50 an Or di ˖ des werktäti Volkes wa 8 be rgan für die Interessen des werktätigen Volkes wann ange der de Bahnhofstraße 23 a Bahubofstraße 23 Na 0 1 J 7 e dame u. der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. dne an W Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Der Abonnementspreis mit den Beilagen, Das Blatt der Frau und„Land⸗ Für den Inseratenteil verantwortl lich: R. Strohwig. 1 1 5 folg Mk. 8 wärts 50 Mk., die Retlamemillimeterzeile wirtschaftliche Beilage“ beträgt monaflich 3000.— Wir. einschl. Bringerlohn. Verlag von Hermann Normaum& Cie. sämtlich in Gießen. 1 1 9 e i oder Mieder ho kungen wird entsprechen — 1 Post bezog. 3000.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mk Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. 1 er Rabatt gewährt nzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. en, 25 ben ln Nr. 68 Gietzen, Donnerstag, den 22. März 1923 13. Jahrgang nen burg i de d d. 5 7 5 7 n. 5 Englands und Frankreichs Sicherheit. 8 i London zu einem Garantiepakt bereit? Französische Kohlenbeschlagnahmungen auf Dollar⸗ Gefunden Im französischen Ministerium des Aeußern wurde am den Zechen. 3 1 . Dienstag abend erklärt, die englische Regierung sei ent⸗ Den Pariser Blättern wird gemeldet: Die Frussfi che Sch w 0 9 1 700 schlossen, etwaige Anregungen Frankreichs und Belgiens ent⸗ Besatzungsbehörde in Altropp hat die Direktion der dortigen 6 an e un en 5 6 gedrehte gegenzunehmen und einen neuen Garantiepakt vorzuschlagen. Grube davon verständigt, daß man om Mittwoch zu einer a 3 1655 1 len Eine offizielle Benachrichtigung der Pariser Regierung sei Beschlagnahme von Kohlen für die französischen Truppen des Deutschen Neiches 1 bisher noch nicht erfolgt, denn man wisse hier, daß gegen. schreiten wird. Im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogen⸗ 1 9 N wärtig im Londoner Foreign Office ein neuer Paktentwurf heiten haben die Arbeiter der Grube daraufhin nicht sofort Garantiert von der Reichsbank 4 heiten 2 58555 0 10 1 5 15 1 den Ausstand erklärt, sondern sie haben eine Abordnung ge⸗ 0 1 ner m Wünschen entgegenkommen un blen und die echo⸗ bildet, die sich mit den Franzosen über die Bedingungen 5 ö 2 1 in—— 14 aus 15 e 19 einer Zusammenarbeit verständigen soll. S chluß der Zei chnung: 1402 1 0 e 8 4 N 2555 N ieser Pakt sonst für Frankreich keinesfalls annehmbar Ruhrbesprechungen sozialistischer Sansta den 24 Mär 1073 Poincarés Sicherheitskomödie. Parlamentarier. J,* i N — Uns wird geschrieben: Paris waren am Dienstag sozialistische Parlamentarier aus Die Frage der Ruhrbesetzung und der Reparation beschäftigt n England die politischen Kreise nach wie vor aufs stärkste. Das geht schon daraus hervor, daß bereits am heutigen Mittwoch wie⸗ der und zwar diesmal im Hause der Lords, eine Debatte über die Frage der Besetzung des Ruhrgebietes stattfinden wird. Nach wie vor sind die Meinungen der Londoner politischen Kreise ge⸗ teilt. Die Opposition drängt weiterhin die englische Regierung zu aktiwer Tätigkeit, steht aber gerade deshalb auf dem Standpunkt, daß die deutsche Regierung ihrerseits bestimmte Vorschläge für eine Lösung des Ruhrkonfliktes machen müßte. Aus allen Kreisen, die hinter der englischen Regierung oder ihr nahe stehen, hört man indessen, daß das Kabinett Bonar Law heute fester denn je ent⸗ schlossen sei, sich nicht in den deutsch⸗französtschen Konflikt einzu⸗ mischen. Die Frage der Sicherheit Frankreichs, die die Regierung Poincarés erneut aufgerollt und mit der Reparationsfrage und dem Rhein⸗Ruhrproblem in Verbindung gebracht hat, beschäfligt auch t in England die Gemüter umso mehr, als leider auch heute noch ein großer Teil des englischen Volkes eine Bedrohung Frankreichs durch Deutschland für möglich und gegeben hält. Zwar ist man sich bewußt, daß der französische Ruf nach Sicherung vor einem deutschen militärischen Ueberfall allzuleicht der Vorwand für eine verschleierte Annexion sein kann. Aber wenn man in Frankreich mit Nachdruck betont, daß Deutschland jederzeit in der Lage sei, 30 Diwvisionen aufzu⸗ stellen, um über das waffenstrotzende Frankreich herzufallen, so verfängt das immer wieder bei einem großen Teil des englischen Volkes. Daß man mit dieser Argumentation politische Eroberungen anachen kann, weiß man in Paris sehr gut. Am Quai d' Orsay (das französische Außenministerium) wird heute verkündet, daß Poincars selbst auf der nächsten interalliierten Konferenz die Auf⸗ merksamkeit der Verbündeten auf die militärische Gefahr, von der sich der französische Generalstab bedroht sieht, lenken wird. Auch will man in Paris wissen, daß im Londoner Auswärtigen Amt bereits ein neuer Entwurf für einen Pakt hergestellt wird, durch den Frankreichs Sicherheit garantiert werden soll. Dabei soll London sogar den Pariser Wünschen soweit entgegenkommen, daß auch Polen und 05 Tschecho⸗Slowakei, die beiden Verbün⸗ deten Frankreichs im Osten Deutschlands, in diesen Pakt einbezogen werden sollen. Ob diese Pariser Informationen zutreffen, läßt sich von Berlin aus nicht feststellen. In England selbst gewinnt einstweilen die Auffassung immer mehr an Boden, daß eine Lösung aller schwebenden Fragen nur durch den Völkerbund erfolgen könne, was am Dienstag bereits Asquith im Unter- hause und nach ihm noch eindringlicher Robert Cecil, der Vertreter Englands im Völkerbund gesagt hat. Der Völker⸗ bund selbst tritt am 10. April zusammen. Dann wird sich zeigen müssen, ob diese Schöpfung des Versailler Vertrags sich tatsächlich mit der Lösung der europäischen 755 be⸗ fassen wird. 1 England, Italien und Belgien zu einer Besprechung der Reparationsfrage und der Besetzung des Ruhrgebietes zusammen⸗ gekommen. An der Konferenz nahmen teil von englischer Seite: Macdonald, und General Thomson, Adamson, Gillies und Charles Buxton, von belgischer Seite die Abgeordneten Huysmans, Vander⸗ velde, Tirar, Vigne, von italienischer Seite die Abgeordneten Tre⸗ ves, Moligiani und Mattnoti, von französischer Seite Leon Blum, Bracke, Paul Boncour, Montet, Vincenz Auriol und Lebas, ferner die beiden früheren Abgeordneten Renaudel und Longuet, der Gene⸗ ral⸗Sekretär der Partei Paul Faure, sowie der Pariser Stadtver⸗ ordnete Le Troqueur. Man beschloß, eine aus je einem Vertreter Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens zusammengesetzte Ab⸗ ordnung nach Berlin zu entsenden, um mit den deutschen Sozialisten die beiden Fragen, die der Reparation und die der Besetzung des Ruhrgebietes, zu besprechen. 5 Wer andern eine Grube gräbt Die wirtschaftlich verderblichen Folgen des Ruhreinfalls haben sich für Frankreich und Belgien zunächst rasch und stark fühlbar gemacht in den auf den deutschen Kohlen⸗ und Koksbezug angewiesenen Industrien. Jetzt kommen aus Belgien Nachrichten, daß die wirtschaftliche Krise als Folge des Ruhrabenteuers von der Hütten-, Metall⸗, Glas⸗ und anderen Industrien in beunruhigender Weise überspringt auf den Verkehr im Hafen von Antwerpen und den drei kleineren belgischen Häfen in Gent, Brügge und Ostende. Hier nimmt die Arbeitslosigkeit in einem Umfange über⸗ hand, daß die öffentliche Meinung sich mit dieser Frage ernstlich beschäftigt. Im Hafen von Antwerpen werden rund 15 000 Arbeiter beschäftigt; von diesen sind 10 500 gegen Ar- beitslosigkeit versichert. Zu Beginn dieses Jahres waren 800 dieser Versicherten ohne Arbeit; das entsprach der Durch⸗ schnittsziffer der Arbeitslosigkeit. Seit der Besetzung des Ruhrgebiets ist diese Zahl jedoch stark gestiegen, und zwar bis auf 3500 Ende Februar. Noch schlimmer sieht es in den kleinen flandrischen Häfen aus: in Brügge sind 60 Proz. der Hafenarbeiter ohne Arbeit, in Ostende 75 Prozent, in Gent eher noch mehr, weil hier vor allem die Reparations⸗ kohle i wurde. Für die Hafenarbeiter wird die Lage umso schlimmer, weil ein großer Teil von ihnen schon so lange außer Arbeit ist, daß der Anspruch auf Unterstützung aus der Versicherungskasse bereits erloschen ist oder dem⸗ nächst erlischt. Die Arbeitnehmerorganisationen verlangen daher von der belgischen Regierung dag sie diese Arbeits- losen, die das Opfer der Ruhrpolitik geworden sind, aus Staatsmitteln unterstützt. Die Sicherheit auf den militarisserten Bahnen. 6 Auf Grund von Feststellungen von zuständiger deutscher Stelle wird erklärt, daß sich in den letzten 48 Stunden auf der militari⸗ ung„ Die Verkehrslage im Ruhrgebiet. 5 0 i 1 5 e ee ee er⸗ 4 einm Die Verkehrslage ist im allgemeinen unverändert. An den FVV he in. 10 Url den des Nhein⸗Herne⸗Kanals sind die französischen Konttoll⸗ e e mächtigem Bogen auf die benachbarte zundsch 570 ie 0s, Beteligte raße. Dem Unglü fielen 7 Franzosen zum Opfer. ö en vermehrt worden. e al i en Das Eisenbahnunglück bei Friemersheim hat, wie jetzt be— 1 1 bei Vollmarstein festgenommenen 6 Personen sind wieder kannt wird, 60 französische Soldaten als Opfer gefordert. U freigelassen worden.. 