Kebaktion: Gießen Buahbubofstraße 23 Perusprecher 200. 9 Organ für die Juteressen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Spedition: Gießen Bahnhosstraße 22 Fernsyrecher 20d. Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreis mit den Beilagen, Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 780.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 780.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 80— Mt Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von 5. Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) ober deren Raum lokal 10.— Mk. auswärts 15.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 50.— Mk. Ber größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. 1 Nr. 17 f Gießen, Montag, den 22. Januar 1923 13. Jahrgang 1 1 1 4 ö Die zweite Etappe der Ruhrbesetzung. Panik am Devisenmarkt.— Die Nationaltrauer der Börse.— Preissteigerung überall.— Die be⸗ vorstehende Brotprelserhöhung. 0 Die deutsche Wirtschaft wird beherrscht von den Vorgängen im Westen, wo der Friedensbruch der Franzosen die Besetzung des überwiegenden produktionswichtigsten Teiles des Ruhrgebietes nach sich gezogen hat. Es lohnt, die Dinge historisch zu betrachten, 0 Im Schlüsse darauf ziehen zu können, wie sich die nächste Zeit für die Produktion und Warenverteilung des deutschen Volkes ge⸗ Von vornherein war klar, daß die Franzosen das Ruhrgebiet nicht deshalb besetzt haben, um Kohlen zu haben. Die deutsche Re⸗ gierung hatte ja schon früher sich bereit erklärt, die Ausfälle an Rieparationskohlenlieferungen, die durch Schwierigkeiten der 0 Förderung oder des Transportes entstanden waren, mit ange⸗ aufter englischer Kohle auszugleichen. Dieser Vorschlag wurde nicht abgelehnt— nicht einmal dessen hielt man ihn für wert— 0 er liegt vielmehr noch heute unerledigt bei den Akten der Repara⸗ 5 * onskommission. Wer so darauf verzichtet hat, die dargebotene zohlenleistung anzunehmen, hat keinen Anspruch auf Glauben, Zenn er das Ruhrgebiet militärisch⸗friedlich, aber unter Kriegs⸗ echt, unter Flintengeknatter besetzt mit der Versicherung, man volle nur die Nachlieferungen garantieren. Vielmehr lag den Franzosen daran, aus der finanziellen und wirtschaftlichen Be⸗ ufsichtigung des Ruhrgebietes Ueberschüsse zu erzielen, die den lankerotten franzöfischen Staatsfinanzen zugute kommen sollten. Nan muß sich diese Sachlage klar vor Augen halten, und man »ird dann erkennen, daß die Auseinandersetzungen zwischen den gsesatzungsbehörden und den Zechenbaronen, die Verlegung des Fohlensyndikats, das Eingreifen des Kohlenkommissars, die Pirohung mit Requisitionen von Kohlen, die Kampfansage der Vergarbeiter durch ihren Verzicht auf Ueberschichten und ähn⸗ che mehr oder minder diplomatische Aktionen zwischen den Sub⸗ kten und den Objekten des französischen Raubzuges nichts an⸗ Eres als Vorpostengeplänkel in dem Wirtschaftskrieg sind, der Et um das Ruhrgebiet selbst geht und so um ein bestimmtes el, während er natürlich bereits mit dem Machtspruch von 0 Versailles begonnen hatte und ursprünglich ganz allgemein der 11 bampf um die wirtschaftliche Existenz und Zukunft des deutschen ö Kolkes war. f 1 Jetzt ist die zweite Zone der Besetzung erreicht. Gelsenkirchen, gochum, Dortmund sind in französischem Besitz und damit nicht tur der überwiegende Teil der Ruhrkohlen förderung, sondern . tuch bereits ein wesentlicher Teil der verarbeitenden Industrie, de Mittelpunkte der Energieversorgung und des Verkehrs nach m unbesetzten Osten unter fremder Gewalt. Machtvoll pro⸗ üstierte die Arbeiterschaft durch einen halöstündigen Streik gegen dees widerrechtliche Vorgehen eines Teiles der Entente. Hatte ksher der Devisenmarkt immer noch verhältnismäßig wenig auf teesen gewaltigen Eingriff in die deutsche Wirtschaft reagiert— zias sind Kursminderungen der Mark um 4 bis 7s ihres bis⸗ rigen Wertes innerhalb mehrerer Wochen, wenn wir früher ämliche Schwankungen von einem Tag auf den anderen erlebt heben?— so artete die Bewegung mit dem Beginn dieser Woche eine Panik aus. Der Dollar, am Samstag, den 13. noch auf 350, sprang am Montag auf 11875 und dann mit einem lhnen Satz auf 16 700. Damit ist der Wert der Mark qnuf ein Mertausendstel ihres Vorkriegsstandes, auf 0,025 Goldpfennigen r gelangt. Diese katastrophale Minderung des Auslandsgeld⸗ ertes überträgt sich ebenso panikartig auf den Warenmarkt. 1 Auslandsrohstoffe, wie Baumwolle und Metalle, verzeichnen 1 ssuunghafte Preissteigerungen von Tag zu Tag, mit ihnen auch * Auslandslebensmittel, und dicht hinter ihnen folgen die in⸗ 1 ndischen Getreidepreise des freien Marktes. Wieder setzt eine 1 beriode der Vorratskäufe ein. Das Angebot an Waren geht zu⸗ 1 ik, Wertpapiere, die Besitztitel auf Sachwerte vorstellen, also tsbesondere Altien, erhöhen gewaltig ihre Kurse. Die Flucht 5 der Mark hat in dem schärfsten Tempo eingesetzt und die zärkung auf das Volksganze wäre eine entsetzliche Panik, wenn 05 deutsche Volk aus früheren Perioden des Marksturzes her. en Taumel nicht schon einigermaßen gewohnt wäre. Es ist b lerdies bezeichnend, daß das Interesse der deutschen Speku⸗ — 19 sation sich vorwiegend solchen Unternehmungen zuwendet, deren schäftliche Entwicklung durch die Besetzung der Ruhr gefördert 0 bvrd. Der gewaltige Ausfall an Steinkohle, der durch Pro⸗ action oder Verkehrsstörungen oder durch eigenmächtige Ver⸗ L 0 gung der Franzosen über die deutsche Kohle ohne Rücksicht auf 05 Versorgungsprogramm des übrigen Deutschlands zu er⸗ barten ist, stärkt natürlich die Gewinnaussichten der Uebersee⸗ Aüffahrt, da wir in verstärktem Maß englische Kohle werden ein⸗ ren müssen. Die Folgen davon sind erhebliche Kurssteiger⸗ nen für Schiffahrtsaktien. 1 Dieser Tanz um das goldene Kalb ist der Ausdruck der na⸗ analen Trauer um die Besetzung des Ruhrgebietes, wie die rse sie auffaßt. Untätig stehen die, die zur Führung der rtschaft berufen sind, neben diesen Vorgängen. Dabei sollte die utwicklung des Devisenmarktes gezeigt haben, daß die Lage für a5 gesamte Volt entsetzlich ernst ist. Wieder vollzieht sich die . gewaltige Vermögensumschichtung, die die Aermsten der Armen, ehe ihre Bezüge auch nicht annähernd der Geldentwertung an⸗ den können, um den letzten Besitz, die Arbeiterschaft um den esßten Teil ihres Reallohnes bringen. Alles aber, was durch itz von fremden Werten oder von Aktien, Waren und wertbe⸗ fabigen Papieren den Anschluß an die Valuta gesunden hat, nießt Krokodtlstränen über das Ungllick des deutschen Volkes 1 Poincarés Freibeutertum.— Der passipe Widerstand. Freiheitsberaubung, Kassen⸗ und Straßenraub. Freiheitsberaubung, Kassenraub und Straßenraub sind in den letzten 24 Stunden die Kennzeichen der„friedlichen“ Aktion Poincarés. Die Leiter der staatlichen Zechen bei Buer und Gelsenkirchen hat man unter ungeheurem mili⸗ tärischen Aufwand verhaftet und wie gemeine Verbrecher in ein Gefängnis nach Düsseldorf abgeführt. Der Erfolg dieser„wirtschaftlichen“ Maßnahme war die Arbeitsverweigerung der Bergleute. Wo die Zechendirektoren der Freiheit beraubt oder auch nur Militär auf die Gruben- plätze gelegt wurde, um„wirtschaftliche“ Maßnahmen“ durch⸗ zuführen, standen bald alle Räder still! Zu der Freiheitsberaubung kommt der Kassenraub, mit dem sich die Beauftragten Poincarés im Laufe des Freitag besonders beschäftigt haben. In Düsseldorf wurden ohne vorherige Anweisung die Bestände der Reichsbank beschlag⸗ nahmt. Erst fünf Stunden später wurde dem Direktorium formell Mitteilung von diesem Raub gemacht und bekannt⸗ gegeben, daß die Verfügungsgewalt über die Gelder jetzt die Franzosen und Belgier haben. Ebenso wurde in Mainz, Wiesbaden, Worms, Bingen und Bonn verfahren. Selbst vor dem Raub von Vermögen der Privatbanken ist man nicht zurückgeschreckt. In Düsseldorf ist ein Automobil der Deut⸗ schen Bank, in dem sich 150 Millionen Mark befanden, von der Besatzung angehalten, das Geld gestohlen und der Wagen beschlagnahmt worden. Die staatlichen Forsten in Cleve hat man der deutschen Verwaltung entzogen und unter die Oberhoheit der Fran⸗ zosen und Belgier gestellt. Dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf ist entsprechende Mitteilung gemacht worden. Die hessischen Staatswaldungen beschlagnahmt. Die Franzosen haben im besetzten hessischen Gebiete die Staatswaldungen und die staatlichen Weinbaudomänen und Wein⸗ kellereien beschlagnahmt und dadurch die Haupteinnahmequellen des hessischen Staates gesperrt. Der Stadt Bingen ist ihr Stadtwald beschlagnahmt worden, die Lage der Stadt ist katastrophal. Die Kaperpiraten