N Haitis: Gießen Brihubossraße 23 Fberusprecher Abb. Styedition: Gießen Bahnhofsraße 23 Die Sberb. Volkszeitung erscheint 8 i in Gi e e e N 7 monatli— Mk, ei inge. Durchde gzost bezog: 8500.— Mt einschl. Beftellgelb. Einen. 2 f 7 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. 1 von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 um breit) oder deren Raum lokal 90.— Mt. auswärts 120.— Mt., die Reklamemillimeterzeile 450.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabakt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. a Nr. 137 Gießen, Dienstag, den 19. Juni 1923 18. Jahrgang 1 Der Lohuempfänger als Steuerzahler. 1 Im Mai ist von der sozialdemokratischen Reichstags ⸗ kaktion die letzte Anpassung des e an 1 ntwertung beantragt worden. Damals wurden von den ürgerlichen Parteien die sozialdemokratischen Anträge als e bekämpft und teilpeise geringere Sätze be⸗ 14 ssen. Man vertrat die Auffassung, daß die Geldent⸗ 17— es war die glückliche Zeit, wo wir noch einen Dollarstand von 35 000 hatten— nicht in dem vom Zu⸗ ammenbruch der Stützungsaktion bis Mitte Mai einge⸗ Letenen Tempo sich fortsetzen würde. Das Gegenteil ist ingetreten. Der Dollarstand ist gegenwärtig dreimal so 555 als Mitte Mai. Die Löhne haben allerdings in keiner Oeise mit der Geldentwertung Schritt gehalten. etretenen Ermäßigungssätze die beabsichtigte Anpassung er Steuerlasten der Lohnempfänger an die Geldentwertung icht gebracht. Selbst nach Ansicht des Reichsfinanzministers [[ der Steuerabzug von 10 Prozent durch die Ermäßi⸗ ngssätze für die Familienangehörigen und der Werbungs⸗ bpsten so ermäßigt werden, daß im Normalfalle ein qualifi ßerter Arbeiter nur eine Steuerlast von 5½ bis 6 Prozent tägt. Ein Beamter der Gehaltsgruppe III mit Normal- milie hat im März 1923 einen tatsächlichen Steuerabzug 5,3 Prozent gehabt. Im Mai var dieser auf 6,8 Proz. Das zeigt deutlich, derung des Steuerabzuges icklung vereitelt wurde. N f Das ist die Folge von zwei Tatsachen. Bei den Ver⸗ tlagungspflichtigen wird der Steuersatz festgestellt, nach- dem sein Einkommen in voller Höhe bekannt ist. Beim sohn- und Gehaltsempfänger geschieht es vorher und in zölliger Unkenntnis der voraussichtlichen Preis⸗ und Lohn⸗ mtwicklung. Denn die Festsetzung der Ermäßigungssätze bestimmt erst den tatsächlichen Steuersatz, den der Lohn und behaltsempfänger wirklich zu tragen hat. Diese Unsicher⸗ keit war in keinem Augenblick größer als gegenwärtig. In tenigen Tagen haben sich die ausländischen Wechselkurse erdoppelt. Niemand weiß, ob wir nicht im Lause des Juli gurse für die ausländischen Zahlungsmittel haben, die uns gegenwärtigen Augenblick noch phantastisch erscheinen. Löhne und Gehälter, die unter der Regierung Cuno⸗ becker künstlich niedrig gehalten wurden, müssen jetzt stark feigen, weil das Hungerdasein für arbeitende Menschen emfach zum Versagen ihrer Arbeitskraft führen würde. So unangenehm es deshalb auch für den Gesetzgeber än mag, Gesetze erlassen zu müssen in Unkenntnis der tat⸗ schlichen Verhältnisse, beim Lohnabzug ist es diesmal un⸗ »dingt notwendig, soll nicht wie bisher die Steuerlast weit ier das dem Gesetzgeber vorschwebende Maß hinaus an · Daß das aber bisher immer geschehen ist, zeigt ne Berechnung über die tatsächliche Wirkung des Steuer- hzugs. Ein Beamter der Gehaltsgruppe III mit zwei hindern z. B. trug im Januar 1922 eine tatsächliche Steuer- Ust ven 408 Prozent. Sie stieg im Juni bis auf 7.87 Pros. Mit bem 1. August trat eine Erhöhung der steuerfreien Be⸗ häge auf mehr als das Doppelte ein. Trotzdem verminderte sch die prozentuale Steuerlast nur auf 6,77 und stieg schon in folgenden Monat auf 829 um bis zum Dezember 155 unterbrochen bis auf 9 53 zu steigen. Am 1. Januar 1923 hat eine Erhöhung der steuerfreien Belräge um mehr als Ins Zehnfache ein. Trotzdem sank die prozentuale Steuer. lelafiung im Januar nur auf 707 und stieg ir, Februar Fieder auf 8/60. Die abermalige Erhöhung der steuerfreien Petröge um mehr als das Vierfache konnte den e inter dem Einfluß der Markstützung zwar im März 95 April auf 8,53 bezw. 5,0 Prozent vermindern, konnte aber licht berhindern, daß nach dem Zusammenbruch der Etützungsaktion und Wiedereinsetzung der fortschreitenden beldentwertung der Steuerabzug im Mai abermals 551 66 stieg. Dieser Satz dürfte für Juni angesichts der rasen 15 heldentwertung wesentlich überschritten werden, obgleich die Ermößigungssätze mehr als verdoppelt worden 9 0 4 Der Versuch, durch Erhöhung der steuerfreien g 1 hie fortschreitende Geldentwertung muszucltichen, a 0 lauernd mißlungen. Die Geldentwertung hat den Loh 5 zug für den Steuerpflichtigen immer drückender gemacht. Cut ist dabei der Fiskus gefahren. Denn, e e unde Sinken des Reallohnes der Arbeiter, Ane. sellten und Beamten, das gleichbedeutend ist mit einer fort⸗ eitenden Schwächung der Steuerquelle, so ist der 5190 nsteuer sogar in Goldmark gestiegen. Und das tro durch die tatsächliche Ent⸗ 2 Nach Brüssel Paris? Drohende Krise im französischen Kabinett.— Schwere Lösung der belgischen Ministerkrise. f Die Folgen der Abstimmung. Poincaré vor der Umbildung seines Kabinetts? Nach der belgischen Ministerkrise, die zu lösen außer⸗ ordentlich schwer zu sein scheint, entwickelt sich eine gleiche Krise aus innerpolitischen Differenzen jetzt in Paris. Mit seiner Rede in der Kammer hat Poincaré versuchen wollen, den drohenden Ausbruch durch eine Spaltung der Linken zu verhindern, was ihm aber vorbeigelungen ist. So kam es zu einer Ueberraschung für den Ministerpräsidenten, die ihm, wie er selbst zugibt, außerordentlich unbequem ist und er will jetzt versuchen, diesen Ausgang auf das berühmte Aushilfsmittel eines Mißverständnisses zurückzuführen. Ob ihm diese Schwenkung gelingen wird, steht noch dahin. Denn wie verlautet, hat die radikale Partei die zu ihr ge⸗ hörigen drei Minister bereits aufgefordert, ihre Demission einzureichen. Für den Fall ihrer Weigerung werden sie aus der Partei ausgeschlossen werden. Es handelt sich um den Kolonialminister, den Hygiene- und den Postminister. Durch die Kammerabstimmung in Mitleidenschaft gezogen sind ferner die Unterstaatssekretäre für den technischen Unterricht und für die Handelsfragen, die der republikanisch⸗ sozialistischen Partei angehören, sowie der Unterstaats⸗ sekretär für die Luftschiffahrt, der kein Linksrepublikaner, aber Antiklerikaler ist. Die belgische Kabinettskrise. In Brüssel war am Sonntag die Meinung vorherrschend, daß Theunis zur Bildung des neuen Kabinetts berufen werden würde. Die Parteiführer außer den Sozialisten würden ihm ihr Vertrauen wieder entgegenbringen. Theunis hat verschiedene politische Persönlichkeiten, darunter den früheren katholischen Minister Seegers, Carton de Wiart sowie die Mitglieder seines eigenen Kabinetts empfangen, woraus man schließt, daß er die Bildung der neuen Re⸗ gierung vorbereitet. Die Lösung der Regierungskrise wird jedoch noch ein paar Tage auf sich warten lassen. Dem Temps zufolge wäre kein Zweifel darüber möglich, daß die neue Regierung unter allen Umständen dieselbe äußere Politik verfolgen wird wie Theunis und daß ihre schwierigste Aufgobe darin bestehen würde, in der Frage der Genter Universität und in der Militärfrage eine einheitliche Majorität zusammenzubringen. Sollte die Bildung des neuen Kabinetts Theunis scheitern, so ist es fraglich, so heißt es in einer Meldung, ob die Sozialdemokratie an einer müßte, teilnehmen würde. 0 Die belgischen Sozialisten zur Krise. Entschiedene Absage Vanderveldes. Brüssel, 18. Juni.(Eig. Drahtb.) Der erste Verhand⸗ lungstag des außerordentlichen Sozialistenkongresses be⸗ schäftigte sich nur mit der inneren Lage Belgiens. Genosse Vandervelde griff in seinem Referat die zurückgetretene Regierung und den König scharf an. Er schloß mit den Worten: Der Kampf im Innern ist noch nicht beendet, er be⸗ Die Regierung liegt am Boden, aber Herr Theunis steht noch immer und hinter ihm die Großfinauz, die Handels⸗ kammer, die Militaristen, der königliche Palast und der Erz⸗ bischof von Mecheln. Unser Standpunkt ist, nicht mehr in einer Regierung mit Bürgerlichen mitzuarbeiten, sondern die Eroberung der politischen Gewalt allein zu betreiben, ungeachtet der Gefahren und Rückschläge auf diesem Wege für die Arbeiterklasse. 0 i Eine Rede Baldwins. England und Amerika als Retter der Erde. Baldwin erklärte am Sonntag in einer Rede in Oxford, die Zivilisation sehe man heute in die Brüche gehen. Die gesamte Welt erhoffe das Heil vom Britischen Reich und von den Vereinigten Staaten von Amerika. soll, so müsse dies Großbritannien tun. Die Männer, die Hand an dieses Werk legen, so schloß Baldwin, gebrauchten den Mut eines von uns sich zum Hauptziel setzt, an der Vollendung dieses Verkss mitzuhelfen. 