Bahuhofstraße 23 Fernsprecher 2008. 580 Erpedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Die Oberb. Volksseitun 5 0 85 eeprei mit bert Pein jeden W. 3 g 5 erktag vormittag in Gießen. wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 5500 en Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 90.— Mk, auswärts 120.— Mk., die Reklamemi a en⸗ irch die Post bezog. 5500.—.— Mk., einschl. Bringerlohn. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. 450.— Mt. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entspre 05 5 00 k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220.— Mk Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabaft gewährt— Nueigen⸗ Muna bis 6 Uhr abe Nr. 141 Gießen, Samstag, den 23. Juni 1923 18. Jahrgang Um den Reichshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen warde vor einem Jahre die Aufnahme einer Goldmiliarde als Zwangsanleihe beschlossen. Das Gesetz sah von g der Beziehung auf Gold ab. Der damals in Aussicht genom⸗ N mene Betrag von 8⁰ Papiermilliarden ist durch das Geldent⸗ 5 wertungsgesetz auf ein Mehrfaches erhöht worden. Um eine Goldmilliarde auszumachen, müßte die Anleihe heute über zehn Billionen Papiermark bringen. Davon ist keine Rede; immerhin dürfte eine halbe Billion einkommen. f N Nunmehr hat der volkswirtschaftliche Ausschuß des 1 Reichstages einer Regierungsvorlage zugestimmt, wonach 6 die Zwangsanleihe nochmals, in sechsfachem Be⸗ 1 trage, als Steuer(micht als Anleihe) erhoben werden soll. 1 Aber nicht öugunsten des notleidenden Reiches, sondern zu⸗ 1 2 der Landwirtschaft, von der doch selbst ein bezahlter Werberedner nicht ohne Erröten behaupten könnte, daß sie im ganzen notleidend sei. 5 1 Natürlich ist die Steuervorlage anders begründet; sie gibt sich als eine allgemeine Heranziehung des Be⸗ n Darn litz es zur Mittel ⸗Beschaffung für eine Brotver⸗ bills gung zugunsten Minderbemittelter. Aber dieses sozialpolitische Mäntelchen darf und kann nicht darüber hin⸗ wegtäuschen, daß es sich in Wirklichkeit um eine Besteuerung des nichtländlichen Besitzes zugunsten der getreide⸗ verkaufenden Landwirtschaft handelt. Um eine Wiederholung der Agrarpolitik vor dem Kriege, für die der Kaiser einmal das Wort„Brotwucher“ gebrauchte, ehe er sich zu ihr bekannte; und bei der dem Reiche 100 Millionen Zoll⸗ einnahmen zugewandt wurden, damit Milliarden aus Preis⸗ erhöhung in die Taschen der Getreideverkäufer flossen. „Genau po steht es jetzt wieder. Der Zweck der riesigen Steuern ist, die Aufhebung der Getreideumlage zu ermöglichen. Der bescheidene Rest öffentlicher Bewirt⸗ schaftung des wichtigsten Nahrungsmittels soll fallen. Die Landwirte haben volle Handelsfreiheit; sie können für alles Brotkorn den vollen Preis nehmen, den ihnen der Dollarstand erlaubt— nach dem heutigen Kurse also das 25000 fache des Friedenspreises(wobei der frühere Zollaufschlag durch Erhöhung des Weltmarktpreises und der Spesen ausgeglichen sein dürfte). Was das be⸗ deutet, hoben wir an der Verdreifachung des Brotpreises jüngst verspürt. Aber das war nur ein Anfang. Der Brot⸗ preis wird nicht nur der neuen Geldentwertung entsprechen, sondern im doppelten und dreifachen Betrage steigen. Er wird eine Höhe erreichen, die für Sozial- und Kleinrentner, für Angehörige des Mittelstandes, aber auch für manche Arbeiterfamilien einfach unerschwing⸗ lich sein wird. 5 Am diesen bedrängten Kreisen zu helfen und einer tiefen Erbitterung weiter Volkskreise vorzubeugen, will das Reich Billionen aus allgemeinen Mitteln verschenken. Und diese beschafft es sich durch 6fache e Diͤe Zwangsanleihe wird erhoben nach der gleichen Ver⸗ anlagung wie die Vermögenssteuer. Zu beiden wird 195 wirtschaftlicher Grundbesitz einschließlich 19 5 uden und Inventar zum 40fachen des 1 tragswertes eingeschätzt. Da dieser böchstens dem hal 1 Verkaufspreise von 1913 in Goldmark entsprach, 15 Grundbesitz zum 20fachen des Goldwertes besteuert, 1 sein Preis sich längst über das 1000 fache, der 755 015 Vieh, Maschinen und anderes Inventar auf 5 das 5 5 gesteigert hat; ferner durch die Enteignung Hypothekengläubiger infolge der ee 1 der Besitzungen sich verdoppelt hat. 1 0 so in der Regel höchstens mit dem hun derts 955 1 0 vielfach nur mit dem zweihundertsten Le 175 rklichen heutigen. 12 8 i 8 i ist vorausgesetzt, daß der Steuer pf. 120 ehrlich und der Vorschrift gemäß 1 10 . e e braucht lond⸗ II ark tatsächlie N 15 ber. keine Zwangsanleihe 7 kant. Für die ersten 600 000 Mark beträgt die Zeichnur an ch 1. ür die folgenden 2 vom Hundert. Wer seir 75 en würde, braucht nicht unter 200 Millionen verkauf 0 e i zsanleihe 6000 bis 12 000 Mark Zwangsann eich r berreie für ein halbes oder 10 h d Butter Zu der neuen votverbilligungssteuer zah ch die„Un⸗ i ark. Rechnet man nun no un. be 255 Selbsteinschätzung zur Vermögens Amerila will ein Schiedsgericht. Meinungsaustausch und falsche Meldungen. Der Soz. Parlamentsdienst meldet telephonisch: Die am Donnerstag in der französischen Presse ver- breiteten Mitteilungen über die französische Antwort an England werden allgemein dementiert. Auch die Angaben englischer Zeitungen, die u. a. mitteilten, daß der Entwurf der französisch⸗belgischen Antwort bereits in London sei, werden als irrig bezeichnet. Nach wie vor setzen Frankreich und England ihren Meinungsaustausch mündlich fort. Die Falschmeldungen ausländischer Blätter konnten die Reichsregierung nicht hindern, darauf zu reagieren. Schon das ist ein Beweis für die Minderwertigkeit der Be⸗ urteilung hochpolitischer Fragen im Auswärtigen Ausschuß. Wir verzichten auf jede weitere Kritik von Handlungen, die durch plumpe Falschmeldungen hervorgelockt werden. Der einzige Erfolg der Regierungspolemik gegen Frankreich ist, daß heute die Deutsche Tageszeitung groß berichten kann: „Keine Verhanlungsgrundlage— die unmöglichen Be⸗ dingungen Frankreich“. ö 5 Amerika für ein internationales Schieds⸗ i gericht. 8 Eine bedeutsame Rede Hardings. Der amerikauische Präsident Harding hat am Dienstag in St. Louis eine große politische Rede gehalten, in der er den Eintritt Amerikas in einen internationalen Gerichtshof unter zwei Voraussetzungen in Aussicht stellte: Einmal müsse dieser Gerichtshof vollkommen unabhängig sein vom Völkerbund, da die amerikanische Nation heute mehr als je ein Gegner dieses Völkerbundes sei; ferner müßte der Gerichtshof in der Praxis der Theorie ent⸗ sprechen, die ihn gründete. Die Vereinigten Staaten müßten dadurch auf völlig gleichberechtigter Stufe mit den übrigen Völkern teilnehmen können. Bei Eröffnung des Senats wird Harding dem Kongreß einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten, um entsprechende Verhandlungen mit den Mächten einzuleiten. Der Sinn der Aktion ist, wie Harding erklärte, der, durch ein internationales Schiedsgericht den internationalen Streitigkeiten vorzubeugen und den Krieg auf immer zu vermeiden. Die Telunion weiß hierüber zu melden:. Gegenüber heftigem Widerspruch aus dem Schoße der Versammlung entwickelte Präsident Harding in großen Zügen seine Auffassung von diesem internationalen Ge⸗ richtshof. 5 f Der Präsident erklärte, daß die amerikanische Nation mehr als je Gegner des Völkerbundes sei. Es sei deshalb vorzuziehen, daß der internationale Gerichtshof nichts mit ihm zu tun habe. Es gebe zwei Arten, diese Trennung zu betonen: 1. Müsse man dem Gerichtshof das Recht erteilen, irgendwelche Angelegenheiten selbst ohne Befragen irgend einer Instanz in die Hand zu nehmen. 2. Müsse man den internationalen Gerichtshof in ein erst noch zu schaffendes Schiedsgericht umwandeln und den Mitgliedern dieses letzteren die Vollmachten erteilen, welche gegenwärtig dem Völksbundsrat und der Vollversammlung des Völkerbundes zuständen. Wenn eine Nation, so erklärte eine andere Nation vor diesen fordern wolle, könnte sie sich zu diesem Zweck durch eine andere Nation vertreten lassen. Das sind in großen Zügen, erklärte Harding, die Vor⸗ schläge, die ich dem Senat bei Eröffnung des Kongresses unterbreiten will, um Verhandlungen mit den Mächten in diesem Sinne einzuleiten. Der Zweck dieser Verhandlungen sei in letzter Linie, so schloß Harding seine Rede, durch ein internationales, wahrhaft starkes und unabhängiges Schiedsgericht den internationalen Streitigkeiten vorzubeugen und den Krieg auf immer zu unterdrücken. f Nur durch ein freies, Wollen kann der Friede hergestellt und der Ausspruch Was⸗ hingtons, den Frieden zu bewahren, in der Welt in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Das Kabinett Poincaré. Parteikrise der Radikalsozialisten. Die radikalsozialistischen Mitglieder des Kabinetts Poicaré, der Kolonialminister Sarraut, g heitsminister Strauß und der Staatssekretär Lafont, haben erklärt, daß sie der Aufforderung ihrer i dem Kabinett auszutreten, nicht Folge werden. Sie haben sich dabei in einer für rühmenden, für ihren Parteivorstand recht 1 Form geäußert. 5 5 Dadurch ist inerhalb der radikalsozialistischen Partei ein Konflikt entstanden, der sich noch dadurch verschärft, daß „ leisten Poincar Partei Poincars ihr Vertrauen gegeben haben. Sicher ist, daß die radikasozialistische Partei, die in der jetzigen Kammer nur eine geringe Minderheit darstellt, durch diese neue Wendung stark isoliert wird und daß ihr Führer Jahr stattfindenden Neuwahlen setzen kann. Poincaré und Baldwin. Erst die Antwort, dann die Aussprache. Der Petit Parisien, so wird aus Paris gemeldet, be⸗ schäftigt sich in einer offensichtlich offiziösen Notiz mit der Möglichkeit einer Zusammenkunft zwischen Baldwin und Poincaré, von der man mehrfach„in englischen Kreisen“ ge⸗ sprochen habe. In dieser Frage sei anscheinend noch kein naherer Plan zwischen Paris und London ausgearbeitet worden. Im Augenblick stellt sich die Sachlage folgender⸗ maßen dar: Englischerseits scheint man anzunehmen, daß eine persönliche Aussprache zwischen den beiden Premier- ministern keinen Zweck habe, bevor Frankreich und Belgien auf die englische Frage über die französisch⸗belgische Ruhr⸗ politik keine Antwort erteilt hätten. Französischerseits sei es züweifellos, daß Herr Poincars durchaus geneigt sei, sich mit Baldwin zu treffen. Jedoch könne Poincars sich wegen der augenblicklichen parlamentarischen Session nicht länger als 1 oder 2 Tage von Paris entfernen. Wenn also in den nächsten Tagen nach der französisch-belgischen Antwort eine derartige Zusammenkunft stattfindet, so findet sie zweifel⸗ los entweder in Paris selber statt, wenn Herr Baldwin die Möglichkeit findet, sich dorthin zu begeben oder, und dies sei steuer, so darf man behaupten daß es wenige Landwirte Naben wird, die mehr als 50000 Mark Papier zu zahlen haben. Aber was werden diese Landwirte gewinnen aus dem Verkaufe ihrer ganzen Ernte nach einem Dollarstand von 100 000, wenn heute schon der Zentner Roggen über 150 000 Mark kostet? Und wie wird dieser neue, riesige Verdienst wirken? Wenn irgendwo, dann ist hier eine Veranlassung zu einer„Sozialisierung“ der Grundrente gegeben. Mag der arbeitende Landwirt den hohen Preis für sein Korn bekommen! Aber daß zu seinen Gunsten nun auch noch das übrige Voll besteuert wird, ist ungerecht und widersinnig. Denn den Hauptvorteil wird derjenige davon haben, der sein Land verkauft, solange dessen Rentabilität künstlich durch Reichsmittel gehoben ist. Die Bodenpreise wer⸗ den neuen Auftrieb bekommen. Und die Landwirtschaft