5 ——————. F—᷑ͥ. ͤôͤ x— 8 11557 51 gaben gegenüber dem Stande von Mitte Januar, als die 170 N olitische Uebersicht. fortschreitende Geldentwertung die Ansätze der letzten großen e Erfoh 2 2 f Nachtragsetats vom November vorigen Jahres schon be— 15 15 Das Reichsdesizit. trächtlich überholt hatte, eingetreten. Während nunmehr Ve len Ueber 7 Billionen! durch den Einbruch ein großer Einnahmeausfall entstanden A le. Der Reichsrat mußte sich am Dienstag trotz dem bevor⸗ ist im Eisenbahnverkehr, durch die eingeschränkte Kohlen- 5 stehenden Beginn des neuen Rechnungsjahres noch mit förderung, Errichtung einer neuen Zollgrenze, Beschlag⸗ einem zwölften Nachtragsetat für 1922 beschäftigen. Der Etat wurde angenommen. Der Berichterstatter hob hervor, daß sich die Notwendig⸗ keit zu dem Nachtragsetat aus dem Einbruch der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet und andere deutsche Landes- teile ergebe. Die Folgen dieses Rechtsbruches für unsere Finanzwirtschaft sind vernichtend. Sie legen dem Reich ungeheure neue Aufwendungen auf. Trotz des gesunkenen Dollarkurses ist immer noch eine Verdoppelung der Aus- nahme von Steuererträgen und staatlichen Waldungen usw. sind neue riesige Ausgaben entstanden durch Beschaffung von Ersatzkohle aus dem Auslande. Lebensmitteleinfuhr, Fürsconge für die Vertriebenen und Mehraufwendungen an Gehältern und Löhnen. Das Programm der Regierung für die Gesundung des Reichshaushalts ist zerrissen; wir sind— in einen Billionen-Etat hineingetrieben. Der ordentliche Haushalt der allgemeinen Reichsverwaltung zeigt jetzt einen 1 Jehlbetrag von 1,3 Billionen Mark, der Fehlbetrag im ordentlichen Haushalt der Forstverwaltung 0 ist 93 818,8 1 Milliarden Mark angewachsen. Der ordentliche Haushalt 7 der Eisenbahnverwaltung halt zwar noch das Gleichgewicht, die Folgen der Verkehrsstörungen im Ruhrgebiet sind in⸗ dessen noch nicht berücksichtigt. Auch hier werden sich Zu⸗ schüsse aus allgemeinen Reichsmitteln als notwendig er⸗ weisen. Die Ausgaben des Haushalts zur Ausführung des 4 Friedensvertrages haben sich um mehr als 2½ Billionen 4 Mark gesteigert. Der Gesamtfehlbetrag des Reichshaushalts ö für 1922 beträgt 7,1 Billionen Mark. Noch im Herbst war er f auf 843,2 Milliarden Mark veranschlagt, er ist also um 6,2 ö Billionen gestiegen. Er verteilt sich mit 2,8 Billionen auf ö die allgemeine Reichsverwaltung, mit 1 Billion auf die Betriebsverwaltungen und mit 3,1 Billionen Mark auf den Haushalt zur Ausführung des Friedensvertrages. Zum Vergleich muß erwähnt werden, daß nach dem Rechnungs⸗ ergebnis für 1920 der Fehlbetrag 123,4 Milliarden Mark 3 und für 1921 160,6 Milliarden Mark betrug. Im Haus- 3 haltsgesetz ist eine Anleihemächtigung von 4,4 Billionen 1 Mark enthalten. 500 Milliarden waren bereits bewilligt, I und der Fehlbetrag des ordentlichen Haushalts der allgge. meinen Reichsverwaltung soll einstweilen nicht auf Anleihe 7 1 N genommen werden, sondern aus verfügbaren Betriebs⸗ 1 mitteln gedeckt werden. Zum Ankauf von Inlands⸗ und 1 Auslandsgetreide sowie von sonstigen Nahrungsmitteln zur 1 Sicherung der Volksernährung wird dem Finanzminister 9 ein Kredit von 400 Milliarden zur Verfügung gestellt. Hervorzuheben ist noch, daß im Etat des Arbeits- ministeriums die Darlehen an die Länder zur Fertigstellung angefongener Wohnbauten infolge der Geldentwertung um 6 Milliarden Mark steigen und daß für Darlehen an die a Länder zur Förderung des Wohnungsbaues 100 Milliarden eingestellt sind, die aus dem Aufkommen der erhöhten Wohnungsbauabgabe gedeckt werden sollen. Der Etat des Reichsernährungsministeriums weist 5,2 Milliarden Mark zum Milchbezug für Säuglinge und Kleinkinder auf. Die Ausgaben des Etats des allgemeinen Pensionsfonds steigen um 62,1 Milliarden Mark infolge des Gesetzes über die Teuerungsmaßnahmen für Militärrentner. Im Haus. haltsetat der allgemeinen Finanzverwaltung sind zur Er⸗ höhung der Teuerungszuschläge 300 Milliarden mehr ein⸗ a gestellt, zur Gewährung von Zuschüssen an die Länder aus Anlaß von Besoldungserhöhungen 900 Milliarden Mark mehr. Zur Abwehr der durch den Einbruch in das Ruhr- und Rheingebiet entstandenen Schäden ist 1 Billion Mark eingestellt. Für Darlehen an notleidende Länder sind 160 Milliarden Mark ausgeworfen. Die Ausgaben für die Be- satzungstruppen sind infolge der Geldentwertung und Ueberteuerung um 82 Milliarden Mark, die Reparations⸗ Sachleistungen um 300 Milliarden Mark, die Ausgaben für die Einlösung der seinerzeit an Belgien gegebenen Schatz wechsel um 1,3 Billionen Mark, die Kosten der Reparations- kommission um 76,5 Milliarden Mark gestiegen. Für Zahlungen auf Liquidationsschäden wunden 26 Milliarden 5 Mark mehr eingestellt. 8 Wie die n die Seamtengeseh gebung„vereinheittichen“ will Zur Herbeiführung einer größeren Einheitlichkeit auf dem Ge⸗ biete dr Beamtengesetzgebung ist im Laufe der letzten Jahre auf Drängen der Beamtenschaft beim Reichsministerium des Innern eine besondere Stelle geschaffen worden, die augenblicklich unter Leitung des Ministerrialdirektors Dr. Falck steht. Wie fast alle demokrati⸗ schen Einrichtungen, die ihre Entstehung einer Anregung der Gewerk- schaften verdanken, ist auch diese Abteilung nicht zu einer Entfaltung ihrer Wirksamkeit gekommen, sondern Bureaukratie und f Mehrheit haben sie systematisch sabotjext. Es genügt. auf den Werde⸗ gang des Beamtenrätegesetzes hinzuweisen, das schon Fahre hindurch die Instanzen beschäftigt, um die Richtigkeit dieser Behauptung dar⸗ zutun. Neuerdings scheint nun die Reaftion auch an dieser Stelle vollständig de Herrschuft fdernehmen zu wollen. Durch Neuver⸗ teilung der zu der Beauntenabteilung gehörigen Referate ist jetzt er⸗ veien worden, daß wirkliches Sachverständnis für Beamtenange⸗ legenheiten bel den neuen Begrbestern überhaupt nicht mehr vorhan⸗ den it. Jedenfalls kann die Beamtenschaft nicht verstehen, daß 3. B. der Chef der Fumprüfungsstelle im Nebenamt auch noch Zeit finden soll, sich mit Beamtenangelegenheiten zu befassen. Außerdem heißt es, daß der jetzige Leiter der Beamtenabteilung, Ministerialdirektor v. Falck. demnächst durch den Präsidenten des Reichspenstonsamts, Herrn v. Jacobi, dem bekannten Verfechter reaktionärer antirepublika⸗ nischer strebungen, in der höheren Beamtenschaft ersetzt we soll. Das Reichspensionsamt ist geradezu ein Sammelplatz Jitr antfrepublikanische Bestrebungen, und die tüchtigsten republikani⸗ schen Beumten werden dort vollständig kalkgestellt. Vor einiger Zeit it mim Herr v. Jacobi zum zweiten Vorsitzenden der Berliner Be⸗ umtenvereini gewählt worden, die sich wohl für Wurst und Käse und billige en, niemals für eigentliche Beamtenangelegenheiten interessiert hat. Den Vorsitz im dieser rein wirtschaftlichen Zwecken dienenden Vereinigung sehen nun gewisse Kreise offenbar als beson⸗ ders geeignete Vorbereitung zur Uebernahme der Beamtenabteilung im Reichsministerénun des Innern an. Sollte Herr v. Jacobi tat⸗ sächtich zum Direktor dieser Abteilung gemacht werden, so wird der heftigste Bekämpfer eines modernen Beamtenrätegesetzes auf der ganzen Linie gesiegt haben und die schärfste antirepublikanische Re⸗ aktion wieder ihren kriumphierenden Einzug in das Reichsmini⸗ stertum des Innern halten. Dank an die Märzkämpfer. Einem Aufsatz von Erich Kuttner entnehmen wir die folgenden Ausführungen. Der 18. März war ein erster Sieg des Volkes über den preußischen Militärstaat. Ein kurz⸗ fristiger Sieg, dem nach wenigen Monaten schon die kom⸗ plette Niederlage folgte. Niemand aber hat mehr Ursache als die heute lebende Generation, der Barrikadenkämpfer in Dankbarkeit zu gedenken, das Mißlingen ihres Werkes aufs tiefste zu beklagen. Denn daß wir im Jahre 1914 die gesamte Welt in Waffen gegen uns sahen, daß wir den Zu⸗ sammenbruch von 1918 erlebten, daß wir das Versailler Diktat über uns ergehen lassen mußten, daß heute noch die Welt erfüllt ist von Mißtrauen und Abneigung gegen Deutschland,— das alles sind letzten Endes die Folgen der Niederlage, die vor fünfundsiebzig Jahren die deutsche Demokratie nach kurzem Anfangserfolg erlitt. Der preußische Militärstaat war 1806 auf den Schlacht⸗ feldern von Jena und Auerstädt als Leiche geblieben. Aber das Volk, das 1813 in die Freiheitskriege zog, um mit der Abschüttelung der Fremdherrschaft ein freies und einiges Deutschland in den Sattel zu heben, ließ sich von dem eid⸗ brüchigen Preußenkönig und der geriebenen Junkerkaste übertölpeln: nichts kehrte wieder als der verrottete, absolutistische Militärstaat. Daß alles wesentlich beim alten blieb, daran trägt die Jämmerlichkeit des deutschen Bürgertums die Hauptschuld. Die deutsche Bourgeoisie hat in der ganzen Periode, während der sie herrschend sein konnte, einen solchen Mangel an aufrechtem Bürgergeist, solches Uebermaß an Untertänigkeit und Feigheit gezeigt, daß jeder weltgeschichtliche Vergleich versagt. Wenn man will, kann man auch dieses charakterlose Bürgertum als das deutsche Unglück bezeichnen: von jenen„Demokraten“ an, die aus Angst vor den ersten Lebensregungen des Proletariats die Revolution von 1848 preisgaben, bis zu ihren heutigen bürgerlichen Namensvettern, die den Kämpfern der Barrikade den Grabstein verweigern, führt eine schnur⸗ gerade Linie. 