1 8 9 Aledaltion: gießen Vouhnbofstraße 23 0 Fernsprecher 2008. 2— erhessische Volkszeitun Organ für die Juteressen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Expedition: Gießen Bahnhosstraße 23 Ferusprecher 2005. 9 ie Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 0 er Abonnementspreis mit den Beilagen Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ 5 wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 1370.— Mek. einschl. Bringerlohn. 1 Durch die Post bezogen 1800.— Mk. E eee Einzelnumm. 50.— Mk „ Vergntwortlicher Redakteur: F. Vetters. 0 Für den Inseratenteil verantporklich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(65 mm breit) oder deren Raum sokal 20.— Mk. auswärts 80.— Mt., die Reklamemillimeterzeile 100.— Mk, Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. 1 Nr. 46 Gießen, Samstag, den 24. Februar 1923 18. Jahrgang Degoutte will deutsche Minister verhaften. 1 General Degoutte hat einen Befehl erlassen, nach dem den deutschen Ministern der Aufenthalt im Einbruchsgebiet verboten ist. Die Polizeiorgane und die öffentlichen Organe sind angewiesen, die Minister, falls sie das Einbruchsgebiet betreten, festzunehmen und den Militärgerichten der Be⸗ siatzungstruppen zuzuführen. Falls das nicht geschieht, wer⸗ den die angedrohten Sanktionen(Bestrafung der Städte und Ortschaften) durchgeführt werden. „Warenstraßen“. . 5 Wegesperre. Die Juteralliierte Rheinlandkommission hat beschlossen, eiue beschränkte Anzahl von Wegen für die Verbindung zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Deutschland zu bestimmen. Jeder Warenverkehr auf andern Wegen wird als betrügerische Handlung erklärt und schwere Strafen wurden dafür festgesetzt. Auch auf gesetzlichen Straßen ist jeder Verkehr zwischen 7 Uhr abends und 7 Uhr morgens verboten. ö Drei Arten der Taktik hat Poincaré bisher im Ruhr⸗ gebiet angewandt. Er hat zunächst versucht, durch die Ver⸗ haftung der Zechendirektoren Kohle zu erlangen, und als dies fehlschlug, wurde der Versuch gemacht, die Zechen zu beschlagnahmen. Auch hier Mißerfolg auf Mißerfolg, die schließlich zu der dritten Phase der Taktik führten: die Be⸗ völkerung seelisch und körperlich zu zerrütten. Aber selbst die Maßnahmen g mit Reitpeitsche und Revolver, i die dem dritten Stadium des französisch⸗belgischen Kampfes jiugrundè lagen, haben bis heute für Frankreich und Belgien nicht den geringsten Erfolg gehabt. Wenn trotzdem im Hauptziel diese Maßnahmen fortgesetzt werden und Poin⸗ gars statt wie vorher infolge der Mißerfolge entsprechende Taktikänderungen vornahm so spricht das dafür, daß mant 1 Paris im allgemeinen eine vierte Möglichkeit, das Ruhr⸗ zebiet wirtschaftlich und politisch in die Hand zu bekommen, inter den gegenwärtigen Umständen nicht sieht, und die etzt schon drei Wochen angewandte letzte Methode für die birkungsvollste hält. i In Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen und holitischen Verhältnisse im Ruhrgebiet ist die dortige Ar— seiterschaft der Auffassung, daß gerade Gewaltmaßnahmen er bekannten Art Frankreich nicht zu Erfolgen verhelfen. Nan kann deshalb ein wehmütiges Lächeln über die neueste zerordnung des Generals Degoutte nicht unterlassen, der etzt angeordnet hat, daß die deutschen Polizei- und öffent⸗ ichen Organe a die Minister, falls sie das Einbruchsgebiet betreten, 1 5 festzunehmen und den Militärgerichten der Besatzung zuzuführen haben. 3(blaubt ein Mensch in Paris, daß ein Schutzpolizeibeamter siesem Befehl nachkommen wird? Die deutsche Polizei im sledsetzten Gebiet hat gerade in den letzten Tagen bewiesen, bag sie bereit ist, für die deutsche Sache auch die schwersten perfönlichen Opfer zu bringen, und wird sind überzeugt, daß e in diesem Verhalten fortfahren wird. Auch die 0 b Benennung„gesetzlicher Straßen“, ie ausschließlich für den Warenverkehr zwischen dem be— sitzten und unbesetzten Gebiet benutzt werden sollen, dürfte der deutschen Bevölkerung keinen Respekt abgewinnen. Diese Naßnahme läuft zweifellos darauf hinaus, alle zoll— fklichtigen Waren zu ersassen. Bisher hat die Handelswelt de Entrichtung von Ausfuhrabgaben abgelehnt, aber trotz— hem auf indirektem oder direktem Wege Waren in das be— tzte Gebiet befördert. Es ist vorläufig für die Besatzung en Ding der Unmöglichkeit, diesem Zustand ein Ende zu hhachen. Auch nur der Versuch hierzu würde den Franzosen in ungeheures Aufgebot an neuen Soldaten und weiteren Hiervor schrecken die Herrschaften be— unflich in Paris sehr zurück. 1 1 egoutte würde sicherlich auf die Anordnung zur Be— unnung„gesetzlicher Straßen“ verzichtet haben, wenn im kanzöfischen Lager Klarheit darüber bestände, daß das suhrgebiet schließlich nicht mit einem Negerstaat zu ver— 1 1 ist. Das gleiche gilt von der französisch-belgischen Acsicht, 1 die deulschen Rhein und Ruhrbahnen„kaufmännisch“ 0 N 171 zu organisieren. haben Frankreich und Belgien insgesamt 10 90⁰⁰ in das neuhesetzte Gebiet entsandt. Diese 1 0 5 9 1 77 5 N —.— —— Frankreich und Belgien versuchen im einwandfrei festgestellt ist, sich unter den Neue„Maßnahmen“. gegenwärtigen Verhältnissen im Ruhrgebiet alles andere als wohl fühlen, vermochten bisher noch nicht einmal, die beiden militarisierten Eisenbahnen so in Betrieb zu bringen, daß sich dieser für die Besatzung auch nur irgendwie gelohnt hätte. Schon daraus ergibt sich, daß eine„kaufmännische“ Organisierung selbst mit geschultem französischem und belgi— schem Personal bei ungeheurem Kräfteaufwand nicht so ein— fach ist. Deutschland beschäftigte bisher im Ruhrgebiet über 100 000 Eisenbahnbedienstete, die langjährige Praxis hinter sich haben, über jedes Stellwerk in allen Einzelheiten unter⸗ richtet waren und die vor allem Land und Leute kannten. Das alles sind Voraussetzungen für einen ordnungsmäßigen und geregelten Verkehr, die auch durch ein Aufgebot von 150 000 fremden Eisenbahnern nicht ersetzt werden können, ganz abgesehen davon, daß Frankreich und Belgien nie in der Lage sein werden, diese Zahl von Eisenbahnern in das besetzte Gebiet zu entsenden. Der erste praktische Versuch zur„kaufmännischen“ Organisierung muß in Anbetracht des lobenswerten Widerstandes unserer Eisenbahner fehl⸗ schlagen. Noch gibt es— und darüber sollte man sich lang⸗ sam auch in Paris klar werden— eine ganze Reihe von Möglichkeiten, einen französisch-belgischen Eisenbahnverkehr unmöglich zu machen, selbst wenn eine regelrechte kauf— männische Organisation zustande gebracht werden könnte. Frankreich sucht schon jetzt in Erkenntnis der Schwierig⸗ keiten, die ihm bei Durchführung der neuen Maßnahmen drohen, nach deutschen Arbeitern. Zu diesem Zweck sind in Düsseldorf und in Duisburg Werbebureaus eingerichtet worden. Es heißt, daß bereits einige deutsche Staatsbürger ihre Bereitschaft, in französischen Sold zu treten, erklärt haben. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß es sich hier um gekaufte Subjekte handelt, die sich leider heute zu Tausenden infolge der Ruhraktion im besetzten Gebiet her— umtreiben und mit deren Bereitschaft Frankreich und Begien Propaganda treiben werden. Es muß Aufgabe der Organi⸗ sationen sein, vor den Plänen der Besatzung auf Anwerbung deutscher Arbeiter öffentlich zu warnen. Für unsere Arbeiterschaft liegt kein Anlaß vor, den französischen Plänen auch nur aus irgend— welchen wirtschaftlichen Gründen Vorschub zu leisten. Löhne und Gehälter sind bei Arbeitslosigkeit sichergestellt, im Falle der Ausweisung ist für Unterkunft im unbesetzten Gebiet ge— sorgt. Ebenso ist für eine ordnungsgemäße Regelung der Lebensmittelversorgung das Notwendige geschehen. Darauf hinzuweisen ist eine Pflicht der Organisationen im Interesse des deutschen Volkes, insbesondere der Arbeiterschaft und letzten Endes im Interesse des Sozialismus. Verbot der Steuerzahlung an Frankreich und Belgien. Die Reichsregierung veröffentlicht folgenden Erlaß: altbesetzten Gebiet wie in dem Einbruchsgebiet klaren Rechten zuwider durch Gewalt deutsche Steuereinnahmen an sich zu bringen. Zu diesem Zweck besetzen sie die Kassen der deutschen Zollämter, entfernen die deutschen Beamten aus ihren Arbeitsräumen und fordern Steuerzahlung. Die Kassen, die sich in fremder Gewalt befinden, sind nicht mehr Dienststellen des Reichs. Deutsche Steuern können aber rechtswirksam nur an das Reich gezahlt werden und es ist verboten, sis an Frankreich oder Belgien zu bezahlen. Die Zahlung an Frankreich und Belgien befreit den Steuerpflichtigen von seiner Steuerschuld nicht. Wer nicht ben Gewaltakt der Einbkruchsmächte seiner Vaterlands- und seiner Rechtspflicht entgegen unterstützen und wer sich selbst vor doppelter Inanspruchnahme bewahren will, muß daher seine fälligen Zahlungen an die Kassen des Reichs leisten. Das deutsche Weißbuch. Die Rechtswidrigkeit der französisch⸗belgischen Maßnahmen. Das Auswärtige Amt veröffentlicht ein Weißbuch, worin die Rechtswidrigkeit der französisch-belgischen Maßnahmen nachge— wiesen wird. Wir entnehmen der Darstellung folgendes: Der französisch-belgische Einmarsch in das Ruhrgebiet ist rechtswidrig, weil die Reparationskommissson in ihrer Note vom 21. März 1922 selbst festgestellt hat, daß die Feststellung einer Verfehlung Deutschlands niemals eine andere Folge haben könnte, als die Forderung von Ersatzzahlungen. Der Vertrag von Ver— sailles sieht für den Fall einer vorsätzlichen Nichterfüllung der deutschen Reparationsverpflichtungen lediglich vor, daß die Alli— erten finanzielle und wirtschaftliche Sperr- und Vergelt— ungs maßnahmen ergreifen können, welche sie als duech die Um— stände geboten erachten. Nach der französischen Interpretation nehmer an der Beerdigung von der Grabstätte zurück. dieses letzten Satzes hätten die Alltievten einen Freibrief für eine beliebig lange Dauer der Besctzung deutschen Gebietes. In dieser Schlußwudung können aber nur Maßnahmen gemeint sein, die die vorher genannten wirtschaftlichen und finanziellen Maßnahmen in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung nach gleichkommen. Dies können auch nur Maßnahmen sein, die die Alliierten in ihrem eigenen Hoheitsgebiet treffen. Die von den Franzosen und Belgiern getroffenen Maß⸗ nahmen stehen in keinem Verhältnis zu dem Maße der angeblich en Nichterfüllung Deutschlands. Der Wert der deutschen Rückstände beträgt rund 24 Millionen Goldmark. Der Wert der Leistungen Deutschlands dagegen beträgt jetzt 1480 Millionen Goldmark. Das französisch-belgische Vorgehen ist deshalb auch vertrags⸗ 9 5 swidrig, weil nicht das Einverständnis aller an den Repaxra⸗ tionen beteiligten Mächten vorliegt. Da der Einbruch selbst rechts widrig ist, sind es natürlich auch alle Maßnahmen, die seit dem Einbruch ergangen sind. Das Vorgehen der Besatzungsmächte steht mit den Grund⸗ sätzen der Haager Landkriegsordnung in Widerspruch. Die Weg⸗ nahme von Kohle bedeutet einen Verstoß gegen die Vestimmungen der Haager Konvention, wonach das Privateigentum in den be⸗ setzten Gebieten unverletzlich ist. Die Verordnungen und Befehle an die deutschen Veamten und Privatpersonen zur Mitwirkung an den von den Alliierten getroffenen Maßnahmen sind rechtswidrig, weil die Haager Konvention ausdrücklich sestlegt, daß niemand ge⸗ zwungen werden darf, an Handlungen teilzunehmen, die gegen das Vaterland gerichtet sind. Die Errichtung einer neuen Zollgrenze verstößt nicht nur gegen die Haager Konvention, sondern auch gegen den Versailler Vertrag, wonach Deutschland unter allen Umständen diejenigen Rohstofse erhalten muß, die erforderlich sind, um das gewerbliche Leben auf⸗ recht zu erhalten. Die deutsche Regierung hat zu allen Vorwürfen eingehend Stellung genommen. Die französische Regierung ist aber auf eine sachliche Erörterung der Fälle nicht eingegangen, sondern hat viel⸗ mehr in den, meisten Fällen die deutschen Noten als imzulässige Kritik zurückgesandt. Der Aufschrei der Gequälten. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, der Ge⸗ werkverein christlicher Bergarbeiter, die volnische Berufsver⸗ einigung, Abteilung Bergarbeiter und der Hirsch-Dunckersche Gwerkverein, Abtlg. Bergarbeiter, richten an die Arbeiter der Welt einen Aufruf, in dem gegen die Mißhandlungen im besetzten Gebiete Protest erhoben wird. Folgende Beispiele werden zur Kenntniß gebracht: 1. Am 1. Februar ist der wehrlose Bergmann Haumann in Brechten bei Brambauer von einem französischen Soldaten grund⸗ los in feiger hinterlistiger Weise von hinten erschossen worden. 