r Ä 2 1 1 0 Ftunzreher 20h. F N A K 1 e 5 6 nachmittag um 1 Uhr Eisenbahnlinie trans porte Düren beziehen, Kebaktion: Gießen Bahnhofsraße 23 berhess Organ für die Interessen des der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. fozeitung werktätigen Volkes Expedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Fernsprecher 2008. Die Oberb. Vottovettung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreis mit den Beilagen Das Blatt der Frau und Land⸗ wirtschaftliche Peilage befrägt monatlich 1870— Me einschl. Bringerlocn. Durch die Post bezogen 1300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50.— Mt 8 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(95 mm breit) oder deren Raum lokal 20.— Mt., auswärts 80.— Mk, die Reklamemillimeterzeile 100.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 43 Gießen, Mittwoch, den 21. Februar 1923 18. Jahrgang England gibt nach! Die Räumung der westlichen Englandszone. Der britische Generalleutnant Godeney, der Befehls- haber der britischen Truppen im besetzten Gebiet, ist, wie aus angewiesen worden, am Montag die von der Regierung bestimmte durch die britische Zone für die Kohlen- nach Frankreich freizugeben. Diese Verfügung soll sich auf alle Teile des Eisenbahnnetzes um Grevenbroich⸗ die an der Nordwestgrenze der britischen London gemeldet wird, Zone liegen. Jufolge dieser Auordnung hat die Räumung der Eisen⸗ bahnlinie Neuß⸗Grevenbroich⸗Düren durch die Engländer bereits begonnen. Auf den anderen Teillinien, die von Neuß, Düsseldorf und Dülken nach Köln führen, scheinen die Franzosen das Zugeständnis erhalten zu haben, daß sie die⸗ selbe Anzahl von Zügen wie vor der Ruhrbesetzung fahren llassen können, daß heißt täglich einen Lebensmittelzug und eine gewisse Anzahl von Einzelwaggons mit Truppen. Kierzu wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Der Zipfel des englischen Gebiets, der über die Strecke Neuß⸗Düren geht, üst an die Franzosen abgetreten worden. Das deutsche Per⸗ ssonal ist nicht zurückgetreten, es hat vielmehr erklärt, daß es mur zurückweiche, wenn es durch französische Gewalt dazu ge⸗ Zwungen werde. 8— Telunion glaubt aus Paris mitteilen zu können, daß mußer der für die Kohlentransporte bestimmten Linie Düssel⸗ worf⸗Neuß⸗Düren⸗Aachen eine zweite doppelgleisige Nordsüd⸗ strecke den Franzosen für militärische Zwecke zur Verfügung gestellt wird.—. 5 Die Opposition im Londoner Unterhause. Im englischen Unterhause wird am Dienstag die Debatte über die Ruhrpolitik und über die liberalen Abänderungs⸗ worschläge, die auf einen Schiedsspruch des Völkerbundes hinauslaufen, fortgesetzt. Die Arbeiterpartei hat durch ihren Führer Macdonald erklären lassen daß sie sich diesen Vorschlägen anschließen und zusammen mit den liberalen ruppen gegen die Regierung stimmen werde. Bonar Law bird sich zum erstenmal einer einheitlichen Opposition gegen⸗ über sehen, deren Stimmenzahl 260 beträgt. Man rechnet edoch mit einem Siege der Regierung, die demgegenüber über 341 Stimmen verfügt. Aoyd George und Henderson werden sprechen. Bonar Law wird antworten und bei dieser Gelegenheit über seine Verhandlungen mit dem französischen Außenminister Le Troquer Rechenschaft ablegen. Die geheimnisvolle Rede Poinca Es. Im Auswärtigen Ausschuß der französischen Deputiertenkammer Fat am Montag Poincaré die angekündigten Erklärungen über die Jage im Ruhrgebiet und im nahen Osten gegeben. Die Rede des Ministerpräsidenten nahm mehrere Stunden in Anspruch. Sie endete sedoch nicht, wie in Aussicht gestellt war, mit einem Vertrauens⸗ votum der Kommission. Vielmehr wurde die Sitzung abgebrochen und auf kommenden Montag vertagt. Ein offizieller Bericht über die Ausführungen Poincarées wurde nicht ausgegeben. Die Mitglieder ber Kommission haben sich zu strengster Verschwiegenheit über den Inhalt dieser Ausführungen verpflichtet. Wie die Deutsche Abgem. Zeitung erfahren haben will, hat der Ministerpräsident die Ruhrvor⸗ gänge nur ganz kurz gestreift und sich in der Hauptsache mit Memel, Sitauen, Lausanne und Polen befaßt. Die französischen Ruhrkredite. Um dem wachsenden Unmut der französischen Bevölke⸗ rung über das imperialistische Ruhrabenteuer, das bisher bc nichts eingebracht hat, etwas zu dämpfen und Poincaré bor einem Mißtrauensvotum möglichst lange zu bewahren, isst die französische Regierung auf die Spuren Helfferichs, des genialen“ Finanziers der deutschen Weltkriegsausgaben, eraten. Man hat die Kredite für die Ruhrbesetzung aus em Etat herau genommen und will sie später von Deutsch⸗ and decken lassen. Der Kammer ist ein Gesetzentwurf des ßinanzministers über den Kredit für die Ruhrbesetzung zu⸗ slegangen. Die Ausgaben gliedern sich in drei Kategorien: 55 Ausgaben ziviler Natur, 2. Ausgaben für militärische Zwecke, 3. Ausgaben für die Eisenbahnverwaltung. Die givilkredite umfassen die Ausgaben für die Zollkommission, bie Finanzkommission und die Industriekommission und sind mit 5 Millionen Franken für das Jahr 1923 veranschlagt. Der Betrag soll aus dem Friedensvertrag gedeckt werden. r die Kosten der Militärbesatzung werden für die Monate zanuar und Februar 50 Millionen Franken gefordert. Frankreich hat im Ruhrgebiet 7 Divisionen, deren Unterhalt 1 Frankreich 15 Millionen Franken gekostet hätten, so daß zue Mehrkosten für die ersten beiden Monate sich nur auf 35 Millionen Franken belaufen. Auch diese Ausgaben will man sich späterhin durch Deutschland ersetzen lassen, da Frankreich sie als einen Teil der Besatzungskosten betrachtet, die mit Vorrang aus den deutschen Zahlungen zu bestreiten sind. Die Ausgaben zur Organisation und den Betrieb der deutschen Eisenbahnen sind mit 60 Millionen Franken ver⸗ anschlagt, wobei angenmmen wird, daß die Eisenbahnen später etwas einbringen, sobald sie erst wieder im Gange sind.— Das deutsche Volk hat es zu seinem furchtbarsten Schaden erfahren müssen, daß es auch anders kommen konnte als Helfferich es ihm versprochen hatte. Wie nun, wenn es Frankreich auch so erginge? „Sanktionen“ gegen Ministerbesuche. In Pariser Blättern wird gemeldet, daß zur Verhütung weiterer Minfsterbesuche im Ruhrgebiet Geldbußen für die be⸗ suchten Städte und die Verhängung hoher Geldstrafen über die Lokale geplant wird, die die Besucher aufnehmen. Belgische Enttäuschung. Eine der belgischen Finanzzeitungen, der Moniteur des Intsréts Materiels, stellt fest, daß der belgische Kohlenmarkt in⸗ folge der Vorgänge an der Ruhr in Aufregung ist, da, die Liefe⸗ rung deutscher Brennmaterialien tatsächlich bis jetzt sehr gering sei.„Ein Zug mit Koks soll, scheint es, an der belgischen Grenze angekommen sein; ebenso sollen verschiedene Kohlensendungen für die nächsten Tage erwartet werden.“ Diesen„Erfolg“ stellt das belgische Unternehmerorgan nach fünf Wochen Ruhrbesetzung fest. Vormarsch auf Dortmund. Fünf französische Infanterieregimenter sind auf Dort⸗ mund aus der Richtung von Bochum her im Anmarsch. Am Montag vormittag hat das erste Infanterieregiment Lütgen⸗ dortmund passiert. Anscheinend beabsichtigen die Franzosen, Dortmund ebenfalls zum Kriegsschauplatz zu machen. Gelsenkirchen nicht geräumt. Die Franzosen haben das Stadtinnere von Gelsenkirchen bis Montag Nachmittag nicht geräumt gehabt. Post. Telegraphenamt aan Eisenbahn sind besetzt. Alle Behälter, Schränke und Türen sind gewaltsam erbrochen worden. Ein Durchgangsverkehr ist möglich, jedoch fahren Züge nicht ab. Für das Innere des Stadtgebiets ist der Verkehr von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr verboten. Fin ganzes Telephonnetz zerstört. Die Telephonleitungen, die die Franzosen angelegt hatten, waren in der Nacht vom Samstag zum Sonntag zerstört worden. Darauf⸗ hin zerstörten die Franzosen das gesamte Telephonnetz der Stadt. Wlau mäßiger Straßenraub. 5 In Gelsenkirchen, wo jeder Passant unter Drohungen angehalten wird, der eine Handtasche oder Aktenmappe trägt, sind nach amtlichen Feststellungen den Franzosen am Samstag und Sonntag durch Be⸗ schlagnahme etwa 90 Millionen in die; Hände gefallen, darunter ein Teil der Ruhrhilfe und von dieser wieder ein Teil in ausländi⸗ schen Devisen, gestiftete Franken, Dollars und Kronen. Durch Straßenraub sind den Franzosen, soweit bisher festgestellt werden konnte, 1700 000 Mark in die Hände gefallen. In Dorsten wurde von der französischen Besatzung für eine Mil⸗ lion Hausgerät beschlagnahmt. Das Gerät soll zu Einrichtung eines Kasinos dienen. Die Verhaftungen und Ausweisungen. Die Verhaftungen und Ausweisungen im alt⸗ wie im neu⸗ besetzten Gebiet gehen mit aller Brutalität weiter. In Düsseldorf ist jetzt auch der Oberbürgermeister verhaftet worden, in Herne ein sozjaldemokratischer Abgeordneter. Der herzkranke, zu längerer Gefängnisstrafe verurteilte Bürgermeister Schäfer von Essen be⸗ findet sich in einer engen Zelle, sein Zustand hat sich verschlimmert, seine Frau wird auf ausdrücklichen Befehl des Generals nicht zu ihm gelassen.. Ein neuer Ukas. Nachdem die bereits gemeldete völlige Entwaffnung der Essener Schupo vollzogen war, setzte eine Verordnung des kommandierenden Generals der Besatzungstruppen für den Fall, daß Verbrechen oder Vergehen gegen die Person oder das Eigentum von Angehörigen des Besatzungstruppen Beamten oder Mitglieder der im Ruhrgebiet tätigen Missionen oder etwa eine Sabotage-Akt gegen Verkehrs— mittel begangen wird und die Täter nicht ermittelt werden, folgende Maßnahmen fest: 1. Die für die öffentliche Sicher— heit und Ordnung verantwortlichen deutschen Beamten werden verhaftet und eingesperrt, 2. Die Orte, in denen Delikte der oben bezeichneten Art vorkommen, werden mit einer Geldbuße belegt, deren Höhe im Verhältnis zu dem verursachten Schaden stehtt. Der Verkehr zwischen Nord⸗ und Südbaden völlig durchschnitten. Ein Befehl der Rheinlaudkommission gestattet von Dienstag 12 Uhr ab den an Stelle der Zugverbindung eingerichteten Auto⸗ verkehr von Renchen nach Offenburg, also vom nöedlichen Baden her nicht mehr. Deutsche haben die Fahrgelegenheit an der Grenze des besetzten Gebietes zu verlassen; nur Ausländer sowie Privat⸗ fuhrwerken, in denen nicht mehr als vier Personen Platz finden, ist der Zugang gestatiet. Politische uebersicht. Kommt die wertbeständige Anleihe? Im Reichsfinanzministerium hat am Montag eine Sitzung zwischen Vertretern der Regierung und Vertreter namhafter Privatbanken stattgefunden, um die Frage der Auflegung einer inneren wertbeständigen Anleihe zu er⸗ örtern. Von Seiten des Finanzministeriums lag dieser Be⸗ sprechung ein Plan zu Grunde, der vorläufig eine Ausgabe von kurzfristigen Reichsschatzwechseln im Betrage von etwa 200 Millionen Goldmark vorsieht. Die Besprechungen trugen einen rein informatorischen Charakter. Ein Ergebnis konnte, wie nicht anders zu erwarten war, nicht erzielt werden. Die Verhandlungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt merden. Das Treiben der Nationalsozialisten. In der Nacht zum Sonntag ist im Hotel„Kaiserhof“ in Altona eine Geheimversammlung der Nationalsozialisten, in der Roßbach sprechen sollte, von der Polizei aufgelöst und Roßbach sowie dter andere Führer der Bewegung verhaftet worden. Die Versammel⸗ ten trugen zum größten Teil Hakenkreuzbinden und waren mit Handwaffen versehen. Es wird gegen die Führer ein Strafver⸗ fahren eingeleitet werden. Leider hat auch die Altonger Behörde bei Roßbach eine Verdunkelungsgefahr und Fluchtverdacht als nicht vorliegend erachtet und ihn wieder aus der Haft entlassen. Leutnant Roßbach wurde im Herbst v. Js. schon einmal in Berlin verhaftet, dann aber unbegreiflicherweise wieder freigelassen. Diesen Gnadenerweis der Republik hat er mit einer wüsten Hetze gegen die Regierung und Umsturzdrohungen beantwortet. Am 23. November erklärte er anläßlich der vierten Jahresfeier der Sturmabteilung Roßbach in München, aus Oberschlesten werde bald ein zweites Bayern werden, man werde„eine große einheit⸗ liche Machtorganssation“ schaffen,„die endlich mit dem jetzigen Unsinn aufräumt“. Er kündigt an, daß er sich mit seinen Getreuen „mit Gummiknüppeln und Bajonetten“ den Weg bahnen werde Den Bayern sagte er, daß sie bald Gelegenheit zu Taten haben werden.