2 25 1 S e 4 2 2 2 2 S 28 100 a 10— — 5 1 14 1 11 3 * 1 * 5 3 e Freiheitspartei, 5 9 4 Landtags wird der preußische Der Selbstschutzorganisationen beantworten. Daß der Minster der Oeffentlichkeit aufsehenerregende Mit⸗ vertretene Partei Wie wir wissen, ist auch die Verhaftung der völkischen Ab⸗ ö eines Polizeispitzels namens Richter, Redaktion: gießen Bahnhofftraße 23 Ferusyrechet bd. btthesst sche V Organ für die Interessen 8 werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. kitung Crpedition: Gießen Bahuhofstraße 23 Fernsprecher 2008. Volkszeitung erscheint jeden Werktag eee in Gießen. 185 Woondemegkepreig mit den Beilagen, 200 Blatt der Frau“ und„Land⸗ irtschaftliche Beilage. monatlich 3000.— Pet. einschl. Bringerlohn. 2 die Post bezog. 8000. k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120— Mk Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortl lich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mt., auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird 1 1 5 en⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. r Nr. 70 Gießen, Samstag, den 24. März 1923 13. Jahrgang Ein Rechtsputich aufgedeckt! Deutschvölkische„Freiheits“⸗Helden und Natianallozialisten als Staatsuerhrecher und Hochverräter.— Das Spiel mit dem Sturz der Reichsregierung und der Aufrichtung einer„nationalen Diktatur“.— Attentatspläne gegen lozialdemakratische Minister! Entlarvung der deutschvölkischen Freiheitspartei. Bereits mehrfach haben wir darauf hingewiesen, daß ich seit der Verhaftung des Leutnants Roßbach das aterial geegn ihn und die ihm nahestehenden Organi- deren außerordentlich stark angehäuft hat. Im Verlaufe der Untersuchung sah sich die preußische Regierung veran⸗ laßt, in Berlin und anderen Städten bei den Ortsgruppen und den Untersührern der Deutschvölkischen Freiheitspartei E vornehmen zu lassen. Im Berliner 8 der Wulle⸗Partei hatte man— wie das leider n ähnlichen Fällen schon öfter der Fall war— Wind von 55 geplanten Polizeiaktion erhalten und das hauptsächlichste Aktenmaterial vorher entfernen können. Die Vermutung scheint nicht unberechtigt, daß die drei Führer der Deutsch⸗ Wulle, Graefe und enning, die Akten in ihre Arbeitszimmer im Reichstag en bringen lassen, wo sie insofern geschützt sind, als ohne Genehmigung des Reichstagspräsidenten im Reichstags gebäude keine Haussuchung vorgenommen werden kann. Im 3 Anschluß an die Haussuchungen in den deutschvölkischen 0 Bureaus wurden eine große Anzahl Personen J verhaftet. Bis zum Donnerstag abend waren 0— 1 1 in Berlin 25 Verhaftungen 1 15 gemeldet. An unterrichteten Stellen bezeichnet man die 0 00 9 iinnerrolitische Situation als sehr ernst. 0 0 Im Laufe des Donnerstag nachmitlag fanden zwischen den maßgebenden Stellen in Preußen und im Reiche wich⸗ ttige politische Besprechungen statt. In der am Freitag vor⸗ mittag um 11 Uhr beginnenden Sitzung des Preußischen Innenminister, Genosse Severing, die Große Anfrage unserer Genossen wegen Man erwartet, teilungen über das Treiben der rechtsradikalen Parteien zund Gruppen machen wird. „ In einer längeren Erklärung gibt die Deutschvölkische Freiheitspartei von der Verhaftung einer großen Zahl von Drtsgruppenführern und der Beschlagnahme der Mitglieder- listen usw. in ihrem Hauptbureau Kenntnis. Die Haus⸗ suchung sei nur vorgenommen worden,„um diesen unge⸗ cheuerlichen Rechtsbruch gegen eine politisch⸗parlamentarisch einigermaßen rechtfertigen zu können. geordnetn geplant.“ Nach der gleichen Erklärung soll die Aktion der Polizei zurückzuführen sein auf„die Entlarvung der sich in die Turnerschaften hatte.“ der Freiheitspartei eingeschlichen 0 Dieser Richter hat sich angeblich besonders in Spandau be⸗ fbätigt und soll dort wiederholt zu politischen Morden auf⸗ dperden.“ Lerdnung zu machen?“ 91 gefordert haben.„Vor allem sollte Clara Zetkin beseitigt Dieses Ansinnen sei immer abgelehnt worden. Die Namen der Verhafteten. Nach der Meldung der 12 Zig. befindet sich unter den Ver⸗ liasteten ein Major Snethlage, ferner Kapitän Coulmann, rof. Danicke sowie einige Führer des Jugend⸗ 1 1525 Morck. Die Verhafteten würden im Polizeipräsidium bvernommen. Bis zu den Abendstunden war noch niemand von Ihnen freigelassen. Auch im Bureau der„Deutschen Auskunft“, vas sich in der Wohnung des verhafteten Sberleutnants Roß ⸗ ach in Wannsee befand, wurde eine Haussuchung vorgenommen. Zahlreiche Akten, die gesamte Korrespondenz Roßbachs und die Aorrespondenz der Organisation Ableilung II der Deutschvölki⸗ chen en würden beschlagnahmt. Polizeiliche Durch; uchungen wurden noch in Kassel, Erfurt, Halberstadt, Hannover, öfen, Magdeburg, Merseburg, Minden, Naumburg und Stolp in lommern vorgenommen. Zu den Verhaftungen wird uns noch telephonisch ge⸗ neldet: Im preußischen Landtag kommt am Freitag eine große Anfrage der Fraktion der sozialdemokratischen Partei zur Verhandlung, die folgenden Wortlaut hat: „In den letzten Wochen hat in der Oeffentlichkeit eine Ebhafte Erörterung über die Tätigkeit von Selbstschutz⸗ ganisationen verschiedener Art stattgefunden. Ist die taatsregierung bereit, Mitteilungen über die von ihr ge⸗ offenen Abwehrmaßnahmen zum Schuß der öffentlichen Diese Gelegenheit wird der preußische Innenminister, Genosse Severing, benutzen, um nähere Aufklärungen über die Aufdeckung einer rechtsputschistischen Verschwörung zu geben, die in den letzten Tagen mit der Verhaftung des Leutnants Roßbach begonnen hat und am Donnerstag mit Verhaftungen in zahlreichen Städten Preußens fortgesetzt worden ist. Allein in Berlin wurden 26 Mitglieder der deutschvölkischen Freiheftspartet, zwei Vorsitzende von Ortsgruppen und Mitglieder des Yorkbundes verhaftet. Tatsächlich gelang es, eine weitverzweigte Ver⸗ schwörung aufzudecken, deren Zweck der gewaltsame Sturz der preußischen Regierung und vor allem die Beseitigung Severings aus dem Amt war. Ganz radikale Elemente hatten sogar den Plan eines Atten⸗ tats gegen Severing gehabt. Vergebens suchen die Rechts- blätter die Aufmerksamkeit von diesem hochverräterischen Treiben abzulenken, indem sie überall die Gefahr eines Auf⸗ marsches der roten Armee an die Wand molen. Wo die Ge⸗ fahr aber tatsächlich ist, das erkennt auch ein Teil der bürger⸗ lichen Blätter. Die Vossische Zeitung schreibt heute an der Spitze ihres Blattes: „Wenn nicht alle Zeichen trügen, hat das Deutsche Reich sehr nahe vor einer Wiederholung des unsinnigen Kapp⸗ Putsches vom März 1920 gestanden. Wenn der preußische Minister des Innern in den letzten Tagen nicht vorsichtig und energisch zugeriffen hätte, wäre Deutschland in der gleichen Zeit, da es sich mit der Waffe des passiven Wider⸗ standes gegen den Alpdruck der französisch-belgischen Truppen im Ruhrgebiet wehrt, von innen heraus durch eine hochverräterische Unternehmung dere mit den National- sozialisten verbundenen Deutschvölkichen in den schwersten Bürgerkrieg verwickelt und in das furchtbarste Chaos ge⸗ stürzt worden.“ Die Verhaftungen in Berlin Beweis für den bereits gehegten Verdacht eines e räterischen Plans geliefert, der darauf hinausging, innerhalb einer kurzen Frist zu einem genau bestimmten Tag die gegenwärtige Reichsregierung zu stürzen, ebenso die preußische Regierung, wobei die sozialdemokrati⸗ schen Minister, vor allem Genosse Severing, Atten⸗ taten zum Opfer fallen sollten, den Reichstag und den preußischen Landtag aus⸗ einanderzujagen, die Weimarer Verfassung aufzuheben und an deren Stelle eine sogenannte„nationale Diktatur“ mit den deutschpölkischen und nationalsozialistischen Führern an der Spitze aufzurichten.“ Die Vossische Zeitung will auch bereits wissen, daß der jetzige Plan sorgfältiger vorbereitet war, als vor ziemlich genau drei Jahren der Kapp⸗Putsch. Er be⸗ schränkte sich nicht auf Groß-Berlin, sondern war auf das ganze Reich ausgedehnt, wobei der ganze deutschvölkische und nationalsozialistische Heeresbann aufgeboten werden sollte. Der„Aufmarschplan“ der einzelnen Hundert⸗— schaften der deutschvölkischen Garde war in allen Einzelheiten festgelegt. Der konzentrierte Angriff gegen Berlin war genau detailliert. Wie die Hetze gegen den verhaßten Gen. Severing ins Werk gesetzt wurde das geht aus einem Rund— schreiben der Presseabteilung der deutschvölkischen Freiheits- partei an die Landesverbände und Ortsgruppen hervor, das der Vorwärts veröffentlicht. Darnach wurden sämtliche Ortsgruppen angewiesen, im Laufe der nächsten Tage eine Depesche an den Reichskanzler zu richten, in der einerseits gegen die Verhaftung der deutschvölkischen Führer Ver— wahrung eingelegt wurde, andererseits die„Forderung auf Beseitigung des preußischen Ministers Severing als den— jenigen, der durch seine Verfolgung der deutschvölkischen Bewegung die nationale Einheitsfront zerschlage“, gestellt wurde. Für den Fall, daß Severings Tätigkeit unmöglich gemacht werde, sollte ein Treugelöbnis an den Reichskanzler gegeben werden. Man sieht also, daß die deutschvölkischen Freiheitshelden ihre Treue zu der Reichs- und Staats- regierung von konkreten Bedingungen abhängig machen. Militärische Gewalt gegen Bergarbeiter und Eisen⸗ bahner. Aufruf der Bergarbeiterverbände. Die Bergarbeiterverbände erlassen folgenden Aufruf: Ruhrbergleute! Fast 10 Wochen setzt der französische Imperialismus und Militarismus seine Gewaltpolitik fort, Waffenlos aber unbeugsam verharrt die Ruhrbevölkerung im Abwehrkampf. Mit allen Mitteln versuchen die Fran⸗ zosen diesen Widerstand zu brechen. Durch rosige Versprechen soll die Arbeiterschaft eingefangen werden. uns, die wirtschaftliche Lage der Arbeiter zu verbessern, die lungs- und Pressefreiheit unangetastet zu lassen, mit einem Wort, herrliche Zeiten stellen die Franzosen den Arbeitern in Aussicht, wenn sie sich unterwerfen. Was ist von diesen Versprechungen zu halten? Sie sind nur Lockmittel des französischen Imperialismus und Militarismus, sie sind und bleiben arbeiterfeindlich. Der Bergarbeiterstreik im Saarrcvier ist der schlagendste Beweis dafür. 6 Wochen stehen die Saarkameraden im Streik. Sie kämpfen um aus⸗ kömmliche Löhne und menschenwürdige Behandlung. Die französische Regierung als Arbeitgeber aber lehnt jedes Ent⸗ gegenkommen ab. Gegen die Streikenden wird Militär auf⸗ geboten. So sieht es im Saarrevvier aus. Kameraden! Wie erst würde es uns ergehen, wenn Poincaré sein Ziel erreichen würde. Er wird es nicht erreichen. An unserem Willen, gestützt auf unser Recht, muß die brutale Gewalt zerschellen. Trotz Aufbietung rücksichtsloser Gewalt, trotz verschärfier Ausweisung und Ermordung friedliebender Menschen blieb der französischen Gewaltpolitik der Erfolg bisher versagt. Frankreich wird auch weiterhin keine Kohle und keinen Koks bekommen und der Versuch, die Halden⸗ bestände abzufahren, wird ein Mißerfolg bleiben. Kameraden! und Freiheit. Wir lassen uns weder durch Zuckerbrot noch durch Gewalt vom französischen Militarismus und Im⸗ perialismus zur Fronarbeit zwingen. Der Widerstand wird wie bisher mit Ruhe und Besonnenheit durchgesetzt werden, bis Frankreich von seiner brutalen Gewaltpolitik abläßt.“ Das weitere Vorgehen. Der Bahnhof Innekeppel bei Elberfeld ist am 21. März anscheinend zur Errichtung einer Güterkontrollstelle von den Franzosen besetzt worden. Seit Mittwoch werden Züge mit Kohlen für Holland von den Sperrposten am Rhein-Heene⸗ Kanal nicht mehr durchgelgssen. In Scharnhorst werden den einreisenden Fahrgästen sämtliche Zeitungen im Zuge abgenommen und vernichtet. In Gelsenkirchen, Dortmund, Witten ist die Lage im allgemeinen unverändert. In Bochum hat der französische Kommandant eine Verordnung erlassen, nach der die Ein⸗ wohner verpflichtet sind, binnen 24 Stunden anzugeben, ob bei ihnen Schutzpolizeibeamte gewohnt haben bezw. noch wohnen. Am 20. März abends wurden der Inhaber einer Bochumer Wirtschaft und etwa 40 Zivilpersonen wegen Ueberschreitung der Polizeistunde festgenommen. Der Gast⸗ wirt und eine Zivilperson wurden nach Hattingen abtrans⸗ portiert, die übrigen Inhaftierten am nächsten Morgen auf freien Fuß gesetzt. In Scharnhorst wurden am 21. März zwei Eisenbahnüberwachungsbeamte, anscheinend weil im Zuge deutsche Flugblätter verteilt worden waren, aus dem Zuge heraus verhaftet. Der Kommandierende General hat eine Verordnung er⸗ lassen, nach der die Steuererträgnisse für Wein, Schaum⸗ wein, Zigarren, Zigaretten und Tabak an die VBesatzung ab- geführt werden müssen. Der Transport von Möbeln der Ausgewiesenen durch die Zollgrenze ins unbesetzte Gebiet ist nur gegen Bei bringung einer Ausfuhrbewilligung der französischen Aus— fuhrbehörde in Essen gestattet. Diese Ausfuhrgenehmigung ist in einigen Fällen eingeholt und anstandslos erteilt wor den. Ausfuhrzoll für Möbel ist bisher, soweit wir festge stellt haben nicht erhoben worden. Man versichert Arbeitsrechte nicht zu schmälern, Organisationen, Versamm⸗ Wir bleiben fest im Abwehrkampf für Recht gwei Todesopfer durch französische Rücsichts⸗ losigkeit. Durch rücksichtsloses Fahren des französischen Zoll⸗ dootes kenterte auf dem Rhein ein mit Kohlen beladener Kahn, wodurch zwei Arbeiter aus Mannheim ins Wasser zielen und ertranken. Verhaftung eines deutschen Redakteurs. Wie das Echo de Paris aus Mainz meldet, haben die alliierten Melitärbehörden in Koblenz als Nepressalie der Verhaftung der Kor respondentin des Inlransigeant in Berlin den Redakteur der Koblenzer Zeitung, Dr. Meermann, verhaftet. Entsprechende Maßnahmen würden jedesmal getrofsen werden, wenn ein französi⸗ scher Journalist von den deutschen Behörden belästigt werde. Professor Einstein tritt aus der Völterbunds⸗ krommission ans. osessor Einstezn. der sich in Zürich aufhält, hat an das Sek⸗ retariat des Völkerbundes einen Brief gerichtet, worin er seinen Austritt aus der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit an⸗ meldet. Er schreibt in diesem Brief: 5 A habe in der letzten Zeit den Eindruck gewonnen, daß der Völkerbund weder die Kraft noch den guten Willen hat, seine Aufgabe zu erfüllen. Als überzeugter Pazifist halte ich es nicht für richtig, irgendwelche Beziehungen mit dem Bund aufrechtzu⸗ erhalten. Ich bitte meinen Namen aus der Liste der Kommissions⸗ mitglieder zu streichen. Französische Opposition. Unter der Ueberschrift„Warum veröffentlicht die französische Regiecur nicht endgültig ͤhren Plan“ beschäftigt sich ein Leit⸗ artikel des Ouevre mit der augenblicklichen Lage. Die öffentliche Meinung Frankreichs, so schreibt das Blatt, Hat endlich genug von diesen Streitigkeiten der Diplomaten. Es handelt sich nicht darum, ob Herr Bergmann oder Herr Poincars im Januar Unrecht gehabt hat, es handelt sich darum, zu erfahren, durch welche Methoden man endlich versuchen wird, die wirt⸗ chaftliche und politische Liquidation vorzunehmen. 