2. Am 8. Februar wurden vier friedliche Bergleute in Reck⸗ linghausen auf dem Wege zur Arbeitsstätte von französischen Sol⸗ daten überfallen, mißhandelt und blutig geschlagen. 3. Der Bergarbeiter Walters in Herne ist am 9. Februar früh morgens auf dem Wege zur Schicht von einem französischen Soldaten niedergeschlagen und schonungslos wie ein Stück Vieh, am Boden liegend, grausam mißhandelt worden. 4. Ein brutaler Gewaltakt ereignete sich am 12. Februar auf der Zeche„Prosper“ bei Bottrop. Friedliche Bergarbeiter wur⸗ den auf ihrem Arbeitsplatz von belgischen Soldaten überfallen und mißhandelt. Unter sortwährender Bedrohung mit scharfgeladenen Maschinengewehren und Handwafsen sollten sie zur Arbeit gezwun⸗ gen werden. Als sie dies ablehnten, wurden sie mißhandelt und niedergeschlagen. 5. Auf„Ewald⸗Fortsetzung“ in Erckenschwick wurden 14 Berg⸗ arbeiter gezwungen, ein beschlagnahmtes Auto der Zechenverwal⸗ tung vier Kilometer weit von Erckenschwick nach Horneburg zu schieben. Die 14 Kameraden wurden dabei durch Kolbenschläge mißhandelt. Vier Mitglieder des Betriebsrats wurden verhaftet, die übrigen 10 entlassen. In dem Aufruf heißt es dann weiter: „Diesen Schandtaten werden von den französischen Offizieren täglich neue hinzugefügt. In unmenschlicher und grausamer Weise wird die friedliche und wehrlose Ruhrbevölkerung von den Offi⸗ zieren mit der Reitpeitsche mißhandelt. Die Bewohner werden auf offener Straße schonungslos durchgepeitscht. An einem Tage wur⸗ den allein in Essen 22 solcher Fälle amtlich gemeldet. Von den übrigen Bergmannsstädten und Dörfern sind ähnliche Vorfälle zu verzeichnen. Das sind so einige brutale Gewaltakte der Besetzung am Rhein und an der Ruhr. Große Erbitterung der Ruhrbevölkerung ist die Folge. Der Druck der Fremdheerrschaft trifft ganz besonders die Arbeiter, ihre Frauen und Kinder, die Invaliden, Witwen und Waisen. Schweres großes Elend ist die Folge. Dies sedoch nicht allein. Die französische Militärherrschaft vernichtet die Zivilisation, sie verhindert den Wiederaufbau Europas. Dadurch hemmt sie dan wirtschaftliche Streben der Menschheit nach Wohlstand und Kultur und desorganisiert das ganze Wirtschaftsleben der Welt zum Scha⸗ den aller Völker. Das Vorgehen der Besatzung wird die Arbeiterschaft Deutsch⸗ lands in ihrem Widerstandswillen nicht schmächen, im Gegenteil, er wird dadurch gestärkt. Mir sind entschlossen, den Kampf gegen Militarismus und Imperialismus bis zum Ende zu führen. Der Aufruf schließt mit einem Appell an die Arbeiter dee Welt, die Arbeiter an der Ruhr in ihrem Kampfe zu unter— stützen. Französische Störung einen Trauerfeier. Unter ungeheurer Beteiligung fand in Bochum die Beerdigung des von den Franzosen auf der Zeche„Prinzregent“ getöteten Bergmanns auf dem Friedhof in Altenbochum statt. Am Grabe hlelt der Vertreter der christlichen Gewerkschaften, Wiedfeldt, eine kurze Ansprache, in der er sagte:„Wir wollen keinen Krieg, aber wir deutschen Bergarbeiter und Beamte sind keine Sklavemmaturen und werden uns niemals dem Joch fremder Bafonette unter— werfen.“ Eine Knappschaftsfapelle füthrte die zahlreichen Teil- Bald wurde 1 die Stimmung im Ruhrgebiet sehr erbittert sei. sedoch der Zug von den Franzosen mit Bajonetten auseinanderge⸗ arieben. Es entstand eine Panik, wobei einige Frauen leichtere Verletzungen erlitten haben. Die Franzosen haben zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Sämtliche Gewerkschaften haben am Abend nach der Beerdigung an General Degoutte Protestschreiben gerichtet. Neue Tote. Die Franzosen besetzten am Donnerstag mittag das Amtsge⸗ richt in Bochum. Ein des Weges kommendes junges Mädchen wurde von den Posten in rohester Weise unter Benutzung von Gewehrkolben vom Bürgersteig getrieben. Mehrere Passanten, die das beobachtet hatten, brachten ihre Entrüstung hierüber durch Pfuirufe zum Ausdruck. Hierauf schossen die Posten ohne weiteres in die Menge. Auf der Stelle blieb durch Bauchschuß der Arbeiter Robert Roß tot. Schwerverletzt wurde durch einen Kieferschuß ein Buchhalter und durch einen Oberschenkelschuß ein Oberstabtsekretär. Abermals ein schweres Eisenbahnunglück. Auf der militarisserten Strecke Düsseldorf⸗Wetter sind am Mittwoch zwei Personenzüge zusammengestoßen. Es gab acht Tote und fünf Schwerverletzte. 5 Die englischen Arbeiter⸗Delegierten im Ruhrgebiet. Ein Vorschlag zur Löfung der Ruhrfrage. Die vier Mitglieder der englischen Arbeiterpartei, die das Ruhrgebiet bereist hatten, sind nach London zurück⸗ gekehrt und erstatteten ihren Bericht, in dem es heißt, daß Die Deut⸗ schen seien entschlossen, den Besatzungstruppen große Ver⸗ legenheiten zu bereiten. Die französischen Soldaten seien sehr nervös. Insbesondere dil Bergarbeiter glauben an die Niederlage Frankreichs. Die Arbeiter seien überzeugt, daß Frankreich sich in drei Mongten aus dem Ruhrgebiet werde zurückziehen müssen. Aber in anderen Kreisen der Bevölke⸗ rung herrsche nicht dieselbe Ansicht. Die deutschen Kapi⸗ talisten täuschten ihre Arbeiter, die sie glauben machten, daß, sie die Reparationen nicht bezahlen könnten. Die französi⸗ schen Kapitalisten täuschten ihre Arbeiter, indem sie ihnen erklärten, daß sie Deutschland zum Zahlen bringen könnten. Die Mitglieder der Arbeiterpartei schlagen eine Inter⸗ nationalisierung der deutschen Bergwerke durch Frankreich, England, Italien, Belgien und Deutschland vor. Die Ver⸗ waltung der Bergwerke würde von einem internationalen Direktorium besorgt werden. Die Kohlen würden auf den bisherigen Märkten weiter verkauft werden. In gleicher Wesse würden die Dividenden verteilt werden. Frankreich würde unter interalliierter Kontrolle zu seiner nationalen Sicherheit gelangen. England seinerseits würde Schutz gegen die Weltkonkurrenz genießen, der es ausgesetzt sei, wenn es zu einer Vereinigung des lothringischen Erzes mit der Ruhr⸗ kohle kommen würde. 5 Frankreichs Kohlenkrise. Am Donnerstag ist in Paris ein Kohlenkongreß unter Vorsitz Le Troquers eröffnet worden. Mit der Bericht⸗ erstattung war Pulier beauftragt worden, doch lehnte er dies aus persönlichen Gründen ab. Er gab jedoch dem Vertreter des Echo de Paris sehr wichtige Erklärungen ab, in denen er sagte: Im Winter 1922/23 haben sich die Kohlen rar gemacht. Auch die französische Kohle wurde in den Monaten Oktober und November knapp. Seit der Ruhrbesetzung hörten die deutschen Kohlenlieferungen aus. Die Versorgung der Indu⸗ strie mit Heigmaterial wird immer schwieriger. Infolge— dessen mußten die metallurgischen Werke ihre Tätigkeit um ein Drittel einschränken. Der englische Markt ist mit Auf⸗ trägen überhäuft. Von französischer, belgischer und deutscher Seite wird er mit Aufträgen geradezu überschwemmt. Die Folge ist eine Erhöhung des Kohlenpreises, die infolge der Steigerung des Pfundpreises sich noch steigern wird. Die französische Kohle deckt zwei Drittel der Bedürfnisse. 40 bis 60 Millionen Tonnen werden in Frankreich jährlich ge— wonnen, die jedoch für den französischen Verbrauch voll⸗ kommen ungenügend sind. Frankreich muß also einführen. Der Koks aus dem Ruhrgebiet ist unbedingt notwendig, denn auf Belgien kann man nicht rechnen, weil es mehr Kohle braucht, als es selbst fördert. Trotz dem guten Willen der Belgier können sie die Aufträge, die sie entgegengenommen haben, nicht ausführen. f Politische uebersicht. Kein„Burgfrieden“. In der bürgerlichen Provinzpresse wird eine Nachricht verbreitet, nach der mit der Reichsregierung und den Reichs⸗ tagsparteien vereinbart worden sei, vorläufig alle Gesetz⸗ entwürfe, die schärfere Gegensätze zwischen den Parteien hervorrufen werden, unerledigt zu lassen, bis sich die Ver⸗ hältnisse im Ruhrbezirk geklärt haben. Grunde sollen auch neue Gesetzentwürfe nicht vorgelegt werden, wie das Arbeitszeitgesetz, die Schlichtungsordnung und die Strafprozeßreform. Im Interesse einer deutschen Einheitsfront soll ferner das Republikschutzgesetz milde gehandhabt werden. Wir stellen dazu fest, daß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion von einer solchen Abmachung nichts be⸗ kannt ist. Mit der sozialdemokratischen Fraktion ist über eine solche Haltung nicht verhandelt worden. Daher er⸗ übrigen sich auch alle an diese Mitteilung geknüpften Schluß⸗ folgerungen.. g Umlagegetreide und Brotpreis. Am Donnerstag tagte der 20er Ausschuß des Reichs⸗ tags, um die Preise für das vierte und fünfte Sechstel des Umlagegetreides festzusetzen. Im Januar war beschlossen worden, die Preisfestsetzung für das vierte Sechstel im Hin⸗ blick auf die politische Lage zu vertagen. In der letzten Sitzung wurde von Vertretern der Landwirtschaft durch ihren Wortführer Abg. Schiele(Dtn.) vorgeschlagen, die Umlagepreise möglichst dem freien Weltmarktpreis, der für Roggen 950 000 Mk. beträgt, anzupassen. weil sonst eine schwere Krise der Landwirtschaft zu befürchten ses. Schiele berief sich auf den Reichsbankpräsidenten Havenstein, der er⸗ klärt habe, daß keine Bank den Landwirten Kredit gewähren könne, solange für das wichtigste Produkt die Preise zwangs⸗ mäßig bestimmt würden. Daß die Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion auf die Notlage der breiten Massen hinwiesen, besonders auf das fortwährende Fallen des Reallohnes, ist felbstverständlich. Vom Reichsernährungsminister waren bestimmte Vorschläge nicht gemacht. Die Verbrauchervertreter schlugen schließlich vor, die Preise in dem Maße zu erhöhen, wie in dem Zeit⸗ abschnitt vom Dezember bis jetzt die Löhne und Gehälter ge⸗ stiegen seien. Dieser Vorschlag wurde von der Mehrheit des Ausschusses abgelehnt, da damit die Produktionskosten nicht gedeckt würben. Nachdem die Mehrheit des Ausschusses eine längere Sonderberatung abgehalten hatte, wurde von ihr der Vorschlag gemacht, den Preis für das vierte und fünfte Sechstel auf 600 000 Mk. pro Tonne zu bestimmen. Die Produktionskosten auf der Grundlage der Inderzahlen be⸗ laufen sich auf 678 000 Mk. pro Tonne, während der freie Marktpreis, wie gesagt, 950 000 Mk. beträgt. Ein Vertreter der sächsischen Regierung schlug vor, nur eine Verdreifachung des bisherigen Preises von 165 000 Mk. zu bewilligen und den Preis mit 500 000 Mk. festzusetzen. Die Verbraucher⸗ vertreter schlossen sich diesem Vorschlag an. Trotzdem wurde mit 13 gegen 7 Stimmen der Preis auf 600 000 Mk. pro Tonne Roggen beschlossen. Der Weizenpreis schließt sich verhältnismäßig an. Jedoch ist bei der Brotversorgung der Roggen entscheidend. Wie sich künftig der Preis des Marken⸗ brotes stellen wird, läßt sich noch nicht genau sagen, jedoch „Leer, 9 2 arε. * Der Deserteur. 5 Roman von Robert Buchanan. „Sieh mal, Rohan, was ich Dir mitgebracht habe,“ sagte Marcelle endlich, eine Kokarde mit langen Schleifen in die Höhe haltend. Alle Konskribierten trugen eine solche Kokarde an die Brust geheftet, sogar der Exkorporal hatte sich sie in seiner Begeisterung für die gute Sache anheften lassen. Laute Hochrufe für Marcelle ertönten. „Hinweg! Rühr' mich nicht an!“ schrie Rohan außer sich. N„Der Junge ist übergeschnappt!“ brüllte der Korporal. „Rohan, begreifst Du denn nicht?“ jammerte Marcelle, durch den wilden Blick ihres Verlobten eingeschüchtert.„Ich zog, wie Du mich geheißen, statt Deiner. Gott, zu dem ich in meiner Angst um Hilfe gefleht, hat meine Hand geleitet, 4 jetzt wirst Du, wie Gildas und alle anderen jungen Leute, dem guten Kaiser dienen. Du bist doch nicht böse, Vetter, daß dem so ist? Ich habe auf Deinen Wunsch für Dich gezogen— es ist mir sauer genug geworden, das kannst Du mir glauben, und jetzt bist Du der König der Konskri— bierten und dies ist Deine Kokarde. Laß mich Dir sie an— stecken,“ bat sie, ihrer Schürzentasche Nadel und Zwirn ent⸗ nehmend. Er rührte sich nicht, nur um seine Lippe zuckte es verräterisch und seine Augen sprühten Blitze. Ehe er sich's versah, hatte Marcelle die Kokarde an seine Jacke ge— heftet. Hochrufe erfüllten die Küche.„So ist's recht!“ brummte. der Korporal.„Und jetzt vorwärts, Jungens, wir wollen auf sein Wohl trinken!“ Wieder drängten alle zur Türe; plötzlich erwachte Rohan aus seiner Erstarrung, reckte sich zu seiner vollen Höhe auf und schrie mit Donnerstimme:„Halt!