auf dem Rhein. Ueber die französischen Eingriffe in die Kohlenver⸗ sendung auf dem Rhein und Rhein-Herne-Kanal erfährt die Frkft. Ztg., daß die in Ruhrort beschlagnahmten Kohlen- ladungen insgesamt etwa 15000 Tonnen ausmachten, die für Rechnung des Kohlenkontors der Rheinischen Kohlen— handels- und Reederei G. m. b. H. verfrachtet waren. Auf dem Rhein⸗Herne⸗Kanal wurden 14 ostwärts fahrende Kähne beschlagnahmt. Die nach dem Rhein sahrenden Kähne lassen die Franzosen durch, um sie dann in Ruhrort anzuhalten. Unter dem Eindruck dieser französischen Eingriffe sind die Zuführen von Kohlen und Koks nach den Ruhrorter Häfen bereits um die Hälfte zurückgegangen. Bei einer Fortsetzung der Requisition von Kohlenladungen werden die Ver— ladungen in Ruhrort bald ganz zum Stillstand kommen. Dem Hauptkohlenverfrachter, nämlich dem Kohlenkontor, sind zwar von der französischen Mission in Ruhrort Andeutungen gemacht worden, wonach die Bezahlung der beschlagnahmten Kohlenladungen, die für Rechnung des Kohlenkontors laufen, durch eine besondere Kommission geregelt werden soll. Auf derartige Ankündigungen hin können jedoch die Kohlenverlader nicht das Risiko auf sich nehmen, daß Kohlen, die von ihnen schon bezahlt sind, beschlagnahmt werden. Auf die Rheinschiffahrt selbst suchen die Franzosen durch die Ver⸗ daß alle Kohlenkähne nur in den rechtrheinische Häfen ordnung einzuwirken, linksrheinischen Häfen gelöscht und nicht angelaufen werden dürfen. Auch bei Frankenthal unterhalb Mannheim halten die Sie nehmen den Schiffern Franzosen alle Kohlenschiffe an. die Papiere ab und zwingen die Leute, die Schiffe zum be⸗ setzten linken Ufer zu bringen. zwei der Karlsruher Firma Raab⸗Karcher gehörige Kohlen⸗ kähne beschlagnahmt, auf bayerischer Seite bei Ludwigs⸗ hafen ebenfalls einige Kähne, darunter einer mit englischer Kohle. Eine Mannheimer Firma meldet, daß bei Nierstein einer ihrer Getreidekähne festgehalten worden sei. Die gefährdeten Lohnzahlungen. Die französische Besatzungsbehörde ist in Düsseldorf, wie wir auch in anderem Zusammenhange berichten, dazu übergegangen, die Bargelbvorräte der Reichsbank und verschiedener anderer großer Banken zu beschlagnahmen und ihre Gebäude militärisch zu besetzen. Die Kassen sämflicher Banken sind geschlossen, es er⸗ folgen keinerlei Auszahlungen. Der Effekt dieser Maßnahmen wird katastrophale Folgen haben, da die großen Werke durch die Beschlagnahme der Gelder nicht in die Lage kommen. ihre Ar⸗ beiter zu entlöhnen. Das geschäftliche Leben ist vollständig ins Stocken geraten, weil Barmittel überhaupt nicht aufzutreiben sind und die Prodnzentenquellen die Entgegennahme von Schecks anderen Zahlungsmitteln verweigern. Neue Gewalttaten. Die Interalliierte Kontrollkommission hat dem Düssel⸗ dorfer Regierungspräsidenten Genossen Grützer den Befehl gegeben, den Oberbürgermeistern und Landräten der Städte und Landkreise Dinslaken, Duisburg, Hamborn, Mülheim, Mettmann, Solingen, Barmen, Elberfeld und Remscheid u. a. aufzugeben, von jedem Werk, das in ihrem Gebiet liegt und am 1. Januar 1923 mehr als 100 Arbeiter beschäftigt hat, genaue Angaben, auch Name und Privatwohnung der Leiter zu machen. Der Regierungspräsident hat geant⸗ wortet, er habe diese Anweisung lediglich unter dem Zwang des französischen Befehls weitergegeben, aber nur an die Oberbürgermeister und Landräte der besetzten Städte und Kreise, nicht aber an die Oberbürgermeister und Landräte von Barmen, Elberfeld, Solingen und Remscheid, da er eine Verfügung für diese außerhalb des besetzten Gebietes liegen den Bezirke nicht anerkennen könne. Der Landrat des Land⸗ kreises Essen Dr. Schöne hat dem Regierungspräsidenten bereits mitgeteilt, daß er nicht in der Lage sei, diesem Befehl nachzukommen. Der Protest des Düsseldorfer Regierungs⸗ präsidenten. Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat an den Ober⸗ delegierten, General Degoutte, folgendes Schreiben gerichtet: So⸗ eben wird mir mitgeteilt, daß die Besatzungsbehörde die Be⸗ schlagnahe der Kassenbestände der hiesigen Reichsbank vornimmt. Diese Maßnahme wird zur Folge haben, daß die in den nächsten Tagen fälligen Lohn- und Gehaltszahlungen an die überwiegende Zahl der Beamten, Arbeiter und Angestellten Düsseldorfs und Umgegend vollständig in Stocken geraten. Ich muß daher nicht nur in meiner amtlichen Eigenschaft, sondern auch im Namen der Menschlichkeit die schärfste Verwahrung gegen die getroffene Maß⸗ nahme erheben. Diese Verwahrung begründe ich auch damit, daß sie einen Eingriff in das Privateigentum bedeutet, da die Reichs⸗ bank nach deuschem Recht ein Privatunternehmen ist. Dre eee eee. und erfreut sich seines wachsenden Kapitals. Daß es eine Ge⸗ meinschaft zwischen diesen Kreisen mit der Arbeiterschaft, ja selbst mit dem wirklich sozial denkenden Bürgertum nicht geben kann, liegt auf der Hand. Inwelchem Maße sich die Dollarbewegungen der letzten Zeit bereits auf dem Getreidemarkt ausgewirkt haben, geht aus fol- gender Gegenüberstellung von Notierung der Berliner Börse um Monatsmitte hervor: Dollar Weizen Roggen Hafer Sommergerste Monatsdurchschnitt je 50 Kg. Oktober 3181 6958 6332 6875 6610 Novbr. 7183 12947 11492 12841 12123 15. Dezbr. 7425 15250 15 12900 12500 13. Januar 10250 19650 10 1522²⁵ 16000 16. Januar 16650 27250 24200 20500 21000 die Getrelde— anpassen. Das der Ge- außerordentlich durch Gründung Die Tabelle zeigt, wie außerordentlich schnell preise des freien Verkehrs sich dem Dollarstand flotte Tempo der Bewegung ist umso erstaunlicher, als treidegroßhandel bekanntlich unter der Kreditnot leidet und sich daher schon zu Hilfsaktionen eines Finanzierungsinstitutes genötigt sah. Dagegen ist auch be— kannt, daß sich die Verkäufer von Getreide, also die Landwirte selbst bei der Abgabe von freiem Getreide nach den jeweils be— kannten Notierungen der Börse richten und daß der Getreide— handel keineswegs sehr darniederliegt, wie es nach den Klagen der Agrarier über die schlechte Ernte und über die angeblich er— drückende Umlage der Fall sein müßte. Die Landwirtschaft ge— langt also viel früher in die Vorteile, die die Geldentwertung ihr — .———. bietet, als alle anderen Volkskreise mit Ausnahme der Industrie und des Handels, da ja die Lohnempfsänger überhaupt erst ent⸗ sprechend der nachgewiesenen Teuerung ihre Lohnforderungen stellen. Es entbehrt also der Begründung, wenn die Landwrerrschaft schon wieder Forderungen nach Erhöhung des Preises für Umlage⸗ getreide erhebt. Dagegen droht eine Verteuerung des Brotes bereits ohnhin, durch die Heraussetzung der Abgabepreise der Reichsgetveidestelle, die jetzt auf 197000 Mark für die Tonne Roggen festgesetzt wird. So macht sich die Teuerung verschärft bemerkbar und ein Ende ist noch nicht abzusehen, zumal auch nach der Erhöhung noch die Reichsgetreidestelle den Doppelzentner Roggenmehl, der im frelen Verkehr am Dienstag bereits rund 62 000 Mark kostete, für 27000 Mark abgibt. Bekanntlich ist auch der Preis des freien Getreides, der sich mit dem Weltmarktpreis verändert, von starkem Einfluß auf den Brotpreis, da das Umlage⸗ brot etwa zur Hälfe aus inländischem und zur Hälfte aus aus⸗ ländischem Mehl gebacken wird. 0 Die bevorstehende Brotpreiserhöhung ist aber erst ein kleiner Anfang der Auswirkungen, die wir als Folge der Ruhrbesetzung und des katastrophalen neuen Marksturzes zu erwarten haben. Umsomehr ist es zu fordern, daß die Reichsregierung alle Energie aufrafft, um zu verhindern, daß die Kosten der Besatzung des Ruhrgebietes und die von Frankreich zwangsweise beigetriebenen Reparationen nicht wie bisher auf die wirtschaftlich am wenigsten tragfähigsten Schultern, die Rentner, Arbeiter und Festbesoldeten abgewälzt werden. Auf badischer Seite wurden lerschächten mit dem Streik beantwortet worden. Dort weigerte sich die ttahsschicht einmütig, einzufahren, solange die fremden Sol⸗ herbeizuf ren. Auch ia Nh i 4 Beteiligten, Beamtenschaft und Bergleute, einmütig die Be⸗ solgung ber unrechtm Mitteln nashisdert wurde. Die Beförderung zu Wasser ist eingestellt Die Betriebsräte wehren sich. Der Gesamtbetriebsrat der staatlichen Gruben hat aus Anlaß der Beschlagnahme einiger staatlichen Bergwerke Freitag nachmittag 4 Uhr eine Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, eine Kommission, aus vier Arbeitern und einem Angestellten bestehend, am Samstag zu General Degoutte zu entsenden. Die Kommission soll einen in einer Entschließung niedergelegten Protest gegen den französischen und belgischen Gewaltakt zur Kenntnis bringen und die sofortige Freilassung