5 handelt sich darum, zu erfahren, die Regierungen in allen ndern entschlossen sind, den Völkern die Möglichkett u geben, zu arbeiten und zu leben. Wenn Poincars Manöver Cunos unwirksam machen will, darf er keine weite ren mentis mehr veröffentlichen, sondern er muß den Plan rankreichs bekanntgeben. Einen Plan für die Repa⸗ ationen, der endlich bestimmte Vorschläge enthält, einen Plan für e Liquidation der interalliierten Schulden, einen Plan der icherheit Frankreichs und einen Plan eines wirtschaftlichen Ab⸗ mens. Das erwartet man von der französischen Regierung, die die Initiative ergriffen und damit die Verantwortung für die setzung des Ruhrgebietes übernommen hat. Jetzt ist ihr — igen vielleicht das Eingeständnis des Unvermögens. Dentsch⸗französische Verhandlungen? Die französche Presse veröffentlicht heute abend eine Reihe von Dementis über die Verhandlungen, die durch Herrn Dubois, dem Präsidenten des Schweizerischen Bankvereins in Basel, zwischen rankreich und Deutschland gepflogen sein sollen. In Paris, so sschreibt der Temps, hat man nie etwas von einer Verhandlung ge⸗ ißt, die im Gange sein sollte. Auch ist hier nichts von einem ufenthalt v. Bergmanns in Bern bekannt, noch von einer Mission. ie Herr Dubois im Auftrage Frankreichs auszuführen gehabt hätte. Man muß im Gegenteil annehmen, daß Herr Bergmann in Bern gewesen ist und daß Herr Dubois, der in der letzten Woche nach Erledigung privater Angelegenheiten in Paris geweilt tte, keinerlei Demarchen in der Reparationsfrage unternommen t. Der französischen Regierung sind, so hebt der Ane hervor, im Januar noch später die Herrn Bergmann zugeschriebenen lnerbietungen bekannt geworden. Der Temps fährt dann fort: wollen nur daran erinnern, daß Frankreich, wie man es in allen fremden Hauptstädten weiß, fest entschlossen ist, keinerlei nterventionen irgend einer Regierung oder einer privaten Per⸗ önlichkeit zwischen Frankreich und Deutschland zuzulassen, soweit es sich um Besprechungen handelt, die ren. 5 Gleichzeitig wird in der französischen Presse ein Dementi der schweiderischen Telegrafenagentur veröffentlicht, in dem es heißt, alle über die angebliche Mission des Herrn Dubois ver⸗ ö ten Nachrichten jeder Grundlage entbehren. Ebenso seien auch die Nachrichten falsch, nach denen Herr Dubois im Juli 1922 eine Zusammenkunft in Curnigel mit zwei vom französischen Finanzminister entsandten französischen Beamten gehabt hätte, die ihn um vertrauliche Auskunft über die in der Schweiz lagernden deutschen Depositen ersucht hätten. Der Korrespondent der Er⸗ preß⸗Korrespondenz hat diese Dementis dem Quai d'Orsay zur Rückäußerung vorgelegt, der sie im vollen Umfange bestätigt. Man machte im Ministerium des Aeußeren nochmals darauf auf⸗ merksam, daß der Standpunkt Frankreichs sich in der Behandlung der Ruhrfrage nicht geändert habe und daß die französische Re⸗ dene gesonnen sei, nur direkte und offizielle Angebote der das Reparationsproblem eutschen Regierung anzunehmen. Amerikanisch⸗englische Vermittlung. Trotz der zahlreichen Dementis über die angeblichen Verhand⸗ lungen Dubois, sowie der ständigen Ableugnung aller Gerüchte über eine amexikanisch⸗englische Vermittelung läßt sich die fran⸗ ösische Presse auch weiterhin aus London über angebliche deuische orschläge berichten. Der Berichterstatter des Temps in London glaubt in der Lage zu sein, ein deutsches Reparationsprogramm skizzieren zu können. Die deutsche Regierung würde diesem Kor⸗ respondenten zufolge keine endgültigen Vorschläge machen, son⸗ dern die Diskussion auf der Basis des Profektes wieder 2 das sie für die Pariser Konferenz vorbereitet hatte. Die Berliner Regierung ließ in Leudon vernehmen, daß dieses Programm die weitestgehenden Konzefsionen darstelle, die sie angesichts der pabla⸗ mentarische Lage in Deutschland machen könne. Wenn sie weiter ginge, so würde sie sich der Gefahr aussetzen, gestürzt zu werden. — Andeeseits verbreitet sich die französische Presse eingehend über eine Meldung des Berliner Korrespondenten des Daily Chronicle, der angeblich aus maßgebender Stelle bestätigen kann, daß Lord Aberdon in London tatsächlich den Auftrag habe, den englischen Premierminister über die Bedingungen zu informieren, unter denen die Berliner Regierung geneigt sei, in direkte Verhandlungen mit Frankreich und Belgien über die, Reparationsfrage und die Ruhr⸗ frage einzutreten. Obwohl die hiesigen deutschen Stellen erklären, daß der Besuch des deutschen Geschäftsträgers bei den Pariser italtenischen Botschafter mit der Reparationsfrage nichts zu tun ge⸗ habt habe, meinen die französischen Kreise fortgesetzt, daß dieser Besuch auf bevorstehende Verhandlungen hindeute. Diylomatische Offensive? Der Berliner Korrespondent der Basler Nachrichte stützt auf Informationen in⸗ und ausländischer Diplomaten in den letzten Tagen immer lebhafter dafür ein, daß die deutsche Regierung endlich aus ihrer Reserve heraustreten und statt der bisher geübten diplomatischen Defensive die diplomatische Offensive ergreife. Deutsch⸗ land miisse sowohl die in Paris durch Herrn Bergmann überreichten Vorschläge veröffentlichen(was bereits beschlossen wurde), als auch im Anschluß daran einen Vorschlag zur Lösung der jetzigen Verhält⸗ nisse, wie sie durch die Ruhraktion geschaffen wurden, unterbreiten. Deulschland hätte für diese Offensive einen vorzüglichen Aufmarsch⸗ raum und zwar das Gutachten der vier großen Sachverständigen Jenks, Cassel, Brand und Keynes. Das Gutachten von solchen Kapa⸗ zitäten, dem sich Bankfachleute wie Dubois u a. anschlössen, könne von Poincaré nicht übersehen werden. Poincaré werde dadurch gezwun⸗ gen, das Visier zu öffnen und sich zur Diskussion bereit zu finden. Tue er es nicht, dann sei die diplomatische Situation Frankreichs schlecht. Wenn Deutschland geschickt operiere, müsse ein solcher Schritt unzweifelhaft ein großes Minus auf der Buchseite Frankreichs zur Folge haben. Aber Poincars werde sich diesmal hüten, sich in eine schiefe Position bringen zu lassen; er könne auf die Offensive nur dadurch antworten, daß er seine eigenen Absichten enthülle. Was Poincaré der Welt Glauben machen will. Im Anschluß an das Dementi der Schweizerischen Depeschen⸗ Agenten, wonach die französischen Behauptungen daß Reichskanzler Cuno den Präsidenten des Schweizerischen Bankvereins in Basel, Dubois, um seine Vermittlung beim französischen Mimisterpräsidenten ersucht habe, jeder Grundlage entbehre, veröffentlicht Herr Dubois selbst in den Basler Nachrichten folgende Erklärung: Es ist kein Wort daran wahr, daß ich durch Herrn Reichskanzler Cuno beauf⸗ tragt worden wäre, mich Herrn Poincaré zu nähern. Ich hatte auch keine Gelegenheit zu einem solchen Schritt. Es ist mir absolut unbe⸗ kannt, daß Herr Cuno irgend einen Versuch gemacht habe, bei schweizerischen Bankiers einen Teil der Vorschlisse, die Frankreich angeboten werden sollen, zu bekommen. Ich zweifle daran, daß über⸗ haupt ein solcher Schritt unternommen worden ist. Es muß sich um ein vollständig haltloses Gerücht handeln. Was die weitere Be⸗ hauptung betrifft, daß ich Herrn Cuno geraten hätte, den Widerstand an der Ruhr aufzugeben, so erkläre ich, daß ich um keinen Rat ge⸗ fragt worden bin und auch keinen gegeben habe und endlich ich habe niemals Erklärungen des Schweizerischen Bundesrates gegenüber der schweizerischen Regierung bezüglich der in der Schweiz liegenden Zuthaben zu bestätigen oder zu bestreiten gehabt, Erklärungen übri⸗ gens, von denen ich durchaus keine Kenntnis hatte. Politische Uebersicht. Der Reichskanzler in München. Reichskanzler Dr. Cuno ist Donnerstag morgen in München angekommen. Eine große Menschenmenge er⸗ wartete ihn am Bahnhof. Auch die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, darunter Ministerpräsident von Knilling, der Reichsgesandte von Haniel und die beiden Bürgermeister von München waren anwesend. Im Rahmen des überaus umfangreichen Programms, das sich der Reichskanzler Dr. Cuno für seinen Münchener Aufenthalt gestellt hat, fand auch ein Besuch im Rathause 0 n tritt, ge⸗ takt, wo der Reichskanzler Fon efner Aporbnung bes 2 rates unter Führung der beiden Bürgermeister beg wurde. Bürgermeister Genosse Schmidt richtete an Reichskanzler eine Ansprache, in der er den Kanzlerbe als maßgebendsten Faktor zur Bekundung neuer Geschlos erhörter Gewalt bezeichnete. Dr. Cuno sprach in seiner E widerung von der engen Zusammenarbeit ö Reichs- und der bayerischen Staatsregierung und gab de Hoffnung Ausdruck, daß Deutschland in dem ihm auf zwungenen Kampfe durch die passive Resistenz zu ei guten Ende komme. Der Reichskanzler drückte seine Fre darüber aus, daß der Bürgermeister so offen erklärt habe daß die Reichsregierung die Unterstützung aller einsichtigel Kreise finden werde. Anschließend an den Besuch im Rat hause nahm der Reichskanzler als Gast des Ministerpr denten an einem Frühstück im Ministerium des Auswärti teil und besuchte am Nachmittag den Kardinal Ja ho und den evangelischen Kirchenpräsidenten Dr. Veit. Sp fanden im Hotel Continental mehrere Empfänge statt, w bei u. a. die Chefredakteure der Münchener Tageszeitunge und das Präsidium der Vereinigten vaterländischen Ve bände empfangen wurden. * Der Streik in Oberschlesien Am Donnerstag abend 6 Uhr ten zusammen, in der über die augenblickliche Streiklage und kommende Maßnahmen Beschluß gefaßt werben soll. Die Unternehmer haben bisher noch keine A gegenkommen gezeigt. Der Arbeitgeberverband selbst hat sich der Angelegenheit noch nicht beschäftigt, trotzdem der Reichs k beide Parteien telegraphisch ersucht hat, mit Nücksicht auf denkliche Lage im Reiche eine baldige Verständigung zu erstrebe Die Gewerkschasten aller Ri übereinstimm Auffassung. 0 eingestellt werden müssen. derung, daß die Industriellen jetzt endlich die vertraglich zugesta Deputalkohle für Invaliden und Witwen bewilligen. Schon vor einiger Zeit meldeten wir, daß die Franzo sollten, auslassen. Da unsere dänischen Genossen aber webe dadurch, noch durch die fast täglich von dem Vertreter Fro n. reichs in Kopenhagen vorgebrachten Beschwerden 0 Liebestätigkeit der dänischen Arbeiter von ihrem Hilfswer abgehen, greift Frankreich zu anderen Mitteln. Die dänische Industrie leidet heute in hohem Maße unter der Ruhr besetzung, da die notwendigen Rohstoffe nicht aus dem Ruf Abordnung der dänischen Industriellen nach dem Ruhl, gebiet, um die Möglichkeiten einer Einfuhr deutscher Roh, stoffe— die nicht etwa von Franzosen, sondern von Den schen gekauft werden sollten— aus dem Ruhrgebiet naß Dänemark zu prüfen. Die Franzosen erwiderten den Indu⸗ striellen kaltlächelnd, daß, solange dänische Arbeiter Geldet für die Ruhrarbeiter aufbringen, solange insbesondere dänische Arbeiter hungernden Ruhrkindern einen Platz an ihrem Tisch gewähren, an eine Ausfuhr deutscher Rohstoff aus dem uhrgebiet nach Dänemark nicht gedacht werden kann. Weil sich also die dänischen Arbeiter das hohe Ziel gesetzt haben, tausende deutscher Kinder vor dem Hunget⸗ tode zu retten, darum sollen sie selbst zur höheren Ehre der großen„Kulturnation“ dem Hunger überliefert werden Aber diese Drohung schreckt unsere dänischen Genossen nicht Durch den Leiter der dänischen Hilfsaktion, unseren Genossen J. P. Nielsen, haben sie in unserem Kopenhagener Bruder blatt erklären lassen, daß sie keinen Dritten um Erlaubnis fragen werden, wie sie ihr Geld verwenden. Die dänischen Polen unterstützt, und sie werden auch in aller Zukunft do helfen, wo Arbeiter leiden, ohne danach zu fragen, wer daz Elend und den Hungertod unschuldiger Säuglinge ber, schuldet hat.