0 dehnten: diesen Sahnboffraße 23 Ferußprecher Alb. berhessische Organ für die In der Provinz Oberhessen und der b teressen des werktätigen Volkes Nachbargebiete. zeitung Frpedition: Gießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2008. 9 i erb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 0 Dir Abonmementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ irtschaftliche Beilage 9 monatlich 3300.— Mk, einschl. Bringerlohn. Burch die k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mt Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(25 mim breit) oder deren Raum lola Mk. auswärts 80.— Mk., die Retlamemillimeterzeile 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ serdemutgz Post begog. 3900.— Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. T* 82— 1 Nr. 113 Gießen, Samstag, den 19. Mai 1923 18. Jahrgang 1 f 8 Kontuntg 2 5 4 a 1 35 — je erste deutsche naffsonal⸗Hersammung. g 2 J 1 erien R 44* 44 — Die Paulskirche. 19. Ia Das Snustem der Kongresse wird erst dann ein Uhr. wahres, wenn diejenigen, welche den Kongreß bilden, von dem Volke zum Kongreß gewählt sind; die wahren Kongresse sind nur die Völkerkongresse, die falschen ind die Diplomatenkongresse. ö 0 0 Arnold Ruge in der Paulskirche 1848. Kirchen sind im allgemeinen mittelalterliche Denkmäler. nn man sie besichtigt, hört man von Kaisern, Heiligen, Malern und Dichtern. Die einzige deutsche Kirche, an die ich revolutionäre Erinnerungen knüpfen, ist [die Paulskirche in Frankfurt am Main. Vor 75 Jahren ö schmückten sie und die ganze Goethestadt mächtige schwarz⸗ 0 kotgoldene Fahnen, Kanonen donnerten und von allen Türmen läuteten die Glocken, als die erwählten Vertreter des deutschen Volkes zur Paulskirche zogen: in ihr trat am rogramm en 1 8. Mai 1848 das erste deutsche Parlament zusammen, um traszön en Einheits⸗ und Freiheitsstaat zu schaffen, von dem die sesten des Volkes schon seit Jahrzehnten geträumt hatten. rdedressukn 0 nene 5 ierde nuleir Al i. d. Meg — 3 Adimf Rennn im kolert 3 Harl Man hatte die hervorragendsten Köpfe gewählt, mit sonderer Vorliebe naturgemäß Männer, die in der bösen eit der Reaktion für ihre politische Ueberzeugung gelitten satten. Uns wird es heute allerdings schwer, eine Ueber⸗ cht zu gewinnen, die rechte Einteilung, um dieses Bataillon render Geister zu durchmustern. Auf der außersten Rechten ab es natürlich Männer, die nach Frankfurt geschickt wur⸗ „um das zu verhindern, was die andern wollten: hoch⸗ Lacken pnütige Junket, wie Lichnowsky, unbedingte Monarchisten, Erich pie Radowitz. Auf der äußersten Linken finden wir ander⸗ its bereits entschlossene Republikaner wie Arnold Ruge Matros aug. 928 den Trierer Simon oder den Schlesier Schlöffel. Aber mne urz aus de 0 rä 3 Tlab 1 75 ö Fgniübrt ans begeisterungsfähigen und hochgebildeten 0 die Politik erst einzuarbeiten hatten. Wenn man ein Fbertyfinl heute beliebtes Schlagwort gebrauchen will, kann man sagen, 1 es schwerer ist, die Paulskirche horizontal(von rechts Lrosed ach links) einzuteilen als vertikal(von oben nach unten). ien Die Zusammensetzung dieses Parlaments bildet die ver⸗ — schiedenen Schichten ab, in denen sich der Freiheitsgedanke 2 Cori sseit drei Jahrzehnten abgelagert hatte. Man unterscheidet Lau leichter die Altersstufen als die politischen Ziele. rl. Adels Als die deutschen Stämme Napoleon J. vertrieben und erl. a ihren Fürsten wieder zur Macht verhalfen, erwarteten sie als a elohnung für ihre Taten eine Teilnahme des Volkes an 2 Wille der Regierung. Die starre Eigensucht der Höfe und leiten Raul fu Minister verhinderte aber solche Zugeständnisse fast — überall. Die führenden deutschen Länder, Oesterreich und 1 reußen, hatten bis zum Jahre 1848 keine Verfassungen. Lo kam es, daß Männer, die schon 1813 bis 1815 an der Wodit pitze der freiheitlichen Bewegungen gestanden hatten, erst da in Menschenalter später zu Volksvertretern gewählt e wurden. Zu diesen Greisen gehörten Ernst Moritz Arndt % und der Turnvater Jahn. Zeitlich folgen auf sie die Führer, ie irgendwie an den Bewegungen beteiligt waren, die nach er französischen Julirevolution des Jahres 1830 für einige Zeit das stets rasch in die Untertänigkeit zurücksinkende beutsche Bürgertum in Gärung gebracht hatten. Es waren das namentlich gemaßregelte Professoren: die Historiker hhlmann und Gervinus, der Altertumsforscher Welcker d vor allem der Schöpfer der Germanistik(Deutschkunde), sprachgewaltige Jakob Grimm. Den Professoren gesell⸗ en sich die Dichter, die den Druck einer überaus ängstlichen ee und engherzigen Zensur mit Empörung getragen hatten und ino fett endlich abschütteln wollten: der böhmische Dichter U Drahts Amunde* oritz Hartmann, die Lyriker Ludwig Uhland und Anasta⸗ us Grün, der Bühnendichter Heinrich Laube. Vorkämpfer Zwang des kirchlichen „Lichtfreunde“, der seit freireligiösen Gemeinden, A — r Gedankenfreiheit gegen den 7% Glaubens waren die Führer der Ul,„ 840 in der Bildung begriffenen — Baltzer, ÜUhlich, Wislicenus, der noch beute hoch du verehrte Robert Blum und auf naturwissenschaftlicher u 1 h 77 rundlage der Gießener Karl Vogt, dessen beißende Witze ele„ ssehr gefürchtet waren. f f. An die Spitze der Versammlung rief man einen Mann, der die freiheitlichen Bewegungen der drei Jahrzehnte in Heinrich von Cagern. Er hatte war Burschen⸗ 2 Paulskirche die bedeutensten Köpfe des Beruf und die Vollmacht zu dieser Schaffung, sie liegen in der Souveränität des Volkes.“ Dieses höhere Programm hat in der Paulskirche aber nur eine gedankliche Verwirklichung gefunden. Erst am 11. August 1919 trat eine Verfassung ins Leben, die im ersten Artikel betont, daß die Staatgewalt vom Volke ausgeht, also nicht von Gott und nicht von den Fürsten. Erst in Weimar wurde zur Wirklichkeit, was in Frankfurt nur ein schöner Traum war. Heute bilden die von der Paulskirche beschlossenen Grund ⸗ rechte das politische Eigentum jedes einzelnen. Zur politischen Erkenntnis ist eben inzwischen die Macht getreten. 1848 war das nicht der Fall. Die Fürsten wuchsen dem Parlamente in der Paulskirche rasch wieder über den Kopf und ließen es schließlich völlig machtlos werden. Bis zu einem gewissen Grade ist daran die Zusammen⸗ setzung des Frankfurter Parlaments schuld gewesen. So gut die begriffliche Schulung dieser führenden Geister war, so sehr fehlte ihnen die rasche Entschlußkraft, die der Parla⸗ mentarier nicht entbehren kann, wenn er wirklich etwas leisten will. Die Beschlüsse der Paulskirche hinkten be⸗ ständig hinter den Ereignissen her. Der Grund lag darin daß es bisher fast gar kein Betätigungsfeld für politische Begabungen gegeben hatte. Die glänzendste Befähigung verkümmert, wenn sie nicht beständig geübt und geschult wird, Viel eher als 1848 würden wir uns heute den schönen Luxus leisten können, unsere führenden Gelehrten, Dichter und Philosophen ins Parlament zu wählen. Wir könnten das jetzt tun, weil wir ein festes Parteiwesen haben, das neu eintretende Mitglieder sofort in seinen Bmn zieht und zu praktischer Mitarbeit zwingt. Auch heute trifft man gelegentlich Leute, die mit gelangweilter Miene ver⸗ sichern, das Parteiwesen habe sich überholt. Man brauche Männer, die„von der Parteischablone frei wären“. Diese Ueberweisen muß man darauf aufmerksam machen, daß die dentschen Volfes umfaßt hat und gerade an dem Mangel parteipolitischer Schulung zugrunde gegangen ist. 5 2848 gab es überhaupt keine festen Parteien, sondern nur nebelhafte Gebilde, aus denen allmählich festere Körper wurden. Mit großem Scharfsinn und tiefem Ernst wurden in der Paulskirche grundlegende Fragen erörtert, aber die Verkammlung geriet jedesmal in Verlegenheit, wenn rasche Beschlüsse durch die sich überstürzenden Ereignisse notwendig wurden. Die Frankfurter Vertreter rechneten nicht mit wirtschaftlichen und militärischen Machtverhältnissen, sondern wollten sich vor allem belehren, dazu ihre Freunde und schließlich sogar ihre Gegner. Sie waren„Idealisten“, d. h. Gedankengläubige. Daher rechneten sie mit einer Bekehrung der Fürsten zu den Idealen(Zielen) des Bürgertums. Ruge mahnte vergeblich im September 1848:„Wollt ihr die Ein⸗ heit, so kann das nur eine despotische unter einem Herrn oder eine republikanische ohne alle Herren sein.“ Der Satz ist heute noch richtig. Die Mehrheit der Paulskirche glaubte aber, die deutschen Fürsten würden einem aus ihrer Mitte freiwillig einen Teil ihrer Rechte abtreten. 1 Weil sie in diesem Wahne befangen war, konnte die Frankfurter Versammlung kein Damm gegen die nach an⸗ fänglichem Zurückweichen rasch wieder anbrandende Woge der Reaktion sein. Sie wählte den Erzherzog Johann zum Reichsverweser, weil sie in diesem würdigen Greise eine Verkörperung des Geistes der Freiheitskriege sah. Sie wählte Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Kaiser, weil sie ihn zu einem zeitgemäß verjüngten Abbild des Alten Fritz zu erziehen hoffte. Aber der preußische König war äußerft befriedigt darüber, daß seine Generäle ihm Berlin zurück⸗ erobert hatten. und verspürte nicht die geringste Lust, sich mit einer Versammlung einzulassen, die ihre Gewalt dom Volke herleitete. Die Annahme der Kaiserkrone hätte die Anerkennung der von der Paulskirche geschaffenen Reichs ⸗ verfassung bedeutet. Nach der Meinung Friedrich Wil⸗ helms IV. wurden Verfassungen aber nicht von Volksver⸗ tretern, sondern don Fürsten gemacht und vom Volke mit schuldiger Ehrfurcht entgegengenommen. Sollte er hier der Annehmende sein? Er empfand diese Zumutung als eine Unverschämtheit, lehnte hochmütig die Kaiserkrone ab und vernichtete damit das Werk der Paulskirche. Ihr blieb nun nichts mehr übrig, als im Untergang⸗ Mannhaftigkeit und Würde zu zeigen. Das hat der Rest der Versammlung, der seine Sitzungen nach Stuttgart der⸗ legte, getan. Am 18. Juni 1849 fand er das Sitzungshaus militärisch besetzt. An der Spitze der Abgeordneten forderten Uhland und Wilhelm Löwe Einlaß, aber der Zug wurde von württembergischer Reiterei zersprengt. Immer⸗ hin ließ dieser passive Widerstand damals wie heute klar ins Licht treten, daß hier nur die Gewalt siegte, nicht das Recht. Es hat lange gedauert, dis die damals aufge⸗ richtete Gewaltherrschaft, deren Hauptvertreter bald Bis⸗ marck wurde, ihr Ende fand. Gestürzt aber wurde sie gerade von dem, was der Paulskirche gefehlt hatte: von organi⸗ sierten großen Parteien, die den Regierungsapparat ohne weiteres übernehmen und umgestalten konnten. —— Vor einem neuen deutschen Angebot. Französische Meinungen. Der Pariser Temps beschäftigt sich mit dem deutschen Angebot, wie es sein muß, wenn es in Frankreich Zu⸗ stimmung finden soll. U. a. heißt es, daß Frankreich unter allen Umständen den Betrag erhalten müsse, den es zur Deckung seiner Wiederaufbaukosten brauche, d. h. 52 Proz. von den 50 Milliarden Goldmark, welche die Obligationen A. und B. des Londoner Abkommens repräsentieren. Außerdem behalte Frankreich sich dos Recht vor, sich für Beträge schadlos zu halten, die es an England und die Ver⸗ einigten Staaten zu zahlen habe. Wenn Italien und Bel⸗ gien eine ähnliche Rechnung aufstellten, dann bliebe nur noch zu wissen übrig, was England von Deutschland bean⸗ spruche und was es an den Kriegsschulden der Alliierten nachlassen wolle. In jedem Falle sei es notwendig, daß ein klares Angebot von Kapital- oder Zinszahlung erfolge und von keiner Bedingung oder Voraussetzung abhängig ge⸗ macht werden dürfe. U. a. wird dann noch gesagt, daß die Aufgabe der alliierten Gläubiger darin bestehe, die jetzt ge⸗ sicherten Pfänder festzustellen, bis die Zahlung funktioniere. Dann erst dürften die besetzten Gebiete nach Maßgabe der deutschen Leistungen geräumt werden. und erst wenn der passive Widerstand aufgegeben und die staffelweise Räumung des Ruhrgebiets von Deutschland angenommen sei, könne überhaupt erst über Verhandlungen gesprochen werden. Diese Stimmungsmache des Pariser Temps entspricht nach unsere Kenntnis der Dinge nicht der Auffassung der französischen Regierung. Bekanntlich befaßt sich die eng⸗ lische Note weder mit der Frage der passiven Resistenz noch der Räumungsangelegenheit. Da die englische Note nicht ohne vorherige Kenntnisnahme durch die französische Re⸗ gierung nach Berlin geschickt wurde, ist anzunehmen, daß Herr Poincaré mit der englischen Fassung einverstanden J war und sich bereit erklärte, wie es Absicht der enalischen Re⸗ gierung ist, die strittigen politischen Fragen auf dem Wege der Verhandlung zu loösen. Schluß mit Zweideutigkeiten! Das neue erweiterte Angebot der gegenwärtigen Reichs⸗ regierung an die alliierten Mächte dürfte frühestens Mitte der kom⸗ menden Woche fertiggestellt sein. Sicher ist, daß die Regierung Cuno in ihrer Mehrheit bereit ist, ein neues Angebot zu machen. Es erscheint deshalb kaum verständlich, wenn die Pressepolitik des Reiches dennoch mit jener Zweideutigkeit fortfährt, die von großen Parteien des Reichstags seit Beginn der Ruhraktion schon so oft be⸗ mängelt worden ist. Bekanntlich sind die Deutschnationalen aus parteipolitischen Gründen Gegner eines neuen Angebotes. Dem hat die Regierung jetzt wieder insofern Rechnung getragen, als sie am Donnerstag durch ihre Presseabteilung eine Mitteilung verbreiten ließ, in der nicht ein Wort von der Absicht des Angebots gesagt wird, sondern in der es u. a. heißt, daß nach dem heutigen Stande der Be⸗ ratungen innerhalb des Kabinetts„eine neue Aktion der Reichs⸗ regierung jedenfalls für die nächsten Tage nicht zu erwarten i st“. Diese Zweideutigkeit, die bei den Deutschnationalen natürlich allgemeinen Beifall findet, grenzt fast an Unwahrheit. Als der Reichskanzler am Mittwoch die Parteiführer empfing, teilte er mit, daß die Regierung geneigt ist, ein neues Angebot zu machen und daß sie zu diesem Zwecke in London u. a. nähere Informationen darüber einzuholen beabsichtigt, was das neue deutsche Angebot nach der Auf⸗ fassung Englands enthalten muß. Ein Entwurf über die einzelnen Fragen und ein Kommentar über das zahlenmäßige Angebot der letzten Note war bereits zur Uebergabe in den deutschen Botschafter in England fertiggestellt. Ob diese Taktik angebracht war oder nicht, bleibe vorläufig dahingestellt. Jedenfalls ist es höchst sonderbar, wenn man trotzdem die Zweideutigkeit fortsetzt und sich damit über das Verlangen der großen Mehrheit des Reichstags wenigstens in der deutschen Oeffentlichkeit vorläufig hinwegsetzt. Herr Cuno und sein Außenminister sind doch nuch davon unterrichtet, daß die Bevöl⸗ kerung an der Ruhr die Fortsetzung der Debatte über den Verhand⸗ lungsbeginn wünscht und man sollte deshalb annehmen, daß ihnen diefer Wunsch höher steht, als die Sympathie der Deutschnationalen, die im Verlauf der kommenden Woche, sobald das neue Angebot in seinem Wortlaut vorliegt, doch wegfallen wird. Die innen- und außenpolitische Lage Deutschlands erfordern eine mal icht schuelles eimaebonde Mu S οi,jðülun des Nee A. en Verzicht auf irgendwelche Iwefdeuffgkeiten. Auch heute betonen wir 5 0 daß in diesem neuen Vosschlag in erster Linie die Garantiefrage zu 1 ist, die 0 1 der e 3 endgültige Lösung des Reparationsproblem um zu bringe. mag. Vorläufig mur einige Winke, wie der deutsche Besitz garan⸗ rieren und zahlen könnte: Industrie, Gewerbe, Handel, Bank⸗ und Verkehrswesen, Landwirtschaft und Hausbesitz müssen für die Aufnahme der notwendigen Anleihen zu einem Fünftel mit ihrer stanz haften. Zu diesem Zweck sind die privaten deutschen Unter⸗ 5 in Gesellschaftsform zu vereinigen. An Kapital und ichen Besitztiteln dieser Unternehmungen wird die Reichskreu⸗ ellschaft mit einem Fünftel des Gesamtbesitzes beteiligt. Die Lundwirtschaft, so weit sie über 2 Hektar Land verfügt, muß eben⸗ 1 der Treuhandgesellschaft mit einem Fünftel ihres ertes belastet werden. Die Belastung kann als Grundschuld in festem wertbeständigen Betrage entsprechend dem Realertrage der enden Grundstücke erfolgen. Ferner müssen die deutschen wi n Unternehmungen ein Fünftel ihres Ertrages für Deutschlands Leistungen aus dem Friedensvertrage abliefern. Be⸗ itzen diese Unternehmungen Einnahmen in ausländischer Währung, un ist auf Verlangen ein betreffender Anteil an der Reparations⸗ steuer in ausländischer Währung abzuliefern. Eine Be⸗ reinigung des Reichsetats muß natürlich gleichzeitig mit diesen kurz umrissenen Maßnahmen erfolgen. 8 Macht sich die Reichsregierung diese Grundtendenzen in ihrem Angebot zu eigen, dann darf sie sicher sein, daß das Inland in seiner Mehrheit hinter ihr steht und das Ausland der Ueberzeugung ist, daß Deutschland in der Tat eine endliche Lösung des Reparations⸗ oblems wünscht. Die Kriegsgewinnler, Revolutionsgewinnler, Nepurmtionsdewinmder und die späteren Inflationsgewinnler müssen endlich gezwungen werden, mindestens einen Teil ihrer Gewinne auf⸗ zubfeten, um dem deutschen Volke die Freiheit wiederzugeben. Das ist nur möglich durch Erfassung der Sachwerte. 