“ Alle blieben stehen; Mutter Gwenfern schlich sich zu ihrem Sohne hin und faßte seine Hand. „Ihr seid alle toll und ich bin auf dem Wege, es eben— falls zu werden. Was schwatzt Ihr da von der Konskription und dem guten Kaiser? Ich verstehe Euch nicht. Ich weiß nur, daß Ihr verrückt seid und daß mein Onkel der Ver⸗ rückteste von allen ist. Ihr sagt, mein Name sei gezogen und ich müsse einrücken, um mich töten zu lassen oder um andere eee eee eee eee. zu töten? Und ich sage Euch, daß nur Gott im Himmel meinen Namen ziehen kann und ich keinen Fuß rühren werde— nie, nie! Die Sölle verschlinge Euren Kaiser und seine Konskription! Ich überantworte ihn der Hölle, wie ich dieses Abzeichen, das Ihr mir gegeben, den Flammen überantworte!“ In wütendem Zorn riß er die Kokarde von der Brust und warf sie ins Feuer, wo sie hellauflodernd sofort zu Asche verbrannte. Ein Murren ging durch die Küche, Mutter Gwenfern schluchzte laut auf. „Still, Mutter!“ gebot Rohan und wandte sich dann wieder zu den Konskribierten und dem Korporal:„Euer Kaiser kann mich töten, aber er kann mich nicht zwingen, ein Soldat zu sein! Vor Gott bestreite ich ihm das Recht, mich unter die Waffen zu rufen, denn er ist ein Teufel. Wenn jeder Mann Frankreichs mein Herz besäße, würde er auch nicht einen Tag mehr regieren, denn er hätte keine Armeen, keine Schafe, die er zur Schlachtbank führen könnte! Geht zu Eurem Kaiser und tuet seine Blutarbeit— ich bleibe zu Hause.“ Während er sprach, wandte er sein Auge nicht von Mar⸗ celle ab. Jetzt näherte sie sich ihm schluchzend:„Um des Himmels willen, sei still, Rohan! Deine Worte sind ja frevelhaft!“ Er antwortete ihr nicht und vermied ihren Blick. Gildas Derval stieß einen derben Fluch aus und rief:„Mir scheint, als ob es für meinen Vetter Rohan nur ein bezeichnendes Wort gäbe— er ist ein Feigling!“ Rohan zuckte zusammen, doch beherrschte er sich sofort und blickte seinem Beleidiger ruhig ins Auge. Mittlerweise hatte sich auch der wie vom Schlage gerührte Korporal von seinem Erstaunen und seiner Entrüstung soweit erholt, daß er wieder sprechen konnte. „Aufgepaßt!“ schrie er, rot vor Zorn.„Gildas hat recht, Rohan Gwenfern ist ein Feigling, ja, noch mehr— ein Chouan und ein Gotteslästerer! Ihr anderen Jungens geht für Euer Vaterland ins Feuer, Rohan jedoch ist ein Feigling, ein Chouan, ein Gotteslästerer! Mutter Gwenfern, Dein Sohn sei fortan verflucht! Marcelle, Dein Vetter ist ein feiger Hund! Ein Hochverräter, der den heiligen Namen unseres Vaters, des Kaisers verflucht hat! Gottes Strafe treffe ihn!“ (Fortfetzung folgt.] muß mik cinem Preis von ungefähr 1800 M. Aus dem gleichen 2 2 Markenbrot gerechnet werden. Die Regierung hat 8 darüber zu beraten, wie sie sich mit dieser neuen Schwierig⸗ keit abzufinden gedenkt und wie sie den Beschluß mit ihrem Bestreben nach der Stabilisierung der Mark in Einklang bringen will. Die Lohn und Gehaltsempfänger werden alle Anstrengungen machen müssen, um ihre Einnahmen dem ge⸗ steigerten Brotpreis anzugleichen. 5 Delcassé gestorben.— In Nizza ist der frühere französische Minister der auswärtigen Angelegenheiten Delcasse plötzlich gestorben. Zuchthaus für Wucherer. Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde das Not⸗ gesetz beraten. Angenommen wurde die Regierungsvorlage, wonach bei vorsätzlicher Zuwiderhandlung gegen die Straf- vorschriften betr. Preiswucher, Schleichhandel, Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände auf Freiheitsstrafen von drei Monaten und mehr oder auf Geldstrafen von 100 000 Mk. oder mehr erkannt wird. Neben der Strafe soll stets die Bekanntmachung der Verurteklung durch eine Tageszeitung sowie öffentlichen Anschlag auf Kosten des Schuldigen an⸗ geordnet werden. Angenommen wurde ferner ein Antrag des Abgeordneten Emminger(Bayerische Volkspartei), wo. nach derjenige, der es unternimmt, Gegenstände, die der Reichswirtschaftsminster als lebenswichtig bezeichnet hat, ohne die erforderliche Genehmigung aus dem Reich auszu⸗ e mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren, bei mildernden imständen mit Gefängnis nicht unter 1 Monat bestraft wird. Neben der Freiheitsstrafe soll auch auf Geldstrafe 9 von mindestens 50 000 Mk. erkannt werden. Das Höchstmaß der Geldstrafe soll unbeschränkt bleiben. Es wurde folgende Verschärfung der Strafen gegen den Schleichhandel ange- nommen: Wer sich des Schleichhandels, einer vorsätzlichen Preistreiberei oder einer vorsätzlichen Ausfuhr lebens-. wichtiger Gegenstände schuldig macht, wird in e schweren Fällen mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren und m Geldstrafe von mindestens 100 000 Mk. bestraft. Aus dem Finanzausschuß des Landtags. Landtages stimmte am Dienstag der Teuerungszuschläg? flir 1 4555 Ein⸗ 5 us 1 Als af ab.— a Der Rest der Sitzung war ausgefüllt mit der Aussprache über die zu gründende Hessische Staatsbank. An das Refere 8 Berichterstatters schlossen sich längere Ausfühsungen de Finanzministers und einiger Abgeordneter. Grundsätzlich er⸗ klärte sich der Ausschuß mit der Gründung des neuen Instituts, das vor allen Dingen der Kreditbeschaffung für Staat und meinden dienen soll, einwerstanden. In der Mittwochssitzung wird zunächst die sozialdemokratische Fraktlon die Regierung über die augenblickliche Ernährungslage interpellieren. Alsdann wird auf Antrag des Zentrums über die Abfindung des Großherzoas verhandelt werden. Darauf soll der Rest der Tagesordnung seine Erledigung finden. 1 Vermutlich wird in der nächsten Woche mit der Beratung des Staatsvoranschlags für 1023 begonnen werden können. 1 2 Deutschnationale und Nationalsozialisten. In der f 7 letzten Partei-Versammlung der Darmstädter Frauen⸗ gruppe der Deutschnationalen(Gessischen) Volkspartei 1 1 man sich in Anwesenheit des Landesvorsitzenden der Partei, des Abg. Kindt einen Bericht vom Münchener Parteitag der scationalsozialisten von einer Dame erstatten, die offenbar als Delegierte an der Hitlerparade teilgenommen hat. Wie kommt eine Parteiversammlung der Deutschnationalen zu einer Berichterstattung über den natlonalsozialistischen Parteitag, wenn zwischen der Hergt-Helfferich-Kindt⸗Partei and der Hitler-Fascisten kein Zusammenhang besteht? l „ 1 Eine Vertrauensmänner-Versammlung der Partei für de Bezirk Gießen⸗Alsfeld beschästigte sich am Donnerstag abend mik der gegenwärtigen politischen Lage und der Besetzung des Ruhr⸗ gebiets. Nach eingehender sachlicher Aussprache machte man sich die ien d, zu be am 11. Februar von den Partefkör 1 schaften Thüringens beschlossen wurde. Diese Re a genden Wortlaut: f g est Resanten e l Nach fünf Wochen Ruhrbesetzung, angesichts des sich unaufhalt⸗ sam verschärfenden Wirtschaftskrieges wird es immer klarer, daß die weitere, schier unbegrenzte Fortdauer dieses Zustands zur wirk⸗ schaftlichen und politischen Katastrophe führen muß. So notwend der organisierte Abwehrkampf im Ruhrgebiet ist, zu den gewünsch⸗ ten Erfolgen wird die passive Resistenz nicht führen, wenn der Kampf nicht gleichzeitig durch eine entsprechende zielklare 90 politik der Reichsregierung abgekürzt und beende i der reg' zt un ndet wird. Das R 8 eine Rückkehr zur Erfüllungspolitit der wich en Voraussetzung für den Veginn erfolgr Zekständi g ae 0 Folgreicher Verständigungs⸗ Deshalb ist es die vornehmste Auf 7= n 3 0 di rnehr gabe de; BSD. und in besonderen der Reichstagsfraktion, ihren ganzen Einf auf 1 . Se e Einfluß der e. Sinne der Fortsetzung der Erfüllungspolftik um Hrli r handlungsbereitschaft geltend zu machen. un ee en 1 Jede Konzession an den Nationalismus ist mi 0 des Sozialismus und den Lebensinteressen W e 0 4 Augestellten und Beamten unvereinbar: sie hat unter allen 5 ständen zu unterbleiben Die neue Dolchstoßlegende ist mit Entlarvung und rücsichtssosen Bekämpfung der nationalislisch kapitalistischen Katastrophenpolitiker energisch abzuwehren Deu unzweifelhaft vorhandenen Vertrustungsbestrebunt „den der deutscken und französischen Sckwerindustrie zum e f Meere 15 Proletariats ist der Grundfatz zen Wied machur d Soziali 2 Ae ing und der Soziglisterung der 0 bat. er: 5 Für die innere Politik der Ve d. hat das materielle In⸗ e e ausschlaggebend und hestimmend zu sein. 1 beispielloser Schnelligleit um sich greifende teresse der il lic auf die m Vere 0 0 des Proletariats, der Augestellten und Beamten ist von der? pertgte e zu fordern:: 155 I. Durchgreifende Maßnahmen gegen die Preisbiktatur der eee e und gegen den verbrecherischen Wucher des eie dels. 5 2 Veschleunigter Beginn einer aktiven Währungspolitik, in deren Mittelpunkt der Kampf gegen die zügellose Devisenspekula⸗ tion zu stehen hat.. J. Sofortige gesetzliche Vorbereitungen zur Erfassung der Sach⸗ f werte, die unerläßlich ist zu erfolgreicher Wiederaufnahme der Er⸗ flüllungspolitik und 5 Behebung des deutschen Finanzelends. Ausbau der Stellergesetzgehung in der Weise, daß die geordnete Eintreibung der Besitzsteuer gesichert ist. „0 4. Schliellste Hilse für die Arbeitslosen durch direkte Beein⸗ N 4 flussung der Arbeiterentlassungen, Aufnahme der produktiven Er⸗ . dwerbslosenfürfocge, Anpassung der Unterstsitzungssätze an die Coöhne. *· 1 Die Partei hat 7 Forderungen gegenüber der Regierung a no mit e und nlschsedeubeft zu vertreten. Gleichzeitig . bhaben alle Funktionäre der Partei flir die Forderungen in dem arbeitenden Volk eine inteusive Tätigkeit zu entfalten, damit den e Vertretungen der Partei in den Massen der notwendige Rückhalt gegeben wird. 5 U f 7 1 Gießen und Umgebung. Vacterländische Streiktasse. 1„Es gingen weiter bei uns ein: N N Hrch. Schmidt⸗Reiskirchen 1000 Mk., Paul Griebel 200 Mk., zu⸗ i 0 999 2 ö 7 Mk., bereits quittiert: 319 050 Mk., zusammen: * Den Gebern herzlichen Dank, Weitere Spenden werden gerne 0 1 ee ee Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. 1 Das Bauernbündlerorgan begeistert sich für 1 ö Dummefjungenstreiche. Dias Sriedberger Vündlerblatt brachte dieser Tage eine Mitteilung über einen Vorfall in Jena, der dem Blatte offenbar sehr viel Freude gemacht hat. Dabei handelt es sich i aber um nichts anders als um eine Kinderei, Bubenstreiche, . die das Blatt als Heldentaten hinstellt. In dem Artikel wird erzählt: 5 „Hier(in Jena) waren im Hotel zum Bären“ einige Franzosen aufgenommen worden. Die hiesige Studentenschaft forderte den Wirt auf, die Franzosen aus dem Hause zu weisen. Als der Wirt der Aufforderung nicht entsprach, zogen die Studenten geschlossen vor das Hotel und erzwangen die Abreise der Franzosen. Zu Hun⸗ derten standen dabei die Studenten vor dem Hotel und zogen dann gemeinsam mit der Polizei und den Franzosen, die in Schutzhaft ge⸗ nommen worden waren, nach der Wache. Bei der Abfahrt wieder⸗ holten sich die Kundgebungen. Eine nach Tausenden zählende Menge hatte sich vor dem Polizeigebäude eingefunden, um den Franzosen das„Geleit“ nach dem Bahnhof zu geben. Ungeschickterweise hatte die Polizei für die Fronzosen einen Wagen bestellt. Die Menge ließ aber nicht zu, daß die Franzosen zum Bahnhof ge⸗ fahren wurden. Sie veranlaßten diese pfelmehr auszusteigen und ihr Gepäck selbst zu tragen. Die Studenten zogen geschlossen bis zum E und sangen nattonale Lieder und gaben so den Frauzosen in deutlicher Weise die deutsche Meinung kund. Am Bahnhof wur⸗ den die Franzosen gezwümgen, Fahrkarten 4. Klasse nach Wiesbaden 10 ssenem Zuge zum Hotel„Schwarzer Bär“ zursick. Hier wurde der Wirt gezwungen, vom Balkon des Gasthauses eine Erklärung abzugeben, daß er künftig in seinem Gasthofe nicht wieder feindliche Ausländer übernachten ließe. Auch hierauf folgten wieder nationale Kundgebungen.“ Welche Heldenhaftigkeit! Was für„Mut“ gehört für Hunderte senatischer Jünglünge dazu, ein paar wehrlose Leute zu drang⸗ salferen! Dabei kann man noch gar nicht wissen, ob die Franzosen nicht etwa Sympathie für Deutschland hegten, die ihnen bei dieser Gelegenheit gründlich ausgetrieben worden ist. Auf anderer Seite werden alle Anstrengungen gemacht, um ausländische Gäste in unsere deutschen Bade⸗ und Erholungsorte heranzuziehen! Solche alberne, 4 rohe Bübereien, die Deutschland nur empfindlich schädigen können, finden den Beifall des Friedberger Bündlerblattes! b 3 85 000 Mark für ein Zwanzigmarkstück. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt vom 19. ddieses Monats ab bis auf weiteres zum Preise von 85 000 Mark für ein Zwanzigmarkstück. 45000 Mark für gin Zehnmarkstück. Für ausländische Goldmünzen werden entsprechende ge⸗ — — — — Preise zahlt. Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank * 15 Post erfolgt vom 19 dieses Monas ab bis auf weiteres zum d 11500 fachen Betrage des Nennwertes. W.— Lichtbilber⸗Vortrag. Der sozialdemokrotische Wahlver⸗ tern Gießen veranstaltet morgen, Sonntag abend 8 Uhr, einen Licht⸗ 75 bildervortrag über das Thema„Voll in Not.