“ 0 Der Deserteur. 5 Noman von Robert Buchanan. Wenn diese Worte eine Zauberformel enthalten hätten, würde die Gesellschaft auch nicht ehrkurchtsvoller und ver— zückter dreigeblickt haben. Wir müssen jedoch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, gestehen, daß diese Verkündi⸗ gung an demselben Orte und mit demselben Pathos von Dervol schon wiederholt abgegeben worden war. Aber manche Geschichten klingen eben immer neu und diese ge— hörte in jene Kategorie. Onkel Ewen erzählte sie unzählige Male unter demselben Beifallsgemurnal, denselben Aus⸗ rufen des Erstaunens und der Ehrkuscht seiner Zuhörer. Alle jene, die ihn zu kennen glaubten und die denkwürdige Be— gebenheit von Cismone von ihm noch nicht gehört, kannten, den Alten eben noch nicht ganz und waren sicherlich nicht würdig, sein volles Vertrauen zu genießen. Sämtliche heute Anwesenden hatten die Geschichte mindestens schon ein Dutzend Mal gehört und lauschten ihr— mit Ausnoyme Mikel Grallons, der ziemlich gelangweilt dreinblickte und mit seinen verliebten Augen Marcolle anstarrte— heute mit eben solchem Interesse wie das erste Ma.. Mutter Derval hatte zu spinnen, Marcelle zu nähen aufgehört, die beiden Vurscken saßen mit offenem Munde da und auch der dicke Geistliche zeigte lebhaftes Interesse. Der Stolz des Propheten, der ausnahmsweise in: eigenen Vaterland anerkannt wird, leuchtete aus den Augen des Veteranen, als er fortfuhr:„Wir verließen Trient am 16. September in frühester Morgendammerung; nach einem forcierten Marsch gelangten wir spät am Abend in ein Dörfchen, dessen Namen ich vergessen habe. Wir waren so müde, daß uns in jener Nacht nichts hätte wach erhalten können als das Losungswort, daß der Kaiser— damals war er noch General, General Bonaparte— in unserer Miite weile. Wir fühlten, daß es wahr sei, denn jeder einzelne spürte scine Nähe, ja, wir hätten darauf schwören können. Sie müssen wissen, Vater Rolland, es verhielt sich mit ihm so wie mit dem Arzt im Lazarett— wenn er kommt, blickt jeder Verwundete freudig auf; wenn er geht, sinkt jeder stöhnend und verzweifelnd in sein Kissen zurück. In jeder Abteilung fühlt man sein Nahen, jedes Herz schlägt rascher, wenn er sich dem Bette nähert, jedes langsamer, wenn er sich entfernt. So war's auch in unserem Lager. Unsere Pulse schlugen rascher, als es hieß:„Der General kommt, der General ist hier!“ Mutter Derval seufzte tief auf. Die Aermste dachte aber nicht an den„Großen Kaiser“, sondern an ihre beiden Söhne, die in seiner Armee standen. Der Korporal hatte den Seufzer gehört und beeilte sich fortzufahren:„Der Mond leuchtete noch am Himmel, als wir wieder aufbrechen mußten. Wir marschierten in drei Kolonnen und stürmten wie ein Wirbelwind auf die überraschten Oesterreicher ein, die in starker Macht vor Primolano lagen. Das nennt man überrumpeln, Vater Rolland! Wir fuhren mitten unter sie hinein! Mikel Grallon, hast Du schon ein Boot in Grund und Boden bohren sehen? Krach— hin ist es! So machten wir's! Unsere Kavallerie schnitt dem Feinde den Rückzug ab, Tausende legten ihre Waffen nieder. Der Siege hätte einem gewöhnlichen General genligt; nicht so unserem „kleinen Korporal“. Vorwärts! lautete sein Kommando. Wurmser lag vor Bussano, Mezaros marschierte nach Verona und wir mit aufgepflanzten Bajonetten nach Cismone. Es war stockfinstere Nacht, als wir anlangten, und wir jauchzten, als man uns„Halt!“ gebot, denn wir waren todmüde. In jenen Tagen besaß ich einen guten Kameraden, treu wie Gold; er hieß Jacques Monier und war an der Rhone ge⸗ boren. Wir lebten wie Brüder, teilten Speis' und Trank und lagen uns gar manche Nacht in den Armen, um uns gegenseitig zu erwärmen. Nun, in jener Nacht lag Jacques auf dem Bauche, um ein Feuer anzufachen, während ich mich auf den Weg machte, Trinkwasser zu suchen. Als ich nach kurzer Zeit mit meinem gefüllten Blechtopf zurückkam, fand ich Jacques in Positur stehen, mit einem halben Laib Schwarzbrot in der Hand und— was glauben Sie, wen er⸗ * Er war von Kopf bis Fuß mit Krot bespritzt und sah wie ein gemeiner Soldat aus, aber ich erkannte ihn auf den ersten Blick. Er saß vor dem Feuer und warmte seine et starrten Hände, während Jacques ihm das Brot reichte und sagte:„Nehmen Sie das Ganze, mein General!“ Das Ge, sicht Bonapartes war schneeweiß vor Hunger. Bedenken Sie was das bedeutet; ich weiß, was Hunger ist!“ Ein allgemeines Gemurmel des Erstaunens ging durch das kleine Gemach. „Nehmen Sie das Ganze; ein halber Laib Brot ist ohn! hin nicht viel,“ drängte Jacques. Sie hätten das Lächeln des Generals sehn müssen, Vater Rolland. Stillschweigend nahm er das Brot, brach ein Stückchen davon ab und began daran zu knabbern, während er den Rest Jacques zurück hervor, leerte aus meiner Feldflasche den Rest des Schnapses, den ich aufgespart hatte, in den halb mit frischem Wasser ge⸗ füllten Topf und reichte ihn dem General. Hier ist der Topf, ich bewahre ihn als heiliges Andenken an jene denk würdige Nacht,“ bemerkte Derval, seine Erzählung unter brechend, ein unscheinbares Blechgeschirr, das an ei betrachtete. 0. „Trinken Sie, mein General!“ bat ich salutierend.„Ah. in jenen Tagen gebrach es mir nicht an Mut— das 155 Sie mir glauben! Als er den Schnaps roch, setzte er daß Gefäß an den Mund und trank gierig; dann lächelte e wieder und fragte nach unseren Namen, die wir ihm sagten, Er durchbohrte uns beinahe mit seinen scharsen Blicke hüllte sich fester in seinen Mantel und verschwand im Du der Nacht. Jetzt lagerten wir— Jacques und ich— un vor das Feuer, aßen das Brot auf, tranken das Wa und sprachen bis zum Morgengrauen von unserem Korporal“.“ 0 a (Fortsetzung folat.] gebiet herauskommen. Vor einigen Tagen begab sich 1 heit und absoluter Uebereinstimmung in der Abwehr un zwischen det trat in Hindenburg eine Be. triebsräte- und Vertrauensmännerversammlung aller 88 550 4 ichtungen en aß die gemaßregelten Betriebsräte unbedingt wieder . f Weiter erheben sie aber auch die For, denen Soziallöhne für Invaliden und Witwen und Waisen und diz Die Frauzosen gegen die dänische Kinderhilfe, ihre namenlose Wut selbst an den ärmsten und schwächlichst der Ruhrkinder, die nach Dänemark abtransportiert werden N Arbeiter haben früher die Belgier, Russen, Franzosen und blicke ich neben ihm? Den General, wie er leibte und lebt gab. Nun kam ich an die Reihe. Ich trat aus dem Schatten einen 9 Nagel über dem Kaminsims hing, herunterlangend und eh dem Pfarrer reichend, der es aufmerksam von allen Seiten 0 . g eine 9 hohe 9. + 3 ee eee eee 7... 7 deutscher Gebiete ihnen gleichgültig kommen, wo eine Regulierung der gegenwärtigen Be⸗ r n ee e ee Kommunistischer Klossenkampf. Man lese folgende zwei Meldungen, die in großer Auf machung auf der ersten Seste der Roten Fahne vom 21. März gestanden haben: 1 N Gen. Lenin, Ebrenvorsitzender der 3. Internationale. f 3 N OE. Moskau, 18. März. Aus Anlaß der Feier des 25. Jahrestages der Be⸗ gründung der Russischen Sozialdemokratischen Partei, aus der die Bolschewisten hervorgegangen sind, veröffentlicht die Exekutive der 3. Internationale ein Schreiben an die Russische Kommunistische Partei, worin ihre Verdienste um die Weltrevolution und ihre Führerschaft in der 8. Internationale gerühmt werden. Die Exekutive teilt mit, sie habe Lenin zu ihrem Ehrenvorsitzenden gewählt. An die Gen. Clara Zetkin. (Eigener Drahtbericht der Roten Fahne.) i Moskau, 19. März. Der Initiatorin des Internationalen Arbeiterinnen⸗ zages, der teuren Führerin des Frauenproletariats der Welt, Clara Zetkin, senden die Arbeiter- und Bauern⸗ frauen des Gouvernements Moskau ihren heißen Gruß und wählen sie zum Ehrenmitglied des Präsidiums ihrer feierlichen Sitzung am 18. März. Ist das nicht ungefähr so etwas wie wilhelminischer Kriegervereinsstile Das kommunistische Zentralorgan aber balls für Klassenkampf. Tschitscherin gegen die Memel⸗Schiebung. Tschitscherin richtete eine Note an Poincars, in der er gegen die Zuteilung von Memel an Litauen protestiert, ohne daß die Sowjetregierung an dieser Entscheidung mit⸗ gearbeitet habe. Er hält diese Entscheidung des Völker⸗ bundes für symptomatisch für die Politik der fortgesetzten Feindseligkeiten gegen Sowjetrußland. Weiter protestiert Tschtitscherin gegen eine Lösung der galizischen Frage ohne , Woörtlich heißt es in der Note: Wenn durch den Vertrag von Riga Rußland und die Ukraine auf Gebiete verzichtet haben, welche wesentlich an der neuen polnischen Grenze liegen, so will dies keineswegs beweisen, daß das Schicksal ist. Weiter warnt Tschitscherin die alliierten Regierungen und benachrichtigt sie, daß Rußland sie für alle Schäden verantwortlich machen werde, welche die Sowjetregierung durch die Entscheidungen des Völkerbundes erleiden könnte. Sollte einmal die Zeit ziehungen eintrete, so werde Rußland nicht verfehlen, diese Schäden anzumelden. Die Note schließt in einem etwas versöhnlicherem Tone. Steuer gerechtigkeit. Kein Staat kann bestehen, wenn so, wie es gegen⸗ wärtig immer woch im deuischen Reiche geschieht, die Lasten mög⸗ lächst auf die Schultern der Minderbemittelten abgebürdet werden, während die Reichen selbst das wenige, das sie zu tragen haben, von sich abzuschütteln suchen. Was hat England als Nation groß ge⸗ macht, was hat ihm den Krieg gewinnen helfen? Daß sein be⸗ itzendes Bürgertum willig, wenn auch seufzend, schwerste Steuerlasten trug, weil es zu stolg und politisch zu klug war, den eigenen Staat zu betrügen. Deutschland dagegen mußte unteriiegen, weil seine Kapitalisten unter Helfferichs Führung(wir wiederholen es), die Steuerhinterziehung zu einer gesetz⸗ lich erlaubten Uebung der Reichsten im Lande machte. Dieses Treiben wird heute hinter dem Rücken der schon wieder sagenhaft gewordenen„Einheitsfront“ in frivoler Weise fortgesetzt. So wird der ganze Kuhhandel des famosen„Geldentwertungs⸗ gesetzes“ zur Gefahr für den Bestand des Reiches. Wenn das Volk namentlich im Ruhrgebiet, den Glauben verliert, daß dem Kampfe um unser Recht und unsere Existenz, die wir gegen den äußeren Feind führen, der Wille zur Gerechtigkeit im Innern entspricht, dann geht dieser Kampf sicher verloren. Diese Gerechtig⸗ keit fordert aber, daß an den Lasten jeder nach seiner Leistungs⸗ fähigkeit trage. Deutscher Reichstag. Berlin, 22. März. Erledigt werden die Gesetzentwürfe über die Eintragung von Schiffpfandrechten in ausländischer Währung, über die Aenderung des sprechgebührengesetzes über die Erbschiffahrtstkte und das Vorbereitungsgesetz zum Reichsentlastungsgesetz.— Der Gesetzent⸗ wurf Dr. Everling(D. Vp.) betr. Ausführung des Art. 149 Abstz 2 der Reichsverfassung betr. Willenserklärung der Eltern über die Teil⸗ nahme von Schulkindern am Religionsunterricht und kirchlichen Feiern geht an den Rechtsausschuß. Gemeinsam beraten werden die Interpellationen des Zentrums wegen Gefährdung der Gewissensfreiheit in Sachsen und die der Deutschnationalen wegen Gefährdung der religiösen Freiheit in Sachsen, Thüringen und Braunschweig. Zur Begründung der Zenrumsinterpellation führt Abg. Mar x (Ztr.) aus: Die Erlasse der sächsischen Regierung, wonach an staat⸗ lich nicht anerkannten Lehrern und Schülern künftig in keinem Falle mehr Unterrichtsbefreiung zum Zwecke der Teilnahme an veligiösen Feiertagshandlungen gewährt werden darf und weiter jede Art religtöser Beeinflussung außerhalb des Religionsunterrichts verboten und die Zulässigkeit von Andachten, Gebeten und Kirchen⸗ liedern auf die Religionsstunden beschränkt wird, werden in der christlichen Bevölkerung als rechtswidrig angesehen. Wir erwarten, daß die Androhung der Verweifung der Schüler von der Schule wegen Verstoßes gegen diesen Erlaß zurückgenommen wird. tener 1. Barth⸗Chemmitz(Den.) begründet die Interpellation er N 2 hintereinander stehen „Die ungestörte Religionsausübung wird durch die Verfassung ge⸗ währleistet und steht unter staatlichem Schutz“, und dahinter:„Die allgemeinen Staatsgesetze bleiben hiervon unberührt.“ Die genannten Lander rellen die zusicht, daß der letzte Satz ausdrücklich den Vor⸗ rang der allgemeinen Staatsgesetze und damit auch der allgemeinen Schulgesetze bestimmt. Das ist im gewissen Umfange nicht zu be⸗ stretten. Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß die Länder berechtigt sind, Feiertage einzuführen, solange nicht eine reichsgesetzliche Regelung entgegensteht. Ein solches Gesetz wird dem Hause demnächst zugehen. Auf Landessitten soll möglichst Rücksicht genommen werden. Eine Verständigung zwischen Landes regierungen und Kirchenbehörde soll in jedem Falle angestrebt werden. Sächsischer Minister Fleiß ner: Die Zahlung der Gehälter an Geistliche und Beamten der Kirche durch den Staat ist rechtlich nur ein Gewohnheitsrecht der Kirche. Wir haben auch im neuen Etat für 1923 wie bisher der Kirche Mittel zu billigstem Zinssatz vorge⸗ schossen. In Sachsen sind die hohen evangelischen Feiertage zugleich Staatsfeiertage. Ueber sie besteht also gar kein Streit. Es handelt sich nur um den Frühsahrs⸗Bußtag, den wir nicht anerkennen, da wir den Herbst⸗Bußtag für gemigend halten. Der erstere wurde auf völlig legalem Wege vom Parlament abgeschafft. Von einem Mar⸗ tyrtum der evangelischen Kirche in Sachsen und von einer Religions⸗ feindlichkeit der sächsischen Regie rung kann keine Rede sein. An der 1 8 7 2 n e 9 1 Kirche besteht, trägt im hohen a de Agitation und der 5 isser ki Kre ö die Sozialdemokraten die Schuld. 