wird vor schwerer Krise stehen, wenn einmal die Aktion beendet werden muß. Darum sollten die Mittel für die Brotver— billigung nur durch eine Grundsteuer aufgebracht wer— den, wie die Bodenreformer sie seit sangem vorschlagen. Nur vom nackten Boden(ohne Verbesserungen und Gebäude), dessen Wert der Eigentümer selbst einschätzt mit dem Be— dingen, daß der Steuerwert auch für Beleihung und Ent⸗ eignung maßgebend ist. Eine Grundsteuer von jährlich 50 vom Hundert des selbstgeschätzten Wertes bedeutet keine Enteiguung, sondern nur eine Verminderung in der Anpassung der Bodenpreise an die Geldentwertung. Man kann nicht mehr das 20 000 fache des Goldpreises annehmen, wie es bei der heutigen Steuerfreiheit und einem Dollar⸗ kurse von 85000 möglich wäre, sondern nur das 1500. fache. Das ist immer noch viel mehr als im Interesse der Volkswirtschaft erwünscht und gegenüber der völligen Ent⸗ eignung der Hypothekengläubiger gerecht ist. Eine solche Steuer brächte Dutzende von Billionen jährlich in die Reichskasse, sie würde die arbeitenden Landwirte nicht so hoch belasten, wie sie es vor dem Kriege gewohnt waren. Sie würde nur dem perkaufenden Landwirte das Geschäft verderben. Aber die ländliche Scholle soll doch kein Handelsgegenstand sein, sondern ein Arbeitsinstrument. Und die wichtigste Frucht, das Brotkorn, läßt der Himmel weniger der Produzenten wegen wachsen, die damit Geld verdienen, als der Massen halber, die davon satt werden wollen. ——— Fetusprecher 2008. Harding endlich, die nicht Mitglied des Gerichtshofes sei, uneingeschränktes und aufrichtiges ———— e der Gesund⸗ bei der letzten Kammersitzung noch weitere Mitglieder der Herriot seine Karte einzig und allein auf die im kommenden ö lojeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 8 2 — 3 8 .—.— . gediegenen Fachausbildung auch der landwirtschaftlichen dem besten Willen gar nicht in der Lage, dem Wunsche des Bauern⸗ ([Gesetz gestimmt. Feile und London.. Der Kampf um die Sommerfortbildungsschule auf dem Lande.. Der Hessische Bauernbund führt schon seit Bestehen des neuen Volksschulgesetzes einen heftigen Kampf, um die ländliche Sommer⸗ fortbildungsschule zu beseitigen. In diesem Kampfe' Landtagsfraktion des Bauernbundes in„kulturfördernder“ Weise lle Minen springen, um ihrer„Förderung“ zum Siege zu verhel⸗ fen. Der Bauernbund ist offenbar von der eee 5— Arbeiter micht überzeugt. Als Hauptargument wird ins Feld geführt, daß ie Landwirtschaft bei der Durchführung der Sommerfortbildungs⸗ schule sehr geschädigt würde, da die jungen Hilfskräfte im Alter n 14 bis 17 Jahren durch die Teilnahme am Unterricht von der Arbeit ferngehalten werden. Im Landtag wurde es ja sogar so dargestellt, als hinge das Bestehen des landwirtschaftlichen Be⸗ riebes von der Mitarbeit dieser jungen— nebenbei gesagt schlecht 5— Hilfskräfte ab. Diese Beweisführung läßt auf die landwirtschaftlichen Betriebe selbst allerlei Schlüsse zu, die nicht ge⸗ rade zugunsten derselben sprechen. Interessant ist die Gegenüber⸗ llung, daß die Herren Landwirte ihre eigenen Kinder in höhere Schulen und landwirtschaftliche Fachschulen schicken, aber der un⸗ sbemittelten landwirtschaftlichen Bevölkerung und dem Kleinbauern ede Bildungsmöglichkeit nehmen, indem sie den Ausbau der Fort⸗ bildungsschule zu verhindern versuchen. Weiter wird behauptet, daß die Volksschullehrer nicht in der Lage seien, erfolgreich an der ländlichen Fortbildungsschule zu unterrichten. Es wäre traurig um unsere Lehrerschaft bestellt, wenn sie einem Jungen von 14 bis 17 Jahren nicht die Elementarkenntnisse der Landwirtschaft bei⸗ bringen könnte. Sind nicht die Lehrer in den Landgemeinden wielfach die Ratgeber und Vertrauensleute der Bauern; haben nicht te von Landlehrer in ihren Gemeinden durch Musterwirt⸗ sten segensreich gewirkt? Dazu kommt noch, daß die Lehrer irch besondere Kurse viele Anregungen zur Durchführung des nen ac er erhielten und von den Landwirt⸗ schaftslehrern vielfach erfolgreich unterstützt werden. Aber trotz alledem ist das Landesamt für das Bildungswesen dem Drängen des Bauernbundes leider entgegengekommen und hat gestattet, daß nur ein Drittel der im Gesetz vorgesehenen Fort⸗ ldungsschulstunden im Sommer abgehalten zu werden brauchen. aer wären für das ganze Sommerhalbfahr 40 Stunden, oder bei ier Stunden am Halbtag zehn Halbtage. Auch diese zehn Halbtage gefährden, wie der Bauernbund behauptet, noch die land⸗ wirtschaftlichen Betriebe und deshalb stellte die Fraktion des ernbundes im Landtag den Antrag, der Landtag möge be⸗ schließen, die Regierung zu ersuchen, die Sommerfortbildungs⸗ 50 auf dem Lande aufzuheben. Dieser Antrag wurde leider durch eine kleine Zufallsmehrheit angenommen. Die Regierung wird aber diesem Ersuchen des Landtags nicht stattgeben können, da das Gesetz ausdrücklich besttimmt, daß der Fortbildungsschul⸗ unterricht auf das ganze Jahr auszudehnen ist. Sie ist also bet bundes entgegenzukommen, so lange eine Gesetzesänderung nicht er⸗ folgt ist. Diese Gesetzesänderung wird aber in absehbarer Zeit nicht erfolgen, da sich das neue Schulgesetz in all seinen Bestim⸗ mu bis jetzt noch nicht restlos auswirken konnte. Bei der Ver⸗ abschtedung des Schulgesetzes hat der Bauernbund auch für das Das alles ist dem Bauernbund zur Genüge a und trotzdem erläßt er an seine Vertrauensleute nach⸗ folgendes Schreiben, das dem Verfasser durch Zufall in die 0 tel: Darmstadt, den 17. Mai 1923. Hess. Bauernbund Darmstadt. Obergasse 12(Hospiz.) „Sehr geehrter Herr Vertrauensmann! Unseren Vertretern im Landtag ist es gelungen, den An⸗ trag des Bauernbundes auf Einstellung des Fortbildungsschul⸗ unterrichts in Landgemeinden im Sommer durchzub ringen und wurde derselbe mit einer knappen Mehrheit angenommen. Es ist dies schon lange ein Wunsch der gesamten Bauernschaft und 18155 wir uns ganz besonders dieses Erfolges. Es besteht aber e Gefahr, daß von unseren Gegnern und auch von der zustän⸗ digen Regierungsstelle alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, daß im Land Stimmung gemacht wird, daß einzelne Gemeinden die Beibehaltung des Fortbildungsschulunterrichts auch im Sommer wünschen. Wir bitten deshalb unsere Ver⸗ trauensmänner, sosort mit den betreffenden, Vertretern im ört⸗ lichen Schulvorstand Ricksprache zu nehmen, daß sie, falls von irgendeiner Seite derartige Gutachten von Ihnen gefordert oder Anträge gestellt werden, unbedingt unserer Forderung beipflich⸗ ten und in unserem Sinne ihre Gutachten abgeben. Es wird nun also der Fortbildungsschulunterricht in Zukunft nur noch auf die Wintermonate verteilt werden. Wir bitten, dies auch in den Ortsgruppen bekannt zu geben. Im Interesse staatsbürgerlicher und politischer Erziehung ließ die der Landjugend in unserem Sinne halten wir es für unbe⸗ 1——-w Die Forderungen des Beamtenbundes. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamten⸗ bundes hat gestern nach eingehenden Beratungen zur wirt⸗ schaftlichen Lage folgendes beschlossen: 1. Der seit Jahren vorhandenen und in letzter Zeit be⸗ sonders rapid wachsenden Geldentwertung und damit ver⸗ bundenen Preissteigerung ist das Beamteneinkommen zeit⸗ lich und quantitativ nicht genügend angepaßt; entsprechend ist daher der Reallohn des Einkommens ungeheuer ge⸗ sunken. Dieser hat z. Zt. einen derartigen Tiefstand, daß nicht nur eine ernste Gefahr für die Beamten, sondern auch für das Staatswohl dadurch besteht. Um die Hebung der Kaufkraft der Beamtenschaft herbeiführen zu können, ist ein sofortiger Schutz vor weiterem Herabgleiten des Real⸗ lohnes erforderlich.. 2. Weite Kreise des Wirtschaftslebens sind schon lange dazu übergegangen, an Stelle der Papiermark mit be⸗ standigen Wertinessern zu rechnen. Diese einseitige Flucht aus der Mark mit ihren schlimmen Begleiterscheinungen und furchtbaren Folgen hat nicht nur das Elend der Lohn⸗ und Gehaltsempfänger beschleunigt, sondern auch die Finanz⸗ wirtschaft des Staates, der fast allein noch an der Papier⸗ mark als Wertmesser festhält, vollkommen zerrüttet. Abhilfe ist für beide Erscheinungen nur durch das gleiche Mittel möglich. 3. Dies hat zu bestehen⸗ 1 8 a) Für die Beamtenbesoldung durch eine zeitlich und materiell rasche Anpassung der Einkommen an die Geld⸗ entwertung durch einen zuverlässigen, noch zu veröffent⸗ entwertung durch einen zuverlassigen, noch zu veröffent⸗ lichenden Preisindex; b) für Reichs⸗ und Staatsfinanzen ebenfalls durch automatische Veranderung der Nominalhöhe der Besitz⸗ steuern, die sich der Geldentwertung anzupassen haben, wie die durch die Beamten und Arbeiter zu tragenden Steuern. Durch diese gleichmäßige Verteikung der Inflationssteuer, die heute ausschließlich von den Lohn⸗ und Gehalts⸗ empfängern getragen werden muß, wird dem Verfall der Staatsfinanzen und der Inflation gesteuert. 5 Der Vorstand des ADB. fordert die alsbaldige Durch⸗ führung der wirtschaftlichen Geldentwertungsanpassung und wird sich gemeinsam mit den Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten für den Schutz vor weiterer Geldentwertung einsetzen. Erst wenn der Schleier der Geldentwertung weg⸗ gezogen ist, wird der Kampf zur Hebung der sozialen und wirtschaftlichen Niveaus der Beamten erfolgen können. Der Reichsarbeitsminister zur Lohnfrage. Berlin, 21. Juni.(Eigne Drahtmeldung.) Ein Mit⸗ arbeiter des Berliner Tageblatts hat den Reichsarbeits⸗ minister Dr. Brauns über die Schaffung von Goldlöhnen befragt. Aus den Ausführungen des Ministers entnehmen wir, daß Dr. Brauns nach wie vor Bedenken gegen einen reinen Gleitlohn hat. Er fürchtet von einer bloßen auto⸗ 3 2.— 2 92— 5 1 r 1 1— 5 5 i Geldentwertung und ihre Folgen. matischen Regelung ein Tempo der Preis beweg das bisherige noch bedeutend übertrifft, und das u ständen die Wirkungen der Lohnerhöhungen fü beiterschaft illusorisch machen würde. samten Wirtschaft auf eine fiktive Wahrung zur Folge reiner Gleitlohn ist abzulehnen. Man müsse vielmeh 8 Außerdem sorgt, daß eine derartige Regelung eine Umstellung könnte, die dann vielleicht eines Tages die Papiermark lich wertlos machen würde. Damit wäre aber der der zurzeit sein Defizit im wesentlichen nur durch die presse decken könne, möglicherweise nicht mehr in der seine Tätigkeit aufrechtzuerhalten. Minister Brauns denkt sich die Entlohnung fernerhin die Löhne im Verhandlungswege für be Zeiträume, vielleicht für einen Monat festsetzen, aber Abmachung eine Klausel aufnehmen, die für die Dau dieser Abmachung eine Anpassung je nach der Bewe Lebenshaltungskosten vorsieht. Am Ende des Monat dann erneut zu verhandeln. Man müßle dann einen besserten Index finden. In Betracht käm eine Nachprüfung der bisher in den Index einb Güterliste, zweitens ein beschleunigtes Er lungsverfahren und drittens eine häufigere, elm wöchentliche Veröffentlichung. Die Einzel heiten müßten noch genauer untersucht werden. Auch géwerkschaftlicher Seite seien Vorschläge in dieser Rich gemacht worden. Es handle sich im ganzen um einen such, sagte der Minister, dessen Gefahren er nach wie nicht unterschätzt, den man aber wagen müsse, wenn me wie er, ein weiteres Sinken des Realeinkommens der beiterschaft für untragbar halte und schwere wirtschaft und politische Erschütterungen verhüten wolle. 1 Marksturz und Ministerkrise in Polen Der Rücktritt des i Finanzministers und des Ha ministers wegen des katastrophalen Sturzes der polnischen gilt als beschlossene Sache. Finanzminister soll der frühere mintster Milschalski werden, der sich zunächst noch verhält. 