.—. 2 2 25 . * 1 — 2 2 — 3 . rstzenden hier 3 munisten einberufenen Versammlung beschlossen worden war. Auch 0 und im Reichsfinanzminister zum ber Fehektion: Gießen Bihnbossraße 23 Ferusprecher 2008. Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Cppedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Fernsprecher 2008, Dise Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 7 Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ , monatlich 3300.— Me einschl. Bringerlohn. k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mk f irtschaftliche Beilage“ beträ 5 4 5 die Post bezog. 3300.— Verantwortlicher Redakteur: J. Vetters. 5 Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Sia Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mk. auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 300.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 0 Gießen, Samstag, den 21. April 1923 18. Jahrgang Nr. 91 Erwerbslosenunruhen an der Ruhr. Mülheim in den Händen bewaffneter Banden. Die Mittwoch⸗Demonstration der Notstandsarbeiter und Erwerbs⸗ flosen in Mühlheim a. d. Ruhr hat bis spät in die Nacht hinein sort⸗ gedauert. Am Donnerstag früh sind drei Waffenläden geplündert worden; die Demonstranten konnten sich z. T. mit Waffen versehen. Die Stadt wird durchstreift. Man sucht nach den Kriminalpolizisten, dig am gestrigen Tage geschossen haben sollen. Automobile, Fuhr⸗ werke und Straßenbahnen werden angehalten. Die Geschäfte sind geschlossen. Der Straßenbahnverkehr ist vollständig eingestellt. Das Rathaus soll unter dem Gewehrfeuer der Aufständigen liegen. Im weiteren Laufe des Tages blieb die Lage unverändert. Das Gerücht einem Eingreifen der französischen Truppen ist nicht bestätigt. Es scheint aber, daß auch die Franzosen eingreifen wollen. Regie⸗ fungspräfident Grützner hat die sofortige Verstärkung der Mühl⸗ heimer Schutzpolizei durch 200 Duisburger Polizeibeamte angeord⸗ net. Da die Rädelsführer stark bewaffnet sind und u. a. Jagdmesser und Jagoflinten durch die Plünderung der Waffengeschäfte besitzen, sist mit schweren, blutigen Zusammenstößen zu rechnen. f Die Forderungen der Synudikalisten. Eine von den Syndikalisten in Mühlheim einberufene Versamm⸗ fung hat beschlossen, einen 24stündigen Generalstreik auszuführen. Weitere Forderungen sind: 1. Sofortige Freilassung der Gefangenen. Sofortige Bildung eines proletarischen Ordnungsdienstes durch alle Arbeiterorganisationen. 3. Sofortige Entwaffnung des bürger⸗ lichen Selbstschutzes. 4. Sofortige Entschädigung aller Verwundeten und Hinterbliebenen durch die Stadt Mühlheim in voller Lohnhöhe mebst freier ärztlicher Behandlung. 5. Sofortige Erfüllung der For⸗ derungen der Arbeitslosen und Notstandsarbeiter. Für den 21. April ist seitens der Kommunisften eine Erwerbs⸗ losenrätekonferenz nach Barmen einberufen worden. Die Konferenz soll allgemerne Forderungen und Richtlinien aufstellen. Ausdehnung der Bewegung auf Essen. Man will zu den Franzosen übergehen! 1 Essen fand am Donnerstag früh ebenfalls eine Demon⸗ kaff statt, die in einer zu Mittwoch abend von den Kom⸗ hier zeigte sich wieder, daß sich unter den Demonstranten ein großer Teil auswärtiger Elemente befand. In dieser Versammlung wurde u. a. auch beschlossen, das Rathaus, das Arbeltsamt und das Wohlfahrtsamt, gegebenenfalls mit Gewalt, zu besetzen. Falls An⸗ griffe von Selbstschutz oder der Feuerwehr erfolgen sollten, soll ebenfalls zum Angriff übergegangen werden. Es wurde den De⸗ monstranten empfohlen, sich mit Gummiknüppeln und Steinen für den Angriff zu bewaffnen. Sollte die Aktion nicht gelingen, dann war beabsichtigt, sich am Freitag an die Franzosen zu wenden, um ihnen die Arbeitskräfte der Notstandsarbeiter und Arbeitslosen zur Verfügung zu stellen. Die Stadtverwaltung in Essen hatte im Einverständnis mit den Arbeiterorganisgionen Maßnahmen getroffen, um das Rat⸗ haus zu schützen. Als die Demonstranten am Donnerstag von diesem Selbstschutz der Stadt erfuhren, versammelten sie sich in einem größeren Lokal. Es fanden Verhandlungen mit der Stadt⸗ verwaltung statt, und Donnerstag abend sollte eine Kommission nach Berlin zum Arbeitsminister fahren, um dort weiter über die Angelegenheit zu verhandeln Die Führer der Demonstranten, die sich aus kommunistischen und syndikalistischen Elementen zusam⸗ mensetzten, waren nicht mehr in der Lage, in der Versammlung die Massen zusammenzuhalten. Sie wandten sich an die Stadtver⸗ ordneten, Genossen Steinbüchel und den Gewerkschaftssekretär Reiter, und verlangten von ihnen, daß sie sofort mit in die Ver⸗ sammlung gehen sollten, um die Massen zu beruhigen. Beide Ge⸗ nossen lehnten dies jedoch ab und erklärten, daß sie nicht dafür da seien, die von den Kommunisten und Syndilalisten aufgepeitschten Massen zu beruhigen. Die Hauptforderungen der Notstandsarbeiter find: eine ein⸗ malige Ausgleichszulage von 150 000 Mk. für Verheiratete und für Ledige von 100 000 Mk.; für die Arbeitslosen eine Unter⸗ stützung von 10 000 Mk. pro Tag, außerdem für die Frau 1000 Mark und für jedes Kind 500 Mk. Zulage. Die Entlohnung der Notstandsarbeiten erfolgt nach dem Tiefbauarbeiter⸗Tarif. Die Städtevereinigung im Ruhrgebiet hat jedoch beschlossen, den Not⸗ standsarbeitern eine soziale Zulage zu gewähren, die für“ ver⸗ heiratete Arbeiter ohne Kinder 4000 Mk., mit einem Kind 5000 Mark, mit zwei Kindern 6000 Mk. und mit drei und mehr Kin⸗ dern 7000 Mk. wöchentlich betragen soll. Mit dieser Unterstützung erhalten die Notstandsarbeiter höhere Löhne als die in Arbeit be⸗ findlichen Bauarbeiter. In Recklinghausen. Bisher noch unverbürgte Nachrichten über weitere Unruhen liegen aus Recklinghausen und einigen anderen Orten vor. Auf der Suche nach den Ursachen. Wie die Telunion. die bekanntlich den Kreisen des Reichswirtschastsminster Becler nahesteht, geschäftig ver⸗ kündet, vertritt man in anitlichen Kreisen die Auffassung, daß die Devisennachfrage der letzten Tage nur zum ganz en Teil tatsächlichen Bedürfnissen entsprungen ist. amentlich die Reichsbank sieht auf dem Standpunkt, daß sie nicht länger zusehen wollte. wie sich immer weitere Hamsterer⸗ und Spekulantenkreise bei stabilem Dollarstand bleichsam auf ihre Kosten bereicherten. In der Reichsbank fänden fortgesetzt Be⸗ sprechungen der augenblicklichen Lage statt. Mehr und mehr scheine sich in gewöhnlich gut unterrichteten Devisenkreisen die Auffassung durchzusetzen, daß die Lockerung der Stützungsschraube die Folge des immer dringender werden⸗ den Verlangens von Industrie und Handel zur Wieder⸗ herstellung der Konkurrenssöbigfeit ouf dem Weltmarkte sei. Man will wissen, daß der Aenderung der Reichsbanktaktik eine entscheidende Konferenz mit Ind ustrievertretern voraus⸗ gegangen sei. Nach der B. Z. am M. glaubt man weiter in diesen Kreisen, daß der Dollar wie überhaupt die Devisen⸗ kurse in der nächsten Zeit teineswegs sprunghafte Steige⸗ rungen erfahren werden, vielmehr nesgt man der Ansicht zu, daß sick der Dollar vorläufig auf der Basis von etwa 30 0,0 oder darunter stabil ene wird. Die neuen Notmaßnahmen Das Reichskabinett beschäftigte sich ebenfalls mit der Frage des Marksturzes. Man beschloß, angesichts der plötz. lichen Steigerung der Devisenkurse im Einvernehmen mit dem Reichsbankdirektorium die Stützungsaktion der Mark mit allem Nachdruck weiterzuführen. Zu diesem Zweck sollen, abgesehen von der Fortsetzung der börsenmäßigen Stützungs⸗ tätigkeit, folgende Maßnahmen unverzüglich ergriffen werden: 1. Eine weitgehende Einschränkung der Einfuhr. 