„Hoffentlich haben wir auch in Preußen bald Gelegenheit. Vor uns zittern die deutschen Machthaber.“ Dieser Mann, der ge⸗ treu seinen damaligen Versprechungen im ganzen Lande herum⸗ reist und zum bewaffneten Widerstand gegen die bestehende Staats⸗ ordnung ermuntert, kann nicht verhaftet werden, weil sich bis heute in Preußen noch kein Staatsanwalt gefunden hat, der einen Haftbefehl gegen ihn erläßt. Litauisch⸗Memel. 5 Die Botschafterkonferenz hat nach einer jahrelangen dilatorischen Behandlung der Frage am Freitag endlich über die Zugehörigkeit des Gebietes von Memel entschieden. Nach den vorläufigen Meldungen soll das mittlere Memel⸗ Gebiet unter litauische Souveränitat gestellt werden. Der Ausdruck mittleres Memel-Gebiet war bisher nicht gebräuch⸗ lich. Er gibt zu Mißverständnissen Anlaß. Man weiß nicht, ob damit der deutsche Hafen von Memel mit seinem Hinter⸗ land gemeint ist oder ob lediglich das Hinterland zu Litauen geschlagen werden soll, während sich der Hafen selbst einer Art Autonomie erfreut. Es ist anzunehmen, daß die erste Vermutung die richtige ist. Demnach ist also nunmehr das Gebiet Memel⸗Stadt und Land ein Teil Litauens. Die Botschafterkonferenz hat damit an Litauen ein altes Unrecht gutgemacht. Das deutsche Memelgebiet wurde seinerzeit unter der Voraussetzung von Deutschland losgelöst, daß es später einmal Litauen überantwortet würde. Auch für Deutschland ist diese Lösung die annehmbarste, da eine Wiedervereinigung mit Deutschland unter den obwaltenden Umständen nicht zu erreichen ist. Ein polnisches oder! fran⸗ zösisches Memel— das waren die beiden anderen Möglich⸗ keiten— wären für Deutschland weniger erträglich gewesen als die Litauer Lösung. Allerdings setzt auch diese ösung beraus, daß Litauen die Rechte der Deutschen in Memel in jeder Weise wahrt. In Litauen hat man in letzter Zeit einer deutschfeindlichen Stimmung reichlich die Zügel schießen lassen. Dieser Zustand als Dauer müßte bald zu ernsten Konsequenzen führen. Sache der deutschen Vertretung in Kowno ist es, in dieser Frage nach dem Rechten zu sehen. Es wäre zu überprüfen. ob unsere jetzige Vertretung in Litauen, nachdem die Memelfrage im litauischen Sinne ent⸗ schieden ist, den schweren Anforderungen zu entsprechen in der Lage ist, die nunmehr an sie herantreten werden. Die volnisch⸗litauische Krisis. Die volnische Aktion zur Besetzung des bisher neutralen Streifens an der litauischen Grenze trifft auf erheblichen litauischen Wider⸗ tand. Die letzten Nachrichten aus Wilna besagen, daß an die Stelle der bisherigen litauischen Freischärler immer mehr litauische reguläre Truppenteile getreten seien. Peipun ist von den Litauern gestern mit Artilleriefeuec belegt worden. Polnische amtliche Meldungen betonen nach wie vor, daß Polen noch kein Militär eingesetzt habe, sondern nur Polizeitruppen und Zollbataillone. Ministerpräsident Sikorski wird sich von der Lage persönlich überzeugen. Falls irgendwelche Störung des Friedens im Osten vorkommen sollte, wird die polnische Regierung die Litauer dafür verantwortlich machen. Andererseits verbreitet die Uttauische Gesandschaft in Paris folgende Depesche aus Kowuno vom 18. Februar: Reguläre pol; nische Truppen aller Waffengattungen haben die neutrale Zone in der Gegend von Orany überschritten und sind auf litauisches Gebiet vorgedrungen. Sie haben die litauischen Truppen ange⸗ griffen. Hunderte von Verwundeten und zahlreiche Tote sind den ämpfen bereits zum Opfer gefallen. Die litauische Regierung at an den Völkerbundes rat das telegraphische Ersuchen gerichtet, notwendige Maßnahmen zur Einschränkung des Konflikts zu er⸗ greifen. Die Pariser Blätter bemerken dazu, daß in 4 7 7 französischen Kreisen keine Bestätigung dieser Nachricht vorliegt. Die Chefs der in Warschau stehenden englischen und titalieni⸗ schen Militärkommission haben sich zur Beobachtung der Vor⸗ gänge in der neutralen Zone dorthin begeben. England und die Türkei. Reuter meldet aus Konstantinopel: Ismed Pascha hatte mit General Harrington eine Unterredung. Ismed Pascha soll sich zugunsten eines Friedensschlusses mit England aus⸗ gesprochen haben. Der Abschluß des Vertrages sei nur an wirtschaftlichen Fragen gescheitert. Der türkische General sprach die Hoffnung aus daß die Herbeiführung des Friedens noch vor Eintritt der guten Jahreszeit gelingen möge. Nach einer weiteren Reutermeldung hat der englische Geschaftsträger in Konstantinopel darauf aufmerksam ge⸗ macht, daß die Türkei einen großen Fehler begangen habe, daß sie den Lausanner Vertrag nicht unterschrieben habe. Eine weitere Verzögerung müsse vor allen Dingen die Türkei tragen, zumgl die Alliierten entschlossen seien, in ihrer Einig⸗ keit zu verharren. Was hat Deutschland bisher geleistet? (Vom 11. November 1918 bis 30. September 1922.) Ueber die Höhe der finanziellen und sachlichen Leistungen Deutschlands durch Ausführung des Friedensvertrages be⸗ stehen vielfach sowohl im Inland wie im Ausland sehr un⸗ klare Vorstellungen. Es ist bekannt wie insbesondere in denjenigen Ländern, deren Regierungen ihre macht und wirtschaftspolitischen Ziele hinter„absichtlichen Verfehlun— gen“ Deutschlands in der Reparationsfrage zu verstecken suchen, die Legende Verbreitung und Glauben findet, Deutschland habe seit Kriegsende wenig oder so gut wie nichts geleistet. Eine lügnerische und hetzerische Propaganda beutet diese Legende neuerdings in der skrupellosesten Weise aus, und es ist deshalb von Wert, gerade in diesem Augen— blick einmal eine Zusammenstellung zu bringen, die zum erstenmal einen genauen Ueberblick über die tatsächliche Höhe der deutschen Leistungen und Lieferungen jeglicher Art ge— mäß dem Friedensvertrag, seinen Vorverträgen und zusatz⸗ lichen Abkommen für die Zeit vom 11. November 1918 bis 30. September 1922 gewährt. Es sollen dabei in runden Ziffern nur die wesentlichen Leistungen wiedergegeben wer— den. Aber gerade sie geben, aneinandergereiht, eine An— schauung von den riesigen Summen, die der deutschen Volks. wirtschaft für Reparationszwecke entzogen sind. Deulschland hat in dem angegebenen Zeitraum geleistet: Reichs⸗ u. Staatseigentum in den abgetretenen Gebieten leinschl. Oberschlesien) rd.* Goldmilliard. Ni TT! ĩ P ¾mÄ:!Ä ichtmilitärtische Rücklaßgüter(Westfront).„ 1,0 55 Rollendes Eisenbahnmaterial u. Rheinbrücken„ 2,3 4 Seeschifse und Binnenschifffe„ 6,0 1 Kohlen und soks(Weltmarktpreis)„ 2, 5 quidiertes deutsches Eigentum im Ausland. Abgetretene Forderungen des deutschen Reiches an seine ehemaligen Kriegsverblindeten.„ 8,6 Barzahlungen einschl. Ausgleichszahlungen.„ 2,7 Sonstige Leistungen u. Lieferungen jegl. Art.„ 355 3 Deutschlands Gesamtleistungen„ 45,6 Goldmillsard. i Zu diesen Lieferungen und Leistungen kommen in Ausführung des Friedensvertrages noch folgende deutschen Verluste: Abgelieferte Kriegsschiffe(ausschließl. der bei 0 ** Scapa Flow versenkten Schiffe)..„ 1.4 Goldmilliard. Sonstige militärische Abrüstun g„ 6,3— Inbuüstrielle Abrilstun g„% 2,7 f „ 5„ rund 10,9 Goldmilltard. Mit Einschluß dieser Ausgaben ergibt sich als Gesamt— summe der deutschen Leistungen und staatlichen Verluste ein Betrag von 56,5 Milliarden Goldmark(in Papiermark um— gerechnet bei einem Dollarstand von 20 000 gleich 282½ Billion Mark), wobei es noch der Feststellung bedarf, daß in diese Summe der Wert von Elsaß-Lothringen(von ameri— kanischer Seite auf mehr als 20 Milliarden Goldsrancs ge— schätzt) sowie der Wert der Deutschland entrissenen Kolonien nicht eingerechnet ist. Unter Hinzurechnung dieser Werte CE. erhöht sich die Gesamtleistung Deutschlands auf über 100 Milliarden Goldmark. Angesichts dieser ungeheuren Leistungen, wie sie noch kein Volk jemals in der Geschichte aufgebracht hat, haben Frankreich und Belgien den Mut gehabt, infolge des ver⸗ schwindend geringen Rückstandes an Holz und Kohle von „absichtlichen Verfehlungen“ Deutschlands zu reden, wegen dieser angeblichen Verfehlungen den Einbruch ins Ruhr- gebiet zu unternehmen und deutsches Land im Frieden zu besetzen! Ablehnung des französisch⸗schweizer Wirtschastsabkommens. (Tau.) Die Volksabstimmung in der Schweiz, die zur Ab⸗ lehnung des französisch⸗schweizer Wirtschaftsabkommens fiber die Aufhebung der sogenannten Freizone im Grenzverkehr zwischen den beiden Ländern führte, wird in der ganzen Schweiz als ein Sieg der deutschfreundlichen über die französtschen Tendenzen auf⸗ gefaßt. Die Ablehnung erfolgte in den deutschen Kantonen mit einer erdrückenden Stimmenmehrheit und sie gewann selbst in. Genf insolge des Ueberwiegens der Sozialisten eine kleine Ma⸗ jorität. Die Schwelzer Presse und mehrere bekannte Politiker der Schweiz haben offen erklärt, daß für diese Abstimmung nicht nur das genannte Zonenabkommen maßgebend war, daß man im Volke überhaupt gar nicht richtig kennt, sondern die allgemeine Politik Fran J. relanarich, gegen den die Schweizer Bevölkerung auf diese Weise protestieren wollte. Dem praktischen Ersolg nach wird das Ergebnis der Abstimmung, wie die Zeitung Die Schweiz auseinandersetzt, einen für beide Länder bedenklichen vertragslosen Zustand bringen. Warum der Dollar sinkt. Ueber die Stützungsaktion der Reichsbank ergeht sich die bret⸗ teste Oeffentlichkeit in Kombinationen der verschiedensten Art. Auffallend ist, daß immer wieder die von interessierten Kreisen unterstützte Meinung auftaucht, daß die Besserung der Mark nicht von langer Dauer sein wird, weil sie künstlich herbeigeführt wurde. Dazu ist von vornherein zu bemerken, daß auch die sprunghaften Steigerungen des Dollarkurses, nicht nur die Katastrophenhausse am Devisenmarkt der letzten Zeit, sondern auch frühere Stadien der Geldentwertung wesentlich herbeigeführt worden sind durch Ausschreitungen der Spekulation, sodaß sich die Inlandskaufkraft der Mart immer wieder und lange Zeit hindurch bedeutend höher stellte als der Wert des deutschen Geldes am Weltmarkt. Wir haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch wir weiter⸗ gehende Maßnahmen als Garantie für eine aktive Währungs⸗ politik als notwendig erachten. Immerhin ist nicht einzusehen, daß der spekulative Druck auf die Mark nicht für eine Weile, so⸗ gar für erhebliche Zeit durch das aktive Eingreifen der Reichs⸗ bank ausgeschaltet werden könnte, nachdem der frühere Sturz der Mark nach einhelligem Ücteil der Sachverständigen in der Haupt⸗ sache darauf zurückzuführen war, daß es eben an einem derartigen Gegendruck zugunsten der Mark gefehlt hat. Nach zuverlässigen Informationen, die sich keinesweg auf Rückfragen bei dem Reichs⸗ bankdirektorium allein beschränken, glauben wir versichern zu dürfen, daß recht erhebliche Mittel zur Stützung der Mark bereit⸗ stehen, von denen bisher nur ein verhältnismäßig geringer Teil in Anspruch genommen worden ist. Die Reichsbank hat also noch einen langen Atem und gedenkt von ihrer Kraft Gebrauch zu machen. Tut sie das aber— und das ist nach unserer Kenntnis der Dinge mit Bestimmtheit zu erwarten— dann wird mit einer verhältnismäßig stabilen Mark wenigstens während der nächsten Wochen zu rechnen sein. Voraussetzung ist hierfür natürlich, daß nicht innerpolitische Ereignisse die Berechnungen iber den Haufen werfen. Sie zu vermeiden, wird Aufgabe aller derjenigen sein, die jene durch die Ruhrbesetzung heraufbeschworenen Gefahren von der deutschen Arbeiterschaft und vom ganzen deutschen Volke ab⸗ wenden wollen. Die Gerüchte von einer beabsichtigten Demission des Reichsbankdirektoriums sind unzutreffend. Völlig aus der Luft gegriffen sind auch die Mitteilungen der Roten Fahne, die von einem geheimen Abkommen zwischen der deutschen Reichsbank und der amerikanischen Harrimangruppe wissen will, das zugleich eine Stützung der Mark und eine Sabotage des französischen Franken vorsieht und dessen Wirksamkeit auf zwei Monate be⸗ fristet sein soll. Mit derartigen Mitteilungen leistet man der Haussespekulation in Devisen, also den Hyänen des deutschen Hungers, milllommenen Vorschub. Reichsregierung und Reichsbauk müssen sich iber auch darüber klar sein, daß die Stütungsaktion nur ihrem Zweck entspricht, wenn mit ihr gleichzeitig scharfe Maßnahmen gegen die Devisenspekula⸗ tion verbunden werden, wenn endlich dem Wucher scharf Einhalt geboten wird. Was hilft dem Volk eine Stützungsaktion, die unsere Mort kräftigt, sich aber auf dem Lebensmittelmarkt bis jetzt nicht im geringsten ausgewirkt hat? Unter diesen Umständen müssen wir eine entschiedene Förderung der Stützurgsaktion zu⸗ nächst durch die Aufbringung wertbeständiger Anteihen, gleichzeitig aber durch energische Maßnahmen gegen das verbrecherische Wuchertum verlangen. Gelesene Nummern der Oberhessischen Volkszeitung werden nicht fortgeworfen, sondern an Freunde, Bekannte und Nachbarn behufs Gewinnung neuer Abonnenten weiter gegeben. D r Der Deserteur. 