5 Vom Finanzministerium sind Verfügung über Verfügun troffen worden. Die Warschauer Börse⸗ wurde geschlossen, die anderen Börsen in Polen. Diese Maßuahme soll bis 3 andauern. Sämtliche Banken sollen bis dahin ihre Devise polnische Landesdarlehnskasse abgegeben haben. Gegen einige wird wegen Nichtangabe ihrer Deipsenvorräte gerichtlich 9 5 werden. Weitere einschneidende Verordnungen n geplant.. Hierzu wird uns noch telephoniert: Seit Dienstag sin Warschau alle polnischen Valutabörsen geschlossen word Banken und Exporteure müssen sämtliche Devisen an die Bank abgeben, die damit auf den Kurs des Dollars drücken 1 Am Donnerstag ist der Dollar infolge dieser Transaktfonen berei wieder mit 100 000 polnische Mark verkauft worden. Die Regt glaubt, den Kurs noch weiter Ficken zu können, sodaß in ser Maßnahmen die vielen kleinen Besitzer von Devisen p ihren gehamsterten Besitz verkaufen. Durch das Verbot der ausländischer Devisen ist eine gewaltige Einschränkung der pn Valutaspekulatton erreicht worden. Im Laufe der Mittwe wurden etwa 40 Mitglieder der„schwarzen Börse“ in Warscha haftet und 15 000 Dollar beschlagnahmt. a E. dingt notwendig, daß die im Entstehen begriffene Jun g⸗ bauernbewegung nach Kräften unterstützt und gefördert wird. usw. gez.: Die Geschäftsstelle. Weber Die Landwirte, die eventuell doch noch anders denken sollten als die Zentralleitung, werden aufgefordert, sich ebenfalls gegen die Sommerfortbildungsschule auszusprechen. Die Geschäfts stelle hat, wie es scheint, Angst vor der eigenen Courage und glaubt selbst nscht an die aufgestellten Behauptungen, sonst wäre dieses Schreiben überflüssig. Der diktatorische Satz, daß die Fortbildungsschule auf die Wintermonate verteilt wird, ist sehr bezeichnend. Seit wann hat die bauernbündlerische Geschäftsstelle Vollzugsge⸗ walt? Der Hinweis auf die im Entstehen begriffene Jung⸗ bauernbewegung im Schlußfotz zeigt, wohin geht. So macht der Hessische Bauernbund Politik. eine sonderbare Politik! g Jeder Reisende sollte Seitmann's Renovator hei sich führen, aue a diesem ausgezeichneten Mittel Schuhe und alle 155 tigen Ledersachen auf die beguemste und billigste/ Weise ste in einem eleganten Zustande zu erhalten. Renoviere Leder uur mit Heitmann's Renovator. JC... Der verlorene Sohn. 5 Roman von Hall Caine. „So frage also“, sagte Oskar. N „Ernstlich wünsche ich zu wissen, ob Du. wenn ich Thora pon ihrem Versprechen entbinde, sie heiraten wirst?“ „Gewiß, ja— wenn sie mich haben will— ja!“ „Du sagtest gestern, wie Du Dich erinnern wirst, daß Liebe gegenseitige Liebe die einzige Grundlage einer wahren Ehe sei. Vielleicht vergaß ich dies in meinem Falle, ich darf das jetzt indes nicht wieder tun. Es ist also nicht genügend, daß Thora Dich lieben sollte, es ist notwendig, daß auch Du Thora liebst— tust Du das?“ „Allerdings tue ich das!“ „Deine Zuneigung ist erst eine sehr kurze, bist Du sicher, daß sie keine vorübergehende ist?“ „Ganz sicher!“ „Es ist eine ernste Sache, wenn zwei Menschen, wie Thora sagt, sich für Glück und Unglück, bis der Tod sie einst scheidet, miteinander verbinden— Du fürchtest Dich nicht davor?“ b „Nein!“ „Du willst sie immer lieben?“ „Immer!“ sagte Oskar. 1„Du hast Dir alle Verantwortungen, alle Folgen wohl überlegt?“ „Ich weiß nichts von Verantwortungen und Folgen, Magnus. Ich weiß nur, daß ich Thora von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebe, und daß ich, wenn Du sie auf⸗ geben willst und sie mich zu heiraten einwilligt, mein ganzes Leben der Aufgabe widmen will, sie glücklich zu machen.“ 5 Magnus rückte auf seinem Stuhl hin und her, räusperte lich und begann von neuem:„Thora ist ein herziges, gutes Mädchen, das beste und herzigste Mädchen von der Welt, sie ist aber ein einfaches Kind Islands und nie aus ihrem Lande heraus gewesen. Sie ist ganz anders, wie Du es bist, und wenn Du sie mit nach England nimmst, wird sie grund⸗ verschieden von Deinen dortigen Freunden sein. Hast Du das bedacht? Wirst Du es vermögen, ihr stets ihre Erziehung * 14 . genug sein, den Rückschlag einer derartigen Ehe zu er⸗ tragen?“ Die Reihe war nun an Oskar, unruhig auf seinem Stuhl hin und her zu rücken.„Weshalb solltest Du mir dergleichen Fragen vorlegen, Magnus?“ „Wird sie das?“ wiederholte Magnus strenger als vorher. „Ich glaube ganz sicher.“ „Aber wird sie das?“ fragte Magnus noch strenger. „Ja, sie wird es,“ sagte Oskar. Es entstand eine kurze Pause und darauf sagte Magnus ruhig:„Ich habe noch zwei oder drei andere Fragen an Dich zu stellen, eben so wohl um Deinet⸗ als um Thoras willen.“ „Frage also.“ „Thora ist sozusagen ihres Vaters einzige Tochter jetzt, und er ist ein alter Mann und hängt sehr an ihr. Würdest Du auf seinen Wunsch hin, sie nach ihrer Verheiratung in Island zu behalten, einwilligen, den Rest Deines Lebens hier auf Island zu verbringen?“ „Wenn er es als Bedingung aufstellte— ja.“ „Natürlich hat der Gouverneur, nachdem er so viel an Deine Erziehung gewandt hat, gewisse Pläne für Dich im Sinn, und ebenso hast Du Deine eigenen Ziele und Dein eigenes Streben. Wenn diese je in Widerstreit mit Deiner Liebe für Thora gerieten, wenn sie Dich von ihr fortlocken sollten, würdest Du stets bereit sein, dieselben ihr zu opfern?“ „Gewiß würde ich das.“ „Du bist dessen ganz gewiß?“ „Ich bin dessen gewiß— das heißt— es wäre natür⸗ lich hart= die Ziele und das Streben eines ganzen Lebens aufgeben zu sollen— wenn sie jedoch, wie Du sagst, je mit meiner Liebe zu ihr in Widerspruch geraten— oder mich verlocken würden, sie zu verlassen, zum Beispiel nach Eng⸗ land zu gehen—“ „Oder nach irgend einem anderen Lande— oder zu irgend einer anderen Frau?“ 8 5 „Das wäre unmöglich, Magnus!“ 0 und Bildung zugute zu halten? Wird Deine Liebe stark „Wenn es aber möglich wäre?“ „So würde ich nicht gehen.“. „So daß also, wenn ich Thora aufgebe und sie heiraten einwilligt, nichts und niemand imstande sei ihr Glück zu stören?“ N„Nichts und niemand,“ sagte Oskar. 5 „Donn schreibe es nieder,“ sagte Magnus, das au Pulte liegende Blatt Papier berührend. ö „Es niederschreiben?“ „Für sie, nicht für mich. Wenn Du alles dess sicher bist, brauchst Du Dich nicht zu scheuen, es schwat weiß nieder zu schreiben.“ 6 „Ich scheue mich nicht, es hat aber keinen Zweck alles an Thora zu schreiben.“ a „Weshalb nicht?“ a „Weil sie, nachdem Du uns gestern abend be hattest, mir sagte, daß, wenn auch ihr Herz mir gehö Dir ihr Wort gegeben habe und es zu halten gezwunge „Das hat sie Dir gesagt?“ „Ja, das hat sie.“ 1 Magnus zögerte einen Moment, ehe er in d heiseren Stimme wie gestern sagte:„Schreibe es dem nieder und laß mich selbst den Brief überbrin „Ist das wirklich Dein Ernst, Magnus?“ „Ja.“ ihr sprechen willst?“ N „Schreibe Deinen Brief,“ sagte Magnus mit Stimme. 5 8 „Welch prächtiger Bursche Du bist! Du erweck Gefühl in mir, als ob ich mich Dir gegenüber schandb nommen hätte und alles d'rum geben möchte, nie von land zurückgekommen zu sein. Und doch kann ich d wünschen, denn Thoras Liebe ist mir nun alles auf und dieselbe mir zu erhalten, würde ich kein Opfer ft Wenn ich Dir jedoch Unrecht zugefügt habe, weiß ich besseren Weg meinen Kummer darüber auszudrücke meine teuersten Interessen in Deine Hände zu les will sofort den Brief schreiben, Magnus. Ich ha zwanzigmal versucht, ihn zu schreiben und ko jetzt aber kann ich es und will ich es.“ a (Fortsetzung folgt.) Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 141 2 Gießen, Samstag, den 23. Juni 1923. Gießen und Umgebung. Verregneter Sommer. Sonnenwende, Jahresmitte, und nicht ein al so recht unangenehm brütend heiß war. A erinnen, wie geizt das Wetter dies Jahr Bunt 8 er uns alle eigentlich trüfft's unangenehm, weil et 7 Tebstehn länger still im Zimmer sitzt, gelegentlich mee un Irn Scheußlich: darüber sind wir alle uns einig. ber e da waren auch eim paar andere Tage. Da 5 hinein tte man sich in die Eisenbahn und dampfte in die , im. Zuerst lag verspäteter Reif noch in Gräben und e damm aber stieg die Sonng hoch, und im trutzigen ö 18 8 war's schon scin war. Auch die beiden Störche vom Turm Stadt er weiß wie hoch stiegen sie dtmauer steckte es an; w nein, fast ohne Flügelschlag schwebten sie dann in sersausend, und landeten gerade auf ihrem N ü 5 f j est: Messter . Hie und da hoppelten in den Face die 1 1 5 „eim paar Hasen, die ihrer Schonzeit sich f 1 der ganzen Eb. 8 5 zeit sich freuten, und über n ene lag ein unablässiges, nie aussetzendes Lerchen⸗ strillern. Das war ein Lied der Freude am Leben, wie es erhabener 1 5 e e kann.— überwältigend schön. vet die ee auf die nächsten Taunusberge hinauf. 0 00 alburg wieder aufgebaut, sehr interessant, und 5 mam so schön am alten römischen Grenzwall entlang wandern, zur Kapersburg, die in Trümmern liegt. Alles: ver⸗ (gangene Herclichkeit.— einstmals Zeugen eines Weltreiches, Dicaner eines Militarismus Beweis allgemein gültiger Vergäng⸗ llichket. Steigt man zur Wetterau herab, so hat mam manchmal ganz wundervolle Ueberhlicke über Teile dieser gesegneton Ebene, 4 4 von dem gewaltigen Münzenberg beherrscht ist. Man muß doch (lächeln wenn man gelegentlich hört, die Leute, die solche Burgen und Schlösser gebaut hätten. hätten„Kulturwerte“ schaffen wollen. Mun, gewiß: das feste, starke, mendlich malerische Mün⸗ zeͤenberg. etwas e 1 die, die es bauten, ec niger an uns als an sich selbst gedacht: sie wollten sicher bewahrt seim und schön wohnen, und so mancher Bauer, der im Frondienst Bausteine zur Burg zu fahren hatte, könnte, wenn er aus dem Grabe aufstehen könnte, erzählen, mit Wieviel Unrecht derartige„Kulturwerte“ geschaffen wurden. Es iind Zeugen einer vergangenen Zeit: und so, wie Rese Zeit in's Meer der Unendlichkeit hinabsank, so wird auch unsere Zeit ein⸗ mal vergangen sein in der kaum anders als damals das Unrecht Triumphe feiert. Gerade an jenem Früshjahrstag, da wir von der Kapersburg herabbamen. hallten die Wälder wieder vom Dröhnen der Glocken aus den hessischen Wetteraudörfern; man läutete im Gedenken an die Not an der Ruhr, und nur in tiefem Mit⸗ gefühl konnten in dieser Morgenstunde die Gedanken wandern zu den so schwer um ihre Arbeit kämpfenden Brüdern dort,— zu so manchem Eisenbahner. der ausgewiesen ist und wartet, bis Weib und Kinder nachkommen.— zu so manchem Arbeiter, der am Tor einer Fabrif fremde Bafonette findet. Ungeheuerliches geschieht unseren Tagen! 5 Zu all der politischen Not nun trübes Wetter, Regenschauer, Wind,— kaum eim Lichtblick. Soll uns denn dies Leben ganz und gar versäuert werden? Es hat sich vieles gegen uns verbündet, und auch die Sonne verliert nun schon wieder ihre Macht, ehe wir sie einmal voll genossen haben Nicht zu ändern! Damit mag sich jeder abfinden, so aut er's kann. Einen Rat aber geb ich dir, lieber Leser, zu solch verregneter Zeit: laß dir's nicht so sehr in deine Seele regnen! Bewahre dir, trotz fast⸗ wachtmäßigen Dollarschwankungen, ein festes Herz: und vor allem: bleib in allem, was dieser verregnete Sommer auch bringen mag, ein fröhlicher Mensch! Das b sich so obenhim freut, wenn's was zu freuen gibt, der dann aber auch die Flügel hängen läßt, wenn irgend was schief geht: son⸗ dern: einer, der über dem Leben steht, dem die Freude aus dem Innern kommt, der darum auch nicht aus dem Gleichgewicht kommt. g Lebensbejahende Menschen wollen wir sein und vielem den aller were der Zeit und—— trotz so einem elend verregneten Sommer. 