“ Die Parteifreunde g werden nochmals darauf ausmerksam gemacht und gebeten, für zahl⸗ reichen Besuch zu sorgen. 1— Auszahlung der Militärrenten für März durch das Postamt. 7 Die Militärrenten für März werden am 26. Februar in der Zeit amn von 7½ vorm, bis 1 Uhr nachm. und von 2 bis 7 Uhr nachm. ge⸗ zahlt. Außer den Monatsquittungen für März sind die amtlichen Bescheinigungen auf den besonderen Vordrucken vorzulegen. Die Be⸗ scheinigungen dürfen vor dem 26. von den Behörden nicht voll⸗ zogen sein. 0— Deffentliche Impfungen. Wie aus einer Bekanntmachung des ll Oberbürgermeisters im heutigen Blatte ersichtlich ist, wird am Mitt⸗ 5 woch, den 28. Jebr. in der Turnhalle der Stadtmädchenschule ein 1 öffentlicher Impftermin abgeholten. Wir machen auf die Be⸗ kanntmachung aufmerksam. * 14— Abhanden gekommene Postpakete. Wie wir hören ist die Zahl 0 der aus dem besetzten Gebfet nach dem übrigen Daeutschland ver⸗ sliendten und verloren gegangenen Pokete außerordentlich groß. Beim 1 1 1 Postemt Gießen fehlen allein 2500 Pakete, von denen nur die Adreß⸗ l* karten angekommen sind. Von den Franzosen sind, wie berichtet, . verschiedentlich Postzlige engehalten und die Postsachen beschlag⸗ 175 mahmt worden; möglich ist aber auch, daß ondere Elemente das all⸗ 1 gemeine Durcheinander zu Raubzigen auf Eisenbahnzsige benützen. „ Jedenfall⸗ ist empfehlenswert, vorläufig den Paketverkehr mit dem 1 besetzten Gebiet auf das Notwendigste zu beschränken. 1— Stadttheater Gießen. Morgen nachmittag kommt Schönherrs „Weibsteufel“ zur Aufführung. Das Schauspiel wurde im vorigen Jahre im der gleichen Besetzung: Rose Ruhner, Teleky und Felgel egeben, es erzielte damals starken Eindruck, der auch jetzt nicht ausbletben wird.— Flir den Abend fteht eine neue Operette „Meine Frau das Fräulein“ auf dem Spielplan. 1 egen e des Pühnengolksbundes hat am kom⸗ stag, den 26. Februar, ihre zweite Vorstellung der Die Mitglieder seien auf das Juserat in unserer gabe gufmerksam gemacht, wonach nicht pünktlich ab⸗ n freihändig verkauft werben, 7 1 5 er Konzertverein veranstaltet morgen, Sonntag 79970 1 7 75 Aula der Universität sein 8. Konzert das Berliner Vokalterzelt auftreten wird, nicht unbekannt ist. zu kaufen Nach der Abfahrt der Franzmänner ging es wieder in — Der Konsumverein Gießen und Umg, hatte am 18. Februar den Genossenschaftsrat zu einer Vollversammlung berusen. Alle Verteilungsstellen waren vertreten. Der Geschäftsführer Diener gab elnen eingehenden Bericht über die ersten 6 Monate des laufenden Geschäftsjahres. Daraus ist zu entnehmen, daß 5 neue Verteilungsstellen aufgemacht wurden sodaß der Verein jetzt 32 im Betrieb hat. Dem Verein schlossen sich in der Berichtszeit weitere 2524 Familsien an. Vom 1. Jult 1922 bis 31. Dezember 1922 betrug der Um⸗ satz 20 485 660,93 Mk. In derselben Zeit des Vorjahres 11 605 088,85 Mk. Im Monat Januar 1023 wurden 205 044 404,10 Mark Umsatz erzlelt. Demnach beträgt der a in den ersten 7 Monaten des lauselbden Geschäftsjahres 475 530 6063,03 Mark. Nicht gleichem Schritt mit der Umsatzsteigerung hat die Auffüllung der Betriebsmittal gehalten. Manche günstige Glu kaufsmöglichkeit mußte wegen Mangel an flüssigen Mitteln unter⸗ bleiben. Hieraus erklärt sich. daß hin und wieder dieser oder jener wichtige Artikel sehlte und sogar die guten Mitglieder gezwungen waren. in Privatgeschäfte zu gehen und ihren Bedarf zu decken. Bei dieser Gelegenheft mußten sie aber stets die Wahrnehmung machen. daß die Privatgeschäfte das Fordern noch nicht verlernt haben. Soll dieser Uebelstand beseithgt werden, muß der Genossen⸗ schaftsrat weit mehr wie seither mikhelsen, die Anteile hereinzu⸗ bringen. Von den 12 290 Miigliedern, die der Verein zählt. sind bis zum 31. Januar 1923 13 000 000 Mk. eingezahlt. Am 1. Juli 1922 waren an Geschäftsanteil 1066 712 k. vorhanden. In den 7 Monaten wurden also eingezahlt 11033 288 Mk. Gewiß eine recht hübsche Summe, die aber bei weitem nicht mehr aus reicht, auch nur das Allernotwendiagste hereinnehmen zu können; zumal heute fast alle Waren im voraus bezahlt werden müssen. Um dem Genofssenschaftsrat die Notwendigkclt ber weiteren Beschaffung von Betriebsmitteln nachzuweisen. machte der Referent folgende Rechnung auf: 5 Vor dem Kriege betrug der Geschäftsanteil 30 Mk. Für diese Summe konnten wir pro Mitglied auf Vorrgt kaufen resp. bereit⸗ halten: 3 Pfund Kaffee à 1,20 3,60 3 Pak. Zichorje à 0.09 0.27 3 Pfund Zucker à 0.27 0,81 J Pfund Malskafsee à 0,35 105 3 Pfund Butter à 1,40 4,20% 3 Pfund Vohnen 3 0,18 0,54 3 1185 Erbsen à 0,24 0,2 3 Pfund Linsen 4 0.26 0,78 J Pak. Streichhölzer à 0,09 0,27 3 Lab Brot à 0.52 136 3 Pfund Maraa cine à 0,80 2,40 3 Pfund Schmalz à 0,75 2.25 J Liter Salatäf à 1. 3. 3 Liter Rüböl à 0.90 2,70 3 Pfund Salz à 0.10 0,30 3 Pfund Mehl à 0.20 90,60% 3 n Kernseise à 0,34 1,02%¼ 3 Pak. Seifenvulver à 0,15 0,45% 3 Pfund Soda à 0.05 0,15% 1 Stück Seife 0,12% 1 Pfund Gemüsenudeln 0,40% 1 Pfund Suppennudeln 0,36/ 1 Pfund Reis 0,25 ¼ 1 Pfund Gries 0,24% 1 Pfund Graupen 0„15 1 1 Dose Schuhe reme 0,5 10 Stück Zigarren 0,50 ¼ 10 Stück Ezer 0,70%¼ 1 Pfund Marmelade 0,30 Liter Essia e Sa. 30,.— 4 Für dieselben Mengen Waren, die einem Bedarf für ca. 4 Wochen entsprechen, müßton wir heute rund 179 255 Mk. haben. Die Ausführungen wurden mit großem Interesse ver⸗ folgt und verdichteten sich ur folgenden Anträgen: S 2 25 2 2 — 8 2 1 5 2 2 2 — te — 5 — außerordentlichen empfehlen, den Geschläftsanteil von 2000 Mk. auf 10 000 Mk. zu erhöhen. Jeden mat sind 2000 Mk. einzuzahle Anteil in längstens 4 Monaten bezahlt ist. Den glbedern, die dem Beschluß nicht nachkommen werden bei jedem Einkauf 5 Prozent in Aufrechnung gebracht, wofür sie Anteil⸗ marken erhalten. Nichtzahlungsfähige Mitglieder werden be⸗ sonders berücksichtigt. intretende müssen bei der Aufnahme außer der Ehnsch Für Spareinlagen werden ab 1. März 1923 folgende Zinisvergütungen gewährt: Für tägliches Geld 6 Prozent, für halbjährliche Kündigung 8 Prozent, für jährliche Kündigung bis 50 000 Mk. 9 Prozent. für jährliche Kündigung über 50 000 Mk. 10 Prozent. Der Genossenschaftsvat trat den Anträgen einstimmig bei. Die Halbjahresbilanz wurde von dem Kassicrer Günderoth gingehend besprochen Nac den Ausführungen des Redners. be⸗ trugen am 31. Dezember die flüssigen Mittel 5 032 585 Mk. die Spareinlagen 4834 248 Mk., die Waren⸗ und Betriebsbestände nach reichlichen Abschreibungen 58 246 219 Mk., die eigenen Mittel 10 675 641 Mk. Der Grunbbesitz steht' noch mit 202 540 Mk. zu Buch. Die hypothekarische Belastung des Grundbesitzes ist 109 200 Mk. Die Lieserantenschulden betrugen 24 919 045 Mk. An Rlüickveogütung waren bis zum 31. Dezember 1922 13 360 245 Mark bereitgestellt. Die Diskussion, die sich an beide Vorträge anschloß, zeichnete sich durch große Sachlichkeit aus. Alle Diskussions redner erklärten, ihr Bestes dazu beitragen zu wollen, daß die Anträge von der General⸗ versammlung nicht nur angenommen, sondern die Mittel zur Er⸗ haltung und dem weiteren Aufbau der Genossenschaft sofort ein⸗ treiben zu helfen. Die Generalversammlung ist auf Sonntag, 4. März, nachmittags 3½ Uhr festgesetzt, sie findet im Saale des Gewerk- schaftshauses statt. n. Nieder⸗Bessingen. Die Haussammlung flür den Bau eines Kriegerdenkmals ergab 6 Zentner Weizen, 5 Zentner Gerste, acht Zentner Hafer und 47 000.— Mark in bar. Der Gemeinderat wird sich nun in den nächsten Tagen erneut mit der Sache be⸗ fassen. 5 5 2 2 2 N 0 Aufruf an die Betriebsräte und Betriebsobleute! Die Generalversammlung am 11. Februar hat beschlossen: 1. Die Neuwahlen der Betriebsräte in der Woche 19. März bis 21. März vorzunehmen. 2. Alle Betriebsräte und Betriebsobmänner(ganz gleich, wie lange sie amtieren) legen bis spätestens den 19. März ihre Aemter nieder mit der Erklärung, ihre Funktionen bis 8 Tage nach er⸗ folgter Nemwpahl weiter zu versehen. 3. Der Betriebsrat hat dann sofort(spätestens 4 Wochen vor der Wahl, 8 23 B. N. G.) drei Wahlberechtigte als Wahlvorstand zu wählen. 4. Dieser stellt sofort eine Liste der Wahlberechtigten auf, ge⸗ trennt nach Arbeitern und Angestellten. 5. Der Wahlvorstand erläßt spätestens 20 Tage vor der Wahl das Wahlausschreiben. 6. Das Wahlausschreiben muß angeben: a) wo und wann die Wählerliste ausliegt, 3 Tage lang, b) wieviel Mitglieder des Betriebsrates von den Arbeitern und den Angesteslten und 1 e) wieviel Ergänzungs mitglieder für den Arbeiterrat und den Angestelltenrat zu wählen sind, d) bis wann die Vorschlagslisten einzureichen sind(spätestens eine Woche nach Aushang), 0 e) wo die Wer e e dür Einsicht ausgelegt werden, ) wo vor der Wähl die Umschläge für die Stimmzettel in Empfang genommen werden können, vom g 25 und wann die Mähler Umschlag mit Stimmzettel abgeben nnen. Wir empfehlen weiter, möglichst gemeinsame Wahl der Ar⸗ beiter⸗ und Angestellten-Vertreter vorzunehmen. Dies muß aber vorher in getrennter und geheimer Abstimmung der einzelnen Gruppen mit Zweidrittelmehrheit heschlossen werden. Es sind nur gewerkschaftliche Listen mit Angehörigen des All⸗ gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Afa⸗Bundes auf⸗ zustellen. Angehörige anderer gewerkschaftlicher Richtungen sind nicht auf unsere Listen zu nehmen. Wir er suchen die Gewerkschaftsgenossen, in den Betrieben keine politischen Listen nach Parteien aufzustellen und unter keinen Um⸗ ständen sosche zu unterstützen, damit Einheitlichkeit bei der Wahl gesichert ist. Merkblätter über das„Wahlrecht und Wahlverfahren den Betriebsräten“, sowie Muster für Wahlausschreiben sind bei unserer Zentrale in Gießen, Krednerstraße 33, zu haben. Die Kosten des Mahlperfghrens tragen nach dem 822 der Wahlverordnung die Arbe stergeber. Auf zur Wahl! Alle Vorbereitungen dell Wahret die Geschlossenheit aller freigewerkschaftlichen Arbeiter und Angestellten! 5 Der Vollzugsrat. J. A: Moosdorf. Müller. Kleine Nachrichten. Liebevoller Ehegatte. Vor dem Hancuer Schwurgericht wurde Montag gegen den landwirtschaftlichen Arbeiter August He un aus Rengersfeld wegen Giftmorbversuchs, begangen an seiner Ghefrau, verhandelt. H. hatte seiner von ihm getrennt lebenden Frau zweimal eine Dosis Strychnin als Kopfwehpulver ver⸗ abreicht, in der Absicht, sie zu vergiften. Das Urteil lautete unter Ausschluß mildernder Umstände auf 4 Jahre Zuchthaus und 6 Jahre Ehrverlust. 15 Jahre Zuchthaus für ein Eisenbahnattentat. Vor dem Lüneburger Schwurgericht hatten sich gestern der 19jährige Hans Joschko, der 22jährige Kirschle und der gleichaltrige Thurau wegen des Eisenbahnattentats vom 18. November 1022 in der Nähe von Radbruch zu verantworten. Zwei der drei Angeklagten, die durch Lösung und Auseinanderbiegen von Eisenbahnschienen den D⸗Zug zum Entgleisen bringen wollten, erhielten 15 Jahre Zucht⸗ haus, der dritte Angeklagte 12 Jahre Zuchthaus. Furchtbare Strafe für einen Dummejungenstreich. Die Arbeiter Eckstein und Göbler hatten das Bismarckdenkmal auf der Rudelsburg beschädigt. Für diese bedauerliche Ausschreitung wur⸗ den sie von der Strafkammer Naumburg zu Zuchthaus⸗ strafen bis zu drei Jahren verurteilt. Bezirts verband S. P. D. Hessen⸗Nassau. Sitz Fraukfurt a. M., Allerbeiliaenstr. 57, 1., Tel. Sausa 8441 Frankfurt a. M., den 24. Februar 1923. An die Mitglieder der Partei! Genossinnen und Genossen! Die immer noch anhaltende Teuerung hat auch den Bezirks vor⸗ stand veranlaßt, für den Monat März eine Neuregelung der Partei⸗ beiträge vorzunehmen. Uns selbst würde es angenehmer gewesen sein, wenn wir von dieser Maßnahme hätten Abstand nehmen kön⸗ nen, doch die Verteuerung aller für einen geregelten Organisations⸗ betrieb notwendigen Gebrauchsgegenstände, sowie die Erhöhung der Agitationsunkosten, Gehälter der Angestellten usw., machen es uns zur Pflicht, erneut die Beiträge der eingetretenen Teuerung ent⸗ sprechend anzupassen. Wir sind fest davon überzeugt, daß unsere Mitglieder sich auch weiterhin für die notwendige Durchführung ein⸗ setzen, denn sonst sehen wir keine Möglichkeit, so wie bisher all das zu tun, was im Interesse des schaffenden Volkes politisch notwendig ist.