1 Roman von Robert Buchanan. Goron trat aus der Menge hervor. Seine Mutter, die bis an die Lippen erbleichte und sich kaum mehr aufrecht er— halten konnte, mußte man mit Gewalt zurückhalten, damit sie sich nicht vordränge. Die Hand des jungen Men— schen zitterte sichtlich, als er sie in die Urne versenkte. In seiner Aufregung reichte er dem Sergeant den Zettel, ohne ihn zu öffnen. „Lesen Sie ihn zuerst selbst,“ mahnte der Sergeant. Der junge Mensch tat es wie in Traume. „Jannick Goron— 200!“ tönte es durch den Saal. Freudentränen schimmerten in seinen Augen, als er auf seine Mutter zuschritt, die bei Verlesung der hohen Nummer vor Glück in Ohnmacht gefallen war. Jedermann gönnte Mutter und Sohn die Freude. „Mikel Grallon!“ Zitternd, die Mütze in der Hand, trat er an die Urne. Die helle Angst blickte ihm aus den kleinen Fuchsaugen, zögernd stand er da. „Spute Dich, mein Sohn, es sind noch andere da.“ mahnte der Sergeant. Grallon griff mit geschlossenen Augen hinein, blickte hastig auf den Zettel, wobei seine Augen freudig aufblitzten. „Mikel Grallon— 99!“ Mit hastigen Schritten näherte er sich Marcelle, als ob er in seiner Freude ein gutes Wort von ihr erwartete; aber sie sah ihn gar nicht an, ihre Blicke waren starr auf die Urne geheftet, ihre Lippen bewegten sich wie im Gebet... „Rohan Gwenfern!“ ertönte es. 3 Totenstille. Der Korporal blickte auf seine Nichte, diese auf ihn. „Rohan Gwenfern!“ las der Sergeant zum zweitenmal. „Ja, wo steckt denn der Angerufene?“ fragte der Bür⸗ germeister stirnrunzelnd. „Mein Neffe konnte nicht selbst erscheinen, M'sieu, er ist unwohl,“ stotterte der Korporal.„Wenn Sie es gestatten, werde ich oder meine Nichte für ihn ziehen.“ „Was sagst Du dozu, Kleine? Bist wohl sein Liebchen?“ bemerkte der Bürgermeister. „Ich bin seine Cousine“, entgegnete Marcelle einfach. „Weißt Du denn nicht, daß im Französischen Cousine sehr oft auch Liebchen bedeutet? Es sei! Ziehe statt seiner und bringe ihm Glück!“ Alle Bekannten blickten gerannt auf Marcelle, während sie mit schnellem Griff den Zettel zog. „Mut, Kleine!“ ermahnte sie der Offizier,„sieh Dir doch die Nummer an!“ Sie reichte das zusammengerollte Zettelchen ihrem Oheim; dieser entfaltete es und während starrte, stieß er einen Fluch aus. „Lesen Sie, Korporal!“ befahl der Offizier. war bis an die Lippe erblaßt. „Das ist nicht zum Glauben!“ rief Onkel Ewen: das Blättchen in seiner Hand zitterte merklich, als er es dem Sergeanten überreichte. „Rohan Gwenfern— Eins!“ hinein. Marcelle schwankte und mußte sich an Korporals klammern, um nicht umzusinken. „Eins! Und ich hab's gezogen.“ stöhnte sie. stumm er es an⸗ Marcelle schrie dieser in den Saal den Arm des Innerpolitisches. „Die Errichtung eiuer hessischen Landesbank. Dem Landtag ist der Entwurf eines Gesetzes zur E richtung einer Bankanstalt öffentlichen Rechtes, einer hess schen Landesbank, zugegangen.. In der Begründung der Regierungsvorlage wird u. olgendes ausgeführt: 5 g 927 rde baff und Kredstvermittlung für Staat. Ge. meinden, Kreise Provinzen usw. ist genen Ende de. Jahres ws immer schwieriger geworden. Soweit nicht die den ade Vorschasse und Darlehen zur Verfügung stellte, haben die Offen- lich-rechthchen Kreditanstalten des Landes bisher gerade noch aus⸗ gereicht die erforderlichen Mittel kurzfeist zu beschaffen nachdem im Gegensaß zu friiber bei den Privtbanken kaum noch nennens⸗ werte Beträge flüssig gemacht werden konnten. Infolge der ein schränkenden Bestimmungen des Reichshypothekenbankgesetzes ist die hessische Landeshupothekenbank, zumal in dem Heranholen frember Gelder sehr eingeengt. Die hessische Girozentrale und die erst im Jahre 1922 ins Leben gerufene Kommunale Landesba 2 haben in der Beschaffung kurzfristsger Gelder für den Staat getan. was in ihren Kräften stand die Rücksicht auf ihre fonstigen Auf gaben läßt es zweifelpaft erscheinen, ob sie auf die Dauer den Staate für seine unbedinat erforderlichen und infolge der Geld⸗ entwertung stark steigenden Ausgaben die notwendigen Mittel be⸗ schaffen können, besonders wenn ihnen, wie das durch die Haupt⸗ verwaltung der Reichsdarlehenskassen. die Beschaffung 2 notwendiger flüssiger Mittel durch Lombardserung der vom Staate übernommenen Schatzanweisfungen eingeengt und erschwert wird. So sieht sich zunächst der Staat für seinen Kredit- und Geldbedarf vor die Notwendigkeit gestellt, durch Errichtung einer für seine Zwecke zur Verfügung stehenden Bankanstalt oder durch Beteiligung an einer solchen Vorsorge zu treffen, daß ihm der Weg zum Geldmarkt in den den Staatsbedürf⸗ nissen entsprechenden Ausmaßen offen bleibt. N 1 Eine Bankanstalt, die für den Staat f die Kreditbe⸗ schaffung und Kreditvermittlung mit Aus sicht auf aus- reichenden Erfolg übernehmen kann. muß mit möglichst großen und sicheren Kreditunterlagen ausgebaut sein und f zugleich in ihrer wirtschaftlichen Geschäftsgebarung mög ⸗ lichste Bewegungsfreiheit haben.. 8 5 Um die Bankanstalt möglichst frei und unabhängig zu stellen, soll sie nicht als reines Staatsunternehmen ge gründet und betrieben werden, sie soll vielmehr die Eigen⸗ schaft einer juristischen Person des öffentlichen Rechts er⸗ halten, also die Stellung eines selbständigen Rechtssubjekts mit eigenem Vermögen. Wenn dann zu diesem ausreichend zu bemessenden eigenen Vermögen der Bank eine Haftung des Staates mit wertbeständigen Staatsvermögen hinzu⸗ tritt, ist für die Bank eine große und gute Kreditunterlage und für ihre Gläubiger eine kaum zu übertreffende Sicher- heit gewährleistet. b a Dex sesische Stagt ist iu der Lage die Bank m er solchen ausroichenden Krebstunterlage auszustatten. Er kann ihr 2 Grundvermögen aus feinen Holzeinnahmen im Mirtschaftssahr (1. Oktober 1922 bis 30 September 1929) den Erlös von 20 00% Festmetern Nutzholz im Werte von rund 1000 Millionen Mark zur Verfügung stellen. Er kann weiterhin eine si auf Sachwerte gegründete Haftung Übernehmen indem er neben der Bank als Gesamtschuldner für alle Verbindlichkeiten der Bank haftet big zur Höhe eines Betrags der dem Werte von 100 000 Festmetern Holz, und zwar 50 000 Festmeter Nutz⸗ und ebensoviel Brennholz entspricht. Aus den rund 72000 Hektar Staatswaldbesitz hat den Staat einen Jahresholzertraa von 400 000 Festmeter Holz nach. haltig und sicher zu erwarten. Der Erlös aus einem Viertel dieses sicheren Kolzertrags kann unbedingt als Rückhalt für die Verbindlichkesten der Bank bereitgestellt werden. Der Wert einer solchen Haftung sst auch aus dem Grunde besonders anzuschlagen, G. über diesen Teil der Erteägnisse des Staatsvermögens immer rfligt werden kann und weil er ohne weiteres bei fortschreitenden Geldentwertung in soinem Werte steigt. 7 Die Gemeinden, Kreise, Provinzen usw. sind hinsichtlich ihrer Geldbeschaffung in einer ähnlich schwierigen Lage wie der Staat. Der Staat hat ihnen seither durch Uebernahme von Wechselverbindlichkeiten Kredite beschafft und vermittelt. Die ncu zu schaffende Bank wäre daher auch dem Kommunal- kredit nutzbar zu machen. Etwa 35 Städte und Gemeinden hatten sich für ihre Kreditzwecke die Kommunale Landesbank geschaffen, die meisten dieser Städte und Gemeinden haben kürzlich zugestimmt, die Solidürhaft für die Verbindlich ⸗ keiten der Kommunalen Landesbank zu übernehmen. Unter der Voraussetzung, daß diese Gemeinden auch bereit sindd an der Beschaffung des Grundvermögens und an der Hastung für die neue Bank sich entsprechend zu beteiligen, könnte ohne Schwierigkeit die seitherige Kommunale Landesbank mit der neuen Bank unter der dargelegten Beteiligung des Staates verschmolzen werden. 5 In ähnlicher Weise wäre die Möglichkeit gegeben für eine Beteiligung der hessischen öffentlichen Sparkassen an der Bank. Die hessische Girozentrale Darmstadt besteht zur Zeit als Filiale der badischen Girozentrale in Mannheim; die einzelnen hessischen Sparkassen sind bisher nicht die alleinigen Träger der hessischen Girozentrale. Eine. Be⸗ 1 teiligung der Sparkassen wird nur zu erwarten sein, wenn die neue Bank auch die Tätigkeit der Girozentrale über⸗ a nimmt. Dies setzt eine Einigung mit der hessischen Giro zentrale voraus. 8 8 Der Gesetzentwurf wird am nächsten Dienstag den Finanzausschuß des Landtags beschäftigen und demnächst bereits im Plenum zur Verabschiedung gelangen. Deutschnationale Kindterei. Die Abgeordneten Werner und Kindt haben im Landtag folgenden Antrag gegen den n 1 der französischen Sprache eingebracht: r Landtaa beschließt das Lan li een 1 ieß a desamt für das Bildungs⸗ 1 27 Fan ir au 8 und* die Vorzugsstellung des Französischen an den höheren Lehr⸗ auftanlten zugunsten des Englischen auszuheben, 1 1 N 2. Auen en aber 11 Stundenzahl des Französischen 11 Stufen zum ten von Deutschkunde Geschichte un staats bürgerlichen Unterricht zu beschtänken.. 9 Darmstadt am 14. Februar 1922. 8 Dr. Werner. Rud. Kindt. 25 Also„Gott strafe England“ gilt nicht teh! Ist das 1 noch echt und wahrhaft deutschnational? Die Werner und Kindt werden in schwere Konflikte mit ihren noch echteren Gesinnungskumpanen geraten. Wir raten ihnen, schleunigst ihren Beschluß zu ändern und an Stelle des Englisch da Dortletzung folgt.) Botokudisch oder die Kaffernsprache 1. zu nehmen und Herr Kindt als Oberschulinspeklor einzusetzen. 5. n „ 8— — abzuhalten. Vom Deutschen Textilarbeiterverband wird uns folgendes vertrauliche Rundschreiben übermittelt: Der deutsche Arbeitgeberverband für Industrie, Gewerbe, Hand⸗ werk, Land⸗ und Forstwirtschaft, Handel und Verkehr. Vertraulich. Berlin, den 21. Januar 1923. An die Herren Geschäftsführer der örtlichen Arbeitgeberverbände Schlesiens. Der Reichswirtschaftsrat beschloß die Ueberweisung des Ar⸗ beitszeitgesetzes an den Sozialpolittschen Aussckuß, damit dort eine Einigung erzielt wird. Wo Vertreter christlicher Gewerkschaf⸗ ten Reichswirtschaftsratsmitglieder sind, sind diese örtlicherseits nach den von uns angegebenen Richtlinien zu beeinflussen, damit diese nicht mit den freien Gewerkschaften bonform gehen. 