5 2. Die Einführung einer allgemeinen Anmeldepflicht für den Besitz von Devisen nach dem Stande des Tages, an dem die hierzu notwendige Notverordnung erlassen wird. 5 Wie sehr die Reichsregierung, obwohl sie es bestreitet, 0 von dem neuen Marksturz überrascht worden ist, geht aus Mitteilungen hervor, die von zuständiger Stelle gemacht worden sind. Danach ist die Entscheidung darüber, ob die de. dbant am Mittwoch erneut Devisen abgeben sollte, um 0 der starken Nachfrage ohne eine Heraufsetzung der Kurse cht cht zu werden, erst in einer Sitzung erfolgt, die am Mitt⸗ itfand und in der nach zweistündiger Beratung der! Die Marneschlacht der Diskontfähigen. Beschluß gefaßt wurde, zu einer„neuen Methode der Mark- stützung“ überzugehen. Während amtliche Maßnahmen eine gewisse Zeit zur Durchführung brauchen, hat die Stützungs⸗ altion daraufhin sofort nachgelassen. Der Erfolg war das Heraufschnellen der Kurse. Es müssen also sehr zwingende Gründe vorgelegen haben, jetzt auf einmal die Taktik zu ändern, und diese Gründe sind in dem vereinten Ansturm der Devisenhamsterer und der Spekulation auf dem Devisen⸗ markt zu suchen. Im übrigen wurde unserem Berliner Mit⸗ arbeiter noch mitgeteilt, daß die angekündigten Maßnahmen gegen eine weitere Devisenverschlechterung bereits in den nächsten Tagen Gesetzeskraft erhalten werden. Die Reichs⸗ regierung macht daneben große Anstrengungen, um dem weiteren Anwachsen der schwebenden Schulden entgegenzu⸗ wirken, und man hofft, im Monat April nicht mehr die übliche Steigerung der Schuldenaufnahme wie in den voran— gegangenen Monaten zu erreichen. Es sind auch weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation in Er⸗ wägung, ohne daß sie jedoch bisher greifbare Formen ange⸗ nommen hätten. Die Forderungen der Sozialdemokraten. Anläßlich der Beratung des Wirtschaftsetats hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion durch den Genossen Hertz folgende Forderungen zur Markstützung erhoben: 1. Aufrechterhaltung der Stützungsaktion auf der vor dem Einbruch erreichten Höhe. 5 2. Ausbau der Devisen verordnung, und zwar „a) durch Verbot des Kaufes ausländischer Effekten, b) Unterstellung der Banken unter die Kontrolle, welche die Devisenverordnung für jeden anderen Kaufmann vorsieht, c) Anmeldepflicht für Devisenbestände. 3. Verringerung der rein spekulativen Geld⸗ nutzung für Devisenkäufe durch a) scharfe Krediteinschränkung, bp) durch scharfe Hinaufsetzung des Reichsbankdiskonts, c) durch Gewährung von Krediten nur gegen Ueber⸗ nahme des Kursrisikos durch die Darlehnsnehmer. Vereinbarung mit der Reichsbank, größere Kredite nur auf Goldbasis gegen Goldzins zu geben. Das⸗ selbe für alle Reichskredite. Wirtschaftspolitische Maßnahmen: a) Einschränkung der Luxusein fuhr, b) bei weiterem Bleiben des hohen Dollarkurses Her— aufsetzung der Ausfuhrabgaben auf die Höhe vor dem 1. Januar. Wiederheraufsetzung der * Kohlensteuer, falls der Preisabbau nicht genommen wird, c) Wiederaufhebung der Freilisten für die Aus⸗ fuhr. 5. Ordnung der Finanzen schärfste Erfassung des Besitzes. Die Aussprache im Reichstag. Kritik des Genossen Hertz.— Dr. Beckers Ver⸗ legenheitsgestammel. Die Beratungen des Haushalts für das Reichswirtschafts⸗ ministerium begannen am Donnerstag im Reichstag mit einer scharfen, kritisch zugespitzten Rede unseres Genossen Dr. Hertz. Von einer Schilderung der sehr ernsten Wirtschaftslage Deutsch⸗ lands ausgehend, die schon vor dem Ruhreinbruch zwei Millionen Arbeitslose und Kurzarbeiter 6 zeigte, wies er der jetzigen Reichsregierung nach, wie sehr sie mit ihren Hilfsmaßnahmen, vor allem mit dem Gegenstoß gegen die Dollarsteigerung im Januar gezögert habe. Der Reichswirtschafts⸗ minister messe Unternehmer und Arbeiter mit zweierlei Maß. Seine Methode sei: erst Lohnabbau und dann Preisabbau. Aber nicht die Löhne verhinderten den Preisabbau, denn sie seien nur ein winziger Teil der Erzeugungskosten. Das Unternehmer⸗ tum stelle sich geschlossen dem Preisabbau entgegen. Durch die Ver⸗ ordnung des Reichswirtschaftsministers über die Wiederbe⸗ schaffungskosten sei die Preistreibereiverordnung so gut wie un⸗ wirksam gemacht worden. Die von dem sozialdemokratischen Wirt⸗ schaftsminister ausgegangene Devisenverordnung, 5 die erst so bekämpft worden sei, werde jetzt auch von Fachleuten als der Angelpunkt unserer Währungspolitik bezeichnet. Hertz rechnete dann unter lebhaften i Zwschenrufen der Rechten mit dem landesverräterischen Verhalten der Devisenbesitzer bei der Dollar⸗ schatzanleihe ab. Die vor⸗ 1„ des Reiches durch neue Dollarhausse sei hervorragend durch Hamsterei und Spekulatiousverkäufe her⸗ vorgerufen. Von der Reichsbank seien gegen diesen Spekulations⸗ vorstoß außerordentlich beträchlliche Mittel eingesetzt worden. Leider habe die Reichsbank durch die Lockerung des Kredits und 125 e eee vielfach selbst die Mittel zur Spekulation ge⸗ tesert. Die Reichsbank habe am Mittwoch ihre Marneschlacht erlebt. 3955 5 5 die Tatsachen nicht als unabänderlich hinnehmen, son⸗ ern die Stützungsmaßnahmen müßten energisch fortgesetzt Erreiche die Devisenspekulation ihr nächstes Ziel, den Dollar auf 2830 000 dauernd werden. hinaufzutreiben, so sei dieses ein großes Geschenk an Indstrie und Handel, die ihre Kredite in entwerteter Mark zurückzahlen, wäh⸗ und neues rasendes Ankurbeln der Notenpresse neue Preissteige⸗ rungen auf allen Gebieten bringen werde. Hertz verlangte eine Reihe von positiven, währungspolitischen Maßnahmen und forderte im übrigen, daß die Devisenpolitik mit einer gesunden Wirtschafts⸗ und Finanzpolitik verbunden werde. Nur so könnten wir der Front an der Ruhr die richtige Unterstützung gewähren. 0 Nach einer belanglosen Rede des Zentrumsa dg. Esser, der größere wirtschaftliche Berücksichigung der besetzten Gebiete for⸗ dert, gab der Reichswirtschaftsminister Becker unserem Redner eine lange, aber wenig fruchtbare Erwiderung. Bemerkenswert war, daß dieser wahrhaftig kapitalistisch eingestellte Mann in harten Worten zugestehen mußte, daß 7 der Einbruch in die Stützungsaktion der Reichsbank ver⸗ brecherisch zu nennen und ganz sicher auch von spekulativen Kreisen mit her⸗ vorgerufen worden sei Es gab die feste Erklärung ab, daß die Stützungsaktion durchgeführt werde, und die Reichsbank habe dazu genügend Mittel. Im übrigen verteidigte sich Becker ganz unge⸗ nügend gegen die Vorwürfe, daß er zuerst den Lohnabbau ge⸗ fordert habe, lange bevor der Preisabbau wirksam gewesen sei. Wohlweislich ging er in diesem Zusammenhang darüber hin⸗ weg, daß 5 der Preisabbau n an den Devisengewinnen der Unternehmer überhaupt nichts ge⸗ ändert habe, sondern, wo er erfolgt sei, auf Kosten des Reiches und der Lohnempfänger gegangen ist. Auch mußte er erhebliche Mißbräuche bei der Kredit⸗ beanspruchung Zugestehen, sprach sich aber trotzdem ausdrücklich da⸗ gegen aus, daß sie nur auf wertbeständiger Grundlage gegeben werden sollen. Von welcher Beschaffenheit die Rede Dr. Beckers war, erleuchtet die Tatsache, daß der ihm folgende deutschnationale Redner seine rück⸗ haltlose Zustimmung zu allen seinen Ausführungen bekundete und ihm ausdrücklich das Vertrauen der deutschnationalen Fraktion aussprach. In einer persönlichen Bemerkung waudte sich Genosse Hertz gegen die anscheinend absichtliche Entstellung eines Zwischenrufes von ihm durch Dr. Becker und stellte ausdrücklich fest, daß seine Erklärung über die Absichten der Regierung über