5 „icht muß wieder werden, nach dfesen dunklen Tagen! Laßt uns nicht fragen, ob wir es sehen. Es wird geschehen!“ 0 5 — Kleingärten sind bekanntlich nach den Roggen ⸗ preisen bemessen worden, wie sich diese nach den jeweiligen Notierungen zu einem gewissen Zeitpunkt stellen. 1 i Preußische Pressedienst mitteilt, zu dieser Frage en e e genommen und führt aus, daß er zwar auch eine zu niedrige Pachtfestsetzung für Klein⸗ gärten nicht billige, daß er sich jedoch dem vom Kreisaus⸗ schuß vorgeschlagenen Weg nicht anzuschließen vermag. Hierzu heißt es: 15 5 111 DDDie vom Kreisausschuß gewa) en bolkswirtschaftlich wie soziol weder gerecht 111 Mie 175 paßt auf landwirtschaftliche Grundstücke; a e 1 sind aber keine landwirtschaftlichen Grundstücke 55 5 5 keinen oder nur wenig Roggen N 1 setzungsverfahren kann vielleicht dadurch erleich e 5 daß der Preisfestsetzengsausschuß einen Norma 1 5 nes Kleingartens e e eweiligen Preisstand der 9 ee ssogiale Be; 4 N In den Kreisen der Pächter hat die Festsetzung vielfach Un⸗ d N* eres Es ist von Interesse, welche Stellung . der preußische Minister für Volkswohlfahrt zu dieser Frage 4 einnimmt. Ein Kreisausschuß hatte diese Berechnungsart 1 des 4 borgeschlagen, um die Pachtpreise auf eine angemessene Höhe e ie bringen. Der Minister für Volkswohlfahrt hat, wie der ö Preisberechnung ist i ö i erechligter Preise darf die 0 55 n e e ares nicht aus den Augen l 5 rd man wohl nur durch organi⸗ rloren werden. Dieser wi wol orischen Zusammenschluß der Kleingärtner, 0 ilden, gerecht werden können.“ 5 f ee des Erlasses gibt der Minister 115 12 gung Ausdruck, daß die Städte, e 1 00 zu verständnisvoller Mitarbeit 1 15 117 1 2 wenn n,. 95 f ben Stellen erwarten, sondern e t sind Aehnliche Gedanken wie die in dem Er 510 1 druck gebrachten sind in Kiel, Königsberg 1 Pr. 1 künberg i. Schl. bereits in die Tat umgesetzt. die Genossen⸗ kamen dann wieder herab, pfellgeschwind nie⸗ soll nicht heißen: einer, der — Die Pachtpreise für die städtischen Grabstücke und Die Einwohnerzahl Gießens betrug am 1. April dieses Jahres 34884 Personen. Vor dem Kriege, am 1. April 1914, belief sich die Zahl der ortsanwesenden Bevölkerung in unserer Stadt auf 33 268. Militärpersonen sind hierbei außer Berechnung geblieben. Danach beträgt die Bevölke⸗ rungszunahme in den neun Jahren 1616 Personen. Das ist eigentlich nicht viel; man muß sich wundern, daß trotzdem die Wohnungsnot in diesem Maße besteht, wie es tatsächlich der Fall ist, zumal in den letzten Jahren doch immerhin eine nicht geringe Zahl von Wohnungen errichtet worden sind. Auf der andern Seite muß in Betracht ge⸗ zogen werden, daß seit mehr als sechs Jahren die abgängig gewordenen Wohnungen nicht ersetzt worden waren, während früher doch jedes Jahr eine ganze Anzahl Wohnhäuser er⸗ stellt wurden. Daher erklärt sich, daß die Wohnungsnot noch immer nicht wesentlich gemildert werden konnte. — Oeffentliche Versammlung. Wie in der gestrigen Nummer angekündigt wurde, findet eine Versammlung am Montag abend im Saale des Gewerkschaftshauses statt, in welcher Genosse Mann über Wohnungsbauabgabe und Wohnungswirtschaft sprechen wird. Auf die Versammlung sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen. — Gebührenordnung der Dienstmänner in der Stadt Gießen. Nach einer Bekanntgabe des Polizeiamts sind die Dienstmänner bis auf weiteres berechtigt, von den nach der Gebührenordnung vom September 1920 und Dezember 1922 ihnen zustehenden Gebühren das 10. bezw. das 15fache zu erheben. ö — Kartoffelmangel. Trotz der außerordentlich reichen Kartoffelernte, die im vorigen Jahre glücklicherweise zu verzeichnen war, zeigt sich jetzt Mangel an diesem wichtigsten Nahrungsmittel, der die Preise auf eine ganz unglaubliche Höhe steigen ließ. Für ein Pfund alter Kartoffeln werden jetzt vom Handel Preise verlangt, die über 1500 Mk. hinaus⸗ gehen! Dabei sind schwer Kartoffeln zu bekommen, die Familie, welche sich im Herbst nicht genügend damit ver⸗ sehen hat, kommt in höchst unangenehme Lage, die sich bei Minderbemittellen zur Hungersnot steigern kann. Es ist klar, daß sich dieser Kreise große Erregung bemächtigt hat. Durch die schlechte Witterung wird die Ernte der neuen Kartoffeln verzögert, wodurch die Lage noch verschlimmert wird. Es wird behauptet, daß bei den Bauern keine Kar⸗ toffeln mehr vorhanden seien, weil große Mengen zu Vieh⸗ futter verwendet worden wären. Mag immerhin viel ver⸗ füttert worden sein, so kann der Mangel doch nicht allein dadurch verursacht sein, noch vor wenigen Wochen wurde in landwirtschaftlichen Kreisen darüber beraten, wie man die ungeheueren Mengen Kartoffel der letzten Ernte unter⸗ bringen sollte! Da wird wohl der Verdacht nicht ganz un⸗ begründet sein, daß sie an gewissen Stellen in der Aussicht auf höhere Preise zurückgehalten werden. Die Behörden hätten Veranlassung, das festzustellen. — Haltet den Dieb! An dieses Wort muß man unwill⸗ kürlich denken, wenn man die Notiz des Verbandes der Deutschen Obst⸗ und Beerwein⸗Keltereien in Nr. 139 dieser Zeitung las. Er jammert jetzt schon über die hohen Obst⸗ preise, die sie später im Herbst zu zahlen gezwungen seien. Eine gute Obsternte ist in manchen Gegenden zu er⸗ warten und trotzdem sollen jetzt schon hohe Preise gefordert werden. Da wäre es doch das nächstliegende, daß die Obst⸗ weinhersteller einfach diese hohen Preise nicht zahlten, die Hausfrauen würden es ihnen danken. Aber es wird genau so kommen, wie es bisher jedes Jahr war. Die guten Herren werden aus lauter Menschenfreundlichkeit jeden Preis zahlen im Hinblick darauf, daß sie von den Genießern ihres Stoffes nachher doch noch höhere erhalten. Die heutigen Aepfelweinpreise sind der Gradmesser, an dem die Obstverkäufer und Händler den Preis ihres Obstes ablesen. Die Herren Eppelweigeschworene schimpfen wohl hin und wieder über die hohen Preise des teuren Stöffchens, im übrigen aber trinken sie ruhig und gewissenlos weiter. Eine große Gewissenlosigkeit ist es doch allemal, wenn einige Tausende auf einen zweifelhaften Genuß nicht verzichten zu können glauben, während Hunderttausende daheim nichts zu essen haben. Int Ausland betteln wir für unsere hungernden Kinder daheim, während wir hochwertige Nahrungsmittel durch Vergären auf den Misthaufen werfen, dadurch, daß unsere lieben Volksgenossen nicht auf ihren Aepfelwein, ihr Bier und ihren Schnaps verzichten können. Das hygienische Museum in Dresden hat rechnerisch festgestellt, daß wir im vergangenen Jahr einundvierzigmal soviel an Nährwerte inn Gärungsgewerbe vernichteten, als wir an Almosen von den amerikanischen Quäkern erhielten. Wer sich jetzt noch nicht auf seine Pflicht besinnt, dem ist nicht mehr zu helfen. — Jugendfeier auf dem Schiffenberg. Auf die von der Arbeiterjugend des Bezirks Gießen veranstaltete Feier, die am Sonntag nachmittag auf dem Schiffenberg stattfinden soll, sei nochmals aufmerksam gemacht. Sie beginnt 2½ Uhr. Neben den Darbietungen der Arbeiterjugend, wie Jugendspiele, Volkstänze und Reigen, werden Rezitationen und Liedervorträge von Arbeiter⸗-Gesangvereinen für ab⸗ wechselnde Unterhaltung sorgen. Im Mittelpunkt der Feier steht die Festrede, die in der historischen Kirche des Schiffen⸗ bergs stattfindet. Hoffentlich gibt es endlich gutes Wetter; aber auch bei weniger günstigem wird zahlreiche Beteiligung erwartet. — Sommeranfang? Daß zu Frühjahrsanfang noch Schnee lag, ist schon öfters vorgekommen, daß man aber zu Sommersanfang noch die Zimmer heizen muß, dessen dürften sich die ältesten Leute nicht erinnern. Ein wirklich skandalöses Wetter, das in dem Jahre der Not gerade noch gefehlt hat! Sonntagsdienst der Aerzte und Apotheken am 24. Juni 1923. Dr. Klewitz, Luwigstraße 1 und Dr. Platz, Alicestraße 25(von Samstag nachm. 4 Uhr bis Montag vorm. 7 Uhr); Engel⸗Apo⸗ theke(von Samstag abend 7 Uhr bis Montag vorm. 8 Uhr, mir Nachtdienst in der anschließenden Woche. — Diebstähle. Aus einem Lokal wurde ein orangesarbiger Ulster und von einem Gebäude ein Firmenschild aus Emaille entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachbienliche Mitteilung nimmt die Kriminal⸗Abteilung entgegen. — Allendorf a. Eda. Hier wurde endlich auch eine Freie Turner⸗ schaft gegründet, die am 12. Mai ins Leben trat. Vorsitzender ist L. Größer II. Damit ist jedem Arbeiter und Genossen Gelegenheit gegeben, sich im Kreise von Seinesgleichen turnerisch zu betätigen und körperlich auszubilden. Hier besteht noch ein Turnverein, der zum Lahn⸗Dünsberg⸗Bund gehört. Dieser weill zwar umpolitisch sein; als er aber erfuhr, daß die freien Turner in demselben Lokale ihre erste Versammlung abgehalten hatten, in dem er bisher seine Turnstunden abhielt, zog er aus, weil die Leute vom Lahn⸗Düns⸗ berg⸗Bund mit„den Roten“ das Lokal nicht teilen wollten. Das war zwar wenig tolerant, aber den freien Turnern war damit geholfen, sie brauchten nicht lange auf die Lokalsuche zu gehen.— Hoffentlich schließt sich die Arbeiterschaft unseres Ortes zahlreich der Freien Turnerschaft an. g 9 Kreis Friedberg⸗Büdingen. 5 Butzbach. Butzbach wird am 23. und 24. Juni ein großes Hei widerfahren!— Für 2000 Studenten und jungen sowie ältere Leuten aller Berufe und Stände wird eine Zeitung an die Einwohnerschaft heißt, gesucht. Wie auch im vorigen Jahre wird man bei der Sonnenwendfejer auf der Burg Münzenberg einen Bamfluch richten gegen die Republik und ein treues Gelöbnis für Errichtung einer Monarchie ablegen.„Nur noch wenige Stunden trennen und von einem neuen Deutschland“ hörte man den Herrn Prof. Werner damals sagen. Ein Jahr ist nun doch schon vorüber gegangen, ohne daß die Wünsche in Er⸗ füllung gingen. So schnell wie es sich die Herrn gedacht haben, ist die Sache nicht gegangen. Aber— der Wahrheit die Ehre— rast⸗ los und unermüdlich haben die Deutschwölkischen Hitler und Ge⸗ nossen an ihrem Ziel gearbeitet, der Republik das Wasser abzu⸗ graben und die Errungenschaften der Revolution den Arbeitern aus den Händen zu entwinden. Sie haben es verstanden, die bürgerliche Jugend unter der Flagge„Jungdeutscher Orden“ vor ihren politischen Wagen zu spannen. Es ändert daran auch nichts, wenn der Herr Dr. Weide versucht, diesen Orden als unpolitisch g 1 hinzustellen. Er schreibt ja selbst in einem Artikel der Butzbache Zeitung:„Rechte haben die Ordensmitglieder keine, nur Pflichten.“ — Die Drahtzieher sind eben die Königsmacher und ihr Ziel ist— die Konterrevolution herbeizuführen. Die Arbeiterschaft und auch die republikanischen Einwohner von Butzbach und Umgegend können das Manöver am Samstag umd Sonntag beobachten. Sie werden ihre Kräfte nicht in Gegendemonstrationen zerplittern, sondern die Lehre aus diesem Aufmarsch ziehen, sich zum ge⸗ schlossenen Kampf rüsten. Alles drängt zur Entladung. Wagen es e Herrschaften zum Schlage auszuholen, um die Axt an die Wurzel der Republik zu legen, sollten ste versuchen uns noch mehr zum Paria herabzudrücken, so werden sie uns ge 5 Der Arbeiterschaft empfehlen wir, sich die Geschäfte zu merken, die an diesem Tage die schwarz⸗weiß⸗voten Fahnen heraus hängen, oͤesgleichen das Cafe Taubenheim und das Zigarrengeschäft von Ferdinand Spiegelberger, Weiselerstraße, wo die Listen zur Ein⸗ zeichnung der gegen Gotteslohn zu stellenden Betten offen liegen. Kleine Nachrichten. Darmstadt, 18. Juni. Zwei eigenartige Mordver⸗ suche spielten sich letzte Nacht hier ab. In der Landgraph Philipp⸗ Anlage fand man ein Dienstmädchen in Schreikrämpfen, das angeb⸗ lich von ihrem Liebhaber am Halse gewürgt wurde. Ueber diesen Fall fehlen noch nähere Mitteilungen.