8 5 Der bürgerliche„Untertan“, dessen Porträt Heinrich Mann in seinem Romon für alle Zeiten gezeichnet hat, ver⸗ leugnele sehr bald sein einziges Aufbegehren. nach den Strahlen der fürstlichen Gnadensonne spähend, sprach er in späteren Jahren mit schamhaftem Erröten von dem„tollen Jahr“ 1848. Was er als Tollheit belächelte, war aber unter welthistorischem Gesichtspunkt äußerste Zweckmäßigkeit, Zukunft, Rettung für Deutschland. Verpaßte Gelegenheit! 1918 kam zu spät, um noch zu retten. Aber eine ewige Lehre bleibt: trotz blendender Scheinerfolge des Militarismus war es Deutschlands Ver⸗ 79 hängnis, daß es militaristisch blteb an der Wende, da es demokratisch werden sollte. Diese Erkenntnis macht es uns Lebenden zur äußersten Pflicht, jede Wieder⸗ kehr des verhängnisvollen Militarismus mit allen Fasern unseres Könnens zu verhindern. Die heutige Republik krankt nur an einem: daß sie fünfund⸗ siebzig Jahre zu spät kam. Wir können das nicht ändern, aber es hieße einen Fehler auf den andern türmen, wenn wir aus Aerger über all das Unglück, das aus dem späten Kommen resultierte, die Republik uns wieder nehmen ließen. Freilich kann unser Ideal nicht das der 48er mehr sein. Aber fünfundsiebzig Jahre Geschichte hinterlassen ihre Spuren. Die Ziele von 1848 sind für uns Heutigen zur Grundlage geworden, von der wir unserem sozialistischen „Ziel zustreben, von der politischen Freiheit zur wirtschaft⸗ lichen. Aber weil die Kämpfer von 1848 für das politische Fundament stritten, ohne das der Sozialismus auf Sand gebaut wäre, für das Fundament der Demokratie, deshalb sind sie unsere rechten Ahnen. Ein lebendiger Strom der Entwicklung verbindet ihren Geist mit dem unsern, und wenn der Vater im Sohn, der Ahn im Enkel weiterlebt, so leben die Kämpfer von 1848 fort in uns Sozialisten. Wir aber ehren diese Ahnen besonders, weil wir freudig aner⸗ kennen, was selbst ein Gegner der Demokratie, der rechts- nationalliberale Professor und preußische Historiograph Gneist einst widerwillig zugestand: daß es doch etwas Großes ist, wenn einfache Menschen aus dem Volke für ihre politische Ansicht mit dem Leben einstehen. Dessen wollen wir eingedenk sein, wenn die Stunde der Gefahr für die Republik schlägt, die viel⸗ leicht nicht fern ist. Provokateur Helfferich. Karl Helfferich. der Listenführer der Deutschnationalen im Reichs tagswahlkreis Hessen⸗Nassau, hat, wie berdchbet die Steuer⸗ debatte am Donnerstag mit einer die Massen aufs äußercste auf⸗ reizenden Rede„bereichert“. Unsere Leser wissen, daß er der 0 nach der Wortführer aller blürgeclichen Partejen war, die Auch samt und sonders diejenigen sozialdemokratischen Anträge ablehnten beren Annahme Voraussetzung für die Zustimmung auch Sehnsüchtig Die deutsche Faseistenhydra. Vor dem Generalstreik in Oberschlesien. Was den Orgeschbanden im Ruhrgebiet immer noch nicht gelungen ist, nämlich eine Bresche in die Abwehrfront der Arbeiterschaft zu schlagen, das ist ihnen— leider mit Hilfe der Unternehmer— in Oberschlesien in umso gründ⸗ licherer Weise gelungen. Seit einigen Tagen stehen die Be⸗ legschaften von fünf Gruben und zwei Hüttenwerken im Ab⸗ wehrstreik gegen die Ausschreitungen und den Terror der nationalsozialistischen Selbstschutzleute. Wenn es nicht ge⸗ lingt, bis zum Mittwoch die Arbeitgeber eines Besseren zu belehren, dann ist mit der Proklamation des Generalstreiks für ganz Oberschlesien zu rechnen. 6 5 Die aus der Zeit der Herrschaft der Interalliierten Be⸗ satzungsmächte noch bestehenden Reste der Selbstschutz⸗ organisationen sind von den Unternehmern auch nach der Besetzung aufrechterhalten und auf die einzelnen Betriebe verteilt worden. Hier haben sie eine wahre Diktatur über die freien Arbeiter aufgerichtet, gegen die von den Unter⸗ nehmern nichts unternommen wurde, vielmehr machten sie sich das Treiben der Orgeschleute zunutze. Zwei Betriebs. räte, die energische Vorstellungen wegen des immer uner⸗ träglicher werdenden Treibens der Selbstschutzleute erhoben, wurden vor einigen Tagen entlassen. Obwohl die Beleg⸗ schaft die sofortige Wiedereinstellung ihrer Vertrauensleute forderte, lehnte die Direktion dieses glatt ab. Die Folge war der Streik. 5 5 Es sei von vornherein festgestellt, daß es sich hier nicht um einen wirtschaftlichen Kampf, sondern um einen Streik handelt, der einen rein politischen Charakter trügt. Selbst hervorragende Führer des Bürgertums er⸗ kennen an, daß dieser Streik eine politische Notwendigkeit ist, um die unerhörten Uebergriffe der illegalen Organi⸗ sationen gegen einzelne Personen und den Staat abzu⸗ wehren. Alle Bemühungen der Gewerkschaften und der Re⸗ gierung, diesen bedauernswerten Kampf beizulegen, haben die Unternehmer an ihrem Starrsinn zerschellen lassen. Man gewinnt den Eindruck, daß die oberschlesischen Grubenbesitzer die Kraftprobe wollen, weil sie hoffen, daß aus ihr die Orgesch-Organisationen als die Sieger und die freien Ge⸗ werkschaften als die vernichtend Geschlagenen hervorgehen. Für Mittwoch ist ein neuer Kongreß der Betriebsräte anbe⸗ raumt, dessen Tagesordnung lautet: Erklärung des Generalstreiks für Oberschlesien.— Es besteht gar kein Zweifel darüber, daß die⸗ ser Generalstreik prollamiert wird, wenn nicht im Laufe des Mitt⸗ woch eine Einigung im Sinne der Arbeitnehmer erzielt wird. Aus dem Waldenburger Revier und aus Polnisch⸗Oberschlesien liegen Meldungen vor, die erwarten lassen, daß sich die dortigen Arbeiter im Falle des Generalstreiks mit den kämpfenden Kame⸗ raden solidarisch erklären werden. Ein oberschlesischer O. C.⸗Mann verhaftet. Wie aus Gleiwitz gemeldet wird, ist die Verhaftung des deutschnationalen Stadtverordneten und Provinziallandtagsabge⸗ ordneten Rektor Günther und seines Sohnes aus dem Belte heraus von der Schuppoltzei vorgenommen worden. Bei dem verhafteten Beamten der Oberschlesischen Stahlwerksgesellschaft, Hauetmann a. D. M. Puth will man angeblich belastendes Material über Rek⸗ tor Günther gefunden haben. Die Wohnung des Rektors wurde bei der Verhaftung auch nach Waffen durchsucht, jedoch ohne Erfolg. Ueber die Einzelheiten wird noch gemeldet, daß die Polizeibeamten dem Sohne Günthers, als er die Wohnungstür öffnete, mit vor⸗ gehaltenem Revolver und dem Rufe:„Hände hoch“, entgegentraten und die Vorweisung eines Haftbefehles ablehnten. Rektor Günther war während der Franzosenzeit als geistiger Führer des Gleiwitzer Selbstschutzes bekannt geworden. Das Vorgehen der Polizeibeamten wird damit begründet, daß Günther beschuldigt sei, Verbindung mit der Orgauisation G gehabt zu haben. Die bahyerische Regierung weiß von nichts. Im Verfassungsausschuß des bayerischen Landtages wurde Dienstao nachmittag bei der weiteren Beratung über die nationalsozialistischen Sturmtrupps die Regierung ge⸗ fragt, ob ihr bekannt sei, daß neue Trupps, sogenannte sicht hätten, ihre in München verhafteten Kameraden zu be⸗ freien. Der Minister des Innern bemerkte, daß von einem solchen Vorgang der bayerischen Regierung nichts bekannt sei. Er versicherte nochmals, daß die Regierung gewillt sei, Auswüchsen und Ausschreitungen mit allen Mitteln ent. gegenzutreten. Gegen die Nationalsozialisten sei bereits eine ganze Reihe von Verfahren anhängig, darunter allein 1 wegen des Eindringens in das Gebäude der Münchener Post. der Sozialdemokraten und Demokraten, welche zligliche Auflösung aller Sturmtrupps verlangen, abgelehnt, In der Abstimmung wurden schließlich die Anträge f die unver⸗ dagegen der bereits gemeldete Antrag der Bayerischen Volks. partei mit 15 gegen 12 Stimmen angenommen. Die Arbeiter schützen sich. 5 Demonstration der sozialdemokratischen Sicher⸗ heitsabteilungen in München. Am Sonntag, den 18. März, ist es in München, wiederum zu einigen Zwischenfällen gekommen. Kurz vor der Abreise der Tr. ganisation Roßbach und zahlreicher nationalistischer Hunderischaften nach Kempten usw. wurden der Jugendgruppe Fürstenseld⸗Bruck des Republikanischen Reichsbundes auf dem Münchener Hauptbahnhofe von Sieh er! die schwarzrotgoldenen Fahnen zerrissen. Die Polizei kam weder den Mißhandelten noch der Fahne der Republik zu Hilfe! 