8 Französische Gleiszerstörungen. Auf der Strecke Hamborn⸗Neumühl⸗ Sterkrade haben die Franzosen durch Aufreißen der Gleise den Verkehr zu einer Reihe von Werken, u. a. der Gute Hoffnung-Hütte und der Zeche Kaiserstuhl, gesperrt. Die französischen Paßbestimmun⸗ gen sind nach den hier vorliegenden Nachrichten bisher noch nicht in Kraft getreten. Der Reiseverkehr blieb bisher un⸗ behindert. Verhaftung von Direktoren. Wie wir vernehmen, sind am Donnerstag drei Direktoren der Badischen Anilinwerke in Ludwigshafen von den Fran- gosen verhaftet worden. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor. 5 Verstärkung der Bochumer Besatzung. Nach Ankündigung der französischen Militärbehörden wird die Besatzung Bochums um 900 Mann verstärkt. Für sie müssen zwei weitere Schulräume geräumt werden. Poincaré über die Ruhraltion. Ueber die Sitzung der französischen Finanzkommission und ber Kommission des Auswärtigen der französischen kammer wurde, wie es heißt, folgendes Kommunique ausgegeben: Die Finanzkommission und die Komanission für Auswärtige Angelegenheiten hat den Ministerpräsidenten Poincaré, den Fi⸗ nanzminister, den Minister für öffentliche Arbeiten, den Kriegs⸗ minister und den Wiederaufbauminister über die Resultate der MRuhrbesetzung angehört. Poincaré erklärte, daß am 1. Mai die Höhe der militärischen Ausgaben der Okkupation unter Abziehung der Kosten, die standen wären, wenn die Truppen im Innern Frankreichs statio⸗ niert geblieben wären, sich auf 61 Millionen Franken beliefe. Die Ausgaben für die Zivilverwaltung beliefen sich auf 2650 000 Franken, sodaß die Totalsumme der Kosten der Ruhrokkupation sich auf 62 650 000 Franken beläuft. Die Einnahmen zerfallen, wie Poincaré weiter ausführte, in zwei Teilen: die eigentlichen Einnahmen, d. s. sämtliche Zölle, Lizensen, Forsten und Straf⸗ gelder, belaufen sich auf 36 Millionen. Einzufügen seien die Ein⸗ nahmen aus Naturallieferungen, meistens Kohle und Koks, in Höhe von 36 680 000 Franben. Speziell die Versorgung der fran⸗ zösischen Metallindustrie mit Koks sei bis Ende Auguft gesichert. Weiter erklärte der Ministerpräsident, man müsse bedenken, daß mit der Abführung von Kohle und Koks erst Mitte März begonnen worden sei. Die Resultate seien also befriedigend und ersetzten gegenwärtig im fühlbaren Maße die Ausgaben der Okkupation. = rr ent⸗ f die Frage der Franko-Verqcscheir Erfenbahrreqte ber- gehend, erklärte Poincaré, daß diese Regie die Priorität der mili⸗ tärischen, Kohlen⸗ und Kokstransporte sichere. Auch gewöhnliche Handelstransporte würden von ihr vorgenommen, aber nur im Bereich des Möglichen. Weiter führte Poincaré aus, daß Frank⸗ reich jetzt imstande sei, die Okkupation solange auszudehnen, als es nötig sein werde. Er erneuerte die Erklärung vom 28. März vor der Finangkommisston, wonach Frankreich und Belgien die Ruhr nur nach Maßgabe der deutschen Zahlungen räumen würden. Auf eine Anfrage des Deputierten Aurtot wiederholte Poincaré seine frühere Erklärung bezgl. der Aufrechterhaltung der französischen Guthaben in dem Umfange, wie es die Ueberein⸗ künfte von London festgestellt hätten. Von einer Erleichterung der Schuld könne nur auf einer Basis der Kompensation der inter⸗ alltierten Schulden die Rede sein. Der Deputierte Reynoud fragte, ob die Frage der Okkupation der Ruhr an die Frage der Sicher⸗ heit Frankreichs gebunden sei. Poincaré verneinte und erklärte, daß das linke Rheinufer gensige, um die Sicherheit Frankreichs zu garantieren. Politische uebersicht. e Der internationale Kongreß in Hamburg. Die Exekutive der 2. Internationale ist am Donnerstag abend 8 Uhr im Hamburger Gewerkschaftshaus zu einer Sitzung zusammengetreten. Es waren vertreten: de Brouckere und Vandervelde, Belgien, Troelstra, Holland, Tom Shaw, England, Stauning, Dänemark, Branting, Schweden, Wels, Deutschland und einige andere Genossen. Die kurze Sitzung war ausgefüllt mit taktischen Vor⸗ besprechungen für die in Gemeinschaft mit den Vertretern der Wiener Arbeitsgemeinschaft am Freitag stattfindenden Vorbereitungen des Kongresses. Auch von der Wiener Ar⸗ beitsgemeinschaft sind einzelne Genossen bereits in Hamburg eingetroffen, darunter der Genosse Friedrich Adler aus Wien. Das Organisationskomitee für den Internationalen Kongreß wird am Freitag vormittag 10 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. 1 0 e ee e . ee e Englisch⸗russische Unterredungen. Der englische Außenminister Lord Curzon hatte am Donnerstag eine mehrstündige Unterredung mit dem Ab⸗ gesandten der russischen Regierung, Krassin. In dieser Unterredung wies der russische Delegierte darauf hin, daß ein Abbruch der Handelsbeziehungen und damit aller Be⸗ ziehungen überhaupt zu England geeignet sei, alle kriegerischen Elemente in den Randstaaten zu ermutigen, unerledigte Konflikle mit Rußland mit Kriegsdrohungen zu ihren Gunsten zu entscheiden. Die Besprechungen zwischen der englischen Regierung und Krassin sollen heute fortge⸗ führt werden. Inzwischen hat Krassin die Zustimmung der russischen Regierung zu bestimmten Forderungen Lord Cur⸗ zons eingeholt. Sollte diese Zustimmung nicht erteilt werden, dann müßten die englischen Handelsdelegierten nach einer Erklärung des Unterstaatssekretärs des Aus⸗ wärtigen im Unterhaus Moskau verlassen. * Die neuen Beamtengehälter. Am Donnerstag Abend um 6 Uhr begannen im Reichsfinanz⸗ ministerium Verhandlungen über die neuen Beamtengehälter, die am 1. Juli in Kraft treten sollen. Vor Eintritt in die Verhand⸗ lung beantragte die Verhandlungskommission der Spitzengewerk⸗ schaften die Gewährung einer Vorauszahlung auf die neu be⸗ willigte Maizulage. Die Regierung erklärte sich bereit, am Frei⸗ tag vormittag bei dem Ueberwachungsausschuß die Vollmacht zur Zahlung einzuholen. Es soll dann noch abends telegraphisch die Zahlungsanweisung an die Dienststellen erfolgen. 2 Die Feme der Organisation C. Die Statuten der Organisation C(Consul) besagen u. a.: Ver⸗ räter verfallen der Feme! Mehr als ein rätselhafter Tod in den Reihen der natsonalistischen Hakenkreuzler scheint bisher schon den Beweis zu liefern, daß diese Statutsbestimmung kein leeres Wort Aufl. Denn wer beseffigk ik, rann rern Wessenmufs reichen Kreise mehr verraten. Eine wiclsagene von ichen einer Feme in der Wismarer Schweriner Parteiblatt. Ein Semimarist, Bauer af in den Rathemau⸗Mord verwickelt, begab sich des. 5 burg nach München und wurde dort kurz darauf ern ont Orgesch in Mecklenburg in Bliite stand, tauchte ein fi nant Engelbrecht in Wismar auf, der sich als Ilieget gab und selbst den„Pour le merite“ trug. spielte er eine große Rolle in dem Verschwörerkr Aber schließlich stellte sich heraus, daß seine Sieg 5 und sein Orden gleichermaßen Schwindel waren. Dot schon allzu tiefen Einblick in die Umtriebe der Re wonnen n: Kurz darauf„verunglückt“ er dl Als der Bund der Niederdeutschen die Orgesch abg 0 liche Staffetten zur raschen Verbindung seiner! ö A tet hatte, wurde bei einem besonders rührigen B wissen Otto in Wismar, eine Haussuchung vorgenom m ist auch er jetzt kürzlich in der Ostsee„verunglückt“. den also schweigen und niemand mehr etwas aus pla was sie gesehen, erfahren oder gehört haben. Will i ** O Einer der Gesährlichsten Der am Samstag in Elberfeld verhaftete Führ sation Heinz heißt mit feinem vollen Namen Heim stein. Er wurde im Baltikum von dem Kapitänleu zum Fähnrich befördert. da er sich als ein vo schreckender, zu jeder reaktionären Gewalltat fa erwies. Die in vergangener Woche vom franz richt verurteilten Schlageter. Sadowsky u. a. haben fation des Hauenstein nachweislich angehört. Zur Zeit des Rathenau⸗Mordes, Mat 1922, hiel Oskar Hauensten in Verlin auf. Er hatte damals ei B. Berlin Linkstraße 15 unter der Firma„Süddeutshe und Export“. Er verbehrte viel mit dem ebenfalls zan 1 1 5 1 1 der 1 1er gleichfalls sehr komprimittiert schien, dann wie ele zum Erstaunen der Eingeweihten wieder auf freien Fuß wurde. Bei Hauenstein wurden damals 1 605 Munition beschlagnahmt, man hat aber daß diese Munitionsschiebung irgendwelche Nachteile ö Kämpen gehabt habe. Ubrigens hatte Hauenstein 9 Verbindungen. Er verkehrte viel im dem damals Bureau der„Gemeinschaft deutscher Automobilfabrikant dem Herr Kapitänleutnant a. D. Ehrentraut sehr tüchtiger Mann, der denselben dee Hauptmann a. D. Grätz vorsteht— in einer Orga lich, die es angeblich gar nicht mehr gibt, die aber em no alle Marionetten der„K. V.“ tanzen läßt. In dies eise tu man die ganzen Zierden der„Wiederern Preußen“ an, den spätex verhafteten Beppo Hauptmann Oesterreicher, den be—rxü Kessel, den Kapitänleutnant Hoffmann— e Rathenau⸗Mordprozeß von der ersten Zuschauerreih geklagten und verhinderte mit seinem Dolchblick jede wobet sein„Adjutant“ Leutnant a. D. Schäfer ih a eite von dem es heißt, daß er den U⸗Boot⸗Helden Dith 0 habe. Aber auch der biedere Willi Günther, in R Prozeß wegen Beihilfe verurteilt, ging bei Heinz O sbein ein und aus. Güntber hätte jh bei einem Hach urteilung gar nicht erlebt. Seine guten Freunde sandt kleine Aufmerksamkeit ins Leipziger Gefängnis. De Leute, die nicht allein Sturmbataillone formieren, son Pralinen mit arseniger Säue und ebenso gasföymig gelöster Blausäure zu füllen verstehen, mit dann sozialistische Funktionäre„erledigt“. Und gehüte den Jintimen des tapferen Heinz auch jener Herr asrektot der noch heute einem Detektivinstitut mit einen ber amerikanischen Namen vorsteht und dieses Institut in durch def Lrechbsgerichtetem Sinne beschäftigt?!— 9 Also dieser Hauenstein ist's der gleich nach der 9 im unbesetzten Elberfeld sein Quartier aufschlägt. seiner„besten Leute“ betreibt er wiederum seine für so nützliche„Arbeit“! Millionen und aber Million aus den Geldschränken unbekannter„Patrioten selbst bleibt mit seinen beiden Adjutanten König in Elberfeld. Schlageter, Sadowskt und die and Werk an. Sie beginnen mit der Eisenbahnbrücke bel! Di Kalkum. Die Sprengung mißlingt, der Landrat meistor von Kaiserswerth werden als Geiseln verhnftet. fliegt der Eisenbahnkörver zwischen Essen und en Luft. Essen muß dafür viele Millionen zahlen. Der Sinder wird ermordet, ein angeblicher Spitzel— Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Zweiunddreißigstes Kapitel. Die weiße Fahne. Anfangs April verbreitete sich in Frankreich die Kunde, Napoleon habe einen Selbstmordversuch gemacht. Sie wurde zwar sofort dementiert, verursachte aber doch vielen Kaiseranbetern arges Herzweh, so auch dem alten Derval. Es schien so furchtbar und unglaublich, daß der Mann, der so lange das Schicksal ganz Europas gelenkt hatte, plötzlich so elend geworden sein sollte, daß er sich aus der Welt fort⸗ sehnte. Wenn Bonaparte wirklich seine Macht verloren hatte und sich unfähig fühlte, die erlittene Schlappe gut zu machen, dann war nichts mehr sicher, weder die Sterne dort oben, noch die sich um ihre Achse drehende feste Erde— man mußte auf das Chaos gefaßt sein. f Korporal Derval kränkelte und war noch erregbarer als sonst. Marcelle wußte, daß es heute im Dorfe hoch her— ehen werde, da der Schloßherr mit einigen anderen Edel⸗ leuten angekommen war. Um den Alten aus dem Wege zu schaffen, lockte sie ihn hinaus auf die Klippen. Er war nie ein Naturliebhaber gewesen und beachtete auch heute die Schönheiten des herrlichen Frühlingstages nicht. Stunden⸗ lang saß er an der Seite der besorgten Marcelle im duftigen Grün und starrte ins Dorf hinunter. Plötzlich fuhr er, wie von einem Schuß getroffen, zusammen und deutete zur Hinche hinauf:„Sieh' mal, was das ist?“ Marcelle blickte in die angedeutete Richtung, vermochte aber nichts Ungewöhnliches zu entdecken. „Siehst Du dort oben vom Kirchturm nicht etwas Weißes flattern?“ fragte er gereizt. Sie blickte noch einmal hin und sah wirklich eine Fahne flattern und zwar eine weiße! Sie wußte augönblicklich, was diese zu bedeuten habe, heuchelte jedoch, obgleich sie einen heftigen Schmerz im Herzen fühlte, Gleichgültigkeit und erklärte, nichts zu sehen. „Bist Du denn blind? flattert!“ schrie er heftig. 10⁰ Ich will wissen, was dort Marcelle erhob sich, aus ihren Wangen war jeder Blutstropfen gewichen, sie preßte die Zähne auseinander, streichelte den Arm des Alten und bat sanft:„Komm' nach Hause, Onkel, ich bin müde.“ Er erhob sich ebenfalls, beschattete seine Augen mit der Hand und blickte grimmig in die angegebene Richtung. „Es weht im Winde und ist weiß, das kann doch nur eine Fahne sein!“ murmelte er vor sich hin.„Ja, ja, es ist eine weiße Flagge, die kann nur irgend ein Schurke dort aufgehißt haben!“ N Er hatte die Worte kaum ausgesprochen, als Hochrufe, die von Kanonensalven begleitet waren, vom Hügel herab⸗ tönten. Zu gleicher Zeit eilte eine lebhaft erregte Volks⸗ menge hinauf. Es war klar, daß etwas Außergewöhnliches geschehen sein mußte, und in der Tat war aus St. Gurlott der Besehl gekommen, das Bourbonenbanner auf dem Kirch⸗ turm zu hissen. Bonaparte hatte das Spiel verloren und der Erbe der legitimen Könige wurde stündlich in der Hauptstadt erwartet. Derval hatte bis zu diesem Augenblick die Hoffnung nicht aufgegeben, daß der Löwe das Netz zerreißen und seine Feinde vernichten werde. Er pflegte selten zu beten, aber in der letzten Zeit hatte er häufig gebetet, Gott möge ein Wunder geschehen und das Kaiserreich neu erstehen lassen. Der Anblick der verhaßten Flagge erschütterte ihn gewaltig. Vergebens bemühte sich Marcelle, ihn wegzuführen. Er starrte wie gebannt zum Kirchturm hinauf, unverständliche Verwünschungen gegen die„verfluchten“ Bourbonen aus⸗ stoßend. Marcelle war von dieser seltenen Anhänglichkeit tief gerührt und auch ihr Herz floß vor Mitleid für ihr ge⸗ meinsames Idol über. Es schmerzte sie, den Onkel so sehr leiden zu sehen. Die letzten Stunden hatten ihn vollkommen gebrochen und zum Greise gemacht. Seine Stimme zitterte, seine Brust hob und senkte sich krampfhaft; sie bat ihn, sich doch auf ihren Arm zu stützen und nach Hause zu kommen. Er aber schenkte ihren Worten keine Beachtung, sondern sank aufs Gras zurück und wandte keinen Blick von der Fahne, bis seine Aufmerksamkeit durch nahende Schritte abgelenkt wurde. Marcelle blickte über ihre Schulter zurück und erkannte— Meister Arfoll. 55 ihn ermordet?— Sadowsky soll dafür leb ens. Jeder ander Mensch wäre ihr Augenblick willkommener gewesen als der lehrer, dessen ungünstige Meinung von Napoleo so viel Verdruß bereitet und der dessen jahen oft vorher gesagt hatte. Marcelle wäre am lieh, gegangen, aber sie konnte ja den Onkel nicht allen lassen; überdies hatte Arfoll sie bereits erkannt und sich ihnen in seiner gewohnten stillen Weise. Er! bleicher und hagerer geworden, sein Gesicht ern. er. Derval ihn erkannte, runzelte er sinster die E auch ihn verdroß die Anwesenheit des Schulmeif Ihnen vieles entgeht. Die Zeitungen bringen 0 Lügen. Eines ist jedoch sicher, der Kaiser hat aagedankt“ Marcelle sah ihn bittend an, als ob sie ihn beschwöte wollte, dieses Thema nicht zu berühren, denn se einen Zornausbruch des Alten. Dieser aber sa und starrte standhaft aufs Gras. Plötzlich richte scharfen Falkenaugen auf Arfoll und sagte:„Ja, hat sich in den letzten Monaten verändert! Sie auch die weiße Kokarde?“ 15 „Ich bin kein Royalist, ich kenne die Königs genau um ihr Freund zu sein. Die Rückkehr det 1 wird all die Reptilien, welche die Götlin ee dans Fre f 5 en reich vertrieben hat, zurückbringen; wir werden Opfer der Priester und Parvenus werden. Der N wohl hergestellt sein, aber ein schändlicher, wir we, vergebens die Menschenrechte sor dent Die Augen des Korporals leuchteten 0 F oT Ueber raschung auf; Meister Arfoll schien am En N der Narr zu sein, für welchen man ihn allgemein Wenn er auch Napoleon nicht anerkennen wollte er doch wenigstens König Louis, und das war s „Sie sind schon lange nicht hier gewesen, Me erzählen Sie uns, wie es Ihnen in den vieles ergangen ist?“ bemerkte der Korporal freundlich (Fortsetzung folgt.) g r N aal* 4 8 ausph 1 . Vill 00 0 In diese edetews Beppo nt rühmte“ un Weh schauerteiht aß achelik jeh f Schäfer ia ben Dit int i n ther, 111 bei Heim ler i einem Her Freunde suug ingnis D mieren, sodeß 9 nach der fl et aufschlag um feine fc t er Milliang st trioten n König a die ander g ahubrücke K t Landrat u eiseln nh sen und Aug zahlen. De f her Spitzel für lebe — in dies als der Jr on Napoled, ssen jahen, 40 ätzen: Frost und Hitze, schon in der Bibel zu lesen ist. zäre am laß kel nicht de ts erkunnt. u Veise. f Kohlen im März und April durch vierwöchentliche Da braucht man nur die Fenster zuzulassen. Fönnte unangenehm bringt! besen ragt in die Mallüfte, als Hexen drauf geritten. i der, Gießen, Samstag, den 19. Mai 1923. .