8 Das von uns Ihnen zugesandte Material kontra Achtstunden⸗ tag muß möglichst mit nächster Post uns zugesandt werden. Die von uns Ihnen im Rundschreiben Nr. 16/23 angegebenen Richtlinien gegen die freien Gewerkschaften werden immer noch nicht genügend beachtet. Auf alle Fälle müssen die Gegensätze zwischen Gelernten und Ungelernten durch die Lohnpolitik, die auch vor den Schlichtungsausschüssen mit Nach⸗ druck zu vertreten ist, gespannter werden. Wir wetisen nochmals darauf hin, daß Delatoren(Angeber) aus den Reihen zuverlässiger Arbeiter und Angestellter, die uns gut gesinnt sind, erzogen wer⸗ den müssen. Durch Geschenke und Nebengratifikationen werden sie unbewußt deprimiert und die uns genehme Aufklärung bei den Belegschaften leisten. Nach den bei uns eingegangenen Berichten können durch Propaganda gegen Zahlung zu hoher Beiträge bei den roten Gewerkschaften die besten Erfolge erzielt werden. Zur⸗ zeit sind die freien Verbände noch im Besitz nicht unbedeutender Kampffonds, die ihnen gestatten, örtliche Kämpfe längere Zeit durchzuführen. Eine Schwächung der gewerkschaftlichen Finanzen könnte uns nur die Möglichkeit geben, die Arbeiterschaft nach der früheren Art zu entlohnen. Wo die Konfunktur nicht besonders abet ist und finanzielle Verluste durch Schutzverbände gedeckt werden, 5 müssen Streiks ausgedehnt werden, was die Kassen der Gewerkschaften bedeutend schwächen würde, was gleichbedeutend mit einer Lahmlegung der andauernden Lohn⸗ bewegungen zu betrachten ist. Denn nur stark fundierte rote Ver⸗ bände können uns gefährlich werden. Deshalb muß versucht werden, diese zu zersplittern und deren Mitglieder durch Delatoren von jeder erhöhten Beitragsleistung Wo mehrere Gewerkschaften in einem Betriebe vorhanden ind, müssen die finanziell am gesündesten bekämpft werden, denn döejenigen, die nur geringe Beiträge leisten, können uns nie un⸗ bequem werden, und sollen auch diese der Arbeiterschaft durch dritte Personen empfohlen werden. Wo irgend vom Arbeitgeber Einfluß ausgeübt werden kann, müssen sich die Betriebsräte aus den kranken, einschließlich christ⸗ lichen und Hirsch⸗Dunckerschen Organisationen rekrutieren. Durch geschickte Operation lassen sich aber auch die Vorstandsmitglieder der freien Gewerkschaften beeinflussen, so daß diese selbst gegen jede Erhöhung der Beiträge sind. Dies agitiert an einzelnen Orten vortrefflich, ohne daß sich die Mehrzahl der Arbeiter deren Folgen bewußt ist. Soweit das Rundschreiben, das eines Kommentars nicht be⸗ barf, Spitzel und Lockspitzel sollen gezüchtet, finanziell„kranke“ Organisationen gefördert, eine demagogische Propaganda soll gegen hohe Beiträge entfaltet, Streiks sollen ausgedehnt werden, ganz nach kommunsstischem Rezept. Diese Seelenverwandtschaft wird keinen aufgeklärten Arbeiter überraschen. Das ist die innere Umstellung“ der Unternehmer, die es uns sicher danken werden, wenn wir ihr Rundschreiben der Oeffentlichkeit zugänglich Das ist aber auch die„Einheitsfront“, wie sie der Arbeit⸗ ee zur Abwehr des Einbruchs in das Ruhrgebiet dert. Ein Unternehmergeständnis zur Lohnhöhe. Der Zimmerer gibt in Nr. 3 vom 20. Januar ein Rundschreiben wieder, das der Nordwestdeutsche Arbeitgeberverband für das Baur⸗ gewerbe(Sitz Hannover) kürzlich seinen Mitgliedern„streng ver⸗ traulich“ zugesandt hat. Darin heißt es: Wir haben schon seit längerer Zeit auf Grund der auch von uns aufgestellten Ermittelungen den Standpunkt vertreten müssen, wenn wir ihn auch selbstverständlich den Arbeitern gegenüber nie zum Ausdruck gebracht haben, daß sich die dauernde immense Ver⸗ teuerung aller Bedarfsartikel— nicht nur der Lebensmittel— auf Stadt und Land in gleicher Weise auswirkt und wird durch die Reichsstatistik unsere Auffassung allerdings für die kleineren Gemeinden in für sie noch weit ungünstigerer Form bestätigt. Wir bitten namentlich unsere ländlichen Vereine, die uns stets den Vorwurf machen, daß ihre Interessen bei den Lohnfestsetzungen nicht in genügender Weise gewahrt werden, diese statistische Zu⸗ sammenstellung auch auf ihr Gebiet sinngemäß in Anwendung be⸗ ziehungsweise in ihren Mitgliederversammlungen zur Kenntnis zu bringen, damit auch die Mitglieder zu der Ueberzeugung ge⸗ langen, daß gegen derart amtlich machgewiesene Tatsachen noch mehr anzukämpfen, als es stets bisher geschehen ist, auch für uns eine Unmöglichkeit darstellt. Im Zufammenhang hiermit möchten wir noch darauf hin⸗ weisen, daß die Inderzahl für das ganze Reich im Monat November gegen Oktober um 102,2 Prozent gestiegen ist. Unsere Lohnfest⸗ setzungen für den Monat Dezember haben diese prozentuale Steige⸗ rung nicht annähernd erreicht. Falls die Indexziffer voll ausge⸗ glichen wäre, hätte eine Verdoppelung der Löhne erfolgen müssen. Diese Mitteilung bitten wir, im eigensten Interesse streng ver⸗ traulich zu behandeln.“ Dieses Eingeständnis von der völligen Unzulänglichkeit der Löhne wird man den Unternehmern„streng vertraulich“ noch oft unter die Nase reiben. Moskau oder Amsterdam. Das folgende Schreiben, das der Internationale Gewerkschafts⸗ bund soeben veröffentlicht, liefert zu diesem Thema einen neuen be⸗ merkenswerten Beitrag: Nr. 70(J. G. B.) Amsterdam, den 30. Januar 1923. Herrn A. Losowsky, ö Sekretär der sogenannten Roten Gewerkschaftsinternationale Moskau. Werter Genosse! Ich erhielt Ihr an die Sozialistische Internationale und an den Internationalen Gewerlschaftsbund adressiertes Telegramm vom 13. Jamar, in dem Sie den Vorschlag machen, unverzüglich Ver⸗ handlungen über gemeinsame Aktionen zur Abwehr eines neuen Krieges einzuleiten; desgleichen Ihr an das Bureau des Inter⸗ nationalen Gewerkschaftsbundes und den Vorstand der Zweiten Inter⸗ nationale gerichtetes Schreiben vom 15. Januar, in dem Sie eine 1. 5 Aktion gegenüber dem immer gewalttätiger auftretenden Jascismus vorschlagen. So wülns fördert, von Ihrer Organisation dagegen hervorgerufen und unaus⸗ gesetzt geschürt wurde, schließlich nur der Bourgeviste zustatten kommt, ist ein Faktum, das von niemandem mehr bedauert wird als von mir. Die Verantwortung hierfür fällt jedoch auf Sie und die Ihren zurück. Sollten Sie es aus propagandistüschen Gründen für notwendig und erwünscht erachten, weitere Angebote zu gemeinschaftlichen Aktionen an den Internationalen Gewerkschaftsbund zu richten, so steht Ihnen dies natürlich frei. Sie werden mir nur gestatten, diese Ersuchen und Angete, solange sie nicht ehrlich und ernst gemeint sind, in Zukunft unbeantwortet zu lassen und von meiner Zeit an⸗ deren und mutzbringenderen Gebrauch zu machen, um die Einheit des Proletariats flir den gemeinsamen Kampf gegen den Kopitalfsmus und Imperialismus vorzubereiten und zu realisteren. 0 Mit internationalem Gruß! Für das Bureau des Internationalen Gewerbschaftsbundes: Fimmen, Sekretär. .— ,. ZK. ̃ ⁵˙². 2.28 Gewerkschaftskartell Gießen. Die Betriebsräteversammlung am 11. Februar beschloß, die Arbeitsgenossen im Ruhrgebiet mit allen Mitteln zu unterstützen. Sie lehnt jedoch ab, diese Unterstützungsaktion gemeinsam mit den Unternehmern durchzuführen. Die ge— sammelten Gelder sollen unter der Verwaltung der Arbeiter- schaft bleiben. Die Gelder sind an das Gewerkschaftskartell Gießen abzuführen, wo sie unter der Kontrolle der Arbeiter Oberhessens stehen. Die Gelder können auch auf das Post⸗ scheckkonto Nr. 64 422 Frankfurt a. M., Otto Ottilie, Gießen, Schanzenstraße 18, eingezahlt werden. Bisher wurden abgeführt: Bereits quittiert: 1223 844% Von den Arbeitern der städt. Betriebe Gießen 91220% Von Gießener Schreinergesellen 5 290 ,. Von den Arbeitern der Firma Sack u. Juchard 10 440 Von Holzarbeitern der Möbelfabrik Wilmenroth 5 400 Von Metallarbeitern Lollar(zweite Rate) 405 670%% Schreiner der Firma Haubach, Gießen 1500 ½¼ Von Fabrikarbeiter der Firma Scheidhauer u. Gießing, Mainzlar 323 000 Arbeiter des Sägewerks Himmelsbach, Nidda 134 700% Arbeiter der Möbelfabrik Ringelshausen, Nidda 37 700% Metallarbeiter der Firma Scheidhauer u. Gießing, Mainzlar Arbeiter des Sägewerks Hungen 26 250 8% 21 340 Summa: 2 286 354% Den Gebern besten Dank. Gewerkschaftskartell Gießen und Umgegend. Zz. dßpppß, èðV1v'̃?! „Eine tendenziöse Falschmeldung“. Unter dieser Stichmarke verbreitete die Telunion folgende Mit⸗ teilung der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände: „Durch die linksstehende Presse geht eine vom Vorwärts siber⸗ nommene Mitteilung über ein„Unternehmerzirkular“, welches der Deutsche Arbeitgeberverband für Industrie, Gewerbe, Handwerk, Land⸗ und Forstwirtschaft, Handel und Verkehr in Berlin vertraulich ant 21. Jammar 1923 herausgegeben habe und welches an die Ge⸗ schäftssührer der örtlichen Arbeitgeberverbände Schlesiens gerichtet sein soll.— Einen deutschen Arbeitgeberverband des oben angeführten Namens gibt es nicht. Der Inhalt des angeblich versandten Rund⸗ schreibens entspricht nicht den in der Vereinigung der deutschen Ar⸗ beitgeberverbände herrschenden Ansichten. Da die Veröffentlichung ganz augenscheinlich dazu dienen soll, Unruhe und Mißtrauen zu er⸗ regen in einer Zeit, in welcher die Ueberbrückung vorhandener Mei⸗ mungsverschiedenheiten mehr denn je erforderlich ist, legen wir Wert auf obige Feststellung.“ Bei dieser Gelegenheit sei zunächst erwähnt, daß bei Veröffent⸗ lichung des vom Deutschen Textilarbeiterverband übermittelten Rund- schreibens in Nr. 69 des Vorwärts(Die„innere Umstellung“ der Unternehmer) versehentlich der Schluß fortgefallen war. Er hatte folgenden Wortlaut: „Diese Taktik bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Anwendung zu bringen, ist Pflicht jedes einzelnen Arbeitgebers. Wir bitten, uns monatlich über die damit erzielten Erfolge sowie über jede Verände— rung in den Arbeftergewerkschaften zu berichten. Auch das Material über den Achtstundentag muß weiter gesammelt werden, damjt uns dieses reichlich zur Verfügung steht. Die von der Generalversammlung in München beschlossenen Beiträge, 900 Mark pro Vierteljahr und Arbeiter, sind im voraus, spätestens bis 30. Januar, an Dr. Brünner, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 4, zu senden. gez.: Dr. v. Karger.“ Was den Titel des Arbeitgeberverbandes betrifft, der in dem Rundschreiben angegeben ist, scheint es sich um einen Fehler in der Abschrift zu handeln. Die Deutsche Arbeitgeberzeitung führt in ihrem Kopfe die gleichen Bezeichnungen auf, die in dem Titel des Rund⸗ schreibens angegeben sind. Dr. v. Karger, Verlin W. 50, Nlirn⸗ berger Straße 7, zeichnet verantwortlich für die Beilage der Deut⸗ schen Arbeitgeber-Zeitung. Blätter für Arbeitsrecht, während Dr. Brönner, Berlin W. 9, Potsdamer Str. 4, für die Beilage Steuer⸗ blatt zeichnet. Bis zur vollständigen Ausklä rung der Angelegenheit müssen wir uns mit diesen Feststellungen begnsigen. Ein wichtiges Urteil. Eim Arbeiter war am 21. Dezember 1922 fristlos entlassen wor⸗ den. Er erhob gegen die Entlassung Eimspruch. Im Schlichtungsver⸗ fahren beantragte der Arbeitgeber die Aussetzung der Verhandlung zur Herbeiführung einer Entschsidung des Gewerbegerichts, ob ein Grund zur fristlosen Entlassung gegeben sei oder nicht. Es fanden mehrere Termine statt, sodaß der Arbeiter selbst bei Verurteilung des Arbeitgebers durch die inzwischen eingetretene Geldentwertung einen erheblichen Nachteil gehabt hätte. Denn das Urteil erging erst am 24 Januar. Aus diesem Grunde wurde beantragt, den Arbeit⸗ egung . 7 5 geber zu verurteilen, außer dem am Entlassungstage fälligen Lohn noch den Differenzbetrag zwischen den damalig geltenden und den jetzt geltenden Tarifsätzen zu zahlen. Diesem Antrag wurde vom Frankfurter Gewerbegericht durch Urteil vom 31. Januar 1923 unter dem Vorsitz von Magistratsrat Dr. Seeger mit folgender Begrün⸗ dung entsprochen: „Nachdem durch Urteil vom 24. Januar 1923 über die fristlose Eutlassung entschieden ist, war nunmehr noch über den Klageanspruch auf Ersatz des Geldentwertungsschadens, zu entscheiden. Was zu⸗ nächst den Grund dieses Schiedsspruches anlangt, so stützt er sich auf§ 288 Absatz 2 B. G. B., der bestimmt, daß infolge des Verzugs neben Verz insen die Geltendmachung eines weiteren Schadens nicht ausgeschlossen ist. Der Arbeitnehmer, der den ihm zustehenden Lohn am Fälligkeitstage durch Verschulden des Arbeitgebers nicht erhält oder, wie im vorliegenden Falle, bei ungerechtfertigter frist⸗ loser Entlassung erst später in den Besitz seines Lohnes für die Kündigungszeit gelangt, erleidet zweifellos infolge der stetig fort⸗ schreitenden Markentwertung durch die verspätete Auszahlung einen Schaden, da die Kaufkraft des ausgezahlten Betrages, auf den der Arbeitnehmer zu seinem und seiner Familie Unterhalt allein ange⸗ wiesen ist, sich inzwischen vermindert hat. Wie sehr jeder Arbeit⸗ nehmer auf die rechtzeitige Auszahlung seines Lohnes oder Gehalts am Fälligkeitstage zur Bestreitung seiner Lebenshaltung angewiesen ist, beewist schon die Tatsache, daß gerade infolge der stets wachsen⸗ den Teuerung die tariflichen Lohn⸗ und Gehaltsregelungen zur Zeit in ganz kurzen Zeitspannen, meistens von Monat zu Monat, vorge⸗ nommen werden müssen, da der zuletzt festgesetzte Lohn oder Gehalt meistens schon nach ganz kurzer Zeit in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten der wirtschaftlichen Bedarfsgegenstände steht. Dieser -wirtschaftliche Grundlohn führt dazu, daß gerade bei Lohn⸗ und Ge⸗ haltsansprüchen ein Anspruch auf Ersatz des Geldentwertungsschadens anerkannt werden muß. Was sodann den Nachweis dieses weitergehenden Schadens im Sinne des§ 288 Absatz 2 B. G. B. anlangt, so muß zwar verlangt werden, daß der Arbeitnehmer Tatsachen behauptet, aus denen sich ergibt, daß durch die inzwischen eingetretene Geldentwertung der geltend gemachte Schaden entstanden ist. Zur Substantierung dieser Behauptung genügt es nach Ansicht des Gerichts, wenn der Arbeit⸗ nehmer auf die rasch fortschreitende Markentwertung und die da⸗ durch verursachte allgemeine Verteuerung aller Lebensverhältnisse hinweist und behauptet, daß er mit dem verspätet ausgezahlten Lohn oder Gehalt nicht mehr in der Lage ist, sich die gleichen notwendigen wirtschaftlichen Bedarfsgegenstände zu verschaffen, wie im Zeit⸗ punkt der Fälligkeit der Lohnforderung. Das Gericht ist dann gemäß § 287 Z. P. O. in der Lage, unter Würdigung aller Umstände nach freier Ueberzeugung zu entscheiden, ob der Schaden entstanden ift und wie hoch sich der Schaden beläuft. Unstreitig hat der Kläger den ihm am 28. Dezember 1922 zustehenden Lohn Ende Januar 1923 noch nicht erhalten und es bedarf keines weiteren Nachweises, daß er bei der endgliltigen Bezahlung des Betrages infolge der Mark⸗ entwertung und der Verteuerung aller Lebensverhältnisse einen Schaden erleidet. Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch das Ober⸗ landesgericht Karlsruhe in seiner Entscheidung vom 18. Oktober 1922 in dem es anführt daß bei einer reinen Geldforderung aus einem kaufmännischen Berieb der Gläubigerin wegen verspäteter Zahlung ein Schaden in noch zu bestimmender Höhe entstand, weil kein kauf⸗ männisches Unternehmen bei der seit langem klar zutage liegenden, steten Verschlechterung des Markkurses deutscher Geldbestände längere Zeit unverwendet läßt.. Was die Höhe des Geldentwertungsschadens betrifft, so be⸗ ziffert der Kläger diesen Schaden auf die Differenz zwischen dem in Frage kommenden Tariflohn zur Zeit der Fälligkeit der Forderung (400 Mark pro Stunde) und dem Tage der Urteilsfällung(600 Mk. pro Stunde). Das Gericht hat keine Bedenken, sich dieser Berech⸗ nungsweise in vorliegendem Falle anzuschließen, da diese Differenz als Maßstab der Geldentwertung angenommen werden kann. Hiernach rechtfertigt sich die getroffene Entscheidung.“ Es ist dies wohl das erste Urteil im Gebiet des Arbeitsrechtes, welches die Geldentwertung berücksichtigt, und zwar ohne einen näher bestimmten Nachweis des Schadens zu verlangen(ogl. Aufsatz„Lohn⸗ forderung und Geldentwertung“ in Nr. 25 der Volksstimme vom 30. Januar 1923). Dr. A. Lorch. Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe. Das Zentralschlichtungsamt der deutschen Buchdrucker hat folgenden Schiedssyruch gefällt: „1. Für die Zeit vom 19. Februar bis 3. März beträgt der tarifliche Lohn in der Spitze 57 090 Mark. 2. Bis zum 20. Februar ist eine einmalige Wirtschaftsbeihilse in Höhe von einem Sechstel des Tariflohnes der laufenden Woche zu zahlen. 5 3. Es wird empfohlen auf dem Wege der Vereinbarung für das besetzte Gebiet eine Sonderzulage zu bewilligen.“ Tarifabschluß im Schneidergewerbe. ünchen zwischen den zuständigen Organisationen im Schneidergewerbe das am 17. Februar endende Mannheimer Abkommen vom 29. Januar revidierl. Die dritte Lohnstaffel wurde um 20 Proz. erhöht und darüber hinaus ein ab 18. Februar auf zwei Lohnwochen geltendes Lohnabkommen er⸗ zielt. Tie Lohnerhöhungen betragen in den einzelnen Städte⸗ gruppen 85 bis 110 Proz. Die Spitzeulöhne für Herrenmaß⸗ Ischneiderei wurden wie folgt festzese g“ Städtegruppe 1: 4435 Mk., 2: 1320 Mk., 3 a: 1240 Mk., 35: 7100 Mk. Au: 1120 Mk. 4 b; We., 5 a: 1000 Mk., 5 b: 25 Mi, 6 a 85 Mk., 6 5: 885. 7 a: 820 Mk., 7b: 760 Mk. Für die Damenschneider sind die Löhne in den Gruppen um 5 Proz. höher. W̃ Arbeits- kräfte erhalten rund 70 Proz. der Löhne. Lohnabkommen gilt für 240 Städte mit 50 000 Herren- und Daenenschneidern. Der in Abständen von zwei zu zwei Wechen erfolgenden Lohn regulierung liegt ein Teuerungsinderx zu ide, der sich auf Am 14. Februar wurde in M die in 195 Städten gemeinsam von den Arbeitgeber- und Arbeit⸗ nehmerverbänden laufend notierten Preise aufbaut. Aus diesen Notierungen wurde am 8. Februar gegenüber der voraufge⸗ gangenen Periode eine Steigerung von 81 bis 108 Proz. errechnet. Die höchste Steigerung von 108 Proß, ist in der Gruppe 3a ein⸗ getreten. GG Gοοeοοοαο,ee0ese Zeder Gewerkschakta⸗Angehärige muß es als selbstverständliche Pflicht ansehen, für die weitere Ausbreitung und Stärkung der politischen Ver- tretung der Arbeiterklasse, der Sozialdemokrati⸗ schen Partei, nach besten Kräften tätig zu sein. Das geschieht am besten durch Weiterverbreitung der Parteipresse. Die Oberhessische Volkszeitung ist jederzeit für die Interessen der arbeitenden und minderbemittelten Be- völkerung eingetreten. Darum lest die Oberh. Volksztg. und werbt stets neue Leser für sie in Kollegen- und Bekannten⸗ kreisen. 0600060600606 Neustadt Nr. 1 Hotels, Restaurants, Cafés Hotel Schütz, ali fn 1 Haus. ersten Ranges Telephon 104— Bahnhofstrasse 52 Carl Frensdorf, Gießen) R Herren-Bekleidung 2 Wc Bahnhof- strasse 2 Billige Preise! LUD WIC STERN Gießen Grösste Auswahl in Kleider- Stoffen, 1 7 Stoffen, sowie in Manufakturwaren Bahnhof- strasse 2 allen Reelle Bedienung! 0 Bahnhols-Hlotel Lenz Neu renoviert! Zentralheizung Am Bahnhof Telephon 151 2 — E bösler, Nreuzplatz Kleiderstoffe, Seidenstoffe Damen- und Kinder- Konfektion 2 Hotel Prinz Karl, 5rttersntg 40 Hotel K 0 b 75 1 Liebigstrasse 9— Telephon 1481 Bürgerliches Haus, 3 Minuten vom Bahnhof— Elektrisches Lieht— Zentrallleizung— Aepfelwein eigner Kelterei. Karl Kobel. isenbahn- Hotel Inhaber: A. HOPFPELD Friedrichstrasse 4— Fernsprecher 138 B. Elsnffen- HNaufhaus Ligssęn Th. Brück, Möbelfabrik Inh.: Th. Weinert G I ESS EN Brandplatz, aer Scher- 5 alten Schloss. 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Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volksstaates Hessen weist für den Monat nuar 1923 elne Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden 1 00 175 Tonnen. verkauft wurden davon 20 878 Tonnen: größte Tell der Rohkoble wurde weiter verarbeitet oder war Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 3600 dem wurden in Hessen erzeugt 1033 Tonnen Steinpreßkohlen. Untere Berücksichtigung der aus dem Vormonat übernommenen Bestände, sowse des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzsähla: 13 333 Tonnen Rohkohlen, 895 Tonnen Naßpreßsteine zusammen 14228 Tonnen Braunkohlen und Braun kohlenprodukte im Gesamtwerte von 340 193 190 Mark. 8 Gieszen und Umgebung. um Deine Sache handelt es sich! Die Kommunisten arbeiten wieder mit Hochdruck, um Zwiespalt und Verwirrung in zie Gewerkschaften hinein. zutragen. Eine willkommene Gelegenheit dazu bietet ihnen der Beschluß der Reichsarbeitsgemeinschaft, die Arbeiter- schaft aufzufordern, für ihre im Abwehrkampf gegen den französischen Militarismus und Imperfalismus stehenden Arbeitsbrüder im Ruhrgebiet einen Stundenlohn zu opfern. Man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob es von den gewerkschaftlichen Spitzenverbänden richtig war, mit den Unternehmern gemeinsam die Sammlung für die Ruhr- hilfe zu organisieren. Auch wäre es noch zu verstehen, wenn einzelne Gewerkschaften diese gemeinsame Sammlung ablehnten und selbst die Sammlung in die Hand nehmen. Soweit aber darf es nicht kommen, daß die Arbeiterschaft sicch von den Kommunisten vorschwatzen läßt, daß die Ab— führung eines Stundenlohnes für die kämpfenden Ruhr⸗ arbeiter zur Stärkung des Militarismus und Kapitalismus dient. Bei einigem Nachdenken muß sich doch jeder aufge⸗ klärte Arbeiter sagen, daß es glatter Schwindel ist, wenn die Kommunisten behaupten, durch die finanzielle Unterstützung der von der französischen Gewaltherrschaft bedrohten Ruhr⸗ zarbeiter werde der Militarismus und Kapitalismus gestärkt. Den kommunistischen Gewerkschaftszerstörern kommt es eben auf etwas ganz anderes an, das zu erkennen jedem Einsichtigen nicht schwer ist. 9 Gelingt es der französischen Regierung, das Ruhrgebiet für ihre Kapitalisten zu erobern, und das ist ihr offenbares ö Ziel, sozialpolitischen Fortschritt der Welt, 4 arbeiter selbst für die Befreiung von Gegnern des Acht⸗ sozialpolitische Errungenschaft bleiben soll. — burch seine wechselnden Lichtgestalten auch der interessanteste. var deshalb in den Anfängen der Zeitrechnung aller Völker der Riegler des Kalenders und ist es teilweise bis heute geblieben. Be⸗ J anntlich wiederholen sich die Lichtgestalten oder Phasen des Mondes in einem Zeltraum von 29 Tagen, 12 Stunden und 44 Minuten; dann ist der deutschen Wirtschaft das Rückgrat ge— brochen, dann ist es aber auch mit der deutschen Sozialpolitik zu Ende. 5 Sehr richtig hat der Genosse Knoll in einem in der Parteipresse veröffentlichten Artikel ausgesprochen,„daß an der Ruhr heute die Entscheidungsschlacht um den u m den Achtstundentag geschlagen wird. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß sich die streikenden Berg⸗ stundentages einsetzen. An der Ruhr fällt die Entscheidung, ab der Achtstundentag nur eine Episode in der sozialpoliti— schen Entwicklung der Welt gewesen ist, oder eine dauernde Die Kanonen und Tanks, die die Franzosen und Belgier dort aufgefahren haben, und die jeden Augenblick losgehen können, richen sich nicht nur gegen die Leiber deutscher Arbeiter, Angestellten und Beamten, sie sollen vielmehr den sozialen Gedanken tot— schlagen, domit der internationale Kapitalismus auf Jahr- zehnte hinaus Ruhe bekommt vor der ihre Rechte heischenden Arbeiterklasse. Der Ausgang des Kampfes an der Ruhr ist also nicht nur für die deutsche Arbeiterschaft, sondern für die Arbeiterklasse der ganzen Welt von der allergrößten Be— deutung. Hier gilt das Wort:„Tua res agitur!“(Um deine Sache handelt es sich!) Um die Sache der Arbeiterschaft also handelt es sich, penn von den Gewerkschaften zur Unterstützung der kämpfenden Klassengenossen im Ruhrgebiet aufgefordert vird. Wer da versagt, ist mitschuldig, wenn die Ruhrarbeiter aus Mangel an den notwendigsten Existenzmitteln in ihrem Kampfe für das Volksganze unterliegen sollten. Stets hat der gewerkschaftlich organisierte Arbeiter gezeigt, daß er, ungeachtet der eigenen Notlage, die Arbeitsbrüder nicht ver⸗ gißt, die noch größere Entbehrungen tragen müssen. Was die kämpfenden Ruhrarbeiter in diesen kritischen Tagen ver⸗ langen können und verlangen müssen, das ist die Soli⸗ darität der gesamten deutschen Arbeiter⸗ kla sse. Steigende Not der Kriegsopfer und fortwährende Rentenminderung. Vor wenigen Tagen ging wieder einmal ein Artikel über Er⸗ höhung der Militärrenten und der Teuerungszuschüsse für nicht, ech nur noch ganz geringfügig, im Erwerbsleben stehende Kriegs⸗ beschädigte und Hinterbliebene durch die hiesigen Tageszeitungen, in welchem mit großen Prozentzahlen und nicht unansehnlichen Be⸗ trägen als Teuerungszuschüsse operiert wurde, wodurch in der breiten Oeffentlichkeit der Glaube verbreitet wird, es würde für die armen Opfer des Krieges ausreichend gesorgt. Derartige Ar⸗ tikel und wenn sie auch noch so oft wiederholt werden und auch gar nuanchen— mit Bezug auf die Kriegsopferversorgung— Sand in die Augen zu streuen geeignet sind— können doch die Tatsache nicht aus der Welt leugnen, und auch kein Mäntelchen darllber decken, daß die armen Kriegt opfer infolge der himmelschreiend dürf⸗ tigen und so völlig ungerechten unzureichenden Versorgung in immer größere Not und größeres Clend verfinken. Um aber der hiesigen Oeffentlichkeit— dem erwähnten Artikel gegenüber— einmal einen klaren Blick in die wirklichen trostlosen Verhältnisse der Kriegsopfer⸗Versorgung zu gewähren, sei hier nur ein einziges Beispiel angeführt, dem viele, viele anbere hinzugefügt werden könnten. 1 In dem in Rede stehenden Artikel wird mitgeteilt, daß die Teuerungszulage nach 8 87 des Reichsversorgungsgesetzes ab 1. 1. 1923 auf 440 Prozent erhöht worden ist.