1 Die Feier des Republikanischen Reichsbundes im Münchener Kindl⸗Keller war von len Tausenden fesuch und nahm einen überbrachte die Grüße der Thüringischen Republik, des besten der un Republik und des Hüters demokratischer Freiheit Professor Quidde hielt die alten Die Rückkehr der republikani⸗ schen Fahnen zum Gewerkschaftshaus 8 Abteilungen der sozialdemokratischen ohne Störung. 212281 Marin benutzte die genere en lei, ürzlich zum staatlichen Feiertag erklärten„Josefita in die weitere umgebung Münchens. D ug machte allseitig einen vortrefflichen Ein⸗ tragen als einheitliches Abzeichen rote cherheitsabte 4„ Am Sicherheitsabtei⸗ lung den zu einem großen Mars ast 2000 Mann starke ruck. Unsere Genossen N Binden mit einem schwarzrotgoldenen Querstreisen. Der der Münchener Parteileitung, Genosse Thomas Wimmer, dankte in einer Ansprache im Namen der Partei allen Genossen, die durch das borbildliche Zusammenwirken in wenigen Monaten eine su starke und zuverlässige Organisation Aale u haben. Mit Genug⸗ tuung könne man feststellen, daß die Partei mit Ruhe den kommen⸗ den Dingen entgegensehen könne. nicht A den Hort der freien sozialdemokratische Sicherheitsabteilung nimmt nur in jaßzelanger Partei⸗ und Gewerkschaftsarbeit geschulte Genossen auf ünd ver⸗ schmäht Nichtparteimitglieder, insbesondere Kommunisten Wie zu erwarten war, drehen die Geheimbündler den indem sie die Bildung von Sicherheitsmann⸗ Spieß um, schaften zur Abwehr faszistischer Angriffe als Vorboten einer Roten Armee bezeichnen, gegen die es zu rüsten gelte. Es nimmt auch nicht gerade Wunder, daß die Vereinigten Vater⸗ ländischen Verbände Deutschlands, die eine so w beleumundete Persönlichkeit wie Herrn Geisler zu ihr g Vorsitzenden ausersehen haben, den Reigen der neckisch Rufer eröffnen. Wie Tu. mitteilt, Ruhrflüchtlinge, nach München unterwegs seien und die sehr erhebenden Verlauf. Der thüringische Justizminister Rittweger tshaus vollzog sich dank des Schutzes hau zog 1 0 1 Arbeiterschaft zu zerreißen. Die Hortes 1 Vorsitzende ö 1 Es werde den Hakenkreuzlern . 1 . 10 1 Verbände für Freitag, den 23. März, eine außerordentliche Vertreterversammlung anberaumt mit der Tagesordnung: „Stellungnahme zu der im ganzen Reiche rasch fortschreiten den Aufstellung einer„Roten Armee(Proletarische Selb schutz⸗Hundertschaften“).“ 8 1 Roßbach bleibt in Haft. Die Versuche der Deutschvölkischen Freiheitspartei, ihren vie geliebten Leutnant Roßbach wieder frei zu bekommen, vor⸗ läufig gescheitert. Schon vor der Verhaftung Roßbachs lag gege ihn so ungeheuer viel Material vor, daß seine wiederholten E haftungen geradezu unverständlich waren. Seit seiner dri Verhaftung aber hat sich das Material gegen ihn so angehäuft, d jetzt auch der„objektivste“ Untersuchungsrichter keine Llicke mehr 20 5 vermag, durch die Roßbach in die Freiheit marschierev önnte. 1 1 5 —.— e eee Dun e—— unserer Reichstagsfraktion zum Geldentwertungsgesetz gewesen wäre, und deren Ablehnung infolgedessen dazu führte, daß die bürgerlichen Parteien das Gesetz das den Besitzenden den Pelz wäscht, ohne sie naß zu machen. alleine machen mußten. Wie stellt sich nun dle Presse der bürgerlichen Linken zu Helfferichs„Sieg“, der von der deutschnationalen Presse be⸗ jubelt wird. Das zu beobachten ist recht lehrreich. In den demo⸗ kratischen Berliner Blättern vom Freitag vormittag fanden wir nur einen einzigen Artikel, der klipp und klar zum Ausdruck bringt, wie unangenehm es bie Redaktion dieses Demokratenblattes be⸗ rührt, daß„die bürgerlichen Parteien bis zu den Demokraten Herrn Helfferich willig die Führer⸗ rolle in den jetzigen Steuerfragen übertragen haben“. Allerdings steht dies demokratische Blatt auf dem linben Flügel der Demokraten. Es ist die Berliner Zeitung. die mit Bedauern feststellt daß die Linke am Donnerstag leider erst jenseits der Demokraten begann, also nur aus der Sozialdemo⸗ kvatie und den Kommunisten bestand. Die Volkszeitung registriert genugtuend, daß als vom Präsidenten gefragt wurde. wer in Zwischenrufen Helfferich einen Lügner nannte, fast sämt⸗ liche Sozialdemokraten sich zu dieser Meinung bekannten. Als aber gefragt wurde. wer von den Deutschnativnalen, unseren Genossen Dr. Hertz mit dem Schimpfwort„Judenjunge“ angepöbelt habe, da hatten„die Helden von vechts“ sämtlich geschwiegen.„Wird den Demokraten der Mittelparteien nicht unheimlich bei dieser Bettgenossenschaft,“ fragt die Verliner Volkszeitung und entwirft von Karl Helfferich, dem gistgeschwollenen Provokateur, folgendes anmutige Bild: „Helfferich wirkt bei seinen Reden immer provokasorisch. Gestern war ihm die Führerrolle, die ihm die bürgerlichen Partelen bis zu den Demokraten allzu willig in Steuerfragen übertvagen haben. wohl zu Kopf gestiegen und so er⸗ zeugte er Läcrmszenen die der Sitzung ihr Gepräge gaben. Die „Dolchstoß“⸗Legende wurde auch in diesem Falle von ihm auf⸗ gewärmt. Das gebt sehr einfach: Wer feststellt, daß die Profitmacher sich in Deutschland erfolgreich von der gerechten Besteuerung drücken können. der liefert dem Feind Material gegen die deutsche Finanzverwaltung, ist also Dolchstößer“ Am Freitag abend besann sich auch das Berliner Tageblatt seiner demokrattschen republikanischen Gesinnung und rückte von dem deutschnationalen Provokateur ab. Helfferich habe die Gabe, schon durch die Form seiner Ausführungen ohne Rücksicht auf den Inhalt provozierend zu wirken. Seine Donnerstagrede dürste, meint das B. T., selpst bei den Partejen die mit ihm stimmten, ein erhebliches Mißbehagen hervorgerufen haben. Das glauben auch wir. sind aber der Meinung, daß noch viel größer das Mißbehagen pfeler demokratischen und zentrümlicher Wähler darüber ist baß die Demokraten und das Zentrum, als sie sich am Donnerstag im Deubschen Reichstag unter Helfferichs Führer⸗ sehaft stella schaft stellte *, den früheren Reiche finanzministern Er zberger und Dr. Wirth so viel Uneh re bereiteten. Gießen und Umgebung. Wohnungspolitik und Wohnungswucher. In einer am Sonntag abend im Saale des Kathol. Vereins⸗ hauses abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Mieter versamm⸗ lung beschäftigte man sich mit den in der Ueberschrift bezeichneten Fragen. Der Vorsitzende Weißbäcker wies bei Eröffnung der Versammlung darauf hin, daß der Mieterverein nicht wolle, daß das Rwichsmietengesetz aufgehoben, sondern daß es ausgebaut werde. Der letzte Zuschlag auf die Friedensmiete sei vom Kreisamt fest⸗ gesetzt worden ohne den Einspruch des Mietervereins zu beachten. Ferner wandte sich der Vorsitzende dagegen, daß, wie behauptet werde, der Mieterverein eine verkappte sozialdemokratische Organi⸗ sation sei, es seien darin vielmehr alle Parteien vertreten. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung sprach Reichstagsabg. Beck⸗ mann. Er beschäftigte sich mit dem Reichsmietengesetz das eine Notwendigkeit bei den heutigen Verhältnissen auf dem Wohnungs⸗ markte war. Von den Hausbesitzern wurde es bekämpft, weil sie bei setzen könnten. Wenn jetzt die Forderung mit 24755 Prozent Zuschlag durchgedrückt würde, so würde ein Friedenspreis von 650 Mark auf 129 246 Mk. jährlich steigen. Die 210 Prozent Betriebskosten seten ebenfalls viel zu hoch. Vor allem müsse der Baustoffwucher bekä ö werden, der die Hauptschuld daran trage, wenn das Wohnungselend ö nicht behoben werde. Aus ihn herauszukommen wäre möglich wenn die Gemeinwirtschaft im auwesen durchgeführt werde. An der Lösung der Wohnungsfrage müßten alle mitarbeiten, die an der kulturellen Weiterentwicklung Interesse haben. Die Erhöhung der Mieten könne mur bis zu einem Satze gebilligt werden, der von der Mieterschaft geleistet werden könne.(Beifall.) 4 Ueber Wohnungswucher sprach Rechtsanwalt Hom⸗ berger. In seinen Ausführungen, in die er vielfach humoristische Wendungen einstreute, wies er auf die Art hin, wie das Reichs- mietengesetz, das früher von den Hausbesitzern bekämpft wurde, jetzt als Waffe gegen die Mieter benutzt werde. Durch falsche Auslegung des Mietengesetzes werden die Mieter vielfach benachteiligt. 72 770 e⸗ 898 haben die genannten der freien Wirtschaft jede Forderung den Mietern gegenüber durch⸗ e een e, ee eden ..(.. SS SSS FCCTCVTTTTFFFTCTCTCTCTCTTCTCTTTT S 2 S .. eee 2 icht oifsgereicht hätten, wie behcuwket wird, it nicht richrsc. das tft höchstens in ganz vereinzelten Fällen zu. Zutresfen mag der Emwand, daß früher ein Fünftel des Einkommens für Miete auf⸗ gewendet werden mußte. Aber als bestanden andere Zerhältnisse. Wir waren alle reicher, gaben mehr für Hygiene usw. aus. Die unerträglichen Forderungen werden dazu führen, daß engere Woh⸗ mungen bezogen werden, wodurch die gesundheitlichen Verhältnise natürlich verschlechtert werden.— Gegen die Wohnungsbauabgabe sollen wir nicht murren; die Hausbesitzer sind zwar dagegen, weil sie zahlen mlissen und weil der Wohmmgsmangel dadurch einiger⸗ maßen eingeschränkt werden kann.