finanzämter wohnenden oder sich dauernd oder nur vorübergehend aufhaltenden selbst⸗ ständig steuerpflichtigen Personen(Deutsche oder Nicht. sche), wenn sie im Kalender- jahre 1922 ein steuerbares Einkommen von mehr als 400 000 Mark bezogen haben: 2 Steuerpflichtige, bei deren Veranlagung auf Grund eines regelmäßigen Wirtschafts⸗(Ge⸗ . das Ergebnis eines vom alenderjahr abweichenden Wirtschaftsfahres zugrunde zu legen ist; Steuerpflichtige, die Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches oder über den Betrieb der Land⸗ oder Forst⸗ wirtschaft geordnete Blicher führen und deren Geschäfts⸗ oder Betriebsgewinn unter Be⸗ rücksichtigung ihres Geschäfts⸗(Wirtschafts⸗ Abschlusses zu ermitteln ist; 4 sämtliche Personen, die, ohne im Deutschen Reiche zu wohnen oder 000 aufzuhalten, in den genannten Finanzamtsbezirken Grund⸗ besitz haben, ein Gewerbp betreiben odher eine Erwerbstätigkeit ausüben. B. Kapitalertragsteuer. Alle in den Bezirken der unterzeichneten Finanzämter wohnenden oder sich dauernd oder nur vorlibergehend aufhaltenden selbständig steuerpflichtigen Personen(Deutsche oder Nicht⸗ deutsche), wenn sie im Kalenderjahre 1922 oder in den in 0 5 Kalenderjahr endenden Wirtschafts⸗ [Geschäfts⸗Yjahr, soweit es für die Einkommen- steuerveranlagung an dessen Stelle tritt, bezogen en u) Diskontbeträge von Wechseln und Anwei⸗ sungen einschlielich der Schatzwechsel, soweit es sich um Kapitalanlagen handelt, v) Erträge aus ausländischen Kapitalanlagen (insbesondere Dividenden Zinsen von sest⸗ verzinslichen Wertpapieren, von Darlehen, Dyypotheken usw.) und zwar auch dann, wenn . Anlagen zum Betriebsvermögen ge⸗ en. Inhaber oder Mitinhaber der der Anschaffung und der Darleihung von Geld dienenden Unter⸗ nehmungen, die auf Grund des§ 76 des Reichs⸗ stempelgesetzes angemeldet oder einer ange— meldeten Unternehmung gleichgestellt sind, haben, soweit es sich um Erträge handelt, die der Unter⸗ nehmung zugeflossen sind, nur die Erträge aus“ ausländischen Wertpapieren(insbesonderen Divi⸗ denden, Anleihezinsen usw.) anzugeben. . Vermögenssteuer und Zwangsanleihe unterzeichneten Finanzämter wohnenden oder sich dauernd oder nur vorübergehend aufhaltenden selbst⸗ ständig steuerpflichtigen Personen(Deutsche oder Nichtdeutsche): juristische Personen des öffentlichen und des bürgerlichen Rechts sowie alle Berggewerk⸗ schaften, nicht rechtsfähige Personenvereinig⸗ ungen, Anstalten, Stiftungen und andere Zweckveymögen, sofern sie den Sitz oder den Ort der Leitung im Inland haben, also ins⸗ besondere Erwerbsgesellschaften(wie Aktien⸗ N b en auf Ak⸗ tien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Kolonialgesellschaften), Erwerbs- und Wirt⸗ schaftsgenossenschaften, eingetragene Vereine, nicht rechtsfähige Personenvereinigungen, die Erwerbszwecke verfolgen(außer Gesellschaften, bel denen die Gesellschafter als Unternehmer des Betriebes anzusehen sind, z. B. offene Handels- und Kommandttgesellschaften), Stif⸗ tungen, Anstalten und Zweckvermögen, „ gensmassen, die nach 8 3 des Vermögenssteuer⸗ gesetzes mit ihrem inländischen Grund⸗ und Be⸗ triebsvermögen steuerpflichtig sind(beschränkt Steuerpflichtige). 