5„ 1 Abg. Schreck(Soz.): Der deutschnationale Redner hat eine umötige Schärfe in die Debatte getragen. Wir bedauern lebhaft, daß eine einheitliche Auslegung der Reichsverfassung bisher nicht herbeizuführen war. Die Maßnahmen der sächsischen Regierung find lediglich aus schultechnischen Gründen erfolgt, aber die Kirche lehnt sich bewußt dagegen auf. Die Frage der gesetzlichen Feiertage ist nach Auffassung meiner Partei nicht ausschließlich nach Recht und Brauch, sondern nach der größtmöglichsten Duldsamkeit zu entscheiden. Das kann mir durch Verhandlungen geschehen Wir wünschen, daß man das Resultat weiterer Verhandlungen in Ruhe abwarten möge und daß man inzwischen Toleranz übt. Das scheint allerdings gewissen kerchlichen Kreisen abhanden gekommen zu sein. Auch die frühere bayerische Regierung des Freiherrn v. Hertling, der auch der jetzige Ministerpräsident v. Knilling angehörte, hat eine Anzahl kirchlicher Feiertage aufgehoben. Damals hat niemand gegen die bauerische Regierung den Vorwurf der Gotteslästerung erhoben, gegen die modernen Regierungen, die Feiertage aufheben, glaubt man das aber 9 Nach Cel* lärungen von Vertretern der verschiedensten teien, 75 wesentlich Neues nicht mehr ergaben, vertagte sich 7 Haus Industrie und Volkswirtschaft. Enkdeckung einer Riesenölquelle in Venezuela.. Reuter meldet aus New⸗Orleans, daß in Larao nahe bei Marazaibo eine Oelquelle gefunden worden ist, die täglich 120 000 Faß Petroleum liefert. a Dollarstand: 20 875 Mark. Der hentigen Nummer der Oberhessischen Volkszeitung liegt ein Prospekt der Firma Kathreiners Malzkaffee⸗Fabriken, Berlin⸗München bei, worauf wir besonders hir weisen. 14 Mu Nuten ird Serhgf ole Amasqpb cu G. pchinücht Füaminachrngr. Bekanntmachung. „Nutzholzversteigerung der Stadt Gie en.“ Aus den Waldungen der Stadt Gießen und zwar aus den Forstwarteien: ö Hangelstein(Förster Lotz, Wieseck) Gießen 1(Förster Brück, Rödgen) Gießen II(Förster Arft, Forsthaus Hochwart) Gießen III(Förster Geißel, Gießen) 0 soll. Nutzholz meistbietend versteigert werden: 16 St. Eichenschnitthol⸗ I. Kl. 28,82 Fm 51„ 0 15 17 II.„„ 6283 120„ 0 Hl.„= 94,63„ 31„* 1„ 2 82 65 1 1„ Eichenbauhol„„„263„ 12 5—„ 19,5„ 1 4 IV.„= 66,30„ 360 8 10% 164 2 W„ 29,8 4 Erlenstämme„ 2 2 V. 1„ 1. 1 Eschestamm FF„ 4 Eschesta mme e 1 Elsbeerestamm V„= 6„ 5 e 85„ 300 5 „ Tiiefernschnittho. 4 55 5 4 a.„ 5 29,07„ 7 Em Eiche nutzscheit 5 48 St. Eichederbstangen(Deichseln)= 2,52„ Sämtliches Holz ist aufgearbeitet, das Kiefernholz entrindet und ohne Rinde gemessen, alles übrige Holz nicht entrindet und mit Rinde gemessen. Soweit er⸗ forderlich, ist das Holz an die Abfuhrwege gerückt Protokollauszüge und Versteigerungsbedingungen können gegen Einfendung von 100 Mk dier bezogen werden. Für das Schnittholz sind besondere Stammverzeich⸗ nisse in beschrankter Anzahl hier erhältlich. Die Versteigerung findet am Donnerstag, den 5. 1 0 Io gs, vormittags 0 101 2 Uhr beginnend, in der hiesigen Galtwieisghaft Zur Liebigs⸗ höhe“ statt. 1 We i des Holzes wende man sich an die 4 ber A Aus kunft erteilt auch die Obersörsterei Gießen. den 21. März 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Rasenberg. N Bekanntmachung. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen ber⸗ steigert werden: 2) Bezirk des Försters Arft, Forsthaus Hochwart, Abtlg. 16, 21 a und b und 22 b, Dietistag, den 27. März 1923 f vorm. 9½ Uhr beginnend: 2 Pm Fichtenscheit 24,6„ Eichenscheit 28,8„ Buchenknüppel 108„ Eichenknüppel 41,5„G Fichtenknüppel 84„ Buchenreisig 22¹ Eichenreisig 560 Wellen Eichenreisig 150 Em Fichtenreisig 440 Wellen Birkenreisig 29,3 Em Fichtenstöcke 12,6„ Eichenstöcke a Diese Versteigerung findet in der Gastwirtschast „Zur Liebigshöhe“ statt. Vorherige Besichtigung des Holzes wird empfohlen, da für elwa später vorgefundene Mängel jeglicher Art nicht gehaftet wird.. b) Bezirk des Försters Lotz, Wieseck, Abtlg 4, 7b 11, 13a, 14 und 19a, Donnerstag, den 290. Mäez 1923 vorm. 9½ Uhr 104,6 Rm Buchescheit 7,2„ Eichescheit 4„ Fichtescheit beginnend: 49„ Bucheknüppel 2,6„ Eichetnüppel 8„ Fichteknüppel 1350 Wellen Buchereisig 80„ Eichereisig 5 Aspereisig 23,2 m Buchestöcke 8„ Fichtestöcke 1„a Eichestöcke 33 St. Fichte⸗Derbstangen II. Kl.= 1,24 Fm 52„ Fichte⸗Reisstangen 5 Zusammenkunst an der Straße nach in der Nahe des Steinbruchs. 5 Die Abfuhrscheine sind vom 4. bezw. 7. April 1923 ab, spälestens jedoch bis zum 9 bezw. 12. April 1923 gegen Barzahlung bei der Stadtkasse, Garten⸗ straße 2, Eingang von der Südaulage. in Empfang zu nehmen. Gießen, den 22. März 1923. 0 7 7 aubringen der Oberbürgermeister. J. A.: Dr. Rosenberg. Bekanntm achun g. macher, 1 Krankenpfleger, 1 Sattler, 2 landw. Verwalter, Bücker und Metzger, 2 Kellner, 1 Kraftfahrer, 1 Buch⸗ dinder, Mechaniker, 1 Heizer, 1 Wagner, mehrere Anstreicher, 3 Weißbinder, 1 Konditor, 2 Bautechniker, 1 Maschinenbaupraktikaut, 1 Müller, 1 Zahntechniker, 3 Schneider. Lehrlinge: 1 Kaufmann,. 2 Autoschlosser, 2 Schlosser, 1 Spengler, 3 Mechaniker, 3 Elektromon⸗ teure, 2 Schuhmacher mit Kost und Wohnung, 1 Schreiner desgl., 1 Schneider. Gelegenheitsarbeiten werden ebenfalls entgegen⸗ genommen. Kündigung Gießener Stadtanleihen. Auf Grund der Anleihebedingungen und zufolge Beschlusses der Stadtverordneten⸗Versammlung vom 15. März 1923 werden hiermit nachstehende noch im Umlauf befindliche Sießener Stadtauleihen zur Rückzahlung gekündigt: 3¼,oige Anleihe von 1890 zur Rückzahl. auf 1. Okt. 1923 7.„ 1892„ 17.. 1 1„ 1893„.„ 1. Juli„ 7 7 77 1894 7. 7 97 1. Juli„ „ 70 77 1895 7. 7. 7 1. Juli 5 . 5„ eee 5„ 18. Nov.„ 7. 6.. 77„ 15. Nov.„ 40ů0 ige 7 7 1901.. 7 1. Sept. 0 Bene, ies,„ h. Die Rückzahlung erfolgt gegen Rückgabe der Schuld⸗ urkunde und der Zinsscheinbogen(einschl. Erneuerungs⸗ schein) zum Nennwert bei der Stadtkasse Gießen und den auf den Schuldverschreibungen ver⸗ zeichneten Einlösungsstellen. Mit den vorstehend angegebenen Rückzahlungs⸗ terminen hört die Verzinsung auf. Gießen, den 20. März 1923. Der Oberbürgermeister. Etädt. Arbeitsamt Gießen Liebigstraße 16 Telephon 2054 Kostenlose Arbeitsvermittlung und Berufsberatung für beiderlei Geschlecht, u. a. auch für Kriegerwaisen und Kriegsbeschädigtenkinder. Es können eingestellt werben: a) bel hiesigen Acbelteeber n: 1 Friseur. Lehrlinge: 2 Friseure, 1 Bäcker, 2 Lackierer, 2 Einrahmer, 2 Schmiede, 2 Gärtner, 1 Schriftsetzer, 9 1 Maler und Weißbinder, 1 Glaser, 2 Buchbinder, 1 Spengler und Justallateure, 2 Kellner. b) bei auswärtigen Arbeitgebern: 14 75 landwirtschaftlicher Knecht, 1 verheirateter Knecht, 3 Dreher, 1 älterer Bauschlosser, Maschinenschlosser über 30 Jahre alt. Lehrlinge: 1 Steinmetz, 1 Spengler und In⸗ stallateur. Es suchen Arbeit: Schriftsetzer, Buchdrucker, 2 Schreiner, Kaufleute, Schreiber und Reisende, Packer, Hausburschen und Ausläufer, Maschinenschlosser, Bauschlosser, Schuh⸗ Weibliche Abteilung: es knnen eingestellt werden: a) bei biesigen Arbeitgebern: Mädchen für tagsüber, Dienstmädchen, Lauffrauen und ⸗mädchen für einzelne Tage, tüchtige Allein⸗ mädchen, 2 einfache Stützen, mehrere Waschfrauen. b) bei aunzwürtigen Arbeitgebern 3 landwirtschaftliche Dieustmädchen, Dienstmͤdchen, Hausmädchen, Zimmermädchen, Allein mädchen, eine Köchin, 1 Stütze, 1 Hotelköchin, 1 Küchenmädchen. E suchen Arbeit: Kontoristinuen, 1 Flickerin, 1 Büglerin, drei Verkäuferinnen, 1 Haushälterin, einige Lauffrauen, auch für Nachmittagsbeschäftigung, Mädchen für tags⸗ über, Fabrikarbeiterinnen, 1 Waschfrau, 1Schneiderinnen⸗ lehrmaͤdchen, 3 Bürolehrmädchen, eine Gutshaus hälterin. Die Berufsberatung und Arbeits⸗Vermittlung für Musiker findet Dienstag, Donnerstag und Samstag von 10—12 Uhr statt. Gestorbene. 21. März. Marie Busch, Rentnerin, 78 Jahre alt, Liebigstraße 29. 2 1 55 für Säuglinge, Atere Kinder; kranke u. schwache Erwachsene die unùbbertroftene, krättigends und leicht verdauliche Nahrung. Fordern Sle in Apotheken und Orogerien das„Kufeke“- Kochbuch. N 5 22 5 1 N— 1 , eben B. 2— dee 3 2 n N * 8 8 3 N 88 7 1 bevor Sie die billigen dale meiner eee besichtigt hben. 15 Einige Beispiele meiner Leistungsfähigkeit: 1 6 Echt Rindleder-Kinderstiefer 0 ae 1417000 Sonntags-Herrenstiefel, Bona wu. 32000 Kinder stiefel beschlagen pins Wülttenbe sche Wire, 2750. 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Betriebsobleute Palasi⸗Cichtspiele c a e e, i Vornehmstes und größtes Theater am Platze. 1 1 f See keene eee N f ef blüte Muh seursus für Betriebsobleute Bahnhofstrasse und b 1 2 1 6 U 5 2 ee, Kursus 77 Betriebsratsmit- eren e glieder aler Jndustrien f 5 7 5 ö alle lemüse- Auch die Vorsitzenden der Organisationen sind zu diesem Kursus freundl. eingeladen. 6 (Die Tänzerin des Königs) 1 85 Sonntag, den 25. 1 0 i 8 uhr in Nidda 0 5 8 i 1 f 1 f en im Lokale Rin ause 6 Die Geschichte einer Abenteuerin in 6 Akten; so heißt der en ee Weiter Kur us alle n 0 hitorische Prunkfilm, der vom 23.— 26. März einschließlich 5 d e f f ur! für e üg dufrien 5 d bei uns zur Vorführung gelangt. 5 Rotklee Gen. Dr. Lorch Frankfurt a. M. 9 5 9 El e er Allseitige Teilnahme an diesen Vorträgen dringend erwünscht. 0 5 5 555 T bene, e. Die Betriebsräte⸗Zentrale. J. A.: Moosdorf, 93 N aat ö [Chaplin als Neport e 7 r 85 lee den 24. März, abends 8 Uhr statt. Die Ankündigung in der Donnerstag⸗Nummer Begion Werktags 4 Uhr, Sonntags 3 Uhr.— Letzte Vorstellung 8 /. Uhr. dehwolenklee Wee 5 f * 5 2 1 N 8 ill 8 N 0 WKA e anten der kart. bis 300 000„% l 5— aatlein* fi 2 2 0 1 e N Asteria-Biehtspiele 5 e Platin e per Gramm 50000 1 0 —— un schungen 0 w. Heute und morgen Sonntag wiederum das grofle— Gold 3 per Gramm 2800 bis 9000* f Sensations- Programm mit 4 Silber 1 8 per Gramm 80 bis 280 5 5 DE FOLO= 44 2 in„s- noni: 11. ren. bug,. eee 1 5 Gebisse. per Zahn bis 3500 n Getangen in Meerestlefe. fihtliig gesucht.Psewie Uhren, Ketten, Ringe, Bestecke in Form 5 e eee les Tan and bie“ Cr. Spies fund Bruch kauft höchsteanlend u. gegen Ausweis i 2 nteurer- 7 58 U 1 bl Sattlermeister. ö Zufall effingg as iheg, 5 0 u verkaufen 5 5 b Wefkengefie l Hiihesraße 2, 2. Mäusburg 15, Giessen, Tel. 1549 Das En d 3 5 ö eee eee e ee n e,,. 5 0 5 5 spannende Akte. 1435 zahlt die höchsten Preise Ein Sopha und eine 5 6 f N 0 ee 8 S . . .... Kd 222 2 1 — N gezahlt, so daß an den sechs Milliarden Franken, die Bismarck Millionen Mark wurde der Reichsinvalidenfonds gebildet, dessen Scchiffsreeder 17 Millionen und die aus Paris Gießen, Samstag, den 24. März 1923. ö a Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 70 Gießen und umgebung. Für die Bedrängten im Ruhrgebiet Es gingen weiter bei uns ein: Marie Bodenröder 200 Mk., Aug. Böcher 1000, W. Knöß 1000, Mölcher 1000, O. Merz 1000, K. Rahn 500, K. Schmidt 500, 1000, K. Hofmann 1000, E. Schombert 1000, G. Lang 000, J. Krämer 1000, L. Müller 1000, K. Kratz 1000, H. Traum „A. Bär 1000, A. Kratz 1000, H. Keller 500, O. Mahr 1000, u. W. Böcher 1000, K. Zimmermann 350 Mk. 18 050 Mk. Bereits quittiert 360 900 Mk. Zu⸗ dummen 378 950 Mk. f Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne . 0 1 Verlag ber Oberhessischen Volkszeitung. Die„richtige“ Revolution. Kürzlich wurde uns ein Flugblatt zugestellt, das in lar und auf der Eisenbahn zwischen hier und Wetzlar t wurde und obige Ueberschrift trug. Jeder erkennt ofort ein plumtpes antisemitisches Machwerk, das die un⸗ smmigsten Behauptungen anstellt. Natürlich wird es so hin⸗ vestellt, als ob die Sozialdemokraten die Revolution„ge⸗ hätten und nun mit Grauen vor ihrem Werke stün⸗ en. Jedes Kind weiß, daß die Revolution nicht gemacht rde, wie überhaupt keine„gemacht“ werden kann, ondern daß im November der Zusammenbruch der verbrecherischen kaiserlichen Politik und des Militarismus eintrat. Nachdem das Volk und die Wirtschaft ruiniert war, gab sich die Sozialdemokratie Mühe, die Maschine wieder in zu setzen und es ist selbstverständlich, daß das nicht ofort gelang und daß noch viele Jahre lang die Folgen des ihnsinnigen Krieges sich bemerkbar machen werden. Deshalb sist es so dumm wie möglich, wenn das Tageblatt fragt: 0„Wo sind die vielgerühmten„Errungenschaften“ der Revolution?— Hat sie unsere Lebenshaltung verbessert? — Uns mehr Lebensmittel verschafft?— Den Wucher und Schleichhandel unterbunden?— Den Diebstahl von Staats⸗ gut vermindert?— Die Produktion gesteigert?— Die ge⸗ schäftliche und persönliche Freiheit vergrößert? Den Verkehr erleichtert?— Die Menschen gebessert?“ Solche Fragen kann höchstens ein Narr stellen. Hat alles das vielleicht die frühere„gottgewollte“ Ordnung ge⸗ tam? Aber noch eine Menge sonderbarer Weisheiten fördert 0 judenhetzerische Blättchen zutage. Unter anderem diese: „Die Revolution hat also vorläufig nur den Erfolg gehabt, daß das frühere Unternehmertum, Fa⸗ brikanten, Gutsbesitzer usw. ihre schönsten Ein⸗ künfte größtenteils eingebüßt haben. Sie müssen sich jetzt zum größten Teil mit dem Einkommen eines ihrer Angestellten begnügen— wenm sie nicht gar mit Verlust arbeiten.