— Andererseits muß der Haus⸗ besitz doch ein Vergnügen sein, sonst würde doch nicht soviel und zu so ungeheuren Preisen gekauft. Ist das kein Wucher? Der vielfach angezogene Vergleich mit landwfrkschaftlichen Grundstücken ist nicht am Platze; das ist eben auch Wucher. Die Hundertsätze steigen ins Unermeßliche, ohne daß etwas Nennenswertes repariert wird. Das sollen sich die Mleter nicht gefallen lassen. Zur Fortsetzung der Frie⸗ densmiete können„veränderte Umstände“ berücksichtigt werden. Diese Bestimmung schlägt auch vielfach zun Nachteil der Mieter aus. Das Gießener seteinsgungsamt kommt aus den„anderen Umständen“ gar nicht heraus!(Hefterkeit.) Unter Bezug auf die Geldentwertung werden ständig die einzelnen Zuschläge erhöht obwohl jetzt seit Licher. neren Je de man der geen i. waleston ge Forde rungen rden erhoben. Die Zuschläge für die Hypothekenzinsen wurden auf 60 Prozent erhöht. Dabei sind die meisten Hypotheken dern abgetragen, die Zinsen vielfach auch gar nicht erhöht worden Diese ber e. Hypotheken sind in Gold gegeben, in Papier aber zurückgezahlt wor⸗ rischasten den; die Gläubiger waren vielfach Rentner, oft auch Witwen und Walsen. Die Rückzahlung in Paper kann man getrost als legalen Abahnh, Dieb stahl bezeichnen. Mit den Betriebskosten, die von sen. Ie. 210 Prozent auff 160 Prozent der Grundmiete herabgesetzt wurden, Republll ist auch eine tolle Sache. Mam fragt sich vergeblich, wie die Betriebs⸗ 8 kosten entstehen sollen. Außerdem sollen den Mietern noch Grund⸗ fünchen: steuern, Brandversicherung, Kanalgebühren usw. extra aufgebürdet In werden. Wer zahlt anderen Leuten die Steuern?— Die laufenden Ritgvehr Instandsetzungskosten sind mit 2700 Prozent festgesetzt. Ge⸗ en deu wiß soll der Mieter dazu beitragen, daß das Haus in Ordumg Freihel gehalten wird, der Fausbesitzer wer auch, denn es handelt sich ja publikal, um sein Eigentum. Will er sein Teil nicht dazu geben, dann soll er Saus sein Haus verkaufen, Natürlich wird die Wohnung des Hausbesitzers abtelln immer am besten im Stande gehalten, zahlen will er aber nichts n ae Die großen Instandsetzungsarbeiten sind mit 1800 Proz. sable. festgesetzt. Hier läßt sich nichts dagegen einwenden, doch muß dafür Josesttu, gesorgt werden, daß diese Gelder auch für die Zwecke verwendet — werden, für die sie bestimmt sind, nicht in die Tasche des Hausbe⸗ ichen En, sitzers fließen. Notwendig ist, auf die Verbilligung der Baustoffe hin⸗ 5 ten, gzuarbeiten.— Es geht nicht, daß der Hausbesitzer nichts repariert, kiten steckt das Geld eim und möchte auch die großen Zuschüsse einstecken. ankten Manckser der Herren hat es leicht, seinen Mietern bei Beschwerden die dutt ldie schuodderige Bemerkung hinzurerfen„ziehen Sie doch aus“. 18 Jedes Kind weiß, daß der Mieter heute nickt frei ist.— Wenn Senn. heute 24 755 Prozent der Grundmiete, das ist das Wosache der komme, Friedensmiete verlangt merden, so darf mon das als Wucher be⸗ alrenzlen zeichnen. Die meisten Volksgenoffen haben ihren Goldbesitz eingebüßt, pen. d. auch der gering Bemittelte, der ein paar Himdert Mark sich gespart elm hatte, auch diejenigen, die int ihren Lefbern die Häuser ganz er⸗ [halten, die ihren Ernährer und ihr Geld verloren haben, die sollen en arbeiten für den Hausbesitzer!— Die Ausführungen des Redners adler den wurden mit starkem Beiscll aufgenommen.— In der Diskussion eitsmam⸗ ergriff Stadtv. Mann das Wort, der seine Meinung dahin aus⸗ ijsprach, daß, wenn man die Wohnungen erhalten und neue schaffen ten eiter 5 wollte, man die Häuser in den Besitz der Allgemeinheit überführen elt.“ müsse. Wir alle haben Interesse an der Erhaltung der Wohnungen. en Vate. Jetzt wurde festgestellt, daß 2% Millionen Wohnungen in Deutsch⸗ o wo. land fehlen, diese herzustellen würde 8000 Milliarden kosten! Redner uiweist auf den tollen Baustoffwuch 8 0 de 1 icher hin, der jetzt betrieben wird. zu in(Ein Backstein kostet 172—175 Mark, früher bis an die Baustelle nekkisen 222 Pfennig! Für Zement besteht ein Synydskat, kein Sack Zement fsst anders als durch dieses zu erhalten. Ungeheure Preise werden Dafiir in Deutschland gefordert, in Holland dagegen wird der deutsche Zement billiger angeboten. Holz kostet den 10 000 fachen Betrag der 1 Vorkriegszeit. Mit Recht beschloß der Reichstag, daß die gemeinwirt⸗ Ischaftlichen Betriebe in der Baustossproduktion zu unterstützen seien. e Sell,(Es muß gefordert werden, daß Staat und Gemeinden das Holz 0 sselber behalten, es nicht erst durch viele Hände gehen lassen. Der Wohnungsbau darf nicht erdrosselt werden; schon jetzt sind 150 000 Wauarbeiter arbeitslos. Darum müssen wir dahin wirken, daß Woh⸗ ten nil, ungen geschaffen werden, die Gesamtheit muß bereit sein, dafür ind, Dpfer zu bringen. Die Wohmumgsbauabgobe bedeute einen Fort⸗ lag gegn schritt; tritt die freie Wirlschaft auf dem Wohnungsmarkte ein, so ollen E werden viele aus ihren Wohnimgen vertrieben werden.— Bock er dei, hält die Wohnungsabgabe für zu hoch— Mann antwortet ihm in cheuft e längeren Ausführungen.— Zum Schluß werden folgende Reso⸗ 1 lẽutionen beschlossen: nurschem 1. Die am 18. März 1923 in Gießen tagende stark besuchte ö Versammlung der Mieterschaft der Stadt Gießen erhebt einmütig — Protest gegen die sprunghafte Steigerung der Mietzuschläge. Sie 1 gaht dabei von der Erwägung aus, daß bei der Festsetzung dieser 5 Zuschläge nicht nur die Interessen der Hausbesitzer, sondern auch en ist. Es ist die Existenzmöglichkeit der Mieter zu berücksich weiter dabei zu erwägen daß der seines Gold s jetzt voll⸗ et. 1 ständig entkleidete Nichtgrundbesitzer nicht die Auftzabe hat, aus 1 Veit seiner Arbeit den Wertbesitzstaund des Haus⸗ und Grunböesitzers ö fart, zu exhalten. 0 er 125 2. Die am 18. März 1923 in Gießen tagende öffentliche bezei 12 Misterversammlung richtet an das hessische Ministersum für Arbeit 1 1 un Vertschaft die dringende Bitte, dahin zu wirken, daß das le,„. Wohmumgsbauabgabeqesetz dahin abgeändert wird, daß die Höhe at 1 ö der Abgabe nicht nach der Größe der bewohnbaren Fläche, sondern eisen in erster Linie nach der Steuerkraft des Inhabers bemessen wird. 1 Das seitherige Verfahren hat zur Folge, daß die weniger be⸗ mittelten Volkskreise darnach trachten, enge, kleine und deshalb billige Wohnungen zu beziehen, was im Interesse der Volksge⸗ sundheit nicht gefördert werden darf. — Auszahlung der Aprilgehälter an die Beamten. Bekannt⸗ lich hat die Reichsregierung angeordnet, daß den Beamten und Ar⸗ 1 beitern in den Reichsbetrieben die Gehälter und Löhne für April nber bereits am 19. März ausgezahlt werden sollten. Die Landesregier⸗ en zungen schlossen sich dem an, und demgemäß teilte die Darmstädter Zeitung am 16. März mit, daß die Kassestellen in Hessen ent⸗ sprechend angewiesen seien. Aber von der Anweisung bis zur Ausführung scheint ein weiter Weg zu liegen, denn wie wir won Beamten hören, haben die hiesigen Kassen, darunter auch die »Stadtkasse, weder am 19., noch am 20. März Gehälter ausge⸗ zahlt; allem Anschein nach will man die Beamten ruhig bis zum mächsten regelmäßigen Termin warten lassen. Die Regierung sollte aber nicht nur anordnen, sondern auch darauf sehen, daß ihre Anordnungen auch pünktlich befolgt werdenl Letzten Endes wird doch ihr selbst immer die Schuld in die Schuhe dheschoben. 1— Für Betriebsratsmitglieder sind die Kur se beachtenswert, zu denen im Inserat des heutigen Blattes eingeladen wird. Sie werden am Samstag Abend und Sonntag vormittag im Gewerk⸗ schastshaus Gießen, am Sonntag nachmittag in Nid da im Lokale Aingshausen abgehalten. Vortragender ist Dr. Lorch⸗Franl⸗ furt. Zahlreiche Teilnahme an den Kursen ist sehr erwünscht. Wir machen auf das Inserat aufmerksam. Dollarschatzanweisungen des Deutschen Reiches, bank garantiert. „ Anter Hinweis auf die in unserem Blatte veröffentlichten Be⸗ kanntmachungen bringen wir unseren Lesern nochmals die wich⸗ ligsten Einzelheiten, die der Interessent wissen muß. Höhe der Anleihe 50 Millionen Dollar, Zeichnung bis zum 24. d. M. bei den bekannten Banken und Girozentralen. Zeich⸗ nungspreis 100 Prozent. von der Reichs⸗ Einzahlung in amerkkankschen Dollar ünd anderen Devffen, Noten zu bestimmten Umrechnungskursen, und zwar mindestens 40 Prozent Einzahlung bet der Zeichnung, der Rest bis zum 14. April 1923. Vergütung für Einzahlungen vor dem 14. April 1 Promille in Mark für jede volle Woche der Vorauszahlung in Noten oder telegraphischen Auszahlungen. Stückelung: 5, 10, 20, 50 und 100 Dollar. Rückzahlung nach 3 Jahren zu 120 Prozent in Dollar oder Gold, mithin eine Ver zinsung von über 6 Prozent. Beleihbarkeit. Die Dollarschatzanweisungen werden bei den Dar⸗ lehnskassen beliehen zu 60 Prozent des Börsenkurses, wenn der Darlehusnehmer