die Höhe des Dollarkurses leider nicht die dringend wünschenswerte Klarheit geschaffen habe. In der Fortsetzung der Debatte wird Genosse Robert Schmidt das Wort ergreifen. Politische Uebersicht. Die Neugestaltung der Erwerbslosenfürsorge. Der Reichsrat lehnt in seiner Donnerstagsitzung einen Antrag Sachsens ab, eine gleitende Skala zum Zwecke der selbsttätigen Anpassung der Sätze der Erwerhslosenfürsorge an die Geldentwertung einzuführen. Angenommen wurde dagegen eine Verordnung, nach der die bisherigen Sätze Fer Erwerbs losenfärsorge allgemein um 60 Prozent erhöht werden. Ferner beschaftigte sich der Reichsrat mit dem Ge⸗ setzentwurf über die Feier⸗ und Gedenktage. Die Vorlage der Reichsregierung enthält die reichsrechtliche Anerkennung und Einführung von weltlichen und religiösen Feiertagen. Als weltlicher Feiertag steht im Vordergrund der 11. ugust, als Nationalfeiertag für die Verfassungsfeier. Die Vorlage stellt den Grundsatz auf, daß weltliche Feiertage nur durch Reichsgesetz eingeführt werden dürfen, wobei allerdings eine Ausnahme für die Feier des 1. Mai gemacht wird. Die An⸗ schauungen über die Maifeier und über die wirtschaftlichen Folgen einer Maifeier sind nach Ansicht der Regierung Cuno noch nicht so weit geklärt, daß die in den einzelnen Ländern 5 hervorgetretenen Verschiedenheiten eine einheitliche Regelung von Reichs wegen gestatten. Die gleiche Aus⸗ nahme will aber die Reichsregierung nicht für den 9. No⸗ vember gelten lassen, sondern vielmehr den einzelnen Landes⸗ regierungen die gesetzliche Anerkennung des Revolutions⸗ Gedenklages als Feiertag verwehren. Dafür aber stempelt man einen Sonntag zum besonderen Gedenktag für die Opfer des Krieges. Religiöse Feiertage sollen auch in Zu⸗ kunft durch das Landesrecht bestimmt werden können. Doch werden eine Reihe von Tagen reichsgesetzlich als religiöse Feiertage ohne weiteres anerkannt: Neujahrstag, Oster⸗ monteg, Himmelfahrstag, Pfingstmontog, 1. und 2. Weih⸗ nachtsfeiertag und außerdem auch Karfreitag und Fron⸗ leichnam, soweit sie landesrechtlich anerkannt sind. Mit 36 gegn 30 Stimmen wurde der bayerische Antrag angenommen, der die Vorlage für verfassungsändernd er⸗ klärt. Angenommen wurde ferner ein Antrag, der auch den Bußtag als gesetzlich geschützten Feiertag bezeichnet. An flö ung der türkischen Nationalversammlung. Geiner Meldung des Daily Telegraph zufolge, hat sich die große türkische Nationalversammlung allein aufgelöst. Nur 73 Abgeordnete wohnten der Schlußsitzung bei. Ali Fuad teilte mit, daß die Kammer bis zum 21. Mai vertagt werde. Nach Ansicht wohl unterrichteter Persönlichkeiten ist die Versammlung damit ganz einfach aufgelöst. Für die Bedrängten im Ruhrgebiet Es gingen weiter bei uns ein: Sammlung des Arbeiter⸗Jugendvereins Bisses 6000.— Mk. Bereits quittiert 714 860.— Mk., zusammen 720 860.— Mk. f Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. Die neue Teuerung und die Beamtenbezüge. Uns wird geschrieben: Unter dem Titet„Neue Teuerung“ brachte der Gießener An⸗ zeiger Nr. 90 vom 18. April eine Auslassung, welche sich mit aller Schärfe gegen die Beamten wendet. Diese Darstellung gibt ein voll⸗ ständig unklares Bild, sie wird in weiten Volkskreisen nicht ver⸗ standen und sät Zwiespalt zwischen den Beamten und den übrigen Volksgenossen. In dem genannten Artikel wird darauf hingewiesen, daß dem Beamten des Deutschen. Reiches jetzt dreivtertel ihres ge⸗ samten Monatseinkommens als außerordentliche Zuwendung an⸗ gewiesen wurde und denselben am 11. Mai das letzte Viertel der 5 l ausgezahlt werden sollen. 0 kan kommt zu der Schlußfolgerung, daß man den Beamten durch die Auszahlung von 50 Prozent sür jeden der beiden Monate eine außergewöhnlich hohe Aufbesserung gegeben 9 555 welche ein Hinausschrauben der Warenpreise nach sich ziehen e. Was den Leser an dem Artikel befremdet, ist der Ton in welchem derselbe geschrieben ist, sodaß man den eigentlichen Zweck nur dahin auslegen kann, daß die unbeliebten Beamten eins aus⸗ gewischt bekommen. Für den Artikelschreiber wäre es viel wertvoller gewesen, wenn er die Ursache der Hilfsaktion ergründet hätte; denn da⸗ durch wäre viel Ungerechtigkeit vermieden worden. Als Mit⸗ beteiligter darf ich im Namen meiner Kollegen folgendes anführen: Es ist bis in weiteste Volkskreise hinein bekannt, daß die Be⸗ amtenbegifge von jeher weit hinter den tatsächlichen Verhältnissen zurückgeblieben sind; da kann auch die Tatsache nicht darüber hin⸗ wegtäuschen, daß verschiedene Teuerung Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Eines Tages steht er in Gesellschaft Pipriaes am Fuße der Triffinesleiter. Sein Blick richtet sich zufällig auf die sich im Westen erhebende Klippe, die zur Kathedrale führt. Hoch oben, für keinen menschlichen Fuß erreichtbar, spaziert irgend ein Wesen, das bald gemächlich stehen bleibt, dann wieder in der Richtung der Kathedrale seinen Weg fortsetzt, bis es ganzlich in der Gegend Von Rohans Versteck ver— schwindet. Da kommt es plötzlich wie eine Erleuchtung über Grallon und er wendet sich erregt an den Sergeant, der, von seinen Gendarmen umgeben, verdrießlich auf einem Stein⸗ block sitzt:„Blicken Sie doch dort hinauf.“ „Was zum Teufel gibt es dort zu sehen?“ schnauzt ihn Pipriac wütend an.„Halte Deine Großmutter zum Narren, nicht uns!“ „Sehen Sie denn die Ziege nicht?!“ „Hol' Dich der Teufel mitsamt der Ziege! sie mich an?“* „Vielleicht mehr als Sie denken; denn warschiert- sie nicht alle Tage unbehindert ins„schwarze Loch“, um ihrem Herrn Nahrung zu bringen? Wie töricht von Uns, nicht früher daran gedacht zu haben!“ rief Mikel kichernd. „Schneid' keine Grimassen wie ein Aff'!“ schrie ihn Pipriac an,„sondern erklär' Dich deutlicher, Schlaukopf, der Du bist!“ „Ich hege den Verdacht, nein, jetzt weiß ich's ganz be⸗ stimmt, daß Frau Langbart mit im Komplott ist. Wandert sie nicht täglich von Gwenferns Hütte zu seinem Versteck und zurück? Kann man in ihrem dichten Fell nicht ganz bequem ein Stück Brot oder dergleichen verstecken? Das genügt, um den Menschen am Leben zu erhalten. Sehen Sie doch, sie ist im„schwarzen Loch“ verschwunden; wenn wir noch ein Weilchen aufpassen, können wir sie den Rückweg antreten sehen.“ Pipriac durchbohrte Grallon förmlich mit seinen, wie feurige Kohlen glühenden Augen; dann erhob er sich und hielt mit seinen Leuten eine längere Beratung, die zu dem Beschlusse führen, die Ziege fortan genau zu beobachten. Was geht ktionen innerhalb eines Bierteljahres zur Anpassung der Gehälter vorgenommen wurden. Das Endergebnis war immer das, daß bis zur Auszahlung der genehmigten Bezüge die Teuerung um mindestens das doppelte gestiegen war und die beabsichtigte Wirkung der Gehaltserhöhung eben ausblieb. Die Notlage der Beamten suchte die Regierung im März da⸗ durch zu lindern, daß sie bereits am 19. März die Aprilgehälter auszahlen ließ, zugleich wurde mit einem Pretsabbau große Hoffnung auf Besserung der wirtschaftlichen Lage gemacht. In Wirklichkeit gingen aber nur einzelne Waren im Preise herunter und zwar waren es in der Hauptsache solche, deren Roh⸗ material das Ausland lieferte. Die landwirtschaft⸗ lichen Erzeugnisse des Inlandes stiegen vom 15. März bis 15. April fast um das doppelte. Es kostete z. B. das Pfund Butter im März 42—4500 und Mitte April 7000—7500 Mk. Es trat eine erhebliche Verteuerung des Brotes, der Milch, der Kartoffeln und auch der Frischgemüse ein. Die Stadt Gießen schraubte den Preis für Gas, Wasser und elektrisches Licht bedeutend in die Höhe und auch die Mietzuschläge wurden in doppelter Höhe sestgesetzt. So sah der Preisabbau in Wirklichkeit aus und bei diesen Zuständen konnte doch der mit seinem Gehalt fast zwei Monate hintennach hinkende Beamte nicht auskommen. An Hand von Tatsachen kann ich jederzeit nachweisen, daß ein Hilfsschaffner, welcher die Bezüge der Besoldungs⸗Gruppe 3 hat, nicht mehr in der Lage war, Brot für sich und seine Familie zu kaufen. Kein Mensch wird behaupten wollen, daß ein Arbeiter der freien Berufe mehr als das Lebensnotwendigste verdient: daß aber ein Beamter der Gruppe 3 mit seinen 170000 Mk. Monatseinkommen, kaum mehr als die Hälfte des Arbeiterlohnes bezieht und auch damit auskommen soll, das wird den meisten Menschen ein Rätsel bleiben. 