——— ᷑—— N N Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 113 ren. Gießen und Umgebung. . Pfingsten. Geist der Wahrheit, Geist der Liebe, breite die herrlichen Schwingen weit. Falle wie tausend Gewitter stürmisch in unsere Zeit. Geist der Freiheit, Geist der Güte, wohne bei uns auf dem Erdenrund. Rede in Brudergesängen festlich aus unserem Mund. Geist der Freude, Geist des Friedens, blüh' deine Sterne ans himmlische Zelt. Rufe mit erzener Stimme, rufe die Völker der Welt! Nacht der Trauer, Nacht des Todes, qualvolle du, du zerbrichst uns nicht. Machtvoll wie tausend Gewitter ist unser Hunger nach Licht. Nacht des Unglücks, Nacht des Krieges, sieh' uns'ren zukunftsdurstigen Blick. Größer als deine Gewalten ist unser Hunger nach Glück. Geist der Liebe, Geist des Friedens, blüh' deine Sterne ans himmlische Zelt. Rufe mit erzener Stimme, rufe die Völker der Welt! 0 Hans Gathmann. Fest des Frühlings. Wie alljährlich hat auch in diesem Jahre die alte Erde sich wieder neu in Grün und Blüten geschmückt. Dessen freut sich die Menschheit; auch der Geringste, der von Sorgen und Not niedergedrückt ist, atmet auf, wenn die Natur ihr buntes Kleid wieder angelegt hat, neue Hoffnung auf bessere Zeiten erfüllt ihn. Und gewiß wäre die Hoffnung begrün⸗ det, wenn mehr Vernunft in der Menschheit herrschte. Heute sehen wir davon aber leider wenig. Im Gegenteil muß man zu dem Glauben geneigt sein, daß alle Vernunft zum Teufel, alle Menschlichkeit ausgerottet wäre, wenn man das Wüten der Macht- und Gewaltpolitik an der Ruhr und über dem Rhein betrachtet. In noch nie dagewesener Weise tobt der Militarismus; zahlreiche Menschenleben fielen ihm zum Opfer, tausende Familien werden von Haus und Hof, aus ähren Wohnungen gejagt, gehen ihrer Habseligkeiten ver⸗ lustig. Trübe Pfingsten für die Betroffenen! Welcher Verständige ist nicht im Innersten empört über solche Un⸗ menschlichkeiten? Und fast wie im Kriege werden unge euere Werte vernichtet, in Menge gehen wertvolle, Güter zu Grunde, Gebäude und Einrichtungen werden zerstört— es fehlen Worte, die treffend und scharf genug wären, den verbrecherischen Wahnsinn zu kennzeichnen. Es sind Folgen des nun seit fünf Jahren beendigten Krieges, für den sich heute noch immer Leute begeistern. Man hält ein solches Maß von Verirrung und Verranntheit nicht für möglich. Noch immer hört man die dumme Rederei:„Kriege hat es immer gegeben und wird's immer wieder geben!“ Gewiß, so lange einzelne Leute sich dabei bereichern und so lange ——jp die Menschen dumm genug sind, sich abschlachten zu lassen! Hetzten früher die Fürsten die Völker gegen einander, so taten es zuletzt die Geldsacke; die einen wie die anderen suchten ihre Verbrechen mit religiösen oder nationalen Redensarten zu bemänteln. Wir wollen nichts mehr davon hören! Krieg dem Kriege! ist unser Kampfesruf und wir haben die Gewißheit, daß dieser Ruf immer stärkeren An⸗ klang bei allen Völkern finden wird. Trotz des lügnerischen Geschreies der Kriegshetzer und des mit ihnen verbündeten Pfaffentums wird der wahre Pfingstgeist, der Gedanke des Friedens und des Sozialismus siegen. Für ihn immer neue Mitstreiter zu gewinnen, muß unsere Aufgabe sein, jeder muß daran mitarbeiten! Allen, die dieses Sinnes sind herzlichen Pfingstgruß! — Die Vorgänge an der Oberrealschule zu Gießen vor der Strafkammer zu Darmstadt. Ueber das Ergebnis der Verhandlung. die mit einem Vergleich schloß, wonach der wegen Beleidigung des Prof. Michel angeklagte Redakteur der Hessischen Landeszeitung den Vorwurf der Denunziation mit dem Ausdruck des Be⸗ dauerns und unter Uebernahme der Prozeßkosten zurück⸗ nahm, sind unsere Leser durch unseren Bericht in Nr. 106 unterrichtet worden. Da aber dieser von der amtlichen Darmstädter Zeitung übernommene Bericht nur auf den Hauptpunkt eingeht und kein vollständiges Bild der zehn⸗ stündigen Verhandlung gibt, andererseits aber eine völlige Klarstellung der Angelegenheit, die in der Oeffentlichkeit so viel Staub aufgewirbelt hat, im allgemeinen Interesse nötig erscheint, so wollen wir hier noch einige Nachträge bringen. Mittlerweise hat ja auch die Hessische Landes- zeitung und der Gießener Anzeiger den Kampf wieder auf⸗ genommen. Als die Sache vor der mit 5 Richtern besetzten Straf⸗ kammer um 9 Uhr aufgerufen wurde, fehlte leider noch die Hauptperson, der Angeklagte, der fast mit einer Viertel⸗ stunde Verspätung erschien und ob dieser Nichtochtung eine kräftige Rüge einstecken mußte. Geladen waren, teils vom Staatsanwalt, teils von den beiden Parteien, einschließlich des Nebenklägers Prof. Michel, 20 Zeugen. Der Vorsitzende erklärte zu Beginn, daß er die Beweisaufnahme auf das Tatsächliche beschränken und ein Uebergreifen auf das politische Gebiet nicht zulassen werde. Nachdem der erste Zeuge, Ministerialdirektor Urstadt, in nahezu zweistündiger Vernehmung über die Vorgänge und die Untersuchung ausgesagt hatte und schon dadurch offenbar wurde, daß dem Angeklagten der Beweis, Professor Michel habe„denunziert“, nicht gelingen werde, machte der Vorsitzende einen Vergleichsvorschlag, der aber vom Angeklagten zurückgewiesen wurde. Mit dem Zeugen Prof. Michel wurden dann die bekannten Vorgänge an der Ober⸗ realschule durchgesprochen, wobei sich nichts Neues ergab. Benierkenswert war eine vom Verteidiger des Angeklagten an den Zeugen gerichtete Frage, warum er denn eine Ge⸗ denkfeier für Rathenau für notwendig gehalten habe! Nach zweistündiger Mittagspause kamen die lastungszeugen des Angeklagten zum Wort, zunächst Ent⸗ der Hauptzeuge Direktor i. R. Dr. Schnell, der bemüht war, den Zeugen Michel möglichst schlecht zu machen, ihn persön⸗ licher Beweggründe zu beschuldigen und das Vorgehen gegen ihn(Schnell) als Folge einer lange vorbereiteten Aktion dar⸗ zustellen. l Er bezeichnete den Zeugen Michel kurzerhand als „Stänker“, sprach von Michel mit seinem„Klüngel“, wo⸗ runter er, wie er auf Befragen zugestand, einige republika ⸗ nische Lehrer der Oberrealschule verstand. Diese Bezeichnung wurde ihm von dem Vorsitzenden kräftig verwiesen, der überhaupt mehrfach die stark ins Persönliche gehenden und unsachlichen Bekundungen des Zeugen tadelte. Einen größeren Raum nahm die Vernehmung über die von dem Zeugen bei der Rathenaufeier gehaltene Rede ein. Als der Vorsitzende ihm die Inhaltlosigkeit dieser Rede vorhielt, entschuldigte der Zeuge dies damit, daß er erklärte, er sei gänzlich unpolitisch, er habe von Rathenau nicht mehr ge⸗ wußt, als er in seiner Zeitung, dem Gießener Anzeiger, gelesen habe; bei einem Kundigen sich Belehrung zu holen, habe er keine Zeit gehabt. Als der Vorsitzende bemerkte, daß die Sache doch auch eine mensch⸗ liche Seite habe, wußte der Zeuge nichts zu erwidern. Im Laufe weiterer Vorhaltungen hob der Vorsitzende noch her⸗ vor, daß Rathenau doch schon vor seiner Ministertätigkeit einen literarischen Ruf besessen habe und seit Genua eine internationale Berühmtheit gewesen sei. Er(der Vorsitzende) habe seine sämtlichen Schriften gelesen. Er sei einmal in einer Sommerfrische mit einem Schweizer zusammenge⸗ troffen, der sehr auf Rathenau geschimpft habe; er habe ihm darauf eine Rathenau'sche Schrift in die Hand gegeben und dann habe der Schweizer anderen Tages gesagt, er nähme alles zurück und zweifle nun nicht mehr an den edlen Eigen⸗ schaften dieses Deutschen.— Der Zeuge Schnell erklärte weiter noch, daß er seine Rathenaurede deshalb so farblos gehalten habe, weil er weder links noch rechts bei Lehrern und Schülern habe anstoßen wollen. Welchen Eindruck der Gerichtshof aus dem Auftreten des Zeugen gewonnen hatte, geht aus einer Bemerkung des Vorsitzenden hervor. Als nämlich der Zeuge nachher mitten in der weitergehenden Verhandlung sich mit dem Verteidiger des Angeklagten in Verbindung setzen wollte, verwies ihm das der Vorsitzende mit den Worten:„Sie scheinen sich hier so wenig zurecht zu finden wie sonst.“ i Die Vernehmung des Zeugen förderte aber noch ein sehr wichtiges Eingeständnis zutage: er gab zu, daß er über seinen Fall mehrere Artikel geschrieben und sie je einem Vertrauensmann der beiden Rechtsparteien gegeben habe. Dadurch war schon so gut wie erwiesen, daß die unter Anklage stehenden Artikel der Hessischen Landeszeitung auf die Schnell schen Artikel als Quelle zurückzuführen waren. Das Bildungs⸗ amt hatte diesen Tatbestand auch schon vorher aus der Ueber⸗ einstimmung gewisser Wendungen in den Artikeln und dem Untersuchungsprotokoll Schnells erschlossen. Der Zeuge be⸗ stritt nur, daß seine Arbeiten formal beleidigende Ausdrücke (Denuziant usw.) enthalten hätten. Als der eigent⸗ liche Angeklagte hatte sich also der Direktor i. R. Schnell entpuppt; in diesem Sinne konnte er als„Entlastungszeuge“ gelten. 9 Von weiteren Entlastungszeugen wurden nur noch die Studienräte Zilch und Kraus vernommen, deren Aus⸗ r 4 Gießener Plauderei. Gegensätze. 1. Es ist Urväter⸗Binsenweisheit. Die Welt bewegt sich in Gegen⸗ Sommer und Winter, Tag und Nacht, wie Warum sollte da unsere liebe kleine Gießener Welt eine, Aus⸗ nahme machen? Auch bei uns gab's und gibts Gegensätze. Beinah hitzsrei, jubelte die Jugend. Beinah kältefrei, wünschen die Lehrer. Denn wer könnte es eigentlich bei 6—8 Grad Außenwärme im un⸗ geheizten Schulzimmer aushalten? Indessen, wir haben nicht unsere Ferien sparend verfeuern. Und außerdem, sagen die Wärme von etlichen 50 Kindern! Das 15 5 gerede. Man friert nicht mehr. Es ist nur gut, daß die Kaffeebröter (Walzkafseel) nicht mehr so dick mit Latwerge(oberhessisch: Kwetsche⸗ Hoink! sein⸗ und norddeutsch: Pflaumemnus geschmiert werden, wie in den Zeiten unseres Frankfurter Paulskirchenabgeordneten Karl Vogt. Lies darüber nach, nicht in seinen gesamten Parlaments⸗ reden, sondern in seinen Gießener Jugenderinnerungen! Wonach es in den damaligen Schulzimmern noch weit muffiger ausgesehen haben muß, als heutzutage. Ausgesehen! Gewiß, ein falsches Bild, gerade dem wirklich funktionierenden der fünf Sinne nicht enklehnt. Aber man braucht auch seine Nase nicht in alles hineinzustecken. Das werden, für die Nase. Und in der üblichen wenn nicht viertelstündlich ge⸗ verlängert, um sie im Mai zu Außenstehenden, die animalische Schulzimmerluft kann man wirklich, lüftet wird, was sich von silost verbietet, wenn es draußen noch kälter kalt ist, zum rote i weil nicht mehr geheizt wird, da die Kohlen für den nächsten Winter ge⸗ 1 5 er— Leser, schöpfe Atem! Die Luft dieses Satz⸗ gefüges wird so dick, wie die in besagten Schulzimmern. die man sehen und schneiden kann. Volkshygiene! Also: Schulzimmer, 50 Buben oder Mädchen, zuene Fenster(vergleiche Homberger), sind wir deutlich genug geworden? Wie sehnt man sich bei dtesen nasen⸗ ribmpfenden Empfindungen nach Gottes freier Natur, wo die linden Lüfte wehen, wohlgemerkt wohlriechende, etwa an die Lahn, wo ja gerade eben in diesen herrlichen Maitzgen der e seine gesundheitlichen Einrichtungen in empfehlende Erinnerung Zeitgemäß. 8 5 Uebrigens, was dem einen seine Eule, ist dem andern seine Nachtigall. Die Stachelbeersträucherbesitzer haben jeden⸗ falls den nassen Malkälterückfall A Ja 1 1 51 mehr. ö i kein mehr.. mehr. Allerdings meist auch kei. e 1 Aber nur nicht verzweifeln! Keine Illusionen, 15 ö Den Tatsachen fest ins Auge unökonomisch sind. Die dies⸗ Da hilft kein Hund vor. Das ist wie drinnen, wo es schon wie in einer Regierumgskundgebung! sehen, wenn sie auch antinational und Jährigen Stachelbeeren sind gegessen. il ie g„ Ja, das schlechte Wetter! Es regnet sogar Beleidigungsklag n. Auch diese Luft ist fabelhaft dick. Man wird ganz verschnupft und wagt kaum zu atmen. Aber der Verfasser der„Bilder aus Alt⸗ Gießen“ hat schon recht: Ein Zeitungsredakteur ohne Belecdigungs⸗ klagen ist ein Hund ohne Flöhe. Oder so ähnlich, aus dem Gedächt⸗ mis zitiert. Wenn auch der lokalkundige, gelehrte und humorvolle Plauderer(unser Konkurrent!) vielleicht mit seiner Erklärung des echten Gießener„Schlammbeißers“ danebenhaut. Zoologie? Fisch? Nein: Mineralogie! Metall! Wer mit einem„Eisen“ den Schlamm wegkratzt, den es auch heute wohl zu Zeiten in Gießen noch geben mag, der gehört zu dieser durchaus nicht verächtlichen, sondern im Gegenteil sehr nützlichen Zunft unserer Volksgenossen. Das ist eben ein weiterer Gegensatz in unserer Universitätsstadt:„Schlammeiser“ oder Kulörstudent. Da dürfte sich gleich die Doktorfrage aufwerfen: Wer ist wertvoller? Genauer gesagt: Wer tut wertvollere Arbeit? Der, der den Seltersweg durchbummelt, oder der, der ihn reine hält? Jedenfalls mit„beißen“ hat unser, ich schreibe absichtlich korrekt,„Schlammeiser“ nichts zu tun. Bei Schlammbeißers gibt es selbst in der heutigen Zeit der tarifmäßigen Papiergeldempfänger für gewöhnlich wenig zu beißen. Also, das b scheint nur des Wohl⸗ lauts halber eingeschoben. Wie etwa das vorgeschobene M in „Marsch“ und Aehnliches. Man nennt das soviel wir wissen, Eupho⸗ nien oder Euphemismen der Sprache, deren tieferer Sinn sich nur dem Sprachforscher entschleiert. Um verständlicher zu reden: so wie die Dame der Hautvolée(bitte nicht zu volkstümlich zu lesen: Haut voll Flöh') Parfüm gebraucht(sonst wäre Persisches Insekten⸗ pulver am Platze), oder, um ganz verständlich zu werden: wie jene von Homberger geschilderte, Altgießener Winkelreinigungskommission bei ihrer nützlichen Hantierung(ir Alten haben sie noch— ge⸗ rochen, wir sprechen schaudernd aus Selbstanschauung unseres Riech⸗ organs) wie man mit einem mitwandeluden Oefchen ein überduften⸗ des Wachholderfeuerchen mzuzünden behördlich gehalten war. Sonst wäre es selbst für Gießener Nasen nicht gegangen, die doch was gewöhnt sind. Denn Gießen ist auf einen Sumpf gebaut.— Um aber auf besagte Schlammeiser zurückzukommen, so könnte, wir räumen es ein, das scheinbar überflüssige b auch mders erklärt werden. Hieß es nicht vielleicht im älteren Deutsch Schlammel statt Schlamm? Bei Luther finden wir noch, wenn wir nicht irren. Gewürmb statt Gewürm. Schlammb: woher dann auch Schlampampe loder ver⸗ kürzt: Schlampe) käme. Wer kennte nicht eine Schlampampe in seinem weiblichen Bekanntenkreis? oder gar in seiner Freundschaft oder Verwandtschaft wenn nicht, o weh, in seinem eigenen Hause? Doch wir wollen keine Gießener Schlampampe beleidigen. Wir fürchten uns vor Beleidigungsprozessen. Unser Bedarf ist gedeckt. Wir revo⸗ zieren de⸗ und wehmütig alle Beleidigungen gegen das Mainwetter, gegen alle Schlammbeißer oder Schlammeiser oder Studenten Gießens, selbst solche, die wir gegen unsere Absicht verbrochen haben sollten. Die Juristen haben ein entsetzliches Ungetüm im Hinter⸗ grunde, einen Höllenhund, den sie ahnungslosen Beleidigern an die Beine hetzen. Er trägt den unübersehbaren und für den gewöhn⸗ lichen Setrblichen, den sogenannten Laien unbegreiflichen lateinischen Namen: Dolus eventualis(schlimmer, als Nero). Wir widerrufen insbesondere alle etwaigen, aus unseren Harmlosigkeiten herauslesbaren Verunglimpfungen aller Schlampampen Alt⸗ und Jung⸗Gießens. Wir haben's nicht bös gemeint. Wir stellen einen letzten Gegensatz fest: alle Schlampampen einerseits, alle schmucken und sauberen Mädchen und Frauen unseres in der Neuzeit gar 1 gewordenen Heimatstädtchens andererseits. Hoch sollen sie eben! — Ausgrabung der Stadt Abrahams. Während noch immer neue wichtige Funde aus den jülngst auf⸗ gedeckten Pharaonengräbern ans Tageslicht gefördert werden, ist in Mesopotamien eine neue, zeitlich noch weiter zurückreichende Ent⸗ deckung gelungen: die Erforschung der„Stadt Abrahams“, des Ur der Chaldäer. Die Ausgrabungen werden vom Philadelpchia University Muscum und dem British Museum gemeinsam unternommen. Ur war vor 6000 Jahren eine Großstadt von hoher Kultur. Noch heute bann man hier, wie ein Besucher berichtet, die verschlammten Kanäle erkennen, die sich in weiten Linien am Horizont hinziehen. Dennoch war der Name von Ur, der Stadt der Chaldäer, dircch fast 3000 Jahre. völlig vergessen, abgesehen von der Erwähnung im Alten Testament. Damn aber kam aus dem in Trümmern liegenden Palast von Assur banipal in Assyrien und aus dem verschütteten Archiv von Nippun jene seltsame Bibliothek von Tontaseln zutage, die von der einstmali⸗ gen Größe Urs als des Heiligtums des Mondgottes Kunde gibt. Nun haben die Ausgrabungen jener ältesten Bibliothek der Welt begonnen. die die frühesten Originalwerke über Geschichte, Religion, Kunst, Rechtswissenschaft und die Berichte von dem Leben und Wirken der Menschen vor 5000 Jahren oder noch weiter zurück in sich birgt. Man verspricht sich von den Ausgrabungen