die Verpflichtung übernimmt, seine Mückzahlung 4 Wochen vor dem in Aussicht genommenen Zahlungstage anzu⸗ kündigen, ohne solche Bindung zu 40 Prozent, wobei der Kurs⸗ wert des Dollars höchstens mit 20 000 angenommen wird. Steuerliche und sonstige Erleichterungen. Die Rückzahlung erfolgt ohne jeden Abzug. Die Hingabe der ausländischen Zah⸗ lungsmittel zum unmittelbaren Erwerbe der Dollarschatz⸗ anweisungen auf Grund einer Zeichmumg ist von der Devisen⸗ umsatzsteuer befreit. Die selbstgezeichneten Dollarschatz⸗ anweisungen können für die Veranlagung zur Einkommen⸗ und Körperschaftssteuer mit demselben Werte einge⸗ setzt werden, mit dem die als Gegenwert hingegebenen Devisen einzusetzen fein würden. Aktiengesellschaften und Kommandit⸗ gesellschaften auf Aktien, die ihre gesetzlichen Reserven oder einen Teil davon in Dollarschatzanwefsungen anlegen und(aus diesem Besitz Verluste infolge Rückganges des Dollarkurses er⸗ leiden, dürfen diesen Verlust vom gesetzlichen Re⸗ sernefonds abschreiben. Dollarschatzanweisungen werden als Sicherheit für Zollkredite angenommen. — Neuer Kartesselpress. Die Preisprüsungsstelle Oberhessen teilt uns bezüglich des Kartoffelpreises folgendes mit? Laut Mit⸗ teilung der amtlichen Kartoffelnotierungskommission für das Wirt⸗ schaftsgebiet Hessen⸗Nassau und Hessen in Frankfurt a. M. vom 19. März 1923 beträgt der Erzeugerpreis für alle Sorten Speisekar⸗ taffeln ab Vollbahnstation des Erzeugers 3000 Mk. pro Zentner. (Dazu ist zu bemerken, daß beretts in voriger Woche in der Frank⸗ furter Ztg. der Kartosselpreis an der Börse mit 23002500 Mk. angegeben war.) — Lesehalle⸗Verein. Die Anstalten des Lesehalle⸗Vereins sind im verwichenen Fahre unserer Stadt erhalten geblieben. Aus der Vücherhalle sind 20 221 Vände ausgeliehen worden, 1816 mehr als im Jahre 1921, trotzdem nur wenig neue Bücher angeschafft werden lounten und es nicht gelungen ist, den Bestand der Bücher⸗ sammlung so zu ergänzen, wie es dem Wert ihrer, Wirksamkeit ent⸗ sprechen würde. Männer und Frauen aller Stände drängen sich um den Ausleihtisch. Wir dürfen diese Bildungsstätte nicht ver⸗ kümmern lassen. Die Befriedigung edler geistiger Vedürfntsse stärkt den Willen zur Selbsterhaltung, sie bietet auch Schutz und Trost gegenüber leiblicher Not und seelischer Bedrängnis. Die Stadtver⸗ waltung hat sich unseren Bitten nicht versagt, stie wird weiter helsen, aber wir rechnen zugleich auf den Beistand aller Einsichtigen in der Stadtgemeinde: wir bitten, uns Bücher aus Privatbesitz zu über⸗ weisen, wir werben um neue Mitglieder für den Verein und um Erhöhung der jährlichen Beiträge.— Unsere Mittel werden zum größten Teil jetzt aufgebraucht durch die hohen, stetig sich erhöhen⸗ den Bezugspreise für die großen Zeitungen. Daß wir hier nicht abbauen dürfen, beweist uns zu jeder Tageszeit, zumal aber in den Abendstunden, der Besuch der Lesehalle am Kirchenplatz. Nur an dieser Stelle kann man unentgeltlich die Stimme der öffentlichen Meinung aus den verschiedenen Parteflagern vernehmen und über Handel und Wandel an den Mittelpunkten der Verkehr unmittelbar sich unterrichten. Es wäre ein herber Verlust, wenn die Lesehalle aus dem Bilde unserer Stadt verschwände.— Der Verein besteht seit 1898. Im Laufe des Sommers soll— im Anschluß an eine Mit⸗ gliederversammlung— der Eintritt in das zweite Vierteljahrhum⸗ dert durch eine schlichte Feier begangen werden.— Den Vorsitz hat Prosessor Eger übernommen. Geheimrat König bleibt Mitglied des Vorstandes. Sein menschenfreundlicher Eifer und seine geschäftliche Umsicht werden uns auch fürderhin zugute kommen. — Stadtlheater Gießen. Aus dem Bureau wird mitgeteilt: Die Aufführung von Chr. D. Grabhes kraftgenialischer Tragödie „Don Juan und Faust“ am Palmsonntag darf auf beson⸗ deres Interesse rechnen. da sie in einer neuen Einrichtung von Direktor Steingactter gegeben wird, die das Werk den Erforder⸗ nissen der Bühne nach Möglichkekt angenähert hat. Den Don Juan gibt Herr Lambertin, der noch vom Sommer her in bestem Andenken stoht und der fir den Rest der Spielzeit dem Verbande unserer Bühne angeßören wird. Faust ist Herr Juhnke, der Ritter Herr Teleky die Donna Anna F nm Keller. In weiteren größeren Aufgaben sind beschäftigt die Herren Schubert, Goll, Heding, Jacob Mehnert und Frl. Iven. Die Spieklestuna führt Direktor Stesingoetter. Die Szenenbilder und die Beleuchtungseffekte geben den Herren Karl Löffler und Ludwig Keim Gelegenheit zu verantwortungs⸗ reicher aber auch dankbarer Bekätigung. — Vorirag. Heute abend im Gewerkschaftshause:„Bilder aus Alt⸗Gießen“ von Rechtsanwalt Homberger. — Londorf. Bei der am 15. März abgehaltenen Gemeinde⸗ ratssitzung stand die Holzverteilung auf der Tagesordnung. In der Beratung kam man zu dem Entschluß, die Oeffentlichkeit bei diesem Punkt auszuschließen. Der Bürgermeister gab hierauf den erschienenen Zuhörern den Veschluß bekannt, sie verließen wohl auf ein Mimuten den Sitzungsraum, kamen aber wieder zurück und verlangten unter lautem Protest, der Stzung beiwohnen zu dürfen. Es war dies kein schönes Zeichen von Bildung. Der Bürgermeister schloß hierauf die Sitzung.— In der nun am an⸗ deren Abend nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung wurde die Holz⸗ verteilung glatt erledigt. Auf Antrag des Bürgermeisters nur 2 Meter Holz zur Verteilung und das andere zur Verstg gerung zu bringen, wurde ein Antrag von einem unserer Genossen auf restlose Verteilung gestellt. Bei der Abstimmung wurde unser Antrag auf restlose Verteilung mit 6 gegen 5 Stimmen ange⸗ nommen. Die Preise für erste Sorte Buchen⸗Scheit wurden für 2 Meter auf 60 000 Mark, für Buchen⸗Knüppel auf 50 000 78 Mark, Eichen⸗Scheit auf 40 000 Mark. Buchen⸗Stock auf 40 0⁰ Mark, Fichten⸗Schest auf 24000 Mark festgesetzt.— Die end niedriger geietzt. Bei der wei⸗ Kontrolleur noch 2 Meter Buchen⸗ Kfüppel zu seinem Erhalt von 1000 Mark bewilligt.— Der Schul⸗ dienerin wurden auf Autvda dos nin Rücksicht auf ihre schlechte Bezahlung 4 Mieter Bus Reisig zugeteilt. Hier be⸗ fremdete es manchen, daß der Gemeinderechner für die Schul⸗ diener kein Holz, sondern Geld sestgesetzt haben wollte. Er wird sich aber seinos Antrages, den er am 15. Februar stelte nicht mehr erinnern, wo es sich um die Vergütung des Gemeinderechners und Bürgermeisters für Heizung und Licht handelte. Damals hätte er wohl gerne gesehen wenn ihm statt 2 Meter das dopyerte zuge⸗ billigt worden wäre, aber für eine arme Schulzienerin. Witwe. ist es wohl genug, wenn man ihr mal 1000 Mark aufsetzt. Hier in Londorf werden wir noch mamße Mißstände beseitfsgen mussen, nur ist es Hauptbedingung, daß die Arbeiterschaft mehr zusamenen⸗ hält. ch anderen Sortimenze sind entfpre teren Veratung wurden dem b. Grünberg. Vorige Woche haben hier zwei Einbrecher nachts bei dem Kaufmann Hellwia ein Ladeufenstex eingedrückt und zwei Ballen Manchester⸗Stoff mitgehen heißen. Alles andere ließen sie unberührt, hatten also offenhar nur Bedarf an Manchester. Westerwald und Auterlahn. — Arbeitslosigkeit, im Lahngebiet. Im Oberlahnkreise nimmt die Arbeitslosigkeit infolge der Ruhrbesetzung immer größere Dimensionen an. Da im Krelse nicht genügend Arbeitsgelegenheit vorhanden ist, ist eine große Zahl der heimischen Arbeitskräfte im Industriegebiet beschäftigt. Von diesen werden mun viele infolge Kohlen- oder Rohstosfmamgels oder infolge der Versandschwierig⸗ keiten beschäftigungslos und kehren in die Heimat zurück. Vielfach erhalten sie von ihrem Arbeitgeber die Anweisung. sich bei dem, 1 auch J heimschen Bürgermeffser zu melden, der shnen brei Viertel bes Krbeitslohnes auszahlem würde. Hier wird ihnen in der Negel mitgeteilt daß dem Bürgermeister von einer derartigen Maßnahme nichts bekannt ist. Lediglich die Erwerbslosenunterstützung ge⸗ langt zur Auszahlung. Aber nicht allein die Arbeiter aus dem Industriegebiet bilden die Arbeitslosen. Ihre Zahl wird noch durch Arbeiter aus helmischen Betrieben vermehrt, die ebenfalls unter diesen Schwierigkeiten zu leiden haben. Den Behörden er⸗ wächst hierdurch die Aufgabe durch Notstandsarbeiten für Be⸗ schäftigungsmöglichkeit der Arbeitslosen Sorge zu tragen. Aller⸗ dings ist hierfür in verschiedenen Gemeinden wenig Verständnts vorhanden. Hoffentlich gelingt es dem Landratsamt, meinden über die Pflichten gegen die Arbeitslosen aufzuklären und eine beschleunigte Inangriffnahme der Notstandsarbeiten durchzudrücken. Kleine Nachrichten. Der Brand des Staatstheaters in Wiesbaden. Ueber die Entstehung des Brandes, dem am Sonntag abend das Staatstheater zum Opfer fiel, ist man sich noch nicht völlig im klaren. Doch neigt man mehr und mehr der Ansicht zu, daß verbrecherische Hände ihr Spiel bei der Katastrophe getrieben haben. Als völlig ausgschlossen darf es