15 Die hiernach zur Abgabe einer Steuererklärung Verpflichteten werden aufgesordert, die Steuerer⸗ klärung unter Benutzung des vorgeschriebenenVor⸗ drucks im Laufe des Monats Februar 1923 bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen. Vor⸗ drucke für die Steuererklärung können von dem betreffenden Finanzamt bezogen werden, daselbst werden auch Vordrucke während der Dienststunden abgegeben. Die Steuererklärung ist schriftlich— zweckmäßig eingeschrieben— einzureichen oder mündlich vor dem Finanzamt an den belannten Amtstagen abzugeben. In Abschrift sind beizufü⸗ 175 un verkürzte Bilanzen mit Gewinn⸗ und Ver⸗ ustrechnung und ferner bei juristischen Personen Geschäftsberichte, Niederschriften über Mitglieder⸗ versammlungen und ähnliche Belegstücke. Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung ift vom Empfang eines Vordrucks der Steuerer⸗ klärung nicht abhängig. Die Abgabe einer Steuererklärung bei dem zu⸗ ständigen Finanzamt ist nicht erforderlich, soweit die unter A, B und G genannten Personen die Steuererklärung bei einem anderen Finanzamt ab⸗ gegeben haben 110 Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäummt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklärung angehalten wer⸗ den; auch kann ihm ein Zuschlag bis zu 10 vom Hundert der festgesetzten Steuer auferlegt werden. Die Hinterziehung oder der Versuch einer Hinter⸗ ziehung der Einkommen⸗, Kapitalertrag⸗, Vevmö⸗ genssteuer oder der Einnahmen aus Zwangsan⸗ leihe wird mit Geldstrafen bös zum zwanzigfachen Betrage der hinterzogenen Steuer oder bis zum fünffachen Betrage der hinterzogenen Zwangsan⸗ leihe bestraft(S 53 des Einkommensteuergesetzes, § 12 des Kapitalertragsteuergesetzes, S 53 des Ver⸗ mögenssteuergesetzes,§ 28 des Gesetzes über die Zwangsanleihe,§§ 359 ff. der Reichsabgabenord⸗ mung). Auch ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuergesetze(Steuergefährdung) wird bestraft. „Die im Druck noch nicht fertiggestellten Steuererklärungsvordrucke für Vermögenssteuer und Zwangsanleihe können voraussichtlich erst anfangs Februar von dem Finanzamt abgegeben werden.“ Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 25. Januar 1923. Die Finanzämter. 1 1202 die die Reihenfolge ihrer Angabe darüber zu machen, daß nahme der Berufung einvperstanden sind. schlagen werden können Männer wie Frauen, die Betr.: Neuwahl des Beirats der Städt. Fürsorge⸗ stelle Gießen. Bekanntmachung. Nach der Reichsverordnung vom 8. Februar 1919 über die soziale Kriegsbeschädigten⸗ und Kriegshinterbliebenenfürsorge(R. G. Bl. S. 187) und der von dem Hessischen Landes⸗Arbeits⸗ und Wirtschaftsamt hierzu erlassenen Ausflihrungs⸗Be⸗ kanntmachung vom 28. Februar 1919(Reg.