5 Auch die vom Gießener Anzeiger angefochtene Nachzahlung konnte den Beamten der unteren Gruppen keinen Ausgleich bringen, weil dieselben ja garnicht das Existenzminimum erreichen. Die Lage der Beamten wird leider in der Oeffentlichkeit ehr ver⸗ kannt und deshalb finden wir gar zu oft in der Presse Aus⸗ laffungen, welche einfach ⸗hohnsprechend sind Bis jetzt hat sich die deutsche Beamtenschaft als die treuesten Verfechter des Staatsge⸗ dankens erwiesen, sie ist es, die in der Feuerprobe der deutschen Republik an Rhein und Ruhr in der ersten Reihe steht. Der deutsche Beamte opfert sein Familienglück, seine Heimat für den großen Gedanken der deutschen Einheit. So wenig wie das ausge⸗ hungerte deutsche Volk den Feinden im Weltkrieg noch trotzen konnte, so wenig werden es die Sturmkolonnen im Ruhrkrieg aus⸗ halten, wenn Hunger und Elend das Los ihres Berufes ist. Wenn der Artikelschreiber zum Schlusse den Kampfuagegen den Wucher erwähnt, so sehen wir hierin das Kardinal ⸗ übel; dieses zu bekämpfen muß höchste Aufgabe jedes Deutschen sein, hierbei steht die ganze Beamtenschaft geschlossen dabei. Gäbe sich jeder deutsche Staatsbürger mit dem Einkommen zufrieden, welches der Beamte als Gehalt bezieht, dann würde kein Wucher mehr blühen; dann würde die Valutabesserung eine dauernde sein, zum Segen des Vaterlandes. F. J. M. — Amerikanische Kinderspeisung im Jahre 1923. Vom Wohlfahrtsamt Gießen wird uns geschrieben: Die nun seit vier Jahren in Deutschland durchgeführte amerikanische Kinder⸗ speisung ist auch für die kommende Sommermonate wiederum vorbereitet. Der zu einer täglichen Speisung von 500 000 Kindern erforderliche Betrag wurde durch Sammlungen unter den Deutsch⸗ amerikanern von dem Zentral-Relief⸗Komitee in Amerika aufge⸗ bracht. Als Beaufragter arbeitet der Deutsche Zentralausschuß für die Auslandshilfe in engster Fühlung mit dem Reichsmini⸗ terium für Ernährung und Landwirtschaft und dem Ministerium der Länder. Dem Verwaltungsausschuß des Deutschen Zentral⸗ ausschusses für die Auslandshilfe steht ein ärztlicher Beirat zur Seite, nach dessen Richtlinien die Auswahl der teilnehmenden Kinder und die Durchführung der Speisung erfolgt. Diese liegt in den Ländern in der Hand der Mittelstellen. Für Hessen wur⸗ den für diesen Sommer 14000 Portionen bewilligt, die in der Hauptsache auf die fünf großen Städte und die indu⸗ strialisierten Landgemeinden verteilt wurden. Die Abgabe erfolgt wiederum in der Form der Schulspeisung und der Deutsche Zen⸗ tralausschuß hofft, daß die deutsche Lehrerschast auch fernerhin ihre Mitarbeit an diesem Liebeswerk nicht versagen wird. Ent⸗ scheidend für die Auswahl darf nur der Gesundheitszustand der Kinder sein, der durch ärztliche Untersuchung festgestellt werden muß. Zur Deckung der Verwaltungsunkosten sind die Ortsaus⸗ schüsse befugt, eine Gegenleistung von wöchentlichen Beträgen zu nehmen. Unter den vielen Hilfswerken des Auslandes für das immer noch schwer bedrängte Deutschland ist die amerikanische Kinderspeisung zur Zeit das größte. Die Deutschamerikaner hoffen, wie Professor Busse aus Philadelphia, der Vertreter des Zentral⸗Relief⸗Komitee kürzlich sagte, durch die Fortführung der Speisung dem alten Vaterlande ihre unverminderte Hilfsbereit⸗ schaft beweisen zu können. Schon am nächsten Tage wurde die arme Jannedik wäh⸗ rend ihres gewöhnlichen Streifzuges über die Klippen abge⸗ saßt, aber da man trotz der sorgfältigsten Untersuchung ihres Felles nichts Verdächtiges fand, wieder laufen gelassen. Am darauffolgenden Morgen war Pipriac glücklicher, er entdeckte hinter ihrem langen Bart verborgen, ein kleines Proviant⸗ körbchen, das mit einem Bande am Halse befestigt war und Brot und Käse enthielt. Nun war es klar, daß wirklich Jannedik ihrem Besitzer Lebensmittel überlieferte und ihn unbewußt vor dem Verhungern rettete. „Es wäre nur gerecht, wenn wir das Vieh wegen Ver⸗ rats am Kaiser sofort niederknallten“ meinte Pierre. „Laßt es laufen, denn es versteht's ja nicht besser,“ brummte Pipriac.„Die vierfüßige Samariterin wird heute ohnedies nicht so willkommen sein wie sonst.“ Die Gendormen taten sich an dem für Rohan bestimmten Brot und Käse gütlich und lachten sich ins Fäustchen, als sie daran dachten, daß der Gefangene sich nun bald werde er— geben müssen. Tag und Nacht stand ein Posten vor Mutter Fwenferns Hütte, der alle Ein- und Ausgehenden streng be— wachte, namentlich die Ziege, die aber immer seltener ihr Plätzchen am Herde verließ, da sie eines Nachts einem Zick⸗ lein das Leben geschenkt und nun getreulich ihre mütter⸗ lichen Pflichten erfüllte. Leider starb es schon nach wenigen Tagen; Jannedik schien untröstlich. Der Gendarm schrieb diesem Vorkommnis keinerlei Bedeutung zu— mit Unrecht, wie wir sehen werden. Wieder vergehen einige Tage und der Deserteur lebt noch immer. Von Regen und Hagel begleitete Winde toben, das aufgeregte Meer brüllt Tag und Nacht, die Belagerer haben gar schlimme Zeiten und sind begreiflicherweise wütend und ungeduldig. Wie lange soll denn dieser aufreibende Patrouillendienst noch dauern? Der Deserteur befindet sich, von all diesen Wetterunbilden geschützt, in seiner- sicheren Feste, während die Diener des Kaisers, trieferd wie er⸗ trunkene Ratten, ihre Hascherdienste versehen müssen. Namentlich Pipriae ist ganz aus dem Häuschen, denn er schamt sich dieses leidigen häßlichen Geschäfts; aber Pflicht 5 Pflicht und er muß schandenhalber auf dem Posten aus⸗ harren. 5 1 9 — Die Erstattung von Eisenbahnfahrgeldern. Die 9 stattet für nachweislich nicht benutzte Dahrbarten den trag, jedoch nur unter Abzug von 10 Prozent für die aus stattungsantrag entstehenden Berwaltungskosten denn die bahn ist rechtlich nicht verpflichtet, für Reisen, ö persönlichen Gründen aufschiebt oder unterläßt, das statten. Diese Entschädigungen werden mir aus Billigkei durchgeführt. Bisher waren als Mindestbetrag für V. kosten 5 Mark festgesetzt, und ebenso wurden nur B. 5 Mark ausgezahlt, sodaß Fahrgelder bis zu 10 Mark nicht* 3 1. f diese Beträge einheitlich fest wurden. Seit dem 1. April sind K Rei und zwar entsprechend der Postgebühr für einen gewöhnlichen brief. Von den Reichsbahndirektianen und Eisenbahnverkehrs die schriftliche Erstattungsanträge durch Postanweisung erledig den also zur Zeit Fahrgelder unter 100 Mark nicht mehr Bei den Fahrkertenausgaben, Anträge verkehr durch sofortige Auszahlung entsprechen, wird dieser satz nur zur Hälfte berechnet, sodaß bei Rückzahlungen m 50 Mark abgezogen werden. — ueber die rechtliche Stellung iwischen Eltern und g und das Vormundschaftswesen spricht am mittag Rechtsanwalt Homberger in dem Schl vortrag Vildungskursus. Der Vortrag beginnt 3 Uhr im Gewer haus. Die Zigarren⸗Genossenschaft Gießen hält am Sonmta 29. April, nachmittags 3 Uhr, ihre ordentliche Genera sammlung im Gewerkschaftshause ab. suf der Tageso stehen die Geschäftsberichte. Beschlußsassung über die Bilanz ferner ein Antrag der Verwaltung auf Erhöhung der gege 50 Mark betragenden Geschäftsanteil auf 5000 Mark. — Gberhessischer Kunstverein. Die Ausstellung des Verei Orginal⸗Radierungen Münchener Künstler kann wegen versf Eintreffens erst am Sonntag, den 29. April eröffnet werden. ner, Marcks und Volk, Goll, Schubert, Juhnke, Hellborn, Bechstein und Frommann. — Aus den amtlichen Personal⸗Nachrichten. Auf ihr No wurde die Lehrerin Sophie Becker geb. Germam an der schule in Klein⸗Linden mit Wirkungo vom 11. April aus dem dienst entlassen. f — Gießener Konzertverein. Nächsten Donnerstag, 20 findet in der Universitätsgula ein Sonderkonzert f Ruth Arndt(Alt) und Fran Pa bet peß(Cello). 