gelten, daß der Brand infolge der technischen Einrichtungen des letztes Aktes von„Rienzi“(Brand des Tribunen⸗ palastes) entstanden ist. Auch Kurzschluß dürfte nicht in Frage kom⸗ men, da unmittelbar nuch Schluß der Vorstellung die gesamte Be⸗ leuchtungsanlage ausgeschaltet wurde, die Leitung also stromlos war. Die größte Wahrscheinlichkett bietet demnach Brandstiftung. Vor einigen Tagen bereits hatten Diebe die Schuhmacherwerkstätte des Theaters ausgeplündert und dabei auch zugleich die kupfernen Blitz⸗ ableiter von den Dächern gestohlen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie bei dieser Gelegenheit eine Zündschnur an die Kuppel des Thea⸗ ters gelegt haben. Denn ein ehemaliger höherer Offtzier, der Sonn⸗ tag abend unmittelbar vor Ausbruch der Katastrophe an dem Hause vorbeiging, bekundete heute, daß er deutlich eine Flamme an einer Zündschnur an der Kuppel habe hergblaufen sehen. Einige Sekunden später erfolgte die Eplofion. Diese Wahrnehmung deckt sich auch mit den Aussagen des Wächters, der bei seinem Rundgange eine Stich⸗ flamme sah, die an der Kuppel des Bühnenhauses entlang lief. Bei den Beobachtungen beider Zeugen stimmt die Zeitangabe genau über⸗ ein. Es dürfte demnach anzunehmen sein, daß vielleicht eine Zeit⸗ hombe gelegt war, die ein unübersehrbares Unglück herbeigeführt hätte wenn die Explosion während der Vorstellung erfolgt wäre. Das war aber anscheinend geplant, denn schon während des dritten Aktes hörte man einen Knall, beruhigte sich aber mit der Erklärung, daß ein vorüberfahrendes Auto die Ursache des Knalls gewesen sei. Weiter ist es sehr auffallend, daß nach den bisherigen Ermittelungen der Brand nicht an einer Stelle, sondern an vier Stellen zugleich ausbrach und daher nicht mehr einzudämmen war.— Der Schaden wird auf 5 bis 7 Milliarden Mark geschätzt. Der Zuschauerraum und das Foyer sind größtenteils unbeschädigt geblieben. Dem Bande ist neben wertvollen Ausstattungen auch die koskbare Barock⸗ und Bieder⸗ meier⸗Möbelsammlung, die dem Prioatbesitz des früheren Kaisers entstammt, zum Opfer gefallen.— Der Magistrat beschäftigte sich bereits in einer außerordentlichen Sitzung mit der Brandkatastrophe. Man beibsichtigt, den Betrieb möglichst bald wieder aufzunehmen und die Wiederaufbauarbeiten so zu beschleunigen, daß in etwa neun Monaten im Hause wieder Vorstellungen gegeben werden können. Inzwischen wird man sich zuf das Residenztheater und den großen Saal des Kurhauses beschränken und auch versuchen, von der Be⸗ satzungsbehörde das Paulinenschlößchen für Vorstellungen frei zu bekommen. Das Personal wird. jedenfalls in seiner Gefamtheit weiterbeschäftigt. Franzosen unter sich. In einer Wirtschaft in Bab Ems verlongte dieser Tage ein Marokkaner von dem Wirt Kognak, der ihm selbstverständlich ver⸗ weigert wurde. Als der Soldat die Wirtsfran bedrohte, rief der Wirt die französische Wache zu Hilfe, die nach kurzer Zeit unter Führung eines Offiziers erschien. Auf die Aufforderung des Offiziers, das Gewehr abzugeben, gab der Marokkaner auf die che einige Schüsse ab, die aber nicht trafen. Darauf schoß der ffizter den Mann nieder. 0 Von der Mainzer Volkszeitung, unserem Parteiblatt, wurden zwei Redakteure ausgewiesen. Jetzt ist das Blatt wieder auf vier Wochen verboten. Der Ausweisung des Genossen Hirsch, des zweiten Redakteurs, ging eine Durchsuchung der Geschäfts⸗ und Redaktionsräume der Mainzer Volkszeitung voraus, die von 18 fvanzösischen Krimtmalbeamten vorgenommen wurde. Das Resultat der Haussuchung blieb jedoch erfolglos. Als raffinjerte Hochsteplerin entpuppte sich eine augebliche Berliner Stud nein der Medizin. die ein schlesischer Eutsbesitzer auf der Heimfahrt von Bertin kernenlernte und aus„Gutmütig⸗ keit“ auf sein Gut mitnahm. Die„treuherzige und bescheidene“ junge Dame führte sich in der Familie gut ein, benützte aber die ersten Tage, um sich genau über die Stadtverbindungen der Familie zu orientieren. Dann machte sie einen Ausflug in die Stadt, kaufte dort in größerem Maßstabe auf echnung ihrer Gastgeber ein, hob im Namen des Besitzers von dessen Bank einen größeren Betrag ab und verschwand mit allem auf Nimmer⸗ wiedersehen Die Nachforschungen ergaben, daß alle ihre Personal⸗ angaben purer Schwindel waren. Erdbebenkat asteophe. sonders in Bosnien und Dalmatien großen Schaden rerursacht. In Serajewo sind fünf Hänser eingestürzt. Viele Fabrikschorn⸗ steine sind umgefallen. In Mostar sind die Maschinenein richtungen in der staatlichen Tibakfuorik undrauchbar geworden. Auch in Ragusa und Cattaro sind viele Gebäude eingestürzt. Ein amerikanischer Flug um die Welt. Wie der Leiter der Luftalleilung der amerikanschen Marine, Admiral William A. Mosett mitteilte, soll das starre Luftschiff 3R 1, das jetzt zu Lake⸗ 8 N * 1 2 2 8 2 2 2 2 2 2 2 8 — 2 . N — 2 . 2 2 einen Flug um die Luft aus den Nor das Schiff Versuchs; Staaten unternehmen. gegenwärtig mit großer Beschleunigung für Regierung in Deutschland gebaut. lüge nach allen großen Städtey der Vereinigten Ein zweites starres Luftschiff 8R 3 wird die amerikanische Arbeitsrecht, Gewerkscha tliches, Arbeiterbewegung. Bekämpfung der Lehrlingsausbeutung. Die Gewerkschaften führen einen schweren Kampf gegen die in vielen Gewerben leider noch übliche Lehrlingsausbeutung. Von manchen Meistern werden Lehrlinge gleich in Massen Weise die„teueren Gesellenlöhne“ zu Schlosser. Barbiere und Friseure Die Handwerkskammern die eigentlich über das Gewerbe wachen und auch die Heranbildung des Nachwuchses beaufsichtigen sollen. lassen in dieser sehr viel frei Handwerksk senen Geh Be sstimmung e Hand. Wenn auch nach den Bestimmungen der er die Höchstzahl der Lehrlinge auf eimen erwach⸗ 13 beträgt, so wird doch in sehr vielen Fällen diese nicht beachtet. Darüber hinaus ist auch die Ent⸗ schädigung(das sogenannte Kastgeld), das den Lehrlingen von den in den allermeisten Fällen beschämend ge⸗ Woche Meistern gezahlt wird ring. Entschädigungen heute noch vor. von 50—100 Mark pro kommer * N I diese Ge⸗ Das Erdbeben vom 15. März hat be⸗ ebung den meisterlichen Lehrlingsausbeutern Da sst es erfreulich. daß nunmehr der preußssche Handels⸗ mfuister, Gen. Siering, die Aussichtsbehörden angewiesen hat, r Augenmerk auf diese unzulänglichen Kostgelder und Ent⸗ schädigungen zu richten. Die Aufsichtsbehörden sollen die Hand⸗ werkskammern veranlassen. darauf hinzuwirken, daß diese Miß⸗ stände beseitigt werden. Von den Kammern sollen Richtlinien aufgestellt werden die beim Abschluß der Lehrverträge als Grund⸗ lage für das Kostgeld dienen sollen. Soweit ähnliche Mißstände auch in industriellen Betrieben bestehen, beauftragt der Minister die Regierungspräsidenten. unter Mitwirkung der Handelskammern und der Gewerbeaussichbsbeamten dort ähnlich zu verfahren. Daß der preußische Handelsminister erfreulicherweise auch der Lehrlingszüchterei zuleibe gehen will, beweist eine Bo⸗ stimmung, die er mit Bezug aurf das Barbier⸗ Friseur⸗ und Perückenmachergewerbe erlassen hat. Gemäß§ 128 Absatz 2 der GO. hat der Minister bestimmt. daß in jedem Betriebe des Ge⸗ werbes unter den gesetzlichen Voraussetzungen nur ein Lehrling gehalten werden darf. In gemischten Betrieben darf ein zweiter eingestellt werden wenn nach dem Lehrvertrag der eine ing oinschliesßlich im Herrenfristeren. der andere ausschließ⸗ im Damenfristeren ausgebildet wird. Die Einstellung eines iten Lehrlings in einem gemischten Betrieb darf nur erfolgen. die ckskammer oder die Immung aus den Lehr⸗ 4 e Handwe a 9 werträgen festgestollt hat daß die genannten Vorausetzungen vov⸗ Unterbezirkskonserenz des Unterbezirks Großen Buseck. Sonntag, den 25. März 1929 für die Orte: Altenbuseck, Trohe, Rödgen, Annerod, Gr.⸗Buseck, Beuern, Bersrod, Reiskirchen, Op⸗ penrod, Burlhardsfelden, Lindenstruht und Hattenrod. Tagesordnung: 1. Rechnungsablage. 2. Neuwahl des Vor⸗ standes. 3. Maifeier 1923. 4. Verschiedenes. Die Ortsvereine wollen zu dieser Versammlung mindestens je 3—5 Vertreter entsenden. Kein Ortsverein darf fehlen! 