— 440 Prozent— welch ansehnliche Zahl! Wie ärmlich, wie gering aber ist ihre Wirkung bei den winzigen Grundrentenbeträgen, zu welchen ste in Bezug steht und bei der erschreckenden Dürftigkeit, in welcher sich der weitaus größte Teil aller Kriegsopfer in der jetzigen über⸗ teuerten Zeit befindet. Nach dieser Erhöhung der Teuerungs zulage erhält jetzt ein 70 Prozent erwerbsbeschränkter Schwerkriegsbe⸗ chädigter in einer Großstadt mit Frau und Kind, welcher, um mit einer Familie nicht buchstäblich zu verhungern, unter Aufopferung seiner letzten Arbeitsfähigkeit durch eigene Arbeit noch einen kleinen Betrag— vielleicht soviel, daß er damit täglich einen Laib Brot kaufen kann— verdient, sage und schreibe für den ganzen Monat eine Rente von nicht ganz— 24 Friedenspfennige— pro Tag also noch nicht einen einzigen ganzen Friedenspfennig. Das bedeutet gegenüber der sehr ärmlichen Rente schaftsversorgungsgesetz von 1006, nach welchem im gleich ge⸗ lagerten Falle, durchschnittlich 75 Mark monatlich gezahlt wurde, eine Verschlechterung um ein mehr als das 300fache. egenüber den Verhältnissen des Jahres 1921 und dem Reichsversorgungs⸗ gesetz von 1921 ist die Verschlechterung der heutigen Versorgung noch eine erheblich größere. Diese 24 Friedenspfennige für den Monat stellen einen Pa⸗ piergeldbetrag von etwa 1790 Mark dar, ein Betrag mit welchem heute nicht mehr als ein halber Zentner Brennstoff(Kohle) bezahlt werden kann— noch nicht einmal kann damit der gering gehaltene Zeitungsbezugspreis bezahlt werden. Woher aber kommt für die, welche dem Volke und Vaterlande so große Opfer bringen mußten, nun Nahrung, Kleidung, Licht und alles übrige zum Leben dring⸗ lich Notwendige? Gledch trostlos, vielfach noch trauriger liegen die Verhältnisse bei 60 Prozent, 50 Prozent und 40 Prozent erwerbsbeschränkten Schwerkriegsbeschädigten und bei den Kriegshinterbliebenen zum großen Tefl. Zu den verhältnismäßig ansehnlichen Beträgen der Teuerungs⸗ zuschissse, welche mehr in Form von Almosen durch die Kriegsfür⸗ sorgeämter an einen ganz kleinen Teil der Kriegsopfer gezahlt werden, sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, daß hiervon mehr denn 80 Prozent aller e einschließlich Schwer⸗ kriegsbeschädigter ausgeschlossen sind. Nur die allerunglücklichsten dem Zugrundegehen nahen erhalten diese Zulage, welche für diese auch nur einen einzigen Tropfen auf einen heißen Stein bedeutet. Wenn unter solch geradezu jämmerlichen Verhältnissen durch Artikel, wie sie diese Zeilen verursacht haben, von Rentenerhöhun⸗ gen und Teuerungszulagen an die Kriegsopfer meist noch in Fett⸗ druck Aufsehens gemacht wird, so mutet das die armen Kriegs⸗ opfer in ihrem Elend an wie Verhöhnung und sie lesen es mit Verbitterung und Beschämung Wir Kriegsopfer kennen sehr wohl die allgemeine Not des größten Teils der deutschen Bevölkerung und des Reiches selbst, aber wir sehen auch noch sehr viel Luxus und Verschwendung und dürften uns wohl ausbitten, daß man zu großem Undank nicht noch Verhöhnung hinzufügt. g Die neuen Portosätze die vom 1. März 1923 an innerhalb Deutschland gelten, folgende: sind für Postkarten im Orts verkehr, 20 Mk. für Postkarten im Fernverkehr 40 Mk. für Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gr. 0 Mk. J e e Aus der Welt des Mondes. Von allen Himmelskörpern ist uns der Mond der nächste und Er Hährend dieser Zeit bewegt sich der Mond einmal um die Erde und pwendet uns dabei immer dieselbe Seite zu. Steht er bei seinem Umlauf zwischen der Erde und der Sonne, so ist seine dunkle Halbkugel uns zugewendet, und wir haben Neumond. 2 oder 3 Tage darauf können wir in der hellen Abenddämmerung einen eil der erleuchteten Kugel sehen, der die Form elner feinen chmalen Sichel hat. Um diese Zeit und einige Tage später ist auch er übrige Teil der Mondschelbe sichtbar; er erscheint ig einem schwachen aschgrauen Lichte. Dieses ist reslettyrtes Erdlicht, das ie Erde auf den Mond sendel und berschlindet flir unser Auge flach dem ersten Viertel. 7 oder 8 Tage nach Neumond haben wir ((Istes Viertel, und wir sehen dann bie Hälfte der uns zugekehrten Monblalblugel. Am Ende der zweiten Woche steht ber Mund der Sonne gerabe gegenüber, und wir aberschauen im Vollmond die benz, Scheibe des Mondes. Nach Ablauf der dritten Woche er⸗ chen uns das letzte Viertel, worauf eine weitere Abnahme der Nele uchtung bis zum Neumond erfolgt. Man sieht leicht ein, daß lie zunehmende Mondsichel, gelche sich links von der Sonne be⸗ findet, nur in den Abendstunden die abnehmende Monbsichel welche sh rechts von der Sonne befinbet, nur ja den Morgenstunden schtlar sein kann. Bekanntlich ist die Regel, daß die Sichelbe⸗ renzung des zunehmenden Mondes den Anfang eines Z in deut⸗ her Schrift, des abnehmenden Mondes den Anfang eines A in deutscher Schrift darstellt. Auf Gemälden kann man öfters eine große Unkenntnis dieser einfachen Dinge finden, indem der zu⸗ gehmende Mond an den östlichen Himmel, der abnehmende oder r Vollmond gar an den westlichen Himmel gesetzt ist. Ferner digen sich auch Abolldungen, auf denen zwischen den beiden Hör⸗ ern der Monbsichel Sterne erscheinen, als ob dort ein leerer aum vorhanden wäre. —— Die Wissenschaft hat nach pewiesen, daß die Entfernung des Mondes e im Mittel 384750 Kilometer beträgt, eine trecke, die ein moderner Eisenbahuzug in 6 Monaten ungefähr rlicklegen könnte, Ein Arkillerkegeschoß würde den Mond in 10 agen tressen. Bis jetzt ist es uns nicht möglich, durch ein Verkehrsmittel auf die Oberfläche unseres treuen Begleiters zu gelangen; so müssen wir uns begnügen, ihn aus der Vogelperspektive mit dem Fernrohr zu betrachten. Wir können dies auch recht genau, weil das wunderbare Instrument die Entfernung überwindet und uns den Mond in eine solche Nähe bringt, daß wir das Relief seiner Oberfläche studieren und kartographisch aufnehmen können. Aller⸗ dings müssen die Gegenstände eine gewisse Ausdehnung haben und zwar mindestens 100 Meter, um mit den mächtigsten Instrumenten der Neuzeit gesehen werden zu können. Da erkennen wir denn, daß die Flecke, aus denen die Phantasie ein menschliches Gesicht gemacht hat. große Ebenen sind, von gewaltigen Gebirgen um rahant. Diese haben einen ganz merkwürdigen Charakter; auf unserer Erdkugel findet sich fast nichts, das mit den abnoumen Gebirgs- formationen des Mondes verglichen werden könnte. Nur ein einiges Miniaturbildchen kennen wir, eine Mondlandschaft im Kleinen. Dies ist der Pik von Teneriffa nebst Umgebung. Die Gestalt dieses erloschenen Kraters von 13 Km Durchmesser, sowie ringsum die Menge kleiner erstarrter Schlünde und blasenartiger Auftreibungen des Bodens die kammartsgen oder wellensörmigen Dämme, die den Hauptkrater bogenförmig umgeben, lassen uns die Wunder ahnen, die wir dort im Monde sich entfalten sehen. Bei den Mondgebirgen herrscht die Kreisform: gewaltige Wallebenen, Ringgebirge und eine Anzahl von kleinen Kratern zeigen sich dem erstaunten Auge. Ausgebxannte Vulkane, großen und kleinen Kabibers bedecken in unentwirrbarem Durcheinander die ganze Mondfläche; nichts kommt dieser Zerrissenheit, dieser Zerklüftung, dieser Schroffheit der zwischen jähen Abstürzen und tiefen Rissen und Klüften wechselnden Mondlaydschafften gleich, auch die Ebenen sind von kleineren blasenartigen Unebenheiten nicht frei. Organisches Leben üst auf der Mondoberfläche im jetzigen Stadium nach irdischen Begriffen sicher unmöglich. Der Grund ist das gänzliche Fehlen von Luft und Wasser. Dieser beiden Quellen irdischen Lebens ist der Mond zur Zeit beraubt, Neuer⸗ diuigs wollen einige Forscher geringe Spuren von Luft und Wasser nachgewiesen haben, welche niedrigen Organismen ein klümmer⸗ liches Dasein ermöglichen. Dies ist wohl denkbar, könnte aber den Charakter der Mondlandschaften um nichts ändern. Der Mond ist eine tote Welt. eine grauenhafte Elöde, deren Schrecken beine menschliche Phantastie der Wirklichkeit entsprechend sich vor⸗ stellen kann. In meinem demnächst stattfinden Vortrag werde ich das oben Gesagte durch Lichtbilder von Mondlandschaften erläutern umd bitte, ausgiebig die Gelegenheit zum Stellen von Fragen zu benutzen. Prof. Koob. nach dem Mann⸗ fiber 20 bis 100 Gr. 60 Mk. über 100 bis 250 Gr. 100 Mk. 25 liber 250 bis 500 Gr. 120 Mk. für Briefe im Fernverkehr bis 20 Gr. 100 Mk. über 20 bis 100 Gr. 120 Mk. über 100 bis 250 Gr. 150 Mk. liber 250 bis 500 Gr. 180 Mk. (Für nicht⸗ oder unzureichend freigemachte Postkarten und Briefe wird das Eineinhalbfache des Fehlbetrages, mindestens aber ein Betrag von 1 Mk. nacherhoben.] flir Drucksachen bis 25 Gr. 20 Mk. über 25 bis 50 Gr. 40 Mk. über 50 bis 100 Gr. 60 Mk. Über 100 bis 250 Gr. 100 Mk. über 250 bis 500 Gr. 120 Mk. Über 500 Gr. bis 1 1c 150 Mk. Für Ansichtskarten, auf deren Vorderseite außer dem Ort, dem Datum und der Unterschrift Grüße oder ähnliche Höf⸗ 1a e mit höchstens fünf Worten niedergeschrieben sind, tark. (Ansichtskarten, die weitergehende schriftliche Mittetlungen enthalten oder bet denen sich Mitteilungen auf der Rückseite be⸗ finden, unterliegen der Postkartengebishr.) l — — Kampf gegen den Alkoholismus. Im katholsschen Vereins⸗ haus fand am Freitag abend eine große öffentliche Versamm⸗ lung statt, veranstaltet von der Arbettsgemeinschaft zur Be⸗ kämpfung des Alkoholismus. Als erster Redner sprach Herr Dir. Dr. Melle ⸗ Frankfurt. Er führte etwa folgendes aus: Die Alkoholfrage ist für das deutsche Volk in ein ganz neues Stadium getreten, denn wir können es uns schlechterdings nicht mehr leisten täglich 45 000 Zentner Getreide zu verbrauen, ebenso riestge Mengen Nahrungsmittel zu Schnaps zu verarbeiten und eine derartige Zuckervergeudung für Wein und Likör zu treiben wie seither. Der Hunger, der uns aus den blassen Gesichtern vieler tausender Volks⸗ genossen, der aus den matten Augen unserer unterernährlen Jugend anschaut, muß selbst die Gleichgültigsten packen und uns alle zum Nachdenken zwingen darüber, wie wir dieser Gefahr entgegen⸗ wirken können. Jedes Glas Vier bedeutet ein Stück Vrot weniger. Die Alkoßolfrage können wir aus eigener Kraft lösen, ohne Hilse von außen. Ein Vorbild kann uns Amerika sein. Hier hat ein freies Volk sich aus freier Entschließung selbst ein Gesetz gegeben, das die Herstellung alkoholischer Getränke verbietet, da die Mehr⸗ heit des Volkes durch eingehendes Studium der Alkoholfrage zur Erkenntnis kam, daß der Alkohol ein Hauptfeind jeglicher Volks⸗ wohlfahrt ist. Der Redner war selbst in Amerika, um die Wir⸗ kungen dieses Gesetzes zu studieren. Als Zweifler war er hin⸗ übergegangen, zurück lam er mit der Ueberzeugung, daß Amerika hier eine Kulturtat vollbrachte, die sich würdig der Sklavenbe⸗ freiung an die Seite stellt. Die Berichte und Gerüchte vom heim⸗ lichen Alkoholismus in Amerika bezeichnete der Redner als direkte Lügen. Besonders auffallend war die Leichtigkett, mit der sich das Alkoholgewerbe, dem keinerlei Entschädigung zuteil wurde, sich umistellte zu anderen Industrien und heute Dinge produziert, di⸗ unzweifelhaft für einen kulturellen Fortschritt wertvoller sind als alkoholische Getränke. Dabei beschäftigen diese neuen Industrien mehr Arbeiter, wie überhaupt das Verhältnis des Arbeitslohns zum Wert des Erzeugnisses kaum in irgendeiner Industrie so klein ist, wie in der Alkoholindustrie. Seine Ausführungen schloß der Nedner mit der Erwartung, daß auch das deutsche Volk sich seiner Verantnortung bewußt werde, die Alkoholfrage eingehend zu studieren, um einen Weg zur Linderung der Not zu finden. Auf das umfangreiche überzeugende statistische Material, das der Redner brachte, kann hier nicht eingegangen werden.— Als zweiter Redner sprach Univ.