— So beträgt der Beitrag für den Monat März für Männer 150 Mk. und für Frauen 50 Mk. pro Woche. Das Eintrittsgeld beträgt die gleichen Beträge. Mit diesen erhöhten Einnahmen sind wir trotzdem nicht in der Lage die notwendigen Ausgaben voll zu decken. Eine höhere Be⸗ messung erscheint aber im gegemwärtigen Augenblick nicht durchführ⸗ bar. Deshalb appellieren wir an die Mitglieder und besonders an die Vorstände der Ortsgruppen, durch freiwillige Sammlungen wei⸗ tere Gelder für die Bezirkskasse aufzubringen und auch von den in den Ortsgruppen vorhandenen lokalen Geldern freiwillig möglichst größere Beträge an die Bezirkskasse abzuliefern. Nur so fürn wir für den Monat März unsere Verpflüchtungen erfüllen. Unsere Genossen sollen bedenken daß die Gelder, die in den Ortsgruppen als sogenanntes„lokales Vermögen“ liegen bleiben, durch die ständige Entwertung des Geldes sich verringern und dadurch wertlos werden. Dagegen kann die Bezirkskasse unter Zuhilfenahme dieser lokalen Gelder ihre allgemeinen Verpflichtungen erfüllen. Mögen unsere Ortsvorstände den Ernst der Zeit auch auf diesem Gebiete er⸗ kennen und einmal über das Interesse der einzelnen Orsgruppen hinwegsehen und das gesamte Interesse der Partei dabei im Auge behalten. Im übrigen bitten wir die Ortsvorstände, sofort zur Bei⸗ tragsregelung Stellung zu nehmen und alles aufzubieten, damit keine Mitglieder der Partei wegen dieser, durchaus bescheidenen Beitrags⸗ anpassung, verloren gehen. Die Treue zur Parteiorganisation wie zur Parteizeitung in dieser schweren Zeit aufrecht zu erhalten, das ist das höchste Gebot jedes überzeugten und vorwärtsdenkenden So⸗ zialisten und Gewerkschaftlers. Darum Genossinnen und Genossen in Stadt und Land, tut alles. was im Interesse der Partei liegt. Bleibt bie Partef stark und ein⸗ flußreich, dann ist auch für die Zukunft Gewähr geboten, daß wir, wie bisher, rückhaltlos Eure Interessen im Reich, in Staat und We⸗ meinde vertreten können. Hoch dir Solidarität! Hoch die Geschlossenheit! Der Bezirksvorstand, i. A.: Paul Röhl e. Mit Parteigruß! — Sport Betreff: Protestausgang in der Sache Schiedsrichterbeleidigung durch (hungen bei dem Spiel Hungen 1 gegen Lollar I. Urteil gefällt am 11. Febr. 1923 in der Sitzung des geschäftsführen⸗ den Ausschusses in Gießen. Es liegt nicht in meiner Absicht, dem geschäftsführenden Aus⸗ schuß in irgend einer Weise nahe zu treten, ich möchte nur einige Worte zu obiger Angelegenheit äußern. Ich will ja als Zeuge(habe die Sache zufällig aus der Nähe beobachtet) durchaus nicht in Abrede stellen, daß sich der in Frage kommende Spieler anders ausdrücken oder den Ausbruch der Em⸗ pörung ganz für sich behalten konnte, aber eine solche Strafe, wie die vom Ausschuß verhängte, ist nach meiner Ueberzeugung zu hart. Von einer Disqualifikation konnte überhaupt abgesehen werden, zu⸗ mal bei einem Spieler eines jungen Vereins wie der Sporf⸗Club „Frei Heil“ Hungen. Daß sogar der Name des„Verurteilten“ ver⸗ öffentlicht wind, ist ungerecht. Der Verein wird dadurch mit seinen Spielern in ein ungünstiges Licht gestellt; die Einigkeit wird dadurch wahrlich nicht gefördert. Ich selbst, ein alter Beobachter und Förderer der Arbeiter⸗Sport⸗ bewegung, möchte dem zu Gericht sitzenden Ausschuß noch empfehlen, solche Verfehlungen nicht allzu kragisch zu nehmen. Die Spieler da⸗ gegen sollen sich bei Spielen vor Augen halten, wer, und wo sie sind, und sich, wenn es nicht nach Wunsch geht, nicht zu Grobheiten hin⸗ reißen lassen, oder gar dem Schiedsrichter„Fremwörter“ an den Kopf werfen. H. S. Brieffasten. H. M.⸗Langgöns. Die neuen Sätze der Erwerbslosen⸗Für⸗ sorge sind aus der heutigen Nummer ersichtlich. 1 Der Dollarstand ist unverändert. Stand gestern mitkag — Dr: A 280023 000 Mk. 0 Hehütdli e Bckaunknachuugen Bekanntmachung. Am Mittwoch, den 28. Februar 1923, nach⸗ tags 3 Utzr, wird in der Turnhalle der Stadt⸗ mädchenschule, Schillerstraße 8, ein öffentlicher Imp ftermin bgehalten, in dem diejenigen Angehörigen von Impf⸗ fichtigen, die Aufforderung erhalten hab en, ihre inder kostenlos impfen lassen können. Zu dem Termin daben nur solche impfpflichtige Kinder zu erscheinen, die im Jahre 1921 und früher geboren sind. Rückstäudige Impfpflichtige, deren Zurückstellung aus gesundheitlichen Gründen gewünscht wird, können in dem Termin dem Impfarzt vorgestellt werben. Die Kinder müssen rein gewaschen oder gebadet fand mit frischer Leibwäsche versehen zur Impfung ge⸗ bracht werden. In dem darauffolgenden Termin, Mittwoch, den 2. März 1923, nachmittags 3 Uhr, sind die am 28. Februar Geimpften zur gesetzlichen Nachschau wieder vorzustellen. Gießen, den 22 Febrnar 1923. Der Oberbürgermeister. J. B.: Krenzien. Bekanntmachung. Durch Beschluß der Stadtverordneten⸗Versammlung vom 15. Februar 1923 ist eine Gebührenordnung für ie Erteilung der Erlaubnis zum Handel mit Lebeus⸗ und Futtermitteln, der besonderen Erlaubnis zum Handel mit Kartoffeln, sowie der Erlaubnis zum Kleinhandel mit Frischfleisch sestgesetzt worden. Die Gebührenordnung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Interessenten können die Gebührenordnung bei der sstäbtischen Handelserlaubnisstelle, Asterweg 9, während der Geschäftsstunden von 8—1 Uhr und 3-6 Uhr insehen. Gießen, den 20. Februar 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Bekanntmachung. ö Infolge der außerordentlichen Steigerung der Preise 1 1 für Kohlen, Löhne usw. sind die Strompreise wie folgt erhöht worden: für Beleuchtung Mk. 850.— für die K wh. „Kraft C 0 Die Strompreise werden monatlich berrechnet und veröffentlicht und kommen für den verflossenen Monat ab 1. März 1923 zur Erhebung. 5 Gießen, den 23 Februar 1923. Direktion der Elettrizitätswerke und e e der Stadt Gießen. to lte. Bekanntmachung. 0 Die Fahrpreise der Straßenbahn sind ab 24. Febr. d. J. wie folgt sestgesetzt: Für eine Fahrt bis zu 9 Teilstrecken 70 M. Für eine Fahrt von mehr als 9 Teilstrecken 100 M. Fahrscheinheslchen enthaltend 12 Fahrscheine gültig für je 9 Teilstrecken „Fah rscheinheftchen enthallend 12 Fahrscheine 0 gültig für mehr als 9 Teilstrecken Das Mongtsabonnement beträgt Das Monatsabonnement für Kinder, Schüler, und Schülerinnen bis zum vollendeten 14. Lebensjahre beträgt Gießen, den 23. Februar 19233. Direktion der Elektrizitätswerke und eee Stadt Gießen. tolte. Arbeitsvergebung. Die nachstehenden Arbeiten zur Erbauung von Wohnbaracken in der Kaiserallee sollen Freitag, den 2. März ds. Is., vormittags 10 Uhr öffentlich vergeben werden. 1. Dachdeckerarbeiten. 2. Spenglerarbeiten. J. Herstellung von Zementdielenwänden. Urbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen, und sind Angebote rechtzeitig abzugeben. Zahlungssfrist 3 Wochen. Gießen, den 22. Februar 1923. Stadtbauamt Gießen. J. V.: Braubach. Städt. Arbeitsamt Gießen Liebigstraße 16 Telephon 2054 Kostenlose Arbeitsvermittluug und Berufsberatung für beiderlei Geschlecht, u. a. auch für Kriegerwalsen und Kriegsbeschädigtenkinder. Es können eingestellt werben: a) dei hlesigen Acbeltgebers: 1. Provisionsreisender, 1 Werkzeugmacher Schnitt und Stanzen. Lehrlinge: 2 Friseure, 1 Bäcker, 2 Lackierer, 1 Einrahmer, 2 Scmiede, 2 Gärtner, 1 Schriftsetzer, 1 Maler und Weißbinder, 1 Glaser, 1 Meßger, ein Buchbinder, 2 Spengler und Justallateure, 2 Kellner, 1 Schneider. d) bet auswärtigen Arbeitgebern: 1 landwirtschaftlicher Kuecht, Im. Hauer, 1 verheirate⸗ ter Knecht, 3 Dreher, 2 Sattler und Polsterer, 1 verh. Gutsgärtner. Lehrlinge: kallateur. — 1875 M. auf Steinmetz, 1 Spengler und In⸗ Es suchen Arbeit: Schristseher, Buchdrucker, 2 Schreiner, Kaufleute, Schreiber und Reisende, Packer, Hausburschen und Ausläufer, Maschmenschlosser, Bauschlosser, Schug⸗ macher, 1 Krankenpfleger, 1 Sattler, 1 landw. Verwalter, Bäcker und Metzger, 2 Kellner, 1 Kraftfahrer, 1 Buch⸗ binder, Mechautker, 1 Heizer, 1 Wagner, mehrere Anstreicher, 3 Weißbinder, 1 Konditor, 2 Bautechniker, 1 landwirtschaftl. Verwalter, 1 Maschinenbaupraltikant, 1 Zahntechuiker, 3 Schneider. Lehrlinge: 1 Kaufmann, 2 Autoschlosser, 2 Schlosser, 1 Spengler, 3 Mechaniker, 3 Elettromon⸗— teure, 2 Schuhmacher mit Kost und Wohnung, 1 Schreiner desgl., 1 Schneider. Welegenhests arbeiten werden ebenfalls entgegen⸗ Ohh Se c mori Wesctu Slelctru Gh αι eSHHH et in alter bewshrter Güte! geeignet für alle Arten von Wäsche. alnelgiqe rtersteler: MERKEN A c., dvüss gte,, Ser queren„NENKOV OGerurels Wasscr e rule matstoss fdr i Origins HEAT Deinbrand kauft zu den höchsten Kursen ferteler: Anton Küchler, Giessen, fracbiurale 5 Telelon 1073„ Brillanten, Gold, 8 Platin, Perlen, Bestecke, Tafelgeräte, Alte Münzen, Schmuck jeglicher Art, Brennstifte, Gebisse, N n Silber, 5 4 8 42 1300 Ellelmetall- und Edelstein- Zentrale Inhaber: R. Russ, Bad- Kreuznach, Filiale Giessen, Hotel„Lenz“, Tel. 151. Dr Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. 2 E. G. m. b. H. Tages⸗Ordnung: Fr. Vetters. Tonlam Jerein Aiegen u. Ang Sonntag, den 4. März 1923, nachm. 3½ Uhr findet im geheizten Saale des Gewerkschaftshauses die Halbjahres⸗General⸗Versammlung statt, wozu wir unsere verehrlichen Mitglieder freundl. einladen. 1. Bericht über das abgelaufene 1. Geschäftshalbiahr 1922/2. 5 a ee 5 U fiaelde Faß halten § 10 Ziffer 1 soll folgende Fassung erhalten: Nach erfolgter Aufnahme ein Eintrittsgeld von Mk. 300 statt seither Mk. 50.— Ziffer 1; f 3 Der Geschaftsanteil, d h. der Betrag, mit welchem sich jeder Geuosse zu beteiligen hat, wird auf Mk. 10 000.— festgesetzt, statt seitber Mk. 2000.— 3. Beratung und Beschlußfassung etwaiger einlaufender Anträge. Für den Autfsichts rat: 1308 eee und Apolhel. Ar und Aposheken. * Ne wer zum Süßen von Speisen, Getränken usw. sowie zur Bereitung von Kompotten oder zum Einkochen von Obst usw. 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FT ˙ A Weibliche Abteilung: Es können eingestellt werden: 1 a) bei biesigen Arbeitgebern: Madchen für tagsüber, Dienstmädchen, Lauffrauen und ⸗mädchen für einzelne Tage, tüchtige Allein⸗ mädchen, einfache Stützen, 1 Köchin, 1 Schä testepperin, mehrere Waschsrauen, 1 Zimmermädchen b) bei auswärtigen Arbeitgebern: 3 landwirtschaftliche Dieustmädschen, Dienstmädchen, Hausmädchen, Zimmermädchen, alleinmädchen, eine Köchin, 1 Stütze, 1 Haushälterin 3 Es suchen Arbeit: 1 Büglerin, Kontoristinnen, 1 Flickerin, drei Verkäuferinnen, 1 Haushälterin, auch für Nachmittagsbeschäftigu über, Fabrikarbeiterinnen, 1 1 Schneiderinnenlehr mädchen, 4 emige Vauffrauen, ig, Mädchen für lags⸗ genommen. ßen Lichtspielhaus Bahnhofstrasse 34 Samstag und Sonntag Das grosse Drama 0 Der Hrennendg dle, rener E 1. Ab Montag: 1309 Aut tausendfachen Wunsch nochmals: Der RBheinfilm begleitet von Gesüngen rhein. Lieder. in einem glänzenden Lustspiel. Schüler vor 6 Uhr ermässigter Zutritt. Anfang ½4, 6 und 8/ Uhr. 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Die Verhältnisse haben sich in den letzten Jahren so geändert, daß * die Aufrechterhaltung der Technischen Nothilfe nicht erforderlich ist. Um so weniger als die Gewerkschaften sich be⸗ weit erklärt haben, die Notstandsarbeiten in den lebenswichtigen Be⸗ trieben zu verrichten Die Techmwische Nothilfe beunruhigt die Ar⸗ beiter; sie ist ein Unterschlupf für reaktionäre Elemente und wird zꝛs!ur Bekämpfung der Republik mißbraucht. Wie die Thüringer Re⸗ gierung zeigt, ist es möglich, durch entsprechende Vereinbarungen mit den Gewerkschaften die Technische Nothilfe zu entbehren. Der 0 Reichsinnenminister Dr. Oeser machte sich selbstverständlich diesen sozbaldemokratischen Standpunkt nicht zu eigen.— Der Etat der Not⸗ hilfe wurde mit allen Sti'amen der bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die zweite Beratung des Haushaltsplans für das Reichswehrministerium 1 wurde mit einer gewissen Spannung erwartet. Schon zu Beginn der Sitzung hatte der Kommunist Bartz unter Hinweis auf Veröffent⸗ lichungen in der Roten Fahne von der Reichsregierung Aufklärung ö verlangt, ob es richtig sei, daß reaktionäre Banden bewaffnet wür⸗ 1 den. Der Reichswehrminister hatte das in einer kurzen Bemerkung als erlogen bezeichnet. 1 Unter großer Aufmerksamkeit des Hauses entwickelte Genosse 1 Schöpflin unsere Stellung zur Reichswehr. Seine sachlichen 0 Darlegungen, die zwar schärsste Kritik an Mißständen übten, aber auch anerkannte, was Gutes geleistet worden ist, machten im ganzen 1 Hause offensichtlich starken Eindruck. Genosse Schöpflin fand sehr entschiedene Worte gegen das nationalistische Treiben, gegen das verbrecherische Spiel mit dem Gedanken eines Krieges gegen Frankreich, gegen all den Unfug, der sich zurzeit in Deutschland breitmacht. Er verlangte, daß die Reichsregierung nun endlich in, anergischer Weise gegen diese außen⸗ und innenpolitischen Gefahren ünschreitet.