⸗Bl. No. 7 S. 99 ff.) bezw. der hierzu von dem Hess. Ministerium für Arbeit und Wirtschaft erlassenen Abänderungs⸗ Bekanntmachung vom 27. Oktober 1922(Reg. Bl. No. 32 S. 385) sind als Mitglieder des für die Stadt Gießen neu zu wählenden Bei⸗ rats insgesamt je zwei Vertreter der Kriegsbe⸗ schädigten, der Kriegshinterbliebenen, der Unter⸗ nehmer und der Arbeitnehmer zu berufen. Die zu berufenden Mitglieder sollen in der Stadt Gießen ihren Wohnsitz haben. Für ihre Be⸗ rufung find die von den Wirtschaftsorganisationen der Unternehmer und Arbeitnehmer, sowie der Kriegsbeschädigten⸗ und Kriegshimterbliebenenver⸗ einigungen eingereichten Vorschlagslisten maß⸗ gebend. Demgemäß werden die genannten Wirt⸗ schaftsorganisationen sowie Vereinigungen der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, die ihre Wirksamkeit auf den Bereich der städt. Für⸗ sorgestelle erstrecken und eine entsprechende Anzahl von Mitgliedern haben, hiermit aufgefordert, bis zum 15. Februar d. Is. Vorschlagslisten bei der städt. Fsirsorgestelle der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, Gartenstraße 2, einzureichen. Später eingereichte Listen können nicht berücksichtigt werden. Es haben sich die Vorschläge der Wirt⸗ schaftsorganisationen der Unternehmer lediglich auf die Berufungen aus dem Kreise der Unternehmer zu beschränken, ebenso wie entsprechend die Vor⸗ schlagslisten der Wirtschaftsorgnisationen der Ar⸗ beitnehmer, sowie der Kriegsbeschädigten⸗ und Kriegshinterbliebenenvereinigungen mir Namen aus den Kreisen der von ihnen vertretenen Personen⸗ gruppen enthalten dürfen. In den Vorschlagslisten sind die Vorgeschlagenen nach Familien⸗ und Vor⸗ (Ruf⸗) namen, Beruf und Wohnort zu bezeichnen. Jede Vorschlagsliste muß mindestens die doppelte Zahl der Personen enthalten, die die vorschlagende Vereinigung im Beirat beanspruchen kann. Die Vorgeschlagenen sind unter fortlaufender Nummer, Benennung ausdrückt, Hinsichtlich der Vorgeschlagenen ist sie mit der An⸗ Vorge⸗ aufzuflühren. 0 Mnoclien, ooroie Altp ve iunqen 1. Sücllern, Flaoclien alex Axt wenden Sie oickt an A. Scr neidex, Ne Nur mit ot eo mõqllickr, durcli lanqjã ix. Seoclrã ftoves bindung mii q õooe cen qu uostienoet ten die fiõckiolen Sede v v ilen. Bestellungen werden Dpün rtl 1203 Mei Ver fte von Metallen, Lumpen, Sioen Pͤliläche Prozell AktenmäßDarstellungen Das ee Ergebnis 8 e Rathenau⸗Prozesses auf Grund des antlichen Stenogramms bearbeitet von Karl Brammer. Preis 320 Mark. Der Fall Frechen bach vor dem Münchener Volktsgericht Eine. nach den Akten von Rechts⸗ anwalt Dr. Max Hirsch⸗ erg, mit einem Anhang vom Sachverständigen Dr. Thimme. Preis 320 Mark. Neu, soeben erschienen! 9 ie⁊ Das Blausäure⸗Attentat auf Scheidemann Aktenmäßige Darstellung auf Grund der Verhand- lung vor dem Staats- gerichtshof von Justizrat Or. Johannes Werthauer Preis 420 Mark. Zu beziehen durch die Buchhandlung abgeholt. unterzeichnen; bei Einreichung der sind nähere Angaben über die Grö Vereinigung zu machen; namentlich ist anzugeben, wieviel in der Stadt Gießen wohnende Mitglied Vereinigungen der Kriegsbeschädigten und Kriegs⸗ hinterbliebenen ist insbesondere noch angugeb wieviel Kriegsbeschädigte und wieviel Kriegshinter tärversorgung beziehen; Kriegswaisen, der b ee