der verhafteten Beamten und Ange⸗ Fate die Entfernung der Truppen von den Zechen und die Aufhebung der Beschlagnahme fordern. Die Entschließung soll in sehr scharfem Ton gehalten sein. Der Gesamtbetriebs⸗ rat behält sich alle weiteren Schritte für den Fall der Ab⸗ lehnung der Forderungen vor. 5 Neue Truppen! Foch geht auf den Kriegsschauplatz. In der Gegend von Bühr sind neue Truppen Infanterie, Kaval⸗ lerie und Artillerie, darunter eine Abteilung mit 8 Haubizen, einge⸗ troffen. Wie der Vorwärts meldet, ist für morgen die Ankunft des Generalissi Joch im Ruhrgebiet angekündigt. Auch in der Pfalz Verhaftungen. Nn Landau ist der Direktor der dortigen Reichsbankzweigstelle a umter militärischer Bewachung abgeführt worden. Der Direktor der Ludwigshafener Filiale hatte im Laufe der vor⸗ gestrigen Nacht und des gestrigen Vormittags mehreren Aufforderun⸗ E 1 unter französische Kontrolle zu stellen, keine Folge geleistet deshalb verhaftet worden. Es wird geschossen. An der Eisenbahnbrücke Sorst, auf dem Wege nach Altendorf wurden beim Heimgange von der Schicht Bergleute von der Zeche 33 von dort stehenden französischen Posten beschossen. Nach . kurzen 2 if W 85 15 fe 6 Schüsse ab. Ob jemand getroffen wurde, lä n eststellen, da noch nicht alle Bergleute zurückgekehrt sind. 0 5 Die Verbote der Reichsregierung. Der Reichsfinanzminister hat an die ihm unterstellten Be⸗ hörden im besetzten Gebiet folgende Weisung ergehen lassen: Die von der Rheinlandkommisston angedrohte Beschlagnahme deutscher Steuern und Zölle und die Eingriffe in dee euch manzverwaltung ist rechtswidrig und recht ungültig. Ich er⸗ warte von allen Beamten, daß ste solchen Anordnungen nicht nach⸗ kommen und unbeugsamen Widerstand entgegensetzen. Wiederhole Zusiche rung völliger Schadloshaltung. Nachgeordnete Dienst⸗ stellen sind sofort anzuweisen. 8 Reichsverkehrsminister gibt im Amtsblatt des Reichsverkehrsministerium(Reichsverkehrsblatt) folgende Anordnung bekannt: 1. Verbot der Beförderung von Kohlen und Koks an Frank⸗ reich und Belgien. Die Aktion der französischen und belgischen R gibrung im Ruhrgebiet stellt eine schwere Verlehung des Bölker⸗ rechts und des Vertrages von Verfailles dar. Insolgedessen ist auch der Befehl des Generals Degoutte, wonach das Eisenbahn⸗ personal den Befehlen des kommandierenden Generals und den milftärischen Gesetzen und Verordnungen untersrellt ist, rechts⸗ unwirksam. Das Eisenbahnpersonal ist nach wie vor den deut⸗ schen Gesetzen unterstellt und hat die deutschen Anordnungen aus⸗ zuflihren. Da der Reichskohlenkommissar die Lieferung von Kohlen und Koks für Frankreich und Belgien verboten hat, habe ich folgen des angeordnet:* Den Beamten und Arbeitern der Reichsbahn ist es den Be⸗ stimmungen des Reichskohlenkommissars entsprechend, verboten, Kohlen für Frankreich und Belgien dn befördern oder bei der Umleitung von Kohlenzügen nach diesen Ländern mitzuwirken. Entgegensbehende Befehle sind nicht zu befolgen. Die Reichs⸗ regierung wird das Eisenbahnpersonal für die hieraus erwachsen⸗ den Nachtekle schadlos halten. a.. 2. Gebrauch der beutschen Sprache. Bei allen nicht vermeid⸗ baren Berührungen mit der französischen und beg Besatzung im Ruhrgebiet haben die Eisenbahndeamte und Arbeiter sich aus⸗ schließlich der deutschen Sprache zu bedienen. Ein Prolest des Rei hes und der Länder. Die Reichsregierung und die von der Besetzung be⸗ troffenen Landesregierung Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs haben folgende Anweisung erlassen: „Die Aktion der französischen und belgischen Regierung im Ruhrgebiet stellt eine schwere Verletzung des Völkerrechts und des Vertrages von Versailles dar. Insolgedessen sind Befehle und Anordnungen, die in Verfolg dieser Aktion an deutsche Beamte ergehen, rechtsunwirksam. Es ergeht daher seitens der Regierung des Reiches, Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs die Anweisung⸗ Anordnungen der besetzenden Mächte keinerlei Folge zu geben, sondern sich ausschließlich an die Anweisungen ihrer eigenen Regierung zu halten. Dies gilt auch für die Beamte im altbesetzten Gebiet und allen Maßnahmen gegenüber, die in Widerspruch zu den Bestimmungen des Rheinlandabkommens stehen.“ Cuno, Braun, von Enilling, Ulrich, Tantzen. Einstellung der Tätigkeit der Schiedsrichter in Paris und Brüssel. g Die deutschen Schiedsrichter und Staatsvertreter an dem gemäß Art. 304 des Versailler Friedensvertrages errichteten, in Paris tagenden deutsch-französisch⸗gemischten Schieds⸗ gerichtshofes werden an den Sitzungen des gemischten Schiedsgerichtshofes bis auf weiteres nicht mehr teilnehmen, da die gegenwärtige Lage eine gedeihliche Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen nicht gestattet. Das gleiche gilt für den deutsch⸗belgischen Schiedsgerichtshof in Brüssel. Der moralische Widerstand ist ungebrochen. Der französische Ministerpräsident hat in den letzten Tagen mehrfach die Erklärung abgegeben, daß die deutsche Regierung bald zu Kreuze kriechen und um Verhandlung nachsuchen werde. Hierbei war natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens. Herr Poincaré war schlecht unter⸗ richtet; denn vorläufig denkt niemand daran, die bisher im Ruhrgebiet verfolgte Politik aufzugeben oder auch nur zu ändern. Der moralische Widerstand, der bisher geleistet wurde, soll fortgesetzt werden, und die Regierung wird alles tun, um die Arbeiterschaft in ihrer Abwehr zu unterstützen. In den Berliner Negierungsstellen ist man der Ueber⸗ zeugung, daß Frankreich das beabsichtigte Manöver nicht ge⸗ lingen wird und man im Gegenteil bald einsieht, was der Geist der Militärs, dem Poincaré unterlegen ist, angerichtet hat. Eiunstellung der Durchführung der Sachlieferungs⸗ verträge. Nachdem die Reichsregierung der französischen und belgischen Regierung durch gleichlautende Noten vom 12. Januar mittseteilt hat, daß sie olge der Vesetzung des Ruhrgebietes nicht in der Lage sei, f an Frankreich und zu bewirken, ist die D r Sachli in rträge zwischen d Der Deserteur. 1 Roman von Robert Buchanan. Hier unten in Kromlaix freilich, diesem entferntesten und trostlosesten Winkel der Bretagner Küste, schien die Sonne und glitzerte das Meer, als ob es nie ein Moskau gegeben, als ob nie Hekatomben von französischen Toten unter russischem Schnee vermodert wären, als ob das ge⸗ marterte Frankreich nie im geheimsten Herzenswinkel den Abatar“) verflucht hätte! Das Kriegsgeschrei wiederhallte weit und breit, aber Rohan beachtete es nicht. Das Glück macht egoistisch und Rohan war glücklich. Das Leben erschien ihm so süß! Es war ein Hochgenuß, zu atmen, zu sein, sich seiner Freiheit zu freuen, das Antlitz zur Sonne zu erheben, die Blicke übers unendliche Meer schweifen zu lassen, die vor⸗ beigleitenden Segel oder den aufsteigenden Rauch aus den Schornsteinen des kleinen Fischerdorfes zu beobachten, den seltsamen Geschichten vom Biwak und dem Schlachtfeld zu lauschen, die sein alter Onkel, ein bonapartistischer Feuer⸗ brand, zu erzählen pflegte, Möwen⸗ und Seepapageieneier zu suchen, in ruhigen Frühlingsnächten mit den Kameraden auf den Heringsfang auszuziehen oder gar sich mit Marcelle ant Strande zu tummeln, an ihrer Seite niederzuknien, in ihre Augen zu blicken und sie auf die frischen Wangen zu küssen! Welches Leben hätte besser, welches süßer sein können als dieses?! Und Marcelle? Sie ist das Kind von seiner Mutter Schwester und die einzige Nichte des seltsamen alten Korporals, bei dem sie nebst ihren vier erwachsenen starken Brüdern lebt. Seit ihrer frühesten Kindheit sind die Geschwisterkinder gewöhnt, in aller Unschuld miteinander zu verkehren. Während die oiel älteren Brüder die Gesellschaft der Kleinen nicht suchen, sonndern in freien Stunden liebet anderen Mädchen nach⸗ Aehen, findet man Nohan stets in ihrer Nähe. Er behandelt sie aufmerksamer und zärtlicher als irgend ein Bruder; liebt er doch ihre blitzenden Augen, ihr unter der Haube verstecktes * Aygtar bedeutet im Indischen: Verkörperung der Gottheit; Fier auf Navoleon angewandt. Red. schwarzes Haar, ihr sanftes Wesen und ihre zärtliche Be⸗ wunderung für ihn! Jahrelang war sie seine Spiel⸗ kameradin, jetzt ist sie seine treue Begleiterin und bald soll sie seine Gattin werden. Freilich ist die Ehe unter so nahen Verwandten in der Bretagne fraglich. Man muß nämlich vom Bischof eine besondere Erlaubnis dazu erhalten. Uebrigens haben die Leutchen noch nie ein Wort über ihre gegenseitige Liebe ausgetauscht. Wozu auch? Sie ver⸗ stehen sich zweifellos auch so, denn die Liebe braucht der Worte nicht, sie hat Zeichen und Laute, die beredter sind. Sie haben bisher dem Gefühl der Freude, das sie in ihrer gegen⸗ seitigen Gesellschaft empfinden, noch keinen Namen ver⸗ liehen.