0 ö Das alles klingt starken Willen schließen, wenn es aber auf die Reden englischer Mi⸗ nister ankäme, wäre die Sachlage längst schon eine andere. Schon zu 55 1 den großen Tönen der klägliche Rückzug und alles blie eim alten. 0 Verhandlungen erst im An gust? nicht abzusehen ist, kann eine Antwort Poincarss auf die englischen Fragen vorläufig nicht erwartet werden. Die französische Re⸗ gierung beabsichtigt nur nach vollkommener Uebereinstimmung mit der neuen belgischen Regierung eine Beantwortung der englischen steigender Erwerbslosigkeit und Kurzarbeit. Zum Beweis dafür sei solgende Aufstellung der Lohnsteuer und der ver⸗ anlagten Einkommensteuer für das Rechnungsjahr 1922 mitgeteilt, die die Erträgnisse der beiden Einkommens- kategorien in Millionen Goldmark wiedergibt: Veranlagte Einkommensteuer. Lohnsteuer. April⸗Juli 1922 12⁴ 189 August 1 21 September 16,8 21 Oktober 8,0 20,9 November 4.1 12,0 Dezember 4,8 21.8 Januar 1923 1.9 20,1 Februar 0,9 14,6 März 1.9 385 Rechnungsjahr 1922 1772= 85,0% 329,0= 65,0% Die Tabelle zeigt erstens, daß der Goldmarkertrag der Lohnsteuer nicht finkt trotz der Erhöhung der steuerfreien Ermäßigungssätze, zweitens, daß weder abnehmender Real- lohn, noch zunehmende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit die Erträgnisse des Lohnabzugs herabgedrückt haben. Daraus ergibt sich ganz zweifelsfrei das Steigen der Steuerlast durch den Lohnabzug auch in Gold berechnet bei geringerem Reallohn. Umgekehrt ist es bei der Einkommensteuer der Veranlagten. Sier sind die Beträge in einem wahrhaft er- schreckenden Maße in Gold ausgedrückt gesunken. Im Durch⸗ schnitt von April bis Juni 1922 war der Monatsertrag der Einkommensteuer der Veranlagten 31 Millionen Goldmark. Er ist gesunken auf 1,6 Millionen Goldmark im Monats- durchschnitt des ersten Quartals 1923. Da im April rund 60 Milliarden Papiermark aus der Einkommensteuer ein- gegangen sind, so ist der Goldertrag auf etwa 10 Millionen gestiegen, bei einem Eingang von 200 Papiermilliarden im Mai auf 18 Goldmillionen. Die Eingänge aus April und Mai aber sind die Erträge der Ankommensteuer für das ganze Jahr 1922. So ungeheuer ist unter der Geldent wertung die Steuerlast der Besitzenden vermindert worden. Um zu verhindern, daß die ungeheure Teuerung, die der Marksturz der letzten Zeit zur sicheren Folge haben wird, die Lohn⸗ und Gehaltsempfänger aufs neue steuerlich stark benachteiligt, hat deshalb die sozialdemokratische Reichs⸗ tagsfraktion beantragt, daß die steuerfreien Sätze um das Fünffache erhöht werden. Das heißt, daß die Ermäßigungs⸗ sätze für den Lohnsteuerpflichtigen und seine Ehefrau vom 1. Juli ab je 6000 Mark im Monat betragen, für jedes Kind 40 000 Mark, und daß der freie Betrag zur Abgeltung für die Werbungskosten auf 50 000 Mark erhöht wird. Das steuerfreie Einkommen eines Ledigen wird danach künftig 560 000 Mark betragen, das eines Verheirateten mit zwei Kindern 1420 000 Mark monatlich. Im jetzigen Augenblick mag diese Steigerung als zu hoch angesehen werden. Aber diese Meinung kann nur entstehen, wenn man an die heutigen Lohnsätze denkt. Diese entsprechen aber nur einem Dollarstand von weit unter 50 000. Bei einem Dollarkurs von 100 000 müßten also die Löhne doppelt so hoch sein. Das ist aber erst der Stand im Augenblick. Noch haben wir die Hälfte des Juni vor uns und wissen nicht, was uns diese Zeit und der ganze Juli bringen werden, wo diese Sätze erst in Kraft treten. Die wider Erwarten eingetretene Er- höhung der prozentualen Steuerlast im Juni muß durch eine weitblickende Regelung für den Juli ausgeglichen wer den. Es muß ferner verhindert werden, daß die tatsächliche Entwicklung der Preise und Löhne im Juli trotz höherer Freigrenzen eine stärkere Belastung durch den Lohnabzug bringt, als er im Willen des Gesetzgebers liegt. Ferusprecher 2008. Koalitionsregierung, wie sie dann ins Auge gefaßt werden ginnt erst jetzt in sein entscheidendes Stadium zu treten. Wenn die Welt wieder aufgebaut werden Pitt und den Glauben eines Lincoln. Wir wollen hoffen, daß jeder ja sehr hoffnungsvoll und ließe auf einen Keine Eile in der Lösung der Reparationsfrage. Da die Lösung der belgischen Regierungskrise vorläufig nach Fragen vorzunehmen. Ueberhaupt bestätigt sich langsam, daß man niit der Erledigung der schweßenden Fragen kerne Eile hal. In Paris deshalb, weil der Glaube vorherrscht, daß inzwischen durch verschärfte Druckmaßnahmen die Kapitulation der Ruhrbevölker⸗ ung erzwungen werden kann, und in London, weil man der An⸗ 9025 ist, daß jetzt alle schwebenden Fragen, die irgendwie mit dem Reparationsproblem in Verbindung stehen, sorgfältig gelöst wer⸗ den müssen und hierzu eine gewisse Zeit der Vorberatungen und Vorbereitungen notwendig ist. Es verlautet sogar, daß an Ver⸗ handlungen erst im Monat August gedacht wird. Inzwischen verschlechtern sich die Verhältnisse im Ruhrgebiet von Tag zu Tag. Durch die Unterbindung der Zufuhr muß sich die Lebensmittelversorgung schon in wenigen Tagen katastrophal auswirken. Hunger und Elend lassen neue Unruhen im besetzten wie unbesetzten Gebiet befürchten. Hinzu kommt die verstärkte a 1 der Nationalisten für den aktiven Widerstand. Kein ag vergeht, an dem nicht eine Sprengung oder ein Attentat er⸗ 2 Werden die Täter gefaßt und abgeurteilt, dann gibt es in 1 deutschnationalen Presse nicht nur ein großes Hetzen über die „Barbarei der Franzosen und Belgier“, sondern dann taucht plötz⸗ lich auch die ganze deutschnationale Geistlichkeit, die sich im allge⸗ meinen als Kulturträger der Menschheit ausgibt, auf, um die Könige des neutralen Auslandes oder andere maßgebende Persön⸗ lichkeiten anzufleben, auf die französische Regierung dahin zu wir⸗ ken, daß die Urteile nicht vollstreckt werden. Wir haben an sich gegen diese Art Begnadigungen zu erreichen, nichts einzuwenden, Fondern wünschen ebenfalls weitgehende Milde. Aber die Deutsch⸗ nationalen, die indirekt um Gnade betteln und flehen sowie ihr eigenes Herz entdeckten, wenn es zu spät ist, sind dieselben, die fanatische Elemente aufhetzen zu den Taten, die Schlageter den Kopf gekostet, für Goerges das Todesurteil hervorriefen und im allgemeinen eine Erschütterung des passiven Widerstandes herbei⸗ 1. Die Reichsregierung schweigt dazu und läßt eine Drohung er Deutschvölkischen über angebliche unangenehme Enthüllungen nach der andern über sich ergehen! Nimmt dieser Zustand seinen Fortgang, dann muß die Reichstagsfraktion, die über die Kulissen⸗ geheimnisse der Wilhelmstraße unterrichtet ist und den Sinn der deutschvölkischen Drohungen versteht, ein ernstes Wort mit Herrn Cuno sprechen. Die Verpflegung im Ruhrgebiet gefährdet. Schwere Sanktionen. Durch die Unterbindung der letzten Eisenbahnzufahrtsstraßen ins Ruhrgebiet ist die Verpflegung der Bevölkerung aufs äußerste gefährdet. Schon 24 Stunden nach der Durchführung der neuesten französtschen Maßnahme wurden aus verschiedenen Orten Klagen über den Mangel an Lebensmitteln laut. Aus Bochum und Gelsen⸗ kirchen wird z. B. über Kartoffel⸗ und Fleischmangel geklagt. Des⸗ gleichen kommen aus Herne Mitteilungen über Schwierigkeiten in er Versorgung der Bevölkerung mit dem notwendigsten Bedarf. Andererseits ist die Unterbindung der Zufuhr ein Anreiz zur Fest⸗ setzung höherer Preise. Auch diese Gefahr macht sich bereits be⸗ merkbar. Es ist zu erwarten, daß sich die Versorgung mit Lebens⸗ mitteln in den nächsten Tagen katastrophal auswirkt, wenn die Franzosen weiterhin jeden Lebensmitteltrausport unterbinden. Uebrigens widersprechen die jetzt getroffenen Maßnahmen der Be⸗ satzung in jeder Beziehung den mit Nachdruck zu Beginn der Okku⸗ pation gegenüber dem Düsseldorfer Regierungspräsidenten abge⸗ gebenen Versicherungen Degouttes, daß an eine Unterbindung der Lebensmitelzufuhr oder gar einer Aushungerung der Bevölkerung nicht gedacht sei. Der Sinn der jetzt gewaltsam vorgenommenen erkehrseinstellung im Ruhrgebiet kann kein anderer sein, als die 5 kerung auszuhungern und sie dadurch zur Kapitulation zu veranlassen. (Jn Vorhalle bei Hagen hat der französische Kommandant aus anlaß der Auffindung von Sprengpatronen auf den Bahngeleisen m Samstag folgende Sanktionen verhängt: 1. Der Straßenbahnverkehr Hagen⸗Herdecke und Hagen⸗Vorhalle ift von Eckesey ab verboten. 