3 führung gelengen Werke von Bach, Boccherins, Dporack⸗ Schurbert aher 1. — Fahrraddiebstahl Am Mittwoch wurde eim „Opel“ entwendet. mit schwarzem Rahmenbau, desgl. hinterem schwarzem Schutzblech. Freilauf und Rücktritt Das Rad ist stark abgenutzt.. i — Die Volkshochschule zu Heuchelheim. Die erst im d. J. gegründete Heuchelheimer Volkshochschul bereits auf eine recht ersprießliche Tätigkeit zurück. Zunächf einige gut besuchte Kurse über die Geschiche von Heuchelheim, schaftsgeographie ulw. statt, in dankenswerter Weise 7 die mündlichen Anträgen im 5 f bereits namhaft ge 9 Iit. 0 von l heimischen Lehrern geleitet. Dazu wurde im März und Ap 79 8 N 2 11 2 2 Tleisch sparen hilft 56 kräftigen Wohlgeschmackdurch Zusatz einiger Tropfen Maaai's Würze. 5 Mann verlange ausdrücklich Maggis Würze. Während die Gendarmen, bis an dig Ohren ver trotz Wind und Wetter die Belagerung im kleinen wegt fortsetzen, kommen ihnen vom Kriegsschauplatz am Rhein vereinzelte Nachrichten zu, die nicht gerad lauten. Napoleon hat einige kleine Niederlagen e mehrere seiner alten Verbündeten sind abgefallen, abe riac und seine Leute lachen über die Torheit der trünnigen, die es wagen, an dem endgültigen Sich großen Eroberers zu zweifeln. Gar bald werden N von neuen Siegen Frankreichs die Welt in Erstaune Maggi's Würze. Die dünnste Wassersuppe, schwache Fleisch⸗ brühe, Gemüse usw. erhalten augenblicklich 6 0 setzen! Der umsichtige Mikel Grallon läßt ihnen nicht Zeit, sich mit anderen Gedanken als mit denen an Rof beschäftigen. Sie stehen unterhalb der Klippe, Grallon die Aufmerksamkeit Pipriacs nach oben: die verfluchte Ziege geht jetzt öfter denn je in den Ti „Was ist weiter dabei? Sie geht ohne wrcß zen dafür sorgen wir schon. Du bist ein Esel, mein superf Fischer!“ 8 f „Sie übersehen eines, verehrter Herr Sergantl? Sie daran gedacht hätten, würden Sie der Bestie län Garaus gemacht haben,“ unterbricht Mikel, vor Zorn Pipriac.„Das Zicklein ist krepiert und der Euter de ist voll. Es tut ihr wohl, wenn er täglich geleert wi Gwenfern besorgt dieses Geschäft———“ 2 „Zum Teufel, bist Du aber ein schneidiger Kerl! 8 haft Tu diesen Scharfsinn, Fischer. Ein Riese, wie! kann nicht von Ziegenmilch allein leben,“ schnarrte den es verdroß, von Mikel übertrumpft zu sein. Wit hätte er den zudringlichen Tropf statt Rohan niedesss lassen! f „Eine Zeitlang doch! das Lebenslicht ausblasen.“ Während er das sagt, klettert Jannedik in ein fernung von einigen hundert Metern grasend üh Klippe. Ein teuflicher Gedanke blitzt in den Augen „Kannst Du schießen, Fischer?“ 1 (Fortsetzung folgt.) „Sehen Sit llten. Im ersten Vortrag kam die allmähliche N n den weiteren wurden Feuer 1 5 Ackerbau, sowie die Gesebschafts⸗ Holter aus Gießen eine Reihe von Vortr ngen fünf, über„Die Entwicklung der Wen fie srechter Gang, Werkzeuge, e Sprache, Gehirngusbildung. l Ausnutzung, Bewahrung, Er⸗ ug), Krieg und Menschenfresserei, sodann Jagd, dera und Stagtenbildung be⸗ Frankfurt g. M., 19. Ayrfl. Frankfurter Vlehmarkt Man Auftrieb: 20 Rinder, 750 A 11 Schafe, 276 Schweine Es alten. f 8. 0 kenschuverdung wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht bei steigenden tierähnlichen Zuständen zur Erßhrterung: Füße(Zwelhänder), Preisen: Kälber, feinster Qualität, 280 000 bis 320 000 Mk. mit⸗ lerer Qualität 220000 bis 270 000 Mk., geringerer Qualität 170 000 bis 200 000 Mk. Schafe 180 000 bis 220000 Mk., Schweine unter 80 Kilo 300 000 bis 320 000 Mark, von 80 bis 100 Kg. 330 600 bis 359 000 Mark, über 100 Kilo 350 000 bis 360 000 Mk. Tierzähmung andelt. Ein ganzer Abend war dem wichtigen Kulturfaktor der 1 Religion gewidmet. Im Schlußvortrag beschäftigte sich der Redner mit Schrist und Rassen: darauf entwickelte er die 9590 Nicht 5 ien, in denen die eigentliche Geschichte verläuft(Wirtschaft, Ge⸗ chaft, Staatsverfassung, Kultur), und gab schließlich der festen Hoffnung Ausdruck, daß unsere heutige noch so weifelhie 135 kultur“ sich allmählich zur Volkskultur stejigern, daß also namentlich der organfsierte Menschenmord, der Krieg, dereinst überwunden erde. Die Vorträge waren alle sehr stark besucht; der 00 obwohl er schon in die bessere Jahreszeft fiel, zählte über 100 Zuhörer und Zuhörerinnen. Die lebhafte i i ahme aller Anwesenden an den dargestellten Tatsachen und den erörterten Fragen bekundete sich vor allem auch in der regen Ausssprache, die sich öfters anschloß Namentlich der Religionsabend wird in dieser Hinsicht sicher in lebhafter Erinnerung bleiben. Die estrebungen der Volkshochschule sind in Heuchel⸗ 0 fruchtbaren Boden gefallen. Die Teilnehmer, Alt und ann und Frau, haben erkannt, daß sie reiche Be⸗ hrung und wertvolle Anregung gewinnen, wenn sie an der Hand von kundigen Führern mit den Ergebnissen und lemen der modernen Wissenschaft auf den verschiedensten Ge⸗ bekannt machen. So steht die Heuchelheimer Volkshochschule che veise bereits auf festen Füßen. Es ist sicher zu er⸗ ten, daß sie im nächsten Herbst ihre ideale Aufgabe(Erar⸗ ung eiter umfassenderen Weltanschauung und Ausbildung selb⸗ ger Personlichkeiten) wieder eifrig aufnehmen und weiterhin erfolgreich fördern wird. Der geistige Hunger nach höherer Kultur ist sichlbar, bei zahlreichen Volksgenossen. Kleine Nachrichten. krunkfurt a. M. 19. April. Ein Verbrechen? Der ds⸗ Landwirt Wilhelm Heimburger aus Ansbach i. T. reiste am 13. April nach Frankfurt, um hier Geschäfte abzuwickeln. Abends wurde er noch in einer Wirtschaft der Alt⸗Mafnzergasse gesehen. Er trat dann den Weg nach dem Hauptbahnhof an und ist idem verschwunden. Heimburger trug etwa drei Millionen Mk. sich. Die Kriminalpolizei: die mit der Aufdeckung des Falles hereits beschäftigt ist. nimmt an daß Verbrecher das Geld bei dem unde gesehen und ihm dann auf irgend eine Weise beseitigt haben um sich im den Besitz der hohen Geldsumme zu setzen. Heim⸗ urger ist ein großer kräftiger Mensch und verheiratet. Gießener Wochenplauberei. 82 Eutrüstete Rufe von allen Seiten:„Ele. Plaudertasche! Lassen 0 3 eim des grausamen Spiels! Was zu viel ist, ist zu „ schonen Sie uns mit dem gewohnten Bandwurm!