ein ganz neues Bild der An⸗ fänge jener religiösen Bewegung, die den Boden für das Christentum vorbereitet hat. Seit mehr als 2500 Jahren, seitdem die persischen Horden eines Darius das Land überschwemmt hatten, war Ur völlig verödet. Nachdem Abraham Ur verlassen hatte, brach eine lange Zeit des Niederganges über die Stadt herein. Nach rer Eroberung haben die Sieger über den zerstörten Gebäuden der Stadt ein neues Pflaster gelegt und darunter auch die Archive vergraben. Aber diese Tontafeln künden uns heute die intimsten Züge aus dem Leben der Könige, der Heerführer, der Kaufleute, der Freien und der Sklaven. Man hat Urkunden in Form jener Tontafeln gefunden. die zeigen, daß rechtsgültige Kontrakte, Hetratskontrakte, wie Urkunden über Käufe und Pachtungen, von sechs Personen bezeugt werden mußten. Unter den bis jetzt geförderten Funden befinden sich diinne Plättchen von Gold, die, wie die Aufzeichnnumgen besagen, auf die Lipnen der Toten gelegt wurden; ferner eine Kleiderpuppe in ein Schaffell ge⸗ hüllt, aus einer grünen Steinart; steinerne Aexte und Beile die als Embleme des tätigen Fleißes am Altar des Moudgottes wiedergelegt wurden, und das Bruchstück einer Alabasterkugel mit dem Oimmels⸗ kreis. Die starken Mauern der Stadt finden von der Machtstellinmg diefer frühen Nation, während die ans Licht geförderten Srülphrren 1 sogen aber nicht ind Gewicht fteren, welt sie sich keilwesse widersprachen und besonders bei dem Erstgenannten persön⸗ liche Voreingenommenheit gegenüber dem Nebenkläger offen⸗ sichtlich war. Auch entwertete sich das Zeugnis dadurch selbst, daß die beiden Herren erst im Verlauf der Affäre Schnell auf dessen Seite hinübergeschwenkt waren. Da von den Angeklagten behauptet worden war, daß der Nebenkläger, wenn er auch nicht direkt bei der Regierung denunziert habe, doch dem Republikan. Lehrer ⸗ bund für dessen Anzeige das Material geliefert habe, so mußte auch dieser Punkt aufgeklärt werden. Es geschah durch Vernehmung der Zeugen Weißgerber Hüter. Ersterer stellte fest, daß die ihm von den Ange; klagten in den Mund gelegte Aeußerung:„Der Republika⸗ nische Lehrerbund hat Anzeige erstattet und Herr Michel hat ihm das Material geliefert“, falsch wiedergegeben sei; er habe nur gesagt, der R. L. hätte die Sache in die Hand ge⸗ nommen und M. sei sein Vertrauensmann. Wie er sich nachher überzeugt habe, sei jedoch der Ausdruck„Anzeige erstattet“ unzutreffend gewesen; der Ausdruck sej von ihm am 10. November berichtigt worden. Wenn er von Herrn Michel als„Vertrauensmann“ gesprochen habe, so habe er damit sagen wollen, daß der R. L. sich an M. als Vertreter der Oberrealschule im erweiterten Vorstand zwecks Er⸗ langung von Informationen gewandt habe, was auch richtig ssei. Er habe die Aeußerung s. Zt. in der Konferenz getan, um der gegnerischen Behauptung entgegenzutreten, daß M. von sich aus und aus persönlichen Motiven die Unter⸗ suchung gegen Schnell veranlaßt habe. Der tatsächliche Anteil des R. L. an der Sache wurde bon dem nächsten Zeugen, Prof. Hüter, im Einzelnen dar⸗ gelegt. Der Zeuge führte aus: Am Tage der Rathenau⸗ feier fand abends eine Mitgliederversammlung des R. L. statt, in der über Geschichtsunterricht verhandelt wurde. Vor Beginn wurde von mehreren Mitgliedern(nicht von Michel, der nicht anwesend war) über die Vorkommnisse an der Oberrealschule(Rathenaurede und Nichtflaggung), so⸗ wie über die Besprechung dieser Vorkommnisse in der Volks⸗ versammlung am Mittag berichtet. Da die Sache nicht ge⸗ nügend aufgeklärt schien, um sofort Stellung dazu zu neh⸗ men, wurde der Gegenstand verlassen. Acht Tage später fand eine Sitzung des erweiterten Vorstandes statt; Thema: Beratung der sogenannten 7 Forderungen(vergl. die Zeugenaussage des Ministerialdirektors Urstadt). Im An⸗ schluß daran wurde neben anderen Fällen auch der der elschule besprochen. Michel, als Vertreter dieser Schule im erweiterten Vorstand, wurde ersucht, über die Rathenaufeier zu berichten. Bei dieser Gelegenheit trug er auch auf die Bitte des Vorstandes andere, frühere Fälle antirepublikanischen Geistes an der Anstalt vor. Seine Ausführungen wurden von einem anderen Mitglied der Schule, Prof. Weber, bestätigt. Dann wurde nach ein⸗ gehender Beratung ein Gesuch an die Regierung gerichtet, das, ohne Zufügung von Materjal unter Hin⸗ weis auf die Erörterungen in Presse und Versammlung, um gerichtliche Untersuchung der Verhältnisse bat, mit Rück⸗ sicht auf den Staat, die Schule und die beteiligten Personen selbst(Dir. Schnell und Dr. Lenz). Als der Zeuge den Titel „Anzeige“ für dieses Gesuch ablehnte, erklärte der Vor⸗ sitzende, daß dieser Ausdruck nicht den Sinn„Denunziation“ habe, aber er verstehe, daß der Zeuge die absolute Objektivität des Verfahrens des Vorstandes betonen wolle. Daß das Gericht tatsächlich diese Ueberzeugung gewonnen hatte, ging daraus hervor, daß der Vorsitzende später die ge⸗ samben Aussagen des Zeugen, die sich auch auf andere Dinge erstreckte, als objektive, geradezu als Gutachten zu wertende Darstellung bezeichnete. Nach der Vernehmung des Zeugen richtete der Vor⸗ sitzende an den Angeklagten und seinen Anwalt die ein⸗ dringliche Anfrage, ob sie auch jetzt noch die Erbringung des Wahrheitsbeweises für ihre Behauptung(Denunziation Michels) für möglich hielten. Der Angeklagte war bereit, die formale Beleidigung zurückzunehmen, aber der Vor⸗ ende klärte ihn in einiger Erregung und mit hohem Ernste auf, daß eine materielle Beleidigung schlimmster Form vor⸗ liege. Dies wurde unterstrichen durch eine Erklärung des Nebenklägers, der seine persönliche Schädigung, sowie die 1 5 Familie und seiner gesellschaftlichen Stellung, alles Wirkungen der beleidigenden Artikel, scharf charakterisierte. Andererseits aber erklärte er, daß ihn keine Rachegefühle beseelten und war zu einem Vergleich bereit, der seine Ehre wieder vollständig herstellte. Als der Angeklagte trotz weiterem dringlichen Zureden des Vorsitzenden auf Fort⸗ führung der Verhandlung in der nächsten Woche(les war mittlerweile 29 Uhr geworden) zu bestehen schien, gaben die Vertreter des Nebenklägers, Dr. Agron und Dr. Sinz⸗ heimer, die Erklärung ab, daß ihre Bereitwilligkeit zu einem Vergleich eine Grenze hätte und daß, falls weiterverhandelt würde, sie ihrerseits durch die Aussagen der noch nicht ver— nommenen Zeugen die ganze Art beleuchten würden. wie und aus welchen Motiven die beleidigenden Artikel zustande⸗ gekommen seien. Daraufhin bat der Verteidiger des An- geklagten um eine Pause zur Besprechung mit seinem Klienten. Nachdem sich der Verteidiger auch mit den Zeugen Schnell und Lenz, welch letzterer vom Nebenkläger geladen, aber nicht vernommen worden war, besprochen hatte, er⸗ klärte er nach Beendigung der Pause die Bereitwilligkeit zu dem vom Vorsitzenden vorgeschlagenen und formulierten Vergleich, der bereits bekannt gegeben wurde. 2 Aufklärung. Wie wir bereits unseren Lesern mitgeteilt haben, ist wegen eines Artikels in Nr. 80 unserer Zeitung ein Straf— verfahren wegen Beleidigung des Gießener Schöffengerichts gegen uns eingeleitet worden. Diese wird erblickt in dem Satze„In Gießen diktierte ein Schöffengericht in einem Bagatellbeleidigungsprozeß gegen unseren Redakteur eine Geldstrafe, die einem französischen Militärgericht im besetzten Gebiet alle Ehre gemacht hätte.“ Wir stehen nicht an zu er⸗ klären, daß uns jede Beleidigungsabsicht ferngelegen hat. Wir bedauern, daß die obige Wendung zu Mißdeutungen und nach dieser Richkung Anlaß gegeben Hat. Hälken Wir Sererk gerechnet, so hätten wir dem Gedanken eine andere Formu⸗ lierung gegeben. a — Was gibt's für Feiertagswetter? Zur Zeit, wo wir diese Zeilen schreiben, sieht's damit sehr trübe aus. Immer noch kalt und regnerisch, als wenn wir uns im Anfang des März befänden. Auf Besserung ist wenig Aussicht vorhanden; auf ein liebliches Jest, wie Goethe Pfingsten nannte, ist die Hoffnung diesmal äußerst schwach. Wir mlssen uns ins Unvermeidliche fügen, weil wir ja dagegen nicht das Geringste/ machen können. Aber wir brauchen deswegen noch lange nicht zu verzweifeln; das Wetter ändert sich manchmal schneller, wie manche Leute ihre Ansichten. Schlechtes Wetter wäre unter Umständen noch zu ertragen: wenn nur die wirtschaftlichen Verhältnisse sich recht bald bessern wollten und die Ruhrgesschichte ein Ende hätte! 5 5 — Erholungs⸗ und Vergnügungsreisen gehören für einen großen Teil der Menschheit jetzt zu den unerfüllbaren Wünschen. Zwar, früher waren auch nur wenige in der Lage, sich eine Sommer⸗ reise an irgend einem angenehmen Ort zu leisten, sich an einer prächtigen, ihnen bisher unbekannten Landschaft zu erfreuen. Jetzt fallen aber die Eisenbahn⸗Fahrpreise derart ins Gewicht und die Hotelpreise sind so phantastische, daß nur finanziell gut Gestellte an Vergnügungsreisen denken können. Nächstens wird's damit noch schwieriger, denn schon wieder ist die Rede von bedeutender Er⸗ höhung der Personentarife. Im ständigen Ausschuß des Eisenbahnrats beschäftigte man sich damit und es wurde eine Ex⸗ höhung von 100 Prozent für den nächstmöglichen Zeitpunkt in Aussicht genommen.— Damit ist natürlich noch weiteren Kreisen das Reisen unmöglich gemacht. Und es hätte doch schließlich jeder Mensch den Anspruch darauf, sich ein Stückchen der schönen Erde anzusehen außerdem, was er seine engere Heimit nennt!— Aber nicht allein die Vergnügungsreisen müssen eingeschränkt werden, auch die Geschäftsreisen verteuern sich und dafür müssen die Kon⸗ sumenten büßen! f. — Die diesjährige Parteikonferenz für die Kreise Gießen und Alsfeld⸗Lauterbach findet am Sonntag, 10. Juni, vormittags 9 Uhr im Gewerkschaftshause in Gießen statt. Eine umfangreiche Tagesord⸗ nung liegt zur Erledigung vor, die in der Hauptsache Berichte des Vorstandes, Sekretärs usw. umfaßt. Anträge sind bis 4. Juni an H. Häuser, Hammstr. 10, einzusenden. Für rege Beteiligung an der Konferenz müssen die Parteivereine sorgen. Weitere Verteuerung der Lebenshaltungskosten. der Woche vom 5. bis 11. Mai hat sich die Teuerungsziffer von 3253 auf das 3464fache erhöht, also um 6,5 Prozent, nachdem in der ersten Maiwoche eine Verteuerung um 5,92 Prozent stattgefunden hatte. Zu der Verteuerung der Lebenshaltungskosten während der vergangenen Woche trug vornehmlich die Steigerung der Lebenskosten bei, deren Index von 4233 auf das 4564fache, somit um 8,8 Prozent, stieg. Wiederum sind es die Fett- und Fleischpreise, die hauptsächlich die Aufwärtsbewegung der Lebensmittelgruppe verursachten. Eine starke Steigerung erfuhren auch die Kosten für häusliche Gebrauchsartikel, nämlich um 12,6 Prozent, infolge weiterer Verteuerung bon Seife. — Von dem Arbeitsmarkt in Gießen ist mitzuteilen daß sich die Lage in den letzten Tagen etwas verschlechtert hat. Er werbs⸗ losen⸗Unterstützungsempfänger waren in der letzten Woche 120 zu verzeichnen. Ebensoviel sind in Gießen Kurz⸗ arbester vorhanden; mit Notstandsarbeit werden 77 beschäftigt. Volksmedizin und Aberglauben bei Krankheit und Tod. Die Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen, Darmstadt, Mathildenplatz 17, bittet die Bevölkerung des ganzen Landes, insbesondere die Pfarrer, Aerzte und Lehrer, Schwestern und Hebammen, sie— unter Angabe des Namens des Einsenders und seiner Anschrift— in folgender, wissenschaftlicher Arbeit durch Uebermittlung von Beobachtungen zu unterstützen. Die Sammlung erstreckte sich auf Volksmedizin(Angabe volks⸗ tümlicher Bezeichnungen einzelner Krankheiten, Volksheil⸗ mittel) auf abergläubische Vorstellungen von Krankheiten, deren Entstehung, Verhütung und Behandlung(Zauber- formeln, Berührungsheilen, Besprechen, Gesundbeten), auf Volksmedizinisches und Abergläubisches bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, ferner im Zusammenhang mit Sterben, Tod, Leichenfeiern und dergl. Weiter sind sehr erwünscht: Nachrichten über bestimmte Oertlichkeiten, Tages⸗ und Jahreszeiten Zahlen und Zahlenzusammenstellungen, an die volksmedizinische Gebräuche bezw. Aberglauben sich anheften, und schließlich über Pflanzen und Tiere, die bei diesen Dingen eine Rolle spielen oder zur Gewinnung von Volksheilmitteln dienen(besondere Theearten, Kräuterab⸗ kochungen, Umschlagsmittel usw.)— Das Material bitten wir uns bis spätestens 1. Oktober ds. Is. zustellen zu wollen. Auf Wunsch wird Porto ersetzt. Die Gedenkfeier an die erste Nationalversammlung in Franf⸗ furt nahm trotz des wenig günstigen Wetters bei riesiger Beteili⸗ gung einen eindrucksvollen und programmäßigen Verlauf. Die Rede des Reichsprästdenten wurde mit Begeisterung aufgenommen. 0— Die Zeamten⸗Versaumlung am Donnerstag, über die wir noch ausführlichen Bericht bringen, war stark besucht. Die Aus⸗ sührungen des Redners, Abg. Hoffmann, fanden allseitige Zu⸗ stimmung; eine Resolution in diesem Sinne fand nach reger Debatte Annahme. — Oberhessischer Kunstverein. Die Ausstellung der Originas⸗ Radierungen Münchener Künstler blefbt nur noch an den beiden Pfingstfeiertagen geöffnet. Von Dienstag an wird die Ausstellung einige Tage geschlossen. Es folgt dann eine Ausstellung von Werken oberhessischer Künstler.— Geöffnet ist die Ausstellung von 11 bis 1 Uhr; Eintritt kostet für Nichtmitglieder 20 Mark. — Zirkus Straßburger eröffnet heute Abend sein Gastspiel in Gießen mit einer großartigen Vorstellung. An beiden Feiertagen finden nachmittags und abends Vorstellungen statt. — Grasversteigerungen der Stadt Gießen. Eine Bekannt⸗ machung des Oberbürgermeisters kündigt Grasversteigerungen in der Zeit vom 23. bis 26. Mai an. Wir weisen auf die Bekannt⸗ machung hin. — Wieseck. Ausflug. Am ersten Pfingstfeiertage, nachmittags unternehmen die Freie Turnerschaft und der Arbeiter-Gesangverein Sängerkranz einen gemeinschaftlichen Ausflug mit Familie auf die Ludwigsburg. Alle Mitglieder beider Vereine wollen sich zu einigen geselligen Stunden bei Mustk⸗ und Liedervorträgen zusammenfinden. — Bei unglustigem Wetter findet die Abendunterhaltung im Ver⸗ einslokal bei H. Breuer von 8 Uhr abends ab statt. „reis riedberg⸗Blbingen. Konferenz der hessischen Bergwerksbetriebsleiter. Am Mittwoch, den 9. Mai fand in Vilbel eine Konferenz der Betriebsleiter der hessischen Bergwerke statt. Vor der Sitzung wur⸗ den mehrere Betriebe der Vilbeler Mineralwasserindustrie besichtigt, so die Anlagen des Luwigsbrunnens, der früheren sogenannten „Staatsquelle“, die im Jahre 1792 von den beiden Herrschaften Hanau und Mainz instand gesetzt wurde, nachdem eine schon früher dort vorhandene Quelle verschütktet worden war. Uebrigens wird der Vilbeler Sauerbrunnen schon im Jahre 1569 als Heiltrank erwähnt, und der im Landesmuseum befindliche Mosaikfußboden eines römi⸗ schen Bades, das bei Vilbel ausgegraben wurde, deutet vielleicht sogar In 4 H darauf Jet, Nes dee Heifquelle cn den Nor wurde der Brodsche Sprudel mit seinen A und der Hassia⸗Sprudel besucht, deren Kohle und in modernen Anlagen verflüssigt wird. An den beler Burgruine schloß sich noch eine Besichtigung e in welchem die Schichten der bei Vilbel zutage tret den⸗Formation studiert werden konnten. Die eig slich eröffnete ein Vortrag des Bergrats Köbrich über die g Verhältnisse der Gegend von Vilbel, 9 ber bildung des Rotliegenden daselbst und den Zusammeß hang beler und Wetterauer Gebirgsschichten mit den Sil kohl on der Saar und in Sachsen und über die Mineralqullen. walter Freitag aus Gießen berichtete über einef dachten selbsttätigen Schachtverschluß, der geeignet, Unfäl Schachtfüllort zu verhüten. Es folgte eine eingehende sprach neuerdings von der Landwirkschaft heäußerte Wünscht hinsi Inanspruchnahme von Gelände durch den Bergbau um über 0 herausgabe eines gedruckten Bergwerksverzeichnisses di iche a Bergbehörde. Mit einer Reihe kleiner Mitteilungen, 5 besuchte Versammlung, um deren Vorbereitung und Ferlauf Vilbeler Quellenbesitzer, namentlich Herr Karl Buß, Dank verdient haben. 5 Kreis Wetzlar. Erklärung. In Arbeiter⸗ und Beamtenkreisen wißd das verbreitet, ich hätte vereitelt, daß Wetzlar Sondertahe rung, erhalte, ebenfo sei es meine Schuld gewesen, daß bel Neue der Städte(Ortsklasseneinteilung) Wetzlar nicht in Ortsk gekommen sei. Als Kronzeuge wird der volksparteflicze Abge Seibert angegeben. 