— Nach 2 Uhr wurde dann abermals ein Mädchen von zwei ermittelten jungen Leuten an der Hochschule mit einer Schnur gewürgt und über ein Geländer ge⸗ worfen. Wie sich bei späterer Vernehmung herausstellte, war das Mädchen mit ihrem Liebhaber in einem hiesigen Gasthaus eingekehrt und beide hatten viel getrunken. Das Mädchen habe mit einem anderen Liebhaber ein Verhältnis angefangen und soll sich dahin geäußert haben, nach Amerika auswandern zu wollen. Dies sei der Grund zur Tat gewesen. Strangulierungsmerkmale fanden sich trotz der Schnur, die dem Mädchen um den Hals lag, nicht.— Beide Mädchen befinden sich im hiesigen Frankenhaus und ist weitere Untersuchung im Gange. Die Mordangelegenheit bezüglich des Bankbeamten Fischer soll soweit ihre Aufllärung gefunden haben. daß man in den nächsten Tagen näheres über den seltsamen Mord erfahren wird. Darmstadt, 21. Junt. Ausgewiesene treffen täglich in großen Mengen hier ein. Sa kam gestern Abend ein Möbelwagen von Groß⸗Gerau hier an, der das notdürftigste Hab und Gut von etwa 500 Personen aus der Binger Gegend in sich barg. Trotz aller erlittener Pein atmen die Leute richtig auf wenn sie unbe⸗ setztes Gebiet betreten, als falle ein Druck. Friedberg, 21. Juni. Großfeuer. Im nahen Ober mörlen wurden drei Scheunen durch ein Großfeuer zerstört⸗ Das Vieh konnte im letzten Augenblick gerettet werden. Die neue Aetna⸗Katastrophe. Nach den letzten Meldungen aus Messina hat sich gestern morgen an dem Krater an der Westseite eine neue Oeffnung gebildet, aus der große glühende Lavamengen, die das Liseciano⸗Tal bedrohen, herausströmen, obwohl Bronte und Adorne noch nicht direkt bedroh sind. In Lawinarzo ist der Lavastrom, der von dichtem Aschenregen begleitet ist, dicht bis an das Dorf herangetreten. Für Linguaglossa hofft man, daß die zwei erloschenene Vulkane von Dong Francisca. die bisher der Stadt als Schutz gedient haben, auch weiter den Feuerstrom abhalten werden. Es ist jetzt möglich, die Größe des Kraters am südüstlichen Abhhange zu schätzen. Der Lavastrom hat dort eine Breite von fünf Achtel Meilen und ergießt sich bis nach Giarre. Etwas niedriger ergießen sich zwei andere Ströme. Inner⸗ halb einer Viertel Meile ist die Hitze, die der Feuerstrom ver⸗ bereitet, unerträglich. Der Lavastrom macht ein Geräusch, als ob eine Riesenkette in weiter Entfernung rassele. Ab und zu hört man gewaltige Explosionen, die durch das Zerbrechen der Erdkruste ver⸗ ursacht werden. Ueber all diesen Schrecken hängt ein dichter weißer Rauch. Die traurigen Prozessionen der fliehenden Bauern, die nicht wissen, wohin sie sollen, lassen sich mit Worten kaum schildern. Auf kleinen Karren retten sie ihre dürftigen Habseligkeiten und betrachten stumm mit Verachtung die zahlreichen Ausländer, die herbeieilten, um das Unglück anzusehen. Linguaglossa verloren? 1 Aus Mailand wurde gestern noch gemeldet: Durch die sich weiter herabwälzende Lava scheint es leider nicht mehr müglich zu sein, das Städtchen Linguaglossa zu retten. Der Lavastrom ist, nach⸗ dem er den Flecken Catena erreicht und verschüttet hat, bereits in das Städtchen eingedrungen. Die ersten Häuser liegen schon unter der 20 Meter hohen Lavadecke. Die zum Teil zurückgekehrten und mit der Räumung ihrer Wohnungen beschäftigten Bewohner ziehen trostlos ab. 1 7 e Unterkunft gegen „Gotteslohn“, wie es so schön in einem Inserat der Butzbacher wappnet finden. indwirff L n r F Die Nahrungsaufnahme der Pflanzen. l Unsere grünen Kulturgewächse nehmen die für ihr Leben not⸗ wendigen Nöhrstosse aus dem Boden und aus der Luft auf. Die Nahrungsaufnahme durch die eig. Walde Pflanseheguge duns diefer a sangeworgane — Da von der Tätigkeit dieser Organe das wollen wir im folgenden eine kurze Darlegung geben. 1. Die Nahrungsaufnahie durch die 1 Die Wurzel senkt sich mit ihrer Hauptwurzel umten in eden Au diese aber nur eine kleine Erdmenge durchzieht und mur sehr wenja von ihven Nährstossen auszunützen vermag, treibt sie bald nach allen Richbungen Sesten⸗ oder Neben⸗ wurzeln aus. Diese lösen ich wieder in immer feinere Aeste auf, ganzes 1. Wurzeln 6 ganze Bodenmasse du eht. Nimmt man eine 0 cats dem Boden heraus. Bodenballen an der Wurzel. Selbst Hilfe eines Mikroskops. so 9 r Wurzeln äußerst seine und zarte Härchen, die die feste Verkjttuna mit den een eee Aus dieser innigen Verwachfung der gel Erdteilchen bildet sich die Wurzelhose, die besonders bei jungen Keimpflanzen deutlich sichtbar ist. Die Lebensdauer der in einiger Entfernung von der Wurzelspitze entstandenen Wurzel⸗ haare ist lurz; sie sterben aum entgegengesetzten Ende von der Wurbelfpite in dem Maße ab. als sich neue Wurzelhaare in der Nähe der Wurzelspitze bilden. So kommen die immer frisch ge⸗ blldeten Wurzelhaare mit den einzelnen Bodenschichte in Bo⸗ rührung. Die in den Voden eindringende Wurzelspitze hat sich zu ihrem Schutze mit einer Wurzelhaube⸗ umgeben, deren Außerster Nand eine gafertartige, schmiersige Beschafffenheit hat, um sich zwischen den Gesteinstrümnierchen leicht und unversehrt hinburchwinden zu können. 1 Die Wurzelhaare haben aber nicht nur weck, die P in den tieferen Bodenschichten sicher zu verankern, sondern ion en fällt in erster Linie die Aufgabe zu, die Pflanze mit Natur ⸗ stofsen und Wasser versorgen. Denn der hinter den Wurzelhaaren liegende ältere Teil der Wurzel hat sich müktlerweile mit einer wasserdschten Korkschicht umgeben, von Nährsalzen und Wasser unmöglich macht. i a Da in den Wurzelhaaren keinerlei Oeffnungen sind, durch die Wasser und Nährstoffe eintretan können, muß zwischen der Nährstosflösung des Bodens und dem Safte der Wurzelhaare ein unmittelbarer Austausch durch die Wandungen erfolgen. Dieser Austausch erfolgt nach dem Gesetze der sogen. Os mose. Man versteht hierunter den gegenseitigen Austausch von zwei ver⸗ schiedenen mit einander mischbaren Flüssigkeiten, die durch eine engporige Wand von einander geschieden Der Aus⸗ tausch dauert solange fort, bis sich beide geht die schwächere in größerem Maße Da nun die Flüssigleit des Bodens geringere Salzmengen enthält 10 als die der Wurzelhaare, so wandert die schwächere Salzlösung 1 bes Bodens durch die Poren der Wandung in die dichter Wurzelhaarlösung hinein, während nur geringe Stoffmengen aus dem Safte des Wurzelhaares austreten. 6 1. eie 16— 7 des Bodens sind aber nicht im Wasser 0 Sli Diese wür der dies aber nicht geschieht. find die Pflanzenwurzeln befähigt, die zur Auflösung zu bringen. Zu diesen Zweck scheiden Wuczeln Säuren ats, unter den besonders die Kohlensäure die Auflösung der Bodensalze bewirkt. Auf diese selbst an der Bereitung ihrer Nährstofflösung. — N Die Kartoffel als Grundlage der Volksernährung. Jn der Deutschen Tageszeitung bespricht Oekonomierat Franz 5 J dieses Thema und führt dabei sehr zutreffend folgen⸗ des aus: J a„Die Kartoffel dient der menschlichen Ernährung unmittelbar und durch Brotstreckung in frischem und getrocknetem Zustande. Der tierischen Ernährung in derselben Art. Die Verarbeitung der Kartoffel 55 Stärke und Alkohol ist den Nährmittelfabriken und den medizinksch⸗technsschen Industrien unentbehrlich. Die Rückstände der Stärke⸗ und Alkoholfabrikationen dienen ebenso wie die ge⸗ trockneten Kartoffeln als hochwertiges Futtermittel: der Mlilch⸗, Fleisch⸗ und Fetterzeugung.“ 0 Er richtet daher an die Landwirte die Aufforderung, die Kartoffelanbaufläche nach Möglichkeit zu vergrößern, um auf diese Weise die Volksernährung sicherzustellen. Damit ist ein Thema wieder angeschnitten, welches schon in den Kriegsjahren in nicht allein von Kartoffeln leben kann, so ist doch bei der jetzt für die demnächst in Aussicht stehenden Verdoppelung des Brotpreises zweifellos damit zu rechnen, daß die Kartoffel besonders im kom⸗ menden Jahre das Hauptnahrungsmittel für die große Masse der Bevölkerung sein wird. Deshalb scheint es angebracht, erneut zu erörtern, inwieweit eine Steigerung der Kartoffelvor⸗ räte für die Zwecke der menschlichen Ernährung möglich ist. Die Gesamternten an Kartoffeln im Deutschen Reiche stiegen in den 25 Jahren von 1885 bis 1919 von 29 706 645 Tonnen auf 45 969 466 Tonnen. Im Jahre 1913 betrug die Ernte rund 44 000 000 Tonnen, im Jahre 1922 nahezu schon wieder 40 000 000 Tonnen. Die Mög⸗ lichkeiten, um die Kartofselvorräte für die Volksernährung zu stei⸗ gern, sind verschledener Art. Es kommen besonders in Frage: 1. Ausdehnung des Kartoffelbaues, 2. Einstellung bezw. Verbot der Kartofselbrennerel, 3. Beseitigung der großen Nährwertverluste bei der Aufbewahrung der Kartoffeln. Wollen wir prüfen, inwieweit die Ausdehnung des Kartoffel⸗ baues zweckmäßig und möglich ist, so wird zunächst festzustellen sein, ob die Kartossel, die mit 2,1 Prozent Eiweiß und 21,9 Prozent stickstossfreien, Stoffen nicht gerade sehr nährstoffreich ist, durch Massenerträge höhere Nährwerte von der Flächeneinheit bringt als andere Früchte, deren erweiterter Anbau in Kriegszeiten ebenfalls 5 in Frage kommt. Wir vergleichen die Kartoffel da am besten mit dem Roggen, weil der Roggen ungeführ dieselben Ansprüche an den Boden stellt und ebenso wie die Kartoffel bei entsprechender Pflege und Düngung mehrere Jahre ohne Nachteil hinter sich selbst ange⸗ baut werden kann. Der Roggen enthält 11,5 Prozent Eiweis und 75,5 Prozent stickstoffreie Stoffe. Bei unserem Vergleich wollen wir jedoch sehr vorsichtig zu Werke gehen und nur relativ niedrige Durchschnittserträge bei beiden Friichten annehmen, die in guten 5 gewaltig übertrossen werden. Wir erhalten dann folgendes Stickstoffreie Stoffe: 21,9 Prozent 87,60 Ztr. Ertrag auf 1 Hektar: Eiweiß: b Kartoffel 400 Ztr. 2,1 Prozent 8,4 Ztr. J Roggen 50 Ztr. 11,5 Prozent 5,75 8tr. 75,5 Prozent 37,75 Str. 1 Mithin liefert die Kartoffel auf derselben 5 Fläche 2,05 Zentner Eiweiß und 49,85 Zentner stickstoffreie Stoffe — Pflanzen abhängt. ihre Kenntnis also ven großer Beben ist. die eine Aufnahme gemischt haben. Bel verschieden f 715 stärkeren über. der Weise Pflanze aber verloren gehen. Damit Weise betelligt sich also die Pflange hohem Maße die Gemüter erregte, und wenn nun der Mensch auch mehr als der Roggen. ber in sehr hohem Grade verdaulich sind, so kann die Ausdehnung Kartoffelbaues nur dringend empfohlen werden. Wo wird dieselbe nun am Platze sein? Wir denken da beson⸗ ders an die Gegenden mit leichten, aber humösen Sandböden. Dort gehören jetzt die Kartoffeln hin und ferner auf alle weu kultiwierten Oed⸗ und Heideländereien, 1 Stallmistdüngung meist auch sehr gute Erträge liefern. Um festzustellen, welche Erhöhung die Kartoffelnvorräte für die menschlich Ernahrung durch Einstellung der Kartoffel⸗ brennerei und Beseitigung der Verluste bei der Auf⸗ bewahrung erfahren können, müssen wir einmal nachweisen, welche Verwendung die Kartoffelernten bisher in Deutschland ge⸗ funden haben. Nach einer Zusammenstellung von Behrend dienten von den etwa 430 Millionen Doppelzentnern Kartoffeln, die in dem Zeitraum von 1907 bits 1910 jährlich in Deutschland geerntet wur⸗ den: 1 176 Millionen oder 40 Prozent als Futterkartoffeln, 120 Millionen oder 30 Prozent