“ 0„Nur ruhig, werter Genosse und werte Genossin! Beachten Sie 3 5 die Ueberschrist. Wir wollen uns zeitgemäß kürzer en. Wo alles dünmer und dürftiger wird in deutschen Landen der Staduwald selost ist so leer gelesen, daß es sich dort nur noch mit„mitgebrachten schweren Werkzeugen“(wie im Kampfe gegen walksschilde) zu lohnen scheint— da muß wohl auch der Humorist reumütia in sich gehen und sich sozusagem scheu in sich hst zurückziehen. Wenn nur keine vollständige untexirdische Selbstentschlüpfung daraus entsteht, wie beim seligen Bürger⸗ meister Ramspeck in Alsfeld. Was verkürzt sich nicht in diesen knappen Zeiten? Schon bon Anfang an, seit dem Umsturz der guten alten Zeit. als das einberveph rechen sich auszuwürken begann. gingen die weib⸗ n Röcke, im Sommer auch die Blusen mit gutem Beispiel wran zum Entzücken aller schönheitsdurstigen Jünglinge. Kürz⸗ liche folgte bei uns die Elektrische und verzichtete sogar auf die dem Sterblichen doch naturgemäße Verbindung mit dem Friedhof. ie Nachtschwärmer und Mokkafreunde stellen mit Bedauern sest, i nunmehr auch das älteste Cafe Gießens einpackt. Wo alles Uiebt, kaum Karl allein nicht hassen. Lassen wir also auch unsere 5 11 7 85 etwas einschrumpfen! Regelmäßig erscheint sie ohne⸗ dies nicht. Es passiert nicht immer am Platze was Rechtes. Regelmäßig und pünktlich dagegen wie die Schwalbe ederkehrt, ein alter Bekannter von Anno Tuwack— Leser, be⸗ achte: Tabak!— dazu passend wie die Faust aufs Auge, er⸗ scheint im Frühling sobald es gründlicher geregnet hat, die Be⸗ kanntmachung der Stadtverwaltung, die es„mit Rüüicksicht auf die (glücklich überwundener) trochner Witterung bestehende Ge⸗ der Entstehung von Waldbränden jedermann verbietet, mit wahrtem Feuer ober Licht einen Wald zu betreten, sich dle⸗ zu nähern oder im der Nähe eines Waldes Feuer anguzünden. abt ihr's gehört ihr Wandervögel? und ihr Buben, die ihr gern inmmal ein Feuerchen macht? Bei dem Gedanken klopft uns Alten noch das Herz im Leibe. Sodann: Es zünde jeder Mann ind jede Frau, wenn sie es nicht lassen können, die 100 ⸗Mark⸗ Zigarette schon daheim am und verrauche den etwaigen Rest des abaks bei vorhabendem ein⸗ oder zweisamen Frühlings⸗Wald⸗ spaziergamg licber in einer mit einem vonn einem wohlsitzenden Deckel vohl verwahrten Kopf wohl versehenen Pfeise! Amtsstil. Gelegenheit Feuer zu sangen, ist anderweit gegeben, wenn Männ⸗ lein und Fräulein mit unverwahrtem Herzen den feuergefähr⸗ lichen Wald betreten. Leider ist er noch nicht dunkel genug. — 2 2 CCC m 0 Uniform erhielten die beiden Landmädchen, von denen Der Kleinviehmarkt wurde bei ruhigem, der Schweinemark bei lebhastem Handel geräumt. Auch eine Beschlagnahmung. Als am vorigen Montag die Franzosen den Bahnhof in Diez a. L. besetzten und damit militaristerten, galt ihr erster Gang der Stationskasse. Der Erfolg war über alle Erwartungen groß. Der gesamte Inhalt von 57(siebenundfünfzig) Pfennigen fiel der siegreichen Besatzung restlos in die Hände. Wegen Mogelei bei der Getreide⸗Umlage hatte sich in Halle der Graf Willamowitz⸗Möllendorf in Lenzerfliege zu verantworten. Er hatte bei der Getreideumlage 140 Morgen bestelltes Land an⸗ gegeben, während das von ihm bestellte Land ganz erheblich größer war. Die Angelegenheit wurde von den Behörden weiter ver⸗ folgt und der Graf zu einer Geldstrafe von 300 Millionen Mark verurteilt. Der beleidigte Herr v. Kähne. Aus Berlin wird berichtet: Der durch seine Gewalttätigkeiten gegenüber Besuchern seines Schloßparkes vielgenannte Herr v. Kähne hat gegen eine große Zahl von Zeitungen Beleidigungprozesse angestrengt wegen der Er⸗ örterungen, die sie an die angehliche Ermordung eines Arbeiters geknüpft haben. In dem ersten dieser Veleidigungsprozesse gegen eine Brandenburger Zeitung wurde der Redakteur wegen übler Nachrede und formaler Beleidigung zu 30 000 Mark verurteilt. Es wird in dem Urteil betont, daß die gerichtliche Untersuchung sestgestellt habe, daß Kähne in der Notwehr gehandelt habe und alle gegenteiligen Behauptungen der Wahrheit widersprächen.— In früheren Mitteilungen wurde hestimmt behauptet, daß sowohl Kähne wie seine Söhne öfters nach Spaziergängern geschossen und diese verletzt hätten. Militärgericht und Dienstmädchen. Folgendes entnehmen wir Frankfurter Zeitung: Der Kampf der Franzosen am Rhein gegen die Deutschen, Männer, Frauen und Kinder, nimmt immer helden⸗ haftere Dimensionen an. Jetzt sind sie auch in den Kampf gegen die Dienstmädchen getreten. Aus Kreuznach wird uns berichtet, daß zwei Dienstmädchen, die im Dienste des dortigen— natürlich grund⸗ und schuldlos— gusgewiesenen Weingroßhändlers von Detten stehen, vor das französische Militärgericht kamen, weil sie, der allge⸗ meinen Anweisung ihres Arbeitgebers, Besucher bei Abwesenheit der Herrschaft über den Hof in die Geschäftsxäume zu führen, gehorchend, französischen Gendarmen zumuteten, nicht die Vordertreppe, sondern den Hof zu betreten. Für diese schwere Beleidigung der französischen das eine 19, Im übrigen werden wir von dem kommenden ersten Mai ab(endlich einmol eln Maifeiertag den guch der Bourgeois mit⸗ feiern wird) keine Kapitalertragsteuer mehr zu zahlen haben. Die ungekürzlen Maikupons laßt ums daher mit Rührung betrachten und die Disserenz gegen April mit weisem Bedacht zur Belebung Onikossnischer oder alkoholischer Industrie anlegen. So wird man endlich wieder einmal etwas üppiger wenigstens dem Rauch⸗ bedürfnis frönen können. 5 Ueppiger, wie das Familienjüngste dem Saugbedürf nis. Das wird von dem bekannten praklischen Christentum der Kuh⸗ besitzer gingeengt. Das Liter Milch 750 Mark! Natürlich billiger in den benachbarten Großstädten. Das ist man in der Provinzigl⸗ Hauptsladt schon gewohnt. Wenn nun der Dollax weiter steigt, so werden die Tautsend bald erreicht sein. Die milchsatten Kinder aber können dann wieder auf der Straße lustig singen: Dollar und Mark Schwünmen auf der See. Marf geht unter, „Dollar in die Höh'! So, damit hätten wir diesmal unser Plauder—eichen gelegt, Justus v. Liebig. Am 18. April jährte sich zum 50. Male der Todestag Liebigs, des bedeutendsten deutschen Chemikers und Begründers der chemi⸗ schen Wissenschaft in Deutschland. dessen Name mit unserer Stadt eng verkntipft ist. Sein Todestag lenkt die Blicke zurück in jene Kind⸗ heitstage der chemischen Forschung, da der Chemiken noch als eine Art Alchimist und Goldmacher galt. Liebig lag das Experimentieren von Kindheit an im Blute und er erbte diese bei ihm genial ausge⸗ bildete Kunst bereits von seinem Vater, der mit Farbstoffen handelte und allerlei Methoden nachsann, um seine Waren zu verbessern. Für die Schule hatte der kleine Justus gar keinen Sinn und schmückte beständig die letzte Bank, sodaß man ihn schließlich für„ganz un⸗ tauglich“ erklärte und von der Schülle entließ, weil er sich zu viel mit „Spielereien“ abgab. Diese Spielereien waren seine issen⸗ schaftlichen Versuche. Chemiker wollte er werden. Aber wo gab es jemand— abgesehen von dem fernen Paris, wo diese Wissenschaft damals blühte— der ihn darin unterrichten konnte? Die einzige Form des Chemikers, die er kannte, war der Apotheker, der ja als Mischer von Trünklein und waͤmderlichen Mixturen dem Knaben der von ihm geliebten Geheimlehre am nächsten zu stehen schien. So trat er also als Lehrling bei dem Apotheker in Heppenheim in der Nähe seines Geburtsortes Darmstadt ein, merkte aber bald d chen vom Vater los und stürzte sich dem Gefängnis und 600 900 Merk Geldsraft ihres beratenden Arztes Dr. med. Kühner bürgt dafür, besteus bedient wird. das zweite 24 Jahre alt ist, Gefängufsstrafen von oser und sechs Wochen und das ältere Mädchen außerdem noch eine Geldstrafe von 50 000 Mark Wenn das alles nicht so traurig wäre, dann möchte man mit dem Bewohnern des Nahetales, die sich trotz schwerer Bedrängnis ihren Humor bewahrt haben, über diese Heldentat das französischen Militarismus lachen. Dazu haben wir keine Veranlassung. Der