2. Am morgigen und am nächsten Sonntag ist jeder Straßenver⸗ feu von 3 Uhr nachmittags bis zum nächsten Morgen 5 Uhr f vollständig gesperrt. Der französischrenglische Notenwechfel. Ueber den Inhalt der Antwort Poincarés auf das englische Tmenpardan, die in ihrem Entwurf am verflossenen Samstag der belgischen Regierung zugegangen it, macht der Brüsseler Kor⸗ respondent der Times einige Angaben. Nach diesem Korrespon⸗ 5 1 7 07 gibt Poincaré zu ber Einstellung des passiven Widerstandes folgende Definition: Die deutsche Regierung muß eine Proklamation veröffentlichen, 115 ihren Beamten befiehlt, diesen Widerstand in den besetzten Ge⸗ teten einzustellen und mit der französischen Verwaltung dieser Ge⸗ biete Hand in Hand zu arbeiten. Hinsichtlich der englischen Frage, welche Form die Besetzung des Ruhrgebietes annehmen werde, wenn Deutschland diesen Widerstand einstellt, erklärte Poincaré, daß man uf die Besetzung zurückgreifen werde, wie diese am 11. und 12. uar organisiert wurde, als die französischen Truppen in das Ruhrgebiet gingen, lediglich mit der Aufgabe, die Sachverständigen zu schützen, die in Beziehung zu den deutschen Industriellen trelen sollten. Der Korrespondent glaubt ferner, aus maßgebender Quelle mittesten zu können, daß bie französische Ankwoct in außerordenklich herzlichen Ausdrücken gehalten ist und daß Poincaré den sehr leb⸗ haften Wunsch zum Ausdruck brachte, zu einem Einverständnis mit der englischen Regierung zu gelangen. Politische Uebersicht. a Steuermoral. Ganz im Sinne des Garantievorschlages der Industrie bemüht sich die Steuerstelle des Reichsverbandes der deut ⸗ schen Industrie weiter, die Steuerhoheit des Reiches zu durchlöchern. In einer Eingabe an den Steuerausschuß des Reichstags wird gefordert: „Die Festsetzung des Vielfachen erfolgt für die einzelnen Berufszweige für den Bezirk eines jeden Landesfinanz⸗ amts durch das Landesfinanzamt nach Anhörung der zustandigen Berufsvertretung.“ Am Schlusse heißt es: 5 „Der Steuerpflichtige kann eine Herabsetzung den Vervielfachung seiner Vorauszahlung beantragen, wenn er glaubhaft macht, daß sein voraussichtliches Einkommen der erhöhten Vorauszahlung nicht entspricht. Als Glaub⸗ haftmachung genügt eine Bescheinigung der zu ⸗ ständigen Berufs vertretung.“ Wir schlagen vor: Die Steuerstelle des Reichsverbandes der deutschen Industrie übernimmt das Reichsfinanzmini⸗ sterium, die Syndici der Berufsvertretungen die Landes- finanzämter. Das ist doch ein viel einfacherer Weg, als der, das Finanzministerium nur als Kulisse zu benutzen. Was würde es für ein Geschrei geben, wenn die Ar⸗ beiterorganisationen einen gleichen Antrag stellten, wonach die Herabsetzung der Steuern des einzelnen Steuerpflichtigen zu erfolgen hat nur auf die Bescheinigung der zuständigen Berufsvertretung, der Gewerkschaft, hin. Aber die Arbeit⸗ geberverbände können sich das erlauben, werden auch ange⸗ hört, dagegen wird in den Reihen der Arbeiter gleich Verrat geschrien, wenn sich ihre Vertretung eine neue Position von Einfluß sichert.. Wo bleibt ein deutscher Zola? Diese Frage wirft in der Abend⸗Ausgabe der Vossischen Zeitung vom 12. Juni der frühere Reichstagsabgeordnete Prinz Alexander Hohenlohe unter Hinweis auf den Fall Fechenbach auf. Hervorragende Rechtslehrer, wie z. B. der Münchener Professor Kitzinger, haben das Ur⸗ teil des bayerischen Volksgerichts. das über Fechenbach wegen eines verjährten Preßdelifts zehn Jahre Zuchthaus verhängt hat, als juristisch völlig unhaltbar erklärt. Trotz⸗ dem rührt sich nichts, um dies ungeheuerliche Urteil wieder aufzuheben. Der Reichstag hat die Sache seinem Rechts⸗ ausschuß übergeben und scheint nun in die Ferien gehen zu wollen, ohne sich um das Schicksal Fechenbachs, der nun schon seit Monaten im Zuchthaus sitzt. zu kümmern. Hier setzt in berechtigter Schärfe die Kritik des Prinzen Hohen⸗ lohe ein. Er schreibt: Sollte der Reichstag den Aufenthalt im Zuchthaus dem in einer angenehmen Sommerfrische gleich erachten? Derselbe Reichstag kann sich nicht genug tun in„flammenden“ Protesten gegen die Rechtsbeugungen durch die Franzosen. Gewiß, die Franzosen haben sich im Ruhrgebiet und anderswo zahlreiche Verstöße gegen Recht und Gerechtigkeit zuschulden kommen lassen: aber will man da⸗ gegen protestferen, dann sollte doch die erste Vorbedingung sein, daß man vorher wenjigstens bei sich selbst zu Hause mit dem guten Beispiel vorangeht, sonst verlieren solche Proteste sehr an ihrer Wirkung. Jedenfalls trägt die Gleichgültigkeit, mit der der Reichs⸗ tag andauernd diesem Skandal zusieht, nicht gerade dazu bei, unser moralissches Ansehen im Auslande zu vermehren. Manchen Leuten mag das einerlei sein, vielleicht sehen sie es sogar als ganz besonders„patriotisch“ an, sich um die Meinung des Auslandes nicht zu bekümmern, aber dann sollten sie auch den⸗ selben Gleichmut zeigen gegenüber der reservierten Haltung Amerikas und des übrigen Auslandes beim Ruhrkonflikt. Da können sie aber nicht oft genng das Rechtsgefühl des Auslandes an⸗ rufen und ihm vorwerfen, daß es ihm daran ermangle. Frankreich hat uns seinerzeit ein Beispiel gegeben, wie man Unrecht wieder gut macht. Dreysus ist von der Teufelsinsel zu⸗ rückgeholt und rehabilitiert worden. Aber Frankreich hatte seinen * C Scheürer⸗estner, setnen Prmtart, feinen Zola, dre lichen Interessen hintansetzten, die größten Opfer Gefahren nicht scheuten, sogar ihr Leben aufs S! dem Unschuldigen Recht werde. Ganz Frankreich, 51 e 115 101 den 1 i10 ürgerkrieg, aber die Gerechtigkeit ging ste f Trubel hervor, und es ist kein Zweifel, daß dadurch lische Ansehen Frankreichs in der g gestärkt wurde. 15 8 0 Deutschland ist heute eine Republik. Es heißt we es eine sei. In einem republikanischen Parlament n besonders Pflicht jedes Abgeordneten, dafür zu sorgen Gerechtigkeit nicht Schaden leide. Die Herren, die jetzt k Fechenbach so gleichgültig behandeln, die ruhig zusehen Mann, der wegen eines verjährten Pveffadeliktes zu Zuchthaus verurteilt worden ist, noch immer dort sitzt, mit Gemüts ruhe noch weiter dort sitzen lassen, sollten heb sich das Blättchen sehr leicht einmal wenden könne. W. einer Zeit, in der die Ereignisse schnell aufeinander fo weiß, ob sie nicht, und vielleicht früher als sie denken, es werden, heute so gleichgültig gewesen zu sein gegen Unrccht. 5 Und wo bleibt die Reichsregierung? Gewiß, es ist eine b Justizangelegenheit. Aber hier handelt es sich um das A ganzen deutschen Rechtspflege, ja der deutschen Republik. doch ein Mittel geben, die bayerische Regierung an ihre P erinnern, der Gerechtigkeit zu ihrem Rechte zu verhelfen. im Deutschen Reichstage kein Scheurer⸗Kestner finden, w deutschen Volk kein Zola aufstehen, der den deutschen D dem Zuchthaus befreit? Jeder Tag, den er länger darin halten wird, ist ein Skandal. 5. 1 Bayern gegen das Reich. Die maßgebende Partei der Regierungskoali Bayern, dje Bayerische Volkspartei, entfacht soe neuen Kampf gegen das Reich. Es ist bekannt, daß seit langem unter der Führung des Abg. Rothme eines ehemaligen Eisenbahnsekretärs und leidenscha Partikularisten, gegen die Verreichlichung der Ver! betriebe heftige Agitation betrieben wird. Vor Tagen veröffentlichte dieser Abgeordnete eine Schrift, in er eine Bilanz der Verreichlichung zieht und dabei das g Defizit und die übrigen Mängel der Verkehrsbetrieb Ursache doch zweifellos der Krieg und sein Ausgang Bausch und Bogen der Verreichlichung in die Schuhes schie Die ganze Verreichlichungsaktion nennt er ein Fiasko fordert, daß Bayern wieder Miteigentümer wird an den ihm abgetretenen Verkehrsbetrieben. 1 Politisch und wirtschaftlich aber von weit größer deutung als diese Schrift ist eine soeben erschienene fangreiche Arbeit des Verkehrsbeirats der Volkspartei, also einem autoritativen Parteiorgan, Urleile und Forderungen sicherlich in fürzester Frist zu eine Programmpunkt für die bayerische Regierung selbst erhobe⸗ werden. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Denkse b dem Entwurf des Reichsbahnfinanzgesetzes, das die nung der Verwaltung in unheilvollster Weise prä und Bayern die Möglichkeit verbaue, jemals eine Interessen und verbrieften Rechten entsprechende sation durchzusetzen. Der Loslösung der Bahnen Reichsverwaltung folge mit großer Wahrscheinli volle Privatisierung, eine Tatsache, die durch die letzten deutschen Memorandum angebotene Verpfändun die Entente ihr besonderes Gewicht erhalte. Dies be eine außerordentlich schwere Gefahr für die Erhaltun Eigenart und Staatlichkeit Bayerns, wogegen es eine Mittel gebe: Bayern müsse, falls das Eisenbah gesetz oder gar die Verpsandung der Reichseisenbah Tatsache werden sollte, die selbständige Verwaltung Eisenbahnnetzes zurückfordern. Denn nehme die E die angebotene Verpfändung an, dann sei es patriotische verfassungsmäßige Pflicht Bayerns, sich mit dieser Ta abzufinden. Aber dann müsse Bayern die Möglichkeit ha im Rahmen der Tributpflicht an die Entente wenigste gut als möglich die innerbayerischen Interessen bei der waltung seines Eisenbahnbesitzes zu berücksichtigen. Aus diesen entscheidenden Gründen sei das Reichs finanzgesetz für Bayern unannehmbar. Die recht n 8 7 Bay 15 Der verlorene Sohn. Roman von Hall Caine. 10 Auch den folgenden Tag kam Oskar und spielte eine Menge Lieder, die er selbst aus der Saga komponiert hatte. Thora meinte, nie ein ähnliches Spiel gehört zu haben und so sehr sie es auch zurückzudrängen versuchte, konnte sie bei der Erinnerung an Magnus' Flötenspiel ein leises Lachen nicht unterdrücken.