“ l Das wagt man Menschen mit gesunden Sinnen zu er⸗ ählen! Natürlich ist der Jude an allem Schlimmen schuld! Und— der Zins muß abgeschafft werden! Zweck des Flugblattes ist, die Menschheit zu verdummen, ein halbwegs denkender Arbeiter fällt darauf natürlich nicht ein. — — Riesengewinne bei Hausverkäufen. In der Mieter⸗ versammlung am Sonntag abend wurde von einem Redner (Homberger) der Wohnungswucher behandelt und dabei auch darauf hingewiesen, wie bei Rückzahlung der Hypotheken der Hausbesitzer ein ausgezeichnetes Geschäft macht, weil er die ihm in Goldmark geliehenen Summen mit minderwertigem Papier zurückzahlt. Noch größer ist aber der Gewinn bei Hausverkäufen. Dafür bringt ein Einsender in unserem Darmstädter Parteiblatt ein, Beispiel, dem er schreibt: „Im Oktober 1921 lieh ich einem Hauskäufer auf Sypotheke 34 000 Mark. Damals kostete das Haus 85 000 Mark. Jetzt verkaufte der Herr das Haus für 6 000 000 Mk., wovon er mir 34000 Mk. zurückzahlte. Ist das nicht herr⸗ lich? Wo bleibt die Gerechtigkeit? Ob er das Haus in⸗ zwischen herstellen ließ, so daß wenigstens die Mieter zu⸗ Die verschwundenen fünf Milliarden. Frankreich hatte nach dem Frankfurter Frieden im Jahre 1871 lan das deulsche Reich fünf Milliarden Kriegsentschädigung zu zahlen. Von diesem Milliardensegen war im Handumdrehen bis auf die Sage von dem Reichskriegsschatze von 120 Millionen Gold im Juliusturme zu Spandau nichts mehr vorhanden. Wo sind die fünf Milliarden geblieben? 5 Eigentlich waren es nicht fünf Milliarden Mark, sondern nur fünf Milliarden Franken. Bismarck hatte sechs Milliarden gefor⸗ bert, sich aber eine Milliarde von den französischen Diplomaten ab⸗ handeln lassen. Auf den Vorschlag des schlauen Bleichröder, mit dem Bismarck seine nicht ganz sauberen privaten Börsengeschäfte machte, holte er die abgehandelte Milliarde dennoch wieder aus Frankreich heraus, indem er für das nicht sofort bezahlte Geld 18 in Anrechnung a 15 e 1 es die iegss ein r r tilgte, als im Friedensvertrage ver⸗ E im 77 705 genau 4 453 990 448 Mark an Deutschland haben wollte, nur etwa 350 Millionen fehlten. Davon zahlte Deutschland 258 Millionen Mark für die franzö⸗ sische Ostbahn in Elsaß⸗Lothringen zurück. Außerdem wurden noch 35 Millionen Mark für den weiteren Ausbau der neu erworbenen Reichseisenbahnen in Elsaß⸗Lothringen ausgeworfen. Mit 560 Zinsen aber nicht ausreichten, so daß bald das ganze Kapital ver⸗ braucht war. Der Ausbau der Festungen und Kasernen im neuen Meichslande verschlang 350 Millionen Mark. 120 Millionen wurden in den Juliusturm, 66 Millionen Mark sogleich in die Reichskriegs⸗ flotte gesteckt. Die geschädigten Kapitalisten Elsaß⸗Lothringens und des rheinischen Grenzgebietes erhielten 116 Millionen, die deutschen ausgewiesenen Deut⸗ schen 12 Millionen. 12 Millionen Mark bekamen auch die angeblich burch die Einbery ung in ihren Vermögensverhältutssen zurückge⸗ frieden sein können, weiß ich nicht. Wäre hier nicht die Schaffung eines Gesetzes zweckmäßig, dahingehend, daß in Fällen vorliegender Art der Gewinn zu einem großen Prozentsatz dem Reich, Staat, Stadt oder Gemeinde zu⸗ fallen müßte, die aus dem Betrag neue Wohnungen bauen können? Der Hypothekengläubiger muß ja auch mit seinem Betrag zufrieden sein. Warum kann dann nicht auch der Hausbesitzer, der hier 51 000 Mk. zu erhalten hätte, zufrieden sein? Wie stellt sich der Hausbesitzerverein zu dieser Frage? Vielleicht nimmt auch das Stadtparlament hierzu einmal Stellung, denn es könnte tatsächlich der Stadt eine Ein⸗ nahmequelle verschafft werden, mit der Bezeichnung Woh⸗ nungsbauabgabe. Auf alle Fälle müßte von seiten der Stadt darauf bestanden werden, daß bei einem Hausverkauf aus dem Gewinn das Haͤus innen und außen, soweit not⸗ wendig, herzustellen ist. Dann würden auch wieder aus den sogenannten„Ruinen“ Häuser werden, wenn vielleicht auch etwas spät.“ Hier ist, wie bemerkt, auf Darmstadt Bezug genommen, aber das gleiche dürfte überall zutreffen. Die Entwickelung der Dinge machte es Haus⸗ und Grundbesitzern möglich, ihre Schulden mit einem Bettelpfenneg abzustoßen, während keineswegs immer Banken oder andere Kapitalisten, sondern vielfach auch Kleinrentner, Witwen usw. den Schaden zu tragen hatten. ö — Wie die Fleischpreise hochgehalten werden, zeigt ein Beispiel aus Pohlgöns. In diesem Orte stehen etwa 30 schlachtreife Schweine zum Verkauf, aber es findet sich kein Käufer, weil uner⸗ hörte Preise dafür verlangt werden. Weder Landwirte noch Händler wollen von den jetzigen hohen Schweinepreisen heruntergehen. So wird die Volksernührung geschädigt und der Preisabbau hinter⸗ trieben. Während für viele von den Geschäftsleuten in der Stadt verkaufte Artikel die Preise herabgesetzt worden sind, werden sie flür land wirtschaftliche Produkte künstlich hochgehalten. — Kurse für Betriebsratsmitglieder und Betriebsobleute. In den für Samstag und Sonntag vorgesehenen Vorträgen von Dr. Lorch⸗ Frankfurt ist eine Aenderung insofern eingetreten, als am Samstag abend nur ein Kursus in Gießen stattfindet. Am Sonn⸗ tag vormittag 10 Uhr wird der Kursus in Nidda abgehalten, der erst für Nachmittag vorgesehen war. Wir weisen auf das Inserat im heutigen Blatte hin. — Fahrplanänderung. Vom Saunstag, den 24. März ab wird bes 1 746 Samstags wieder zwischen Marburg u. Gießen fördert. — Fahrraddiebstähle und Schutz dagegen. Von polizeilicher Seite wird uns geschrieben: Mit Beginn der trockenen, wärmeren Jahres⸗ zeit werden die Fahrräder wieder mehr benutzt und es kommen auch mehr Fahrraddiebstähle vor. Um den Fahrradmardern ihr Handwerk zu legen, können die Fahrradbesitzer viel dazu beitragen, wenn sie ihre Räder nicht umangeschlossen auf die Straße hinstellen, oder sie mit in die Geschäftshäuser nehmen. Bei den heutigen enorm hohen Fahrradpreisen soll sich jeder Fahrradbesitzer dieser Mühe unter⸗ ziehen, um sich vor Schaden zu bewahren.— Entwendet wurde hier am 21. März ein Fahrrad, markenlos, Fabriknummer unbekannt, mit schwarzem Rahmenbau, schwarze Felgen, ohne Schutzbleche, Vor⸗ dermantel ganz neu, Hintermantel fast neu An der Hintergabel be⸗ findet sich ein Vorhängeschloß.— Ebenfalls am Mittwoch vormittag wurde 415 aus dem Nebenzimmer einer Wirtschaft ein Fahrrad „Marke Presto“, Fabriknummer unbekannt, schwarzem Rahmen⸗ bau, gelbe Felgen, gelbe Schutzbleche mit schwarzen Streifen und nach unten gebogener Lenkstange mit schwarz und gelb gestreiften Griffen. Sachdienliche Mitteilung nimmt die hiesige Kriminal⸗Abteilung ent⸗ gegen. — Holzschnitt⸗Ausstellung im Kunstverein. Diesen Sonntag wird im Turmhause am Brand eine Holzschmitt⸗Ausstellung deutscher Klinstler, die 200 Werke aufweist, eröffnet. Die Ausstellung ist täg⸗ lich außer Samstag, von 11 bis 1 Uhr, Mittwochs auch am Nach⸗ mittag von 3—5 Uhr geöffnet. 8 — Stadttheater Gießen. Morgen nachmittag ist keine Vorstellung. 2 Abends kommt Grabbes„Don Juan und Faust“ zur Auf⸗ f Kreis Wetzlar. — Wetzlar. Eine Karl Marx⸗ Gedenkfeier wurde am Sonntag im Schlitzengarten abgehalten. Der Saal war von alt und jung stark besetzt. Es galt, des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus, der 48er Revolution und der Einreihung der jungen proletarischen Menschen zu gedenken. Der Abend wurde von der Wetzlarer Arbeiterjugend bestritten. Man darf sagen, daß sie die auf sie gesetzten Erwartungen nicht unerfüllt ließ. Die Szene„Auf⸗ bruch“ wurde gut gesprochen. Daß im heiteren Teil die„Hans⸗Sachs⸗ Schwänke“ stürmische Heiterkeit auslösten, war bei der köstlichen Wiedergabe der Spielenden erklärlich. Gen. May feierte Karl Marx als großen Menschen und Wissenschaftler, der den Schaffenden die eee e eee e eee eee eee Prinz Friedrich Karl, Moltke, Roon und Manteuffel erhielten je 900 000 Mark, andere 600 000, 450 000 und 300 000 Mark. Auch der Präsident des Reichskanzleramts Rudolf Delbrück wurde mit einer Dotation bedacht. Bismarck ging leer aus, bekam aber dafür den Sachsenwald, dessen Wert man damals auf drei Milliarden Mark schätzte. Schließlich wurde noch die Kriegsanleihe des Norddeut⸗ schen Bundes eingelöst und an Preußen der im Kriege ausgegebene Kriegsschatz von 90 Millionen Mark zurückgezahlt. Fast 2 Milliar⸗ den erforderte die 1873 durchgeführte Währungsreform, 24 Mil- lionen legte man für das neue Reichstagsgebäude zurück, und die Millionen, die noch übrig blieben, wurden als Tropfen auf heiße Steine an die Bundesstaaten zur Tilgung drückender Schulden ver⸗ teilt. Die fünf Milliarden waren also tatsächlich im Handumdrehen verplempert, und für Kulturaufgaben und Volkswohlfahrt ist auch kein Pfennig aus dem Milliardensegen abgefallen Geueral Anzeiger. Der Simplizissimus behandelt die„öffentliche Meinung“ in einem Gedicht, das wir bier abdrucken und den Generalanzzeigern aller Art, auch den für Oberhessen, widmen wollen, die ja die be⸗ kannten Fabriken der sogenannten öfsentlichen Meinung, das heißt des Allerwelts⸗Spießbürgertums, mit seiner satten Tugend und zahlungsfähigen Moral sind: Auf Seite eins wird glühend betont die Einheitsfront. Auf Seite zwei wird der Sozi verachtet und Marx geschlachtet. Dann handeln die Seiten drei und vier von Kino, Cuno und Märzenbier. Der Vörsenbericht malt Grau in Grau: die Devisen stehen noch immer flau. Doch im Hinterland, bei den Inseraten tummeln sich nunmehr die Preßzpiraten.... Und Tag für Tag der gleiche Sums zur sittlichen Hebung des Publikums. O Mann, vom Wucher ausgesogen, vom Hoffen und Harven krumm gezogen, glaubst du, dies tägliche Schlammbad sei eine antirheumatisehe Arznei? Den Spießer nur in dir erquickt es, den Menschen aber, den erstickt es. kommenen agrarischen Reserve⸗ und Landwehrosfiziere. An 28 Generäle wurden 12 Millionen Mark als Dotationen verschenkt. 4 —— der Soldat Ursachen der ökonomischen und gesellschaftlichen Zustände offenbart habe. An den jungen Menschen ist es nun, weiter zu wandeln in den Gedankengängen ihrer großen Meister. Unseren Arbeitereltern aber sei auch in dieser Stelle nochmals warnend zugerufen: Hinein mit euren Kindern in die Arbeiterjugendbewegung. Bei den Eltern un⸗ serer Klassengenossen, denen es ernsthaft mit der Vorwärtsentwick⸗ lung unserer sozialistischen Bewegung ist, sollte es selbstverständliche Pflicht sein, ihre Kinder durch die sozialistische Erziehungsschule der Arbeiterjugend schreiten zu lassen. Wollt ihr eure Kinder dem Indiffe⸗ ventismus ausliefern, dann überliefert sie den öden Vereinen, wollt ihr, daß Haß und Brutalität in die Herzen und Köpfe eurer Kinder einziehen soll, dann laßt sie an den sogenannten„Vaterländischen Verbänden“ teilnehmen. Wollt ihr aber, daß eure Kinder im Sinne der Menschheitsliebe erzogen werden sollen, dann hinein mi ihnen in die sozialistische Arbeitersugend Wetzlars. Am Donnerstag, den 29. März findet in unserem Versammlungsraum„Hauptwache“, Buttermarkt, eine Osterzusammenkunft der Schulentlassenen statt. Kinder und Elteyn sind herzlichst eingeladen. Kleine Nachrichten. Frankfurt c. M., 20. März. Abgeeimte Hoch⸗ staplerin. Nelly Reusch, geb. 1899 in Diez a. L, versteht sich trotz ihrer Jugend gründlich auf die Männer und weiß sie nach allen Regeln der Kunst unglaublich zu rupfen. Sie reiste als Studentin Nelly von Falkenstein in Ostdeutschland umher und prellte hier einen Rittergutsbesitzer um ungezählte Tausende, viele Wertsachen und Kleider. Dann gastierte sie mit reichem Erfolge in Berlin. Vor einigen Tagen traf Nelly hier ein und nahm in einem der ersten Gasthäuser Wohnung. Leider wurde sie schon am nächsten Tage von der Kriminalpolizei entdeckt und verhaftet. Frankfurt a. M., 22. März. Frankfurter Viehmarkt.“ Auftrieb: 36 Rinder, 726 Kälber, 303 Schafe, 344 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber feinster Qualität Mk. 230260 000, mittlerer Qualität Mk. 180—220 000, geringerer Qualität Mk.——; Schafe Mk. 90 000—200 000, Schweine unter 80 Kilo Mk. 220260 000, von 80—100 Kilo Mark 270-290 000, über 100 Kilo Mk. 280—300 000. Der Markt wurde bei sehr lebhaftem Geschäfte geräumt. Der Montagsmarkt vom 2. April wird auf Dienstag, den 3. April vormittags 8 Uhr verlegt. Eine phantastische Geschichte. Eine nach sehr starker Romantik riechen am Sonntag in Bad⸗Homburg zu. Im Stadtwalde wurde junger Marm an einen Baum gebunden vorgefunden. Er war nur mit Hose und Hemd bekleidet und trug keinerlei Barschaft mehr bei sich. Der junge Mann berichtete, daß er von zwei Per⸗ sonen, die ihn aus dem Ruhrgebiet nach hier gebracht hätten, aus⸗ geplündert sei. Bei diesen Personen handele es sich um Mitwisser an der Erschießung der beiden französischen Offiziere in Buer, vielleicht um die Täter selbst die jetzt auf dem Wege nach der Schweiz seien, um sich in Sicherheit zu bringen. Beide ö seien Franzosen.