Vorfall mag, unter vielen anderen ähnlichen Exeignissen, dazu dienen, zu zeigen, zu welchem Wahnsinn und Dünkel sich die fran ⸗ zösischen Militärs am Rhein verstiegen haben. Vater und Tochter vor der Lokomotiven. Ein erschlitternder Vorgang, der durch die Wahnsinnstat einer Irrsinzsigen hervor⸗ gerufen wurde und dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. ereignete sich auf der böhmischen Bahnstatiun Mauth. Dort wartete auf dem Vahnstejg ein Mann namens Prochaska mit seiner Tochter die er in die Irrenanstalt nach Dobrzan bringen wollte. Als der Schnellzug einfuhr riß sich plötzlich das Mäd⸗ Zuge entgegen. Der Vater wollte die Tochter zurlickreißen, sie umklammerte ihn aber mit beiden Händen und beide gerieten unter den Zug und konnten nur als verstümmelte Leichen unter den Rädern hervorgegogen werden. Der schreckliche Vorsall spielte sich vor den Augen einer großen Menge Menschen ab. Militaristische Gerichtsurteile. Das französische Militärgericht zu Hattingen fällte in seinen beiden letzten Sitzungen wieder eine ganze Reihe ungerechter Urteile, von denen besonders das folgende hervorgehoben zu werden verdient. Der 60 Jahre alte Lehrer Wilhelm Spannhof aus Weimar befand sich mit seinen Schülern auf einem Ausflug. Als ihnen eine französische Patrouille begegnete, stimmten die Kinder impulsiv das Deutschland⸗ lied an. Der Leiter untersagte ihnen par sofort den Gesang, wurde aber von der Patrouille zur Rede gestellt und verantwortlich gemacht. Um die ängstlich gewordenen Kinder zu beruhigen, setzte der Lehrer eine heitere Miene auf, was ihm von dem frvanzösischen Gericht be⸗ sonders verübelt wurde, weil darin eine Verhöhnung der glorxeichen französischen Armee erblickt wurde. Spannhof erhielt 3 Monate Geschäftliches. Bis Anfang Mai werden die Suppenkräuter immer seltener und teurer. Da tritt nun als treue Freundin der Hausfrau Maggi's Würze auf. Mit wenigen Tropfen gibt sie der Fleischbrühe, allen schwachen Suppen und faden Soßen einen frischen, herzhaften Geschmack. Man verlange aber ausdrücklich echte Maggis Würze. 5 a Im Interesse der vielen Bruch⸗ und sonstigen Leidenden, sei an Suppengrünes. dieser Stelle ganz besonders auf das Inserat der Firma Ph. Stener Sohn in heutiger Nummer hingewiesen. Der Weltruf dieser Firma und f daß jedermann 123 großen Unterschied, der zwischen dem gelehrten Studium und der be⸗ schränkten praktischen Anwendung bestand und kehrte enttäuscht nach zehn Monaten nach Hause zurück. Während seines Studiums in Bonn und Erlangen gründete er unter den Studenten naturwissenschaftliche und chemische Vereine und machte in Erlangen seinen Doktor. Die Freigebigkeit des Großherzogs von Hessen gestattete ihm dann, seine chemischen Studien in Paris fortzusetzen. Seine Erstlingsarbeit über das Knallgas erregte das Aufsehen der gelehrten Welt und brachte Alexander von Humboldt mit dem jungen Forscher in Verbindung. 1115 Humboldts Rat entschloß er sich, als Lehrer dieser Wissenschaft zu wirken. Ein Professor der Chemie war damals in Deutschland so selten, wie ein weißer Rabe, und als er an der Landesuniversität Gießen diesen Posten bekleidete, hatte er zunächst unendlich viele Vorurteile zu überwinden. Er schuf hier mit Hilfe der Darmstädter Regierung ein Laboratorium, an dem die Studenten eine praktische Ausbildung erhielten. Allmählich setzte sich mit dem raschen Wachsen seines wissen⸗ schaftlichen Ansehens auch seine Lehrmethode durch, und hauptsächlich auf seine Forderung hin wurden die deutschen Universitäten mil Laboratorien ausgestattet, die dann zu so hoher Vervollkommnung gebracht wurden. Liebigs Bedeutung für die Geschichte der Chemit liegt nicht nur in der Errichtung des Gießener Laboratoriums ung der Einführung des chemischen Unterrchts, sondern in seiner Ent⸗ deckung neuer Tatsachen, in der Verbesserung der vorhandenen Me⸗ thoden und Apparate, in der Ausbildung der theoretischen Chemie und in ihrer Anwendung auf alle Lebensgebiete. Der Landwirtschaft brachte er mit seinen neuen Düngemethoden Aufklärung über den Haushalt des Bodens, sein„Fleischextrakt“, der seinen Namen über die ganze Welt trug, war das Ergebnis seiner Ernährungs⸗ forschungen. Um die Verbreitung und Bekanntmachung seiner Wissen⸗ schaft hat er sich ein unsterbliches Verdienst erworben durch die licht⸗ volle Darstellung seiner„Chemischen Briefe“, die für die populär⸗ wissenschaftliche Literatur bahnbrechend wurden. Mit Gießen sind seine größten Leistungen, ist der Ruhm selnes Namens verknüpft. Nux ungern entschloß er sich 1852 nach Miinchen überzusiedeln, wo er bis zu seinem Tode gewirkt hat. In dem Liebig⸗Museum, das hier in Gießen dank der unermüdlichen Arbeit von Geh. Rat Prof. Dr. Sommer besteht, ist dem bedeutenden Chemiker ein interessantes Denkmal errichtet worden. Hier sind noch ein Teil seiner Oefen und sonstigen Geräte zu sehen, zum Teil in der alten Form wieder hergestellt, die Liebig in seinem Laboratorium verwandte. Außerdem werden viele Bilder, Bsicher und andere Dinge hier aufbewahrt, die mit Liebigs Tätigkeit oder seiner Familie in Beziehung stehen. Srhördüche Vekaunkmachnngen Ausgabt von Kohlenkarten für das tf aftssahr 123-24. Vom 1. Mai 1923 bis 1. Mai 1924) Bekanntmachung. Durch die Absperrung des Ruhrgebiets und des Rheinlandes ist die Zufuhr von Kohlen und Briketts aus diesen Gebieten nach Gießen vollständig unterbunden und die Bevölkerung hauptsächlich auf den Bezug von mitteldeutschen Braunkohlenbriketts angewiesen. 8 Gemäß Beschluß der städtischen Brennstoffdeputation vom 19. April 1923 wird auf Grund der Vorschriften Montag, den 23. April vormittags 9 Uhr beginnend: 47 Eichenstämme V. Kl. mit 32 5. 658 Fichtenderbstangen I.„„ 288 3 5 Die Zusammenkunft ist auf der Lollar vom Distrikt Heide. Wieseck, den 19. April 1923. 1923 binder, Mechaniker, 1 Heizer. 1 Wagner, mehrere Anstreicher u. Weißbinder, 1 Konditor, 2 Bautechniker, 1 Maschinenbaupraltikant, 1 Zahntechniker, mehre re 495 Fm Elektromonteure, 2 Gärtner. l 62,05„ Lehrlingen 1 Kaufmann, 2 Autoschlosser, 2 153 Schlosser, 1 Spengler, 3 Mechaniker, 3 Elektromon⸗ Straße nach teure, 2 Schuhmacher mit Kost und Wohn ung. 1 Schreiner desgl., 1 Schneider, 1 Schlosser oder Schmied auf dem Lande. * a) Kontrollkarten für Haushaltungen und 4 Einzelpersonen. An die Empfangsberechtigten der Anfangsbuchstaben AL am 24. April 1923 5 M- 2 am 25. April 1923 (von 8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr nachmittags in den bekaunten Brotmarkenbezirken. „Die Mitglied zbereinigungen erhalten e een 5 55 12 Abholung der Kohlenkarten anzugeben, welcher Bezugsvexreinigung sie angehören. b) Kohlenkarten für Kleingewerbe. An die Empfangsberechtigten der Anfaugsbuchstaben AL am 26. April 1923 1 2 am 27. April 1923 von 7612 Uhr vorm. und 2½—5½ Uhr nachm. im Städt. Breunstoffamt, Asterweg 9, Zimmer 6. e) Bezugscheiue für Großverbraucher: ontag, den 30. April, und Dienstag, den 1. Mai on 7½—12 Uhr vormittags und 2½ 5 ½½ Uhr Siu tags im Stadt- Breunstoffamt Asterweg d, 0 2 3. 0 Ausgabe erfolgt nur an erwachsene Personen gegen Vorzeigung der Lebensmittel⸗Ausweiskarte. Gießen, den 21. April 1923. Der Sberbürgermelster(Brennstoffamt). des§ 17 der Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über Regelung der Kohlenwirtschaft vom 23 März 1919 mit sofortiger Wirkung der Höchstpreis für den Zentner Braunkobleubriketts auf Mk. 7000.— frei Lager des Kohleuhändlers oder in vollen Fuhren bis vor das Haus des Käufers festgesetzt. 