„Ich bin ganz sicher, er wird noch einmal in großer Komponist werden,“ sagte sie, als Oskar fort⸗ gegangen war. a„Vielleicht, aber von der Ehre allein leben,“ sagte Tante Margret. Hierauf sah Thora täglich nach Oskar aus, und als er das nächste Mal kam, überredete er sie, ihre Guitarre her— vorzuholen. Sie spielte ein paar isländische Liebeslieder und sang mit süßer Stimme dazu. Thora war wie eine Blume, die unter dem Schnes gewachsen war und nun ihre Blüten der Sonne entfaltete. 3„Ich möchte wohl wissen, wen Oskar einmal heiraten wird?“ sagte sie, und Tante Margret antwortete:„Irgend eine englische Miß mit reichlichen Schätzen dieser, aber mit keinen der künftigen Welt.“ i Eines Tages kam ein Brieschen von Oskar, in dem er ssagte:„Herrlicher Morgen! Was meinst Du zu ein paar Stunden auf dem Fjord? Werde Dich sogleich abholen.“ Sie nahmen ein dem Faktor gehöriges Boot und richteten seinen Lauf der von zehntausend Eidergänsen be— wohnten Insel Engey zu. Beide ruderten beim Verlassen der Landungsbrücke, sobald sie jedoch außer Seh- und Hör⸗ weite waren, ließen sie die Ruder sanft nachschleifen und sich treiben. Die See und der Himmel waren blau und regungslos wie zwei sich zugekehrte Spiegel, jeder warf den anderen zurück, und das Boot schwankte wie eine große Hummel surrend dazwischen. kann niemand Oskar gebärdete sich wie ein Knabe. Er lachte und schwatzte ununterbrochen und erzählte, was sie als Kinder alles zu tun pflegten. Damals sei er nicht sehr ritterlich gewesen, erinnere er sich, wenn sie ihn aber sehr flehentlich gebeten hätte, pflegte er ihr zu erlauben, auf seinem Schlitten zu sitzen, und dann war es krachend und knackend durch den gefrorenen Schnee gegangen. Sie hatten in jenen Tagen auch kleine Zwistigkeiten gehabt, und die Leute pflegten dann zu sagen:„Kinder, die sich zanken, werden oft ein Paar.“ Sehr weise waren die Leute gewesen, nicht wahr? Sie landeten auf Engey und streiften dort auf Suche nach Eidergänsen umher. Die Vögel hatten die Insel jedoch schon verlassen und sie fanden weiter nichts in ihren Nestern als ein- Paar verblichene und ausgebrütete Eier. „Wir sind zu spät hierher gekommen,“ sagte Oskar. „Sind wir nicht zu spät hierher gekommen, Thora?“ fragte er, sich niederbeugend und ihr von der Seite ins Gesicht blickend, von neuem. Und Thora, die leise vor sich hin ge⸗ summt hatte, wurde feuerrot. Ihre beiden Augen sprühten und sie bebte vor Erregung. „O, daß wir noch einmal Kinder sein könnten!“ Oskar.„Möchtest Du das nicht auch, Thora?“ Ehe sie sich dessen versah, hatte Thora mit„Ja“ geant⸗ wortet und wandte sich dann verlegen der Richtung des Bootes zu. Der Erdboden war von engen Furchen durch⸗ zogen, die der Winterfrost in das Gras gerissen hatte, und Oskar sagte:„Wir können nicht miteinander in einer Furche gehen.“ „Dann hasche Du mich,“ antwortete Thora und lief lachend davon. g Oskar lief hinter ihr her und ergriff und hielt sie beim Gürtel; darauf wurde sie ernsthaft und fing nach einer Weile zu weinen an. „Hab ich Dir weh getan?“ fragte Oskar. sagte „Nein, nein! es ist gar nichts. Ich bin töricht! mich noch einmal!“ sagte Thora, ihm die Mütze vom reißend und über die Furchen dahinfliegend, und war, er sie eingeholt hatte, in das Boot zurückgesprungen. Als sie beim Faktor wieder anlangten, händigte Tant Margret, die gemessen und nachdenklich erschien, Oskon einen Brief ein, den seine Mutter für ihn gebracht ö Er war von Magnus und lautete: „Lieber Oskar— ich freue mich, von Deiner Hei kehr zu hören und ich wünsche, ich hätte zu Deiner Be kommnung dort sein können. Du bist gerade zu bis ich selbst mein Glück fassen konnte. Sie war ein zureißen. Nun da sie aber einmal mein ist, fühle ick nel Amboß vor, den selbst die heftigsten Schläge nicht eintreiben kommen und Thora mitbringen willst. Nun überhaupt zur rechten Zeit zukommen zu lassen.— war, vermochte Thora durch den Flor, der ihr wie eine al Augen schwebte, ihn kaum zu erkennen. Im nächsten Aug g guten Stunde angelangt, denn man wird Dir von me Glück mit Thora erzählt haben. Es hat lange gewä liches, kleines Mädchen, daß es mir selbstsüchlig vorke sie aus ihres Vaters Hause, wo jeder sie so siebt, he Kräfte in meinen Adern und arbeite für drei. 0 b so glücklich, daß mir alles gelingt und komme mir wie 1 machen können. Ich sehne mich aber, Dich p und schreibe, um Dich zu bitten, ob Du nicht zum muß ich aber schließen, denn wir lagern draußen Bergen, und es wird schwer halten, Dir diesen Dich liebender Bruder Magnus Stephens Oskar las den Brief laut vor, und als er damit fe hellen Wintertage sich auf das Tal herabsenkende und die schimmernden Berge verhüllende, naßkalte Nebelwolke b blick jedoch lachte Oskar— ein wenig nervös— und „Laß uns jedenfalls gehen. Ich werde Silverto⸗ halten und ihn Dir morgen früh um fünf Uhr h bringen.“ Fortsetzung ä — E — 2 — — — 2 — 0 * 8 — * 2 2 25 2 — — 2 2 ö. ung fassungsmäßige G. f itigt. auf der die Länder den e e 1 5 ben ung ihrer Bahnen an das Reich geschlossen haben. Bayern wird also binnen kurzem— so verlangt es diese Denkschrift— die Loslösung seines ehemaligen Staatsbahn⸗ etzes aus dem Verband der Reichseisenbahn beantragen. damit wird ein neues Kapitel innerpolitischen Kampfes be⸗ nnen, und das just in dieser vielleicht schwersten Schicksals⸗ unde des Deutschen Reiches. Man kann sich des Eindrucks icht erwehren, und zwar trotz des vielfachen patriotischen Anstriches der Denkschrift, daß den heutigen maßgebenden herischen Politikern das eine Interesse weit über ihre Interessen am Schicksal des Reiches geht, nämlich das Inter⸗ esse, so schnell als möglich die volle staatliche S ändig⸗ beit Bayerns wieder zu erlangen. ee eee Deutscher Reichstag. Berlin, 16. Juni. Im Reichstag waren am Samstag nicht weniger 105 drei Plätze mit Blumen geschmückt. Der Deutschnationale Dietrich und der Zentrumsabgeordnete Herold gehörten an dtesem Tage 25 Jahre dem Reichsparlament an und der kommu⸗ 5 sche Abgeordnete Hel le in war aus französischer Haft aus Paris zurückgekehrt. Prästdent Löbe hielt allen dreien eine Glück⸗ wunschansprache und gab unter dem Beifall des Hauses dem 5 sche Ausdruck, daß bald alle von den Franzosen festgehaltenen 1 tschen wieder in die Freiheit zurückkehren mögen.— Debatte⸗ les wurde dann ein Antrag aller Parteien auf Einrichtung einer Neeichsbeschaffungs⸗ und Vertetlungsstelle und ein durch die Geld⸗ entwertung bedingtes Steueränderungsgesetz ange⸗ nommen. 5 Anschließend wurde die zweite Beratung des Gesetzentwurfs . 2 2 1 . zur 1 Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten 3 esetzt. Genosse Dr. Grotjahn trat für den Vertrieb 755 ängnisverhütender Mittel ein, die auch gleichzeitig zur Ver hütung von Geschlechts krankheiten dienen. Gegenüber einem An⸗ ttag der bayerischen Volkspartei, der die Prostitution allgemein f verbieten und bestrafen will, erklärte Genossin Dr. Schreiber⸗ Krieger, daß damit der Polizeiwillkür Tür und Tor geöffnet werde. Nur Erziehung könne das Uebel aus der Welt schafsen. Der Antrag wurde schließlich nach längerer Aussprache abgelehnt, wobei das Zentrum geteilt stimmte. Der Rest der Gesetzentwürfe 5 in zweiter Lesung verabschiedet. Der Abgeordnete Kahl kündigt an, daß die Deutsche Volkspartei für die ͤritte Lesung des esetzes namentliche Abstimmung über das Verbot der Behand⸗ ng durch Naturheilkunde und namentliche Schlußabstimmung be⸗ antragen werde, wodurch jeder einzelne Abgeordnete, da auch kein Fraktionszwang geübt werden wird, zu diesem umkämpften Gesetz seinen Standpunkt frei vertreten kann. Darauf folgte die zweite Beratung des Heimarbeiter⸗ lohngesetzes, das Arbeitsminister Brauns begründet. In dieser Vorlage ist die Einrichtung von Lohnämtern zur Festsetzung für Heimarbeiterlöhne vorgesehen. Wie dringend mor⸗ wendig eine Hilfe auf diesem Gebiet ist, unterstrich die deutsch⸗ nationale Berichterstatterin, die hervorhob, daß die Heimarbeiter⸗ innen noch zu Pfingsten dieses Jahres für den von der Damenwelt so verehrten„Jumper“ 650 Mk. bekamen, was für die Arbeits⸗ 5 Jane 25 Mk. ausmacht. Die Vorlage wurde in zweiter und dritter Beratung endgültig angenommen.