5 Hierzu habe ich zu erklären: Bei der Neueinf war ich Mitglied des Ausschusses nur insoweit, die staates Hessen in Frage kamen, hatte also gar keine 6 mit der Einstufung Wetzlars zu befassen, ich 040 dessen weder direkt noch indirekt mit der Einstufn faßt. Daß ich versucht habe, Gießen nach A zu bri mir auch in Wetzlar nicht zum Vorwurf machen kö weniger habe ich mit den Sonderteuerungszuschläge Angelegenheit wird nicht vom Reichstag oder elne schüsse geregelt, sondern vom Reichsrat und den in!? menden Organisationen. Uebrigens hat Seibert mir klärt, daß er die oben wiedergegebenen Behauptungen habe. Die Hetze, welche in W. gegen mich in Be beg den ist, ist kläglich zusammengebrochen, ich will stän vermeiden, obgleich klar ist, daß man diese Gelegenhe der Verein. Soz. Partei, die doch immer die Interesse und Beamten vertreten und geschützt hat, eins auszu zeigt aber auch dieser Vorfall, daß diejenigen, w Partei gehören oder uns nahe stehen, sich bei solche den Betreffenden erkundigen sollten, ehe sie in diese die Gegner hauen. Beckman icht aufg g gesetzt re Aus Strafkammer Gießen. Sitzung vom 15. Mai. Eine trübe„Weinbrand“ ⸗ Quelle. In 20. d. J. wurden dem früheren Besitzer de horn“ in Gießen aus seinem Keller unter andere 48 Flaschen Weinbrand gestohlen. Die Diebe stellte bei der Frau Ernst M. hier ab. Der Bureaugehilfe gi auf Bitten des einen Diebes den in einem Koffer Weinbrand in die Wohnung der Frau M., wo eie wohnte, tragen. Abgesetzt wurde der Kognak später den Gastwirten Ferdin. K. und bei dem Pächter F. gericht hatte K. und F. der Hehlerei schuldig gespro zu je 30 000 Mark Geldstrafe verurteilt für in erster je 15 Tage Gefängnis. Frau M. und D. waren freie den. Die verurteilten Gastwirte verfolgten Beru sprechung zu erzielen, die Staatsanwaltschaft, um auch lung der Frau M. und des D. zu erreichen. Die St auf Grund des Beweisergebnisses ebenfalls zur Fre der beiden Wirte und verwarf die Berufung der schaft im übrigen. Der bei der Hehlerei erforderliche nicht als erwiesen angesehen bei allen vier Angeklagtt Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 16. Mai. Erhöhung der verordnetenversammlung vor, die eine namhafte Erhöhung Straßenbahnfahrpreise verlangt. Die Forderung ird mit wachsenden Ausgaben für Löhne und Gehälter begrüfhet. 4 Franksurt a. M., 17. Mai. Hundebörse. 9 wirtschaftlichen Halle fand eine von Hunden aller Rassen, a Alter, Größen und Eigenschaften reich beschickte„Börße“ statt. N minder stark aber war auch der Zustrom von Kauflystigen. 9 einzelne Tiere wurden außerordentlich hohe Preise allem für Jaghunde, die von Zwischenagenten fi Offiziere erstanden wurden. Mark für irgend einen Köter gar keine Rolle. Frankfurt a. M., 17. Mai. Frankfurter Auftrieb. 32 Ochsen. 11 Bullen, 268 Färsen und 1255 Kälber, 105 Schafe. 398 Schweine. Es wu einen Zentner Lebendgewicht: Kälber seinster Out bis 470 0% Mk., mittlerer Qualität 280 000— ringerer Qualität—.—: Schafe 210 000300 000 1 unter 80 Kilo 430 000400 000 Mk., von 000 bis 490 000 Mk., über 100 Kilo 470 000490 000 N. 5 viehmarkt war das Geschäft anfangs flott später aber abflaue Der Schweinemarkt wurde bei lebhaftem Handel autwerkau nächste Hauptmarkt findet Mittwoch den 23. Mal, be Ne Donnerstag, den 24. Mai statt. 3 Frankfurt a. M., 17. Mai. Naubüberfall. Am N woch hob ein Lehrling vom Postscheckamt 600 000 Mark ab. dem Wege nach seinem Geschäft wurde er von einen Unbekann angesprochen, der ihn bat. in einem Hause der Aleilheiligen eine kleine Bestellung auszurichten. Im Hausflu des überfiel der Fremde den jungen Mann, schlug ihn noeder raubte ihn seiner Barschaft, Der Räuber entkam mmerka Frankfurt a. M., 17. Mai. Eine Heiratssch lerin. Meistens beschwindeln die Männer die frratslüsten Frauen und Mädchen unter der bekannten Vorspieg lung haben auch in 99 von 100 Fällen Glück damit. Diesmal hat g eine Vertreterin des schwächeren Geschlechts ihn gründlich gerächt. Die Arbeiterin Luise Fritsche Kellner hoch und heilig, ihn zu heiraten. Dabei ele Mann aufs gründlichste. Als er endlich ernüchtert n. zu spät. Sein Vermögen und seine Wertsachen walt Luise bereits durchgebracht, wofür sie allerdings ve Frankfurt a. M., 17. Mal. Autotod. 9 straße riß ein Radfahrer eine Frau Nagel aus Straße um. Im aleichen Augenblick sauste ein überfuhr die Frau und tötete sie auf der Stelle. Autoraserei. Bei einer Motorfernfahrt des 1 klubs Hamburg auf der Strecke Hamburg⸗Liheck⸗l münster ereignete sich auf der Wegstrecke Plöha z schweres Unglück. Großkaufmann Dose aus Bad sicherer Fahrer, hatte bereits mehrere Fahrer übeihh Ueberholen eines Rennfahrers in der Nähe von Nun von der entgegengesetzten Seite ein Auto, mit dem Dole stieß, wobei er so unglücklich zu Fall kam, daß er! und Wirbelbruch davontrug. Eine Viertelstunde splt Arzt im Krankenhause Neumünster den Tod feststelleh Fahrer tat einen gefährlichen Sturz, wurde auf die Eh chleudert, wo er besinnungslos liegen blich. bahnpreise. Der Magtlstrat bereitet eine Vorlage an die Sil der Lan angelegt. 1 französss Verschiedentlich spielte eine Mill lo 4700 Am Kl S 2 ——— S e E . X S 2 wieder ein Opser gefordert. Der 18jäyrige einzige Sohn der a e bach n b b,, Familie Keller dauerte am Sonntag abend mit einer Mauser⸗ rs h„ pistole, als diese sich entlud und der Schuß den jungen Menschen 1 ungehe* ee Win 0 U uf der Stelle tötete. Der Vater des Verunglückten ist im Kriege gesalle u. Verhängnisvoller Blitzschlag. In Seitzenhain im Taunus wurde das Gehöft des Landwirts August Hölzel durch einen Blitzschlag vollständig eingeäschert. Es konnte von dem Mobiliar und den lanbwirischaftlichen Geraten bes garnichts gerettet werden. N Verbot des Nachtverkehrs. In Nierstein a. Rh. wurde in der Nacht vom 15. zum 16. Mat ein französischer Posten erschossen. Infolgedessen verhängte die nzösische Behörde über die umliegenden Wirtschaften die Nacht⸗ sperre. Die drei Söhne des durch einen Gewehrkolbenschlages ge⸗ itung ung 10 öteten Kreisveterinärarztes Dr. Gerhardt wurden von den r gar ae Se oaen verhaftet. sen dad alen lin daß sessee u dt 5 er Neuen omi, 1 1 gar keine 0 Opfer der Arbeit. In dem Basaltbruch an dem Nöll bei Oberaula wurde der 1 21jährige Steinbrucharbeiter Johannes Stiebing aus Heddersdor en y 9 87 abstürzenden Gesteinsmassen erschlagen.. Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschunm der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 17. Mai. Für die Bäckergehilfen in Bad⸗Nauheim und tleßen traf der Schlichtungsausschuß folgende Lohnregelung: b 21. 5. 23 erhalten die Schießer 69 000 Mk. Mindestwochenlohn, uh die Teigmacher 64 000 Mk., und die Letztgehilfen 55 000 Mk. Für n denden und Wohnens können von diefen Süßen wöchenti eco mt. f machen zin * 1 0 u sezogen werden. Für Bad⸗Nauheim ist der Schiedsspruch kaut rifpertrag bindend, für Gießen erkannten ihn beide Teile an. Dte Gießener und Butzbacher Gerbereien sollen vom 13. bis aud ehe 81. 5. 28 den gelernten Arbeitern über 25 Jahren 1700 Mk. Stun⸗ adenlohn zahlen, statt bisher 1390 Mk., und die übrigen Löhne in lan demselben Verhältnis erhöhen. 92 Der Freiherrlich Rtedeselschen Dampfziegelei in nner bag gab der Schlichtungsausschuß auf, von der laufenden für 2 ede Galegeges nperiode an den Stundenlohn der Betriebsarbeiter über 21 Jahren von 1320 Mk. auf 1600 Mk. und die übrigen Löhne in dem⸗ die Intersse„ selben Verhältnis zu erhöhen. ens auszuuft 30 Arbeiter des Ton works Abendstern bei Gießen er⸗ ienigen, wa hoben Einspruch gegen Kündigung wegen Betriebseinschränkung. sch bei solheg n 9 Fällen erkannte der Schlichtungsgusschuß mit Rücksicht auf g sie in disch die Verhältnisse der Entlassenen auf Wiedereinstellung. f eckmanng dießen. Zu diesen 3 Schiedssprüchen erhielten die Streitteile Er⸗ klärungsfrist. Den Schiedsspruch über die Lohne der Angersbacher Ziegelei erkannte der Arbeitervertreter an. In der Einspruchssache des Betriebsratsvorsitzenden des Ton⸗ Mai. werks Abendstern wegen seiner fristlosen Entlassung erging auf An⸗ trag des Arbeitgebers Aussetzungsbeschluß gemäß§ 86 Absatz 2 des 5. Betriebs vätegesetzes zur Herbeiführung einer gerichtlichen Entschei⸗ n Hestter dc 10 über die Berechtigung der fristlosen Entlasfung. unter anderen Diebe stelteh treaugehilfe h 1 8 Das Spiel mit dem Feuer! Nachdem die Protestkundgebung der Metallarbeiter am Freitag, mem gofstt den 11. Mat zu allen die Vesfer Stadtgesprächen Anlaß gegeben hat, ognak späte m n Vächter F. 8 f Huldig gesp 1 0 0 find wir gezwungen, die Oe e aus berechtigten Empörung der Arbeiterschaft zu unterrichten. ntlichkeit über die Ursache der durch⸗ Der Arbeitgeberverband für ingau und Oberhessen in Gießen insbesondere jedoch die Herren Arbeitgeber in Gießen, können w äimmer noch nicht begreifen, daß auch die Arbeiterschaft als gleich⸗ für in erste Ja berechtigter Faktor im Wirtschaftsleben anerkannt und auch dem⸗ . waren frig gten Berifch a h entsprechend behandelt werden muß. Es darf der Arbeiterschaft kein Geheimnis bleiben, daß die Haft, um 1. 4 Herren Arbeitgeber sich jeder, aber auch der winzigsten Regelung chen, Die Shan auf dem Gebiete der Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse mit allen Mit⸗ ls zur Fres oil Berufung öͤer kurz erforderliche Ire vier Nugeklagt ichten⸗ hung dere heine Vorlage eh e namhafte E Forderung K. ebörse An unden allet beschicte Auf m von Kaffee lohe Preiß F enagenten fit 0 sentlich spiele f e Rolle.* utfurtet g Färsen und ehälter 10 E. Es wü! 280 0000 00300 000 bon 0 1 1 500 000. 50 ion suite, em Handel ubüber 1 teln widersetzen: dafür einige Beispiele: 240 Die Spielerei mit Schußwaffen hat in Lohra bei Sladen⸗ Waren die Alkorbpreise in den Vorjahren so geregelt, daß ein] nommen hat. Auch bei dleser Gelegenheit hat der perr Direktor durchschnittlicher Arbeiter in der Stunde mindestens seinen Tarif- in einem Tone wie er auf Kasernenhöfen üblich, die Kommission lohn plus 20 Prozent verdient hat, so sind die heutigen von Zeit zu angefahren, sofort das Haus zu verlassen. Das ist nicht die Art, Zeit derartig herabgesetzt, daß einzelne Akkordaxbeiter überhaupt um mit Arbeitern verhandeln zu können, aber der Herr Direktor nicht ihren Tariflohn verdienen können. Im allgemeinen ist die] war derartig im Feuer, daß sogar der anwesende Polizeiwachtmeister tige Regelung so, daß der Akkordarbeiter nur 50 bis 55 Proz. sich genötigt sah, dem Herrn Direktor zu erklären, daß er die eines Tariflohnes plus 15 Proz. verdient, daß bedeutet jetzt einen[Störungen unterlassen sollte, da die Kommission sehr anständig sirh Akkordverdienst von nur 6,4 Proz. auf den Tariflohn pro Stunde.] bewegte. 8 Ich will zu Ehren der Herren Direktoren zugeben, daß Ausnahmen Es ist erfreulich, daß die Arbeiterschaft sich trotz alledem in möglich sind, die jedoch nur einen Bruchteil gegenüber anderen mustergültiger Weise benommen und so größeres Unglück vereitelt Orten bedeuten. Dabei darf, wie schon erwähnt, nicht vergessen hat. ö werden, daß ein großer Teil der Akkordarbeiter nicht den verein⸗ Die Demonstration ist nicht ohne Erfolg geblieben, die Herren J barten Tariflohn, verdient. Daß derartige Akkordverdienste als Arbeftgeber haben eingesehen, daß es so nicht weiter gehn kann. 1 Ansporn zur Arbeitsfreudigkeit beitragen können, wird wohl ernst⸗ Wir wollen es nicht unterlassen, den Herrn noch an dieser Stelle 0 lich auch keiner der Herren Direktoren glauben wollen. gzuzurufen, daß sie den Bogen nicht zu straff spannen sollen, es könnte Aehnlich liegen die Verhältnisse auch auf anderen Gebteten. Der sehr leicht ihr eigener Schaden werden. Herr⸗im⸗Hause⸗Standpunkt ist in Gießen immer noch ein Ideal der Die Arbeiterschaft hat die schwere Aufgabe in harter zäher Arbeitgeber. Eine Vereinbarung, die wir für folgende Punkte be⸗ ununterbrochener Arbeit, die Herrschsucht und die Profitsucht der antragt haben: 1. Regelung der Urlaubsfrage, 2. Bezahlung von J Arbeitgeber zu brechen und sie durch ihre Organisation zu zwingen. Ueberstunden, 3. Entschädigung für Formerwerkzeuge und 4. Reg⸗ alles, was in anderen Orten Allgemeingut ist, auch hier in Gi lung der Ausschußfragen in den Gießereien, wurde erst durch aller⸗ anzuerkennen. sch. hand Ausreden verschleppt und endlich mit der Begründung abge⸗ lehnt, daß für sie(die Arbeitgeber) kein Bedürfnis dazu vorliegt. Nächste Absahrten der Hamburg⸗Amerika⸗Linie. Ein besonderes Kapitel ist die Lohnpolitik. Der Schlichtungs⸗ Hamburg⸗Nord⸗Amerika. Nach New⸗Nork: D. Thuringia 24. 5. ausschuß in Gießen setzte die Löhne ab 16. Februar in der Spitze auf 1520 Mk. pro Stunde fest. Mit der jetzt modernen Begründung, 2 1 N 52 7 9 9 85 1 15 1 3 Hana 1 65 die Stabilisserung der Mark— Ja auch der Preisabhau— und Nach Philadelphia B— 1 8 orfolk: D. pessen 22.5. endlich die Betriebe können beim besten Willen nicht, sollen sie nicht ach Ph la phig⸗ nere orse: D. Brasilia 1 b. Nach Boston⸗. völlig zugrunde gerichtet werden, wurde jede Lohnerhöhung abge⸗ Baltimore⸗Norfolk: D. Fürst Biflow 15. 6. Westküste Nordamerika: lehnt. fe Arbe igcber erhielten Wasser auf ihre Wählen, als auch D. lieb 12. 8, D. Wiraindan 1. a, Panne deo der Reichsarbetsminsster die von uns beantragte Verbinzlichteits“] D. Toledo 5 6, I. Westerwald 7a., Hamann deseind een Addo erklärung abgelehnt hat. Ita 12. 5., D. Eupatorig 9. 6. Hamburg ⸗Südamerika: Nach Monte⸗ Die Lebenshaltungskosten sind weiter in ganz unerhörter Weise video Bs.⸗Aires u. Rosario D. Fransenwald 18. 5. Nach Rio und gestiegen, trotzdem lehnten die Arbeitgeber jede Lohnerhöhung für[ Bs. Aires: D. Teutonen 24. 5. Nach Rio, Montevideo u. Bs.⸗Afres: März und auch April ab. Der Schlichtungsausschuß setzt ernent[D. Baden 3. 9. Nach Pernambuco leventl. Bahle, Viktoria) Rio u. die Löhne ab 23. 4. 29 in der Spitze auf 1500.— Mark pro Stunde][ Santos: D. Steigerwald 6. 0. Hamburg⸗Westasten: Engl. D. Ba⸗ fest. Diese Regelung, die ganze 80.— Mark Lohnerhöhung gebracht medon 16. 5., M. S. Miinsterland 28. 5., Engl. D. City of Boston hatte, wurde von der Arbeiterschaft als völlig ungemgend bezeichnet. b. 6., D. Ludwigshafen 16. 6. Aber wie enttäuscht— waren unsere Kollegen, als die Arbeitgeber f 8 2 auch diese winzige Zulage abgelehnt haben. Dollarstand Freitag mittag 12 Uhr: 46 750 Mk. cbegen den Wen Mark, wurde wiede das eic amen. Am dritten Feiertage, Dienstag, den 22. Mai, erscheint ministerium angerusen und dem Arbeitgeberverband sind für Monat 2 8 8. 1 f Mai weitere Forderungen, mit der Bitte um beschleunigte Verhand⸗ keine Oberhessische Volkszeitung. Die nächste Nummer wird lungen unterbreitet. 0 Mittwoch zur gewohnten Stunde ausgegeben. Unter dem Deckmantel, daß erst die Aprilstreitfrage erledigt sein müßte, lehnten die Herren Arbeitgeber auch diese Verhandlung Versammlungskalender. ab. Diese verbrecherisch leichtsinnige Handlung konnte ohne jede N 15 Wirkung auf die Arbeiterschaft nicht bleiben. So wurden in allen Gießen. Frauengruppe ber, Verein. Soz. Partei. Betrieben mit allem Nachdruck die Forderungen erhoben, daß bis Donnerstag, den 24. Mai, abends 8% Uhr im Gewerkschaftshaus, zur endgültigen Regelung der Lohnstreitfrage den Arbeitern eine Frauenversammklung mit Vortrag der Gen Noll über die Vorschußzahlung zu leisten sel. Wer da der Meinung war, daß die] Frau und die Gleichberechtigung. Außerdem sonstige wichtige Arbeitgeber die an sich völlig berechtigte Forderung auch nur im Tagesordnung. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. f Bruchteil bewilligen werden, war sehr enttäuscht. Die Herren Direktoren waren allerdings etwas verlegen, eine Vorschußzahlung abzulehnen, haben aber ein Ausweg gefunden, indem sie den Ar⸗ beitern erklärten, wir würden Euch das gerne geben, wir er⸗ kennen auch an, daß es berechtigt ist, aber— der Arbeitgeberverband 0 hat uns das verboten. N Nach geschildertem wird jeder Leser es begreifen können, wenn die Arbeiter am Freitag, den 11. Mai 1923 sich öffentlich zu einer Protestkundgebung versammelt haben, von ihren Betrieben aus in Gemeinnützige Trupps nach dem Großherzog(Sitz des Arbeitgeberverbandes) zogen Möbelversorgung für das Bhein-, Main- 775 ert bade allem Nachdruck gegen die Politik der Arbeitgebe; und Lahngebiet, G. m. b. H. n. Die versammelte Arbeiterschaft wählte aus ihrer Mitte eine 128 f latz 1 Kommission, die mit den Vertretern des Arbeitgeberverbandes ver⸗ Gie en Lindenp 15 handeln sollte. Die Kommission konnte keinen der Vertreter an⸗* 18 treffen, trotzdem eine stattliche Anzahl der Herren im Großherzog ant Jh lig einer der Herren Direktore, der der Arbeiter⸗ Möbel auf Teilzahlung! Baucht Habana- Den Oualitäts-Rauchtabak! garantiert rein Uebersee, mild, leicht bekömmlich. Erhältlich in allen Verkaufsstätten des Konsumvereins Giessen. Woaft sehr gut bekannt ist und sich bis jetzt in ganz vorzüglicher eise als Scharfmacher und bei allen Anlässen sehr poltrig be⸗* Olken 11! die Verteilung von verbilligtem Zucker betreffend, elfter Su wird hiermit hingewiesen. ãĩðVvs0ↄy ß pthördliche Bekanntmachungen veraenme gediegene FlIHIHAHmeeeeeeee Bekanntmachung. Schlafzimmer Auf die durch Aushang ersolgte Bekanntmachung, Gießen, den 19. Mai 1923. Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt.) Spe ise 21 mmer Vergebung von Wasserleitungsarnaturen.] Herren zimmer Die Gemeinde Langsdorff will die zum Wasser⸗ 9 5 leitungsbau benötigten Armaturen öffentlich vergeben. erste Tischlerarbeit ö Angebote anf Angebotsunterlagen, sind bis Diens⸗ nach Entwürfen reich geschnitzt Berücksichtigt unsere Inserenten! 8 Besichtigung ohne Kaufzwang Geenieß, den 15. Mai 1923. 31¹— 5 Der Regierungsbaurat bei der Kreisverwaltung Te 7 P 1 0 h 2 Cellariuk. Qualitätsware, elegante Perser- Muster, in allen Grössen. — 319 8 Giosse Aswan neee 2 42 e e 1 Geschäftseröffnung. Den verehrten Schuhmachermeislern und Einwohnern von Gießen und Umgegend zur gefl. Kenntnis, daß ich mein am 1. April dieses Jahres eröffnete Lederlager von Hildebrandstraße 11 f 8 8 1 Schloß. 12 verlegt 5 echt Mahagoni echt Eiche echt Birke „ und demselben Lederausschnitt angegliedert habe. Ich bitte höfl., mein junges Unternehmen gütigst zu unterstützen und sichere im voraus reellste und beste Bedienung zu. eee Willy Schomber, Gießen. bhel haus 8 i— J. ITTMANN Großer Preisabbau! 0 ö 0 mhaber: A. Brumli Seren Lunden en J. aun sahen 34 3 1 106 9 ren, a* 7 U. 122 1 rauen uU. Mädchen en, nete Metallwecker, Taschenuhren, And Absalze erhalten unentgeltlich 285 1 45 d Aus Armbanduhren aan billiger und haltbarer Mat und Auskunft e eee e Schmuck- und Goldwaren neuester Art A et offeriere i Rechtsangelegenbeiten due Seilperfabren gegen Diendltetten 2 Anhänger: Aemreisen Aden el Acsseret 5 im alten Rathaus Lungenleiden, Seuschnupfen, Keuch Ein Posten e K bilsigen Preisen 5 Markiplag 14, A ihma water e ee e ieee betend ebenen J. P. Mono te ea naeh b get 5 4 1 f f* Neuenweg 10. von d bie 2 h. Epefial⸗Anbuldtorium Gualbrün biehen eee, i Werktäglich von 9 bis 12 und 3 bis 5 Uhr. 1 Westanlage 10. 8. rr S 5 Saatschutz. Die Ausscaten ins freie Land sind vielerlei Gefahren aus⸗ gesetzt, die bei kleiner Ausdehnung der Saatübeete sich leicht ver⸗ hindern lassen. 5 5 Ein großer Teil des belmenden Samens ist verloren, wenn er während der Feimung von Frost, Hitze oder Trocken⸗ heit betroffen wind. Ein vorzügliches Mittel gegen diese schädtgenden Einflüsse ist das Bedecken der Beete oder Saatrehen mit Torfmull. Sägespänen, verwestem kurzen Dünger ader mit Strohdecken. benadelten Fichtenzweigen, Papier⸗ sensterm u. dgl. Die Bebeckung darf nur so lange liegen bleiben, bis der Samen gekeimt hat. Denn die Saat braucht zunächst kein Licht, sondern mur sauerstoffreiche Luft. Sobald aber der Keim⸗ Ling erscheint ist der Zutuitt des Lichtes unerläßlich, und jede Verzögerung führt zum Vergeilen oder zum Längerwachstum des Keimlings. Bei schwacher Bedeckung mit Torfmull oder Dünger sist die Wegnahme nicht nötig weil die Keime unter dem Einfluß des Lichtes genügend erstarken. Strohdecken usw. mlissen an trüben Tagen entfernt werden; denn die Ketmlinge müssen allmählich aus Licht gewöhnt werden. Natürlich muß bei Frosigefahr während der Nacht das Sgatboet wieder bedeckt werden. Tie vische Schädlinge, wie Vögel, Mäuse, Schnecken, Würmer suchen die Samen vor und während der Keimung heim. Gegen die Pachstellungen der Saatkrähen, Rebhühner. Tauben und anderer Körnerfresser schützt am besten das Beizen des Saatgutes. Man verwendet dazu eine der käuflichen Saatbeigen, die meistens aus ölfreien Deerstoffen bestehen und durch ihren Geruch und das Aussehen den Samen so verändern, daß er den Schädigern vevebelt wird. Das bekannte Mittel„Vermischen des Samens mit Menmige“ wird wohl von den meisten Gärtnern an⸗ gewendet. Diesen roten Farbstoff liefert jede Drogen⸗ oder Far benhandlung. J Die sogenaunten Eröflöhe sind arge Schädiger aller Kohl⸗ arten und ande rer Kreuzblüttler z. B. Rettiche, Levkojen u. dgl. Sie zerfvessen die Blätter der Sämlinge und hindern dadurch die Entwicklung. Die Bekämpfung besteht im Bestreuen der Beete mit feiner Asche, Ruß. Kalkstaub oder leißigem Begießen mit Wasser. Schließlich kann auch das Wegfangen mit einem Brett, dos mit Naupenleim oder Teer bestrichen ist augezaten werden. Zwei Personen halten das Brett möglichst unmittelbar über die Pflanzen, etwas schräg nach vorn gerichtet, damit die aufspringen⸗ den Käserchen daran kleben beiben. Es gibt auch verschiedene Erdflöhe pulver zum Ueberstreuen oder zum Auflösen in Wasser, womit die Saatbeete danm überbraust werden. . Gegen Schnecken wird die kelmende Saat und die Säm⸗ linge durch Ausstreuen von Asche, Kalkstaub, Gips, Holzkohlen⸗ pulver, Ruß zwischen die Saatveihen geschützt. „Gegen pflanzliche Schädlinge oder Pilze ist das Beizen des Samens mit pilztötenden Chemikaliem üblich. Die meisten Pilz⸗ Fyankheiten werden durch die dem Saatgut anhaftenden Pilz⸗ ssporen verbreitet. Deshalb ist das Beizen des Samens notwendig, wenn mam über die Herkunft micht unterrschtet ist, z. B. ben Bohnen. Dig Behandlung mit pilztötenden Saathbeigen ist im Landwintschaftlichen Betrieb weit mehr gebräuchlich als im gärt⸗ werischen, obwohl sie hier ebenso notwendig und nützlich wäre. Die gebräuchlichsten Saatbeizen sind heißes Wasser, Kupfer⸗ vitrio lb rüle oder Formalimlösung, die leicht amzumvenden sind, wenn mam sich genau nach den Gebrauchsanwelsungen richtet. Vielfach aber versagen sie in ihrer Wirksamkeit. weil entweder die Pilasporen zu wide rstandsfähig sind oder bei längerer Einwirkung das Samenkorn geschädigt wird. Die Formalinlösung wird durch Verdünmen des 40prozentigen Formaldehnds mit Wasser herge⸗ stellt(auf 100 Liter Wasser/ Liter Formaldehyd). Formaldehyd zit eine wasferhelle Flüssiakest mit durchdringendem Geruch der bei der Verdünnung fast vollständig verschwindet. Das Saatgut wird damit duochfeuchtet umd sofort ausgesät oder zum Austrockhen ausgebreitet. Eine längere Einwärkunng schädigt den Keimling. Die Kupfervitriollösuna wird prozentig(% Teil Kupfer⸗ vitriol in 100 Teilen Wasser) oder als 2prozentige Kupfer⸗ „kal kbrühe(2 Teile Kupfervitriol, 2 Teile frischgelöschter Kalt, 100 Teile Wasser) angewendet. Die Zeilbawer der Einwirkung ist sehr verscheiden; sie richtet fich nach der Art und Beschaffenheft 11 Samens, fowie auch nach der Pilzart, die vernichtet werden In jedem Fall ist vorsichtige Anwendung der Beizmittel an⸗ zuraten. Ein Mittel. das gegen jede Pilzart würksam ist gibt es leider nicht. Am meisten erfolgreich haben sich die queckfilber⸗ haltigen Veitzmittel erwiesen. Neuerdings ist ein Chlorphenol⸗Quecksilberpräparat unter dem Namen Uspulvun in den Handel gekommen, dem große Wirk⸗ samkeit nachgerühmt wird. — Der Komposth aufen. Der Komposthausen ist ein unbedingt notwendiger Bestandteil eines jeden Gartens liesert er doch aus sonst wertlosen Abfällen, welche oft aus dem Garten himausgeschafft und fortgeworsen wer⸗ den, ein sehr wertvolles Düngemittel, zumal andere Düngemfttel heute sast unbezahlbar und schwer zu beschaffen sind. Ecke des Gartens die aber nicht von Licht und Sonne abgeschlossen sein soll, doch so. daß er sich nicht unnötig dem Auge des Be⸗ schauerg ausdrängt, befindet sich der geeignetste Platz für den Komposthaufes. Alle Pflanzenabfälle, die doch im Garten im aufe des Jahres so veichllich vorhanden sind, finden hier ihren Platz, um im Laufe der Zeit durch geeigmete Bearbeitung und Behandlung zu hochwertigem Dünger zu werden. Da diese Ab⸗ fälle. die sich im Laufe des Sommers aufsammeln, im mächsten Jahre noch nicht verwendbar sind, so ist es notwendig, immer zwei Haufen zu halten. der eine soll die Abfälle des laufenden Jahres aufnehmen, der andere durch geeignete Bearbeitung in Dünger verwandelt werden. um im nächsten Frithjahr verwendet zu werden, den Platz freimachend für die in Aussicht stehenden Abfälle des beginnenden Jahres. Was nicht auf den Kompost⸗ haufen gehört sei gleich anfangs erwähnt: Keine Abfälle, die irgendwelche Kranthesstserscheinmungen der Pflanzen zeigen und aus diesem Grunde entfernt werden, seien es Raupennester oder von Pilakrankheiton befallene Teile von Baum, Strauch oder Gemlisen, keime unverweslichen oder schwer verwesliche Abfälle, wie Zweig⸗ oder Aststücke usw. Diese werden wie alle holzigen Teile, falls dieselben keine andere Verwendung finden, verbrannt, desgleichen die mit Krankheiten oder Ungeziefer behafteten Teile. Die Asche bildet dann eine sehr wichtige und beserene wertvolle Bereiche⸗ rung des Komposthaufens, aber nur dfese Holz⸗ oder Pflanzen⸗ asche, Preßkohlenasche ist wertlos. Auch ist es zu vermeiden, samentragende Unkräuter auf den Komposthaufen zu wersen, auch nicht solche mit ausdauernden Wurzeln, bei diesen genügt es zu⸗ weist dieselben in der Sonn, vollständig austrocknen zu lassen, i Hre Lebenskraft ist damit vernichtet, sicherer ist es, dieselben achher noch zu verbrennen. Ein aufmerkfamer Gartenbesitzer wird auch die Unkräuter vor der Blüte entfernen, sonst bleiben die Samen der Unkräuter oft mehrere Jahre keimfähig und wir Waffen uns durch derartigen Kompost selbst eine Unkrautplage. Dasselbe ist von erkrankten Pflanzenteflen zu sagen, denn die Krankheitskefme bleiben auch lebensfähig, sie müssen unbedingt verbrannt werden. wenn wir uns vor Weiterverbreitung schützen wollen. Auf den Komposthaufen gehören vor allen Dingen altes Laub. alle sonstigen Pflanzenabfälle, auch solche tierischen Ur⸗ sprungs, Absallstoffe aus Kleintier⸗ und Geflügelstalluncen, Jauche ut. Der Komposthausen lit wenigstens alle 4 Wochen umzu⸗ setzen, besonders der vom vergangenen Jahre. Die äußeren Teile N 15 In einer 2. Tandwirischaffliches und Bartenbau 4 kommen damm nach innen wo sich dieselben besser zersetzen, Da⸗ zwischnstreuen von Gins Kalk Mergel, Lehm usw. tragen viel zur schnelleren Zersetzung und Verbesserung bei. Eine gründliche Zer⸗ letzung findet aber nur statt. wenn der Komposthaufen ständig feuchtgehalten wird, derselbe darf niemals austrocknen. Regel⸗ mäßige Jauchegaben sind besonders wertvoll, wo dfese nicht gur Verfügung stehen, ist Wasser zu verwenden. So ein Jahr bang gewissenhaft behandelt. erhalten wir eine für alle Pflanzen sehr wertvolle Düngererde welche keine unzersetzten Teile mehr ent⸗ Fält. Für seinere Kulturen als Erde für Frühbeetkästen oder Topfflanzen klann man die Komposterde durch ein Sieb werfen, um doch noch feste Teile, wie Steine usw., davaus zu entfernen, A dfeselbe für diese Zwecke noch mit leichten Erdarten ver⸗ ischen. 5 Wird der Kartoffelertrag durch Teilung der Saat⸗ knollen beeinträchtigt? Diese Frage ist nicht nur für den allgemeinen feldwirtschaftlichen Kartoffelbau, sondern auch für alle Selbstversorger mit Kartoffeln, also insbesondere für alle Klein⸗ und Schrebergärtner von erheb⸗ lichem Interesse. Denn trotz alten und eingehenden Meinungsstreites ist es bisher noch nicht gelungen, völlige Klarheit in diese Angelegen⸗ heit zu bringen, obgleich namentlich in den Kriegsjahren Wissenschaft und Praxis durch gründliche und vielfache Versuche bemüht waren, eine solche herbeizuführen. Denn während einerseits die Ansicht ver⸗ treten wird, daß wie bei allen anderen Samenpflanzen die größeren und bestausgebildeten Samen die kräftigsten Pflanzen geben, weil sie die meisten Reservestoffe für die Ernährung der Jungpflanze be⸗ sitzen, auch nur ganze und mit Augen reich besetzte Kartoffelknollen normaler Größe kräftige Pflanzen bilden und eine reiche Ernte geben können, geht die Behauptung anderer dahin, daß mit geteilten und kleineren Knollen und selbst mit kleineren Trennstücken(Kar⸗ toffelschale) gleich gute Erträge erzielt werden können. Und außer⸗ dem wurde in der Kriegszeit auch noch der Anzucht aus Stecklings⸗ pflanzen das Wort geredet, was aber naturgemäß viel zu umständ⸗ lich ist, als daß es jemals eine andere Bedeutung als für Liebhaber⸗ zwecke gewinnen könnte.— Nach den bisherigen Versuchsergebnissen kann aber wohl als feststehend betrachtet werden, daß Kartoffelhöchst⸗ erträge nur vom ganzknolligen und durchaus gesunden Pflanzkartoffeln von normaler Durchschnittsgröße zu erwarten sind und daß eine Teilung der Saatknollen in Längs⸗ oder Querhälften oder Abtrennen der Kopfstücke erst dann in Frage kommen sollte, wenn Kartoffel⸗ knappheit und Saatgutmangel zu diesem Notbehelfe zwingen. Die Vermehrung durch Schalenteile, Nabelenden und Stecklingspflanzen ist dagegen für die Praxis von so geringer Bedeutung, daß sie über den Rahmen der persönlichen Liebhaberei hinaus nicht bewertet werden kann. Und von diesen Gesichtspunkten aus muß auch die Praxis diese Frage beurteilen und lösen.— Wo also genügend Kartoffelpflanzgut zur Verfügung steht, sollten nur ganze Knollen in solcher Größe gepflanzt werden, daß sie der normalen Durch⸗ schmittsgröße der betreffenden Sorte entsprechen. Ausschließlich die größten Knollen auszuwählen, ist nicht ratsam, da die Praxis gelehrt hat, daß sich mit der Größe der Saatknollen die Zahl der kranken Kartoffeln bei der Ernte vermehrt. Unter günstigen Anbau⸗ und Bodenverhältnissen kann es außerdem auch vorkommen, daß groß⸗ stlickige Pflanzkartoffeln für den Aufbau der jungen Kartoffelpflanze möcht voll ausgenutzt werden, ihre Verwendung also eine wirtschaft⸗ liche Vergeudung bedeuten würde, Grundsätzlich soll aber jede Saat⸗ kartoffel so viel Nährstoffe enthalten, daß sie nicht nur nicht die junge Pflanze bilden, sondern dieser auch solange als Nähr⸗ und Wasser⸗ quelle dienen kann, bis die jungen Wurzeln kräftig genug sind, ander⸗ weitige Nahrungsstoffe aus dem Boden aufzunehmen. Diese eigene Nährstoffsuche wird natürlich auf lockerem und humusreichem Boden leichter als auf magerem und schwerem Boden möglich sein. Insbe⸗ sondere gilt diese Voraussetzung bei Frühkartoffeln, die rascher wachsen und kräftiger ernährt werden milssen. Kleine Pflanzkartoffeln werden deshalb im allgemeinen auf schweren und nahrungsarmen Böden völlig versagen, ganz abgesehen davon, daß kleine Knollen viel leichter ausarten und dadurch die guten züchterischen Eigen⸗ schaften zum größten Teil verloren gehen. Muß man aber aus wirt⸗ schaftlichen Ersparungsgründen zur Knollenteilung schreiten, so nehme man als Pflanzstück nach Möglichkeit nur den Kopfteil der Knolle, weil sich hieran die meisten Augen befinden und diese am schnellsten und kräftigsten durchtreiben. Die abfallende untere oder sogenannte Nabelhälfte ist im allgemeinen und namentlich bei allen nieren⸗ und keulenförmigen Sorten, nur mit wenigen Augen besetzt und kann nur wenige Triebe entwickeln. Sie werden deshalb besser wirtschaftlich verwertet. Will und muß man aber unbedingt zwei Pflanzhälften ans einer Knolle schneiden, so wird die Knolle der Länge nach so durchgeschnitten, daß jedes Teilstück einen Kopf⸗ und Nabelteil be⸗ hält, damit beide Pflanzstlicke möglichst gleichmäßig mit Augen besetzt sind.— In allen Fällen ist es erforderlich, die Teilung so früh vor⸗ zunehmen, daß die Schnittflächen vor dem Pflanzen noch gut ab⸗ trocknen können, weil sonst die Gefahr besteht, daß namentlich in nassem und schwerem Boden die frischen Schnittflächen in der Erde faulen. Das Auftrocknen geschieht entweder an der Luft oder durch Einlegen in trockene Asche. Selbstverständlich ist, daß alle Pflanzstücke mit der Schnittfläche nach unten ausgelegt werden müssen, um das Austreiben der Augen zu erleichtern.— Lediglich der Vollständigkeit halber soll auch die Vermehrungsmöglickkeit aus Schalenabfall, aus Augen und Stecklingen hier genannt werden. Es sind dies an sich uralte Verfahren, die aber für den feldmäßigen Kartoffelanbau keinerlei Bedeutung erlangen konnten, sondern nur als Notbehelf im Klein⸗ und Schrebergarten in Frage kommen können. Das Ver⸗ mehrugsverfahren aus Schalen besteht darin, daß man die Knollen etwas dicker als sonst abschält und diese Schalenstücke zu mehreren in das Pflanzloch legt.— Beim Stecklingsverfahren werden die aus der Knolle austreibenden Jungtriebe abgeschnitten und im Vermeh⸗ rungsbeet zur Bewurzelung gebracht, um dann in kleine Töpfe gesetzt und zur gegebenen Zeit mit festen Wurzelballen an Ort und Stelle verpflanzt zu werden. Und so ähnlich ist das Verfahren der Augen⸗ vermehrung. Die einzelnen Augentrennstücke werden ebenfalls in kleinen Töpfen zur Bewurzelung gebracht und weiterhin wie Steck⸗ lingspflanzen behandelt.— Obgleich aber allen diesen Vermehrungs⸗ möglichkeiten besonders während der Kriegsnot ganz überschwenglich das Wort geredet wurde, nennenswerte Erfolge sind mit keinem von ihnen erzielt worden, weil eben die umständliche Anzucht der Jung⸗ pflanzen und ihre Wachstumpflege an Voraussetzungen gebunden sind, die allenfalls unter Aufwendung von viel Arbeit, Zeit und Mlihen in Kleinbetrieben und aus sportlichem Liebhaßerinteresse er⸗ fsillt werden können, im feldwirtschaftlichen Großanbau wegen Mangels an geschulten Kräften zur fachmäßigen pfleglichen Behand⸗ lung der Kulturen aber einfach ausgeschlossen sind.