19 5 Die Zuschläge für Lie terung bis in den Keller usw bleiben in der seitherigen Höhe bestehen. Gießen, den 21. April 1923. Der Oberbürgermeister(Brennsiuffauit). Kleieverteilung zur Hebung der Milchwirtschaft. Ziedenhalter, die bei der Verteilung ber ücksichtigt werden wollen, fordere ich hiermit auf, sich bis zum 23. d. Mis. hier, Zimmer 4, zu melden. 5 5 Die Mitglieder des Ziegenzuchtvereins haben sich bei dem Vorsitzenden dieses Vereins zu melden. Gießen, den 19. April 1923. Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt.) Ho z⸗Versteigerung in den Waldungen der Gemeinde Wie seck. Hessische Bürgermeisterei Wieseck Schomber. Städt. Arbeitsamt Gießen Liebigstraße 16 Telephon 2054 Kostenlose Arbeits vermittlung und Berufsberatung für beiderlei Geschlecht, u. a. auch für Kriegerwaisen und Kriegsbeschädigtenkinder. Es können eingestellt werden: a) bei hlesigen Acbestgebern: 1 jüngerer Kellner. Lehrlinge: 2 Friseure, 1 Bäcker, 1 Einrahmer, 2 Schmiede, 2 Gärtner, 1 Glaser, 2 Buchbinder, 2 Kellner b) bei auswärtigen Arbeitgebern: Bauschlosser. Lehrlinge: 1 Steinmetz, 1 Speugler und In⸗ stallateur, 1 Schreiner, 2 Landwirtschaftseleven. Es suchen Arbeit: „ Schriftsetzer, Buchdrucke. 2 Schreiner, Kaufleute, Schreiber und Reisende, Packer, Hausburschen und Ausläufer, Maschineuschlosser, Bauschlosser, Schuh⸗ Es werden versteigert aus den Distrikten Heide, Rehecke, Klause und Hegwald am ua der, 1 Krankenpfleger, 1 Sattler, 2 landw. Verwalter, Bäcker u. Metzger, 3 Schneider, 1 Kraftfahrer. 1 Buch⸗ 1 landwirtschaftlicher Knecht, 3 Dreher, 1 älterer“ Gelegenheitsarbeiten werden ebenfalls entgegen⸗ 7 genommen. Weibliche Abteilung: Es können eingestellt werden: ah bei biesigen Arbeitgebern: Mädchen für tagsüber, Dienstmädchen, Lauffrauen und ⸗mädchen für einzelne Tage, tüchtige Allein⸗ mädchen, 1 einfache Stütze, mehrere Waschfrauen, eine Haushälterin, mehrere Küchenmädchen. b) bei auswärtigen Arbeitgebern: Mehrere landwirtschaftliche Dienstmädchen, Dienst. mädchen, Hausmädchen, Alleinmädchen, eine Stütze, 1 landw. Haushälterin, mehrere Hotelzimmer⸗ u Küchen⸗ mädchen für die Saison. Es suchen Arbeit: 1 Büglerin, Kontoristinnen, 1 Flickerin, drei Verkäuferinnen, 1 Haushälterin, einige Lauffrauen, auch für Nachmittags beschäftigung, Mädchen für tags⸗ über, Fabrikarbeiterinnen, 1 Waschfrau, 1Schneiderinnen⸗ lehrmädchen, 3 Bürolehrmädchen, 1 Kinderfräulein nach auswärts. Die Berufsberatung und Arbeits⸗Vermittlung für Musiker findet Dienstag, Donnerstag und Samstag ven 10-12 Uhr statt. Orne O Hr est Dielen Aci gese- Aleltuce rier steller: Menke a eig., duss trek, 0 in alter bewährter Güte! ir alle Arten von wssche. Such der cue eien„HENMK O. Oerucers q νο Siech. Socicn N NMlemalsstose l Nur 15 OrigingigachUng! sowie: Ab Montag. Palast-Lietsgie Vornehmstes und grösstes Theater am Platze. Nur noch Samstag u. Sonntag das Sensalions-Doppelprogramm: „Beatrix“ Ein Spiel von Liebe, Hass und Tod in 7 Akten William Hadelift Drama in 5 spannenden Akten. den 238. April 1283 Das Madchen dune abswissen Ubtesselte Liebe Trotz teurer Zeit ermässigte Preise. Grosses Orchester Beginn: Samstag 4 Uhr- Sonntag 3 Uhr alle übrigen Tage 6 Uhr, letzte Vorst. 8½ Uhr deschäftsverlegung. Seltersweg 792 Färberei Braubach& Fischer. Unser seitheriger Laden Meuen weg 4 wurde mit unserem Laden zusammengelegt ahtrad hecken Ad Shlauche zu äußerst billigen Preisen 1409 J. P. Mono Neuenweg 10. Dis Hand bester organischer Volldünger für alle Kulturen 1 zu haben im dum fil Babnbofstr. 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Dr. M. Quark, Frankfurt a. M. Freitag, 27. April, abends 8 ubr, im Großen Hörsaal der Universität. 3. 195 e 1 Kunst und Dichtung. it Lichtbildern, Rezitationen und. lichen Darbietungen). 8 Näheres wird in Kürze bekannt gemacht. Karten für die beiden ersten Abende: für Abend 500 Mk., für zwei Abende 800 Ml 5 Vorverkauf in der Schneider schen Buchhandlung Neuen Bäue und an der Abendkasse. chende gleich welcher Art und Größe Ihre Leiden sind, be⸗ suchen Sie meinen Vertreter, der Ihnen mein gleich einer schützenden Hand von unten nach oben wir⸗ kendes, Tag und Nacht tragbares, gesetzl. gesch. auf seine Länge u. Druckwirkung T selbst W einstellbar br Universal⸗Bruchband . kostenlos vorzeigen wird am Mittwoch, den 25. April 1923, morgens von 3—2 Uhr in Gießen, Bahnhofshotel Lenz und Donnerstag, den 26. April 1923, morgens von 3—2 uhr in Alsfeld, Gasthof Mainzer Hof. 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Geschäfts- u. Kassenbericht. 2. Bericht des Au, sichtsrates. 3. Genehmigung der Bilanz. 4 E 5. Statutenänderung: statt seither 50 Mk. 6. Anträge. 7. Verschiedenes Hierzu werden unsere Mitglieder freundl. eingelade“ Der Aufsichtsrat. Der Vorstand Altmetallen (Rückstände), Alteisen, Gußbruch, Spänen, Kesseln, Maschinen, Werkzeugen, alten Werken und Betriebsein richtungen aller Art, auch zum Selbstabbruch. Nass. Metallverwertungs⸗ gesellschast m. b. H., Herborn (Dillereis). 101 och face Aunabmen für die neuen Kurse in allen Handelsfächern und Fremdsprachen. Halbjahresklasse, höhere Handelsklasse Auskunft und An- meldung bei der Hansaschule von J. Kunzelmann Bleichstr. 5, Telephon 821 Mittwoch nach oder von 6 bis 7½ lx. Vogtschen eee ee Handelsschule Goethestr. 32, Tel. 2064 5 frei. Stadtthealn Sonntag, den 22. Autl Der kühne Schwimmer Anf. 3/ Uhr. Ende 6 lie Mas cottchen Anf. 7 Ende 97/ lh. Dienstag, den 24. Ar Die kürzlich, 0 der Vorträge im Fathol. Vereinshause in Gießen gezeigten Haha. f öelosgedadsarett gäünzungswahl des Vorstandes und Aufsichtzrates § 8 soll folgend, Fassung erhalten: Ein Geschäftsanteil beträgt 5000 1 f aur ind lune Külse Wir sind luusend Küufer NolZ.-FOoRRAN WCOSIAU bed Ceeeen Rreuaplatz Frau (Cello) Eintrittskarten: Mk. 1200.— Ded! für Abonnenten die innsgehabten Plätze zu M. 900.— 750.— und 600.— bis 21. 4. bei Ernst Challier und 61 abends an der Kasse. Studentenkarte Mk. 400— nur Pabst-Iess Werke von Bach, Boccherini, Dvorak, Grieg, Schubert U. a. „1000.—, 800.— u. 500 neim Hausverwalter der Universität gegen Ausweis. . Partei-Literatur Spar kocheiuriehlungen sind eingetroffen. Soweit der eingegangene Vorrat reicht, werden die Gegenstände zu den schon bekannten Preisen abge⸗ geben.— Zur Besichtigung ohne Kaufzwang wird 158 eingeladen. J. B. Hiistt Giessen Haus- u. Küchengeräte Neustadt 56. Fahrräder u. Schläuche Einmalige Aufführung! Zu Gunsten der Alter versorgungs⸗ und Unt stützungskassen der nossenschaft Deutschet Bübnen⸗Angestellten Glaube u. Heim Die Tragödie eines Volg 8 6 Karl Schönherr Anf. 7 Ende 9½½ l Mittwoch, den 25. Ahl 25.(letzte) Vorstellung Mittwoch⸗Abonnemen Der kühne Schwimm Anf. 7 Ende geg. 9˙ l, Donnerstag, 26. Außer Abonnement Zum letzten Male! Hausa Gemeinndtzige Möbelwersorgung für das Bhein-, Main- und Lahngebiet, G. m. b. H. Giessen, Lindenplatz! * 18 Möbel auf Teilzahlung! empfiehlt Buchhandlg. Oberhess. Volksztg. 2* . Gestorbene. 0 18. April Philipp Mootz, Schuhmacher⸗ 95 meister, 80 Jahre, alt, Ebelstraße 10. Beerdigung! 21. April, 2½ Uhr nachm. N 19. April. Hermann Welcker, 11 Jahre alt, Lie bigstraße 64 Beerdigung: 23. 9 3 Uhr nachm. Mascottchen Anf. 7 Uhr. Ende 9˙½ l. Freitag, den 27. Asrf Gutscheine gültig Don Juan u. Nen offeriert billigst 86 . Hertog, Alsfeld. Metallbetten Stahlmatr, Kinderbetten dir an Private, Kataldg N 33 frei Anfang 7 Ende g/ In, Eisenmöbelfabrik Suhl, Ihr.! 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