— Rohan erhebt sich vom Rasen, steht an der Seite des Mädchens und lauscht ihren sanften Vorwürfen. Was ant⸗ worket er ihr? Er nimmt ihr Gesichtchen in seine beiden Hände und küßt sie auf beide Wangen! Sie lacht und errötet leicht; sie wäre tiefer errötet, wenn er sie auf die Lippen geküßt hätte. Die Abenddämmerung zieht über das Meer herauf. Die blutroten Riffe, der nasse Sand, die Wassertümpel zwischen den Klippen schimmern in immer matteren Farben; die Krähen eilen dem Festlande zu die Seevögel suchen mit Ge⸗ kreisch ihre versteckten Nester auf; die Nechteuse flattert aus ihrem düsteren Winkel empor und das Fischerboot zieht langsam heim. Rohan läßt seine Blicke über die stille Abendlandschaft schweifen. Dort drüben, auf dem Gipfel der Klippen, steht die kleine Kapelle Unserer Lieben Frau von der Sicherheit. „Gehen wir Marcelle!“ Rohan greift mit einer Hand nach seinem Volerhaken, windet das Seil um die andere und wendet sich, von seiner Begleiterin gefolgt, dem Gipfel der Klippe zu. Ein stark abgetretener Fußpfad führt zur Pforte der kleinen Kapelle, und diesen schreiten sie entlang. Sie sind noch nicht weit gegangen, als von einer der nächsten Klippen eine große, weiße Ziege herabklettert, bei ihrem Anblick Halt macht und sie neugierig anstarrt. „Sieh doch, das ist ja Jannedik!“ ruft Marcelle. Jannedik antwortet, indem sie näher tritt und ihren Seutschen Reich einersefts und Frankreich und Belgien eits vom 12. Januar an bis auf weiteres eingestellt wor en. Weit Leteuntmage ber Einstellung ist jetzt im Reichsan zei veröffentlicht worden. f* Italfenische Vermittlung? Die römischen Blätter beklagen allgemein das f bleiben Englands, dessen Beteiligung für eine Friedens. aklion unumgänglich nötig sei. Die Tribuna fragt beso was geschehen würde, wenn die Divisionen Degouttes n Ueberschreitung der neutralen Zone auf die deutsch Bajonette stoßen werden. Das Blatt dementiert alsdo den angeblich italienischen Vermittlungsversuch. Es handele sich lediglich um einen diplomatischen Fühler in Paris nd Berlin, um eine Katastrophe zu beschwören. Beim römise Außenamt ist bisher keine Antwort Poincarés auf Mu linis Anfrage über Frankreichs Ruhrziele eingetroffen. Englands Stellung unverändert. In London herrscht, wie der Frankf. Ztg. aus London Die Sosfalisten und die Labour⸗Party organisteren in 85 eine Demonstration auf dem Trafalgar Square als Protest die verwerfliche Reparationspolitik und den französischen ins Ruhrgebiet. b Protest schweizerischer Gewerkschaften. Die Zentralleitungen bes christlich⸗ nationalen Gewerkech bundes sowie des christlich⸗fozialen Arbeiterbundes der Schn erließen ebenfalls zurRuhrbesetzung einen starken Protest uns langen gleichzeitig, daß der Bundesrat sich mit einer Bitte Intervention an den Völkerbund wendet. Politische uebersicht. Sitzung der Reparationskom mission. Die Reparationskommission, deren Präsidium Bureau nach dem Reglement des Friedensvertrages alljq lich neu zu wählen sind, hat am Freitag die bisherigen haber dieser Aemter wiedergewählt. Die auf der Tages nung stehende Frage der von Italien angeford Benzollieferung die von Deutschland mit 1 gründung, daß die deutsche Produktion nicht für den Ei bedarf aus eiche, abgelehnt worden ist, wurde erneut b tagt. Der Grund dafür ist offenbar, daß der italienische Delegierte wenig geneigt zu sein scheint, den frangzösischen Wünschen gemäß durch die Stellung eines Antrages auf ü stellung einer vorsätzlichen Nichterfüllung Herrn Pois 00 einen neuen Vorwand zu Sanktionen zu liefern. Auf de Tagesordnung der Sitzung stand weiterhin die Diskuf on über die im deutschen Budget ausgeworfenen Wiederguf⸗ bauenkschädigungen für die Reederei. gegen deren Zahlung das Garantiekomitee vor einiger 90 Widerspruch erhoben hat. 9 Die Lage in Ostthrazien. Die Nachrichten aus Ostthrazien lauten ziemlich beun gend. Am Freitag abend lagen Meldungen von großen gr schen Truppenbewegungen vor, die man auf 60—70 000 schätzt. 1 — 4 Kopf an dem Kittel des Mädchens reibt, sich dann zu Roha a wendet und ihr Kinn in dessen ausgestreckte Hand drück 0 „Was tuft Du hier, so weit vom Hause, Jannedik? fragt er lächelnd.„Du bist eine Herumstreicherin und N Dir noch eines Tages den Hals brechen! Es ist Schlafenszeit, Jannedik!“ 6 4 Jannedik, das Eigentum seiner Mutter, ist eine De unter den Ziegen. Wie zu seinen, gehört es auch zu ihren liebsten Vergnügungen, zwischen den höchsten und steil Felsen herumzuklettern. Sie kennt die verstecktesten WI aller Höhlen und die saftigsten Weideplätze. Sie hat große, braune Augen und kommt wie ein Hund auf Pfiff herbei. 3 Während Rohan und Marcelle auf die Kapelle zu schritten, folgt ihnen Jannedik, dann und wann stehe bleibend, um an besonders saftigem Grase zu knabbern. die beiden mit einer frommen Verbeugung eintreten, 9 Jannedik einen Augenblick, macht dann meckernd kehrt un? trottet langsam heimwärts, denn die Kapelle übt keine An- ziehungskraft auf sie aus. 1. Das kleine Kirchlein steht auf der höchsten Klippe, wehr los allen Unbilden des Wetters ausgesetzt. Es wurde von Matrosenhand erbaut und wird von den Matrosen Fischern benützt. Die Türe steht Tag und Nacht offen.“ Gegenwärtig sind Rohan und Marcelle die einzigen sucher. Als sie sich dem Altar nähern, fallen durch das g malte Glasfenster die letzten Sonnenstrahlen auf das bild— ein recht primitives Gemälde, schiffbrüchige Matr därstellend, die ihre Augen zu der in den Wolken schw den Mutter Gottes emporrichten. 2 Marcelle bekreuzigt sich und kniet vor dem Altar nieder Rohan bleibt mit dem Hut in der Hand stehen umd starrt die Mutter Gottes oben in den Wolken an. In Kapelle wird es immer dunkler, über die vom Zahn der beschädigten Wände senken sich düstere Schotten herab der letzte Lichtschimmer gleitet über Marcelles gebeugtes K chen und über die mächtige Gestalt Rohans. D rr e Friede und Liebe seit heute mit ihnen und mit ganzen Welt! Wer weiß, was das Morgen bringen (Fortsetzung folgt.) 923 — —.——— 2 2229282 — 22 . 2 . —* * 4 15 95 — r = — Der neue Reichshaushalts plan. 622 Milliarden Fehlbetrag. Dem Reichstag ist soeben der Reichshaushaltsplan für 8 Rechnungsjahr 1923 zugegangen. Es schließt mit einem Gesamtfehlbetrag von 621 961 944 000.— Mk. ab. Der ordentliche Haushalt der Allgemeinen Reichsver⸗ tung gleicht sich in Einnahmen und Ausgaben mit 91 955 751 000— Mk. aus. Der außerordentliche Haushalt schließt in den Ausgaben von 84 597 763 000.— Mk. ab. Dem stehen Einnahmen in Höhe von 18 776 637 000.— Mk. gegen- über. Es bleibt also für die allgemeine Reichsverwaltung ein Anleihebedarf von 65 821 126 000.— Mk. Von den Be⸗ triebsverwaltungen erfordert die Post einen Zuschuß von 165 101 28 000.— Mk. Die Reichsdruckerei schließt mit einem Ueberschuß von 14 284 000.— Mk. ab. Der ordent⸗ liche Haushalt der Reichsbahn balanciert mit 1 461 286 000 000.— Mk. Im außerordentlichen Etat er⸗ 92 die Reichsbahn einen Zuschuß von 284 226 587 000 000 Mark. Der Etat der Betriebsverwaltungen schließt also mit einem Zuschuß⸗ und Anleihebedarf von 449 327 915 000.— Mark. Zur Ausführung des Friedensvertrages besteht nach Abzug der Einnahmen aus der Zwangsanleihe, die mit 99 650 000 000— Mk. veranschlag werden ein Anleihe⸗ bedarf von 106 812 903 000.— Mk. Das Gesetz ermächtigt den Reichsfinanzminister, a) den Gesamtfehlbetrag von 621 961 944 000.— Mk. im Wege der Anleihe flüssig zu machen, b) zur vorübergehenden Ver⸗ E der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshaupt⸗ asse nach Bedarf, jedoch nicht über den Betrag von 500 Milliarden Mark hinaus, Schatzanweisungen auszugeben, e zur Befriedigung unabweisbarer, durch die Nachwirkun⸗ gen des Krieges hervorgerufener Bedürfnisse nötigenfalls Garantien zu übernehmen, d) bei Zahlungen für das Reich, die vor der gesetzlichen oder vetrraglichen Fälligkeit erfolgen, einen angemessenen Abzug zu gewähren. Die zur Ausgabe gelangenden Schuldverschreibungen, Schatzanweisungen und Reichswechsel sowie die etwa zuge⸗ hörigen Zinsscheine können sämtlich oder teilweise auf aus⸗ ländische oder auch nach einem bestimmten Wertverhältnisse leichzeitig auf in⸗ und ausländische Währungen oder auf 85 in Mark zahlbaren Gegenwert einer ausländischen Währung so wie im Ausland zahlbar gestellt werden. Die Reichsschuldenverwaltung kann auf eine ausländische Wäh. rung oder ihren in Mark zahlbaren Gegenwert lautende Schuldverschreibungen Schatzanweisungen und Reichswechsel, deren Erlös in Mark nicht von vornherein feststeht, auf Verlangen des Reichsfinanzministers bis zu dem Höchst⸗ betrage ausstellen, den die Anleihebewilligung unter Zu⸗ grundelegung des amtlichen Kurses der ausländischen Wäh⸗ tung an der Berliner Börse an dem der Ausstellung vorher⸗ gehenden Börsentage zuläßt. Uebersteigt der Erlös den be⸗ willigten Betrag, so ist der Mehrbetrag auf eine andere An⸗ leihebewilligung anzurechnen. 