— Nächste Sitzung: 3 8 0— Gießen und Umgebung. eisenbahn A— 5 dias Niddertal- Kraftwerk. inf m Samstag wurde das in Lißberg errichtete Kraftwerk er⸗ 9 1 d in Vetrieb genommen. Damit ist in verhältnismäßig zolichkett ke kurzer Zeit— die Bauzeit beträgt etwas mehr als Ave e— vöglichte i ein Werk vollendet worden was für die Provinz Oberhessen von tt wenintr! großem Werte ist und ihrer industriellen, gewerblichen und land⸗ ssen bei der wfrbschaftlichen Tätigkeit bedentende Vorteile bringen wird. 125 Ulber das Werk haben wir schon früher Ausführungen in unserem 0 ABlatte und die Anlage näher besprochen. Aus den Reden, ee e er e der eee weder n ez * e Bedenttung zu entnehmen. Es r Werk in der Stromversorgung fich Zu diesem Zwecke werden die Wasser⸗ — 0 Hillersbaches ausgenutzt und es ist durch — 1 5 Millionen Kilowattstunden Strom 0 1 zu erzeugen. ist im Hillersbachtal e e. von dort aus wi derliche Wassermemge 1 mögli 1 Lom n 5 1 5 Turbinen f Minute, genau wie die mf⸗ N ade In be en sie stets gleichen„Schritt“ — 0 1 Wölfersheim Störung ein⸗ ae dere e der Lage, die ungestö te lane ce t, so ist das Lißberger Werk in au, daß dies chen g 10 n een e t fällt aber ins Ge⸗ — e Abel ie teuren dtn; lige Arbeitskraft ist, die 151 b Eransporttglen 11 5 8 du N. 5 fle auch die Aulage. deren Aten ger 15 Milltonen i 70 erochnet werden, guch sehr bald e les die im Kastno der it del. Zu der Eröffwung ehrt wurde, hatten sich Staats⸗ mme mit uderuswerk in er 0 Brentano, Sande orb 11 er, eondzacsab ge bnee, die Hrovingtelfe rwe 10 1 r Vertreter der obergelsster 9 8 Weine nit un 5 1 Werke beteiligten Ingenieure, 5 5 1 5 Eisenbahndsrektion l vllt 15 Arbeiterschaft, ferner der Präsiden gen 1 rankfurt, Stapf, eingefunden. 90 4514 begrüßte die Er⸗ 2 brwvlnttah waer en opinz. Er dankte allen denen, die an 255 Nror mitgearbeitet haben. Hierbei hob g endeten Werke mit: dem mmmehr. deh ege, 0 Geib Trotz Ungunst Weber es Errichtung eines der⸗ Errichtung der Zeit vorher viel 0 serkes in die Wege. ö ah ren 75 e Werk durchgeführt ie ee bebt wurde. 364 elende stritten und dem ae 5 ebe rlandzentrale 5 be wl 15 5 g be 177 des Schlites, der 500 werden würden. „ n noch die 217 D aserwerk mit versorgt lich im Nahmen 1 von. 12„durchzuführen ist nur 0 i de Unternehmu der eshstverwaltung und in einem uz lichkeit 58 er Verbände der Sr Verbänden Bewegungsmöglichkei die Gesetzgebung diesen Die Gießener Staatspräsihent Ulrich dankte für die freundlichen Worke des Vorredners und beglückwünschte ihn und die Provinz zu der gekeistetew Arbeft. Im einer Zeit wie die heutige bedeutet ein Werk wie dieses den Beweis dafür, daß wir wieder vorwärts kommen. Manchmal hade es trübe genng ausgesehen; er sreue sich, daß es soweit gepackt worden ist. Wir machn jetzt eine befondere Epoche ber Selbstverwaltung ditrch. Es darf kenten, Still sband geben! Wir haben die Verpflichtung, unseren Nachkommen zu eigen, daß wir vorausschauend in der Sorge für die Allgemein⸗ beit wirkten. Dieses Werk zeigt, daß der Geist vorwärts schreilet. Dabei ist die Gleichberechtigung der Arbefterklasse von großer Bedeutung. Hier handelt es sich um die Lösung des Problems, die Kohlen, die einmal zu Eade gehen werden, zu ersetzen. Die Vollendung des Werkes beweist, daß wir auf dem Wege zu besseren Verhöltnissen find.— Beide Ansprachen wurden mzit lebhaftem Beisall aufgenommen. Baurat Lorenz ⸗ Friedberg, einer der Leiter des Werkes, wies auf das Schillerwort hin:„Wohltätig ist des Feuers Macht“. In diesem Wort se die Bedeutung des Feuers gekennzeichnet. Hier handelt es sich un Ersatz des Feuers. In Hassen haben wir nicht so große Wasserkräste wie in der Schweiz, auch nicht so be⸗ 1 Niedrschlagsmengen. immerhin sind sie für Hessen erheb⸗ lich. Zeichnungen. Die Leitung des Baues hatte Direktor v. Stadler. Kulturinspektor Strasser bat die Aufgabe der Absteckung des Tunnels glänzend gelöst. Am 11. November 1920 wurde das Werk in Auftrag gegeben. am 16. März 1921 erfolgte der erste Spatenstich. In reichlich zwei Jahren Bauzeit ist das Werk nun vollendet, vor dessen Uebergabe wir stehen. Mit Stolz blicken wir auf das Erstlingswerk in Hessen. Glücklicherweise kamen Unfälle nicht vor; ein Arbeiter starb an andern Ursachen. Redner hebt die Tätigkeit und Ausdauer der Arbeiterschaft lobend hervor. Möge des Wassers Kraft mithelsen, Gesundheit zu schaffen, uns zu heilen von der Versailler Krankheit.— Direktor Stadler von der Ueberlandansage Friebberg ergänzte die Ausführungen des Vorredners. 1912 fing Oberhessen das Kraftwerk Wölsers⸗ heim an, das jetzt 1000 Kilometer Leitung umfaßt. Die größte Entfernung der versorgben Orte beträgt 100 Kilometer. Für die weiteren Entfernungen beträgt die Spannung 20 000 Volt, für die kürzeren 5000 Volt. Angeschlossen sind jetzt 346 Gemeinden, 450 Transformatoven⸗Stationen fund eingerschtet. 20 Mi onen Kilowattstunden wurden im letzten Jahrg abgesetzt. Die Turbinen des Werkes leisten sede 1000 Pferdestärken, sie sind mit den Wölfersheimer Maschinem parallel geschaltet.— Die Versammelten begaben sich hierauf nach dem Hillersbach⸗ tal zur Besich sigung des Stauweihers, dann des Wasserschlosses, worauf man sich ans Werk begab. Hier übergab Baurat Lorenz dem Provinzialdirektor den Schlüssel, der nochmals allen Mit⸗ arbeitern dankt und den Schlüssel dem Direktor Stadler übergibt. Dieser versprach, das Werk in getreuliche Obhut zu nehmen. Er öfsnete hierauf das Tor. Stagtspräsident Ulrich trat ein mit den Worten:„Möge in Erfüllung gehen, was wir alle wünschen!“ Nach Besichtigung der Anlage wurden die Turbinen in Betrieb gesetzt und bald ertönte das bekannte Summen der Regene ratoren. Bes dem gemeinsamen Mitlagessen in Hirzenhain ergriff wiederum Provingialdirektor Dr. Matthias das Wort, um nochmals allen zu danken. die mitgearbeitet haben. Viele fimamzielle Schwierigkeiten waren zu überwinden, wobei Baurat Wolff tat⸗ Frästig mithalf. Was fetzt von öffentlicher Hand errichtet wird, erregt den Neid der Gegner. Er rühmt die Berdienste des Lamd⸗ sorstmeisters Weber an dem Zustandekommen des Werkes, dem ein Album überreicht wurde. Weitere Reden folgten, in denen viel Gutes und Richtiges gesagt wurde. Es sprachen u. a. noch: Minister v. Brentano. Abg. Brauer, Präsident Stapf, Bergbat Grötler, Direktor Schö per won der A. E. G 7 Landesforstmeister Weber, zum Schluß Staatspräfident Ulrich, der die Zuversicht auf die Zukunft der Arbeit und den wahren Fortschritt zum Ausdruck brachte. 5 Gerichtsurteile in der hessischen Volkskammer. 1 Gben ist in unserer Zeitung eine Artikelserie zu Ende geführt worden, die sich mit der ungenügenden und irreführenden Bericht⸗ erstattung des Gießener Anzeigers befaßte über Vorkommnisse, die jeden Gießener interessieren müssen, und schon wieder drängt sich dasselbe Thema auf. g 0 Für gewöhnlich gebärdet sich bekanntlich der Lokalpatriotismus des Generanzeigers für Oberhessen fuchsteufelswild. Wenn in Hessen oder in Deutschland oder gar draußen in Amerika der Name „Gießen“ nur irgendwo ahlstaucht, sofort öffnet der Anzeiger liebe⸗ voll seine Spalten zum Nachdruck. Nun gar, wenn es sich um etwas Wichtiges“ handelt. Da gibt es gleich vier Fortsetzungen, wie über den Darmstädter schulpolitschen Prozeß zugunsten des reaktionären Gießener Schuldirektors und zu ungunsten des demokratischen Gieße⸗ ner Studienrats. Auch der„Holitische Beleidigungsprozeß Lenz⸗ Vetters“ wurde ja mit eigens erfundener Ueberschrift eingehend vor dem Leser ausgebreitet bis in das letzte Eingesandt des anti⸗ semitischen Rechtsanwalts. Aber seltsam, höchst seltsam: plötzlich setzt wieder die bekannte„Papiernot“ ein. Der sozialdemokratische Abgeordnete Rechtsanwalt Sturmfels hat füngft in einer Landtags⸗ sitzung in Darmstadt die Gießener Gerichtsurteile ausführlich be⸗ handelt. Wir haben seine Darlegungen unseren Lesern mitgeteilt (Nr. 135). Was erfuhren aber die Leser des Gießener Anzeigers hiervon? Ebensoviel wie über den Punkt„Rathenaufeier“ der Darmstädter Gerichtsverhandlung im Verhöre des bekannten Schul⸗ direktors und Schützlings des Prof. Schian und des Anzeigers, nämlich nichts, rein gar nichts. Doch halt, wir wollen streng bei der Wahrheit bleiben. Was in der Rede von Sturmfels nach dem Bericht des Anzeigers fehlt, deutet der gleiche Bericht am Schlusse der Rede des Deutschnationalen Dr. Werner an:„Der Redner führt im weiteren eine Reihe Spezialfälle an, wie die Fälle Vetters, Schmahl usw.“ Also ganz versteckt und harmlos werden die zwei Namen genannt, bei denen der Leser nicht sofort wissen kann(natür⸗ lich auch nicht wissen soll!), um was es sich handelt. Schmahl? Also wohl Landgerichtsrat Schmahl. Aber was hat der Mann ver⸗ brochen? Nur wenige Eingeweihte wissen, daß hier das 3 Mark⸗ Urteil des Schöffengerichts, dem Herr Schmahl präsidiert hat, ge⸗ meint ist. Und bei„Vetters“ ist auch nicht ohne weiteres klar, daß hier an das 100 000 Mark⸗Urteil zu denken ist. Aber noch ein anderer Satz in der Rede Werners hat dem Anzeiger so gut gefallen, daß er ihn wiedergibt:„Ehrverletzungen sollten in ganz anderer Weise bestraft werden, dann wird auch der Ton in der Presse anders werden.