als Speisekartofsfeln, 52 Millionen oder 11 Prozent als Saatkartoffeln, 25 Millionen oder 6 Prozent als Brennereskartoffeln 14 Millionen oder 3 Prozent als Stärkekartoffeln und 43 Millionen oder 10 Prozent gerieten in Verlust. Hieraus ergibt sich, daß bei einer Ausdehnung des Kartoffel⸗ baues in der angegebenen Weise allein durch Verbot der Kartofsel⸗ brennerei sechs bis acht Prozent der gesamten Kartoffelernte in Höhe von 25 bis 30 Milltonen Doppelzentnern erspart und der menschlichen Ernährung überwiesen werden könnten. i Die großen Verluste an Kartoffeln, die rund 10 Pro⸗ ent der Gesamternte ausmachen, entstehen bei der Lagerung durch tmung, Verdunstung und Fäulnis und steigen mit zunehmender Lufttemperatur. Nach Untersuchungen von Keller betragen sie auch bei sorgfältigster Aufbewahrung in der Zeit von Oktober bis März monatlich 1,3 Prozent, zusammen also 7,8 Prozent, und steigern sich dann schnell, um im Juni eine Höhe von etwa 20 P Frühjahr vorhandenen Mengen zu erreichen. Dieses Ergebnis wit bestätigt durch sorgfältige Versuche der Landwirte aus der Mügelner Gegend(Sachsen), die folgende Zahlen ermittelt haben: vom 15. April bis 15. Mai 7 Prozent, vom 15. Mai bis 15. Juni 18 Progent, vom 15. Juni bis 15. Juli 26 Prozent, vom 15. Juli bis 15. August 33 Prozent, was einem Durchschnittsverlust von 21 Prozent entspricht. Diese großen Verluste lassen sich aber sehr wohl vermeiden, wenn die Kar⸗ toffel in eine Form gebracht wird, die haltbra und beförderungs⸗ fähig und außerdem schmackhaft und bekömmlich ist. Das aber ist die Trocken kartoffel. Nachdem man mit dem Trocknen verschiedener Futtermittel, wie Biertreber, Rübenschnitzel, Getreideschlempe usw. gute Erfahrungen 2 hatte, erließ 1893 der Verein Deutscher Spirttusfabrikanten und Stärkeinteressenten ein Preisausschreiben zwecks Herstellung von Dauerkartoffeln als Handelsware im Großbetrieb, und zwar als Futtermittel, Nahrungsmittel und Rohstoff für die technischen Nebengewerbe. Die Aufgabe wurde damals schon in befried igen⸗ gelöst für die Trocknung von Kartoffeln zur menschlichen Ernährung. Die Trocknungsverfahren, die näher zu beschreihen, hier nicht der Ort ist, find inzwischen natürlich erheblich verbessert worden, sodaß es etzt möglich ist, ohne zu graße Kosten und ohne jeglichen Verlust die Kartoffeln in ein vorzilgliches Nahrungsmittel durch die Trocknung überzuflihren. Aufgabe der Regierung ist es also, für den Bau entsprechender Trocknungs⸗ anlagen zu sorgen und durch Beseitfgung der großen Verluste, die sonst bet der Aufbewahrung der Kartoffeln entstanden, die Vor⸗ räte für die menschliche Ernährung zu erhöhen und sicherzustellen. — Inniarbeit im Gemüsegarten. Gießen, Jauchen, Jäten und Hacken, das sind neben der Neu⸗ bepflanzung abgeernteter Beete die Hauptarbeiten, die uns im Junt obliegen. In der Zeit des größten Wachstums der Gemüfepflanzen hängt viel davon ab, daß die Beete stets die nötige Feuchtigkeit ent⸗ halten, daß ihre Oberfläche der Luft Zutritt zu den Wurzeln ge⸗ stattet und daß weder diese noch die oberirdischen Teile der Pflanzen durch Unkraut in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Gießen und Hacken ergänzen sich gegensettig. Das Hacken lüftet den zusammen⸗ geschlämmten Boden wieder und verhindert die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit. Niemals darf der Gartenboden verkrusten; denn dann trocknet er viel schneller aus und imter der harten Decke ver⸗ sticken die Wurzeln. Zum Gießen verwende man möglichst weiches Wasser, am besten also Regenwasser. Brunnenwasser sollte min vor⸗ her abstehen lassen, auch schon wegen seiner niedrigen Temperatur. Denn kaltes Gießwasser schadet den Pflanzen, namentlich abends nach sehr warmen Tagen. Weniger gefährlich ist es morgens, da sich die Pflanzen und der Boden während der Nacht dann sehr abgekühlt haben. Eine zu jähe Abkühlung durch das Gießwasser soll man ver⸗ meiden. Manche Pflanzen sind dagegen sehr empfindlich. Durch diese Rücksicht wird auch die geeignete Stunde der Bewässerung be⸗ stimmt. Solange die Nächte noch kühl sind, etwa bis Johanni, gieße man lieber morgens, damit das Erdreich fich nicht schon abends durch das Gießwasser abkühlt, was ja auch bei Verwendung luftwarmen Wassers unvermeidlich ist. Im Hochsommer dagegen wirkt die Abend⸗ bewässerung nachhaltiger, da sie den Pflanzen in der Nacht Zeit gibt, sich vollzusaugen, während morgens die Sonne die Bodenoberfläche zu schnell wieder austrocknet. Gemüse von wirklich zarter Beschaffen⸗ heit erhalten wir nur, wenn das rasche Wachstum der Pflanzen nie durch Wassermangel unterbrochen wird. Man überzeuge sich des⸗ halb, bevor man mit dem Gießen aufhört, ob die Beete in gehöriger Tiefe durchfeuchtet sind. Im leichten sandigen, von Natur warmem und trockenem Boden reicht das Gießen oft nicht aus. Man ergänzt es deshalb durch Vodenbedeckung. Durch Beschaffung am Tage erhält sie dem Boden die ihm zugeführte Feuchtigkeit, in der Nacht verhindert sie zugleich die Wärmeausstrahlung. Man verwendet hierzu seuchte Streu, alte Gerberlohe Torfmull, Laub und vor allem verrotteten Stalldung. Namentlig erm Feldgemsssebau, bei dem die künstliche Bewässerung nicht möglich ist, wird dieses Mittel angewandt. Verschiedene Erntefreuden blühen uns im Juni schon. Die Spargelernte geht zunächst weiter bis ins letzte Drittel des Monats, dazu lommen die Erdbeeren. Bald gibt es die ersten Radieschen aus dem freien Land, den ersten Salat, die ersten Erbsen; dann folgen Kohlrabt, Mohrrisben, Früh kartoffeln. Leer gewordene Beete sind sofort umzugraben, bei Trockenheit tiichtig zu überbrausen und gegen abend wieder zu bepflanzen. Ob man sie nochmals düngt, hängt davon ab, welche Düngung der Vor⸗ frucht gegeben wurde und welche Nachfrucht man bauen will. Selbst⸗ verständlich darf nicht dieselbe Frucht wieder auf das abgeerntete Beet kommen. Stark zehrende Hackfrüchte fordern neue Düngung, dazu darf aber nicht frischer Stallmist verwendet werden, sondern nur Komposterde, Kunstdünger und Jauche. Gepflanzt können noch werden: Rosenkohl, Wirsing, Grünkohl, Kohlrüben, Rote Rüben, Kohlrabi, Salat, Sellerie und Poree. Tomaten auszupflanzen, ist es guch noch nicht zu spät. Zweite Aussaaten von Mohrrüben, Erbsen und Buschbohnen sind vorzunehmen. wo sie als erste Frucht bei entsprechender Sr // A chafnliches und Gartenbau ⸗ Berücksichtigt man ferner, daß diese Nähr⸗ die Nährstoffe Zeit haben, sich erst gehörig zu zersetzen. Ei weilen auch für die Grau⸗ und darf die Bodenbearbeitung(öfter durchhacken) nicht verng wenig Erhöhung über dem Boden angelegt werden. Die 1 Düngung ergänzt w ckener das Heringslake. werden. Auch die Ho bei. Dies alles wird aber schon im Herbst oder Winter gegeben, liche Düngung des Landes einige Wochen vor dem P Kainit und Superphosphat wirkt Wunder. Jede frische Düngung ist nämlich die Ursache für den Rost oder Schorf. Schwarzfärbung des Fleisches, sonders wenn noch Feuchtigkeitsmangel hinzukommt. 1 Beim Auspflanzen wird jede Pflanze einzeln angegossen, mit Vorsicht, daß das Herz nicht zugeschlemmt wird. In der teren Behandlung liegt nun die Klippe, an der so oft der Selleriebau scheitert. Der Sellerie braucht Wasser, Wasser un mals Wasser. Schon wenige trockene heiße Tage können den ertrag und die gute Beschaffenheit der Knollen in Frage Gleich nach dem ersten Behacken muß man, wenn die Sonne bre und Regen ausbleibt, jeden zweiten Tag abends ausgiebig be rn und nicht nachlassen, solange es nötig erscheint. In der Haun tumszeit soll Sellerie im Wasser schwimmen, damit er flott üppig treibt und die Eutwicklung nicht ins Stocken kommt,.— dann ist es möglich, große Knollen mit zartem, weißem Fi ernten. Selleriebau ist bei guter und richtiger Düngung sandigen Boden möglich, wenn für Bewässerung gesorgt ist. 2 werden, ferner muß der Sellerie mindestens müchentlich ei Dungguß erhalten, doch gut vergossen und am besten bet R wetter. Andernfalls muß hinterher Wasser folgen. Solange die im Wachstum ist, darf an der Pflanze nicht gerissen werden, Lockerung der Wurzeln stattfinden. Das Abblatten und fernen der oberen Wurzeln vor der Ernte ist eine Schäl sollte überall unterlassen werden; höchstens gelbe welke wegzunehmen. Wenn sich die Sellerieblätter zur E neigen, darf man die Pflanze als ausgewachsen betrachten und mit der Ernte beginnen. Im November kommt der Sellerie dem Boden, wird fast ganz abgeblättert und im Mistbeet os Keller eingeschlagen. i 90 Grünfütterung bei Schweinen. Durch Grünfutter wird die Futterversorgung der schweine erleichtert. Die einfachste Art der Grünfütterung darin, daß die Schweine das Futter auf der Grasweide e anderen Grünsutterweiden aufnehmen. Wo diese Gelegenheit eboten wird, da ist das Grünfutter im Stall oder auf dem hof zu verabreichen. Alles für Rindpleh und Pferde Grünfutter und zwar Gras, Klee, Mengfutter, Grün mais kann mit Vorteil auch bei der Schweinfütterung Verwe finden. Schweinzüchter, die ertragsfähige Comfrevanlagen b steht in dieser Futterpflanze ebenfalls ein schätzenswertes futter vom Frühjahr bis zum Spätjahr zur Verfüung Fällen, wo das Grünfutter im Stall oder auf dem Laufhof legt wird, findet nicht selten eine Futterverschwendung statt, e es wird Futter verdorben. Verluste treten namentlich dann wenn das Grlinfutter in die nassen Tröge oder auf na Fußboden zu liegen kommt. Will man das Grünfutter in Trögen darreichen, so sind die Tröge vorher trocken zu Die Fütterung des Grünfutters aus den trockenen Trö immer doch besser als das Hinwerfen auf den Fußboden, da von den Tieren zu viel vertreten und beschanutzt wird. Sollen Schweine das Grünfutter auf dem Laufhof erhalten, dann w man dazu einen gegen egen geschützten, möglichst etwas erhö Platz aus. Die beste Axt der Verabreichung des Grsinfut steht aber in dem Vorlegen in aufen, die auf ganz einfache am zweckmäßigsten an einer trockenen Stelle des Laufhofes, —— reichung des Grünfutters an Schweine aus Raufen hat gar manchen landwirtschastlichen Betrieben und Schwei großen Vorteile der Grünfütterung doch sichern will einge Die aRusen können leicht aus nicht zu starkem Stangenho hergestellt werden. Bei langstengeligem Grünfutter erzielt eine bessere Ausnutzung urch Schneiden des Futter, namentlich bei Comfrey oder Grünmais zu beachten 13 kommt bei den Schweinen nur dann zur rechten Ausnutzung, w er nicht später als zu Beginn der Blüte gemäht wird.* 1— Der Kleintierhof im Juni. Viel Arbeit aber auch vie! hat der Züchter mit dem jungen Nachwuchs auf dem Ge Wird bol dem kleinen Volke in den ersten Lebeuswoch versäumt, dann läßt sich das nicht wiedergutmachen. Dabeß d jedoch auch die Alten micht vernachlässigt werden. Auf Fütterung ist großes Gewicht zu legen. Viel zu wenig Wert auf auimalische Futterstoffe gelegt, das trifft hauptsächlich wo freier Auslauf fehlt. Wo also die natürlichen anima Futterstoffe fehlen, greife man zu Kunstfutterstoffen, wie: mehl, Knochenschrot. Fischmehl, Garnelen. Von den Rassen kann mam in diesem Monat noch Nachzucht ziehen. Bruütlust der Glucken zu unterbinden, greise man ni u barbarischen Mittel des Unterwassertauchens, vielmehr sper die Tiere in einen Naum mit zementiertem Ne stangen und Gimstreu. füttert man dazu reichlich, dann ist lust nach einigen Tagen vergangen, dem jungen Enten widme man seine ganze Aufmerksamkeit. Von Nes durchwäßte Tiere, die auf kalten Fußböden nächtigen, we vom Krampf besallen. Solche tauche mam in überschlagenes und stecke sie der Mutter unter die Flügel. Sollten noch zur Brut angesetzt werden, dann lege man nach acht Te Hühmereier zu, die dann gleichzeitig mit den Putenefern kommen. Von den intelligenteren Hühnerksiken lernen die das Futter aufnehmen. Die Tierchen sind etwas müssen einen trockenen, warmen und zugfreien haben.