⸗Prof. Dr. Niebergall⸗ Marburg. Alte und nene Liebe zum Vaterland lautete sein Thema. Die alte Liebe zum Vaterland ist nur der Egoismus der Interessenten⸗ gruppen, die meinen, der Staat sei für sie da, damit sie immer an vollen Krippen sich mästen können. Juteressontengruppen sind die größte innere Gefahr für einen Staat, da sie es meist sehr geschickt fertig bringen, durch Druck die Organe des Staates zu hindern aun der Lösung großer staatlicher Aufgaben. Stets tun sich diese Gruppen viel zugute auf ihre Vaterlandsliebe und ver⸗ stehen es, sie je nach Zeitumständen entsprechend zu maskieren. Alte Ltebe zum Vaterland ist auch die, die mit Bier und Wein und in den obersten Schichten auch mit Champagner bezeugt wurde. Auch hier die Maske und dahinter— Egoismus. Besonders schlimm wirkt sich diese alte Vaterlandsliebe setzt nach der Revo⸗ lutton aus, wo nicht mehr eine Obrigkeit die Verantwortung trägt sondern wo das ganze Volk und jedes seiner Glieder rerantwort⸗ lich ist für das Wohl des Vaterlandes und des Staates. Heute brauchen wir dringend die neue Vaterlandsiebe die stets fragt: Was nützt unser Tun dem Vaterland, was nilitzt unser Handeln dem Staat, die Blick und Verständnis zeigt für die Not des Volkes und uns unsere eigenen Interessen zurückstellen lehrt hinter die Interessen der Allgemeinheit. Höchste Opferwillig⸗ keit und Opferfreudigkeit, ttesstes Verantwortungsgefühl, tätigste Anteilnahme an der Lösung völktischer und staatlicher Fragen brauchen wir. Die Alkoholfrage muß unter dem Gesichtswinkel der neuen Vaterlandsliebe betrachtet werden. Es ist undenkbar, daß der, der sich dem Volke verantwortlich fühlt, heute an den furchtbaren Auswirkungen des Alkoholismus geschlossenen Auges voritbergeht und nicht sieht, daß hier Einhalt geboten werden muß. Nach den Ausfiihrungen der beiden Redner sprachen in der Dis⸗ kusston zunächst vier Vertreter des zahlreich erschtenenen Alkohol⸗ gewerbes, darauf Prof. Dr. H. Schmidt. Leider zwang die Polizei⸗ stunde zu einer Abkürzung der Aussprache und zum frühen Schluß der Versammlung, die bei außerordentlich starkem Besuch, abge⸗ sehen von einigen Störungsversuchen, ruhig und fachlich verlief. Drf. — Ein interessanter und belehrender Vortrag u ist es, der am Foeitag in der Reihe der vom Wahlverein veranstalteten Bildungs⸗ vorträge von Prof Koob gehalten wird. Der Vortrag führt in das Gebiet der Astronomje und der Redner wird über den Mond sprechen und seine Ausführungen durch Lichtbilder erläutern. Im heutigen Blatte bringen wir eine kurze Abhandlung über unsern Erdtrabanten die zeigt, welche wissenswerte Dinge in dem Vortrag zur Erörterung stehen und wir empfehlen deshalb an dieser Stelle den Vesuch des Vortrags, der punkt 8½ im Saale des Gewerkschaftshauses beginnt. — Aus deem Stadttheater. Auf die Aufführung von Karl Schönherrs Schauspiel„Der Weibsteufel“ am nächsten Sonntag sei ganz besonders hingewiesen. Diese Aufführung mit Frau Rubner und den Herren Teleky und Feigel in den wunderbar gezeichneten Gestalten von Mann und Weib und Grenz⸗ jäger und Heren Volck als Spielleiter hat immer als eine der besten unserer Bühne gegolten und dürfte sscher auch am kommenden Sonntag die altbewährte Anziehungskraft gusüben. Eine Wleder⸗ holung dieses Werkes ist nicht vorgesehen. — Streik auf der Braunkohlengrube„Friedrich“. Aus Trais⸗ Horloff wird berichtet, daß seit Ende der vorigen Woche sich die Belegschaft der Braunkohlengrube„Friedrich“ im Streik befindet. Den Anlaß dazu gab die Künigung eines Arbeiters, der gegen einen Beamten tätlich geworden sein soll. Auch Lohndifferenzen sollen ent⸗ standen sein, die jedoch nach längerer Auseinandersetzung beseitigt wurden und den Arbeitern der schon 14 Tage fällige Teillohn ausbe⸗ zahlt wurde. Mag der Streik nun ausgehen, wie er will, die Beleg⸗ schaft hat den Beweis erbracht, daß sie geschlossen zusammenhält und den entzelnen nicht im Stich läßt. So müßte es überall sein. — Fahrplanänderung auf der Strecke Gießen— Limburg. Von der Eisenbahnverwaltung wirz mitgeteflt: Zur Verbesserung der Anschlüsse in Gießen nach und von Limburg worden vom 18. Febr. ab folgende Triebwagenfahrten gefahren; T. 126 Gießen ab 7.40 vorm., Uimburg an 10.05 vorm. T. 185 Limburg ab 9,40 nachm., Gießen an 11.55 nachm. mit Anschluß an den Degzug 179 nach Berlin. . 1 . . a . 10 7 r Besoldungsbols erwähnt. 1 Versteigerungen 5 2 Maß de 22 bei der fortwe . arbeit und hat 0 Hat kürzlich angeordnet, daß die Paketgebühr für die Ueber⸗ weisung von Sendungen aus Orten ohne Barfreimachungs⸗ maschine zur Freistempelung bei den mit solchen Maschinen aus⸗ gerüsteten Postämtern nicht mehr erhoben wird. Damit ist für ö—.— Firmen mit größerem Briesverkehr ein wesentliches Hin⸗ dernis für die Beteiligung an dem mit bedeutenden Vorteilen ver⸗ bundenen Barfreimachungsverfahren beseitigt worden. Ueber das Verfahren erteilen die Postämter Auskunft. — Niederbessingen. Vom Pfarcamt erhalten wir folgend: HZuschrist mit dem Ersuchen um Aufnahme: In Nr. 31 der Volks⸗ itung stand eln Artikel dex sich mit Gemeindeverhältnissen in Niederbessingen beschäftiat. Darin wird u. a. das dem Pfarrer Die Ausführungen darüber könnten bei den Lesern den Anschein erwecken, als bekomme der Pfarrec dieses Hol, umsonst. Dem it nicht fol Die Lieferung Dieses Holzes stellt eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinde an die Landeskirche dar. Nimmt der Pfarrer dieses Holz in Natura so hat er es zu bezahlen und zwar sogar nicht mehr, wie früher, nach Tarif. sondern nach dem Durchschnittspreis der Die Besoldung des Organisten wurde von Gemeinderat festgesetzt in der Absicht, ein für allemal ein Berechnung zu haben. damit der Kirchenvorstand 0 fortwährenden Aenderung der Teuerungsverhältnisse nicht gezwungen ist, andauernd Nachforderungen erheben zu müssen. ebrigens bekommt er nicht. wie der Artikel angibt, 2 Raummeter Buchenscheit sondern nur 1 Naummeter. Nach der letzten ö sollte der Organist jährlich 2000 Mk. bekommen. Dafür er jährlich 60 mal die Orgel 1 Stunde lang zu spielen und die irchlichen Gesänge einzuüben. Et hätte also einen Bottelpfennia als tundenlohn bekommen und noch dazu für Sonntags⸗ durch diesen Dienst beinen freien Sonntae im Jahr den doch sonst sast federmamm hat. Aber Jahre lang hat er für einen auch für damalige Valuta noch viel geringeren Betrag seinen Dienst tun müssen. 5— Großen⸗Buseck. Am Sonntag vor acht Tagen wurde hier pei einem Landwirt Hochzeit gefeiert Daß bei solchen Gelegen⸗ hekten besondere Aufwendungen gemacht werden ist begreiflich und landesüblich niemand wird etwas dagegen einwenden. Wenn aber bei den heutigen Verbältnissen die Festmähler ins Uebermäßige getrieben werden so muß das als aufreizend bezeichnet werden. Bei der betressenden Hochzeit wurden 156 Kuchen gebacken, außer⸗ dem eine erhebliche Anzahl Torten usw. Sechzig Pfund Butter wurden dazu verbraucht und 200 Eier. 3 Schweine waren aus dem Anlaß geschlachtet worden; bei dem Feste waren drei Hektoliter Bier vertilgt worden.— Das sieht nicht wie Not der Land wirtschaft aus über welche der Hochzeitsvater zu reden weiß, wie auch über die Riesenlöhne der Arbeiter! — RNüddingshausen. Ein bedauerlicher Unglücksfall er⸗ eignete sich am vergangenen Donnerstag innerhalb unserer Ge⸗ meinde. Der auf dem hiesigen Hofgute beschästigte Johannes Kraft, welcher mit seinen beiden Pferden eine Fuhre ausführte, an einer im Dorfe befindlichen Brücke von diefen wider die Mauer gedrückt und erlitt schwere innere Verletzungen, die nach wenigen Tagen seinen Tod herbeiflihrten. Kraft, der als ein tüchtiger und allgemein beliebter Arbeiter galt, genoß stets bei einen Mita ubetern Vertrauen und somit diesem Vorfall von allen Seiten der Gemeinde herzlich, Teilnahme entgegengebracht wird. Kreis Friedberg⸗ Büdingen. Effolderbach, 18. Febr. Millionenversteigerung und rbschaft. In den letzten Tagen wurden hier die beiden Hof⸗ reiten einer kinderlos verstorbenen Witwe nebst den dazugehörigen eräten und Aeckern usw., etwa 6 Morgen, versteigert; es wur⸗ den insgesamt etwa 36—37 Millionen Mark erzielt. Die alte Frau mit vielen Vorräten sehr reichlich eingedeckt, eine Hofreite, die im Friedenszeiten etwa 5000 Mark Wert hatte, kam auf über 6 Mil⸗ onen, entsprechend waren die Preise für Ackerland und Wiesen. Die Steigerer überboten sich oft in toller Weise, sodaß einige Gegen⸗ sstände gebraucht beinahe höher kamen, als neu im Laden. Da ent⸗ ferntere Verwandte die glücklichen Erben sind, so wird wohl ein Hauptteil durch Steuern an den Staat fallen. 5 ö Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 15. Februar. Dem Deutschen Verkehrsbund, den Vereinigten Fuhr⸗ werksbesitzern von Gießen und der Gießener Kohlen⸗ jändlervereinigung schlug der Schlichtungsausschuß Erhöhung des bisherigen Wochenlohnes der Fuhrleute über 21 Jahren von Mk. 23 460.—, der seit dem 21. Januar 1923 gilt, auf Mk. 50 000.— und Erhöhung der übrigen Transportarbeiterlöhne des Schieds⸗ spruches vom 23. Jannar 1923 in demselben Verhältnis vor mit Wirkung vom 16. Februar 1923. Von demselben Tage an sollen die Akkordsätze der Kohlenarbeiter gelten, die der Verkehrsbund been hat. Die Streitteile erhielten Erklärungsfrist bis zum . 17. Februar 1923, mittags 12 Uhr.— In der Antragssache des deutschen Verkehrsbundes gegen den Arbeitgeberverband für Handel und Gewerbe in Gießen wegen Lohnerhöhung setzte der Schlich⸗ tungsausschuß das Verfahren zunächst aus, weil der Antragsgegner mangels Feststellung eines Vorstandes, der zur Vertretung befugt war, nicht geladen werden konnte, und überließ es dem Antrags- 5 1 egner, wieder anzurufen. 5 Die Mitglieder der Schuhmacherinnung Gießen sollen vom 2. Februar 1923 an solgende Stundenlöhne zahlen: den Ge⸗ hilfen erster Klasse Mk. 800.—, zweiter Klasse Mk. 750.—— beides entsprechend dem Antrag des Zentralverbandes der Schuhmacher — und dritter Klasse Mk. 600.—. Der Zentralverband erkannte den Schiedsspruch an. Die Innung erhielt Erklärungsfrist bis zum 17. Februar 1923, mittags 12 Uhr. f Fabrikarbeiterverband und dem Staats⸗ eau in Bad⸗Nauheim schlug der Schlich⸗ stungsausschuß unter Berücksichtigung der Verhältnisse der Vor⸗ salsons zeit folgende Stundenlöhne vor, die vom 19. Februar 1923 0 ab gelten sollen: für die beiden Arbeiter Mk. 800.—, für die Ar⸗ beiterinnen über 20 Jahren Mk. 350.—, unter 20 Jahren 10 Proz. 3 Der Fabrikarbeiterverband erkannte den Schiedsspruch an. Der Antragsgegner erhielt 5 Tage Erklärungsfrist. Dem Einspruch des Betriebsobmannes des Maurermeisters einrich Deiß in Nieder⸗Florstadt gegen fristlose Entlassung gab ir Schlichtungsausschuß statt. Verhandlung vom 16. Februar. Der Metallarbeiterverband beantragte tarffliche Regelung der Aufwandsentschädigungen, Auslösungen und sonstigen Zuschläge der Montagearbeiter der Firma Schaffstaedt G. m. b. H. und Appel in Gießen. Die Firmen hatten den Abschluß eines solchen Tarifvertrages abgelehnt. In der Beratung des Schlichtungsausschusses ergab sich die Bereitswilligkeit der Firma Schaffstaedt, an der Ausarbeitung einer Monteurordnung für den Bezirk Gießen und Umgebung mit einem Radius von 20 Km. mit⸗ duarbeiten. Der Schlichtungsausschuß gab darauf den Streitteilen einschließlich der Firma Appel auf, zunächst in unmittelbaren weiteren Verhandlungen imerhalb 3 Wochen eine Monteurord⸗ nung aufgustellen, und überließ ihnen neuen Anruf zur Ent⸗ sein zoll der Punkte, über die eine Einigung etwa nicht möglich ein sollte. Die Fabrik feuersester Erzeugnisse Scheidhauer u. Giessing in Mainzlar hatte den Handwerkern ihrer Be⸗ triebsschlosserei im Oktober 4—7 Mk. besondere Stundenlohnzulage gewährt als Ausgleich gegenüber dem Mehrverdienst eines Teiles der Betriebsarbeiter, der im Akkord arbeitet. Eine Er⸗ höhung dieser Ausgleich⸗Zulage bei den folgenden Lohnerhöhungen lehnte sie ab, weil ihre Löhne höher sind, besonders in den unteren Altersklassen, als die Löhne der Metallindustrie. Der Metall- rbeiterverband rief deshalb den Schlichtungsausschuß an. Dieser schlug als Ausgleichszulage ab 1. Februar 5 Prozent der Barfreimachung von Brieffendungen. Der Reichspoftninister arbeiterverbandes auf Einführung einer Nachtschichtzulage für die⸗ selben Handwerker gab er nicht statt, denn der Reichs arbeitsvertrag der feucrfesten Industrie, der für den Betrieb gilt, erklärt jede 8 Schichtarbeit, ob bei Tag oder Nacht geleistet, für zu⸗ agsfrei. 1 5 Für die Industriewerke Stockheim, eine Schloßfabrik, die noch in der Einrichtung begriffen ist, beantragte der Arbeitgeber⸗ verband für Lahngau und Oberhessen die Zubillfgung eines Ab⸗ schlags von 10 Prozent vom Tarif der Metallindustrie. Der Schlich⸗ dungsausschuß gab dem Antrag statt mit der Maßgabe, daß der Al'schlag bis zur Aufnahme des eigentlichen Fabrikbetriebs, späte⸗ stens jedoch bis zum 30. April 1923, gelten soll.. Für die Eisengießerei Römheld in Friedrichs⸗ hütte bei Laubach beantragte der Arbeitgeberverband die Er⸗ weiterung des bisherigen Abschlages vom Tarif der Gießener Metallindustrie von 5 Prozent auf 15 Prozent mit Rücksicht auf die Entwicklung der Löhne in den letzten Monaten und die besonderen Verhältnisse des Betriebs. Der Schlichtungsausschuß schlug durch Schiedsspruch 10 Prozent Abschlag ab 15. Februar 1923 bis auf weiteres vor.. In den drei letzten Sachen erhielten die Streitteile eine Woche Frist für ihre Erklärung über die Annahme oder Ablehnung der Schiedssprüche⸗ Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 19. Februar. Frankfurter Getreide⸗ börfe. Bei weiter weichenden Preisen wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen Mk. 95 000 bis 100 000, Roggen Mk. 92 000 bis 97 000, Gerste Mk. 80 000 bis 90 000, Hafer, inländischer, Mk. 62 000 bis 78 000, Weizenmehl, südd., Mk. 138 000 bis 175 000(letzte Notierung Mk. 230 000), Roggenmehl Mk. 120 000 bis 130 0000(160 000), Kleie Mk. 50 000(60 O00), Erbsen Mk. 120 000 bis 180 000. Frankfurt a. M., 19. Febr. Frankfurter Viehmarkt. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung gaben auf dem heutigen Viehmarkt die Preise um etwa 500 bis 600 Mark, das Pfund nach. Aufgetrieben waren: 227 Ochsen, 78 Bullen, 1276 Färsen und Kithe, 181 Kälber, 105 Schase und 979 Schweine. Es wurden be⸗ zahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen 130 000.220 000 Mark, Bullen Mk. 160 000— 230 000, Färsen und Kühe vollfleischige Mk. 200 000230 000, mittlere Ware Mk. 180 000—200 000, ge⸗ ringere Tiere Mk. 95 0001470 000; Kälber feinster Qualität, Mk. 200 000— 240 000, mittlerer Qualität, Mk. 180 000—200 000, ge⸗ ringerer Qualität, Mk. 145 000170 000; Schafe Mk. 150 000 bis 240 000; Schweine unter 80 Kilo Mk. 230 000250 000, von 80 bis 100 Kilo Mk. 250 000280 000, über 100 Kilo Mk. 280 000 bis 300 000. Der Geschäftsgang war sehr flau, bts Marktschluß war erst wenig verkauft. Die Metzger hielten mit dem Einkauf außer⸗ ordentlich zurück. Auch heute mußte die Wucherpolizei wiederholt eingreifen. Frankfurt a. M., 19. Februar. Schwerer Unfall. Der von den Franzosen aus Wiesbaden ausgewiesene Amtsgerichtsrat Freiherr v. Stein ist am Sonntag nachmittag beim Ausweichen vor einem Kraftwagen auf dem hiefigen Bahnhofsplatz so unglück⸗ lich gestürzt, daß er eine schwere Gehirnerschütterung davontrug. Er wurde dem städtischen Krankenhause zugeführt, wo er sehr be⸗ denklich darniederliegt. Frankfurt a. M., 19. Februar. Das Glücksspiel in der Volksküche. Die während der Nacht außer Betrieb gesetzte Volksklüche in der Predigergasse wurde dafür von einer Spieler⸗ gesellschaft ausgiebig als Spielhölle benutzt, in der um sehx hohe Einsätze gepokert wurde. In der vergangenen Nacht wurde das Nest ausgehoben. Namhafte Gelder kamen zur Beschlagnahmung. — In der gleichen Nacht wurde in der Schwarzwaldstraße 94 bei Himmighofen eine Spielergesellschaft beim Mauscheln überrascht. Auch hier konnte die Polizei hohe Geldbeträge sicherstellen. Frankfurt a. M., 19. Febr. Millionenunterschlag⸗ ungen. Aus Würzburg ging nach Unterschlagung von 3 Millionen Mark und Diebstahls von weiteren 3 Millionen Mark der 20jährige Buchhalter Richard Mangold mit seiner 18jährigen Geliebten nach Frankfurt durch. Hier machte sich das Paar durch große Geldaus⸗ gaben verdächtig. Es wurde zur Rede gestellt und gab die Ver⸗ fehlungen zu. Vorher hatte der Mangold aber noch die Frechheit, feiner Firma in Würzburg einen Verrechnungscheck über 1½ Mil⸗ lionen Mark mit der Mitteilung zu übersenden daß er das übrige Geld unterschlagen habe. Höchst a. M., 19. Februar. Bestrafte Unsitte. Ein acht⸗ jähriger Schulbube hängte sich an ein Auto, das sich plötzlich in Be⸗ wegung setzte und mit einer Stundengeschwindigkeit von 30 Kilo⸗ metern davon raste. Dem Jungen war es nicht möglich, sich loszu⸗ lassen. So mußte er bei schneidender Kälte die Fahrt bis Erbenheim mitmachen. Nachdem er sich von der ausgestandenen Angst erholt hatte,. er mit der nächsten Fahrgelegenheit nach Höchst zurück⸗ gebracht. Darmstadt, 19. Febr. Eine geheime Werkstätte für ge⸗ stohlene Fahrräder scheint sich hier oder in der Umgebung wieder aufgetan zu haben. Dafür sprechen alle Anzeichen. Ein vor wenigen Tagen gestohlenes Fahrrad war bereits am nächsten Tage völlig um⸗ gearbeitet wieder im Betrieb. Drei in Bessungen wohnhafte Brüder sind verdächtig, bei den Fahrraddiebstählen eine Rolle zu spielen, doch gingen diese flüchtig. Trotz aller Maßnahmen der Fahrradbesitzer nahmen die Diebstähle täglich zu, sodaß am Samstag allein 4 Räder als gestohlen gemeldet wurden, die mit Ketten angeschlossen waren. Darmstadt, 19. Febr. Einen Millionenverlust erlitt eine hiesige Dame auf der Reise von Frankfurt a. M. nach Darm⸗ stadt, vielleicht auch in der Stadt Frankfurt, oder auf dem Heimwege vom Hauptbahnhof nach ihrer Wohnung. Die Dame hatte an einer Schnur unter ihrem Kleide ein Täschchen nebst drei goldenen Ringen mit Brillanten besetzt, befestigt, die sie verlor. Außer den Ringen im Werte von einigen Millionen, gingen 10 000 Kronen und 10 France in Papiergeld verloren. Der Finder darf mit einer Belohnung von 100 000 Mark rechnen. Eberstadt, 17. Febr. Heißes Blut scheint eine hiesige Schöne, die kaum 17 Jahre alt ist, zu besitzen, sie wurde dieser Tage in der Frühe durch den Ortsdiener nahezu splitternackt auf einer Bank in der Nähe der Kirche schlafend aufgefunden, nachdem sie die Nacht über mit Freunden aus der Darmstädter Studenten⸗ schaft verbracht hatte und gegen Morgen nach Eberstadt begleitet wor⸗ den war. Der„Schmupfen“ wird wohl nicht ausbleiben. Bad Soden in Schwierigkeiten. Nachdem die Verhandlungen zur Umbildung des Bades in eine Aktiengesellschaft gescheitert ist, will man jetzt einen neuen Weg be⸗ schreiten und das Bad in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umwandeln. Der Abschluß des letzten Jahres war ein solcher, daß die Gemeinde die Lasten des Badebetriebes nicht mehr tragen kann, zumal auch noch größere Posten für dringende Instandsetzungsarbeiten erwachsen werden. Eine Talsperre am Ueberlaufen. Infolge der starken Niederschläge hat die Möhnetalsperre bei Siegen einen Stauinhalt von 132 Millionen Kubikmeter erreicht. Nur noch drei Millionen Kubikmeter— dann läuft die Sperre über. Schwerer Zusammenstoß. Bei Bavolzhausen stieß ein Zug der Hanauer Kleinbahn mit einem Lastkraftwagen des Konsumvereins Langenselbold zusammen. Beide Partner wurden schwer beschädigt. Menschenleben lamen nicht zu Schaden. Der Tod durch Elektrizität. Auf schreckliche Weise machte ein 20 jähriger Bursche aus Weilburg seinem Leben ein Ende. Er wickelte sich das Ende eines Drahtes um den Arm und warf das andere Ende über die Drähte der Hochspan⸗ nung. Der Bursche war auf der Stelle tot. Unglaubliche Nüpelei. In Köln wurde ein Futtermittel⸗ (Stundenlöhne der Betriebsarbetter vor. Dem Antrag des Metall⸗ händler der zusammen mit seinem Knecht die Mitbewohner seines Hauses in der nfoderträchtfasten Weise tyrannistert. unflätig be⸗ PPTP Pferd. 1 755 und ee pelde dr 0h 00h Ber den Arete 25 10 000 Me Sede nicht mel Hof zu gehe n unt 5 den Einblick in die Zimmer zu nehmen. 1 Das Goldstück im Ochsenmagen. Eine nette Geschichte wird aus dem Dorfe Overath im Kreife Mülheim berichtet. Im Jahre 1913 hatte ein Bauersmann dort mit einem Haufierer einen Kauf in Stossan abgeschlossen und von eimem Hundertmarschein ein Zwanzigmarkstück zurückerhalten. Der Zufall wollte es, daß das Goldstück zwischen die Kartoffelschalen fiel und einem Zugochs in die Krippe geriet Und als man das es der Ochse schon länast im Magen. 4 d stellte natürlich in den folgenden Tagen eifrige Nachfors nach dem Wiedererscheinen des Goldfuchses an. sreilich ohne 4 Als nun der Goldträger dieser Tage geschlachtet wurde da fand sich in dem Magen des Tieres auch das Zwanzigmarkstück vor. Da nun Gold Gold bleibt. so hatte der glückliche Finder seine 140 000 Mark Papiermark. 8 Ein W a 79 8 . Der nellzug Paris⸗Naney stieß am 18. Februar um r. am Behne 5 Port a Binson auf die Lokomotive eines Güte zuges, der umrangiert werden sollte. Da der Schnellzug mit eine Geschwindigkeit von 80 bis 100 Kilometer fuhr, war der Zusam⸗ menstoß so stark, daß der Güterzug und einige Wagen des Schnell⸗ zuges buchstäblich zermalmt wurden. 13 Tote und 30 Verwundete, hauptsächlich Soldaten aus elsässischen Garnisonen, wurden ge⸗ borgen. Eine Irrenanstalt in Flammen. Bei einem Brande in der staatlichen Irrenanstalt von Man⸗ hattan in Noxd⸗Amerika sind gestern 22 Patienten und drei Kran⸗ kenschwestern verbrannt. 5 — Parteinachrichten. Zum 40. Todestage von Karl Marx. 1 Am 14. März 1923 jährt sich zum vierzigsten Male der Todes⸗ tag von Karl Marx. Für die Arbeiterorganisationen, insbesondere die Bildungsausschüsse wird dies ein selbstverständlicher Anlaß sein, das Andenken unseres großen Meisters durch eine Feier oder 5 einen Gedenkabend zu ehren. Der Zentralbildungsausschuß der Vereinigten sozialdemokratischen Partei Deutschlands gibt für diesen Zweck eine ausführliche Vortragsdisposition über„Karl Marx“ aus der Feder des Genossen Kautsky heraus, die gleich⸗ zeitig auch geeignete Literaturhinweise, sowie Vorschläge für die Ausgestaltung des Gedenkabends und eine, Reihe geeigneter Ge- dichte enthält. Das Heft erscheint als Heft 3 der Schriftenfolge Arbeiter⸗Bildung und ist für alle Organisationsleiter, Referenten und Parteifunktionäre von Bedeutung. Die Schrift ist gegen Ein⸗ sendung von 150 Mk. pro Exemplar und 20 Mk. Porto oder unter Nachnahme durch den Zentralbildungsausschuß r Vereinigten sozialdemokratischen Partei Deutschlands(R. Weimann), Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, zu beziehen. Genosse Hohoff gestorben. 5 0 Am Mittwoch verstarb in Paderborn in Westfalen im Alter von 84 Jahren unser Genosse, der katholische Pastor Hohoff. Vor 40 Jahren ahm Hohoff als junger Kaplan in einem offenen Briefe Stellung gegen Bebel, der mit seiner Broschüre„Sozialis⸗ mus und Christentum“ antwortete. Auf seine alten Tage kam Hohoff zu der Ueberzeugung, daß sich Katholizismus und Sozialis:⸗ mus miteinander vereinbaren lassen. Er schloß sich unserer Partei als Mitglied an. Noch im vorigen Jahre wollte die Kirchenbehörde den Greis maßregeln, schreckte aber schließlich doch davor zurück Unsere Partei wird des aufrechten Mannes, dem es mit dem Christentum ernst war, einem der wenigen wirklichen Christen der . des Priesters, der kein Pfaffe war, dauernd in Ehren g n. Lokale Parteinachrichten. Vereinigte Sozialdemokratische Partei, Gießen. 5 Programm 1 5 des Bildungskursus im Winter 1922—1923, abends 8 Uhr pünktlich, im Gewerkschaftshaus. Freitag, 23. Febr. 1923:„Der Mond“, Lichtbildervortrag. Referent: Prof. Koob, Studienrat, Gießen.. „Donnerstag, 1. März 1923;„Die französische Reva ⸗ Iution“. Ref.: Gen. Prof. v. Aster, Gießen. „Donnerstag, 8. März 1923:„Die amerikanische Ver⸗ fassung“. Referent: Genosse Dr. Aaron, Rechts⸗ anwalt, Gießen. . Donnerstag, 15. März 1923:„Sozialismus, Religion und Kunst“. Referent: Gen. Prof. Dr. Kinkel, Gießen. 5 Für jeden einzelnen Vortrag werden Karten zu 10 Mark ausgegeben. Die Ausgabe dieser Karten erfolgt am Abend des Vortrages am Eingang. Die Vorträge finden ohne Restauration statt.— 5 Rauchen ist verboten! Zu diesen Vorträgen ist Jedermann freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Versammlunaskalender 5 Nüddingshausen. Soziald. Wahlverein. Sonntag, den 25. Februar, nachmittags 4 Uhr, findet im Parteilokale unsere Monatsversam milung statt. Wegen wichtiger Tagesord⸗ mung ist das Erscheinen aller ersorderlich. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Gießen. Vereinigte Sozialdemokr. Partei. Mon⸗ tag, den 25. Februar, abends Uhr im Gewerkschaftshaus Licht⸗ bildervortrag über:„Volk in Not“, zu Gunsten des Arbeiterwohl⸗ fahrtsausschusses. Zahlreicher Besuch wird erwartet. a Lang⸗Göns. Wahlverein. Samstag, den 24. bruar abends 8½ Uhr, Mitgliederversammlung bei„Hebbel“. 99 1— Geschäts⸗ und Kassenbericht, Vorstandswahl. Ver⸗ enes. 1 5. 3 Gestorbene. 17. Febr. la Rieß, isti al. Wee 8 Kontoristin, 18 Jahre 18. Febr. Katharine Jost, geb. Schmitt, 8 58 Jabre alt, Neuenweg 31. 9* Beerdigung: 21. Februar, 2½ Uhr nachm. 5 19. Febr. Pauline Horst, geb. Groes 50 Jahre alt, Erlengasse 18. f Beerdigung: 21. Februar, 3 Uhr nachm. Lunmisodlen baltbarer als Leder, gute Paßform Damen ⸗ Größe von 1150 bis 1275 Mk. per Paar. Herren ⸗Größe von 1350 bis 1500 Mk. per Paar empfiehlt solange Vorrat Hermann Röhrig Lederhandlung Ein Paar neue findlederne Arbeitsschuhe mit geschlossener Lasche, Doppelsohle Nr. 42—43 zu verkaufen. Näheres: 1298 Neustadt 53, Laden. les Aan und Ile, Tuner us. zahlt die höchsten Preise Zufall Gießen, Neustabt 33. Wolken gasse.