“ Ja, dafür sind wir auch, wenn es sich um wirkliche Ehrverletzungen handelt, wie z. B. im Falle Michel—Hessische Landeszeitung. Aber die Auffassung der Richter deckt sich oft nicht mit der des simplen Laienverstandes, wie just im Fall Lenz⸗Vetters. Gerichtsverhandlungen der letzten Zeit haben auch gezeigt, daß rechtsstehende Politiker der Meinung sind, daß ihre Ehre ein besonderes Gut sei, das den besonderen Schutz der Gerichte verlange. Nebenbei gesagt: Prof. Dr. Ferdinand Werner klagt über den Ton der Presse. O weh! Und der Justizminister bemerkt in einer späteren Sitzung, der Gießener Amtsgerichtsdirektor(also Schmahl) sei in dem 3 Mark⸗Urteil von seinen Schöffen überstimmt worden! Was muß nicht also so ein armer Schöffengerichtsvorsitzen⸗ der schließlich auf seine Kappe nehmen, sogar eine Urteilsbegrün⸗ dung, in der u. a. dem angeklagten Ohrfeigen⸗Austeiler der Schutz des§ 193 Str. G. B. zugebilligt wurde, weil er in Wahrung allge⸗ meiner vaterländischer Interessen gehandelt habe, und worin be⸗ dauert wurde, daß das Gericht nach dem Gesetz überhaupt zu einer Verurteilung kommen mußte. Das alles haben demnach eigentlich die überstimmenden Schöffen auf ihren Gewissen? Freilich der politische Parteifreund des Herrn Amtsgerichtsdirektors, Dr. Werner, scheint nun wieder dem Urteil inhaltlich zuzustimmen, wenn er unserem, Genossen Sturmfels, als dieser von einer„krassen Roheit“ sprach, Redner erklärt im weiteren die Anlage an der Hand von richterliche Urteile vor der Vertretung des hessischen Volkes als b Kirchen erhebliche Umbauten vornehmen, sogar kostspielige Zeit von 7—8½ Uhr vormittags erfolgen. losenunterstützung. „die mit lächerlicher Milde behandelt worden sei“, zurief: Daß Deutschlandlied ist Nationalhymne! g Der Justigminister hat weiterhin zugegeben, daß die Strafe von 3 Mark zu der von 100 000 Mk. im Prozeß Vetters in keinem Ver⸗ hältnis steht. Diesen Satz bringt auch der Gieß. Anz., aber nur ihn allein. Er kann sich nicht dazu aufschwingen, die Beurtetlung, die die Gießener Rechtsprechung aus dem Munde dez höchsten hessischen Justizbeamten erfahren hat, in ihrer Vollständigkeit wiederzugeben. Der Justizminister hat nämlich schon im Beginn seiner Rede zuge⸗ geben, daß„im allgemeinen fachlich kritistert worden sei“, und er hat weiter das außerordentlich wichtige Zugeständnls gemacht, daß in dem großen Justizressort„Unterlassungen, Menschlichkeiten und Fehler vorkommen.“ Da nun die Kritik hauptsächlich von Genossen Sturmfels geübt worden war und sich gerade ö beiden Gießener Urteile stützte, unter Beibringung des gesamten Materials, so müssen wir daraus schließen, daß der Justizminister dieses Zugeständnis gerade aus diesen Urteilen herleitete. Er hat also im Grunde die Beurteilung, die wir in unserer Zeitung ge⸗ geben hatten, sich zu eigen gemacht. Das wird uch durch den wei⸗ teren Satz seiner Rede bestätigt:„Bei den Urteilen in Gießen ist es freilich schwer, ganz ruhig zu bleiben“. Dieser Satz wird den Lesern des Gieß. Anz. natürlich völlig unterschlagen. 0 Die Verurteilung durch den Justizminister aber— denn nicht mehr und nicht weniger enthalten seine Worte— fällt umso schwerer ins Gewicht, weil sie nicht etwa von einem sozialdemokratischen Minister ausgesprochen wurde, sondern von einem Manne, der auf der rechten Seite des Zentrums steht. Wer Herrn v. Brentano kennt, kann ihm nachfüßlen, daß es ihm nicht leicht gewesen ist, Fehlurteile zu bezeichnen! 1 0 5 Wir stellen also fest, daß in diesem Falle der Gieß. Anz. wieder 0 einmal der Gelegenheit, der Wahrheit eine Gasse zu bereiten, aus dem Wege gegangen ist. Seine Leser erfahren von der Behandlung der fast berühmt gewordenen Gießener Gerichtsurteile in der Kam⸗ mer sozusagen nichts, und das war wohl der tiefere Grund— der plötzlichen Raumnot! f — Ein berechtigter Antrag. Der hessische Staat hat der katholischen wie der evan⸗ gelischen Kirche in Hessen zinslose Vorschüsse gewährt, wo⸗ durch diese beiden Kirchen recht bedeutende Vorteile ge⸗ nießen, während die übrigen Religionsgemeinschaften ohne diese Hilfe sind und ihrer Betätigung so erhebliche Grenzen gezogen sind, daß sie z. T. ihren Predigern nicht mehr das Existenzminimum gewähren können. Die sozialdemokrati⸗ sche Fraktion im hessischen Landtag hat jetzt beantragt, diese 1 zinsfreien Vorschüsse nicht zu gewähren und hierzu folgende Begründung gegeben:„Das Hessische Finanzministerium zahlt nach einer im Finanzausschuß gemachten Mitteilung an die beiden Religionsgemeinschaften jetzt monatlich 500 Millionen Mark. Der Staat muß für diese Kapitalien 20 Prozent Zinsen bezahlen. Er macht damit den Kirchen ein Geschenk von monatlich 100 Millionen Mark. Zu dieser Leistung besteht für den Staat keinerlei rechtliche Ver⸗ pflichtung, bedeutet somit ein Privileg für die Kirchen, während gleichzeitig andere kulturelle Maßnahmen mit Rück⸗ sicht auf die finanzielle Notlage des Staates zurückgestellt werden müssen. Außerdem bedeutet es eine Benachteiligung der anderen keiner Religionsgemeinschaft angehörenden Staatsbürger.“ In einer Zeit, da, wie es der Augenschein lehrt, die Innenausbauten, die sogar den Gläubigen mißfallen, vor⸗ nehmen, anderseits gber nicht einmal die Mittel aufgebracht werden können, der gräßlichen Obdachlosigkeit steuern und für biese 100 Millionen monatlich 2 Wohnungen errichtet werden können, dürfte ein solcher Antrag wohl berechtigt sein. Wenn einige Blätter darum herkommen und den Antragstellern Kirchenfeindlichkeit vorwerfen, so ist das völlig unberechtigt. Es gibt Kirchengemeinden, die große Vermögenswerte besitzen, während der Staat heute völlig verarmt ist und er kaum noch als kreditfähig erkannt wird. Die Kirche aber hat bekanntlich einen guten Magen und würde auch noch dem verarmten Staat das Letzte abnehmen, selbst wenn die Bevölkerung in elenden Wohnhöhlen ver⸗ kommt. Wenn in diesem Zusammenhang in Zentrums⸗ blättern gesagt wird,„daß der Staat vor 120 Jahren der Kirche ihr Eigentum gestohlen hat“, so ist das eine Art von Journalistik, die arg nach Miesbach riecht, und zu der Frage berechtigt: Wie hatte denn die Kirche dies Eigentum„er⸗ worben“? 0 — Kein Obstverkauf durch die Kreisverwaltung mehr. Wie uns amtlich mitgeteilt wird, beschloß der Kreisausschuß auf An⸗ regung der Kreisverwaltung, den seit Jahren in der Turnhalle zu Gießen eingerichteten Obstverkauf in Zukunft einzu⸗ steklen, weil durch diese Verkäufe nie eine Senkung der allge⸗ neinen Marktpreise erreicht wurde und die ständig steigenden Erntekosten die Kreiskasse zu sehr belastet. Den Interessenten wird deshalb empfohlen, sich an den später öffentlich bekannt zu gebenden Obstversteigerungen zu beteiligen oder ihren Vedarf anderweitig einzudecken. 1 Die Teuerung in der ersten Hälste des Monats Juni. Die städ statistische Stelle berichtet: Die amtliche Teuerungszahl für 10 beträgt für den 6. Juni 506 221 gegenüber 361913 am 23. Mai un 291 804 am 9. Mai 1923. Die Teuerungszahl war somit am 6. Juni um 40 Prozent höher als am 23. Mai und um 73,5 Prozent höh als am 9. Mai 1923. Es betrug die Teuerungszahl am 6. J. gegenüber 23. Mai 1923 in: Mainz 540 237(376 607); Darmstadt 526 609(350 869); Offenbach 506 221(361913); Worms 508 148 (397 095); Gießen 506 919(358 512). 1 Einziehung der Zeitungsbezugsgelder durch die Briefträger. Die Einziehung der Zeitungsbezugsgelder von den Postbeziehern erfolgt durch die Briefträger in der Zeit vom 19. bis 21. ds. Mts. Zur Förderung des Einziehungsgeschäfts werden die Bezieher er⸗ sucht, die Beträge bereitzuhalten. Dies liegt nicht nyr im Interesse der Post, sondern auch der Bezieher selbst, denn unpünktliche Be⸗ zahlung hat Stockungen in der Lieferung der Zeitung zur Folge. — Viehmarkt in Grünberg. Am Donnerstag, 21. Juni findet in Grünberg Viehmarkt statt. Der Auftrieb darf nur in der Die Herkunft der Tiere ist durch Ursprungszeugnisse nachzuweisen. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen usw. vom 15. Juni enthält: Pflegegeldsätze in den Landes⸗Heil⸗ und Pflegeanstalten.— Gebühren der Schornsteinfeger.— Erwerbs⸗ — Beschädigungen der elektrischen Ueberland⸗ anlage.— Vollstveckuno von Räumungsuxteilen.— Einteilung der Dionstgeschäste am Kreisveterinäramt Gießen.— Viehmarkt in Grünberg.— Vermißt.— A, gemeiner Jugendseiertag.— Kreis⸗ bücherei.— Straßensperre.— Ausschreiben. 