— Man muß hinter diese Aussagen des fungen Mannes sehr starke Fragezeichen setzen. Die zuständigen Behö den sind eifrig bemüht. Licht in die vorläufig recht romantisch klingende Geschichte zu bringen. Ein Mädchen durch einen Franzosen erschossen. Unvorsichtiges Hantieren mit dem Revolver. In Mainz ereignete sich am Sams⸗ tag ein erschütternder Vorfall. Das französtsche Echo de Rhin be⸗ richtet darüber:„Der Soldat Cambresis, Bursche eines Adjutanten, stand wie viele andere beim Milchverkauf der Militär⸗Cooperative an. Vor ihm war das Kinderfräulein eines Adjutanten, Fräulein Schäffer, eine Deutsche von 34 Jahren. Cambresis suchte sich auf Französisch mit dem Mädchen zu unterhalten, das er vorher nie gesehen hatte. Als diese ihm auf Deutsch antwortete, wollte sich durch Gebärden verständigen. Cambresis nahm den Dienstrevolver aus der Tasche, den er für nicht geladen hielt, er berührte den Abzug und ein Schuß ging los. Inmitten des Schreckens, den der Knall hervorrief, hörte man einen Schrei. Fräu⸗ lein Schäffer wand sich auf dem Boden, tödlich in die Brust ge⸗ troffen und starb einige Minuten später, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der unfreiwillige Urheber des Vorfalls, der ganz verzweifelt war, wurde alsbald als Gefangener der französischen Gendarmerie übergeben.— Wozzu braucht ein Offi⸗ ziersbursche außer Dienst auch einen Revolver?“— Uebrigens entlädt sich ein Schuß nicht durch einfaches„Berühren des Abzzugs der Waffe. Es bedarf dazu schon einiger Anstrengung. Ein zweifacher Mörder. In Durlach bei Karlsruhe wurde in der Nacht zum Mittwoch von Schutzleuten die Leiche der etwa 27 Jahre alten Kriegerwitwe Hedwig Kurtz in einen Sack eingepackt in ihrer Wohnung in der Lammstraße aufgefunden. Als Mörder ist ihr Geliebter, der Fabrikarbeiter Wilhelm, verhaftet worden. Er hat die Tat bereits eingestanden. Auch soll er zugegeben haben. daß er an einem zweiten Morde zusammen mit einem andern be⸗ teiligt gewesen ist, der in Berlin-Wilmersdorf ausgeführt wurde. Nach seiner Aussage soll der andere Täter aber inzwischen gestor⸗ hen sein. Traurige Folgen eines„Scherzes“. Bei dem Gutsbesitzer Schrei⸗ ber in Bloditz bei Gröba(Sachsen) war im vergangenen Herbst der 17jährige Kleinknecht Thiele in Dienst, mit ihm zusammen die 35jährige Dienstmagd Klara Pinkert, die etwas geistesschwach ist und öfters gehänselt wurde. Solch ein„S. Geschichte trug sich ein „Scherz“, den Thiele an 4. November gegen das Mädchen ausgeübt hat, ist von den schlimm⸗ sten Folgen gewesen, die Pinkert ist auf beiden Augen erblin⸗ det, und Thiele stand jetzt vor der dritten Strafkammer des Leip⸗ ziger Landgerichts unter der Anklage der schweren Körperver⸗ letzung. An dem genannten Tage warf Thiele aus einem Faß, in dem sich Karbidschlamm befand, eine Handvoll von dem Schlamme gegen das Mädchen In der Universitätsklinik in Leipzig wurde festgestellt, daß die Augen ganz verätzt waren. Das linke Auge war nicht mehr zu retten und wurde am 5. Dezember herausgenommen. Die Eiterung hatte aber auch auf das xochte Auge übergegriffen, und auch auf diesem Auge ist das Sehvermögen geschwunden. Der Angeklagte Thiele versicherte, daß er der Pinkert nicht hahe weh tun wollen. Daß der Karbidschlamm so ätzend sein könne, habe er nicht gewußt. Unter Zubilligung mildernder Umstände lautete das Urteil gegen den Angeklagten Thiele auf eine Gesängnisstrafe von drei Monaten. Haeusser und seine Anhänger vor Gericht Vor dem Land⸗ gericht in Oldenburg hat sich der Wanderedner und„Prophet“ Haeusser, der sich als„neuer Christus“ und„Volkskaiser“ be⸗ zeichnet, wegen Verbrechens gegen das Gesetz zum Schutze der Ne⸗ publik zu verantworten. Auch in einen Diebstablsprozeß ist Haeusser verwickelt. Mehrere seiner Anhänger wurden dieser Tage vom, Oldenburger Gericht bereits abgeurteilt.— Kürzlich brachten wir einiges aus dem Lebenslauf dieses gerissenen Schwindlers. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 19. März. Das Butzbacher Werk der Meguin⸗A.⸗G. hat monat⸗ liche Lohnabrechnung mit vunden wöchentlichen Abschlags zahlungen auf die Tariflöhne. Tale des Lohnes, im besondeven die Akkord⸗ verdienste, bleiben wöchentlich bis zur Monatsabrechnung stehey. Der Betriebsrat beantragte die wöchentliche Abrechnung und Aus⸗ zahlung der Gesamtverd Die Betriebslettund erklörte de⸗ gegen sie sei mit allen statis Arbeiten auf wonertliche Ab- rechnung eingerichtet, uu besonmdeven Aberkae de beantragt Hy Aender rug We Wensch hakung: ir fel aher bereik, zu cher Ver- ständigung über dir Beträge die wöchentlich stehen bleiben sollen, und zur Abstellze von Mißständen und Berichtigung von Ver⸗ zehen cuf Beschwerden im einzelnen Fall. Der Schlichtungsaus⸗ Werz entsprach dem grundsätzlichen Antrag des Betriebsrats nicht dab aber der Betriebsleitung auf, gemäß ihrer Zusage die wöchent⸗ Aachen Abschlagszahlungen möglichst so entsprechend dem Arbeits⸗ verdienst zu bemessen. daß nur geringe Beträge bis zur Monats⸗ fr nung stehen blefben. Die Streitteile erhielten Erklärungs⸗ Frist. Am N. Januar 1923 war in Butzbach General versammlung der Lus gruppe des Deutschen Metallarbeiter verbandes. Morgens beantragte der Betriebsrat der Meguin⸗ A. G. den Betrieb deshalb eine Stunde früher zu schließen. Die Betriebs⸗ leitung lehnte dies ab. Die Unruhe der Belegschaft hierüber ver⸗ uulaßte mum den Betriebsratsvorsitzenden, auf die 2. Hälfte der Halbstündigen Mittagspause eine Betriebsversammlung anzube⸗ raumen. Kurz vor Beginn der Versammlung erfuhr die Betriebs⸗ leitung davon und stellte den Betriebs ratsvorsitzenden zur Rede, denn sie war der Ansicht, nur mit ihrer Zustimmung dürfe eine Betriebsversammlung in der Mittagspause abgehalten werden. Dadurch verzögerte sich die Betriebsversammlung. und die Beleg⸗ schaft kam erst 30 Minuten nach der Pause wieder an die Arbeit. Die Betriebsleitung zog deshalb allen Arbeitern eine halbe Stunde Lohn ab. Der Betriebsrat beantragte nun beim Schlichtumgsaus⸗ schuß als vorläufigem Bezirkswirtschaftsrat die Entscheidungen, daß der Betriebsratsvorsitzende für die Abhaltung einor Betrtebsver⸗ sammlung in der Mittagspause keine Genehmigung der Betriebs⸗ leitung brauche und daß die Betriebsleitung den Lohnabzug vom 22. Januar rückgängia machen müsse. Dem ersteren Antrag gab der Schlichtungsausschuß statt, denn nach§ 46 des Betriebsräte⸗ gesetzes ist nur für Vetriebsversammlungen in der Arbeitszeit die Zustimmung der Vetriebsvertretung nötig. Für die Versäumnis am 22. Januar euklärte er nach den besonderen Umständen des Falles eine Viertelstunde Lohnabzug für nicht berechtigt. und gab der Betriebsleitung auf der Belegschaft Gelegenheit zu geben, die erste Viertelstunde nachzuarbeiten. Die Entscheidungen sind end⸗ gültig nach§ 93 des Betriebs cätegesetzes. Zur Schlichtungsveirhandlung am 22. Februar 1923 gemäß § 29, Absatz 3 des Bet geiebsrätegesetzes über die gesamte umfang⸗ iche ordnung einer Betriebsratssitzung entsandte der Be⸗ triebscat der Meguin⸗ A. ⸗G. 9 Mitglieder. Für alle verlangte er von der—— Ersatz ihres Verdienstausfalles, des Fahrgeldes und des Zel'rgeldes. Der Schlichtungsausschuß als Bezirkswirtschaftsrat erkannte wagen der Wichtigkeit des Verhand⸗ lungsgogenstandes vom 2.2. Februar die Arbeitszeitversäumnis und die Kosten des Betriebs ratsvorsitzenden, seines Stellvertreters und eires weiteren Mitalkiedes als nölig im Sinne der§§ 35 und 36 des Betriebsrätegesetz“es an. Die Entscheidung ist endgültig nach 8 93 des Betriebs rätegeefetzes. Verwendung deer Sammelgelder für die Ruhrhilfe. Der Gewerkscha'ftliche Nachrichtendienst des Allg. Deutschen Oewerkschaftsbunde s wendet sich gegen eine Entschließung des Rheinisch⸗Westphällischen Betriebsrätekongresses, der in Sachen der Ruhrhilfe unter, anderem Folgendes erklärte: Genossen! Im ganzen Reich tritt man an euch heran mit der Aufforderung, für die Ruhrhilfe Opfer zu bringen Wir als sozialdemokratische Betriebsräte von Rheinland⸗Westfalen haben festgestellt, daß aus der Rüchrhilfe wohl Unternehmer unterstützt werden Verluste und angebliche Verluste werden aus den Mitteln der rhilfe gedeckt Sehr viel Schwindel wird dabei getrieben. Die Arbeiterschaft selbst aber sieht beinahe nichts von der Ruhr⸗ hilse. In einem Falle wurden dem Betriebrat einer Zeche mit 2000 Mann Belegschaft 25 Eier von der Richrhilse angeboten. Weiter wird von Unterstützung der Ruhrhilfe abgeraten. Dazu erklärt der Allg. Deutsche Gewerkschaftsbund: Zu dieser Entschließung ist zu bemerken, daß jeder Satz eine Unrichtigkeit darstellt, um einen anderen, vielleicht besser passenden Ausdruck nicht 2 wählen. Die Wahrheit ist, daß aus den Mitteln der Ruhrhilfe bis jetzt noch kein Pfennig Unterstsitzung gezahlt und auch kein Gramm Lebensmittel verteilt wurde. Beschlossen wurde, mit den Mitteln der Ruhrhilfe im Ausland Lebensmitteln ein⸗ zukaufen und diese an die besonders durch Not bedrohten Orte und Bezirke unentgeltlich zur Verteilung zu bringen. Das ist in Vor⸗ bereitung, und wer die Dinge einigermaßen kennt, weiß, daß diese Vorberebangen nickt von beute auf morgen zu erlebigene send umd deshalb bis jetzt noch von einer vollzogenen Verteilung irgend⸗ welcher Art nicht gesprochen werden kann. Damit fallen auch alle in der Enrschließung' des Betriebsrätekongresses aufgestellten Be⸗ hauptungen als haltlos in sich zusammen. Im Verwaltungsrat und im geschäftsführenden Vorstand der Ruhrhilfe denkt vor allem auch niemand daran, Verluste oder angebliche Verluste der Unter⸗ nehmer zu ersetzen. Daß die Mittel der Ruhrhilfe so, wie es in dem Aufruf für die Ruhrhilfe heißt, und wie es bei der Gründung der Ruhrhilfe beschlossen wurde, verwendet werden, und zu keinem anderen Zweck auch nur ein Pfennig verwendet wird, dafür sorgt die parttätische Zusammensetzung der über die Mittel beschließenden Körperschaft. In dieser Körperschaft sitzen zu gleichen Teilen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, und es bedarf zu jedem Eutschluß der Mehrheil auf beiden Seiten; ohne dieses kann kein Pfennig verausgabt werden. Daraus ergibt sich, daß ohne Zu⸗ stimmung der Arbeitnehmer kein Pfennig verausgabt werben kann. Das schließt aus, daß irgendwie etwas geschehen kann, das den Arbeiterinteressen zuwiderläuft, oder gar Beschlüsse gefaßt werden können, wie sie in der Entschließung des Betriebs rätekongresses angeführt sind. Sonst mit den kommunistischen Deklamationen über die Ruhrhilse uns zu befassen, hat beinen Zweck. Strafkammer Gießen. Sitzung vom 20. März. Als„Milchverfälscherin“ stand die Ehefrau des Landwirts Heinrich Maus 3. von Lum da vor der Straf⸗ kammer. Die von ihr täglich abzuliefernde Milch hatte sie stark entrahmt und den sogenaunten Rahm aller Wahrscheinlichkeit nach zu Butter verarbeftet. Nach dem Gutachten des Sachverständigen Provinzialchemikers Dr. Völker hat die Angeklagte durch die vor⸗ genommene Entrahmung etwa 4— Pfund Butter läglich ge⸗ wonnen. Die Strafkammer hielt in Anbetracht der nur auf Ge⸗ winnsucht beruhenden und die Allgemeinheit in empfindlicher Wade schädigende Milchwperfälschung— und bef den guten Ver⸗ mögensverhältnisfen der Angeklagten— die von dem Schöffen⸗ gericht Grünberg erkannte Geldstrafe als Sühne für die Tat nicht ausreichend— und erkannte daher neben der Geldstrafe von 40000 Marf auf eine Woche Gefängnis und auf Veröffentlichung des Urteils im Grünberger Anzeiger und Anschlag an der Ortstafel in Lumda. 1 5 5 Holßzdiebstahl. Der Sohn Rudolf des Bäckermeisters Heck von Friedberg⸗Fauerbach hat hier bei der Abfuhr der von seinem Vater in dem Gemeindewald von Rodheim v. d. H. ersteiger⸗ ten Wellen in 2 Fällen Wellen von anderen Leuten mitgehen lassen. In erster Imstanz hatte der Angeklagte behauptet daß nur eine Verwechslung der Haufen vorgekommen sei und wurde er freigesprochen. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft und auf Grund der bestimmten Aussage des Försters war für die Straf⸗ kammer kein Zweffel mehr daß es sich um eine vorsätzliche Ent⸗ wendung der Wellen handelte und erkannte gegen Heck an Stelle der in erster Linie verwirkten Gesängnisstrafen von 2 mal 3 Tagen — auf Geldstrafen von 2 mal 10000 Mark. Althändler und Hehler. Von dem Lagerplatz der Nebenwerkstätte in Gießen verschwand anfangs Dezember 1922 nicht nur dort angelagertes Alteisen, sondern auch für den Bau eines Stellwerks bestimmte Eisenteile. Bahnpolizeibeamten über⸗ raschten schließlich den Taglöhner Wilh. Gerhard von hier beim Diebstahl. Abgesetzt wurde in 2 Fällen das Diebesgut bei den Althändlern Heinrich Schäfer von hier und eine Revision des Lagers bei Schäfer förderte von dem gestohlenen Material zu Tage. Vom Schöffengericht Gießen wurde Schäser wegen Hehlerei zu einer Gefängnisstrafe von 3 Manaten verurteilt. Die auf Freisprechung zielende Berufung des Angeklagten Schäfer wurde von der Strafkammer verworfen da nach der Beweis⸗ auswahme feststehe dan Sch. aus Form, Gewicht und Aussehen der verkauften Essenteise unbedinat schließen mußte, doß es sich um gestohlene Materialien gehandelt habe. Gegen den Inhaber des Kaufhauses Elsoffer in Gießen— Weißenbera— war auf Grund einer Anzeige einer entlassenen Verkäuferin bei der städtischen Preispritfungsstelle ein Verfahren wegen Preiswuchers und Schleichhandels eingelcitet worden. Auf Grund einer umfangreichen Beweiser⸗ hebung und da das von dex Preisprüfungsstelle erstattete Gut⸗ achten nach Ansicht der Strafkammer nicht ausreichte, um die nach 1 ben, wurde der 1 m 8 w 0 Die nach dem Gutachten eines sachverf digen Büccherrevisors durchaus mangelhafte Buchführu es unmöglich, daß die Freisprechung auch in 8 1 freigesprochen. sicht erfolgen konnte. einem Vergehen gegen In das hier Freisprechung. Lokale Parteinachrichten. 