— Wo immer es deshalb möglich ist, sollte man als Pflanzgut nur ganze und gesunde Knollen verwenden, da nur diese alle Eigenschaften besitzen, die für ein vollwertiges Pflanzgut erforderlich sind. Haus und Garten. Schutz der Erbsen gegen Vogelfraß. Jeder Kleingärtner hat schon die übelsten Erfahrungen mit den Spatzen gemacht. Immer wieder mußte er Saatgut nachlegen, trotzdem er schon alles mögliche getan, um diese frechen Räuber zu verscheuchen. Wehende Papierstreifen, Klappern, sich drehende Spiegelschelben, Zweigbedeckung, Zwirns⸗ fäden⸗Ueberspannung; alles half nur in der ersten Zeit. Wenn die „Vogel sich gest an die Schveckmittel gewöhnt haben, setzen sie sich der N N 40 9 1 den Kopf und hüpfen höchstens mur ein e, der Wind diese bewegt. Um sich wirkliß a helfen, werden die Reihen, in welche die Erben aus 11 sollen, in 2—3 Zentimeter tiefen Rillen ausgezogel In 1 Furchen legt mam num die Erbsen in üblicher Weise dri 6 in den Boden. Darauf werden die Rillen mit Zeitungs 25 mit Heinen Hölzchen festgesteckt wird, überdeckt. Unter 0 decke vollführen min die Erbsen ungestört ihr erst 7 Stoßen die Pflanzen an das Papier, so wird dieses cn 10 es nicht inzwischen durch Wind und Wetter von selbst gischeh 1 In diesem e Entwicklungsstadium sind% Pflange 10 dann nicht mehr 5 5 0 0 Nordsüd⸗ und Hacker gen 25 he ven e 1 r 1 0 anzungen ist die Richtung der Reihen, beachtt hat, 5 Eimfluß auf die Ertragsfähigkeit der Pflanzen. de Ri uin von Nord und Süd ist dabei der von Ost nach rz Ja Bei einem Versuche mit Kartoffeln lieferten 35 Pfl 2 lt Nordsüdreihen standen, 393 Knollen im Gesautgewicht g 5 Kilogramm. Die gleiche Anzahl der Pflanzen in Ostwestreshe men dagegen nur 347 Knollen mit 12,85 Kilogramm Gesamtgen ch, 1 auffälliger war der Unterschied bei Erbsen. Die Ursache if die enn Sonnenbestrahlung der Nordsüdreihen. N— Eine vorbildliche Kaninchen⸗Stallanlage.. 91 hat man auch im deutschen Reiche in den letzten 80 Kaninchen in weiteren Kreisen schätzen gelernt. In 80 Belgien ist die Kaninchenzucht seit vielen Jahren heim D 125 Zucht bringt den Ländern einen großen a le 1. uns in nell * ben. hat sch 1. eschasfen. J en mm. ie! 0 unen 7 1 d von den Züchtern selbstgefertigten Käst 10 zusammengestellt, jeder Kasten trägt eine der betre— a den Inhaber. Zum Schutz gegen die Nässe von unten suhh bie g 2 mit Füßen versehen, von oben sind sie überdacht und egen! ug sorgen für Ablauf des Wassers. 5 5 151 Bei jungen Kaninchen tritt infol un rationeller Füttern ü leicht Mundssäule oder Speichelfluß auf. Unsaubere, fichte un schlecht gelüftete Stallungen sind eine weitere Ursache dzeser sber, tragbaren Krankheit, nicht minder zu viel nasses ditter ung feuchtes Grünzeug. Zu erkennen ist die Krankheit an der ver, mehrten Speichelabsonderung. Aus den Mundwinkeln Mießt sort, während Speichel aus, wodurch sich die Haare des Mules ver, kleben. Bei längerer Dauer wird die Haut wund, und e en kahle Stellen. Bemerkt man unter den Jungkaninchen golche feuchtem Maule, so müssen sie gleich von den anderen get znnt n den, um einer weiteren Ansteckung vorzubeugen. Die gifige die Futternäpfe und Raufen sind gründlich zu desinfiste en; Spreu ist zu verbrennen. Bei den erkrankten Tierg ist trockenes Lager zu achten, sowie auf östere Erneuerung desselben Schnauze unnd Nase sind mit einem warmen Kamiflenteeaufguß, dem man auf 50 Gramm 2 Gramm Kaliumchlorat Zusagzt, mehr⸗ mals des Tages zu waschen. Nasses Futter, wie Kleie unit Kur toffelschalen und Grünfutter, darf nicht oder nur im kleinen Gaben gereicht werden; am besten ist Trockenfütte rung und Warn halten. Wird die Krankheit im Anfangsstadium gleich humerkt behandelt, so ist Heilung zu erwarten. Als Mastfutter für Kaninchen gibt man Körner ud geh Runkelrüben. Als Weichfutter reicht man, wenn möglichmit Milt angerührte Kartoffeln und Kleie oder Gerstenschrot Um den Fleisch einen bestimmten Wohlgeschmack zu geben, mischt man do Futter mit Petersilie, Wachholderbeeren, Sellerieblättersusw. Grünfutter in der Hühnerzucht. Wer mit Erfolg Phnerzuch 50 betreiben will, wird den Tieren entweder freie Weide eten obe g täglich Grünfutter vorwerfen. Grünfutter fördert die uli, ez wirkt blutbildend und erhält das Huhn gesund und fei ungsffhig, Fehlt den Hühnern das Grünfutter, dann werden die 10 Körner. und Fleischfutter enthaltenen Nährstoffe nicht vollstäschn aufgelhl 0 und unausgenützt wieder ausgeschieden. Der Mangel an Hrünfuler dla bedeutet also Verschwendung an dem übrigen Futter uud zugleih et Verkümmerung der Tiere. Daß der Nährwert des Grilnigtters— 1 bedeutend ist, sagt noch nicht, daß es überflüssig sei. 7 Wintet braucht der Körper des Huhnes die anregenden Stoff des Gr 0 fütters und daher gibt man als Ersatz in solcher Zeit Ftterrühen, J gl Weiß⸗ und Grünkohl, gedörrte Blätter von Gemiisen, Unkräuter, l g Klee, Luzerne und Seradella. 5 a Zur Hühnerfütterung. Die Bedeutung der tierischen Mahrungz⸗ mittel bei der Hühnerfütterung findet einen treffenden Beleg 1 einem Versuchsergebnis auf der Insel New Jersey. Der Ve etwa die Hälfte der Eier erzielt als mit Tiernahrung, waren weiße Italiener(Leghorns), alle derfelben Abstamnamg dee 4 Gruppe umfaßte Hühner. Die Stallungen waren glellz Die Gl 0 weißstoffe waren in den fünf Futtergemischen verscsthenen Ur⸗ 5 sprungs, nämlich Fleischmehl, Sojabohnenmehl, Weizenngeie, Le, ie; saatmehi und Baumwollsaatmehl. Die Fleischmehlgrunz legte 7 fn zwei Jahren 8580 Eier, die Sojabohnenmehlgruppe wor welle nit ob! 4786 Eiern. Die Gruppe, die die Eiweißstoffe gröftanteils 3 Ur e entnehmen mußte, kam als letzte un auf 20 0 ier. b 1.5 en Tauben füttert man vorteilhaft zwekmal täglich und gibt b in dabei so viel, daß alle gut gesättigt sind, aber kein Fler en lassen. Die Ausbeute in Hof und Feld ist natfirlich be sichtigen. Ueberfütterte, fette Tauben legen vielfach ulbefruchen 5 eth Efer und sind in der Aufzucht der Jungen mehr oder welliger 1 0 ö lässig, während Tiere, die ihr Futter stets gierig aussi n n fleißig Bewegung machen, auch in der Regel fruchtbar und 1 Eltern sind. 10 Beim Schlachten der Gänse lasse man es nicht zu a eee 10 kommen, wie es nicht selten der Fall ist, da man mit dat f e und starken Tieren nicht recht umzugehen versteht. a Nadel. A süch nicht voche schor est und die Tiere deg im Habe deen will, tut am besten, wenn er ihnen einfach den Kopf asschaut. Ge. 0 Tier leidet dann so gut wie gar nicht. Um ein Beschunt des fieders mit Blut zu verhindern, bindet man die Fliige durch en 0 altes Handtuch oder dergleichen fest an den Körper, oder Man 90 die Gans unter den rechten Arm, mit der Hand die dine a. und hält mit der linken Hand den Hals fest, während Kine e Person den Scharfrichter spielt. Zum Verkauf eignen sich f 0 e natürlich nicht. Dann ist der Nackenstich nicht zu uch schwer ist diese Art des Tötens aber auch nicht. Am Hor N wo der Hals beginnt fühlt man eine kleine Grube. Das l 5 de wo die Spitze des Messers einzusenken ist. Hier rupft t 0 Federn fort und sticht dann, während man mit der Schnabel hält, mit einem spitzen, scharfen Messer kräftih das kleine Gehirn und das Rickenmark getrennt werde! blickliche Bewußtlosigkeit eintritt. Nach dem reinen 2 marbt man die Wunde durch Aufdrücken eines glülf, so jedes weitere Bluten und Beschmutzen der Federn N ider 1 adde b bäder en oeuiser weg man Me n. der Mittäter sei 8 N Deile Berliner politische Polizei hat alle die Jahre beine Schuld leon den Herren Hauenstein und Konsorten finden können. Viel⸗ 0 ist die Elberfelder Behörde glücklicher. Uns scheint, als a es hier, ein Natternnest zu vernichten.. N 0 Die Bürgerwehr. Die Arbeiter⸗Samariterkolonne Mülheim a. d. Ruhr über⸗ mittelt uns einen Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft, in dem es i def lh u. 4. heißt: i i 0 J 15 den letzten Unruhen in Mülheim a. d. Ruhr am 18. und 2 10 10. April 1923, bei welcher unsere Kolonne zum ersten Male im 1 1 Ernstfalle auf den Plan trat und in aufopferungswürdiger Weise deset Je ihrer Menschenpflicht in jeder Beziehung genügte, wagt es die bürgerliche Presse, die Mitglieder der Kolonne und nicht allein um se i sdtese, sondern den ganzen Arbeiter⸗Samariter⸗Bund und somit 10 e der gesamten Arbeiterschaft Deutschlands zu b̃eschimmtzen und durch den Kot zu ziehen. Die Kolonne Mülheim d. d. Rühr, welche erst ein Jahr besteht, steht rein da und weist bie gemeinen Anwürfe mit Abschen zurück. Gewissenlose Ele⸗ mente der Bürgerwehr haben es gewagt, bei den letzten Unruhen innen wurden wie Di 10 Wir als Kolonne Samariter⸗Bund fordern Genugtuung und haben deshalb einen Prozeß gegen die Stadtverwaltung und die bürgerliche Presse⸗ meute angestrebt. Deshalb Genossen und Kollegen„Helft uns!“ Wir appellieren an Cure Solidarität!— 50 Sieg ist auch Euer 0 eg! Wir haben einige Hundert Sammellisten in allen Orten 0 1 n ui icke rie 5 i Eile tut dringend not. die aden ne, Der Kappist Oberst Bauer hält sich schon sett längerer geit in iener Morgenzeitung:. „Das Zusammensptel der völkischen Kriegshetzer in Deutsch⸗ mmer für ku e 1 und in Oesterreich dauert trotz aller Vertuschungen und Ab⸗ en men th n leugnungen ungeschwächt fort. Es scheint, daß die Völkischen mit erdacht und i ihrem durch die Ruhrkrise bereits erreichtenErfolg im Auftrage des bee Imperialismus noch nicht zufrieden sind, vielmehr sutalonele durch immer neue Reizungen die Konsoltdierung der inneren Ver⸗ hältnisse in Deutschland und die Sanierung in Oesterreich unbe⸗ gt verhindern wollen. In Wien entfaltet der steckbrieflich ver⸗ olgte Oberst Bauer, der, wie schon berichtet, bei dem Professor tte in der Sieveringer Hauptstraße wohnt, ganz öffentlich seine tigkeit zur Organisierung des Bürgerkrieges. Er hat am ver⸗ gangenen Montag abend eine Besprechung des Freikorps Oberland t wund, unsche geleitet. In dieser Versamlung wurde beschlossen, Hitler als Ober⸗ miglaninte 10 t aller Terrorverbände Oesterreichs anzuerkennen. Hitler will 5 art kn. r nächsten Zeit nach Oesterreich kommen und öffentliche Ver⸗ 50 i lungen in Wien und den Hauptstädten der Bundesländer gen. Dee abhalten. Zu Pfingsten soll eine große Kundgebung des deusch⸗ rontkämpfer 9 zu desinfsitt, 0 n 3 anten ien arischen Wien bei Gelegenheit der Fahnenweihe der Erneuern 1 en f Saar⸗Sklavenstaat. er, wie Kles z Im Saar⸗Landesrat gaben sämtliche Parteien eine oder un geen Erklärung ab, in der gegen die sogenannte tenfütterunem Rotverordnung der Regierungskommission und gegen die abium gleicher 2. Mai erlassene Einschränkung des Streikpostenstehens in der entschiedensten Weise protestiert wird. In der Erklärung görer uh rd die Regierungskommisston vor der Welt angeklagt, daß sie 1(ll hre vornehmste, durch den Versailler Vertrag gestellte Aufgabe, wenn eat ür die Wohlfahrt der Saarbevölkerung du sorgen, wiederum in derten einer unerhörten Weise verletzt habe. Sie mache die Bevölkerung babe u Gegenstand ihrer einseitigen politischen Bestrebungen und das Eelerielil e das einzige der Obhut des Völkerbundes anvertraute mit Cralg e Land, zu einem Sklavenstaat. freie Weid* eien a Sämtliche Delegierten des polnischen Kommu⸗ fed nistenkongresses verhaftet. 105 wolttug! In der Nacht zum Dienstag umzingelte die Warschauer i polttische Polizei das Haus, in dem der aus allen Teilen Polens 0 1 ae schickte kommunistische Kongveß zusammengetreten war, und ver⸗ 4 Gif haftete die sämtlichen dort befindlichen Delegierten. Gleichzeitig it bes en wurde in Warschau und Umgebung eine Reihe von Haussuchungen lüssi 1 vorgenommen, bei denen sehr wichtige Schriftstücke, formulierte Be⸗ genden e 15 schlüsse und Namens verzeichnisse in die Hände der politischen Poli⸗ 8 e gelangt sein sollen. 5 Hessischer Landtag. a 8 Darmstadt, 17. Mai. n eee, Die heutige Vormittagssitzung des Hessischen Landtages war it e een den der Schuldebatte gewidmet Die Sitzung wurde Lerchen, 9.15 Uhr vom Präsidenten Adelung eröffnet und brachte zus eben a h nächst eine kleine Anfrage des Abgeordneten Lücke l(Soz.) zen waren! über die Teuerungszuschläge für die Beamten im besetzten Gebiet, ichen ger, die von einem Regierungsvertreter beantwortet wurde. Er mehl, zählte die verschiedenen Sonderzuschläge auf, betonte aber auch, eiche daß die Hessische Regierung auf dem Standpunkt stehe, daß die schlan Ortsklasseneinteilung sich in der jetzigen Form nicht aufrecht⸗ gruppe bg, ihsosse gc erhalten lasse. Die Teuerungsunterschiede in den einzelnen Orten be le 1, seien nicht so groß, als man nach der Ortsklasseneinteilung an nehmen könnte. Die Beratung des Voranschlages wurde dann na en di Schultapiteln fein, v abe J sportgasetzt. 1 5 5 i pielfah l Abg. Diehl ⸗Hochwefsel(Bbd.) focht nochmals gegen den ehen ce Sortbildungsschulunterricht im Sommer auf dem Lande. 5 neee, Abg. Birnbaum(D. Bp) prach eingeßend zur Frage dez 5 re 0 Mädchenschulen und forderte ein Seminar für gewerbliche und Kegel Tur 1 verheiratenden Lehrerinnen müsse eine l 1% e t Pander und die Mädchenschulen es nch 1 mülßten unter weibliche Leitung kommen. Rednerin sprach 1195 10 ben 4 geen den Abbau der Hoberen Hürgerschulen. Jun Soluß wanne e cle gegen die 1 als ob die Volksschule zur Armen⸗ im Ha, schule herabgesunken sei. 0 15 2 S0 14(Soz.) trat für Förderung der 1 %% geg der schularztlichen Tätgkeit. ein. Den jugendlichen landwirt⸗ 9 die 1 1 ben chen Arbeitern müsse Zeit zum Besuch des Unterrichts ge⸗ n er o en werden. 5 90 e, Abg. ane 1 unterstützte die Aus führung der er pe ehen 9. Birnbaum und Kaul. sesl, a Abg. Werner(D. Nat.) befaßte sich mit den Vorwürfen, in uf 77 8 10 hessischen Schulen werde nationalistische Propaganda getrieben. t Die Arbei tralstelle für Volksbildung sei anzuerkennen. 4„% Das e dürfe nicht heruntergedrückt werden. 1 Nach der Pause spricht zunächst Mlinisterialdleektor Urstadt bier über die verschiodenen vorliegenden Anträge. Der Antrag des e ae Bauernbundes, Ausletuma der Sommer- Fortbildungs schule auf Tod gesunden Theater, Stilwillen, Jugend. Es ist hier die Rede von der Revolution des Geistes, die im Flusse ist, stärker im Flusse ist als Revolution des poli⸗ tischen Organismus. Denn der November 1918 hat in Deutsch⸗ land eine wollende Masse, aber kaum Führer vorgefunden. Die politische Revolufton ist daher über die Höhe der Massenlohn⸗ bewegung nicht hinausgekommen; denn ihre logtischen Voraus⸗ setzungen sind eben nicht bloß der revolutsonäre Wille ber Massen der Volksgemeinschaft, sondern die Entfaltung der für das echte Werden der Republik notwendigen Gesinnung, die Fähigkeit, Republik innerlich wahr zu gestalten, damit die Führer. Auch das Theater arbeitet an dieser Erziehung. Den Republilgegnern, die das nicht wünschen, scheint es bewußter zu sein als den Anhängern. Daher ihre Forderung, das Theater misse jedem etwas bringen. Man kann aber nicht zweien Herren dienen. Das Theater von heute soll dem Arbeitsmenschen eine Stätte sein, wo er eine Steigerung seiner selbst, eine Erweiterung seiner Gefühlswelt, eine Erleuchtung seines Glaubens findet. Durch Hineinfühlung in die großen und kleinen Schicksale und Problemstellungen wird dem Sucher von heute— weit über den augenblicklichen Genuß hinaus— der Sinn gelenkt auf das große und kleine Hin und Her des Menschlichen. Der revolutionäre Geist ist Bewegung, das Theater einer Republik muß bewegen, den trägen Körper zu Entscheidungen bringen. Für oder gegen! Nur Fluß, Strom! 8 Ruhe, Stillstand ist Feind alles Werdens, ist Strebens. Das Theater einer Republik darf kein Warenhaus sein, in dem jeder sich aussuchen kann, was ihm paßt. Seine Aufgaben der geistigen Kultivierung sind zu ernst, um mißbraucht zu werden. Das komplizierte Leben, das Rationelle des modernen Staates, der modernen Wirtschaft, das gigantische Getriebe der materiellen Kultur braucht Menschen mit Eisendrahtnerven. Heute ist kein Platz mehr für oberflächlichen Flitter, den man früher im Theater fand, wenn man nach des Tages Last und Mühen hinging und die Unrast des Tages, die Erregung der Nerven durch leichtes oder leichtgefaßtes Spiel, durch Genuß allein abklingen ließ. Damals war der Luxus erlaubt; die Geschicke wurden ja von einem Kaiser geführt. Man brauchte sich kaum darum zu bekümmern, durfte es übrigens kaum. Heute ist jeder Bürger und jede Bürgerin in Deutschland Regierer und Regierter zugleich. Darum muß all ihr Tun eingestellt sein auf die Tiefe des Lebens, auf Verantwortung. Das Theater führe uns zu den Erlebnissen dramattscher Kunst. Das Plätschern an der Oberfläche, das Gaukelspiel leichter Seifen⸗ blafen sind heute fehl am Platze. Die ganze Einstellung des Zu⸗ hörers, der Gestaltungswillen des Bühnenbildners sind anders. Kindlich ist der Einwurf, jetzigen Theaterregisseure und Bühnengestalter könnten das nicht mehr, was man vor dem Krieg dargestellt hat. Sie wollen es nicht mehr, so ist's doch. Ueberall sehen wir Entwicklung, Veränderung Werden und Vece Auch im Stilwillen, in der Erfassung und Auffassung eines Dramas. Ueberall in unserer und fremder Kunstgeschichte. Nehmen wir pielleicht die gotische Plastik: ihre theokratisch⸗feierliche Gestaltung in frontal gegebenen Formen wird im 13. Jahrhundert von anderswollenden Künstlerpersönlichkeiten verlassen. Diese empfin⸗ den artstokratisch⸗zlerlich, formen so, bilden dramatischen Gehalt, der die starre Form des in zeitloser Dauer Beharrenden sprengen muß.