— Jungen kaninchen gebe man hauptsächlich Te rünzeug nur in klameren Mengen. Wassertränke nicht verg — Bei der jetzt vollständicgen Abtrocknung und Erwärmung Bodens ist das Mitnehmen der Lämmer unbedenklich. Man jedoch alle zu weit entfernten Weiden. Sonst ist wie im Mai fortzzusetzen.* 5 se en 2E 2 2 Hir; 2 K 1111 1 22 1 5 4 9 gthördliche Bekanntmachungen die Stimmen der Kommunisten Oioffentliche Aufforderung zur Entrichtung der erhöhten Hessischer Landtag. . Da. Aafbene kleine An aerolfuet die Genre an 40 Uhr (Ztr.) über verspät des Abg. Hoffmann Darmstadt minister Hen 11 1 9 78 57 alles getan kunde betont Finanz⸗ Fin an zun verhindern. es wir dei pe 05 Felang erselden lang. af eine ne en. baut zetor, Je. f i a 0 eine kleine 0 (Duel) über die Instandsetzung der e 8 erwidert Finanzmini 2 Staat und Stadt schaeht Henrich: die Verhandlungen zwischen aun die Stadt übereigne 510 noch, es ist anzunehmen, daß der Garten en, En eee ee ahren. Zu dem ö ng wird fortge⸗ setzes über die vorliegenden Entwurf zur 2. Aenderung des Ge⸗ gsbaufrage manchen auten Fin Dort sind im letzten J Fingerzeig. Pen secgunstte eee 7095 Wohnungen gebaut worden ge ckl den Steigerung de 1 ührt werden. Gemeinden ein freies Zuschlagsrecht zur inkommen gering ist(Kleinrentner, Invaltden) von der abe zum Wohnungsbau. Dem Abg. Ebner möchte ich sagen, daß es einen anderen und besseren Weg, als den von mir vorgeschlagenen, (aur Milderung der Wohnungsnot nicht gibt. Wer verbessern will, darf nicht große Worte machen; er soll vielmehr praktische Vorschläge vorlegen. . Abg. Glaser(Bbd.): Wir haben uns bei der Beratung über die Erhöhung der Wohnungsbauabgabe der Stimmen enthalten. Auf dem Lande werden durch die Abgabe auch die kleineren Besitzer abel belastet, während in der Stadt Wucherer und Schieber nur verhältnismäßig geringe Abgaben leisten. Abg. Stein(Bbd.): Die Wohnungsbauabgabe, die nach dem Brandkassenwert verrechnet wird, ist eine Strafe für diejenigen, die it von Eisenbahnstationen weg wohnen. Denn die haben für die zu ihren Baustellen zu transportterenden Materialien außerordent⸗ eich hohe Kosten zu zahlen. Abg. Knoll(Ztr.) geht nochmals auf einige Einzelheiten ein. Abg. Lux(Soz.): Gegenüber dem Abgeordneten Stein muß lich betonen, daß der Steuerwert entsprechend dem Brandversicheruns⸗ wert festgesetzt wird. Abg. Mann(Soz.): Wenn die durch die Bauabgabe aufge⸗ brachten Gelder praktisch verwertet werden sollen, dann mütsen den Baubeschaffungsstellen rechtzeitig Kredite zur Verfügung gestellt werden, damit sie Materialien und Sachwerte so schleunig wie mög⸗ lich beschaffen können. 5 Abg. Büchner(Dem.): Auch ich bin der Meinung, daß aus Ut vorgesehen, das Reichsgesetz befreit übrigens auch Leute, deren ö 7 5 eingehenden Mitteln sofort wertbeständige Anleihen oder Sach⸗ werte beschafft werden müssen. l 1 Nach einer längeren Erörterung über das Verhältnis zwischen Steuerwert und Brandversicherungswert, an der die Abgg. Dux (Soz., Stein(Bbd.) und Dr. v. Helmolt(Bbd.) teilnehmen iniste r Arbeit und Wirtschaft Raab aus: Was in d a. die an Bahnlinien 1 an 50 de e e ieht, ist doch etwas ganz anderes, als was von den en Eisen⸗ e e Orten hierin getan wird. Und die Abgaben⸗ beträge sind dementsprechend. Die Abgabe nach den Brandver⸗ sicherungswert ist gewählt, weil diese Art der Festsezung viel ein⸗ 1 5 und viel billiger ist, als eine andersgeartete. Wenn das Geld, ber Wohnungsbauabgabe in unsere Kasse kommt, dann ist es längst werbaut und ausgegeben. Von einer Beschaffung von sachbeständigen Werten mit Hilfe dieses Geldes kann daher keine Rede sein. Im Gegenteil mußten wir uns stets vom Finanzminister Vorschüsse geben lassen, um überhaupt bauen zu können. 1 Die Vorlage wird hierauf gemäß den Ausschußanträgen ange⸗ nommen. Demgemäß ist die Regierung erm ztigt, ab 1. Oktober 5. Js. die Wohn ungsbauab gabe zu verdoppeln. 5 Zu dem Antrag des Ersten Ausschusses über die e es Artikels 1 des Gesetzes, die Tagegelder und Reisekosten 8 dneten vom 20. Dezember 1921 er⸗ rer(Sg) Bericht. Es sollen die Tagegelder stattet Abgeordneter 1 95s entfprechend den den Beamten r Abgeard yen ab 1. 85 1 i rden und auch in Zukunft gewehr den Sener gascalc delgen. Der Antrag wird genen nit di iss isch steigen. mit diesen Zuschüssen en agen e e it Mehrheit angenommen. Bei der 12 Beratung des sürfes uver bre Schugpolrzer viner f ein Regierungs vertreter um Wiederherstellung e in der ersten Lesung erfolgten Abänderungen. Nach einigen Be⸗ merkungen der Abgeordneten Kaul(Soz.), Hofmann⸗Seli⸗ genstadt(Ztr.) und des Ministers des Innern v. Brentano über die Berechtigung der ausgeschtedenen Beamten, sich„a. D.“ zu nennen, wind der Entwurf mit einigen Abänderungen in zweiter Lesung angenommen. Der Ankauf einer Lichtbildersammlung aus dem Nachlaß der Photographin Susanne Hohmann zu Darmstadt für Zwecke der Volksbildung und Heimatpflege wird genehmigt. Die Kosten be⸗ tragen 21 Millionen Mark. Der Gesetzentwurf zur 2. Aenderung des Gesetzes über die Wohnungsbauabgabe wird in zweiter Lesung genehmigt. Zu der Vorlage das Gesetz über die Altersgrenze der Staatsbeamten erstattet der Abg. Reiber(Dem.) Bericht. Das Gesetz entspricht im wesentlichen dem Wortlaut des preußischen Gesetzes, jedoch mit dem einen wichtigen Unterschied, daß die Alters⸗ grenze allgemein auf 68 Jahre festgesetzt wurde. Staatspräsident Ulrich: Der Minister ist kein Beamter, der die Ochsentour durchgemacht hat. Die ganz besondere Stellung der Minister, die, wenn sie zu diesem Amt gelangen, vielfach alle Brücken hinter sich abbreißen mußten, rechtfertigt das Ministerpenstonsgesetz. Denn wenn ein Minister aus irgendwelchen Gründen ausscheidet, so muß er doch wenigstens vor der Aufnahme in das Armenhaus be⸗ wahrt sein. Der Abg. Kindt hat im übrigen selbst zugegeben, daß der Posten eines Ministers alles andere als eine Sinekure ist. Auch darum infolge der weitgehenden, aufreibenden Verantwortlich⸗ keit, muß der Minister gewisse Sicherungen gegen Zufälligkeiten haben. Finanzminister Henrich: Nicht um das Drängen des jüngeren Beamtennachwuchses, sondern auch mannigfache Ungleichheiten, die infolge gewisser Bestimmungen bei der Verabschiedung der Beamten möglich waren, haben uns veranlaßt und genötigt, ein einheitliches Gesetz zu schaffen. Gewisse Härten waren dabei natürlich nicht zu vermeiden. an der Nachmittagssitzung wird die Beratung fort⸗ gese Abg. Reiber(Demi): Auch wir sind der Ueberzeugung, daß in dem Gesetz eine unvermeidliche Härte liegt. Eine größere Härte aber ist es jedenfalls, wenn jüngere Kräfte deshalb nicht voran⸗ kommen, weil die Stellen nicht frei werden. Man muß sich dabei klar sein, daß volle Arbeitsfähigkeit im Alter von 68 Jahren nur in Ausnahmefällen festzustellen ist. Das Gesetz bringt übrigens auch die notwendige Verjüngung des Geistes. Abg. Kindt(Intl.) kommt nochmals auf seine Bemerkungen vom Vormittag zurück, ohne neues zu sagen. Abg. Dr. Werner(Dutl.) polemisiert gegen das Minister⸗ stonsgesetz Minister des Innern v. Brentano: Die Frage des Mini⸗ sterpenstonsgesetzes hat mit der Altersgrenze der Beamten im Grunde nichts zu tun. Warum aber sollen denn die heutigen ge⸗ rade unter Ausnahmegesetze gestellt werden? Auch die früheren Minister erhielten doch ihre ganz ansehnlichen Pensionen. Und man wird nicht behaupten können, daß die heutigen Minister weniger zu tun hätten, als die früheren. Die Gesetzesvorlage wird entsprechend den Ausschußanträgen angenommen. Da beim Gesetzentwurf über die Schutzpoltzei in der zweiten Lesung noch einige Anträge vorlagen, über die abgestimmt worden ist, muß die Gesamtabstimmung wiederholt werden. Das geschieht. Die Vorlage wird in zweiter Lesung angenommen. Der Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung dey Hess. Versicherungsgesetzes für gemeindliche Beamte wird ent⸗ sprechend den Ausschußanträgen in erster und zweiter Lesung an⸗ genommen. Ebenso die Abänderung des hessischen Gesetzes vom 13. Mai 1921 über die Entschädigung für an Maul⸗ und Klauen⸗ seuche gefallene Rinder und Ziegen. 5 Zu dem Gesetzentwurf über die Erhebung vorläufiger Grund⸗ und Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1923 verlangt ein An⸗ trag Hofmann⸗Seligenstadt(Ztr.), daß es den Gemeinden vor⸗ behaltlich der Genehmigung des Ministeriums gestattet sein solle, die Beträge der erhobenen Umlagen den Geldverhältnissen anzupassen. Left Antrag wird angenommen, ebenso die Vorlage in 1. und 2. esung. Zu dem Gesetzentwurf über die Errichtung einer hessischen Lan⸗ desbank bemerkt 5 Abg. Osann(D. Vp.): Der Zeitpunkt für die Gründung ist sehr wenig günstig. Die Fähigkeit eines derartigen Bankinstituts zu gedeihlichem Fortbestehen steht im übrigen sehr in Frage. Abg. Knoll(3Ztr.): Uns erscheint es angesichts der großen Geld⸗ und Kreditnot dringend notwendig, eine Landesbank ins Leben zu rufen. Andere Länder sind da längst mit gutem Beispiel vorangegangen. Abg. Widmann(Soz.): Der Abg. Osann hat sich gegen die Gründung der Bank gewandt, weil er dahinter die Neigung zur Sozialisierung wittert. Aber wir wissen, daß derartige Unterneh⸗ mungen durchaus lebensfähig sind, wenn sie nur nicht bureaukratisch sondern gut kaufmännisch geleitet werden. Das wesentliche ist eben die Art, in der ein solches Unternehmen geleitet wird. Die Privat⸗ banken gedeihen im allgemeinen vortrefflich. Was aber der Pri⸗ vatinitiative möglich ist, das muß doch auch dem Staate gelingen; die Befürchtungen wegen einer Besetzung durch die Franzosen sind ja vorhanden, aber wir hoffen doch, daß wir in den nächsten Wochen Verhältnisse. bekommen, die uns eine etwas freiere Beweglichkeit gewähren. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Errichtung durchaus im Interesse des Landes liegt. Finanzminister Henrich: Das neuzugründende Institut wird uns in erster Linie unseren eigenen Bedarf ohne jeden Aufwand schaffen. So wie wir die Errichtung beabsichtigen, ist gar kein Grund zu Befürchtungen vorhanden. Auf die Beamten der Landeshypo⸗ thekenbank, insbesondere auf die älteren, wird weitgehende Rücksicht genommen wen. Die Vorlage wird hierauf in erster und zweiter Lesung ge⸗ nehmigt. Ebenso wird dem Entwurf eines Gesetzes zur Aende⸗ rung des Feld⸗ und des Forststrafgesetzes zugestimmt. Genehmigt werden serner entspr. den Ausschußanträgen je eine Regierungsvorlage über die Aufhebung der Handelsvor⸗ rechte und über den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes über die freie Gerichtsbarkeit. Eben so wird den Regierungsvorlagen über die Errichtung von Beamten mietwohnungen zugestimmt. Festsetzung der neuen Beamtengehälter. Abg. Kaul(Soz.): Wir stellen fest, daß die unteren Beamten Dorkage halten. bei den neuen Festsetzungen noch weiterhin zu kurz kommen. Wären uns nicht durch das Reich die Hände gebunden, so würden wir diese adtennen- So aber werden wer uns ven Srunmmen eitt⸗ Die Vorlage wird hierrauf angenommen. Eine Vorlage über die Ruhegehalte der Notare findet ebenfalls Annahme in beiden Lesungen. Nächste Sitzung Freitag vormittag 9 Uhr. Parteinachrichten. Parteitag anfang nächsten Jahres 8 Am Mittwoch trat der Parteiausschuß zur Besprechung ver⸗ schiedener Fragen in Berlin zusammen. Er beschloß auf g des Parteivorstandes, den Parteitag nicht mehr in diesem abzuhalten, sondern ihn auf Anfang nächsten Jahres zu alen und als Auftakt für die im Numi stattfindenden Rei gelten zu lassen. Bis dahin dürfte voraussichtlich auch die Pro⸗ grammkommission ihre Arbeiten abgeschlossen haben, sodaß sich der Parteitag dann mit den neuen Statuten und dem neuen 0 der vereinigten Partei befassen kann. Außer der Besprechung ein organisatorischer Fragen beschäftigte sich der Parteiausschuß Nachmittag mit der polftischen Lage. Hermann Müller hielt das ein⸗ leitende Referat zur Außen⸗ und Innenpolitik. Der Parteiausschuß stellte sich einmütig hinter die vom Parteivorstand und der Reichs⸗ tagsfraktion eingenommene Haltung zu den schwebenden politischen Fragen. Arbeiter⸗ und Angestelltenbewegung. Jubiläumsverbandstag der Holzarbeiter. i Am 17. Juni wurde in Kassel der Verbandstag des Deutschen Holzarbeiterverbandes eröffnet. Es sind nun genau dreißig Jahre her, daß in der gleichen Stadt ein Ver · bandstag stattfand, auf dem der Deutsche Holzarbeiterver⸗ band gegründet wurde. Der Vorgänger des Holzarbeiterverbandes war die Gewerkschaft der Holz arbeiter, die im September 1868 in Berlin gegründet worden ist und unter der Leitrung von Theodor Nork stand. Daneben bestand noch der Allgemeine Tischlerverein. Diese beiden Organisationen verkörperten gewissermaßen auf ge⸗ werblichem Gebiete die zwei damals in der Arbeiter⸗ bewegung einander bekämpfenden Richtungen der Lassalleaner und Eisenacher. Die Verschmelzung der beiden Organisationen erfolgte erst im Jahre 1876. Der Vereinigte Bund der Tischler und verwandter Berufsgenossen fiel jedoch bald darauf dem Sozialistengesetz zum Opfer. Jedoch unter dem Sozialistengesetz wurden wieder neue Organisationsversuche gemacht. Jahren unter der Führung von Karl Kloß der Deutsche Tischlerverband gegründet. Zunächst eine lose Vereinigung, örtlicher Fachvereine, wurde er im Jahre 1886 in einen Zentralverband umgewandelt. dem Fall des Sozialistengesetzes, die Gewerkschaftsbewegung wieder mehr Spielraum bekam, Tischlerverband noch einige Holzindustrie: die Vereinigung der Drechsler, deren Vor⸗ sitzender Carl Legien war, die der Stellmacher, der Bürstenmacher, der Korbmacher, der Vergolder und der Bild⸗ hauer. Auf dem Kongreß der Deutschen Holzarbeiter, der vom 4.—7. April 1893 in Kassel tagte, erfolgte die Ver ⸗ schmelzung der Verbände der Tischler, Drechsler, Stell ⸗ macher und Bürstenmacher zum Deutschen Holzarbeiterver⸗ 1 band. Zu Vorsitzenden wurden Kloß und Leipart ge- wählt. Ende 1893 zählte der Verband 23 774 Mitglieder Am Jahresschluß 1922 betrug die Mitgliederzahl 434 84g. Diese beiden Zahlen zeigen die glänzende Entwicklung die der Verband inzwischen genommen hat. Im Laufe der vergangenen dreißig Jahre anderer Beruse dem Holzarbeiterverband an: im Jahre 1896 die Korbmacher, im Jahre 1899 der Verband der in Holz bearbeitungsfabriken und auf Holsplätzen beschäftigten Ar. beiter und der Deutsche Korbarbeiterverband; im Jahre 1906 die Vergolder; 1910 die Schirmmacher und 1919 die Bildhauer. 0 f Diese Aufzählung zeigt das weite Organisationsfeld, das der Deutsche Holzarbeiterverband zu bearbeiten hat. Im Laufe der dreißig Jahre hat der Deutsche Holzarbeiterver⸗ band sich einen führenden Platz in der Gewerkschafts⸗ bewegung errungen. 5 2 Arbeitsrecht, Gewerkschaflliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen. Erste Sitzung vom 21. Juni.. Der Fabrikarbeiterverband beantragte Aenderung seines Abkommens vom 5. Juni mit den Tonwerken Gail, Hüttenberg und Abendstern, das als Stundenlohn der Be⸗ triebsarbeiter über 21 Jahren 2600 Mk. ab 4. Juni und 2850 Mk. vom 11.—17. Juni vorsah. Der Schlichtungsausschuß schlug 4100 Mark ab 11. Juni und Erhöhung der übrigen Löhne in demselben Verhältnis vor. Vom 18. Juni an soll bis zum Ende des Monats der Spitzenlohn der Betriebsarbeiter dem der ungelernten Arbester der Metallindustrie gleichgesetzt werden. Ueber Neuregelung der Zuschläge der Former, Einsetzer und Ausfahrer sollen die Streit⸗ zeile noch verhandeln. Sie erhielten Frist für ihre Erklärung auf den Schiedsspruch. 85 Der Zentralverband der Angestellten beantragte eine Gehalts⸗ regelung und einen Tarifvertrag für die Angestellten im Bad⸗Nau⸗ heimer Einzelhandel. Die Arbeitgebervereinigung berief sich auf Verträge mit dem Gewerkschaftsbund der Angestellten. Der Schl.⸗A. beschloß dessen Hinzuziehung und gab der Arbeitgebervereinigung auf, mit dem Zentralverband zu verhandeln. 5 In zwei Kündigungssachen einigten sich die Streitteile nach Ver⸗ handlung. wird dann in zweiter Lesung m zu entrichten. Beianntmachung. Viertel des Ri. 1922. 11 Ziffer 10 des Reichsgesetzes 115 zur 2 Abänderung des Gesetzes 71 f ka eg resale ist di i ohn 8 . 17 575 auf das sechzigfache Gemein de⸗ Hiernach das 4. das 4. tragsabgabe. ands⸗) eine allgemeine Nach Viertel des Rl. 1922(Monate Januar— März 1923) Die Abgabeschuldner in den Gemeinden Gießen und Schiffen berg werden hiervon mit der Aufforderung in Kenntnis gesetzt, als 4. Ziel das 30 fache des in den Abgabebescheiden für das R. 1922 angesetzten e 1 17 e eee 8 ür] der bisher gültigen Höhe entrichtet, so ist der Unter⸗ Wohnungsbau⸗Abgabe süß schiedsbetrag nachzuzahlen. Besondere Nachtragsbescheide werden nicht angefertigt; die Beitreibung muß gegebe⸗ nenfalls an angs Juli Ifd. Is eingeleitet werden. Für das 4. Viertel des Ri. 1922 bereits be⸗ willigte Nachlässe erstrecken sich— ohue daß es eines nochmaligen Antrages bedarf— auch auf diese Nach⸗ Gießen, den 13. Juni 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Krenzien. felalerehunen 7:7!!! Part ei-Literaturstiturgan Buchhandlg. Oberhess. Volksztg. beseit. sofort unauffäll., mild, unschädl. Jucken u. fast 11. Droga. Karn, Schulstr. Auch Versd. empfiehlt Jun Polstermöbeln sowie alle Repara- turen an solchen l. dle Tapezierarbeiten werden ausgeführt Jol Franz Bock Liebigstr. 93. 4⁴⁸ Ist das 4. Ziel bereits in In Dr. Gentner's Waschextrakt Goldperle mit Schnitzelseife . 413 ist der hohe Fettgehalt durch die Schnitzel deutlich sichtbar. eee ee eee * So wurde vor genau 40 Als im Jahre 1890, nach bestanden neben dem 4 andere Organisationen der schlossen sich noch eine Reihe rbeiter-Jugend, Unterbez. biessen V Sonntas, den 24. Juni 1923 6 Jugendfeier auf demSchiffenber 10 Unr vormittags: Treffen sämtlicher Jugendgruppen des Unterbezirks am Ludwigsbrunnen am Abhange des Schiffenbergs, gegenüber dem Forstgarten. 2½ Uhr nachmittags: Jugendieiser und Kundgebung in Gemeinschatt mit der 3 V. S. P. D. auf dem Schiffenberg. 3 und Volkstänze, Rezitationen, Lieder- Bestehend in: Jugendspiele, Reig Vorträgen der Arbeiter-Gesangvereine. Vortrag des Gen. Professor Walter Kinkel, Giessen über: „Jugend und Sezialismaus“ 5 * 8 5 1 Wir laden hiermit alse Ortsvereine der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei mit ihren Familien, sowie alle sonstigen auf sozialistischer Weltanschauung stehenden Vereine und Ge- 9 sinnungsgenossen freundlichst ein 5 Die Vorstände: der V. S. P. D.: I. A. Hauser der Arbeiter-Jugend: Fleischer. Gießener Kohlenhandel G. m. b. H. ö Wir haben am hiesigen Platz unter der Firma Gießener Kohlenhande! G. m. b. H. 2* ein Platzgeschäft errichtet. f 8 Durch enge Anlehnung an den hessischen Bergbau sind wir in der Lage, Casseler Braunkohlen sowie Briketts liefern zu können. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Anfrage bei uns zu halten und sichern wir pünktliche und zuverlässige Erledigung der uns überschriebenen Aufträge zu. Gießener Kohlenhandel G. m. b. H. Gießen, Westanlage 35, Fernspr. 1171 7 95 1 für die Kreise Giessen-Wetzlar :: Soziale Baugesellschaft m. b. H.:: führt Alls Zauhütte 5 Alle * Alle a 3 En-, Maurer- Jerpuz-, Anstreicher beten. e Eisen-Betonarbeiten Seel e zu Selbstkostenpreisen bürgt 6 die Gemeinnützigkeit 5 des Hoch- und Tiesbaues ES Sen Schamrenstr. c ο NX CC N 5 Freie Aussprache 85 „ m. b. H. Vereinigte Soziald. Part Ortsuvere in diess e Dienstag, den 26. Juni, abends 8% Uhr im Saale des Gewerkschaftshauses öffentliche Versammlung 5 H E M A 9 Wonnungsbauabgabe— Wohnungswirtschaft Refer.: Landtagsabgeordn. Mann, Giessen Zu dieser Versammlung ist jedermann freundlichst eing elade Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 100 UH. erhoben Konsumverein Giessen u. Umg. . VT 7 195 15 2 Der Vorsta Tüls rute zählen wir für DD auszufüllen ist. walter der Universität. Zur geil. Beachtung für unsere Mitglieder! Mit dem 30. Juni schliesst unser 22. Geschatfssahr. Um die Jahresrechnung baldigst fertigstellen zu können, bitten wir alle bis zum 30. Juni in den Ver- teilungsstellen vereinnahmten kleinen Rabattmarken so fort dortselbst gegen solche von 10 O00. Mark umautauschen. Die Markenkarten, volle sowie zum Teil beklebte, werden mit der Anteilkarte bezw. dem Anteilschein in ein in der Verteilungsstelle vorrätiges Couvert gesteckt. auf welchem ebenso Wie auf den Markenkarten der Vordruck genau Die Abgabe kanu nur vom 2. bis 14. Juli erfolgen und zwar jedes Mitglied in der in seinem Wohnbezirk gelegenen Verteilungsstelle geg. Quittung vom Lagerhalter. De en sfrsen. inf Na Un des Hessischen Landestheater- Orchesters im Stadttheater. Leitung: Generaldirekt. M. Balling 1. Konzert: Mittwoch, 27. Juni abends? Uhr Mendelssohn, Arnold, Symphonie Cdur- Rich. Strauß, Don Juan— Smetana, Ouverture Verkaufte Braut. 2. Konzert: Sonntag, I. Juli, abends 6½ Uhr N Gluck, Ouverture Iphigenie— Brahms Variation über 486 ein Haydn-Thema— Bruckner Symphonie Nr. 6 Adur.. Eintrittskarten: 8000, 7000, 5000 Mk. bei Ernst Challier u. an der Abendkasse.— Studentenkarten: 3000 Mk., beim Hausver- Altpapier jeglicher art Zeitungen Akten Bücher Abfälle HERSO Plockstr.5 Fernr. 335 Frauen u. Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Auskunft i. Nechtsangelegenbeiten im alten Rathaus Marktplatz 14, Mittwoch nachmittag von 6 bis 7½ Uhr. eee, 100000 Mark und mehr, 1170 zich für Vermittlung eines Pianos oder fünmeublen ud Abele biulger und haltbarer als Leder, offerlere“ noch zu äusserst billigen Preisen 6 Akte. Ab heute bis einschl. Sonntag: Der Wirbelwind 4. Teil: Die lebende Brücke. 6 Akte. Die Dame in Grau Astoria-Lichts Nele I Off. unt. Nr. 475 an die . 4 ä A Exped. der Oberh. Volks. g a E J. P. Mono] Neuenweg 10. 5 Jung. Mann sucht einfach Schlafstell 484 SToekE mad oOsc HVUne Vereinigte Soziald. Partei Gießen Am Sonntag, den 24. Juni, von 2½ Uhr nachmittags ab veranstaltet die Arbeiter-Ingend des Unterbezirks Gießen in Gemeinschaft mit der Partei eine Jugendfeier auf dem Schiffenberg. Wir fordern unsere Parteimitglieder hiermit auf sich mit ihren Familien an dieser Veranstaltung zahl⸗ reich zu beteiligen, um die Feier zu einer eindrucks⸗ vollen Kundgebung für die Arbeitersugendbewegung und für den Sozialismus zu gestalten. Gemeinsamer Abmarsch um 1½ „Stadt Lauterbach“, Licherstraße. Der Vorstand. Uhr von der 481 acadg; Uhren, Juwelen Goldwaren, Tafelgeräte in Nickel, Goldmessing, Silber und Alpabea Reparaturen bekannt gut und prelswort g E MIL OT TOC 0 2 9 Nehrung bei: Kofeke 5 rech urchfell, 5 Diarrhö. Z Dererdestarrh. Giessen, Bahnhofstr. 49 Moderner Schmuck 3