— Reichswehrminister Geßler antwortete sofort. Er hatte dies⸗ mal mit seiner Rede wenig Glück. Inhaltlich war sie gar nicht so übel, aber die nervöse Art, in der er sprach, legte ihm mißverständ⸗ iche Ausdrücke in den Mund, die zeitweise nicht nur bei den Kom⸗ uniestn, sondern auch in unserer Fraktion Verwunderung und Ent⸗ rüstung hervorrief. Der Wehrminister erklärte, daß die Reichs⸗ regierung gegen alle Organe der Reichswehr, die nicht der Politik der Regierung dienen wollen, in der schärfsten Form vorgehen werde. Wer in dem entwaffneten Deutschland daran denke, Frank⸗ reich anzugreifen, sei verrückt. Die blühendsten Teile Deutschlands würden einem solchen kriegerischen Abenteuer als Kriegsschauplatz mum Opfet fallen. Es gäbe allerdings 5 viele Verrückte in Deutschland. Eine Bemerkung, die in dieser Form sicher unstatthaft ist und bis u einem gewissen Grade eine Verletzung des Volksempfindens dar⸗ tellt. Demonstrativen Beifall, der sich zum Händellatschen steigerte, erhielt der Reschswehrminister bei der Stelle seiner Rede, die sich dagegen wandte, daß das deutsche Volk inmitten einer waffen⸗ starrenden Welt entwaffnet sei. Das werde sich kein Volk auf die Dauer gefallen lassen. In der Erregung, mit der Geßler sprach, hatte das so geklungen, als mache er den Revancheschreiern gewisse Zuge⸗ ständnisse. Die Fortsetzung seiner Rede zeigte zwar, daß diese Mei⸗ mung irrig ist, aber es entstand doch zunächst ein peinlicher Eindruck. Ueber die Verhandlungen, die wegen der illegalen Organisationen zwischen dem Reichswehrministerium und anderen Regierungsstellen des Reiches und Preußen stattgefunden haben, ließ sich der Minister um Einzelnen nicht aus. Aber es war doch zu spüren, daß er die Gefahr, die von den illegalen Organisationen droht, sehr ernst ein⸗ schätzt und es gilt also für die Arbeiterklasse, äußerste Wachsamkeit zu üben. Festhalten wollen wir noch die Bemerkung des Wehr⸗ ministers, daß die Reichswehr keinen sehnlicheren Wunsch habe, als daß der passive Widerstand an der Ruhr zum Erfolg führen mõ U U 0 e. Am Freitag steht u. a. die zweite Lesung des Notgesetzes auf der 4 Erust Ludwig will Geld. 0 8 „Nur“ 12 Milliarden. ua el Wie bereits kurz berichtet, haben am Mittwoch im * Jinanzausschuß des Landtags die Vertreter der Sozialdemo⸗ kratie und der Staatspräsident namens der Regierung Ver⸗ 9 wahrung gegen die Beratung eines eben erst eingebrachten u Antrags der Bauernbündler, der Volkspartei und des Zen⸗ trums eingelegt, durch den die Bestimmung über die Ab⸗ Ludwig selbst und sein am 10. November v. J. an das Ge— samtministerium gerichteter steht, ist eine Ungeheuerlich⸗ keit und— noch dazu in dieser bittersten Notzeit des Volkes — eine fast unfaßbare Herausforderung, die nicht im ge— ringsten dadurch abgeschwächt wird, daß es dem Ex⸗Groß herzog nicht mehr infolge der Geldentwertung möglich ist, seine„Hof“⸗Beamten auszuzahlen. Der Antrag hat folgen⸗ den Wortlaut: „Nach§ 10 der Vereinbarung soll die Staatskasse an den frühe⸗ ren Großherzog an Stelle aller Ansprüche, die ihm und seinem Hause seither zustanden insbesondere zur Bestreitung der Kosten für die von ihm weiterhin zu unterhaltenden, nicht in§ 5 genannten Beamten und Bediensteten, sowie zur Bestreitung der sonstigen auf der bisherigen Zivilliste ruhenden Lasten bis auf weiteres einen jährlichen Betrag von 440 000 Mk., in Worten Vierhundertvierzig⸗ tausend Mark, zahlen. Diese Summe wird in Monatsraten von 36 666 Mk. seit 1. April 1919 bis heute unverändert gezahlt. Es ist offensichtlich, daß dieser Betrag infolge der Geldentwertung für seine vertragsmäßige Bestimmung nicht mehr ausreicht. Am 10. November 1922 hat sich der Großherzog an das Gesamtministerium unter Vor⸗ behalt aller weitergehenden Rechte mit dem Antrag gewandt: „1. Von dem Betrag von 440 000 Mk. wird das für die Be⸗ amten und Bediensteten bestimmte Viertel mit 110 000 Mk. im' Verhältnis der Durchschnittserhöhung der Gehälter der Staats⸗ beamten der Gruppen 1—10 mit Wirkung vom 1. April 1919() gleitend erhöht. 2. Die Ruhegehalts⸗ und Hinterbliebenenversorgung der am 1. April 1919 im Dienst des Großherzogs dekretisch angestellt ge⸗ wesenen Beamten wird nach den für die Staatsbeamten geltenden Grundsätzen vom hessischen Staat übernommen. 3. Die für die gesamten übrigen Bedürfnisse des Großherzogs und seines Hauses bestimmten drei Viertel von 440 000 Mk. mit 330 000 Mk. werden im Interesse ihrer Zweckbestimmung gegen die Schwankungen ihrer Kaufkraft dadurch zu sichern versucht, daß dafür dem Großherzog Wald und sonstiger Grundbesitz bei Romrod im Friedenswert von 8,25 Millionen Mark, oder nach dem heutigen Goldkurs g ö 12 Milliarden 375 Millionen Papiermark übereignet wird. Bis zur Einigung über diesen Grundbesitz urs dessen Uebereignung werden die 330 000 Mk. im Verhältnis der Durchschnittserhöhung der Einzelgehalten der Staatsbeamten mit Wirkung vom 1. April 1919 gleitend erhöht.“ N Unter Hinweis auf diesen Antrag hat die Regierung(2) am 14. Dezmber 1922 dem Landtag bereits selbst einen Antrag auf Er⸗ höhung der Bezlige des Großherzogs unterbreitet; dieser Antrag kam jedoch in der Sitzung vor Weihnachten nicht mehr zur Ver⸗ handlung. Inzwischen ist die Geldentwertung derart fortgeschritten, daß eine unverzügliche entsprechende Erhöhung der Bezüge aus Rechts⸗ und Billigkeitsgründen dringend geboten erscheint. Der obengenannte vom Großherzog an das Gesamtministerium gerichtete Antrag vom 10. November 1922 entspricht lediglich dem Sinn und Zweck der am 1. April 1919 in Kraft getretenen Vereinbarung. Die damaligen Ausgaben für die Beamten und Bediensteten, die nicht nach§ 5 der Vereinbarung in den Staatsdienst oder Ruhestand traten, betrugen rund ein Viertel von 440 000 Mk.= 110000 Mk. Die jeweils notwendig werdenden Ausgaben für diese Beamten und Bediensteten sollen durch Ziffer 1 des Antrages ensprechend der in 8 1 der Vereinbarung festgelegten Verpflichtung gewährleistet werden. Die in Ziffer 2 des Antrages erstrebte Uebernahme der Ruhe⸗ gebalts- und Hinterbliebenenversorgung erscheint im Interesse der Zukunft dex fraglichen Beamten und ihrer Fa nelien notwendig, zumal die Kapitalien der Hofdienerwitwenanstalt größtenteils vom Staat übernommen wurden und der verbliebene Restbetrag im Kurswert von 250 000 Mark für die lamfenden Bezsige einer ein⸗ zigen Witwe mit einem Kind bereits in den nächsten Monaten aufgebraucht sein wird so daß die Beamten vor dem unverschulde⸗ ten Verlust ihrer wohlerworbenen Rechte bewahrt werden müssen. Auch die in Ziffer 3 beantragte Regelung hält sich im Rahmen dec Verembarung, da der Großherzog keinerlei Möglichkeit hatte, über die ihm zugedachte Abfindungssumme zu versügen und diese sowie deren Ertrag etwa durch Anlage in Grundbesitz vor der Gelbentnertung zu bewahren. Endlich stellen— abgesehen von den sonstigen vom Staat übernommenen hohen Wertobjekten— die Domänen mit deren Besitz und Nutznießung die vorzugsweise Verpflichtung, den gesamten standesgemißen Unterhalt des Groß⸗ herzogs und seines Hauses zu gewähsleisten, untrennbar verbun⸗ den ist, beute ein Milliardenvermögen dar, dessen Erträgnisse trotz der Geldentwertung und gerade durch sie so ungeheuer gestiegen 5 15 daß die Genehmigung des Antrages schon eine Anstandspflicht ist. N Wir beantragen deshalb, der Landtag wolle beschließen, den obengenannten von dem früherem Großherzog an das Gesamt⸗ ministereun, gerichteten Antrag vom 10. November 1922 zu ge⸗ nehitigen.“ 8 Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die schaften gemeinsam beteiligt sind. schärfsten Kampf mit allen Konsequenzen führen werden. Auch die Drohung mit der Beschreitung des Rechtsweges wird daran nichts ändern. Wir sind zwar von den Richtern des Hessischen Oberlandesgerichts allerhand gewöhnt(siehe das gestern abgedruckte Urteil gegen einen Mieter wegen Nichträun ung der Wohnung), aber man muß es darauf an⸗ kommen lassen, ob es der ehemalige„Landesvater“, der ja bekanntlich vor Liebe zu Volk und Land sich gar nicht zu fassen weiß, fertig bringen wird, in dieser Zeit, wo Hundert⸗ tausende hungern und Tausende von Kindern sterben, wo der Staat am Ende seiner Leistungsfähigkeit angelangt ist und die Gemeinden zusammenbrechen, durch seine Klage vor Gericht das Finanzelend des Staats noch zu verschärfen, und man muß es darauf ankommen lassen, ob sich Richter finden werden, die dabei helfen wollen, aus dem Elend des Volkes 12 Milliarden Mark zu erpressen. Ganz abgesehen davon, daß die Rechtslage nicht nur nach unserer Aufassung klar und unzweideutig ist. Es ist geradezu ein Skandal, wenn Herr v. Brabant jetzt für sich eine Pension beansprucht, die das Dreisache des Staatspräsidentengehalts darstellt und wenn er sich nicht nur den Luxus des Hofbeamtenstabs von 1919 leistet, sondern sogar nachher noch Beamte eingestellt hat.(Es sollen rund 30 sein!) Ein sorgsamer Hausvater richtet eben seinen Haushalt nach den Verhältnissen ein und treibt nicht Lurus auf Kosten anderer, hier eines die schwerste Not leidenden Volkes. Die Deutsche Volkspartei und das Zentrum sind sonst in Staatsausgaben die wahrsten Sparsamkeitsfanatiker (man denke an die Angriffe auf die„hohen“ Minister⸗ gehälter), hier aber wollen sie mit vollen Händen das knappe Geld des hessischen Volkes verpulvern. Haben die Herren, die so sehr nach der großen Koalition schreien, auch nur einen einzigen Augenblick bedacht, welche politische Folgen es haben wird und muß, wenn mit Hilfe Mehrheit der Milliardenantrag angenommen wird? Für uns kann es— das kann nicht oft genug betont werden— nur schärfste Opposition mit allen Konsequenzen geben. Man lasse sich warnen!. Am Dienstag setzte unter Protest der Sozialdem. Vertreter und der Regierung der Finanzausschuß die Beratung des Antrags über die Abfindung des Großherzogs fort. Es wurde beschlossen, den An⸗ trag selbst mit dem Abänderungsantrag der Demokraten zunächst der Regierung zur Stellungnahme und juristischen Prüfung zu überlassen und lediglich für die Beamten etwas zu tun. Die Regierung wurde ermächtigt, zur Erhöhung der Bezüge der seinerzeit im Dienste ge⸗ wesenen Beamten einen Vorschuß bis zu 20 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Gegen diesen Antrag stimmten nur die Sozial⸗ demokraten. Die Regierung gab die Erklärung ab, sie könne sich zur Gewährung von Vorschüssen nach der Verfassung nur für ermächtigt halten, wenn ein einstimmiger Beschluß des Finanzausschusses vor⸗ liege. Das ist nicht der Fall. Arbeitsrecht, Gewerkschaltliches, Arbeiterbewegung. Amerikanische Gewerkschaftsbanken. Nach dem Beispiel der Gewerkschaft der amerikanischen Lokomo⸗ tivführer werden in Kürze zwei weitere Gewerkschaftsbanken in New⸗ hork eröffnet werden. So hat der Verband der Vereinigten Arbeiter der Bekleidungsindustrie, Amerikas um die Genehmigung zur Errich⸗ tung einer Bank nachgefucht, deren Aktien sämtlich im Besitz der Mit⸗ glieder der genannten Gewerkschaft bleiben sollen. Diese Gewerk⸗ schaftsbank wird mit einem Grundkapital von 200 000 Dollar ins Leben gerufen. Des weiteren wird unter der Firma„Federation Trust Co.“ eine Bank gegründet werden, an der verschiedene Gewerk⸗ Diese Gründung von Arbeiteror⸗ ganisationen aus allen Industriezweigen wird mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar arbeiten und zunächst 7 Filialen in verschiedenen Teilen des Landes errichten. Ueber die Bankpläne der Lokomotivführergewerkschaft wird jetzt weiter bekannt, daß die 90 000 Mitglieder zählende und seit 50 Jahren bestehende Gewerkschaft einen großen Posten von Aktien der „Empire Trust Company“ erworben hat, und nun drei Mitglieder zum Aufsichtsrat dieser Bank wird delegieren können, in dem Charles M. Schwab, ein Vanderbilt und andere hervorragende Finanziers sitzen. Damit aber nicht genug: die Gewerkschaft hat, wie wir schon berichtet haben, auch eine eigene Bank, die Federation Trust Company gegründet, deren Aktien nur in den Händen ihrer Mitglieder sind. Die Gewerkschaften werden durch diese eigenen Banken in die Lage versetzt, die nach Millionen zählenden Streiksonds, die in anderen 80 5 5 5 925 5 5 5 W 5 Banken liegen, selbst ver zu können. findung des ehemaligen Großherzogs abgeändert werden sozialdemokratische Fraktion und mit ihr die sozialdemokrati⸗ ee e e endlich eine Arbeiterbank 15 4 sollen. Der Antrag, hinter dem ganz unzweifelhaft Ernst ichen Mitglieder der Regierung gegen diese Anträge] schaffen? en 1 1 IT E- EEA N n TTT— 2 2 ee 2 rr 5 1 5 5 54 5 2 9 7 An die Freunde der Oberhessischen olkszeitun 11 ö 6 N b un Die gegenwärtige Teuerungsseuche bringt die Mehrzahl der Zeitungsunter en Verlangt in allen Lokalen, allerorts, wo Ihr ver⸗ 0 nehmungen in immer schwerere wirtschaftliche Krisen. Die Zeitung kaun eben nicht den gestiegenen Produktions kosten mit ihren Preisen folgen. cin Exempel machen, wenn er hört, daß das Papier, der überra ende Teil der . Produktionskosten einer Zeitung, statt 21 Pfennig für das Kilo jetzt 1440.