(Kein Wunder, daß dabei die Werke vom monumentalen Architekturwerk freier wurden, Eigenrecht gewannen.) Ende des 14., besonders aber im 15. Jahrhundert regen sich dann immer kraftvoller die bürgerlichen Gotiker, die ihre Gestalten nicht mehr hochedel, sondern gemiltvoll, hausbacken auffassen. nach der geistigen Konstituion einer Zeit wirkt der Stilwillen in bestimmter Weise nach der Seite des Formalen oder des Inhaltlichen. Auch unsere Zeit ringt nach einem ihr eigenen künstlerischen Ausdruck. Gott sei Dank, daß wir endlich die taube Blüte des matertaltstüschen Prinzips, den toten Punkt der Maschinenzeit end⸗ lich einmal ilberwinden, aus dieser drückenden Last von Natur⸗ photographie, Naturabklatsch, Manirismus in der darstellenden Kunst herauskommen. Das russische Proletariat hat nach seiner Befreiung— man kann fast sagen— sich hingeflüchtet zu einem archalschen Willen, der an die Grundelemente der Gestaltungs⸗ möglichketten 5 3155 Diese schweren kantischen Klötzer, 11 von Linien fordern den Geist auf den Plan, daß e ringe. Wo sollte num aber dar Drang nach einer stilistischen Fassung der Grundlagen unseres Seins stärker auftreten in heutiger Zeit als im modernen Theater, das unserem rasch lebenden Geschlecht ein Memento setzt. Halt ein und sinne, du Hastender! Der Geist eines Gestalters, eines ernsten Menschenwerkes wird vor dir aus⸗ gebreitet. Es sind ewige Probleme der Menschheit. So hat sie r Dichter gelöst! Wie stellst du dich dazu, Mensch? Nehmt als Beispiel den„Fiesko“, den das Darmstäbdter Landestheater am 5. Mai herausgebracht hat. Eine Verschwörung aus den Tiefen des Drucks drängt in die Höhe, aus dem Dunkel einer vielmaschischen Gefühlswelt, aus Wallungen und Strebungen edler oder unedler Seelen. Aus dem Dunkeln reden die Menschen, die Männer und ringen um Macht oder Geist. Zwischen diesen Steinen werden Frauenschicksale zermahlen. Für die eine ist das aufveizende Rot geradezu Leitmotiv, während sich das Geschick der anderen in milderen Farben malt. Wie packen einem die Worte von der Bühne an! Man erlebt ihren Sinn, sie plätschern nicht am Gehör vorbei. Die Tiefe der menschlichen Seele, die ungeheuere Spannung vom Edlen zum Gemeinen erlebt man. Da wird Schiller, an dem uns die Schule seinerzeit schier den Geschmack verdorben hat, wach— der Heißkopf, der Mensch, der mit Seele und Wort dies alles erleben und gestalten konnte. Vorm Krieg „Fiesko“! Ach Gott, es gab mehr zu sehen, vielleicht war auch der 5 schwärzer, man unterhielt sich und ging unbeschwert nach ause. Die Theater der deutschen Republik brauchen vor allem Potenzen, die einen klaren künstlerischen Willen haben. Seien wir froh daß wir in Darmstadt einen Theaterleiter haben, der er um diese mit suchender Seele rinat. der Lösungen bringt und ständig aus⸗ baut. Er, der die Menschen in innere Bewegung bringen soll, weiß, daß seine Arbelt ein ständiges Ringen um Gestaltung ist, daß er dos Recht hat. Neues. Großes zu ersinnen weil er andeverseits die große Ehrfurcht vor der Tradition alles Wollens der Dichter besitzt. Trivial betrachtet sind Autor und Regisseur weder sich gegenseitsa Handlanger, noch Rohstoff- und Ver⸗ edlungsindustrielle, sondern Gestalter an einem Werk, an dem— vorausgesetzt, daß es über der Zeit sbeht— immer wieder entwickelt und neu geformt werden muß. Vielleicht keiner unserer heutigen deutschen Theaterleiter ist sich so sehr bewußt, daß das Theater nicht im Leben eine umfrfedete Enklave ist. in die irgendwelche Bevorrechtete Eintritt haben, sondern daß es geistiger Brennpunkt dses bewußt lebend an Volkes sein muß. Die Grundlegung der Arbeit Hartungs spricht sich aus in dem Willen nach dem Theater der Lebenden mit unserer ganzen Seele soll es uns iin unsere Zeit stellen. Ihre Probleme und Nöte wollen wir durchfühlen, durchdenken, in ihr Klärung sinden, unseren Willen zur möglichen Löfung zum Aus⸗ druck bringen. Dichter und Bühnenbildner müssen unserem Sehnen Ausdruck und Form geben, nur so werden ste Repräsen⸗ tanten der e een Verkörperung des Spielwillens, dessen Aeußerungen nie peksönliche Erfindungen sein können, sondern Sichtbarmachung der tiefen großen Seele des Volkes sind. So gesaßtz verstehen wir die allen Revolutionsbej ö offenbare Tendenz der Gemeinschaftsbildung urch das Theater denn unsece Sehnsucht nach Gemeinschaft, flammt in dem fortschreitenden geistigen Revolutionsprozeß immer leidenschaftlicher auf nach der ichglültigbeit, die aus einem vathonalistisch bis auf die äußerste Spi Individualismus entsprungen ist. Mehr und„ daß die Politik abhängig ist 8 der Kulturent⸗ wicklung, denn, die se bildet erst die Einheit, die G das Niveau politischer Aeußerungen. Vielleicht unbewußt ist dieser Gedanke rege bet dem Plan, die Belange des Landes⸗ theaters aus dem Bereich des Finanzministeriume hinaus und n das Bildungsamt hineinzunehmen lobgleich die Verwirklichung dieses Planes pit Rücksicht auf die wirtschastliche Jundzerung voreest bedenklich erscheint). 5 5 i Vielleicht noch nie war die Idee des Theaters so weit vom Untergang entsernt wie heute: denn seit der Reformation hat die deutsche Volksseele nicht mehr ein so starkes Drängen zur Verinnerlichung empfunden, wie in der heutigen Wucherzeit. Der Aufschrei nach dem fernen Klang bindet Darsteller und Zu⸗ schawer, besser Zuhörer noch besser Gemeinsam⸗Erleben, zusam⸗ men. So ist die ernsthafte Bühne von heute nicht Prostitution von Menschenleibern an ein genißenwollendes, zeltvertreib⸗ und unterhaltungsuchendas Publikum, sondern Mittlerin der ewigen Menschheitskräfte Entrückung und gleichzettin Versenkung. 1 inneren Ziel müssen alle Kompromisse, Schlacken des kapitalisti⸗ schen Geschäftstheaters mit seinen Wirren, innerlichen Intrigen, Unterhaltungsrepertolrs immer mehr zum Opfer fallen. f Schritt damit wird unser Theater die Gemeinschaftsstätte des ganzen Volkes, das Lösung aus der geistigen Not will. Ich kann mir zum Schluß nicht versagen, in diesem Zu⸗ sammenhaug von der Jugend zu sprechen, die heute vor allem eine in tiesem Sinne politische Aufgabe hat und erkennt: Den unerträglichen Zustand daß der Welt von gestern mur eine neue Fassade vorgesetzt ist daß am die alte Spitze nur neue Leute gesetzt find, aufzuheben. Gerade so wichtig sind weiter ihre kulturellen Aufgaben, bie in der Befreiung von den die ganze Welt tyranni⸗ sterendem Lebensformen eimer greisenhaften Zeit bestehen. Vo 1914—18 haben wir darum gekämpft und geblutet, daß die Welt besser werde. Aus heiligster Ueberzeugung hatten wir Jungen den Krieg für ein Stahlbad für die ganze Welt gehalten. Wir kämpften, um aus dem dumpfen Druck, aus dem Bangen heraus⸗ zukommen, dem wir vor dem Krieg uns durch unsere der⸗ vogelfahrten, durch Freinächte auf alten Ruinen wenigstens zeit⸗ weife entzogen. Freudlos trugen wir an dem zweifelhaften Eche der Väter. Unsere Seele bungerte in dem Gecriebe von Mützlich⸗ keit, Zweckmäßigkeit. Eigennutz, von materiellem und geistigem Materfaltsmus. Gerade in der bewußten Jugend der Vorkriegs⸗ und Kriegszeit war der revolutionäre Gedanke immer wirksam, der scharfe Wille, alte Formen zu sprengen, in die die Väter Denken und Leben eingespannt hatten. Der„Bürger“ schimpft über diese„Jugenddummheiten“, und will sie auch einmal erlebt 55 5 Und begreift gar nicht, daß dies„Los vom bürgerlichen Phillistertun“ Sehnsucht nach einer Neuerung der gesamten Lebensauffassung, der politischen, wiwtschaftlichen und ethischen Anschauungen ist en Ruf nach der Gemeinschaft, ein Suchen nach besseren Formen der Arbeit, der Wirtschast, der Unterhaltung, der Bildung, der Kunst. ein Drängen nach Verantwortung, Hin⸗ gebung, Opferung ist, Wir wissen, daß die letzten Jahre des Weltgoschehens eine Wegänderung eingeleitet haben— wir wissen, daß wir noch nicht völlsa in der neuen Richtung sind, wir wissen, daß wir wieder bei den Uranfängen der Gestaltung anknüpfen müssen(darum ist der Exppessionismus die Kunst der Jugend). Wir wissen aber auch, daß außer der Notwendigkeit schöpfer ischer Potenzen für die Erneuerung des, Menschentums die Gemeinschaft gebaut werden muß. Und diese baut sich echt und wahr nur auf das Innerliche auf. Durch die Lage der politischen Vechältnisse ist heute unsere deute sche Jugend vorzüglich in den Stand gesetzt, ihre Energie auf das Innere zu lenken. Wir begrüßen in unserem Theater verwandten Geist, gleichläufige Bewegung die von oberflächlicher sinnlicher Zerstreuung hinwegstrebt. von imerlich gleichgsiltigen Problemen sich abwendet. Dort wie hier die Zusammenziehung auf stronge Form, auf Einfachheit und Wucht, auf Schöpferischkeit und geistige Aktivität. Wir wissen daß wir durchdringen— denn der Sieg ist immer auf Seiten der Bewegung. 5 E dem Lande, bedeute eime Gesetzesänderung. Desgleichen eine eventuelle Verkürzung der Grundschulzeit. Beides müsse er darum ablehnen. Redner gebt im einzelnen auf die gesetzliche Entwick⸗ lung und bisherige Bewährung der einzelnen Schularten ein, von den„Klassen mit erweiterten Lehrzielen“ und der Einführung eines 10. Schuljahres erhoffe er gute e Denn eine mit ähnlichem Ziel in Darmstadt bereits früher eingerichtete„Ver⸗ suchsklasse“ habe außerordentlich erfreulsche Erfolge gezeitigt. Die höheren Vürgerschulen sesen eine Notwendigkeit, denn ein voll⸗ wertiger Ersatz ist noch nicht vorhanden. Die Einführung der sogen.„mittleren Reife“ halte das Ministerium für wünschens⸗ wert. Verschiedenen Wünschen schultechnischer Art stellt Redner Erledigung in Aussicht und verlangt der staatsblürgerliche Unter⸗ richt müsse mit„innerer Wärme“ gegeben werden. Ahg. Lehnhardt(3tr.) lehnte es ab, mit jenen zusammen⸗ zuarbeiten, denen die 20 Millionen deutscher Katholiken ein Dorn im Auge sei, und das seien die Leute des Herrn Werner. Redner be⸗ gründete dann einen Antrag auf Unterstützungen von drei Kon⸗ fessionsschulen. Er erkenne an, daß die Zentralstelle für Volks⸗ bildung mit Eifer und Geschick arbeite. In der Nachmittagssitzung teilt Präsident Adelung zur all⸗ gemeinen Ueberraschung mit, daß keine Wortmeldungen mehr vor⸗ liegen. Die Debatte ist geschlossen. Die Kapitel 53, 54, 56, 57, 58, 61, 62 und 65 werden nach den Ausschußanträgen ingenommen. Der Antrag des Bauernbundes, die ländliche Jortbildungsschule auf die Wintermonate zu verlegen, wird mit dem Zusatzantrag Abg. Dingel⸗ dey solange die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Lande anhalten, angenommen. Ein Antrag Abg. Kaul, der Arbeiterakademie Frankfurt eine Million Mark zu überweisen, wird abgelehnt. Ohne Debatte werden angenommen die Kapitel 54, 55, 59, 60, 63, 64. Zu Kapitel 67 Landesuniversität liegt ein Antrag des Abg. D. Schian vor, die Professur für Körperkultur wieder einau⸗ führen; Abg. Brauer als Berichterstatter, bringt einige Aen⸗ derungswünsche. Es sprechen zu dem Kapitel die Abg. Schian(D. Vpt.), Dr. Werner(Dutl.), Hoffmann⸗Alzey(Ztr.).. Nach einer Geschäftsordnungsdebatte ergibt sich gegen 6 Uhr Beschlußunfähigkeit. Das Haus wird auf Montag, den 28. Mai, nachmittags 2 Uhr vertogt. Lokale Parteinachrichten. 5. Agitationsbezirk Friedberg⸗Büdingen⸗Schotten. Sonntag, den 10. Juni, vormittags 10 Uhr findet in Stockheim im Saal von Gastwirt Weitzel unsere diesjährige Bezirkskonferenz statt mit folgender vorläufiger Tagesordnung:. Geschäftsbericht 1921—22. Referent: Genosse Wittig⸗Butzbach. Allgemeine politische Lage. Referent: Gen. Schaub⸗Bildesheim. Landesparteitag, Referent: Genosse Kroner-Vilbel. Allgemeine Anträge. Wahl des Agitationsbezirksvorstandes. Wir ersuchen die Mitgliedschaften zu dieser Tagesordnung Stel⸗ lung zu nehmen und Anträge bis zum 1. Juni an das Sekretariat einzusenden. Mitgliedschaften bis 50 Mitglieder wählen zwei, auf je weitere 50 Mitglieder ein weiterer Delegierter. Pflicht aller Ortsvereine ist es, zu dieser wichtigen Konferenz Vertreter zu entsenden. Mit Parteigruß! Josef Rößler. Heinrich Schaub. J. A.: Bruno Wittig, Sekretär. 2 eee eee 0 5 0 1875 . Arbeiter-Gesangverein Eintracht, Giessen, gegr. 1873 . 2 2 Sonntag, den 3.. nachmittags 4 Uhr im Philosophen wald 10 . 4 8 ährigen Stiftungsfes es Feier des 2 a 4 Bestehend in Festrede, Ueberreichung der von den Frauen und Jungfrauen 0 g . gestifteten Fahnenschleife, Gesangs vorträgen und Tanz 8 13 2 Alle Freunde und Gönner des Vereins sind hierdurch freundlichst eingeladen.. 312 Der Vor stand. ö— 2 nee e 12 5 0 0 1 f A eee. W*. s N 3 Nane* Wee. 5 N 12225 E 56 0 5 8 0 J alas-bichtsp ele 9 ee Lichts Tefal f Strassburgers U. Vornehmstes und grösstes Theater 0 Platze 1 0 Bahnhofstrasse 34. 2 5 15 Samstag bis einschliesslich Sonntag, den 20. Mai: 5 0 Aaslon-Iirkus Heute und morgen 1. Feiertag: 4 1 0 8 D 1 Das Geheimnis 1 ams 9 1 d enn 5 ila mit 2 Manegen. der Santa Margherita 1 , Ein dramaßsches Spie i 6 Alm von ine Canick 50 Samsdag Das Schicksal des Erzherzogs Salvator Hir ee eee e e ge leute- Erollnung Coban rd 90 bel e e as bergen Probe- Feiertagen bee eee, 9 als Samson an ihrer Seite.— Ferner: Die Fortsetung von 185 je 2* 205 2 Dazu das glänzende Lustspiel in 3 Akten in Almo der Furchtsose IIl. Teil(3. Episode) 2 I. f 5 Die Berliner Range 1 8 D 48 Haus des Grau Elis 55 Aus, 0 U doll 30 9 Ab 2. Feiertag bis einschliesslich Mittwodh: 4 2 Hecht amerikanisches Sensationsdrama in 86 Akten. 5 PN Fe e St erb en u 2e U ölk er fe e Hontas, nen. Nun gets berzeitrielengt bre ensehl. 9 e 2 Ein gewaltiges Filmwerk 50 0 23. Mai zur Vorführung en beiden Feiertagen 14 der mit Paul Wegener, Otto Gebühr, Egede Niseen, fal Die Schneiderkomtess D ehen dne len. i n . Ist Arbeit Schande? ZBilletts ue 101 din IMiss Arizona N Erstklassiger. e von Walter Schmidthässler and 1 Stunde vor Beginn. elf Mus t behhane i 1 en 5 Naturalien währung! 15 9 e Grosses herühmtes Orchesten fab 1 11 bn denn ene Wen e lang 1, 2. Uu. 3. Feiertag 3 dür.: Lela n 55 mittags zte Vora ung 25 1 7 N 3 Mässige Preise Gutes Orchester! 8 1 5 Erol Bentspiele“.— 28 f f 5 unn A nean Aufs ne Nack 8 beschllts rülnung M. Mildner Niederlage del Offenbacher Lederwarenfabtik n glos Chr. Mildner& Co., G. m. b. H. en tal Meu eröffnet: Giessen, Hamms tri ss Reichhaltiges Lager in Damen-Handtaschen, Besuchstaschen, Brieftaschen, Aktenmapphn, Geldscheintaschen, Schmuckkasten, Schllelb- Nur noch Samstag und 1. Feiertag: Herzog Ferrantes Ende Nogb-, 2E RAL- UND SUD. Ein Kulturbild aus dem Trecento. Sieben Kapitel 5 5 zeugkasten, Reise- und Handkoffern us. von Paul Wegener. 0 AN 12 l NA 5 Sämtliche Waren werden in eigenen Werkstätten Gestalten:. 20 fabriziert und aus erstklassigem Material hergestellt. *. 5 8 Pan AFRIKA, OS TASIEN USW. Dadurch schalte ich jeden Zwischenhandel aus ud Trivulzia 5 0 2 5205 Hugo Döblin sungeeférderungüber deutsche und bin iu 1 15 1 7 1 1 e ban, ae 1 Guido Colonna 2 Ferdinand Gregori ausländische Hafen.— Hervorragende ge WG hnlic 1111 ge nge bote. machen. Beatrice 1055 Lydia Salmonova ul Klasse mit Speise- und Rauchsaal. N Orlando) seine kinder. Ernst Deutsch erstklassige Sason- u. Kaidtendampfer Besichtigung meines Fensters und meiner Ausstellug 505 Dienerin. 5 1 1 e Etwa wöchentliche Abfahrten von 8 ohne jeden Kaufzwang gern gestattet. tonio„ alter Jansse 1 0 1 Der Rüstmeisterr Wilhelm Niesen— mamnsUR A Nen NEN] VeRR NB. Interessenten mache ich auf meine Der Hauptmann der Leibwache: Werner Krauskopf 5 Ausf nste und Druestsachen dureh 8 Hngros-Abteilung aufmerksam. Ein Page Alice Petzina NAHHBURG- AMERIKA TIN IE 5 Ber Palsemierer ustar Roos e dund und deren Vertreter in: 8 1 W. Mildner ö f alte. lee. Wal auer geen 8. Posh 5 in junger elmann 8. ellmut Bergmann 17 en ee e Esser eien; Ofllenbacher Ferner: e 4 1 l e e 5 Eddie Polo: Ein Ritt zum Rancho. N Lederwaren O ullseveibe— isee r Partei- Literatur ibt allei FElugel empfiehlt e Tuono% Buchhandlg. Oberhess. Tolk kauft zu höchsten Preisen G. Müller N fe. 8 Frankfurt a. M. Sest darzehnten de dev oreοονe rung eee 1 werden Ichneekönig 3. Nur 10901% 7 Akte von Wilhelm U Pon ein erstklassiges Beiprogramm. 5 1 bertrott Vendadstpe then 0 1353 bestes Seifenpulver.. e e 2 N n bun