1 N* 4 Einigkeit ist das Gebot der Stunde. Der sozialdemokratische Parteivorstand hatte zu Freitag ormittag die Fraktionsvorstände des Reichstages und des eußischen Landtages zu einer Konferenz eingeladen, an der auf Wunsch des Parteivorstandes auch Vertreter des A DB. und der Afa teilnahmen. In der Konferenz ergab sich eine vollständige Uebereinstimmung darüber, daß die gegenwärtige gefahrdrohende Situation ein geschlossenes Zusammengehen der gesamten Arbeiterbewegung erfordere und daß es die Aufgabe der Arbeiterbewegung sei, alles zu tun, um die Abwehr des gewalttätigen französisch⸗belgischen Einmarsches ins Ruhrrevier durch zweckdienliche Maßnahmen zu unterstützen und daß alles unterbleiben müsse, was ge— eignet sei, die Abwehr zu stören und die Pläne des französi⸗ schen Imperialismus zum Erfolg zu führen. Die politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter legen ent⸗ scheidendes Gewicht darauf, daß die Regierung schon im Vorbereitungsstadium über alle Maßnahmen die Meinung der Arbeitervertreter sowohl aus den zentralen Körper- schaften, wie insbesondere aus dem Ruhrrevier einholt. f Die Trennungslinie gegen die nationalistischen Elemente, welche den Rechtsbruch Frankreichs zu einer neuen allgemeinen Völkerverhetzung ausnützen oder zu Unbe— sonnenheiten aufputschen, sollen in aller Schärfe gezogen und der Kampf gegen die politische Reaktion nachdrücklich fortgesetzt werden. Hessen und Nachbargebiete. Gießen ud Umgebung. Geschichtstalender. 22. Januar. 1530 Die. Anführer der Wiedertäufer, Joh, v. Leyden, Knipperdol⸗ lürg und Krechting werden am Lambertiturm in Milnster in eisernen Käfigen aufgehängt, nachdem sie vorher mit glühenden Zangen zu Tode gemartert worden waren. 1729 Gotthold Ephraim Lessing in Kamenz geboren. 1788 2570 Byron(spr. Bair'n) englischer Dichter, in London ge⸗ oren. 1848 Der schtwedische Dichter August Strindberg in Stockholm ge⸗ N n. 1 1922 Papst Benedikt XV. in Rom gestorben. Die hessische Regierungskrise. Finauzminuister Henrich zieht seinen Negierungs⸗ rücktritt zurück. 5 Die Krise in der hessischen Regierung hat, nachdem die bisher zwischen den Parteien geführten Verhandlungen noch zu keinem Abschluß gekommen waren, unter dem Eindruck det neuesten feindlichen Maßnahmen im besetzten Gebiet, ein rasches Ende daburch gefunden, daß Finanzminister Henrich auf ein erneut an ihn ergangene Anfrage sein Rücktritts— gesuch zurückgenommen hat. Herr Henrich hat an den Staatspräsidenten folgendes Schreiben gerichtet, das alles Meihere erklärt: An den Herrn Staatspräsidenten! Vor Eröffnung der heutigen Besprechung der Fraktionsvertreter richtete der Vertreter der sozial⸗ demokratischen Fraktion die Frage an mich, ob ich mich angesichts der außenpolitischen Lage, namentlich auch im Hinblick auf die unge⸗ heueren Schwierigkeiten, in die unser Land durch die nenesten Maß⸗ nahmen der Franzosen zu geraten drohe, bereit finden wolle, das jetzt besonders wichtige Amt des Finanzministers zu behalten und mein Rücktrittsgesuch zurückzunehmen. Ich antwortete, daß bei dieser Sachlage allerdings alle anderen Rscksichten zurücktreten müssen; ich wolle dann, wenn es verlangt werde, wieder zur Verfügung stehen und gehe dabei von der Annahme aus, die Anfrage entspringe dem Gedanken, man müsse unter den vorliegenden, völlig veränderten Verhältuissen alle Kräfte zusammenfassen, die bereit sind, dem Vater⸗ land in seiner Not zu dienen. Nachdem die demokratische Fraktion diese meine Stellungnahme gebilligt hat, ziehe ich mein bisher noch nicht erlebigtes Rücktritts⸗ gesuch vom 16. vorigen Monats hiermit zurück. gez.: Henrich, Finanzminister. Die sozialdemokratische Fraktion hat, nachdem auf ihre Anfrage hin, die einzig von der Sorge um das Wohl unseres aufs höchste bedrohten Landes angeregt war, Herr Henrich zusagend geantwortet hatte, den Fraktionen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei mitteilen lassen, daß sie da⸗ mit von sich aus die Krise für erledigt ansehen müsse, da der Krisengrund weggefallen ist. Die Abgabe einer zweiten Er⸗ klärung, daß unsere Fraktion etwaigen weitergehenden Vor- schlägen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei ent⸗ gegensehe, wurde durch das aufgeregte und eben nur durch die Erregung erklärbare Verhalten der Zentrumsfraktion unseren Unterhändlern gegenüber, die dieses Verhalten scharf zurückwiesen, unmöglich gemacht. Wie die Dinge sich weiter gestalten werden, wird einzig und allein vom Zentrum abhängen. Wird dieses unser Volk und Land in seiner höchsten Not in die Katastrophe einer Landtagsauflösung oder einer reinen Rechtsregierung stürzen wollen? Agrarische Steuerratschläge. Im Freien Hesse⸗Bauer, der den Bauern Ratschläge gibt, wie sie sich am besten zu ihren Gunsten für die Umsatz⸗ steuer und Vermögenssteuer einschätzen, sollen demnächst Ratschläge über folgende Fragen beantwortet werden: 1. Wie hoch bewertet der Landwirt als Selbsterzeuger den eigenen Verbrauch für das Jahr 1922 bei der Umsatzsteuererklärung? 2. Wie hoch bewertet er seinen Grundbesitz bei der Ver⸗ mögenssteuer und Zwangsanleihe? Zu 1. fragt das Mainzer Parteiblatt, setzt der Bauer auch für die selbstverbrauchten Produkte: Fleisch, Butter, Eier, Milch, Käse usc. dieselben Preise an, die er den Händlern und Verbrauchern abnahm? Wir bezweifeln es. Zu 2: bewertet er seinen Grundbesitz nach dem quantitativen und finanziellen Ernteergebnis? Wir bezweifeln auch dieses. Doch damit die Reichskasse von den Agrariern ja nicht zu viel Steuern bekommt, verspricht die freie Hesse⸗ Bauern⸗Organisation, daß sie alles unternehmen werde, um für die Landwirtschaft so viel wie möglich„herauszu- schlagen“.„Herauszuschlagen“ ist gut. Das Wort hat aller⸗ dings im steuertechnischen Sinne einen omniösen Beige⸗ schmack. — Einberufung des Landtages. Der Aeltesten-Ausschuß des Hessischen Landtages wurde Freitag vormittag zusammen⸗ berufen, um über die durch die Besatzungstruppen geschaffene Lage zu beraten.— Seitens der Franzosen wurden im be⸗ setzten Gebiet die Reichsbankstellen militärisch besetzt und die Bzirkskassenbestände beschlagnahmt. Die Hauptstaatskasse hat daraufhin sofort alle Zahlungen nach dem besetzten Gebiet eingestellt. Auch von Domänenbesitz und den hessischen Wäl⸗ dern wurde Besitz ergriffen. Schiffsladungen nach dem un⸗ besetzten Gebiet werden festgehalten. Präsident Adelung hat daher das Plenum für Dienstag, den 23. Januar, vorm. 10 Uhr einberufen. Der einzige Punkt der Tages⸗ ordnung bildet„Die politische Lage“. — Bildungsvorträge der Sozlaldemokratischen Partei. Vom Vorstand des Wahlvereins werden eine Reihe Vorträge veranstaltet, die der Belehrung auf den verschiedenen Ge⸗ bieten dienen sollen. Diese Vorträge sollen allwöchentlich am Donnerstag abend 8 Uhr abgehalten werden. Wir machen auf das im heutigen Blatte veröffentliche Programm aufmerksam, dem die Parteigenossen Beachtung schenken wollen.. Klein⸗ und Sozialrentner. Die neue geradezu phantastische Pretssteigerung für die gesamte Lebenshaltung zwingt das Reich, abermals den der Not besonders hilflos gegenüberstehenden Volks⸗ schichten beizuspringen. Das Reichsarbeitsministerium hat deshalb einen neuen Gesetzentwurf zur Unterstützung der Klein⸗ rentner ausgearbeltet, über den am Dienstag im Reichsrat verhandelt wurde. Wesentlich an diesem Gesetzentwurf ist, daß den Gemeinden eine Verpflichtung zur Fürsorge auferlegt und den Kleinrentnern ein Beschwerderecht eingeräumt wird. Ferner steht den Gemeinden das Recht zu, die Ansprüche der Kleinrentner gegenüber den Verwandten zu verfolgen. Strittig ist nur die Frage, ob das in einem Verwaltungs⸗ oder in einem gerichtlichen Verfahren vor sich gehen soll; wahrscheinlich im Wege der Verwal⸗ tung. Strittig ist serner die Frage des Anteils des Reiches an der Aufbringung der Kosten. Die Vorlage im Reichsrat verlangt die Hälfe vom Resch; der Reichsrat will eine stäxkere Heranziehung des Reiches. Inhalt und Umfang der Unterstützung werden, wie bisher, durch Richtlinien vom Reichsraͤt und vom Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags im Benehmen mit der Reichsregierung festgestellt. Wiederholt wurde in der Presse darauf hingewiesen, daß vor allem der kranke Klein- und Sozialrentner unterstützungs⸗ bedürftig sei; denn er sei völlig außerstande, die Kosten, die irgend eine ernstere Krankhett verursache, zu bezahlen. Deshalb wurde öfter angeregt, die Krankenversicherung auf die Schichten der Klein⸗ und Sozialrentner auszudehnen. An den maßgehenden Stellen betont man jedoch die großen finanziellen Schwierigkeiten, die eine solche Ausdehnung der Krankenver⸗ sicherung mit sich bringen müßte. Bei den Klein- und Sozialvent⸗ nern gebe es weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer, die die Kosten für die Krankenkassen aufbringen. Schließlich seien die Kranken- bhassen ja gerade jetzt in einer schwiexigen singsziellen Loge, und das Reichsarbeitsministexium habe deshalb emen Gesegentwurf über die Erhaltung der Leistungsfähigleit der Krankenkassen aus⸗ gearbeitet. — Klebekarten für die Angestelltenversicherung. Vom 1. Jannar ab sind die Beiträge für die Angestelltenvorsicherung durch Marken zu entrichten. Zu biesem Zweck muß sich leder Versicherte eine Karte ausstellen lassen, was in Gießen in der Zeit vom 22. bis 27, Jan. beim Versichexungscunt, Gartenstraße 2 geschieht. Auf die Bekannt⸗ machung im heutigen Blatte hiugewiessen. — gein Mitglieb ber Kommunistischen Partei. In dem Verschs über die am Dienstag von der Kulturliga abgehaltenen Versamm⸗ lung war als Diskussionsrebner ein Herr Heß angeführt, der für die kommunistische Partei gesprochen habe. Für die letztere ersucht uns Herr Haupt zu der Richtigstellung, daß Herr Heß nicht Mit⸗ glied der K. P. D. set und auch keinen Auftrag von der Partei erhalten habe. — Milchpreis 270 Matk! Nach einer Bekemtmachung des Lebensmittelamts im heutigen Blatte lostet das Liter Milch von fetzt ab 270 Mark. — Erhöhung der Gebühren für Dienstmänner. Das Polize lamt Gießen gibt bekannt: Durch Verfügung vom 22. 12. v. Js. ist ge⸗ mäß§ 76 der Gewerbeordnung den Dienstmännern der Stadt Gießen vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs, die Berechtigung verliehen wor⸗ den, von den Gebühren, die sich aus der Gebührenordnung für die Dienstmänner in der Stadt Gießen vom 24. 9. 1920 in der Neufest⸗ setzung vom 26. 1. 1922 ergeben, den 20 fachen Betrag zu er⸗ heben. — Wegen der Maul- und Klauenseuche ist der ganze Kreis Gießen vom Kreisamt als gefährdetes Gebiet erklärt worden. Es sind danach Abhaltung von Klauenviehmärkten, öffentliche Tier⸗ schauen und Versteigerungen von Klauenvieh verboten. — Lollar. linsere Mitgliederversammlung am Donnerstag beschloß, in nächster Zeit Lichtbilder vorträge zu veran⸗ stalten, die für unsere Genossen und ihre Familien recht bildend und unterhaltend sein werden. Auch durch sonstige gute Vorträge und Veranstaltungen sollen das Organisationsleben be⸗ fruchtet und neues Interesse gewet werden. Die Arbeiterfugend soll in engerem Zusammengehen mit dem Wahlperein zur Arbeit in allen Angelegenheiten herangezogen werden; damit die Jugend mehr unter unseren dirckten Einfluß kommt. In freier Aussprache wurden Gemeindeangelegenheiten behandelt und gewünscht, daß jeder Genosse unsere Versammlungen besucht und seine Gedanken austauscht, so nur können unsere Genossen im G.⸗K. die verschie⸗ denen Wünsche kennen lernen.— Durch eine notwendig gewordene Verschiebung im Vorstande wurde W. Rittmann zum 1. Vorsiten⸗ den, Ernst Klinkel, 2. Vors. und Gustav Deusing zum Schriftführer gowählt. Es wurde gewünscht, daß alle Genossen sich recht intensiv am Parteileben betätigen möchten und durch geeignete Aufklärung der„Urzelle“(der Wähler) fernere Fehler verhüten könnten. v. d. Beuern. Ueberall sind die neuen Gemeinderäte schon ein⸗ geführt, nur hier nicht. Warum? Uns will es scheinen, als wenn unser Bürgermeister den neuen Gemeinderat nicht gern sehe, denn sonst hätte er sich schon bemüht, die neuen Gemekndevertteter in ihre Arbeit einzuweisen. Am Freitag hielt er eine Holzwversteige⸗ rung ab ohne den Gemeinderat zu fragen; wenn der neue noch nicht in Funktion ist, mußte doch der alte herangezogen werden, unser Bürgermeister fragt aber niemand. Nun erhielten die Leute, die die bei der Versteigerung erzielten hohen Preise nicht bezahlen können, wieder kein Holz, sie mögen sich beim Bürger⸗ meister dafür bedanken. Von Nah und Fern. Frankfurt a M., 19. Januar. Das Diebeslager der Taschendiebin. Frau Eva Auth, geb. Betz ist als Taschen⸗ djebin„hinreichend“ bekannt und als solche schon recht oft vor⸗ bestraft worden. Als man dieser Tage ihre Wohnung unver⸗ mutet einer Durchsuchung unterzog, fand man hier außer einer halben Million Marf Papiergeld und zahlreichen Schmuckstücken, 12 Taschenmesser zahlreiche silberne Löffel und Gabeln und eine blendende Fülle von Geldbörsen, die alle aus Diebstählen her⸗ rühren. Die Polizei hat von den Sachen eine Ausstellung veran⸗ staltet, die für Interessenten bezw. Bestohlene frei zu besichtigen ist. Frankfurt a. M., 19. Jannar. Explosion. In den Eisenbahnwerkstätten an der Iösteiner Straße trug sich am Mitt⸗ woch eine Exploston zu bei der drei Arbeiter lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Frankfurt a. M., 19 Januar. Die Milchhamsterei. Die Jagd der berufsmäßigen Hamsterer nach Milch hat wesentlich nachgelassen, da einmal die Frankfurter Polizet fast allabendlich die Herrschaften auf den Frankfurter Bahnhöfen in Empfang nimmt und ihnen die„teure Milch beschlagnahmt und zum andern die Landjäger auf den Abfahrtsstationen eine sehr scharfe Aufsicht führen. Nur in den seltensten Fällen gelingt es einem der groß⸗ städtischen Hamsterer durchauschlüpfen und mit dem Zuge zu ent⸗ kommen. Viel an dem verringerten Hamstererverkehr trägt aber auch die Verteuerung der Eisenbahntarife bei. Das Frankfurter Schöffengericht verurteilte den Konditoreibesitzer Foerst aus der Gr. Bockenheimer Gasse wegen Schleichhandels mit Milch zu zwei Monaten Gefängnis und 300 000 Mark Geldstrafe. Der Amts⸗ amwalt hatte fünf Monate und 200 000 Mark beantragt. Die Wucherpolizei hatte nämlich bei einer Revision in der Konditocei fesigestellt daß Foerst aus Vollmilch Schlagsahne bereitete und diese öffentlich verkaufte und auch zum Backen der Konditorei⸗ waren verwendete— Gegen zahlreiche andere Milckhamstexer und Konditoren schweben wegen Verwendung von Vollmilch zum Backen feiner Leckereien ähnliche Verfahren wie gegen Foerst. Griesheim b. Dst., 19. Jan. Die Franzosen verbieten den Holzschlag! Wie verlautet, hat die Bürgermeisterei durch die Besatzungstruppen die telephonische Mitteilung erholten, daß jegliche Arbeit im Walde zu unterbleiben hat und der gesamte Holzschlag sofort einzustellen sei. Auch in den Riedorten sollen ähnliche Maßnahmen getroffen worden sein. Weiterstadt, 19. Januar. Plötzlicher Tod. Ein funges Mäd⸗ chen erlitt auf dem Heimwege von einem religiösen Vortrag vor der elterlichen Wohnung einen Schlaganfall. Der Vater fand das Mädchen am nächsten Tage tot vor der Türe. Hallenser Sprengstoffattentäter vor dem Reichsgericht. Das Reichsgericht verurteilte nach stebentägiger nichtöffentlüber Ver- handlung den Arbeiter Schatz den Elektromonteur Menzel den Maurer Mixdorf den Schreiner Müller sämtlich aus Halle, wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz, bei Mixdorf und Müller in Verbindung mit Beihilfe zum Hochverrat zu je 5 Jahren Zuchthaus. Die Angeklagten halten während der Märzunruhen 1921 die Sprengstoffattentate gegen die Maschineneinrichtung der Saalezeitung und des Poligeipräsid tums Halle versucht. Die Beihilfe des Schatz an der Sprengung des Bahnhofes und der Post in Ammendorf konnte nicht erwieser werden. Schreckenstat einer Wahnsinnigen. Die Ehefrau des in Jonas⸗ dorf bei Marienburg statjonjerten Grenzwachtmeisters Schucholz hat in einem Anfall von religiösem Wahnsinn die drei jüngsten ihrer fünf Kinder ermordet. Die Familie Schucholz lebte vor Kriegsbeginn in Deutsch⸗Ostafrika. In Marienburg gehörte die Frau ohne Wissen ihres Mannes einer religiösen Sekte an ung redete sich ein, daß sie zur Sühne für von ihr begangene Gotteslästerungen nau Afrika zurück und dort aus Hunger ihre Kinder verzehren müßte. In diesem Wahn führte die Kranke die Tat aus. Nachdem sie versucht hatte, Selbst⸗ mord zu begehen stellte sie sich dem Gericht. Drei Todesurteile. Der bestiale Raubmord in Siegburg kan vor dem Kölner Schwurgericht am Dienstag zur Aburteilung. Die drei Mörder wurden zum Tod verurteilt. Der Haupttäter der Schweinezlchler, ehemallge Maurer, Wilhelm Schenkenbach