1 Silberne bachzeit. Der Genosse Landtagsabgeordnete Alfred Kiel nebst dau seiern heute das Fest der silbernen Hochzeit. * 8 Der Finanzausschuß nahm am Donnerstag den Antrag Kaul zur Erwerbslosenfürsorge an, wonach das Reich 30 üiarden geben soll. Zu weiteren Anträgen erklärten Zentrum, zgeutsche Volkspartei und Bauernbund, daß ihre Fraktionen noch peine Stellung haben nehmen können. Ein Vermittlungsantrag Delp, eine Deputation zu wählen, die in Berlin Schritte unter⸗ ehmen soll, fand Annahme. Die Deputation wird sich in den nächsten Tagen nach Berlin begeben. Die Tenurungszahlen der 5 größten Städte SHessens. Nuf SGSrund der Preise vom 6. Juni 1923 ausschlteßlich der Bekleidung 5 rugen für Mainz 540 237, Darmstadt 525 602, Offenbach a. M. g 221, Worms 508 148, Gießen 506 919. Die Teurung aus⸗ „ schließlich Bekleidung ist seit dem 9. Mai um 66,7 Prozent, ein⸗ al gle Bekleidung um 70,2 Prozent, seit dem 23. Mai aus⸗ schlürßlich Bekleidung um 41,7 Prozent, einschließlich Bekleidung um 42,6 Prozent, gestiegen. Kreis Wetlar. Wetzlar, Der Wedlar⸗Braunfelser Konsum⸗ erzielte in den elf Monaten des laufenden Geschäftsjahres in 23 Orten mit 28 Verteilungsstellen rund 1½ Milliarde Mark Umsatz 8 Monat Mai betrug der Umsatz allein 523 Millionen Mark. ie Mitgliederzahl stieg um 2200 und beträgt 9000 Familien. Der 5 eingezahlte Geschäftsanteil beläuft sich auf 57 521884 Mark oder pro Mitglied 6391.32 Mark. Die Spareinlagen betragen 20 408 731 Mark. 6400 Mark Betriebskapital hat also die Ge⸗ 2 von jedem Mitglied im Besitz. Zur Versorgung eines 2 itgliedes mit den nötigen Bedarfsgütern sind aber heute min⸗ bdestens 100 000 Mark notwendig. Das flüssige Kapital ist also viel zu gering. Bedenkt man dabei, daß im Frieden der Geschäfts⸗ anteil 60 Mark betrug, heute der eingezahlte Anteil von 6400 ark je Mitglied auf 10 Pfennig herabgesunken ist, dann ergibt ich ohne weikeres die zwingende Notwendigkeit, den Geschäfts⸗ anteil zu erhöhen und alsbald einzuziehen. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Die Genossenschaft ist Eigentum der Mit⸗ glieder und der Geschäfsanteil das Betriebskapital. Soll eine gute, möglichst billige Warenversorgung erwirkt werden und der e für alle Mitglieder günstig sein, dann muß von den Mitgliedern auch das nötige Kapital aufgebracht werden. Der Geschäftsanteil ist Eigentum der Mitglieder und wird mit 4 Pro⸗ sent verzinst. Der Mitgliederausschuß wird am 17. Juni und eine außerordentliche Genralversammlung am 8. Juli zu diesen Fragen Stellung nehmen. Der Zinsfuß für Spareinlagen wurde den Verhältnissen entsprechend erhöht. Für die Sicherheit der Gelder haftet die Genossenschaft mit ihrem ganzen Vermögen. In den Verteilungsstellen und am Bureau werden Zahlungen ent⸗ gegen genommen. Die Mitglieder werden wegen Jahresschluß ge⸗ . ten, etwa in größerer Menge angosammelte Rückvergütungs⸗ . au de alsbald zu 50 000 Mark gebündelt gegen Umtauschscheine 6 in den Verteilungsstellen einzutauschen. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 15. Juni. Wie man umsonst zu Fleisch kommt. Das billige und einfache Rezept wendet augenblicklich mit großem Erfolg ein Schwindler bet hiefigen Metzgermeistern an. Er betritt mit zwei Pappkartons den Laden, kauft eine größere Menge Fleisch ein, die er in den einen Pappkarton tut und bestellt darauf eine weitere, nicht unbeträchtliche, Menge Fett. Während die Verkäuferin das Fett abwiegt, wirft er heimlich das Fleisch 15 den zweiten Karton, stellt den leeren auf den Ladentisch und tfernt sich mit dem Bemerken, man möge ihm das Jett zu dem Fleisch tun, er käme sofort wieder. Der Mann bleibt natürlich Berschwunden und mit ihm das Fleisch. Bis letzt ist ihm das Gaunerstückchen in vielen Fällen gelungen. Frankfurt a. M., 15. Junt. Um Millionen bestohlen. Im Palmengarten wurde einem Herren, während er an der Garderobe seinen Mantel in Empfang nahm, die Brieftasche aus der hinteren Hosentasche mit etwa fünf Millionen Mark gestohlen. Auch im Zirkus Straßburger stahl man einem Gast die Brieftasche mit zwei Millionen Mark aus dem Mantel.— Innerhalb der letz⸗ ten vier Tage verhaftete die Schutzpoliget nicht weniger als 12 Metalldiebe, die an ihren Arbeitsstätten größere Metallvorräte ent⸗ wendet hatten.— Einem Kriminalbeamten wurde die Wohnung 1 ausgeräumt, Wäsche und Kleider von erheblichem Werte geraubt. * Aus einem Zigarrengeschäft in der Bergerstraße stahl der Schuh⸗ f macher Philipp Kaufmann für eine Millton Mark Zigarren. Der Dieb hatte aber Pech, denn als er den Laden verließ, erwartete ihn bereits die Polizei. 1 Frankfurt a. M., 15. Juni. Ein Milliarden⸗Haus⸗ altsplan. In der Stadtverordnetenwersammlung legte Ober⸗ bürgermeister Voigt den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1923 vor und bemerkte dazu, daß wegen der ungeklärten Lage man nicht sagen könne, inwieweit der Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben sich deckten oder ob sich ein tatsächlicher Fehlbetrag ergebe. Eine vorläufige Zusammenstellung der Sonderetats der 1 einzelnen Verwaltungszweige ergibt bei einer Ausgabe von 99 376 Millionen Mark eine Einnahme von 82 713 Millionen Mark. Es erfordern Zuschüsse folgende Verwaltungszweige: Schulen 6830 lionen Mark, Gesundheitswesen 5913 Millionen Mark, Wohl⸗ ahrts⸗ und Jugendamt 5710 Millionen Mark, Wissenschaft, Kunst und Volksbildung 1389 Millionen Mark, das Hochbauamt 1286 g üllionen Mark, das Tiefbauamt 11,34 Millionen Mark. Diesem Zuschußbedarf von rund 27,7 Millarden Mark stehen an Einnahmen aus Steuern und Ausgaben 18,8 Milliarden Mark und ein Netto⸗ 15 der städtischen Betriebe von 2,2 Milliarden Mark, gegen⸗ g 5 5 1 N in er. Die städtischen Bühnen heischen einen Zuschuß von 800 Mil⸗ n, die Universität einen solchen von 220 Millionen Mark. f re beansprucht einen Zuschuß von 350 Millionen 1. Die F Darmstadt, 14. Juni. Ausgewiesen. Wer gestern in den Abendstunden zufällig in der Nähe des Bahnhofs war, konnte ein Bild beobachten, wie es sich trauriger in diesen Tagen wohl nicht bieten kann In stömendem Regen zogen Frauen und Kinder, letztere zum Teile auf dem Arm der Mutter, mit ihrer ganzen Habe über bie Brücke, Angehörige bereits seit Tagen Ausgewiesener. denen die neue Verkehrssperre der Franzosen den einzigen Trost nahm, daß ste wenigstens auf dem schnellsten Wege ihren Ernährer nachgesandt wurden. Insolge der neuen Autosperre konnten sie nur bis Groß⸗Gerau transportiert werden. Von dort aus mußten ste de Fuß den Weg nach Darmstadt zurücklegen. Auf Benachrichtigung er hiesigen Fürsorgestellen gelang es den größten Teil der be⸗ dauernswerten Karawane in einem Möbelwagen abzuholen und trockenen Fußes unter ein gastliches Dach zu bringen. Mainz, 14. Juni. Belagerungszustand. Die Straßen⸗ brücke nach Mainz⸗Kastel int seft gestern für 5 und Radverkehr gesperrt. nur der Fußgängerverkehr ist gestattet. Ueber Mainz und Vorort ist der Belagerungszustamd verhängt. Furchtbare Mitteflungen in der Hypnose. Ein 28jähriger Schlossergeselle in Wien lebte mit einem 28jährigen Mädchen im gemeinsamen Haushalt: Da sie an offenbar hysterischen Lähmungen litt, kaufte er ein Buch über Hypnose und heilte sie angeblich durch Sypnose. Während eines hypnotischen Schlafes gab fe an, daß ihr Stiefvater, der Masseur Atolf Hobler, sie als siebenjähriges Kind und dann durch Jahre hindurch mißz⸗ Nich habe und dh sie von ihm mit 14 Jahren Mutter eines Mädchens wurde. eim Polizeikommissariat, wo die Strafan⸗ zeige erstattet wurde bestätigte sie ihre in der Hypnos gemach en Angaben und ergänzte sie noch durch die schauder⸗ hafte Mitteilung, daß sich ihr Stiefvater auch an ihrer jetzt acht⸗ jährigen Tochter, seiner eigenen Enkelin, in gleicher Weise ver⸗ gangen habe. Hobeler, der verhaftet wurde, gestand zu, daß er an seiner Stieftochter so gehandelt habe, wie sie es in der Hypnose verraten; er habe mit ihr ein Liebesverhältnis unterhalten. Auch baß er sich an dem Enkelkind vergangen hat, räumte er ein, doch habe er„nur im Rausche“ gehandelt. Er wurde dem Landesgericht eingeliefert. g N Sie konnte ohne ihn nicht leben. Wegen Diebstahl und Unterschlagung hatte sich vor dem Schöffengericht Berlin⸗Mitte der Schriftsteller Hermann Kalseik aus Wien zu verantworten. Der Angeklagte erschien vor Gericht mit langwallender blonder Mähne, und diese muß es auch wohl ge⸗ wesen sein, die besonderen Eindruck auf eine Frau J. gemacht hat, denn, obwohl sie verheiratet ist, hatte sie ein Liebesverhältnis mit K. angefangen. Ihr Liebestraum wurde aber bald bitter gestört. Eines Tages hatte ihr Angebeteter sich von ihr eine goldene Kette ausgeliehen, um damit den Presseball zu besuchen. Bald darauf bemerkte sie auch das Verschwinden eines goldenen Ringes. Hier⸗ durch schon an ihrem Liebhaber irregemacht, kam noch Eifersucht hinzu, als sie ihn bei einer Freundin in zärtlichem Beisammensein überraschte. Kurz entschlossen riegelte sie die Tür ab und machte dem Pärchen eine große Szene, der die Angehörigen der jungen Dame ein unsanftes Ende bereiteten. Da K. die Sachen versetzt hatte, lief die Betrogene zur Polizei und erstattete Anzeige. In der Verhandlung erklärte die Zeugin, weshalb sie sich als ver⸗ heiratete Frau mit dem Angeklagten so weit eingelassen habe. Sie hatte geglaubt, ohne ihn nicht leben zu können, denn sie habe ihn als ihren Seelenarzt angesehen, denn in dieser Eigenschaft sei derselbe ihr gegenüber auch immer aufgetreten. Dem Zweifel des Vorsitzenden, ob er überhaupt Schriftsteller sei, be⸗ gegnete K. mit der Vorlegung einer Legitimation als Pressever⸗ treter für die Konferenz in Genua. Zum Beweise dafür, daß er dieser auch beigewohnt habe, legte er eine Karte vor, die die Auto⸗ gramme von Lloyd George, Rathenau, Wirth, Facta und anderen Diplomaten enthielt. Der auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. N Mayer geladene Sachverständige Dr. Hirsch erklärte Kalscik für lich belastet und stark minderwertig. Das Gericht sah auf Grund dieses Gutachtens den Fall auch ziemlich milde an und bestrafte K. wegen Unterschlagung und Diebstahl nur zu drei Monaten Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten find, sowie zu 200 000 Mark Geldstrafe. Eine sehr tragische Geschichte. Das Süddeutsche Korrespondenzbureau verbreitet die erschüt⸗ ternde Nachricht:„Wildenstein, OA. Crailsheim. Besitzwechsel? Baron Hofer will seinen Besitz, der nun über 260 Jahre in feiner Familie ist, wegen unangenehmer Wohnungsverhältnisse durch Zwangsmiete aufgeben. Ein Kaufliebhaber beabsichtigt hier Omd⸗ wirtschaft zu treiben und hierzu die verpachteten Grundstücke einzu⸗ ziehen.