— Mk, Dazu kommt bei allen also das 6850 fache des Friedenspreises kostet. Zeitungen ein wesentlicher Rückgang des Anzeigenteiles, der früher den Hauptpfeiler der finanziellen Tragkraft bildet. t 1 t 0 Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben Formen angen Lage ist, seine Produktionskräfte voll auszun tzen. b 1 seitherigen Erhöhungen in den Schatten stellen. 1. igkeit für die Oberhess. Volls eilung gereicht es micht zur Freude, für Euere Oberhessi Trotzbem: Das Bestehen des Volkszeitungs⸗Unternehmens steht fest. gut fundiertes Unternehmen in Gefahr bringen können, wenn es nicht mehr in der Dazu muß es kommen, wenn Ihr nicht mit dafür sorgt, daß der Abonnentenstand der Oberhessischen Volks⸗ zeitung aufrecht erhalten bleibt und darüber hinaus erheblich erweitert wird— krotz neuer gewaltiger Preisausschläge, die kommen müssen und alle Freunde der Oberhess. Volkszeitung! Wir appellie⸗ ren an Eure Sol darität! Heraus zu allgemeiner Werobe⸗ kampforgan, in schwerer Zeit einzustehen? Welche Arbeit, sei sie auch schwer, gelänge nicht, wenn sie gern und freudig geschieht! 5 h eine wichtige Arbeit, die keiner großen Anstrengung bedarf, keine ordert, können unsere Freunde mit Leichtiakeit erfüllen: Davon wird sich jeder käufern, heute nicht mehr wie ommen, die auch ein 1 Allerorts! sche Volkszeitung, das kehrt, bei allen Friseuren, Kaufleuten, Zeitungsver⸗ Bahnhofsbuchhandlungen Volkszeitung und sorgt für deren Auslage an den genannten Plätzen. Unsere geschätzten Leserinnen bilden auch einen wesentlichen Faktor zur Un⸗ terstützung der Oberhessischen Volkszeitung, indem vor allen Dingen in allen Ge— schäften, die in der Oberhessischen Volkszeitung inserieren, immer wieder darauf hingewiesen wird, daß die Einkäufe aus diesem Grunde erfolgen. Jede Hausfrau. die nach diesem Grundsatz verfährt, leistet ihrer Zeitung die beste Hilfe. Keine Stunde darf versäumt werden, die beste und schärfste Waffe der Partei, die Presse, ständig weiter zu verbreiten. Wer zum kommenden Monatswechsel der Oberhessischen Volkszeitung noch keinen neuen Abonnenten zugesührt hat, der tue das sofort. Wer in solchen ernsten Zeiten die Hände in den Schoß legt, der verdient nicht den Ehrennamen des Parteigenossen. unseren Austrägern die Leser mitteilen, welche der Zeitung untreu geworden sind, sucht diese erneut an ihre Pflicht zu erinnern und gewinnt sie als Leser der Ober— hessischen Volkszeitung wieder zurück. So hoffen wir, daß alle diese Anregungen nicht ungehört in den Kreisen unserer Freunde verhallen werden. Auf zur unermüdlichen Werbearbeit für die Oberhessische Volkszeitung! Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. die Overhessische Leser in allen Orten, laßt Euch von der bürgerlichen Abschluß und Form von Pachtverträgen.. (Eine neue Reichsgerichtsentscheidung.) In der Praxis erlebt man immer wieder eine weilgehende Un⸗ keuntnis der gesetzlichen Vestimmungen über den Abschluß und die Form von Pachtverträgen, selbst in Pächter“ und Verpächterkreisen, die diese Beüimmungen doch nahe angehen. Diese Unkenntnis be⸗ unt schon mit der falschen Vorstellung, daß ein Vertrag nur eine iftlich niedergelegte Vereinbarung sei. Das ist nicht richtig. Ee'in Vertrag ist jede Vereinbarung zweier Menschen(Vertrags⸗ steeile oder ⸗Parteien in der Gesetzes- oder Prozeßsprache genannt), müch der der eine Teil dem anderen oder beide Tefle sich gegenseitig etwas zu leisten haben. Man wird zweifeln, daß er, wenn er in einem Laden ein Pfund irgendwelcher Ware kauft, einen Vertrag über den Kauf dieser Waxe abgeschlossen hat, auch ohne daß irgend⸗ welche schriftliche Vereinbarungen hat, auch ohne daß irgendwelche schri tliche Vereinbarungen niedergelegt sind. Diese kurze Ueber⸗ legung zeigt schon jedem Laien, daß er täglich mannigfache Ver⸗ träge abscrießt ohne Beobachtung irgendwelcher Formvorschriften. s entspricht dem grundsätzlichen Standpunkt des BGB.(d. b. irgerlichen Gesetzbuches). Danach sind Verträge im allgemeinen e Beobachtung besonderer Formvorschriften geschlossen, wenn die beiden Vertragsparteien über den Inhalt ihrer Abmachungen einig sind. Bei besonders wichtigen Verträgen und bei Verträgen, 3 15 sich über eine längere Zeit erstrecken, hat der Gesetzgeber jedoch 3 10. daß die mündliche Vereinbarung nicht ausreichend sei, 2 * e vielmehr eme genaue Festlegung der Vereinbarungen ersorder⸗ sei, und hat deshalb für solche im Gesetz bestimmte Fälle er⸗ schwerende Formvorschriften erlassen, zunächst die schristliche Form. iner der bekanntesten Fälle dieser Art ist die Bürgschaftser⸗ lärung. Erklärt z. B. jemand dem Gläubiger seines Freundes gegenüber:„Ich übernehme für die Schuld meines Freundes Bürg⸗ sschaft“, so ist er hieran erst gebunden, wenn er diese Erklärung iftlich abgegeben hat. Man. wird mum weiter fragen: was ist forderlich, damit ein gültiger schriftlicher Vertrag vorliegt? Der⸗ jenige, der eine Verpflichtung übernömmt, also z. B. der eine Bürg⸗ sschaft übernimmt, muß diese Erklärung unterschreihen. Nicht er⸗ forderlich ist also, daß er die ganze Erkläwung schreibt, es genügt, 1 daß er unter diese Erklärung seinen Namen setzt. Bei Verträgen, nn denen befde Teile eine Verpflichtung eingehen, z. B. langfristigen 45 Pacheverträgen— ich komme darauf unten noch zu sprechen— bei denen der eine Tefl Ueberlassung des Pachtlandes, der andere Teil 1 Seren des Pachtzinses verspricht, müssen, damit dem Erfordernis der Schriftlichkeit genügt ist, beide Teile den Vertrag unterschrei⸗ ben, und zwar entweder beide Teile unter demselben Vertrag, oder aber jeder Vertragsteil auf einem besonderen Vertragsexemplar, das dann ausgetauscht werden kann. 1 Bei Verträgen, die noch schärser in das Wirtschaftsleben des Einzelnen eingreifen, hat das Gesetzbuch eine noch schärsere Form⸗ worschrist gegeben, nämlich die Vorschrift der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung. Das bekannteste Beispiel für diese Fonmvporschrift ist die Bestümmung, daß ein Vertrag über den Ver⸗ kauf eines Grundstückes zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll erfolgen muß. Auch in diesen Fällen werden die Parteien, schon ehe sie zum Richter oder Notar kommen, sich meistens über die Be⸗ dingungen des Vertrages, den sie abschließen wollen, einig gewor⸗ den sein. Gleichwohl ist aber der Inhalt des Vertrages erst bin⸗ dend für die Parteien, wenn er zu gerichtlichem oder notariellem Protoboll abgeschlossen ist. Dabei ist zu beobachten, daß durch Vereinbarungen der Par⸗ teien an Stelle der leichteren Form eine schwere Form, nicht aber umgekehrt, wo das Gesetz eine schwerere Form vorschreibt, eine leichtere vereinbart werden kann, Es können also die Parteien wereinbaren, wenn sie in Verhandlungen, z. B. über den Kauf eines Wagens eintreten, daß ihre Abmachungen erst dann bindend sein sollen, wenn sie schriftlich niedergelegt sind, d. h. von beiden Teilen mnterschrieben sind, oder gar, wenn sie zu gerichtlichem oder notari⸗ ellem Protokoll erklärt seien. Nicht aber können die Parteien ver⸗ einbaren, daß der Verkauf eines Grundstücks schon bindend sein solle mit dem mündlichen Abschluß des Vertrages. Selbst, wenn siie dies vereinbart haben, kann der Käufer trotzdem von dem Ver⸗ käufer nicht verlangen, daß er als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen werde. „Wenn wir nun die Bestimmungen über den Abschluß von r ß el, im BGB. an Hand dieser Grundsätze betrachten, so ergibt sich folgendes: Für den Abschluß von Pachtverträgen ist keine Form vorgeschrieben. Es genügt also, daß ein Pachtvertrag mündlich abgeschlossen wird. Ein solcher mündlich abgeschlossener Pachtvertrag kann entweder ftr ein Jahr abgeschlossen werden, oder, wenn nichts wegen der Dauer der Pacht gesagt worden ist, gilt er als für unbestimmte Zeit abgeschlossen, und kann dann auch, wenn die Kündigungsfrist eingehalten ist, schon zum Ablauf des rsten Pachtjahres gekündigt werden. Wird er aber nicht gekün⸗ digt, so läuft er von Pachtjahr zu Pachtjahr weiter. Soll sich aber der Pachtvertrag von vornherein auf eine längere Zeit als ein Jahr erstrecken, so ist die schriftliche Form vorgeschrieben. Bei den meisten Fällen, in denen Verpachtungen von Ländereien erfolgen, sollen diese für längere Zeit verpachtet werden. Es ist deshalb, samit diese Verträge auch tatsächlich für die beabsichtigte Den elten, erforderlich, darauf zu achten, daß die Verträge von beiden eilen unterschrieben werden. Nun wird man fragen, gibt es denn keinen Rechtsschutz und besteht keine Möglichkeit, demjenigen die langfristige Benutzung des Pachtlandes zu sichern, der, im Vertrauen auf die Rechtsgültigkeit eines für longe Jahre, aber nur mündlich abgeschlossenen Pacht⸗ wertrages, das Land in Besitz genommen, Anschaffungen gemacht und Arbeiten verrichtet hat, die er bei kurzem Pachtbesitz niemals geleistet haben würde? Bisher pflegten die Gerichte dahin zu ent⸗ scheiden, daß ein solcher Vertrag eben mangels der schristlichen Form als für unbestimmte Zeit geschlossen gelten und deshalb auch schon zum Ablauf des ersten Pachtjahres geklindigt werden könne, daß der Vertrag dann auf Grund diefer Kündigung erlösche und Rechte aus diesem Vertrag nicht mehr hergeleitet werden können. Diese Grundfätze sind unzweifelhaft zutreffend. In einem neueren Erkenntnis hat aber das Reichsgericht, das höchste de rziche Gericht, nachdem es schon in früheren Urteilen ähnliche Gedanzengänge an— gedeutet hatte, dahin erkannt, daß eine solche mündliche Verein⸗ barung über einen langfristigen Pachtvertrag doch nicht ohne jede Bedeutung sei zenn nicht ausdrücklich vereinbart ist, daß der Vertrag erst mit der schriftlichen Vollziehung Gültigkeit erlangen sollte, so ist ein solcher Vertrag als Vorvertrag anzusehen. Es bleibt bestehen: Der nur mündlich geschlossene Vertrag gilt nur als auf unbestimmte Zeit geschlossen, aber er gibt den Parteien das Recht, von dem anderen Teil den Abschluß eines endgültigen Ver— trages in der rechtsgültigen(schriftlichen) Form zu verlangen. Der Heerrste Vertrag wird mit Recht Vorvertrag genannt, weil nicht er die schon ursprünglich gewollte Verpflichtung für den längeren Zeitraum schafft, sondern nur die Vorbedingung für den auf Grund dieses Vertrages geschlossenen neuen Vertrag bildet. Ein solcher Vorvertrag ist nicht an die erschwerenden Bestimmungen über den endgültigen Vertrag gebunden. Er ist also auch wirksam, wenn er 45055 nur mündlich abgeschlossen ist. Dabei ist aber zu beachten, daß ein 8 Vorvertrag vorliegen muß, d. h. die Parteien müssen sich auch 3 f 70 wirklich zumindest über sämtliche wesentliche Bestimmungen, ins⸗ 705 besondere Zeitdauer und Pachtpreis, des demnächstigen Vertrages 0 8 Bedingungen, durchdringend. Dann braucht man auch bei einig geworden sein, sonst liegen nur Vorbesprechungen vor, die keinerlei rechtliche Bindung des einen oder anderen Teiles er⸗ zeugen können. Wie nun aber, schluß des endgültigen Vertrages weigert? Dann kann er im Wege der Klage zu dem Abschluß gezwungen werden und zwar zu den die im Vorvertrag vorgesehen waren. Das rechts⸗ kräftige Urteil ersetzt dann die verweigerte Zustimmung des an⸗ deren Vertragsteiles. Für einen solchen Streit sind die ordent⸗ lichen Gerichte, also Amtsgericht oder Landgericht, je nach der Höhe des Pachtobjektes, zuständig, denn es handelt sich um den Abschluß eines Vertrages. Es ist nicht zuständig das Pachteini⸗ gungsamt, das ja nur über die Verlängerung oder Aufhebung eines Pachtverhältnisses zu entscheiden hat oder die nach dem Ver⸗ trage zu entrichtenden Leistungen anderweit sestsetzen kann. Der Gemüsebau des Arbeiters. Ein großer Teil der Arbeiter bewirtschaftet ein kleines Stück Land, sei es eigen oder gepachtet. Meist wird es zum Gemiisebau verwendet. In der rationellen Bewirtschastung werden aber häufig noch viele Fehler gemacht, sodaß einige Winke erwünscht sein dürften.