aus Siegburg, hat am Montag gerade sein 37. Lebensjahr vollendet. Er hatte weinend, entgegen dem Antrage seines Verteidigers, ge⸗ beten ihn nicht ins Irrenbaus zu stecken: er habe am Samstag gebeichtet und kommunizsert und dem Priester versprochen fetzt die volle Wahrheit zu sagen. Die beiden anderen Angeklagten waren der 24jähriae Kaufmann Hans Wirges aus Köln. der der Zuträger des Opfers war und der jährige Kaufmann Rudolf Schäfer aus Siegburg. Sie hatten bei dem Ermordeten, dem belgischen Stagtsgngehörigen Wan Baptiste van Orshoven, 500 Franken, eine Uhr mit Kette einen Ring und eine Kravatten⸗ nadel erbeutet. Die Frau des Scherkenbach eine Schweizerin. kam durch die bestimmten Aussagen ihres Mannes und des Schäfer altsser Verdacht; sie hat weder von der Absicht des Raubmordes. den Essenbahner 5 N Betr.: Die Angestelltenversicherung; hier: Ausgabe von karte aus stellen lassen. — von der Tat sesbst vocß von der grauenbaften Vernichtung der %, eing. Frankreich neueste Kriegsmaschine. Die furchtbarsten Ver⸗ nichtungsmaschinen die es gibt. sollen nach den Berichten Londoner Blätter die neuen ganz aus Metall bestehenden Flugzeuge sein, mit denen jetzt im französischen Heer Versuche unternommen wor⸗ den sind. Diese Maschinen erreichen eine Schnelligkeit von mehr als 160 Kilometern in der Stunde bei einer Höhe von 10 Kilo⸗ retern. Es soll ihnen sogar möglich sein mit Sauerstoff⸗Appara⸗ aus einer Höhe von 15 Kilometern über der Erdoberfläche zu operieren. und so können diese Sondecgeschwader von Kriegsflug⸗ zeugen aus ungeheuren Höben Tod und Vernichtung auf die Erde herunter senden. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Arbeitsgemeinschaft. Um in die weite Ferne zu sehen und Schlösser zu erbauen, bazu ift die Zeit zu ernst. Im Gegenteil, die denkbar größte Nüch⸗ ternheit ist notwendig, wir müssen sehen, was ist. In der Be⸗ kriebsrätezeitung Nr. 1 zeigt der Schriftleiter Dr. Striemer die Struktur unserer Wirtschaft in ihren 4 Stufen, er zeigt die achtzentren, die bestehen, und kommt in seiner Untersuchung zu m Ergebnis, daß eine andere Lösung als eine Arbeitsgemein⸗ mit den Unternehmerorganisationen nicht in Frage kommen nn. Eine hochinteressante Untersuchung veröffentlicht der be⸗ kannte Nationalökonom Prof. Dr. R. Liefmann⸗Freiburg über die Festsetzung der Preise nach den Wiederbeschaffungskosten, die lebhaft besprochen werden dürfte. Mit den Vorsschlägen des Ber⸗ liner Stadtbaurats A. Horten zu der„Erfassung der Sach⸗ werte“ beschäftigt sich ein weiterer Artikel. Zwei Aufsätze „hBerkstattaussied fung“ und„Menschen unter⸗ einander“ behandeln das Problem„Mensch“, die Arbeit des einzelnen an sich selber.„Die wirtschaftliche Bedeutung der industrie“ zeigt ein Beitrag von Dr. Mainzer, während ssor H. Bohn über„Südamerika und seinen Anteil am elthandel“ wieder eine interessante Darstellung gibt.„Die or⸗ ganisatorischen Grundprobleme der deutschen Viehwirtschaft“ un⸗ tersucht Dr. Joseph Kuhn, der auf die Bedeutung der Ge⸗ treideverfütterung hinweist und den Umtausch von Btotgetreide gegen konzentrierten Futtermittel fordert. Reg.⸗Rat Dr. Fla⸗ tow referiert über„Verstöße gegen Pflichten aus dem Arbeits⸗ vertrag und gegen Betriebsratspflichten“,„Ueber die Wahlbeteili⸗ gung nur einer Arbeitnehmergruppe“ schreibt Cl. Nörpel. Schiedssprüche von besonderer Bedeutung sowie eine gründlich be⸗ arbeitete Bücherschau mit eingehenden Besprechungen wichtiger Neuerscheinungen vervollständigen den Inhalt neben anderen an⸗ regenden Beiträgen. So beginnt denn die„Betriebsrätezeitung“ den 4. Jahrgang wiederum mit einem Hest, das denen, die ernstlich in die Zusammenhänge der Wirtschaft und des Lebens eindringen wollen, wertvolles Material zur Bereicherung des Wissens bietet. Hoffentlich vermehrt sich die Zahl der Bezieher auch im neuen Jahr weiter trotz der steigenden Preise. Bestellungen bei jedem Post⸗ amt oder zu halben Preisen bei den Verbänden. Kommunistische Tätigkeit in den Gewerkschaften. Das Hamburger Echo berichtet: 5 5 Anfang Dezember fand in Berlin eine Sitzung der Induftrie⸗ ter, eute, der Mitglieder der Roten Kartell und des Zentralvorstandes der KPD. Berlin⸗Brandenburg statt. In dieser Konferenz berichtete ein gewisser Melcher über den Stand der Fraktionsarbeiten in den Berliner Gewerkschaften, die er kommmamist V em wurden. Das miisse und bei den Spaltung letzt spruchreif“, aber es müsse mit sehr viel Geschick gearbeitet werden. Dieser unbekannte Melcher Heber. daß e Spal tung und gibt diell von den Kommumiften immer bestritten wird, daß nämlich die der Gewerfff oder die Eroberung„von innen her⸗ 4 wie die Komaumisten 8 1 2 f 8 1 i ihren nen auch bas Geld, um den Organisationsapparat cufr halten. In Moszau macht man jetzt offenbar sehr stark in Sparsam⸗ keit, und darum mußte auf der angeführten Konferenz der Kassierer darüber jammern, daß die Berliner Organisation bei der Reichs⸗ dentrale ein Schuldenkonto von 1 200 000 Mk. hat, das— weil die Zentrale eben quuch keim Geld mehr hat schnellstens beglichen wer⸗ dreisten Diebstählen. den muß. Nicht einmal die Pflschtbesträge seen an die Reschszentrale abgeführt worden und die Angestellten hätten im November nur einen Teil ihres Gehalts ausgezahlt bekommen. Lokale Parteinachrichten. Vereinigte Sozialdemokratische Partei, Gießen. Programm des Bildungskurfns im Winter 1922—1923, abends 8 Uhr pänktlich, im Gewerkschaftshaus. 1. Donnerstag, 25. Jan. 1923:„Mietrecht der Gegenwart“. Referent: Gen. Schröder, Justizinspektor, Gießen. 2. Donnerstag, 1. Febr. 1923:„Entwicklung der Mensch⸗ heit“. Referent: Gen. Prof. Hüter, Gießen. 8. Donnerstag, 8. Febr. 1923:„Entwicklung der Menusch⸗ heit“. 2. Vortrag Gen. Prof. Hüter, Gießen. 4. Donnerstag, 15. Jebr. 1923:„Das neue Schulgesetz“. Referent: Genosse Schmidt, Lehrer, Gießen. 5. Freitag, 23. Febr. 1923:„Der Mond“, Lichtbildervortrag. Referent: Prof. Koob, Studienrat, Gießen. 2 6. Donnerstag, 1. März 1923:„Die französische Revo⸗ lution“. Ref.: Gen. Prof. v. Aster, 7. Donnerstag, 8. März 1923:„Die amerikanische Ver⸗ fassung“. Referent: Genosse Dr. Aaron, Rechts⸗ anwalt, Gießen. 8. Donnerstag, 15. März 1923:„Sozialismus, Religion und Kun st“. Referent: Gen. Prof. Dr. Kinkel, Gießen. Für alle Vorträge wird ein einmaliges Eintrittsgeld von 60 Mk. erhoben; außerdem werden für einzelne Vorträge Karten zu 10 Mark ausgegeben. Die Karten werden ab Montag den 22. Jan., in der Oberhessischen Volkszeitung ausgegeben. Die Vorträge finden ohne Nestauration statt. Rauchen ist verboten! 5 Zu diesen Vorträgen ist Jedermann freundlichst eingeladen. Der Vorstand. 8888608980698 0 606060 Kurze Mitteilungen. Das Reichsschankstättengesetz gegen den Alkoholmißbrauch und die Schlemmerei knüpft die Erteilung von Kongessionen an erheblich schärfere Bedingungen als die bisherigen. Ferner läßt das Gesetz zu, daß auch bereits erteilte Konzessionen zurückgezogen werden können. Damit wird eine Handhabe geschaffen, allen Lokalen, in denen der Nachtbetrieb blüht, die Konzession zu entziehen. Schließ⸗ lich verbietet das Gesetz den Alkoholausschank an Jugendliche unter 16 Jahren und den Branntweinausschank an Jugendliche unter 18 Jahren. Der Gesetzentwurf soll mit größter Beschleunigung von den gesetzgebenden Körperschaften verabschiedet werden. Strafkammer Gießen. Sitzung vom 19. Jauuar. Unnützer Prozeß. Der Wagnermeister S. aus Griedel hatte sein ales Hoftoe durch ein hölzernes Tor ersetzt, ohne kreisamt⸗ liche Genehmigung zuvor eingeholt zu haben. Das Schöffengericht Butzbach hatte freigesprochen. Die Strafkammer verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft, da das Hoftor kein genehmi⸗ gungspflichtiges Bauwerk sei. Hoffnungsvoller Jüngling. Der erft 21 Jahre alte Wilhelm Scheurmann aus Nieder⸗Florstadt stand zum achten Mal vor den Schranken des Gerichts. Am 1. September v. J. war er aus dem Zuchthaus entlassen worden, wo er wegen Rlüickfallsdiebstahls Strafe verbüßt hatte. Die wieder erreichte Freiheit benutzte er in der nächsten Nacht und am folgenden Tage zu neuen äußerst Er drang nachts in eine ihm bekannte Hof⸗ reite in Gettenau ein, öffnete von innen das große Hoftor, half⸗ terte im Stall ein wertvolles Pferd, belegte das Pflaster des Hofes mit vorgefundenen Decken und Frauenkleidern, schwang sich auf das Pferd und sprengte im Galopp aus dem Hof, ganz wie in Wild⸗West, auf ungesatteltem Pferde. Leider verließen ihn bald seine Reitkünste. Denn nachdem er das Pferd dreimal in einen Graben geritten hatte, schlug dieses hinten und vorn aus und war nicht mehr vom Platze zu bewegen. Er überließ es deshalb seinem Schicksal und suchte das Weite, zmnal er Verfolger kommen sah, die das Pferd an sich nahmen. Am nächsten Vormittag stieg er in Geiß⸗Nidda in ein Wohnhaus ein und stahl dort 45 Pfund Wurst und Fleischwaren, eine sielberne Taschenuhr mit goldener Kette, 10 Pfund Wolle und goldene Manschettenknöpfe. Mit seiner B lief er über das Feld zum Waldrand, wo er sich ganz erschöpft hir legen mußte. Maga verfolgte ihn und nahm ihn fest. Das Diebe gut wurde dem Bestohlenen wieder zurückgegeben. Das Gericht erkannte mit Nücksicht auf die Vorstrafen, die Unperbesserlichkei des Angeklagten und die Dreistigkeit seines Vorgehens auf vier Jahre 6 Monate Zuchthaus, abzüglich 2 Monate Unter⸗ suchungshaft, sowie auf 5 Jahre Ehrverlust. 