4 Der Vorstand: Herber. Arbeiter⸗Jugend, Unterbezirk Gießen. Am Sonntag, den 11. März fand in Gießen eine Unterbezirks⸗ führersitzung statt, die sich mit rein organtsatorischen Fragen be⸗ schäftigte. Erfreulich war, daß fast alle Vereine des Unterbezirks vertreten waren; so daß um 10 Uhr die Verhandlungen begonnen werden konnten. Leider war es dem Genossen Avemaria, Darm⸗ stadt, nicht möglich gewesen, an der Tagung teilzunehmen. Trotz⸗ dem wehte ein frischer Geist vom Beginn bis zum Schluß. Einen der wichtigsten 11 bildeten die Berichte der einzelnen Ortsver⸗ eine. In fast allen stand die Jugendheimfrage im Vordergrund. Leider wird in allen Vereinen die Arbeit durch diesen Nachteil stark beeinträchtigt, doch bewies die lebhafte Aussprache, daß man über⸗ all bemüht ist, die Bewegung über diese schwere Zeit mit Erfolg uls welcher mur der vom Gericht als augemessen erachte 8 gefordert worden war, in der zweiten Instanz nicht zulässig Umangenehmer Fahrga sst. Der aus der Unt . e porgeführte Arbeiter A. F. von Ober⸗Wöllstabt November v. J. einem Hilfsschaffnor auf der Fahrt zwi Frankfurt und Groß⸗Karben erst nach mehrmaliger Aufforderu seine Arbeiterwochenfahrkarte zur Kontrolle vorgezeigt, ihm als dann, nachdem er die Karte zwecks Nachprüfung an sich genommen hatte diese auf dem Bahnbof Groß⸗Karben wieder entriffen. Da⸗ bet hat er dem Schaffner mehrere Schläge mit der Faust in das Gesicht versetzt sodaß er 14 Tage arbeitsunfähig war und ihn da⸗ bei mit groben Schimpfworten überhäuft. Unmittelbar Darauf hat er den Schaffner wiederum angepackt, ihn nach dem bepeits? im Anfahren begriffenen Zug hingegogen und dabei die Worte gebraucht:„jetzt flleg'st du drunter“. Nur dem Umstand, daß der Schaffner mit aller Kraft gegen den Randstein des 1 90 stemmte, war es zuzuschreiben, daß größeres Unglück verhüte! wurde. Der Angeklagte der behauptet daß er wegen der Weg. nahme der Fahrkarte gereizt gewesen sei und wegen eines w jüngeren Jahren erlittenen Herzschlages, sowie einer Mi operation an Erregungszuständen leide und manchmal micht wisse, was er tue wurde auf Grund des Gutachtens des Sachverständigen Für voll verantwortlich erachtet. Mit Nücksicht auf die Roheit und Anf. 7 Uhr Ende 9“ 5 0 Rücksichtslosigkeit. die er durch seine Handlungsweise gegenüber Diese Vorschristen finden zwar keine Anwendung auf Be⸗] hinwegzuführen.— An Stelle der provisorischen Bezirksleitung dem pflichtgemäß handelnden Eisenbahnbeamten an den Tag gelegt triebe in denen bereits vor dem 15. März 1923 mehrere Lehrlinge wurde ein Bezirksvorstand, bestehend aus 7 Personen, gewählt, an hat, die ernsten Folgen dhe leicht hätten erwachsen können, sowle 0 len wurden: docß dürfen Neueinstellungen auch hier erst er⸗ dessen Spitze Gen. Fleischer, Gießen, Riegelpfad 37, gestellt wurde. die Nolwendigkeit des Schutzes der leider vielfach beim reisenden 8 die bisher gehaltenen Lehrlinge ausgelernt haben.. Alle Anfragen sind an ihn zu richten. Von besonderer Wichtig Publikum bei Ausübung ihrer schweren Verufspflichten Wider. Mehrere Betriebe desseshen Unternehmers an einem 2 5 25 keit 9 5 0 e 4 W 8e e e 15 55 eine strenge 1. ö ane mit mehre weigstellen gelten im Sinne dieser An⸗ zu Gießen. Mit einem gemeinsamen Li iam Platze. gen Widerstandes gegen die tsgewalt rper- 5 8 115 8 8 9 155 1 5 laufene Tagung geschlossen. ö K. 0 und e 5 190 er N 1 dee. wollen hoffen daß diese Anordnungen des Mimisters au von 8 Monaten unter Anrechnung von ten ngs⸗ den betreffenden Behörden geachtet werden Münschenswert haft, sowie 10 000 Mark Geldstrafe wegen Beamtenbeleidigung N Went es uns allerbinge daß namentlich die letztere Vorschrist Strafkammer Gießen. Außeckem wurde ihn die Zahlung einer Buße an den Verletzeß auch auf gewisse andere Betriebe ausgedehnt wird. Sitzung vom 16. März. als Nebenkläger auserlegt. 3 8 1 b. 5 Verdächtige Dollars. Die Ehefrau A. K. von Fried. 5 5 Unberechtigter Titel. Der Naturheilkundige W. W. berg war angeklagt. während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus 1 wenne. Kat anf Fend de Raeder en eres werbe wel er e ker 35 Boer enden un chen. de. Beat deen 6. Agitationsbezirk Gießen, Alsfeld, Lauterbach. ch den Titel„Pomagpall“, eine Bezccchnung. durch welche der urge daraus Regeln dan fie te Zeit, zu der der Verlut 5 Kursus fur Wohlfahrtspflege und Ingendfürsorge. Anschein erweckt werden konnte. daß er eine geprüfte Mediainal: des Geldes gemerkt wurde. größere Anschaffungen 5 1 ö An die Ortsereine! person sei. beigelegt hatte. Seine auf Freisprechung gerichtete Be⸗ ftlicken gemacht und dabei mit Dollars be 1 5 25 5 rufung hatte Erfolg, da das Gericht annahm, daß die Bezeichnung kurz vorher sich noch Geld geliehen „Zur Einführung in das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz findet Homöopath nicht als ein auf die Täuschung des Publkkums hin- daß sie das Geld in Spätsom 0 85 Sonntag, den 25. März, nachmittags 2½ Uhr e 1. Gleig fache F peu 1 5 A Amerikge bekrmmwer habe der l —„den 25.„ 2 Kein Beweis. Glei Freisprechung erziel er Ar⸗ wollen. Da tatsächlich 8 0 im Gewerkschaftshaus Gießen. 4 f 5 beiter K. W. von Gießen. der wegen Diebstahls eines Sackes 5 1 fee wieder 0 e ffn setzung, Tuligkeit und Verwaltung.. e Verdachtsgründe g die gegen ihn vorlagen, wurde auf 155 widerlegen e daher mangels ausreichendes Beweise* f 5 7. ß ²ͤùd! meẽé ̃ͥœ̃ N a d el berg e e f estimmt erwartet, ich unsere Gen nicht erbracht er ö 0 — 1. sozialen Fürsorge 8 9 500 e 1 1 Versammlungskalender. 10 1 Als eine Selbsterständlichteit sollte es gelten, daß Gemeinderäte Saaterwelsel Wee e zu Geldstrafen und Bußen Staufenberg. Freie Turnerschaft. Samstag, 24. März, 9 n 9 1 17 an 55 1 1 an den Verletzten den sie gemeinschaftlich gallen hatten. 5 1 10100 Uhr: Mitgliederversammlung. Vollzähliges Erscheinen 1 ir weisen nochmals daraufhin, en weiblichen Mit⸗ urteilt worden n., hatte der Verletzte als Nebenklä rwün a 0 gltedern entfernt gelegener Ortsvereine, die an dem Kursus teil⸗ rufung i bobere. erzielen. Sele Be⸗ Altenbuseck. Wahlverein. Samstag, den 24. März, abends f nehmen, das Fahrgeld vergütet wird. rufung wurde zurückgewiesen. da er es unterlassen hatte, in der 87 Uhr findet im Vereinslokal eine Mitgliederversammlung statt. 5 6 Mit Parteigruß! FJ. A.: H. Häuser. ersten Instanz die geforderte Buße ziffernnäßig anzugeben und Es müssen alle Mitglieder pünktlich und vollzählig erscheinen.— le 10* eine Erhöhung des in der erstem Imstanz gestellten Bußspruchs, Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. 5 90 0 5 5 3 5 55 7 10 f f 90 fe eee 1 alte Ness rette. n f 5 9 1 0 Et äNEH,& Cie., BUSSE M N— 5 1 10 5 7 7777 1 5 5 4 der N d Ne de be. 17 N Di . 1 335 1 Gemesnnützige a 5 8— 9 7 b kaufen Sie am hilligsten la Oslenbacher lederwaren ein] eberversorgung ir des Rhein, Ben., Seryifs merke ssch ein sedeg 1 ö 5 4 ee eee 50er die Schuh- erhòst des Lede, m0 5 1 Im EI a gengesc 541* 1416 Gern Hesl lob mhle C cm N d. 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Mirz, abet 8 Ur lige, — g Betr.: Die ee 97795 land⸗ und forst⸗ 5 5 110 130 8 115 hr pünkt ich 5 3 5 5 d wirtschaftlichen Betrieben beschästigten Personen; im Gewerkschaftshaus zu Gießen(Schanzenstraße) 1 Bekanntmachung. hier: Beitragsleistung für 921. 0 2 e 9 0 8 1 5 0 0 1 1 Betr.: Das Landgestüt; hier: den Abgang der Land⸗ 0 0 We 1255 10 1 e K ursus für Betriebs obleute L 0 5 1 e ee nach 1 Deckorten. 1921 ln von Pee 05 er e 78 Auch die Vorsitzenden der Organisationen sind zu diesem Kursus freundl. eingeladen. fl kl k— a itteilung der Landgestütsdirektion sind die[Versicherungsamt der Stadt Gießen während der Zeit S 3 5 2„ Landgestütsbeschäler für die Deckorte Berst dt, Butzbach, von kermittags 8 bs nachm ttags 1 Uhr zur Einsicht Sonntag, den 25. März, vormittags 9 Uhr Srgitag, den 23. 0 1 ö Lich und Grünberg von Darmstadt abgegangen offen. Innerhalb einer weile en Frist von zwei Wochen, im Gewarkschaftshaus zu Gießen(Schanzenstraße) Selig on 9 g Gießen, den 13. März 1923. nach 119 0 der Offentegungsfrist,* 5 iu der K 8 8 fü B t 2 0 Die f 1 0 1 9 5 roll Beis ragspflia in 2 0 1 2 5 d Sirkuneeer d. Er gr ne lenberg gf e bes e e geeei Kursus für Betriebsratsmit⸗ euere land⸗ und forstwirtschaftlichen Berufs genossenschaft 5 3 A 7 Ende 9/ Uhr Bekanntmachung. 0 erheben(. 8 1021 1023 Reichsversicherungs⸗ 9 1 1 E d E U aller Judustrien W 950 0 4 g ordnung). 7 2 5 Die l dichen Tennisplätze auf der Liebigs Gießen, den 19. März 1823. Am gleichen Tage nachmittags um 3 Uhr in Nidda Don Juan 9 Faust 00 Ziaglahrige Spieth eee eee VBersicherungsam! der Sladt Gießen. a im Lokale Rings haufen: Tragödie von Grabbe. 1 ind unter Angabe der gewünschten Tage und Dr. Frey. 0 8 S 5 3 Anf.7 Ende geg. 10 Uhr. Zeiten beim Stadthaus, e e ein⸗ Weiter. Kur s f. alle Indu trien Montaa, den 26. März 10 zureichen. Die vorjährigen Mieter erhalten ihre alten für Säuglinge, altere kinder, Referent für alle drei Vorträ Einmalige Auffübrung 1 Plätze wieder zugeteilt, falls sie bis zum 5. Abril kranke u. schwache Erwachsene alle drei Vorträge: 1412 Außer Abonnement 13 d 5 Is. entsprechende Nachricht dorthin gelangen 9 die unubertroftene, krättigende Gen. Dr. Lorch Frankfurt a. M. u ber den 78 assen. und leicht verdauliche Nahrung. Aullseiti 11 eber den Wasse 1 Gießen, den 20. März 1923. Nufelde Fordern Sie in Apotheken und in enn Wünscht. Drama in 3 Akte Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seih. oOrogerien das, Kufeke“. Kochbuch. von Engel b i a5 Die Betriebsräte⸗Zentrale. J. A.: Moosdorf. 1