ede betreffenden Vereinigung ist ind n mitzuzählen. Ausdrücklich wird bemerkt, daß unter Vereinig ungen der Kriegsbeschädigten und Krtegshint⸗ den 27 Januar, Vorschlagslisten ße und Bedeu⸗ tung der betreffenden Wirtschaftsorganisation oder die Organisation oder Vereinigung zählt. Von den bliebene unter ihrer Mitgliederzahl vorhanden sind, wobei nur solche Kriegsbeschädigte bezw. Kriegs⸗ hinterbliebene mitgezählt werden dürfen, die Mili⸗ bliebenen auch solche Verbände zu verstehen sind, die sich nicht ausschließlich aus Kriegsbeschädigten Gießen, den 19. Januar 1923. Städtische Fürsorgestelle der Kriegsbeschädigten⸗ u. Kriegshinterbliebenenfürsorge. g Dr. Frey. Volksschule zu Gießen. (Schulaufnahmen.) Die Anmeldung der in Gießen wohnenden Kinder, 4 gelegt haben, hat zu erfolgen: 1. Für alle Knaben: Montag, 29. Januar, vorm. 9—11 uhr in der Stadt⸗Knaben⸗ schule, Nordanlage 8. vorm. 9—11 uhr in der Stadt⸗Mädchen⸗ schule, Schillerstraße 3. auswärts vorzulegen. In besonderen Ausnahmefällen können zu derselben 1923 das 6. Lebensjahr vollenden. Gießen, den 23. Januar 1923. Der Vorsitzende des Schulvorstandes: J. V.: Dr. Seib, Beigeordneter. Gestorbene. 22. Januar. Marie Deusch, geb. Ermel, Witwe, 61 Jahre alt, Roonstraße 10. Beerdigung: 26. Januar, 3 Uhr nachm. . F ee n bhelle⸗ enäde det haben. Ortsgruppe Gießen. 1197 805 Laufe des Winters werden noch 4 Vorstellungen gegeben. Für diese Vorstellungen sind um gehend von den Mitgliedern beider Gruppen bei Challier Neuenweg 4 Gutscheine zu je 50.— Mk. einzulösen. Die erste Vorstellung findet am 3. Februar statt. Auch Nichtmitglieder können Gutscheine, soweit die⸗ elben nicht von Mitgliedern abgeholt sind, erhalten. Wiesbaden! sauberes und fleißiges Hausmädchen für meinen Haushalt(8 erwachs. Pers.) Verpfle Behandlung reichlich und gut. Lohn 5—6000 Mk. per Monat, Krankentasse, Invaliden- und Steuermarken frei. Fahrt nach Wiesbaden wird vergütet. 1198 und Obertz. Volkszeitung. Wiesbaden, Bingerstr. 18. Frau Julie Grüber wenn sie am Stichtage ein Vermögen von mehr als 200 000 Mark besitzen. Stichtag ist der 31. Dezem⸗ ber 1922; für Betriebe, bei denen regelmäßige jährliche Abschlüsse stattfinden, tritt auf Antrag des Stenerpflichtigen, an den dieser auch für künf⸗ Schluß des letzten Wirtschafts-(Geschäfts⸗ jahres. Zur Abgabe einer Steuererklärung sind fer⸗ ner verpflichtet ohne Rüchsicht auf die Höhe des Vermögens und ohne Rücksicht auf die Staatsan⸗ gehörigkeit, Wohnsitz, Aufenthalt, Sitz oder Ort. der Leitung alle natürlichen und juristischen Per⸗ secen sowie Personenvereinigungen und Vermö⸗ isi pars am im Gebrauch unc billig. Acres gegssrettes. NEN EIL& cia. ouss RN Don- . p — 2. Für alle Mädchen: Dienstag, 30. Januar, die bis zum 1. Mai 1923 das 6. Lebensjahr zurück⸗ N Bei der Anmeldung ist der Impsschein und bel 55 geborenen Kindern auch der Geburtsschein 1 79 alen Suche für sofort oder per 1. Februar ein ehrliches, 2 Zeit auch solche geistig und leiblich genügend entwickelte Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1 A ᷣ