“— Das ist ja ein furchtbarer Racheakt! Es wäre ein unab⸗ sehbares Unglück für unser Vaterland, wenn eine derartig altein⸗ gesessene Familie— 260 Jahre!— desertieren würde. Vielleicht gelingt aber doch einem freundlichen Zureden, den Herrn wenigstens zu halten und ihm im landwirtschaftlichen Betrieb seines Nachfol⸗ gers etwa eine Stelle zu sichern. Einfach schauderhaft, wie dieser Staat die elementarsten Rücksichten gegen solch hohe Herrschaften vergißt!— Das Siiddeutsche Korrespondenzbureau hat diese Mel⸗ 905 hoffentlich durch seinen WTB.⸗Dienst bereits in die Welt ge⸗ drahtet. 1 0 Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen. 0 Sitzung vom 14. Juni 1923. 5 In der Streitigkeit des Verkehrsbundes und der Gie⸗ ßener Kohlenhändlervereinigung wegen des Wir⸗ kungsbeginnes der vereinbarten Akkordsätze der Kohlenschipper schlug der Schlichtungsausschuß den 1. Juni als Wirkungsbeginn vor. Dem Speditionsgeschäft Lynker in Gießen gab er auf, vom jeden Fuhrwerks⸗ 8. Juni an die Löhne zu zahlen, die jeweils bei den Vere Fuhrwerksbesitzern von Gießen gelten. 5 515 Die Nebenstelle Gießen der Genossenschaft für und Fettverwertung soll vom 1. Juni an die Löhn die in der chemischen Industrie in Gießen jeweils gelten. Zu diesen Schiedssprüchen erhielten die Streitteile Erklä frist. In ihrem Streit über die Nachzahlung einer rückwi Lohnerhöhung an einige Arbeiter, die schon aus dem Bet geschieden waren, einigten sich Betriebsrat und Betriebsleit Meguin⸗A.⸗G. in Butzbach, ohne sich in der bekannten gr lichen Streitfrage damit festzulegen. 5 Die Hessische Bergwerksdirektion wollte 10 beiter der Grube Wölfersheim mit Einbehaltung eines ho Schichtlohns strafen, weil sie am Samstag vor Pfingsten unbere noch vor halber Schicht ausgefahren waren. Nach der Arbeits nung kann sie nur gemeinsam mit dem Betriebsrat Strafen hängen. Der Betriebsrat versagte seine Zustimmung zu e Strafe überhaupt. Der Schlichtungsausschuß gab dem Antrag Direktion ganz statt. 5 N Als Bezirkswirtschaftsrat erklärte er auf den Antrag Wahlberechtigten die Betriebsratswahl bei der Zahnfabrik Ge für ungültig. Sie war nicht im gesetzlichen Verfuhren erfolgt. Der Betriebsrat der Meguin⸗A.⸗G. in Butzbach sah in Erklärungen der Betriebsleitung eine Beschränkung seiner aus§ 78 des Betriebsrätegesetzes, mitzuwirken bei der Festse der Akkord⸗ und Stücklohnsätze und der Grundsätze für ihre setzung und bei Erledigung von Beschwerden über die Ausbild und Behandlung der Lehrlinge. Die Betriebsleitung erklärte, wolle die gesetzlichen Rechte des Betriebsrates nicht beschränk Der Schlichtungsausschuß ergänzte in seinen Schiedssprüchen Kundgebungen in diesem Sinn. Der Achtstundentag. 5 In einer neueren Entscheidung versagt das Rei dem Arbeitgeber das Recht. den Arbeitnehmer auf eigenen W länger als acht Stunden arbeiten zu lassen. Der Angeklagte als Geschästsführer einer Holzpantinenfabrik den Arbeitern Stunden täglich zu arbeiten, da die wegen dienen zu können. berg hat den 2 tages freigesprochen. Revision der 0 Inter⸗ seime unterzuordnen habe *— Lundesvorstand der verein. sesiuldenolt Partei Hes Der Landes vorstand beruft hiermit den g ordentlichen Landes⸗Parteitag 1 Samstag, 21.(nachmittags 4 Uhr) und Sonntag, 22. Juli 1923 Darmstadt(Mathildenhöhsaal, Dieburgerstraße) ein. Vorläufge Tagesordnung: 1. a) Geschäftsbericht: Referent Bezirkssekretär Widmann b) Kassenbericht: Referent Bezirkssekretär Dey.„ 2. Tätigkeitsbericht der Landtagsfraktion(Referent wird noch be⸗ 8. auf nach kannt gegeben)., f Die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands(Ref wird noch bekannt gegeben.) a 4. Jugend und Sozialismus. Referent Genosse Westphal⸗Ber 5. Beratung der eingelaufenen Anträge. 1 6., Wahl des Bezirksvorslandes, Bezirksausschusses und des zirksbildungsausschusses. Wahl des Ortes des nächsten Partei 1 N ges. 0 Die Ortsvereine werden ersucht, zur Landesversammlu Stellung zu nehmen. Anträge für den Landespartag find spätestens Montag, 2. Juli 1923 an das Landessekretariat Offenbach a. M., Herrnstr. 16, einzureichen. Die Delegation zum Landesparteitag regelt 8 7 der Orga sationssatzungen der V. S. P. D. Hessens. Zum Parteitag können entsenden: Ortsvereine bis 100 Mitglieder 1 Vertreter Ortsvereine bis 300 Mitglieder 2 Vertreter Ortsvereine bis 600 Mitglieder 3 Vertreter Ortsvereine bis 1000 Mitglieder 4 Vertreter für je weitere 1000 Mitgleder 1 Vertreter mehr. Ueber 500 Mitglieder werden für voll gerechnet. Die Anmeldung der Nachtquartiere hat bis spätestens Sam tag, 14. Juli 1923 bei dem Landesparteisekretariat in 55 bach a. M. zu erfolgen. Die Darmstädter Genossen werden sich be⸗ mühen, für die auswärtigen Delegierten Privatquartiere zu rec mäßigen Preisen zu gewinnen, sodaß es den Ortsvereinen mit ver⸗ hällnismäßig geringen Kosten möglich ist, den Landesparteitag zu beschicken. Den kleinen Ortsvereinen wird empfohlen, sich im Unterbezirk auf einen oder mehrere Delegierte zu einigen und di Kosten umlagsweise auf die Ortsvereine verteilt aufzubringen. Mit Parteigruß J. A.: W. Widmann, Bezirkssekretär. Dollarstand Montag mittag 12 Uhr: ca. 140 000 Mark. r- — Bekanntmachung. Durch Schiedsspruch wurden der Stallpreis für Vollmilch und die Milchverarbeitungsgebühren mit Wirkung vom 18. Juni 1923 wesentlich erhöht. Unter Hinzurechnung der gestiegenen son tigen Unkosten be⸗ rechnet sich der Milchpreis ab 18. Juni 1923 für das im Milchgebiet der Stadt Gießen erzeugte Liter N auf 5 8 5 8 5 Mk. 1880.— Zur Deckung der besonderen Unkosten die durch den Bezug von Milch aus auswärtigen Mollereien entstehen, wird von jedem an Verbraucher ab⸗ gegebenen Liter Milch ein Zuschlag erhoben von. 1 (Dieser Zuschlag ist von dem Milch⸗ verkäufer an das städtische Lebens⸗ mittelamt abzuführen). Der Kleinverkaufspreis verrechnet sich mithin auf. 1 4 8 2 Mk. 2000.— für das Liter und tritt gemäß Beschluß der städt. Lebens mitteldeputation vom 16. Juni!923 mit Wirkung vom 18. Juni 1923 in Kraft. Gießen, den 16. Juni 1923. Der Oberbürgermelster. J. V.: Dr. Seib. Bekanntmachung. 1 Betr. Maurermeister⸗ und Bauunternehmer⸗Zwangs⸗ 0 Innung für den Lanbkreis Gießen. ö tallen us w. * „ 120.— Auf die Belanntmachung an den Anschlagtafeln wird verwiesen. Gießen, den 16. Juni 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Bühnenvolksbund Aufgepasstlz 4 Bis zum Donnerstag abend dauert 550 der Ankauf von Lumpen, Papier, Elsen, Me- im Hofe der Gastwirschaft und Metzgerei Müller, Bahnhofstrasse(Eingang 9 zu konkurrenzlosen Preisen! Kommen Sie zu uns! Sie werden nach Dollarkurs bedient Schösse&Lenzg aus Kassel NCC NC CDH CCC 00 880 4 8 0 8 105 90 Kilo); sowòie Zinkbadewannen und 8 Wr 1 755 Schanzenstrasse) .— ere ee Donnerstag, den 28. Juni, abends 8 Uhr, im Katholischen Vereinshaus Familienabend unter freundl. Mitwirkung der angeschl. Vereine zum Besten der Theatergemeinde. Karten im Vorverkauf bei Challier zu 1500, 1200(num.) und 800 Mk.— Abendkasse erhöhte Preise. 8 —.— Von Samstaa, den 16. bis einschließl. Freitag, den 22. Juni Fridericus Rex 4. Teil und Schluß= Ferner ein erstklasfiaes Lustspiel. Großes, berühmtes Orchester. 22 Spezialität: Ein Teil des Reinertrags wird der Ruhrhilfe über-( e—— Abbruch ganzer Maschinen, alten Zinn- wiesen. 4⁵⁴ Bekanntma un gegenständen(zahle bis 30 000 Mk. Das Volksbad in von 750 9 3 Mittwoch, Donnerstag, Freitag und alte Oefen.* Gute Bücher. ch. 5 F 9 f 7 ießen, den 9. Juni 1923. 1 sind Sachwertel ichen, der adtlsat Belksbad Geben: Kaufen Sie solche Bücher nur in der Buchhandl. Oberhess. Volkszig. irkung Stahlmatr, Kinderbetten eee 5 Hern g oral Bre ge Aatalon M en fu, „ At eben Lege, Se] Metallbetten Ackerlon aus. C. Seibel, Germania⸗ rod Risenmöbelfabrit Suff