6. Agitationsbezirk Gießen, Alsfeld, Lauterbach. sahrtspflege und Kursus für Wohl An die Ortsereine! statt: im Gewerkschaftshaus Gießen. 2. Vortrag: jugendwohlfahrtsgesetz; setzung, Tätigkeit und Verwaltung. Referentin: Frau Dr. Quarck⸗ Frankfurt a Es wird bestimmt erwartet, daß ch a. Genossen, im besonderen diejenigen, le in der sozialen Fürsorge tätig sind, zahlreich beteiligen. Als eine Selbsterständlichkeit sollte es gelten, Stadt rönet bartet an den Vorträgen teilnehmen. und Stadtverordneten unserer P. auß Len weitete gliedern entfernt gelegener Ortsvereine, die an dem Kursus teil⸗ g. A.: ö. Hauer. Unterbezirkskonferenz des Unterbezirks Großen Buseck. ö Sonntag, den 25. März 1923 für die Orte: Altenbuseck, Trohe, Rödgen, Anne rob, Gr.⸗Buseck, Beuern, Bersrod, Reiskirchen, Op⸗ penrod, Burkhardsfelden, Lindenstruht und Hatten rod. 5 Wir weisen nochmals daraufhin, nehmen, das Fahrgeld vergütet wird. Mit Parteigruß! Tagesordnung: 1. Rechnungsablage. 5. Agitationsbezirk Friedberg⸗Büdingen⸗Schotten. Werte Parteigenossen! um Irrtümer zu vermeiden, teile ich den 9 Genossen des Bezirks mit, daß die für Butzbach einberufene Konferenz; nur für den Unterbezirk Butzbach bestimmt Sonntag, den 25. März, vormittags vertreter auf den Besuch dex Konferenz h Mit Parteigruß! fte den Suche angels Be in Nahrungsmittelge Last gelegt war stellte sich seine Unschuld heraus und er Zur Einführung in das Reichsjugendwohlfahrtsgesez finden Sonntag, den 25. März, nachmittags 255 Uhr 5 1 a) Die Wohlfahrtsbehörden nach dem Reichs⸗ b) Die Jugendämter, standes. 3. Maffeier 1923. 4. Verschiedenes Die Ortsvereine wollen zu dieser Versammlung mindestens se 35 Vertreter entsenden. Kein Ortsverein darf fehlen! 1 1 Der Vorstand: Her ber. 9 Ühr Gemeindevertreter⸗ Konferenz in Echzell Die Vorsitzenden werden ersucht. die Gemeinde. ö inzuweisen 5 J. A.: Br. Wittig. 0 ing liche dem se 1 0 Jugendfürsorge. ihre Zusammen⸗ „ M. 1 unsere Genossinnen und daß Gemeinderäte Mit⸗ 2. Neuwahl des Vor⸗ ist. Versammlungstalender. 9 8 Alten⸗Buseck. Sonntag, den 25. März, 2½ Uhr Vortrag von Herrn Prof. Hüter in der alten Schule. Alle Frauen und Männer sind dazu eingeladen. Reiskirchen. Volks verein. Samstag, M 8 Uhr bei Guntrum: Mitgliederversammlung. Wegen wichtiger Tages, ordnung alles erscheinen! Staufenberg. Freie Turnerschaft. Samstag. 24. März tgliederversammlung. Vollzähliges Erscheinen abends 8% Uhr: Mi ist erwünscht. Altenbuseck. Wahlverein. 8% Uhr findet im Vereinslokal Es müssen alle Mitglieder plinktlich und Tagesordnung wird in der Verfammlung Rüddingshausen Soziald. Wahlverein. den 24. März, abends 8 Uhr findet Monatsversammlung statt. Vollzähliges ist erforderlich. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Gießen. Freie Turnerschaft. gang nach dem Stoppelberg bei Wetzlar. Abmarsch 7 Uhr pü nbrücke. 2 lich von der Lah Samstag, den 24. März, abends eine Mitgliederversammlung statt. 1 0 1 1 „ den 24. März, abends 1 vollzählig erscheinen. bekannt gegeben. Samstag im Ve reinslokale unser Erscheinen der Genosse Am Karfceitag: Tur, N Jur Frühjahrsbestellung Kalnflickllof, Aumaoniak, Thamasmehl, Kali, Kalk, Saalweizen, Faathafer, Ohn SCH HI Waser Dielcru und des.. geeignet für alle Arten von Wäsche. Alleicuce rlersreler- nehäEL A CL, DESSIN RRE er Sh οαντοπτν 0 0 rαοννH ee ee e eee. Se e 1058 motenoss. Nr irn I Saalgerste. Billigste Preise! 9 Seibert, Wieseck.. Preis- 1 N Deuts VDeinbrand 25 cher 755 8 22 1 Ermässigung auf mein grosses Lager Kleiderstoffe.. Kostumstoffe Waschstoffe. Baumwollwaren L. Bernard (Lemarokstr. 6 1429 Blsmarokstr. 1 Vertreter: Anton Küchler, Clessen, Fraud 55 um Backen 8 in Kolonialwaren⸗, Drogenhandlungen u. r s Magnus& Co., Lellerhandlung 1 45 und Kochen, für warme und kalte Speisen gleich gut geeignet ist Süßstoff. 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Die L ängsrichtung der Beete soll tunlichst von Osten nach Westen gehen. Die Breite der Kästen richtet sich nach den zur Verfügung stehenden Fenstern; am 2. für die Zufuhr von Kali: die Abraumsalze der Steinsalz⸗ lager, entweder roh gemahlen als Kainit oder in Form gereinigter und konzentrierter Kolisalze(40prozentiges Kali) und des Chlorkali(5052 Prozent Kali): für die Zufuhr von Stickstoff: der Chilesalpeter (Natronsalpeter), der 5 Norg. 5 pe 55 100 1 2 1 am Niagarg und am Brenner durch elektris utladungen 1 kann. Danach wird dann die Samen⸗ dewe e ferner Ammontiaksalze, wie sie bei der menge zusammengestellt. Kann man nicht selbst die erforderliche Gas- und Koksbereitung aus Steinkohle hergestellt werden, Menge ermitteln, so überlasse man diese Feststellung dem Samen⸗ sowie die neuerdinas nach verschledenen Versahren aus der Padre indem man bei der Bestellung angibt, für wieviel Luft gewonnenen Ammoniak⸗Salpeter⸗ und Kalkstickstoff⸗ a der nd 0 5 3—. de dünger⸗ Handelt, die an Ort und Stelle ausgesät werden. Bei Gemüse⸗ Für die osphorfäuredüngung gelten folgende arten, die im Saatbeet ausgesät und nachher versetzt werden, gebe. Da die Phosphorsäure im Boden f 0 man die Stückzahl der für die Pflanzung vorgesezenen Sämlinge weglich ist, weil sie weder dem Lauf des Regenwassers noch der wen u an. Der Samenhändler weiß danach die richtige Samenmenge zu Zirkulation der Bodenfesohtigkeit solt so kann ohne Gefahr Behandlung der Sämereien. Frithjahrsbestellung 6 Beschaffung und 3 Jetzt, wo es die höchste Zeit ist, an die 5 im Garten zu denken, muß die erste Sorge die Beschaffung der . Sämereien sein. Zunächst muß eine Wufstellung gemacht 3. werden, was man im Garten alles ziehen will. Dann muß man 5 überschlagen, wie viel Land man für die einzelnen Gemüsearten zur Verfügung stellen ion wählen. Kauft man am Orte, so kann man sich leicht mit dem seennenswerten Verl e linstigsten si f 2 Lä 5 a ö r. 5 sust durch Versickerung ein großer Vor⸗ ustigsten sind Fenster von 142 Ztm. Länge und 95 Ztm. Breite. ielnderz Händler verständigen. Bei schriftlicher Bestellung nach rat davon auf längere Zelt hinaus im Boden aufgespeichert Die Nordwand des Mistbeetkastens soll etwa 25 Zim. höher liegen iln eri außerhalb muß man angeben, für welcher Gegend und Lage der werden. Und dies muß geschehen, wenn Höchsterträge erzielt als die Südwand. Das Regenwasser soll von den Fenstern nach 10 lt Samen sein sal, auch ift Angabe der Bodenverhältnisse erwünscht, werden sollen. Denn die Phospgovsdureaufnah me it keine stetige. außen, nicht in die Kasten hineingeleitet werden. Die Pfosten, die 1 A. vb dieser mehr sandig oder lehmig oder humusreich, ob er trocken Es kommen trockene Tage und Wochen wo die Pflanzen dürsten die Bretter des Kastens zusammenhalten, setzt man am besten dus u oder feucht it. Der Händler weiß dann ganz genau, welche Sorten und beine Phosphorsaure aufnehmen können. Kommt dam Regen nach außen; das erleichtert die Bearbeitung des Mistbeetes. Auf 0 er von den einzelnen Arten zu wählen hat falls der Besteller nicht mit warmer Witterung. so müssen die Pflanzen das Versäumte] Fensterbreite werden in die Längswände des Kastens Talz⸗ 5 selbst aus eigener Erfahrung die geeignetsten Sorten anzugeben eiligst nachholen. Das können sie aber nicht. wenn nicht ein latten eingelegt, so daß jedesmal die aneinanderstoßenden Uermag. Nicht alle Sorten einer Art gedeihen in jedem Boden Mehrfaches von dem was sie normalerwelse an Phosphocfäure Längsseiten zweier Fenster auf eine Falzlatte zu liegen kommen. el. gleich gut. Es ist auch nicht immer richtig jene Sorten anbauen zu brauchen im Boden ist. Denn die Pflanzenwurzel muß die Phos⸗ Diese Falzlatten geben einmal den Fenstern wie dem Kasten ee e en Arieige Keltern vborbure aufenher uud mit ihrem saueren Saft lösen. besseren Halt, dann sorgen sie auch für besseren Abschluß gegen die ben, 1 15 550 der Badenbeschofsenheit bedingen wechselnde Erfolge mit Selbstverständlich darf aber die Ueberschußdüngung Außenluft. Um das Mistbeet warm anlegen zu können, ist gleichen Sorten. Von großer Bedeutung ist es, daß der Cin⸗ nicht zu einer Ueber fluß düngung ausarten. Weum der Boden frischer Pferdedung erforderlich Die Erde im Kasten darf des du Ta uff bei einem unbedingt zuverlässigen Händler er⸗ mit Phosphorsäure genügend angereichert ist. so bedarf es nur des nicht gefroren sein, sonst würde sie dem Dung zu viel Wärme ent⸗ schieben folgt. Es haben sich im Laufe der Jahre leider nicht wenige un⸗ regelmäßigen Ersatzes, der ihm in der Ernte entnommenen Mengen; ziehen. Der Dung wird gleichmäßig in den Kästen ausgestreut und bestem reelle Elemente im Samenhandel breitgemacht. Große Vorsicht 5 1 vor allen Dingen unbekannten reisenden Samenhänd⸗ 8 lern gegenliber zu walten; dies ganz besonders dann, wenn sie fesigetreten. Die Höhe der Schicht richtet sich nach der Jahreszeit und nach den beabsichtigten Kulturen. Für Frühtreiberei und bei festgetretene Schicht etwa 7 Meter hoch ist er gar übersättigt worden. so kann jede Neudüngung für einige Zeit unterbleiben. 5 1 5 ganz a f Der Bedarf der Pflanzen an Phosphorsäure ist verschieden. großer Kälte muß die 9 her Sämereien zu sehr niedrigen Preisen anbieten. Samenkauf ist Getreide verlangt reich lie Mengen, um vollwertige Körner sein. Sie kann um so niedriger bleiben, je weniger Bodenwärme Vertrauenssache. Ver Verkäufer muß für seine Ware mindestens zu bilden. Die Kohl⸗ Rüben und Kleeacten sind im erforderlich ober erwünscht ist. Ist der Dünger sel trocken, so n. ant feinem Namen und feiner Adresse einstehen, daß er jederzeit ersten Entwicklungsstadium einer Phosphorsäurezugabe besonders muß er beim Packen angefeuchtet werden, da er sich sonst nicht er⸗ 1 ih u ben 1 8 8 895 e ee An 3 15 e da ihr Samen wenig Nahrung enthält und die Keim⸗ wärmt. Für die 3 8 im Gee 1 7 viel Lone 2 4 20 pflänzchen daher schon selrr bald auf die Phosphorsäure des Bodens Bohenwärme nötig. Es genügt da eine dünnere ht, die man ub er von der angebotenen Sorte stammt. Nun kann dem angewiesen sind. 1 121 auch wohl mit Laub durrchsetzen kann, wenn nicht geniigend * reellsten Samenhändler durch irgendwelche Zufälle ein Mißgeschick derten gustoßen, das hinterher der Gartenbesitzer auszufechten hat. Aber man darf in solchen Fällen sicher sein, bis zu einem gewissen Grade entschädigt zu werden. Der reelle Samenhändler garantiert für Dünger vorhanden ist. Dieses Laub muß über Winter trocken aufbewahrt worden sein; schon faulendes Laub ist ungeeignet, da es keine Wärme mehr entwickelt. Das trockene Laub ist beim Ein⸗ streuen anzufeuchten, damit es nun in Verwesung übergehen kann. Ist der Kasten fertig gepackt, wird die Oberfläche angebraust⸗ Die Phosphorsäuredüngung gibt dem Landwirt auch ein Mittel in die Hand, die Vegetationsdauec in gewissen Grenzen zu beeinflussen. Je schmeller sich die Pflanzen mit Phosphorsäure sättigen. un so schneller geht der gauze Entwicklungsprozeß vor sich. So können Rüben, die stark mit Phosphorsäure gedüngt sind. 7 * die Sortenechtheit und die Güte des Samens und leistet zumeist 1 Entschädigung in der Höhe des Kaufpreises. Weiter zu gehen ist ihm in der Regel nicht möglich, denn er ist selbst nicht gegen Miß⸗ geschick gefeit. N Werden bei der Bestellung bestimmte Sorten ange⸗ geben, so neun man stets eine Er satzsorte, die zu schicken lit, falls die erste Sorte vergriffen sein sollte. Es komut leicht vor, daß eine Sorte ausgeht. Schon um alle gewünschten Sorten zu erhalten, tut man gut, recht frühzeitig zu bestellen. Alle Samen, die nicht gleich ausgesät werden können, sind an einem tro cke ⸗ nen, luftigen Orte aufzubewahren. Dabei ist zu be⸗ en, daß Mäuse große Liebhaber für Samen sind. Hat man im Vorjahre selbst Samen geerntet, so ist dieser über Winter zu nigen und dann ebenso aufzubewahren. Ist von der vor⸗ gen Bestellung noch etwas übrig geblieben, so kann man sich eine Keim probe überzeugen, ob solche Samen dieses Jahr gebrauchsfähig find: in der Regel ist das der Fall, wenn die aufs quelle lauter vor. Zu einer Keimprobe zählt man, je nach Größe der Samen, 20—50 Körner ab und legt diese locker ö zwei wollene, gut durchgefeuchtete Lappen. Die Lappen werden in eine Schüssel gelegt, deren Boden soviel Wasser enthält, daß der untere Lappen nicht ganz davon bedeckt wird. Die Schüssel wird in Ofennähe aufgestellt, so daß das Wasser immer lauwarm bleibt. Nach 4 oder 5 Tagen wird man feststellen können, ob und eviel von den eingelegten Samen keimfähig war. Ist garnichts imt, und zeigt sich auch nach weiteren 3 oder 4 Tagen kein eben, so darf man getrost den ganzen Samen fortwerfen; er ist nichts mehr nütze. Vollkommen ausgebildeten reifer Samen, richtig nd in größerer Meugen aufbewahrt. hält sich länger: in schlechten Zeiten geernteter unde lllommen gereifter, aber schlecht und feucht derwahrter verliert schnell seine Keimkraft. Die Lebensdauer ist abhängig von der Aufbewahrung. Es gensgt also nicht, daß man weiß, wie lange die Sämereien im allgemeinen ihre Keimkraft be⸗ halten, sondern man muß auch dann Keimungsproben machen, wenm es sich um mehrjährige Samenarten handelt. Immerhin ist diese Kenntnis beim Einkauf von Gemüsesämereien von Nutzen. Zwiebel, Petersilie, Porree, Kerbel, Estragon, Spinat und 0 rzwurzeln find 2 bis 3 Jahre keimfähig. Möhren, Karotten, Sellerie und Erbsen haben 3 bis 4 Jahren keimfühtg bleibende Samen. Rettich, Radies, Salat, Endivien, Kardy, Artikschocken und alle Kohlarten liefern 4 bis 5 Jahre lang keimende Samen. Speise⸗ und Salgtrüben, Mangold, Kürbis und Puffbohnen keimen noch im 5. und 6. Jahre. Die höchste Keimungskraft besitzen Tomaten und Gurken, bei denen 6 bis 7 Jahre als Keimfähigkeitsgrenze angegeben wird. Die künstliche Düngung. Nachdem wir in der vor gen Land wirtschaftlichen Beilage die issen Grundlagen der rationellen Düngung dargelegt ben, wollen wir nun etwas näher auf die rationelle Dlingung und uns heute zunächst mit der künstlichen Wir folgen hierbei im wesentlichen der Darstellung eines bahnbrechenden Forschers auf diesem Gebiet, Prof. De. Paul Wagner in Darmstadt(Vergl. Nr. 59 unserer Jeileng: Gelechrten- Jubi K iläum). Es gibt organische und mineralische künstliche Dünger. Zu den ersteven gehören Guano, Flessch⸗ Horn⸗, Blut-, Knochen⸗, Wollabfälle, Dedermehl, Gerbereirlckstände und einige und wurden auch schon vor dem Wirtschaftszusammenbruch in viel geringeven Mengen verwendet als die mineralischen Düngemittel. Die wichtiasten mineralischen Düngemittel sind: 1. für die Zufuhr von Phosphorsäure: die Supercphos⸗ hate hergestellt aus Rohphosphaten. die zum größten Teil aus dem Ausland stammen(Guanophosphate, Koprolithe Austw.). Außerdem gehört hierher das Thomasmehl, das als Schlacke bei der Gußstahlherstellung(õnach dem Thomas⸗ verfahren daher der Name) gewonnen wird; Osterbäckereien. Deutscher Napfkuchen. „VBebarf: 500 Gramm Mehl, 125 Gramm Margarine. 