* 5 25 Vor allen Dingen müssen wir uns klar sein, was für Gemüse wir ziehen wollen und danach die Einteilung treffen. Diese Ein⸗ teilung sei regelmäßia und nach Gesichtspunkten. die der gewerbs⸗ mäßige Gemüsebau schon lange befolgt. Zuerst teilen wir da Land dur schnurgerade Woge in vier Teile. Jeder dieser Teile wird wieder in Beete und Rabatten abgotreten. Auch erhält das Ganze einen schöneren Anblick, wenn die Beetwege micht direkt an den Zaun oder den Hauptweg stoßen, sondern durch eine Rabatle begrenzt werden. Doch das ist Ansichtssache. Ein jedes der Fel⸗ der wird nun mit Gemüsen bepflanzt, deren Röhestoffbedürfnis ein gleiches ist. Aber sedes Jahr erfolgt ein Wechsel in der Ve⸗ stellung der Felder. Diese Wechselwirtschaft hat den Zweck, die Vobenkräste voll auszunutzen. bezw. micht einsestig zu erschöpfen. Nach dieser Beziehung hätten wir die Gemüsearten in vier Grup⸗ pen einzutetlen, und zwar Blattgemüse. Wurzelgemüse. Hülsen⸗ früchte und ausdauernde Gemüsearten. Wir würden nun z. B. die Parzelle mit Blattgemüse wie Salat⸗ und Kohlsorten bepflanzen. Da diese sehr nahrungsbe⸗ dürftig sind, so hahen wir das Land vorher kräftig zu düngen, auch später noch durch Jauchegüsse nachzuhelfen. Im zwesten Jahr wird mim Parzelle 2 in dieser Weise bepflanzt. Parzelle 1 dagegen mit Wurzelgemüsen“ die einen vollkräftigen, aber nicht frischge⸗ düngten Boden haben wollen. Wir geben hier im Laufe des Sommers nur eine Kopfdüngung mit chemischem Dünger. Im ditten Jahr wird Parzelle 3 mit Blattgemüsen. Parzelle 2 mit Wurzelgemüsen und Parzelle 1 mit Hülsenfrüchten bepflanzt. Der auf der Parzelle 1 jetzt eingetretene Stickstoffmangel wird von die⸗ sen Gemüsearten nicht empfunden da sie ja mit Hilfe von Bakterien den Stickstoff der Luft binden und ihn dem Boden zuführen. Par⸗ zelle 4 wird mit ausdauernden Gemüsearten besetzt, die jedes Jahr gleich behandelt werden. Wo ausdauernde Gemüfsepflanzen ncht gewünscht werden genügt Line Einteilung in drei Felder. Durch diese Wochselwürtschaft wird erzielt eine volle Ausnutzung des Bodens und des Düngers eine Ersparnis an Dünger, ein gleich⸗ mäßiges Arbchten und eine Verhütung der Bodenmüdigkeit. Die Bearbeitung des Bodens durch Umgraben hat möglichst schon im Herbst zu erfolgen weil durch die Einwirkung des Frostes der Bodem verbessert wird. Um diese Wirkung zu erhöhen, wird bei der Herbstbearbeituma das Land ficht eben gemacht(abgerecht), sondern man läßt die umgegrabenen Schollen liegen wie sie vom Spaten fallen. Anders ist es jedoch, wenn die Bearbeitung des Bodens im Frühjahr oder Sommer vorgenommen wird;: dann wirb das Land sofort geebnet. Dünger sollte vor dem Umgraben stets ausgebreitet werden, wird er in Haufen gesetzt und schicht⸗ weise eingegraben, so wird eine ungleichmäßige Vertchlung der Dungstoffe im Boden stattfinden. Alle Bodenbearbeitungen sollen mur bei trockenem Wetter vorgenommen werden. Die Anzucht der Frühgemüsepflanzen hat im Frühbeet zu er⸗ folgen, weswegen die Setzlinge wohl am beslen bei einem Gärtner gekauft werden. Die Aussaat später Gemüsearten kann im freien Lande auf einem lockeren Beet erfolgen, das stets feucht gehalten wird. Bei allen Gemüsearten die nicht an Ort und Stelle gesät werden, ist ein Verpflanzen oder Pikieren der Setzlinge von großem Vorteil, besonders bei Frühgemüsepflanzen. Wichtig ist das Vorkeimen einiger Gemüsesamen. So werden Erbsen und Bohnen besonders die letzteren, schon 14 Tage vor dem Termin, an dem sie ins Freie gelegt werden, in Kästen oder Töpfe gelegt und unter Glas zum Keimen gebracht. Haben sich die ersten Blättchen entwichelt so werden sie verteilt und gleichmäßig auf Beete gepflanzt. Mam erzielt auf diese Weise eine frühere Ernte. Da sseses Vorkeimen auch am Zimnmierfenster in kleinerem Maßstabe vorgenommen werden kann, so ist es für unseren Zweck nur zu empfehlem. Alle Gemüsepflanzen erfordern ein bestimmtes Maß von Feuchtigkeit weshalb man gezwungen ist, dann und wann mit Gießen nachzuhelfen. Man gieße, außer im zeitigen Frühfahr, vor allem abends, wenn möglich mit abgestandenem Wasser und trockenem Wetter nicht jeden Tag zu gießen. Dunagüsse sind stets von großem Vor⸗ teil; sollten aber immer genligend verdünnt und an ejnem trüben oder regnerischen Tage gegeben werden. Sollte anhaktend tvocknes Wetter herrschen, so wird vor dem Düngen durchdringend mit Wasser gegossen. Da in den meisten Fällen wenig Raum in unseren Gärten vorhanden ist, so muß dieser auch voll ausgenutzt werden. Einmal erzielen wir deses durch eine zweckmäßige Vestellung. So wer⸗ den abgetragene Erbsenbeete mit Blätter⸗ oder Grünkohl, mit Kohlrabi oder mti Winterrettichen bepflanzt. Beete, die mit späten Gemüsen wie Winterkohl bepflanzt werden sollen, erhalten eine Vorsrucht von Salat Spinat oder Radieschen. Wir unter⸗ schaden also neben der Hauptsrucht eine Vor⸗ und eine Nachfrucht. Aber duch die Zwischenräume bej Gemlse mit großer Blatt⸗ entwicklung, die deshalb entsprechend wejt gepflanzt werden müssen, können durch eine Zwischenpflanzung zu einer besseren Ausnutzung des Bodens und einer Steigerung des Ertrages bei⸗ tragen. Zur Iwischenpflanzung eignen sich alle Gemüsearten mit kurzer Vegetablonsdauer, wie Salat Rettich. Radieschen, Kohl⸗ rabi.(Schluß folgt.) Die Bedentung der Trockenfütterung in besonderer Verücksichtigung des Schweinefutters. Es ist ganz allgemein bekannt, daß der Wert eines Futter⸗ mittels von seinem Gehalt an Nährstoffen abhängt, und von der Art und Weise, wie diese im Futtermittel enthalten sind. Mittels der vom Tierkörper ausgeschiedenen Säfte— den Verdauungssästen und den im Verdauungskanal vorhandenen Kleinlebewesen— werden die Futtermittel aufgelöst und z. T. in andere Stoffe übergeführt, wodurch sie für den Tierkörper erst aufnahmefähig werden; so wird z. B. durch den Mundspeichel und Sartenbau wenn in solchem Falle der eine Teil den Ab⸗ noch energischer durch den Speichel der Bauchspeicheldrüse die Stärke in leicht aufnahmefähigen Zucker und Dextrin nungewandelt. Haben wir so erst einmal die Vorgänge der Ve g, wenn auch nur in großen Zügen, kennen gelernt, so ist es nun ein leich⸗ tes, Wege zu finden, die die Verdauungsarbeit des Darmkanals unterstützen können. 4 Die Tätigkeit der Kleinlebewesen im Verdauungskanal können wir nicht wesentlich fördern, es erübrigt sich auch vollends denn die neueren Untersuchungen haben gezeigt, daß im Darm ge⸗ nüigend Bakterien stets vorhanden sind, und daß mit dem Futter- stoffen stets genügende Mengen wieder zugeführt werden, so dad eine Abnahme nicht zu befürchten ist. Eine Förderung Teiles der Verdauungstätigkeit konunt auch für die Praxis nich in Betracht. 9 Anders dagegen steht es mit den Absonderungen der Drüsen, die von großer Bedeutung und leicht zu beeinflussen sind. Schon durch Nervenreize werden die Drüsen zu stärkerer Ab so 8 angeregt; bekannt ist die stärkere Speichelabsonderung eines. ernden Menschen beim Anblick einer gern genossenen, ihm 25 schmeckenden Speise. Aber auch bei hungernden Schweinen 3 ich eine stärkere Speichelabsonderung beobachten können, wenn eine Bucht kurz vor der Abnahme durch den Fletscher nicht mehr ge- füttert wurde, diese aber das Füttern der übrigen Tiere sehen konnten. Gleichzeitig werden aber hiermit auch die übrigen Ver⸗ dauungsdrüsen zu einer stärkeren Absonderung ihrer Sekrete an⸗ geregt, der Magensaft ist aber dabei auch reicher an Pepsin. 8 gleiche trifft ein, wenn das Futter Reisstoffe enthält, wie Kochsal und andere Salze(in der menschlichen Ernährung Fleischextrakt). Kochsalg ist außerdem ein unentbehrlicher Nährstoff, und steigert den gesamten Stoffumsatz im Körper, doch ist das Schwein gegen Salz empfindlich, man gebe nur bei starker Kartofselfütte run kleine Mengen; werden Fisch⸗ oder Fleischmehl und rei 5 Küchenabfälle gegeben, so erübrigt sich eine Salzgabe. Auße aber wird die Drüsenabsonderung durch die Kautätigkeit gefördert, wodurch noch als weiterer Vorteil hervorzuheben ist, ß der Speichel durch die gründliche Kauarbeit gut mit dem Futter ver⸗ mengt wird, und daß in letzterem hierbei die Zellwände zerstört werden, die die Nährstofse umgeben, wodurch die Verdauungsfäfte direkt auf diese einwirken können. 5 605 Um aber die Tiere zu einem gründlicheren Kauen zu veran⸗ lassen, müssen sie das Futter müöglichst trocken erhalten. Wie siehe es aber damit in den meisten Vichställen aus?. Die Tiere, und namentlich die Schweine, erhalten das Futter in möglichst dünner Beschafsenheit, so daß sie es saufen— gi hinunterschlucken, ohne zu kauen. Die Jolge davon ist, daß d Schwein mit seinem kurzen Verdauungskanal das Futter schl. ausgenutzt den Körper wieder verläßt. Als weiterer Nachteil dieser wässerigen Fütterung ist zu er⸗ wähnen, daß durch die übermäßigen Flüssigkeitsmengen auch Verdauungssäfte verdünnt werden, wodurch wiederum die Ver⸗ dauungstätigkeit herabgesetzt wird, andererseits werden a die Magen⸗ und Darmwandungen durch die von den großen 1 en Flüfssigkeitsmengen des Futters bedinate Mehrarbeit geschwächt und außerdem der ganze Tierkörper mit Feuchtigkeit durchtränkt, wo⸗ 5510 er bald seine Widerstandsfähigkeit und Seuchenfestigklat verliert. f Reicht man dagegen das Futter ganz trocken oder nur schwacß mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit wie Milch, zu einem dicken, kritmeligen Brei angemengt, so zwingt man die F f gründlichen Kauen, wodurch wir alle vorher erwähnten Vo 3 erreichen. Die Zellwände, die die Nährstoffe umgeben, werden stört, der reichlicher abgesonderte Speichel wird gut mit Futterbrei vermengt und durch die teilweise Ueberführung der Stärke in aufnahmefähigen Traubenzucker und Dextrin wird Verdauung eingeleitet. Außerdem wird bei der Trockenfütterung bald das Gefühl der Sättigung erreicht, die Tiere nehmen er nicht ganz so viel Futter auf wie bei der nassen Zubereitung, trotzdem ist der Erfolg dieser Art der Fütterung ein größerer, Tiere nehmen stärker an Gewicht zu, was durch die Fütterungs⸗ versuche des Professors Lehmann in Göttingen bewiesen wird. seinen Angaben, die er auf einer Versammlung der Vereini deutscher Schweinezüchter machte, gebrauchte er, um 100 Lebendgewicht zu erzeugen, 8 bei der. 5 beim Trockenfutter 313 Pfund 548 Pfund 548 Pfund 508 Pfund 534 Pfund 524 Pfund ö Im Mittel 6 543,3 Pfund 515 Pfund ö Getränkt wird hierbei jedesmal nach dem Füttern, dreimal“ am Tage. Diese kleine Mehrarbeit des getrennten Tränkens dürfte aber nicht abhaltend auf Verbreitung der Trockenfütterung wirken, da doch die Ausnutzung des Futters eine größere ist und somit 1 der bare Verdienst ein höherer wird. Am besten ist es, wenn. kleinen Ferkel schon mit Trockeskutter großgezogen werden, älter Tiere sind an diese Fütterung erst allmählich zu gewöhnen. Arbeitskalender für Februar. Wie ja meist lien der Janmar auch heuer Gartenarbeiten nicht zu. Man wird also nachholen müssen, was im Vormonat 00 nicht geschehen konnte— wenn der Februar besser wird. Wir haben unsere Obstbäume durchzumustern. Alte Bäume 0 wir aus und schneiden alles dürre und trockene Holz heraus des⸗ gleichen alles, was zu dicht aufeinander steht. Jüngere Obst⸗ bäume, Buschobst und Spaliere werden ebenfalls geschnktten, die Stämme werden von Moos und Flechten gereinigt und mit Kalk⸗ milch bestrichen. Sollte der Boden aufgehen und abtrocknen. so daß man arbeiten kann wird gegraben und Spinat angebaut du⸗. mit man so bald als möglich ernten kann. Wer Blumenzwiebeln im Garten hat, kann solche ausgraben und in Töpfe oder Kistchen 8 pflanzen und ans Zimmerfenster stellen Er hat dann bald etwas 10 Blühendes sim Zimmer A. N., L. M. 1 Haus- und Gartenwirtschaft. Worin liegt der Grund in dem Rückgang der 7 i Autwort lautet kurz„In dem Absckluß ber bft: ef 5 Wiese sterben alljährlich eine Menge Pflanzen ab, die wieder Wurzelausschläge oder durch erneute Besamung ergänzt werden. Dadurch bildet ich mit der Zeit ein Vorrat halbverwester Pflan und Wurzeln, welcher als Humus sehr wertvoll ist, jedoch nach nach die Grasnarbe derartig verfilzt und verschließt, daß die nicht mehr genügend einzudringen vermag. Dadurch nehmen die abgestorbenen Wurzeln und die Dungstoffe immer mehr eine tor⸗ fartige Beschaffenheit an; die guten Gräser und Kräuter gehen immer mehr zurück, die Grasnarbe wird lückenhaft, und in den Lücken zeigt sich bald das Unkraut. Ich kann daher nur den Rat erteilen: Kämmt eure Wiesen, damit Licht und Luft in den Boden können. Der beste Kamm ist eine Wiesen ettenegge. 1 —— e