5 — Sport Das Verhalten der bürgerlichen Sportverbände Folgen für die Arbeiterschaft. (Eine ernste Mahnung an die„Neutralen“) Jedem Eingeweihten war es schon vor dem Völkermo an dem die bürgerlichen Sportverbände zum Teil mit schuld klar, daß alle bürgerlichen Sportverbände, od Turner. Athleten. Radfahrer, Schwimmer, Fußballer Ruderer, Sänger usw. den Hurra⸗Patriotismus eriten Ranges betreibei. Daß sie durch ihr Verhalten der Reaktzon dienen und durch ihre Hoch rufe für Kaiser und Reich bei Wettstreiten und sonstigen Festlichkeiten dem fort⸗ gelaufenen Wilhelm das Rückgrat sterken Iiie batte dieser Fort⸗ gelaufene solche aufgeblasenen Hetzreden halten können, die Welt in Unruhe brachten wenn die bürgerlichen Sportler ihr Verhalten ihm nicht zur Seite gestanden hätten. Durch d heute nicht mehr verwunderlichen Kriegsausgang waren diese Verbände in die Mäuselöcher gekrochen, alle übten„Neutralität“ um ihre Existenz zu bewahren. Wie aber allerorts die Reaktton ihr Haupt wiede, emporhebt so erheben es auch wieder diese bürgerlichen Sportverbände Sie sind mit derseden großge⸗ wachsen, sie liegt den Fübrern in den Knochen. Sie mußten es schon ihres Postens halber, um vom Kapitalismus weitere finanzielle Unterstützung zu erhalten. Trotz Republik wird 3. B. im Deutschen Athletiksportverband 1891 bei 2 wettstreiten um Kronprinzenpokale und sonstige Fürstenpreise gearbeitet. Die⸗ fes Stemmen und Ringen beweist klar, was dieser Verband ist und wohin die Reise geht. Vor kurzem sand in Mannheim eine Tagung aller bürgerlichen Verbände statt. In derselben wurden von allen Vertretern Reden über ihre Jugenderziehung 7G schwungen. Am Schlusse faßte ein ehemaliger General die Reden zusammen und sagte etwa:„Erziehen wir unsere Jugend in unseren Verbänden und Vereinen so, daß wir zu jeder Zeit mit dieser, wenn es gilt, dem Feind, der unsere Landesteile am Rhein besetzt hat, entgegentreten können und ihm heimleuchten können“ Also soll in den bürgerlichen Sportverbänden die Jugend zu neuem Völkermorden erzogen werden. Arbeiter, Angestellte usw., die ihr auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen wollt, seid ihr trozdem weiter gewillt. olches Treiben noch weiter mit euren sauer verdienten Pfennigen ch Beiträge an diese Verbände und Vereine zu unterstützen? Wollt ihr noch weiter eure Jugend diesen Verbänden und Vereinen überlassen, wo sie zu neuen Menschenmorden erzogen wird 1 Oder wollt ihr endlich als aufrechte, denkende Arbeiter handeln? Dann gibt's nur eines: Geht in die Arbeitersportverbände und Vereine, unterstützt dieselben, die auf Grund der sozialistischen Weltanschauung gegen jedes Völkermorden arbeiten, ihre Jugend zur Völkerversöhnung erziehen. 1 Auskunft in Arbeiter⸗Athleten⸗Bundes⸗Angelegenheiten erteilt Kreisleiter Karl Stroh, Offenbach a. M., Biebererstr. 30 II. Briefkasten. 9 F. S.⸗Rödgen. Mitteilungen für die Zeitung müssen rechtzeitig 1 werden! Ihre Notiz kam für die Samstags⸗Nummer 2—9 Bücher und Schriften. 1 9 „Die Grundzüge des Schlichtungswesens“, von Regi e gierungsrat Dr. Geora Flatow.(Verlag& H. W. Dietz Nachf. Berlin⸗Stutt. gart), Grundzahl 60 Pfa. Der Verfasser des bekannten Kommen⸗ dars zum Betriebsrätegesetz erläutert in 5 Aufsätzen die wichtigsten Grundfragen des Schlichtungswesens, wie sie sich aus dem Zusam menhang von Tarifrecht Vetriebsrätegesetz und Schlichtungswesen ergeben, zugleich unter Berücksichtigung des Entwurfes der Schlich⸗ tungsordnung. Der Gegensatz„Gesamtstreitigkeit“ und„Einzel⸗ streitigkeit“ bildet den Kern der Abhandlung die jeden Praktiker wie Theoretiker dee neuen kollektiven Arbeitsrechtes in gleicher 1 Weise interessteren wird Das Heft ist Gewerkschaften und Arbeit- geberverbänden, für Betriebsvertretungen und Arbeitgeber, wie für Schlichtungsbebörden. Demobilmachungskommissare, Gewerbe⸗ aufsichtsbeamben, Richter und Rechtsanwälte von größtem Wect Dollarstand Samstag mittag 12 Uhr: ca. 18 500 Mark. Behördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Versicherungs karten. Die Beiträge zur die Angestelltenversicherung find die Zeit vom 1. Januar 1923 an in Marken zu richten. Jeder Verficherte muß sich eine neue Versicherungs⸗ Wir fordern daher die der Angestelltenverficherung Bekanntmachung. Infolge Erhöhung des von Mk. 150.— auf Mk. arbeitungsgebühren von Mk. 30.— auf Mk 35.—, so⸗ wie der gestiegenen sonstigen Unkosten tritt auf Grund der Verordnung über den Verkehr mit Milch vom 10. April 1921 gemäß Beschluß der städtischen Lebens⸗ mitteldevutation mit Wirkung vom 21. Januar 1923 ein Kleinverkaufspreis von Mt. 270.— für das Liter Voll milch in Kraft. Gießen, den 19. Januar 1923. Der Oberbürgermeister. Aeltert tüchtige Stallpreises für Vollmilch 200.— und der Milchver⸗ (Lebensmittelamt.) Volkszeitung erbeten. unterliegenden Personen auf, sich in der Zeit vom 22. Januar bis 27. Januar 1923, vormittags zwischen 6 und 1 Uhr bei der unterzeichneten Aus⸗ gabestelle, Sartenstraße 2, Seitenbau, zwecks Aus⸗ kellung der neuen Versicherungskarte einzufinden. Für Betriebe, in denen mehre Angestellte beschäf⸗ tigt werden, können die Aufnahmebogen und Karten geschlossen abgeholt und nach Ausfüllung durch die Angestellten wieder zur Abstemplung bier vorgelegt werden. Die bisherige Versicherungskarte ist mitzu⸗ bringen. Wer eine solche noch nicht besitzt, muß sich ausweisen. 8 Drr Verkauf der Marken der Angestelltenversicherung erfolgt nur burch die Postanstalten. Gießen, den 16. Januar 1923. 1194 Algen Uregrautenasee diesel Die noch rückständigen Beiträge zur Kranken ⸗ kasse und Invaliden⸗Versicherung für den Monat Dezember 1922 können noch bis zum 27. ds. Mts. ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieses Termins sind der Ein⸗ zahlung auf unser Postscheckkonto auch die Kosten beizu fügen. Gießen, den 19. Januar 1923. Verkäuferin in der Textilbranche nach Butzbach sofort gesucht. Offerten unter Nr. 1188 an die Oberhess. Gestorbene. 18. Januar. Johannes Friedrich Karl Bender, 2 Jabre 5 Vabnboleeße 29. Beerdigung: 22. Januar, 2 Uhr nachm. 18. Januar. Otto Seelbach, Kaufmann, 34 Jahre alt, Südanlage 20. eerdigung: 22. Januar, 2½ Uhr nachm. PF Verloren zum sofortigen Eintritt gesucht. 1195 2 Tüchtige Kernmacher für unsere Formerei Wetzlarer Metallfabrik G. m. b. 5. Handtäschchen ande den. Reiskirchen nach Großen⸗ Buseck. Schwester grosa Tietze, Rödgen. Asthma Bronchialkatarrh, Lungen⸗ leiden, Grippe, Husten und Schnupfen Spezial⸗Heil verfahren nach Dr. Olpe. Dienstaa, den 23. Januar 5 14. Vorstellung im Dienstag⸗Abonnement Macht der Finsternis Drama von Tolstoi 93 Anfang 7 Ende geg. 10 bt Mittwoch, 24. Janna 15. Vorstellung im 53 Mittwoch⸗Abonnement 1186 Welcher ben dee Stadt geben Allgern.„„ Gieken weslar, Hessenstr. II. Alba ießen terte Brüderlein fein 8 9. 2 8 werktägl. Westanlage 10 Hierauf: 1 * Die schöue Galathsẽ Buchhandlung Oberhessische Volkszeitung Das Existenzminimum und verwandte Fragen 137 Seiten.— Preis 240.— Mk. Schulden, Steuern und Valuta ö 24 Selten.— Preis 40.— Mk. Die Schriften verdienen in heutiger Zeit, in der mehr denn je wirtschaftliche Fragen Folgende Schriften von R. Kuczyns k i sind wieder vorrätig: Wiedergutmachung u. deutsche Wirtschaft Preis 200.— Mk. 1 Vor der Nevision Preis 200.— Mk. ihrer Lösung harren, die weiteste Verbreitung. Verbrauchernöte und Valuta 84 Seiten.— Preis 240.— Mk. Bin Ausweg. Gesundung der Wirtschaft durch Ge- zundung der Reichsfinanzen 54 Seiten.— Preis 100.— Mk. 08 Seiten.— Anfang 7 Ende geg. 10 Uhr. 1 Freitag, den 26. Janna Außer Abonnement: 2 Zum letzten Male! Frühlingsluft Anf. Uhr Ende 9¼ Uhr Samstag, 27. Januar Schüler⸗ und Volks⸗Vorstellung bei kleinen Preisen! f Wilhelm Tell Anfang 4 Ende n. 6¼ Uhr Sountaa, den 28. Januar Schwarzwaldmädel Anf. 7 Uhr Ende 9½ Uhr 3 r ———— S S — ————— ————