80 Gramm Zucker. 2 Eßlöffel Süßstofflösung. 1 gequirltes Ei oder 20 Gramm in 3 Eßlöffel Wasser gelöstes Trocken⸗Volleipulver, 2 Liter Magermilch. das abgeriebene Gelbe einer Zitronenschale, ½ Päckchen Vanillin. Prise Muskatblüte, Körnchen Salz 40 Gramm Hefe, gehackte Mandeln. Nuß⸗ oder Obstkerne. Herstellung: Margarine, Zucker, Salz und Gewürz 20 Minuten schaumia rühren. alsdann abwechselnd löffelweise Mehl, Ei Süßstoff und etwas Milch zutun, zuletzt die in der rest⸗ ͤ lauwarmen— nicht heißen— Milch vollständig glatt ver⸗ 5 ene Hefe beifügen und die geschmeidige Masse solange schlagen, bis sie Blasen wirft. Inzwischen eine Form tüchtig fetten. mit den Nüsfen bestreuen den Teia einfüllen, eben streichen, ein 4 an einem zugfreien warmen Orte etwa 60 Minuten aufgehen * sen und bei ziemlich scharfer Hitze ungefähr 4555 Industrieabfälle. Diese Dünger sind jedoch minder wichtig 8—12 Tage früher gehackt werden als schwach gedüngte, und Ge⸗ treide, das mit Phosphorsäure gedüngt ist, reift erheblich früher. Was den Unterschied der Wirkung von Superphosphaten und Thomasmehl betrifft so entwickeln sich die mit ersterem gebüngten Pflanzen in der Regel schneller und kommen früher zur Reife da das Thomasmebl langsamer in aufnahmefähigen Zustand übergeht. Wo also eine schnellere Entwicklung der Pflanzen nicht nur keine Vorteile, sondern sogar Nachteile bringen kann, wie bei den Sommerhalmfrüchten oder bei Gerste auf leichten. trockenen. . Böden, da bietet die Thomasmehldüngung die größten l Kalidüngung bann nicht wie Phosphorsäuredüngung auf langdauernden Vorrat gegeben werden. Den das Kali ist leichter beweglich im Boden. die Gefahr von Verlusten also viel größer. Die Kalidüngung ist dem besonderen Bedarf des Bodens und der Pflanze weit mehr angupassen als die Phosphorsäuredüngung. Die kalibedürftigsten Pflanzen sind die Rüben⸗ und Kohl⸗ arten. Geringere Anfprüche stellen die Getreidearten. Durch die Kalidüngung ist ein ausgiebiger Futterbau auch auf den von Natur sehr kaliarmen Sandböden und leichten Wiesen⸗ bödem möglich geworden. Sehr leichte Böden können durch die Kalidüngung vermittels Kainit auch in physikalischer Hinsicht verbessert werden. Der Kainit enthält nämlich nebenbei große Mengen von Natron, wodurch stark durchlässtger Sandboden bindiger gemacht wird. Dieselbe Eigenschaft des Kaimits kann aber auf schweren Böden sebr nachteilig wirken. Denn das Natron wird non den tonigen Teilen des Bodens gebunden, und die An⸗ ziehungskrast zwischen Natron und Tonteilen ist so groß. daß eln mit Natron stark gebünater Lehm⸗ oder Tonboden zäher wird, sich schwerer bearbeiten läßt zur Krustbildung neigt beim Austrocknen harte Schollen bildet. das Wasser weniger leicht durchsickern läßt und dem Eindringen der atmosphärischen Luft größeren Wü derstand entgegensetzt. Aber auch abgesehen don dieser phnsikalischen Verschlechterung des Bodens kanm der hohe Clor⸗ und Natrongchalt des Kainits ungünstig auf die meisten Kultucpflanzen wirken. Um diesen Uebelständen zu begegnen. stellen die Kaliwerke in dem 40pro⸗ zentegen Kall dungsalz der Landwirtschaft ein Düngemittel zur Verfügung, das wegen seines wesentlich geringeren Gehalts an Nebeustoffen die starke Kalidüngung auch auf schwereren Böden ungefährlich macht. Die gleiche Bedeutung hat das Chlorkali. (Schluß folgt.) Die Nutzung des Geflügeldungs. Der Geflügeldung übertrifft den gewöhnlichen Stallmist be⸗ deutend im Gehalt an Nährstoffen, sowohl an Stickstoff wie an Phosphorsäure wie an Kali. In zehn Doppelzentnern Tauben⸗ und Hühnerdung sind ungefähr die gleichen Pflanzennährstoffe enthalten wie in einem Gemisch von je einem Doppelzentner Chili⸗ salpeter, Superphosphat und Kainit. Es gehen also gewaltige Werte verloren, wenn der Goflügeldünger nicht richtig gesammelt und verwendet wird. Es ist nicht richtig, daß die von unserem Ge⸗ flügel erzielten Düngermengen zu gering seien, da sie ja tagsüber freien Auslauf haben. Untersuchungen haben ergeben, daß die jährliche Düngermenge eines Huhnes etwa 5,52 Kilogramm be⸗ trägt und daß von dieser Menge etwa 60 v. H. zur Nachtzeit von den Hühnern ausgeschieden werden. Der Wert des Geflügel- dlingers läßt sich noch erhöhen, wenn man ihn. trocknet. Am ein⸗ fachsten geschieht dies dadurch daß man Torfmull als Streu im Hühnerstall benutzt. Jeden Morgen wird der Dünger mit Torf⸗ mill überstreut und mindestens einmal in der Woche entsernt. Wer Kotbretter im Hühnerstall hat, kann sie leicht täglich reinigen. Vermengt man diesen mit Torfmull gemischten Dung noch mit Kohlenasche, dann kann man ihn längere Zeit in einem Fasse oder einer Kiste aufbewahren. Er wird schließlich zu einem leicht streu⸗ baren geruchlosen Pulver. Davon gibt man auf 20 Quadratmeter die Fenster werden draufgedeckt. Nachts werden die Fenster mit Strohmatten oder ähnlichem Deckmatertal belegt, damit möglichst wenig Wärme entweichen kann. Für Frühkultu ren wird man den Kasten auch von außen mit altem Dünger oder altem Laub ein⸗ decken müssen, sonst kühlt der Kasten sich vorschnell ab. Nach etwa drei Tagen wird der Dünger im Kasten eine Wärme von etwa 50 Grad aufweisen. Er wird nochmals festgetreten und dann ge⸗ ebnet. Nun wird Erde auf die Düngerschicht getan, die aber tunlichst nicht gefroren und nicht zu naß sein soll; beides würde wieder zu viel Wärme zehren. Diese ganze Arbeit muß schnell von⸗ statten gehen, damit die Fenster schnell wieder auf den Kasten kommen, sonst gibt es Wärmeverluste. Wie hoch die Erdschicht im Kasten sein soll, richtet sich nach den Kulturen. Für die Anzucht von Sämlingen genügen 5 bis 8 Ztm.: für Treiberei von Gemüse würden bis zu 20 Ztm. erforderlich sein. Im allgemeinen man das Mistbeet besäen oder bepflanzen, wenn die Düngerschicht auf 30—40 Grad Celstus abgekühlt ist. Mistbeete, die mit Pflanzen bestellt sind, müssen gelüftet werden, wenn die Sonnenwärme im Kasten sich stärker bemerkbar macht. Das Lüften erfolgt durch Unterstellen eines Holzes unter eine Fenstersette, und zwar an der dem Winde abgekehrten Seite. Das Holz wird tunlichst unter 5 555 der Fensterseite gelegt, sonst verziehen sich die Fenster — Haus und Garten. Hilfe gegen Würmer bei Schweinen. Schweine haben häufig Wiirmer von bedeutender Länge, die die Verdauungsorgane stark be⸗ lasten. Sie können den Tod bei jüngeren Tieren herbeiführen, die sich noch in der Entwicklung befinden. Zur Beseitigung dieses Uebels trifft man folgende Maßnahmen. Man säubert den Stall gründlich und unt während der Behandlung den Kot alsbald nach seinem Abgang. Dadurch wird verhindert, daß das Schwein neue U aufnimmt, bevor die alte aus dem Körper entfernt ist. Bei knapper flüssiger Koft gibt man dem Tier 5—6 Eßlöffel Rizinus ein und zwar so, daß man von einem alten Schuh die Spitze etwas abschneidet, damit eine kleine Oeffnung entsteht, die min dem Patienten ins Maul steckt. Darein schüttet man das durch Anwärmen leichtflüssig gemachte Oel und läßt das Schwein dann an der Spitze kauen. Der durch Rizinus erzeugte Durchfall sichert der am folgenden Tage zu verabreichenden Gabe von 4 Gramm Kamila eine stärkere Wirkung. Zum Schluß wiederholt man noch einmal die Einflößung von Rizi⸗ nusöl. Sitzen die Würmer im Enddarm, dann hilft auch ein Klistier von Knoblauchwasser oder Knoblauchlösung in Ziegenmilch. Bei Jung⸗ tieren tut mitunter geriebener Rettich dieselben Dienste. Neuseeländer Spinat als Nutz⸗ und Zierpflanze. Obwohl der Neuseeländer Spinat ein vorzügliches Gemüse ist, wird er doch noch verhältnismäßig selten angebaut. Er liefert den Spinat des Hoch⸗ sommers und ist viel ausgiebiger als der gewöhnliche Spinat. In seiner tropischen Heimat bildet die mit den Eiskräutern verwandte Pflanze einen kleinen, vielverzweigten, auf dem Boden ausgebreiteten Strauch, der mehrere Jahre ausdauert. Bei uns wird er durch den Frost im Herbste vernichtet, entwickelt sich aber im Laufe des Som⸗ mers sehr schnell und ersetzt alle abgeschnittene Zweige mit erstaum⸗ licher Zähigkeit und Schnelligkeit. Man sät die Körner zeitig im Frühfahr aus, etwa im März, in kleine Töpfe zu je 2 bis 3, gewöhnt die Pflanzen an die Luft und die volle Sonne und pflanzt sie von Mitte Mai an auf ein gut vorbereitetes Beet mit 60 Zentimeter Abstand. Da der Neuseeländer Spinat den Boden bald ganz bedeckt, wird er von Unkraut wenig gestört, auch in der Insekten⸗ und Pilz⸗ welt scheint er keine Feinde zu haben. Er eignet sich zum Begrifnen, von Flächen während des Sommers und zum Füllen von Lücken in Staudenbeeten. Hat man ihn einmal an einer Stelle gehabt, dann gehen im folgenden Jahre dort von selber neue Pflänzchen auf, wenn man die von Frost vernichteten Pflanzen im Herbst flach untergräbt. Minuten backen. Der Kuchen soll vor dem Stürzen eine Weile ruhen. Blech⸗ oder Butterkuchen. Bedarf: 500 Gramm Mehl, 50 Gramm Margarine 50 Gramm Zucker, 2 Eßlöffel Süßstofflösung, 1—2 Eier oder 40 Gramm in 4 Eßlöffeln Milch glatt verrührtes Trocken⸗Volleipulver, 7 Liter Magermilch.„ abgeriebene Zitronenschale, Spur Mus⸗ katblüte, Prise Salz 2 Tropfen. Mandelöl Stäubchen Kardamom, 30 Gramm Hefe.— Zur Auflage: 125 Gramm Zucker, 100 Gramm Margarine gehackte Mandeln oder Nüsse nach Belieben. Herstellung: Von ungefähr 200 Gramm Mehl, der in der Hälste lauwarmer— nicht heißer— Milch vergriffenen Hefe ein Hefestlück herrichten und 30 Minuten zum Gehen in die Wärme stellen. Alsdann sämtliche anderen Zutaten, zuletzt die weiche Margarine unterkneten energisch verschaffen und locker schlagen, den ziemlich sesten Teig knauy bleistiftdick austreiben so auf ein gefettetes Blech ordnen, daß rings ein dreifingerbreiter Rand fres bleibt und mit einem Tuch bedeckt 40 bis 60 Minuten aufgehen lassen. Nun mit geschmolzemer Margarsne bestreichen, den Auf⸗ in Abständen von 2 Zenti⸗ lagezucker nebst Mandeln überstreuen.. darauf legen und bei metern haselnußgroße Margarinestlickchen flotter Hitze goldbraun backen. Einfacher Mürbeteig. Bedarf: 500 Gramm Mehl, 150 Gramm Margarine, 130 Gramm Zucker, 2 Eßlöffel Süßstofflösung, 1 Ei oder 200 Gramm in 2 Eßlöffel verquirltes Trocken⸗Vollespulver. Stäubchen feinen Zimt und Muslbatblüte die abgeriebene Schale einer Zitrone. Korn, Salz, eine Mesfserspitze Hirschhornsalz oder ein Backpulver, und wer es kann oder will, 3 Eßlöffel reinen Branntwein 3. B. Rum, Aquavit, Nordhäuser usw. sonst 5 Eßlöffel Wasser oder Milch. Herstellung: Sämtliche Veslandteile auf dem Brett in einem kalten Raum schnell und leicht zu einem festen Teig ohne vieles Kneten zusammenwirken und vor weiterem Gebrauch em Zeitlang kühl lagern.— Dieser Teig eignet sich zu Torten. Oost duchen und allerlei Kleingebäck. Dassel. Iaubverdall Clessel Fedde l 1 Der sMasfenverkauf der leßten Tage hat es uns ermöglicht, 45 weit 3 hereinzubringen. 5 Wir offerieren, solange Vorrat reicht: 1 Fahlleder⸗Kinderstiefel 31-35, Ia Qualität, 2025 000 Mk. Fahlleder⸗Herrenstiefel(Arbeitsstief., Tourenstief.) 35 000 Mk. g Fahlleder⸗Burschenstiefel 36—39, beste Ware, 28 500 Mk. Herrenstiefel mit Doppelsohlen 33000 Mkt. Konfirmandeustiefel, elegante Ausführung, 33-37 500 Mk. Boxcalf⸗Herrenstiefel, prima Qualitt 43 000 Mk. f Braune Damenhalbschuhe, gute Qualität, 2327000 Mk. Spitze Herrenstiefel, hochelegant... 49500 Mk. do. do. spitze, elegante Fasson, 35000 Mk.] Braune Herrenstiefel, einzigartiges Augebot. 49500 Ml. 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